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Full text of "Geschichte der grossen National-mutterloge in den preussischen Staaten genannt zu den drei ..."

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Geschichte 

der 

Grossen National-Mutterloge 

In den Preassiscben Staaten 

genannt 

ZU den drei Weltkugeln. 




Sechste Ausgabe. 



BERLIN 1903. 

n BtT, Dealer & Nicolu. Nnc FritdrichMr, 4 




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Aus dem l/orwort zur ersten Ausgabe. 



Uie nachstehend abgedruckten Blätter sind für 
einen bei der Säknlarfeier der Loge zu den drei 
Weltkugeln zu haltenden historischen Vortrag 
bearbeitet worden. Das Archiv der Grossen 
National-Mutterloge lieferte dazu die reichlichen 
und authentischen Quellen, vorzüglich in den 
Protokollen über die Versammlungen dieser Loge 
von der ersten am 13. September 1740 gehaltenen 
an bis zur neuesten. Nur eine Lücke findet sich 
in der übrigens vollständigen Sammlung dieser 
Protokolle und zwar aus dem Jahre 1765. 

Aber auch für diesen Zeitraum fehlt e.s nicht 
an hinreichendem Qeschichtsmaterial, denn es sind 
die Korrespondenzen zwischen den teils zum 
Wohle, teils zum Nachteile der Loge damals 
thätig gewesenen Personen vorhanden, welche ein 
vollständiges, wenn auch leider nicht erfreuliches 
Licht über die damals und noch einige Zeit 
nachher in der hiesigen Maurerwelt bestandenen 
Zustände geben. 

Um bei Erzählung der Thatsachen eine bessere 
Uebersicht und gewisse Ruhepunkte zu gewinnen. 



— IV — 

wurde es nötig, den reichen StoflF in Unter- 
abteilungen zu ordnen, deren Grenzen durch die 
Ereignisse selbst bestimmt sind, und so entstand die 
Abteilung in sieben Perioden. 

Die erste derselben beginnt mit einem Rück- 
blick auf die Einführung der Freimaurerei in die 
Preussischen Staaten, enthält die Entstehung der 
St. Johannisloge „aux trois Globes" und reicht bis 
zum Jahre 1744. 

Die zweite Periode umfasst einen Zeitraum von 
drei Jahren, in welchem diese Loge schon als Gross- 
loge auftrat und unter dem Namen „Grosse 
Königliche Mutterloge zu den drei Welt- 
kugeln" noch unmittelbar unter ihrem erhabenen 
Grossmeister, dem Könige, dastand. 

In der dritten Periode, von 1747 bis 1761, 
hatte die grosse Königliche Mutterloge auch noch 
einen Vice- Grossmeister in der Person des Herzogs 
von Holstein-Beck. 

Während der vierten kurzen Periode von nur 
zwei Jahren leitete das nach dem Tode des Vice- 
Grossmeisters errichtete „maurerische Tribunal" 
die Angelegenheiten der Mutterloge und ihrer 
Tochterlogen. 

Die fünfte Periode von 1760 bis 1773 zeigt 
die nunmehrige „Grosse National-Mutterloge" 
in ihrer Verbindung mit dem Ordens-Direktorium 
der „strikten Observanz". 

In der sechsten Periode erblicken wir die 
wieder selbständig gewordene Grosse National- 



— V — 

Mutterloge in stetem Fortschreiten und in ruhiger 
stiller Vorbereitung zu dem grossen Schritte, den sie 
im Jahre 1797 that, in welchem Jahre die 

siebente Periode begann, mit welchem die 
noch bestehende Grundverfassung ins Leben trat. 

Berlin, im September 1840. 

OTtzel, 

National - Qrossmeister. 



l/orWort zur zweiten Ausgabe. 



JJie gründlichen Forschungen des verewigten 
National -Grossmeisters, Bruders v. Etzel, welche in 
dieser Geschichte unseres Bundes niedergelegt sind, 
wurden bei Veranlassung der Säkularfeier in einer 
nur geringen Anzahl von Exemplaren den Brüdern 
mitgeteilt. 

Das Bundes -Direktorium erkennt es für seine 
Pflicht, der jüngeren Generation der Brüder, welche 
von dem Dasein jenes Werkes kaum Kunde hat, 
diesen Schatz von historischen Kenntnissen durch 
eine neue Ausgabe zugänglich zu machen. 

Zur vollständigen Erfüllung der Aufgabe: 

den Brüdern eine möglichst richtige, zujifleich 

erschöpfende Darstellung der Geschichte 

unseres Bundes vorzulegen, 

bedurfte es jedoch nicht allein der Fortsetzung der 

Geschichte von 1840 bis 1866, sondern einer noch- 



— VI — 

maligen PrKfung des reichen Schatzes von Urkunden 
im Ordens -Arohiv. Dabei stellte sich indess heraus, 
dass Urkunden dem Blicke des Bruders v. Etzel 
sich entzogen hatten, welche über die Gründung des 
Bundes im Jahre 1740 und über die Reorganisation 
desselben im Jahre 1797 einen näheren Aufschluss 
geben. Einige der wichtigsten Urkunden sind 
wörtlich mitgeteilt worden, um den Leser in die Lage 
zu versetzen, ein selbständiges Urteil sich zu bilden. 

Nach diesen neuesten Forschungen wird man 
nicht umhin können, den hervorragenden Verdiensten 
des Altschottischen Obermeisters, Bruder Boumann, 
um unseren Bimd, insbesondere bei der Verleihimg 
des Königlichen Protektoriums und bei der Errichtung 
der Grund Verfassung von 1797 die volle Anerkennung 
zu zollen. 

An Beschlüssen der Mutterloge zum Ausbaue 
dieser Grundverfassung sind die letzten 20 Jahre 
besonders reich gewesen. Bei der Darstellung der 
Geschichte dieser Zeit war es die Aufgabe, die 
Entwickelung der einzelnen Rechtsinstitutionen bei 
den verschiedenen Revisionen der Grundverfassung 
nachzuweisen. 

In diesen letzten zwanzig Jahren tritt femer 
eine bisher kaum beachtete Erscheinung in den 
Vordergrund, welche von den meisten Tochterlogen 
ebenso wie von der Mutterloge Licht und Wärme 
auf weite Kreise verbreitet. Es sind dies die 
Wohl thätigkeits- Anstalten, eiTichtet von Einzelnen 
oder von Brüderschaften, die sämmtlich ihre Ent- 



— VII — 

stehong dem durch die Ordenslehren geweckten 
und genährten Wohlthätigkeitssinne verdanken. 

In voller Würdigung dieser Erscheinung ist hier 
ein ausführlicher Bericht über die Gründung und 
Wirksamkeit der einzelnen Stiftungen unseres Bundes 
als Anhang beigefügt: 

zum ehrenden Andenken an die Stifter, 
zur Aufmunterung an die Säumenden, 
zu Warnung für die Irrenden! 
In letzterer Beziehung lehrt die Geschichte, 
dass Stiftungen, die aus älterer Zeit stammen, wegen 
unrichtiger Grundsätze nicht als lebensfähig sich 
erwiesen haben. Eine andere Wahrnehmung ist die, 
dass man bei Stiftungen, welche mehr das Wesen 
von Versicherungs- wie Wohlthätigkeits-Anstalten 
an sich tragen, den Fehler der ursprünglichen 
Absicht dadurch zu beseitigen suchte, dass man von 
den in die Loge neu aufzunehmenden Brüdern den 
Beitritt zu der Anstalt als eine unabweisliche Pflicht 
forderte. Das Bundes- Direktorium hat seit dem 
Jahre 1844, wo die Frage zuerst zur Entscheidung 
kam, den Zwang zum Beitritt zu einer Wohlthätig- 
keits-Stiftung der Tochterlogen gemissbilligt, und 
gingen die Väter des Bundes dabei von der Ansicht 
aus, dass es gegen die innere Verfassung und den 
Zweck des Ordens streite, die Aufnahme in den 
Bund der Freimaurer von dem Beitritte zu einem 
besonderen Verein der aufnehmenden Loge abhängig 
zu machen. Nur in wenigen Fällen — anscheinend 
in Folge eines Versehens — sind die Statuten ohne 



- vm — 

Berücksichtigung dieses Grundsatzes genehmigt 
worden. In den übrigen Fällen, in denen ältere 
Statuten zu einer Zeit, wo sie bereits längst in 
Wirksamkeit getreten, nachträglich zur Kenntniss 
des Direktoriums kamen, hat dasselbe in Erwartung 
einer haldigen Revision den Status quo vorläufig 
bestehen lassen. 

Es bleibt uns die HoflFnung, dass nach ferneren 
25 Jahren, bei einer abermaligen Revision der 
Geschichte des Bundes, die sogen. Versicherungs- 
Anstalten aus demselben ganz verschwunden, die 
Zahl der wirklichen Wohlthätigkeits-Anstalten sich 
verdoppelt haben möchte. 

Berlin, 23. Februar 1867. 

Das Bandes- Direktorium. 



l/orWort zur dritten Ausgabe. 



JMach dem Vorgange der im hiesigen Oriente 
vereinigten Johannislogen unseres Bundes hat eine 
Anzahl von auswärtigen Tochterlogen den Beschluss 
gefasst, jedem Lehrling bei der Aufnahme ein 
Exemplar dieser Geschichte unserer Grossloge nebst 
den Bundesstatuten zu behändigen, um demselben 
die Gelegenheit zu geben, zu einer Zeit, wo das 
Interesse für den Bund zuerst angeregt wird, die 
Wissbegierde befriedigen zu können. 



— IX — 

Zur Förderung dieses Zweckes haben wir, nach- 
dem die 1200 Exemplare der zweiten Ausgabe 
versendet, die v. EtzeFsche Schrift in einer grösseren 
Anzahl von Exemplaren drucken lassen, vorher aber 
einer Durchsicht unterworfen und die Fortsetzung 
der Geschichte unseres Bundes bis zum Ende des 
Jahres 1869 beigefügt. 

Es muss dem Griffel eines Geschichtsschreibers 
von Beruf vorbehalten bleiben, 

die Entwickelung der deutschen Freimaurerei, 
insbesondere der Freimaurerei in unserer Gross- 
loge, nach den Anforderungen der Wissenschaft 
darzustellen und den Einfluss derselben auf die 
Entwickelung des Kulturzustandes der deutschen 
Nation nachzuweisen. 

Wir haben die von dem National-Grossmeister 
V. Etzel gewählte Darstellungs weise nach der Zeit- 
folge in Form von Annalen beibehalten. 

Als einen Mangel der zweiten Ausgabe mussten 
wir anerkennen, dass nur die Namen der von unserer 
Mutterloge gestifteten Bauhütten genannt wurden, 
ohne auch nur in kurzen Zügen die Entwickelung 
derselben anzudeuten. Diesen Mangel haben wir in 
der vorliegenden Ausgabe, soweit unsere Akten 
darüber Auskunft geben, zu beseitigen uns bemüht, 
und namentlich auch eine Nachweisung der vom 
Jahre 1788 bis 1868 unter Konstitution unserer 
Mutterloge bestandenen Tochterlogen unter Angabe 
der Mitgliedcrzahl in zehnjährigen Perioden beigefügt. 



— X — 

Ein in engen Rahmen gefasstes Lebensbild von 
44 verstorbenen Mitgliedern unseres Bundes, welche 
eine hervorragende Stelle in den Annalen einnehmen, 
wurde in alphabetischer Ordnung dieser neuen Aus- 
gabe ferner beigefligt. 

Wenn es jetzt schon mit grosser Mtlhe verbunden 
war, diese statistischen und biographischen Notizen 
zu ermitteln, so würde die Arbeit einer späteren 
Generation fast unausführbar geworden sein, wenn- 
gleich solche Nachrichten aus sämmtlichen deutschen 
Logen für eine Darstellung der Entwickelung der 
Maurerei in Deutschland als ein unentbehrliches 
Material erachtet werden müssen. 

Die Zahl der Wohlthätigkeits-Anstalten, welchen 
wir unsere besondere Aufmerksamkeit stets zuwenden, 
hat sich während der letzten zwei Jahre um zwanzig 
vermehrt, wenngleich 30 Tochterlogen auch jetzt 
noch solcher Anstalten sich nicht erfreuen. 

Berlin, 12. Juni 1869. 

Das Bandes -Direktorium. 



l/orWort zur Vierten Auflage. 



Jjassen Sie uns nach Einheit streben, in 
welcher die verschiedenen Grosslogen, eingedenk 
des gleichen Ursprungs und der grossen Aufgabe, 
sich als Glieder eines grossen Ganzen wissen. 



— XI — 

Diese Worte des stellvertretenden Protektors 
bei Veranlassung der Säkularfeier der Grossen 
Landesloge am 24. Juni 1870 fanden Anklang in 
dem Herzen jedes deutschen Freimaurers. 

Bereits am 19. Mai 1872 wurden die Statuten 
des deutschen Grosslogen -Bundes vollzogen, und 
dadurch die 8 deutschen Grosslogen als eine einige 
Körperschaft dem Auslande gegenüber eingesetzt, 
zugleich auch ein Schiedsgericht eingesetzt zur 
Entscheidung bei Irrungen, welche unter den 
deutschen Grosslogen vorkommen könnten. 

Auch im Schoosse unserer Grossloge wurde in 
der Maikonferenz des Jahres 1873 eine neue Bahn 
betreten und die repräsentative Verfassung in einer 
Weise, wie sie keine andere Grossloge kennt, flir 
die Gesetzgebungs- Konferenz eingeführt. 

Der Verfasser der Fortsetzung der Annalen 
unseres Bundes von 1869 bis 1874 musste sich hier- 
nach die Aufgabe stellen, den deutschen Grosslogen- 
Bund in seiner Entwickelung darzustellen, auch die 
Motive für die Reorganisation unserer Grosslogen- 
Verfassung eingehend mitzuteilen. 

Es bietet sich hierdurch die Gelegenheit, den 
Brüdern gleich nach ihrem Eintritte das Verständniss 
für diese wichtigen Institutionen zu erschliessen, da 
nach § 196a. der Bundesstatuten von 1873 diese 
Grosslogen -Geschichte nebst der Grundverfassung 
und den Bundesstatuten jedem Freimaurer gleich 
bei seiner Aufnahme eingehändigt werden. 



— XII — 

Die Angaben der älteren Ausgabe in BetreflF 
der Errichtung unserer Tochterlogen und deren 
Thätigkeit waren einer Revision zu unterziehen 
unter Benutzung der Annalen der Tochterlogen, 
deren Abfassung und Einsendung denselben seit 
6 Jahren obliegt. 

Die Mitteilungen über die Wohlthätigkeits- 
Anstalten unseres Bundes, deren Anzahl in den 
letzten sechs Jahren um 48 sich vermehrt hat, 
können einen Anspruch auf Vollständigkeit deshalb 
nicht machen, weil mehrere Logen die Frist zur Ein- 
sendung der erforderten Berichte versäumt haben. 

Dagegen ist die Bundes-Matrikel, welche der 
früheren Ausgabe nur in Betreff der deutschen 
Johannistochterlogen beigefligt war, zur Begegnung 
mehrseitig ausgesprochenen Wunsches vollständig 
hier mitgeteilt. Auch die statistische Tabelle ist 
vervollständigt durch die Angabe der Mitgliederzahl 
der einzelnen Tochterlogen zu Johannis 1874. 

Die Zahl der in der älteren Ausgabe bereits 
mitgeteilten biographischen Skizzen ist vermehrt 
durch die Lebensbilder der beiden Stifter unserer 
Loge, Präsident Jordan und Regiments -Quartier- 
meister Simon. Ein lebhaftes Interesse werden 
die ebenfalls hier beigefügten biographischen Skizzen 
der jüngst verstorbenen Brüder v. Olfers, v. Hörn 
und Heydemann gewähren, weil dieselben auch 
in den weitesten Kreisen imter den Männern der 
Wissenschaft eine hervorragende Stelle einnahmen. 
Sie können den Freimaurern, auch denen, welche 



— XIII — 

die Aufgabe sich gestellt haben, auf dem Gebiete 
der Wissenschaften gemeinnützig zu wirken, als 
Vorbilder dienen. 

Berlin, den 1. April 1875. 

Das Bandes- Direktorium. 

I. V. 

Graf Wartensleben. 



l/orWort zur fünften Auflage. 



U nser Ehrwürdigster Grossmeister Br. Frederichs 
hat sich der Aufgabe unterzogen, die Geschichte 
unserer Grossen National-Mutterloge vom Jahre 1875 
ab bis auf die Gegenwart fortzuführen. In Folge 
seiner schweren Erkrankung war es ihm bisher 
nicht vergönnt, seine Arbeit einer nochmaligen 
Prüfung zu unterziehen und in einem Vorwort die 
Gesichtspunkte darzulegen, nach welchen er die 
weitere Entwickelung unseres Bundes dargestellt hat. 
Bei dem dringenden Bedürfnisse, insbesondere den 
jüngeren Brüdern unseres Bundes die Möglichkeit 
zu geben, sich mit der Geschichte der Grossen 
National-Mutterloge vertraut zu machen, haben wir 
geglaubt, die Herstellung der neuen Auflage nicht 
länger hinausschieben zu dürfen. 

Berlin, den 19. November 1890. 

Das Bandes- Direktoriam. 



— XIV 



l/orbemerkung zur sechsten Ausgabe. 



JL/ie im Jahr 1890 erschienene Geschichte der 
Grossen National-Mutterloge war vergriffen, ehe die 
Vorarbeiten begonnen hatten zu einer vollständigen 
Neugestaltung, in der nicht nur die in ausgedehnten 
Anmerkungen enthaltenen wertvollen Nachrichten 
an geeigneter Stelle in den Text eingefügt, sondern 
auch die seit 1889 erheblich angewachsenen geschicht- 
lichen Schriften über Freimaurerei benutzt werden 
sollten. Die vorliegende Ausgabe ist daher bis zum 
Jahr 1889 im wesentlichen eine Wiederholung der 
vorigen, und die Fortsetzung bis 1900 musste der 
alten Form angepasst werden. Einige Lebensläufe 
verdienter Brüder sind hinzugekommen. Die Mit- 
teilungen über die Wohlthätigkeits-Stiftungen, deren 
Zahl sich erheblich vermehrt hat, sind in möglichster 
Vollständigkeit bis zum Jahr 1901, bezw. 1902 
geführt. Das am Schluss gegebene Verzeichniss von 
Schriften zur Geschichte der Tochterlogen gewährt 
eine nützliche Uebersicht. 

Berlin, den 14. Januar 1903. 

Das Bandes -Direktorium» 



Inhalt 



Erster Zeitraum. Yoo 1740 — 1744. 8«it«: 

EinfQhmiig der Freimaurerei in die Preustischen 

Staaten 1—17 

Zweiter Zeitraum. Von 1744 — 1747. 

IHe Grosse Königliche Mutterloge zu den drei 

Weltkugeln 18 — 25 

Dritter Zeitraum. Von 1747 — 1761. 

Der Vice- Qrossmeister Herzog von Holstein -Beck 26—38 
Vierter Zeitraum. Von 1761 - 1764. 

Das maurerische Tribunal 40—48 

Fünfter Zeitraum. Von 1765—1783. 

Die strikte Obsenranz 49—76 

Sechster Zeitraum. Von 1783 — 1796. 

Trennung der Mutterloge von der strikten Obserranz 77 — 109 
Siebenter Zeitraum. Von 1796 — 1874. 

Die Qrund?erfas8ung und das Direktorium . . . 110 — 281 
Achter Zeitraum. Von 1875 — 1889. 

Die Weiterentwickelung der Qrundverfassung und 

der SUtuten bis 1889 283-375 

Neunter Zeitraum. Von 1890 — 1900 376 — 450 



Anlagen. 

L Stiftnngs- Urkunde der Mutterloge ^zu den drei Welt- 
kugeln«, vom 9. November 1740 453 — 458 

n. Die Vereinigungs- Urkunde der drei Qrossen Logen 

Preussens vom 2a Mftrz 1860 459 — 461 

m. Lebensliufe 462 — 510 

IV. Bundes -Matrikel nebst tabellarischer Nachweisung der 
von 1788 — 1901 unter der Verfassung der Grossen 
National -Mutterloge in den Preussischen Staaten 
genannt i^zu den drei Weltkugeln** errichteten Jobannis- 

logen und altschottischen Delegationen 511 — 531 

V. Zusammenstellung der Stiftungen für Wohlthfttigkeits- 

Uebung 532-704 

VL Verzeichniss von Schriften zur Geschichte der Tochter- 
logen 705 — 712 

VIL Namen -Verzeichniss 713-724 

VIIL Sachverzeichniss 725-732 

OC. Nachträge und Berichtigungen 733 — 735 

►^ 



Geschichte 



der Grossen National -Mutter -Loge 



in den Preussischen Staaten 



genannt 



ZU den drei Weltkugeln 



von 1740 bis 1900. 



Wir leben in einer Zeit, wo alles Bestehende, wenn es nicht 
verkümmern und einem sicheren Unter^ng entgegen gehen will, 
sich darüber ausweisen muss, ob es Lebenskraft genug besitzt, 
auch veränderten Verhältnissen gegenüber sich zu bdiaupten und 
nutzbar zu machen. Dies legt uns ~ Ich habe das wiederholt 
ausgesprochen - die unabweisliche Pflicht auf, aus dem Schatz 
der Akten, der in unseren Archiven vorhandenen Dokumente und 
mit Benutzung aller uns sonst zu Gebote stehenden Kenntnisse 
dem Orden die historischen Fundamente zu sichern, ohne welche 
er in unserer Zeit nicht voll -wirksam bestehen kann. 

Ana d«r Anaprach* d«a Kroapriat^n «U« D«atacb«n IMcliM 
nnd ron PrcuMwn am (t. Novatnbtr üTt. 



Erster Zeitraum. 

Von 1740 bis 1744. 



Einffihran; der Freimaurerei in die Preussischen Staaten. 

Triedrich II., der grosse König von Preussen, hatte 
bald nach seiner Aufnahme zum Freimaurer*), die durch 
eine Abordnung der Hamburger Loge zu Braunschweig in 
der Nacht vom 14. zum 15. August 1738 vollzogen wurde, 
schon als Kronprinz in seinem Schlosse zu Rheinsberg unter 
dem Vorsitz des Br. v. Oberg, Meisters vom Stuhl der 
Loge zu Hamburg, eine Freimaurerloge errichtet. 

Als der Br. v. Oberg im November 1739 nach Hamburg 
zurückkehrte, fibemahm Kronprinz Friedrich selbst den 
ersten Hammer dieser Loge und hielt nach seiner Thron- 
besteigung in dem Schlosse zu Charlottenburg die erste 
feierliche Logenarbeit. Br. v. Bielfeld schreibt hierüber 
in einem Brief vom 20. Juni 1740 (Des Freiherrn v. Bielfeld 
freundschaftliche Briefe. Aus dem Französischen. Danzig 
und Leipzig 1770. Th. I S. 139): 

,Der König hat sich öffentlich für einen Freimaurer 
erklärt und vor einigen Tagen eine überaus herrliche Loge 
gehalten. Ich habe alle Veranstaltungen dazu gemacht und 
dabei das Amt des Oberaufsehers verwaltet. Se. Majestät 
aber haben den Meisterstuhl selbst eingenommen. Wir haben 
Se. Königl. Hoheit den Prinzen Wilhelm, den Herrn Mark- 
grafen Carl und den Herzog von Holstein aufgenommen." 

*) Vgl Keller, Qraf Albrecht Wolf gang von Schaomborg-Lippe 
(Vortr&ga und Aofs&tze der Comenius- Gesellschaft, Jahrg. IX, 1901, 
Stück 3) tind Bandesblatt 1908, Heft 9 n. 10 S. 221 ff. und 263 ff. 



— 4 — 

Ferner schreibt er am 30. November 1740 (S. 259): 
„Wir haben in den Zimmern des Königs Loge gehalten, 
und Se. Maj. haben die Aufnahme des Herrn Markgrafen 
von Bayreuth, seines Schwagers, selbst besorgt." 

Die Loge des jungen Königs, welche aus seinen ver- 
trautesten Freunden bestand, führte keinen besonderen 
Namen, wird aber in den Verhandlungen der später ent- 
standenen Loge aux trois Globes mehrmals „Loge premiere", 
auch „Loge du Roi notre Grand-Mattre" genannt. 

In Berlin befanden sich zu jener Zeit mehrere, meist 
in England, in Hamburg, auch an anderen Orten auf- 
genommene Maurer, deren Zahl sich jetzt bedeutend vermehrte. 
Um diesen Brm. Gelegenheit zu regelmässigen Logenarbeiten 
zu geben, ertheilte*) der König durch den Br. Jordan, Schrift- 
führer seiner Hof löge, die Genehmigung zur Errichtung**) 



*) Die Stiftungs-Urkunde vom 9. November 1740 beginnt mit dem 
Hinweis auf die Genehmigung des Königs, ohne jedoch der Yermittelung 
des Br. Jordan zu gedenken, mit den Worten: 

„Die sehr ehrwürdigen Brr. Philipp Simon, Meister vom Stuhl, 
Jean Serre, erster und Paul Benezet, zweiter Aufseher, nebst 
Christian Gregory, Schatzmeister, haben sich am 13. September 1740 
▼ersammelt und sind übereingekommen (commun accord), mit Ge- 
nehmigung des Königs (Consentement de la Cour) eine gerechte, 
vollkommene und gesetzliche Loge der freien Maurer (francs et libres 
magons) zu stiften. '^ 

„Zu diesem Zwecke haben sie diese gegründet und gestiftet in 
dem Hotel de Vincent in der Brüderstrasse im linken Flügel vom- 
heraus im dritten Stock.^ 

**) Die Mutterloge zu den drei Weltkugeln durfte deshalb in dem 
Immediat- Gesuch vom 15. Juli 1774 (A. II. N. 6) berichten: 

„Ew. KönigL Majestät geruhten Allergnädigst gleich bei dem 
Antritte Dero glorreichen Begierung öffentlich bekannt machen zu 
lassen, dass Sie den Orden der Freimaurer mit Dero Allerhöchstem 
Schutze begnadigten. Solche Bekanntmachung geschah durch die 
hiesigen öffentlichen Blätter, besonders die französische liofzeitung 
vom 2. Juli 1740, und in dem folgenden Stück vom 9. desselben Monats 
wurden die allhier aufgenommenen Mitglieder desselben angezeigt. 
Hierauf bat der Geheime Rath Jordan, als ein Mitglied, Namens 
einiger Personen, eine Loge in der Stadt anlegen zu dürfen. Derselbe 
erhielt dazu mündlich die allergnädigste Erlaubnisse u. s. w. 



— 5 — 

einer besonderen neuen Loge in Berlin.*) Zu diesem Zweck 
vereinten sich zunächst vier Brr., die Berliner Kaufleute 



Die in diesem Immediat-Qesuch erwähnte BekAnntmachung durch 
du Joonuü de Berlin aux Nonvelles Politiqoes et Litt^raires, Tome I. 
Part. I. No. 2 lautet also: 

Nons avons annonc^ la protection, que Sa Majest^ accorde 
aux Franc-ma^otts. La Liste sui?ante prouvera qu'ils ont ici des Con- 
fr^res d'un ordre sup^rieur. Franc -magons: Le Comte de Wartens- 
leben, le Comte de Truchses, Mr. de Queist, Mr. de Kayserling, 
Mr. de Knobeisdorf, Mr. Jordan, Mr. de Möllendorf, Mr. Fredersdorf. 

Et dant une Loge tenue il-y-a quelque temps ont ^t^ cr^^s Com- 
pagnons: Mr. le Prince Ouillaume (Prinz August Wilhelm, jüngerer 
Bruder des Königs, Vater König Friedrich Wilhelm IL), Mr. le Prince 
Charles, Mr. le Duc de Holstein (nachmaliger Yice-Qrossmeister der 
Grossen Loge), Mr. de Möllendorf, page de Sa M. et Capitaine, fr^re 
du pr^cedent. 

Wie nahe diese M&nner dem König standen, bezeugen dessen 
Worte in dem Schreiben an den Prinzen Wilhelm d. d. Pogarell, 
8. April 1741, zwei Tage vor der Schlacht bei Mollwitz: Yous 
^es mon unique h^ritier: je vous recommande en mourant ceux, 
que j*ai le plus aim^s pendant ma vie, Kayserling, Jordan, Wartens- 
leben, Hake, qui est un tr^s honnMe homme, Fredersdorf et Eichel, 
sur qui Tous pouvez mettre une enti^re confiance. (Oeuvres de Fr^^ric 
le Gr. de Pnisse, Vol. 26 pag. 85.) 

*) Diese Geneigtheit König Friedrich U. gegen die Freimaurer in 
Berlin wird man in ihrer vollen Bedeutung würdigen, wenn man erw&gt, 
dass gerade in jenen Tagen die Freimaurer in vielen Staaten verfolgt 
wurden. 

Papst Clemens XII. hatte durch die Bulle: In eminenti apostolatus 
spec. vom 28. April 1738 den weltlichen und geistlichen Behörden bei 
Strafe der Exkommunikation anbefohlen, „weder in die Gesellschaft 
der Freimaurer einzutreten, noch die Gesellschaft fortzupflanzen, noch 
sie zu schützen, noch sie in ihre Häuser oder Paläste aufzunehmen.*^ 
Diese Bulle, sowie die späteren Bannbullen Benedict XIV. und Pius VII., 
wurden in Frankreich nicht veröffentlicht, waren daher für die Freimaurer 
in Frankreich nicht verbindlich. Allein König Ludwig XV. von Frank- 
reich hatte durch einen Erlass vom Jahr 1838 „allen getreuen Unterthanen** 
den Umgang mit den Freimaurern verboten und den adligen Freimaurern 
den Hof untersagt Auch in Schweden waren durch Königlichen Erlass 
vom 21. Oktober 1738 die Versammlungen der Freimaurer bei Todes- 
strafe untersagt worden. 

Im Jahr 1739 hatte König August II. von Polen ähnliche Verbote 
gefen die Freimaurer erlassen, und in demselben Jahr waren zu Florenz 



— 6 — 

1740 Benezet, Gregory, Serre und Br. Simon. Sie ver- 
sammelten sich am Dienstag, den 13. September 1740, 
im Hotel Montgobert*) in der Brüderstrasse, unter Mit- 
wirkung des oben erwähnten Br. Jordan, und wählten den 
Br. Philipp Simon zum Meister vom Stuhl, den Br. Serre 
zum Isten, den Br. Benezet zum 2ten Vorsteher und den 
Br. Gregory zum Schriftführer und Schatzmeister der neuen 
Loge, welche sie unter dem Namen „aux trois Globes^ — 
unzweifelhaft nach den Formen der Englischen Grossloge, 
nach welcher damals in Hamburg gearbeitet wurde, jedoch 
in französischer Sprache — eröffneten. Den Katechismus, 
welchen Simon zu diesem Zweck von Hamburg zugesendet 
erhalten hatte, überreichte er nach Ausweis der Niederschrift 
der Meister -Berathungs- Loge vom 6. Mai 1767 zur Auf- 
bewahrung in dem Logen -Archiv, wo er sich jedoch nicht 
mehr vorfindet. 

Nach der Einsetzung wurden die beiden Suchenden: 

1) Dumontier de Montgobert, Kapitän und Wirth des 
Hauses, zum Lehrling und Gesellen, und 

2) Böhrborn, Kanonikus von Magdeburg, zum Lehrling 
aufgenommen. 

Während dieser Arbeit wurden noch zur Aufnahme vor- 
geschlagen und durch hellleuchtende Kugelung angenommen : 
der Kaiserliche Bittmeister, Baron v. Schmettau, 



mehrere Freimaurer durch die Inquisition verhaftet worden. Gleiches 
Schicksal hatten im Jahr 1740 die Freimaurer in Spanien unter König 
Philipp V. Ebenso waren in Portugal die Freimaurer zu Gefängniss, 
Galeeren und zum Feuertod yerurtheilt worden. Auch in der Schweiz 
wurden die Freimaurer verfolgt. Im Jahr 1741 waren selbst auf Malta 
6 Johanniter -Ritter als Freimaurer auf Veranlassung der Inquisition 
verbrannt worden. 

*) Das Haus liegt in der Brüderstrasse 39 und führte bisher den 
Namen „Stadt Paris**, unter welchem es schon 1739 bezeichnet war, als 
es der Gastwirth Dake kaufte. In früherer Zeit war es bereits ein 
berühmter Gasthof „Uötel Vincenf, welcher 1739 durch den Kapitän 
de Montgobert von den Yincent'schen Erben gekauft und bis 1761 
besessen wurde. — Es ist jetzt aufgetheilt, No. 39 ist ein Privathaus, und 
39a unter dem Namen: «König von Preussen**, ein Gasthof geblieben. 



der Königliche Erbkammerer, Graf v. Schwerin, 1740 

der Goldschmied Jean Roman und 
der Kammerdiener des Grafen Schwerin, JeremieHillenet, 
zum Pförtner (Tuileur) und dienenden Br. 

Am 21. September, also nach 8 Tagen, wurde die 
2te Loge gehalten und in ihr der Baron v. Seh mettau und 
der Goldschmied Roman zu Lehrlingen und Gesellen, der 
J. Millenet zum Lehrling als dienender Bruder, auch 
ausserdem noch ein an demselben Tage Vorgeschlagener, 
Louis Bastidon, zum dienenenden Br. aufgenommen. 

Gegen die Aufnahme des Grafen Schwerin war von 
Seiten der Loge premiöre Einwendung erhoben; er wurde 
aber nach deren Beseitigung am 5. Oktober aufgenommen. 

Die neue Loge versammelte sich wöchentlich ein Mal 
zu ihren Arbeiten, bei welchen man sich ausschliesslich der 
französischen Sprache bediente. 

Die Suchenden wurden in der Regel an einem und 
demselben Tag in den 1 sten und 2 ten Grad aufgenommen. 
Am 26. Oktober ward die erste Arbeit im Meistergrad zur 
Beförderung des Br. v. Schmettau gehalten. 

Am 9. November wurde eine Berathung über die in- 
zwischen entworfenen Statuten der Loge begonnen. Da aber 
dieser Tag auch zur Aufnahme des Präsidenten der Regierung 
zu Minden, (späteren Ministers) v. Dankelmann, in den 
1 sten und 2 ten Grad bestimmt war, so wurde zur Beendi- 
gung der Berathung über die Statuten eine ausserordentliche 
Arbeit f&r den folgenden Tag, den 10. November, festgesetzt. 

Diese Versammlung war die erste, in welcher keine 
Aufnahme vollzogen ward. Die Statuten wurden angenommen 
und von allen Anwesenden unterschrieben. 

Im Allgemeinen war das englische Constitutionsbuch 
auch hier das eigentliche Gesetzbuch geworden. Die 
maurerischen Lehren sowohl als auch die maurerischen Ge- 
bräuche pflanzten sich jedoch damals, wie in England bis 
auf die neueste Zeit geschieht, nur durch mündliche Ueber- 
Heferung fort. Die Brr., welche eine Loge stifteten, trugen 
Lehre und Ritus in ihrem Gedächtniss. Die Verfassung war 



— 8 — 

1740 keine andere, als diejenige, welche die Stifter in anderen 
Logen kennen gelernt hatten (dans les autres Loges.) — 
Die erwähnten Statuten enthielten mehr örtliche und besondere 
Yerwaltungsgesetze für die neue Loge. Bei allen Mängeln, 
die man an diesen Bestimmungen finden könnte, waren sie 
doch für ihre Zeit passend und zeigen überall das Bestreben, 
den geselligen Verkehr zu veredeln. 

In derselben Versammlung, in welcher die Statuten 
angenommen worden waren, wurde ferner beschlossen: dass 
alle bisher in dieser Loge aufgenommenen Brr. wirkliche 
(stimmfähige und Beitrag leistende) Mitglieder sein sollten. 

Es war nämlich damals Gebrauch, dass ein Maurer durch 
die Aufnahme*) oder Beförderung in einer Loge nicht zugleich 
deren Mitgliedschaft**) erhielt, sondern nur im Allgemeinen 



*) Die Qebühren der Aufnahmen beliefen sich anfangs auf 60 Thlr. 
für die 3 Grade, wurden aber durch Beschluss vom 1. September 1746 
auf 36 Thlr. herabgesetzt, demnächst laut Beschluss vom 5. Dezember 
1764 die Aufnahme-Gebühren für den ersten Grad auf 12 Dukaten, für 
den zweiten Grad auf 1 Friedrichsd^or und 12 Groschen für die dienenden 
Brr. bestimmt. Durch den Beschluss der Schatzkommission wurden die 
Aufnahme -Gebühren (Ister Grad) auf 12 Dukaten, die Beförderungs- 
Gebühren für den 2 ten Grad auf 2 Dukaten , für den 3 ten Grad auf 
8 Dukaten festgesetzt. Jeder soll 3 Jahre in jedem Grad bleiben. AVill 
er früher befördert werden, so zahlt er für jedes Jahr 6 Dukaten als Los- 
sprechungs-Gebühr. Im Jahre 1775 wurden die Aufnahme-Gebühren für I 
auf 15 Thlr., für II auf 5 Thlr. und für HI auf 10 Thlr. festgesetzt ausser 
den Nebenkosten für I mit 11 Thlr. 8 Groschen, für II mit 5 Thlr. 
12 Groschen, für III mit 6 Thlr. 20 Groschen. 

£r8t später wurden die Gebühren in Beziehung auf die auswärtigen 
Tochterlogen der Festsetzung der Meisterschaft der einzelnen Logen 
▼orbehalten, bei den hier vereinigten Tochterlogen aber für I auf 22 Thlr., 
für II auf 11 Thlr., für III auf 22 Thlr., für IV auf 20 Thlr. erhöht. 
Ausserdem wurden für Nebenkosten gezahlt für I 14 Thlr. 20 Groschen, 
für U 7 Thlr., für III 8 Thlr., für IV 13 Thlr., für die Annahme einschl. 
Bekleidung von Brrn. fremder Systeme 10 Thlr. 

**) Nach § 12 der Gesetze vom 9. November 1740 beliefen sich 
die Beiträge vierteljährlich auf 3 Thlr. 

Statt der von den Mitgliedern gezahlten Vierteljahrs -Beiträge 
entrichteten die besuchenden Brüder bei jedem Besuch der Loge einen 
Beitrag von 8 Groschen (eine Art Eintritts-Geld) oder eine bestimmte 



— 9 — 

ein Freimaurer geworden war und zum Mitglied der Loge 1740 
noch besonders vorgeschlagen und durch helUeuchtende 
Kugelung angenommen werden musste. So lange diese 
Annahme nicht erfolgte, wurden die Brr. als Visiteurs 
(Besuchende) aufgeführt. 

Nach dem erwähnten Beschluss gehörten am 10. November 
1 740 als wirkliche Mitglieder zur Loge der drei Weltkugeln 
die Brr. 

1) Simon*) 12) Graf v. Schwerin. 

2) Serre. 13) Graf v. Wallenrod. 

3) Benezet. 14) Baron v. Reiswitz. 

4) Gregory. 15) v.Osten, Sächsischer Ritt- 

5) de Montgobert. meister. 

6) Röhrborn. 16) v. Korff, Fr. Alexander. 

7) Baron v. Seh mettau. 17) Perard. 

8) Roman. 18) v.Gerresheim,Geh.Rath 

9) Graf v. Roeder. 19) Natorp, J. E. 

10) Fromery. 20) Baron v. Dankelmann, 

11) Baron v. Gersdorf. Präsident derR. zu Minden. 

Bis zum Ende des ersten Logenjahres, 13. September 1741, 
erhielten dann noch die Mitgliedschaft der Loge die Brr.: 



Somme für den Besuch der Loge während eines bestimmten Zeitraames, 
welche Zahlungen aber keinerlei Mitsliedsrecbte verliehen. 

Nach dem Beschluss vom 25. März 1743 sollen die Beiträge halb- 
jährlich voraus gezahlt werden, und diejenigen, welche 14 Tage vor 
Ablauf des Halbjahrs den Beitrag nicht gezahlt haben, die Mitglied- 
schaft Terlieren. 

Beim Aus!<cheiden eines Mitgliedes wurde ein Nachfolger aus den 
B<'suchenden durch Kugelung gewählt. Dies neue Mitglied hatte 20 Thlr. 
als Eintrittsgeld zu zahlen. Erst im Jahr 1760 wurde die Vorschrift 
aufgehoben, dass ein 6r. die Mitgliedschaft der Loge besonders bezahlen 
musste. 

Durch Beschluss vom 5. Dezember 1763 wurden die monatlichen 
Beiträge der Brr. auf 12 Groschen für die Logenlcasse, und 4 Groschen 
für die dienenden Brr. ermässigt, die Besuchs -Gelder dagegen auf 
16 Groschen erhöht« Seit dem 1. Juli 1874 wurden diese Beiträge ein- 
»chlietslieh des s. g. Gold -Thalers auf die ursprüngliche Höhe von 
vierteijährlichBThlr. festgesetzt. Jetzt betragen sie 10 M. vierteljährlich. 

*) Siehe dessen Biographie Anl. Abth. 111. 



— 10 — 

1740 21) V. Mirbach, Königl. Polnischer Kaminerherr. 

22) V. Bielfeld.*) 

23) Marquis de Gentils. 

24) Serre, Jacob, Kaufmann. 

25) Trouillard, Kammer- Sekretär und Accise- Inspektor. 

26) Baron v. Kettler, Kaiserlich Russischer Kammerherr. 

27) Graf v. Gotter, Ober-Marschall des Königs. 

28) Baron v. Münchow I.,Maj. u. Flügel- Adjutant des Königs. 

29) Kircheisen, Stadt-Präsident u. Bürgermeister von Berlin. 

30) Graf zu Dohna. 

31) Sarry, Charles.*) 

Die grosse Loge zu London hatte am 24. Februar 1741 
dem Br, Grafen Truchses zu Waldburg, ausserordentlichem 
Preussischen Gesandten, zu ihrer Vierteljahrsberathung Zutritt 
gegeben und demnächst zu einem am 19. März desselben 
Jahres begangenen grossen Maurerfest denselben Br. und 
den Br. Baron v. Andri6, Preussischen Gesandten, so wie 
auch den Br. Legationsrath v. Bielfeld, letzteren als 
Vertreter der Loge aux trois Globes, eingeladen imd mit 
vielen Ehrenbezeugungen eingeführt. 

Der Br. v. Bielfeld brachte nach seiner Bückkehr der 
Loge zu den drei Weltkugeln (laut Niederschrift vom 
21. Juli 1741) von Seiten der grossen Loge von London 
brüderlichen Gruss nach Maurersitte. 

Die englische Grossloge hatte erklärt, durch Einladung 
dieser Brr. den Königlichen Br. v. Preussen und seine Logen 
ehren zu wollen, ihn, der als natürlicher Grossmeister 
in seinen Staaten selbst Logen zu errichten 
berechtigt sei. 

Ausser den oben erwähnten wirklichen Mitgliedern der 
Loge zu den drei Weltkugeln gehörten nach den Listen am 
Ende des Jahres 1741 noch folgende Brr. zu ihr: 

a) Aus der Loge premiÄre, welche durch die Abwesenheit 
des Königs während des ersten schlesischen Krieges ausser 
Thätigkeit getreten war, hatten sich annehmen lassen die Brr. : 



*) Siehe dessen Biographie Anl. Abth. 111. 



— 11 — 

32) Prinz Wilhelm von Preussen. 1741 

33) Herzog von HoUtein-Beck. 

34) Markgraf Carl. 

35) Graf Trachses von Waldburg. 

36) Lord Hindfort, englischer Gesandter. 

b) In der Loge aux trois Globes selbst waren noch 
aufgenommen worden die Brr.: 

37) Baron v. Mirbach. 58) v. Eickstädt. 

38) V. Hontmartin. 59) v. Vierkotten. 

39) V. Beust. 60) Baron v. Bibran. 

40) V. Gleichen. 61) v. Katte. 

41) Baron Vitzthum v. Eck- 62) v. Hanteaffel. 
städt. 63) de la Ros6e 1, 

42) Frhr. Bachoff v. Echt. Bayerscher Capitain. 

43) V. Schmertzing. 64) de la Ros^e II., Theodor 

44) V. Thiesenhausen. Joseph, Chevalier. 

45) V. Treskow, Capitain im 65) v. Burgsdorff. 

Dienst des Harkgrafen von 66) v.Treskow, Kammerherr. 
Bayreuth. 67) Graf v. S ch w e r in , Eugen. 

46) v. Superville. 68) v. Carlowitz. 

47) Hundertmark, Kammer- 69) Hahn, Nicolas Louis, 
diener des Königs, als 70) v. Schweichelt, 
dienender Br. des Gross- Hannoverscher Gesandter, 
meisters aufgenommen. 71) v. Bülow, Capitain. 

48) Baron v. Hüller. 72) v.d.Busche,CarILebrecht. 

49) Markgraf Heinrich 73) Barthe, Jean Joseph. 

V. Schwedt. 74) Hambusch,Anton,Haler. 

50) Prinz Ferdinand von 75) v. Zülow. 
Braunschweig- Bevem. 76) v. Gersdorf f. 

51) V. Kreytzen. 77) v. Warenshagen. 

52) V. Bülow. 78) Duvivier, Jacob. 

53) V. d. Reck, Christoph. 79) Lang8trass,Joach.Heinr. 

54) V. Seydiitz. 80) Matthiassen, Fr. Heinr. 

55) V. Eynden. 81) Schlüsser, Fried. Wilh. 

56) v.Hünchow II., Leutnant 82) Robleau, Jean Joseph, 
der Gardes du Corps. 83) v. Osten, Fried. Wilhelm. 

57) V. Block. 84) Ü^Alen^on, Jacques. 



— 12 — 

1741 85) Ebeling, Jean Cristophe. 89) v. Dewitz. 

86) Baron V. Seherr-Thoss. 90) v. Froreich. 

87) V. Bonin. 91) v. Mellin. 

88) Kümmel, Christ. Moritz, 92) Graf v. Redern, Staats- 
Kaafmann. Minister. 

Dienende Brr. 

93) Millenet, Pförtner. 95) Tomassin. 

94) Bastidon. 

Die Loge hatte in dem ersten Jahr ihres Bestehens 
fleissig gearbeitet und hielt an ihrem Stiftungstag , dem 
13. September 1741, die 66ste Logenversammlung. Die 
meisten dieser Versammlungen waren zu Aufnahmen bestimmt 
gewesen; unter ihnen war besonders bemerkenswerth die 
vom 21. Dezember 1740, an welchem Tage, auf den Vor- 
schlag des Br. Prinzen Wilhelm von Preussen, der 
Markgraf Heinrich von Schwedt und der Prinz 
Ferdinand von Braunschweig-Bevern, Bruder der 
Königin, nachmals Grossmeister aller Deutsehen Logen, zu 
Lehrlingen und Gesellen aufgenommen wurden. 

Die Beamtenwahlen geschahen vierteljährlich, und es 
wurden zu Meistern vom Stuhl gewählt, am 13. Septbr 1740: 
Br. Philipp Simon; den 13. Dezember: Br. Graf Schwerin; 
den 9. März 1741: Br. Baron v. Gersdorf; den 9. Juni: 
Br. Graf Gotter und den 8. September: Br. Graf zu Dohna. 

Der Br. Graf Gott er war häufig zu längerer Anwesen- 
heit auf seinem Gute Molsdorf bei Gotha genöthigt und 
trug deshalb bei der Loge an, dass ihm ein zugeordneter 
Meister gewählt werde, in welches Amt der Br. Roman 
am 21. Juni eingeführt ward. 

Während seiner Abwesenheit in Molsdorf schlug der 
Br. Graf Gotter den Herzog Carl Friedrich von Sachsen- 
Meiningen zum Freimaurer vor und ersuchte zugleich die 
Loge, zur Vollziehung der Aufnahme eine Abordnung ab- 
zusenden. Zu diesem Ende gingen einige Brr., namentlich der 
Kammerherr von Eickstedt, der holländische Lieutenant 
Sarry und der Kriegsrath Kircheisen sowie der Pförtner 
Millenet als dienender Br. im September 1741 dorthin, 



— 13 — 

nahmen den Herzog zu MoUdorf auf und stifteten durch 1741 
ihn die Loge aux trois Boussoles*) (zu den drei Kom- 
passen) in Heiningen. 

Dies war die erste, durch die Loge zu den drei Welt- 
kugebi gestiftete Tochterloge. 

Mit Ablauf des ersten Jahres ihres Bestehens gab die 
Loge zu den drei Weltkugeln ihre Räume im Hotel Hontgobert 
auf und miethete umfangreichere im Hause des Herrn Voigt 
in der Heiligengeiststrasse, wo sie sich am Stiftungstag, 
13. September 1741, zuerst versammelte. 

In derselben Art wie im ersten Jahr setzte die Loge 
ihre Arbeiten auch in den folgenden Jahren fort. Die 
Niederschriften erwähnen vielfachen freundlichen Schrift- 
wechsel mit den Logen zu Hamburg, Leipzig, Dresden und 
anderen Orten. 

Am 2. November 1741 wurden die Brr. Gregory, 
Fromery und Hesse bevollmächtigt eine Abordnungsloge 
in Frankfurt a. d. 0. zu stiften, über deren Wirksamkeit 
von Zeit zu Zeit Berichte eingingen. 

Durch den Br. Philipp Simon war inzwischen in 1742 
Breslau die Loge aux trois squelettes (zu den drei 
Todtengerippen)**) gestiftet worden, welche die Gesetze 

*) Diese Loge scheint bereits im Jahr 1743 wieder eingegangen 
zu sein, wie aas einem Schreiben d. d. Meiningen, 6. November 1743, 
gefolgert werden mnss. 

Am 81. Angust 1774 wurde zu Meiuingen eine Loge der strikten 
Observanz unter dem Namen „Charlotte zu den drei Nelken" errichtet. 
Seit dem Jahr 1787 ausser Thätigkcit, ward sie 1816 als isolirte, nach 
dem System der strikten Observanz arbeitende Loge erneuert, 
demnächst 1817 durch die Gr. Loge von Hamburg (Latomia, Bd. 23 
No. 131) von Neuem eingesetzt und vereinigte sich 1827 mit der 
Loge .Karl zum Rautenkranz** zu Uildburghausen, hob dieses Ver- 
h&ltniss 1834 wieder auf und schloss sich 1840 der Orossen Landesloge 
von Sachsen an. Die Schottenloge „Ktixl zu den 3 Nelken *", gestiftet 
1776, trat 1786 ausser Th&tigkeit. 

^) Diese Loge, bei welcher der Br. Ellenberger v. Zinneudorf 
im Jahr 1758 als Redner thätig war, erhielt unter dem 19. Februar 1776 
eine neue Süftongs-IIrkunde von der Qr. Landesloge v. Deutschland. Sie 
vereinigte sich 1844 mit den beiden dortigen Logen: ,|Zur SAule**, 



— 14 — 

1742 unserer Loge bei ihrer Stiftung annahm. Am 1. Februar 1742 
wurde der Loge zu den drei Weltkugeln ein Bericht des 
Br. V. Mirbach aus Dresden*) mitgetheilt, worin er 
anzeigte, dass er daselbst in ihrem Auftrag eine neue Loge 
unter dem Namen „zu den drei Adlern" gegründet habe. 

Am 14. Dezember 1741 war der Graf Gotter von Neuem 
zum Meister vom Stuhl gewählt; ihm folgte am 13. März 
1742 der Br. v. Bielfeld, welcher auch am 31. Mai in 
diesem Amt bestätigt wurde, jedoch am 6. September die 
nochmals auf ihn gefallene Wahl vieler Geschäfte halber 
ablehnte. An seine Stelle trat Br. Sarry. Am 6. Dezember 
traf die Wahl zum Meister den Br. Roman. 

Am 30. November, dem St. Andreastage, 1742 
stifteten die Brr. Fabris, Roman, Fromery, Finster, 

gestiftet 1774, und „zur Glocke", gestiftet 1776, auf Grund einer 
gemeinsamen Errichtungsurkunde der Schlesischen Provinzial-Loge der 
Grossen Landesloge. Es führt diese neue Loge daher den Namen: „zu 
den drei Todtengerippen, zur Säule und zur Glocke.** 

Ausserdem besteht in Breslau seit 1776 unsere Loge „Friedrich 
zum goldenen Zepter** und seit 1816 eine Provinzialloge der Grossen 
Loge Royal York, seit 1813 unter deren System die Johannisloge „Horus.** 

'*') In Dresden war bereits 1738 durch den Provinzial- Gross- 
meister der englischen Grossloge für den obersächsischen Kreis, nach- 
maligen Feldmarschall Grafen Rutowski, eine Loge zu den „drei 
weissen Adlern** (3 Aigles blancs) gegründet worden, deren Brr. ritter- 
liche Zunamen (noms de guerre) führten. lieber die Schicksale dieser 
Loge ist nur soviel bekannt, dass sie während der Regierung des 
Administrators Prinzen Xaver (1763 bis 1768) ihre Arbeiten eingestellt 
hatte, und dass das Logen -Archiv durch eine Feuersbrunst zerstört 
worden ist. 

Nach einem Schreiben vom Jahre 1747 bestand zu Dresden eine 
Englische Provinzialloge für Ober -Sachsen (nach Keller's Geschichte 
der Freimaurerei. Giessen 1860, S. 24, gegründet im Jahre 1741) mit 
dem Namen „FAigle blanc** unter dem Grossmeister Grafen Rutowski. 
Letzterer hatte in Dresden femer im Jahr 1739 eine Loge „zu den 
3 goldenen Schwerdtem**, und 1741 eine andere „zu den 3 Schwänen*^ 
errichtet 

Die mehrfach verbreitete Nachricht, dass der Provinzial- Gross- 
meister Graf Rutowski unter dem 13. Januar 1764 der Loge aux 
trois Globes zu Berlin eine Stiftungs- Urkunde ertheilt habe, ist un- 
erwiesen geblieben. 



— If) — 

Perard und Roblean der Loge aux trois Globes mit deren 1742 
Genehmigung „für das Emporstreben ihrer jüngeren Brr. 
zur höheren oder sogenannten schottischen Maurerei^ eine 
Schottische Loge unter dem Namen de I' Union, welche dann 
neben der Johannisloge und aus Mitgliedern derselben fort- 
bestand, ohne irgend eine Hoheit über diese auszuüben, 
sich auch in deren Verwaltung nicht einmischte, vielmehr 
ihre eigene Kasse hatte. 

Bereits seit einiger Zeit waren Nachrichten eingegangen, 
dass einzelne Maurer in Berlin Winkelaufnahmen vollzögen, 
so dass die Loge dadurch bewogen ward, sorgfältig darauf 
zu achten, ob noch irgendwo in der Stadt maurerische 
Versammlungen gehalten wurden. So kam es in der Loge 
am 31. Januar zur Sprache, dass Tages zuvor ohne ihr 
Vorwissen eine Logen Versammlung in Berlin gehalten 
worden sei. Es wurde der Sache weiter nachgeforscht, und 
am 14. Februar beschlossen, an den Br. Grafen Gotter zu 
schreiben und ihn um Auskunft darüber zu ersuchen: ob 
es wahr sei, dass die in Rede stehende, am 30. Januar bei 
ihm gehaltene maurerische Arbeit auf Befehl des Königlichen 
Grossmeisters stattgefunden habe, und dass nur eine gewisse 
Auswahl von Brm. zu diesen Arbeiten zugelassen werden 
solle. Das Schreiben wurde am 21. Februar in der Loge 
vollzogen und dann durch eine Abordnung, aus dem Meister 
vom Stuhl und noch zwei Brrn. bestehend dem Br. Grafen 
Gott er überbracht. 

Von dem weiteren Fortgang der Sache ist in den 
Niederschriften nichts Näheres erwähnt, aber es geht aus 
einzelnen Andeutungen hervor, dass hier im Werke war, 
gesondert von der Loge aux trois Globes, eine andere Loge 
unter dem Namen Noble-Loge zu stiften. 

Dem umsichtigen Benehmen des Br. v. Bielfeld, der 1743 
am 7. März 1743 abermals den Meisterhammer übernommen 
hatte, kann es zugeschrieben werden, dass diese Stiftung 
nicht die Genehmigung des Königlichen Grossmeisters erhielt 
und völlig scheiterte. 



— 16 — 

1743 Dies erhellt aus der Niederschrift vom 23. Mai 1743, 

in welcher gesagt wird: 

,,Es ist darüber gestimmt worden, ob die Loge die 
Bijoux der sogenannten Noble-Loge an sich kaufen wolle 
für ungefähr 200 Thir., und acceptiret.«*) 

Im Jahre 1743 entsagte der Br. Graf Gotter der Mit- 
gliedschaft der Loge. 

Bereits am 13. September 1741 hatten einige Brr. 
darauf angetragen, eine deutsche Loge in Berlin errichten 
zu dürfen. Dieser Antrag war dann von Zeit zu Zeit 
erneuert worden, und das Bedürfniss stellte sich immer 
mehr heraus; deshalb beschloss die Loge am 14. März 1743, 
dass, um die Kräfte der Loge nicht zu zersplittern, ab- 
wechselnd in deutscher und französischer Sprache gearbeitet 
und zugleich bei der Beamtenwahl hierauf Rücksicht 
genommen, und dass neben dem Meister vom Stuhl, als 
welcher an demselben Tage Br. v. Bielfeld eingeführt 
wurde, noch ein zugeordneter Meister gewählt werden solle, 
der beider Sprachen mächtig sei. Diese Stelle wurde sodann 
durch den Br. Lamp recht besetzt. 

Endlich ward noch der Beschluss gefasst, die Anzahl 
der wirklichen Mitglieder der Loge auf 45 fest- 
zusetzen. 

Am 28. März 1743 wurde die erste deutsche Loge durch 
den Meister Br. v. Bielfeld eröffnet, und von ihm, so wie 
auch vom zugeordneten Meister Br. Lamprecht, wurden 
die ersten deutschen Beden gehalten, die vollständig in das 
Niederschriftbuch eingetragen sind. 



*) Hiemach ist die frühere Meinung zu berichtigen, als wäre 
durch den Ausdruck Noble -Loge auch die „Loge premiäre** oder 
„Loge du Bei notre Qrand-Mattres'' bezeichnet worden. Diese letztere 
ist bereits im Dezember 1740, als der König zum ersten Schlesischeu 
Krieg abreiste, ganz eingegangen, was schon daraus hervorgehen 
dürfte, dass der Prinz Wilhelm den Markgrafen Heinrich und den 
Prinzen von Braun schweig-Beveru bei der Loge aux trois Globes 
zur Aufnahme vorschlug, welche sonst gewiss in der Loge des Königs 
aufgenommen worden wären. 



— 17 — 

Beschlossen wurde, den auswärtigen Logen zu eröffnen, 1743 
dass hier in deutscher Sprache gearbeitet würde, und 
ferner in die Zeitungen einrücken zu lassen, dass in Berlin 
eine deutsche Loge errichtet sei. 

Der Br. Perret aus Neufchatel trug in der Versamm- 
lung vom 9. Mai auf die Ermächtigung an, in seiner Heimat 
eine Loge errichten zu dürfen. Nach eingeholter Genehmigung 
des Königs wurde in der am 6. Juni gehaltenen Loge die 
Ausfertigung der Stiftungsurkunde beschlossen, und die 
neue Loge erhielt den Namen: aux trois Etoiles flamboyantes 
(zu den drei flammenden Sternen). 

Am 13. Juni wurde der Br. v. Bielfeld abermals, und 
am 6. September der Br. Lamprecht zum Meister vom 
Stuhl gewählt, welcher letztere am 6. Dezember von Neuem 
in seinem Amt bestätigt ward. 

An diesem Tage ward die Ausfertigung einer Urkimde 
für den Br. Cr am, zur Errichtung der Loge „zu den drei 
goldenen Schlüsseln"*) in Halle a. S. beschlossen. 

In dieser ganzen Zeit stand die Loge zu den drei Welt^- 
kugeln in lebhaftem Schriftwechsel mit den Logen zu 
Hamburg, Dresden, Leipzig, Meiningen, Frankfurt 
a. M., Braunschweig, St. Petersburg, Breslau und 
Halle. 

Im Jahre 1744 wurde am 6. März der Br. v. Schwertz, 
Kammerherr des Königs, zum Meister vom Stuhl gewählt, 
und am ö. Juni von Neuem als solcher bestätigt. 

*) Im Jahr 1750 stellte diese Loge, in welcher damals der 
Br. Knecht den Hammer führte, ihre Arheit ein. Durch Br. Knecht 
war im Jahr 1769 die Stiftungsurkunde dieser Loge nach Berlin gekommen. 
Die in Berlin lebenden vormaligen Mitglieder dieser Loge beschlossen, 
auf diese Urkunde gestützt, die Loge ^zu den drei goldenen Schlüsseln** 
in Berlin fortzusetzen und w&hlten den Br. ?. Zinnendorf zum 
Meister vom StuhL So entstand die noch arbeitende Loge „zu den 
drei goldenen Schlüsseln** in Berlin. (Qermars Geschichte der 
Loge zu Halle). 



0«M]L d, Gr. NAt..Matl«r-Loff«. 



Zweiter Zeitraum. 

Von 1744 bis 1747. 



Die grosse Königliche Mutterloge zu den drei Weltkugeln. 

JJie Johannisloge „aux trois Globes" hatte bisher 
bereits 6 Tochterlogen gestiftet. 

Solche Stiftungen geschahen damals und noch lange 
Zeit nachher bloss dadurch, dass die stiftende Matterloge 
einem Bruder, den sie für tüchtig dazu hielt, eine Urkunde 
ertheilte, durch welche er zur Errichtung einer Loge er- 
mächtigt ward. Seltener kam der Fall vor, dass bereits 
mehrere Brüder zu einer Loge zusammengetreten waren und 
sich dann von einer Mutterloge eine Stiftungs- Urkunde 
erbaten. Lnmer war aber das Band, welches die Mutter an ihre 
Töchter knüpfte, sehr locker, und die erstere hatte fast keine 
Hoheit über die letzteren. Weder Rituale noch Instruktionen 
(d. i. Katechismus) wurden schriftlich ertheilt, Alles blieb 
der mündlichen Ueberlieferung überlassen. Nichts war 
natürlicher, als dass auf diese Weise mancherlei zufällige 
imd willkürliche Abänderungen in den Gebräuchen entstanden, 
und dass der Ritus besonders dann Aenderung erlitt, wenn 
er aus einer Sprache in die andere, von einem Volk zu einem 
anderen überging. Lnmer verliehen die Nationalität und die 
herrschenden Sitten der Verbreiter den verschiedenen Logen 
eine eigenthümliche Färbung. 

Die deutschen Logen haben den ersten Grund zur 
Verschiedenheit ihrer Arbeitsweisen unzweifelhaft den ver- 



— 19 — 

»chiedenen Wegen zuzuschreiben, auf denen die Maurerei 1744 
zu ihnen gekommen ist; denn selbst bei dem sorgfältigsten 
Pesthalten des einfachen edlen Zweckes der gesammten Frei- 
maurerverbrüderung konnte es auf die Form des Logen- 
wesens nicht ohne bedeutenden Einfluss bleiben, ob z. B. 
englische Maurer den Bund in einem ihren Sitten und ihrer 
Sprache naher stehenden Lande unmittelbar verbreiteten, wie 
in Niedersachsen, oder ob Deutsche das Logenwesen zuerst 
in Frankreich kennen lernten, oder ob sie die maurerische 
Weihe in dem Vaterlande Swedenborgs erhalten hatten. 

Die Loge ,aux trois Globes" arbeitete Anfangs in einer 
wenn auch etwas schwankenden, doch von der englischen 
im Wesentlichen wenig abweichenden Form. 

Sie erkannte bald die Nothwendigkeit, ihre äusseren 
Verhältnisse mehr zu befestigen, hielt deshalb mehrere Be- 
rathungen, setzte dann am 12. Juni 1744 zur Handhabung 
ihrer wirtschaftlichen Angelegenheiten die Schaffher-Loge 
ein,^ und nahm die Bezeichnung 

„Grosse Königliche Mutterloge zu den drei 

Weltkugeln* 

an, deren sie sich zuerst in der über die Arbeit zur Feier 
des Johannisfestes am 24. Juni 1744 aufgenommenen Nieder- 
schrift bediente. 

Dieses Fest wurde, eben so wie in den früheren Jahren, 
in einer Garten -Wirtschaft vor der Stadt**) glänzend gefeiert. 
Gewöhnlich wurde die Loge gegen Mittag geöffnet; der Arbeit 
folgte eine feierliche Tafelloge, und bei den Trinksprüchen 
wurden kleine Kanonen im Garten abgefeuert. Nachmittags 
fanden sich die Schwestern (nur Elhefrauen und Töchter an- 
wesender Freimaurer) ein und ergötzten sich bei wohl- 
besetzter Musik und verabreichten Erfrischungen im Garten, 
der Abends erleuchtet wurde. Das Fest ward durch ein 

*) Schon am 25. Mai 1743 hatte der Meister vom Stuhl mit den 
Brr. Schaffnern eine besondere Loge gehalten, die aber bloss auf das 
beTorttehende Johannisfest Bezug hatte. 

^) Im Qarten von Weiss vor dem Stralaner Thor. 

2* 



— 20 — 

1744 Feuerwerk und Abendessen beschlossen. An die vor dem 
Garten sidi einfindenden Armen wurden reichliche Ahnosen 
vertheilt, welche oft die ganze Armenkasse erschöpften, and 
es ward eine Wache, aus einem Unteroffizier und mehreren 
Mann Soldaten bestehend, aufgestellt, wohl mehr des vor- 
nehmeren Ansehens wegen, als um Zudringliche abzuhalten. 
Diese Mannschaften v^e auch die Regiments-Hautboisten, 
welche im Garten musizirten, wurden gut bezahlt und 
bewirtet. 

Anfangs musste die Logenkasse alle diese Kosten 
bestreiten; späterhin wurden nur die besuchenden Brüder 
frei gehalten, und die Brüder der Loge leisteten die Zahlung 
für Speisen und Getränke en Piquenique, wie es in den 
Niederschriften heisst. Der Beitrag dazu war gewöhnlich 
ein Dukaten, mitunter auch 7 Thlr., und ausserdem 
wurden noch die Neben-Kosten aus der Logenkasse gezahlt. 

In den inneren Verhältnissen der grossen Königlichen 
Mutterloge war durch Annahme dieses Titels wenig, ja 
eigentlich nichts geändert worden; die Arbeiten wurden 
ebenso fortgeführt wie bisher, und nur einzelne Beschlüsse 
zeigen an, dass die Nothwendigkeit von Verbessenmgen in 
der Verwaltung gefühlt wurde. 

Am 28. August wurde beschlossen, den Meister vom 
Stuhl immer für ein ganzes Jahr zu wählen, und hiemach 
ward bei der nächsten Wahl am 4. September Br. Lamprecht 
zu diesem Amt gewählt. Er legte indess wegen Kränklich- 
keit schon am 30. Oktober den Hammer nieder, und man 
wählte nun den Br. Fabris. 

Um den Zutritt unrechtmässig aufgenommener Personen 
leichter verhindern zu können und doch unbekannten Brüdern 
aus der Fremde den Eintritt nicht zu versagen, wählte die 
Loge am 30. November noch besondere neue Erkennungs- 
worte, theilte diese den befreundeten Logen mit und forderte 
sie zu deren Einführung auf. Diese Massregel wurde aber 
nicht überall angenommen und blieb auch da, wo sie es 
ward, z. B. in Hamburg, nicht lange im Gebrauch. 



— 21 — 

In diesem Jahr wurden gestiftet: 1744 

die Johannisloge ,za den drei ehernen Säulen^ in Wesel*) und 
die Johannisloge „zu den drei Ankern" '^*) in Bremen. 



*) Diese Loge mnss bald ihre Arbeit wieder eingestellt haben, 
da unsere Akten keine Auskunft über sie enthalten. Erst im J. 1775 
wurde die neue Loge ,,zum goldenen Schwert** daselbst errichtet. 

**) Im Jahre 1744 hatten sich einige in Bremen weilende Brüder 
an den Meister der Halleschen Loge, Br. Samuel von Bruckendahl, 
gewendet, damit er ihnen behülflich sei, eine Stiftungs - Urkunde zu 
erhalten. Er scheint das Gesuch bei der Loge zu den drei Weltkugeln 
in Berlin befürwortet zu haben, von wo aus die Urkunde für eine Loge 
unter dem Namen: „zu den drei Ankern** gegeben wurde, welchen 
Namen die Bremer Brüder vorgeschlagen hatten und sich daher nicht 
wenig wrmderten, als unter gleichem Namen zu Königsberg in Preussen 
ebenfalls eine Loge errichtet wurde. Die Loge, von der nur die 
Namen dreier Brüder: Bland, Conr. Wichelhausen und J. H. Drosti 
bekannt sind, hat keinesfalls lange bestanden, wenigstens ist von ihren 
Arbeiten aktenmässig keine Vorlage vorhanden; erwähnt wurde sie 
jedoch in dem Rundschreiben der 3 Weltkugeln vom 19. Juli 1747. 
Bei den damaligen engen Verhältnissen Bremens, der Eifersucht der 
Geistlichen auf jede selbständige Regung und derBesorgniss des Senats vor 
dem Eindringen freierer Ansichten erscheint es ganz natürlich, dass die 
wenigen Brüder damals (und auch später) sich sehr zurückgezogen 
hielten und als Freimaurer nicht öffentlich auftraten. Wenigstens 
Usst sich das daraus schliessen, dass man in sp&terer Zeit mit der 
grOttten Behutsamkeit zu Werke ging, um ja nicht als Freimaurer 
bekannt zu werden. Zur Genüge geht das aus verschiedenen Briefen des 
bekannten Br. Rulffs hervor, der sich als Freimaurer erklärte, aber 
mit scheelen Augen angesehen wurde. Der Verkehr mit Holland und 
Groesbritannien, sowie die Reisen zu den Braunschweiger und Leipziger 
Messen gewannen dem Bunde Anhänger, die sich jedoch ganz still 
verhielten. Vielleicht wäre in Bremen überhaupt erst ganz spät wieder 
an eine Loge gedacht worden, hätte sich nicht eine Winkelloge oder 
vielmehr eine heimliche Loge gebildet 

In den sechsziger Jahren hatte sich zu Bremen ein englischer 
Kapitftn Smith, ein Biann von grosser Einsicht und guten mathematischen 
Kenntnissen, niedergelassen und dort die Bekanntschaft des Kandidaten 
Dettenhamer und des WerbeofBziers v. Sehr ab isch gemacht, welche 
wie er Freimaurer waren. Diese Brüder kamen öfters zusammen und 
fanden kein Bedenken, vom 6. Oktober 1766 an Aufnahmen zu vollziehen, 
wobei sie sich auf eine Urkunde stützten, welche John Rüssel, Herzog 
von Bedford, 1768 d. d. London dem Kapitän Smith ertheilt hatte, kraft 
deren er in Kriegsseiten und besonders in Winterquartieren Logen halten 



— 22 — 

1746 Im Jahre 1745 wurden die Versuche zur Verbesserung 

der Angelegenheiten der Loge fortgesetzt. Am 13. März 
hielt der Meister eine Beamten-Berathung, in welcher die 



durfte; von Neuem für gültig erklärt war sie durch den Grossmeister Lord 
Blayney 1765. Diese Versammlungen kamen dem Br. Rulff s zu Ohren, 
der deshalb sofort nach Braunscbweig berichtete und um Yerhaltnngs- 
massregeln dieser ordnungswidrigen Loge gegenüber bat, auch die Brr. 
Smith und Dettenham er zu sich beschied, um mit ihnen zu verhandeln. 
Rulff 8 wusste die Sache so zu leiten, dass diese Mitglieder versprachen, 
keine weitere Aufnahmen und Beförderungen vorzunehmen und sich 
den Beschlüssen Braunschweigs zu unterwerfen. Namentlich hatten 
die Geschichtskenntnisse und die geheimen Worte Eindruck gemacht, 
obgleich Dettenhamer, wie es sich später herausstellte, wohl noch 
tiefer eingeweiht war. 

Braunschweig wollte sich nicht entgehen lassen, in Bremen, wo 
noch verschiedene Brüder der laten Observanz verbunden waren, festen 
Fnss zu fassen und liess daher zu, dass Br. Rulff s (im J. 0. ab Ilice) 
diese ordnungswidrige Loge 1767 zu einer Tocbter-Loge von Braunschweig 
umwandelte uud als deren zugeordneter Meister eingesetzt ward. Die 
erste regelmässige Loge wird am 12. April 1767 gehalten. Bald 
entspinnen sich zwischen den Mitgliedern Zerwürfnisse, Smith wird 
genöthigt, seine Urkunde her zu geben, die für nichtig erklärt wird, 
und geht als Major nach Portugal; auch die Werbeoffiziere verschwinden, 
und es bleiben nur in Bremen ansässige Brüder, die sich jedoch auch 
sehr unzufrieden zeigen, da einerseits die versprochenen Beförderungen 
auf die höheren Stufen nicht gleich stattfinden, und die Bedingungen 
der Abhängigkeit sehr drückend werden. Die Zerwürfnisse mit 
Braunschweig steigern sich immer mehr, und die Berathungen in 
Bremen, Hannover und Braunschweig führen zu keinem Ziel, ja endlich 
stockt der ganze Verkehr, doch hat man erlangt, dass die Tochter-Loge 
„zum silbernen Schlüssel** sich etwas freier bewegen durfte, auch 
verschiedene Abgabenerlasse erhielt, und endlich wurde 1780 die ganze 
Sache dahin ausgeglichen, dass Bremen von Hamburg (Ivenak) abhängig 
wurde und ein Präpositenkapitel „Neumond" erhielt. Die Loge kam 
auch jetzt auf keinen grünen Zweig, da sich im Stillen schon 
Mitglieder für eine neue Loge nach Zinnendorfscher Lehre sammelten, 
welche in Oldenburg aufgenommen wurden. Diese errichteten die jetzt 
noch bestehende Loge „zum Oelzweig**, nach Massgabe der Stiftungs- 
Urkunde der Grossen Landesloge von Deutschland vom 26. August 1788. 
Als erloschen kann man den „silbernen Schlüssel** wohl schon im Jahr 
1800 annehmen , wenngleich das Kapitel „Neumond** noch am 7. Juni 
1800 für die ehemalige Abordnungsloge zum silbernen Schlüssel in 
Jever eine Urkunde ausstellte. 



- 23 — 

Mittel zur Abhülfe der vorhandenen Uebelstände besprochen 1745 
wurden. Die Ergebnisse dieser Berathung trug der Meister 
Br. Fabris am 19. März in der versammelten Mutterloge 
vor, deren Zustimmung zu den gemachten Vorschlägen erfolgte. 

Diese Massregeln standen aber vereinzelt da und waren 
wenig wirksam. Das Uebel, welches die Loge bedrückte, lag 
in der Verwaltung, deren Mängel immer fühlbarer wurden. 

Der Aufwand bei den Festen und bei anderen Versamm- 
lungen, übermässige Unterstützungen und Almosen erschöpften 
die Kasse, deren Einnahme fast nur aus den Aufnahme- 
gebühren bestand; denn nur die wenigen wirklichen Mit- 
glieder der Loge zahlten einen laufenden Beitrag. 

Am 16. Juni 1745 ward Br. Fabris abermals zum 
Meister vom Stuhl gewählt, und ebenso am 10. Juni 1746. 1746 

In dem Jahre 1746 wurden folgende Logen gestiftet: 
in Halberstadt: „zu den drei goldenen Hämmern,^*) 
in Jena: .zu den drei Rosen,"**) 
in Stargard in Pommern: „zu den drei Würfeln" (trois 

Carreaux),***) 



*) Diese Loge bestand noch 1783, als daselbst die neue Loge „zu 
den drei Rosen ** errichtet wnrde. Nach wenigen Jahren waren beide 
Logen ausser ThAtigkeit getreten, die der „drei Hammer*^ wurde jedoch 
1812 wieder eröffnet (Vergl Schlemm 's Geschichte der Freimaurerei 
in Halberstadt 1846.) 

^) Bereits früher, wahrscheinlich 1744, war den Brrn. Sturtz 
und Utterodi in Jena die Genehmigung zur Gründung einer Loge in 
Jena durch den versitzenden Meister der Weltkugelloge, Br. Lamprecht, 
ertheilt worden, doch wurde diese Verleihung geheim gehalten. 
Die Loge „zu den drei Rosen** in Jena wurde durch Urkunde 
Tom 5. Mirz 1746 unter Hinweis auf die frühere Gründung erneuert 
(Vgl. BnndesbUtt 1891, S. 386 und 1897, S. 404.) 

^^) Diese Loge wurde unter dem Vorsitz des Majors ▼.Billerbeck 
gegründet und nach den 3 Würfeln in dessen Wappen genannt Da 
sie zum grossen Theil aus Militirpersonen bestand, musste sie 1756 
beim Ausbruch des siebenjährigen Krieges ihre Arbeit wieder ein- 
stellen. Im Jahre 1770 wurde durch die Loge Minerva zu Potsdam, 
Zinnendorfschen Systems, eine neue Loge unter dem Vorsitz des 
Migors v. Böse errichtet unter dem Namen „zur goldenen Krone**. 
(Zirkelkorrespondenz I, 68.) Diese Loge wurde im Jahre 1774 erneuert 
unter dem Namen „August (zur Ehre des National- Qrossmeisters 



— 24 — 

1746 in Königsberg i. Pr.: „zu den drei Ankern,"*) und 

in Kopenhagen: Die Johannisloge „zu den drei brennenden 
Herzen," sowie die beiden Schottenlogen „zu den vier 
eisernen Säulen,« und „zu den vierflammenden Sternen.«**) 

Herzog Friedrich August von Braunschweig) zur goldenen Erone^ 
und vereinigte sich im Jahr 1805 mit der von den Dissidenten im 
Jahr 1774 nach der Lehrart der Grossen Landesloge von dem 
Br. Major ▼. Böse errichteten Loge „zum Schilde** unter dem gemein- 
samen Namen „Julius zur Eintracht**. Der General Julius v. Magu s ch 
hatte zur würdigen Ausstattung dieser neuen Loge eine bedeutende 
Summe hergegeben. Nach ihm erhielt die Loge den Namen „Julius**. 

*) Dem Grafen Leopold v. Schaffgotsch, Major im Alt-Möllen- 
dorf sehen Dragoner -Regiment, wurde am 15. September 1746 die 
Urkunde zur Stiftung der Loge „zu den 8 Ankern** ertheilt Diese Loge 
hatte ohne Stiftungs-Urkunde bereits seit dem 1. Dezember 1745 gearbeitet. 
Zum grössten Theil aus Offizieren bestehend, stellte sie nach Ausbruch 
des Krieges im Jahr 1757 ihre Arbeit ein, wurde aber 1760 unter 
dem Namen „zu den drei Kronen** wieder eröffnet. 

Gestiftet wurde ferner daselbst Ton der grossen Landesloge im 
Jahr 1772 die Loge „Todtenkopf* und im Jahr 1775 die Loge 
„Phönix.** Beide vereinigten sich 1832 unter dem Namen : „Todtenkopf 
und Phönix**. Ausserdem besteht daselbst seit 1856 eine Provinzialloge 
der Grossen Landesloge. 

**) Nachdem im Jahr 1752 der erste Grossmeister für D änemark 
in der Person des Grafen v. Laurwig ernannt und die Grossloge von 
Dänemark errichtet worden, wollte letztere die Johannisloge „zu den 
3 brennenden Herzen** als Tochterloge der Mutterloge „zu den 3 Welt^ 
kugeln** nicht femer anerkennen. Letztere trat darüber unter dem 
'dO. Oktober 1752 mit dem Grossmeister uad der Gross löge von 
Dänemark in Schriftwechsel. In Folge davon gestattete die Mutter- 
loge „zu den drei Weltkugeln** ihrer genannten dänischen Tochterloge, 
an die Grossloge von Dänemark sich anzuschliessen, und begab sich 
jedes Einflusses auf jene. 

Seit dem Wilhelmsbader Konvent im Jahr 1782 waren die 
Schottenlogen in Dänemark ausser Wirksamkeit getreten, und bear- 
beiteten die zum „Kopenhagener Sprengel** gehörigen Logen, nachdem 
die dortige Grossloge den Namen „Direktorial-Loge zu Kopen- 
hagen" angenommen hatte, unter deren Leitung nur die drei Johannis- 
grade. Der Kopenhagener Sprengel umfasste die Insel Seeland, das 
Königreich Norwegen und die dänischen Besitzungen ausser Europa; 
wogegen die Insel Fünen, Jütland und die beiden Herzogthümer in 
maurerischer Beziehung unter einer anderen Behörde standen, deren 
Sitz in Schleswig war. 



— 25 — 

Br. Fabris verliess Berlin und legte deshalb den Hammer 1746 
nieder, worauf am 15. Dezember der Br. Cölsch an seine 
Steile zum Meister vom Stuhl gewählt und am 19. Juni 1747 
auf ein Jahr in seinem Amt bestätigt wurde. 



An die letztgedachte Behörde wies die Direktorial -Loge zu 
Kopenhagen in dem Schreiben vom 23. November 1805 eine Be- 
schwerde der Grossen Nation&l-Mutterloge über den Br. Eck v. Eck- 
bofen, welcher in Nürnberg auf Grand der Stiftungs - Urkunde 
▼om 6. Juni 1803 als Bevollmächtigter der Grossen Loge von Dänemark 
der Loge „Joseph zur Einigkeit^ die Würde und Vorzüge einer „alt- 
schottischen Direktorial-Loge in Franken" beigelegt hatte. 
VergL Promemoria des Br. Kammerherrn v. Hoegh über die Ent- 
wicklung der dänischen Logen. Zirkel-Korrespondenz des Hamburger 
Engbandes No. 121 S. 89. Femer Geisfs „Kurzgefasste Geschichte 
der Loge „Joseph zur Einigkeit** während der ersten Hundert Jahre 
ihres Bestehens.** Nürnberg 1861. Aktenmässige Geschichte der Loge 
zu den 3 Pfeilen in Nürnberg 1792. 



Dritter Zeitraum. 

Von 1747 bis 1761. 



Vice-Grossmeister, Herzog von Holstein -Beck. 

1747 Im Jahr 1747 steigerten sich die üblen Folgen einer 
mangelhaften Verwaltung der Loge auf das Aeusserste. Die 
Kasse war mit Schulden belastet. Die ohne gehörige Aus- 
wahl Aufgenommenen zeigten ein Betragen, besonders bei 
den Berathungen über die Verwaltung der Logenangelegen- 
heiten, welches den grössten Theil der guten und tüchtigen 
Brüder zurückschreckte und von den Versammlungen fem 
hielt, so dass die Unheilstifter ganz freie Hand behielten. 

Unter den letzteren entstanden wiederum Parteien, und 
manche der Brüder vergassen sich soweit, dass sie in eigen- 
nütziger Absicht Winkelaufnahmen in der Stadt vollzogen. 

Die Ueberzeugung musste sich allen aufdrängen, dass 
der Weg, den die Loge eingeschlagen hatte, sie ihrem Unter- 
gang entgegen führte, und dass entscheidende Schritte noth- 
wendig wären. 

So berief denn der Meister v. Stuhl zum 11. August 1747 
die Loge zusammen und forderte die Brüder auf, sich zu er- 
klären, wer von ihnen Mitglied bleiben wolle. Hierzu ver- 
pflichteten sich 31 der Anwesenden. 

In dieser Versammlung traten die verständigen und gut- 
gesinnten Brüder kräftig auf, unter ihnen besonders der 
Br. V. Seydlitz, und sprachen mit vielem Nachdruck über 
die Ursachen des Verfalls der Loge und über die Mittel, ihn 
zu verhüten. Sie zeigten unter Anderem, dass die Loge 
jetzt keines ausreichenden Ansehens geniesse, um den vielen 



— 27 — 

Winkelauf nahmen zu steuern, dass man bei dem jetzigen 1747 
Zustand der Loge Seine Majestät den König nicht mit ihren 
Angelegenheiten belästigen könne, und dass es deshalb noth- 
wendig sei, die ausgeschiedenen, angesehenen Brüder, — 
welche sich schon im Februar vorigen Jahres, unter der Hammer- 
führung des Br. Fabris bereit erklärt hätten, aus eigenen 
Mitteln die Schulden der Loge tilgen zu wollen, und noch 
dazu bereit wären, — aufzufordern, in den Bund zurückzu- 
kehren und einen auch durch äusseres Ansehen hervor- 
ragenden Vice -Grossmeister zu wählen. 

Diesem Vorschlag wurde allgemein beigepflichtet, und 
der damalige Gouverneur von Berlin, Br. Herzog von 
Holstein-Beck, zum Vice -Grossmeister erwählt. Hierauf 
legte am 1. September der Br. Cölsch unter dem Ausdruck 
höchster Erregung den Hammer nieder. 

Am 14. September wurde der versammelten Loge berichtet, 
dass der Herzog die Vice -Grossmeisterschaft angenommen 
habe, und der Br. v. Seydlitz ward zum Meister vom 
Stuhl erwählt. 

Dies war für die Loge ein erfreuliches Ereigniss; in kurzer 
2^]t hob sie sich wieder und erlangte bald ihren früheren 
Glanz. Viele der alten Brüder kehrten zu den Arbeiten 
zurück; Friede, Ordnung, Einigkeit, Bruderliebe und Herzlich- 
keit, kurz der wahre Bundesgeist, herrschte von Neuem. 

So trat gegen Ende dieses Jahres und im Lauf des 1748 
folgenden, 1748, neues Leben ein; alle Verwaltungszweige 
wurden geordnet, die Kassenbestände genau festgestellt, und ein 
bedeutender Theil der Schulden sofort bezahlt, eine anständige 
Räumlichkeit (im Hause der Frau Cochius in der Breiten 
Strasse) ward gemiethet, die Statuten wurden durchgesehen, 
regelmässige vierteljährliche Beamten-Berathungen angesetzt, 
ein Aufseher der Kasse und des beweglichen Eigenthums 
ernannt und die Thätigkeit der Schaffnerloge wiederhergestellt. 

Am 16. März 1748 wurde der durch den Markgrafen 
Heinrich vorgeschlagene Prinz von Holstein, sowie der 
spätere Grossmeister, Geheime Rath Freiherr v. Printzen, 
aufgenommen. 



— 28 — 

1748 Am 13. April wurde beschlossen, nach dem Beispiel der 
Englischen Grossloge allmonatlich eineBeamten-Berathung 
zu halten. 

Am 11. Mai wurde der Br. v. Seydlitz von Neuem 
zum Meister vom Stuhl gewählt. 

Am 28. Juli erhielt der Br. v. Witzleben eine Urkunde 
zur Stiftung einer Loge in Oldenburg*). 

1749 Im Anfange des Jahres 1749**) wurde der hochverdiente 
Br. V. Seydlitz von Berlin abberufen und musste deshalb 
den Hammer niederlegen, worauf amö.Mai derBr. v. Printzen 
zum Meister vom Stuhl gewählt wurde. 

1750 Demselben ward auch für die Jahre 1750 und 1751 der 

^^d Meisterhammer wieder übergeben. 

1751 • 

Zugleich wurde der Br. v. Tiefenbach zum zugeordneten 

Meister ernannt, um den Br. v. Printzen, der häufig in 
Geschäften abwesend zu sein genöthigt war, zu vertreten. 
Im Jahre 1751 wurde in Jeverland (Kniphausen)***) 
die Johannisloge „zu den drei goldenen Zirkeln ^^ und in 
Danzig die Johannisloge „zu den drei Bleiwaagen'^f) (aux 
trois Niveaux) gestiftet. 



*) Diese Loge scheint gar nicht ins Leben getreten zu sein, 
da sich weder im Geheimen Archiv noch in Oldenburg Nachrichten 
über sie finden. (Yergl. Merzdorfs Geschichte der Freimaurerei im 
Herzogthum Oldenburg 1852.) 

**) Am 16. Juni 1749 wurde der Eriegsrath Koppen, der in der 
Folge ein eigenes System unter dem Namen der „Afrikanischen Bau- 
herren** gründete und als Grossmeister an dessen Spitze trat, zum 
Lehrling aufgenommen. 

***) Die letzte Verhandlung dieser Loge in dem Niederschriftbuch 
(aufbewahrt in der Loge „zum goldenen Hirsch** zu Oldenburg) ist 
vom 21. April 1755. 

t) Diese Loge setzte ungeachtet des Verbotes des Magistrats zu 
Danzig ihre Arbeiten fort, war 1769 geschlossen, ward 1770 wieder 
eröffnet, schloss sich 1776 der Leitung der neuen Mutterloge za 
Königsberg i. Pr. an und trat 1799 zu unserer Grossloge. 

Femer hatte daselbst die Grossloge von London im Jahre 1789 
die Johannisloge „zur Einigkeit** gestiftet. Diese trat jedoch im 
Jahre 1799 der Grossloge „Royal York** bei. 

Ueber letztere Loge enthält das Geheime Archiv keine Nachricht 



— 29 — 

Der Br. v. Wolden, Gross-Aufseher der holländischen 1761 
Logen und Grossmeister der Loge „de la Fidölitö'^*) zu 
Cöhi am Rhein, wurde am 17. Juni 1751, auf sein eigenes 
Ansuchen, zum Ehrenmitglied der Mutterlog» ernannt.^) 

Am 5. Juni 1752 wurde der Br. v. Tiefenbach zum 1752 
▼ersitzenden Meister erwählt und dem Br. v. Printzen der ^°^ 
Titel „Protektor'* verliehen. Ersterer wurde am 18. Juni 1753 ^^^ 
in seinem Amt von Neuem bestätigt. 

Zu der Beamten -Berathung am 13. November 1753 
wurden die Beamten der Schottenloge „PUnion** mit zuge- 
zogen, weil nach der Niederschrift die zu verhandelnden 
Verwaltungs- Gegenstände für beide Logen von Wichtigkeit 
waren. 

Am 24. Januar 1754 wurde beschlossen, dass die 1754 
Brüder, welche bei der Mutterloge selbst zu Maurern auf- 
genommen worden, auch deren Mitgliedschaft auf ihren 
blossen Antrag ohne nochmalige Kugelung erhalten sollten, 
wodurch also die Beschränkung der wirklichen Mitglieder 
auf die Anzahl von 45 aufhörte. 

Am 6. Juni wurde der inzwischen von seinen diplomatischen 
Reisen zurückgekehrte Br. v. Bielfeld ziun Meister vom 
Stahl gewählt. 

In diesem Jahr bildete sich in Berlin eine neue Johannis- 
löge unter dem Namen „la petite Concorde*^ Sie suchte 
bei der Mutterloge eine Stiftungs-Urkunde nach, welche ihr, 
jedoch unter den Beschränkungen: 

1. die Zahl der Mitglieder wird auf 12 festgesetzt; 

2. es wird kein besuchender Bruder zugelassen, der 
sich nicht zuvor bei der Mutterloge hat vorstellen 
lassen; 

*) Ueber diese aDgeblicb von Holland aus gegründete Loge 
fehlen alle Nachrichten in unserem Archiv. 

^) Die Worte der Niederschrift vom 17. Joni 1761 über diesen 
Ctogenstand sind folgende: Le fr. Baron de Wolden, Gr. Sorv. des 
loges d'HoUande, et Chev. de Taigle ainsi que Gr. Maitre de la löge 
de la fid^lit^ de Cologne ayant desird d'etre re^u membre honoraire 
de notre sanctuaire, la löge loi a accord^ sa demande par l'unanimit^ 
de ballotage. 



— 30 - 

1754 3. die Tochterloge macht sich anheischig, nie eine 

Aufnahme oder Beförderung vorzunehmen, weil 
die Mutterloge sich dieses Recht allein vor- 
behalte, auch 
4. nie das Johannisfest allein zu feiern, 
am 9. Dezember ertheilt wurde. Einer der Beamten dieser 
Tochterloge war vertragsmässig immer Mitglied der Mutter- 
1765 löge und bei dieser gleichsam ihr Vertreter. Am 4. Januar 1755 
wurde sie feierlich eröffnet und von der Mutterloge eingesetzt. 

Am 24. Januar wurde der Geburtstag des Königs durch 
eine glänzende Arbeit der Mutterloge gefeiert, woran alle 
Freimaurer in Berlin Theil nahmen. Der Br. Imbert, 
Meister vom Stuhl der Loge „Concorde", wirkte dabei als 
zweiter Vorsteher. 

Diesem Fest wohnte der Prinz Ferdinand, jüngster 
Bruder des Königs, bei. Nachdem der Prinz mit maurerischer 
Feierlichkeit in die Loge eingeführt worden, vollzog der 
Meister vom Stuhl, Br. v. Bielfeld, die Aufnahme des 
Herrn v. Beauvrie zum Maurer und überreichte dann dem 
Prinzen den Hammer. Hierauf hielten die Brr. v. Bielfeld 
und V. Tiefenbach in Bezug auf die Feier des Tages 
angemessene Reden, wonach der erstere den Hammer aus den 
Händen des Prinzen wieder übernahm und die Loge schloss. 

Die Angelegenheiten der Loge hatten sich gänzlich her- 
gestellt; eine bessere Verwaltung war eingeführt, einer der 
bewährtesten Meister stand an ihrer Spitze, und es fehlte 
ihr nicht an tüchtigen, angesehenen Mitgliedern. 

Dennoch waren in ihr Bestandtheile, welche dem guten 
Einvernehmen Gefahr brachten. 

Der König befasste sich thatsäcblich gar nicht mehr 
mit den Angelegenheiten der Loge: es war ein Jahr vor 
Ausbruch des siebenjährigen Krieges! — Der Vice-Gross- 
meister, Herzog von Holstein, war 1749 gestorben. Dieses 
Ereigniss hatte jedoch auf die inneren Angelegenheiten keinen 
besonderen Einfluss geübt. 

Der Wiederhersteller der Loge, Br. v. Seydlitz, war 
längst nicht mehr in Berlin, Br. v. Bielfeld musste im März 



— 31 — 

wieder auf mehrere Monate verreisen, und der Bmder 1765 
V. Tiefenbach wurde oft durch Geschäfte verhindert, die 
Logenversammlungen zu leiten. Durch diese Umstände 
wurden natürlich die Föhrer der Loge unwillkürlich der 
Brüderschaft entfremdet, und Unregehnässigkeiten in Ab- 
haltung der Arbeiten konnten nicht ausbleiben. 

Der Er. v. Bielfeld hatte in der Beamten -Berathung 
im September 1754 eine Durchsicht der Statuten bewirkt, 
worin u. A. festgesetzt war, dass die jährlichen Beamten- 
wahlen künftig zu Michaelis stattfinden sollten. Wahr- 
scheinlich hatte diese Bestimmung ihren Grund in der 
Besorgniss, dass die Wahlen, wenn sie vor Johannis, in 
Abwesenheit der jetzigen Leiter der Loge gehalten würden, 
wieder zum Nachtheil der Loge ausfallen könnten, wie dies 
früher der Fall gewesen war. 

Am 28. Mai 1755 wurde wegen Abwesenheit des Meisters 
vom Stuhl und Verhinderung des zugeordneten Meisters durch 
den Altmeister Br. Sarry eine Loge gehalten, in welcher 
Aber die Feier des bevorstehenden Johannisfestes berathen 
werden sollte. Mehrere Brüder brachten zur Sprache, dass 
es Zeit sei, die Beamten für das neue Maurerjahr zu wählen; 
der Vorsitzende machte darauf aufmerksam, dass dies gegen 
die neuen Bestimmungen des Br. v. Bielfeld sei. Nach 
mehreren Erörterungen wurde die Frage: „ob eine Beamten- 
wahl heut anzustellen sei?" — zur Abstimmung gebracht 
and durch Kugelung einstimmig bejaht. 

Hierauf wurde zur Wahl geschritten und der Bruder 
V. Rammeisberg zum Meister vom Stuhl gewählt. 

Dieser Vorfall zog eine förmliche Spaltung der Loge 
nach sich. 

Mehrere hervorragende Brüder, unter diesen die Brr. 
V. Tiefenbach, v. Grappendorff, v. Mortell, Baron 
.\ndri^ und Cori, legten Berufung gegen die abgehaltene 
Wahl ein, weil die Einladungen dazu nicht an alle Brüder 
ergangen wären, und das ganze Verfahren gesetzwidrig sei; 
alle diese Brüder entsagten der Mitgliedschaft der Loge. 



— 32 — 

1766 Auch die Loge „Concorde" reichte ein Schreiben*) ein, 

worin sie die vorgenommene Wahlhandlung als gegen die 
Gesetze verstossend erklärte, und feierlich der Gemeinschaft 
mit der Mutterloge entsagte. 

Alle diese Erklärungen wurden in geöfiheter Loge am 
11. Juni vorgelesen. Die versammelten Brr. beschlossen 
zu erwidern, dass sie nichts weiter gethan hätten, als was 
in der ganzen Maurerwelt gebräuchlich sei, nämlich ihre 
Beamten vor Johannis zu wählen, und die Einführung der 
Neugewählten wurde vollzogen. 

Die Loge „Concorde" beschloss nun zum Zeichen ihrer 
Trennung von der Mutterloge, das Johannisfest abgesondert 
von ihr in Charlottenburg zu begehen. Die Mutterloge 
erklärte dies aber für verfassungswidrig und wendete sich 
an den General v. Forcade, der nicht Maurer und damals 
Kommandant von Berlin war, mit der Bitte, diese Johannis- 
Versammlung der Loge „Concorde", die sie als gesetzwidrige 
bezeichnete, zu verbieten, wozu sich der General auch be- 
reitwillig finden Hess. 

Die Loge „Concorde" arbeitete seitdem abwechselnd zu 
Charlotten bürg und auf dem Schlosse des Br. v. Humboldt 
zu Tegel, wendete sich aber an den Markgrafen Carl, 
damaligen Obermeister der Schottischen Logen, stellte ihm 
das Sachverhältniss vor, und bat ihn um seine Yermittelung, 
die er ihr auch angedeihen liess, indem er bei dem General 
Forcade die Zurücknahme des Verbots bewirkte. 

Inzwischen war auch der Gouverneur von Berlin, 
Feldmarschall Keith, der damals angeblich Yice-Grossmeister 

*) In diesem Schreiben der „Concorde'' heisst es: „Der Bmder 
Güstine (der Vertreter) hat uns dasjenige gemeldet, was sich neuerlich 
in der Grossen Königlichen Mutterloge zugetragen hat. Unsere Yer- 
Wanderung darüber ist grenzenlos. Wie ist es möglich, dass Sie in 
einem Augenblicke alle Gesetze und Statuten über den Haufen werfen 
können. Wir können Ihr Betragen auf keinen Fall gut heissen, ein 
Betragen, welches auf eine empörende Weise den guten Br. v. Bielf eld 
beleidigt, und wir würden mit ihm gemeinschaftliche Sache machen, 
wenn wir weiter in der bisherigen Verbindung mit der Loge blieben. 
Wir entsagen jedoch feierlich a. s. w.** 



— 33 — 

der norddeutschen Logen englischer Lehrart war und 1766 
sich häofig in Potsdam aufhielt, nach Berlin gekommen 
and hatte durch den Kommandantur-Bericht Kenntniss von 
der Sache erhalten. Er liess die Loge „Concorde^ ersuchen, 
einen ihrer Brüder zu ihm zu schicken, worauf der Meister 
▼om Stuhl, Br. Imbert, mit noch zwei Brüdern sich zu ihm 
begab. Der Br. Lord Keith empfing diese Abordnung 
sehr freundlich, erklärte es für Unrecht, dass die Mutter- 
loge sich in dieser rein maurerischen Sache an den General 
Forcade gewandt habe, gab den Brüdern einige Lehren 
über ihr Verhalten zum Besten des Ordens, versprach aus 
freien Stücken, der Loge „Concorde" eine englische Stiftungs- 
Urkunde zu verschaffen und bestätigte ihr als Gouverneur 
von Berlin die fjrlaubniss, sich versammeln zu können, 
wo sie wolle. — 

Die Mutterloge setzte regelmässig ihre Arbeiten 
unter der Leitung des Br. v. Rammeisberg fort, der, wie 
es scheint, mit grossem Eifer und mit Ordnung seine Geschäfte 
als Meister versah. 

Zu bemerken ist, dass die Niederschriften, welche seit 
dem 5. November 1753 sämmtlich wieder in französischer 
Sprache geführt worden waren, vom 11. Juni 1755 an, dem 
Tag der Einführung des neuen Meisters, Br. v. Rammels- 
berg, alle in deutscher Sprache und mit grösserer Voll- 
ständigkeit als früher, abgefasst wurden. Dies geschah auch 
von nun an immer, und mit Ausnahme einiger wenigen, 
welche besonderer Ursachen wegen z. B. bei den Ver- 
handlungen mit der späteren Loge „de l'Amiti^*^ französisch 
geführt wurden, sind von hier ab alle Niederschriften deutsch. 

In einer Loge, welche der Br. v. Rammeisberg am 
5. September 1755 hielt, zeigte er an, dass er auf längere 
Zeit verreisen müsse, und ersuchte die Brüder deshalb, einen 
neuen Meister zu wählen. Dies wurde allgemein abgelehnt, 
and der Vorsitzende gebeten, wenigstens bis zur gewöhnlichen 
Wahlzeit gegen Johannis den Hammer zu behalten. 

In diesem Jahr wurde in Hannover die von Hamburg 
gestiftete Loge , Friedrich* von London aus als Provinzial- 

Bmek. d. Or. N»t. -Mutier -Log«. 8 



— 34 — 

1755 Loge „für Ihro Majestät Lande in Deutschland^ unter dem 
Grossmeisterlichen Hammer des Geheimen Legationsrathes 
V. Hinüber eingerichtet. Die Englische Pro vinzial -Loge 
in Hamburg*), zu deren ursprünglichem Sprengel auch 
das Kurfürstentum Hannover gehörte, legte vergeblich gegen 
diesen Eingriff in ihr Sprengelrecht Berufung ein. 

1756 Vom 6. Oktober 1755 bis zum Februar 1756 hielt der 
erste Aufseher, Br. Meyner, im Auftrag des abwesenden 
Meisters vom Stuhl die Logen mit aller Pünktlichkeit. 

Ein eigener Vorfall dieser Zeit verdient deswegen 
Erwähnung, weil er zeigt, dass die Vorsicht bei Auf- 
nahmen gerade damals nicht vernachlässigt wurde. Am 
1. Dezember 1755 wurde der Königliche Hofsänger Luini 
zur Aufnahme vorgeschlagen. Es erhoben sich in der Loge 
Bedenken darüber, ob es nicht dem Gesetzbuch zuwider 



*) Bereits im Jahr 1731 war vom Grossmeister der EDglischen 
Grossloge, Herzog von Norfolk, dem HerrD de Thom zu Hambnrtr eine 
Urkande als Provinzial- Grossmeister für Hamburg und den Nieder- 
sächsischen Kreis ertheilt worden. Da von dieser Urkande kein 
Gebrauch gemacht worden, erhielt der Dr. Jänisch zu Hamburg unter 
dem 10. März 1740 eine Urkunde als Pro vinzial - Grossmeister für 
denselben Bezirk. Im Jahr 1765 trat die Hamburger Provinzialloge 
' als Präfektur Ivenak zur strikten Observanz über. Mittels Urkande 
der Eiglischen Grossloge vom 30. November 1773, betreffend die 
Anerkennung der Grossen Landesloge von Deutschland, wurde die 
Urkande vom 10. März 1740 für ungültig erklärt und das Sprengelrecht 
der Grossen Landesloge für Deutschland (mit Ausnahme der Pronnzial- 
logen zu Hannover, Braunschweig und Frankfurt a. M.) anerkannt 

In Folge des Beschlusses der Englischen Grossloge, ihr Sprengel- 
recht in Deutschland wieder aufzunehmen, wurde im Jahr 1786 die 
Provinzialloge von Hamburg und Niedersachsen unter dem Vorsitz 
des Dr. Ext er in ihr Alters Vorrecht vom 10. März 1740 wieder ein- 
gesetzt. Da die Grosse Landesloge von Deutschland gegen diesen 
Beschluss Berufung einlegte, wurde die Urkunde vom 30. November 1773,^ 
betreffend die Anerkennung der Grossen Landesloge von Deutschland, 
1788 von der Eni^Iischen Grossloge zurückgezogen. Die Hamburger 
ProvinziaIlo)(e erklärte sich am 4. Februar 1811 für eine unahbängiKe 
selbständige Grossloge, da in Folge der Kontinental-Sperre Hamburg 
von England getrennt war, und die Verbindung mit der Mutterloge 
„bedenklich und gefahrdrohend" erschien. 



— 35 — 

sein würde, einen Kastraten, also einen verstümmelten Mann, 1766 
aofzunehmen. Nach einigen Erörterungen ward beschlossen, 
bei der Loge Absalom in Hamburg*) sich darüber Raths 
zu erholen. Diese Loge antwortete, dass nach ihrer Meinung 
^man ohne alles Bedenken die Kastraten aufnehmen könne, 
wenn sie nur sonst die übrigen essentiellen Eigenschaften 
echter und aufrichtiger Freimaurer an sich hätten und frei 
von Lastern wären ^. Hierauf wurde über den Signor Luini 
hellleuchtend gekugelt. 

Am 12. Februar 1756 hielt der zurückgekehrte Meister 
Br. Y. Bammelsberg wieder die erste Loge zur grossen 
Freude der Brr. Er reiste jedoch bereits Ende Mai nach 
Goslar ab, von wo er später in einem freundlichen Schreiben 
sich der Loge empfahl und ihr anzeigte, dass er in 
Amsterdam sich nach Indien einschiffen würde. 

Am 31. Mai wurde der Br. Meyner zum Meister vom 
Stuhl gewählt und setzte die Arbeiten in gewohnter Weise fort. 

Die Mutterloge beschloss, die Loge „Concorde** zu 
bitten, das Johannisfest gemeinschaftlich mit ihr zu feiern, 
was aber höflich abgelehnt wurde. 

Im Mai 1757 wurde der Br. v. Printzen zum Meister 1767 
vom Stuhl gewählt, und auch diesmal die Loge „Concorde^* 
zur gemeinschaftlichen Feier des Johannisfestes eingeladen. 
Diese Loge entschuldigte sich aber in einem ebenso brüder- 
Uehen, als verbindlichen Schreiben damit, dass sie ihre 
Einrichtungen bereits getroffen hätte, um wieder wie im 
vergangenen Jahr das Fest auf dem Gute des Br. 
V. Humboldt in Tegel zu feiern, versprach jedoch, sich 

•) Vergl. Beschreibung der Säkular -Feier der Einführung der 
Freimaurerei ia Hamburg und Deutschland am 6. Dezember 1837, 
festlich begant^en durch die Qrossloge zu Hamburg. (N estler u. Melle.) 
Am 7. Dezember 1737 war fon der Grossloge von England die Urkunde 
nur Errichtung einer Loge zu Hamburg ertheilt, und mittels Urkunde 
▼om 23. Oktober 1740 dieser Loge der Name Absalom beigelegt, auch 
unter dem 4. Juli 1781 die Stiftungs-Urkunde erneuert worden, da die 
iltere Urkunde verloren gegangen war. Von einer Abordnung dieser 
Loge ist der Kronprinz (später König Friedrich H.) von Preussen in 
den Bund aufgenommen worden. Vergl. S. 3. 

8* 



— 36 — 

1767 künftig bei frühzeitiger Benachrichtigung dem gemeinsamen 
Fest wieder anschliessen zu wollen. Die Brr. beider Logen 
hatten übrigens schon gegenseitig die Arbeiten der anderen 
Loge besucht. 

1758 Der Er. von Printzen leitete die Mutterloge mit 

grosser Umsicht und Kraft, und seinem regen Eifer für die 
Maurerei, so wie seiner weisen Mässigung hat sie unendlich 
viel zu verdanken. Er wurde am 12. Juni 1758 wieder 
zum Meister vom Stuhl erwählt. 

In diesem Jahr wurde auch bei der Loge „Concorde", 
durch den Er. Markgrafen Karl, als Schottischen Ober- 
Meister, eine eigene Schottenloge unter dem Namen 
„de PHarmonie" gestiftet. Sie stand zur Johannisloge 
„Concorde" in demselben Verhältniss wie die Schottische 
Loge „de l'ünion" zur Loge „zu den drei Weltkugeln." 

Im Dezember 1758 ertheilte die Mutterloge dem 
Er. Gabriel de Lernais oder de Lernet die Genehmigung, 
aus den gefangenen französischen Offizieren in Berlin, 
welche Maurer waren, eine eigene Militär- Loge unter dem 
Namen „la Fid61it6" zu errichten, welche aber keine Auf- 
nahme vollziehen durfte. Nach Auswechselung der Ge- 
fangenen ging sie wieder ein. 

1769 Auch in den Jahren 1759 und 1760 wurde Er. v. Printzen 

immer wieder zum Vorsitzenden der Mutterloge gewählt, 
deren Blütlie unter seiner Führung je länger desto mehr 
zunahm. 

1760 Dem Jahr 1760*) verdankt die jetzige Grossloge 

„Royal -York zur Freundschaft" ihr Entstehen. Am 5. Mai 
wurde nämlich in der Mutterloge vorgetragen, dass 
eine Anzahl Freimaurer, geborene Franzosen, den Wunsch 



*) In der Schrift: „Hauptmomente der Geschichte der Grossen 
Loge Ton Preassen gen. Boyal-Tork 1849** wird angenommen, dass die 
Loge bereits im Jahr 1750 sich gebildet habe und ihren Urhprung den 
französischen Künstlern und Gelehrten verdanke, welche König 
Friedrich der Grosse nach Berlin berufen hatte. Es fehlen jedoch 
urkundliche Nachrichten hierüber. Vergl. Koethener Taschenbuch v. 
1800, S. 332—352. Flohr: Gesc^h. d. Gr. Loge Royal York (1898) I, If. 



— 37 — 

hege, eine eigene Loge unter dem Namen „de la Paix et 1700 
de la Joye^* zu stiften. Sie wollten sich anheischig machen, 
nar Franzosen aufzunehmen, das Johannisfest gemeinschaftlich 
mit der Mutterloge zu feiern und ihre Armengelder zur 
Kasse der Mutterloge abzuliefern. Am 10. Juni wurde 
diese Angelegenheit berathen, und die Errichtung der neuen 
französischen Loge beschlossen. 

Am 10. August wurde die neue, in französischer Sprache 
arbeitende Loge unter dem Namen „aux trois Colombes^**) 
durch den Meister Br. v. Printzen und die Beamten der 
Hntterloge im Hause des Br. Ruffin in der Poststrasse 
feierlich eröffnet. 

In diesem Jahr stiftete die Mutterloge noch ausserdem 
folgende Johannislogen : 
in Offenbach: die Loge „zum Palmbaum"**) 
in Rostock: die Loge „zu den drei Sternen"***); 

*) Die drei Tauben führt die Grosse Loge Royal -York zur 
Freundschaft noch jetzt in ihrem Wappen und in ihrem und ihrer 
Tochterlogen Abzeichen. 

^) üeber die Arbeiten dieser Logen findet sich in unserem Archi? 
keine Nachricht Erst im Jahr 1813 wurde eine neue Loge zu Offen- 
bach unter dem Namen „Carl und Charlotte zur Treue** vom Elklektischeo 
Bund errichtet. 

Von 1833 bis 1843 ausser Th&tigkeit trat diese Loge im Jahr 1869 
der Qrossloge von Darmstadt bei. 

*^) Die Loge zu den drei Sternen ward am 10. Juli 1760 von dem 
Br. Hofrath v. Hertvig gegründet, und arbeitete auf Grund der Ver- 
fassung unserer Qrossloge gleich dieser nach dem sog. neu englischen 
System, anfangs zu Karlshof. Mit ihr verbunden war eine Schottische 
Loge unter dem Namen „zur Sonne", welche zu Rostock am 28. M&rz 1761 
durch den Br. Imbert aus Berlin eröffnet wurde. Die ersten Beamten 
der Loge zu den drei Sternen waren neben dem Meister vom Stuhl 
▼. HertTig die Brr. Justtzrath v. Schröder und Geh. Rath Albrecht 
alsAufseher, Senator Dr. B e h r m a nn als Redner, J a b 1 c r alsSchriftführer, 
Dr. Wendt und Chirurg Erschel als Schaffner. Der Br v. Schröder 
ftlhrte die Loge im Jahr 1764 der strikten Obsenratiz zu. Am 
16. November 1764 ward die von der Mutterloge ertheilte Urkunde 
feierlich für nichtig erkl&rt, und der Heermei^ter v. Hund ertheilte 
unter dem 24. Januar 1765 eine Urkunde dem Br. v. Schröder als 
Sabprior von Ratzeburg, erhob die Loge zu den drei Sternen zur 



— 38 — 

1760 in Königsberg i« P.: die Loge „zu den drei Kronen"*); 
in Pritzwalk: die Loge „zum Thal Josaphat"**). 

Die Anträge um Errichtong mehrerer Schottenlogen 
worden der Schottenloge „rUnion" überwiesen. 

In diesem Jahr übernahm der Landdrost Graf v. Kiel- 
mannsegge den grossmeisterlichen Hammer der Provinzial- 
loge von Hannover. 

Mutterloge und zum Sitz eines Subpriorates. Dieses Subpriorat um- 
fasste Mecklenburg und einen Theil Ton Pommern, seit 1766 auch 
Hamburg (Präfektur Ivenak) und Kopenhagen (Präfektur Bnin). Damals 
war B ehrmann Meister vom Stuhl der Loge zu den drei Sternen. 
Die Schottische Loge zu Rostock nahm den Namen „Carl zur Sonne" 
an, zu Ehren des Heermeisters t. Hund. Am 17. Februar 1767 er- 
richtete die Loge zu den drei Sternen eine neue Loge „zu den drei 
Löwen*^ in Wismar. Stifter dieser anfangs Ton der Mutterloge ganz 
abhängigen Tochterloge waren die Brr. t. Vegesack, Major v. Bochum, 
Rektor Starck, Lieutenant t. Stiehl, Hauptmann v. Bülow. Durch 
eine Abordnung der Rostocker Loge wurde am 21. Dezember 1772 der 
regierende Herzog Adolph Friedrich IV. in den Orden eingeführt, und 
demnächst auch in Neu-Brandenburg am 22. März 1774 die neue Loge 
„zum gekrönten goldenen Greift errichtet, deren erster Meister Tom 
Stuhl der Br. y. Roepert zu Trollenhagen war. Beide Logen trennten 
sich jedoch bald von ihrer Mutterloge. Um das Jahr 1782 stellte die 
Mutterloge zu den drei Sternen ihre Arbeiten ein. (Krüger, Geschichte 
der Freimaurerei in Mecklenburg. 'Widmann, Zirkelkorrespondenz 
1873, S. 148 u. f.) 

In dem Archiv der Gr. Landes-Loge befinden sich die Akten, betr. 
die Gründung *der Schotten - Loge de THarmonie, und in diesen der 
Bericht des Br. Imbert über den Besuch der neu errichteten Loge zu 
den drei Sternen. 

Die Verkehrs -Akten unseres Archivs mit der Rostocker Loge 
beginnen mit dem Jahr 1761 und schliessen mit 1775. 

*) Diese Loge schloss sich 1769 der strikten Observanz an. Durch 
die Uebereinkunft mit der Mutterloge vom Jahr 1776 wurde sie zu 
einer ganz selbständigen Provinzial-Mutterloge für Ostpreussen, West- 
preussen und Litthauen erhoben, wie sie schon vorher im Jahr 1762 
eine Tochterloge „zu den drei Sternen'* in Dan zig, 1773 eine Ab- 
ordnungsloge zu Marienburg gegründet hatte. In Folge des Edikts 
von 1798 trat sie im Jahr 1799 in das Yerhältniss einer Tochterloge 
zu ihrer früheren Mutterloge zuiück. 

^*) Ueber die Arbeiten dieser Loge findet sich in unserem Archiv 
keine Nachricht Nach einer Bemerkung Lachmann's war sie 1802 
erloschen. 



— 39 — 

Im Februar 1761 ging die Nachricht ein, dass die Loge 1761 
, Concorde^ in Magdeburg eine Loge unter dem Namen „la 
F^licit^^ (zur Glückseligkeit) gestiftet habe. Die Mutterloge 
legte heftig aber erfolglos bei der Loge ,, Concorde" gegen 
diese Stiftung Berufung ein und schrieb allen Logen, mit 
welchen sie in Schriftwechsel stand, dass sie diese neue 
Magdeburger Loge als eine ungesetzlich gestiftete nicht 
anerkenne. 

Am 12. April erhielt die neue Tochterloge zu Berlin, 
welche nun den Namen „de TAmitiä aux trois Colombes" 
angenommen hatte, eine erweiterte Stiftungs-Ürkunde, worin 
ihr gestattet wurde, auch andere als bloss geborene Franzosen 
aufzunehmen, unter der Bedingung, dass sie der Mutterloge 
jedes Mal Anzeige davon nache. 



Vierter Zeitraum. 

Von 1761 bis 1764. 



Das maurerische Tribunal. 

1761 1/er Br. v. Printzen, dem das Wohl des Maurerbandes 

über Alles am Herzen lag, hatte nie die Wiedervereinigung 
aller drei Berliner Logen aus den Augen gelassen und mit 
eben so viel Klugheit als Herzensgüte daran gearbeitet, diesen 
seinen Lieblingsgedanken zu verwirklichen. Am 4. Mai 1761 
versammelte er die Mutterloge und zeigte den Brüdern an, 
dass er eine nothwendige Reise vornehmen müsse, die ihn 
verhindere, den Hammer wieder zu übernehmen, falls die 
Wahl nochmals auf ihn fallen sollte; vor seiner Abreise 
wolle er aber noch das wichtige Geschäft der Wiederver- 
einigung der Logen vollbringen. Er verlas nun zuerst ein 
Schreiben der Loge „de l'Amiti6 aux UI Colombes** über 
diese Angelegenheit, dann trug er vor, dass er sich mit dem 
Br. Paturelle, Meister vom Stuhl der Loge „Concorde" und 
dem Br. Imbert, Altmeister derselben Loge, über die streitigen 
Punkte berathen hätte, und legte einen mit diesen Brüdern 
entworfenen Plan zur Ausgleichung vor, der allgemeinen 
Beifall erhielt. Von Seiten der Loge „Concorde" zeigte er 
an: diese verlange nur eine neue Stiftungs- Urkunde, die 
nicht so lästig wäre wie die alte, und zwar mit der Be- 
zeichnung als erste Tochterloge. Sie wolle sodann als solche 
in ihre Schranken wieder zurücktreten und keine Logen 
mehr errichten, bedinge sich aber die Anerkennung der von ihr 
gestifteten Loge in Magdeburg aus. Sodann liess der Br. 
V. Printzen das bezügliche Schreiben der Loge „Concorde" 



— 41 — 

durch den Br. Schriftführer vorlesen. Dieses Schreiben 1761 
lautete also: 

„Wir eilen mit Herzlichkeit in Ihre Arme zurück, ge- 
liebteste Brüder, und huldigen mit Freude der Grossen 
Königlichen Mutterloge zu den 3 Weltkugeln als unserer 
guten, würdigen Mutter. Wir ersuchen Sie, geliebteste und 
würdigste Beamten unserer guten Mutter, uns brüderlichst 
ein neues Konstitutions-Patent zu ertheilen, wodurch wir für 
Ihre rechtmässige älteste Tochter anerkannt und uns die 
Gerechtsame einer gerechten und vollkommenen St. Johannis- 
loge wirklich verliehen werden. Möge der Ruhm desjenigen 
Tempels, an welchem wir auch gemeinschaftlich arbeiten 
werden, sich über die ganze Oberfläche des Erdballes ver- 
breiten, mögen unsere vereinten Jubellieder zum Himmel 
erschallen und überall selbst die Ungeweihten überzeugen, 
dass nur in dem Bruderbunde wahre Glückseligkeit herrscht. 
Mögen auch diese, von dem Beispiel unserer reinen Sitten 
durchdrungen, sich alle an uns unter dem schönen Paniere 
der Vernunft und Tugend anschliessend* 

Es wurde sofort ein Tag zu einer allgemeinen Beamten- 
Versammlung aller drei Logen festgesetzt, um das Werk zu 
vollenden. 

Diese allgemeine Beamtenloge fand am 20. Mai statt 
und zwar unter dem Vorsitz des Br. Paturelle, Meisters 
vom Stuhl der Loge „Concorde", da der Br. v. Printzen 
bereits abgereist war. Die Vereinigungs- Urkunde wurde 
vollzogen, deren wesentlichste Bestimmung in ihrem § 5 
liegt, welcher also lautet: 

„Und weil es augenscheinlich zur Aufnahme des ganzen 
Bundes und besonders der Logen in der Residenz, auch zur 
baldigen Ausgleichung aller sich etwa ereignenden Zwistig- 
keiten gereichen wird, wenn ein oberstes maurerisches Tribunal, 
aus einem Grossmeister und zweien Gross -Aufsehern 
bestehend, errichtet wird: so sollen die drei Logen, noch 
vor der gewöhnlichen Wahl, ihre sämmtlichen Beamten 
zusammenkommen lassen, um diese drei Grossbeamten, als 
Directores und Inspectores der drei Logen zu wählen, mit 



— 42 — 

1761 dem Vorrechte, dass sie, das Jahr hindurch, alle Misshellig- 
keiten, die sich zwischen den drei Logen ereignen möchten, 
schlichten und endigen. Bei diesen Gerichtsverhandlungen 
sollen ihnen die drei versitzenden Meister der drei Logen 
assistiren; jedoch ohne entscheidende Stimme, sondern bloss, 
um ihnen von den vorfallenden Umständen ein näheres Licht 
zu ertheilen, wie auch um die Protokolle zu führen/^ 

Dieser Festsetzung gemäss wurden die Mitglieder des 
Tribunals gewählt, und zwar: 

zum Grossmeister der Br. v. Printzen; 

zum ersten Grossaufseher der Br. Imbert, Altmeister 

der Loge „Concorde"; 
zum zweiten Grossaufseher der Br. Eircheisen, von 
der Mutterloge. 

Diese Grossbeamten sollten die Arbeiten des Johannisfestes 

leiten, und zu ihrer Unterstützung dabei wurden noch gewählt: 

zum Grossschaffner, der Br. Patras, Meister vom 

Stuhl der Loge „de rAmitiö"; 
zum Gross-Ordner, der Br. v. Grappendorff, aus der 
Mutterloge. 
Seit dieser Zeit ist die Loge „Concorde", welche nun 
den deutschen Namen „zur Eintracht" annahm, immer un- 
zertrennlich von der Mutterloge zu den drei Weltkugeln 
geblieben, und hat treulich deren Schicksale getheilt. 

Am 20. Mai vereinigte sich die von der Loge „Concorde" 
errichtete Schottenloge, „de THarmonie" mit der von der 
Mutterloge errichteten Schottenloge „l'ünion", welcher 
letztere Name allein beibehalten wurde. 

Am 24. Juni 1761 begingen die Brr. der vereinten Logen 
das Johannisfest gemeinschaftlich unter Vorsitz des maure- 
rischen Tribunals. 

Nachdem die Grossbeamten die Loge feierlich eröffnet 
hatten, wurden die drei neugewählten Vorsitzenden Meister 
nämlich: 

der Br. Wilke von der Mutterloge, 

der Br. Dieu von der Loge zur „Eintracht", 

und der Br. Claude von der Loge „de FAmitiä", 



— 43 — 

durch den Gross -Ordner zu dem ersten Grossaufseher geführt, 1761 
der ihre Kenntnisse und Fertigkeiten in den Logenarbeiten 
prüfte, und sie dann mit dem zweiten Grossaufseher dem 
Grossmeister zuführte. Dieser setzte sie feierlich in ihre 
Aemter ein und bekleidete sie mit dem Meisterschmuck. 
Das Fest wurde dann in üblicher Weise begangen. 

Die Loge zur „Glückseligkeit^* in Magdeburg wurde 
nun von der Mutterloge anerkannt und als Tochterloge 
angenommen. 

Am 26. Juli wurde der Beschluss gefasst, dass fortan 
Niemand bei seiner ersten Aufnahme mehr als den Lehrlings- 
grad erhalten dürfte. Nur Reisende sollten an demselben 
Tage zu Gesellen befördert werden können. 

Im Jahr 1762 entstand eine Misshelligkeit zwischen 1762 
der Loge ,,zur Eintracht'* und der „de FAmiti^** daraus, 
dass die letztere einen Herrn v. Arnim aufgenommen hatte, 
der bereits bei der Loge „zur Eintracht** vorgeschlagen 
worden war. Das Tribunal legte die Sache bei und verwies 
der Loge „de TAmiti^** ihr Betragen. 

Auch in diesem Jahr wurden die Brr. v. Printzen 
und Kircheisen, dagegen statt des Br. Imbert der 
Br. Daum zu Grossbeamten des Tribunals gewählt. 

Meister vom Stuhl der Mutterloge wurde 
Br. Starkgraf. 

Das Johannisfest wurde ebenso gemeinschaftlich gefeiert, 
wie im vorigen Jahr. 

Im Jahr 1762 gründete die Mutterloge: 
zu Stettin*) die Johannisloge „de la parfaite Union**; 



*) Bereits im Jahr 1760 war in Stettin von fremden Offizieren 
die Loge ^rUnion" gestiftet worden; diese wurde im Jahr 1762 als 
nparfaite Union^ errichtet, schloss sich 1764 unter dem Namen „zu 
den drei Zirkeln** der strikten Observanz an und wurde 1797 von 
unserer Grossloge von Neuem errichtet Die von der Grossen Landes- 
loge zu Stettin 1777 errichtete Provinzialloge ging im Jahr 1816 
wieder ein. Dagegen vereinigten sich die beiden Johannislogen jenes 
Systems „zu den drei goldenen Ankern** (gestiftet 1 770) und ,|Zur Liebe 
und Treue** (gestiftet 1812) im Jahr 1824 zu einer Loge genannt 
„lu den drei goldenen Ankern zur Liebe und Treue.** 



— 44 — 

1762 zjx Magdeburg die Johannislogen „zur vollkommenen 

Einigkeit^^*) und zur Beständigkeit^^; 

zu Dresden**) die Johannisloge „zu den drei Granat- 
äpfeln"; 

zu Aschersleben***) die Johannisloge „zu den drei 
Hügeln Zions'^; 

zu Hirschbergf ) die Johannisloge „zu den drei Felsen/^ 

1763 Im Jahr 1763 fiel ein Missverständniss mit der Loge 
„Zorobabel^ in Kopenhagen vor, welches seinen Grund 
darin hatte, dass diese in einem Anschreiben der diesseitigen 

*) Die Loge militaire sumomm^e la parfaite udIod war bereits 
im Jahre 1760 — ohne Stiftangs-Ürkunde — errichtet. Ihr Mitglieder- 
Verzeichniss von Johannis bis 1. September 1761 ist im Logen-Archiv 
ZQ Oldenburg vorhanden. 

**) Die Verkehrs- Akten unseres Archivs mit Dresden beginnen 
mit einem Schreiben der dortigen Loge ,,za den 3 goldenen Schwertern*^ 
(in glaives d'or) vom 22. August 1743. 

Mittels Gesuchs vom 8. März 1762 wendete sich die Loge „zu den 
drei Qranat-Aepfeln** (Meister: S. Christian Gen sei, erster Aufseher 
Johann Spiess, zweiter Aufseher Ernst Adam Edwin v. Trotta, erster 
Schaffner Johann Joseph Graf T h u n , Schriftführer Christian Contessa) 
an die Grossloge „zu den drei Weltkugeln^ wegen Ertheilung einer 
Stiftungs - Urkunde. Diese Urkunde wurde mittels Schreibens vom 
17. August 1762 übersandt. Nach Ausweis der in Abschrift hierher 
eingereichten Niederschrift wurde die neue Loge auf Grund dieser 
Stiftungs -Urkunde am 24. August 1762 eröffnet. Hiermit schliessen 
die Akten. Im Jahr 1764 vereinigte sich diese Loge mit der „zu den 
3 Schwertem**. 

***) Es sind Verkehrs- Akten mit Aschersleben im Archiv nicht vor- 
handen. In der Bundes -Matrikel findet sich die Bemerkung, dass die 
Loge „zu den 3 Hügeln Zions** seit vielen Jahren nicht mehr arbeite. 
(Vergl. Allgemeines Handbuch der Freimaurerei, Ausg. 3, Band 1, S. 48. 

t) Seit dem Jahr 1761 bestand in Hirschberg eine Loge „der 
bekr&nzten Achte", deren Mitgliedern von unserer Grossloge am 
3. M&rz 1763 eine Stiftungs -Urkunde unter dem Namen „zu den drei 
Felsen" ertheilt wurde. Ueber deren Wirksamkeit, die bis 1783 gewährt 
haben soll, schweigen unsere Akten. 

Unter gleichem Namen wurde von der Grossen Landesloge im 
Jahr 1776 zu Schmiedeberg eine Loge errichtet Diese wurde, da 
ein grosser Theil der Mitglieder in Hirschberg wohnte, 1783 dorthin 
verlegt, ruhte jedoch von 1807 bis 1811, und wurde demnächst nach 
Schmiedeberg zurück verlegt 



— 45 — 

Matterloge als Tochterloge bezeichnet war. Sie beschwerte 1768 
sich darüber um so mehr, als sie von der Londoner Gross- 
loge zur Mutterloge für die Dänischen Staaten errichtet sei. 
Der Vorfall beruhte auf einem Versehen des Br. Schriftführers 
und auf einer Verwechselung mit der durch die Mutterloge 
zu den drei Weltkugeln im Jahr 1753 in Kopenhagen gestifteten 
Loge „zu den drei brennenden Herzen'. Die Sache wurde 
durch die Vermittelung des Br. Rose von hier, des Dänischen 
Grossmeisters, Grafen Laurwig, und des Meisters vom Stuhl 
der Loge „Zorobabel^, Br. Nilsen, mittels eines Schreibens 
der Grossen Königlichen Mutterloge an die Dänische Gross- 
loge gütlich beigelegt. 

Auch von der Provinzialloge von Niedersachsen (englischer 
Verfassung) zu Hamburg war eine Beschwerde darüber ein- 
gegangen, dass von der hiesigen Mutterloge die Loge „zu 
den drei Sternen" in Rostock gegründet sei, welcher Ort doch 
zu ihrem ausschliesslichen Logensprengel gehöre. Sie ver- 
langte die Zurücknahme der Stiftungs-Urkunde, was jedoch 
abgelehnt wurde. 

Im Monat März entstanden Misshelligkeiten in Berlin 
dadurch, dass mehrere Brr. der drei Logen unter dem Vorsitz 
des Br. Wölb er von der Loge „de TAmiti^" zu Frankfurt a. 0. 
Winkelaufnahmen vorgenommen hatten. Das Tribunal unter- 
suchte die Sache und fällte das Urtheil: 

„Der Br. Wölb er wird auf 6 Monate exkludirt. Zeigt 
er maurerische Gesinnung und Reue, so soll nach Verlauf 
dieser Zeit über ihn ballotirt, und er, nachdem er von 
Neuem verpflichtet, wieder angenommen werden. 

„Die übrigen Brr., sieben an der Zahl, sollen nach Mass- 
gabe ihrer Schuld, auf 3 und 2 Monate von den Arbeiten 
suspendirt werden.** 

Die Mutterloge und die Loge „zur Eintracht" fügten sich 
diesem Ausspruch sofort, die Loge „de TAmiti^" nahm sich 
aber des Br. Wolber an und vertheidigte ihn heftig, was 
jedoch an dem Urtheil nichts änderte. Nach Ablauf der 
6 Monate trug die Loge „de TAmitiö" auf Zurücknahme der 
Ausschliessung des Br. Wolber an; dies wurde genehmigt. 



— 46 — 

1763 und der Br. Wölb er ward Meister vom Stuhl der Loge 
„de rAmiti*.« 

Diese Angelegenheit hatte indessen eine grosse Aufregung 
herbeigeführt, in deren Folge die Brr. v. Printzen, Daum 
und Kircheisen ihre Aemter als Mitglieder des Tribunals 
niederlegten, und dies sich thatsächlich auflöste. Der 
Br. V. Printzen scheint stillschweigend aus Achtung vor 
seiner Person als ständiger Grossmeister beibehalten zu sein, 
da seiner oftmals mit dieser Bezeichnung in den späteren 
Niederschriften der Grossloge gedacht wird. Jedoch blieb 
er getreu seinem Vorsatze der Führung der Johannis- 
Maurerei fern. 

Am 10. August wurde in der Mutterloge beschlossen, 
bei Stiftungen neuer Logen, wie es in Hamburg üblich, 
gleich in der Urkunde zu bestimmen, dass von jeder Auf- 
nahme ein Dukaten eingeschickt werden solle, weil die 
Mutterloge zum Besten ihrer Tochterloge oft zusammen- 
kommen müsse, die Führung des Ganzen auch viel Briefgeld 
und Auslagen verursache. 

In derselben Berathung wurde beschlossen, dass künftig 
kein Br. zum Mitglied der Mutterloge gewählt werden solle, 
der nicht Meister sei. Auch solle bei Erlangung der 
Mitgliedschaft der Mutterloge eine besondere Verpflichtung 
abgelegt werden. 

In der Berathung vom 5. September wurde beschlossen, 
dass bei Errichtung einer Tochterloge die Stiftungs-Ür künde 
mit 50 Thhr. für die Hauptlogenkasse und 10 Thlr. für die 
Armen bezahlt werden solle. 

Ferner wurde beschlossen, dass diejenigen Mitglieder 
der Mutterloge, welche, ohne sich entschuldigen zu lassen, 
der Berathung fernblieben, in der Niederschrift als säumige 
Brüder aufgeführt werden sollten. Nach dem Beschluss vom 
19. Oktober d. J. sollte die Strafe des unentschuldigten 
Ausbleibens bei den Versammlungen der Mutterloge das 
erste Mal mit 1 Thlr., das zweite Mal mit 2 Thlr., das 
dritte Mal mit Ausschliessung auf einige Zeit festgesetzt bleiben. 



— 47 — 

In derselben Sitzung wurde bestimmt, dass nach Vorgang 1768 
des Englischen Konstitutions-Bnches künftig der neu gewählte 
Vorsitzende Meister seine Beamten selbst wählen könne. 

Am 2. Mai des Jahres 1763 legte der Grossmeister 
Br. V. Printzen ein Schreiben des Br. Prinzen Ernst von 
Kurland in St. Petersburg vor, worin dieser anzeigte, 
dass er daselbst mit Genehmigung und unter Schutz 
Sr. Majestät des Kaisers eine gerechte und vollkommene 
Loge unter dem Namen der „glücklichen Eintracht" errichtet 
habe, und die grosse Königliche Mutterloge ersuche, dieser 
Loge eine Urkunde auszustellen, vermöge deren sie diese 
als eine gerechte und vollkommene Grosse Schwester- 
loge anerkenne. Diesem Verlangen wurde mit freudiger 
Bereitwilligkeit entsprochen. 

Im Jahr 1763*) wurden gegründet: 
zu Danzig: die Loge „aux trois Pyramides**,**) 
zu Magdeburg: die Loge „aux trois Colonnes **,***) 
zu Emden: „Pax et concordia".f) 

Im Jahr 1764 war der Br. W^eisse zum Meister vom 1764 
Stuhl der Mutterloge gewählt und 
zu Rotterdam: die Loge „la Concorde prussienne^ff) 

gestiftet. 

*) In diesem Jahr soll auch in Reichenbach in Schlesien eine 
Johannisloge von unserer Grossloge errichtet worden sein. In der 
älteren Ordens -Matrikel ist sie unter No. 48 mit dem Jahr 1763 ver- 
zeichnet mit der Bemerkung ^später wieder eingegangen**. Es finden 
sich in unserem Archiv keine Akten über sie. Im Jahr 1816 wurde 
die jetzt daselbst noch bestehende Loge ^Aurora zur ehernen Kette** 
von der Grossen Loge „Royal York zur Freundschaft** gegründet. 

^*) Diese Logo war vor dem Jahr 1776 bereits ausser Th&tigkeit 
Aus ihren ehemaligen Mitgliedern wurde im Jahr 1776 die 
Loge „Eugenie zum gekrönten Löwen** neu gegründet. 

♦♦•) Die Loge „aux trois Colonnes** war von Offizieren des 
Rcfriments Ferdinand von Braunschweig gegründet worden und wurde 
bald der dortigen Loge „zur Glückseligkeit** einverleibt. 

t) Diese Loge ist nach einer Bemerkung in der Bundes-Matrikel 
bald nach ihrem Entstehen wieder eingegangen. 

tt) Der Schriftwechsel mit dieser Lo^e in unserm Archiv geht nur 
bis zum Jahr 1769; der Meister vom Stuhl klagt darüber, dass die 
Grossloge zu London ihre RechtsbestAndigkeit in Zweifel ziehe. 



— 48 — 

1764 Dagegen wurde die Loge „za den drei Rosen^ in Jena 
wegen Abweichung von der maurerischen Regelmässigkeit 
und wegen gesetzwidrigen Betragens für aufgehoben erklärt, 
und ihre Stiftungs- Urkunde zurückgezogen. 

Am 29. November wurden die neuen Bundesstatuten*) 
und zwar ohne vorgängige Berathung durch die Mutterloge 
in der letzteren veröffentlicht. 

Diese Statuten wurden jedem neu aufgenommenen Br. 
vorgelesen und von ihm unterschrieben. Das im Archiv 
aufbewahrte Exemplar dieser Gesetze auf Pergament enthält 
die Unterschriften der vom 20. November 1764 bis II. Juni 1799 
aufgenommenen Brr. 

1765 Im Jahr 1765 fuhr die Grosse Königliche Mutterioge 
fort, wie sie bereits im vorigen Jahr nach Auflösung des 
maurerischen Tribunals begonnen hatte, Einrichtungen zu 
treffen, welche darauf abzweckten, eine engere Verbindung 
mit allen ihren Tochterlogen zu bewirken. Die Einzelheiten 
der Verhandlungen können hier übergangen werden, da sie 
nicht zum Ziel führten. Die Mittel waren nicht ausreichend, 
die Zeiten nicht günstig. Es traten vielmehr damals Anzeichen 
des Zwiespaltes hervor, der geraume Zeit verderblich auf 
das Logenwesen gewirkt hat. 

In diesem Jahr schloss die Englische Provinzialloge zu 
Hannover ihre Hallen, weil sie sich der strikten Observanz 
nicht anschliessen wollte, und nahm die Arbeit erst im 
Jahr 1786 wieder auf unter dem Vorsitz des Herzogs von 
Mecklenburg und seiner Vertreter, des Staatsministers Grafen 
von Eielmannsegge, des Eonsistorialrathes Kauffmann 
und des Generals von Hedemann. 



*) Diese neuen Bundesstatuten in 8 Artikehi hatte der Bruder 
Qeorg Schmidt (ein in Sachs. Diensten stehender Offizier, Eigen- 
thümer des Guts zu Altenburg (Almerich) a. d. Saale, im Orden Eques 
a Columna genannt, Obermeister der Loge „zu den 3 Hämmern*^ in 
Naumburg) abgefasst, und der Heermeister y. Hund feierlich bestätigt 
und als Gesetzbuch zum Gebrauch in den Logen eingeführt (Ecksteins 
Geschichte der Loge zu Halle. Halle 1843. S. 78.) 



Fünfter Zeitraum, 

Von 1765 bis 1783. 



Die strikte Observanz. Die Grosse National-Mutterloge 

der Preussischen Staaten. 

Um bei der Schilderung des jetzt beginnenden Zeit- i765 
raums der grossen Königlichen Mutterloge ,zu den drei Welt- 
kugeln^ auch denjenigen Brm. verständlich zu sein, denen 
die allgemeine Geschichte der Freimaurer-Brüderschaft noch 
nicht bekannt ist, wird es nothwendig, einige geschichtliche 
Bemerkungen vorauszuschicken. 

Es ist bereits (S. 18f.) angedeutet worden, dass durch die 
Verschiedenartigkeit der Verbreitungswege der Freimaurerei 
auch Verschiedenheiten in den Formen des Logenwesens 
entstanden waren. 

Hierzu traten noch andere, wichtigere Veränderungen, 
welche mehr als die blosse Form betrafen. 

Zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Ländern 
hatten ungestümer Drang nach Elrforschung von Geheimnissen« 
die dem menschlichen Versfand wohl für immer unergründlich 
bleiben werden, Schwärmerei und Mysticismus Eingang bei 
Gliedern des Freimaurerbundes gefunden. Innere geistige 
Verwandtschaft und wohl auch manche Aehnlichkeiten in den 
Formen mit Gesellschaften einer früheren Zeit bestimmten 
andere Brr., zwischen diesen und der Maurerbrüderschaft 
einen unmittelbaren Zusammenhang anzunehmen. Andern 
Orts wurde versucht, das Logen wesen zu fremdartigen, 
politischen oder kirchlichen Zwecken, die dem Wesen und der 
Absicht der Freimaurerei fem liegen, zu missbrauchen. Alle 

Getch. d. Gr. Nat.-MotUr-Loge. 4 



— 50 — 

1765 diese fremdartigen Beimischungen gaben zur Entstehung vieler 
neuen sowohl in sich als auch besonders von der Maurerei 
verschiedenen sogenannten höheren Grade Veranlassung. 

Um 17Ö0 ungefähr fingen die deutschen Maurer 
an, dergleichen höhere Grade in ihre Logen einzuführen*). — 
Brr., welche in ausländischen Logen in die Hochgrade ein- 
geführt worden waren und diese häufig nur teilweise oder 
nur der Form nach kennen gelernt hatten, brachten sie in die 
Heimat, und die Meinung, als gehörten sie recht eigentlich zur 
Maurerei, verbreitete sich fast durchgängig. 

Der damalige Zustand der allgemeinen Bildung und der 
Mangel an Eenntniss der maurerischen Geschichte erklärt 
wohl zum Teil dies Unternehmen. 

Nach den in dem Archiv der Grossen Loge zu den drei 
Weltkugeln befindlichen Urkunden begannen ihr angehörige 
Brr. erst im Jahr 1760 sich mit höheren Graden zu 
beschäftigen, namentlich mit dem sogenannten älteren 
Clermont 'sehen.**) Von dem sogenannten hierosolymatischen 
Hochkapitel zu Berlin wurden abgezweigte Hochkapitel 



*) Die erste nachweisbare Spur einer Mitteilung höherer Grade 
an eine maurerische Werkstätte in Deutschland findet sich im Jahr 1749 
bei der Loge „zu den 3 Hämmern^ in Naumburg, wo sie durch den 
Br. Heinrich Wilhelm v. Marschall geschah. Dieser war angeblich 
in London in den Orden aufgenommen, später während seines Auf> 
enthaltes in Frankreich zu St Germain en Laye, wo sich der 
Prätendent Jacob III., Stuart, aufhielt, durch den Grafen v. Kilmarnock 
und Lord Bai m er in für das Clermont'sche System gewonnen worden. 
1737 war Br. ▼. Marschall schon von der Englischen Grossloge zum 
Provinzial- Grossmeister von Obersachsen ernannt worden. Im Jahr 
1751 trat er in Beziehung zu dem Br. v. Hund behufs Errichtung 
des Systems der strikten Observanz. Später glaubte er entdeckt zu 
haben, dass das ganze System nur zur Wiedereinsetzung der Stuarts 
erfunden sei. Er vernichtete deshalb den grössten Teil der von 
Paris erhaltenen Papiere, entsagte aller weiteren Teilnahme und 
wies die Naumburger Schottenloge an den Br. von Hund. 

**) Die französischen Offiziere und unter diesen namentlich der 
Marquis de Lernais, oder de Lernet, hatte diese Grade nach 
Berlin gebracht und bei der Loge zu den 3 Weltkugeln ein Kapitel 
von Jerusalem -Rittern eröffnet. Die Arbeiten dieses Kapitels wurdeu 



— 51 — 

errichtet in Halle, Jena, Königsberg i. Pr, Stettin, 17G5 
Braanschweig, Rostock, Greifswald, Dresden, Prag 
and Magdeburg. 

Diese Grade übten aber hier durchaas noch keine 
Herrschaft über die Logen. In den Verhandlungen des 
maurerischen Tribunals, dessen Grossmeister, der Bruder 
V. Printzen, zugleich Obermeister der hohen Grade war, 
und selbst nach Auflösung des Tribunals noch blieb, zeigt 
sich keine Spur davon, dass hier besondere Berechtigungen 
von ihm in Anspruch genommen worden wären. Nur 
erscheinen in den Niederschriften ab und zu die Titulaturen 
„Hochwürdig^ und „ Hochwürdigst ^ statt der bis dahin 
hier gebräuchlichen Bezeichnung „Ehrwürdig^ mit seinen 
Steigerungen. 

Bald aber lernte man auch noch andere, von den oben 
genannten sehr abweichende, hohe Grade kennen, und nun 
entstanden Zweifel, welche wohl die echten sein möchten, 
und die Meinungsverschiedenheiten darüber führten Streit 
und Hader herbei. Das bis dahin unter den Maurern nie 
gebräuchlich gewesene Wort „System** kam jetzt zur 
Bezeichnung abweichender Logenansichten in Gebrauch und 
gab dem Parteigeist noch grössere Nahrung. 

Dies Alles konnte nicht anders als höchst nachtheilig 
auf den Zustxind der Loge wirken. 

Im Jahr 1764 hatte sich der Freiherr v. Hund auf 
dem Konvent zu Altenberge bei Jena, einem Gut des 

am 19. Juni 1760 unter Leitung des Baron von Printzen eröffnet. Die 
Niederschriften dieses Kapitels sind noch erhalten. (Vergl. auch die 
Hamburger Engbundsakten Heft 124b, S. 60 u. f.) Daher wurde das 
System das Lernais'sche genannt. Es war aber im Wesentlichen 
das französische Clermont'sche System. 

Das neuere Clermont*sche System scheint nicht französischen 
Ursprungs, sondern in Deutschland (vielleicht durch Br. Rosa) auf- 
gebracht zu sein. Es enthält Abweichungen in einigen höheren 
Graden von dem älteren Glermont'schen System. 

Am 10. Oktober 1763 lud Johnson a Fünen als angeblicher 
Qross- Prior des wahren Ordens alle Clennont*schen Kapitel zu sich nach 
Jena zu dem Zweck, um ihre Rechtmässigkeit ihm zu erweisen, and 
Unterricht von ihm zu empfangen. 

A* 



— 52 — 

L765 Br. V. Schwarzenfels, als Heermeister der Logen strikter 
Observanz (Magister YII. Provinciae'*'), umfassend Nieder- 
deutschland mit Anschluss von Polen, Lievland und Kurland) 
huldigen lassen. 

Die unter dieser Benennung vereinten Logen bildeten 
ein System, dessen eigentlicher Begründer in Deutschland 
eben der Br. v. Hund war, und welches eine eigenthtimliche 
Legende über die Entstehung des Freimaurerbundes aus den 
Ueberbleibseln des untergegangenen Templerordens hatte 
und einen, wenn auch nicht unedlen, doch der Maurerei 
fremden, besonderen Zweck verfolgte. 

Die Grosse Mutterloge zu den drei Weltkugeln wählte 
im Juni 1765 einen Br. zu ihrem Meister vom Stuhl, der 
einen grossen Einfluss auf das deutsche Logenleben geübt hat, 
nämlich den Br. v. Zinnendorf'*"*'), General- Stabsarzt und 
Chef des gesammten Medizinalwesens der Preussischen Armee. 

Ohne weiter auf das einzugehen, was Zeitgenossen und 
Berichterstatter der zunächst folgenden Zeit (denen ihrer 
nahen Beziehungen wegen eine Befangenheit offenbar bei- 
wohnte) über den Br. v. Zinnendorf sagen, sollen blos 
die aktenmässig erweislichen Thatsachen hier aufgeführt 
werden. 

Während er einerseits mit Eifer den Anschluss der Loge 
zu den drei Weltkugeln an die strikte Observanz betrieb, — 
wobei er, wie es scheint, mit dem Br. v. Hund über ihre 
beiderseitige Stellung im Orden in Deutschland nicht einig 
werden konnte, — sandte er auf Kosten der Loge einen 



*) Das Wappen der VII. Provinz war ein geharnischter Arm 
mit emporgehobenem Schwert mit dem Wahlspruch : labor viris convenit 

**) Johann Wilhelm £llenberger, fieh, zu Halle a. d. Saale 
den 11. August 1731, Sohn des dortigen Kiiegsraths Friedrich August 
Ellenberger aus der Ehe mit der Tochter des Hofrat hs v. Zinnen- 
dorf, war als Dr. Medicinae am 13. März 1757 in der Loge 
„Philadelphia zu den drei Armen" zu Halle a. d. S. (welche auf 
Grund einer Stiftungsurkunde des zugeordneten Provinzial-Grossmeisters 
Lord Keith am 11. Dezember 1756 eröffnet worden war und am 
24. August 1765 ihre letzte Arbeit geschlossen hatte) in den Orden auf- 
genommen und später von seinem Oheim y. Zinnendorf adoptirt worden. 



— 53 — 

ihm schon aas der Loge „Philadelphia'^ in Halle eng be- 1765 
freundeten nnd ganz ergebenen Br., den Kandidaten 
Baumann'*'), nach Stockholm, um sich dort die Ritaale 
des Schwedischen Systems zu verschaffen. 

Die Stifter dieses Systems hatten mit dem Br. v. Hund 
aas derselben Qaelle geschöpft, aber bevor dieser noch seine 
strikte Observanz einführte, bereits ihr Ordens-Kapitel ein- 
gerichtet, in dessen Graden eine ähnliche Legende vom 
Ursprang der Maarerei, doch mit den Zwecken der strikten 
Observanz nicht ganz übereinstimmend, herrschte. 

Ausserdem worden dort noch andere Geheimlehren in 
noch höheren Graden eingeführt. 

Das Jahr 1765 führte auch die förmliche Trennung der 
Loge „de l'Amiti^"**) von der Matterloge herbei, welche 
jedoch, da die materielle Verbindung zwischen Matter und 
Tochter bereits sehr &üh aufgehört hatte, ohne allen Zwist 
erfolgte. Ea wurde nämlich in der Loge de l'Amitiä am 27. Juli 
der bei Gelegenheit einer Reise hier anwesende älteste Br. 
des Königs Georg III. von Grossbritannien, Edaard August, 
Herzog von York und Albany, zum Freimaurer aufge- 
nommen, und die Loge nahm nun, um diesen zu ehren, den 
Namen „Royal York^' an, erhielt auch auf ihren Antrag 
vom 9. August 1765 durch Vermittelung dieses Prinzen eine 
eigene Verfassung mittels Urkunde vom 24. Juni 1767 unter 
dem Namen: „La löge Royale d'York de l'Amiti^'^ und der 
Annahmenummer 330 von der englischen Grossloge, zu 



*) Hans Karl Baamann, geh. za Grabenhagen, half im 
Jahr 1756, damals Cand. jaris, die Loge „Philadelphia** in Halle mit 
stiften, führte 1768 bis 1760 den Hammer in ihr und wird noch 1768 
in ihren Mitgliedslisten geführt Er soll 1768 gestorben sein. 

**) Im Jahr 17&1 traten mehrere Brr. dieser Loge zniammen, 
um die Arbeiten kräftiger and erfolgreicher wieder aafxonehmen. Zq 
diesem Zweck erlangten sie ron der Schotten - Loge „Puritas** za 
Rraunschweig eine Urkunde, darch welche eine neue Befestigung ihres 
Wirkens erreicht wurde. (Uauptmomente der Geschichte der Qrossloge 
Royal York rom Jahre 1849.) 



— 54 — 

L765 welcher sie völlig übertrat, während sie in den höheren 

Graden nach dem französischen Ritual arbeitete.'*') 
L766 Im Juni 1766 legte Br. von Zinnendorf den Hammer 

der Loge zu den drei Weltkugeln nieder. Zu seinem Nach- 
folger vmrde der Br. Hans Christian Krüger, Kammer- 
gerichtsrath, gewählt. 

Seine Ämtsführung ist dadurch von Bedeutung, dass 
die von ihm umgearbeiteten Rituale der ersten vier Grade 
bereits im Juli 1766 eingeführt wurden. 

In der „Haupt -Einleitung^ zu diesen Ritualen findet 
sich in dem 4. Abschnitt: „Von den nothwendigen Eigen- 
schaften eines Freimaurers" folgende Vorschrift: 

„Nur ein Christ kann in unseren ehrwürdigen Orden 
aufgenommen werden, keineswegs aber Juden, Muhamedaner, 
Heiden. Diejenigen Logen, welche von letzteren Jemand 
zugelassen haben, geben dadurch den sichersten Beweis, dass 
sie nicht wissen, was ein Freimaurer sei. Wären alle unsere 
Brr. bereits zu derjenigen Stufe von Tugend gelangt, wohin 
nur die einzige Moral unserer Religion führen kann, so 
würde dieser Abschnitt der kürzeste sein. Jetzt aber müssen 
wir, indem wir die ausschliessliche Macht der christlichen 
Religion, ein böses Herz gut zu machen, ehrfurchtsvoll ver- 
ehren, nur diejenigen Tugenden anzeigen, ohne deren Aus- 
übung keiner ein taugliches Mitglied unseres Ordens sein 
kann: Uneigennützigkeit, Verschwiegenheit, Behutsamkeit, 
Unerschrockenheit,Beständigkeit, Sittlichkeit und Gefälligkeit. " 

Bereits früher und zwar mittels Urkunde vom 13. Januar 
176Ö hatte der Br. von Hund als Provinzial- Grossmeister 
der VII. Provinz, — welche Würde er damals und bis zum 
Jahr 1772 mit der des Heermeisters in sich vereinigt hatte, — 
den Br. Krüger zum Obermeister einer wahren und echten 
Freimaurerloge zu Berlin mit der Befugniss, Freimaurer in 
die ersten vier Grade aufzunehmen, ernannt. 

Die eingeleiteten Unterhandlungen waren indessen so 
weit vorgeschritten, dass die Mutterloge zu den drei Welt- 

*) Vgl. Flohr, Geschichte der Grossen Loge von Preussen 
gen. Royal York. I, 6 u. 7 ff. 



— 55 — 

kugeln mitihrerTochterloge„2urEintracht"am9.August 1766*) 1766 
nach dem Bescbloss der Mehrheit die Bearbeitnng des 
Clerm entaschen Systems anfgab und sich in aller Form 
der strikten Observanz**) als Präfektur Templin der 
VII. Provinz anschloss. Diesem Beispiel folgte am 5. März 
1767 die Schottenloge .l'Union*' und erhielt den Namen: 
, Friedrich zum goldnen Löwen ^. 

In diesem Jahr veurde zu Frankfurt a. M. die Loge 
„Zur Einigkeit^ von der Grossloge zu London als Provinzial- 
Loge von Ober- und Nieder-Rhein und Franken beurkundet, 
und Br. Gogel zum Provinzial- Grossmeister ernannt. 

Während des Winters trafen die Parteien, welche sich 
in der Mutterloge gebildet hatten, scharf auf einander, und 
zu Anfang des Jahres 1767 trennte sich zuerst der Bruder i767 
Koppen mit mehreren seiner Anhänger von ihr. 

Diese Brr. errichteten Logen eines ihnen eigenen neuen 
Systems unter dem Namen der „afrikanischen Bauherren,^ 
welches sich bald verbreitete, hier in Berlin aber schon im 
Jahr 1775 einging und 1787 überhaupt aufhörte. Ferner 
trat im Jahr 1767 die sg. klerikale Branche***) des Tempel- 
herrn -Ordens auf. Ihr erstes Kapitel wurde in der in diesem 

*) Die Urkunde für die Altschottische Direktorial- und Matterloge 
der Vil. Provinz unter dem bisherigen Namen zu den H Weltkugeln 
ist vom 13. Januar 1766 ausgestellt. 

**) Die Logen der strikten Observanz führten später den Namen 
„Vereinigte deutsche Logen". 

♦♦♦) Die Fratres Clerici Ordinis waren nach Starck eigentlich Ab- 
kömmlinge der Es^&er, welche im gelobten Lande mit flrforschung 
der geheimen Kenntnisse der Natur eich beschäftigt hatten und in diesen 
höheren Wissenschaften zu grosser Vollkommenheit gelangt waren. 
Nach Entstehung des Tempel-Ordens im Anfang des 12. Jahrhunderts 
h&tten sie mit einigen Tempelherren Bekanntschaft gemacht, anter 
welchen auch ein Neffe des h. Bernhard gewesen, worauf sich dann 
diese Kssäer mit dem Orden vereinigt, von dem h. Bernhard eine besondere 
Heftel erhalten h&tten, und dessen Neffe zum geistlichen Grossprior 
erwählt w&re. Diese geistlichen Brr. wären dann beständig die Be- 
wahrer der Gesetze und Geheimnisse des Ordens geblieben, und ihnen 
hauptsächlich habe der Orden sein nachmaliges Ansehen und einen 
Theil der grossen Reichthümer zu verdanken gehabt Bei der Auf- 



— 56 — 

L767 Jahr zu Wismar gegründeten Loge za den 3 Löwen durch den 
Br. Starck*) im Verein mit den Brrn. v. Vegesack und von 
Bohnen errichtet, und das zweite Kapitel im Jahr 1770 
zu Königsberg i. Pr. von den Brr. Hippel, Hoyer und 
Betrand. 

Br. V. Zinnendorf entsagte nebst dem Br Kramer am 
6. Mai 1767'*'*) gänzlich der Mitgliedschaft unseres Bundes. 

Der Meister vom Stuhl, Br. Krüger, sammelte die Brr., 
welche erklärten, bei den diesseitigen Logen bleiben zu 
wollen. Es waren ihrer 52. 

Das Johannisfest wurde am 5. Juli von der Mutter- 
loge und der Loge „zur Eintracht" gemeinschaftlich gefeiert. 

Der Br. Bau mann war nach dem Austritt des Br. 
V. Zinnendorf aus der Mutterloge zu den drei Welt- 
kugeln von Stockholm zurückgekehrt und händigte die 
mitgebrachten schwedischen Ritualien dem Br. v. Zinnen dorf 
ein, in dessen Namen er dort unterhandelt hatte. 
1768 Im Jahr 1768 stiftete der Br. v. Zinnendorf durch den 

Br. V. Geusau die erste Loge, nämlich „Minerva" zu 
Potsdam mit der Formel: „kraft der mir beiwohnen- 
den Gewalt." 

Br. Krüger und Br. Koppen leiteten zwar eine 
Wiedervereinigung mit dem Br. v. Zinnendorf ein, welche 
auch in den nächsten Jahren immer von Neuem versucht 
wurde, aber immer wieder scheiterte. 



hebang des Tempel -Ordens hätten sie dessen geheimste Nachrichten 
and Urkunden darch Vermittelung eines gewissen St. John Eures, 
welcher sie von Richard Burton, dem Presbyter und Prior des Tempels 
zu London erhalten, in Verwahrung bekommen, auch viele dem Orden 
gehörige Kostbarkeiten gerettet, in deren Besitz sie sich zum Theil noch 
befänden. (Maurerhalle III., 45.) 

*) Ueber den Lebenslauf Starck's s. Allg. Handbuch der Fm. — 
3. Aufl. II, 422 ff. und Findeis Baubütte 1873, S. U. 

**) In einem Schreiben vom 16. November 1766 an den Heer- 
meister y. Hund hatte er seinen Austritt aus der strikten Observanz 
bereits erklärt und der Loge zu Halle Anzeige davon gemacht. 
(Eckstein Geschichte der Loge i. 0. Halle. S. 61.) 



— 57 — 

1769 wnrde der Br. v. Köhler zam Meister vom Stuhl 1769 
der Matterloge and Br. Krüger zum Obermeister ge- 
wählt, und beide Aemter für dauernd erklärt. 

Die Zwiste nach aussen dauerten fort; Br.v. Zinnen- 
dorf erneuerte in Berlin die Loge „zu den drei goldenen 
Schlüsseln,^ welche bis zum Jahr 1750 in Halle bestanden 
hatte (Vgl. S. 17). 

Am 24. Februar 1770*) stiftete die Mutterloge eine 1770 
neue Tochterloge in Berlin unter dem Namen zum 
„flammenden Stern, ** die grösstenteils aus militärischen 
Brm. bestand, und deren erster Meister vom Stuhl der 
Br. Christian Adam Marschall v. Bieberstein, Kapitän im 
Regiment v. Bülow war. 

Diese und die Loge „zur Eintracht ** bildeten jetzt mit 
der Mutterloge eine gemeinsame Körperschaft. 

Am Schluss des Jahres hatte der Kronprinz, nachmalige 
König Friedrich Wilhelm II., durch Vermittelung des 
Br. Cothenius, Geheimen Raths, und Generalstabs-Medi- 
kus, Leibarzt König Friedrich II., der Mutterloge, damals 
genannt die „Loge der strikten Observanz,^ seinen Schutz zu- 
gesichert, wie durch sein Handschreiben bestätigt wird: 

Mein lieber Herr Geheimer Rath! Ich habe ein 
Schreiben von der Freimaurer-Loge der strikten Observanz 
erhalten, worin die Brr. derselben wegen der Protektion, 
so Ich denselben auf Ihr Ansuchen ohnelängst durch Sie 
habe versichern lassen, danken, und den rühmlichen Plan 
mir entdecken, wonach diese Loge die menschlich mög- 
liche Vollkommenheit zu erreichen suchet. Versichern 
Sie annoch dieser Gesellschaft in Meinem Namen, dass, 
wenn sie sich angelegen sein lässt, in ihrer Wahl behut- 
sam zu sein und diejenigen, welche nicht nach ihren 
angenommenen guten Prinzipien einschlagen wollen, aus- 
zusondern. Ich der zuversichtlichen Meinung bin, dass sie 
sich um den Staat vorzüglich verdient machen vrird, und 

*) Erst unter dem 13. Janoar 1776 erhielt die Loge ,zam 
flammenden Stern** nachträglich eine Stiftnngs * Urkunde. 



-- 58 — 

1770 Ich ihr dagegen allen Schutz angedeihen lassen werde. 
Ich bin übrigens, mein lieber Herr Geheimer Rath, Dero 
Wohlaffektionirter Freund 

Friedrich Wilhelm. 

Potsdam, 16. November 1770. 
An Herrn Geheimen Rath Cothenius. 

Am 29. November 1770 schloss die Mutterloge mit 
Koppen und Zinnendorf einen Vergleich. Man kam 
überein, „dass man sich, weil die Freimaurerei in der 
einen Person des Kronprinzen einen Protektor hätte, 
einander Einigkeit und Liebe gelobe, einander als recht- 
mässige Freimaurer anerkenne und die Brr. gegenseitig zu 
den Arbeiten zulassen wolle." 

In einem Schreiben vom 22. März 1771 brach jedoch 
der Br. Koppen die Verbindung mit der Mutterloge wieder 
ab, „weil der Grossmeister der Provinz, Br. v. Hund, den 
Friedensbund nicht bestätigt habe". 

Im Jahr 1770 schloss die Grossloge von England einen 
Bündniss-Vertrag mit der Grossloge von Holland ab, welcher 
zugleich Bestimmungen über das Sprengelrecht enthält, und 
auch abgesehen hiervon deshalb von allgemeinem Interesse 
ist, weil die Englische Grossloge bereits im Jahr 1770 in 
gleicher Weise wie drei Jahre später den deutschen Logen 
gegenüber eine Hoheit über alle Grosslogen in Anspruch nahm. 

Die Niederschrift der englischen Grossloge vom 25. April 
1770 lautet: „Der Past-Grossmeister für fremde Logen zeigt 
der Grossloge an, dass er vor Kurzem von Charles Baron 
V. Boetzlaar, Grossmeister der National-Grossloge der 
vereinigten Provinzen von Holland und den Kolonien ein 
Schreiben erhalten habe, in welchem dieser um die Aner- 
kennung der Grossloge seitens unserer Grossloge nachsuchte, 
und gleichzeitig unsere Superiorität anerkennt, indem er das 
Versprechen hinzufügt, dass unter der Bedingung, unsere 
Grossloge wolle in Zukunft innerhalb seines Sprengeis keine 



— 59 — 

neuen Logen errichten, die Grossloge von Holland sich in 1770 
Betreff unseres Sprengeis in allen Welttheilen dieselbe 
Beschränkong auferlegen werde. Auf diese Bedingungen hin 
beantragte derselbe ein festes Freundschaftsbündniss zwischen 
den beiden Grosslogen — der Form nach zwischen den 
beiderseitigen Grossbeamten — zu schliessen und sich 
gegenseitig Jahresberichte zuzustellen, welche die im Lauf 
des Jahres stattgehabten wesentlichen Verhandlungen ent- 
halten sollten. Es wurde der Antrag gestellt, den von dem 
Baron Boetzlaar vorgeschlagenen Vertrag abzuschliessen. 
Dieser Antrag fand die erforderliche Unterstützung und wurde 
bei der darauf folgenden Abstimmung angenommen/' 

Im Jahr 1771 steigerten sich die Zwistigkeiten der ver- 1771 
schiedenen Logenparteien zu einer sehr beklagenswerthen 
Höhe. Von allen Seiten wurde höchst leidenschaftlich ver- 
fahren. Doch sind die Vorfalle jener Zeit geschichtlich 
ohne Bedeutung. 

Da man fühlte, dass eine bessere Einrichtung der 1772 
strikten Observanz nöthig, und diese vom Br. Hund allein 
nicht zu erwarten sei, wurde im Juni 1772 der Konvent zu 
Kohlo, einem Schlosse des Grafen v. Brühl in der Ober- 
lausitz, abgehalten. Zu diesem waren Seitens der Präfektur 
Templin (Berlin) die Brr. Krüger und Wöllner abgeordnet. 
Dort wurde eine kapitularische Regierung der VII. Provinz 
errichtet. Sie hatte ihren Sitz in Dresden und wurde aus 
den Vertretern aller Sprengel zusammengesetzt. Zum Direktor 
wurde der Br. Graf v. Bünau, zum Ordensschatzmeister der 
Br. V. Heinitz, zum Ordens-Schriftführer der Br Jahn, 
zum General -Visitator der Br. Baron v. Rackwitz, zum 
General -Prokurator der Br. v. Thilo w gewählt. Die anderen 
Mitglieder des Direktoriums waren: der Vorsitzende des 
Dresdener Sprengeis, Br. v. Brüggen; der Abgeordnete des 
Kurländischen Sprengeis, Br. v. Loben; der Abgeordnete 
des Berliner Sprengeis, Br. v. Broitzen; der Abgeordnete 
des Leipziger Sprengeis, Br. Baron v. Hohenthal; der 
Abgeordnete des Hanoverschen Sprengeis Br. Boyenhold; 
der Abgeordnete des Frankfurter Sprengeis, Br. Ferber. 



— 60 — 

1772 Zugleich wurde der Herzog Ferdinand*) von Braanschweig 
zum Grossmeister (Magnos Superior Ordinis) aller vereinigten 
Logen der VIT. Provinz, der Herzog Karl von Sachsen, 
ehemals Herzog von Karl and — nachdem er am 
11. September 1772**) von dem Feldmarschall Grafen 
V. Brühl in dessen Schloss zu Dresden in den Orden auf- 
genommen worden — zum Oberen (Superior ordinis) 
in Ober-Sachsen, der Herzog Karl von Mecklenburg-Strelitz 
zum Oberen in den sämmtlichen Kur- Hannoverschen und 
Mecklenburgischen Landen und Prinz Friedrich August 
von Braunschweig zum Oberen in den Preussischen Staaten 

ernannt. 

Zum National- Grossmeister für die Preussischen Staaten 

wurde demnächst durch den Grossmeister Herzog Ferdinand 

der damalige Prinz Friedrich August von Braunschweig, 

nachmalige Herzog von Braunschweig -Oels und Königl. 

Preuss. General-Lieutenant, gewählt, nachdem er durch den 

Heermeister Br. v. Hund bereits am 27. April desselben 

Jahres zum Präfekten der Präfektur Templin ernannt 

worden war. 

In Berlin wurde ein Altschottisches Direktorium errichtet, 

und die Mutterloge zu den drei Weltkugeln nahm die von 

ihrem neuen National-Grossmeister herrührende Benennung 

„Grosse National***)-Mutterloge der Preussischen 

Staaten" 
an. 



*) Auf seine Emennnng zum Grossmeister wurde eine Denkmünze 
geschlagen, deren Vorderseite sein Bildniss mit der Umschrift 
Ferdinandus Dux Bruns. et Luneb. omn. Qerm. onit. Lib. murar. supr. 
Moderator trägt Die Rückseite zeigt den ruhenden Löwen, der die 
maurerischen Symbole schützt, mit dem Motto : Vidi, vici, quiesco, und 
der Umschrift: Ob felic. reunion. Murar. Libero r. German. 

Dem Abdruck dieser Denkmünze in Ernst Zacharias Numotheca 
Numismatica Latomorum Heft II (Dresden 1841) ist eine Zeichnung 
seines maurerischen Sigels beigefügt 

**) S. die Beschreibung der Aufnahme in der Zeitschrift „Frei- 
maurerhalle" Bd. 4, S. 28. 

***) Zur Verständigung ist hier zu erwähnen, dass nach der 
Verfassung der strikten Observanz die S. I. (Superiores Ignoti) den 



— 61 — 

Am 2. November war die feierliche Einführung des 1772 
National-Grossmeisters, Prinzen Friedrich August, in die 
Hutterloge erfolgt, nachdem er am 24. September in die 
höheren Grade des Freimaurerordens aufgenommen worden 
und demnächst als Präfekt in der Präfektur Templin ein- 
gesetzt worden war. 

g&Dzen Orden, bestehend aus IX Provinzen, leiteten. An ihrer Spitze 
stand der unbekannte, rechtmässig erwählte Grossmeister des seit 
seiner Aufhebung im Geheimen fortgesetzten Templer -Ordens, dessen 
Ermessen es yorbehalten bleibt, sich öffentlich zu zeigen. Es erinnert 
diese EinrichtUDg an die Lehre der Schwedischen Freimaurer, wo der 
Grossmeister auch unbekannt ist und seinem Ermessen es vorbehalten 
bleibt, sich öffentlich zu zeigen, und bis zu diesem öffentlichen Hervor- 
treten eine jede der 9 Provinzen seines Ordens durch einen Vertreter 
verwalten lässt. Abweichend von dieser jetzt noch geltenden Ein- 
richtung der Schwedischen Grossloge stand an der Spitze einer jeden 
Provinz der sog strikten Observanz als Leiter des Rittergrades der 
Heermeister (Magister) und femer als Leiter der ersten 4 Grade der 
Grossmeister (Supremus Moderator), auch sonst S. M. S. 0. der Kürze 
wegen geschrieben für Serenissimus Magnus Superior Ordinis. An 
der Spitze der einzelnen Unterabtheilung (Natio) der Provinz stand 
der National -Grossmeister. Dieser bildete im Verein mit dem Alt- 
schottischen Obermeister das altschottische Direktorium. Letzteres 
war mit der vollen Gewalt verschen und setzte die Beamten der 
Johauiiiblogen, die ihm förmlich unterworfen waren, nach seinem 
Belieben ein. 

Die Vertreter der VII. Provinz hatten bereits 1772 auf dem 
Konvent zu Kohlo beschlossen: 1. dass die Gesellschaft, welche 
sich die VII. Provinz nenne, keinem Oberen unterworfen sei, den sie 
sich nicht frei wähle; 2 dass sie sich ihre Gesetze durch die Mehrheit 
der von ihr gewählten Vertreter gebe. 

Die in Kohlo versammelten Brr. trugen Bedenken, den Herzog 
Ferdinand von Braunschweig zum Grossmeister des ganzen Ordens zu 
wählen, n^eil man nicht wissen könne, ob der rechtmässige Gross- 
meister es nicht angemessen finden könne, sich öffentlich zu zeigen, 
seine ihm entzoienen Rechte zurückzufordern und dadurch den von 
ihnen jetzt allseitig gewählten Grossmeister einer unvermeidlichen 
Ungelegenheit auszusetzen.^ (Zeitschrift: Maurerballe Bd. 111 Seite 424.) 

Die von den gfbeimen Oberen ausgegangene Lehre der sog. 
geheimen Wissenschaften hatte in das deutsche Freimaurertum 
sich eingeschlichen unter dem Namen der „Rosenkreuzer alten Systems*^ 
in 9 Graden. Diese Lehre machte sich nicht als ein förmliches Logen- 
System geltend und hatte niemals ganxe Logen für sich gewonnen. 



— 62 — 

1773 Das Jahr 1773*) verging in Bestrebungen der Loge, 
ihre zerrütteten Finanzen herzustellen, und ausserdem fanden 
noch fruchtlose Berathungen zur Feststellung bestimmter 
Verträge zwischen den verschiedenen Logen Berlins statt. 

Der Br. v. Zinnendorf fuhr mit grosser Thätigkeit 
fort, neue Logen zu gründen und schon bestehende für sein 
System zu gewinnen. Diese Zinnendorf'schen Logen 
waren inzwischen am 24. Juni 1770 zu einer Grossloge 
zusammengetreten, welche nun durch einen Vertrag mit 
der Londoner Grossloge vom 30. November 1773**) als 
„Grosse Landesloge von Deutschland** anerkannt 

1774 wurde und sich im Jahr 1774 einen am 16. Juli ausgefertigten 
Königlichen Schutzbrief auswirkte. Inzwischen hatte sie 

Nur bei einzelnen zur Schwärmerei geneigten Brrn. war der Drang 
zur Erlangung yon Kenntnissen geweckt , welche über die Grenzen 
des menschlichen Wissens hinaus reichen. Dieses System, dem leider 
der Br. Wöllner so wie auch mehrere sonst sehr geachtete Mitglieder 
der Mutterloge eine Zeitlang zugethan waren, erreichte dadurch seine 
Endschaft, dass die geheimen Oberen um das Jahr 1787 durch das 
sog. Silanum jede Axbeit in den Graden untersagten und sich für 
immer zurückzogen, auch allen weiteren Schriftwechsel mit einzelnen 
Brrn. aufgaben, weil sie ihre Verheissungen nicht zu erfüllen, die 
Widersprüche, in welche sie sich verwickelt hatten, nicht zu lösen 
vermochten und nun entdeckt zu werden befürchten mussten. 

*) Im Jahr 1773 erschien in Dresden ein Abenteurer unter dem 
Namen eines französischen Obersten Baron Stein von Steinau, den 
seine Freunde für einen natürlichen Sohn des Königs Ludwig XV. 
ausgaben. Dieser wollte ein neues System der Freimaurer gründen 
und citirte die Geister der Verstorbenen. Es war dies der vormalige 
Kaffeewirth Sehr Opfer aus Leipzig. Er erschoss sich im Rosenthal 
bei Leipzig am 8. Oktober 1774. 

♦♦) In der Niederschrift der Engl. Grossloge vom 19. November 1773 
findet sich hierüber folgender Vermerk: „^^^ Gross-Schriftführer theilt 
der Qrossloge die Einzelheiten eines Vorschlages zu einem Freundschafts- 
bündniss mit der Grossloge von Deutschland unter dem Schutz des 
Prinzen ron Hessen -Darmstadt mit, welcher Vorschlag allgemeinen 
Anklang fand.*^ 

Dieser Vertrag wurde im Jahr 1788 von der Grossloge wieder 
aufgehoben. Aus der Niederschrift der Engl. Grossloge vom 12. April 1786 
geht jedoch schon hervor, dass damals bereits der Bruch in Aussicht 
stand. Es heisst dort: Der Grossschatzmeister theilte mit, dass ein- 



— Ü3 — 

am 19. Hai 1774 auch mit der Loge „Royal York de TAmitiö«, 1774 
— und zwar auf den Vorschlag der Ghrossloge von England — 
einen Yereinigungs- Vertrag abgeschlossen. Nach diesem 
Vertrag, welcher erst am 11. April 1778 wieder aufgehoben 
MTurde, sollte zwar jede der beiden Logen fOr sich wie 
bisher nach ihrem besonderen Ritual arbeiten, auch in 
Bezug der Aufnahme und Beförderung selbständig bleiben, 
jedoch in allen anderen Beziehungen die engste Verbrüderung 
stattfinden, namentlich sollten die Feste gemeinschaftlich 
gefeiert werden. 

Die Grosse National-Mutterloge der Preussischen 
Staaten fühlte das Bedürfniss, sich in ihrem Innern zu be- 
festigen und arbeitete mit Eifer daran. 

Sie errichtete in diesem Jahr in Berlin eine neue Tochter- 
loge unter dem Namen: „Friedrich zu den drei Seraphim", 
welche am 19. August unter dem Vorsitz ihres Stifters, des 
Br. V. Pennavaire, Hofmarschalls des Herzogs Friedrich 
August von Braunschweig -Oels, von diesem als National- 
Grossmeister in dessen Palais in der Wilhelmstrasse No. 72 
(später Sack^schen Palais, jetzt Ministerium des Königlichen 
Hauses) eröffnet ward, und die Verpflichtung hatte, in 
französischer Sprache zu arbeiten, indem es die Absicht war, 

(regangenen verl&sslichen Nachrichten zufolge die Gro8sloge zu Berlin 
durch den unduldsamen Geist mehrerer ihrer Bestimmungen, so wie 
durch ihr Verfahren bei mehreren Logen und achtbaren Brrn. Deutsch- 
lands grossen Verdruss erregt habe, welche sich in Folge dessen ron 
der Berliner Grossloge getrennt hätten und Abhülfe ihrer Beschwerden 
von der Londoner Grosslogc erhofften. — Die Grossloge befand, dais» 
da die Bestimmungen und das Verfahren der gedachten Berliner Gross- 
loge dahin gingen, die Gesellschaft zu veruneinigen und sie zu be- 
schränken, dies gegen die Absicht und die Bedeutung des mit der 
Berliner Grossloge im Jahr 1773 abgeschlossenen Vertrages sei. Der 
Gross-Schatzmeistcr stellte daher den durch Br. William Atkinson 
unterstützten Antrag, den Grossroeister und die Qrossbeamten zu er- 
mächtigen, diejenigen Massregeln zu ergreifen, welche sie für nöthig 
erachteten um den mit der Berliner Grossloge geschlossenen Vertrag 
aufzuheben oder abzuändern. — Dieser Antrag wurde einstimmig 
angenommen. 



— 64 — 

1774 für die aus dem Verein mit der Mutterloge geschiedene Loge 
„de l'Ämitiö^ eine andere französische Loge zu gewinnen. 

Hinsichtlich der auswärtigen Tochterlogen wurde eine 
bestimmtere und festere Verbindung mit der Mutterloge 
eingeleitet. 

Da die Verhältnisse der „Grossen Landesloge von Deutsch- 
land" zur strikten Observanz sich so gestaltet hatten, dass 
gegenseitig den Brrn. des einen Systems der Besuch der 
Logen des anderen untersagt war, wurde am 11. März 1774 
in der Mutterloge beschlossen, Logen-Mitgliedzeichen einzu- 
führen. 

Der National- Grossmeutter veranlasste die Mitglieder 
der Grossen National-Mutterloge, ein Dreieck mit drei Welt- 
kugeln an den Ecken*), an einem rothen, goldgeränderten 
Bande um den Hals zu tragen. Jede Tochterloge sollte sich 
ein ihrem Namen und Wappen entsprechendes Logenzeichen 
wählen, und dies die Mitglieder an einer Bandschleife im 
Knopfloch oder am Knopf auf der Brust tragen. Dieser 
letzteren Bestimmung wird bei den Berliner Tochterlogen 
noch immer entsprochen, die auswärtigen sind aber grössten- 
teils davon abgewichen und tragen ihre Logenzeichen um 
den Hals. 
1776 1775 am 2. Mai legte Br. Krüger sein Amt nieder, und 

Br. WöUner wurde vom Grossmeister, Herzog Ferdinand 
von Braunschweig, aus der Zahl der ihm von der Präfektur 
Templin vorgeschlagenen drei Brr. zum Alischottischen 
Obermeister eingesetzt. Dieser Br., später Staatsminister, 
damals noch Kammer-Rath des Königlichen Prinzen Heinrich, 
hatte ein ausgezeichnetes Talent für die Verwaltung. 

Br. Wöllner begann seine Amtsführung damit, dass 
er alle die Streitigkeiten, die bisher namentlich zwischen 
den Brrn. Krüger und v. Zinnendorf fortgedauert hatten, 

*) In dem Abzeichen befand sich der Namenszug des National- 
Grossmeisters. Nach dessen Ausscheiden aus dem Amt wurde dieser 
Namenszug aus dem Mitgliedzeichen durch Beschluss der Grossloge vom 
7. Febiuar 1799 entfernt, und wurde die von dem Br. Stiele entworfene 
Zeichnung des Abzeichens in der gegenwärtigen Form genehmigt. 



— 65 — 

gänzlich beilegte und das Geschehene in Vergessenheit 1775 
brachte. Dagegen lenkte er die Aufmerksamkeit und 
Thätigkeit der Brr. auf die Verwaltung der Loge und ward 
darin von den Brm. Marschall v. Bieberstein, Gause, 
Hymmen, Theden, Marchand, Brendel und mehreren 
Anderen kräftig unterstützt. 

Er setzte zur Regelung aller wirthschaftlichen Verhält- 
nisse Gross-Beamten-Berathungen'*') wieder ein, zu 
welchen sich namentlich alle Beamten der Mntterloge*"^) 
und ihrer hiesigen Tochterlogen unter dem Vorsitz des 
Obermeisters versammelten. Zur Besorgung des Haushalts 
der Loge belebte er die bisher nur von Zeit zu Zeit thätig 
gewesene Schaffnerloge unter dem Namen des Stewards- 
Kollegiums, dem er jedoch bald nachher zur Erzielung eines 
ordnungsmässigen Verfahrens bei dessen Berathnngen 
wiederum die Form einer Johannisloge gab. Am 23. Oktober 
wurde das Gross-Sekretariat eingesetzt, sowie ein Gross- 
Almosenier und 2 Hospitaliers. 

An dem Tage, an welchem Br. Krüger sein Amt als 
Obermeister niederlegte, wurde auch ein freundliches Schreiben 
der Loge Royal York vorgetragen. Auf den Vorschlag des 
Br. Wöllner ward beschlossen, dieser Loge ein Fest zu 
geben, welches auch am 10. Juni stattfand und zur allge- 
meinen Zufriedenheit ablief, so dass die Logen auch das 
Johannisfest am 24. Juni wieder gemeinschaftlich feierten. 
Die von Seiten der Loge Royal York dabei auftretenden 
Redner drückten die Freude über das gute Verhältniss mit 

^) Die älteste Verfassung vom November 1740 enthielt bereits in 
dem Abschnitt : Loix concemant les Officiers de la Loge anter Hinweis 
auf die Gebräuche der Englischen Logen die Anordnung der Beamten- 
Berathungen. 

**) Die Wirksamkeit der Grossen National-Mutterloge, welche nur 
bei besonderen Veranlassungen berufen wurde, verlor dagegen an Be- 
deutung. Erst 1779 am 8. Februar berief W 1 1 n e r die Grosse Loge. Vom 
b. Juli 1779 bis 18. August 1786 leitete der National -Grossmeister in 
16 Sitzungen die Berathungen der Grossloge persönlich. In den 
Jahren 1787 bis 1791 haben die Mitglieder der Mutterloge gar nicht 
und in den beiden folgenden Jahren nur einmal sich versammelt 

Q—ch. <L Or. Nat.-Mott«r-Lote. 6 



— 66 — 

1775 der rechtmässigen Matterloge aas und nannten den 
PrinzenFriedrich Aagast „den gemeinschaftlichen National- 
Grossmeister.'' Eine Verbindung in Ansehung des Ritas 
and der Yerwaltang beider Logen kam jedoch nicht zu 
Stande, and der Br. Wöllner war vorsichtig genag, die 
Verhandlungen fallen zu lassen, bevor sie zu einer neuen 
Quelle des Unfriedens wurden. 

Auf dem Konvent zu Branuschweig vom 22. Mai bis 
6. Juni 1775 wurde beschlossen (§ XI des Abschieds vom 
24. Juni 1775): da das Provinzialkapitel nicht stets ver- 
sammelt sein könne, statt der seitherigen kapitularischen 
Regierung ein aus einem Vorsitzenden und den vier Gross- 
Beamten oder deren Stellvertretern bestehendes Direktorium 
zu errichten und solches auf drei Jahre nach Braunschweig 
zu verlegen. Zum Vorsitzenden dieses „Ober-Direktoriums^ 
war der Subprior der Präfektur Braunschweig Br. E. S. v. Lest- 
witz zu Braunschweig ernannt worden. Alljährlich sollte 
zwei Mal grosse Versammlung (sog. Grossloge) von dem 
Altschottischen Obermeister und den Abgeordneten oder Ver- 
tretern gehalten werden. 

In dieser Zeit bestand in Berlin eine Gesellschaft^ 
welche sich selbst dahin schilderte, dass sie 

„sich nach Grundsätzen und Regeln gebildet habe, die der 
Religion und Vernunft gemäss sind, dass sie aus 24 Mit- 
gliedern bestehe, theils Offizieren, theils Königlichen 
Civil -Bedienten, welche, mit der grössten Vorsichtigkeit 
ausgewählt, Proben der Verschwiegenheit und des Eifers 
fOr die Tagend abgelegt und gesucht haben, ihre Kenntnisse 
zu erweitem und ihr Betragen untadelhaft einzurichten." 
Diese Gesellschaft erklärte in einem an die Mutterloge zu 
den drei Weltkugeln und deren drei hiesige Tochterlogen 
gerichteten Schreiben, dass sie ihre erwähnten Zwecke noch 
besser zu erreichen hoffe, wenn sie sich den Gesetzen der 
„verehrungswürdigen Ma9onnerie*' unterwürfe, und bat 
deshalb, ihre Mitglieder, deren Liste eingeschickt wurde, zu 
Maurern aufzunehmen und die Gesellschaft in eine besonder» 
Freimaurerloge umzugestalten. 



— 67 — 

Die Beschlüsse der Matterloge fielen unter Bestätigung 1766 
des National -Grossmeisters dahin ans, dass die Mitglieder 
der Gesellschaft in die Loge unentgeltlich aufgenommen und 
dann nach und nach bis zu Meistern befördert, dagegen die 
Bibliothek und das übrige Eigenthum der Gesellschaft mit 
dem Logenvermögen vereinigt werden sollte. Die Gesellschaft 
könnte sodann unter dem Vorsitz eines aus den Mitgliedern 
der Mutterloge zu wählenden Meisters vom Stuhl als eine 
besondere Tochterloge eingesetzt werden. 

Die Mutterloge miethete nun für sich und ihre Töchter 
eine grössere Räumlichkeit, nämlich das ganze obere Stock- 
werk des Hauses Leipziger Strasse No. 45, in welchem am 
2. September die feierliche Einweihung und die Einsetzung 
der neuen Loge unter dem Namen der „Verschwiegenheit 
zu den drei verbundenen Händen** erfolgte. 

Ausserdem stiftete die Mutterloge noch in diesem Jahr 
die St. Johannisloge „Zum goldenen Schwert" in Wesel, wo 
seit dem 6. August 1744 eine Loge „Zu den drei ehernen 
Säulen *'(aux trois colonnes d^airain) bestanden hatte, welche 
ausser Thätigkeit war. 

In diesem Jahr wurde zum ersten Mal das Mitglieder- 
Verzeichniss durch den Druck verbreitet, dann 1778, 1780, 
1786, 1788, 1791, 1796, 1799, 1801, und von da ab alljährUch 
regelmässig. 

Im Jahr 1776 erhob sich die Grosse National-Mutter- 1776 
löge zu immer höherer Blüthe. Schon am 9. Januar wurde 
unter Vorsitz des National -Grossmeisters selbst der Prinz 
Friedrich, nachmaliger König von Württemberg, ange- 
nommen, und sein Br., Prinz Ludwig von Württemberg, 
zum Maurer aufgenommen. 

Am 23. Februar ward die neue Tochterloge „Zum Auf- 
richtigen Herzen** (au coeur sincire) in Frankfurt a. d. Oder, 
und am 26. März die Tochterloge „Julius zu den drei empfind- 
samen Herzen** in Anklam eingesetzt. 

Am 23. Mai hielt der Altschottische Obermeister, 
Br. WöUner, eine Aufio^hme-Loge, wobei der National- 
Grossmeister, Herzog Friedrich August von Brannschweig- 

6* 



— 68 — 

1776 Oels, der Erbprinz von Hessen-Dannstadt, Prinz Leopold 
von Brannschweig und die Prinzen Friedrich und Ludwig 
von Württemberg zugegen waren. 

Auch das Johannisfest wurde am 24. Juni glänzend 
begangen und dabei das Gesetz bekannt gemacht, dass künftig 
erst vier Wochen nach dem in einer Lehrlingsloge gemachten 
Vorschlag eines Suchenden in einer Meisterloge über ihn 
gekugelt werden dürfe. 

Am 8. November 1776 verstarb zu Meiningen der Heer- 
meister Br. V. Hund. 

1777 Beim Johannisfest dieses Jahres wurde das Bildniss 
des Grossmeisters der Deutschen Logen, Herzogs Ferdinand 
von Braunschweig, welches dieser der Mutterloge geschenkt 
hatte, feierlich überreicht. Der NationaUGrossmeister selbst 
führte bei der Festarbeit den Vorsitz und las in geöfEheter 
Versammlung ein Schreiben des Königlichen Begründers der 
Loge zu den drei Weltkugeln vor, in welchem Seine Majestät 
ihr sein Bildniss zusagte*). Dieses wurde demnächst am 
18. Juli in der Loge übergeben. 

Die Umsicht des Obermeisters, Br. Wöllner, und über- 
haupt der Vorsteher der National-Mutterloge in deren äusseren 
Angelegenheiten hatte augenscheinlich so gute Folgen auch 
für ihr inneres Gedeihen gehabt, dass es in dieser Grossloge 
zur Kegel wurde, alle Zwistigkeiten auf das Sorgfältigste zu 
vermeiden, so lange die Selbständigkeit der Loge nicht durch 
zu grosse Nachgiebigkeit gefährdet würde. Aus diesem Grund 
ward keine Eenntniss davon genommen, dass die Grossloge 
von London in Folge einer Beschwerde der Loge Royal York 
mit dem Br. v. Zinne ndorf in Zwist gerieth. 

Im Juni ging ein Schreiben des regierenden Herzogs 
Ernst von Sachsen - Gotha ein, in welchem er der 
National-Mutterloge die Anzeige machte, dass er das 
Amt eines Grossmeisters der „Grossen Landesloge von 



*) Eine Nachbildung dieses Königlichen Schreibens ist der im 
Jahr 1838 gedruckten Beschreibung der Sftkularfeier der Aufnahme 
Friedrichs des Grossen in den Bund beigefügt 



— 69 — 

Deutschland", zq dem er das Jahr zuvor gewählt worden war, 1777 
niederlege. 

Inzwischen hatten die Schwedische Grossloge and das 
Ober-Direktoriom der strikten Observanz sich einander 
genähert and wollten eine Vereinigung beider Systeme 
bewirken. Zu diesem Zweck kamen zwei Abgeordnete der 
Grossloge zu Stockholm, der Br. Graf v. Oxenstierna und 
der Br. Baron v. Plommenfeld mit den Abgeordneten des 
Braunschweigischen Ober- Direktoriums, Brr. v. Rhetz und 
Graf Marschall, denen der Grossmeister Herzog Ferdinand 
noch den Gross-Schriftführer Br. Schwarz beigesellt 
hatte, in Hamburg zu einer Berathang zusammen. Diese 
Abgeordneten entwarfen einen Yereinigungsvorschlag, welcher 
auch vom Herzog Ferdinand genehmigt und durch ein 
Schreiben des Herzog von Südermannland, damaligen 
Grossmeisters der Freimaurer in Schweden, unterstützt 
wurde und im Wesentlichen Folgendes enthielt: 

1. Dass man sich gegenseitig die nöthigen Eröffnungen 
gemacht und anerkannt habe, man sei gleichen 
Ursprunges und habe in den höheren Graden gleiche 
Zwecke; 

2. Dass man, obgleich in den unteren Graden eine 
Verschiedenheit herrsche, darin nichts ändern wolle, 
um kein Aufsehen zu machen; 

3. Was die Vereinigung in den höheren Graden betreffe, 
so würden die gegenseitigen Abänderungen einem zu 
berufenden General-Konvent der strikten Observanz 
vorbehalten, welchem die Schwedischen Abgeordneten 
beiwohnen sollen, und worm der Herzog von 
Südermannland (nachmaliger König Karl XIH. 
von Schweden) zum gemeinsamen Heermeister gewählt 
werden solle. 

Am 29. August 1777 erschienen die beiden Schwedischen 
Abgeordneten, Brr. Graf v. Oxenstierna und Baron v. Plom- 
menfeld, in der Grossen National -Mutterloge zu den drei 
Weltkugeln und übergaben eine Urkunde der Grossloge von 
Schweden vom 28. April 1777, welche Bezug auf den 



— 70 — 

1777 Br. V. Zinnendorf und dessen Yerhältniss zu dieser 
Grossloge hatte. 

Eine Vereinigung mit der Schwedischen Grossloge 
unter der Heermeisterschaft des Herzogs von Sfldermann- 
land erschien der Grossen National - Mutterloge der 
Preussischen Staaten wegen der daraus sich ergebenden 
politischen Folgerungen zu bedenklich, um darauf einzugehen, 
um so mehr, da sie die Zwecke der höheren Grade der 
strikten Observanz als nicht streng maurerisch erkannt 
hatte. Sie war deshalb der ganzen Lehrart abgeneigt und 
verzögerte nur ihre offene Erklärung darüber sowohl aus 
Achtung gegen den Herzog Ferdinand als auch um nicht 
in neue Händel verwickelt zu werden. So sandte sie denn 
auch im nächsten Jahr zu der für die Betreibung der 
erwähnten Vereinigung abgehaltenen Zusammenkunft zu 
Wolfenbüttel keine Abgeordnete. 

Im Jahr 1777 wurde die Tochterloge „Maria zum 
goldenen Schwert^'*) in Köslin gestiftet. 

1778 Im Jahr 1778 ward die Grosse National-Mutterloge der 
Preussischen Staaten durch ein Schreiben des Gross-Orients 
von Frankreich**) zur Einleitung eines Schriftwechsels 
eingeladen, und die Grosse Loge von Holland eröfihete 
ebenfalls mit ihr Unterhandlungen zu einer näheren Verbindung. 

*) Diese Loge stellte im Jahr 1787, wo das letzte Mitglieder- 
Verzeidmiss eingereicht wurde, ihre Arbeit ein. Im Februar 1793 
wurden ihre sftmmtlichen Urkunden durch eine Feuersbrimst vernichtet. 
Erst im August 1810 wurde sie von unserer Grossloge wieder erneuert. 

**) Bereits am 9. Mai 1766 hatte der Br. ▼. Zambauld, General- 
Sekretair der „Sublime Grande Loge de France**, in deren Auftrag ein 
Schreiben an die ^Grande Loge des III Globes et Nationale de Prusse*^ 
zu Berlin gerichtet, worin der Wunsch des Schriftwechsels zwischen 
beiden Grosslogen mit dem Bemerken ausgesprochen wird, dass der 
Bruder Lautier, Sekretair, Dolmetscher der Grossloge von London, 
ihm die Adresse unserer Grossloge mitgeteilt habe. 

Das Antwortschreiben vom 8. August 1766, welches die Unter- 
schriften der Brr. v. Zinnendorf, v. Kleist, Krüger, v. Koehler 
trug, ist als unbestellbar zurückgekommen, weil der Br. v. Zambauld 
inzwischen verstorben, und der Br. Decker, der bei gelegentlicher 
Anwesenheit zu Paris die Beförderung des Schreibens übernommen 



— 71 — 

Die Loge „Friedericia zum Todtenkopf''*) wurde zu 1778 
Lüben in Schlesien gegründet, und der Prinz Friedrich 
von Württemberg ward ihr Meister vom Stuhl. 

Nach dem Beginn des bayrischen Erbfolgekrieges 
konnte die Loge ,,zum flammenden Stern'', welche, wie 
erwähnt, fast nur Brr. des Militarstandes unter ihren Mit- 
gliedern zählte, in Berlin nicht fortarbeiten und war deshalb 
von der Mntterloge veranlasst, für die Dauer des Krieges 
bei der Armee zu verbleiben. Sie arbeitete auf Grund der 
Urkunde vom 16. Dezember 1778 demnach zu Landeshut in 
Schlesien als Abordnungs- (Feld-) Loge und kehrte erst im 
folgenden Jahr nach dem Friedensschluss nach Berlin zurück. 

Im Jahr 1779 erkaufte die Loge „zu den drei Welt- 1779 
kugeln ** einen Garten in der Nähe von Monbijou (jetzt 
Ziegelstrasse No. 14) von dem Kaufmann Müller für 
3900 Thbr. Da die Loge damals noch keine Korporations- 
Rechte besass, wurde der Kaufvertrag am 16. April 1779 
vom Landrentmeister Buch holz als Käufer abgeschlossen. 
Jedoch erklärte er am 31. Mai 1779 vor einem Notar, dass 
er diesen Vertrag nicht für sich, sondern als Bevollmächtigter 
der Loge abgeschlossen habe. Dieser Garten wurde aus 
Mangel an hinreichenden Gebäuden blos zur Feier des 
Johannisfestes und zu geselligen Zusammenkünften während 
der Sommermonate benutzt; die Logen Versammlungen selbst 
wurden nach wie vor in den gemietheten Räumen in der 
Leipzigerstrasse No. 45 gehalten. 

Am 5. Juli 1779 ward in der Grossen National -Mutter- 
loge der Beschluss gefasst, dass diese mit allen ihren 
Tochterlogen die hohen Grade der strikten Observanz nicht 

hatte, aller Bemühungen ungeachtet zu Paris den Sitz der „Grande 
Loge de France** zu ermitteln nicht Termochte. 

In den Jahren 1803, 1804 und 1805 sind Schreiben des Gross- 
Orients an unsre Qrossloge mit der Unterschrift des damaligen „Grand 
V^n^rable Roettiger de Montaleau*' eingegangen, welche die innige 
Beziehung beider Orosslogen bezeugen. £in gegenseitiger Austausch 
der Verhandlungen fand bis zum Jahr 1870 statt 

*) Das letzte Mitgliedenrerzeichniss dieser Loge ist Tom Jahr 
1781. Von da fehlen die Nachrichten im Archiv. 



— 72 — 

779 mehr bearbeiten, jedoch, um kein Aufsehen zu erregen and 
ans Rücksicht anf den Herzog Ferdinand sich noch nicht 
von diesem Logenverein trennen wolle. 

Als aber im Oktober dieses Jahres ein Erlass vom 
Braunschweiger Ober-Direktoriam einging, der Massregeln 
betraf, welche auf die noch immer schwebende Vereinigung 
mit der Schwedischen Grossloge Bezug hatten, wurde in 
einer Versammlung der Mutterloge unter Vorsitz des 
National- Grossmeisters beschlossen, dem Ober-Direktorium 
zu erklären: 

„dasSy wenn es auf die Beibehaltung einer freundschaft- 
lichen Verbindung mit Schweden ankäme, man damit 
einverstanden sei, dass die deutschen und schwedischen 
Brr. sich nach wie vor wechselseitig in ihren Logen 
zuliessen und ihre Certificate respektirten. Hierzu bedürfe 
es aber keiner besonderen engeren Verbindung, worauf 
die Grosse National -Mutterloge überhaupt sich nicht 
einlassen könne. Da ihre Mitglieder nur als blosse Frei- 
maurer angesehen sein wollten, so könnte sie sich auf 
die Wahl eines Heermeisters für die höheren Grade der 
strikten Observanz, besonders in der Person eines fremden 
Prinzen, nicht einlassen. Eines anderweitigen Gross- 
meisters in der deutschen Maurerei bedürfe es aber nicht, 
da sie ihren Grossmeister in der Person des Herzogs 
Ferdinand verehrte und Seine Durchlaucht sich gnädigst 
erklärt hätten, es noch fernerhin verbleiben zu wollen. ** 
Im September 1779 kam trotzdem die Vereinigung der 
deutschen Logen strikter Observanz mit Schweden zu Stande. 
Jeder Theil behielt zwar seine Rituale, der Herzog von 
Südermannland wurde aber zum Heermeister der VII. 
Provinz (Deutschland) und der Prinz Karl von Hessen zum 
Coadjutor des Heermeisters gewählt. 

Da viele Präfekturen die Wahl des neuen Heermeisters 
nicht anerkannt hatten, traf der Herzog Ferdinand die 
Vorbereitungen zu einem allgemeinen Ordenskonvent 
und, wenngleich der Herzog von Südermannland ihn 
untersagte, setzte das Direktorium in Braunschweig dennoch 



— 73 — 

die Vorbereitungen dazu fort. Deshalb legte der neue 1779 
Heermeieter sein Amt nieder, da er, wie es in dem Absage- 
brief heisst, 

„nichts weiter mit den deutschen Brm. zu berathschlagen 
und zu verhandeln haben wolle, und erkenne sonst 
Niemanden, als den wahren Grossmeister und die wahren 
Superioren, die ihm bekannt seien, als seine Oberhäupter an.** 

Auch ward in diesem Jahr der Vorschlag zur Wieder- 
vereinigung der Loge „Royal York^ mit unserer Grossloge 
gemacht. Da erstere jedoch ihr Ritual nicht aufgeben wollte, 
kam die Vereinigung nicht zu Stande. 

Im Jahr 1779 wurden 
zu Aurich in Ostfriesland die Loge ^zu den drei Königlichen 

Adlern^*), 
zu Brandenburg a. d. H. die Loge „Friedrich zur Tugend'' 
gestiftet. 

Die Beiträge für die dienenden Brr. mit 2 Thlrn. jährlich, 
welche bisher von diesen unmittelbar eingezogen worden, 
wurden nach dem Beschluss der Grossbeamten -Berathung 
vom 2. Dezember 1779 vom 1. Januar 1780 ab von der 1780 
Logenkasse erhoben, und dagegen den dienenden Brrn. für die 
zu leistenden Dienste aus der Logenkasse ein Gehalt gezahlt. 
Am 26. Juni wurde in der Mutterloge der Beschluss 
gefasst, dass die Meister vom Stuhl der Tochter logen als 
Ehrenmitglieder der Mutterloge geführt werden sollten. 

Am 23. Juni ward Goethe, damals 31 Jahre alt, 
in der Loge „Amalia" zu Weimar in den Freimaurer- 
bund aufgenommen.**) 

*) Nach dem Schreiben vom 22. November 1779 ist diese Loge 
bald nach ihrer Gründung wieder eingegangen. Best&tigt im Jahr 1818 
durch die Grossloge von Holland , stellte sie um das Jahr 1826 ihre 
Arbeiten nochmals ein. Erst im Jahr 1842 wurde durch die Grossloge 
von Hannover die Johannisloge „zur ostfriesischen Union** daselbst 
gegründet, die 1850 nach Emden verlegt wurde. 

^) ^Goethe als Maurer*", Vortrag des Br. Stern. Latomia Bd. 18 
und FindePs Bauhütte Jahrg. 18 No. 10. Vortrag des Br. Brenn ecke. 
Allg. Handb. der Freimaurer. Leipzig 1900. Bd. I, S. 372 ff. 



— 74 — 

1780 Die Matterloge stiftete im Jahr 1780 die Loge „Witte- 

kind zur westphälischen Pforte^*) zu Minden; 

1781 1781 die Loge „zum heiligen Johannes^ '^) zu Camin. 
Bereits 1780***) hatte der Obermeister, Br. Wöllner, 

darauf angetragen, dass ihm zur Erleichterung bei seinen 
vielen Geschäften ein zugeordneter Obermeister zugesellt 
werde, wozu der Br. Peters, Geheimer Oberfinanzrath, 
ernannt wurde. 

Mehrere Einladungen f) des Braunschweigischen Ober- 
Direktoriums zur Theilüahme an Zusammenkünften hatte die 
National -Mutterloge ablehnend beantwortet, und auch die 

1782 am 16. Juli 1782 gehaltene Zusammenkunft zu Wilhelms- 
bad bei Hanau, bei welcher der Herzog Ferdinand von 
Braunschweig von den Abgeordneten aus Ober- und Nieder- 



*) Diese Loge wurde am 13. Juni 1849 durch die Grossloge auf- 
gelöst. Erst im Jahr 18&5 wurde zu Minden eine neue Loge unter 
dem Namen „Wittekind*' gegründet. 

**) Diese Loge stellte im Jahr 1815 ihre Arbeit ein. 
***) Am 13. März 1780 wurde auch der Vertrag der Grossen Loge 
im Haag mit der strikten Observanz bekannt gemacht. 

t) In dem Rundschreiben des Ordens -Grossmeisters Herzog 
Ferdinand von Braunschweig vom 9. September 1780 wird: 

1. ein General -Konvent für alle Grosslogen als das einzige Mittel 
bezeichnet, den Orden zu retten, ihm eine dem Genius und den 
Sitten des Jahrhunderts angemessene Gestalt zu geben, und ihn 
auf seine wahren Grundsätze zurückzuführen ; 

2. eröffnet , dass Ungewissheit und Zweifel über verschiedene Lehr- 
arten, Über ihren Ursprung und ihre Rechtmässigkeit eifrige und 
unterrichtete Brüder auf Untersuchungen geleitet habe, die meist 
von bestem Erfolg gewesen, — dass jetzt vielleicht der beste Zeit- 
punkt vorhanden sei, in welchem es möglich, mit Unparteilichkeit 
die Ergebnisse dieser Untersuchungen zu vergleichen, um bis zu 
einem hohen Grad von Gewissheit bestimmen zu können, was der 
Orden sein müsse, wenn er den Erwartungen der Brüder genügen 
sollte, und dass dazu hauptsächlich erforderlich wäre, über die 
Hauptgrundsätze sich zu verständigen, die zur Grundlage des 
Gebäudes dienen sollten. 

3. Es werden deshalb folgende Fragen gestellt: 

a. können wir den Orden als eine blosse herkömmliche Gesellschaft 
betrachten, oder müssen wir dessen Ursprung von einer weit 
älteren Vereinbarung oder von einem Orden herleiten? 



— 75 — 

Deutschland, Frankreich, Italien, Roasland nnd Oesterreich 178S 
znm General-Grossmeister des ganzen Ordens ernannt 
worden, beschickte sie nieht. 

Bei dieser Zosammenkonft erklärte der Br. v. Ditfarth 
ans Wetzlar, „dass die Beweise einer Abstammung 
der strikten Observanz von dem Templerorden so 
beschaffen seien, dass man damit in jedem Gerichtshof der 
Welt ausgepfiffen werden würde. Zweck des Ordens sei nicht 
eine Wiederbelebung des Templer-Systems, die lächerlich und 
kindisch wäre in einer Zeit, wo ein aufgeklärter Monarch 
(Kaiser Joseph II.) damit beschäftigt sei, die wirklich noch 
existirenden Orden aufzuheben; auch bleibe die Hoffnung 
eine schwärmerische, durch den Orden in den Besitz über- 
natürlicher Kräfte zu gelangen. ** Femer erklärte der Br. 
V. Rosskampf, „dass das Gebäude der Freimaurerei die 

b. haben wir jetzt wirklich vorhandene Obere and wer sind diese? 

c was versteht man unter einem Oberen des Ordens? 

d. hat der Obere das Recht zu gebieten oder nur zu unterrichten? 

4. Es werden alle Grosslogen aufgefordert, aus dem zerstreuten 

Material ein Ganzes zu bilden und wechselseitig die Gedanken 

darüber sich mitzuteilen. 

In einem zweiten Rundschreiben vom 18. Juni 1781 wurde der 
Zweck des Konvents noch weitl&ufiger auseinander gesetzt, und der 
Konvent auf den 16. Oktober 1781 bestimmt, jedoch später bis zum 
16. Juli 1782 hinausgerückt 

Die Mutterloge zu den drei Weltkugeln erklärt in dem Schreiben 
an den Ordens -Grossmeister vom 1. Juli 1782, dass die gegenwärtige 
Lage der Freimaurerei in aller Hinsicht so bedenklich sei, dass sie 
aus den triftigsten Gründen für rathsam halte, aus den preussischen 
Staaten weder Abgeordnete zum General -Konvent zu schicken, noch 
einem der dort Anwesenden Vollmacht für sie zu erteilen. 

In diesem Schreiben werden zugleich folgende Anträge an den 
Konvent gestellt: 
1. dass die drei englischen Grade, wie sie bisher in der sog. 
VII. Provinz bearbeitet worden , ganz unverändert beibehalten 
werden. Hierbei wird die Hoffnung ausgesprochen, dass der 
Matterloi^e in Kurzem das bereits zugesicherte alte wahre Ritual 
von diesen 3 Graden aus der ursprünglichen Handschrift der ersten 
Stifter der Freimaurerei, welches noch im Grossen Geheimen 
Archiv des Ordens aufbewahre sei, zugesendet werde, um es in 
den diesseitigen Logen einzuführen, oder doch ihr jetziges Ritual 



— 76 — 

1782 Bestimmung des Menschen, die Erkenntniss seines Schöpfers, 
die Menschenliebe, die Mittel, das göttliche Ebenbild zu 
erlangen, mit einem Worte, das ausübende Christentham 
im weitesten Sinn umfasse. ** Schliesslich setzte man durch 
Mehrheit der Stimmen fest, dass der Zusammenhang mit 
dem Templer- Orden durch einen historischen Unterricht in 
einer besonderen und letzten Klasse des Ordens, welchem 
zugleich die Regierung der unteren Grade zu übertragen 
und der Namen der Ritter der Wohlthätigkeit beizulegen 
wäre, ertheilt werden sollte, wobei aber allen Provinzen und 
Präfekturen freigestellt werde, von diesem Grad und der 
ihm beigelegten Benennung keinen Gebrauch zu machen, 
unbeschadet ihrer Verbindung mit dem Ganzen. 
In diesem Jahr starb der Br. v. Zinnendorf. 



danach zu. verbessern and von den eingeschlichenen Irrthümem 
zu säubern; 

2. dass sie nicht gehalten sein dürfe, von ihren Arbeiten, die Ober 
die 3 unteren Grade hinausschreiten, irgend Jemand Rede oder 
Antwort zu geben; 

3. dass sie ihren Rang als Altschottische Loge unter dem Braun- 
schweiger Ob er- Direktorium femer behaupten dürfe und keinem 
unter- Direktorium unterstellt werde, auch das Recht behalte, 
Tochter -Logen zu stiften. 

Wenn einer dieser Anträge vom Konvent abgelehnt werden sollte, 
wtürde die Mutterloge zu den drei Weltkugeln keinen Teil an 
den Beschlüssen des Konvents nehmen und von ihm keine Gesetze 
sich vorschreiben lassen. 

Der Konvent beschloss, das Tempelherren - System zu verlassen, 
behielt aber die ihm eigentümlichen Grade bei wiewohl unter will- 
kürlichen Yeränderongen, fügte ihnen sogar einen neuen Grad hinzu 
unter dem Namen „Ritter des Lichtes*'. Alle Beschlüsse wurden 
jedoch, da mehrere Abgeordnete nicht ausreichende Vollmacht hatten, 
salva ratificatione gefasst, und sollte die Bestätigung Ende des Jahres 
1783 eingesendet werden. 



Sechster Zeitraum. 

Von 1783 bis 1796. 



Treiiiiuii{ von der strikten Observanz. 

Uer National -Grossmeister, Prinz Friedrich AngastlTSS 
von Braunschweig, hatte bereits am 7. April 1780 die ein- 
zelnen Logen des Bandes von der Abschaffung der Hoch- 
grade der strikten Observanz durch nachstehendes Rund- 
schreiben in Kenntniss gesetzt: 

Publikandum und Regulativ fQr sämmtliche Logen. 

Da nach Abschaffung des bisher in den höheren Graden 
unserer Logen bearbeiteten bekannten alten Ritter-Ordens, 
als welcher nach erlangter besserer Ueberzeugung zu nichts 
führete und in vieler Hinsicht anjetzo selbst gefahrlich zu 
werden schien, einige unserer Brr. durch die über uns vor- 
zQglich waltende Gnade Gottes glücklich genug gewesen 
sind, sich in der Feme dem wahren grossen Orden zu nähern, 
von welchem vorgedachter zuletzt ausgeartete Ritter -Orden, 
so lange er gut geblieben, nur eine Branche abgegeben; so 
hat dadurch unsere ganze Maurerei eine andere und Gottlob! 
äusserst glückliche Richtung erhalten. Die Mitglieder des 
gedachten grossen uralten und heiligen, niemals aber öffentlich 
hervorgetretenen Ordens waren, wie einigen älteren Brm. 
bekannt sejn muss, die Urheber und Stifter jenes Ritter- 
Ordens; nach dessen vielleicht auf ihre eigene Veranlassung 
wegen der Laster so vieler Glieder desselben durch alle 
profane Mächte bewirkten völligen Abolition, sie, die Mitglieder 



— 78 — 

des grossen Ordens, die unteren Hieroglyphen -Grade der 
Maarerei klüglich erfanden, um dnrch selbige gute Menschen 
zu erziehen, und ihnen nach überstandenen Prüfungen, den 
Weg zur höheren Maurerei oder zum grossen Orden selbst 
zu bahnen; indem ihr herzlicher Wunsch und einzige Absicht 
stets während ist, das Gute in der Welt zu verbreiten und 
viel Menschen glücklich zu machen; jedoch nur solche, die 
es werth sind, weil Sklaven des Lasters und Menschen ohne 
Gottesfurcht und Tugend niemals in's AUerheiligste des Tempels 
schauen, und noch viel weniger Besitzer jener herrlichen 
Geschenke Gottes sein können, noch werden. Ohnerachtet 
diese ihre Stiftung der Maurerei zwar in der Absicht glücklich 
genug gewesen, dass sich selbige über den ganzen bewohnten 
Erdkreis ausgebreitet hat, so hat doch die erstaunliche Menge 
von Logen, deren in der einzigen Stadt London über 400 
sind, ihrer Hofihung, durch die Maurer lauter gute Menschen 
zu ziehen, desto weniger entsprochen, indem bis im Jahre 
1777 nur eine einzige Loge gewürdigt worden, mit dem 
hohen Orden und den wahren Ordens-Obern in Konnektion 
zu stehen; sondern es sind nur immer einzelne würdige Brr. 
zu diesem unschätzbaren Glücke gelangt. Vielleicht aber 
smd auch noch andere Gründe gewesen, warum diese wichtige 
Epoque bis dahin verschoben worden. Seit obbenanntem 
Jahre aber ist es jenen einzelnen Brm. nicht nur verstattet, 
sondern auch befohlen worden, nach einer ihnen bekannt 
gemachten Ordnung, denjenigen Vorbereitungs-Grad zum 
wahren Lichte und zu höheren Kenntnissen in ihren Logen 
einzuführen, welcher heute bekannt gemacht werden wird; 
und der einen starken Fingerzeig abgiebt, worinnen die 
wahren Kenntnisse der höheren Maurerei eigentlich bestehen, 
und was diejenigen glücklichen Brr., welche vor würdig er- 
kannt werden, in den hohen Orden zu kommen, zu erwarten 
haben. 

In Beziehung auf diese glückliche Lage, welcher, unter 
bisher noch wenigen anderen Logen, sich auch die unserigen 
Gottlob I zu erfreuen haben, wird also folgendes Regulativ 
für unsere sämmtlichen hiesigen Logen bekannt gemacht; als: 



— 79 — 

1. 
Wird dieser Yorbereitang8-6rad, welcher künftig den 
5. Grad bei ans ausmachet, von sammtlichen Brm., denen 
selbiger sowohl heute mit Dispensation einer förmlichen 
Aufnahme gegeben wird, als aach von denen, welche künftig- 
hin unter denen im Ritual vorgeschriebenen Zeremonien 
darin aufgenommen werden, dergestalt geheim und ver- 
schwiegen gehalten, dass nicht nur, wie sich von selbst 
verstehet, die Brr. der unteren Grade nicht das Geringste 
davon wissen dürfen, sondern selbst weder das Direktorium 
zu Braunschweig, noch andere mit uns verschwisterte Logen 
müssen in keinem Betracht und unter keinerlei Umständen 
jemak erfahren, dass sothaner neuer Grad unter uns existirt 
und am allerwenigsten, was er in sich enthalte, und welcher 
Br. entweder aus Schwatzhaftigkeit oder gar aus übler 
Intention hierin nicht die strengste Verschwiegenheit be- 
obachtet, wird es sich selbst zuzuschreiben haben, wenn er 
sich dadurch die härteste maurerische Strafe zuzieht. 

2. 
Unsere Matterloge bleibt nach wie vor als eine alt^ 
schottische Loge mit allen Filial-Logen dem bisherigen 
System in Absicht der 4 untern Nieder- Grade unter dem 
Hammer des Herrn Herzogs Ferdinand Durchlaucht als 
Schottischen Obermeisters sämmtlicher verbundenen Logen 
in Deutschland zugethan, und hängt in Absicht dieser 4 
Grade von den Direktoren zu Braunschweig ab. 

3. 
Natürlicherweise können und dürfen auch in diesem 
5. Grade keine Brr. Visiteurs zugelassen, so wenig von der 
Loge „Royal York*^ als von irgend einer fremden Loge, es 
mögen sothane Brr. auch so viel oder welche Grade haben^ 
als sie immer wollen; es sei denn, dass in der Folge, wie 
zu hoffen und zu vermuthen stehet, auch andere Logen 
diesen ächten Grad bearbeiten und ein Br. Visiteur sich 
durch Zeichen, Wort und Griff zu erkennen giebt, dass er 
diesen Grad wirklich besitze. 



— 80 — 

4. 
Unser Ritual der 3 unteren Grade und selbst das 
fehlerhafte Schotten-Ritual bleibt so lange unverändert, bis 
vor dem, uns hiesigen (höheren?) Orts gewordenen Versprechen 
gemäss aus dem uralten Original -Manuskript, welches die 
Stifter der Maurerei eigenhändig geschrieben haben, das 
echte Ritual und die Zeichnungen der Tapis von allen 
4 Graden erhalten werden, welches sodann nach erbetener 
Erlaubniss dem Direktorio zu Braunschweig von uns 
kommunizirt werden soll, um solches, wenn es beliebt wird, 
denen sämmÜichen mit uns verschwisterten Logen mit- 
zutheilen, damit allenthalben die Maurerei einförmig und 
echt bearbeitet werde. 

5. 

Dieser neue 5. Grad wird künftig einzig und allein von 
dem Hochwürdigen Br. The den bearbeitet, welcher dagegen 
die bei seiner Loge vorfallenden Arbeiten durch den deputirten 
Meister der „Concorde", den Br. Decker, verrichten lasset. 

6. 

Alles Avancement in den unteren 4 Graden geschiehet 
wie bisher nach der Anciennetät der Brr. und dependirt 
einzig und allein von dem Vorsitzenden Meister jeder Loge, 
ohne dass sie nöthig haben, dieserhalb weder an den Ober- 
meister, noch an die Mutterloge An- und Rückfrage zu 
halten. Nur wird der Fall ausgenommen, wenn ihrem 
Urtheile nach der älteste Br. in jedem Grade etwa unwürdig 
sein sollte, weiter befördert zu werden, in welchem Fall 
solches dem Obermeister mit Anführung der Gründe dieser 
Zurücksetzung, ehe selbige geschiehet, angezeigt werden 
und dieser darin decidiren muss. 

7. 

Die Erhebung eines Br. in den ö. Grad ist in den 
Logen dem Br. The den einzig und allein anheimgestellt 
und zwar dergestalt, dass er hierin blos nach seinem 



— 81 — 

Gewissen verfährt, ohne sich an die Anciennetät za kehren; 
nur konferirt er vorher mit dem Vorsitzenden Meister, weil 
vorausgesetzt wird, dass dieser seine Brr. genau kennt und 
daher, im Fall er Gründe gegen die Würdigkeit des 
Kandidaten anzuführen weiss, ein Votum negativum hat. 
Der zum 5. Grad avancirte Br. bleibt aber nach wie vor, 
wie sich von selbst verstehet, in seiner Loge und unter 
seinem Meister, weil dieser 5. Grad keine besondere Loge 
ausmacht. Sollte sich indessen der Fall ereignen, dass die 
von dem Meister wider den Kandidaten vorgebrachten 
Gründe dem Br. Theden nicht relevant schienen, so wird 
das streitige Avancement in der Konferenz der Mutterloge 
vorgetragen und per plurima decidiret. 

8. 

Bei allen Konferenzen der Mutterloge werden künftig 
sämmtliche Vorsitzende Meister und deputirte Meister aller 
Logen zugezogen, wenn solche auch keine Mitglieder der 
Mutterloge sind, weil der alte Ritterorden als das bisherige 
Monopolium der Mutterloge nicht mehr statt hat und mithin 
•der Grund wegfällt, warum andere wirklich dirigirende Brr. 
davon ausgeschlossen sein müssen, welche Ausschliessung 
zum Nachteil der ihnen anvertrauten Logen nur zu vielen 
Inkonvenienzen Anlass geben würde. 

9. 

Da dem Br. Wöllner als Obermeister die Führung de.s 
Ganzen in der Länge allein zu beschwerlich fällt, so ist ihm 
ein deputirter Obermeister zugestanden worden, welchen die 
Brr. der Mutter löge aus ihrer Mitte durch die Mehrheit der 
Stimmen zu wählen haben. 

10. 

Alle übrigen Einrichtungen, Gesetze und Gebräuche, 
welche bisher bei unseren Logen eingeführt gewesen und 
gegenwärtiges Regulativ nicht affiziren, bleiben in ihrem 
völligen vigore. 

G««cb. d. Qr. Nat.-MutUr • Lotf«. 6 



— 82 — 

11. 

Da die grösste Wahrscheinlichkeit ist, dass die hohen 
Ordens-Oberen es bei diesem Vorbereitungsgrad nicht werden 
bewenden lassen, sondern aus unseren Logen, später oder 
früher, alle würdigen Brr. gewiss weiter befördern dürften, 
so werden hiermit alle Vorsitzenden Meister sowohl als 
sämmtliche alte Brr. alles Ernstes vermahnt, ferner auf 
Zucht und Ordnung in unseren Logen zu halten und durch 
ihr würdiges Beispiel jüngere Brr. zur Religion und Tugend 
aufzumuntern, auf dass G. u. s. W. mit uns sei; wozu der 
allmächtige Baumeister der Welt Seinen reichen Segen ver- 
leihen wolle! 

Gegeben im Orient der Altschottischen Loge „Friedrich 
zum goldenen Löwen" den 7. April 1780. 

gez. Friedrich August. 

gez. Franz Wilhelm Marchand, 
Gross -Sekretair dieser Loge. 



1783 Am 10. November 1783 wurde die Mutterloge ver- 

sammelt und ihr bekannt gegeben, dass der Herzog Ferdinand 
auf die Grossmeisterwürde verzichtet habe, und dass das 
Ober-Direktorium von Braunschweig nach Weimar ver- 
legt werden solle. 

Nun war die Zeit für die Mutterloge gekommen, ihren 
früher gefassten Beschluss zu veröffentlichen, und sie that 
dies mittels eines an aUe Logen gerichteten Umlaufschreibens» 
Diesem war nachfolgende Erklärung beigefügt: 

Deklaration 

der alten Mutterloge zu den drei Weltkugeln in Berlin an 
alle mit ihr verbundene Hoch- und Ehrwürdige Freymaurer- 
logen in und ausserhalb Deutschland. 



Die grosse Verwirrung, welche seit einigen Jahren in 
der Freyniaurerei in und ausserhalb Deutschland eingerissen 
ist und von einer Zeit zur anderen immer mehr allgemein 



— 83 — 

wird, hat uns endlich dahin vermocht, zu unserer eigenen 1783 
Wohlfahrt und Ruhe, und zum Besten unserer zahbreichen 
Tochterlogen, und nach reifer Ueberlegung einen Entschluss 
zu fassen, den wir uns die Ehre geben, allen mit uns freund- 
schaftlich verbundenen Logen in und ausserhalb Deutschland 
durch gegenwärtige Deklaration bekannt zu machen. 

Dieser standhafte Entschluss bestehet darin, dass wir 

1. Uns völlig frei und independent erklären von aller 
maurerischen Abhängigkeit, sie habe Namen wie sie 
wolle, dagegen aber 

2. Allen Freymaurer -Logen in und ausserhalb Deutsch- 
land von allen und jeden Systemen unsere maurerische 
Freundschaft mit dem redlichsten Bruderherzen an- 
bieten und sie um die ihrige ersuchen. 

Beide Punkte wollen wir durch folgende weitere Aus- 
fahrung näher bestimmen. 

§ 1. 

Durch die obige Lossagung von aller maurerischen 
Abhängigkeit wollen wir keineswegs uns dem Gehorsam und 
der Ehrfurcht entziehen, welche wir dem Hoch würdigsten 
Durchlauchtigsten Grossmeister aller bisher verbunden ge- 
wesenen Logen Deutschlands in Absicht seiner höchsten 
Person schuldig sind. Es ist vielmehr Wonnegefühl für uns, 
im Angesicht der ganzen maurerischen Welt zu erklären, dass 
wir Seinem Grossmeisterlichen Hammer fernerhin zu gehorchen 
uns zur heiligsten Pflicht machen, so lange dieser fromme 
Fürst uns sothaner Huld und Gnade ferner würdigen will. 
Wer könnte den Dank vergessen, den die deutsche Maurerei 
dem grossen Ferdinand schuldig ist? — Er, der die glück- 
liche Richtung unserer Laufbahn kennet, wird auf keine Art 
und unter keinerlei Umständen uns jemals hinderlich sein, 
unser vorgestecktes Ziel zu erreichen. 

§2. 

Anders verhält es sich aber mit den, obwohl äusserst 
gut gemeinten Beschlüssen des General-Konvents zu Wilhelms- 

6* 



— 84 — 

1783 bad. Diese passen in keinem Betracht auf uns, noch auf 
alle unsere Verhältnisse, daher wir uns von selbigen hier- 
durch völlig lossagen und sie denjenigen Logen überlassen, 
welche davon einen besseren Gebrauch machen können, als 
wir zu thun im Stande sind. 

§3. 

Ein Gleiches gilt von dem bisherigen Altschottischen 
Direktorio; es mag nun solches fernerhin zu Braunschweig 
verbleiben, oder nach Weimar verlegt werden, so nehmen 
wir und unsere Tochterlogen davon keine Notiz. 

§4. 

Wir werden hingegen sowohl die einzelnen Mitglieder 
dieses Direktorii wegen ihrer persönlichen Vorzüge, als auch 
ihre unterhabende Logen, unserer Pflicht gemäss, als gute 
Brr. und ächte Maurer stets anerkennen, hochschätzen und 
uns um ihre Gewogenheit und Freundschaft jederzeit äusserst 
bemühen. Wie wir denn femer 

§5. 

Hierdurch alle und jede in und ausserhalb Deutschland 
befindliche Hoch- und Ehrwürdige Logen, sie haben Namen 
wie sie wollen (bloss jene Sekte ausgenommen, von der wir 
unter § 7 reden) auf das freundschaftlichste und brüderlichste 
einladen, uns die Ehre zu erzeigen, sowohl eine maurerische 
Korrespondenz 

in den bekannten und bisher allgemein angenommenen 

alten drei Englischen Graden 
mit uns theils anzufangen, theils fortzusetzen, als auch ihre 
reisenden Brr. an uns zu adressiren, welche wir jederzeit 
liebreich aufnehmen und ihnen, auf ihre Zertifikate, die 
Thüren unsres Heiligthums in besagten Graden mit grösster 
Willfährigkeit öffnen werden. 

§6- 
Diejenigen Logen und Brr., welche unter dem Namen 
des Zinnen dörfischen Systems bekannt sind, werden hier- 



— 85 — 

von keineswegs ausgenommen; sie sollen uns zu allen Zeiten 1783 
willkommen sein, and wir nehmen keinen Anstand, durch 
diese Deklaration abermals den ersten Schritt zu der Auf- 
hebung und Abschaffung der bisherigen unseligen Trennung 
zu thun, indem wir hoffen, dass jene bekannte unbrüderliche 
Klausul in ihrem Lehrlingseide nicht mehr statt haben wird. 

§7- 

Diejenige Sekte, von welcher wir hier oben § 5 reden, 
kennet jedermann, ohne dass wir nöthig hätten, sie bei 
Namen '^) zu nennen. Von dieser gestehen wir frei, dass 
ohne Verfolgungs- und Partheigeist, wir ihre Anhänger 
niemals für Maurer erkennen, oder den mindesten Umgang 
mit ihnen haben, am wenigsten ihnen den Zutritt zu unsren 
Logenarbeiten verstatten werden. Verflucht ist der Frei- 
maurer, der die Religion der Christen zu untergraben 
und die erhabene edele Maurerei zu einem politischen System 
herabzuwürdigen und zu einem solchen umzuschaffen sich 
nicht entblödet. Der augenscheinlichen Gefahr nicht zu 
gedenken, dass dadurch der weltliche Arm später oder früher 
gegen die ganze Maurerei erreget werden dürfte. Hinweg 
mit solchen Uebelthätern ! 

§ 8. 

Wenn es uns erlaubt wäre, allen Mutterlogen in und 
ausserhalb Deutschland einen guten Rath wohlmeinend zu 
ertheilen so würde es dieser sein: unserem Beispiele nach- 

*) Die „Erleachteten'' (Illaminaten) sind hier gemeint. AU 
Qründer dieses anfangs gegen die Wühlereien des Ordens der Jesuiten 
gerichteten Bundes wird der Professor Weisshaupt zu Ingolstadt 
angesehen. Es wurden in diesem Bund ungewöhnliche Aufklärungen 
Tersprochen. Weisshaupt Hess sich, um dem Bund eine Stütze zu 
Terleihen, im Jahr 1777 in den Orden der Freimiurer aufnehmen. 

Aus dem Umstand, dass die Schreibart der hebräischen and 
chald&ischen Worte in den Ritualen der lUuminaten von der in der 
Wissenschaft üblichen abweicht, indem sie der Aussprache der Jadeo 
in Polen und Deutschland angepasst ist, schliesst man, dass die 
unbekannten Oberen der Illuminaten ihren Sprachschatz Yon solchen 
Juden entlehnt haben. 



— 86 — 

1783 zuahmen und keine andere Dependenz oder Abhängigkeit 
in der Maurerei stattfinden zu lassen, als diejenige, welche 
zwischen ihnen und ihren Tochterlogen nothwendigerweise 
sein muss. Warum sollte nicht in einem jeden Lande jede 
Mutterloge sich selbst regieren, sich selbst genug sein 
können? — Freundschaft mit der ganzen Welt, Abhängigkeit 
von Niemand, ist der Natur der symbolischen Maurerei, 
zumal in jetzigen Zeiten, äusserst angemessen und wird 
vielleicht mehr Harmonie und Ordnung hervorbringen, als 
alle bisherigen Anstalten, Entwürfe und Einrichtungen leider 
nicht haben bewirken können. 

Dies ist der Standpunkt in der maurerischen Welt, den 
wir nach reifer Ueberlegung gewählt haben, und den wir 
mit aller Freimüthigkeit hierdurch öffentlich bekannt machen. 
Ob selbiger getadelt wird oder nicht, ist uns völlig gleich- 
gültig. Genug, dass unsere Loge von unserem grossen 
Könige geschützt und von dessen Durchlauchtigsten Neffen 
sicher geführt, ihre Pflichten gegen Gott und den Nächsten 
erfüllt und in diesem Verhältniss glücklich ist. 

Gegeben in der gerechten und vollkommenen Loge zu 
den drei Weltkugeln in Berlin den 11. November 1783. 

Ad Mandatum. 

gez. Franz Wilhelm Marchand, 
Gross -Sekretair. 

Um dieselbe Zeit trat der schlesische Graf v. Haugwitz 
mit den von ihm geführten Logen aus dem System der 
strikten Observanz zur „Grossen Landesloge^^ über, verwarf 
jedoch alle Hochgrade der Landesloge, von der er nur die 
Rituale der drei unteren Grade für echt erklärte, daneben 
aber ein besonderes, mystisches System sich bildete. 
Haugwitz trat später auf dem Eongress zu Verona 1822 
in entschieden feindlicher Weise gegen den Bund der Frei- 
maurer auf. 

Zu erwähnen ist hier femer das Rundschreiben der 
vereinigten Provinziallogen zu Wetzlar und Frankfurt a. M. 



— 87 — 

vom 18. März 1783, in welchem die deatschen Logen 1783 
aufgefordert werden, sich ihnen anznscbliessen, um eine 
Verbrüderung zu bilden zur Wiederherstellung der Kunst 
der alten Freimaurerei. In Nachahmung der alten eklektischen 
Philisophen wollte man aus allen Systemen das Beste und 
Ueberzeugendste herausnehmen, um diese Eklektische 
Maurer ei dadurch zu der besten zu machen. Als Stifter 
dieses neuen Systems wird der Br. v. Ditfurth bezeichnet. 
(Keller, Gesch. d. Frmrei S. 198.) 

Die auf Grund dieses Schreibens errichtete Frankfurter 
„Direktorial-Loge* Hess sich im Jahr 1789 wieder als 
Englische Provinzialloge einsetzen und ihre Tochter- 
logen wieder in das Verzeichniss der Londoner Grossloge 
einschreiben. 

Die strikte Observanz erreichte bald nachher ihre 
völlige Elndschaft; die meisten ihrer Logen schlössen sich 
anderen bestehenden Logenvereinen an, einige aber von ihnen 
blieben für sich als vereinzelte Logen bestehen. 

Im Jahr 1783 gründete die Mutterloge zu den drei 
Weltkugeln: 

zu Zerbst: die Loge , Friedrich zur Beständigkeit'; 

zu Halberstadt: die Loge „zu den drei Rosen'*); 

zu Bochum: die Loge „zu den drei Rosenknospen"; 

ferner im Jcihr 1784 zu Beigard in Pommern die Loge I7d4 
„Aurora"**) unter Vorsitz des Prinzen Ludwig von Württem- 



*) Diese Loge trat nach wenigen Jahren ausser Th&tigkeit und 
wurde erst im Jahr 1812 unter der Bezeichnung: „zu den drei Hämmern^ 
erneuert. 

**) Nachdem der Meister vom Stuhl, Prini Ton Württemberg, 
mit seinem Stab im Jahr 1785 nach Treptow a.d. Rega Tersettt 
worden war, wurde auch die Loge „Aurora* dorthin verlegt und ihr 
am 10. Dezember 1786 eine neue Urkunde ertbeilt. Da dort inxwischeo 
auch die Grosse Landesloge Ton Deutschland eine Johannisloge 
„Julius" errichtet hatte, ao dem kleinen Ort jedoch swei Logen 
nicht bestehen konnten, trat die Loge „Aurora** su Treptow bald 
ausser Th&tigkeit. 



— 88 — 

1784 berg und in Bromberg die Loge „zu den drei Rosen".*) 
In diesem Jahr ward an Stelle des verstorbenen Br. 
V. Köhler Br. Theden, G^neral-Chirurgus der Armee, zum 
Meister vom Stuhl der Mutterloge gewählt. 

In diesem Jahr erklärte sich die von der „Grossen 
Landesloge von Deutschland^ errichtete Provinzialloge zu 
Wien für selbständig als 

„Grosse Landesloge in Wien"; 

unter welcher die Provinziallogen von Oesterreich, Ungarn, 
Böhmen und Siebenbürgen arbeiteten. Dies Ereigniss wurde 
unserer Grossen National-Mutterloge mittelst nachstehenden 
Schreibens mitgetheilt: 

Hochwürdiger Landesgrossmeister ! 
Hochwürdige Grossbeamte ! 
Verehrungswürdige und vielgeliebte Brr. ! 

Die Grösse, zu welcher die Maurerei unter dem wohl- 
thätigen Einfiuss der Duldung im Orient der k. k. Staaten 
seit Kurzem heranwuchs, der mächtige Zuwachs an Kräften, 
den sie durch den Beitritt so vieler neuer Mitglieder 
und die daraus entstandene ansehnliche Vermehrung der 
einzelnen Verbrüderungen erhielt und die unvermeidliche 
Verwirrung bei einer solchen Anzahl einzelner Körper, deren 
jeder, ohne einen bestimmten Zusammenhang mit dem 
Ganzen, sich nur um seine eigene Achse drehte, veranlasste 
die hoch würdigen Provinzial- Grossmeister von Böhmen, 
Ungarn, Siebenbürgen und Oesterreich, auf Mittel zu denken, 
um allen diesen einzelnen Körpern einerlei Form und einerlei 



'*') Die Loge „zu den drei Rosen" ist über die Errichtung nicht 
hinausgekommen, wie aus einem Schreiben vom 14. August 1786 hervor- 
geht, zumal gleichzeitig daselbst von der Loge „Royal York*^ die Loge 
„la Fiddlit^ aux III Colombes*^ errichtet worden. Diese ging im Jahr 
1800 unter dem Namen „Janus*^ zur Grossen Landesloge über, musste 
sich 1812 unter dem Namen „zum Ritterkreuze*^ dem Gross -Orient 
von Warschau anschliessen, trat aber 1813 ausser Thätigkeit und 
wurde im Jahr 1815 von unserer Grossloge unter dem früheren Namen 
^Janus** erneuert und angenommen. 



— 89 — 

Richtung nach einem bestimmten allgemeinen Mittelpunkt 1784 
zu geben. 

Ueberzeugt, dass die nämlichen Kräfte, die wohlgeordnet 
von der grössten Wirksamkeit sind, im Zusammenstoase 
mit sich selbst einander zerstören, glaubten sie den grossen 
Bau an dem Wohle der Menschheit nur dann mit Weisheit 
anzulegen, mit Schönheit aufzuführen, mit Stärke zu gründen, 
wenn sie den daran beschäftigten Arbeitern Ordnung, ihreh 
Arbeiten Uebereinstimmung und ihren Kräften durch Ver- 
einigung in eine Kraft Dauer und Festigkeit zu geben 
suchten. 

Ein gemeinschaftlicher Vereinigungspunkt aller dieser 
zerstreuten Körper, der innerhalb des Umfanges ihrer 
Wirksamkeit läge und eine weise Unterordnung ihrer Kräfte, 
welche sie von aussen zusammenhielt, ohne ihre innere 
Freiheit zu stören, schien ihnen hierzu das dienlichste Mittel, 
und sie glauben dasselbe in einer neu errichteten Grossen 
Landesloge in Wien*), als dem künftigen Mittelpunkt 
aller in den k. k. Staaten befindlichen Logen gefunden, 
dadurch aber die sämmtlichen maurerischen Körper der 
österreichischen Monarchie zu einem zusammenhängenden, 
wohlgeordneten Ganzen gebildet zu haben. 

Dieses dem Zweck unseres königlichen Ordens so ent- 
sprechende Vereinigungswerk ging, nach vorhergegangener 
Bestimmung gewisser, sowohl Ordnung als Freiheit gleich 
handhabender Gesetze, den 24. des Monats mit der einmüthigen 
feierlichen Wahl eines gemeinschaftlichen Landes-Gross- 
meisters und seiner Grossbeamten vor sich. 

In der festen Zuversicht, dass die sämmtlichen Glieder 
einer über den ganzen Elrdboden verbreiteten, von einerlei 
Geist beseelten und an einerlei Zwecke — dem Wohle der 
Menschheit — arbeitenden Gesellschaft an Allem, was unsem 
königlichen Orden diesem grossen Ziele näher bringt, gleich 
innigen Antheil nehmen, zählen wir es unter unsere 



*) Diese Grosse Loge hat im Jahr 1794 in Folge politischer 
Verhältnisse ihre Arbeit eingestellt 



— 90 — 

1784 angenehmsten Bruderpflichten, Ihnen, hoch- und verehrongs- 
würdige Brr., die Nachricht von dieser uns ebenso erfreulichen, 
als für die Maurerei wichtigen und aussichtsvollen Vereinigung 
aller Maurerkörper in den österreichischen Staaten und 
unter einer unabhängigen grossen Landesloge in Wien, 
sowie das Yerzeichniss der Grossbeamten derselben mit- 
zutheilen, mit der Bitte, dass sie uns bei dem ebenso 
mühsamen, als selbst belohnenden Geschäfte unseres Bundes 
Ihre half reiche Bruderhand nicht versagen, und mit der 
ungeheuchelten Versicherung, dass wir mit der thätigsten 
Bereitwilligkeit zu allen möglichen Gegendiensten und mit 
der aufrichtigsten Verehrung und wärmsten Bruderliebe 
durch die uns heilige Zahl unausgesetzt sein werden 

Hochwürdiger Landesgrossmeister! 

Hochwürdige Grossbeamte! 

Verehrungs würdige und vielgeliebte Brr.! 

Im Orient von Wien, 

am 11. des VI. Monats 

5784. 

Ihre treu verbundenen Ordenbrüder: 

(gez.) Fürst von Dietrichstein - Proskau, 
Landesgrossmeister. 

(gez.) George Graf von Banffy, Provinzial- 
Grossmeister von Siebenbürgen, auch 
im Namen des Grafen Karl Palfy, 
Provinzial-Grossmeisters von Ungarn, 
als erster Gross-Aufseher. 

(gez.) Conrad Friedrich von Pufendorf, 
deputirter Provinzial - Grossmeister 
von Oesterreich, im Namen des Herrn 
Provinzial-Grossmeisters von Böhmen 
als zweiter Gross -Aufseher. 

(gez.) Ignatz von Born, Gross -Sekretär. — 

1785 Da das Bedürfhiss, maurerische Arbeiten in französischer 
Sprache zu halten, nicht mehr vorhanden war, begann die 
Loge „zu den drei Seraphim" im Jahr 1785 sich der 
deutschen Sprache zu bedienen. 



— 91. — 

Am 5. Aprii 1785 starb der zugeordnete Obermeister, 1785 
Br. Peters; an seiner Stelle wurde Br. Marschall von 
Biberstein, bisher Schatzmeister der Matterloge, erwählt. 

Am 27. April 1785 opferte der Br. Maximilian Julius 
Leopold, Prinz von Braunschweig, Meister vom Stuhl der 
Johannisloge „zum aufrichtigen Herzen** i. 0. zu Frank- 
furt a. 0., sein Leben, indem er Andrer Leben aus den 
Fluten der Oder zu retten*) versuchte. Die Loge, deren 
mehrjähriger Führer er war, bewahrte sein Andenken durch 
ein besonderes Denkmal im Jahr 1787 unfern des Ortes, 
wo er sein Leben vollendete. Die Uniform, Weste, Beinkleid 
und Stiefel, welche der Held damals getragen hatte, wurden 
im Jahr 1821 als ein Yermächtniss des Br. Schiff mann 
aus Frankfurt a. 0. der Grossen National-Mutterloge über- 
sendet und in einem zu diesem Zweck in Form eines Denk- 
mals angefertigten Glasschrank als kostbares Andenken 
aufbewahrt, im Jahr 1868 aber aufden Wunsch des regierenden 
Herzogs von Braunschweig an das herzogliche Museum 
zu Braunschweig abgegeben. 

Bereits im Jahr 1785 hatte die Johannisloge „Archimedes 
zu den drei Reissbrettem i. 0. Altenburg, welche die seit 
10 Jahren bestandene Verbindung mit der Gr. Landesloge 
von Deutschland aufgelöst hatte, den Anschluss an die 
Grosse National-Mutterloge nachgesucht. Durch das Schreiben 
der letzteren vom 10. August 1786 wurde jedoch diese 

*) Ein Kupferstich Ton Chodowiecki stellt ihn in dem Augen- 
blick dar, wo er den Nachen besteigt. Zu den auf diesen Vorfall 
geschlagenen Denkmünzen der MClnzroeister Loos und Abraham son 
lieferte der Dichter Ramler Entwurf und Umschrift. Auf der 
Vorderseite der einen dieser Denkmünzen betrauert die Mutter, von 
ihren Schützlingen umgeben, an der halb gebrochenen Säule den 
Fürsten und Maurer. 

Der Prinz Leopold yod Braooschweig war 1752 geboren zu 
Wolfenbüttel, studirte zu Strassbnrg, besuchte mit Lessing Italien, 
war später preussischer Qeneral und Chef eines Infanterie -Regiments. 
Seine Aufnahme in den Bund erfolgte am 11. Oktober 1770 zu 
Braunschweig in der Loge St. Charles de la Concorde. (Lachmann*b 
Geschichte der Freimaurerei in Braunschweig Yon 1744 bis 1844 S. 69.) 
Im Jahr 1771 trat er in den i. 0. unter dem Namen a falce anrea. 



— .92 — 

1785 Vereinigung abgelehnt, weil die Altenbnrger Loge den Nach- 
weis verlangte, dass die Grosse National-Matterloge von der 
Grossen Loge in London anerkannt sei; man gab ihr den 
Rath, sie möge sich einer Loge anschliessen, zu deren Echt- 
heit sie ein grösseres Zutrauen habe. (Henny's Geschichte 
der Loge zu Altenburg. 1868. S. 16.) 

1786 Am 8. Februar 1786 verstarb der Br. Marschall v. Biber- 
stein. Die Loge liess ihm aus Dankbarkeit für die ihr ge- 
leisteten treuen Dienste in ihrem Garten ein steinernes 
Denkmal setzen, welches eine über einer mit dem Meister- 
zeichen geschmückten Urne weinende weibliche Figur darstellt, 
mit der Inschrift: „Die Wahrheit weint um ihren Freund". 

Zum abgeordneten Obermeister wurde nun der Br. Gause 
eingesetzt, der aber schon im Oktober desselben Jahres starb, 
worauf der Br. Johann Christoph Andreas Mayer, Geheimer 
Rath und Leibarzt des Königs, diese Stelle erhielt. 

Im August 1786 wurde die seit 20 Jahren unterbrochene 
Verbindung der Loge „zum weissen Pferde** zu Hannover mit 
der englischen Grossloge wieder hergestellt, und die alte 
englische Provinzialloge unter dem Herzog Karl von 
Mecklenburg wieder eingerichtet. 

Der 17. August des Jahres 1786 hatte dem Vaterland 
und mit ihm dem Maurerbund durch den Tod des grossen 
Königs Friedrich II. eine tiefe Wunde geschlagen. Die 
National -Mutterloge hielt am 15. September eine feierliche 
Trauerloge im Beisein des National-Grossmeisters, Herzogs 
Friedrich August von Braunschweig -Oels, unter Hammer- 
führung des Meisters der Mutterloge Br. Theden. Der 
Grossredner, Br. Zöllner, der Meister vom Stuhl der Loge 
^zur Eintracht**, Br. Gedicke, und noch drei andere Brr. 
hielten Trauerreden, und es ward angeordnet, dass die Loge 
drei Monate lang Trauer halten solle. 

König Friedrich Wilhelm IL war schon als Prinz 
von Preussen zum Freimaurer aufgenommen worden und 
hatte wahrscheinlich*) in seinem Palais zu Potsdam in 

*) Vergl. Allg. Handbuch der Freimaurerei. Leipzig bei Brockhaus. 
1863. Th. I., 8. 467. 



— 93 — 

einem kleinen Kreis von Brrn. die erste Weihe empfangen. 1786 
Ueber seine Verhältnisse im Bunde liegt aktenmässig ausser 
.dem bereits erwähnten Schreiben vom 16. November 1770 
nichts weiter vor, als dass der Prinz am 1. Oktober 1772 
bei der Loge „zu den drei goldenen Schlüsseln'' in Berlin 
als Ehrenmitglied angenommen und bis zu seiner Thron- 
besteigimg in den Listen dieser Loge geführt ward. Als 
König nahm Friedrich Wilhelm IL keinen thätigen 
Anteil an den Logenarbeiten. Um so dankbarer erkennt 
es die Grosse National -Mutterloge an, dass er ihr ein 
Koniirmations- Patent und Protektorium erteilte, worin er 
ihr alle die von seinem Vorgänger ihr verliehenen Vorrechte 
einer Grossen Mutterloge bestätigte, ihr in seinen Staaten 
Korporations-Rechte verlieh und sie ausdrücklich in Schutz 
und Schirm nahm. 

Im Jahr 1787 am 1. Februar verehrte der Br. Pascal 1787 
der Mutterloge das von dem Maler Cunighens gefertigte 
Oelgemälde des National-Grossmeisters, Herzogs Friedrich 
August von Braunschweig. Femer ward in der Beamten- 
Beratung vom 10. Oktober in Folge der Wahrnehmung, dass 
sehr viele neu aufgenommene Brr. noch nicht wüssten, zu 
welcher Loge sie gehörten, beschlossen, die Anzahl der 
Mitglieder der Berliner Tochterlogen möglichst gleich zu 
machen, und deshalb die Neuaufgenommenen der einen oder 
der anderen dieser Tochterlogen je nach Bedürfniss zuzuteilen. 
Zugleich wurde den hiesigen Tochterlogen die Selbständig- 
keit, deren »ich die auswärtigen Tochterlogen bereits erfreuten, 
dadurch erteilt, dass die Johannismeister ihre Beamten selbst 
wählen sollten. Nur bedurfte die Wahl des Vorsitzenden 
und des zugeordneten Meisters der Bestätigung der Mutter- 
loge. Femer durften fortan die Tochterlogen Suchende zu 
Mitgliedern aufnehmen und befördern. 

Am 27. Juli wurde Theden's fünfzigjähriges Dienst- 
jubilüum in der Grossloge gefeiert und zum Andenken eine 
Denkmünze geschlagen. (S. Merzdorf's Denkmünzen, S. 4, 

No. H.) 



— 94 — 

1787 Am 18. Oktober 1787 wurde der Johannisloge „zu den 
drei Degen" i. 0. Halle a. S. nach mehrjähriger Verhandlung 
eine neue*) Stiftungs-Urkunde ertheilt. 

1788 In den Jahren 1788**) und 1789 fiel nichts Bemerkens- 
und 

1789 »j j)^jj ßj^ ^ Bruckenthal und v. Gramm (S. 17, Z. 17 irrig 
Gram) war am 6. Dezember 1743 die Urkunde erteilt zur Errichtung der 
Loge „zu den drei goldenen Schlüsseln^ in Halle a. d. S., die am 
14. Dezember 1743 eröffnet wurde. Seit 1760 ausser Thätigkeit, wurde sie 
mit Genehmigung des zugeordneten Grossmeisters der nordischen Logen 
englischer Lehrart, des preussischen Feldmarschalls und Gouverneurs 
von Berlin, Jakob v. Eeith, unter dem Namen „Philadelphia** am 
11. Dezember 1766 erneuert Ihr Wappen zeigte drei sich vereinigende 
Arme. Die Loge arbeitete nunmehr nach dem alten englischen 
System, jedoch als vereinzelte Loge, bis ihr von der Mutterloge 
zu den drei Weltkugeln unter dem 16. November 1769 eine 
Stiftungs- Urkunde ertheilt wurde unter dem Namen „Philadelphia 
zu den drei goldenen Armen**. (Eckstein, Geschichte der Loge 
zu Halle. S. 37.) Am 24. August 1766 wurde die alte Loge 
feierlich geschlossen und eine neue Loge „strictae observantiae** ein- 
gesetzt Am 1. Oktober 1766 bestätigte der Heermeister Br. v. Hund 
die Loge unter dem Namen „zu den drei Degen**. Als Wappen wurden 
ihr drei mit den Spitzen zusammentreffende silberne Degen im blauen 
Felde verliehen. Am 24. Februar 1779 sagte sie sich gänzlich von der 
strikten Observanz los. In dieser Zeit stand die Mutterloge in keiner 
Beziehung mit ihr und bezweifelte ihr gesetzmässiges Bestehen. 
In dem Schreiben vom 26. November 1781 stellte die Mutterloge als 
Bedingung der Wiedervereinigung: Die Ausfertigung einer neuen 
Stiftungs- Urkunde, die Bestätigung der Beamten und Annahme des 
Berliner Rituals, ausserdem die jährliche Zahlung des Goldthalers 
(1% Thlr.) für jedes Mitglied und Unterwerfung unter alle Vorschriften 
und Verfügungen der Mutterloge. Diesen Anforderungen wurde 1787 
entsprochen. (S. die Urkunde bei Eckstein S. 106 ff.) 

**) Durch das Schreiben der Grossloge von England vom 
23. April 1788 wurde deren Vertrag mit der Grossen Landesloge von 
Deutschland vom 30. November 1773 (Anerkennungs- Akte als Grossloge) 
für aufgehoben erklärt und das Recht wieder in Anspruch genommen, 
in Deutschland Provinziallogen zu errichten. Bereits 1786 war dem 
Br. Dr. v. Exter zu Hamburg eine Urkunde als Provinzial-Grossmeister 
von Hamburg und Norddeutschland erteilt worden. (Vgl. S. 34 und 62.) 
Am 20. Februar 1789 wurde dem Br. v. Bernhard! zu Frankfurt a. M. 
eine solche für den Ober- und Niederrhein und Franken erteilt 

Die Veranlassung zu dem Zerwürfniss wurde in dem Aufsatz: 
^Aktenmässige Darstellung der Geschichte der Trennung der Grossen 



— 95 — 
werthes vor, ausser dass in letzterem die Loge „Friedrich 1789 



Ijandesloge vod der höchsten Grossloge von England**, muthmasslich im 
Auftrag der Grossen Landesloge von Deutschland durch das Köthener 
Taschenbuch für Freimaurer vom Jahr 1798 S. 1—60 veröffentlicht 
Abweichend von dieser Darstellung wird der Beschluss der Grossen 
Loge von England in der Niederschrift vom 26. November 1788 dahin 
gerechtfertigt: Den 26. November 1788. 

Der Gross -Schatzmeister benachrichtigte die Grossloge, dass der 
Grossmeister und die Grossbeamten aus folgenden unter rielen anderen 
Gründen es für nothwendig erachtet hätten, kraft der ihnen unterm 
12. April 1786 erteilten Vollmacht im Interesse der Gesellschaft den 
mit der Berliner Grossloge 1773 abgeschlossenen Vertrag aufzuheben. 

Der Vertrag mit den Berliner Brm. wurde von der hohen Gross- 
loge in Rücksicht auf das allgemeine Beste der Brüderschaft in Deutsch- 
land abgeschlossen, welche gleichsam in verschiedene Sekten mit 
besonderen Benennungen und verschiedenen Interessen und Absichten 
zerfallen waren, was für den allgemeinen Grundsatz der Harmonie 
und den in unserer Gesellschaft so besonders nothwendigen brüderlichen 
Verkehr verderblich war. 

Bald nach erfolgtem Abschluss des Vertrages empfing die hohe 
Grossloge klare Beweise davon, dass die Berliner Brr. bei Nachsuchung 
dieses Vertrages viele Umst&nde hinsichtlich ihrer Entstehung, sowie 
der Unterstützung, die sie von den Fürsten und Grossen in den 
deutschen Staaten empfingen, unrichtig angegeben oder ganz ver- 
schwiegen hatten, and dass die leidenschaftlichen Massregeln, welche 
sie gegen diejenigen Brr. und Logen, die nicht geneigt waren , sich 
sofort unter ihre Oberherrschaft zu begeben, ergriffen hatten, bedeutend 
zur Vergrösserung des Zwiespalts und der Uneinigkeit beitrugen, welche 
die hohe Grossloge die Absicht hatte durch den Vertrag zu heben, 
indem sie die deutschen Brr. unter ein allgemeines Haupt zu bringen suchte. 

Ungeachtet der getäuschten Erwartungen, welche der hohen 
Grossloge durch den Mangel an Aufrichtigkeit, Klugheit und Duld- 
samkeit derjenigen widerfuhren, welche einzig und allein durch die 
erfolgte Genehmigung des Vertrages zu hohen Stellungen erhoben 
worden, hielt es die hohe Grossloge dennoch für angemessen, ihre 
Unterstützung fort zu gewähren, in der Hoffnung, dass die Zeit mehr 
Mässigung auf der einen Seite und weniger Abneigung und Widerstreben 
gegen die Vereinigung mit der Berliner Grossloge bei denjenigen 
hervorbringen würde, welche sich von dieser getrennt oder von vorn- 
herein ihre Autorität nicht anerkannt hatten. 

Die hohe Grossloge hatte ferner Grund zur Unzufriedenheit 
deshalb, weil die Berliner Grossloge eine der wesentlichsten Be- 
stimmungen des Vertrages, nach welcher sie verpflichtet war, an den 
allgemeinen Unterstützungs • Fond denjenigen Geldbetrag abzuführen, 



— 96 — 

1789 Wilhelm zum goldenen Zepter^^ zu Küstrin gegründet 

welchen die Verhältnisse und die Lage der Berliner Grossloge gestatten 
würden, jedoch niemals unter 25 Lstr., unbeachtet Hess. Die Berliner 
Grossloge zahlte allerdings 25 Lstr. jährlich, aber niemals eine höhere 
Summe, auch machte sie nie die Grossloge mit dem Zustand ihrer 
Einkünfte bekannt, um darzulegen, dass sie durch Aufgabe von Terri- 
torium ausser Stande sei, einen grösseren Beitrag zu geben, noch 
entschuldigte sie sich je wegen Unterlassung dieser ihrer Pflicht, was 
die hohe Grossloge als eine offenbare Yei letzung des Buchstabens 
wie des Geistes jener Yertragsbestimmung erachtete. Dennoch ging 
die hohe Grossloge in ihrer Gelassenheit über diese Handlung der 
Vernachlässigung mit Stillschweigen hinweg. 

Die hohe Grossloge gab dem Br. Leonhard, welchen die 
Berliner Grossloge zu ihrem Vertreter in England vorgeschlagen 
hatte, eine ausgezeichnete Stellung in der Grossloge und that Alles, 
was von ihrer Seite geschehen konnte, um der Erncnnun«; des 
Br. Leonhard Folge zu geben. Die hohe Grossloge schenkte dem 
Ernannten, welcher ein Mann von fleckenlosem Charakter und ihr 
daher willkommen war, ohne Rückhalt ihr volles Vertrauen. Das 
Benehmen der Berliner Grossloge gegen den Vertreter der hohen Gross- 
loge war dagegen geradezu das entgegengesetzte. 

Die hohe Grossloge beantragte, wozu sie das volle Recht hatte, 
den Br. Gräfe, dessen Verdienste ihr wohl bekannt waren, und den 
sie als einen Mann von fleckenreinem Ruf, als einen englischen Maurer 
hochachtete, welcher allen maurerischen Spaltungen in Deutschland 
gegenüber unparteiisch dastand, sie bei der Berliner Grossloge zu 
vertreten, und gab ihm die Anweisung, Alles aufzubieten, was in seinen 
Kräften stände, um die unter der Brüderschaft in Deutschland immer 
noch in einem beunruhigenden Grade fortbestehenden Zerwürfnisse 
beseitigen zu helfen. Die Berliner Grossloge verweigerte die Anerkennung 
des Br. Gräfe und beleidigte durch ihr Verfahren nicht nur diesen, 
sondern durch ihn in noch weit höherem Grade die Würde der hohen 
Grossloge sowie deren gerechte Autorität und Macht. 

Der einzige Grund, welchen die Berliner Brr. zur Vertheidigung 
ihres Verfahrens anzugeben vermochten, war der, dass sie das Recht 
hätten, die Anerkennung eines jeden Vertreters der hohen Grossloge, 
welcher ihnen nicht angenehm sei, zu verweigern. Dieser von den 
Berliner Grossbeamten angenommene Grundsatz war eine deutliche 
Vorschrift für die hohe Grossloge darüber, wen diese zu ihrem Ver- 
treter zu wählen habe und wen nicht; er war gleichzeitig so durchaus 
thöricht und enthielt eine so offenbare Beleidigung, einen solchen Bruch 
aller brüderlichen Beziehungen und eine so erstaunliche Anmassung, 
dass, obgleich den Berliner Brrn. das unzweifelhafte Recht zugestanden 
werden musste, einem jeden von der hohen Grossloge ernannten Br. 



— 97 — 

wurde.^) — Seit dem Jahr 1773 hatte die Grosse Landesloge 
von Deutschland ihren Tochterlogen nur den Besuch der 



die Aufoahme in ihre Logen und in ihre Freundschaft zu verweigern, 
doch kein Zweifel darüber obwalten konnte, was hiervon die Folge 
sein müsste. 

Die Qrossbeamten haben alle diese herausfordernden und an- 
stössigen Vorginge , sowie die sonstigen oben erw&hnten Handlungen 
der Berliner Qrossloge in Erw&gung gezogen und gefunden, dass 
wahrend der 13 Jahre des Bestehens des Vertrages der ursprüngliche 
Zweck der hohen Qrossloge, die Allgemeinheit der Freimaurerei zu 
fördern und die verschiedenen Sekten der Brüderschaft in Deutschland 
zu vereinen, nicht nur nicht erreicht worden war, sondern dass im 
Gegenteil die Spaltungen in der dortigen Gesellschaft immer mehr 
zunahmen, ohne dass eine Aussicht auf Abhülfe vorhanden wftre, 
wahrend die Grossloge ihre Verbindung mit den Berliner Brm. in 
Gemassheit des Vertrages von 1773 fortsetzte. 

Die Grossbeamten sind femer überzeugt, dass die Bildung einer 
Grossloge von ganz Deutschland ein Anstoss für den grösseren Teil 
der deutschen Maurerei ist, und finden es unpolitisch, die Errichtung 
eines solchen allgemeinen Tribunals zu unterstützen, da die bürgerliche 
Verfassung der einzelnen deutschen Staaten dagegen ist. Denn wenn 
auch die Maurerei nicht auf politischen Grundsätzen beruht, noch sich 
in irgend einer Weise mit ihnen zu schaffen macht, darf sie doch 
niemals gegen die Gesetze oder die Politik derjenigen Staaten, in 
welchen Logen bestehen, auftreten. 

Es ist daher der Antrag einstimmig angenommen worden, die 
Qro8Kloge wolle die von dem Grossmeister und seinen Beamten 
getroffenen Massnahmen zur Auflösung des mit der Berliner Grossloge 
im Jahr 1773 geschlossenen Vertrages billigen und bestätigen« Und 
da der wichtige Zweck der Grossloge bei der Auflösung des Vertrages 
der ist, die Allgemeinheit des Ordens und den brüderlichen Verkehr 
unter allen seinen Mitgliedern zu fördern, so ist femer beschlossen 
worden, dass die in den preussischen Logen aufgenommenen Maurer 
auch fortan in den englischen Logen mit derselben Achtung und 
Aufmerksamkeit wie bisher empfangen werden sollen. 

Schliesslich ist angeordnet worden, dass der Gross -Schriftführer 
Se. Ex cell, den preussischen Minister, Grafen Lusi, von dieser Ent- 
schliessung in Kenntniss zu setzen habe. 

*) Bereits im Jahr 1782 hatte die Tochterloge „zum aufrichtigen 
Herzen^ zu Frankfurt a. 0. unter Zustimmung der Grossloge eine 
Abordnungslogc zu Küstrin errichtet Auf den Antrag der Loge zu 
Frankfurt wurde diese aufgehoben und eine selbständige Logo 
^zum goldenen Zepter** in Küstrin eröffnet. 

G«»ch. d. Or. NaL-MutUr-Lofr. 7 



— 98 — 

von der Grossloge von England gestifteten Logen gestattet, 
dagegen die Logen der „strikten Observanz^^ in Deutschland 
als nicht anerkannt ausdrücklich ausgeschlossen, was 
mehrfach bittere Streitigkeiten herbeiführte. Zur Beseitigung 
dieser Missverhältnisse fasste die Grosse Landesloge auf 
den Vorschlag ihres Grossmeisters von Gastillon am 
11. Juni 1789 den Beschluss: 

dass der bisher unterbrochen gewesene Umgang 
mit anderen in Deutschland vorhandenen, von der 
Grossen Landesloge nicht abhängigen Logen wieder 
hergestellt und den Mitgliedern solcher Logen der 
Zutritt in die diesseitigen Versammlungen und zwar 
den ersten drei Graden gestattet werden sollte, 

nachdem die Brr. ihrer Logen bei denen der drei Weltkugeln 
bereits seit deren Rundschreiben vom Jahr 1783 still- 
schweigend zugelassen worden waren. 

1790 Zur 50jährigen Jubelfeier der Loge zu den drei Welt- 
kugeln wurden die Brr. der Grossen Landesloge und der 
Loge „Royal York^ förmlich eingeladen und dabei der 
Grund zu einem guten Einvernehmen für die Zukunft gelegt. 

1791 Im Jahr 1791 ward der bisherige Altschottische Ober- 
meister, Br. V. WöUner, zum zugeordneten National-Gross- 
meister ernannt. Die Logen „zum hellen Licht** zu Hamm 
und „Fr6d6ric Guillaume de la bonne harmonie' zu 
Neufchatel wurden gestiftet. 

1792 Wegen des am 3. Juli 1792 erfolgten Todes des ehe- 
maligen Grossmeisters, Herzogs Ferdinand von Braunschweig, 
wurde eine Trauerzeit von vier Wochen festgesetzt. 

Seit die National -Mutterloge zu den drei Weltkugeln 
durch die Lossagung von der strikten Observanz ihre 
Selbständigkeit als Freimaurerloge wieder hergestellt und 
aufgehört hatte, die Dienerin eines anderen Bundes zu 
sein, war auch die diesem letzteren eigene hierarchisch- 
militärische Verwaltungsform für sie als Mutterloge sinn- und 
bedeutungslos geworden. Es war aber unmöglich, sogleich 
Besseres an die Stelle zu setzen, und man musste daher 



— 99 — 

mit den gewonnenen Vorteilen vorläofig zufrieden sein und 1792 
die Vervollkommnung der Zeit überlassen. 

Das Mangelhafte und unpassend Gewordene der damaligen 
Logenverfassung machte sich aber immer fCLhlbarer. Die 
oberste Bundesbehörde, das Direktorium zu Braunschweig, 
bestand nicht mehr, und das Altschottische Direktorium war 
kraftlos, indem dessen unmittelbare Leitung durch den nur 
selten in Berlin anwesenden National- Grossmeister fast 
ganz aufgehört hatte und dem zugeordneten National-Gross- 
meister Br. v. WöUner, der unterdessen Staatsminister 
geworden war, die Berufsgeschäfte grosse Thätigkeit für die 
Loge nicht mehr gestatteten, üebrigens hatte dieser früher 
wegen seiner grossen Verdienste um die Loge so hoch ver- 
ehrte Meister dadurch, dass er sich jetzt zu Ansichten 
bekannte, die mit den Grundsätzen der Maurerei nicht über- 
einstimmen, sehr viel von dem Vertrauen der Brr. verloren. 

Eine sogenannte „Vorsitzende Meister-Konferenz^S 
bestehend aus den versitzenden Meistern der Mutterloge und 
der hier vereinigten Tochterlogen, unter Vorsitz des National- 
Grossmeisters und des Altschottischen Obermeisters war 
zwar an die Stelle des Direktoriums der strikten Observanz 
getreten, besass aber kein wirkliches Ansehen. 

Der zugeordnete Obermeister, Br. Mayer, legte im 1796 
Jahr 1793 das Amt freiwillig nieder. 

In Folge der schwankenden Verhältnisse wurde die 
Mutterloge am 4. Januar 1794 durch ihren Meister vom 1794 
Stuhl, Br. The den, zusammenberufen und setzte einen 
Ausschuss nieder, um die Angelegenheiten des Bundes zu 
beraten und zweckmässige Vorschläge zu thun, auch alle 
Bestimmungen zu sammeln und eine Anweisung für die 
Logenbeamten aufzusetzen. 

Der National-Grossmeister und zugeordnete National- 
Grossmeister wurden schriftlich von den Versammlungen in 
Kenntniss gesetzt. 

Die Mutterloge fasste unter andern den besonders 
wichtigen Beschluss: dass alle Beamten ihrer Logen 
wieder alljährlich frei gewählt werden sollten. 

7* 



— 100 — 

1794 Nim wurde der Br. The den zum Altschottischen Ober^ 
meister, der Br. Barghoff, Geheimer Oberfinanzrath, zum 
Meister vom Stnhl der Matterloge and der Br. Zöllner, 
Oberkonsistorialrath and Propst za Berlin, zom zogeordneten 
Meister gewählt. 

Die grosse Entfernung des eigentlichen Arbeitsraoms 
der Loge von ihrem Garten führte viel Unbequemlichkeiten 
und Nachteile herbei. Es ward deshalb beschlossen, den 
Garten zu verkaufen, was im Jahr 1798 mit bedeutendem 
Gewinn ausgeführt vnirde. Die Loge gab nun ihre Räume 
in der Leipzigerstrasse auf und miethete ein Stockwerk des 
von dem Br. Decker soeben erkauften Palais des Herzogs 
Friedrich August in der Wilhelmstrasse (jetzt No. 76), 
wobei der Gebrauch des hinter ihm liegenden schönen grossen 
Gartens mit eingeschlossen war. 

1795 Das erfreulichste Elreigniss des Jahres 1795 war die Her^ 
stellang eines noch freundschaftlicheren Verhältnisses mit 
der Grossen Landesloge. Am Johannistag erschien eine 
Abordnung dieser Schwester- Grossloge in der Grossen 
National-Mutterloge zur Beglückwünschung. Eine ähnliche 
Abordnung von dieser war an die Grosse Landesloge ab- 
geschickt worden. 

Gestiftet wurde in diesem Jahr die Loge „zur Wahr- 
heit" in Prenzlau. 

1796 Im Jahre 1796 legte Br. Theden seines Alters wegen 
sein Amt nieder; und es ward nun der zugeordnete Meister 
der Loge „zur Verschwiegenheit'', Br. Michael Philipp 
Boumann, Geheimer Oberfinanzrath und Immediat- 
Oberbau- Intendant, zum Altschottischen Obermeister, der 
Br. v. Burghoff zum zugeordneten Obermeister, der 
Br. Zöllner zum Meister vom Stuhl und der Br. Klaproth I. 
zum zugeordneten Meister der Mutterloge gewählt. Sie alle 
wurden am Johannistag, 24. Juni, durch den zugeordneten 
National-Grossmeister, Br. v. Wöllner, eingeführt. 

Im Jahr 1796 wurde die Loge „zur deutschen Redlich- 
keit" in Iserlohn gegründet. 



— 101 — 

In diesem Jahr kam der in der Maorerweit so bekannte 1796 
Br. Fessler nach Berlin und schloss sich der Loge 
„Eloyal York^ an.*) Ihm wurde in Gemeinschaft eines Aus- 
schusses von 7 Brrn. die Bearbeitung der Verfassung und 
der Statuten dieser Loge übertragen. Die Grundsätze der 
von diesem Ausschuss ausgearbeiteten Verfassung sind noch 
gegenwärtig in Geltung. Weniger Bestand hatte Fessiers 
neues Ritual, welches nach wenigen Jahren mit einem der 
englischen einfacheren Rituale wieder vertauscht wurde. 

Das Ritual der s. g. Ancient Masons hatte der spätere 
Grossmeister der Hamburger Grossloge, Br. Schröder, in 
dem Buch „Jachin and Boas'^ gefunden und es daraus mit 
den für Deutschland entsprechenden Aenderungen übersetzt. 
Das wichtigste Ereigniss für den Bund, die Verleihung 
der Rechte einer vom Staat anerkannten Körperschaft, fiel 
in dieses Jahr. 

Bei dem Verkauf des Logengrundstückes bei Monbijou 
(Ziegelstrasse 14) wurde die Gültigkeit der Vertretung der 
Loge in Zweifel gezogen. Auf Veranlassung des Gross- 
kanzlers v. Goldbeck wendete sich der mit dem Verkauf 
des Logengrundstückes beauftragte Br. Boumann an den 
König mittels nachstehenden Gesuches: 

„Die Freimaurer-Mutterloge zu den drei Weltkugeln 
in Berlin findet sich bei dem Verkaufe ihres Logen- 
gartens, um sich von diesem Gelde ein eigenes Haus kaufen 
zu können, in der grössten Verlegenheit, da in Ermangelung 
eines Protektorii dieses erkaufte Grundstück nicht in das 
Hypothekenbuch eingetragen werden kann." 

„Um aus dieser Verlegenheit zu kommen, hat subscriptus 
als Mitglied dieser Loge an den Grosskanzler und Chef de 
Justice die nöthi^^e Vorstellung gemacht und um eine 
Abschrift des Protektorii von der Landesloge aus den 
Kammergerichts- Akten gebeten, welches demselben auch 
laut beiliegenden Original- Antwortschreibens von dem Herrn 
Grosskanzler v. Goldbeck zugefertigt worden ist. Dabei 
ist von dem Herrn Grosskanzler bemerkt worden: 
V Vgl Flohr, Gesch. d. Gr. L. Royal York. I, S. 64 ff. 



— 102 — 

1796 »dass, wenn das Protektoriom auf Acquisition von 

Grundstücken mit gerichtet würde, beim Hypotheken- 
buche femer kein Bedenken gemacht werden könnte.' 

„Ew. Königl. Majestät lege ich demnach als Mitglied 
und Deputatus dieser Loge einen nach dem von Allerh. Sei. 
Königs Majestät der Landesloge im Jahre 1774 allergnädigst 
ertheUten Protektorium mundirten, jedoch nach der 
Bemerkung Allerhöchst Dero Grosskanzlers eingerichteten 
allergnädigsten Schutz- und Schirmbrief, wodurch zugleich 
das Recht verliehen wird, Grundstücke kaufen und verkaufen 
zu dürfen, ohne dass einzelne Mitglieder ihre Namen dazu 
herzugeben brauchen, welches nach deren Ableben nur zu 
Irrungen Anlass geben kann, im Namen der Mutterluge zu 
Füssen mit der allerunterthänigsten Bitte, solches Alier- 
gnädigst zu vollziehen und mit Allerhöchst Dero angeborenen 
Königl. Grossen Gnaden-Siegel bedrucken und uns huldreichst 
zu kommen zu lassen.^' 

„Diese von Ew. Königl. Majestät der gedachten Mutter- 
Freimaurerloge hierdurch zu beweisende landesherrliche 
Gnade wird solche nicht allein als ein Merkmal Aller- 
höchsten Vertrauens mit gerechter Dankbarkeit demüthigst 
anerkennen, sondern auch ihre Kraft verdoppeln, ferner- 
hin für das Wohl und die Glückseligkeit menschlicher 
Gesellschaft zu arbeiten und sich eifrig bemühen, Ihres 
Allerdurchlauchtigsten Souverains Allerhöchste Gnade und 
Königl. Huld femerweit sich durchaus verdient zu machen, 
so wie ich denn auch als Deputatus und Mitglied dieser 
Loge in tiefster Ehrfurcht und in unerschütterlichster 
Treue ersterbe Ew. Königl. Majestät allerunterthänigster 
treuester Knecht Boumann, als deputirter Meister vom 
Stuhl der Filialloge zur Verschwiegenheit. 

Potsdam, den 28. November 1795." 

Dass auf Grund dieses Gesuches ertheilte 
Konfirmations-Patent und Protektorium 
vom 9. Februar 1796 lautet also: 



— 103 — 

„Wir Friedrich Wilhelm von Gottes Gnaden, 1796 
König von Preossen a. s. w. Than kund und fügen hiermit 
zu wissen, demnach Uns die in Unserer Residenz bereits 
im Jahre 1740 von Unserem in Gott ruhenden Oheim und 
Vorfahren in der Regierung, Friedrich dem Zweiten, 
König von Preussen, Glorreichen Andenkens, gestiftete 
Freimaurerloge, zu den drei Weltkugeln genannt, in 
tiefster Ehrfurcht gebeten, das ihr bei ihrer Stiftung 
als einer ächten und wahren Freimaurer-Mutterloge ertheilte 
Konfirmations-Patent und Protektorium zu bestätigen, 
Wir deren Suchen allergnädigst nachgegeben, ertheilen 
derselben hiermit und Kraft dieses nicht nur Unsere nach- 
gesuchte besondere Königliche Protektion, Schutz und 
Schirm, sondern bestätigen auch noch die ihr als einer 
wahren Freimaurer-Mutterloge ertheilten Rechte und 
Vorrechte dergestalt und also, dass die zur selbigen gehörigen 
Beamten, Gross- und Obermeister, deputirter Ober- 
meister, Meister vom Stuhl, deputirter Meister, Vorsteher, 
Sekretarius, Redner und übrigen Mitglieder, Tochterlogen 
in Unserem Lande zu errichten, Grundstückezuerwerben 
und wiederum an Andere zu veräussern*) und als 

*) Es verordnet das Allgemeine Landrecht für die preossischen 
Staaten Tit. VI, Th. II: 

§ 82. Sie (d. i. die Korporationen) werden in Rücksicht auf ihre 
Rechte und Verbindlichkeiten gegen Andere, ausser ihnen, nach eben 
den Gesetzen, wie andere einzelne Mitglieder des Staates, beurtheilt. 

§ 83. Doch können sie ohne besondere Einwilligung der ihnen 
TorgesetztenBehörde unbewegliche Sachen weder an sich bringen, 
noch Ter&ussem oder verpf&ndea. — 

Die Ausführung in dem Bericht des Bundesdirektoriums vom 
11. April 1851 , dass seine Genehmigung zur Ver&usserung von Grund- 
stücken der Tochterlogen genüge, wurde durch nachfolgendes Reskript 
widerlegt: 

Die Ausführung in dem Berichte Tom 11. dieses Monats ist nicht 
geeignet, die Annahme zu rechtfertigen, dass nach § 83 Tit VI, Th. 11 
A. L.-R. die Genehmigung des Direktoriums des Freimaurerbundes der 
Grossen National -Mutterloge zu den drei Weltkugeln zum Erwerbe 
und zur Ver&usserung von Grundstücken seitens der Tochterlogen der 
Grossen National -Mutterloge genüge. 



— 104 — 

1796 eine moralische Person za handeln berechtigt sein sollen, 
erlauben and genehmigen auch, dass sich gedachte Frei- 
maurer-Mutterloge zu den drei Weltkugeln des ihr 



Zunächst kann das Königl. Protektoriam vom 9. Februar 1796 für 
die Ansicht des Direktoriums nicht als Beweismittel gelten, weil 
dasselbe die Logen -Korporationen von der Vorschrift des § 83 1. c. 
nicht ausdrücklich befreit, vielmehr den Logen - Gesellschaf ten nur das 
Recht zum Erwerbe Ton Grundstücken ertheilt und mithin, indem das 
Protektorinm die allgemein gesetzlichen Vorschriften über den Erwerb 
von Grundetgenthum durch Korporationen rücksichtlich der Logen 
nicht aufhebt, diese Vorschriften stillschweigend als auch auf den 
Erwerb der letzteren anwendbar anerkennt, es also iihmer noch darauf 
ankommt, ob der §88 die Staatsbehörde oder die etwaigen, aus der 
Korporation selbst hervorgegangenen Direktionen ihrer einzelnen Zweig- 
gesellschaften meine. 

Daraus ferner, dass die Tochterlogen Korporationsrechte haben, 
dass das von ihnen erworbene Grundvermögen nicht der Mutterloge, 
sondern ihnen gehört, dass jene die unmittelbar vorgesetzte Behörde 
der Tochterloge ist, und dass § 83 nur von der vorgesetzten, nicht von 
der höchsten vorgesetzten Behörde redet, folgt Nichts für den eigent- 
lichen Streitpunkt, der doch, wie schon gedacht, nur die Frage betrifft : 
ob in mehrgedachtem § 83 die Staats- oder die Korporations- 
behörde gemeint sei. 

Die in dem Berichte vom 11. vorigen Monats dafür angeführten 
Beispiele , dass das Ministerium des Innern hinsichtlich anderer Korpo- 
rationen anerkannt habe, es sei nach § 83 nur die Einwilligung der 
unmittelbar vorgesetzten Behörde erforderlich, betreffen eine wesentlich 
von der vorliegenden verschiedene Gattung von Fällen, indem in diesen 
n&mlich die den betreffenden Korporationen unmittelbar vorgesetzte 
Behörde eine Staatsbehörde ist, während das Direktorium der Mutter- 
loge nicht eine Staatsbehörde ist 

Die Nothwendigkeit der Genehmigung der vorgesetzten Behörde 
einer Korporation zum Erwerbe von Grundstücken ist ein Ausfluss und 
Bestandtheil des Aufsichtsrechts des Staats über die in ihm vorhandenen 
Korporationen. Das Direktorium ist selbst integrirender Theil der 
diesem Aufsichtsrechte unterworfenen Korporation, kann also unmöglich 
seinerseits allein einen Zweig dieses Aufsichtsrechts üben. 

Für die dem § 83 diesseits gegebene Auslegung spricht femer 
nicht nur die mehr als 30jährige Praxis der Verwaltungsbehörden, 
sondern es enthalten auch die Ministerial -Akten zahlreiche Beläge 
dafür, dass die Gerichte die Genehmigung des Direktoriums nicht für 
hinreichend erachtet, vielmehr ausdrucklich die Genehmigung des 
Ministeriums des Innern gefordert haben. Eben deshalb kann auch 



— 106 — 

zugestandenen Logensiegels, worin drei Weltkugeln gestochen 1796 
sind, bei ihren Verhandlungen und in ihren Logen- 
angelegenheiten bedienen könne, und zweifeln nicht, sie 
werde sich dieses Merkmal Unserer Begünstigung, Huld 
und Gnade zu einem besonderen Bewegungsgrunde dienen 
lassen, ihre Kräfte zu verdoppeln, für das Wohl und die Glück- 
seligkeit menschlicher Gesellschaft ohne Nachlass zu arbeiten. 
In Rücksicht dieser ihrer Uns zu einem Allergnädigsten 
Wohlgefallen gereichenden Absicht und Erstrebung 



die eingereichte Verfügung des Königl. Kammergerichts vom 5. M&rz c. 
nicht von entscheidendem Gewichte sein. Ueberdies hat diese Ver- 
fügung ausser Acht gelassen, dass das von ihr zur Unterstützung ihrer 
Ansicht allegirte Justiz • Ministerial - Reskript vom 11. April 1836 
(t. Kamptz, Bd. 47, S. 695) ausspricht, das Ministerium des Innern 
habe geltend gemacht , die Logen müssten nach § 83 cit hei Ver- 
pfändung ihrer Grundstücke den Konsens des Ministeriums des Innern 
nachsuchen, hätten ihn auch bisher nachgesucht, und dass das Königl. 
Justiz -Ministerium dieser Bemerkung seinerseits keinen Zweifel an der 
Gesetzlichkeit dieses Verlangens beifügt, also jedenfalls durch dieses 
Reskript nicht die entgegengesetzte Ansicht als gesetzlich anerkannt 
hat Endlich aber sind auch die von dem Direktorium für seine 
Ansicht angeführten inneren Gründe der Zweckmässigkeit nicht stich- 
haltig. Denn es handelt sich hier nicht darum, ob das Direktorium 
zur gehörigen Beurteilung der Nothwendigkeit des Erwerbes und der 
Veräusserung von Grundstücken seiner Tochterlogen im Stande sei 
oder nicht, sondern dass der Staat dabei ein auch gesetzlich zur 
Geltung gebrachtes Interesse hat, ob ein Grundstück in den Besitz der 
todten Iland gelangt, rcsp. darin verbleibt, und wenn auch das dem 
Direktorium zustehende Recht zur Stiftung neuer Tochterlogen ein 
grösseres Recht, als das der Genehmigung zum Grunderwerbe seitens 
schon bestehender Tochterlogen sein möchte, so sind doch augenscheinlich 
diese beiden Rechte qualitativ wesentlich von einander verschieden. 

Aus diesen Gründen halte ich mich nicht für befugt, von der 
obengedachten bisherigen Praxis abzuweichen, gewärtige vielmehr, dass 
das Direktorium auch ferner in Gemässheit derselben verfahren werde. 
Berlin, den 26. Mai 1S61. 

Der Minister des Innern, 
(gez.) V. Westphalen. 
An das Direktorium des Freimaurer- 
bundes der Grossen National-Mutter- 
loge zu den drei Weltkugeln. 
I, 6541. A. 



— 106 — 

1796 erteilen Wir auch die £rlaubni8s, dass sie sich der ihr als einer 
rechten und wahren Freimaurer-Mutterloge zugestandenen 
Rechte und Vorrechte in sämmtlichen Unserem Zepter 
unterworfenen Staaten bediene, und sowohl in Unserer 
Residenz als in Unseren sämmtlichen Landen frei, öffentlich 
und ungehindert nach denen Gesetzen und Statuten des 
alten ehrwürdigen Freimaurerordens zum Wohl und Besten 
der Gesellschaft arbeiten kann, und wollen Wir ihr 
Unsem Königlichen Schutz und Schirm in allen gerechten 
billigen und rechtmässigen Dingen kräftig angedeihen 
lassen und nicht zugeben, dass diese Mutterloge nebst den 
von ihr abhängenden und mit ihr vereinigten gesetz- 
mässigen und guten Logen, sowie die Mitglieder derselben 
so wohl überhaupt als insbesondere in ihren wohlher- 
gebrachten Rechten, Vorrechten und Freiheiten gestört oder 
beeinträchtigt werden. Wir befehlen demnach auch hierdurch 
allen Unsem sowohl Militär- als Civilbedienten u. s. w., 
sich hiemach gebührend zu . . . achten u. s. w. Dieses 
zur Urkunde u. s. w. ^g^^.) Friedrich Wilhelm/* 

(Veröffentlicht durch das Reskript vom 18. Juli 1796*) in 
Mylius Ed. Samml. Bd. X, S. 79, Rabe's Samml. Bd. 3, 
S. 265. Vergl. v. Kamptz Jahrb. 47, 595.) 

Des Protektoriums unerachtet verlangte das Kammer- 
gericht die Vorlegung der Grundverfassung zum Ausweis 
der Vertreter der Loge, um daraus die Ueberzeugung zu 

*) Reskript vom 18. Juli 1796: 

Friedrieb Wilhelm, König u. s.w Unsem u. s. w. Wir haben der 
hiesigen National -Freimaurerloge zu den drei Weltkugeln Höchstselbst 
unterm 9. Februar er. ein Eonfirmations- Patent und Protektorium zu 
ertheilen geruhet und lassen Euch davon zu £urer Nachricht und 
Achtung hiemeben eine Abschrift zufertigen mit dem Gnädigsten 
Befehl, die hiesigen Stadtgerichte und das Justizamt Mühlenhoff nach 
dem Inhalt desselben zu instruiren, auch dafür zu sorgen, dass dieses 
Patent der Edikten -Sammlung inserirt werde. Seid u. s. w. 

Gegeben Berlin, den 18. Juli 1796. 
Auf Sr. Eönigl. Majest&t allergnädigstem Spezialbefehl. 
(gez.) Wöllner. Goldbeck. 
An das Eammergericht. 



— 107 — 

gewinnen, dass diese in gesetzmässiger Weise zu Vertretern 1796 
der Matterloge gewählt seien. Durch das Reskript vom 
6. Juni 1796*) wurde das Kammergericht jedoch angewiesen, 
die in der überreichten Vollmacht der Loge genannten 

*) Reskript vom 6. Jtmi 1796: 

Friedrich Wilhelm u. 8. w. Aus Eurem Berichte vom 25. v. M. 
haben Wir ersehen, was Ihr für Bedenklichkeiten bei Berichtigang des 
Besitztitels in Ansehung des allhier von der Freimaurer -Mntterloge 
zu den drei Weltkugeln zeither besessenen und nunmehr wieder 
Ter&usserten Grundstücks findet Da durch das dieser Loge Ton uns 
höchstselbst ertheilte Protektorium zugleich die Orundverfassung dieser 
Gesellschaft approbirt worden, zu dieser aber Geheimhaltung der 
Gesetze ihrer Verbindung und ihrer inneren Verfassung notorischer- 
massen gehört, so kann zum Bebufe der von Euch verlangten Legiti- 
mation in diese innere Verfassung nicht indagirt werden. Auch habt Ihr 
übersehen, dass Euer Antrag wegen der von der Loge zu erfordernden 
Auskunft einen Zirkel enthalte, da man immer wird fragen können, 
ob und wie diejenigen, die eine solche Anzeige machen, dazu legitimirt 
sind oder sich legitimiren sollen. Es bleibt daher nichts anderes übrig, 
als dass in jedem vorkommenden Falle, die ohnehin nicht so h&ufig 
•ein werden, die Legitimation der als Logenbeamte sich meldenden 
Personen nach den individuellen Umständen des Falles und der persön- 
lichen Glaubwürdigkeit der Subjekte, mit gehöriger Rücksicht auf das 
Prinzipium, dass Falsa nicht zu piäsumiren, beurteilt werden muss 
und kann es dem Richter nie zur Verantwortung gereichen, wenn er 
durch die von dem Staate approbirte, also nicht zu verletzende Verfassung 
der Korporation ausser Stande gesetzt ist, den Legitimationspunkt auf 
die gewöhnliche Art bis auf den höchsten Grad rechtlicher Gewissheit 
in das Klare zu setzen. 

Was den gegenwärtigen Fall anlangt, so sind diejenigen, welche 
die Vollmacht Fol. 94 Eurer Akten ausgestellt haben, insgesammt 
M&nner von bekannter Recht schaflfenheit und Glaubwürdigkeit, auch 
sind es gerade dieselben, welche das Protektorium bei unserer höchsten 
Person extrahirt haben. Ihr werdet daher hiermit unbedenklich autorisirt, 
diese Personen im gegenwärtigen Falle für hinlänglich legitimirt anzu- 
nehmen und auf den Grund der von selbigen ausgestellten Vollmacht 
das weitere in der Sache zu verhandeln. 

Was für künftige Fälle die Acquisition oder Veräusserung von 
Immobilien betrifft, so bedarf es dazu keiner besonderen 
Erlaubniss irgend einer vorgesetzten Behörde, da der Loge 
die Konzession dazu von Uns Allerhöchst Selbst in dem Protektorio 
uneingeschränkt beigelegt ist. Eben dies gilt von Verschuldungen, 
wovon ohnehin bisher noch nicht die Rede gewesen, wie es denn 



— 108 — 

1796 Mitglieder als deren Vertreter anzuerkennen, auch für die 
Zukunft zu Veräusserung von Immobilien der Loge 
nicht die besondere Erlaubniss irgend einer Staats- 
behörde zu erfordern, da der Mutterloge vom König 

überhaupt zu früh scheint, mit grosser Umständlichkeit über die 
äusseren Verhältnisse einer Korporation gesetzliche Bestimmungen 
zu etabliren, von der es nach den bisherigen Erfahrungen gar nicht 
zu erwarten ist, dass sie in einen solchen bürgerlichen Verkehr, welcher 
dergleichen allgemeine Bestimmungen nöthig machen könnte, sich oft 
und viel einlassen werde. 

Berlin, 6. Juni 1796. ^^^ Allerhöchsten Spezial - Befehl. 
An das Kammergericht. (gez.) Reck. Woellner. Ooldbeck. 

In späterer Zeit wurde jedoch von diesem Grundsatz abgewichen, 
und wird gegenwärtig in jedem einzelnen Fall die Genehmigung des 
Ministeriums des Innern zum Ankauf wie zur Veräusserung und 
Verpfändung von Immobilien sowohl der Grossen National- Mutterloge 
als auch der einzelnen Tochterlogen eingeholt. Der Grundsatz, dass 
die einzelnen Tochterlogen Korporationsrechte besitzen, ist durch nach- 
folgende Verfügungen der Minister vom 6. März 1842 und 27. August 1844 
anerkannt : 

1. In der an den mitunterzeichneten Justiz -Minister gerichteten 
Vorstellung vom 4. April v. J. ist der Antrag gemacht, den in der 
Rheinprovinz bestehenden Tochterlogen Korporationsrechte bei- 
zulegen, wie dies in den alten Provinzen der Fall ist. Dass dieses 
letztere wirklich der Fall sei, muss anerkannt werden. Ueber 
die Verhältnisse in der Rheinprovinz sind aber von dem mitunter- 
zeichneten Minister des Innern und der Polizei von den Regierungen 
nähere Anzeigen erfordert worden, und aus den nunmehr eingegangenen 
Berichten ergiebt sich, dass auch in der genannten Provinz den 
dort gebildeten Tochterlogen die Eigenschaft einer Korporation nicht 
bestritten wird, vielmehr selbst bei gerichtlichen Verhandlungen 
anerkannt worden ist. 

Einer weiteren Verfügung bedarf es also in dieser Beziehung 
nicht, da der in der Vorstellung vom 4. April v. J. gemachte Antrag 
in dem Gesagten seine Erledigung findet. 

£s bleibt nur noch zu bemerken, dass die Loge Aggripina zu 
Cöln, welche ein Grundstück erworben hat, nicht in der Lage sein 
kann, den Bebitztitel zu berichtigen, da die Rheinischen Gesetze eine 
solche Berichtigung gar nicht vorschreiben. Zur völligen Konsolidation 
des Eigenthums genügt es, wenn der Erwerbetitel in das Transskrii tions- 
Register des dortiieen Hypothekenamtes eingetragen wird, und dem- 
nächst die Vorschriften des Civil -Gesetzbuches beachtet werden. Sollte 



— 109 — 

selbst in dem Protektoriam die Erlaubniss zur Veräosserung 1796 
von Grandstücken aneingeschränkt beigelegt sei. 

der Hypotheken -Verwahrer in Cöln Schwierigkeiten gegen die Trans- 
skription des fhrwerbetitels erheben oder diese Terweigern, so wird bei 
dessen unmittelbarem Vorgesetzten, dem Pronnzial- Steuer -Direktor 
zu C6ln auf dessen Rektifikation anzutragen sein. 

Berlin, den 5. M&rz 1842. 
Der Justiz -Minister. Der Minister des Innern und der Polizei, 

(gez.) Mühler. (gez.) von Rochow. 

2. Das unter dem 5. M&rz 1842 an die grosse Loge, genannt Royal 
York zur Freundschaft erlassene Reskript beweist durch seinen Inhalt, 
dass es nicht mit spezieller oder ausschliesslicher Rücksicht auf die eben 
genannte Loge, sondern ganz allgemein erlassen ist. Es ist daher eine noch- 
malige Wiederholung desselben um so weniger erforderlich, als noch 
nicht irgend ein Zweifel über den Sinn jenes Reskripts laut geworden ist. 

Berlin, den 27. August 1844. 

In Abwesenheit des Justiz -Ministers Herrn Müh 1er Excellenz. 

(Unterschrift.) 
An 

das Direktorium des Bundes der Freimaurer 

der grossen National -Mutterloge zu den drei 

Weltkugeln. — 

In dem Reskript des Ministers der geistlichen Angelegenheiten 
Tom 13. Mai 1875, betreffend die Alineation geistlicher Güter, wird 
ausgeführt, dass diese kein Vermögensverwaltungsakt, sondern ein 
Ausfluss des Hoheitsrechts, auf welches der Staat gegenüber 
den in seinem Gebiete bestehenden Korporationen niemals 
verzichten kann, und auf welches auch den Religionsgesellschaften 
gegenüber durch die Yerfassungs- Urkunde vom 31. Januar 1860 keines- 
wegs verzichtet worden ist. 

Vermöge dieses Hoheitsrechts hat das A. L.-R., entsprechend den 
für Korporationen im allgemeinen erlassenen Vorschriften im § 83 u. 
folgd. Theil II Tit. 6, den Erwerb, sowie die Verftusserung von kirch- 
lichen Immobilien an eine besondere Genehmigung geknüpft. Es soll 
damit dem Staat die Möglichkeit gewahrt werden, einerseits einem 
übermässigen Anh&ufen von Grundstücken in der toten Hand zu 
begegnen, andererseits dafür zu sorgen, dass der wichtigste Theil des 
kirchlichen Vermögens nicht ohne zureichenden Anlass zum Schaden 
der Beteiligten seinen stiftungsm&ssigen Zwecken entzogen werde. 
Aus der den Kirchen zugesicherten Selbständigkeit in der Verwaltung 
ihrer Angelegenheiten kann nicht die Beseitigung deijenigen staats- 
rechtlichen Angelegenheiten hergeleitet werden, welche für die Ver- 
äusseruDg des kirchlichen Grundbesitzes gewisse Kautelen im 
öffentlichen Interesse vorgesehen haben. 



Siebenter Zeitraum. 

Von 1797 bis 1874. 



Die QruDdverfassuDS uod das Direktoiium. 

1797 Mit dem Jahr 1797 begann eine ganz neue Periode 

für die „Grosse National-Mutterloge" der Preussischen Staaten. 
Die Matterloge hatte durch das Königliche Konfirmations- 
Patent vom 9. Februar 1796 nach aussen hin eine gesicherte 
Stellung erhalten, schwebte jedoch in grosser Gefahr, in sich 
selbst zu zerfallen. Der National -Grossmeister, Herzog 
Friedrich August von Braunschweig, hatte schon seit 
dem Rheinfeldzug Berlin gänzlich verlassen und nach 
seiner Besitzung Oels in Schlesien sich zurückgezogen. 
Der Br. v. Wöllner hatte dadurch das Vertrauen bei den 
Brüdern verloren, dass er sich jetzt zu Ansichten bekannte, 
welche mit den Grundsätzen der Freimaurer nicht überein- 
stimmten, und die es wahrscheinlich machten, dass bei 
einem Regierungswechsel er nicht mehr im Staatsdienst 
belassen werden, sondern sich dann auf sein Gut Gross-Riez 
bei Beeskow zurückziehen würde. 

So bedrohte den Bund die Gefahr, ohne Oberbehörde 
und ohne Verfassung gänzlich in Verfall zu gerathen. 

Der Altschottische Obermeister Br. Boumann*) gab die 
erste Anregung zu der Neugestaltung des Bundes. In dem 
Rundschreiben an die Vorsitzenden Meister der Mutterloge, 
so wie der hiesigen 4 Tochterlogen vom 21. Mai 1797 hebt 
er die Mängel in der Neugestaltung des Bundes sehr eingehend 
hervor und knüpft an diese Darstellung den Vorschlag, die 

*) Vgl. BondesblaU 1892, Heft 17, 8. 384 ff. 



— 111 — 

, Vorsitzende Meister-Konferenz^ unter dem alten Namen 1797 
des Altschottischen Direktoriams neu zu beleben und 
an Steile der „Beamten -Konferenz*' die „Grosse National- 
Mutterloge^' wieder in Thätigkeit zu setzen, jedoch mit der 
Massgabe, dass die Beschlösse der Mutterloge sowohl als 
auch die Wahl der Vorsitzenden Meister der Tochterlogen die 
Bestätigung des Direktoriums zu ihrer Gültigkeit bedürfen 
sollten. 

Da diese Vorschläge bei den Vorsitzenden Meistern 
Beifall fanden, berief der Br. Boumann diese zu einer 
Beratung. An dieser denkwürdigen Sitzung vom 30. Juni 
1797 nahmen Theil: die Brr.Boumann, Zöllner, Klaprothl., 
V. Rapin-Thoyras, v. Guionneau, v. Beyer und Gohl. 
Diese Brüder beschlossen einstimmig, dem Ganzen eine 
neue feste Verfassung zu geben und zu dem Ende eine 
kraftvolle höchste Behörde einzusetzen, die durch alle 
Stufen hindurch wirken und Alles im Zusmmenhang erhalten 
könnte, und dagegen die bisherige von dem jedesmaligen 
National-Grossmeister und dem zugeordneten National-Gross- 
meister ganz abhängige „Vorsitzende Meister-Konferenz" 
aufzulösen. Femer sollte die Mutterloge als obere Behörde 
in der Johannis- Maurerei zweckmässig eingerichtet und 
sodann in ihre alten Rechte wieder eingesetzt, die ohnmächtige 
„allgemeine Beamten -Konferenz^ dagegen als eine ganz 
unnatürliche obere Behörde aufgehoben werden. Endlich 
sollten alle Rituale und Statuten durchgesehen und von 
Allem gereinigt werden, was durch Einmischung fremder 
Lehrarten hineingetragen war. 

Die in Folge dieser Beratung auf den 6. Juli 1797 
eingeladene Mutterloge fasste den Beschluss: 

„ein beständiges Direktorium zu errichten, welches 
den Namen des Altschottischen Direktorii führen, das 
Ganze der mit der National -Mutterloge verbundenen 
Logen dirigiren und im Namen und anstatt der 
National-Mutterloge gerichtliche und andere öffentliche 
Geschäfte verwalten und verfassungsmässig führen 
solle." 



— 112 — 

1797 Diesem Beschluss gemäss wählten zunächst die sämmt- 

liehen vier im Orient Berlin vereinigten Tochterlogen, sowie 
auch die Mutterloge die bleibenden Mitglieder des Alt- 
schottischen Direktoriums und zwar in der Person ihrer 
Vorsitzenden Meister. 

Diese erwählten 5 Mitglieder versammelten sich am 
1. September 1797 auf Einladung des Altschottischen Ober- 
meisters Er. Boumann unter Zuziehung des Br. Gohl als 
Gross -Archivar und setzten sich sofort als Altschottisches 
Direktorium ein. 

Der National-Grossmeister, Herzog Friedrich August 
von Braunschweig -Oels, so wie der zugeordnete National- 
Grossmeister, Staats -Minister v. Wo 1 In er, hatten diese 
Beschlüsse der Mutterloge genehmigt, beide jedoch von den 
laufenden Geschäften sich losgesagt. 

Das Direktorium überreichte dem Grosskanzler 
V. Goldbeck den Auszug aus den Niederschriften mittelst 
nachstehenden Gesuches: 

„Ew. E. haben die Gnade gehabt, der National- 
Mutterloge zu den 3 Weltkugeln die Resolution des 
Staatsraths zufertigen zu lassen, vermöge dessen diejenigen, 
welche sich legitimiren, dass sie berechtigt sind, im 
Namen der National-Mutterloge öffentliche und gerichtliche 
Handlungen vorzunehmen, von den Gerichten als solche 
anerkannt werden und die von denselben vollzogenen 
öffentlichen und gerichtlichen Verhandlungen vollkommene 
Gültigkeit haben sollen.^ 

„Da nun teils die Vorsitzenden Meister alljährlich 
wechseln, teils die Mitglieder der National-Mutterloge 
nicht immer zu jeder Verhandlung, wobei deren Unterschrift 
gefordert werden möchte, ohne Schwierigkeit zusammen- 
gebracht werden können, so ist von der National-Mutterloge 
und allen mit ihr verbundenen hiesigen Tochterlogen der 
Beschluss gefasst worden, ein beständiges Direktorium zu 
errichten und demselben die Vollmacht zu übertragen, 
alle gerichtlichen und öffentlichen Handlungen in ihrem 
Namen vollkommen gültig abzuschliessen.^ 



— 113 — 

„Zu diesem Direktorium sind auf die in den Logen 1797 
gesetzmässige Art die unterschriebenen Mitglieder erwählt 
und bestellt worden, und wir halten es für unsere Pflicht, 
Ew. Elxcellenz dies nicht nur zu melden, sondern auch 
die Protokolle, worauf diese Einrichtung beruht, in 
anderweiter Abschrift hierbei vorzulegen mit der Bitte, 
die Verfügung zu treffen, dass bei dem hiesigen Kammer- 
gerichte, und wenn der Fall eintreten sollte, auch bei 
anderen Gerichtsbehörden, das Direktorium der National- 
Mutterloge zu den 3 Weltkugeln, welches für jetzt aus 
den unterschriebenen Mitgliedern besteht, für vollkommen 
berechtigt gehalten werde, die National -Mutterloge zu 
den 3 Weltkugeln zu vertreten und im Namen derselben 
öffentliche und gerichtliche Verhandlungen abzuschliessen 
und zu vollziehen." 

„Sollte in dem jetzigen Personal des Direktoriums eine 
Veränderung vorgehen, so werden wir nicht unterlassen, solche 
unserer Pflicht gemäss anzuzeigen. ..." 

Berlin, den 30. September 1797. 

Ew. Excellenz 

Boumann, Major v. Rapin, Klaproth, 

Geh. Finanzrath. im Reg. MöUendorf. Professor. 

V. Guionneau, Zoellner, v. Beyer, 

Major. Ober-Konsistorialrath. Geh. Finanzrath. 

Gohl, 
Assessor bei der Kurmärkischen Lotterie -Direktion. 

Auf diesen Antrag wurde die nachfolgende Verfügung 
,,an das Kammergericht, das Stadtgericht und die gewöhnlichen 
französischen Gerichte" erlassen: 

„Von Gottes Gnaden Friedrich Wilhelm, König 
von Preussen u. s. w. ünsern u. s. w. Wir kommuniziren 
Euch hiermit in Abschrift eine Vorstellung der Vorsitzenden 
Meister der National -Mutterloge zu den 3 Weltkugeln 
vom SO. V. M. mit dem Bedeuten, dass, da nach dieser 
durch die in beglaubigter Form beigebrachten Protokolle 
hinlänglich verifizirten Anzeige die unterzeichneten Personen 

0««c1l (L Qr. N'at.-Mntt«r-Lofe. 8 



— 114 — 

1797 als erwählte Repräsentanten der eine priviligirte Korporation 
ausmachenden Loge zur Ausübung der äusseren Rechte 
dieser Korporation autorisirt und bevollmächtigt worden, 
Ihr hiermit angewiesen werdet, die Repräsentanten*) in 
allen vorkommenden gerichtlichen Verhandlungen, sie 
seien contentiosae oder voluntariae jurisdictionis als 
hinlänglich legitimirte Stellvertreter der Loge anzunehmen 
und dasjenige, was von denselben Namens der Loge 
verhandelt und beschlossen wird, anzuerkennen. Die im 
Personale dieser Repräsentanten vorfallenden und bei Uns 
anzuzeigenden Veränderungen werden übrigens Euch 
jedesmal gehörig bekannt gemacht werden. . . .^ 

Berlin, den 9. Oktober 1797. 

Auf Sr. Königlichen Majestät allergnädigstem Special-Befehl, 
(gez.) V. d. Recke, v. Goldbeck. v. Thulemeyer. 

(Mylius Edikten-Sammlung Theil X S. 1435 No. 79 von 
1797, femer Rabe 's Sammlung Band 4 S. 302.) 

Auf Grund dieser dem Direktorium zur Nachachtung 
mitgeteilten Verfügung werden alle Wechsel in den Personen 
der Mitglieder des Bundes -Direktoriums den Ministem der 
Justiz und des Innern angezeigt. — 

Die Grundverfassung, welche nach den Beschlüssen der 
Mutterloge vom Direktorium ausgearbeitet worden, stimmte 
in den wesentlichen Punkten mit dem Vorschlag des Ober- 
meisters Br. Boumann vom 21. Mai überein. In der Beratung 
der Mutterloge vom 22. November 1797 unter Vorsitz des 
Br. Zöllner wurde diese Grundverfassung vorgelegt, erörtert, 
berichtigt und demnächst genehmigt, auch durch die Namens- 
Unterschrift der zwanzig bei dem Beschluss anwesenden 
Mitglieder der Mutterloge bekräftigt. 

Nur geschichtlich wurde in dieser Grundverfassung (Abt. 
I, § 1) erwähnt, dass als National-Grossmeister der Herzog 
Friedrich August von Braunschweig -Oels an der Spitze 
des Bundes stehe. Rechte wurden dem National-Grossmeister 



*) Nach dem Jastiz-Ministerial-Beskript vom 27. September 1843- 
genügt die Unterschrift von drei Mitgliedern des Bandes -Direktoriums. 



— 115 — 

durch diese Grondverfassong gar nicht beigelegt. Selbst 1797 
das von ihm bisher besessene wichtigste Vorrecht eines 
National-Grossmeisters, dass nämlich die Urkunden an 
Tochterlogen in seinem Namen ausgestellt wurden, verblieb ihm 
nicht. Der § 21, Abt. 11 verordnete vielmehr, dass die 
Errichtung neuer Logen sowie die Bescheinigung, dass eine 
Tochterloge des Schutzes der Mutterloge sich zu erfreuen 
habe, unter Unterschrift des Altschottischen Direktoriums 
mit Zustimmung der Mutterloge erfolgen soll. 

Dem zugeordneten National -Grossmeister sind ebenso 
wenig die bisherigen Vorrechte belassen worden. Es findet 
sich zwar Abt. II § 2 die Vorschrift: 

,dass es in Betreff der Wahl des deputirten Grossmeisters 
und wegen seiner Rechte und Pflichten bei dem verbleibe, 
was bereits verfassungsmässig feststehe* u. s. w. 

Es findet sich jedoch hier der bedeutungsvolle Zusatz: 
„insofern darin nicht durch gegenwärtige Grundverfassung 
etwas geändert oder näher bestimmt werde. ^ 
Zwar wird der zugeordnete National -Grossmeister im 
§ 1 a. a. 0. als Mitglied des Direktoriums — welches hiemach 
aus 8 Mitgliedern bestände — und im § 5 ebenda ab Vor- 
sitzender des Direktoriums genannt, in dessen Abwesenheit 
der Altschottische Obermeister den Vorsitz im Direktorium 
fahren solle: allein es wird im § 6 hinzugefügt, dass die 
Rechte und Befugnisse aller Mitglieder des Direktoriums 
völlig gleich seien und im § 10 ausdrücklich hervor- 
gehoben : 

„dass der deputirte National-Grossmeister (d. h. Wo Un e r) ein 
für allemal von den laufenden Geschäften sich losgesagt habe. ' 
Vorgesehen endlich ist der Fall, dass der Br. v. Wöllner 
der Versammlung der Mutterloge beiwohnen könnte. Dann 
soll ihm nach § 5, Abt. III gleich wie dem altschottischen 
Obermeister durch den Meister vom Stuhl der Vorsitz und 
Hammer angeboten, auch überlassen werden, sofern er ihn 
nicht ablehnt. 

Die National -Mutterloge wird durch die Grund Verfassung 
wieder zur gesetzgebenden und leitenden Behörde eingesetzt. 

8* 



— 116 — 

1797 Sie besteht (nach § 9, Abt. III) aus 36 ordentlichen Mitr 
gliedern, und ihnen sind (nach § 16) alle Geschäfte der 
bisherigen Beamten-Konferenz überwiesen, ausserdem aber 
auch die Wahlen der Grossbeamten und Mitglieder. 

Das Altschottische Direktorium besteht nach der 
Grundverfassung (ausser dem zugeordneten National -Gross- 
meister) aus 7 Mitgliedern, welche ihre Befugnisse und 
Rechte (nach § 2, Abt. I) nur durch Uebertragung von 
der National -Mutterloge haben. In ihrem Namen und an 
ihrer Stelle handelt das Direktorium und hat daher zu den 
Verhandlungen, aus welchen Verbindlichkeiten fär die 
Mutterloge entstehen, die Zustimmung der letzeren 
einzuholen. Andererseits ist das Direktorium dem Staat 
für alle Beschlüsse der National- Mutterloge (nach § 4, Abt. I) 
verantwortlich, und soll daher keine Anordnung der National- 
Mutterloge ohne Zustimmung des Direktoriums Gesetzeskraft 
erhalten. 

Die ins Direktorium erwählten Brr. bilden zugleich den 
höchsten Inneren Orient des Logenbundes und haben in 
dieser Eigenschaft die heilige Verpflichtung: die Lehre rein 
und von allen fremden Beimischungen frei zu erhalten, den 
maurerischen Eenntnissschatz zu bewahren, zu vermehren 
und auszuspenden. 

Die Grosse National -Mutterloge hatte ihre im Jahr 1779 
gegebene Erklärung: „nur als blosse Freimaurerloge 
angesehen sein zu wollen^ bei dieser ihrer Erneuerung 
fest im Auge behalten und geeignete Massregeln getroffen, 
dass durch die neue Verfassung das Eindringen von Zwecken, 
welche der Maurerei fremd sind, für die Zukunft unmöglich 
gemacht wurde. 

Die Mitteilung der Geschichte der Freimaurerbrüder- 
schaften, der Zwecke und Formen aller in ihnen entstandenen 
Lehrarten, die Erklärung der Symbole und die letzten 
geschichtlichen Aufschlüsse wurden besonderen Ordensstufen 
vorbehalten, die aber in dem damals gewöhnlichen Sinn des 
Wortes durchaus nicht Hoch grade genannt werden dürfen, 
und die denen, die sie besitzen, gar keine Obergewalt 



— 117 — 

über die Logen erteilen, sich vielmehr allein auf 1797 
die Befestigung in der Lehre and auf deren weitere 
Entwicklung, keineswegs auf die Verwaltung und 
Gesetzgebung beziehen. 

Die allgemeine Altschottische Loge des Bundes wurde 
eine solche Stufe, und die bei den Tochterlogen bestehenden 
Schottischen Logen sind keine selbständigen Körperschaften, 
sondern nur Abzweigungen der allgemeinen Altschottischen 
Loge. Sie können nur bei einer selbständigen Johannisloge 
aus deren ordentlichen Mitgliedern und mit Bewilligung 
ihrer Johannis-Meisterschaft bestehen und haben keine 
Art von Aufsicht, noch irgend ein Vorrecht bei der Verwaltung 
der Johaimisloge. 

Alle diese wichtigen Einrichtungen traf die grosse 
National-Mutterloge damals ganz im Stillen, musste auch aus 
sehr triftigen Gründen, die weniger in ihrem inneren Zustand 
als in ihrer äusseren maurerischen Stellung lagen, vermeiden, 
die Grundsätze, welche sich in ihr entwickelt hatten, in der 
damaligen Maurerwelt zu veröffentlichen, und behielt eben 
deswegen Manches von den einmal zur Gewohnheit 
gewordenen Formen und Benennungen bei. 

Im Jahr 1797 wurde die Loge „les vrais FrÄres unis" 
zu Loci e gegründet, welche sich später dem Schweizerischen 
Logenbund anschloss. 

Das Jahr 1798 gehört zu den merkwürdigen für das 1798 
Logenwesen in den Preussischen Staaten. 

Die Loge „Royal York'^ teilte sich unter dem Einfluss 
des geistreichen, gelehrten und für die Maurerei eifrig 
thätigen Br. Fessler, in 4 Johannislogen nämlich: 

1. „Friedrich Wilhelm zur gekrönten Gerechtigkeit", 

2. „Siegende Wahrheit**, 

3. „Urania zur Unsterblichkeit'* und 

4. „Pythagoras zum flammenden Steni'*. 

Aus den Vertretern dieser und der bereits früher ge- 
stifteten Tochterlogen bildete sich auf Anregung eines der 



— 118 — 

1798 höchsten Beamten der Grossloge von England am 11. Juni 
1798 eine eigene Grossloge, unter dem Namen: 
„Grosse Loge der Freimaurer, genannt Royal York 

zur Freundschaft^^ 

Die Leitung übernahmen die Brr. Delagoanöre ab 
Grossmeister und Fessler als zugeordneter Grossmeister. 

Am 20. Dezember desselben Jahres ward in Royal York 
der Prinz Friedrich August von England, Herzog 
von Sussex, nachmaliger Grossmeister der vereinigten 
Englischen Grossloge, in den Bund aufgenommen. 

Mit der Grossloge von England wurde eine gegenseitige 
Vertretung eingeführt, auch vom Herzog von Sussex das 
Amt ihres Vertreters bei der Englischen Grossloge über- 
nommen. 

Da durch die Stiftung der Grossen Landesloge von 
Deutschland bereits eine zweite Grossloge in Berlin 
bestand, konnte die National-Mutterloge billiger Weise auch 
nichts gegen die Stiftung dieser dritten Grossloge an 
demselben Ort einwenden und blieb mit ihr in dem guten 
Vernehmen, welches bis dahin zwischen beiden Logen 
bestanden hatte. 

Die Grosse Landesloge von Deutschland wollte aber die 
neue Schwester-Grossloge nicht als solche anerkennen. 
Daraus entstand ein höchst beklagenswerther, selbst in der 
Aussen weit viel Aufsehen erregender Streit, der zugleich 
dazu führte, dass erstere den Brm. von „Royal York" 
ihre Pforten schloss und den Mitgliedern ihrer Logen 
untersagte, irgend eine der zu Royal York gehörenden 
Logen zu besuchen. 

Viele der beiderseitigen Brr. trafen aber bei den 
Versammlungen der zu den drei Weltkugeln gehörenden 
Logen zusammen, wo sie dann des Haders vergessend in 
Eintracht und Liebe gemeinschaftlich mit ihren Wirten 
die Bruderkette als gute Maurer schlössen. 

Am 20. Oktober 1798 erschien das Königliche Edikt, 
welches alle Theilnahme an geheimen Verbindungen und 
Gesellschaften streng untersagte. 



- 119 — 

Dieses E^ikt (wiederholt in der Gesetzsammlung v. 1816 1798 

No. 2) verordnet: 

§3. 

„Von dem Freimaurer- Orden sind folgende 3 Matter- 
logen: Die Mutterloge zu den drei Weltkugeln, die Grosse 
Landesloge und die Loge Royal York de l'Amitii und die 
von ihnen gestifteten Tochterlogen tolerirt und sollen die 
im vorstehenden § 2 No. 4, 5 enthaltenen Verbote auf 
gedachte Logen nicht angewendet werden, diese jedoch 
verpflichtet sein, die in den nachstehenden §§ 9 bis 13 
enthaltenen Vorschriften auf das genaueste zu befolgen. 

§4. 

Dahingegen sollen ausser den im § 3 benannten Logen 
jede andere Mutter- oder Tochterloge des Freimaurer- 
Ordens für verboten geachtet und unter keinerlei Vorwand 
geduldet werden. 

§9- 

Den sämmtlichen Mitgliedern der nach § 3 tolerirten 
Mutter- oder Tochterlogen wird insbesondere die schon 
allgemein feststehende unauflösliche Unterthanen- Pflicht von 
neuem eingeschärft, jeden Versuch, welchen ein Ordens- 
Mitglied, Ordens -Oberer oder jeder Andere etwa machen 
möchte, diesem Edikte zuwider zu handeln, sofort der 
obersten Polizeibehörde anzuzeigen. 

§ 10. 
Femer müssen die Vorgesetzten der drei § 3 genannten 
Mutterlogen unserer Allerhöchsten Person jährlich das Ver- 
zeichniss der sämmtlichen, von ihnen abhängigen, sowohl 
an den hiesigen Residenzen, als sonst in unseren gesammten 
Staaten gestifteten Tochterlogen nebst der Liste sämmtlicher 
Mitglieder nach ihrem Namen, Stande und Alter einreichen. 
Im Unterlassungsfalle wird eine Geldbusse von 200 Thlr. 
verwirkt, und die Weigerung mit Verlust des Protektorii und 
der Verbindung bestraft. 

§ 11- 

Es soll auch gedachten tolerirten Freimaurerlogen nicht 



— 120 — 

1798 gestattet werden, jemanden vor erfülltem 25. Jahre*) seines 
Alters zum Mitgliede aufzunehmen, und jede Loge, welche 
diesem zuwider handelt, hat im ersten Uebertretungsfalle 
ausser der Verbindlichkeit zur Ausschliessung des gedachten 
Mitgliedes eine Geldbusse von 100 Thlr., im ferneren Ueber- 
tretungs- oder Weigerungsfalle aber Verlust des Protektorii 
und der Verbindung zu gewärtigen. 

§ 12. 
Eine jede Loge ist verbunden, der Polizeibehörde des 
Orts ihre Zusammenkunft anzuzeigen, und darf bei Verlust 
der Duldung ihren Mitgliedern nicht gestatten, ausser dem 
angezeigten Orte Zusammenkünfte zu haben, welche auf die 
Freimaurerei Beziehung haben. Es können daher die Mitr 
glieder des Ordens bei Zusammenkünften ausser dem 
obgedachtermassen angezeigten Versammlungsorte sich auf 
die Befreiung von den § 2 No. 4, 5 enthaltenen Verboten 
nicht berufen, sondern haben vielmehr im Kontraventionsfalle 
zu gewärtigen, dass wider sie nach der Strenge der Gesetze 
verfahren werden wird. o jg 

Jede Mutterloge muss die Mitglieder, welche den vor- 
stehenden Verordnungen zuwider handeln, sogleich ausstossen, 
und deren Namen der obersten Polizeibehörde anzeigen, auch 
gleichmässig auf ihre Tochterlogen die schärfste Aufsicht 
haben, und sobald bei einer Tochterloge dergleichen entdeckt 
würde, die derselben ertheilte Konstitution zurücknehmen, 
auch wie solches geschehen, der obersten Polizeibehörde 
anzeigen. Wenn eine der drei Mutterlogen überführt werden 
kann, dass ihre Vorgesetzten diese Anweisung nicht befolgt 
haben, so soll sie mit Verlust des Protektorii und der Ver- 
bindung bestraft werden. Auch wird es den drei Mutterlogen 
zur Pflicht gemacht, wechselseitig dahin zu vigiliren, dass 
dieser Vorschrift auf das pünktlichste nachgelebt werde." — 



*) Diese Vorschrift findet auf solche Ausländer nicht Anwendung, 
welche sich nur eine kurze Zeit in den Preuss. Staaten aufhalten. Die 
Loge, welche einen Fremden vor zurückgelegtem 26. Lebensjahr auf- 
nimmt, hat der Polizeibehörde davon Anzeige zu machen. (Resk. vom 
19. Juni 1799. Vergl. Einl. z. d. Stat. der Gr. L. R Y.) 



— 121 — 

Dnrch dieses Edikt ward dem manrerischen Sektenwesen 1796 
in den Preossischen Staaten ein Ende gemacht, und indem 
den drei Grosslogen zwar einerseits schwere Pflichten auf- 
erlegt, andererseits aber auch grosse Vorrechte und eine an 
die Staatsbehörde sich anlehnende Macht verliehen wurde, 
konnten sie um so wirksamer ihren eigenen und ihrer Tochter- 
logen Wohlstand gründen und erhalten. In Folge dieses 
Ediktes schlössen sich eine grosse Anzahl vereinzelter Johannis- 
logen dem Bund der Grossen National -Mutterloge an. 

Da der neuen Verfassung der Grossen National-Mutterloge 
unbeschadet der Bruder Herzog Friedrich August von 
Braunschweig-Oels als National-Grossmeister und der Bruder 
V. Woellner als zugeordneter Grossmeister noch immer 
wenigstens als Ehren -Oberhäupter des Logenbundes zu 
betrachten waren, wurde bei ihnen angefragt, ob sie als 
solche den Staatsbehörden angemeldet sein und die damit 
verbundene Verantwortlichkeit übernehmen wollten. Hierauf 
erklärten beide im Februar 1798, dass sie ihre Logenämter 
niederlegten. Auf Grund dieser Erklärungen fasste die Mutter- 
loge am 7. März 1799 den Beschluss, dass die Stelle eines 1799 
Grossmeisters für jetzt unbesetzt bleiben sollte, bis Umstände 
einträten, die einen Grossmeister erforderten, dass aber der 
jedesmalige Vorsitzende Meister der Mutterloge als einst- 
weiliger Grossmeister angesehen werden sollte, da die 
Mutterloge ohnedies Grossbeamten habe, auch die Ausfertigung 
der Ordensurkunden nicht ferner im Namen des Grossmeisters, 
sondern folgendermassen geschehen sollte: Im Namen der 
Grossen National -Mutterloge zu den drei Weltkugeln in 
Berlin erkennen wir, das Altschottische Direktorium derselben 
an, u. 8. w. 

Der Br. Zöllner wurde zum einstweiligen National- 
Grossmeister, der Br. Klaproth I. (Martin Heinrich) zum 
zugeordneten National -Grossmeister und der Br. Boumann 
zum Altschottischen Obermeister gewählt. 

Eine neue zeitgemässe Umarbeitung der Bundes-Statuten 
ward vorgenommen, am Johannistag 170*.) vom Bundes- 
Direktorium bestätigt und zum Gebrauch der Tochterlogen 



— 122 — 

799 gedruckt. Ferner wurde die Dienstordnung für das Gross- 
Schatzamt am 15. Juni 1799 erlassen. 

Am 5. September 1799 wurde das Grundstück in der 
Splittgerbergasse No. 3, — dasselbe, auf welchem 60 Jahre 
früher die Gründung der Loge zu den drei Weltkugeln 
beschlossen worden war*) — durch Kauf für die Loge 
erworben. 

In Folge des oben erwähnten Königlichen Ediktes 
schlössen sich 9 Logen dem Bund der drei Weltkugeln an, 
nämlich: 

1. Die Provinzialloge „zu den drei Kronen" zu Königs- 
berg i. Pr. trat in ihr Yerhältniss als Johannis- 
Tochterloge zurück. (S. 38.) Femer wurden an- 
genommen die Logen: 

2. „Constantia zur gekrönten Eintracht" zu Elbing**); 

3. „Eugenia zum gekrönten Löwen" zu Danzig***); 

4. „zum preussischen Adler" zu Insterburg; 

5. „Memphis" zu Memelf); 

6. „Libanon zu den drei Zedern" zu Erlangenff); 



*) Siehe v. EtzeTs Beschreibung der Säkularfeier der Aafnabme 
Friedrichs des Grossen. 

♦♦) Mittels Urkunde vom 3. September 1781 war die von der 
Mntterloge „zu den drei Kronen^ zu Königsberg aus den Mitgliedern 
der am 7. November 1773 von ihr gestifteten Abordnungsloge „zu den 
drei „l^i'onen" gegründete Loge zu einer selbständigen Tochterloge 
erhoben worden. 

***) Im Jahr 1776 hatte die Mntterloge „zu den drei Kronen^ zu 
Königsberg diese Loge errichtet und zwar aus den Mitgliedern der 
damals ruhenden Logen „zu den drei Bleiwagen^ und „zu den drei 
Pyramiden" (vergl. S. 28, 47). 

t) Seit dem Jahr 1775 als Abordnungsloge der Mutterloge ,,za 
den drei Kronen" zu Königsberg errichtet, wurde sie in eine 
Johannisloge unter dem Namen ^^Memphis*' im Jahr 1776 um- 
gewandelt 

tt) Gegründet am 27. Dezember 1757 stand diese Loge seit 1775 
mit unserer Grossloge in Schriftwechsel und trat im Jahr 1799 zu 
unserem Bund über. Im Jahr 1811 schied sie auf Anweisung der 
Bayrischen Regierung aus ihm unter Anschluss an die Provinzialloge 
zu Ansbach. 



— 123 — 

7. »Tikiona m den drei g^rönten nttnneii* m 1198 
Marieabarg^; 

8. yAIezMider za den drei Stem^i* m Ansbach^): 

9. ,Fnedhcfa zur aufgehenden Sonne* lu Brieg^^); 



*) Unter Eimi^dguif der Gronloge tob Sl Petertberg werde 
IM Jakr 1764 im Hauptquartier der Reasiicben Am«e m M eriea- 
barg dee Feldloge gegründet, and diese im Jebr ITfö in eine 
virUi^e Loge imter Torsiti des Migors Ton Zeplia umgeweiidelt. 
Der erste Anfselier, Fürst Dolgoreki, gmb die Kosten der Einricktang, 
mbhe fnr alle Sacbenden die Kosten der Aufnebme, konuanndirte 
ladi vtkread der Logennrbeit 12 Grenadiere mit enigepflnnstein 
Bi^onett Tor die Haostbür, weil man die Loge sonst nicht für hin* 
reichend gedeckt erachtete Die förmliche Stiftangs<ürkande warde 
erst im Jahr 1772 Ton der Englischen ProTinzial- Grossloge lU 
Warschaa erteOt Im XoTemhe r 1773 nach der EinTerleibong West- 
Prenssens errichtete die Matterloge xu Königsberg eine Abordnongs- 
löge der Königsberger Loge zu den Jrei Kronen in Marienbarg. 
Die simmtlichen militirischen Brr. des dort gamisonirenden Regiments 
▼. Krokow traten dieser Loge bei Den Hammer führte bis snm 
Jahr 1776 der Major dieses Regiments, Graf Alexander Leopold 
▼. Wartensleben. Durch eine Urkunde der regierenden Matterloge 
ZQ Königsberg vom 8. Juli 1776 wurde diese Abordnangsloge sa einer 
ger. and Tollk. Loge umgewandelt, und ihr der Name ^Viktoria la den drei 
gekrönten Thürmen** beigelegt In diesem Verhftltniss blieb die Loge 
bis cum Jahr 1799, wo sie tou unserer Grossloge angenommen wurde 
**) Im Jahr 1758 gründete der regierende Markgraf Alex an der 
in Ansbach die Johannisloge „Alexander xu den drei Sternen** nach 
der Lehrart der Grossen National - Mutterloge , welcher er angehörte. 
Sie trat am 19. November 1799 der Grossen National -Mutterloge bei. 
Im Jahr 1807 wurde aus ihren Mitgliedern die ProTintialloge tou 
Franken „Anacbarsis zum erhabenen Zweck** errichtet In Folge der 
Bayrischen Besitzergreifung schied im Jahr 1816 die Loge aus dem 
Verband mit der Preussischen Grossloge auf Befehl der Bayrischen 
Regierung aus und ist ausser Thitigkeit geblieben. 

^^) Am 24. M&rz 1783 wurde die Johannnisloge „Friedrich sum 
aufgehenden Herzen** im O. Brieg auf Grund der Stiftung des 
Schlesischen ProTinzial -Grossmeisters t. Lestwitz (Grossloge „zur 
goldenen HimmeUkugeP* zu Glogau) in Anwesenheit des Alt- 
schottischen Obermeisters, Prinzen Eugen tou Württemberg, feierlich 
eingeweiht Erster Meister Tom Stuhl war Bruder de Forcade. Am 
7. August 1799 fasste die Meisterschaft den Beschluss, von Glogau 
sich zu trennen und der Grossen National -Mutterloge su den drei 
Weltkugeln sich anzuschliessen. 



— 124 — 

1799 Ausserdem wurden neu gegründet: 

zu Tilsit die Loge „Louise zum aufrichtigen Herzen^*), 
und zu Konitz die Loge „Friedrich zur wahren 
Freundschaft**). 

1800 Im Jahr 1800 wurde die Loge „zu den drei Triangeln'' 
in Glatz***) angenommen, nachdem in Folge des Edikts 
von 1798 die schlesische Mutterloge „zur goldenen Himmels- 
kugel^ in 6 log au nebst ihren Tochterlogen geschlossen 
und aufgehoben worden war. 

Am 19. Dezember des Jahres 1800 fand die feierliche 
Einweihung des inzwischen völlig eingerichteten neuen Logen- 
gebäudes statt. 



*) Im Jahr 1836 schloss diese Loge ihre Arbeiten, da sie neben der 
seit 1824 in demselben Orient von der Grossen Landesloge errichteten 
Loge „Irene^ nicht bestehen konnte. 

**) Seit dem Jahr 1790 arbeitete diese Loge (selbständig seit 1787) 
unter Zustimmung der Mutterloge „zu den dre Kronen" in Königsberg. 
Die Ausfertigung der Errichtungs- Urkunde hatte sich aber bis zum 
6. Januar 1793 verzögert 

***) Ueber die Zeit der Errichtung dieser Loge in Glatz 
fehlen die Nachrichten. Die älteste Urkunde in ihrem Archiv ist 
ein Schreiben der Loge „ Joseph zu den drei Helmen" zu Wetzlar vom 
2. Januar 1764 an die Brüder dieser Loge. Zur Erlangung einer 
gesetzmässigen „Konstitution" wendete die Loge in Glatz sich mittelst 
Schreibens vom 25. Mai 1765 an die „Materloge" in Berlin. Diese stellte 
in dem Antwortschreiben vom 28. Juni d. J. die Erteilung in Aussicht, 
ersuchte sie aber gleichzeitig, aller Aufnahmen gänzli« h sich zu enthalten. 
Dieses Schreiben war unterzeichnet von Felix Friedrich v. Kleist, 
Meister vom Stuhl; Crämer, 1. Vorsieher; G. v. Köhler, 2. Vorsteher. 
In dem zweiten Schreiben mit denselben Unterschriften vom 29. März 
1766 wurde die Loge in Glatz benachrichtigt, dass sie „naztmehr zur 
Erlangung dero löblichen Gesuches wegen Errichtung einer gehörig 
bestätigten Loge sich in Nistiz unweit Glogau bei dem Herrn Grafen 
V. Dyherrn als eigentlichen Obermeister sämmtlicher Logen in 
Schlesien gebilihrend zu meldeo habe." 

Die Gl atz er Brüder folgten der von der Mutterloge erteilten 
Weisung, und ihrem Gesuch wurde Folge gegeben. Der Bruder Graf 
V. Dyherrn kam nach Glatz und errichtete dort am 26. Mai 1766 eine 
Loge der strikten Observanz. (Vgl. Pruschinski's Geschichte der 
Johannisloge „zu den drei Triangeln" i. Or. Glatz. Zusammengestellt 
zu der Säkularfeier am 26. Mai 1866.) 



— 125 — 

Zu diesem Fest waren alle Freimaurer Berlins ein- 1800 
geladen und hatten sich zahlreich eingestellt. 

Hier war es besonders, wo viele der gegenwärtigen 
Brüder der Grossen Landesloge und der grossen Loge 
Boyal York in brüderlicher Einigkeit die aufrichtigen Wunsche 
laut werden Hessen, dass die sie noch trennenden Schranken 
bald fallen möchten. 

Bereits unter den 1. April 1800 hatte die Mutterloge 
die vom Altschottischen Direktorium bestätigten „Polizei- 
Gesetze*' für das neue Logengebäude erlassen. Die Räume 
werden nach ihrer dreifachen Bestimmung folgender Gestalt 
eingeteilt: 

a) zur Arbeit, 

b) zum Vergnügen der Brüder ausserhalb der Loge, 

c) zur Bewirtschaftung, 

und für jede dieser Abteilungen umständliche Anweisungen 
vorgeschrieben. Ein Abgeordneter der SchafPnerloge hatte 
die Oberaufsicht über die Räume. Femer wurde abwechselnd 
ein Bruder Schaffner als Ordner und zugleich als Aufseher 
für die täglichen Gesellschaften bestellt. 

Hinzu kamen noch im Jahr 1801 durch neue Gründung: 1801 
zu Kalisch die Loge „Hesperus**, welche 1809 dem Gross- 
Orden zu Warschau sich anschloss; 
zu S alz w edel die Loge St. Johannes zum Wohl der 
Menschheit"*). 
Am 10. Februar 1801 erhielt die Verfassung des Inneren 
Orients ihre bestimmte Form, nachdem die neugestaltete 
Grosse National-Mutterloge bereits am 13. April 1798 erklärt 
hatte : 

„Man sei gesonnen, die eigentliche Freimaurerei nach 
ihrem inneren Wesen und ihrer Verfassung von den 
bisher angenommenen höheren Systemen, insofern sie nach 

*) Diese Loge war von 1838 bis 1846 aaster Tbidgkeit Auch 
früher schon soll in Salzwedel nach dem Dresdener Verzeichniss 
der Freimaurerlogen von 1846 eine Loge „zum goldenen Stern** vom 
Eklektischen Bund und später 1782 eine Loge „zur goldenen Harfe^ 
von der Grossen Landesloge von Deutschland errichtet worden sein. 



— 126 — 

1801 ihrem Wesen nicht mit der Freimaurerei in Verbindung^ 
standen, zu trennen." 

Femer wurde im Juni und August 1801 der Ver— 
einigungs-Vertrag der drei Grossen bezw. Provinziell 
Logen von Hamburg, Hannover und Royal York in 
Berlin durch die Vorsitzenden dieser Grosslogen unter- 
schrieben. Dieser Verein sollte dazu dienen: „dass die Frei^ 
maurer- Gesellschaft eine richtigere, den Fortschritten des 
menschlichen Geistes in der intellektuellen, sittlichen und 
ästhetischen Kultur angemessenere Stellung erhalte und 
einer eigennützigen und herrschsüchtigen Geheinmisskrämerei 
auf immer verschlossen werde, sie endlich ebenso über die 
Kälte mancher ihrer Mitglieder und über den Spott oder 
die Verachtung der Ungeweihten, als über den Verdacht der 
Staaten erhaben, mit den Zwecken des Staates und der 
äusseren Kirche in unendlichen Progressionen in keinem 
Punkte koUidire." 

Es sollte jede dem Verein beitretende Grossloge aus 
ihrer Mitte eine bestimmte Anzahl Brr. wählen, welche sie 
als ihren innersten Orient ansehen, dem die An- 
ordnung, Vermehrung und Bewahrung ihres maurerischen 
Kenntnissschatzes anvertraut, dem aber aller Einfluss auf 
die eigentliche maurerische Verfassung, Verwaltung und 
Regierung sowohl der Grossen als der Johannis- Logen 
gänzlich untersagt sein sollte. 

Finde es die eine oder die andere der vereinigten Gross- 
logen ihren Verhältnissen nach nöthig, den von ihrem 
innersten Orient festgesetzten Erkenntnissstufen eine Art 
von Einweihung vorausgehen zu lassen, so solle ihr dies 
freistehen; jedoch unter der Bedingung, dass die Rituale zu 
diesen Einweihungen eine lediglich rein moralische 
Tendenz haben, und in ihnen nichts dunkel und unerklärt 
gelassen, nichts versprochen, auf keinen inneren oder höheren 
Orden hingewiesen werde. (Keller Gesch. d. Frmrei, 
S. 225 «F.) 

1802 Im Jahr 18Q2 wurde gegründet: 

zu Bautzen die Loge „Zur goldenen Mauer". 



— 127 — 

Angenommen wurden: 1808 

die Logen „zum stillen Tempel"*) in Hildesheim und 
jiZU den drei Balken des neaen Tempels*"^) in Münster. 

Aaf Antrag des Br. Rosenstiel in der Sitzung der 
rossen Loge vom 1. April 1802 wurde beschlossen, statt 
ir bisherigen monatlichen Versammlungen der Grossen Loge 
ierteljahrs- Beratungen am 1. Donnerstag in den Monaten 
)ptember, Dezember, März und Mai anzosetzen und die 
rr. durch Umlaufschreiben einzuladen. 

Im Jahr 1803 wurden gegründet: 1808 

zu Glogau die Loge „zur biederen Vereinigung"***); 

*) Mittelst Urkunde Tom 24. NoTember. Am 27. Dezember 1788 
«tiftet TOD der Englischen ProTiozialloge zu Hamburg unter dem Namen: 
^orte zur Ewigkeit^ trat sie unter dem Namen „Ferdinand zur ge- 
inten S&ule** auf Grund der Urkunde vom 80. Dezember 1774 zur 
rikten Obsenranz. Von dieser trennten sich einige Brr. unter Führung 
i Br. T. Weber und errichteten am 24. Januar 1776 nach der Lehrart 
r Gr. Landealoge von Deutschland zu Hildesheim die Loge „Friedrich 
n Tempel". Die altere Loge „Ferdinand zur gekrönten Siule** sagte 
^ von der strikten Observanz sp&ter auch los und stellte sich als 
»haanisloge zum „Stillen Tempel** am 14. Juni 1792 unter die Grossloge 
n London. Es waren inzwischen Misshelligkeiten unter den Blit- 
ledem entstanden. £in Theil von ihnen schied aus und arbeitete 
iter dem Namen „Pforte zur Ewigkeit**. Diese letztere Loge ging 
I 12. Januar 1803 zur Grossloge Royal York zur Freundschaft über. 
10 Loge „ zum stillen Tempel ** war bereits am 3. August 1802 den 
ei Weltkugeln beigetreten, scbloss sich 1842 der Grossen Loge von 
anno V er an und nahm 1844 nach Verschmelzung mit der dortigen 
>go „Friedrich zum Tempel** den Namen „Pforte zum Tempel des 
chts*^ an, behielt jedoch das Ritual der Grosiloze zu den drei Welt- 
igeln bei. Nach Auflösung der Grossloge von Hannover ging sie 
r Grossloge Royal York zur Freundschaft im Jahr 1868 über. Vgl. 
rebe^s Geschichte der Freimaurer in Or. Hildesheim, Bd. II, Hildes- 
Im 1812. Menge's Geschichte der Freimaurer- Loge „Pforte zum 
»mpel des Lichts** in Hildesheim. Handschrift für Freimaurer. Hildet- 
im bei Gerstenberg 1863. 

^) Im Jahr 1778 wurde die Loge „zu den drei Balken** in Münster 
irch die Provinzialloge des Eklektischen Bundes zu Wetzlar, genannt 
oseph zum Reichsadler**, gegründet und 1789 von ihr neu errichtet 
iter dem Namen „zu den drei Balken des neuen Tempels**. 

^*) Mittels Urkunde der Loge „zu den drei Skeletten** zu Breslau 
m 16. Dezember 1746 wurde in Glogau eine Loge unter dem Namen 



— 128 — 

1803 zu Plock die Loge „Albertine zur Vollkommenheit"*); 
zu Marienwerder die Loge „zur goldenen Harfe" **); 
zu Havelberg die Loge „:£ur Freundschaft und Wohl- 

thätigkeit"***); 
zu Paderborn die Loge „zum hellflammenden Schwert"f ). 

Ausserdem wurde die Loge: 
„Friedrich zum goldenen Zepter"ft) zu Breslau an- 



„aux lU Piedestaux^' errichtet. Schreiben dieser Loge befinden 8ich 
in unserem Archiv. Spätere Nachrichten über sie sind nicht erhalten« 
Ihr folgte die Loge „zum Cherub von Eden^, über deren Errichtung 
und Wirksamkeit Nachrichten fehlen. Nur soviel ist bekannt, dass sie 
im Jahr 1764 mit den beiden Logen „zum glänzenden Siebengestirn*^, 
bisher in Zauche, und „zur goldenen Himmelskugel^, bisher in Nistis, 
vereinigt den Namen „zur goldenen Himmelskugel" annahm, eine 
Schottsnloge „zum Firmament" errichtete und mittels Urkunde des 
Haupt -Direktoriums zu Braunschweig zur „Mutterloge von Schlesien** 
eingesetzt wurde. In dieser Eigenschaft errichtete sie 1766 die Loge 
^zu den drei Triangeln" zu Glatz, 1776 die Loge „Friedrich zum 
goldenen Scepter" zu Breslau, 1778 die Loge „Friede ricia zum Todten- 
kopf" in Lüben, 1783 die Loge „zur aufgehenden Sonne" zu Brieg. 
Während der Zeit der strikten Observanz führte sie den Namen der 
Präfektur Appstädt. Das Edikt vom 30. Oktober 1798 fiihrte die Auf- 
lösung dieser Mutterloge herbei, da sie einer anderen Loge sich nicht 
unterordnen wollte. Sie schloss am 14. Dezember 1799 ihren Tempel. 
Die Geräte, sowie das Vermögen dieser Loge mit 598 Thlr. wurde im 
Jahr 1803 der neu errichteten Loge unter der Bedingung überliefert, 
dass sie nicht den Namen der älteren Loge annehmen sollte. 

*) Die Mitglieder-Verzeichnisse dieser Loge aus den Jahren 1804 
und 1811 — 1821, wo die Loge ausser Thätigkeit trat, sind hier vorhanden. 

*♦) Bereits am 21. März 1777 wurde von der Grossloge von 
Deutschland zu Marien w erder eine Johannisloge „zur goldenen Leier** 
errichtet. Sie hatte jedoch im Jahr 1788 ihre Arbeiten eingestellt. 

***) Ausser Thätigkeit seit 5. April 1831. Diese Arbeitseinstellung 
wurde dem umstand zugeschrieben, dass in demselben Jahr von der 
Grossen Landesloge von Deutschland die Johannisloge „zum Tempel 
der Freundschaft und Wohlthätigkeit^ gestiftet war. Letztere ist 
inzwischen auch eingegangen. 

t) Diese Loge wurde 1807 geschlossen, trat 1830 wieder in Thätig- 
keit, musste jedoch im Jahr 1855 ihre Arbeit wieder einstellen in Folge 
der Anfeindung der dortigen katholischen Geistlichkeit. 

tt) Diese Loge war am 10. Dezember 1776 von der Mutterloge „zur 
goldenen Himmelskugel" in Schlesien i. Or. Glogau errichtet worden. 



— 129 — 

genommen and „Karl zu den drei Rädern^'*') in Erfurt 1806 

wieder eröffnet. 

Der Br. Boamann, dessen Bemühungen der Bund im 
Jahr 1795 die Anknüpfung der nahen Beziehung mit der 
^Grossen Landesloge von Deutschland, im Jahr 1796 die 
Verleihung des Königlichen Protektoriums, endlich im Jahr 
1797 die Errichtung der neuen Grund Verfassung und somit 
<]ie theuersten Besitzthümer zu danken hatte, starb in 
diesem Jahr, und in seine Stelle ward der Br. Klaproth ü., 
Oeh. Kriegsrat und Staatsarchivar, zum Mitglied des Alt- 
schottischen Direktoriums, so wie der bisherige zugeordnete 
Obermeister Br. v. Guionneau zum Altschottischen Ober- 
meister gewählt. 

An Stelle des Letzteren trat Br. v. Rapin-Thoyras. 
Auf allgemeinen Wunsch der hiesigen Brr. war bereits 
im Jahr 1800 beschlossen, dass sie an bestimmten Tagen 
der Woche mit ihren Familien und befreundeten Nicht- 
maarern den Garten und die Versammlungszimmer des Logen- 
gebäudes zu geselligen Zusammenkünften benutzen dürften. 
Nach dem Polizeigesetz vom 1. April 1800 (vgl. S. 125), 
Abschnitt VIII., sollte ein Mitglied der Schaffnerloge als 
Aufseher über Befolgung der Polizeigesetze wachen und 

^) In Erfurt soll, wie das zu Leipzig 1790 gedruckte 
alphabetische „Verzeichniss aller Logen** ergiebt, bereits im Jahr 1768 
«ine Loge „la Paladienne^ bestanden haben. Das Archiv giebt keine 
Nachricht hierüber. 

Die Loge „zu den drei lUdem*" war am 17. Februar 1787 durch 
drei alte Meister von drei Logen verschiedener Systeme (darunter die 
Brr. Bode, t. üendrich) nach der Verfassung des Elklektischen 
Bundes zu Frankfurt a. M. eingeweiht worden. Die drei Räder 
waren dem Stadtwappen von £rfurt entlehnt. 1797 wurde diese Loge 
geschlossen. 

Bei der Wiedereröffnung im Jahr 1808 war der Qeneral-Lieutenant 
und Gouverneur der Festung Erfurt, Graf Alexander Leopold von 
Wartens leben, welcher von 1773 bis 1776 bereits den ersten Hammer 
der Loge zu Marienburg gef&hrt hatte, zum Meister vom Stuhl, 
und der Regier ungs-Pr&sident v. Reibniti zum zugeordneten Meister 
gewählt worden. Sie wurde im Jahr 1814 aufgelöst und in demselben 
Jahr als „Log^ zu den drei Adlern** neu errichtet. 

GMoh. d. Or. Nat.- Matter -Log«. 9 



— 130 — 

1803 dafür sorgen, dass Anstand, Freundlichkeit and sittliche 
Fröhlichkeit überall herrsche und durch keinen unangenehmen 
Vorfall gestört werde. 

In Folge eines Streits im Garten wurde am 1. September 
1803 beschlossen: 

1. dass 12 Censoren aus der Mutterloge gewählt werden, 

2. dass ein Gross- Censor gewählt werde, der Mitglied 
des Direktoriums sein muss. 

1804 Im Jahr 1804 wurde die Grundverfassung von 1797 
zum ersten Mal durchgesehen und in der Vierteljahrs -Ver- 
sammlung vom 1. November 1804 wurden die einzelnen 
Punkte der vom Bundes-Direktorium vorgelegten umgeänderten 
Grund Verfassung erörtert. 

Gestiftet wurden in diesem Jahr die Johannislogen : 
„zum gekrönten Cubus^ zu Gnesen und 
„zur preussischen Burg St. Johannis*^ zu Johannisburg*). 
Am 12. September 1804 starb der verdienstvolle National- 
Grossmeister Br. Zöllner, und der grossmeisterliche Hammer 
wurde nun dem Altschottischen Obermeister Br. v. Guionneau 
übergeben. Der Br. Karsten, Ober- Bergrat, ward zum 
Mitglied des Direktoriums erwählt. 

1805 Im Jahr 1805 wurden folgende Bundeslogen gestiftet: 
zu Güstrow die St. Johannisloge „Phöbus Apollo", 

zu Merseburg die St. Johannisloge „zum goldenen 

Kreuz* ; 

zu Markt-Rentweinsdorf die St. Johannisloge „Aristides 

zur Wahrheit und Gerechtigkeit"**). 

Zu Stargard in Pommern bestanden seit dem Jahr 1774 

zwei Logen, nämlich: „Augusta zur goldenen Krone" vom 

diesseitigen, und „zum Schilde" vom System der Grossen 

Landesloge von Deutschland. Da beide nicht nebeneinander 

bestehen konnten, schlössen sie zugleich ihre Arbeiten 

und versiegelten ihre Archive. Demnächst traten ihre 

bisherigen Mitglieder sofort zu einer Beratung zusammen 

*) Diese Loge trat 1853 ausser Thätigkeit. 
**) Diese Loge schloss sich 1810 dem fränkischen Logenhunde 
an, ist aher seit 1815 ausser Th&tigkeit 



— 131 — 

und stifteten die Loge „Joline zur Eintracht*, welche 1805 
ontenn 8. März 1805 von der Grossen National -Matterloge 
eine emeaerte Stiftongsorkande erhielt. 

Am 8. November starb der vormalige National -Gross- 
meister Herzog Friedrich August von Braunschweig -Oels. 

Zu Anfang des Jahres 1806 wurde die Grosse Loge 1806 
Boyal York zur Freundschaft als Grossloge auch von 
der Grossen Landesloge von Deutschland anerkannt, 
wodurch dann zwischen beiden eine förmliche Aussöhnung 
und der gegenseitige Logenbesuch der Brr. aller drei 
Preussischen Grosslogen zu Stande kam. 

Im März stiftete die Mutterloge zum ehrenden Andenken 
an den verdienstvollen National -Grossmeister Er. Zöllner 
für bedürftige, den Studien auf Universitäten oder einer der 
bildenden Künste sich widmende Maurer-Söhne ein Stipendium 
von jährlich 50 Thalem. 

Im Lauf dieses Jahres wurden der Grossen National- 
Mutterloge angeschlossen: 
die Loge „Ernst zum Kompass*' zu Gotha*) und 



*) Bereits im J&hr 1750 war von der Loge aax trois globes eine 
Loge zu Gotha, genannt zu den 3 Kompassen (les 111 bonssoles), er- 
richtet worden, die aber schon längere Zeit vor 1774 nicht mehr 
arbeitete (Zirkel -Korresp. fon 1874, S. 60, Note **). In der Matrikel 
der Gr.- Loge findet sich diese nicht. Auch in dem Verzeichniss der 
erloschenen Logen findet sich keine Nachricht, wohl aber wird anter 
N. 27 die am 23. Juni 1761 gegründete Schottenloge zu Gotha auf- 
gefUhrt. Am 25. Juni 1774 hatten sich zu Gotha einige Brr., darunter 
der Pagenhofmeister Dumpf, der Schauspieler Seyler mit den zu 
•einer Gesellschaft gehörigen Schauspielern Eckhof, Hensel, 
Brandes u. A., in dem Gasthof, genannt der Mohr, versammelt, um 
das Job.- Fest zu feiern. Bei dieser Gelegenheit war der Vorschlag 
gemacht, eine wirkliche Freimaurer -Loge zu errichten und ihr den 
Namen „Kosmopolit*^ beizulegen. Noch in demselben Jahr trat die 
Johannisloge „zum Kosmopolit** in Arbeit unter dem meisterlichen 
Hammer des berühmten Schauspielers Br. £ckhof. Bereits im Juli 
detielben Jahres wurde durch ihn der regierende Herzog £rnst Ton 
Gotha, nachmals Qrossmeister der Gr. Landesloge von Deutschland, 
und dessen Bruder, der Herzog August von Gotha, dort in den Orden 
aufgenommen. In Folge dieses Ereigniues nahm die Loge den Namen 



— 132 — 

1806 die Loge „zum schwarzen Bären" in Hannover*). 
Neu gegründet wurden: 
zu Posen'*''*') die Johannisloge „ Friedrich Wilhelm zur 

beglückenden Eintracht*'; 
zu Osnabrück die Johannisloge „zum goldenen Rade'. 

Nach dem im Oktober 1806 stattgefundenen feindlichen 
Einfall in die Hauptstadt fand es die Grosse National-Mutter- 
loge für geraten, bei ihren hiesigen Tochterlogen alle 
maurerischen Arbeiten einzustellen, um jede Berührung mit 
den Brm. der französischen Armee zu vermeiden. 

Das Direktorium, die Mutterloge und ihre Verwaltungs- 
Abteilungen blieben aber in voller Thätigkeit und ver- 
sammelten sich zu regelmässigen Beratungen, um sowohl 



„zum BantenkraDz^ an. Sie wurde unter diesem Namen von der Gr. 
Landesloge Ton Deutschland am 21. Oktober d. J. errichtet, schloss rieh 
unter dem Namen „zum Kompass^ am 30. Januar 1785 dem Eklektischen 
Bund an, trennte sich jedoch 1790 von diesem und arbeitete nach dem 
Ritual des „(Bodeschen) Bundes der deutschen Freimaurerei**. Am 
11. Dezember 1793 stellte sie auf landesherrlichen Befehl ihre Arbeit 
ein und beschloss am 29. Mai 1801 ihre Auflösung. Am 30. Januar 1806 
wurde sie von neuem in Anwesenheit des National -Grossmeisters 
T. Guionneau eröffnet, nahm den Namen „Ernst zum Kompass** an 
und erhielt am 17. Februar die Stiftungs-Ürkunde, die Statuten und die 
Rituale der 3 Job.- Grade von der Grossen National-Mutterloge zu den 
3 Weltkugeln. (Reinhardts Versuch einer Geschichte der Loge „Ernst 
zum Kompass** und ihrer älteren Schwester i. 0. von Gotha. 1824.) 

*) Am 17. März 1774 von der Loge „zum goldenen Zirkel*' in 
Göttingen nach dem System der Grossen Landesloge von Deutschland 
gegründet, trat die Loge „zum schwarzen Bären^ 1806 unserer Mutterloge 
bei, 1816 zur „Provinzialloge von Hannover", 1828 zur „Grossen Landes- 
loge von Hannovei^ und 1868 zur „Grossloge Royal York". 

**) Bereits im Jahr 1780 war in Posen eine Loge „zur gekrönten 
Beständigkeit errichtet worden durch die Loge Royal York zur Freund- 
schaft, welche jedoch angeblich 1794 ausser Thätigkeit trat l*emer 
war dort im Jahr 1808 eine Loge „les Fran^ois et les Polonois räunis** 
von dem Gross-Orient von Frankreich errichtet worden. Die Mitglieder 
dieser Loge traten der im Jahr 1812 errichteten neuen Loge „Piast zu 
den drei Sarmatischen Säulen" bei Die Loge vereinigte sich 1820 mit 
„Friedrich Wilhelm zur gekrönten Beständigkeit" unter dem Namen 
„zum Tempel der Eintracht". 



— 133 — 

die Verwaltang des hiesigen Logen eigentums za besorgen, 1806 
als aach um den Logenband möglichst zusammenzahalten. 

Unter die merkwürdigeren Ereignisse dieses Jahres gehört 
die Stiftang des Gräflich v. Malachowsky^schen Stipendiums. 

Es finden sich hierüber in den Niederschriften der Gross- 
loge folgende Mittheilungen: 

Vom 12. Dezember 1805. 

„Ein Graf v.Malacho wsky, k. k. Eammerherr, welcher 
in Galizien beträchtliche Güter besitzt, hat sich bei dem 
hochwürdigen deputirten Grossmeister Br. Elaproth 
sowohl schriftlich als persönlich legitimirt und um die 
Aufnahme in unseren Orden dringend gebeten. Er 
provozirt auf die Bekanntschaft mit dem General Grafen 
V. Kaikreuth und dem hiesigen Kaiserlichen Gesandten, 
Grafen v. Metternich, daer ausserdem hier unbekannt 
sei. Da niemand von den anwesenden Brrn. diese Männer 
genau kennt, und also auch von Keinem eine Bürgschaft 
übernommen werden konnte, so übernahm es der Br. 
Bock, sich bei dem Kaiserlichen Gesandten persönlich 
nach ihm zu erkundigen. 

Bei der Ballotage darüber, ob der Aspirant sofort 
ohne weitere Umstände rezipirt werden sollte, wenn der 
Bericht über den Aspiranten günstig ausfalle, fanden 
sich 11 eckige Steine, weshalb er nicht in dieser ausser- 
ordentlichen Weise, sondern nur in der gewöhnlichen 
Weise proponirt werden kann.** 

Vom 6. März 1806. 

„Der Hochw. berichtet über die geschehene Aufnahme 
des Br. Grafen v. Malachowsky und über dessen der 
Loge gemachten ansehnlichen Geschenke, und wurde von 
dem Hochw. der vorläufige Antrag gestellt, dass von 
dem Ueberschuss seiner der Loge gemachten ansehnlichen 
Geschenke ein sogenanntes Graf v. Malachowsky'sches 
Stipendium zu seinem immerwährenden ehrenvollen 
Andenken gestiftet werde, worüber jedoch das Nähere 
verabredet werden solle. ^ 



— 134 — 

1806 Bei seinem Abgang von Berlin binterliess der Br. Graf 
V. Malachowsky nämlich der Mutterloge ein kostbares 
Geschenk an silbernen Leuchtern und Logengeräthen, so¥de 
700 Thaler für die Armenkasse. 

1807 Gegen Johannis 1807 brachte sich dieser eifrige Maurer 
durch ein brüderliches Schreiben der Loge in Erinnerung 
und fügte eine abermalige Gabe von 1000 Thalem dem 
Schreiben bei. Die Loge beschloss, aus diesen Schen- 
kungen das V. Malachowsky 'sehe Stipendium von 
50 Thalem jährlich zu stiften mit derselben Bestimmung 
wie das Zöllner'sche Stipendium. — 

Die politischen Ereignisse und die daraus entstandenen 
Gebietsveränderungen des Preussischen Staates verhinderten 
die unmittelbare Verbindung der Grossen National -Mutter- 
loge mit vielen ihrer durch Länderabtretungen nun zum 
Ausland gehörenden Tochterlogen. 

Nach der Errichtung des Königreichs Westphalen in 
diesem Jahr wurde in Kassel'*') eine Grossloge unter dem 
Namen „J^rome Napoleon de la Fid61it6" errichtet, unter 
welche sich alle in dem bunt zusammengewürfelten Reich 
befindlichen Logen stellen sollten. 

Um aber die Verbindung mit den bisherigen Tochterlogen 
nicht aufzugeben und einen leichteren, wenigstens mittelbaren 
Verkehr mit ihnen zu erhalten, gründete die Mutterloge im 
Jahr 1807 eine Provinzialloge zu Ansbach als Zwischen- 
behörde für ihre Tochterlogen in den an Bayern abgetretenen 
Landesteilen und eine Provinzialloge zu Magdeburg für die 
Tochterlogen, welche im neuen Königreich Westphalen lagen. 

Ausserdem wurden noch gegründet: zu Pappenheim: 
die Johannisloge „Karl zur Treue" **); zu Jena: die Johannis- 



*) Die Auflösung des Königreichs Westphalen im Jahr 1813 hatte 
auch die Auflösung dieser Grossloge zur Folge. Die kurhessischen Logen 
traten im Jahr 1817 unter eine Grossloge in Kassel, welche 
segensreich wirkte, bis im Jahr 1824 die sämmtlichen Freimaurer-Logen 
im Kurfürstentum durch die Staatsregierung geschlossen wurden. 

**) Der Schriftwechsel und das Mitglieder -Verzeichniss bis zum 
Jahr 1822 ist im ArduT vorhanden. 



— 135 — 

löge „Augosta zur gekrönten Hoffnung^*); za Leipzig: 1807 
die Johannisloge „zur aufgebenden Sonne***). 

In diesem Jahr fand auch eine engere Verbindung der 
drei Grosslogen in Berlin dadurch statt, dass vom 12. Dezember 
1807 ab ein Ausschuss, in welchem sich von jeder der 
Grossen Logen vier Abgeordnete befanden, zu monatlichen 
Beratungen über maurerische Gegenstände zusammentrat***). 

Auf Anregung dieses Vereins wurde durch Beschluss 
der drei Grosslogen im Jahr 1808 der noch jetzt fortbestehende, 
gemeinschaftliche, aus Mitgliedern aller drei Grosslogen 
zusammengesetzte Ausschuss zur Unterstützung hülfs- 
bedürftiger durchreisender Brüder gestiftet. 

Um bei dem Mangel an Logenarbeiten die hiesigen Brr. 
zusammen zu halten und ihnen die Drangsale der Zeit 
wenigstens augenblicklich zu verringern, wurden im Winter 
von 1807 und 1808 gesellschaftliche Zusammenkünfte im 
Logenhaus gehalten, zu welchen bloss die Brr. des Bundes 
der drei Weltkugeln Zutritt hatten. 

Mehrere der älteren kenntnissreichen Brr. hielten dabei 
Vorlesungen teils über maurerische, teils auch über wissen- 
schaftliche Gegenstände, und musikalische Unterhaltungen 
erheiterten die schwerbedrängten Gemüther der Brr. und 
ihrer Angehörigen. 



^) Diese Loge zu Jena, welche unter MarezolTs Hammer aehr 
grosses Ansehen genoss, musste im Jahr 1809, nachdem die Loge 
^Amalia** in Weimar erneuert worden, auf Befehl des Landesf&rsten 
ihre Arbeit einstellen. 

*^) Im Jahr 1809 wurden von den anderen Leipziger Logen gegen 
sie Beschwerden erhoben. Diese wurden begründet gefunden, und im 
Jahr 1810 die Auflösung von der Grossloge ferfügt 

^^) Der Beitritt anderer Grosslogen war als erwünscht bezeichnet 
worden. Jedoch nur die Grouloge zu Kassel schlosa sich im Jahr 
1810 an. Der durch die Vereinsakte Tom 6. Januar 1810 errichtete 
^Freimaurer -Verein der drei Grosten Logf*n zu Berlin** trat im Jahr 
18^ in Folge eines Zerwürfnisses der Orofsen Landesloge Ton Deutsch- 
land mit der Grossloge n^oj^l ^o^^ ^^^ Freundschaft** über die Loge 
in Rostock ausser Th&tigkeit 8. 8. 149 f. 



— 136 — 

1808 Am 19. Jali 1803 vereinigten sich die Grossmeiater 

V. Guionneau, v. Castillon und Klein, am dem 
König za seinem Geburtstag, den 3. Aagust, ein 
Glückwunschschreiben nach Königsberg zu schicken. Es 
heisst u. a. darin: 

„Wie verschieden auch die Rituale oder Systeme der 
drei Abtheilungen oder Grosslogen des Freimaurer- Vereins 
in den Preussischen Staaten sein mögen, so kommen sie 
doch in allen praktischen Wahrheiten, in demjenigen, 
was jeder bessere Mensch unter allen Verhältnissen als 
gut und recht erkennt, brüderlichst überein, vorzüglich 
aber in der standhaften Treue gegen Gott und Vaterland 
und in der gehorsamsten Anhänglichkeit an Ew. Majestät 
geheiligte Person. Eben deshalb glauben die von den 
einzelnen drei Abtheilungen gewählten Vorsteher oder 
Grossmeister, die hier Unterschriebenen, in der gegen- 
wärtigen verhängnissvollen Zeit, wo ernste Tugend und 
männlichen Sinn zu lehren ein noch dringenderes Bedürfniss 
als je ist, etwas zu dem Zwecke dienliches zu bewirken, 
wenn sie über gewisse Punkte sich näher verbinden. 
Ohne die verschiedenen Formen in ihren eigentlichen 
Arbeiten zu ändern, haben sie unter sich Grundsätze 
und Massregeln festgesetzt, wodurch die allgemeine 
Ordnung und die Würde des gesammten Freimaurer- 
Vereins noch mehr erhöht und gesichert wird" u. s. w. 

Die königliche Antwort, welche unser Archiv als ein 
Kleinod bewahrt, ist des Inhalts: 

„Bei dem Bestreben des Freimaurer -Vereines, Treue 
gegen Gott und Vaterland und Anhänglichkeit an den 
Landesherm zu befördern und bei ihrer noch engeren 
Verbindung dazu können ihre Bemühungen nicht anders 
als wohlthätig für das Ganze sein. Mit Rührung nehmen 
Se. Majestät von Preussen die Versicherung hierüber von 
den Repräsentanten der Vereine, Obrist v. Guionneau, 
Professor v. Castillon und Geh. Obertribunalsrath Klein, 
an und tragen Ihnen auf, von AUerh. Dero Dank für die 



— 137 — 

an Ihrem Geburtstage geäusserten Empfindungen und 1806 
Wünsche die Dolmetscher bei den Vereinen zu sein. 

Königsberg, den 5. August 1808. 

gez. Friedrich Wilhelm'. 

Nachdem die feindlichen Truppen die Hauptstadt 
geräumt hatten, wurden am 16. Dezember 1808 die Arbeiten 
vneder begonnen und von der Grossloge selbst eine feierliche 
Arbeit im ersten Grad gehalten. 

Inzwischen war am 13. September 1808 im Logen- 
garten ein Denkmal zur Erinnerung daran errichtet, dass 
vor 68 Jahren durch König Friedrich II. die Grosse 
National -Mutterloge gegründet worden war. 

In diesem Jahr ward die Johannisloge „zur Bundeskette** 
in Soest gegründet. 

Im März 1809 ward an die Stelle des bereits früher 1809 
gestorbenen Br. v. Rapin Br. Schmalz, Geh. Justizrat 
und Professor an der Universität, zum Mitglied des 
Direktoriums gewählt. Br. Klaproth II. wurde delegirter 
Altschottischer Obermeister. 

Die Rückkehr des Königs in seine Residenz ward 
durch ein Logenfest gefeiert, und es wurden aus der 
Logenkasse 150 Thaler verwendet, um die Kinder des 
Grossen Friedrichs-Waisenhauses zu speisen und ihnen 
Geschenke an Bekleidungsgegenständen zu gewähren. 

In Mannheim hatte 1807 der Fürst von Isenburg 
unter französischer Oberleitung einen Gross-Orient von 
Baden unter dem Namen „Karl zur Eintracht^ gegründet, 
bei welchem er selbst die Stelle eines Grossmeisters einnahm. 
Die Loge „Karl und Stephanie" zu Mannheim war die 
einzige Loge, welche unter diesem Gross- Orient arbeitete. 
Im Jahr 1809 hatten sich die Logen zu Karlsruhe, 
Freiburg i. B. und Heidelberg zum „Grossen Landes- 
logenverein von Baden'' verbunden. Beide Logenvereine 
wurden im Jahr 1813 durch die Staatsregierung aufgehoben, 



— 138 — 

1809 und erst im Jahr 1847 die Freimaurerei im Grossherzogthnm 
Baden wieder gestattet. 

In diesem Jahr wurden gegründet die Johannislogen: 
„Wilhelm zur Männerkraft^ zu Colberg; 
„zum Leoparden" zu Lübben*); 
^zur Einigkeit an der Ostsee" zu Rügenwalde**); 
„Teutonia zur Weisheit" zu Potsdam***); 

1810 Am 19. Mai 1810 starb der Bruder Karsten, und der 
Bruder Möller, Geheimer Justizrat, ward an dessen Stelle 
zum Mitglied des Direktoriums gewählt. 

Zu Landsberg a. d. Warthe wurde die Loge 
„St. Johannes zum schwarzen Adler" neu begründet. 

1811 Das Gross -Almosen -Amt wurde im Jahr 1811 unter 
Verleihung einer besonderen Grund Verfassung vom 16. Mai 
1710 eingesetzt. 

Der Provinzial- Grossmeister von Magdeburg, Bruder 
Graf v. d. Schulenburg-Emden, Präfekt des Königlich 
Westphälischen Eibdepartements, wollte die dortige 
Provinzialloge zur selbständigen Grossloge erheben, was 
jedoch von der Grossen National-Mutterloge nicht genehmigt 
wurde. Die darüber entstandenen Uneinigkeiten endigten 
damit, dass die Grosse National-Mutterloge im Jahr 1811 
die Provinzialloge zu Magdeburg aufhob und für die Brüder 
zwischen Rhein und Weser eine neue Provinzialloge zu 

*) Die Loge „zum Leoparden'' wurde 1860 nach Luckan verlegt. 

**) Diese Loge wurde im Jabr 1820 nach Schlawe verlegt und 
am 6. Juli 1834 ausser Thätigkeit gesetzt. 

*^*) Die Johannisloge „Sagesse^ zu Potsdam war am 3. Juli 1763 
durch den Bruder v. Buttler (Oberst) gegründet worden. Von ihr 
traten 10 Brüder zu der von dem Bruder v. Zinnendorf durch den 
Bruder v. Geusau am 13. Mai 1768 gegründeten neuen Johannisloge 
„Minerva*^ über, w&hrend 11 Brüder der „Sagesse^ treu blieben. Letztere 
schloss ihren Tempel im Jahr 1798 und ward als „Standhaftigkeit** neu 
gegründet durch die Grossloge Royal -York, ging aber 1852 wieder ein. 



— 139 — 

Hamm gründete. Die letztere wurde im Jahr 1821 wieder 1811 
aufgehoben. 

Die Logen za Minden, Osnabrück, Hildesheim 
and Halberstadt schlössen sich der Grossen National- 
Matterloge unmittelbar wieder an. 

Auch in Plock*) ward eine Provinzialloge unseres 
Bundes für das Grossherzogtum Warschau errichtet. 

Ausserdem wurden noch an Tochterlogen gegründet: 
zu Lomza die Loge „zum aufgehenden Morgenstern^; 
zu Lencziz die Loge „zur wahren Brüderschaft*'; 

zu Angerburg die Loge „Louise zum tröstenden 

Engel«**); 

zu Neu-Buppin die Loge „Ferdinand zum rothen Adler'; 

zu Heidelberg die Loge „Karl zur geprüften Treue"***). 

In diesem Jahr entstand femer zu Dresden ein 
selbständiger Logenverein , in welchem aus den Vertretern 
aller Sächsischen Logen die „Grosse Landesloge des König- 
reichs Sachsen" gebildet wurde. 

Diese Bundesbehörde nahm zwar für ihre eigenen 
Arbeiten das altenglische Ritual nach der deutschen 
Bearbeitung des Br. Schröder, Grossmeisters der Grossen 

*) Diese ProTinzialloge musste gleich den Logen zu Lomia and 
Lencziz auf Anordnung der SUatsregierung im Jahr 1821 ihre Arbeit 
einstellen. 

*^) Diese Loge meldete am 16. Juni 1829 ihre Aaflösang, nach- 
dem sie das LogengmndstQck wegen Kündigung der darauf lastenden 
Hypotheken verkauft hatte. 

^•) Seit dem Jahr 1784 besUnd zu Heidelberg bis 1806 die Loge 
„Karl zum Reichsapfel**. Sie wurd« am 26. Mai 1808 durch die Loge 
zu „den drei Schlüsseln** in Regeosburg neu errichtet Aus ihr zweigte 
sich 1809 ab die Loge „^^ltI zur deutschen Biederkeit**. Neben diesen 
beiden Logen wurde 1811 Ton unserer Lf-hrart die Loge n^i^Tl zor 
geprüften Treue** errichtet 1816 waren die 8 Logen ausser Th&tigkeit 
Seit 1866 besteht daselbst die Loge „Ruprecht zu den fünf Roten* 
unter der Grossen Loge zur Sonne in Bayreuth. Inzwischen war im 
Jahr 1807 daselbst durch den Gross- Orient fon Mannheim auch die 
Loge nKäTl zur guten Hoffnung** gegründet. 



— 140 — 

1811 Loge zu Hamburg, an, war aber so daldsam, dass sie 
denjenigen ihrer Bandeslogen, welche nach anderen Ritnalen 
arbeiteten, deren Beibehaltung gestattete und sich nur die 
obere Aufsicht über sie vorbehielt. Demgemäss wurde im 

1812 Jahr 1812 von der Grossen National -Mutterloge zu den 
drei Weltkugeln mit der Grossen Landesloge von Sachsen 
ein freundschaftlicher Vertrag abgeschlossen, nach welchem 
die Tochterloge „zur goldenen Mauer ^ in Bautzen in 
ritueller Bücksicht von ersterer abhängig blieb, im übrigen 
aber dem Bund der Grossen Landesloge von Sachsen beitrat 
und somit gemeinschaftliche Tochterloge beider Grosslogen 
wurde. 

Das Jahr 1812 entriss dem Direktorium zwei seiner 
Mitglieder, indem am 30. Mai der Br. Klaproth II. und am 
23. Juni der Br. Möller starben. Die dankbare Brüder- 
schaft errichtete im Garten der Loge dem Andenken des 
Br. Klaproth ein steinernes Denkmal. In ihre Stellen 
wurden die Br. Nolte, Oberkonsistorialrat, und v. Massen- 
bach, Genera] -Major, in das Direktorium gewählt. Der 
Bruder Marot, Eonsistorialrat und Prediger an der neuen 
Kirche zu Berlin, wurde delegirter Altschottischer Obermeister 
für Berlin. 

Die Durchsicht der Grundverfassung erfolgte am 
26. November, ohne dass eine wesentliche Aenderung in ihr 
vorgenommen worden wäre. 

Zu erwähnen ist, dass der Antrag des Prüfungs- Aus- 
schusses, bestehend aus den Brrn. Schmalz, Rosenstiel 
und Süvers: 

§ 4. Jede der verbündeten Johannislogen hat in der 
grossen Loge eine Stimme, und Niemand hat in ihr eine 
Stimme, als insofern er wirklich eine Johannisloge 
repräsentirt, mithin ruht auch die Stimme des abgeordneten 
Repräsentanten, wenn der Logenmeister oder deputirte 
Meister der auswärtigen Tochterloge hier gegenwärtig ist 
und selbst die Stimme führt 

nach dem Beschluss der Grossloge dahin abgeändert wurde: 



— 141 — 

Die Grosse National-Matterloge besteht aas den gesetzlich 1812 
von ihr gewählten aktiven Mitgliedern, welche verbanden 
sind, die Repräsentation der Tochterlogen za übernehmen, 
and dadarch in ihr den beständig bevolhnächtigten 
Beistand des Bandes za bilden. Aas den aktiven Mitgliedern 
der Grossen National-Matterloge wählen die Provinzial- 
and die St. Johannislogen Repräsentanten als ihre 
bevollmächtigten Sachwalter bei derselben. 

Die Zahl der Mitglieder der Grossen National-Matter- 
loge bestimmt sich nach dem Bedarf dergestalt, dass 
möglichst kein Br. mehr als eine Loge repräsentiren mass. 
Jedoch darf die Zahl nicht 7 mal 7 oder 49 übersteigen, 
and wenn der Band aas mehr als 49 aktiven Provinzial- 
and Tochterlogen bestände, so müssten so viele Brr. als 
nöthig wären, eine zweite, aach wohl eine dritte Loge 
als Repräsentant annehmen. 

Die Zahl der aktiven Mitglieder darf aber aach nie 
anter 5 mal 5 oder 25, and überhaapt keine Yersammlang 
in derselben eröffnet werden, wo nicht wenigstens 3 mal 
3 oder 9 aktive Mitglieder zugegen sind. Ein jedes aktive 
Mitglied hat bei der Stimmensammlang eine Stimme. 
Wenn Paria sind, hat der Grossraeister zwei Stimmen. 

Wenn der Logenmeister oder der depatirte Meister 
einer aaswärtigen Bandesloge zagegen ist, den 
anteren Grad hat, and eine Vollmacht seiner Loge vor- 
zeigt, so wird die Funktion des Repräsentanten als 
Sachwalters, nicht aber die Stimme als aktives Mitglied 
suspendirt. Ein solcher Logenmeister acqairirt jedoch 
dadurch für die Zeit seines Hierseins Sitz und Stimme in 
der Grossloge. 

Diese Grundsätze sind im Wesentlichen bis 1883 bei- 
behalten worden; seitdem ist dem oben wiedergegebenen 
Antrag des Prüfungs- Ausschusses in seinen Grandzügen 
entsprochen worden. 

Gestiftet wurden in diesem Jahr die Logen: 

„Piast zu den drei sarmatischen Säulen* zu Posen; 



— 142 — 

1812 „zur festen Barg an der Neide** zu Neidenbarg*); 
„Urania znr aufgehenden Sonne^ zn Stargard in West- 

preussen**); 
die Feldloge „Friedrich zur Vaterlandsliebe^, bei dem 

mobilen Armee-Corps in Coblenz; 
die Loge „Pythagoras zu den drei Höhen" in Liegnitz; 
„zum Stern der Hofl&iung"***) in Luckenwalde. 

1813 Im Jahre 1813 ist bloss die beim Ausbruch des Krieges 
gegen Frankreich erfolgte Stiftung der zweiten Feldloge bei 
der Armee zu bemerken, welche den Namen „zum eisernen 
Kreuz** erhielt. 

1814 Im Jahr 1814 ward aus freiwilligen jährlichen Beiträgen 
der meisten Tochterlogen eine Stiftung gegründet, aus welcher 
in Berlin studirenden hülfsbedürftigen Maurersöhnen Frei- 
tischgelder verabreicht wurden. 

Wenige Tage nach Ostern dieses Jahres soll zu Paris 
in einer Feldloge König Friedrich Wilhelm III. in den 
Orden aufgenommen worden sein. (Vergl. Allgemeines 
Handbuch der F. M. I, 458.) 

Im Mai schied der Br Schmalz aus dem Direktorium, 
und an seine Stelle wurde der Bruder v. Winterfeld I., 
Oberburggraf und Präsident, gewählt. 

Am 21. August wurde dem aus dem Felde zurückgekehrten 
Br. Fürsten Blücher von Wahlstatt, ein Festf) in der 
Mutterloge gegeben und dabei sein Bildniss enthüllt. 

Nachdem die Fremdherrschaft in Deutschland aufgehört 
hatte, traten auch mehrere in den befreiten Landesteilen 
gelegene Logen zu ihren alten Grosslogen zurück. 



*) Warde am 27. Juni 1820 geschlossen. 

**) Warde am 7. Januar 1826 geschlossen. 
*♦♦) Wurde am 22. April 1837 geschlossen. 

t) Bereits am 26. April 1813 hatte die Loge „Archimedes zu den 
drei Reissbrettem** im Orient Altenburg zu Ehren Blücher's eine 
Fest- und Tafelloge yeranstaltet, welcher dieser in Begleitung der 
Generale Brr. ▼. Gneisenau und Scharnhorst und des General- 
Intendanten Br. ▼. Ribbentropp beiwohnte; er begeisterte dabei die 
Brr. durch seine Worte. (Vergleiche Geschichte der Loge zu Alten- 
burg Ton Br. Henny L Altenburg 1868.) 



— 143 — 

Die Loge „Ferdinand zar Glückseligkeit^ in Magdeburg 1814 
wurde am 8. Oktober als Tochterloge wieder eingesetzt. 

In Erfurt hatten die Mitglieder der Loge „Karl zu den 
drei Rädern^ sich mancherlei Unregelmässigkeiten zu Schulden 
kommen lassen, weshalb diese Loge aufgelöst und aus einer 
Auswahl ihrer Mitglieder eine neue Loge gestiftet wurde, 
welche den Namen „Karl zu den drei Adlern^ erhielt. 
Angenommen wurden die Logen: 
„Julia Karolina zu den drei Helmen" in Helmstädt*); 
„zu den drei Verbündeten" in Düsseldorf**); und 
„zum Tempel der Freundschaft" in Heiligenstadt***). 
Im Jahr 1815 schlössen sich abermals mehrere Logen 1816 
dem Bund der drei Weltkugeln an. Es wurden angenommen 
die Logen 

„Zum vaterländischen Verein" zu Köln am Rhein f); 



*) Am 18. Juni 1812 war diese Loge tod der Miitterloge des 
Königreichs Westpbalen xu Kassel errichtet worden. In der Stiftungs- 
Urkunde war die Genehmigung zur Arbeit nach der Lehrart der Grossen 
National-Mntterloge „zu den drei Weltkugeln*' erteilt. 

**) Dort bestand bis dahin unter dem Grossen Orient Ton Frank- 
reich seit 1806 eine Johannisloge „zum heiligen Joachim**. 

*^) Diese Loge war am 9. Januar 1810 unter dem Namen „zur 
Freundschaft** Ton der Mntterloge des Königreichs Westphaleu an 
Kassel gegründet worden. 

t) Dort bestand in früherer Zeit eine Johannisloge „zum Geheimniss 
der drei Könige** (du Secret des III Rois), welche nach der unglanb- 
würdigen Ueberlieforung am 6. Januar 1705 (le Jour des m Rois) durch 
den Baron ▼. Catois als Abgeordneten der Grossloge „Kasimir zu den 
neun Sternen** im Orient Prag geweiht sein sollte und Ton dem Gross- 
Orient Ton Frankreich am 24. Februar 1776 eine Urkunde erbalten hat 
Im Jahr 1783 war die Loge ausser Tli&tigkeit; im Jahr 1786 erneuert, 
stellte sie im Jahr 1788 wegen der Verfolgung durch die Katholiken 
ihre Arbeit bis zum Jahr 1804 nochmals ein, und wurde dann vom Gross- 
Orient Ton Krankreich wieder errichtet Durch die Grosse Logo „Hoyal 
York" im Jahr 1816 angenommen und demnächst im Jahr 1824 unter 
dem Namen ,,Agrippina** neu gegründet, trat sie 1849 ausser Th&tigkeit 
Von der im Jahr 1778 gegründeten Loge der strikten Obsenranz, 
genannt ,, Maximilian zu den 8 Lilien** ist etwas N&heres nicht bekannt 

Von Brüdern der Loge „du secret des III Rois**, auch genannt 
,,des III Mages** wurde 1811 eine Loge de la Nais&anoe du Roi de 



— 144 — 

1816 pJanus"*) zu Bromberg**), und 

„zur Standhaftigkeit" ***) zu Posen. 
Neu gegründet wurden die Logen: 
^Herrmann zum Lande der Berge^ zu Elberfeld; 
„Friedrich Wilhelm zum eisernen Kreuz*' f) zu Herrnstadt 
in Schlesien; 



Borne gegründet, welche nach dem Sturz des französischen Kaiser- 
reichs den Namen „Minerva zum vaterländischen Verein^ annahm. 
Nachdem diese den höheren Graden der französischen Maarerei auf 
Verlaugen der Grossen National-Mutterloge zu den 3 Weltkugeln entsagt 
hatte, wurde sie von letzterer 1815 angenommen, und yn Jahr 1816 
die Schotteuloge Herodom dort gegründet. (Böhmers Geschichte der 
Logen in Köln a. Rh. 1873.) 

*) 1800 von der Grossen Landesloj^e von Deutschland gestiftet 

**) Auf den Antrag des Kriegs- und Domänen -Rates Rördanz 
und des Kriegsrats und Oberproviantmeisters Bein zu Bromberg 
erteilte die Grossloge Royal York zur Freundschaft mittels Schreibens 
vom 30. Juni 1784 die Erlaubniss, dort eine „Kommissions**-Loge unter 
dem Namen „La Fid^lit^ aux III Colombes*' zu errichten. Bis zum 
10. Dezember 1784 waren 25 neue Mitglieder aufgenommen, und am 
10. Dezember erfolgte die Errichtung einer vollständigen Loge unter 
Beibehaltung des bisherigen Namens auf Grund der Urkunde vom 
19. November 1784. Die Ablehnung der Fessler'schen Reform hatte 
die Trennung der Loge von dem Bund der Grossloge Royal York zufolge 
Beschlusses vom 25. Februar 18G0 herbeigeführt. Der Anschluss an die 
Grosse Landesloge von Deutschland wurde von dieser bereits mittels 
Schreibens vom 17. März 1800 genehmigt, und auf Grund des von 
letzterer erteilten Freiheitsbriefes vom 10. April 1800 die neue Loge 
^Janus** am 5. August 1800 eröffnet. 

Nach dem Tilsiter Frieden, durch welchen Bromberg dem 
Herzogtum Warschau zufiel, wurde die Loge durch die Polizeibehörde 
aufgehoben, weil sie der Aufforderung der Grossloge „zum Oststem*' 
vom 26. Dezember 1809, ihrem Bund sich anzuschliessen, nicht nach- 
gekommen war. Mittels Schreibens der Grossen Landesloge von 
Deutschland vom 31. Januar 1812 aus deren Bund entlassen, betrieb 
sie ihren Anschluss an die Grossloge von Warschau und trat am 
17. Februar 1812 unter dem Namen „zum Ritterkreuz** dieser bei. 
Während der Freiheitskriege blieb die LoHe geschlossen und eröffnete 
ihre Arbeiten am 9. Mai 1816 auf Grund der von unserer Grossloge 
vom 9. Dezember 1815 erteilten Urkunde. 

♦♦♦) 1809 vom Gross -Orient von Frankreich gestiftet. 

t) Seit dem Jahr 1827 geschlossen. 



— 145 — 

^Wahrheit und Eintracht za den sieben vereinigten Brüdern"^ 1815 
zu Jülich. 

Am 2. Februar 1816 ward dem Staats-Kanzler Fürsten 1816 
V. Hardenberg von der Grossloge, deren Ehrenmitglied er 
war, ein Fest ans Veranlassong der Enthüllung seines 
Bildnisses gegeben, welcher Feier auch der Fürst Blücher 
von Wahlstatt beiwohnte. 

In diesem Jahr trat die Englische Provinzial-Loge von 
Hannover wieder in Thätigkeit unter der Leitung des Ober- 
stallmeisters Grafen v. Eielmannsegge und seiner Vertreter 
des Geh. Kabinetsrats Falke und des Rats Heiliger. 

Im Juni dieses Jahres liess der König der Niederlande seinen 
zweiten Sohn, den Prinzen Friedrich, nachmals Grossmeister 
der Niederländischen Logen, durch seinen Gesandten, den 
Br. V. Perponcher, zur Aufnahme bei der Grossen National- 
Mutterloge zu den drei Weltkugeln in Vorschlag bringen. 
Die Mutterloge bestimmte zu der Aufnahme für diesen 
besonderen Fall aus ihrer Mitte eine Abordnungsloge, in 
welcher der Prinz unter Hammerführung des National-Gross- 
meisters, Brs. v. Guionneau, aufgenommen und noch während 
seiner einige Monate dauernden Anwesenheit in Berlin in 
den zweiten und dritten Grad befördert wurde. 

In Aachen*) wurde die Loge ,zur Beständigkeit und 
Eintracht als Tochterloge angenommen. 



^) Am 16. September 1778 hatte die Direktorial -Loge „Joseph 
zum Reichs- Adler ^ za Wetzlar die bisher in Aachen befindliche 
St. Johannisloge „zur fiest&Ddigkeit** unter Verleihung des 
Altscb ottischen Ritus erneuert Der Magistrat Ton Aachen 
untersagte mittels Verordnung Tom 26. M&rz 1779 bei Androhung 
einer Geldbusse Ton ICO Goldgulden Jede Teilnahme an dieser Loge. 
<Astraea ▼. J. 1826 S. 96 und ▼. J. 1829 S. 16a.) Auf Verwendung des 
Erbprinzen von Darmstadt wurde diese Verordnung jedoch nach 
kurzer Zeit wieder aufgehoben. Seit dem Johannisschreiben dieser 
Loge Ton 1788 findet sich in den Akten der National -Mutterloge 
keine Nachricht über sie; sie scheint bald darauf ausser Thitigkeit 
getreten zu sein. 

Unter dem Namen ,,la Constance*^ setzte der Gross- Orient von 
Frankreich im Jahr 1799 eine neue Johannisloge zu Aachen ein und 
awar durch Vermittelung der Loge „du Beeret des III Rois*" m Köln. 

GMch. d. Or. Nftt- MatUr • I/Oir*. 10 



— 146 — 

1816 Zu Stolp*) in Pommern wurde die Loge ^ zur Morgen- 
rötbe des höheren Lichtes" gestiftet. 

1817 Im Jahr 1817 ward an Stelle des verewigten Brs» 
Klaproth L der Br. v. Beyer zum zugeordneten National- 
Grossmeister und der Br. Bellermann zum Mitglied de» 
Bundes-Direktoriums gewählt. 

In Koblenz bestand seit dem Jahr 1809 eine französisch» 
Loge unter dem Namen „l'Union d^siräe*', und ausserdenk 
befanden sich dort bei der Besatzung viele Brr. der zur 
Grossen National-Mutterloge gehörigen Feldloge „Friedrieb 
zur Vaterlandsliebe " mit dem Archiv dieser letzteren. Ein» 
Vereinigung beider Logen kam zu Stande, und nun ward 
mit Beibehaltung des Namens der Feldloge eine neue Loge 
für Koblenz gestiftet. Ausserdem wurden noch in diesem 
Jahr gegründet: 

in Rathenow**) die Loge ^Treue und Stärke"; 

inWarendorf***) inWestphalen die Loge „das schützende 
Thor"; 

in Oppeln die Loge „Psyche "; 

in Bernburg f) die Loge „Alexius zur Beständigkeit" 



Am 3. August 1803 errichtete der Gross -Orieot tod Frankreich eine 
iweite Johannisloge zu Aachen unter dem Namen „la Concorde*". 
Diese trennte sich jedoch bald vom Gross-Orient und schloss sich dem 
schottischen Ritus zu Paris an. Beide Logen einigten sich am 
5. Mai 1814 unter dem Namen ^Best&ndigkeh und Eintracht^. Nach 
der preussischen BesitiDahme Ton Aachen schloss sich diese Loge 
im Jahr 1817 der Lehrart der Grossen National -Mutterloge zu den 
drei Weltkugeln an. 

*) Zu Stolp sollen in früheren Jahren nach Lehrart der Grossen 
Landealoge tou Deutschland die Johannislogen ^zum Tempel der 
Tugend^ und (seit 1776) «zum rothen Löwen '^ bestanden haben. Id 
unterem Archi? finden sich keine Nachrichten hierüber. 

**) Am la Dezember 18^ ausser Th&tigkett gesetzt 

•^) Am 27. Avgott 1810 geschlossen. 

t) Bereits im Jahr 1812 bildete sich in Bernburg ein maorerisdier 
Verein. Am 2L September 1817 erteüte der regiereiide Herzog Alexins 
ein Protektorium zur Errichtung einer Loge. (Geschichte der Loge 
.Alexius'' Ton 1818— 184a Bernburg 1845.) 



— 147 — 

and in Mühibansen i. Th. die Loge ^Hermann zur 1817 
Deutschen Treue". 

Im Jahr 1818 starb der Br. v. Beyer, und an seine 1818 
Stelle ward der Br. Nolte, Professor, zum zugeordneten 
National-Grossmeister, und der Br. Winter feid II, Geheimer 
Ober-Finanzrat und Direktor der Wittwen- Anstalten, 
in das Bundes-Direktoriom gewählt. Da Br. v. Massenbach 
auf die Mitgliedschaft des Direktoriums verzichtete, wurde 
fOr ihn Br. Fischer, Professor und Mitglied der Akademie 
der Wissenschaften, gewählt. 

In diesem Jahr ward derErbgrossherzog von Mecklen- 
burg in der hiesigen Tochterloge ,,Zur Eintracht" aufgenommen 
und nach und nach weiter befördert, aach zum Ehrenmitglied 
der Mutterloge ernannt. 

Die Loge „Hercynia zum flammenden Stern" zu Goslar*) 
ward angenommen, und neugegründet wurden die Logen: 

„Luise zur Unsterblichkeit"**) zu Meseritz; 
sowie 

,drei Thore des Tempels" zu Rastenburg. 

Im Jahr 1819 beschloss die Mutterloge, dem Andenken 1819 
des verewigten zugeordneten National-Grossmeisters Brs. 
Klaproth I ein Denkmal zu stiften, wozu aus der Logen- 
kasse ein Grundstock von 1000 Thalem bestimmt wurde, 
um aus dessen Zinsen studierenden bedürftigen Maurersöhnen 
ein Stipendium unter dem Namen des Klaproth^schen zu 
gewähren. 

In diesem Jahr wurde am 6. April der „Verbindungs- 
und Freundschafts- Traktat^ der Grossen Landesloge von 
Deutschland mit der Grossloge von Schweden errichtet. 

Die beiden in Posen arbeitenden Logen „Piast zu den 1880 
drei sarmatischen Säulen^ und „zur Standhaftigkeit ^ ver- 



*) Am 24. Juni 1809 war diese Loge tod der Qrossen Loge too 
Westphslen errichtet worden. Sie trat 1866 aaf Weisung ihres Königs 
nir Qrotsloge Ton Hannorer und nach Anflösong der letzteren 1869 
wieder za unterer Grossloge zurück. 

**) Im Jahr 1831 trat diese Loge ausser Th&tigkeit, wurde jedoch 
1836 emenf 



10* 



— 148 — 

1820 einigten sich za einer Loge, welche unter dem Namen „zum 
stillen Tempel der Eintracht^ in die Bandesmatrikel einge- 
tragen wurde. 

Ausserdem wurden in diesem Jahr gegründet die Logen: 
„Friedrich zur Vaterlandstreue^ in Gardelegen*); 
„Drei Rosen im Walde^ zu Sorau; 
„Drei weisse Felsen** zu Weissenfeis**); 
„Borussia** zu Schneidemühl; 
„Ritterkreuz** zu Inowrazlaw***); 
„Feste Burg an der Saale** zu Calbe a. d. Saale; 
„Deutsche Burg** zu Duisburgf) am Rhein. 

1821 Im Jahre 1821 wurden gestiftet: 

die Militärloge „ Blücher von Wahlstatt ** bei der Besatzung 
von Luxemburgff). 

Femer die Logen: 
„Asträa** zu Wolmirstedt, und 
„Adamas zur heiligen Burg** zu Burg. 

Gegen Ende dieses Jahres wurden auf Befehl der russischen 
Regierung die Logen im Königreich Polen geschlossen und 
mit ihnen auch die dortigen diesseitigen Tochterlogen. Dieser 

1822 Massregel folgte zu Anfang des Jahres 1822 der kaiserliche 
Befehl zur Schliessung sämmtlicher Logen im ganzen 
russischen Reich. 

Die Grosse National -Mutterloge fand sich dadurch 
bewogen, allen ihren in der Nähe der Ostgrenze des 
preussischen Staates gelegenen Tochterlogen von Oppeln bis 



*) Im Jahr 1838 geschlossen. 

**) Im Jahr 1786 war die Loge „Zum Zirkel der Eintracht'' dort 
errichtet worden von der Matterloge ^za den 3 Schwertern*' in Dresden. 
1817 trat diese zur Grossloge ^Royal York** Ober, wurde aber 1824 
geschlossen. 

^**) Im Jahr 1826 geschlossen. Im Jahr 1886 (6. Juni) ist in 
Inowrazlaw eine neue Loge ^Zam Licht im Osten** errichtet worden. 

t) In den Jahren 1785 bis 1789 bestand in Duisbarg eine Loge 
„zur Hoffnung** nach der Lehrart des Eklektischen Bundes. 

tt) Nach Zurückziehung der dortigen preussischen Besatzung im 
Jahr 1867 wurde die Loge nach Charlottenburg verlegt 



— 149 — 

Hemel zn nntersageii, rassische Unterthanen zu Freimaurern 1882 
aufzanehmen, um keine Veranlassung zu politischem Argwohn 
oder zu Beschwerden von dort her zu geben. 

In die Stelle des verstorbenen Brs. v. Winterfeld I 
ward der Er. Kühn, Kanzlei -Direktor beim Oberbergamt, 
zum Mitglied des Bundes-Direktoriums erwählt. 

Es wurden gegründet: 
zu Siegen die Loge »drei eiserne Berge^; 
zu Arnswalde die Loge „Friedrich Wilhelm zur Hoffnung^. 

In der Loge „zu den drei Sternen^ in Rostock, welche 1828 
1760 von der Grossen Mutterloge zu den drei Weltkugeln 
gestiftet worden war, nach dem Aufhören der strikten 
Observanz sich der englischen Grossloge angeschlossen hatte 
und späterhin der Grossen Loge von Hamburg als Tochterloge 
beigetreten war, entstand eine Spaltung, bei der ein 
Teil ihrer Mitglieder zur Grossen Landesloge von Deutschland 
überging und von dieser als Loge „zu den drei Sternen^ 
anerkannt und angenommen wurde, während der andere Teil 
der Mitglieder die alte Loge unter demselben Namen fortsetzte, 
so dass beide Teile behaupteten, die alte Loge „zu den drei 
Sternen^ zu sein und als solche Anspruch auf das Logen- 
vermögen machten. Hierüber kam es zu einem Zwist zwischen 
der Grossen Landesloge von Deutschland und der Grossen 
Loge zu Hamburg. Letztere brachte die Sache durch ihren 
Vertreter bei der ihr näher verbündeten Grossen Loge 
„Royal York zur Freundschaft" in dem Berliner Gross-Logen- 
verein zur Sprache. Die Unterhandlungen bewirkten Spannung 
zwischen der Grossen Landesloge von Deutschland und der 
Loge „Royal York zur Freundschaft*'. Da nun auch die 
mehrfachen Bemühungen der Grossen National ~ Mutter löge, 
eine freundliche Ausgleichung herbeizuführen, damals 
fruchtlos blieben, zog diese Spannung das Aufhören 
der Beratungen des Berliner Gross-Logenvereins nach 
sich. Selbst später und zwar im Jahr 1828, als durch 
einen Vergleich der beiden Rostocker Logen „zu den drei 
Sternen" und dadurch, dass die von der Grossen Landesloge 
von Deutschland errichtete jüngere Loge dieses Namens den 



— 150 — 

1828 Beinamen „ Irene ^ angenommen hatte, die ganze Angelegenheit 
ausgeglichen und der Vergessenheit übergeben war, blieb 
dennoch die Thätigkeit des Gross-Logenvereins stillschweigend 
aufgehoben. 

Die seit dem Jahr 1766 als Englische Provinzialloge 
von Franken, Ober- und Niederrhein zu Frankfurt a. M. 
arbeitende Grossloge erachtete es als eine Verletzung ihres 
Sprengelrechtes, dass der Grossmeister der Englischen Gross- 
loge, Herzog von Sussex, der Loge „zur aufgehenden 
Morgenröthe" in Frankfurt a. M. (gestiftet 1808 vom 
Gross -Orient von Frankreich, welche Juden zu Mitgliedern 
aufnahm) im Jahr 1817 eine Stiftungsurkunde erteilt hatte. 
Nach jahrelangen fruchtlosen Verhandlungen mit der 
Englischen Grossloge erklärte sich die Provinzialloge zu 
Frankfurt a. M. für unabhängig und arbeitet seit 1823 
als „Grossloge des Eklektischen Freimaurerbundes ^. 

Im Jahr 1823 wurde die Johannis- Tochterloge: 

„Franz zum treuen Herzen" in Greiffenhagen gegründet. 

1824 1824 stiftete die Grosse National -Mutterloge: 

zu Warmbrunn die Loge „zur heissen Quelle" und 

zu Oels die Loge „Wilhelm zur gekrönten Säule". 

In die Stelle des verstorbenen Br. v. Winterfeld II. 
wurde der Br. v. Diederichs, Wirklicher Geheimer Ober- 
Justizrat, so wie auch für den wegen hohen Alters aus- 
getretenen Br. Gohl der Br. Piaste, Kassirer bei der 
Königlichen General-Militär-Kasse, zu Mitgliedern des Bundes- 
Direktoriums erwählt. Für den Br. Gohl wurde der 
Br. Kühn zum Gross-Archivar ernannt. 

Am 7. November 1824 ward das öOjährige maurerische 
Jubiläum des National-Grossmeisters, Br v. Guionneau, 
festlich begangen und zum bleibenden Gedächtniss aus dem 
Vermögen der Grossloge unter dem Namen des Gefeierten 
ein Stipendium für bedürftige studirende Maurersöhne von 
jährlich 50 Thalem gestiftet sowie eine Denkmünze geschlagen. 
(Merzdorf, Denkmünzen, S. 5, No. 10.) 



— 151 — 

Ein zweites Stipendium gleichen Betrages, das ld84 
Elsasser'scbe, wurde durch ein Vermächtniss von 
1000 Thalem gegründet, welche Summe der am 18. April 
gestorbene Kaufmann Elsasser, Mitglied der Johannisloge 
,zu den drei Seraphim ** und ordentliches Mitglied der Mutter- 
loge, in seinem Testament ausdrücklich für diesen Zweck 
überwiesen hatte. 

Im Jahr 1825 ward zu Krotoszyn die Loge „Tempel 1885 
der Pflichttreue" gegründet. 

Aus den im Lauf der Zeit durch das Bedürfniss herbei- 
geführten Beschlüssen und gesetzlichen Bestimmungen der 
Bundesbehörden wurde ein Anhang zu den Statuten vom 
Jahr 1799 zusammengestellt, unterm 17. November 1825 durch 
den Druck bekannt gemacht und den Tochterlogen übergeben. 

Die bereits im Jahr 1823 wegen Ungehorsams einstweilen 
aufgehobene Loge „zu den drei Hämmern" zu Halberstadt 
ward durch Beschluss der Grossloge vom 3. März 1825 für 
geschlossen erklärt und den ausgetretenen Brm. die Entlassungs- 
urkunde erteilt. Später wurde sie durch Beschluss der 
Grossloge vom 23. Juli 1835 wieder eröfhet. 

Die nächsten Jahre verflossen der Mutterloge in 
gewöhnlicher Thätigkeit, ohne dass besonders bemerkenswerte 
Ereignisse eintraten. Im Jahr 1828 legte der Br. Nolte wegen 1888 
überhäufter Berufsgeschäfte seine Stelle als zugeordneter 
National-Grossmeister nieder, blieb aber als thätiges Mitglied 
im Direktorium und ward zum Ehren -Zugeordneten National- 
Grossmeister ernannt. 

Die Wahl zum zugeordneten Grossmeister fiel auf den 
Br. Bellermann, Oberkonsistorialrat und Direktor des 
Berlinischen und Köllnischen Gymnasiums. 

Am 1. November 1828 hatte die Provinzialloge zu 
Hannover, welche seit 1816 ihr früheres*) Verhältniss 



^) Seit dem Jahr 1807, wo HaoDOTer dem Königreich Westphalen 
einTerleibt wurde und der Verkehr mit der Motterloge in London 
erschwert war, hatte die Hannorersche ProTiniialloge der Hamburger 
Grossloge sich angetchlosien , nachdem sie schon früher das 
Sehr öder sehe System angenommen halte. 



— 152 — 

1828 zur Grossloge von England wieder hergestellt hatte, als Gross- 
loge von Hannover sich selbständig erklärt und den Herzog 
von Cumberlandzu ihrem Grossmeister erwählt. Zu diesem 
Zweck hatten die drei in Hannover selbst arbeitenden 
Logen „Friedrich zum weissen Pferde^, „zum schwarzen 
Bären ^ nnd ,zar Geder* sich miteinander verbanden. Doch 
schlössen sich nicht alle im Königreich Hannover bestehenden 
Johannislogen *) dieser Grossloge an. Die neue Verfassung, 
mit deren Ausarbeitung der Br. Blumenhagen betraut 
worden, wurde am 1. November 1832 als Gesetz verkündet. 

In demselben Jahr nahm die bisher ruhende Loge , zum 
Leopard^ in Lübben ihre Arbeit wieder auf. 

1829 Im Jahr 1829 verlor die Grossloge den um die Lehre 
des Bundes durch Prüfung der Rituale und Instruktionen, 
so wie um die Geschichte des Bundes durch Ausarbeiten 
der „Annalen des Bundes^ so verdienten Br. v. Guionneau 
durch den Tod. An seine Stelle ward der Br. Rosenstiel, 
Geheimer Ober-Finanzrat, zum Mitglied des Bundes- 
Direktoriums und bei der nächsten Beamtenwahl zumNational- 
Grossmeister gewählt. Für die erledigte Stelle des Alt-, 
schottischen Obermeisters fiel die Wahl auf den Br. Nolte. 

In diesem Jahr wurde das 50 jährige Maurer- Jubiläum 
des zugeordneten Grossmeisters, Br. Bellermann, von der 
Mutterloge feierlich begangen. 

In Bayreuth hatte sich die im Jahr 1741 durch den 
regierenden Markgrafen Karl von Bayreuth errichtete, seit 
1776 zur strikten Observanz gehörige Loge „zur Sonne ^, 
nachdem sie seit 1800 Provinzialloge der Grossloge „Royal 
York zur Freundschaft^ gewesen war, für selbständig erklärt, 
und den Titel einer „Grossen Mutterloge der Freimaurerei zur 
Sonne ^ angenommen. 

Gestiftet ward die Loge „zur Perle am Berge '^ in 
Perleberg. 



^) Erst nachdem König Georg V. am 14. Januar 1857 den 
grossmeisterlichen Hammer übernommen, schlössen sich aaf dessen 
Anordnung s&mmtliche Logen des Königreichs Hannover dieser Gross- 
loge an. (Bandesblatt 1900, Heft 2, 8. 51 ff.) 



— 153 — 

1830 wurde in die Stelle des verstorbenen Br. Kühn 1880 
der Br. Matzdorff L, Königlicher Kommerzienrat and 
Lotterie-Einnehmer, zum Mitglied des Direktoriums gewählt. 

Gestiftet ward die Loge „Westphalia zur Eintracht^ in 
Arnsberg*). 

In der Vierteljahrs-Versammlung vom 2. Dezember ward 
beschlossen, dass die allgemeine Trauerloge künftig alljährlich 
nicht mehr am 30. November, sondern am 2. November, 
dem Tage aller Seelen, gehalten werden sollte. 

Im Jahr 1831 feierte die National -Mutterloge das 1831 
50jährige Maurer-Jubiläum ihres Grossmeisters, des Br. 
Rosenstiel, auf das Festlichste. 

In demselben Jahr wurde ihr der Br. Fischer durch 
den Tod entrissen, und sie wählte an dessen Stelle den Br. 
Poselger, Dr. phil. und Professor, in das Bundes-Direktorium. 

Ein zweiter harter Schlag traf die Grosse Loge am 1882 
18. März 1832 durch den Tod des National-Grossmeisters, 
Br. Rosenstiel, dessen umsichtiger Leitung sich die Loge 
nur wenige Jahre hatte erfreuen können. 

An seine Stelle wählte die Mutterloge den Meister vom 
Stuhl der Johannisloge „zu den drei Seraphim^ Br. Kluge, 
Geheimen Medizinalrat und Direktor der Charit^, zum 
Mitglied des Bundes -Direktoriums und den Br. Poselger 
zum National -Grossmeister. 

Die Verluste der Bundesbehörde häuften sich noch 
dadurch, dass bald nach dem Tod des Grossmeisters auch 
der frühere* zugeordnete Grossmeister, Br. Nolte, starb, 
ond der Br. Piaste durch Alter und überhäufte 
Geschäfte in seiner dienstlichen Stellung bewogen wurde, 
der Mitgliedschaft des Bundes-Direktoriums freiwillig 
zu entsagen. Es wurden nun die Brr. Klug, Dr. med. 
und Geheimer Ober-Medizinalrat, und Behrend, Kriegsrat 
und Geheimer Registrator, für das Direktorium gewählt, und 
dem Br. Kluge das Amt des Altschottischen Obermeisters 
übertragen. 

*) Diese Loge stellte am 7. MArs 1869 ihre Arbeiten ein. 



~ 154 — 

1832 Die Verlegung der Johannisloge „zur heissen Quelle^ 
aus Warmbrunn nach Hirschberg ward von der Matter- 
ioge genehmigt. 

Neu gestiftet wurde die Loge „zum Stern St. Johannis" 
in Zielenzig. 

In der Sitzung der Grossloge vom 6. Dezember 1832 
vnirde das bisherige Verfahren, dass die Haupt-Logen- 
Eassen- Rechnungen bei sämmtlichen Mitgliedern der Gross- 
loge umliefen, dahin geändert;, dass ein Rechnungs- 
Prfifungs-Ausschuss eingesetzt wurde. 

Ein Teil der zum Logen-Grundstück gehörenden Gebäude, 
namentlich diejenigen, welche noch von dem Br. Grafen 
Truchses zur Zeit seines Besitzes des Grundstücks erbaut 
waren, hatten durch die Zeit sehr gelitten und befanden 
sich in einem Zustand, der eine grosse, gründliche, mithin 
kostspielige Wiederherstellung erforderte. 

Da nun bei der vermehrten Mitgliederzahl die für die 
Arbeiten der Mutterloge und ihrer hiesigen vier Tochter- 
logen bestimmten, im Jahr 1800 erbauten Räume nicht 
mehr ausreichten, ward der Beschluss gefasst, den grössten 
Theil der alten Gebäude abzutragen und ein neues 
Logengebäude aufzuführen, die bisherigen Arbeitsräume aber 
einer Veränderung zu unterwerfen und so das Ganze für die 
Versammlangen nutzbarer zu machen. 

Die besondere Leitung dieses Unternehmens wurde einem 
Ausschuss übertragen, bestehend aus: 

1. dem Gross -Schaffher Br. Brunkow, 

2. dem Gross-Schatzmeister Br. Falkenberg, 

3. dem Schriftführer der Schafherloge Br. Schwarz. 
Den Bau leitete als Baumeister der Hof- Bauinspektor 

Br. Hesse. 

Die Eassenverwaltnng hatte auch einer Erneuerung 
bedurft, und so wurde die Anweisung für das Gross-Schatzamt 
vom 15. Juni 1799 am 2. Juni 1832 geändert. 

1833 Am 28. September 1833 fand die Grundsteinlegung 
statt, und der Bau wurde aufgeführt durch den Rats- 
Maurermeister Br. Map p es und den Rats - Zimmermeister 



— 165 — 

Br. Richter. Der erst Ende 1835 vollendete Bau kostete 1888 
34,297 Thaler. 

Im Direktorium begannen in diesem Jahr die Beratungen 
über diejenigen Veränderungen, welche in den Ritualen sich 
als nothwendig erwiesen und welche auch von einzelnen 
Tochterlogen, namentlich von der Loge „zum Preussischen 
Adler" in Insterburg, angeregt waren. 

Der Grundsatz, welcher die durch ihre Brüder erwählten 
Mitglieder des Bundes bei dieser Arbeit leitete, war: bei einer 
sorgfältigen Bewahrung dessen, was geschichtlich begründet, 
durch die Zeit geheiligt und den Brm. durch Gewohnheit 
theuer geworden war, doch keine Änderung zu scheuen, 
welche aus einem wahrhaften geistigen Bedürfniss der vor- 
geschrittenen 2^it hervorginge. 

Die Brr. Pelkmann und Kanzler hatten auf den 
Wunsch der Mutterloge die Zusammenstellung eines neuen 
maurerischen Gesangbuches, der Erstere für den Text, der 
Letztere für die Musik übernommen. Dieses Buch erschien 
noch im Jahr 1833*) in Druck und ward für die Brr. zum 
Verkauf gestellt. 

Der Br. v. Diederichs, welcher seinen Wohnsitz von 1884 
Berlin verlegte, schied deshalb aus der ordentlichen 
Mitgliedschaft des Bundes- Direktoriums, und es ward an 
seine Stelle der Br. Oelrichs, Appellationsgerichts- 
Präsident a. D., gewählt. 

Gestiftet wurde die Johannisloge „Friedrich Wilhelm 
zur Gerechtigkeit*' in Ratibor. 

In diesem Jahr starb hier eine reiche hochbejahrte 
Dame, Fräulein Ficker. Sie hatte schon seit Jahren 
aus besonderem Vertrauen die Loge zu den drei 
Weltkugeln zur Vermittlerin eines Teils ihrer vielen, den 
Armen gespendeten Wohltbaten gemacht, auch der Loge einen 
Grundstock von 6000 Thalem Gold und 2500 Thalem Kourant 
zu wohlthätigen Zwecken zugewendet. 

*) Dieses Qesangbach wurde im Jahr 1866 durch Br. Bornemann 
dorchgesehen and ist in dieser neueren Gestalt gegenwärtig noch 
im Gebrauch. 



— 156 — 

1835 Der 11. Februar 1835 war der Tag, an welchem der in 

dem neuen Logengebäude fertig gewordene Arbeitsaal 
feierlich eingeweiht wurde. 

Die ritualmässige Weihe, die darauf folgende Fest- und 
Tafelloge wurden abgehalten im Beisein der dazu eingeladenen 
Grosswürdenträger der Grossen Landesloge von Deutschland 
und der Grossen Loge „Boyal York zur Freundschaft^ und 
einer ungewöhnlich grossen Anzahl von Brrn. aller drei 
Lehrarten. 

Das Ritual und die Instruktionen für den ersten Grad 
waren vom Bundes -Direktorium als dem höchsten inneren 
Orient behufs einer Neubearbeitung sorgfältig erwogen 
worden, und nun hielt es diese Bundesbehörde für 
angemessen, ihre gefassten Beschlüsse noch der Beratung 
der Mutterloge zu unterbreiten. 

Diese Beratungen fanden in fortgesetzten ausser- 
ordentlichen Versammlungen statt, und es ward am 8. April 
ein Ausschuss ernannt, bestehend aus: 

1. dem National -Grossmeister, Br. Poselger, 

2. dem Altschottischen Obermeister, Br. Kluge und 

3. dem Mitglied des Bundes-Direktoriums, Br. Matzdorf f> 
um die Feststellung der durchgesehenen Rituale vorzunehmen. 

183G Am 6. März 1836 hatte die Loge zu den drei Weltkugeln 

wiederum den Schmerz, eines ihrer ausgezeichneten Mitglieder 
zu verlieren, nämlich den Br. Oelrichs, in dessen Stelle 
der Meister vom Stuhl der Loge „zur Eintracht", Br. O'Etzel, 
Oberst vom Generalstab, in das Direktorium gewählt wurde. 

Auf den Vorschlag dieses Letzteren beschloss die Loge, 
zur Vervielfältigung geeigneter Schriften, namentlich zum 
Druck der für die Tochterlogen bestimmten Exemplare der 
neubearbeiteten Rituale, im Logenhause selbst eine metallo- 
graphische Presse aufzustellen. 

Die Durchsicht der Ortssatzungen in Betreff der geselligen 
Benutzung des Logengartens wurde in demselben Jahr 
beendet. 

In Braunsberg wurde die neue Loge ^Bruno zum 
Doppelkreuz" gestiftet. — 



— 157 — 

Im Jahr 1837 ward der metallographische Druck der 1887 
neubearbeiteten Rituale des ersten Grades vollendet, und die 
Versendung der Exemplare an die Tochterlogen ausgeführt. 

Zu dem am 6. Dezember 1837 in Hamburg zu feiernden 
Jahrhundertfest der Einführung der Freimaurerei in dieser 
Stadt und zugleich im deutschen Vaterland wurde der 
Br. O'Etzel als Vertreter der Grossen National -Mutterloge 
abgeordnet und legte bei dieser Gelegenheit den Grund zu 
einer näheren Verbindung der beiden Grosslogen. 

Im Jahr 1838 legte der Br. Poselger, dessen Gesund- 1838 
heit eine schwankende geworden, den grossmeisterlichen 
Hammer nieder. Der Br. O'Etzel wurde zum National- 
Grossmeister und der Br. Poselger zum Ehren-Grossmeister 
gewählt. 

Die Johannisloge in Köln am Rhein ,,zum vaterländischen 
Verein*', welche seit 1826 ruhte, vnirde am 17. April 1838 
von unserer Grossloge erneuert unter dem Namen „Minerva 
zum vaterländischen Verein^. 

Hammer und Schurz Friedrichs des Grossen, welche 
sich in den Händen der Frau v. Eckoldstein zu Leipzig 
befanden, wurden für 10 Friedrichsd^or erworben*). 

In einer am 8. Februar gehaltenen ausserordentlichen 
Versammlung der Grossloge wurde von dem Grossmeister die 
in dem Bundes -Direktorium vorbereitete Neubearbeitung der 
Grundverfassung vorgelegt, damit in der nächsten Vierteljahrs- 
Versammlung darüber beschlossen werden könnte. 

Dies geschah auch in der Vierteljahrs-Versammlung am 
1. März und in einer ausserordentlichen am 8. März, in der 
die neue Fassung der seit 1812 unveränderten Grundverfassung 
angenommen wurde. 

*) In der Schrift von KUproth and Cotmar: Der Kgl. Preost. 
Wirkl. Geheime StMtsrath am 200 j&hrigen Stiftungsta^e (Berlin 1806) 
heitst es S. 63: Der von dem Königl. Qrotsmeitter geführte Hammer 
toll sich in Leipzig in den H&nden einet Mitgliedet det Ordent befinden 
ond daselbtt als eine grotse Reliquie gehütet werden. — Den Be- 
mühungen det Bundesdirektoriumt gelang et den Verbleib det Hämmert 
zu ermitteln. Im Archi? der Grotten National -Matterloge befinden 
sich hierüber die Akten. 



— 158 — 

1838 Br. Po seiger starb bald nach Niederlegimg seiner 
Grossmeister -Würde am 9. Febraar 1838. An seine Stelle 
Avnrde der Br. Pelkmann, Superintendent xmd erster Pastor 
an der Petrikirche am 1. März znm Mitglied des Bondes- 
Direktorioms gewählt. 

Vom Abend des 14. Augnst 1838 bis nach Mittemacht 
zum 15. August, wurden durch Logenarbeit und Tafelloge 
die Stunden feierlich begangen, in welchen vor 100 Jahren 
der Stifter der Mutterloge, König Friedrich der Grosse, 
noch als Kronprinz zum Freimaurer aufgenommen ward. 
Nicht nur alle Tochterlogen, sondern auch andere befreundete 
deutsche Logen feierten dieses Fest. Es wurden zwei Denk- 
münzen, von Loos und von Brand auf die Begebenheit 
geprägt. (Merzdorfs Denkmünzen S. 6 N. 12. 13.) 

Die Sammlung für die Armen bei dieser Arbeit erreichte 
die Summe von 1636 Thalem. Sie wurde zum Andenken 
des grossen Königs zur Gründung eines Stipendienkapitals 
für Studirende und Gewerbtreibende verwendet. Diesem 
Grundstock wurde femer die Summe von 300 Thlm., der Erlös 
für die Sammlung vaterländischer Altertümer, welche die 
Grrossloge im Jahr 1770 aus dem Nachlass des kundigen 
Sammlers Eltester für 100 Thlr. erkauft hatte, überwiesen, 
so wie auch der Erlös von 564 Thlm. für die von dem Br. 
O^Etzel verfasste Schrift: „Beschreibung der Aufnahme 
König Friedrich IL in den Freimaurerorden^. 

In der Vierteljahrs-Versammlung vom 6. Dezember 1838 
fasste die Grodsloge den Beschluss: dass aus dem Vermögen 
der Mutterloge für die Folge keine Darlehne an Einzelne 
zu deren Unterstützung bewilligt werden sollten. 

1839 Das Jahr 1839 entriss dem Bundes-Direktorium wieder 
zwei Mitglieder, die Brr. Behrend und Matzdorff durch 
den Tod. In die Stelle des Ersteren wurde am 7. März 
der Br. Schmückert, General-Postdirektor, und für den 
Br. Matzdorff der Br. Freiherr v. Blomberg, Geheimer 
Ober-Regierungsrat, gewählt. 

Der 85jährige Br. Bellermann legte das Amt eines 
zugeordneten National-Grossmeisters nieder, ward aber zum 



— 159 ~ 

Zeichen der Anerkennung seiner grossen Verdienste um die 1899 
Matterloge zum Ehren -Grossmeister ernannt. 

Zorn National-Grossmeister ward wiederum der Br. 
O^Etzel, zum zugeordneten National- Grassmeister der Br. 
Schmückert und zum Gross-Archivar der Br. Deter gewählt. 

Die im Jahr 1799 bearbeiteten Statuten waren in manchen 
Punkten nicht mehr passend; mehrere im Lauf der Zeit 
erfolgte Ergänzungen und Aenderungen waren ihnen als 
Anhänge und Beilagen zugefügt, und dadurch war eine An- 
ordnung des Inhalts entstanden, die ihren Gebrauch sehr 
erschwerte, so dass sich die Umarbeitung der Statuten als 
ein dringendes Bedürfniss zeigte. 

Das Direktorium machte deshalb bei der Mutterloge den 
nöthigen Antrag, welcher auch in der Vierteljahrs-Versammlung 
vom 25. April 1839 genehmigt wurde, und forderte durch 
ein Umlaufschreiben alle Tochterlogen des Bundes auf, ihre 
Wünsche und Bemerkungen einzureichen. 

Demnächst ward in der Beratung am 5. September von 
der Mutterloge aus ihren ordentlichen Mitgliedern ein Ausschuss 
zur Bearbeitung eines Entwurfs zu den neuen Statuten 
ernannt, bestehend aus dem National-Grossmeister, Br. O'Etzel 
dem zugeordneten National-Grossmeister, Br. Schmückert, 
dem Br. Simon, Geheimer Ober- Justiz- und Geheimer Ober- 
Revisions-Rat, dem Br. Schmidt III., Korps -Auditeur bei 
der Garde, und dem Br. Hoffmann, Rechnungsrat im 
Finanz-Ministerium, welche sofort die Arbeit begannen, um 
sie noch vor Ablauf des ersten Jahrhunderts des Bestehens 
der Loge zu Ende zu bringen. Der von diesem Ausschuss 
ausgearbeitete Entwurf der Bundesstatuten wurde in den 
Sitzungen der Grossloge vom 17. November, 3., 15. und 
17. Dezember 1840 beraten, und in der Sitzung vom 
7. Februar 1841 genehmigt*). 



*) Bei dieser Durchsicht der Statuten schied der SylTetterabend 
aus den gebotenen Festarbeiten aus, und trat an dessen Stelle der 
Geburtstag des Landesherrn. Die anderen beiden durch die Ordens- 
Statuten yoül799,Kap.Xy, §14 gebotenen Festarbeiten: der Johannistag und 
der Stiftungstag der Loge wurden bei der Durchsicht von 1841 beibehalten. 



— 160 — 

1889 In diesem Jahr ward eine Johannisloge zu Mühlheim 

a. d. Rahr, unter dem Namen „Broich zur verklärten Louise^ 
gegründet. 

Die von der Schaffiierloge ausgearbeitete Anweisung für 
die dienenden Br. wurde in der Yierteljahrs-Versammlung vom 
30. Mai d. J. genehmigt. 

Im März 1839 wurde von der Grossen National-Mutterloge 
mit der Grossloge zu Hamburg ein Vertrag abgeschlossen, 
kraft dessen diese beiden Grosslogen sich enger verbanden 
zu gegenseitiger bereitwilliger Unterstützung durch Bat und 
That und zu treuem, rückhaltlosem Zusammenhalten bei allen 
Vorfällen und Verhandlungen, die sowohl den Freimaurerbund 
im Allgemeinen als insbesondere die beiden Grosslogen 
betreffen. 

Der Br. Schmidt III wurde von der Hamburger Gross- 
loge zu ihrem Gross-Vertreter bei der Grossen National- 
Mutterloge ernannt, und diese wählte als den ihrigen den 
Br. Pluns, Kaufmann und hanseatischen Major zu Hamburg. 

Die Grossloge des Königreichs Hannover, so wie 
die Grosse Mutterloge des Eklektischen Freimaurer- 
bundes zu Frankfurt a. M. teilten der Grossen National- 
Mutterloge zu den drei Weltkugeln ihre Niederschriften mit, 
was die letztere nicht nur erwiderte, sondern auch diesen 
Schwester -Grosslogen und der bereits seit dem Jahr 1812 
durch einen Vertrag und durch gemeinsame Tochterlogen 
näher verbundenen „Grossen Landesloge von Sachsen^ zu 
Dresden den Antrag machte, durch Bestellung von gegen- 
seitigen beständigen Gross -Vertretern in eine engere Ver- 
bindung zu treten. 

Zwischen den drei Preussischen Grosslogen und ihren 
Tochterlogen hatte sich allmählich ein recht freundliches 
und brüderliches Verhältniss mehr und mehr hergestellt, 
welches sich durch einen lebhaften maurerischen Verkehr im 
gegenseitigen Besach der Brüder in den Logen verschiedener 
Arbeitsform kund that. Die Brüder lernten sich dadurch 
immer mehr kennen und lieben; dieselben Lehren der Wahrheit 
und Weisheit wurden ja vernommen in den Logen aller drei 



— 161 - 

Lehrarten and nur selten noch ward dnrch eine Aeusserung 1839 
des Wahns, als sei das Eine oder das Andere das alleinige 
Echte, die Erinnerung an eine längst vergangene trübe Zeit 
des Zwistes aufgeregt. 

Dm allen Veranlassungen zu Missverstandnissen und 
daraus entspringenden Misshelligkeiten besser begegnen zu 
können, traten die Grossmeister der drei Preussischen Gross- 
logen — nämlich der National-Grossmeister O'Etzel und der 
zugeordnete National- Grossmeister Schmückert, mit dem 
Landes-Grossmeister, Br. Grafen flenkel v. Donnersmark, 
und dem zugeordneten Landes-Grossmeister, Br. v. Se 1 asinsky , 
welche seit 1838 diese Aemter bei der Grossen Landesloge 
von Deutschland inne hatten, so wie mit dem Grossmeister 
und dem zugeordneten Grossmeister von der Grossen Loge 
von Preussen, genannt „Royal York zur Freundschaft **, Br. 
Link und Br. Bever, sammt einem Gross -Sekretär oder 
Gross -Archivar von jeder der drei Grosslogen, den Brm. De t er , 
di Dio und Bier, zusammen und gründeten am 28. Dezember 
1839 den Grossmeister-Verein zu gemeinsamer Beratung 
über wichtige maurerische Gegenstände und zu immer grösserer 
Befestigung des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen 
den Logen des gemeinsamen Vaterlandes. 

Die drei Grosslogen gaben der Errichtung dieses 

Grossmeister -Vereins sowie folgenden Beschlüssen ihre 

Zustimmung*): 

1 . Wenn an einem und demselben Ort oder an verschiedenen, 

jedoch in häufigem oder leichtem Verkehr unter einander 

stehenden Orten mehrere Logen sich befinden, gleichviel 

zu welcher der Preussischen Grosslogen sie gehören, und 

ein Bruder einer dieser Logen durch Vergehen die Strafe 

der Enthebung von den Arbeiten auf länger als 3 Monat 

sich zugezogen hat, soll den anderen Logen davon An^seige 

gemacht werden. Nach dieser Anzeige sollen die Logen 

*) Von diesen Beschlüssen wurden 1—18 den Bundes • Statuten 
eingefügt, später aber durch die allgemeinen Qesetze über das 
maurerische Verfahren , ober Aufnahme, Annahme und Zulassung 
Besuchender ersetzt. 

(^••ch. d. Qr. NAt.-Matc«r-Lofr«. 11 



— 162 — 

1838 dem Bruder während der Zeit der Enthebung auch den 

Gebrauch ihrer Räume und den Zutritt zu ihren Arbeiten 
und Vergnügungen versagen. 

Um indess die so bestraften Brflder möglichst zu 
schonen, soll eine solche Anzeige nur den hammer- 
führenden Beamten, dem Ordner und dem Schriftfahrer 
der Loge bekannt gemacht werden. 

Damit jedes Mitglied vor einer solchen Strafe sich 
hüte, und die für Enthebung stimmenden Brüder mit 
den Nachteilen dieser Strafe hinlänglich bekannt werden, 
soU für die fortdauernde Bekanntschaft der Logen- 
mitglieder mit dieser Vorschrift gesorgt werden*). 

2. Wo mehrere St. Johannislogen an demselben Ort be- 
findlich sind, sollen sie sich stets schleunig Nachricht 
von denjenigen Brüdern geben, welche ausgeschlossen 
oder unfreiwillig aus ihren Logen geschieden sind ; auch 
sollen am Schluss des Kalenderjahres sämmÜiche 
Tochterlogen ihren Grosslogen alle ausgeschlossenen 
oder unfreiwiUig aus ihren Logen geschiedenen Brüder 
in einem besonderen Bericht zur weiteren Mitteilung 
an die beiden anderen Grosslogen namhaft machen**). 

3. Alle an einem Ort oder in leichtem Verkehr stehenden 
Orten gelegenen Tochterlogen der drei Preussischen 
Grosslogen sollen sich gegenseitig anzeigen, wenn irgend 
Jemand bei ihnen zur Aufnahme vorgeschlagen wird, 
und sollen in allen diesen Logen die Namen der 
Suchenden an die Tafel geheftet werden, so wie auch an 
denjenigen Orten, an welchen nach Massgabe der Ver- 
hältnisse der Vorgeschlagenen etwas Näheres über ihre 
Führung und ihren sittlichen Werth zu erfahren sein 
möchte, insofern dort eine Loge besteht. 

Dieselbe Anzeige erfolgt, wenn sich ein Bruder eines 
anderen Logenbundes bei einer Loge zur Aufnahme 
meldet, gleichviel, ob er zu einer der Preussischen Gross- 



*) Grosslogen- Niederschrift vom 12. März 1840 zu b. 2. a. 
**) Grosslogen - Niederschrift vom 12. M&rz 1840 zu b. 2. a. 



— 163 — 

logen gehört oder nicht. Bei Mitgliedern von Tochter- 1889 
logen desselben Bandes wird diese Anzeige nicht 
erfordert*). 

4. Meldet sich ein Reisender zur Aufnahme oder Annahme, 
so moss er anzeigen, an welchem Ort er in den letzten 
2 Jahren sich aufgehalten hat. Ist an diesem Ort 
eine von den drei Grrosslogen anerkannte Loge vor- 
handen, 80 wird bei ihr Erkundigung über die 
Aufführung des Suchenden eingezogen, wobei eine 
bestimmte Zeit für die Beantwortung des Erkundigungs- 
Schreibens festgesetzt wird. 

Antwortet die befragte Loge in der bestimmten Frist 
nicht, so wird angenommen, dass ihrerseits gegen den 
Vorschlag nichts zu erinnern sei**). 

5. Die an demselben Ort oder in häufigem oder leichtem 
Verkehr stehenden Orten befindlichen Logen sollen sich 
auch regelmässig gegenseitig benachrichtigen, so oft 
Jemand bei ihnen vorgeschlagen und nicht aufgenommen 
worden ist, mit der Anzeige, ob er durch Kugelung 
verworfen, oder andere Gründe vor der Kugelung 
die wirkliche Aufnahme verhindert haben. 

Gleichzeitig soU von der betreffenden Loge auch ein 
Bericht an ihre Grossloge über alle abgewiesenen 
Suchenden erstattet werden, und diese Grossloge wird als- 
dann den beiden anderen Grosslogen hiervon zur 
weiteren Veranlassung Mitteilung machen***). 

6. Wenn ein Suchender bei einer St. Johannisloge abgewiesen 
worden ist und bei einer zu einer anderen Preussischen 
Grossloge gehörenden St. Johannisloge in Vorschlag 
gebracht wird, welche letztere die Gründe der Abweisung 
nicht erheblich genug findet, oder sie durch die Zeit 
und durch veränderte Umstände beseitigt glaubt, soll die 
Aufnahme doch nicht erfolgen, bevor die Loge, welche den 
Vorgeschlagenen abgewiesen hatte, ihre Zustimmung giebt. 



•♦' 



*) Grosslogen -Niederschrift vom 12. März 1840 zu b. 2. a. 
') Ci rosslogen -Niederschrift vom 12. M&rz 1840 zu b. 2. a. 
*^*) Grosslogcn - Niederschrift vom 12. März 1840 zu b. 2. a. 

II* 



— 164 — 

1889 Können sich beide Logen nicht gütlich einigen, so soll 

der Fall dem Grossmeister- Verein zur Beratung vor- 
gelegt werden*). 

7. Wenn der in einer St. Johannisloge abgewiesene 
Suchende der Vorschrift des vorigen § zuwider ohne 
Zustimmung der abweisenden Loge und ohne die 
ergänzende Beschlussnahme des Grossmeistervereins von 
einer anderen Tochterloge der Preussischen Grosslogen 
oder von einer fremden anerkannten Loge aufgenommen 
worden ist, darf er dieser Aufnahme ungeachtet weder 
als Mitglied anerkannt, noch als Besuchender zugelassen 
werden, es sei denn, dass die Loge, welche ihn zurück- 
gewiesen hatte, in der Folge ihre Meinung zu ändern 
sich veranlasst sähe**). 

8. Wenn Jemand wegen Hochverraths , Landesverrätherei, 
Raubes, Diebstahls und Betrugs, oder wegen einer 
anderen, allgemein für schändlich gehaltenen Handlung 
ordentlich oder ausserordentlich bestraft, oder wegen 
eines solchen Verbrechens auch nur von der Instanz 
freigesprochen, oder wegen irgend eines Verbrechens 
gegen ihn auf Amtsentsetzung, Festungsstrafarbeit oder 
auf eine schimpfliche Strafe erkannt worden, so darf 
er, wenn ihm auch die Strafe im Wege der Gbiade 
erlassen und er bürgerlich gänzlich und vollkommen in 
den früheren Stand wieder eingesetzt worden, so lange 
seine Unschuld in Betreff des ihm zur Last gelegten 
Verbrechens nicht durch ein richterliches Urteil aus- 
gesprochen worden, nie zum Freimaurer vorgeschlagen 
oder angenommen werden***). 

9. Ist es zweifelhaft, ob die Handlung unter die im 
vorigen § beschriebenen schändlichen Handlungen 
gehört, oder würde dem Suchenden eine zwanzigjährige 
Verjährung zu statten kommen, so muss der Fall, ehe 
zur Aufnahme geschritten wird, von der beteiligten 

*) GrosslogCD- Niederschrift vom 12. März 1840 zu b. 2. a. 

**) GrosslogCD -Niederschrift vom 12. März 1840 zu b. 2. a. 

***) Grosslogen- Niederschrift vom 12. März 1840 zu b. 2. a. 



— 166 — 

Groesloge dem Grossmeisterverein zur BearteUnng and im 
Entscheidung vorgelegt werden, welcher, falb er sich 
in seiner Mehrheit fOr die Zulassung ausspricht, zunächst 
die Erklärung der beiden anderen Grosslogen entgegen 
nimmt. 

Nur wenn alle drei Grosslogen für die Aufiiahme sich 
erklären, benachrichtigt der Verein die beteiligte Gross- 
loge von der Zulässigkeit der Auftiahme*). 

10. Bütglieder einer durch VerfQgung der Grossloge aufge- 
hobenen oder auf Zeit geschlossenen Tochterloge dürfen 
in keiner anderen Loge angenommen oder als besuchende 
zugelassen werden; es sei denn, dass die betreffende 
Grossloge auf Ansuchen einzelner Mitglieder der aufge- 
hobenen oder auf Zeit geschlossenen Loge ihre Einwilligung 
schriftlich ausspricht**). 

11. Wenn eine ausserdeutsche Grossloge in Deutschland 
Provinzial- oder Tochterlogen gestiftet hätte, die keine 
der Preussischen Grrosslogen bisher anerkannt hat, oder 
solche Loge künftig in Deutschland stiften möchte, so 
werden diese Logen nicht anerkannt, es sei denn, dass 
die ausserdeutsche Grossloge die Logen in deutschen 
Provinzen stiftet, z.B. die Grossloge von Kopenhagen 
in Holstein***). (Diese Bestimmung hat die Grossloge 
Royal York aas Rücksicht für die Englische Grossloge 
nicht genehmigt. Vergl. § 4 des Statuts des D. Gr.- 
L.- Bundes.) 

12. Keine zu den drei Preussischen Grosslogen gehörige 
Tochterloge darf einen Br. annehmen, welcher Mitglied 
einer anderen Preussischen Loge ist, wenn er nicht eine 
besondere schriftliche Entlassung (Dimissoriale) von seiner 
bisherigen Loge bei der Loge, welcher er zutreten will, 
eingereicht hat. Die schriftliche Entlassung darf aber 
nur in den Fällen verweigert werden, wenn der sie 
nachsuchende Br. sich in einer maurerischen Untersuchung 

*) Grosslogen- Niederschrift vom 12. M&rz 1840 la b. 2. a. 

**) Grosslogen -Niederschrift Tom 12. B14rz 1840 sa b. 2. a. 

***) Grosslogen • Niederschrift Tom 18. Mlrs 1840 m b. 2. a. 



— 166 — 

1889 befindet, oder sich einer Ausschliessung entziehen will, 

oder mit seinen Verpflichtungen im Rückstand ist. In 
letzterem Fall darf ausser den Aufnahme- und 
Befördemngs-Gebühren höchstens ein dreijähriger Rück- 
stand der Beiträge gefordert werden. Wird die Entlassungs- 
Urkunde aus anderen Gründen verweigert, so hat auf 
Antrag des die Entlassung wünschenden Brs. die betreffende 
Grossloge den Abschied unweigerlich zu erteilen*). 

13. Wirkliche Mitglieder einer anerkannten St. Johannisloge, 
die sich ausser dem Sitz ihrer Loge aufhalten, können 
nicht gezwungen werden, zu der Loge, die ihren Sitz 
an dem Aufhaltsort dieser Brr. hat, und die sie besuchen, 
überzutreten, d. i. sich annehmen zu lassen. 

Bei einem längeren als einjährigen Aufenthalt sind sie 
aber verpflichtet, auf Verlangen der Loge, an deren 
Arbeiten und Erholungen sie Teil nehmen, einen Beitrag 
zu den Unterhaltungskosten zu geben. Solche Brr. 
werden dann in dem Verzeichniss der Loge unter der 
Ueberschrift: 

„Ständig besuchende Brr.** 

aufgeführt. Doch wird dadurch nichts in den Ver- 
pflichtungen gegen die Loge, deren Mitglieder sie sind, 
und in deren Listen sie fortgeführt werden, geändert. 
Jede Loge bleibt aber darin unbeschränkt, ob sie einen 
Br. als Ständig -Besuchenden annehmen oder ihm über- 
haupt nach einem Jahr noch den Zutritt gestatten will: 
doch bleibt im Fall der Verweigerung dem abgewiesenen 
Br. die Berufung durch seine Loge an deren Mutterloge 
offen, welche die Vermittlung des Grossmeister-Vereins 
herbeizuführen sucht**). 

14. Wenn ein preussischer Unterthan die Aufnahme in einer 
ausländischen Loge nachsucht, und letztere die erforder- 
lichen Elrkundigungen über seine Würdigkeit bei der 
Loge seines Wohnorts oder der diesem zunächst gelegenen 

*) Niederschrift der Grossloge vom 25. Januar 1841 za 1. 
**) Niederschrift der Grossloge vom 90. Janaar 1844. 



~ 167 — 

preussischen Loge einzieht, so wird der Name des 1889 
Suchenden an die Tafel gebracht, wodurch die Brr. 
aufgefordert sind, über seine Würdigkeit innerhalb der 
gesetzlichen Frist sich auszusprechen. 

Wird diese Anfrage an eine der Preussischen Gross- 
logen gerichtet, so kann solche an die Tochterlogen zur 
weiteren Veranlassung und Erteilung der Antwort 
überwiesen werden''). 

). Ist dieser Ausspruch fär den Suchenden günstig, und 
wird er in Folge dessen bei der ausländischen Loge 
aufgenommen, so ist ihm die besuchsweise Zulassung in 
den vaterländischen Logen nach Massgabe der darüber 
bestehenden Gesetze zu gestatten**). 

). Fällt der Ausspruch zum Nachteil des Suchenden aus, 
und wird er von der anfragenden Loge dennoch auf- 
genommen, so darf seine Zulassung in vaterländischen 
Logen nicht erfolgen***). 

L Sollte die Anfrage seitens der auswärtigen Loge 
unterlassen werden, so bleibt es dem Ermessen der 
vaterländischen Logen anheim gestellt, ob sie einen so 
Aufgenommenen zulassen wollen oder nicht f). 

i. Wenn eine Loge eines ihrer Mitglieder wegen nicht 
erfüllter Verbindlichkeit aus ihrem Namensverzeichniss 
gestrichen hat, bleibt es ihr überlassen, denjenigen 
Logen, in deren Bereich sich dieser Er. befindet, sofort 
Anzeige von dem Geschehenen zu machen ff). — 

So fand das Jahr 1840 die drei berliner Freimaurer- 1840 
Breine vorbereitet zu einem hochwichtigen Ereigniss, welches 
IS von dem unvergesslichen König Friedrich dem Grossen 
»gonnene Logen -Jahrhundert auf die würdigste Weise 
)8chlos8. 

*) Niederschrift der Grossloge Tom 3. M&rz 1869 zu 9. 

**) Niederschrift der Grossloge vom 8. Bl&rz 1859 zq 9. 

***) Niederschrift der Grossloge Tom 3. M&rz 1869 zq 9. 

t) Niederschrift der Grostloge vom 8. M&rz 1869 zu 9. 
tt) Niederschrift der Grossloge yom 28. Mai 1844 zu 6. 



— 168 — 

1840 In einer Beratung des Grossmeistervereins, welche am 

18. Mai 1840 im Hause der Grossen Loge „Royal York zur 
Freundschaft'' abgehalten wurde, berichtete der Landes-Gross- 
meister, Br. Graf Henkel v. Donnersmark: 

„dass Se. Königl. Hoheit der Prinz Wilhelm von 
Preussen, Sohn Sr. Maj. des Königs Friedrich 
Wilhelm IH., der Freimaurerei hohe Aufmerksamkeit 
zugewendet, und dass die Gelegenheit, mit den Bestrebungen 
des Freimaurerbundes durch hochgestellte Brüder im 
Allgemeinen bekannt zu werden, Sr. Königl. Hoheit Zu- 
neigung zu ihm erworben und Höchstdemselben Veranlassung 
gegeben habe, den Gedanken einer näheren Prüfung und 
Entschliessung zu unterstellen^. 

„Des Königs Majestät habe des Prinzen Eintritt in 
den Orden mit der Massgabe gut zu heissen geruht, dass 
Se. Königliche Hoheit nicht einer besonderen Loge, 
sondern allen drei Freimaurer-Logen in den preussischen 
Staaten ohne Rücksicht auf deren Lehrart angehöre, das 
Protektorat über sie übernehme, und deshalb ein gemeinsamer 
Antrag von Seiten der preussischen Logen an den Königlichen 
Prinzen ergehe". 
Der Grossmeisterverein beschloss auf der Stelle, 
Se. Königliche Hoheit um Gehör für die drei Gross- 
meister zu bitten. Dies wurde schon am folgenden Tage 
gewährt und hatte den Erfolg, dass der Königliche Prinz 
zu seiner Aufnahme den 22. Mai festsetzte und den drei 
Grossmeistem überliess, zu bestimmen, wo sie statt- 
finden solle. 

Die Ehre die feierliche Handlung zu leiten, nahm Br. Graf 
Henkel v. Donnersmark deshalb in Anspruch, weil er 
vermöge seiner früheren Stellung als Flügel -Adjutant 
Sr. Majestät König Friedrich Wilhelms III. dem 
Königlichen Prinzen seit vielen Jahren persönlich näher 
bekannt war. 

An dem bezeichneten Tag fand die denkwürdige Auf- 
nahme im Hause der Grossen Landesloge von Deutschland 
statt, nachdem sich um öH Uhr Abends die obersten 



— 169 — 

Ordensbehörden und Grossbeamten aller drei Grosslogen, 1840 
sowie die Vorsitzenden Meister der berliner 15 Tochterlogen 
versammelt hatten. 

Der Grossmeister der Grossen Landesloge, Graf Henkel 
V. Donnersmark, nahm den Meisterstahl ein, nnd der 
Grossmeister der Grossen National -Matterloge za den drei 
Weltkugeln, Br. O'Etzel, so wie der Grossmeister der 
Grossen Freimaurer-Loge „Royal York zur Freundschaft^, 
Br. Link, nahmen ihre Plätze zu beiden Seiten. 

Bei Eröffnung der Loge wurde diese in Betracht ihrer 
Zusammensetzung und ihres Zweckes als „gemeinsame 
Preussische Grossloge*' bezeichnet. 

Alle drei Grossmeister wurden als Bürgen für den 
Prinzen genannt, der auch das Gelübde der Treue und 
Verschwiegenheit in die Hände aller drei Grossmeister 
ablegte und sich nach vollendeter Aufnahme in die drei 
Johannisgrade mit den Mitgliedszeichen der drei Grosslogen 
bekleiden Hess. Nachdem der neue Bruder nun auch das 
Winkelmaass, als Zeichen der Würde des Protektors entgegen- 
genommen hatte, empfing er in dieser Eigenschaft von den 
drei Grossmeistem Namens ihrer sämmtlichen Logen das 
Gelübde der Treue. 

Zur Erinnerung an dieses bedeutungsvolle Fest wurde 
eine Denkmünze geschlagen. (Merzdorfs Denkm. S. 7, No. 15.) 

So wichtig und erfolgreich der Zutritt des Protektors 
zum Freim aurer bund für die ganze Brüderschaft auch in 
jeder anderen Beziehung war, so mussten doch die preussischen 
Brüder sich besonders des Umstandes freuen, dass ihr König 
ihnen einen neuen, grossen Beweis seines Wohlwollens und 
seiner Fürsorge dadurch erzeigte, dass er diesen Schritt seines 
Sohnes nicht nur billigte, sondern auch der Genehmigung 
die Bedingung hinzufügte, dass der Prinz allen Logen gleich- 
massig angehören solle, und diesen dadurch einen gemein- 
samen Mittelpunkt gab als eine besondere Gewähr, um 
Spaltungen, wenn dergleichen ja noch vorhanden wären, 
auszugleichen. 



- 170 — 

1840 Friedrich Wilhelm III. hatte bekanntlich bald 

nach seiner Thronbesteigung durch die Verfügung vom 
15. März 1798*) den Orden gegen die von seinen Staats- 
ministem gehegten Besorgnisse in Schutz genommen und 
ihm durch das Edikt gegen geheime Verbindungen vom 
20. Oktober 1798 eine sichere Stellung in seinen Staaten 
erteilt. — 

Zur Jahrhundertfeier der Grossen National-Mutterloge 
am 13. September 1840, die durch Prägung einer Denkmünze 
(Merzdorfs Denkmünzen S. 7 No. 16) in der Erinnerung fest- 
gehalten werden sollte, hatten sich gegen 1500 Brr. in dem 
zu diesem Zweck eingerichteten Exerzierhaus des zweiten 
Garde -Regiments versammelt. 

Als Festgeschenk wurde durch den Br. Link, Gross- 
meister der Grossloge „Royal York zur Freundschaft^, im 
Namen der ihr zugehörigen Johannisloge „Horus^ im Orient 
zu Breslau das Schwert überreicht, welches in der denk- 



*) „Meine lieben Staatsminister Graf v. d. Schulenburg und 
Freiherr v. Heinitz! 

Auf Euren Bericht vom 13. d. und unter Remission der von dem 
General -Direktorio im Jahre 1779 auf Veranlassung einer Kabinets- 
Ordre verhandelten Akten, die Freimaurerei betreffend, habe ich Euch 
hiermit zu erkennen geben wollen, dass Ich Bedenken trage, wegen 
der vormals durch die höheren Grade hin und wieder bei den Frei- 
maurern eingeschlichenen Missbräuche etwas Näheres an die Logen- 
Vorsteher verfügen zu lassen, indem solches einiges Aufsehen erwecken 
und auf die Gedanken führen könnte, dass neuerdings Thorheiten und 
Betrügereien von Geisterseherei oder Goldmacherei stattgefunden haben 
könnten, welches doch der Fall nicht ist, indem man vielmehr mit 
Grund hoffen darf, dass unter den jetzigen Umständen jene Gaukeleien 
kein grosses Glück mehr machen, und die verschiedenen Logen von 
selbst hinlänglich dafür sorgen werden, ihnen den Eingang zu ver- 
wehren, um weder dem Staate verdächtig, noch dem Publiko lächerlich 
zu werden. Ich verbleibe Euer wohlaffektionirter König. ^ 

Berlin, den 15. März 1798. 

Friedrich Wilhelm. 

(ggez.) Schulenburg. Heinitz. 



— 171 — 

würdigen Nacht vom 14. Augost 1738 zu Braonschweig bei 1840 
der Aufnahme des grossen Königs Friedrich II. benutzt 
worden war. Dies Schwert war als ein Vennächtniss des Br. 
V. Loeben (Loewen), der bei jener Aufnahme das Amt des 
ersten Aufsehers verwaltet hatte, in den Besitz seines Enkels, 
Br. V. Loeben, zu Breslau, gekommen und von diesem der 
Loge „Horus^ als ein heiliges Kleinod übergeben worden. 
Es wurde in der Schenkungs- Urkunde vom 31. August 1840 
darauf hingewiesen, dass das Schwert dem Hammer und 
dem Schurz des grossen Königs, in deren Besitz die National- 
Mutterloge sich bereits befinde, beigesellt werden möchte. Zur 
fortdauernden Erinnerung an diese Schenkung fasste die 
Mutterloge den Beschluss: 

dass der jedesmalige Meister vom Stuhl der Johannis- 
löge „Horus^ durch diese Wahl selbst immer zugleich 
Ehrenmitglied der Grossen National-Mutterloge sein solle. 

In diesem Jahr wurde endlich die nähere Verbindung 
mit der „Grossen Landesloge von Sachsen*' zu Dresden 
und mit der „Mutterloge des eklektischen Bundes zu Frank- 
furt am Main durch die Wahl von Gross -Vertretern an- 
gebahnt. 

Im Jahr 1841 wurden neue Tochterlogen: zu Arolsen 1841 
unter dem Namen „Georg zur wachsenden Palme ** und zu 
Neisse*) unter dem Namen „zu den sechs Lilien*' errichtet. 

An die Stelle des Br. Bellermann, der wegen seines 
hohen Lebensalters von 87 Jahren das Amt als Mitglied des 
Bundes-Direktoriums niederlegte, trat der Br. Schmidt III , 
Wirklicher Justizrat, Ober-Auditeur und Mitglied des General- 
Auditoriats zu Berlin. 

Den 24. Juni eröffnete der Prinz von Preussen als 



*) Bereit» im Jahr 1778 war za Neisse die Loge „zur weissen 
Taube" von der Grossen Landesloge von Deutschland gestiftet worden, 
die nach I&ngerer Unth&tigkeit im Jahr 1804 erneuert wurde und 
seitdem in schwesterlicher Eintracht mit der Loge unserer Lehrart 
an demselben Ort arbeitet. 



— 172 — 

1841 Protektor*') die Grossloge ritaalmässig und forderte sodann 
den National-Grossmeister Br. O'Etzel auf, den Bericht über 
die Thätigkeit des Logen-Bundes während des abgelaufenen 
Maurer-Jahres vorzutragen. Hierauf verlangte er vom Gross- 
almosenier Br. Schwartz die Berichterstattung über die 
Wohlthätigkeitsübungen und vom Grossschriftführer Br. Deter 
die Verlesung der Niederschrift über die Grossbeamten -Wahl 
für das neue Maurerjahr. Der Protektor liess die Grossbeamten 
zum Altar treten, die Amtszeichen niederlegen, und bekleidete 

*) In gleicher Weise beteiligte sich der Protektor an den 
Johannis-Festen 1844 and 1847. Auch bei der Jahresfeier der Alt- 
schottischen Loge war er anwesend in den Jahren 1841, 1842, 1845, 
1846, 1848, 1849, 1851; ferner bei anderen Yeranlassnngen w&hrend 
dieses Zeitraums, endlich auch bei den Tranerlogen am 20. Juni 1840 
zum Andenken an König Friedrich Wilhelm III. und am 19. Januar 1861 
zum Andenken an König Friedrich Wilhelm lY. Vom Jahr 1840 bis 
1860 fanden die Sitzungen des Preuss. Grossmeister- Vereins fast regel- 
mässig unter dem Vorsitz des Protektors statt. Bei der Thron- 
besteigung erklärte er am 16. Januar 1861 den Grossmeistem, welche 
ein Beileids- und Glückwunsch-Schreiben der drei Preussischen Grosslogen 
überreichten: „Sie haben so richtig und so vollkommen in der Adresse 
der Freimaurer -Brüderschaft die Gefühle ausgedrückt, die mein Herz 
in dieser Zeit bewegen, dass ich nichts hinzuzusetzen habe. Ich weiss 
Ihnen Dank, dass sie auf den Quell hingewiesen, von welchem allein 
ich Trost zu erwarten habe, und ich hoffe auch fest, ihn dort zu finden. 
So wie ich oft aus Ihren Arbeiten in der Loge Erhebung und Kräftigung 
für mein Thun und Denken geschöpft habe, so gereicht mir auch Ihre 
heutige Ansprache zu besonderer Freude. Das ist ja eben der Segen 
der Freimaurerei, dass sie uns für die Erfüllung unserer Pflichten in 
der Welt geschickt macht — Als König bin ich Dur Schutzherr; aber 
ich will Ihnen auch femer in meiner bisherigen Eigenschaft als 
Protektor angehören und als solcher, so viel ich kann, die Logen 
besuchen. Sie sehen aber wohl ein, dass mir das bei meinen Pflichten 
etwas schwer werden wird. Die gewöhnlichen Geschäfte des Protektorats 
werde ich meinem Sohn dem Kronprinzen übertragen und ihm dafür 
eine Vollmacht ausstellen. Er kann auch dem Grossmeisterverein 
präsidiren. Poch wünsche ich, dass mir jedesmal von der Versammlung 
des Grossmeistervereins mit Angabe des Gegenstandes der Ver- 
handlungen Anzeige gemacht werde, damit ich, wo es erforderlich, 
meinerseits meine Entschliessungen darüber treffen oder meine Ansichten 
mitteilen, in wichtigen Angelegenheiten auch selbst den Vorsitz 
führen kann.*^ 



— 173 — 

demnächst den National-Grossmeister Br. O'Etzel, und den 1841 
zugeordneten Grossmeister Br. Schmückert mit dem 
Winkelmaass and übergab den Hammer an ersteren zur 
weiteren Lieitung der Arbeit, während er selbst zur rechten 
Seite des National-Grossmeisters Platz nahm. Bei der daraaf 
folgenden Tafelloge lehnte der Prinz den grossmeisterlichen 
Hammer ab, brachte aber den ersten Trinksprach aaf den 
König aas. 

In demselben Jahr wurden die Ortssatzungen der in 
Berlin vereinigten 4 Johannis-Tochterlogen von der Grossen 
Loge beraten und genehmigt und vom Bundes -Direktorium 
bestätigt. Letzteres ordnete für die eigenen Mitglieder sowie 
für die Ehrenmeister und für die vorbereitenden Brr. der 
Johannislogen besondere Amtszeichen an. 

Im Jahr 1842 wurde die Tochterloge „Friedrich zur 1842 
Beständigkeit*' im Orient Z erbst, die seit 9 Jahren ausser 
Thätigkeit gewesen, wieder eröffnet; aus dem Bunde schied 
dagegen die Tochterloge „zum stillen Tempel* im Orient 
zu Hildesheim, um auf Verlangen des Königs von Hannover 
der Hannoverischen Grossloge beizutreten. 

Das Bundes-Direktorium verlor in diesem Jahr zwei 
Mitglieder und zwar den Br. Bellermann, der auch nach 
seinem Ausscheiden als ordentliches Mitglied noch als Ehren- 
mitglied den Beratungen beiwohnte, durch den Tod und 
den Br. Freiherm v. Blomberg durch Verlegung seines 
Wohnsitzes von Berlin nach seinem Gut Iggershausen 
bei Lemgo. An des letzteren Stelle trat der Br. v. Olfers, 
Geheimer Legationsrat, in das Direktorium. 

Neu gegründet wurden die Tochterlogen „Zum lebenden 
Kreuz**) in Lippstadt und „Wilhelm zu den drei Helmen* 
in Wetzlar**), dagegen wurde ausser Thätigkeit gesetzt die 
Tochterloge „Hermann zum Lande der Berge* in Elberfeld. 



*) Seit dem 18. September 1862 ist diese Loge geschlosten. 

**) Bereits im Jahr 1767 war Id Wetzlar die Loge „Joseph su 

den 3 Helmen*^ durch die Loge der strikten Obsenrans „sn den 8 

Disteln* in Mainz (Ordenshaas Fritslar) errichtet worden. Nachdem 

die Loge in Mains auf Kurfürstlichen Befehl noch in demselben 



— 174 — 

1642 An die Stelle des in den ewigen Osten eingegangenen 

Br. Pelkmann wnrde der Br. Messerschmidt, Wirklicher 
Geheimer Kriegsrat im Eriegsministeriom nnd General- 
Proviantmeister, in das Bnndesdirektoriam gewählt. 

Im Jahr 1842 wurden die höchsten Leiter der Lehrart 
der Grossloge „Royal Tork zur Freundschaft^ von dem 
diesseitigen höchsten Inneren Orient zu einer näheren 
Verbindung eingeladen. Die Einladung wurde bereitwillig 
angenommen, und am 14. Februar fand die EinfQhrung der 
Brr. Link, Klöden, Bier, Busse, Jachtmann, Marquardt 
und N ei seh in unseren Inneren Orient statt. Auch die 
beiden Grosslogen traten in eine nähere Beziehung durch 
gegenseitige Wahl von Gross- Vertretern. 

In diesem Jahr fand die Jahrhundertfeier der Tochter- 
loge „zu den drei Degen^ im Orient zu Halle a. d. S. statt. 

Nach dem bisherigen Geschäftsgang wurden die Jahres- 
berichte der auswärtigen Tochterlogen deren Vertretern 
übersendet und von diesen dem Bundes-Direktorium eingereicht. 

Wegen der dadurch häufig entstandenen Verzögerungen 
wurden die Tochterlogen angewiesen, ihre Jahresberichte 
unmittelbar dem Bundes-Direktorium einzusenden. Zugleich 
1843 fasste die Grossloge in der Sitzung vom 23. Februar 1843 
den Beschluss, dass den Vertretern der Tochterlogen fortan 
nicht mehr die Jahresberichte, wohl aber sämmtlichen 
ordentlichen Mitgliedern der Grossloge ein Auszug aus den 
Jahresberichten aller Tochterlogen zugestellt werden sollte. 
Ausserdem sollte jedem Vertreter auf schriftliches Verlangen 



Jahr ihre Arbeit eingestellt hatte, schloss sich die Loge in Wetzlar 
im Jahr 1783 der Loge des Eklektischen Bundes in Frankfurt am 
Main an. In unserem Archiv befinden sich von dieser Loge in 
Wetzlar die Mitglieder -Verzeichnisse aus den Jahren 1768, 7^, 76, 
78, 83. Wann diese Loge ihre Arbeit eingestellt hat, ist aus unseren 
Akten nicht zu entnehmen. 

Im Jahr 1777 war das Grosskapitel der Provinzialloge des 
Eklektischen Bundes von Frankfurt am Main nach Wetzlar unter 
dem Namen „Joseph zum Reichsadler** verlegt, im Jahr 1803 nach 
Frankfort zurückverlegt worden. 



— 175 — 

vom Grosa- Archivar der Jahresbericht der von ihm vertretenen 1848 
Tochterlogen „zur Einsicht*' überlassen werden. 

Die Zahl der ordentlichen Mitglieder der Matterloge 
war dorch die Grondverfassong von 1797, als 23 Tochter- 
logen vorhanden waren, von 45 auf 36 herabgesetzt worden. 
Den Sitzungen der Matterlogen sollten jedoch aasser 
diesen Mitgliedern mehrere Beamten der berliner Tochter^ 
logen (namentlich die Aafseher, Schriftführer and Schatz- 
meister), ferner die Vorsteher des Schaffner- Amtes and der 
Armenpfleger, jedoch mit dem aaf bestimmte Gegenstände 
beschränkten Stimmrecht beiwohnen. 

Nach der Darchsicht der Grandverfassung von 1804 
bestand die Matterloge aas den 11 Grossbeamten and 86 
ordentlichen Mitgliedern, welche alle den Schottengrad 
haben massten. 

Bei der Darchsicht von 1812 warde festgesetzt: 

㤠5. Die Zahl der Mitglieder der Grossen National- 
Matterloge bestimmt sich nach dem Bedarf dergestalt, dass 
möglichst kein Br. mehr als eine Loge vertreten mass. 
Jedoch darf diese Zahl nicht 7X7 oder 49 übersteigen. 

Wenn der Band aas mehr als 49 Provinzial- oder 
Tochterlogen bestände, so müssten so viele Brr. als nötig, 
eine zweite, aach wohl, wenn der Band später noch mehr 
anwachsen sollte, eine dritte Vertreterstelle übernehmen. 
Die Zahl der ordentlichen Mitglieder der Grossen National- 
Matterloge dürfe aber aach nie anter 5X5 oder 25 sein, 
and überhaupt keine Versammlang der Grossloge eröfihet 
werden, wenn nicht wenigstens 3X3 oder 9 ordentliche 
Mitglieder zugegen sind*'. 

Inzwischen war die Zahl der Tochterlogen bis 1843 
von 22 auf 90 gestiegen. Deshalb machte das Bandes- 
Direktorium den Vorschlag: 

Die Anzahl der ordentlichen Mitglieder der Mutterloge 
darf nie unter 25 sein, auch darf keine Grosslogen-Sitzung 
eröffnet werden, wenn nicht 9 ordentliche Mitglieder zugegen 
sind. — Im Uebrigen hängt die Anzahl der ordentlichen 
Mitglieder der Mutterloge vom Bedarf ab. Der Grossmeister 



— 176 — 

1843 hat dahin za wirken, dass die Vertreterstellen gehörig 
besetzt sind. 

Bei der Beratung wurde gegen diesen Vorschlag 
erinnert, dass der „Bedarf^ nicht nach der Anzahl der 
Tochterlogen bestimmt werden könne, auch andererseits die 
grössere Zahl der Mitglieder einer Versammlung auf die 
Zweckmässigkeit und Weisheit der Beschlüsse nicht nach 
fortschreitendem Verhältniss wirke, und dass es eine gewisse 
Grenze gebe, welche nicht überschritten werden dürfe, wenn 
die grosse Zahl der Mitglieder nicht von höchst nachteiligem 
Einfluss auf die Beschlussfassung sein solle. 

In der Sitzung vom 7. September 1843 wurde mit 22 
gegen 1 1 Stimmen die jetzt noch geltende Vorschrift beschlossen: 
dass die Anzahl der ordentlichen Mitglieder der Gross- 
loge die Zahl von 7X9 oder 63 nicht übersteigen dürfe. 

Die Wahl eines Mitgliedes der Grossen National-Mutter- 
löge erfolgte nach der Grund Verfassung vom Jahr 1797 auf 
Vorschlag der versitzenden Meister der Tochterlogen, welche 
. dabei vornehmlich auf diejenigen Brr. des 4. Grades zu 
sehen hatten, „welche in einer Tochterloge zwei Jahre 
hintereinander ein Amt rühmlich geführt hatten.^ 

Nach der Grundverfassung von 1812 hatte der Vorsitzende 
Meister der Tochterloge unter Zuziehung der in seiner 
Loge befindlichen Mitglieder der Mutterloge die Vorschlags- 
liste aufzustellen. 

Da das Bundes-Direktorium die Zuziehung sämmtlicher 
Brr. Meister der Tochterloge — nicht bloss der in ihr 
vorhandenen Mitglieder der Grossloge — bei Aufstellung der 
Vorschlagsliste für wünschenswert erachtete, wurde in der 
Sitzung der Mutterloge vom 7. September 1843 mit 23 
gegen 9 Stimmen der Beschluss gefasst, dass jeder 
Meister v. St. die Brr. Meister seiner Johannisloge zu einer 
Beratung zu berufen und mit ihnen durch einfache Stimmen- 
mehrheit mittels Zettelwahl aus den zur Loge gehörenden 
Brm. des 4. Grades die Anwärter für die Mutterloge zu 
wählen habe. Deren Verzeichniss wird dann dem Gross- 
meister eingereicht. — 



— 177 — 

Nach der Minisierial -Verordnung vom 9. Oktober 1797 1848 
und dem Minisierial -Reskript vom 6. Mai 1843 vmrde von 
den Justizbehörden angenommen, dass dem ans 7 Mitgliedern 
bestehenden Bandes-Direktorinm nur in seiner Gesammtheit, 
nicht aber einzelnen Mitgliedern ein f&r allemal Vollmacht 
von der National-Matterloge erteilt sei, alle gerichtlichen 
und öffentlichen Verhandlungen in deren Namen vollkommen 
göltig vorzunehmen und abzuschliessen. 

Mit Röcksicht auf die Vorschrift der Grundverfassung 
von 1797: 

§ 12. Alle durch die Gesetze bestimmten oder durch die 

Mutterloge genehmigten Verhandlungen können zur Aus- 

föhrung gebracht werden, wenn auch nur drei Mitglieder 

des Bundes-Direktorii einen nach § 9 und 10 gesetzlichen 

Beschluss gefasst haben, selbst bevor die nach § 11 

festgesetzte Mitteilung des Protokolls an die Abwesenden 

geschehen ist, 

tmd da öberdies in Abwesenheits-, Krankheits- und anderen 

unvermeidlichen Behinderungsfällen es oft unmöglich sein 

MTÖrde, dergleichen Verhandlungen — besonders wenn Gefahr 

im Verzuge ist — von allen 7 Mitgliedern des Direktoriums 

vollziehen zu lassen, machte das Direktorium den Vorschlag: 

Jeder von drei Mitgliedern des Direktoriums der 

National -Mutterloge zu den drei Weltkugeln in Berlin 

vollzogene Beschluss in gerichtlichen, aussergerichtlichen 

und allen äusseren Angelegenheiten dieses Logenvereins 

hat för die Gesammtheit des Letzteren rechtsverbindliche 

Kraft. 

Dieser Vorschlag wurde in der Sitzung vom 7. September 
1843 einstimmig zum Gesetz erhoben, und der Justizminister 
^avon in Kenntniss gesetzt. 

Nach dem Justiz-Ministerial-Reskript vom 27. September 
1843*) ist der Beschluss den Gerichten zur Kenntnissnahme 
und Berücksichtigung mitgeteilt worden. 

*) I)&8 Direktoriam der hiesigen National-Mutterloge su den drei 
Weltkugeln benachrichtige ich hierdorcb, dass ich die von demselben 
4inter dem 23. d. M. erstattete Anseige, betreifend die Ton der gedachten 

0«Mh. d. Gr. NaL-MatUr-Loff«. 18 



— 178 — 

1848 Im Jahr 1843 erfolgte die Vereinbanmg mit der Grossen 
Landesloge von Deatschland über gegenseitige Teilnahme 
an den Arbeiten im Schottengrad. 

Im Jahr 1843 wurde die Tochterloge 
in Gaben „zu den drei Säulen am Weinberg'*) gegrOndet. 

1844 Im Jahr 1844 wurden die Tochterlogen 

in Bielefeld „Armin zur deutschen Treue "*^), und 

in Detmold „zur Rose am Teutoburger Walde' gegründet. 

Das Mitglied des Bundes-Direktoriums Br. Kluge starb 
am 26. Mai, an seine Stelle wurde der Br. Simon, Dr. jur. 
und Wirkl. Geh. Ober- Justizrat, gewählt. 

Den Bemühungen des Grossmeister -Vereins zur Herbei- 
führung einer innigeren Verbindung zwischen den drei 
Preussischen Grosslogen war ein bedeutender Erfolg beschieden^ 
indem der Grossmeister-Verein die von ihm vorgeschlagene, von 
den Grosslogen (vergl. Niederschrift der Vierteljahrs-Beratung 
vom 5. September 1844) genehmigte Erklärung erlassen 
konnte: 

„Die hiesigen drei Grosslogen verfolgen in den Ordens- 
zwecken ein gleiches Ziel, indem ihr Bestreben dahin 
gerichtet ist, fem von jeder politischen und konfessionell- 
kirchlichen Tendenz nach den Grundsätzen des Christen- 
tums auf die Veredelung ihrer Mitglieder und die 
Beglückung des Menschengeschlechts hinzuwirken.*' 

Loge gefasste deklaratorische Bestimmang über die Zahl der Mit- 
glieder des Direktoriums, von denen die Beschlüsse des Logenbnnds 
gefasst sein müssen, um in äusseren Angelegenheiten rechtsverbindliche 
Kraft zu haben, dem Königl. Kammergericht sowie dem hiesigen 
Königl. Stadtgericht und Landgericht zur Kenntnissnahme und Berück- 
sichtigung zugefertigt habe. 

Berlin, den 27. September 1843. (gez.) Müh 1er. 

Justizministerium Xo. I. 4340. 

*) Die im Jahr 1764 von der Mutterloge der Ober- und Nieder- 
lausitz zu Görlitz in Guben errichtete Loge ^zu den drei Säulen*^ 
war am das Jahr 1780 eingegangen. 

**) Die im Jahr 1780 von der Grossen Landesloge in Bielefeld 
errichtete Loge „Aurora** war inzwischen geschlossen. 



— 179 — 

„Die drei Grosslogen erkennen sich in dieser Beziehung 1844 
ohne Rücksicht auf ihre von einander abweichenden inneren 
Einrichtungen, Formen und Gebräuche gegenseitig als ächte, 
wahre Freimaurer-Logen an ; sie haben sich untereinander 
vereinigt, diese Einrichtungen, Formen und Gebräuche 
niemals zum Gegenstand eines öffentlichen Wortstreites 
zu machen, sie vielmehr gegenseitig zu achten und überall 
und jederzeit innige Freundschaft und innige Bruderliebe 
unter allen Mitgliedern ihrer Logen zu fördern und zu 
pflegen*'. 

„Zu diesem Zweck verpflichten sich die drei verbündeten 
Grosslogen, ihren sämmtlichen Tochterlogen und Brüdern 
allen und jeden Streit über jene Einrichtungen, Formen 
und Gebräuche nicht allein wiederholt ernstlich zu untersagen, 
sondern auch jeden Bruder, welcher gegen dieses Verbot 
handeln sollte, auf gesetzmässigem Wege zur Verantwortung 
zu ziehen, um hierdurch zu bethätigen, dass verletzende 
Aeusserungen über befreundete Logen und Brüder in den 
Lehrarten der 3 Grosslogen auf keine Weise gebilligt 
werden, letztere vielmehr eifrig bemüht seien, Liebe, Eintracht 
und Duldung zu befördern und aufrecht zu erhalten*. 
Es soll jedoch nach der Erklärung des Grossmeister- 
Vereins in der am 13. Juni 1844 unter dem Vorsitz des 
Protektors abgehaltenen Beratung durch dieses Deberein- 
kommen die maurerische Geschichts-Forschung keines- 
wegs als den Logen verboten zu betrachten sein. Es müsse 
jedoch darauf gesehen werden, dass auch in den Vorträgen 
die Thatsachen ohne gehässige und verletzende Bemerkungen 
den Brüdern dargestellt würden. Jede Grossloge werde gewiss 
gern bereit sein, wo Zweifel über eine geschichtliche Thatsache 
vorlägen oder eine unrichtige Ueberlieferung zu beseitigen 
sei, die erforderliche Auskunft zu geben, damit überall 
der Wahrheit gehuldigt und so der Grund zu einer 
wahrhaften Geschichte der Maurerei gelegt werde. 
Nachdem durch diesen Beschluss das Verhältniss der drei 
Preussischen Grosslogen unter einander geregelt war, musste 
auch den anderen Grosslogen gegenüber dieses Bündnias 

12* 



— 180 — 

1844 beorkondet werden. Es geschah dies durch Vereinbanmg 
über die allgemeinen manrerischen Grundsätze, welche dem- 
nächst von den drei Grosslogen als solche anerkannt wurden. 
Die Urkunde wurde indess erst am 28. März 1860 voll- 
zogen*). 

In der Sitzung des Grossmeister-Yereins vom 14. Juni 
1844 wurde in Betreff der gegenseitigen Vertretung die 
Verabredung getroffen: 

„die gegenseitigen Repräsentanten der drei Grosslogen 
haben Sitz mit beratender Stimme in allen Grosslogen- 
Versammlungen und empfangen die darin geführten 
ProtokoUe in Abschrift oder Abdruck zur Beförderung 
an ihre Machtgeberinnen. Diese Protokolle werden dann 
in der Grossloge zum Vortrag gebracht, und geht das, 
was von allgemeinem Interesse ist, dann in die Protokolle 
derselben über und kommt zur Kenntniss ihrer Bundes- 
logen*. 

Zur Beseitigung eines bei dieser Veranlassung gehegten 
Bedenkens erklärte die Abordnung der Grossen Landesloge 
von Deutschland, dass die zwischen dieser Grossloge 
und der Grossloge von Schweden bestehende 
Konvention beide Teile zwar verpflichte, in Lehre 
und Ritual ohne gegenseitige Genehmigung keine 
Abänderung vorzunehmen; dagegen stehe ihre Gross- 
loge in Ansehung der Regierungs-Angelegenheiten 
ganz unabhängig da, und der Grossmeister und 
die Grossloge seien diejenigen Behörden, welche 
mit anderen Grosslogen selbständig verhandeln 
könnten. 

1845 Im Jahr 1845 wurden die Tochterlogen: 
in Pasewalk: „zur Palme^ und 

in Gladbach: „Vorwärts^ gegründet. 

Die innigere Beziehung zur Grossen Landesloge von 
Deutschland wurde durch Wahl von Gross -Vertretern 
angebahnt. 



♦) Vgl. Anlage 2. 



— 181 — 

In der Yierteljahrs-Beratnng vom 6. März 1845 wurde 1846 
in Debereinstimmung mit den beiden anderen Preussischen 
Grosslogen dem nachstehenden Beschloss des Grossmeister- 
Yereins die Zustimmung erteilt: 

„Wenn der Durchlauchtigste Protektor einen Ort, in 
welchem mehrere Tochterlogen von den hiesigen drei 
Grosslogen sich befinden, mit Höchst Seiner Gegenwart 
beehrt, so sollen diese Logen, um jeden Schein der Rivalit&t 
zu vermeiden, sich vereinigen, und die maurerische Feier 
bei der Anwesenheit Seiner Königlichen Hoheit eine 
gemeinsame sein^. 

Die hiesige Tochterloge „zur Eintracht* hatte den 
Antrag gestellt: 

1. Die Mutterloge möge fortan ohne Zustimmung der 
Meisterschaft dieser Tochterloge 

a) keine Veräusserung des unbeweglichen Vermögens 
durch Verkauf, Tausch, Verpfändung, 

b) keine Erhöhung der laufenden Beiträge beschliessen. 

2. Zu allen Unternehmungen, welche die Grenze der 
gewöhnlichen Verwaltung überschreiten sollten, möge 
die Zustimmung der Meisterschaft der Tochterloge 
eingeholt werden. 

Aehnliche, wenn auch nicht so weitgehende Anträge waren 
von den andern drei berliner Tochterlogen gestellt worden. 
In der Vierteljahrs-Beratung vom 13. März 1845 wurde 
einstimmig der Beschluss gefasst: 

dass diese Anträge von der Mutterlogo nach der 
Eigentümlichkeit ihrer Stellung, wonach sie alle Johannis- 
Tochterlogen vertrete und für die Erhaltung und Ver- 
teidigung der Gesammtrechte der Mutterloge und f&r die 
Erfüllung ihrer Verbindlichkeiten zu sorgen habe, nicht 
bewilligt werden können, dass aber in allen Fällen, 
wo nicht besondere Gründe es unzulässig oder nicht ratsam 
machen, das Gutachten der berliner Johannislogen über 
die Erhöhung der Beiträge oder über andere bedeutende 
Veränderungen eingeholt werden solle; die Beschlussnahme 
jedoch der Mutterloge verbleibe. 



— 182 — 

1846 Ob in einem besonderen Fall ein Grand vorhanden, 

das Gutachten der Johannislogen nicht einzoholen, könne 

nur dnrch zwei Drittel der gegenwärtigen Mitglieder der 

Mutterloge beschlossen werden. 

Die von dem National-Grossmeister Br. O'Etzel bei 

dieser Veranlassung bereits in der Sitzung vom 5. Dezember 

1844 1844 gegebene Erläuterung in Betreff der Vermögene- 
Erwerbung der Mutterloge und der darauf bezüglichen 
Verhältnisse zu ihren vier berliner Tochterlogen setzte es 
ausser Zweifel, dass die Tochterlogen keinen Rechtstitel 
auf das Vermögen der Mutterloge besitzen. 

In der Vierteljahrs-Beratung der Mutterloge vom 13. März 

1845 1845 wurde ferner beschlossen: 

,,Die berliner Tochterlogen wählen zu ihren Logen- 
Beamten noch einen Almosenier, welcher im Gross-Almosen- 
Amt Sitz und Stimme hat. Derselbe ist verpflichtet, der 
Meisterschaft seiner Loge in der Meister -Konferenz die 
geeignete Mitteilung über die Unterstützungs- Anträge und 
die Möglichkeit der Berücksichtigung derselben nach den 
vorhandenen Geldmitteln zu machen^. 

In der Vierteljahrs -Beratung vom 18. September wurde 
die veränderte Anweisung für das Gross-Schatzamt genehmigt, 
gleichzeitig auch ein Ausschuss zur Durchsicht der Grund- 
verfassung niedergesetzt, und zu dessen Mitgliedern die Brr. 
Schmidt III., Simon, Thiede IL, Meyer und Liman 
gewählt. Mit dem 1. Januar 1848 trat die von diesem 
Ausschuss durchgesehene Grundverfassung in Kraft. 

Bei Veranlassung des maurerischen Verfahrens gegen den 
Br. Salb ach, Mitglied der Mutterloge, wurde in der Sitzung 
vom 8. September 1845 der Grundsatz anerkannt: dass die 
Grosse National-Mutterloge in ihren Sitzungen als Johannis- 
Loge arbeite. Die Ausübung der Strafgewalt in einer Johannis- 
loge stehe der Meisterschaft zu, mithin gegen ein Mitglied 
der National-Mutterloge dieser selbst*). Gegen den Ausspruch 

*) In der Sitzung der Grossloge vom 23. November 1871 wnrde 
dieser Grundsatz auch im Verfahren gegen Br. Wiebe zur Anwendung 
gebracht 



— 183 — 

finde keine Benifang auf eine höhere Entscheidung nach 1815 
§ 281 der Bandesstataten statt; nar wenn der Beschlass aaf 
eine der beiden in § 281 bezeichneten höchsten Strafarten 
laate, werde er erst darch die Bestätigung des Bandes- 
Direktoriams vollziehbar. Aach in Fällen dieser Art stehe 
dem Bandes-Direktoriam wohl die Befagniss za, das Straf- 
arteil der Matterloge za mildem, nicht aber, es za verschärfen. 

Am 21. Februar und 21. März 1846 wurden die Mit- 1846 
glieder des Direktoriums der Grossen National-Mutterloge 
in ihrer Eigenschaft als höchster Innerer Orient in die höchsten 
Grade des Systems der Grossen Landesloge von Deutschland 
eingeführt, wogegen am 11. Mai die Einführung der Mitglieder 
des höchsten Ordensrates jener Schwester-Grossloge, nämlich 
der Brr. Graf Henkel v. Donnersmark, v. Selasinski, 
Busch, V. Wiebel, Turte, Devaranne, Köne, v. Hoch- 
stätter, Klemm, Nitschke und Schaut in unseren Innern 
Orient in Gegenwart des Protektors stattfand. 

In diesem Jahr trat die Grossloge „zur Eintracht^ 
in Darmstadt*) ins Leben. 

Im Jahr 1847 ward in Torgau**) eine neue Loge 1847 



Artikel 9 der Grundverfassung von 1895 verordnet: 
„Der Grossloge steht die Strafgewalt Qber ihre Mitglieder in 
Bezug auf deren Verhalten als Mitglieder der Grossloge zu. Die 
zul&ssigen Strafen sind: 

1. Erkl&rung des MissfaUens der Grossloge; 

2. Streichung aus der Liste der Grossloge. 

^) Begründet wurde diese durch eine Anzahl Brüder des 
Eklektischen Bundes, welche das christliche Prindp in der Freimaurerei 
beibehalten woUten. Da diese Brüder zum Teil der in Darmstadt 
seit 1816 von dem Elklektischen Bund errichteten Loge „Johannes der 
Evangelist zur Eintracht*^ angehörten, wussten sie den Groishersog 
von Hessen -Darmstadt zu einem Erlass zu bewegen, kraft dessen in 
seinem Lande nur Logen bestehen durften, welche dieser einheimischen 
Grossloge angehörten, über welche er das Protektorat annahm. Den 
Logen in Offenbach, Worms, Giessen und Friedberg, welche der neuen 
Grossloge beitraten und bisher dem Eklektischen Bund angehörten, 
wurde die Beibehaltung des Eklektischen Rituals gestattet 

^*) Bereits im Jahr 1814 hatten sich 9 Brüder Meister in Torgan 
an die National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln wegen Errichtung 



— 184 — 

1847 „Friedrich Wilhelm za den drei Kränzen^ gegründet. 

Am 4. März wurden folgende Mitglieder für den Aassdniss 
zur Durchsicht der Bondesstatuten gewählt : 
der National-Grossmeister, Br. v. Etzel, 
der zugeordnete National-Grossmeister, Br. Schmück ert, 
die BBr. Simon, Schmidt III., Paalzow und 
die Vorsitzenden Meister der hiesigen Tochterlogen. 
Femer wnrde am 28. Oktober 1847 die durchgesehene 
Gnmdverfassang genehmigt. 

1848 Im Jahr 1848 starb das Mitglied des Bandes-Direktorinms 
Br. Schmidt III.; an seiner Statt warde der Br. Seeger, 
Stadtrat and Königlicher Lotterie -Einnehmer, zum Ifit- 
glied des Bondes-Direktoriums gewählt. Ferner wurde zum 
National-Grossmeister der Br. Messerschmidt gewählt, 
nachdem der Br. v. Etzel, gebeten hatte , nach 10 jähriger 
Führung dieses Amtes wegen Altersschwäche ihn nicht wieder 
zu wählen. 

Am 18. November 1848 wurde die Loge „zu den drei 
Hämmern^ in Naumburg'*') wieder eröffnet. 



einer Loge gewendet. Sie vermochten jedoch nicht den gestellten 
Anforderungen zu genügen. Am 18. Juni 1818 gründete die Grossloge 
„Royal York zur Freundschaft^ eine Loge zu Torgau unter dem 
Namen „zu den drei Kränzen^, welche nach einem zwölfjährigen Bestehen 
einging. Bereits am 5. September 1816 war eine Feldloge unter dem 
Namen „Friedrich Wilhelm zum eisernen Kreuz** von der Grossen 
Landesloge von Deutschland zu Erfurt errichtet und im Jahr 1818 
nach Torgau verlegt worden. Diese ward im Jahr 1826 geschlossen 
und am 25. Mai 1857 in Bonn erneuert. 

*) Bereits am 8. Juni 1749 war die Loge „aux trois Marteaux" za 
Naumburg durch die für diesen Zweck von G. G. v. Marschall, 
Heermeister von der Elbe und Oder, den BBm. Baron Carl Albert 
Gottlieb V. Tanner und Conrad Jakob Schmidt erteilte Urkunde 
gestiftet worden. Sie schloss sich 1751 der Loge „zu den 3 S&ulen*^ 
in ünwürde an und erhielt 175S von dem Heermeister v. Hund eine 
neue Urkunde, stellte jedoch um 1776 ihre Arbeit wieder ein. Erst 
1815 wurde sie von der Grossloge zu Hamburg erneuert, musste 
jedoch 1819 ihren Tempel schliessen weil sie sich keiner der Preussischen 
Grosslogen nach Vorschrift des Ediktes von 1798 angliedern wollte. 
Erst 1848 wurde sie von unserer Grossloge wieder errichtet. 



— 185 — 

Die Tochterloge „Minerva zam vaterländischen Verein'' 1848 
im Orient zu Cöln a. Rh. hatte in diesem Jahr einen Br. 
jüdischen Glaubens angenommen and sofort zum Beamten 
gewählt. Die Arbeiten der Loge wurden, da die Ermahnungen 
des Bandes -Direktoriums nicht den gewünschten Eingang 
fanden, durch Beschluss des letzteren sofort untersagt. Die 
Mutterloge beschloss demnächst in der Sitzung vom 7. Sep- 
tember Auflösung der Loge und erteilte ihr am 7. November 
1848 die beantragte Elntlassung aus dem Bund der Grossen 
National-Mutterloge. Durch Beschluss der Grossloge vom 
25. März 1852 wnrdesie jedoch, nachdem sie den Anforderungen 
der Bundesbehörde entsprochen hatte, in den Bund wieder 
aufgenommen. 

In den Sitzungen der Mutterloge vom 1. März und 1849 
24. Mai 1849 wurde auf den Antrag des Ausschusses zur 
Beratung der Bundesstatuten gegen die in einem aos- 
führlichen Gutachten näher entwickelte Ansicht des Rechts- 
beistandes des Bundes-Direktoriums, Br. Scholz v. Hermens- 
dorf, beschlossen: 
a) dass das, die geheimen Gesellschaften betreffende Edikt 

vom 20. Oktober 1798*) durch § 4 des Gesetzes vom 

(). April 1848 über das freie Vereinigungsrecht **) und 



Im Jahr 1827 wurde in Naumburg eine neue Loge „zu den 
drei Lichtem*^ errichtet, welche jedoch 1833 ihre Arbeit einstellte. 
Sie war die Fortsetzung der durch die Grosslöge „Royal York z. F.*^ 
1817 Yon Weissenfeis nach Naumburg verlegten Loge „Zirkel der 
Eintracht". Nähere Nachrichten über diese zweite Loge fehlen noch. 
Die in Nettelbladt's historischen Instruktionen (lY. S. 10) erw&hnten 
,,Annalen der Freimaurer -Loge zu den drei Hämmern von Lepsin s. 
Manuscript" sind nicht zu ermitteln gewesen. VergL AUg. H.-B. der 
Frm. 8 Aufl. Bd. I. S. 79. 

♦) S. Seite 119. 

^*) Die Verordnong über einige Grundlagen der künftigen 
preossischen Verfassung vom 6. April 1848 (Gesetzsammlung fiElr 1848 
Seite 87) bestimmte: 
§4. Alle Preussen sind berechtigt, sich friedlich und ohne Waffen 
in geschlossenen R&umen zu versammeln, ohne dass die Aus- 
übung dieses Rechtes einer vorg&ogigen polizeilichen Erlaabnisi 
unterworfen w&ie. Auch Versammlungen unter freiem Himmel 



— 186 — 

1849 die darauf bezüglichen Artikel 27 und 28 derVerfassongs- 
Urkonde vom 5. Dezember 1848"^) in seinem strafrechtlichen 
Teil als vollständig aufgehoben, und auch die nur die 
Freimaurerei betreffenden Bestimmungen nicht mehr als 
fortbestehend zu erachten seien; 
b) dass nur die durch das Edikt von 1798 bezeichneten 
3 Grosslogen und deren Tochterlogen**) Korporations- 
Rechte***) gemessen; 

können, insofern sie für die öffentliche Sicherheit und Ordnung 
nicht gefahrbringend sind, von der Obrigkeit gestattet werden. 

Ebenso sind alle Preussen berechtigt, zu solchen Zwecken, 
welche den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, sich ohne vor- 
gängige polizeiliche Erlaubniss in Gesellschaften zu vereinigen. 

Alle, das freie Vereinigungsrecht beschränkende, noch 
bestehende gesetzliche Bestimmungen werden hiermit aufgehoben. 

*) Die Yerfassungs- Urkunde für den preussischen Staat vom 
6. Dezember 1848 (Gesetzsammlung für 1848, S. 378) bestimmte: 

§ 27. Alle Preussen sind berechtigt, sich ohne vorgängige obrigkeitliche 
Erlaubniss friedlich und ohne Waffen in geschlossenen Räumen 
zu versammeln. 

Diese Bestimmung bezieht sich nicht auf Versammlungen unter 
freiem Himmel, welche in allen Beziehungen der Verfügung des 
(Gesetzes unterworfen sind. Bis zum Erlasse eines solchen Gtesetzet 
ist von Versammlungen unter freiem Himmel 24 Stunden vorher 
der Ortspolizeibehörde Anzeige zu machen, welche die Ver- 
sammlung zu verbieten hat, wenn sie dieselbe für die öffentliche 
Sicherheit oder Ordnung gefährlich erachtet. 

§ 28. Alle Preussen haben das Recht, sich zu solchen Zwecken, welche 
den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, in Gesellschaften 
zu vereinigen. 

**) Die Korporations - Rechte der einzelnen Tochterlogen ein- 
schliesslich der in den Rheinprovinzen sind anerkannt durch das 
Ministerial- Reskript vom 5. März 1842. 

***) In Uebereinstimmung hiermit verfügten die Minister des Innern und 
der Justiz an den Oberpräsidenten der Rheinpro vinz unter dem 20. Mai 1849 : 

„Da die in den Rheinprovinzen bestehenden Logen nur insofern 
Eorporationsrechte haben, als sie Tochterlogen einer der drei hier 
bestehenden Mutterlogen sind und mit denselben einGanzes ausmachen, 
so verlieren sie die Eorporationsrechte durch die Auflösung dieser Ver- 
bindung, können solche auch nur durch besondere Verleihung wieder 
erwerben (Art 29 der Verfassung) und haben keine anderen Befugnisse, 
als jede andere, nicht gegen das Strafgesetz verstossende Gesellschaft*^. 



— 187 — 

c) da88 die Grundsätze derjenigen sich neu konstituirenden 1849 
(s. g. isolirten) Logen, welche nicht einer anerkannten 
Grossloge angehören, geprüft, and demnächst in der 
Konferenz der Matterloge ein Beschlass darüber gefasst 
werden müsse, ob sie mit dem Wesen der ächten, wahren 
Freimaarerei übereinstimmen and demnach anzuerkennen 
sein würden. 

Nachdem jedoch in Folge der Veränderung der revidirten 
Verfassungs-Ürkunde vom 31. Janaar 1850 und des Straf- 
gesetzbuches vom 14. April 1851 die Königl. Staatsregierung 
mittels Erlasses vom 21. Juli 1851*) das Edikt vom 
20. Oktober 1798, insoweit es sich auf die Freimaurervereine 

*) Die Minister der Justis und des Innern verfügten an die Vor- 
steher der drei preossischen Freimaurer -Grosslogen unter dem 
31. Juli 1851: 

„Den Herren Vorstehern eröffnen wir auf die Eingabe vom 
28. April d. J., dass die in dem eingereichten Promemoria hervor- 
tretende Besorgniss, dass das unveränderte Fortbestehen der Frei- 
maurer-Grosslogen und ihrer Tochterlogen in den prenssischen 
Staaten durch die neuerliche Gesetzgebung über das Vereinswesen 
gef&hrdet sei, nicht begründet ist. Wenn auch die Strafbestimmungen, 
welche das Edikt vom 20. Oktober 1798 gegen geheime Verbindungen 
enthält, aufgehoben sind, so unterliegt es doch keinem Zweifel, dass 
die den drei Grosslogen erteilten General -Konzessionen und landes- 
herrlichen Protektorien nach wie vor Gültigkeit haben, und dass 
nach der jetzigen Gesetzgebung der Freimaurerbund nur in diesen 
Logen oder ihren Tochterlogen in Preussen bestehen darf. 

Wenn in dem der Grossen Loge zu den drei Weltkugeln ab- 
schriftlich mitgeteilten Erlass vom 20. liai 1849 ausgesprochen 
worden ist, dass die ans dem Verbände mit den hiesigen Grosslogen 
scheidenden Logen in Preussen nur die Vorrechte der letzteren 
verlören, und keine weiteren Befugnisse, als jede andere nicht gegen 
das Strafgesetz verstossende Gesellschaft hätten, so ist hierin aller- 
dings anerkannt, dass diese austretenden Logen, sowie andere ausser 
dem Verbände mit den drei Grossen Logen etwa sich bildenden 
Logen in Preussen gestattet seien. Indessen hat die Gesetzgebung 
sich seitdem ge&ndert. Der § 98 des Strafgesetzbuches bedroht 
mit Gefängniss bis zu 1 Jahr 
die Teilnahme an einer Verbindung, deren Dasein, Verfassung 
oder Zweck vor der Staatsregierung geheim gehalten werden soll, 
oder in welcher gegen unbekannte Obere Gehorsam, oder gegen 
bekannte Obere unbedingter Gehorsam versprochen wird. 



— 188 — 

1849 bezieht, als noch gültig anerkannt hatte, trat die Gtrossloge 
in der Sitzung vom 25. März 1852 dieser Ansicht bei*). 

Unter diese Strafbestiminang fallen unzweifelhaft alle nicht durch 
die obgedachte General - Konzession privilegirten Freimaiirer- 
Gesellschaften. Es wird deshalb beabsichtigt, den Polizeibehörden 
und Beamten der Staatsanwaltschaft zu eröffnen, dass alle in 
Preussen bestehenden und nicht als Tochterlogen zu den hiesigen 
drei Grosslogen gehörigen Freimaurer -Gesellschaften nach jenem 
§ 98 verboten und strafbar seien, und dass gegen jeden Logen- 
verein, der sich nicht sofort als Tochterloge dieser Grosslogen aus- 
weisen könnte, durch Schliessung der Loge und ihrer Versammlungen, 
sowie durch Anklage gegen ihre Stifter, Beamten und Mitglieder 
einzuschreiten sei. 

Je sicherer wir die Ueberzeugung hegen zu dürfen glauben, dass 
der in sämmtlichen konzessionirten Logen Preussens herrschende 
Geist ein die Treue gegen des Königs Majestät und das Königliche 
Haus festigender und ein das Wohl des Vaterlandes in jeder 
Beziehung fördernder sei und unter der sorgsamen Leitung der Gross- 
logen und ihrer Direktorien auch femer bleiben werde, um so mehr 
gereicht es uns zur Befriedigung, dass uns, wie gedacht, die Gfeseti- 
gebung vollkommen ausreichende Mittel gewährt, um die Logen in 
ihrem Bestände, wie in ihren ausschliesslichen Gerechtsamen zu erhalten. 

Für den Augenblick kann indessen von diesen Mitteln dorch 
Ausführung der obenerwähnten Absicht noch nicht Gebrauch gemacht 
werden. Da nämlich jener den durch die revidirte Verfassongs- 
Urkunde vom 31. Januar d. J. abgeänderten Bestimmungen der Yer- 
fassungs- Urkunde vom 5. November 1848 entsprechende Erlass vom 
28. Mai 1849 veröffentlicht ist, so erscheint es angemessen, vor 
Ausführung jener Absicht, die Logen, welche, gestützt auf die Ver- 
fassungs-Urkunde vom 5. November 1848, aus der Verbindung mit 
den hiesigen Grosslogen getreten sind, oder welche sich im Anschlösse 
an auswärtige Logen neu gebildet haben, zuvor auf die in der Gesetz- 
gebung eintretende Aenderung mit dem Bedeuten aufmerksam zu 
machen, dass die Schliessung der Logen erfolgen werde, insofern 
sie nicht den Bestimmungen der General -Konzession genügen 
sollten. 

Wir sehen demnach einer baldigen Anzeige der drei Mutter- 
logen darüber entgegen, welche ihrer Tochterlogen aus dem Verbände 
mit ihnen getreten, welche neue Logen etwa unabhängig von ihnen 
gebildet und wer die Vorsteher oder sonstigen Beamten solcher 
Logen sind^. 

*) Anderer Meinung ist Br. Ryck in dem Aufsatze der Zirkel- 
Korr. Jahrgang VIII. S. 81, worin ausgeführt wird, dass das Ministerial- 



— 189 — 

Die Statuten von 1799 enthalten nach Maesgabe der 1849 
Haopt-Einleitang zu dem Ritual der 4 Grade vom Juni 
1766 *) und der Deklaration der alten Mutterloge vom 
11. November 1783 § 7 (siehe oben Seite 85) folgende 
Beetimmungen: 

§ 6. Die erhabenen Lehren des Evangeliums sind so 
trefflich und enthalten so herrliche sittliche Lebensregeln, 
dass der Freimaurer, wenn er sie nach seiner Christen- 
pflicht treulich befolgt, zugleich seine Pflicht als Freimaurer 
vollkommen erfüllt. Sie werden daher jedem Bruder 
Freimaurer von Ordenswegen auf das Allerangelegentlichste 
ald Richtschnur seines Lebenswandels anempfohlen, denn 



Reskript vom 21. Juli 1851 anter den Worten: „in den den drei Logen 
erteilten General • Konzessionen und landesherrlichen Protektorien^ 
nicht das Edikt von 1798, sondern die Protektorien von 1774 und 1796 
gemeint habe. Es wird in diesem Aufsatz Rosenthals Schrift Qber 
die öffentliche rechtliche Stellung der Freimaurerlogen in Preussen, 
Breslau 1878 bei Ko ebner, widerlegt. 

*) In der Haupteinleitung zu dem Ritual der ersten vier Grade 
vom Juni 1766 Art. lY. wird ausdrücklich ausgesprochen, dass „nur 
ein Christ in unseren Orden aufgenommen werden darf, keineswegs 
aber Juden, Muhamedaner, Heiden **. (S. S. 54.) 

Die Niederschrift der Mutterloge „zu den drei Weltkugeln** vom 
7. Februar 1763 giebt darüber keinem Zweifel Raum, dass damals die 
Frage wegen Aufnahme der Juden noch nicht ausdrücklich entschieden 
war. Der betreffende Abschnitt der Niederschrift lautet: „Hierauf 
machte der sehr ehrwürdige Meister bekannt, wie er durch ein Billet 
wäre ersucht worden, einen Gewissen in unseren K. Orden aufzu- 
nehmen. Vor seiner Rezeption wollte er gern und willig Ein Hundert 
Stück neue Augustd'or zahlen und alle extra-ordinairen Kosten aparte 
tragen. Er erkl&rte hierauf namentlich, dass es der Jude Brück 
w&re. Weil man von der Aufführung dieses Menschen und seines 
Charakters nicht die beste Aussicht vor sich hatte, und der sehr ehr- 
würdige Meister sich Äusserte, dass man bei dem Orden mit dem vor- 
geschlagenen Kandidaten am allerwenigsten auf Geld, sondern hanpt- 
s&chlich auf guten Ruf und die vorzüglich guten Eigenschaften zu 
sehen habe, so wurde hierauf einstimmig beschlossen, gar nicht zu 
ballotiren und die beiden hiesigen Tochterlogon davon zu avertiren, 
damit der bei uns abgeschlagene Kandidat sich nicht bei der einen 
oder der anderen Loge hinterlistig einschleichen möchte.** 



— 190 — 

1849 die Lehren des Christentmns sind die Grundfesten*) 
des maurerischen Bandes. 
In der Versammlung der Abgeordneten der 3. Preues. 
Grosslogen vom 2. April 1808 wurde bestimmt: 

dass weder ein Jude in den Orden aufgenommen, noch 

ein bereits aufgenommener Jude angenommen werden könne. 

Ob ein solcher zu den Logenversammlungen zugelassen 

werden könne, soll bei einer anderen Gelegenheit erörtert 

werden. 

In dem „Anhangt zu den Bundesstatuten von 1799, 

veröffentlicht 1825, wird vorgeschrieben: 

§ 20. Ein Jude kann weder aufgenommen noch 
affiliirt, noch zum Besuche zugelassen werden. 

Die Johannisloge „A la bien aim^e" im Orient 
Amsterdam hatte mittels Schreibens vom 5. Oktober 1836 
bei einer diesseitigen Johannisloge darüber Beschwerde 
geführt, dass Israeliten, die als Meister der Amsterdamer 
Loge durch Bescheinigung sich ausgewiesen hätten, als 
Besuchende nicht aufgenommen worden seien. In der 
Beschwerde wird hervorgehoben: 

Es würde uns nie eingefallen sein, Ihnen die Aus- 
übung der Ihnen zustehenden Rechte streitig zu machen, 
wenn es sich um eine Rezeption oder Affiliation 
handelte, aber den Besuch der Loge einem Bruder za 



*) In dem Vereinigungs -Vertrag der beiden englischen Grosslogen 
wird der Streitpunkt, die Aufnahme der Nicht - Christen betreffend, 
nicht erw&hnt 

Der spezifisch-christliche Grad „Royal-Arch'* wird jedoch 
in diesem Vertrag als „die Wurzel, das Herz und das Mark*' der 
Freimaurerei bezeichnet. 

In Uebereinstimmong hiermit stehen die Worte des Ersten 
Provinzial- Grossaufsehers, OsborneGibbs^bei dem Provin2ial-Gro88- 
meeting des Jahres 1848: 

„Die Freimaurer werden sehr oft bezeichnet als eine Genossen- 
schaft von Ungläubigen, Delsten, ünitarier u. s. w. Diese Bezeichnung 
ist eine unrichtige. Ich versichere auf das nachdrücklichste, dass 
sie eine christliche Institution ist. — Christlich in jedem Sinne 
des Wortes". (Olivier's Origine of the Royal -Arch. London 1867 
S. 83.) 



— 191 — 

yerweigem, gegen dessen Sittlichkeit nichts einzo wenden 1849 
ist und dessen Certifikat darthut, dass er unter dem 
Grossoriente der Niederlande die Weihe empfangen hat, 
ihn abzuweisen, als hätte er bloss angegeben, Maurer zu 
sein, heisst allen Sitten Hohn sprechen. Ist er nicht 
wirklicher Maurer, und ist dieses nicht der einzige Punkt, 
welchen man zu untersuchen hat? 

In Veranlassung dieses Schreibens und der Beschwerde 
der erwähnten Israeliten wurde von den drei Preussischen 
Grosslogen die Judenfrage in Erwägung gezogen. Die drei 
Grosslogen vereinigten sich jedoch über die Beibehaltung 
des bisherigen Grundsatzes, wonach Israeliten auch als 
Besuchende in den Logen nicht zugelassen werden sollten. 
Bei der Durchsicht der Bundesstatuten im Jahr 1841 
war von keiner Seite ein Abänderungsantrag gestellt; der 
Ausschuss erachtete es jedoch für angemessen und zwar mit 
Rücksicht auf die anderen Lehrarten, welche die Juden 
zulassen, den § 20 des Anhanges in das durchgesehene 
Statut nicht aufzunehmen. (Niederschriften der Revisions- 
Kommission vom 8. März 1840.) Der Ausschuss beschränkte 
sich darauf, in den Abschnitt von den allgemeinen Grund- 
sätzen die Vorschrift aufzunehmen: 

§ 6. Er zeige sich überall als aufrichtiger Gottes- 
verehrer, sei christlichen Sinnes und Wandels u. s. w. 
In Durchführimg dieses Grundsatzes wurde in dem 
5. Kapitel „Von der Aufnahme neuer Mitglieder^ verordnet: 
§ 166. Nur derjenige kann zur Aufnahme in den 
Freimaurer-Orden vorgeschlagen werden, welcher 

1. zu dem christlichen Glauben sich bekennt, ohne 

Unterschied der Konfession, 
femer 

§ 201. Jeder Br., welcher die Affihation bei einer Loge 
unseres Bundes nachsucht, muss christlichen Glaubens 
sein u. s. w. 

§ 248. Christliche, gehörig legitimirte Mitglieder 
anderer anerkannter Logen sind — als besuchende Brr. 
zuzulassen. 



— 192 — 

1849 In Veranlassung eines im Preussischen Grossmeiiler- 
verein in der Sitzung am 31. Januar 1842, unter Vorab 
des Protektors, des Prinzen von Preussen, einstimmig gebastai 
Beschlusses hatte der National-Grossmeister v. Btzel in dar 
Sitzung der Grossloge am 2. Februar d. J. den Gtoaeiie»- 
Vorschlag eingebracht: jedem Br. Freimaurer, der sicli alt 
Mitglied einer von der Grossen National-Mutter-Loge an- 
erkannten Loge gehörig ausweist, wird zu den Arbetten 
seines Grades in den Grenzen, in welchen überhaupt d«r 
Besuch von Brrn. anderer Systeme zulässig ist, in unseren 
Logen der Zutritt gestattet, ohne nach seinem kirchlicheil 
Glaubensbekenntniss zu fragen. 

In der Beratung vom 3. März 1842 erklärten sich unter 
27 ordentlichen Mitgliedern 16 Stimmen für imd 11 Stimmen 
gegen den Antrag. Da sich nach § 61 der Grundverfassimg 
nicht % der anwesenden ordentlichen Mitglieder für den 
Antrag erklärt hatten, vnirde er für abgelehnt angesehen. 
Auf das Gesuch des Dr. B ehrend und Genossen an den 
Protektor: 

Die Zulassung jüdischer Freimaurer -Brr. zum Besuch der 

Preussischen Logen zu erwirken, 
eröffnete dieser den Antragstellern am 26. April 1843: „Mit 
der Debemahme des Protektorats über die Preuss. Freimaurer- 
Logen ist mir auch die Verpflichtung überkommen, den Bund 
in seinen Fundamentalbestimmungen zu schützen und ihn 
vor Neuerungen zu bewahren, die nur dazu dienen können, 
die Erreichung des ursprünglichen Zweckes zu erschweren, 
oder zu vereiteln. Ich darf voraussetzen, dass Urnen die 
Grundsätze, von denen bei der Aufnahme der Mitglieder der 
Preuss. Freimaurer-Logen nach den Statuten des Bundes 
ausgegangen werden muss, nicht imbekannt sind, und wenn 
darnach nur die Aufnahme christlicher Glaubensgenossen 
statthaft ist, so folgt daraus, dass auch nur diesen die 
Zulassung zu den Preuss. Freimaurer-Logen eingeräumt 
werden kann. 

Wollte ich versuchen, an den Fimdamentalbestimmungen 
eine Aenderung vorzunehmen, so würde dies, wie ich im 



— 193 — 

Voraus überzeugt bin, die Folge haben, Unzufriedenheit bei 1849 
den diesen Grundsätzen treu anhängenden Mitgliedern zu 
erwecken, wodurch dem Zweck, der mich allein bestimmen 
konnte, das Protektorat zu übernehmen, entgegen gewirkt 
werden würde. Ich wünsche, dass Sie bei unbefangener 
Erwägung der obwaltenden Verhältnisse zu der Ueberzeugung 
gelangen mögen, dass nicht Mangel an Teilnahme, die ich 
Ihnen sonst gern bestätigt hätte, sondern nur die Rücksichten, 
die ich dem bestehenden Bunde schuldig bin, es mir unmöglich 
machen, zur Erreichung des von Ihnen beabsichtigten Zweckes, 
wie achtbar derselbe auch ist, meinerseits mitzuwirken^. — 

Mittels Rundschreibens vom 29. März 1849 wurden 
sämmtliche Logen des Bundes zur Aeusserung über die 
besuchsweise Zulassung der Nicht -ChriBten aufgefordert. 

Von den 71 Logen, welche der Aufforderung nach- 
gekommen waren, hatten sich 56 für die besuchs- 
weise Zulassung, 15 gegen diese erklärt. 

Der Ausschuss für Prüfung der Bundesstaaten sprach 
sich im Jahr 1849 in Betreff der Judenfrage dahin aus: 
„dass bei der Verfassung und Lehrart der diesseitigen 
Grossloge die Aufnahme von Nicht -Christen und 
ebenso deren Annahme in den Tochterlogen der Grossen 
National -Mutterloge eine Unmöglichkeit sein würde^. 

Dieser Erklärung trat die Mutterloge in der Sitzung 
vom 1. März 1849 einstimmig bei. 

Dagegen gab der Ausschuss mit 10 gegen 1 Stinune 
die Erklärung: 

dass alle Brr. aus gesetzmässig errichteten von uns aner- 
kannten Freimaurerlogen, wenn sie sich als solche aus- 
wiesen, unter den in den Statuten wegen des Zutritts 
besuchender Brr. überhaupt enthaltenen sonstigen 
Bedingungen und Beschränkungen bei ihren Besuchen 
in unseren Logen zuzulassen seien, da es dem Ausschuss 
als ein Widerspruch erscheine, wenn man die Bauhütte 
anerkenne und dennoch Mitgliedern solcher anerkannten 
Bauhütte den Besuch unserer Logen versage. 

<i«sch. d. Or. K*t. • MutUr • Loge. 13 



— 194 — 

1849 Nach eingehender Besprechung in den Beratungen 

vom 1., 15. und 29. März und 24. Mai 1849, wurde die 
Frage von den anwesenden 33 Mitgliedern der Mutterloge 
dahin entschieden, dass 19 Brr. für und 16 Brr. gegen die 
besuchsweise Zulassung der nichtchristlichen, gehörig 
beglaubigten Brüder sich erklärten. 

Zur Beseitigung der Meinungsverschiedenheiten darüber: 
ob dieser den § 248 der Statuten abändernde Beschluse 
zu denjenigen gehöre, welche nach § 61 der Grundver- 
fassung die Mehrheit von zwei Dritteln der Stimmen 
erfordere, 
wurde die Entscheidung des Bundes-Direktoriums nachgesucht. 
Das Bundes-Direktorium entschied unterm 11. Juni 1849 
auf Grund des § 22 der Grund Verfassung: 

dass der § 61 der Grundverfassung auf den fraglichen 
Fall nicht Anwendung finde, sondern er lediglich der 
Entscheidung des höchsten Inneren Orients vorbehalten 
sei und zwar aus folgenden Gründen: 

Der § 61 der Grundverfassung, welcher verordne: 
Kein Gesetz der Grund Verfassung darf abgeändert, kein 
neues Gesetz ihr hinzugefügt, also überall kein organisches 
Gesetz gegeben, abgeändert oder aufgehoben werden, wenn 
nicht 

a. in der Grossen Loge zwei Dritteile der gegenwärtigen 
ordentlichen Mitglieder eingewilligt, und 

b. das Bundes-Direktorium bei seiner Zustimmung erklärt 
hat, dass fünf seiner Mitglieder dafür gestimmt haben,. 

beziehe sich nach seiner jetzigen Fassung nur auf solche 
Gesetze, die den Organismus der Grossen Loge, und 
nicht auf solche, die die Lehre und den Ritus 
beträfen. Hier sei unzweifelhaft aber von einer 
Bestimmung die Rede, die in die Bundesregeln und 
den Ritus tief eingreife, da die §§ 166 und 248 der 
Bundesstatuten in einem so nahen Zusammenhang 
ständen, dass zwischen den Bestimmungen des ersteren 
und letzteren nicht zu unterscheiden sei; der § 306 der 
Bundesstatuten aber ausdrücklich bestimme, dass alles,. 



— 195 — 

was die Lehre und den Ritas betreffe, von dem Bundee- 1849 
Direktorium als höchstem Inneren Orient ausgehen solle. 
In Beziehung auf den Gegenstand der Beratung trat das 
Bondes-Direktoriom in seiner Eigenschaft als höchster Innerer 
Orient einstimmig der Mehrheits-Erklänmg der Grossen 
National-Mutterloge bei and gab seine Entscheidung dahin ab : 
dass die Teilnahme an den Logenarbeiten durch 
Besuch nur von der gehörigen Beglaubigung der Mit- 
glieder einer als gerecht und vollkommen anerkannten 
Bauhütte abhängig gemacht werden dürfe, und deshalb 
auch die besuchsweise Teilnahme nichtchristlicher, 
aber gehörig beglaubigter Brr. an den Logenarbeiten 
zulässig sei. 

Auf Grund dieser Entscheidung wurde bei der Durchsicht 
des § 248 der Bundesstatuten das Wort „christlich^ 
gestrichen, im Uebrigen aber die Bestimmung der Bundes- 
statuten beibehalten, wonach der christliche Glaube zur 
Aufnahme oder Annahme als Bedingung vorausgesetzt ist. — 

Im Jahr 1850 stellte die Tochterloge „Broich zur ver- 1860 
klärten Louise*' im Orient zu Mühlheim an der Ruhr in 
Folge der durch äussere Einwirkung herbeigeführten 
Uneinigkeit die Arbeiten ein. 

Die durchgesehenen Bundesstatuten sowie die berliner 
Ortsstatuten traten vom 1. Juli 1850 ab in Kraft. 

Der von der Grossen Loge des Eklektischen Freimaurer- 
bundes zu Frankfurt a. M. ausgegangene Vorschlag: 
dass sämmtliche deutsche Grosslogen sich dahin vereinigen 
möchten, ihren Tochterlogen aufzugeben, nur auf drei Jahre 
gültige Bescheinigungen der Mitgliedschaft auszustellen, 
fand den Beifall der Mutterloge, und am 5. September 
wurde unter Abänderung der §§ 118 und 237 der durch- 
gesehenen Bundesstatuten der Beschluss gefasst, dass 
Bescheinigungen der Mitgliedschaft nur auf drei Jahre gültig 
seien und nach Ablauf dieser Frist unentgeltlich verlängert 
werden sollen. 

In Veranlassung des in der Grossmeister-Beratung vom 
18. Mai 1850 zur Sprache gekommenen Falles, dass eine 

13* 



— 196 — 

1860 Tochterloge, mit Umgehung der Grossloge nnmittelbar an 
den Protektor mit einem Gesuch sich gewendet habe, wurde 
am 5. September 1860 der Beschluss gefasst: 
den Tochterlogen zu eröffnen, dass sie: 

a. alle Anträge und Vorstellungen in Logen-Angelegen- 
heiten an den Protektor nur durch Vermittlung ihrer 
Grossloge gelangen lassen sollen, 

b. in ihrer Eigenschaft als Logen-Körperschaft Antr&ge 
und Verwendungen für Privat-Angelegenheiten an den 
Protektor nicht zu richten hätten. 

Die Frage wegen Wiederherstellung des sogenannten 
Sprengelrechts wurde zur Beratung gezogen, jedoch in 
Uebereinstimmung mit dem Antrag des Ausschusses zur 
Prüfung der Bundesstatuten am 5. September der Beschluss 
gefasst, den Gegenstand vorläufig auf sich beruhen zu lassen, bis 
das Bundes-Direktorium nach Verständigung mit den anderen 
Grosslogen von dem Ergebniss zur weiteren Beratung und 
Beschlussfassung Mitteilung*) machen würde. 

Der Br. v. Etzel, Mitglied des Bundes -Direktoriums, 
der so segensreich während der 10 jährigen Führung des 
grossmeisterlichen Hammers gewirkt hatte, starb in diesem 
Jahr. An seine Stelle trat der Br. Vater, erster Prediger 
an der Dorotheenstädtischen Kirche zu Berlin, in das 
Bundes-Direktorium. 

In diesem Jahr ward auch die innigere Verbindung mit 
der Grossen Mutterloge „zur Sonne" im Orient zu Bayreuth 
durch gegenseitige Wahl von Gross -Vertretern angebahnt. 
1851 In Potsdam war eine Johannis-Feldloge „zum siegenden 

Adler** errichtet worden. Diese hatte jedoch, nachdem die 
kriegerischen Aussichten geschwunden waren, im Jahr 1851 
den Antrag gestellt, in eine Johannisloge sich verwandeln 



*) Auf den Antrag des Bandes -Direktoriums bat die Mutterlogc 
am 5. Juni 1861 einen Ausschuss von 9 Mitgliedern zur Bericht- 
erstattung über diesen Gegenstand niedergesetzt. Dem Antrag dieses 
Ausschusses: „Der Grossloge anheimzugeben, von der weiteren Ver- 
folgung des Sprengelrechts abzusehen*^ wurde in der Beratung vom 
4. Dezember 1851 beigetreten. 



— 197 — 

zu dürfen, um sich die Möglichkeit zu erhalten, sofort wieder 1861 
ins Leben treten zu können, falls die Zeitumstände dies 
erfordern sollten. 

Diesem Antrag entsprechend wurde die Umwandlung 
genehmigt, die Loge aber sofort für geschlossen erklärt, da 
das Bestehen einer zweiten Johannisloge unseres Bundes in 
Potsdam neben der Loge ,,Teutonia^ nicht für angemessen 
erachtet wurde. 

Durch Bescbluss vom 25. März 1852 wurde die Johannis- 1862 
löge „Minerva zum Vaterländischen Verein^ im Orient von 
Cöln a. Rh. nach Entlassung aus dem Eklektischen Bund 
von Frankfurt a. M. auf ihren Antrag als Tochterloge 
wieder aufgenommen. Femer wurde durch Beschluss vom 
29. April d. J. die Johannisloge „Rhenana zur Humanität ** 
in Cöln a. Rh., die im Jahr 1850 von Brm. der 
geschlossenen Loge Agrippina nach Lehrart der Grossen Loge 
von Hamburg ins Leben gerufen war, nach Vorlegung der 
Entlassungs- Urkunde der Qrossloge zu Hamburg ange- 
nommen. Beide Logen verbanden sich unter dem Namen 
„vereinigte St. Johannisloge Minerva zum vaterländischen 
Verein und Rhenana zur Humanität^. 

In derselben Sitzung wurde das Bundes-Direktorium 
ermächtigt, die innigere Beziehung mit dem Gross-Orient des 
Ordens der Freimaurer im Königreich der Niederlande im 
Haag sowie mit dem Supr. Cons. Ma9. Chef d'Ordre dans 
le Grand -Duch^ de Luxembourg zu Luxemburg und auch 
mit der dänischen Grossloge zu Kopenhagen durch Wahl 
gegenseitiger Gross -Vertreter anzuknüpfen. 

Die Grundverfassung von 1797, Abtheilung IH, § 7 
enthält bereits die Bestimmung: 

Kein Beschluss der Mutterloge ist gültig, wenn er nicht 
in einer festgesetzten oder in einer Logen-Versammlung, zu 
der alle wirkliche Mitglieder eingeladen worden, gefasst 
wird. 
Bei der Durchsicht von 1812 wurde verordnet: 

§ 21. Ueberall ist aber kein Beschluss gflltig, 
wenn er nicht in gesetim&ssig eröffneter Loge 



— 198 — 

1852 p^efasst worden, und wenn nicht darin wenigstens 9 
stimmberechtigte Mitglieder anwesend gewesen sind. 
Die Durchsichten von 1838 und 1847 hatten diese Fassung 
beibehalten, letztere mit der Abänderung, 

dass mindestens ein Drittel der jedesmaligen 
ordentlichen Mitglieder anwesend sein solle. 

Der entsprechende § 55 der Grandverfassung bezeichnet 
die Abstimmung durch Eugelung als die Regel und fOr 
minder wichtige Gegenstände als Ausnahme die Abstimmung 
durch Aufheben der Hände oder durch Aufstehen und 
Niedersetzen. 

Nach dem Antrag des Br. Becker, Magistrats-Kalkulator, 
sollte für eilige, aber nicht besonders wichtige Fälle eine 
neue Art der Abstimmung, nämlich durch Umlaufschreiben, 
eingeführt werden, wenn der Grossmeister mit dem Bundes- 
Direktorium im Einverständniss über dieses Verfahren sich 
befinde, mit der Beschränkung, dass bei eintretender 
Meinungsverschiedenheit der Stimmenden die Entscheidung bis 
zur nächsten Grosslogen- Beratung ausgesetzt werden sollte. 

Der Antrag wurde in der Vierteljahrs-Versammlung vom 
4. März 1852 einstimmig verworfen, und sollten die Tochter- 
logen — da das Verfahren Eingang gefunden hatte, dass 
über die Anträge der Tochterlogen wegen Verleihung der 
Ehrenmitgliedschaft der Grossloge in denr Fall schriftlich 
abgestimmt wurde, wenn die Anträge zu spät eingereicht 
worden waren, um in der Vierteljahrs -Versammlung zur 
Beratung kommen zu können — ersucht werden, ihre 
Anträge wegen Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der 
Grossloge an besonders würdige und in maurerischer Beziehung 
hervorragende Brüder künftig so frühzeitig einzureichen, 
dass solche in den in der „Haupt-Uebersicht^ bezeichneten 
Vierteljahrs -Versammlungen zum Vortrag kommen könnten. 

In Betreff der Einwendungen gegen die Aufnahme des 
Suchenden unterscheiden die Bundesstatuten, ob ein Dritteil 
der Stimmenden oder weniger gegen die Aufnahme Ein- 
wendungen erhoben haben. Sind weniger als ein Dritteil 
der Stimmen gegen die Aufnahme, so hat der Meister vom 



— 199 — 

Stahl den widersprechenden Brüdern eine Frist von 3 bis 1862 
8 Tagen zur Eröfinong ihrer Gründe zu bestimmen. Gehen 
in dieser Frist Einwendungen ein^ so sind diese in der Meister- 
Beratung bekannt zu machen, und wenn kein Widersprach 
gegen die Aufnahme erhoben wird, ist mit ihr vorzugehen. 
Wird von der Minderheit, welche die Einwendung für nicht 
erledigt erachtet, ein Widerspruch gegen die Aufnahme 
erhoben, so wird sie vorläufig ausgesetzt und die Enir 
Scheidung des Bundes- Direktoriums eingeholt. 

Ergiebt sich dagegen ein Dritt eil der Stimmen oder 
mehr gegen die Aufnahme, so ist der Suchende auf 1 Jahr 
zurückgewiesen. Wird er nach Ablauf der Zeit von Neuem 
in Vorschlag gebracht, und erklärt sich alsdann wieder ein 
Dritteil oder mehr gegen die Aufnahme, so ist er für 
immer abgewiesen. 

Nach dem Antrag der Tochterlogen zu Magdeburg, 
„Ferdinand zur Glückseligkeit" sowie auch der zu Goslar, 
„Hercynia zum flammenden Stern*', sollten die Eugelungs- 
Gesetze im Allgemeinen, wenigstens aber für ihre Logen 
dahin verschärft werden: 
dass schon ein Sechsteil verneinender Stimmen die 
Ablehnung des Suchenden zur Folge habe. 

Dieser Antrag wurde in der Vierteljahrs-Versammlung 
vom 4. März 1852 in Erwägung: 
dass selbst der einzelne, der als Minderheit der Mehrheit 
gegenüberstehe, berechtigt sei, durch seinen Widerspruch 
die Aufnahme zu verhindern imd auf die Entscheidung 
des Bundes- Direktoriums anzutragen, 
abgelehnt. 

Die Brr. Schaffner waren auf Anordnung des Bundes- 
Direktoriums am 31. März 1800 zu einer gesetzmässigen 
Loge erhoben worden. Nach ihrer Grundverfassung vom 
22. November 1807 wurden wie bisher zur Schaffner-Kasse 
vereinnahmt: 

1. die Zahlungen für maurerische Bekleidung, 

2. die Ueberschüsse vom Verkauf des Weines, 

3. der Zuschlag zu den Speisegeldem, 



— 200 — 

1852 4. die Karten -Gelder. 

Aus dieser Kasse wurden die Ausgaben für Bewirtschaftung, 
den Wirtschafter und den Hausverwalter geleistet, ausser- 
ordentliche Ausgaben hingegen aus der Hauptlogenkasse 
bestritten. 

Die Grundverfassung der Schaffnerloge wurde durch- 
gesehen am 12. Oktober 1811 und am 31. Dezember 1833. 
Bei der letzteren Durchsicht wurden der Schaffnerkasse 
ausser den vorstehend zu 1 bis 4 aufgeführten Einnahmen 
femer überwiesen: 

5. die Aufnahme- und Beförderungsgebühren aus den hier 
vereinigten 4 Johannislogen und aus der Schottenloge, 

6. alle Einkünfte vom Grundstück, 

7. die Einnahme für die Bibliothek, die bisher eine 
besondere Kassenverwaltung hatte. 

In der Vierteljahrs-Versammlung vom 6. März 1845 wurde 
der Beschluss gefasst, zur Vereinfachung des Rechnungs- 
wesens die Schaffnerkasse mit der Hauptlogenkasse zu 
vereinigen und eine gemeinsame Aufstellung zu entwerfen. 

In der Sitzung vom 25. März 1852 fasste die Grossloge 
auf den Antrag des zur Beratimg dieses Gegenstandes 
niedergesetzten Ausschusses den Beschluss: 

die Schaffnerloge in ein Schaffneramt, als beständige 

Abordnung der Grossloge umzuwandeln, 
und genehmigte in der Sitzung vom 1. April die für letzteres 
Amt vorgelegte Geschäftsordnung. Mit dem 1. Juli trat 
diese in Anwendung. — 

Die Grosse Mutterloge „zur Sonne ^ im Orient zu 

Bayreuth hatte auf Anregung ihrer Tochterloge in 

Frankenthal „zur Freimüthigkeit am Rhein" an die anderen 

Grosslogen das Ersuchen gerichtet: 

dass alle Grosslogen Deutschlands zur Gründung eines 

allgemeinen maurerischen Witt wen- und Waisen -Fonds 

sich vereinigen möchten. 

Bei aller Anerkennung der dem Vorschlag zu Grunde 
liegenden guten Absicht lehnte die Grossloge in der Sitzung 



vom 1. April 1852 mit Rücksicht auf die Bedenken gegen 1M2 
die AnsfQhrbarkeit und den wirklichen Nutzen einer so 
ausgebreiteten Anstalt die Beteiligung einstimmig ab. 

Am 24. Januar 1853 erfolgte die Einweihung der neuen 18&3 
Logenräume in Halberstadt. 

Die Tochterlogen zahlten bereits seit dem Jahr 1759 
zu den Ausgaben der Mutterloge Beiträge unter dem Namen 
.Rekognitions-Gebühren". Bei sämmtlichen in der Zeit von 
1759 bis 1793 errichteten Logen waren diese auf 1 Thlr. 
20 Sgr. für das Mitglied festgesetzt und deshalb angeordnet, 
das dieser s. g. Goldthaler *) von jedem Mitglied erhoben 
werden sollte. Seit dem Jahr 1794 wurden ausser diesem 
Goldthaler in der Stiftungs-Urkunde für die neu eintretenden 
Logen eine Pauschsumme von 2 Friedrichsd'or, 4Friedrichsd'or 
oder 10 Dukaten festgesetzt. 

Diese Rekognitions-Gebühren beliefen sich im Jahr 1853 
in runder Summe auf jährlich 1300 Thaler. 

Den Verhältnissen der Tochterlogen entsprechend sollte 
nach dem Vorschlag des Bundes-Direktoriums der Jahresbeitrag 
der einzelnen Loge nach der Zahl der ordentlichen Mitglieder 
in folgenden Abstufungen geleistet werden: 

bis 50 Mitglieder jährlich ... 8 Thlr. 
1» 7ö „ - ... 10 „ 

.100 - « ... 15 ^ 

.. 150 „ - . . . 20 j, u. s. w. 

Die sämmtlichen Tochterlogen hatten zu diesem Vorschlag 
ihre Zustimmung gegeben, einzelne sogar, die nach diesem 
neuen Vorschlag einen geringeren Betrag zu zahlen hätten 
als bisher, sich zur Zahlung des höheren Satzes auch für 
die Zukunft erboten. 

*) Die Sitte, Rekognidons- Gebühren (den sog. Johannls- Pfennig) 
zu zahlen, findet man bereits im alten Johanniter -Orden (S. Statuten 
des Johanniter-()rdcn8 im Monasticon Angl. Modus recipiendi confratres 
fol. 131: Deinde vero nomen ejus in librum confratrum redigatur in 
scriptis et id quod dare promiserit annuatione in recognitionem 
suae fraternitatii«. )f und i>t von dort von den Freimaurern tlber- 
nommen worden. 



— 202 — 

18&3 In der Vierteljahrs-Yersammlang vom 2. Juni 1854 erteilte 

die Grossloge einstimmig die Genehmigung, dass nunmehr 
in Beziehung auf die Feststellung der Rekognitionsgelder 
nach diesen Sätzen verfahren und eine Ausgleichung*) 
getroffen werde, so dass die Gesammtsumme, welche ein- 
kommen soll, nicht vermindert werde. — 

Die Bundesstatuten von 1799 verordnen im Kapitel IX: 
§ 4. Ein Bruder, der, ohne sich schriftlich ent- 
schuldigt zu haben, bei der Arbeit ausbleibt, erlegt einen 
doppelten Beitrag zur Armenkasse, welcher Tages nach- 
her durch einen dienenden Bruder eingefordert wird. 

§ ö. Wenn ein Bruder sich zwar schriftlich 
entschuldigt, den Armenbeitrag aber nicht eingeschickt 
hat, so wird derselbe anderen Tages von dem dienenden 
Bruder eingefordert; jedoch hängt es in diesem Falle 
von dem ausgebliebenen Bruder ab, was er zur Armen- 
kasse geben will. 

Die Ausführung dieser Vorschrift hatte sich als zu 
schwierig erwiesen. Deshalb wurde sie bei der Durchsicht 
von 1841 daliin abgeändert: 

§ 42. Wer genötigt ist, auszubleiben, soll sich 
schriftlich oder durch einen der gegenwärtigen Brüder 
entschuldigen unter Einsendung seines Beitrages für 
die Armen. 

Diese Vorschrift wurde bei der späteren**) Durchsicht 
der Bundesstatuten beibehalten. 



*) In der Sitzung vom 3. November 1868 wurde die Höhe des 
Beitrags mit durchschnittlich 5 Sgr. für jedes Mitglied nach der in dem 
Mitglieder -Yerzeichniss von 1868 enthaltenen Zahl der ordentlichen 
Mitglieder festgesetzt. Nach diesem Satz wurden die Gebühren bis 
zum Jahr 1873 erhoben. Vom Jahr 1874 ab wurden dagegen mit 
Rücksicht auf die Erhöhung des Goldthalers von I Thlr. 20 Sgr. auf 
8 Thlr. 10 Sgr. auch die Rekognitions-Gebühren von 6 Sgr. auf 10 Sgr. 
erhöht nach Vorschrift des § 295 der Bundesstatuten. 

**) Erst bei der Durchsicht der Bundesstatuten vom Jahr 1873 
wurde diese Vorschrift dahin abgeändert: 

§ 43. Wer verhindert ist, an den Logen - Arbeiten Teil zu 
nehmen, hat seinen Beitrag für die Armen an die Loge zu entrichten. 



— 203 — 

Das Gross -Almosenamt hatte diese Vorschrift als in 1858 
Vergessenheit verfallen bezeichnet und wegen geringer 
Einnahme der Armenkasse den Antrag gestellt, ihr grössere 
Einnahmen zuzuführen oder eine ausserordentliche Sammlung 
zu gestatten. 

Diese wurde auch zur Abhülfe der augenblicklichen 
Verlegenheit des Gross-Almosenamts angeordnet, und dadurch 
der Antrag für erledigt erachtet. 

In der Sitzung vom 19. August 1853 wurde dem 
Bundes-Direktorium die Vollmacht zum Ankauf des Grund- 
stückes der Splittgerbergasse No. 2 für 16,500 Thlr. mit 
der Massgabe erteilt, dass die anzuzahlenden Kaufgelder 
von 6500 Thirn. aus dem Ficker'schen Legatenfonds entliehen 
werden sollten. — 

Die Tochterlogen zu Koblenz, Jülich, Wesel hatten 
die Anzeige gemacht, dass die landrätlichen Behörden 
dieser Kreise im Auftrag des Oberpräsidenten der Rhein- 
Provinz das Mitglieder-Verzeichniss von ihnen gefordert hätten. 

Nach der Mitteilung an die Mutterloge in der Sitzung 
vom 6. September 1853 hatte das Bundes-Direktorium diese 
Tochterlogen veranlasst, den betrefTenden Behörden zu 
erwidern, dass gesetzlich nur die Grossloge verpflichtet sei, 
dem König alljährlich ein Verzeichniss der sämmtlichen ihr 
zugehörigen Freimaurerlogen und ihrer Mitglieder zu über- 
reichen, eine derartige Mitteilung der Tochterlogen an die 
Provinzialbehörden aber weder vorgeschrieben noch statt- 
haft sei. 

Am 5. November 1853 erhielt der Prinz Friedrich 
Wilhelm von Preussen im Palais des Protektors in einem 
Saal, der zu einem maurerischen Johannistempel vollständig 
eingerichtet war, in Gegenwart der Abgeordneten der drei 
Preussischen Grosslogen sowie mehrerer eingeladener Brr. 
mittels des Hammers, den sein Ahnherr, König Friedrich IL. 
einst geführt, und der von der Grossen National- Mutterloge 
dazu entlehnt war, die maurerische Weihe durch seinen 
Vater nach dem Ritual der Grossen Landealoge v. D. 



— 204 — 

1863 Bereits in der Versammlung des Grossmeister -Vereins 

vom 22. Mai 1852 waren dessen Mitglieder dahin einig 

geworden, den Prinzen Friedrich Wilhelm nicht fftr eine 

einzelne Loge, sondern für alle drei Prenssischen Grosslogen 

aufzunehmen, um durch diese Aufnahme ein neues Einigongs- 

band für die Logen der verschiedenen Lehrarten zu gewinnen. 

Gestützt auf diesen Wunsch hatte das Bundes-Direktoriom 

in Gemeinschaft mit der Grossen Loge „Royal York zur 

Freundschaft^ in einem Schreiben vom 11. November 1853 

dem Protektor, Prinzen von Preussen, die Bitte ausgesprochen: 

huldreichst zu genehmigen, dass der Prinz Friedrich 

Wilhelm aktives Mitglied sämmtlicher drei Grosslogen 

sein dürfe. 

Unter dem 15. November wurde hierauf nachstehende 
Antwort von dem Protektor erteilt: 

„Mit besonderer Freude habe Ich aus Ihrem Schreiben 
vom 11. d. M. ersehen, dass der Wunsch besteht, den 
Prinzen Friedrich Wilhelm nach seiner Aufnahme in den 
Bund der Freimaurer in der Grossen Loge von Deutschland 
auch den zwei anderen Grosslogen zugeführt zu sehen. 
Wie ich vor jener Aufnahme den dazu berufenen Brrn. der 
drei Prenssischen Grosslogen bekannt machte, so hatte ich 
die Grosse Landesloge dazu ausersehen, diese Aufnahme 
zu vollziehen, weil Ich in derselben die Weihe als Maurer 
empfing, und Ich habe dem Neuaufgenommenen Selbst 
die feierliche Weihe als Mitglied derselben erteilt. Ich 
habe dies gethan, weil der Prinz Friedrich Wilhelm 
für jetzt keine exceptionelle Stellung im Orden einnehmen 
kann, und habe aus diesen Gründen den auf einer Ver- 
abredung der Grossmeister vom 22. Mai 1852 beruhenden 
Antrag der Grossen Landesloge: Meinen Sohn als aktives 
Mitglied aller drei Prenssischen Grosslogen aufzunehmen, 
nicht berücksichtigen können. Nachdem die Aufnahme 
Meines Sohnes in der geschehenen Weise feierlich voll- 
zogen, auch bereits öffentlich bekannt gemacht worden, 
ist eine Abänderung derselben nicht mehr angänglich. 
Dagegen stimmt es mit Meinem Wunsch und Meiner 



— 205 — 

Absicht ganz überein, dass Mein Sohn von Ihren beiden 1868 
Groeslogen als Ehrenmitglied aufgenommen, auch als solches 
in Ihren Listen geführt, und je. nachdem er in der Grossen 
Landesloge befördert sein wird, auch bei Ihnen in den 
entsprechenden Grad eingeführt werde". 

gez. Wilhelm. 
Am 22. November 1853 wohnte der Prinz von Preussen 
der Unterrichts -Arbeit im Lehrlingsgrad der Tochterloge 
^Ferdinand zur Glückseligkeit*' im Orient Magdeburg bei. 
Nachdem unter zahlreicher Beteiligung der Brr. der Meister 
vom Stuhl General-Major Bonsac die Loge eröffnet und dem 
ritualmässig eingeführten Protektor den Dank für seine 
Anwesenheit ausgesprochen, auch in dem einleitenden Vor- 
trag näher ausgeführt, dass die Maurerei unablässig im 
Kampf zu stehen habe gegen alles Unlautere in Gesinnung 
und That, hielt der Redner Br. Paschke einen Vortrag über 
die Worte: unsere Kunst eine königliche. Nach dem Schluss 
dieses Vortrags zeigte der Meister vom Stuhl an, dass die 
Sammlung für die Armen am Ausgang des Saales stattfinden 
werde, und forderte dann die Brr. Aufseher auf zu fragen, 
ob noch Jemand etwas vorzutragen habe. Da nahm der 
Protektor das Wort und sprach etwa in folgender Weise: 
, Schon lange war es mein Wunsch, einer Loge in der 
hiesigen Provinz beiwohnen zu können. Erst heute haben 
es mir die Zeitverhältnisse gestattet. Ich kann über die 
Logen der Provinz nur meine Zufriedenheit aussprechen, und 
ebenso hat mich auch das, was ich bis jetzt hier gesehen 
und gehört habe, vollständig befriedigt. Ich habe die Loge 
so gefunden, wie ich sie erwartet habe, erwarten musste 
und immer erwarten werde. Sie, mein hochzuverehrender 
Vorsitzender, haben die Maurerei richtig dargestellt. Gerade 
so habe ich sie erkannt, so verstehe ich sie, so wünsche 
ich, dass sie getrieben werde. Ich bin dem Maurerbund 
deshalb gern beigetreten, weil er ein Verein von Männern 
jedes Standes, jedes Alters ist, die einen edlen Zweck ver- 
folgen. Sie haben ferner, hochzuverehrender Meister, der 
Gefahren gedacht, die sich auch noch in neuerer Zeit gegen 



— 206 — 

1853 den Band erhoben haben; mit Recht haben Sie gesagt, dass 
diese nicht gering seien. Darin — und das ist das Einzige, 
worin ich Ihnen entgegent]:eten muss — haben Sie unrecht, 
wenn Sie sagen, dass die Gefahr schon vorüber sei. Sie 
ist noch nicht vorüber, und sie wird auch nie vorübergehen. 
Denn wir hüllen uns in ein Geheimniss vor der Aussenwelt, 
und jeder geheime Verein wird stets Verdächtigungen und 
Verleumdungen ausgesetzt sein. Wir haben aber auch die 
Mittel, diese zu überwinden. Sie liegen in uns selbst und 
nicht ausser uns. Darum bedarf die Maurerei stets eines 
Vertrauens. Ihr dieses zu sichern, habe ich meine Sorge 
sein lassen wollen. Wenn ich aber auch zum Schutz der 
Maurerei thue, was ich kann, so werde ich doch jene Gefahr 
nur dann abwenden können, wenn in unseren Hallen unsere 
Lehre stets rein und unverfälscht erhalten wird, wenn wir, 
wie wir im Innenleben die Maurerei gelernt, so auch im 
Aussenleben sie üben, wenn wir insbesondere die Besonnen- 
heit, die in der Loge waltet, auch nach Aussen übertragen, 
und wenn wir unsträflich wandeln — dann werden wir am 
sichersten jeder Anfeindung die Spitze abbrechen." Der 
Protektor schloss die Ansprache mit den Worten: ;,Von 
mehreren Seiten ist es erzählt, dass ich meinen Sohn dem 
Orden zugeführt habe. Es ist auch der künftigen Stellung 
meines Sohnes gedacht worden. Sein Weg liegt klar vor 
ihm, wenn ihm der Himmel Leben und Gesundheit erhält. 
Mein Sohn erkennt — das weiss ich — ganz seine Aufgabe 
im Leben wie im Bunde. Ich habe ihn der Loge anvertraut, 
um die Zukunft der preussischen Logen zu sichern und in 
der Ueberzeugung, dass er in den Logen seine Stütze finden werde. 
Denn Niemand, er möge stehen in einer Stellung, in welcher er 
wolle, vermag allein etwas. Jeder bedarf dazu treuer Gehülfen, 
die mit ihm gemeinschaftlich das Gute verfolgen. Dass hierin 
die Brr. treu einst zu meinem Sohn stehen mögen, das ist mein 
höchster Wunsch. Das zu wollen, geloben Sie mir auch!" 
In freudigster Erregung rief, als der Protektor geendet, 
der Meister aus: „Ja, meine Brr., das wollen wir alle 
geloben auf Maurerweise! Auf mich!" 



— 207 — 

Und alle Brr. schlugen ein in lebendigster Begeisterung, 1868 
ans innigster HerzensfÖUe. 

Bei der Tafelloge, die dieser Unterrichtsloge sich 
anschloss, wurde nach dem ersten Trinkspruch auf den 
König der zweite auf den Protektor ausgebracht. Dieser 
sprach seinen Dank für den freundlichen Empfang aus, 
knüpfte daran die AufTorderung , die reine unverfälschte 
Lehre der Freimaurer stets zu bewahren und ermahnte die 
Brr., als treue echte Maurer sich immer zu bewähren. — 

Nach der Stiftungs- Urkunde des Stipendienfonds zum 1854 
Gedächtniss König Friedrich II. sollten die nicht 
verwendeten Zinsüberschüsse zur Gründung neuer Stipendien 
verwendet werden. 

In Anerkennung der segensreichen Wirksamkeit dieser 
Stiftung hat die Johannisloge zu Merseburg „zum goldenen 
Kreuz^ in der Meister-Beratung vom 24. Mai 1854 
beschlossen : 

aus ihren Mitteln alljährlich einen Beitrag von 5 Thalern 
zu diesem Stipendienfond einzuzahlen. 

Bei Mitteilung dieses Beschlusses wurde dieser Beitrag 
für 1853/54 dem Bundes- Direktorium übersendet. Die 
ferneren Beiträge sind bisher regelmässig weiter eingegangen. 
Der geliebten Tochterloge ward für diese Bethätigung der 
wahrhaft maurerischen Gesinnung seitens der Grossen 
National -Mutter löge die dankbarste Anerkennung gezollt. 

In der Sitzung vom 2. Februar 1854 ist femer die 
Mutterloge von der Anordnung des Bundes- Direktoriums in 
Kenntniss gesetzt worden, 

dass in den Fällen, wo Brr. bei ihrem Heimgang etwa 
noch mit Logenbeiträgen, Goldthalern u. s. w. im Rück- 
stand geblieben, diese von den Hinterbliebenen nicht 
einzufordern, sondern die Niederschlagung zu beantragen sei. 
Bereits im Jahr 1807 war ein allgemeiner Armen -Aus- 
schuss und zwar von jeder der drei Grosslogen je zwei 
Mitglieder zur Unterstützung durchreisender Brr. nieder- 
gesetzt und ihm die Summe von jährlich 180 Thalern zur 
Verfügung gestellt worden. In der Sitzung vom 16. März 1854 



— 208 — 

1854 wurde auf Anregung des Grossmeister-Yereins der Beschluss 
gefasst, dass der allgemeine Armen-Ausschuse alljährlich 
über die Verwendung der gedachten Summe unter Angabe 
der Gründe der Unterstützungsleistung Rechnung lege, und 
diese von anderen drei seitens der drei Grosslogen dazu 
ernannten Bevollmächtigten geprüft werde. 

In Anerkennung einer alten Gewohnheit fasste die 
Mutterloge in der Sitzung vom 16. März 1854 auf den 
Antrag des Grossschatzamtes den Beschluss: 
es dabei zu belassen, dass die Söhne der Mitglieder des 
Bundes-Direktoriums, der Altschottischen Obermeister, 
sowie der Vorsitzenden und zugeordneten Meister gebühren- 
frei in den ersten Grad aufzunehmen sind. 
In der Sitzung vom 18. Mai erklärte die Mutterloge 
ihr Einverständniss dazu, dass das Bundes -Direktorium mit 
der Grossloge von Peru durch gegenseitigen Austausch der 
Verhandlungen in nähere Beziehungen getreten war. 

Zur Eenntniss der Mutterloge wurde gebracht, dass am 
11. Juni 1854 ein Meister vom Stuhl einer hiesigen 
Johannisloge von der Lehrart der grossen Landesloge unter 
Zuziehung einer grösseren Anzahl von Brm. nach dem 
6 Meilen von hier entfernten Ort Lieben wal de, wo bisher 
keine Loge bestanden, unter Mitnahme der manrerischen 
Geräthe eine Reise unternommen, dort eine Loge gebildet 
und nicht allein im zweiten Johannisgrad gearbeitet, sondern 
auch die zu Liebenwalde und in dessen Nähe vorhandenen 
Brr. Lehrlinge zu Gesellen befördert, auch nach der Arbeit 
eine Tafelloge gehalten habe. 

Da nach dem Edikt von 1798 bei Verlust der Duldung 
den einzelnen Logen zur Pflicht gemacht war, darüber zu 
wachen, dass ausserhalb des Sitzes der Loge nirgend anderswo 
eine Zusammenkunft, noch weniger eine maurerische Arbeit 
statt finden soll, wurde in der Sitzung vom 7. September 1854 
auf den Antrag des Br. Salb ach der Beschluss gefasst: 
das Bundes- Direktorium zu veranlassen, durch den Gross- 
meister-Verein dahin zu wirken, dass in der Folge eine solche 
Ueberschreitung des bestehenden Gesetzes nicht vorkomme. 



- 209 — 

Die Schwester- Grossloge hat sich durch diese Mitteilung 1854 
veranlasst gesehen, an den betreffenden Logenmeister ein 
brüderlich zurechtweisendes Schreiben zu richten und es 
zur diesseitigen Kenntniss zu bringen. 

Darin wird hervorgehoben, dass geschichtliche Aufnahmen 
und Beförderungen nur zu den seltenen Ausnahmen gehören 
und nur mit Genehmigung der Grossen Loge, niemals aber 
ausserhalb der Logenräume vorgenommen werden dürfen. 
Weit mehr noch sei eine jede Handlung, welche auf Frei- 
maurerei Bezug habe und ausserhalb des der obersten Landes-, 
der Orts- und Polizeibehörde bekannten Logenraums statt- 
finde, nach dem Edikt vom 20. Oktober 1798 verboten und 
mit der strengsten Ahndung bedroht. Keine Ordensbehörde 
sei daher befugt, von den Bestimmungen des Edikts abzu- 
weichen, oder in einzelnen Fällen von deren Befolgung zu 
befreien, vielmehr sei sie dafür verantwortlich gemacht, dass 
der Verordnung streng nachgekommen werde und zugleich 
verpflichtet, beim Zuwiderhandeln nach Massgabe des § 13 
des Edikts von 1798 sogleich einzuschreiten. 

Mit diesen Grundsätzen erklärte sich die Mutterloge einver- 
standen; sie sind zufolge Beschlusses vom 7. Dezember 
1854 zur Kenntniss und Beachtung den Tochterlogen mit- 
geteilt worden. 

Im Anschlu8s hieran bestimmte die Mutterloge in der 
Sitzung vom 8. März 1858, dass es den ausserhalb ihres 
Wohnortes wohnenden Brr. Freimaurern zwar nicht benommen 
sein soll, aus Anlass einer Festlichkeit sich brüderlich zu 
einem gemeinsamen Mahl zusammen zu finden, dass aber 
bei derartigen Versammlungen an einem Ort, wo keine 
gerechte und vollkommene Freimaurerloge bestehe, keinerlei 
maurerische Formen oder Sinnbilder gebraucht werden dürfen, 
und es solchen Versammlungen überlassen bleiben müsse, 
die allgemeinen polizeilichen Vorschriften in Betreff der vor- 
gängigen Anmeldung zu beobachten. — 

Der Grand Orient Belgiqne zu Brüssel hatte in dem 
durch den Buchhandel veröffentlichten Bericht über seine 
Feier des Johannisfestes von 1854 (Trac£ des traveaux de 

Qfch. d. Or. Nftt.- Matter -Log«. 14 



— 210 — 

1864 la grande föte solstitlale nationale, cölSbröe par le Grand 
Orient de Belgique le 24. joor da 6. mois Tan de la vraie 
libertö 5854) erwähnt: 

das8 die au seiner Spitze stehenden Brr. Grossbeamten 
den Grundsatz, „dass der Freimaurer- Orden sich nicht mit 
Politik und kirchlichen Angelegenheiten zu befassen habe'', 
für keinen freimaurerischen Grundsatz sondern lediglich 
fär eine der Erörterung und Beschlussnahme unterworfene 
Bestimmung hielten; die Brr. Grossbeamten daher in der 
Sitzung vom 21. Oktober 1854 den Beschluss gefasst hätten: 
dass dieser Grundsatz als mit ihren Begriffen von 
Freimaurerei unverträglich abzuschaffen, und sie dagegen 
die Thätigkeit der Freimaurerei auch auf den Fortschritt 
in politischer, sozialer und kirchlicher Hinsicht gerichtet 
sehen wollten, und endlich 

dass diese von dem zugeordneten Grossmeister 
Br. Verhaegen in seiner Festrede entwickelte Ansicht 
unter den versammelten Mitgliedern der Grossloge 
stürmischen Beifall gefunden habe. 

In der Sitzung der Mutterloge vom 7. Dezember 1854 
wurde auf den Antrag des National-Grossmeisters Br. Messer- 
schmidt einstimmig nachstehender Beschluss gefasst: 

1. Die Grossloge erhebt feierlich Einspruch gegen die vom 
Grand Orient de Belgique in seiner Versammlung vom 
24. Juni d. J. verkündeten, in der Versammlung vom 
21. Oktober d. J. genehmigten, den Lehren des Frei- 
maurerbundes widersprechenden Grundsätze. 

2. Aller maurerische Verkehr mit dem genannten Gross- 
Orient wird aufgegeben, solange er bei den 
gedachten Grundsätzen beharrt, und 

3. den sämmtlichen Tochterlogen soll von diesem 
Beschluss sofort Mitteilung gemacht werden, damit 
sie jeden Verkehr mit den belgischen Logen und 
deren Mitgliedern vermeiden. — 

Nachdem die Loge „Broich z. v. L." im Orient zu 
Mühlheim a. d. R. vier Jahre ausser Thätigkeit gewesen^ 
nahm sie am 25. November ihre Arbeit wieder auf. 



— 211 — 

Im Jahr 1855 wurde durch gegenseitige Vertretung 1966 
der innige Verkehr mit der schweizerischen Grossloge 
,Alpina" d. Z. im Orient Basel, mit der die Grossloge 
bereits seit Jahren einen freundlichen Austausch der 
Verhandlungen unterhalten hatte, geregelt. In demselben 
Jahr wurden in Minden und Dortmund Johannislogen 
unter dem Namen i^Wittekind** bezw. „Zur alten Linde* 
gegründet. Die Johannisloge zu Merseburg „zum goldenen 
Kreuz* feierte in diesem Jahr ihr fünfzigjähriges Bestehen. 
Der Vorsitzende Meister Br. Seffner hatte als Festgabe 
die Geschichte der genannten Loge überreicht. 

Der National -Grossmeister des Königreichs der 
Niederlande, Prinz Friedrich, hatte in einem Schreiben 
vom 14. August 1854 die Mitteilung gemacht, dass ein 
in einer niederländischen Loge aufgenommener, zum 
Meister beförderter und mit einer richtigen Beglaubigung 
versehener Br. bei seiner Ankunft in Nordamerika in einer 
Tochterloge der Grossloge von New-York, weil er nach dem 
dortigen Gebrauch sich nicht vollständig als Meister aus- 
weisen konnte, nur zum Gesellengrad zugelassen worden 
sei. Es ward der Wunsch ausgesprochen, dass Massregeln 
getroffen werden möchten, damit Brr., die mit richtigen 
Beglaubigungen versehen seien, in dem darin angegebenen 
Grad als Besuchende zugelassen werden. 

Der Grossmeister -Verein, dem das Schreiben zur 
Kenntnissnahme vorgelegt worden, erkannte an, dass ein Br. 
unmöglich alle äusseren Formen anderer Lehrarten kennen 
und die bei diesen etwa gebräuchlichen Fragen richtig 
beantworten könne, dass ein grosser Widerspruch und ein 
unmaurerisches Verfahren darin liege, einen Br. auf 
Grund der von ihm vorgezeigten Beglaubigung als echten 
Freimaurer anzuerkennen, ihn aber nicht zu den Arbeiten 
zuzulassen, denen beizuwohnen er kraft der Beglaubigung 
volle Berechtigung habe. 

Die Mutterloge pflichtete in der Sitzung vom 18. Januar 
1855 diesen Ansichten des Orossmeister- Vereins bei und 
fasste den Beschluss: 



— 212 — 

1865 wenn eine Loge fremden Systems unser gültiges Zertifikat — 
insofern gegen die Persönlichkeit des Vorzeigenden keine 
Zweifel obwalten — nicht seinem ganzen Inhalt nach an- 
erkennen sollte, und jene Loge von ihrer Matterloge aof 
Verlangen nicht dazu angewiesen würde, so ist dieser 
Mutterloge mitzuteilen, dass Gegenseitigkeit eintreten müsse. 
In derselben Sitzung wurde auf den Antrag der Gross- 
loge von Sachsen beschlossen: 
Die Tochterlogen unter Bezugnahme auf § 173 der 
Bundesstatuten besonders zu veranlassen, dass sie, wenn 
Suchende aus dem Königreich Sachsen zur Aufnahme bei 
ihnen sich melden sollten, zuvor Erkundigungen über 
diese bei den betreffenden sächsischen Logen einziehen. 
In derselben Sitzung ernannte die Grossloge auf den 
Vorschlag des Bundes -Direktoriums einen Ausschuss zur 
Prüfung der Grund- Verfassung, bestehend ausdenBrm.Messer- 
schmidt, v. Hermensdorf, Salbach, Marot, Appelius, 
V. Hörn, Frantz und Petersen. Die von ihnen durch- 
gesehene Grundverfassung trat mit dem 24. Juni 1856 in Kraft. 
Von einem preussischen Gericht war in einem Beleidigungs- 
Prozess das Gesuch des Klägers auf Herausgabe der bei 
der Loge in dem eingeleitet gewesenen maurerischen Ver- 
fahren vorhandenen Akten nach Vorschrift der §§ 102, 103, 
105, 108, Tit. 10 Th. I der Allgemeinen Gerichts-Ordnung 
begründet erachtet worden. 

Auf die Vorstellung des Bundes-Direktoriums: 
dass die Gesetze, insbesondere das der Grossen National- 
Mutter-Loge verliehene Protektorium vom 9. Februar 1796 
und § 3 des Edikts vom 20. Oktober 1798 die Abgeschlossen- 
heit der maurerischen Verhältnisse sichern, dass ferner 
diese gesetzlich gesicherte Abgeschlossenheit durch 
Gewährung des Gesuches verletzt werde, dass endlich die 
Grenze, wohin dieses Eindringen der Aussen weit in das 
Innere des Bundes sich erstrecken könnte, nicht 
abzusehen sei, 
hatte das Gericht von der geforderten Herausgabe Abstand 
genommen. 



— 213 — 

Die Grossloge beschloss am 18. Janaar 1855 von diesem 1866 
Vorgang ihren Schwester- Grosslogen im hiesigen Orient 
sowie ihren Tochterlogen zur künftigen Berücksichtigimg in 
vorkommenden Fällen Mitteilung zu machen. 

In derselben Sitzung wurde vom National-Grossmeister 
auf die Benatzung der Logen-Bibliotheken, insbesondere der 
der Mutterloge, die in neuester Zeit durch den Ankauf der 
Nikolai'schen Büchersammlung bereichert sei, hingewiesen, 
femer der brüderlichen Beobachtung sämmtlicher Tochter- 
logen der Umtausch der Doppelexemplare in den verschiedenen 
Bibliotheken als geeignetes Mittel zur Vervollständigung der 
Sammlungen bezeichnet und endlich den sämmtlichen Brm. 
unseres Bandes dringend empfohlen, die in ihrem Privatbesitz 
befindlichen maarerischen Schriften den Logen -Bibliotheken 
zu überweisen und sie so zum Gemeingut zu machen. 

In einer späteren Sitzung am 20. Mai 1858 wurde 
den Brrn. ans Herz gelegt, die Bibliothek der Grossloge 
durch freiwillige Gaben von geeigneten Werken zu 
vervollständigen. 

Am 5. September 1855, an welchem Tag vor 50 Jahren 
der Br. Marot als Mitglied der Grossen National-Mutterloge 
verpflichtet worden, hatte das Direktorium durch seinen 
Aeltesten Br. Klag and durch den National -Grossmeister, 
Br. Messerschmidt, ein Glückwunschschreiben dem 
Jubilar überreichen und zugleich als äusseres Zeichen der 
allgemeinen herzlichen Teilnahme die Summe von 100 Thlr. 
(zur Hälfte aus der Kasse der Grossen National-Mutter- 
loge, zur Hälfte aus der des höchsten Inneren Orients) 
zur Mehrung der Marotstiftung in seine Bruderhand 
legen lassen 

In der Sitzung der Grossloge am 6. September wurde 
der Jubilar durch den Gross-Ordner eingeführt und von dem 
National -Grossmeister, Br. Messerschmidt, durch Worte 
der Anerkennung und brüderlichen Liebe begrüsst. 

Im Jahr 1856 starb der Aelteste des Direktoriums, 1866 
Br. Klug, und schied Br. Simon wegen körperlicher Leiden 
aus ihm aus. An deren Stelle wurden die Brr. v. Hörn, 



— 214 — 

1856 Dr. med., Geh. Ober-Medizinalrat und vortragender Rat 
im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- 
Angelegenheiten, und Scholz v. Hermensdorf, Dr. jnr.. 
Ober -Tribunalsrat und Mitglied der Ober-Examinations- 
Eommission für die richterlichen Beamten, in das Bundes- 
Direktorium gewählt. 

Errichtet wurde in diesem Jahr die Johannisloge zu Neu- 
stadt-Eberswalde, „Friedrich Wilhelm zu den 3 Hämmern^. 

Durch Rundschreiben vom 23. Februar 1856 an 
sämmtliche Logen des Bundes wurde die Einführung von 
Schwestern in die Loge sowie eine maurerische Arbeit mit 
Schwestern ausdrücklich untersagt. Wolle der Vorsitzende 
ein gemischtes Mahl veranstalten, an dem auch Schwestern 
Teil nehmen, wolle er oder ein anderer Br. bei solcher 
Gelegenheit eine passende Ansprache, worüber dem Meister 
auf seine Verantwortung das Urteil allein zustehe, an die 
Schwestern richten, so möge das unbedenklich geschehen, 
aber es dürfe in keiner Weise unter einer maurerischen 
Form oder in einem maurerischen Heiligtum geschehen, wie 
auch unter den Brrn. ausserhalb der geöffneten Arbeits- 
oder Tafelloge, selbst bei dem Brudermahl, manrerische 
Kleidung und maurerische Formen und Gebräuche unbedingt 
untersagt seien. 

Zur Herbeiführung einer Uebereinstimmung der Kugelungs- 
Gesetze der drei Preussischen Grosslogen hatten diese einen 
gemeinsamen Ausschuss niedergesetzt. Das von der dies- 
seitigen Grossloge gewählte Mitglied dieser Kommission, 
Br. Heydemann, berichtete in der Sitzung vom 6. März 1856, 
dass die Beauftragten über folgenden Gesetzesvorschlag sich 
geeinigt hätten: 

1. Ein Dritteil ungünstiger Stimmen als entscheidende 
Grenze beizubehalten. 

2. Die Bestimmungen über den Erfolg ungünstiger Stimmen 
unter einem Dritteil der Gesammtzahl wie bisher der 
Gesetzgebung eines jeden Systems zu überlassen. 

3. Bei einem Dritteil oder mehr ungünstiger Stimmen aber, 
ohne dass es der Angabe besonderer Gründe bedarf, 



— 215 — 

den Suchenden auf drei Jahre abzuweisen und eine nach 1866 
Ablauf dieser drei Jahre abermals eintretende Abweisung 
als für immer geschehen zu erklären. 
Da ein Ausschuss zur Prüfung der Grundverfassung 
inzwischen eingesetzt war, beschloss die Grossloge in der 
Sitzung vom 6. März 1856 diese Vorschläge dem Prüfungs- 
Aasschuss mit dem Bemerken zu übergeben, dass bei der 
ferneren Beratung das gute Einvernehmen mit den Schwester- 
Grosslogen besonders ins Auge zu fassen sei. Diesen 
Erwartungen hat auch der Ausschuss entsprochen, und 
dadurch ist ein gleichmässiges Verfahren erzielt worden. 

In derselben Sitzung wurde das Verlangen einer Tochter- 
loge, die Beförderung eines ihrer Gesellen in den Meister- 
grad durch eine seinem Wohnort nahe gelegene Schwester- 
loge einer anderen Lehrart veranlassen zu dürfen, für unzu- 
lässig erklärt. 

Die Durchsicht der Gmndverfassung wurde in der Sitzung 
vom 5. Juni d. J. beendet, und vom Bundes -Direktorium 
die neue Grundverfassung vom 24. Juni ab in Kraft gesetzt. 
In derselben Sitzung kam das Schreiben der hannover- 
schen Grossloge an die diesseitigen Tochterlogen in Goslar 
und Osnabrück zum Vortrag: 

der König von Hannover habe als Protektor der hannover- 
schen Grossloge dem Grossmeister seinen Willen dahin 
zu erkennen gegeben, dass sämmtliche St. Johannislogen 
des Königreichs Hannover der Grossloge dieses Königreichs 
untergeordnet, und keine solche Loge fernerhin in 
Thätigkeit bleiben solle, die der Grossloge des König- 
reichs nicht untergeordnet sei. Die genannten Logen 
waren aufgefordert, binnen 14 Tagen ihre hierauf bezüg- 
lichen Erklärungen an die Grossloge einzusenden, 
sowie die Antwort der Tochterlogen: 

dass sie sich mit Rücksicht auf die bestimmte Willens- 
meinung des Königs in disziplinarer Beziehung der Gross- 
loge von Hannover unterordnen würden, mit Rücksicht auf 
ihr langjähriges Verhältniss zur diesseitigen Grossloge aber 
den Wunsch hegen, in ritualer Beziehung auch weiter 



— 216 — 

1856 mit der Grossen National -Matterloge in Beziehung bleiben 
zn dürfen. 

Dieser Wunsch bUeb jedoch in Hannover unberücksichtigt, 
und diese beiden sowie die Johannisloge zu Hildesheim 
wurden aus dem diesseitigen Verband demnächst entlassen. 

In der Sitzung vom 4. Dezember 1856 wurde zur sorg- 
fältigen Prüfung und Berichterstattung über den Vorschlag 
des Bruders Wiebe wegen Errichtung eines Waisenhauses 
für hinterbliebene Söhne von Maurern ein Ausschuss nieder- 
gesetzt, der aus den Brrn. v. Olfers, Dobert, Frantz, 
Waldaestel, Zschiesche, Benda und Dahms bestand. 

1857 Auf den Bericht dieses Ausschusses beschloss die Gross- 
loge in der Sitzung vom 12. Februar 1857 in Erwägung : 

dass es nicht im Wesen unserer maurerischen Verbindung 
liege, zu zentralisiren und alle Wohlthätigkeits-Uebung 
von dem Mittelpunkt ausgehen zu lassen, sondern zu 
solcher Uebung auf allen Punkten des grossen Kreises 
anzuregen, dass ferner es sich empfehle, im Mittelpunkt 
des Bundes den Waisen und zwar zunächst denen von 
Brrn. eine besondere Sorge zuzuwenden, 
die Gründung einer besonderen maurerischen Behörde för 
die Waisenpflege (Waisen -Amt) und beauftragte diesen Aus- 
schuss, die Angelegenheit weiter zu beraten und bestimmte 
Vorschläge für die Errichtung dieser Behörde und ihren 
Wirkungskreis, die Herbeischaffung der Mittel u. s. w. zu machen. 

Auf den Antrag dieses Ausschusses wurde von der 

Gross-Loge am 3. Dezember 1857 der Beschluss gefasst: 

vom 1. Januar 1858 ab ein Waisen-Amt in das Leben zu 

rufen und ihm aus der Haupt-Logenkasse jährlich 500 Thlr. 

zu überweisen, 

und gleichzeitig der vorgelegte Entwurf zur Geschäfts-Ordnung 

für das Waisen- Amt genehmigt. Ein Mitglied des Bundes- 

Direktoriums führt nach dieser Geschäfts -Ordnang den Vorsitz 

im Waisen -Amt. Der Regel nach soll nur bei Kindern von 

Brüdern, die zur Zeit ihres Todes Mitglieder einer der 

hier befindlichen Tochterlogen waren, das Waisen- Amt helfend 



— 217 — 

eintreten, die vater- und matterlosen Waisen sollen einer 1867 
anerkannt tüchtigen Familie zur Erziehung übergeben, für 
nnr vaterlose Waisen dagegen, die bei der Matter verbleiben 
können, soll der Regel nach nur das Geld für Bekleidang 
und Schulanterricht gezahlt werden. 

Im März 1857 warden die von dem Bildhauer Br. Möller 
der Grossloge als Geschenk dargebotenen Bildnisse des Königs 
and des Prinzen Friedrich Wilhelm nebst dazu gehörigen 
Konsolen mit Dank angenommen, und es wurde beschlossen, 
sie im Logenraum aufzustellen. 

In der Sitzung vom 20. September wurde die Mutter- 
loge von dem Abschluss des Vertrages über einen Teil des Logen- 
gartens auf Grund der früher bereits ertheilten Zustimmung 
in Kenntniss gesetzt und der Antrag des Bundes -Direktoriums 
genehmigt : 

mit Rücksicht auf die durch den Verkauf der Gartenparzelle 
gewonnene höhere Einnahme der Haupt- Logenkasse an 
jede der hier vereinigten 4 St. Johannis- Logen die Summe 
von 250 Thlrn. jährlich zu überweisen. Hieraus sollten 
namentlich die Erlasse an Aufnahme- und Beförderungs- 
gebühren, femer die Kosten des Stiftungsfestes, Bewirtung 
bei Tafellogen u. s. w. bestritten werden, dagegen die 
bisher zur sog. kleinen Logenkasse eingezogenen frei- 
willigen Beiträge (nicht aber die Sammlungen für besondere 
Zwecke nach Vorschrift des § 13 der Orts -Statuten) 
möglichst beseitigt werden. 

Das Königl. Polizei-Präsidium zu Berlin hatte nach 
der Anzeige in der Sitzung vom 3. Dezember 1857 die Mit- 
teilung der Bundes- Statuten oder mindestens der Paragraphen 
über die Aufnahme bezw. Zulassung nichtchristlicher 
Brüder verlangt. Das Bundes -Direktorium hatte darauf 
geantwortet, dass die Grosse National- Mutterloge kraft 
des ihr verliehenen Protektoriums vom 6. Februar 1796 
und des Edikts vom 20. Februar 1798 §§3 bis 13 nur ver- 
pflichtet sei, dem König Auskunft über innere Angelegenheiten 
des Bundes zu geben. 



— 218 — 

1867 In derselben Sitzung wurden auch die Abänderungen 

der Grundverfassung für das Gross -Almosenamt vom Jahr 1811 
genehmigt, und ihr die Bezeichnung „Geschäfts-Ordnung 
für das Gross -Almosenamt" beigelegt. 

In diesem Jahr wurde auch die Verbindung mit der 
Grossloge der Schweiz, „Alpina", durch gegenseitige Wahl 
von Gross -Vertretern neu geregelt. 
1858 Im Jahr 1858 wurde zu Kreuznach*) eine neue 

Johannisloge unter dem Namen: „die vereinigten Freunde 
an der Nahe** gestiftet. 

In der Sitzung vom 20. Mai wurde die Gründung eines 
neuen Gewerbe-Stipendiums von 40 Thlrn. zum Andenken 
König Friedrichs II. beschlossen, sowie eines ferneren 
Frei -Tisches für studirende Söhne der Mitglieder der hier 
vereinigten Johannislogen. 

Auf den Antrag des Grossmeister-Vereins beschloss die 
Grossloge am 30. September 1858: 

a. Es wird jedem Logen-Mitglied sowie jedem besuchenden 
Bruder unter Hinweisung auf das abgelegte maurerische 
Gelübde der Verschwiegenheit und auf die bestehenden 
Gesetze wiederholt auf das strengste untersagt, selbst 
oder durch Andere Nachrichten über Vorgänge in 
den Logen oder Mitteilungen über die in ihnen 
gepflogenen Verhandlungen und gehaltenen Reden in 
öffentliche Blätter gelangen zu lassen. 

b. Auf gleiche Weise wird den Logen -Mitgliedern und 
besuchenden Brüdern untersagt, dergleichen Nachrichten 
und Mitteilungen zur Kenntniss solcher Personen zu 
bringen, die dem Bunde nicht als Mitglieder 
angehören. 

c. Sollten dieser Anordnung zuwider dergleichen Nach- 
richten durch öffentliche Blätter dennoch mitgeteilt 
werden, so hat die betreffende Loge die genauesten 



*) Bereits in den Jahren 1809 bis 1814 soll in Kreuznach eine 
Loge unter demselben Namen nach Lehrart der Grossen Landesloge 
Yon Deutschland bestanden haben. In unserem Archiv fehlen Nach- 
richten hierüber. 



— 219 — 

Nachforschungen darüber anzustellen, wer die Mit- 1868 
teilang veranlasst hat. Schuldige Logen-Mitglieder 
trifft die Strafe, die für den Brach des maorerischen 
Gelübdes gesetzlich bestimmt ist. Besuchende Brüder 
werden den Logen, denen sie angehören, zur 
weiteren Veranlassung und Bestrafung angezeigt, 
d. Sämmtliche Meister vom Stuhl werden dafür ver- 
antwortlich gemacht, dass diese Bestimmungen zur 
Kenntniss der Mitglieder ihrer Loge sowie derjenigen 
besuchenden Brüder, die einer nicht- vaterländischen 
Loge angehören, gebracht werden. 

Im Jahr 1859 wurde zu Essen a. d. Ruhr eine neue 1859 
Johannisloge unter dem Namen „Alfred zur Linde ^ gestiftet. 
Am 30. November feierte die Loge „Teutonia zur 
Weisheit** zu Potsdam das fünfzigjährige Stiftungsfest. 

Die Loge ,,Zum Leopard^, die früher in Lübben 1860 
gegründet und dann geschlossen war, wurde 1860 in Luckau 
wieder eröffnet. Ebenso trat in Erotoschin die Loge 
„Zum Tempel der Pflichttreue^ 1860 von neuem in Thätigkeit. 
Die Abgeordneten des Vereins der Preussischen Gross- 
logen hatten in der Sitzung vom 7. November 1818 den 
Beschluss gefasst: 
dass die Aufnahme eines sonst würdigen Suchenden aus 
einem Lande, wo die Freimaurerei verboten, in 
gleicher Weise wie die Aufnahme eines Katholiken 
erfolgen könne, da eine Verletzung der vaterländischen 
Gesetze darin nicht zu finden sei, es vielmehr eine 
Gewissensfrage des Suchenden sei, daher die Logen 
dieserhalb nicht mit einer verbietenden Anweisung ver- 
sehen werden könnten. 

Nachdem die russisch-polnischen Logen von der Landes- 
regierung geschlossen worden, erteilte das Bundes-Direktorium 
mittels Kundschreibens vom 18. Februar 1822 sämmtlichen 
Tochterlogen die Anweisung: 
dass weder ein Mitglied dieser aufgehobenen Logen, noch 
irgend ein vereinzelter Freimaurer, der russisch-polnischer 
Unterthan sei, angenommen, noch auch nur zu den Arbeiten 



— 220 — 

1860 der Tochterlogen zugelassen, am allerwenigsten aber rassisch- 
polnische Dnterthanen als Freimaurer eingeweiht werden 
sollten, 
da ein entgegengesetztes Verfahren gerechte Klagen bei der 
preussischen Regierung zur unvermeidlichen Folge haben 
würde, und es nicht den mindesten Anschein haben dürfe, 
als könne unser Logenbund eine Gemeinschaft mit 
Freimaurern unterhalten, die nicht von ihrer Landesregierung 
geduldet werden. 

Erst in der Sitzung der Grossloge vom 31. Mai 1860 
kam die Frage zur Entscheidung: 

ob überhaupt solche Personen, die aus einem Lande, 

in dem die Freimaurerei verboten ist, zu uns kommen 

und die Aufnahme in den Freimaurer- Bund nachsuchen, 

unbedingt und ohne Ausnahme zurückzuweisen seien. 

Der Berichterstatter des zur Prüfung dieser Frage 

niedergesetzten Ausschusses, Br. Salb ach, hatte dahin 

gestimmt, jedem Suchenden — ohne Rücksicht auf sein 

Vaterland und dort bestehende Gesetze — , sobald die 

statutenmässigen Erfordernisse und Bedingungen erfüllt seien, 

den Eintritt in die preussischen Logen nicht zu versagen und 

zwar in Erwägung, dass es dem Bunde nicht obliege, 

gewissermassen eine Vormundschaft über freie und reife 

Männer zu führen, diese vielmehr die Folgen ihres Schrittes 

in Bezug auf die Gesetze ihres Landes selbst zu vertreten 

hätten, eine hülfreiche Hand aber den bei uns Anklopfenden 

nicht zu versagen sei; zumal wir es als eine heilige Pflicht 

anerkennen, die Fackel des Lichts und der Wahrheit leuchten 

zu lassen, wo Dunkelheit herrsche. 

Der Mitberichterstatter Br. Heydemann erklärte sich 
für die entgegengesetzte Ansicht und hob zu deren Begründung 
hervor, dass unser Bund fordere, den Landesgesetzen 
gehorsam zu sein. Es könne hiemach nicht erlaubt sein, 
fremden Suchenden die Hand zur Verletzung ihrer Landes- 
gesetze zu bieten und zwar lediglich aus dem Grunde, weil 
unserer Ansicht nach jene Landesgesetze schlecht seien. Der 
Zweck heilige nicht die Mittel. Auch vom staatsrechtlichen, 



— 221 — 

insbesondere strafrechtlichen Standpunkt rechtfertige sich nicht 1800 

die Unterstützung Anderer bei Debertretung der Verbotsgesetze. 

Die Grossloge entschied sich mit grosser Mehrheit für 

die Ansicht des Br. Heydemann. 

In derselben Sitzung hatte die Grossloge auf Anregung 

des Beschlusses des preussischen Grossmeistervereins vom 

4. Januar 1860 den Beschluss gefasst: 

Versammlungen von Freimaurern an Orten, wo keine 

Logen bestehen (s. g. Freimaurer-Klubs) sind unter allen 

Umstanden nicht zu dulden. 

Der Berichterstatter Br. Salb ach begründete diesen 

Antrag dadurch, dass selbst abgesehen von den Bestimmungen 

des Edikts vom 20. Oktober 1798 § 12: 

,,Eine jede Loge ist verbunden, der Ortspolizeibehörde 

des Ortes ihre Zusammenkunft anzuzeigen und darf bei 

Verlust der Duldung ihren Mitgliedern nicht gestatten, 

ausser den angegebenen Orten Zusammenkünfte zu haben, 

welche auf die Freimaurerei Beziehung haben'', 

weder die Grundverfassung noch die Bundesstatuten dergleichen 

Verbindungen unter den Mitgliedern des Bundes kennen, am 

allerwenigsten aber einer vom Ort der Verbindung entfernten 

Loge zugemutet werden könne, für eine solche Verbindung 

irgend welche Verantwortlichkeit zu übernehmen. Unzweifelhaft 

würden auch dergleichen Verbindungen den Logen selbst 

insofern einen wesentlichen Abbruch thun, als die auswärtigen 

Brr., statt die Logenarbeiten zu besuchen, lieber und bequemer 

in ihre Klub-Versammlungen gehen dürften, die frei von jeder 

Beaufsichtigung nur zu leicht und selbst unabsichtlich dem 

Bund ganz fremde Elemente einmischen und einverleiben 

könnten. 

Gesellige Zusammenkünfte und gesellige Mahle, die 

der Ortspolizeibehörde angezeigt, bei denen jedoch maurerische 

Formen nicht zur Anwendung kommen dürfen, seien den 

Brüdern freigestellt. (Beschluss des Grossmeister- Vereins 

vom 27. Oktober 1857)*). 

*) Der preussische Qrossmeister -Verein beschloss am 26. Februar 
1878 beim Grosslogen - Bond den Antrag za stellen: 



— 222 — 

1861 Im Jahr 1861 wurde der zugeordnete National -Gross- 

meister Br. y. Olfers durch persönliche Verhältnisse bestimmt, 
aus dem Bund zu scheiden. An seine Stelle wurde der 
Br. V. Hörn zum zugeordneten National -Grossmeister, und 
zum Mitglied des Bundes -Direktoriums der Br. Frantz, 
Königlicher Eommissionsrat, gewählt. 

In diesem Jahr wurden die Johannislogen 

in Rastadt: ^Wilhelm zum Schwarzwald ^*); 

in Langensalza: „Hermann v. Salza*'; 

in Sold in: „Hermann zur Bruderliebe*'; 

in Sagan: ^Viktoria vom Fels zum Meer" 
neu errichtet. Die Johannisloge „Ferdinand zur Glück- 
seligkeit" im Orient zu Magdeburg beging die Feier 
ihres 100jährigen Bestehens, zu der von der Grossloge 
eine Abordnung, an ihrer Spitze der Grossmeister gesendet 
wurde. 

In demselben Jahr wurde durch die Vermittlung des 
Br. E. E. Wendt in London der maurerische Verkehr mit 
der Grossloge von England'*^) wieder eröffnet. 

Am 19. Januar wurde die von den drei vaterländischen 
Grosslogen gemeinschaftlich abgehaltene Trauerloge fflr den 

Die Stiftung solcher maorerischen Kränzchen für die Folge in 
gestatten, wenn diese sich unter die Obhut einer deutschen 
Grossloge stellen und demnächst von der betreffenden Grossloge 
zur besonderen Beaufsichtigung einer ihrer Tochterlogen zu über- 
weisen sind. Für die drei Preussischen Grosslogen sei an der 
Bestimmung des § 12 des Edikts vom 20. Oktober 17^ festzuhalten. 
Dieser Antrag wurde jedoch am Grosslogentag von 1878 vom 
Br. V. Zieglor, der ihn eingebracht hatte, wieder zurückgezogen. 

Am 25. November 1879 stellten 12 Mitglieder der Grossloge den 
Antrag, betreffend einen Zusatz zu den Bandes - Statuten über die 
freimaurerischen Kränzchen (Mitth. Jahrgang XI. S. 80). In der 
Vierteljahrs -Versammlung der Grossloge vom 4. März 1880 stimmten nur 
fünf Brüder unter 41 für, die übrigen gegen den Antrag. (S. 117 a. 
a 0.) — Im Jahr 1889 ist für die Grosse National -Mutterloge die 
endgültige gesetzliche Regelung der Frage erfolgt. 

*) Diese Loge trat am 13. Juni 1866, wo die preussischen Truppen 
die Bundesfestung Rastadt verliessen, ausser Thätigkeit 

**) Im Kalender der englischen Grossloge wird erst seit 1868 die 
Preussische Grossloge zu den 3 Weltkugeln als anerkannt aufgeführt. 



— 223 — 

heimgegangenen König Friedrich Wilhelm lY. in 1861 
onserem Bandeshaas begangen and zwar in Anwesenheit 
des Protektors, des Königs Wilhelm, sowie des stellver- 
tretenden Protektors, des Kronprinzen Friedrich Wilhelm. 
Bei dieser Veranlassong sprach der Protektor die denk- 
würdigen Worte: 

„Ich bin absichtlich heat anter Ihnen erschienen, am 
Ihnen za beweisen, dass trotz der anderen Stellang, die 
der Himmel Mir in der Aassenwelt gegeben hat, Ich im 
Braderkreis derselbe bleibe. Ich werde derselbe bleiben, 
wenn Sie, meine Brüder, dieselben bleiben. Religion and 
Gottesfurcht, das ist der Kern und feste Grund, auf dem 
die Maarerei ruht, deren Beruf es ist, diese Gesinnungen 
ß\x pflegen und in die Anssenwelt zu bringen. Folgen 
Sie immer diesen Grundsätzen. Ich werde Ihnen darin 
vorangehen." — 

Die nähere Beziehung mit dem Supr. Gonseil de Belgique 
za Brüssel wurde durch gegenseitige Wahl von Gross- 
Vertretem wieder angebahnt. 

In der Sitzung vom 5. September bewilligte die Gross- 
loge auf den Antrag des Br. Marot, eine Summe von 
1000 Thalern zur deutschen Flotte. 

Der höchste Rat des SSsten Grades des alten und 
angenommenen Schottischen Ritus zu New York behauptete, 
seine Yollmacht von Friedrich IL, König von Preussen, 
erhalten zu haben, indem letzterer am 1. Mai 1786 die 
maurerischen Yerfassungen und Statuten der hohen Grade 
habe prüfen lassen und den schon anerkannten 25 Graden 
noch 8 Grade hinzugefügt und einen höchsten Rat des 
33. Grades gegründet habe, für den er selbst die 
Anordnungen u. s. w. gegeben. Dem Br. Macornay aus 
New York hatte das Bundes -Direktorium auf Anfrage vom 
25. Mai 1833 bereits erwidert, dass König Friedrich der 
Grosse, unter dessen Hoheit die Grosse National -Mutterloge 
zu den drei Weltkugeln gegründet worden, sich niemals 
besonders mit maurerischer Verfassung und Gesetzgebung 
beschäftigt habe. Auch Br. Klose in Frankfurt a. M. 



— 224 — 

1861 hat in seiner Geschichte der Freimaarerei in Frankreich 
(S. 409 ff.) des Gegenstandes ausführlich Erwähnung gethan. 

Der Br. Merzdorf zu Oldenburg hatte femer dem 
Bundes -Direktorium mittels Schreibens vom 21. August 1861 
eine ausführliche Abhandlung über diese Verfassung über- 
sendet. In der Sitzungs-Niederschrift vom 19. Dezember 1861 
ist die Ansicht des Bundes-Direktoriums über die Mitwirkung 
König Friedrich des Grossen bei dieser Neuordnung der 
höchsten Grade niedergelegt und mit Bestimmtheit dargethan 
worden, dass die fraglichen Verfassungen und Gesetze 
durchaus unecht seien, was auch durch die Grossloge 
anerkannt wurde. — 

1862 Im Jahr 1862 starben die Mitglieder des Bundes- 
Direktoriums, Brr. Schmückert und Seeger, und an deren 
Stelle traten die Brr. He y dem an n, Dr. jur., Geheimer 
Justizrat und ordentlicher Professor der juristischen Fakultät 
an der hiesigen Universität, und Bornemann, Wirklicher 
Geh. Kriegsrat und vortragender Bat im Kriegsministerium. 

Die Johannisloge zu Stendal*) wurde unter dem Namen 
„zur goldenen Krone" neu errichtet. Die Johannisloge „zu 
den drei Zirkeln ** im Orient Stettin beging die Feier ihres 
lOOjährigen Bestehens. An diesem Fest nahmen der Gross- 
meister sowie sieben Mitglieder des Bundes-Direktoriums 
und der Grossloge als Abgeordnete Teil. 

Die Grossloge von Hannover hatte sich das Verdienst 
erworben, die Frage über den Gebrauch der maurerischen 
Flagge, beziehungsweise Notflagge, in Anregung zu bringen 
und zugleich im Anschluss an den bisherigen Gebrauch den 
Vorschlag gemacht: 

eine dreieckige blaue Flagge, worauf Winkelmaass und 
Zirkel in bekannter Lage weiss eingewebt oder aufgenäht 
als maurerische Flagge anzunehmen, 
die dann unter der gewöhnlichen Notflagge aufgehisst 
auch als maurerische Notflagge dienen könnte. 

*) Bereits im Jahr 1775 hatte die Grosse Landesloge von Deutsch- 
land in Stendal die Loge „zur goldenen Krone*' errichtet. Diese 
war jedoch im Jahr 1824 ausser Th&tigkeit getreten. 



— 225 — 

Die Grossloge hatte bereits am 31. Mai 1861 beschlossen: 1863 
die sämmtlichen Tochterlogen hierauf unter BeifQgung 
einer farbigen Zeichnung der Flagge aufmerksam zu 
machen und besonders die Tochterlogen in den See- und 
Handelsstädten zur näheren Aeusserung über den Gegen- 
stand aufzufordern. 

In der Sitzungsniederschrift der Grossloge vom 6. März 1862 
sind die Aeusserungen der seefahrenden Brüder in Memel, 
Danzig, Eolberg, Stettin und Ueckermünde, sowie 
auch die Vorschläge des Er. Bot h well, Korvetten -Eapitains 
and Chefs des Stabes der Preussischen Marine, zusammen- 
gestellt. Diese Stimmen erklären sich, wenngleich mit 
verschiedenen Abänderungsvorschlägen, doch übereinstimmend 
für die Einführung der maurerischen Notflagge. 

Auf die Mitteilung dieser Aeusserungen an die Grossloge 
von Hannover beschränkte sich vorläufig die Wirksamkeit 
der diesseitigen Grossloge in der Flaggenfrage. 

Ein entgegengesetztes Ergebniss zeigte die Abstimmung 
des Gross-Orients der Niederlande am 31. Mai 1863. 
Es erklärten sich 11 Logen und 12 Grossbeamte 
mit 45 Stimmen dafür und 25 Logen mit 75 Stimmen 
dagegen. — 

Am 6. Oktober 1862 beging der Er. Marot den 
Tag seines lünfzigjährigen Wirkens als delegirter Alt- 
schottischer Ober-Meister. Um den Gefühlen der Freude, 
Liebe und Dankbarkeit aller Brüder einen Ausdruck zu 
geben, hatte das Altschottische Direktorium den Jubilar 
an diesem Tag zu seinem Ehrenmitglied gewählt. Dadurch 
war der Jubilar zugleich Ehrenmitglied des Bundes- 
Direktoriums der Freimaurer der Grossen National -Mutter- 
loge geworden. 

Das Uundes-Direktorium gab der Mutterloge in der 
Sitzung vom 4. Dezember 1862 Eenntniss von diesem 
Beschluss mit dem Hinzufügen, dass diese Ehrenbezeugung 
als eine ganz ausserordentliche und in der Maurerwelt gewiss 
einzig dastehende zu betrachten sei, und dass es nicht in 
der Absicht des Altschottischen Direktoriums liege, Ehren- 

OMch. d. Gr. NAt.- Matter -Lot«. 15 



— 226 — 

1862 mitglieder des Direktoriams ferner zu ernennen, die nicht 
dessen wirkliche Mitglieder gewesen seien. 

1863 In diesem Jahr war der Br. Deter, der seit 1839 
das Amt eines Gross -Archivars bekleidet hatte, gestorben^ 
und an seine Stelle der bisherige zugeordnete Gross- 
Archivar, Br. Petersen, Geheimer Rechnungsrat im Kriegs- 
ministerium, zum Gross-Archivar ernannt worden. 

Das maurerische Licht wurde von Mitgliedern des 
Bandes-Direktoriams eingebracht in die neuen Tempel der 
Loge „zu den vereinten Freunden an der Nahe** zu 
Kreuznach a. d. N. am 6. September, ferner „Friedrich 
Wilhelm zur Hoffnung" zu Arnswalde am 1. Oktober 
und endlich ^Wahrheit und Einigkeit zu den sieben ver- 
einigten Brüdern ** zu Jülich am 25. Oktober. 

In der Sitzung vom 12. März 1863 wurde zur Vor- 
beugung einer unangemessenen Verbreitung der gedruckten 
Niederschriften über die Verhandlungen der Grossloge auf 
den Antrag des Br. Salbach der Beschluss gefasst: 

künftig nicht den Ehrenmitgliedern, sondern nur den 
ordentlichen Mitgliedern der Grossloge und den Tochter- 
logen je 1 Exemplar und den befreundeten Grosslogen 
je 2 Exemplare (davon 1 für den diesseitigen Vertreter) 
mitzuteilen. 

Femer wurde in derselben Sitzung ein Ausschuss zur 
Prüfung der Grundverfassung und der Bundesstatuten 
eingesetzt. Dieser Ausschuss bestand unter dem Vorsitz 
des National - Grossmeisters aus folgenden Mitgliedern : 
1. Br. Salbach (Berichterstatter),. 2. Br. Appelius I., 
3. Br. Borne mann (Mitberichterstatter), 4. Br. Wiebe, 
5. Br. Marot (2. — 5. als Vorsitzende Meister der hiesigen 
Johannislogen), 6. Br. Heiners dorff als Schriftführer. 

Gleichzeitig wurde den Tochterlogen anheimgegeben, die 
Vorschläge, die sie in Hinsicht der Abänderung der Grund- 
verfassung oder der Bundesstatuten zu machen hätten, durch 
Vermittlung ihrer Vertreter an die Grossloge gelangen zu 
lassen. 



— 227 — 

In Folge dieser Aufforderung sind 1888 

Abändemngs -Vorschläge eingegangen. . . von 12 IjOgen 

Anzeigen ohne Vorschläge r 63 „ 

jede Anzeige unterblieb <. 27 

102 Logen^ 
Nach der Niederschrift derselben Sitzung forderte die 
Grosaloge behufs Erleichterung der Kassenverwaltung die 
Tochterlogen auf, bei Bestellung von Drucksachen, 
Bekleidungs-Gegenständen u. s. w. den Geldbetrag, 
der durch die ihnen zugesandte Geschäftsordnung 
für das Gross-Schatzamt festgesetzt sei, sofort mit 
einzuschicken. 

In der Sitzung vom 3. September erklärte die Grossloge 
einstimmig : 
dass ein Bruder unserer Lehrart — Ehrenmeister einer 
unserer Tochterlogen und Ehrenmitglied der Grossloge 
— nach seinem Uebertritt zu der Loge einer anderen 
Lehrart weder Ehrenmeister der Tochterloge noch Elhren- 
mitglied der Grossloge bleibe. 

Am 1. Mai 1864 wurde der neue Tempel der Loge „Armin 1864 
zur deutschen Treue'' in Bielefeld eingeweiht. 

Vom Grossmeister- Verein wurde eine Beschränkung bei 
der Verteilung der Mitglieder-Verzeichnisse für wünschens- 
wert erachtet, sowie auch femer, dass bei den Namen der 
Mitglieder nur ihr Stand in der Aussenwelt genau angegeben, 
dagegen der Besitz von Orden und Ehrenzeichen bei den 
Beteiligten nur durch den Vermerk: „Ritter u. s. w.^ anzudeuten 
sein dürfte. 

Die Grossloge erklärte sich in der Sitzung vom 26. Mai 
1864 mit diesem Vorschlag einverstanden. 

Die Vorsitzenden Meister verschiedener deutscher Logen 
wurden nach deren Anzeige von dem Vorstand des „Vereins 
deutscher Maurer^ unmittelbar eingeladen an einem allgemeinen 
deutschen Maurertag sich zu beteiligen und zwar zu dem 
Zweck : 

a) über maurerische Grundsatzfragen, Abänderungs- 
Vorschläge und überhaupt allgemein wichtige 

16* 



— 228 — 

lfi64 maorerische Angelegenheiten nach vorausgegangenen 

Vorträgen und Besprechungen die Ansichten der Mehr- 
heit der Abgeordneten auszumittebi und durch Bekannt- 
machung der Verhandlungen auf die Bildung einer 
bestimmten Deberzeugung über die fraglichen Punkte 
in der ganzen Maurerwelt einzuwirken, auch 
b) Beschlüsse zu fassen über geeignete Schritte, um der 
Mehrheitsansicht der Abgeordneten in Bezug auf 
maurerisches Leben und Wirken eine thatsächliche 
Folge zu geben. 
Der Grossmeister -Verein erachtete eine öffentliche 
Teilnahme der eingeladenen Abgeordneten der diesseitigen 
Tochterlogen als den Grundsätzen der drei Preussischen 
Grosslogen zuwider und hatte den Wunsch ausgesprochen, 
dass seitens der Grosslogen den Eingeladenen empfohlen 
werde: 

als Beauftragte von Logen keines Falls an dem Maurer- 
tag sich zu beteiligen, wogegen es jedem Einzelnen über- 
lassen bleiben könne, ob er den Maurertag besuchen wolle. 
Die Grossloge erklärte in der Sitzung vom 26. Mai das 
Einverständniss mit dieser Ansicht und beschloss, den Tochter- 
logen zur Beachtung hiervon Eenntniss zu geben. 

1865 Am 13. Februar 1865 wurde das in der Geschichte des 

Bundes einzig dastehende 70 jährige Maurerjubiläum des 
Aeltesten unseres Bundes, Br. Marot, unter allgemeiner 
Teilnahme der Brr. gefeiert. 

Am 18. März und 23. Juli starben die Brr. Frantz 
und Scholz v. Hermensdorff, Mitglieder des Bundes- 
Direktoriums. Es traten die BBr. Graf v. Wartensleben, 
Dr. jur. und Stadtgerichtsrat, und Zschiesche, Verwaltungs- 
Direktor des Grossen Friedrichs-Waisenhauses, an deren Stelle 
als Mitglieder in das Bundes-Direktorium. 

Im Lauf des Jahres wurden die durchgesehene Grund- 
verfassung des Bundes, die umgearbeiteten Bundesstatuten 
und die Ortsstatuten der Berliner Tochterlogen sowie auch 
die durchgesehenen Geschäfts-Ordnungen für das Schaffner- 



^ 229 — 

amt) das Gross-Censorat, dasWaisenamt, das Gross- Almosenamt, 1866 
das Gross -Schatzamt und die Grosslogen-Bibliothek in 
Wirksamkeit gesetzt. 

Durch die Herausgabe des neuen Gesangbuches zu Johannis 
dieses Jahres wurde einem, längst empfundenen Mangel 
abgeholfen. 

Am 22. Mai wurde zur Feier des 23 jährigen Maarer- 
Jubiläums des Königs- Protektor von den 3 Preussischen 
Qrosslogen eine gemeinsame Festloge im Ordenshause der 
Grossen Landesloge von Deutschland abgehalten. 

Nach der Festarbeit musste die Fest-Tafelloge in jedem 
der 3 Logenhäuser abgesondert stattfinden, da keines von 
ihnen zur gemeinschaftlichen Abhaltung ausreichenden 
Raum bot. 

Am 12. Oktober starb der Aelteste des Bundes, Br. 
Marot, Ehrenmitglied des Bundes-Direktoriums, in dem hohen 
Alter von beinahe 95 Jahren, nachdem er 60 Jahre in der 
Grossen Loge mit Hingebung und Treue gewirkt hatte. Zu 
seinem Nachfolger als Meister vom Stuhl der Johannisloge 
zur Verschwiegenheit sowie als delegirter alischottischer 
Obermeister, welches Amt Marot über ÖO Jahre bekleidet 
hatte, wurde der Br. Schüller gewählt. 

Li der Sitzung vom 7. Dezember wurde die Genehmigung 
zu dem Beschluss der hiesigen Johannisloge „zur Verschwiegen- 
heit" erteilt: 
dem Br. Marot, langjährigem Meister vom Stuhl, ein Denk- 
mal im Garten der Grossen National-Mutterloge zu errichten. 

Das Denkmal, bestehend in der Büste des Jubilars in 
Bronce auf einem Sockel von schlesischem Marmor, wurde 
am 2. September 1866 mit entsprechender Feierlichkeit enthüllt. 

Die mit der Grossloge zu New-York wegen gegenseitiger 
Vertretung gepflogenen Verhandlungen hatten in diesem Jahr 
za dem erwünschten Erfolg geführt. 

In der Sitzung vom 7. Dezember wurde auf den Antrag 
der hiesigen Johannis -Tochteriogen im Hinblick auf § 121 
der Bundesstatuten und § 11 der Ortsstatuten für diese 
Logen beschlossen: 



— 230 — 

1865 dass ausser den bereits von Zahlung der Logenbeiträge 
befreiten Schriftführern der Johannislogen nur noch die 
Schatzmeister der hiesigen Johannislogen von Zahlung der 
allgemeinen Logenbeiträge mit Ausschluss des Goldthalers 
befreit, alle übrigen Beamten-Klassen von dieser Berechtigung 
aber ausgeschlossen sein sollen. 

1866 Im Jahr 1866 wurde die Johannisloge zu Barmen, 
genannt „Lessing", neu errichtet, ferner die Johannisloge 
in Perleberg, „die Perle am Berge ^, die seit dem 
30. Mai 1846 ausser Thätigkeit gewesen, wiedereröffiiet, 
dagegen die Johannisloge zu Rastadt, „Wilhelm im Schwarz- 
walde*', in Folge der Kriegsereignisse geschlossen. 

Am 25. September feierte die Loge „zur Morgenröthe 
des höheren Lichts " zu Stolp ihr fünfzigjähriges Stiftungsfest. 

Li der Sitzung vom 1. März 1866 beschloss die Grossloge 
mit Rücksicht auf § 69 der Bundesstatuten zu § 9 der Orts- 
statuten, dass die Schatzmeister der im hiesigen Orient 
vereinigten Johannislogen auf einen 3 jährigen Zeitraum 
gewählt werden sollen. 

Der 31. Mai war der fünfzigste Jahrestag des Eintritts 
des National-Grossmeisters, Br. Messerschmidt, in den Bund. 

Die Verehrung und Liebe, deren der Jubilar sich zu 
erfreuen hatte, sprach sich nicht nur in dem Glückwunsch- 
Schreiben des Protektors und der Tochterlogen sowie in den 
Schreiben der befreundeten Grosslogen aus, sondern auch in 
den Beiträgen zu einem Stipendiengrundstock, der den 
Namen des Jubilars künftigen Geschlechtern überliefern sollte. 

Während die Grossloge bei Veranlassung des fünfzig- 
jährigen Maurer -Jubiläums seines Amts Vorgängers, des 
National -Grossmeisters, Br. v. Guionneau, am 7. November 
1825 auf den Beschluss sich beschränken musste, die Summe 
von 50 Thalem als Logen -Stipendium alljährlich dem Jubilar 
zur Verfügung zu stellen, hatten bis zur Vierteljahrs- Ver- 
sammlung am 6. September bereits 31 Tochterlogen zu einer 
zu errichtenden Grossmeister Messerschmidt-Stiftung die 
Summe von 682 Thlm. 26 Sgr. 6 Pf. baar eingesendet. Hierzu 



— 231 — 

waren 100 Thlr. aus der Kasse des höchsten Inneren Orients 1866 
nnd 100 Thlr. als Beitrag des National-Grossmeisters des 
Gross -Orients im Königreiche der {Niederlande, Prinzen 
Friedrich der Niederlande, eingegangen. 

Als Beitrag überwies die Grosse National- Matterloge 
am 6. September die Summe von 500 Thlm. aus der Haupt- 
Logenkasse und vollzog zugleich die Urkunde, nach der die 
Stiftung unter dem Namen: 

„Grossmeisterlich Messerschmidt'scher 
Stipendien -Fonds" 
von dem Gross -Schatzamt als Wohlthätigkeits- Anstalt der 
Grossen National -Mutterloge verwaltet wird, und die Zinsen 
vom 1. Oktober 1866 ab dem Jubilar zur Verfügung gestellt 
werden, so dass er sie ganz nach eigenem Ermessen fort 
und fort jährlich an Maurersöhne als Stipendien überweise. 

Diese Stiftungsurkunde wurde dem Jubilar bei Gelegenheit 
der nachträglichen Feier seines Maurer-Jubiläums durch 
die Johannisloge „zu den drei Seraphim", der er als Ehren- 
meister angehörte, am 6. Oktober in geöffneter Loge von 
Abgeordneten der Grossen National -Mutterloge unter Führung 
des zugeordneten National-Grossmeisters, Br. v. Hörn, 
überreicht. — 

Da die Anweisung für die Vertreter der Tochterlogen 
sich unzureichend erwies, ward von dem Bundes -Direktorium 
in der Versammlung der Grossloge vom 6. Dezember 1866 
ein neuer Entwurf für diese Anweisung vorgelegt. Elr 
wurde einem Ausschuss der Grossloge, bestehend aus 
den Vorsitzenden und zugeordneten Meistern der hier 
arbeitenden 4 Johannislogen unter dem Vorsitz eines Mit- 
gliedes des Bundes-Direktoriums zur gutachtlichen Aeusserung 
vorgelegt. (S. S. 233.) 

Durch den ebenso schnell als glorreich beendeten Feld- 
zug von 1866 wurde eine wesentliche Unterbrechung der 
Arbeiten der Grossloge nicht herbeigeführt. 

Die Fanverleibung des ehemaligen Königreichs Hannover 1867 
in den preussischen Staatsverband hatte die Auflösung der 



— 232 — 

1867 Grossloge von Hannover zur Folge und damit fOr deren 
Tochterlogen die Notwendigkeit, sich einer der 3 Preossischen 
Grosslogen anzoschliessen. Zwei uns früher viele Jahre 
hindarch angehörig gewesene Töchter, die seit 1856 von tms 
hatten getrennt bleiben müssen (S. 215 f.), die Loge 
^Hercynia zam flammenden Stem^ zu Goslar und „zum 
goldenen Rade ^ zu Osnabrück, kehrten zur Grossen National- 
Matterloge zurück. Die erstere wurde am 7. August, die 
letztere am 7. November angenommen. Ferner fand die 
Verlegung der Loge „ Blücher von Wahlstatt " von 
Luxemburg nach Gharlottenburg statt, wo der neue 
Tempel am 18. Oktober eingeweiht wurde. Ausserdem wurd en 
in diesem Jahr geweiht die neu errichteten Arbeitstätten 
in den Logen: „Viktoria vom Fels zum Meer^ zu Sagan 
den 15. Juni; „Viktoria zu den drei gekrönten Thürmen^ zu 
Marien bürg den 20. Oktober und an demselben Tage in 
der Loge „Friedrich zur Beständigkeit*' zu Zerbst. Die 
Loge „zu den drei Triangeln*' im Orient Glatz feierte das 
Fest ihres hundertjährigen Bestehens. 

Neu errichtet wurde zu Lübben die Loge „Wilhelm 
zur Wahrheit und Brudertreue''. 

In diesem Jahr wurde auch die Grossloge von Griechenland 
gegründet. (Vergl. Freimaurer- Zeitung 1872, S. 296.) 

Am 22. November wurde das 70jährige Bestehen der 
Grundverfassung festlich begangen. Dm das innige Ver- 
hältniss zu bezeugen, welches unsere Grossloge mit den beiden 
anderen Preussischen Grosslogen verbindet, wählte diese bei 
dieser Gelegenheit den Landes-Grossmeister der Grossen 
Landesloge von Deutschland, den Kammerherm und Schloss- 
hauptmann V. Dachroeden, und den Grossmeister der 
Grossloge „Royal York zar Freundschaft", den Professor 
Schnackenburg, zu ihren Ehrenmitgliedern. 

Bei der Festfeier wurde von dem National -Grossmeister 
V. Messerschmidt eine Uebersicht^ der Thätigkeit der 
Grossloge in den verflossenen 70 Jahren gegeben, und in 
dankbarer Anerkennung der Verdienste des Obermeisters 
Boumann um die Grundverfassung 



- 233 ~ 

,der Obermeister Boumann'sche Stipendien-Fonds*' 1867 
gegründet. 

Auf den Antrag der Gross -Oriente ^dos Benedictinos' 
zu Rio Janeiro und „von Italien ** zu Florenz wurde eine 
nähere Beziehung mit ihnen durch Wahl von Gross- 
Yertretem angebahnt. 

In der Vierteljahrs-Versammlung vom 7. März 1867 wurde 
der vom Bundes - Direktorium beantragte Zusatz zu den 
Bestimmungen der §§ 31 — 33 der Grundverfassung dahin 
genehmigt: 

dass Anträge, welche die Grund Verfassung oder die 
Bundesstatuten betreffen, erst in der nächsten Mai- 
konferenz zur Beratung und Beschlussfassung gebracht 
werden sollten. 

In der Versammlang der Mutterloge am 2. Mai waren 
die Vorsitzenden Meister der Tochterlogen zum ersten Mal 
und zwar in der Zahl von 26 erschienen. Aus ihren 
Beratungen ging insbesondere die neue Anweisung für die 
Vertreter der Tochterlogen hervor. 

In der Versammlung vom 5. September wurde 
beschlossen, einen ständigen Gesetz- Prüf ungs-Ausschuss 
von 9 Mitgliedern zu bestellen, dem alle eingehenden 
Gesetz -Vorlagen zur Begutachtung und Vorbereitung für 
die Mai -Versammlung überwiesen werden sollten. 

Im Verein mit den beiden hiesigen Grosslogen wurde 
einem lang gefühlten BedQrfniss dadurch abgeholfen, dass 
eine gemeinsame Geschäftsordnung für den Ausschuss zur 
Unterstützung hilfsbedürftiger durchreisender Brr. beraten 
und angenommen wurde. 

Zwei Feierlichkeiten eröffneten das Jahr 1868, nämlich 1868 
die Feier des fünfzigjährigen Stiftungsfestes der Loge 
„Psyche'' zu Oppeln am 26. Januar und die Einbringung 
des Lichtes in die neuerbauten Tempel der Loge ,zur auf- 
gehenden Sonne* zu Brieg am 9. Februar. Der neue 
Tempel der Loge „ Friedrich Wilhelm zu den drei Kränzen ■ 
zu Torgau ward am 18. Oktober eingeweiht. 



— 234 — 

1868 Das fünfzigjährige Stiftungsfest feierten femer die 

Logen „Hermann zur deutschen Treue" zu Mühlhausen 
in Thüringen am 10. August und „ Alexius zur Beständigkeit " 
zu Bernburg am 1. Oktober; endlich das 125jährige 
Stiftungsfest die Loge „zu den drei Degen" in Halle a. d. S. 
am 13. Dezember. 

In diesem Jahr erfolgte die Stiftung einer Johannisloge 
unter dem Namen „zu den drei Quellen" in Freienwalde 
a. d. Oder sowie die Annahme der vormals zur hannoverschen 
Grossloge gehörigen Johannisloge „Georg zur deutschen 
Eiche" in Uelzen. 

Auf den Antrag der Grossen Logen des Königreichs 
Portugal zu Lissabon und des Staates Louisiana zu 
Neu-Orleans wurde eine nähere Verbindung durch die 
Wahl von Gross -Vertretern in diesem Jahr angebahnt. 

Die Grossloge von Hannover hatte im März ihre 
Auflösung, und die Grossloge „zur Sonne" in Bayreuth im 
Oktober ihre Neuemrichtung beschlossen. 

In der Versammlung vom 20. Februar bewilligte die 
Mutterloge die Summe von 150 Thalern für die Notleidenden 
in Ostpreussen. 

In derselben Versammlimg wurde beschlossen: 
Einem jeden bei den hiesigen 4 Tochterlogen Neu- 
aufgenommenen ausser den Bundesstatuten ein Exemplar 
der Geschichte der Mutterloge und ein Exemplar unseres 
Liederbuches zu überreichen*). 

Durch Rundschreiben vom 24. Februar erteilte das 
Bundes -Direktorium den Tochterlogen eine Uebersicht der 
nach Inhalt der Bundesstatuten in bestimmten Zeitpunkten 
im Lauf des Jahres zu erstattenden Berichte. 

Die hauptsächlichste Thätigkeit unserer Grossloge in 
diesem Jahr war der Gesetzgebung gewidmet. Die Tochter- 
logen bemüht, ihre Teilnahme am Gesammtbund zum 
Ausdruck zu bringen, hatten nach und nach eine bedeutende 

*) Durch die Bandesstatuten von 1873 § 196a wurde diese An- 
ordnung in Bezug auf die Ueberreichnng der Geschichte der Grossloge 
auf sämmtliche Tochterlogen unseres Bundes ausgedehnt. 



— 235 — 

Zahl von Vorschlägen zu Gesetz-Abänderongen eingebracht. 1868 
Vier und dreissig auswärtige Tochterlogen waren in der 
Mai-Yersammlung (am 7. und 8. Mai) durch die Vorsitzenden 
bez. zugeordneten Meister vertreten. Die Niederschrift giebt 
Zeugniss davon, mit welcher Gründlichkeit die 96 Abänderungs- 
vorschläge durch den Gesetz- Prüf ungsausschuss für die 
Beratung vorbereitet waren und in der Grossloge erörtert 
wurden. 

Aus den Ergebnissen der zweitägigen Versammlung ist 
folgendes hervorzuheben: 

1. Auf den Antrag der Loge zu Co b lenz wurde mit 52 
gegen 24 Stimmen beschlossen, 

dass die Tochterlogen berechtigt sein sollen, Brr. 
nichtchristlicher Bekenntnisse, die ordentliche Mit- 
glieder einer anerkannten Loge sind, als ständig 
besuchende Brr. zuzulassen, 

wogegen der Antrag der Loge zu Gotha, dem sich 

8 andere Logen angeschlossen hatten: 

dass auch Nicht- Christen in den Bund als Mitglieder 
aufgenommen oder angenommen werden könnten, 

mit 54 gegen 20 Stimmen abgelehnt wurde. 

Femer wurde 

2. Auf Anregung der Loge zu Gotha wurde nach dem 
Antrag des National-Grossmeisters mit grosser Mehrheit 
zu § 165, Abs. 2 der Bundesstatuten, der verordnet: 

Im Bunde der Grossen National-Mutterloge darf nur 

derjenige zur Au&iahme in den Freimaurerorden 

vorgeschlagen werden , welcher das 25. Lebensjahr 
vollendet hat, 

folgender Zu.satz beschlossen: 

Für die Tochterlogen ausserhalb des preussischen 
Staates gilt, sofern die Landesgesetze über das 
maurerische Alter der Aufnahme keine Bestimmung 
enthalten, die allgemeine maurerische Vorschrift, dass 
der Suchende das 21. Lebensjahr und für den Fall, 
wenn er der Sohn eines Freimaurers ist, das 



— 236 — 

1868 18. Lebensjahr erfüllt and die Genehmigung seines 

Vaters bezw. Yormnndes beigebracht hat. Jedoch 
kann ein Solcher nicht vor erfülltem 25. Lebensjahr 
durch Annahme Mit^ied einer Loge in den preussischen 
Staaten werden. 

Der Beschluss über den Antrag des Bundes-Direktoriums, 
betreffend die Aufnahme einer Bestimmung in die Bundes- 
statuten, nach der den einzelnen Logen die Verpflichtung 
auferlegt wird, Annalen ihrer Bauhütte anzulegen und fort- 
zuführen, wurde bis zur nächsten Prüfung der Statuten 
ausgesetzt. Dagegen wurde dem Buiides-Direktorium der 
Erlass eines Schreibens an die Tochterlogen anheim gegeben, 
durch welches diese schon jetzt zur Führung und Einreichung 
von Annalen in einer näher zu bezeichnenden Art auf- 
gefordert würden. 

Zur Ausführung dieses Beschlusses wurde den Logen 
durch das Rimdschreiben des Bimdes-Direktoriums vom 
19. November eine Anweisung wegen Einrichtung der Annalen 
in eingehendster Weise erteilt und namentlich angeordnet: 

1. dergleichen Annalen, falls dies nicht schon in 
einzelnen Bauhütten geschehen sei, für die Ver- 
gangenheit von der Gründung der Loge bis zum 
1. Januar 1868 anzulegen; 

2. die Annalen für die Zukunft vom 1. Januar 1868 ab 
in ein besonderes Buch, das mit Seitenzahlen zu 
versehen und auf dessen letztem Blatt ein alphabetisches 
Inhaltsverzeichniss anzulegen sei, einzutragen und 
eine Abschrift dieser Annalen alljährlich zugleich 
mit dem Jahresbericht dem Bundes- Direktorium 
einzureichen. 

Der fernere Antrag der Logen zu Gotha, Kreuznach 
und Helmstädt: 

statt Freimaurer-Orden in den Statuten überall Freimaurer- 
Bund zu setzen, 

wurde mit fast an Einstimmigkeit grenzender Mehrheit der 
Stimmen abgelehnt, nachdem hervorgehoben worden, dass 



— 237 - 

für die Freimaurer allerdings ein Orden*) vorhanden sei, 1868 
der durch das Gelübde der Verschwiegenheit ein unauflösliches 
Band bilde; überdies in den Bundesstatuten das Wort «Orden*' 
nur in dem Fall gebraucht sei, wo es sich um die gesammte 
Freimaurer-Brüderschaft handele, das Wort „Bund*^ dagegen 
in allen Fällen, wenn der Brr. des Systems unserer Gross- 
loge gedacht werde. 

Femer beantragte die Loge zu Gotha im Verein mit 
den Logen zu Aachen, Bielefeld, Helmstädt und 
Kreuznach die Streichung des § 51 der Bundesstatuten, 
der verordnet: 

Verschwiegenheit über Alles, was den Orden betrifft, 
gegen die demselben nicht Angehörigen ist eine unver- 
brüchliche Pflicht jedes Freimaurers. Ebenso verschwiegen 
muss er aber auch selbst gegen Brr. über diejenigen 
Gegenstände der Maurerei sein, welche denselben nach 
ihrem Grade im Orden noch nicht mitgeteilt werden 
können, oder deren Geheimhaltung ihm aus besonderen 
Rücksichten von seinem Meister zur Pflicht gemacht wird. 
Die Verschwiegenheit sollte auf wenige Punkte beschränkt 
werden. 

Die Versammlung entschied sich jedoch mit grosser 
Mehrheit für die Beibehaltung des § 51 der Statuten. 

Im Anschluss an diesen Antrag hatte die Loge zu 
Gotha im Verein mit den Logen zu Breslau, Koblenz 

*) Der Ausdruck „Orden*^ als Bezeichnung unserer Verbindong 
findet sich bereits in der Schrift „The Grand Mystery of freemasons 
discovered**. London 1724. In dem Abschnitt „A Freemasons Health *" 
S. 4 heisst es: „The world no Order knows, like this oar Noble and 
Ancient Fratemity^ (die Welt kennt keioen Orden, gleich dieser anserer 
edlen und alten Brüderschaft). In den älteren Ausgaben der Verfassung 
der englischen Grossloge findet sich „Ordon*^ nicht Zuerst wird dies 
Wort gebraucht in der Vorrede zu der Ausgabe des Verfassungsbuches 
▼OD 1784 (Ed. Noorthouck, The history and Constitutions of the 
Order) und 1815 (Ed. Williams) sogar in der Erkl&ruDg des 
Suchenden („dass ich mich nach den eingeführten Gebräuchen and 
Gewohnheiten des Ordens richten will. Const. von 1816, Th. II., S. 90.) 
In der Grundverfassung und den Bundesstatuten unserer Grostloge ist 
seit 1873 der Ausdruck „Orden** gans ▼ermieden. 



— 238 — 

1868 und Heimst ad t die Abänderung des § 53 der Bundes- 
statuten : 

Die eigenmächtige Veröffentlichung der Freimaurer- 
schriften ist eine Verletzung der Pflicht der Verschwiegen- 
heit. Logenlisten, Umlaufschreiben, einzelne Reden oder 
Texte von Musiken dürfen unter Verantwortlichkeit des 
Meisters vom Stuhl gedruckt werden. 

Andere Freimaurerschriften als die vorbezeichneten 
müssen aber, bevor sie gedruckt werden, dem Bundes- 
Direktorium eingereicht, uud es muss bei diesem die 
Erlaubniss zum Druck nachgesucht werden; 
sowie femer die Streichung des § 108: 

Der Br. Redner hat den Inhalt seines Vortrages dem 
Vorsitzenden auf dessen Verlangen zuvor mitzuteilen und 
dessen etwaige Erinnerungen zu berücksichtigen. 

Gestattet der Meister einem anderen Br. eine Rede zu 
halten, so ist diese Vorschrift ebenfalls zu beachten, 
beantragt. 

Für die unveränderte Beibehaltung der §§ 53 und 108 
erhoben sich 59 Stimmen. 

Femer hatten die Logen zu Aachen und Helmstädt 
die Aufhebung des § 353 der Bundesstatuten: 

Die Inaktivirung kann auch von Seiten des Direktoriums 
ohne Antrag der betreffenden Loge erfolgen, wenn die 
letztere durch fortgesetzte Nichterfüllung ihrer Bundes- 
pflichten einen Mangel an maurerischem Geist und Thätig- 
keit beweist, 
beantragt. Sie wollten die Auflösung oder Schliessung einer 
Loge durch das Bundes -Direktorium ohne Antrag der be- 
treffenden Loge nur dann gestattet wissen, wenn diese 
erwiesenermassen beharrlich Verletzung der Bundesstatuten 
sich zu Schulden kommen lasse. 

Einstinmiig wurde die Beibehaltung des §353 beschlossen. 
Desgleichen hatte die Loge zu Aachen beantragt: 
Den Tochterlogen zu gestatten, sich jeder in Deutsch- 
land befindlichen und von einer Preussischen Grossloge 
anerkannten anderen Grossloge anzuschliessen, und dass 



- 239 - 

— nnter Aufhebung der §§ 358 bis 360 der Bundes- 1868 
Statuten — die Entlassung einer Tochterloge erfolgen 
müsse, wenn sie von 9 Meistern beim Meister vom Stuhl 
beantragt, dieser Antrag von den sämmtlichen Brrn. aller 
Grade in zwei Beratungen mit Zwischenzeiten von einem 
Monat von V% der Anwesenden, unter denen 9 Meister sein 
müssen, angenommen und die Niederschrift von allen 
Anwesenden unterzeichnet werde. 

Auch diese Anträge wurden einstimmig abgelehnt. 
Der fernere Antrag der Logen zu Aachen und H el mstädt : 
dass den Tochterlogen allein die Ausschliessung eines 
ihrer Mitglieder zustehen solle, unter Streichung des 
§ 280 Abs. 2 der Bundesstatuten : 

Lautet der Ausspruch auf Exklusion, so werden 

sämmtliche den Vorfall betreffende Verhandlungen mit 

einem Berichte zur Revision dem Bundes -Direktorium 

eingereicht, welches, wenn kein Formfehler und kein 

Verstoss gegen die Gesetze vorliegt, die Verhandlungen 

zur Vollziehung des Urteils zurücksendet, 

wurde ebenfalls mit grosser Stimmenmehrheit abgelehnt^ 

nachdem der Berichterstatter sich dahin ausgesprochen hatte, 

dass eben dieses einzige Rechtsmittel der Aufhebung des 

maurerischen Strafverfahrens im Interesse der Angeschuldigten 

beibehalten werden müsse. 

Desgleichen bat die Loge zu Aachen die Streichung 
des § 365: 

Die völlige Auflösung einer St. Johannisloge durch 
ihren eigenen Beschluss (Deckung) kann nicht stattfinden, 
so lange noch soviel Brr. vereinigt bleiben, als zur Stiftung 
einer neuen Loge (d. i. wenigstens 9 Brr. Meister) er- 
forderlich sind, 
beantragt, indem sie % der Stimmen zur Fassung des Be- 
schlusses wegen Auflösung der Loge für ausreichend erachtet. 
Die Loge zu Koblenz verlangt zu § 76: 
Stimmenwerbung für die Wahl ist im Geist des Ordens 
verwerflich und strafbar, 
den Zusatz: 



— 240 — 

1868 insofern derselben ein Interesse für die Wahl der eigenen 
Person zu Grande liege, 
weil unmöglich die Absicht des § 76 dahin gerichtet sein 
könne, eine Besprechung fär die Wahl des einen oder des 
anderen Brs. zu verbieten. 

Dieser Antrag wurde abgelehnt, nachdem der Bericht- 
erstatter darauf hingewiesen hatte, dass der Ausdruck 
,, Stimmenwerbung " unzweifelhaft auf die Anwendung 
unehrenhafter Mittel zur Beeinflussung der Stimmenden 
hindeute, und solche weder für die Wahl der eigenen 
Person noch für die Wahl Anderer als statthaft erachtet 
werden könnten, Vorberatungen aber nicht verboten seien. 
Die Loge zu Breslau beantragte, innerhalb derselben 
Provinz jährlich einen Provinzial-Maurertag zu veranstalten, 
auf dem jede Loge durch den Vorsitzenden und 2 bis 
3 Abgeordnete vertreten wäre, und Gegenstände von all- 
gemeinem Interesse, namentlich Vorschläge für die Mai- 
Versammlung der Grossloge vorberaten werden sollten. 

Nachdem der Gesetz-Prüfungs-Ausschuss darauf hin- 
gevnesen, dass nach dem Konstitutions - Patent und 
Protektorium vom Jahr 1796 zwar die Genehmigung 
erteilt worden, Tochterlogen zu errichten, nicht aber die 
Befugniss verheben sei, Versammlungen mehrerer Tochter- 
logen ins Leben zu rufen, wurde der Antrag abgelehnt. 

Dasselbe Schicksal hatte ohne weitere Erörterung der 
von den Logen zu Aachen, Dortmund, Helmstädt und 
Kreuznach gestellte Antrag: 

Die Vereinigung der 3 Preussischen Grosslogen in 
Lehre und Ritus herbeizuführen, 
in Erwägung: 

dass ein solcher Antrag, die Lehre und den Ritus 
betreffend, gar nicht zur Berechtigung der Grossloge 
gehöre, — ganz abgesehen davon, dass die brüder- 
liche Einigkeit der 3 Preussischen Grosslogen nichts 
zu wünschen übrig lasse. — 

Der Versammlung vom 7. und 8. Mai folgte alsbald 
eine andere, deren Charakter als ein erfreuliches Zeichen 



— 241 — 

wahrer Verbrüdemng der Freimaurer auch in den weiteren 1868 
Kreisen des deutschen Vaterlandes angesehen werden darf. 
Der Br. Warn atz, Grossmeister der Grossen Landesloge 
Ton Sachsen zu Dresden, hatte zu Ostern 1868 in einem 
Rundschreiben sämmtliche Grossmeister Deutschlands zu 
einer Zusammenkunft eingeladen, um über die gegenwärtige 
Aufgabe der Freimaurerei in offenem Austausch der 
Erfahrungen und Ansichten sich auszusprechen. Die 
Versammlung fand am 31. Mai im Hause der Grossen 
National -Mutterloge zu den 3 Weltkugeln statt. Anwesend 
waren: 

Von der Grossen Landesloge von Sachsen in Dresden: 

Br. Warnatz, Grossmeister. 
Von der Grossen Loge von Hamburg: Br. Bueck 1., 
Grossmeister, und Br. Bueck H., zugeordneter Gross- 
meister. 
Von der Grossloge des eklektischen Bimdes zu Frankfurt 

a. M.: Br. Hoerster, Grossmeister. 
Von der Grossloge des Freimaurerbundes „zur Eintracht** 
in Darmstadt: Br. Pfalz, Grossmeister, und Br. 
Leykam, für den zugeordneten Grossmeister. 
Von der Grossen National-Mutterloge „zu den 3 Welt- 
kugel n**:Br.v. Messerschmidt. Nat ional-Grossmeister, 
und Br. Bornemann, fftr den zugeordneten National- 
Grossmeister. 
Von der Grossen Landesloge der Freimaurer von 
Deutschland :Br. V.Dach roeden,Landes-Grossmei.ster, 
und Br. We gener, zugeordneter Landes-Grossraeister. 
Von der Grossloge von Preus.sen „Royal York zur 
Freundschaft": Br. Schnackenburg, Grossmeister. 
Die Grosse Loge „zur Sonne" in Bayreuth war in 
dieser Versammlung nicht vertreten. 

Nach dem Vorschlag des Br. Warn atz waren nachfolgende 
Fragen zur Beratung gestellt worden: 

1 . Kann bestätigt werden, dass die Freimaurerei als eine 
den Ansprüchen der Zeit nicht mehr entsprechende 
Einrichtung zu betrachen sei? 

0«sch. d. Gr. NatMotUrLog«. 16 



— 242 — 

1868 Man einigte sich dahin, dass die Freimaurerei jetzt nicht 

nur ebenso berechtigt wie in früherer Zeit sei, sondern in 
einem noch höheren Grade geboten erscheine. 

2. Liegen berechtigte Gründe vor, in der nach Oeffentlich- 
keit dringenden Zeit die geheimen Formen der Frei- 
maurerei preiszugeben und damit in den Bereich 
gewöhnlicher Gesellschaften zu treten? 

Alle Brüder waren der Ansicht, dass die Formen in 
keinem Fall veröffentlicht werden dürften, sondern dass 
vielmehr das Festhalten der geheimen Formen notwendig 
und geboten erachtet werden müsste, wenn der Zweck der 
Freimaurerei überhaupt gefördert werden sollte. 

3. Dient es zur Förderung der Maurerei, die Rituale zu 
vereinfachen, ohne auf den Standpunkt der Freiburger 
Loge zu treten? 

Den Anwesenden erschien eine Vereinfachung der Rituale 
nicht bedenklich, der Beschluss hierüber müsse jedoch jeder 
Grossloge überlassen bleiben, insoweit dadurch die Lehre nicht 
beeinträchtigt, femer die drei grossen Lichter nicht beseitigt 
würden. 

4. Sind die drei Grade der Johannismaurerei und die 
damit verbundenen Rechte als eine Rechtsungleichheit 
anzusehen? 

Es wurde einstimmig das Fortbestehen der drei Grade 
der Johannismaurerei für eine Notwendigkeit erklärt. 

5. Erscheint es als nützlich und möglich, den allgemeinen 
maurerischen Grundsätzen einen bestimmten, für alle 
Systeme geltenden Ausdruck (z. B. durch Annahme 
der alten Maurerpflichten) zu geben? 

Da die Ansichten über diesen Punkt sehr auseinander 
gingen, wurde die Besprechung einer späteren Zeit vorbehalten. 

6. Ist es zu bestätigen, dass die Maurerei an das Kirchliche 
erinnernde Titulaturen besitzt, deren Beseitigung sich 
empfiehlt? 

Es erschien allseitig wünschenswert, mit Strenge darauf 
zu halten, dass alle maurerischen Titulaturen nur innerhalb 
der Logenräume gebraucht werden. 



— 243 — 

Endlich wurde über die bei den verschiedenen Grosslogen 1868 
gebränchlichen Formen der Entlassangs-Urkonden gesprochen, 
auf Grand deren eine Annahme stattfinden könne. Als Haupt- 
Erfordemiss wurde hingestellt, dass in den Entlassungs- 
Drkunden die „ehrenvolle Entlassung^ des Bruders 
ausgesprochen sein müsse. 

Die Grossloge erklärte ihr Einverstandniss mit dem 
Ergebniss der Beratung. — 

Am 11. Oktober war der Br. Jakob Saling*) gestorben 
und hatte seiner Loge „ zu den drei Seraphim " im hiesigen 
Orient ein Legat von 2000 Thalem zur Unterstützung 
armer Freimaurer und deren Wittwen und Waisen hinterlassen. 

In der am 29. April 1869 abgehaltenen Vierteljahrs- 1869 
Versammlung wurden, da die dreijährige Wahlzeit für die 
Vorsitzenden Grossmeister mit dem 24. Juni abgelaufen, 
für die nächsten drei Jahre gewählt: 

zum Grossmeister der bisherige National -Grossmeister 

Br. V. Messerschmidt, 

zum zugeordneten Grossmeister Br. Bornemann. 
In der am 13. Mai behufs Beschlussnahme über die 
von den Tochterlogen eingegangenen Vorschläge zur 
Abänderung von Grundgesetzen abgehaltenen Versammlung 
der Grossloge, zu der die Vertreter sämmtlicher Tochter- 
logen eingeladen, und in der 27 auswärtige Tochterlogen durch 
deren Vorsitzende oder zugeordnete Meister persönlich 
vertreten, von hiesigen Mitgliedern der Grossloge aber 44 Brr. 
erschienen waren, wurden nachstehende Beschlüsse gefasst: 
1. Den Tochterlogen wird, falls ihr Vorsitzender oder 

zugeordneter Meister am Erscheinen verhindert ist, 

das Recht erteilt, einen anderen Bevollmächtigten, 



*) Rentner Jakob Saling, über dessen Geburtsjahr und -Ort 
aus den Akten nichts hervorgeht, wurde angenommen als Bruder Meister 
der Loge „Maria zum goldenen Schwert*^ in Cöslin, bei der Loge 
„zu den drei Seraphim" in Berlin am 2a Mai 1839, erhielt No. IV 
den 8. Januar 1888 und trat als Ehrenmitglied in die Grosse National- 
Mutterloge im Jahr 1861. 

16* 



— 244 — 

1869 der jedoch mindestens den 4. Grad besitzen muss, 

zur Mai- Versammlang der Grossloge zu senden. 
2. Der Auftrag der Vertreter wird für die Zukunft auf 
die Dauer von drei Jahren beschränkt, Wiederwahl 
bleibt aber zulässig. 

Ausserdem war auch diesmal wieder die Frage zur 
Erörterung gestellt worden: 

ob die Aufnahme von Nichtchristen nach unserer 
Lehrart zulässig sei? 

Es wurde aber fast einstimmig beschlossen, die 
Beratung hierüber als zur Zeit ungeeignet auszusetzen. 

Dem ersterwähnten Beschluss der Grossloge hatte das 
Bundes-Direktorium in Erwägung, 
dass nur zwei Mitglieder des Bundes -Direktoriums für, 
dagegen fünf gegen den vorgedachten Beschluss gestimmt 
haben, 
mit Bücksicht auf die Vorschrift der Grund Verfassung § 61b.: 
„Kein Gesetz der Grundverfassung darf abgeändert, 
kein neues hinzugefügt, also überall kein organisches 
Gesetz gegeben oder abgeändert oder aufgehoben 
werden, wenn nicht das Bundes- Direktorium bei seiner 
Zustimmung erklärt hat, dass fünf seiner Mitglieder 
dafür gestimmt haben," 
seine Zustimmung versagt. 

Dnter Bestätigung des anderen Beschlusses der Gross- 
loge wurden die Tochterlogen mittelst Rundschreibens des 
Bundes -Direktoriums vom 17. September 1869 ersucht: 
sechs Wochen vor dem Ablauf des Auftrags der Vertreter 
in Beratung zu nehmen, ob sie den Auftrag auf fernere 
3 Jahre verlängern, oder einen anderen Vertreter wählen 
wollen. 

(Mitteilungen Jahrgang I. S. 15) 

Der zweite Deutsche Grossmeister-Tag wurde am 
16. Mai zu Dresden unter Vorsitz des Grossmeisters der 
Grossen Landesloge von Sachsen, Br. Warnatz, abgehalten, 
und auf ihm war unsere Grossloge durch die Brr. v. Messer- 
schmidt und Bornemann vertreten. Wenn in dieser 



— 245 — 

Versammltmg massgebende Beschlüsse auch noch nicht 1809 
gefasst werden konnten, wurde doch eine innigere Vereinigung 
sammtlicher deutschen Grosslogen mehr und mehr angebahnt, 
und die Art und Weise, in der die Beratung geführt 
wurde, bezeugte den echt maurerischen Geist, von dem alle 
anwesenden Grossmeister durchdrungen waren. Es ward 
beschlossen, den deutschen Grossmeister -Tag jährlich zu 
Pfingsten zu wiederholen und die nächste Versammlung 
nach Hamburg zu berufen. Man war ferner darüber einig, 
dass es wünschenswert erscheine: 

1. eine Form zu finden, in der den allgemeinen 
maurerischen Grundsätzen ein bestimmter, für alle 
Systeme gültiger Ausdruck gegeben werde, 

2. die Annahme von Brüdern durch Wegfall oder 
wenigstens Ermässigung der Gebühren möglichst zu 
erleichtern, 

3. eine allgemeine deutsche freimaurerische Einrichtung 
ins Leben zu rufen, die mit der Bildung eines für 
freimaurerische Werkthätigkeit bestimmten allgemeinen 
Kapitals zugleich den Vorteil jedes beisteuernden 
Bruders verbinden könnte, 

4. die zum Teil von kirchlichen Würden entlehnte, 
bisher übliche maurerische Titulatur zu vereinfachen 
und etwa statt des bisher üblichen „Hochwürdigst, 
Hochwürdig u. s. w." die Benennung „Ehrwürdigst, 
Sehr ehrwürdig u. s. w." in Anwendung zu bringen. 
(Mitteilungen Jahrgang 1. S. 16 ff.) 

In der Vierteljahrssitzung der Grossen Loge vom 9. Sept. 
wurde beschlossen, statt der bisher üblich gewesenen 
Mitteilung der ü rosslogen -Niederschriften in Bogenform 
diese „Mitteilungen ans dem Bund der Grossen National- 
Mutterloge" in einer vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift 
vom 1. Juli 18G9 ab den Tochterlogen zugehen zu lassen, 
diese Zeitschrift sollte zugleich auch dem Bundes- 
Direktorium zur Behandlung von Fragen, welche das 
Gebiet der maurerischen Geschichtsforschung, Gesetzgebung 
und Ritualistik betreffen, zu Gebote stehen. 



— 246 — 

1869 Dem Br. v. Hörn, der ans Gesondheitsrücksichten sein 
Amt als zugeordneter National -Grossmeister niedergelegt 
hatte, wurde in Anerkennung seiner Verdienste um den Bund 
die Würde eines Ehren-Grossmeisters erteilt. 

Seitens der Grossloge von England (Grossmeister Earl of 
Zetland) war die Mitteilung eingegangen, dass der Prinz von 
Wales (Kronprinz von England) durch den König von Schweden 
in den Orden der Freimaurer aufgenommen sei und die 
Absicht ausgesprochen habe, als ordentliches Mitglied einer 
englischen Loge beizutreten. Es wurde zugleich seitens der 
englischen Grossloge der Wunsch kundgegeben, auch mit 
der Grossen National- Mutierloge zu den drei Weltkugeln 
durch gegenseitige Vertretung in unmittelbare Verbindung 
zu gelangen. Diesem Wunsch entsprechend wurde der seitens 
der englischen Grossloge zum diesseitigen Vertreter vor- 
geschlagene Br. Frederic Dundas (Mitglied des Parlaments) 
von unserer Grossloge zu solchem imd zugleich zu deren 
Ehrenmitglied ernannt, der Br. Graf v. Wartensleben aber 
der englischen Grossloge als Vertreter in Vorschlag gebracht 
und von letzterer mit dem Rang eines Past Senior Grand 
Warden of England zum Gross -Vertreter ernannt. 

Im Lauf des Jahres wurde die Johannisloge „Georg zur 
deutschen Eiche ^ in Uelzen angenommen, und das 
maurerische Licht in die neuerbauten Tempel der Logen 
„Pythagoras zu den drei Höhen" und „Friedrich Wilhelm zu 
den drei Kränzen" in den Orienten Liegnitz und Torgau 
eingebracht. 

1870 Auch die bisher nur mittelbar bestandene Verbindung 
mit den Grossen Logen von Schottland zu Edinburg und 
von Irland zu Dublin wurde in eine unmittelbare Verbindung 
durch gegenseitige Wahl von Gross -Vertretern umgestaltet. 
Desgleichen wurde mit der Grossloge von Dngam zu Pest 
und mit dem Gross-Orient von Brasilien Valle dos 
Benedictinos zu Rio Janeiro eine nähere Beziehung durch 
Gross -Vertreter angebahnt. (Mitteilungen Jahrg. I. S. 93, 
144, 168. n. S. 9.) 



— 247 — 

Die manrerische Titulatur wurde dem Vorschlag des 1870 
Grossmeister-Tages gemäss für die Folgezeit dahinabgeändert, 
dass: 

1. die Bezeichnung „Ehrwürdigst^ für die Grosse Loge 
im Allgemeinen, für den National -Grossmeister und 
dessen Zugeordneten, sowie für das Bundes-Direktorium 
und dessen einzelne Mitglieder, 

2. „Sehr ehrwürdig** für den Meister vom Stuhl und 
den zugeordneten Meister einer Johannisloge, sowie für 
die ordentlichen und Ehren-Mitglieder der Grossloge, und 

3. „Ehrwürdig** für die anderen Beamten der Tochter- 
logen, jedoch nur während der Logen -Arbeiten oder 
in maurerischen Berichten und sonstigen derartigen 
Schreiben, statt der bisher üblich gewesenen Titel in 
Anwendung kommen soll. (Mitteilungen Jahrg. 11. S.26.) 

Die am 5. Mai zur Beratung und Beschlussfassung 
über die im Lauf des Jahres eingegangenen Anträge auf 
Abänderung bestehender, bezw. Einführung neuer Gesetze 
abgehaltene Versammlung der Grossloge, zu der 41 
ordentliche Mitglieder der letzteren und 21 Vertreter aus- 
wärtiger Tochterlogen erschienen waren, ging ohne wesentliches 
Ergebniss vorüber, indem die vielfach gestellten Anträge teils 
gänzlich verworfen, teils die Beratung über sie bis zur nahe 
bevorstehenden Durchsicht der Grundverfassung und Bundes- 
statuten vertagt wurde. (Mitteilungen Jahrgang I. S. 163 f.) 

Dagegen darf der am 7. Juni zu Hamburg abgehaltene 

dritte Deutsche Grossmeister-Tag in gewisser Beziehung 

als für die Deutsche Maurerei bedeutungsvoll bezeichnet 

werden. Den Hauptgegenstand der Beratung bildete die Frage : 

ob als Grundlage der Maurerei das Christentum, 

bezw. die christliche Sittenlehre, oder aber 

andererseits das sog. reine Humanitäts-Prinzip zu 

betrachten sei? 

Wenn bei Beantwortung dieser Frage die Anschauungen 
der Anwesenden auch auseinander gingen, konnten doch 
selbst die Vertreter derjenigen Grosslogen, welche dem sog. 
Humanitäts-Prinzip huldigen und demgemäss auch Nicht- 



— 248 — 

1870 Christen in den Bund aufnehmen, nicht verkennen, dass 
erst durch das Christentum wahre Bruder- und Menschen- 
liebe zum Sittengesetz erhoben sei, und man einigte sich 
demgemäss zur Annahme folgender, für die Johann isgrade 
aller deutschen Lehrarten als massgebend zu betrachtenden 
Grundsätze: 

„die Freimaurerei bezweckt in einer zumeist den 
Gebräuchen der zu Bauhütten vereinigten Werkmaurer 
entlehnten symbolischen Form die sittliche Veredelung der 
Menschen und menschliche Glückseligkeit überhaupt zu 
befördern. 

Indem sie von ihren Mitgliedern den Glauben an Gott 
als den obersten Baumeister der Welt) an eine höhere 
sittliche Weltordnung und an die Unsterblichkeit der 
Seele voraussetzt, verlangt sie von ihnen die Bethätigung 
des höheren Sittengesetzes: 

Liebe Gott über Alles und Deinen Nächsten 
als Dich selbst! 
Bibel, Winkelmass und Zirkel sind die Symbole 
der jedem Freimaurer obliegenden Pflichten und als solche 
unabänderliche Hauptsymbole der Freimaurerei." 
In Betreff der sog. alten Pflichten war man darüber 
einverstanden, dass ihr Inhalt nicht mehr zeitgemäss sei, sie 
daher nur als geschichtliches Denkmal Beachtung verdienten. 
(Mitteilungen Jahrgang II. S. 69.) 

Auch das Johannisfest gestaltete sich in diesem Jahr 
zu einer für die gesammte Maurerei hochwichtigen Handlung. 
An ihm beging die Grosse Landesloge von Deutsch- 
land zugleich ihr lOOjähriges Stiftungsfest, und der stell- 
vertretende Protektor, der Kronprinz von Preussen, der als 
weisester Ordensmeister an diesem Tage die Arbeit in der 
Grossen Landesloge leitete, nahm hierbei Anlass zu einer 
Ansprache, deren Tragweite über die Grenzen des Ordens- 
hauses der feiernden Loge weit hinausreicht, indem die darin 
ausgesprochenen Wahrheiten von allen Maurern zu beherzigen 
sind. Der Kronprinz hob in dieser Ansprache namentlich 
hervor : 



— 249 — 

„Wie es die Aufgabe der Maarerei, wenn diese auf 1870 
der Höhe des Zeitbewusstseins bleiben solle, sein müsse, an 
der Hand des kritischen Forschers in den altehrwürdigen 
Geschichtsdenkmalen unserer K. Kunst die Bahn des Fort^ 
Schrittes zu beschreiten, also dass sie das unter mancherlei 
Schutt und taubem Gestein vergrabene, wahrhaft Lebens- 
fähige an das Licht zu befördern, Abgestorbenes aber 
und dem Zeitgeist nicht mehr Entsprechendes abzustreifen 
sich angelegen sein lasse. ^ 

Unter Hinweis auf die segensreiche Wirkung des 
Protektors dadurch, dass er durch seinen Einfluss die 
Preussischen Grosslogen einander näher geführt und eben 
damit das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit der Brr. 
und Logen verschiedener Lehrarten zu wecken und aufrecht 
zu erhalten gewusst habe, richtete der stellvertretende 
Protektor noch folgende Worte an die anwesenden Brr.: 

„Gebe ein Jeder die Eitelkeit auf, die da glaubt 
allein die ganze und die echte Wahrheit zu besitzen und 
allein für die Wahrheit die echte und richtige Form 
anzuwenden. Möge darin das neue Jahrhundert wirklich 
eine neue Zeit werden, dass hinfort jede brüderliche 
Achtung und Anerkennung auch dem Andersdenkenden, 
in anderen Formen Arbeitenden begegne, dass Jeder den 
Schild des Friedens vor seinem Herzen hertrage! Kann 
es uns ehren, dass wir uns der besten Traditionen, der 
richtigsten Deutungen rühmen, wenn wir dabei versäumen, 
die eigentliche Aufgabe der K. Kunst zu lösen, von den 
Lehren unseres Ordens in unserem Leben uns leiten zu 
lassen und diese Lehre zu üben? Welch einen Wert 
soll es denn haben, wenn man sich Bruder nennt im 
Kreise der Freimaurer, wenn der Streit um irgend welche 
Vorzüge darin fusst, dass man gegen einander die brüder- 
liche Gesinnung vollständig verleugnet? Nein! Aufwärts 
den Blick auf die grossen Lehren und Wahrheiten gerichtet, 
welche unsere Zeichen und Symbole in der ganzen Frei- 
maurerei zur Vorstellung bringen sollen, auf dass wir uns 
und den Orden vor der Gefahr bewahren, Kleines und 



— 250 — 

1870 Unwesentliches als Hauptsache in der Freimaurerei anzu- 
sehen und nicht Veranlassung bieten, Untergeordnetes zu 
sogenannten brennenden Fragen zu machen, die man wie 
einen Keil in den fruchtbaren Baum hineintreiben möchte. 
Lassen Sie uns nach Einheit streben, in welcher 
die verschiedenen Grosslogen, eingedenk des 
gleichen Ursprungs und der gleichen Aufgabe, 
sich als Glieder eines grossen Ganzen wissen, 
gleichsam als die Provinzen eines Reiches, von denen jede 
ihre Eigentümlichkeit bewahrt, die aber alle verbunden 
sind durch gleiche Liebe zu König und Vaterland, durch 
das gleiche freudige Streben, mitzuwirken zum Wohl 
und Gedeihen des ganzen Staates! 

Noch ist, so schloss der Kronprinz, Leben in dem 
alten herrlichen Baum, noch kann er, wohlgepflegt und 
gehütet von treuen Meistern, welche nicht erschrecken, 
wenn das dürre Laub niederrauscht, weil das junge Grün 
durchbrechen will, reiche und gute Früchte tragen. 

Mag denn ein Frühlingshauch am Anfang des neuen 
Jahrhunderts unseren Orden durchwehen, dass ein junges 
frisches Leben erwache und sich kräftig rege, ein Leben, 
welches die Frucht nicht schuldig bleibt! 

Schreiten Sie denn mit Besonnenheit, mit weiser 
Schonung, aber auch mit frischem Muth furchtlos und 
beharrlich vorwärts und seien Sie überzeugt, dass ich 
Ihnen auf diesem gewichtigen Gange gern und treu zur 
Seite stehen werde!*' (S. Mitteil. Jahrg. IL S. 37 ff.) — 
Von den Berliner 'fochterlogen unserer Lehrart hatte 
die Johannisloge „zum flammenden Stern ^ in diesem 
Jahr ebenfalls ein Alter von 100 Jahren erreicht und beging 
das Fest dieses erfreulichen Ereignisses am 5. März in einer 
Arbeits- und Tafelloge. (Mitteil. Jahrg. 1. S. 128 ff.) Bei 
diesem Stiftungsfest hat die Loge eine v. Horn-Stiftung 
ins Leben gerufen, zu der von den Brrn. der feiernden Loge 
bereits am Festtag die im Statut vorgesehene, zur Lebens- 
fähigkeit der Stiftung erforderliche Summe von 1000 Thlm. 
eingezahlt wurde. 



— 261 — 

Kaum aber waren die Freudenklänge der Johannisfeier 1870 
▼erhallt, als sich die trüben Wolken, die sich am politischen 
Himmel gesammelt hatten, mehr und mehr verdüsterten 
and schon im nächsten Monat in schweren Kriegswettem 
entladen. Wenn anser Vaterland auch verschont blieb von 
den anmittelbaren Schrecken des blutigen Kampfes, den 
wir mit dem Nachbarvolk im Westen zu bestehen hatten, 
forderte er doch unermessliche Opfer an Blut und Vermögen; 
aber so gross diese waren, so freudig wurden sie gebracht, 
and so herrlich war der Kampfpreis, den unser tapferes Heer 
anter Führung seines Kriegsherrn, unseres Brs. erfocht. 
Ein mächtiges, geeinigtes deutsches Reich und die Kaiser- 
krone auf dem Haupt unseres geliebten Herrschers war 
dieser Preis. Auch die Jünger der K. Kunst waren eingedenk 
ihrer Maurerpflicht nicht unthätig geblieben. Viele zogen 
freudig hinaus in den Kampf für den König und des Vater- 
landes Ehre und Recht, und nicht wenige von ihnen 
besiegelten ihre Treue mit ihrem Blut und ruhen nun in 
fremder Erde. 

Nicht minder freudig bereit waren die Brr. des Bundes 
als es galt, die Wunden, die der Krieg geschlagen, soviel 
an ihnen war, zu heilen oder zu lindern. In diesem Sinn 
fasste die Grosse National -Mutterloge in der am 25. August 
abgehaltenen ausserordentlichen Versammlung den Beschluss: 
ein Kapital von 6000 Thlrn. aus den bereitesten 
Mitteln der Grossen Loge zum Besten der Invaliden 
der verbündeten deutschen Heere und der Kinder vor 
dem Feind gefallener oder an ihren Wunden ver- 
storbener deutscher Krieger zu bewilligen, zugleich 
auch sämmtliche Tochterlogen zu einer ähnlichen 
Opfergabe aufzufordern. 

Nicht ungehört blieb dieser Ruf. Reichlich und schnell 
gingen Beiträge von allen unseren Tochterlogen ein, so 
dass ausser den erwähnten 6000 Thlrn. schon alsbald ein 
diese Summe noch übersteigender Grundstock an die 
soeben neu errichtete „ Deutsche Wilhelmsstiftung* 
abgeführt werden konnte. Die Anerkennung dieser Opfer- 



— 252 — 

1870 Willigkeit seitens des Königs, unseres Protektors, die er 
mittelst Handschreibens aas dem Hauptquartier Meaux am 
16. September 1870 aussprach, war eine freudige Genug- 
thuung für die Brr. 

Auch der Brr. in Strassburg a. Rh., der alten ehr- 
würdigen deutschen Stadt, die nun durch deutsche 
WafFenkraft, allerdings nach blutigem Werben dem Vater- 
land wieder gewonnen war, wurde liebend gedacht, wenn 
diese auch noch nicht sämmtlich von deutschem Geist 
beseelt waren. Dort, wo eine der ältesten Bauhütten 
Deutschlands gestanden, wo ihr herrliches Werk, der 
gewaltige Münster, als ein Denkmal deutschen WoIIens und 
Könnens zum Himmel emporragt, hatte die Fackel des 
Krieges in fast grauenhafter Zerstörung gewütet und 
schwere Wunden geschlagen. Die dortige Not zu lindem, 
dazu bedurfte es zwar reicherer Mittel, als sie der Bund 
zu bieten vermag. Dieser glaubte indess doch zeigen zu 
sollen, dass er der wiedererworbenen dortigen Brr. nicht 
uneingedenk sei. So wurde durch Beschluss der Gross- 
Loge in der ausserordentlichen Versammlung vom 13. Oktober 
die Summe von 500 Thlrn. der Loge „zu den vereinigten 
Brüdern (les fröres r^unis) in Strassburg zur Verfügung 
gestellt, und auch von den Tochterlogen gingen alsbald 
Beiträge zu gleichem Zweck ein, so dass schon nach kurzer 
Zeit gegen 1200 Thlr. an die Strassburger Loge durch 
einen Abgeordneten unserer Grossloge überbracht werden 
konnten. (Mitteilungen Jahrgang IL S. 82 f.) 

Schmerzlich aber wurden die deutschen Bundesbrüder 
berührt durch das allem maurerischen Geist Hohn sprechende 
Gebahren der französischen Logen. Zehn Pariser Logen 
hatten in einer Bekanntmachung vom 16. September 1870 
sich nicht entblödet, den König und den Kronprinzen, 
unsere Königlichen Brüder, „weil diese durch den Krieg 
gegen Frankreich ihre Maurerpflicht verletzt haben sollten^ , 
unter den gehässigsten Anschuldigungen in Acht und Bann 
zu erklären. Diese Bekanntmachung schliesst mit den 
Worten : 



— 253 — 

Die beiden Brr., welche wir ansstossen, sind keines- 1870 
wegs in Unkenntniss über unsere Grundsätze, unsere 
Bestrebungen, unsere Ziele. Sie haben die deutschen 
Freimaurer diesen Grundsätzen abwendig gemacht und 
haben es dahin gebracht, dass diese sich ehrgeizigen 
Bestrebungen dienstbar gemacht haben. Sie haben den 
grössten Teil unserer deutschen Brr. fanatisirt. Diese Brr. 
sprechen davon, dass sie einen heiligen Krieg kämpfen, 
sie wollen die eine religiöse Sekte an die Stelle der 
anderen Sekte setzen. Für sie ist der Protestantismus 
das Endziel. Sie wollen diesen durch die Macht der 
Eroberung an die Stelle des Katholizismus bei dem 
lateinischen Stamm setzen. Die Folge davon ist, dass die 
Berliner Grossloge nur einen Teil der Christenheit 
als Brr. anerkennt und Juden sowie Muhamedaner von 
der Teilnahme an einem Recht zurückstösst, das 
jedem freien Mann zusteht; von der Freimaurerei! Wir 
beweinen den Irrtum unserer Brr., welche gleich uns dem 
Ehrgeiz ihrer Fürsten geopfert Rind u. s. w. 

Diese Bekanntmachung ist hier in 2 Exemplaren an 
unseren Grossmeister und unseren Grossarchivar mit dem 
Poststempel Paris 14. Oktober 1870 eingegangen. 

Gleichzeitig erliess die Loge „deSaint-G^nie*" zu Rouen 
unter ausdrücklicher Zustimmung des einstweiligen Gross- 
meisters des Gross -Orients, Babaud Labiri^re, zugleich 
Präfekt des Departement« de la Charente, die Einladung zu 
einer maurerischen General -Versammlung sämmtlicher Logen 
des Gross-Orienis von Frankreich auf den 27. November 1870 
nach Bordeaux zu dem Zweck: 

Einen Ausschuss zu wählen und abzuordnen, der dem 
„Br. Wilhelm und dessen Sohn** die unvergänglichen 
Grundsätze der Freimaurerei und die feierliche Verpflichtung 
ins Gedächtniss zurückrufen sollte, die sie beim Eintritt 
in den Orden übernommen haben, und ferner für den Fall, 
dass sie von dem unverantwortlichen Menschenmord nicht 
abstehen sollten, ihnen im Nanten der französischen Maurerei 
zu eröffne)), dass sie gänzlich aus dem Orden der Freimaurerei 



— 254 — 

1870 ausgestossen and dem unwiderrnflichen Flach sämmtlicher 
Brr. preisgegeben seien. 

Eine Missbilligang dieser Bekanntmachangen seitens des 
Ordensrates des Gross-Orients von Frankreich ist nicht 
erfolgt. Erst als sich Schaaren anter freimaarerischem Banner 
aaf Seiten der Kommane am Strassenkampf des 29. April 
1871 beteiligt hatten, war nach Niederwerf ang der Kommane 
am 24. Mai darch die Regierangstrappen von 9 Mitgliedern 
des Ordensrats am 29. Mai 1871 Missbilligang darüber aas- 
gesprochen, dass Freimaarer anter Verletzung der Gesetze 
der Freimaurerei an dem Strassenkampf sich beteiligt hatten, 
and zugleich erklärt, dass die meisten jener Freimaurer gar 
nicht unter die Oberleitung des Gross-Orients von Frankreich 
gehörten. Der General -Versammlung des Gross-Orients müsse 
es vorbehalten bleiben, über dergleichen Ausschreitungen 
einen Rechtsspruch zu fallen. Es wird hinzugefügt: 

Gleich am 29. April, demselben Tage, an welchem 
jene strafbaren Kundgebungen stattfanden, haben die an- 
wesenden Mitglieder des Ordensrates, mit dem lebhaftesten 
Bedauern darüber, das sie nicht in der Lage gewesen, 
vermitteln zu können, an sämmtliche Vorsitzende der Bau- 
hütten Einspruch gegen die in einer Versammlung der 
Freimaurer inChätelet gefassten Beschlüsse gerichtet, diesen 
Einspruch auch durch verschiedene Zeitungen veröffentlicht. 
Eine Missbilligung der vorerwähnten Kundgebungen 
vom September 1870 war seitens des Ordensrates nicht 
ausgesprochen, noch weniger Einspruch dagegen erhoben 
worden. Man musste vielmehr eine offenkundige Billigung 
des Verhaltens des einstweiligen Grossmeisters Babaud 
Laribi^re darin finden, dass er am 10. September 1871 
zum Vorsitzenden des Ordensrates mit 18 gegen 3 Stimmen 
gewählt wurde. 

Schon vorher und zwar am 1. Dezember 1870, hatte 

die Grosse National-Mutterloge „zu den drei Weltkugeln": 

im Hinblick auf die Bekanntmachung der 10 Pariser 

Logen, welche sämmtlich der Oberleitung des Gross-Orients 

von Frankreich gehorchen, vom 16. September 1870, 



— 255 — 

in Erwägnng, dass der Gross- Orient von Frankreich 1870 
in seiner Eigenschaft als maurerische Aufsichtsbehörde 
nichts gethan hat, was auf eine Missbillignng dieser 
Bekanntmachung hindeutet, 
den Beschluss gefasst: 

jeden Verkehr mit dem Gross -Orient von Frankreich 

und dessen Bundeslogen abzubrechen und sie nicht femer 

als maurerische Körperschaften und demgemäss ihre Mit^ 

glieder nicht zum Besuch der diesseitigen Logen zuzulassen. 

Abschrift des Beschlusses wurde am 25. Mai 1872 dem 

Gross -Orient von Frankreich übersendet. 

Auch die anderen deutschen Grosslogen lösten die Ver- 
bindung mit dem Gross -Orient von Frankreich. 

Ohne auf diesen Beschluss der deutschen Grossloge 
Rücksicht zu nehmen und ohne ihn auch nur zu erwähnen*), 
erliess der einstweilige Grossmeister Laribi&re am 1. August 
1871 eine Bekanntmachung an sämmtliche Logen des Gross- 
Orients, worin er für wichtig erklärt, das künftige Verhältniss 
zur deutschen Freimaurerei festzustellen. Die bevorstehende 
General -Versammlung vom 4. September 1871 müsse über 
die vom Br. Montalier aufgestellten Fragen (in Betreff des 
Verhaltens der deutschen Freimaurer gegen die französischen 
Gefangenen) entscheiden. Der an die General-Versammlung 
erstattete Beriebt über den Antrag Montalier spricht sich 
dahin aus, dass die gesammten Vorlagen zu unvollständig seien, 
um darauf ein Urteil gründen zu können, dass überhaupt 
keine bestimmten Thatsachen für jetzt vorlägen, imd stellt 
daher den Antrag: 

die Verhandlung über diese Frage vorläufig bis auf 
Weiteres auszusetzen. 

Diesem Vertagungs- Antrag wurde allseitig beigestimmt. 



*) Die Grossloge Ton Hamburg hatte in zwei Schreiben Tom 
Jahr 1871 den Ordensrat des Gross • Orients um eine Erkl&ning über 
die Vorfalle ersucht, welche die deutschen Orosslogen zur Auflösung 
der Verbindung mit dem Gross-Orient veranlasst haben, um die deutschen 
Grosslogen in den Stand zu setzen, den früheren Verkehr wieder her- 
zustellen. Beide Schreiben blieben unbeantwortet. 



— 256 — 

1870 In den späteren General-Yersammlnngen ist der Antrag 
Montalier nicht wieder aufgenommen worden. 

1871 Das Jahr 1871 schlag dem Bund eine tiefe Wunde. 
Der frühere zugeordnete National- Grossmeister, demnächst 
Ehren-Grossmeister, Br.y. Hörn, schied nach längerem schmerz- 
vollen Leiden aus der Bruderkette und ging zum höheren Lichte 
ein. Die Trauerfeier für den heimgegangenen Br. , der seit Jahren 
eine Zierde und Leuchte des Bundes gewesen, fand unter zahl- 
reicher Beteiligung der trauernden Brr. am 9. Februar statt. Sein 
Andenken wird in den dankbaren Herzen der Brr. fortleben. 

An Steile des Verewigten wurde am 2. März der 
Br. V. Etzel, General der Infanterie und stellvertretender 
kommandirender General des IX. Armee -Korps, Sohn des 
hochverdienten und unvergesslichen ehemaligen National- 
Grossmeisters gleichen Namens, zum Mitglied des Bundes- 
Direktoriums erwählt. 

Freudig begrüssten die Brr. die an demselben Tage 
eingetroffene Botschaft des nach blutigen Kämpfen und 
glorreichen Siegen endlich errungenen ehrenvollen Friedens, 
der uns ein einiges Deutschland und an seiner Spitze unseren 
geliebten König als Kaiser gebracht hat. In einer Adresse 
sämmtlicher drei Grosslogen Preussens vom 11. Februar 
an den Herrscher und Protektor wtirde diesen Gefühlen 
begeisterungsvoller Ausdruck gegeben. 

Nach seiner Rückkehr aus dem Feldzug nahm der Kaiser 
eine Begrüssungs- und Beglück wünschungs -Adresse der drei 
Grosslogen aus den Händen ihrer Grossmeister entgegen und 
äusserte dabei: 

pwie er stets den lebhaftesten Anteil an den Bestrebungen 
der Brr. nehme, und wenn sich eine Gelegenheit biete, 
.gern zu ihnen kommen werde." — 

Der vierte Grossmeister-Tag wurde am 7. Juni zu 
Frankfurt a. M. abgehalten and auf ihm beschlossen, den 
bisherigen Grossmeister-Tag nunmehr in einen 

Deutschen Grosslogen-Bund 
umzuwandeln, dessen Organ der Grosslogen-Tag sein solle. 



— 257 — 

Die Statuten dieses Bandes wurden unter Zugrundlegung 1871 
einer bezüglichen Arbeit des Br. Warnatz (^Grossmeister 
der Grossen Loge von Sachsen) sofort beraten, und ein 
vorläufiger Entwurf angenommen, der den einzelnen verbundenen 
Grosslogen zur Begutachtung, bezw. Genehmigung unterbreitet 
und dann am nächsten Grosslogentag endgültig festgestellt 
werden sollte. (Mitteilungen Jahrg. II. S. 177. u. f.) 

Die diesseitige Gross-Loge erklärte sich mit diesem 
Entwurf grundsätzlich einverstanden, behielt aber die 
Beschlussnahme darüber der nächsten Gesetzgebenden Ver- 
sammlung vor. 

Seitens eines Mitgliedes des Bundes -Direktoriums war 
unter dem Titel: „Historische Belehrungen für den 
Meistergrad, Theil l'', eine umfangreiche Schrift aus- 
gearbeitet, in der die äussere Geschichte und die Grund- 
verfassungen der Freimaurer von England, Frankreich und 
Schweden dargelegt waren. Diese Schrift wurde mit 
Genehmigung des Bundes -Direktoriums durch den Druck 
vervielfältigt und mittels Rundschreibens vom 29. Dezember 
1870 sämmtlichen Brm. Meistern des Bundes zum Preise 
von 1 Thlr. zugänglich gemacht. (Mitteil. II. S. 127.) 

Da die Wiedererrichtung des deutschen Reiches und 
namentlich die Wiedervereinigung von Elsass-Lothringen mit 
ihm es notwendig erscheinen Hess, die Rechtsverhältnisse 
der ausser den drei berliner Grosslogen im deutschen Reich 
arbeitenden Grosslogen und vereinzelten Logen klar zu stellen, 
hatte der Protektor von dem in Berlin tagenden Verein der 
drei berliner Grossmeister einen Bericht hierüber erfordert. 
Dieser wurde auf Grund einer unter Vorsitz des Kronprinzen 
abgehaltenen Sitzung am 25. Mai dahin erstattet, dass 

1. die Mutterloge des eklektischen Bundes zu Frankfurt 
a. M. sowie die 5 vereinzelten deutschen Logen zu 
Altenburg, Gera, Hildburghausen und Leipzig als solche 
anzuerkennen, dagegen 

2. die Logen im Elsass und in Deutsch-Lothringen auf- 
zufordern sein dürften, ungesäumt die Verbindung 

Ofsch. d. Gr. Nmt. - Mutter - Logv. 17 



— 268 — 

1871 mit dem Grand Orient de France zu lösen und sich 
einer deutschen Grossloge anzuschliessen. 

Die Grosse Loge der Schweiz „Alpina", hatte sich in 
einer Bekann tgebnng vom 3. September 1870 berufen geglaubt^ 
die kriegerischen Ereignisse zwischen Deutschland und Frank- 
reich zum Gegenstand einer Ansprache zu machen, in der sie 
nicht ohne Parteinahme für die Franzosen die deutschen Brr. 
Freimaurer aufforderte, die friedliche Lösung des Kampfes 
herbeizuführen, und zu dem Ende eine Versammlung nach Genf 
berief. Die das Vaterlandsgefühl der deutschen Brr. verletzende 
Art der Darstellung der Sachlage in diesem Schriftstück und 
der daraus anscheinend hervorleuchtende unmaurerische Geist 
der Grossloge Alpina hatte die Grosse National -Mutterloge 
bewegen müssen, durch Beschluss vom 1. Dezember 1870 
die Verbindung mit der schweizer Grossloge zwar nicht als 
gänzlich abgebrochen, aber doch so lange als aufgehoben 
zu erklären, bis von jener in unzweideutiger und versöhnlicher 
Weise eine Aufklärung gegeben und der Wunsch der Wieder- 
anknüpfung der Verbindung ausgesprochen werde. Dies 
geschah seitens der Grossloge „Alpina" in einem Schreiben 
vom 25. August 1871, in welchem sie unter dem Ausdruck 
des Bedauerns über das veranlasste Missverständniss versicherte^ 
dass ihr die Absicht fem gelegen habe, das Vaterlandsgefühl 
der deutschen Brr. zu verletzen. Demgemäss wurde in der 
Sitzung vom 14. September 1871 der Beschluss vom 
l. Dezember 1870 aufgehoben, und der brüderliche Verkehr 
mit der Grossloge „ Alpina ** wieder hergestellt. 

In dies Jahr fiel die Errichtung der Johannislogen 
„Marc Aurel zum flammenden Stern" im Orient 
Marburg und „zur Treue" im Orient Berlin. 

1872 In der am 25. Januar 1872 abgehaltenen ausserordentlichen 
Sitzung der Grossloge, zu der die Vertreter sämmtlicher 
Tochterlogen eingeladen waren, wurde der auf dem vorjährigen 
Grossmeistertag vereinbarte ^Entwarf eines Statutes für 
den deutschen Grosslogenbund" beraten und dessen Annahme 
mit einigen Abänderungen endgültig beschlossen, auch die 



— 269 — 

diesseitigen Beauftragten zum Grossmeistertag mit Anweisung 1872 
und ausgedehnter Vollmacht versehen. Von Seiten der übrigen 
7 deutschen Grosslogen waren die erforderlichen Vorberatungen 
und Beschlüsse ebenfalls erfolgt, und so konnte auf 
dem am 19. Mai im Ordenshaus der Grossen Landesloge 
von Deutschland abgehaltenen fünften und letzten Gross- 
meistertag, der sich nun zum „Grosslogenbund^ um- 
gestaltete, das Statut dieses Bundes beraten und in der 
Fassung angenommen werden, wie es in Anlage A. zur 
„Grundverfassung des Bundes der Freimaurer der Grossen 
National -Mutterloge der preussischen Staaten, genannt zu 
den drei Weltkugeln" zuerst im Jahr 1873 abgedruckt ist*). 

Leider war der junge Bund am Tag vor dieser 
entscheidenden Sitzung von einem schweren Verlust betroffen 
worden. Der Grossmeister der Grossen Loge von Sachsen 
zu Dresden, Br. Warnatz (Dr. med. und Medizinalrat), 
wurde, als er mit den zum Grosslogentag aus den deutschen 
Gross -Orienten herbeigekommenen Brm. sich eben zum 
freundschaftlichen Mahl vereinigt hatte, plötzlich vom Schlag 
getroffen und aus der Bruder-Kette abgerufen. Er, der zur 
Errichtung des Grosslogenbundes die deutschen Grosslogen 
eingeladen und dessen Verwirklichung mit unermüdlichem 
Eifer erstrebt hatte, sollte die Früchte seiner schönen Saat 
in der Vollendung des Baues, zu dem er den Grundstein 
gelegt, nicht mehr sehen. 

Ausser diesem Todesfall, der zugleich den ganzen deutschen 
Maurerbund betroffen, hatte unsere Grossloge in diesem Jahr 
einen für sie nicht minder schmerzlichen Verlust zu beklagen. 
Am 4. März 1872 war der bisherige Gross- Archivar Br. 
Petersso n, der während seiner fast oO jährigen maurerischen 
Laufbahn das vorbezeichnete Amt 9 Jahre hindurch mit 
hingebendem Eifer und unwandelbarer Treue verwaltet hatte, 
nach langem, schmerzvollem Krankenlager gestorben. Zu 
seinem Nachfolger wurde der bisherige zugeordnete Gross- 



♦) Eine spätere Durchsicht des Statuts de8Qr.-L.-B. erfolgte im 
Jahre 1884. S. 29 (Anlage A) der GrundTerfastODg. 



— 260 — 

1872 Archivar Br. v. Schweinichen, der während Br. Petersson's 
Krankheit ihn bereits vertreten hatte, und zum zugeordneten 
Gross -Archivar der Br. Damerow ernannt. 

Als ein für die gesammte Freimaurerei in Deutschland 
erfreuliches Ereigniss darf hier verzeichnet werden, dass der 
stellvertretende Protektor an die zum Grossmeistertag versam- 
melten Brr. am zweiten Pfingsttag folgende Worte richtete: 
„ Ich wünsche Ihnen und mir Glück zu dem, was Ihre 
gestrigen Verhandlungen zu Stande gebracht haben; es 
ist wieder ein gewichtiger Stein zu unserm Bau und wird 
für die Freimaurerei segensreiche Folgen haben. Ich 
kann das, was erfolgt ist, als einen Fortschritt bezeichnen. 
Die Meisten von Ihnen erinnern sich der Worte, die ich vor 
fast zwei Jahren in Zeiten, die noch einen durchaus 
friedlichen Charakter trugen, bei dem Säkularfest der 
Grossen Landesloge ausgesprochen habe, und es hat mich 
gefreut, dass dieselben in allen deutschen Logen Anklang 
gefunden haben. Seitdem haben die kriegerischen Ereignisse 
eine festere politische Vereinigung in Deutschland herbei- 
geführt, und auf demselben Boden der Gemeinschaft bewegt 
sich das, was Sie zur engeren Verbindung der deutschen 
Grosslogen unternommen, und dem Sie gestern Gestalt 
gegeben haben. Das, was ich an jenem Säkularfest 
gesagt habe, halte ich auch heute noch in jedem Wort 
aufrecht. Ich bin überzeugt, dass, je tiefer unsere 
maurerische Forschung eindringt in das Innere unserer 
Wissenschaft, sie um so mehr das lautere Wesen derselben, 
von Schlacken gereinigt zur Erkenntniss bringen und den 
edlen Zwecken der Freimaurerei dienen wird. Diesen 
Bestrebungen werde ich stets die Hand reichen. Gern 
hätte ich gestern an Ihren Arbeiten mich beteiligt, und 
nur andere Pflichten haben mich davon fern gehalten; 
aber mit der ernstesten Teilnahme bin ich bei der Aufgabe, 
welcher sie gestern oblagen, und werde nach meinen 
Kräften an deren weiterer Förderung mitwirken. 

Ich habe Ihnen die Grüsse des Kaisers zu bringen, 
der von den Arbeiten Ihrer Versammlung durch mich 



— 261 — 

nnterrichtet ist und ihnen den besten Fortgang wünscht. 1872 
Indem ich meine innige Freade aasdrücke, Sie heut um 
mich versammelt gesehen zu haben, begleite ich Ihr 
ferneres Wirken mit meinen besten Wünschen". 

Somit war durch die Anerkennung von Seiten des Kaisers dem 
für die gesammten deutschen Freimaurer so wichtigen und 
folgenreichen Werk, die 8 deutschen Grosslogen, ohne deren 
Selbständigkeit und Ritualistik zu berühren, zu einem Bund 
zu vereinigen, die Weihe erteilt. Nicht ein Verwischen der 
Eigenart jeder einzelnen Lehrart, nicht ein Eindringen in 
den inneren Bau der wenn auch auf gleichen Grundlagen 
errichteten so doch mannigfach verschieden gestalteten 
einzelnen Maurer- Tempel, die in Deutschland ihre Kuppeln 
erheben, war beabsichtigt, wohl aber ein äusserer fester 
Verband, gleichsam zum Schutz und Trutz, ähnlich wie das 
neuerstandene deutsche Reich unter Berücksichtigung der ver- 
schiedenen Stammes -Eigentümlichkeiten sich zu einem macht- 
vollen Ganzen erhoben hatte. Auch bei der Feier des 
Johannisfestes und zugleich 103. Stiftungstages der Grossen 
Landesloge von Deutschland nahm der Kronprinz wiederum 
Anlass, auf die durch den Grosslogenbund angebahnte engere 
Vereinigung sämmtlicher deutscher Grosslogen hinzuweisen, 
und hob dabei be.sonders hervor: 

wie auf allen Gebieten des geistigen Lebens unserer Tage 
sich eine Bewegung zeige, die aus dem Kampf zweier 
entgegengesetzter Richtungen hervorgehe, deren eine das 
alte bewahren, die andere den Forderungen der Gegenwart 
gerecht werden wolle. Nach beiden Richtungen hin gehe 
man leider zum Teil ins Extreme, und da könne uns nur 
das Licht den rechten Weg zeigen, welches auf unserem 
Altar zuerst entzündet werde, das Licht der Weisheit, 
das uns lehre, Recht und Wahrheit anzuerkennen, auf 
welcher Seite sie sich auch finden. Diesem Licht zu 
folgen sei jedes Maurers Pflicht, und in diesem Sinn sei 
es erfreulich, dass durch die Errichtung des deutschen 
Grosslogenbundes eine Stätte geschaffen sei, auf der 
die innigere Vereinigung der Grosslogen sich TolhBiehe, 



— 262 — 

1872 die berechtigten Eigentümlichkeiten einer jeden Lehrart 
aber unangetastet und gegenseitig geachtet blieben. (Mit- 
teilungen Jahrg. IV. S. 19.) 

Wenngleich die Freimaurerei sich von politischen Kund- 
gebungen fem zu halten hat, dürfen und wollen die Jünger 
der K. K. doch nicht zurückbleiben, wo es gilt, Treue 
und Anhänglichkeit an das Vaterland zu bethätigen. So 
fühlten sich auch die Vertreter der in der Provinz West- 
preussen arbeitenden Logen ( Marien werder, Marienburg, 
Elbing, Eonitz, Thom, Danzig, Graudenz, Pr. Stargardt) 
gedrungen, bei Gelegenheit der festlichen Feier der 
100 jährigen Vereinigung der Provinz Westpreussen mit der 
Krone Preussens am 14. September dem Kaiser und König 
ihre Huldigung und ihren Dank in einer von ihnen persönlich 
überreichten Adresse darzubringen. Der Kaiser richtete hierauf 
folgende Worte an die Abgeordneten: 

„Es ist mir eine grosse Freude, in dieser Adresse den 
Ausdruck echt maurerischer Gesinnung zu finden. 

Mein Verdienst um die Freimaurerei sehe ich darin, 
dass es mir gelungen ist, unter den preussischen und 
soweit möglich auch unter den deutschen Logen ein 
inniges brüderliches Verhältniss herzustellen. 

Als ich aufgefordert wurde, dem Freimaurerbund bei- 
zutreten, woran ich vorher nicht gedacht, hatte ich gewisse 
Vorurteile, weil mir alles geheime Wesen zuwider ist. 
Aber in den Freimaurerbund aufgenommen und mit dem 
Geist desselben bekannt geworden, habe ich mich seinen 
Bestrebungen aus vollem Herzen hingegeben. 

Ich fand aber leider, dass die Bruderliebe, soweit sie 
sich auf das Verhältniss zu den Anhängern der verschiedenen 
Systeme bezieht, wohl auf den Lippen, aber nicht immer 
im Herzen der Mitglieder wohnte, weil ein jedes System 
die einzig richtigen Mittel zur Erreichung des ihnen Allen 
gemeinschaftlichen Zieles zu besitzen wähnte und deshalb 
das andere nicht für vollgültig erachtete. 

Es erschien mir daher als wichtige Aufgabe, eine 
Versöhnung der Systeme und zwar zunächst durch An- 



— 263 — 

nähenmg der Oberen unter einander und demnächst durch 1878 
gegenseitige Verständigung über die abweichenden Ansichten 
herbeizuführen. Wie bekannt, ist mir dies nicht nur bei 
den ursprünglich preussischen Logen vollständig, sondern 
auch in Bezug auf die hannoverschen und übrigen deutschen 
Logen zum grössten Teil gelungen. — Auch den süd- 
deutschen Logen sind wir näher gerückt und haben mit 
denselben unter Berücksichtigung ihrer Eigentümlich- 
keiten ein freundschaftliches Verhältniss hergestellt.* 
Nach Vorstellung der einzelnen Abgeordneten, die 
allen drei preussischen Lehrarten angehörten, fuhr der 
Kaiser fort: 

^Die wachsende Zahl der Logen und die Vermehrung 
ihrer Mitglieder giebt mir den Beweis, dass das Streben 
der Logen auf Verbreitung ihrer Lehren fort und fort 
gerichtet ist und dankbare Anerkennung findet. Seien 
Sie bemüht, diese Lehren auch in aussermaurerischen 
Kreisen zu verbreiten und zu bethätigen. 

Unsere Gegner, die uns alle Uebel der Neuzeit und 
sogar die der Kommune zur Last schreiben, werden unser 
Wirken natürlich nicht anerkennen wollen. Dies können 
wir uns aber ruhig gefallen lassen, wenn wir nur ein 
gutes Gewissen haben. 

Ich selbst kann nicht mehr so häufig wie früher in den 
Logen erscheinen; in der Person meines Sohnes glaube 
ich Ihnen aber einen Stellvertreter gegeben zu haben, 
der in demselben Geist für die Sache der Freimaurerei 
wirkt." (Mitteilungen Jahrg. IV. S. 55 ff.) — 

Am 18. Oktober feierte die Loge „Victoria zu den 
drei Thürmen" zu Marienbnrg das Fest ihres lOOjährigen 
Bestehens, am 27. desselben Monats wurde durch den 
National-Grossmeister Br. v. Messerschmidt das maurerische 
Licht in den neu erbauten Tempel der Loge „Blücher von 
Wahlstadt * zu Charlottenburg eingebracht, und am 
16. November in gleicher Weise dem neu errichteten 
Tempel der Loge „Friedrich Wilhelm zur Hoffnung" zu 
Arnswalde in Verbindung mit der Feier ihres 60jährigen 



— 264 — 

1872 Stiftungsfestes die Weihe erteilt. Ferner beging am 4. Dezember 
die Loge „zu den drei eisernen Bergen" zu Siegen das 
Fest ihrer 50jährigen Dauer. 

Aber auch der Jubelfeier eines unserer für die Zwecke 
der Maurerei besonders thätig gewesenen Brs. mag hier 
gedacht werden. Die Loge „Teutonia zur Weisheit" zu 
Potsdam feierte am 6. Oktober 1872 das 50jährige Maurer- 
Jubiläum ihres langjährigen bewährten Meisters vom Stuhl 
Er. Puhlmann (Dr. med. und Oberarzt) in einer Festarbeit 
und Tafelloge, an der sich die Freunde und Verehrer des 
Jubilars von nah und fem sowie Abgeordnete des Bandes- 
Direktoriums und der Matterloge, beteiligten. Auch der 
Kronprinz hatte ihm seine Anerkennung durch Uebersendung 
seines Bildnisses, dem ein eigenhändiges Glückwunsch- 
schreiben beigefügt war, bezeugt, und die feiernde Loge 
brachte dem Meister den Dank für seine treue, starke und 
liebevolle Leitung in einer namhaften Ehrengabe zur Ver- 
mehrung der bereits seit längerer Zeit bestehenden 
„Puhlmann -Stiftung" dar. — 

Zu Shanghai in China hatten sich mehrere deutsche 
Maurer, welche verschiedenen Lehrarten angehörten, zu dem 
Zweck vereinigt, eine in deutscher Sprache und nach 
deutschem Ritus arbeitende besondere Loge zu errichten, 
und Br. Eduard Roehl, der dort ansässig, hatte sich im 
Auftrag der deutschen Brr. an das Bandes-Direktorium mit 
der Bitte gewendet, in Shanghai eine deutsche Loge 
unter dem Namen „Germania" nach Lehrart unserer 
Mutterloge zu errichten. Die letztere glaubte, einen Antrag, 
durch dessen Verwirklichung unserer Lehrart und deutschem 
Denken und Fühlen im fernsten Osten eine Stätte bereitet 
werden könnte, nicht unberücksichtigt lassen zu dürfen und 
ermächtigte in der Sitzung vom 19. Dezember das Bundes- 
Direktorium, die nötigen Schritte zur Errichtung der 
neuen Loge zu thun. Die Stiftungs- Urkunde wurde der 

1873 Loge Germania am 10. Juli 1873 erteilt. (Mitteil. 
Jahrg. V. S. 154.) Die Loge stellte 1883, 7. Oktober, die 
Arbeit ein. 



— 265 — 

Mit dem Maarerjahr 1871/72 war der siebenjährige 1873 
Zeitraum abgelaufen, nach dem eine Durchsicht der Grund- 
verf aasung und der Bundesstatuten unseres Liogen- 
Verbandes statt zu finden hatte, und das rege Leben in 
ihm hatte die Notwendigkeit einer umfassenden Umarbeitung 
der bestehenden Gesetzgebung erkennen lassen. Schon 
seit Anfang des Jahres 1871 war daher der Gesetz-Prüfungs- 
Ausschuss zusammengetreten, um die zahlreichen und 
mannigfachen Anträge der Tochterlogen auf Abänderung 
der alten und Einführung neuer Gesetze zu ordnen, zu prüfen 
und daraus unter Beachtung der Grundbedingungen unseres 
Bundes ein diesen und den Zeitbedürfnissen entsprechendes 
Ganze zu gestalten. Diese umfassende Arbeit konnte erst im Lauf 
des Winters 1872 beendet, und ein Entwurf der Grundverfassung 
und der Bundesstatuten ausgearbeitet werden, der der Mai- 
Versammlung von 1873 zur Beschlussnahme vorgelegt wurde. 

Diese Versammlung, zu der die Vertreter sämmtlicher 
Tochterlogen unter Mitteilung des Entwurfs und dessen 
Begründung eingeladen waren, wurde am 17. April 1873 
eröffnet, aber erst am 19. desselben Monats geschlossen, und in 
ihr die Grundverfassung und die Bundesstatuten in der 
Fassung angenommen, in der sie 1873 im Druck erschienen. 

Die Beteiligung der auswärtigen Logen an dieser hoch- 
wichtigen Beratung, deren Ergebniss als leitendes Gesetz 
gelten und vor Ablauf von zehn Jahren einer Durchsicht 
nicht unterworfen sein sollte, war leider nicht eine so zahl- 
reiche, als man bei der Tragweite des Beratungsgegenstandes 
hätte erwarten sollen. Es waren von ihnen nur 29 vertreten, 
darunter aber mehrere in grösseren Städten arbeitende, mit 
zahlreichen Mitgliedern versehene Logen, wie die zu 
Breslau, Danzig, Düsseldorf, Frankfurt a. 0., Posen, 
Potsdam. Stettin. Die Erörterung, die zum Teil einen 
lebhaften Charakter annahm, richtete sich besonders*) auf 
zwei Fragen, nämlich 

^) Die Anträge wegen Aufhebung der Vorscbriften, dass nur Brr. 
des 4. Grades Sitz und Stimme in der Grossloge haben sollen, und dass 
die Beschlüsse der Grossloge der Bestätigung des Bundes-Direktoriums 
bedürfen, wurden abgelehnt 



— 266 — 

1873 a) auf die Art der Vertretung der Tochterlogen in der 
National -Mutterloge im Allgemeinen und bei der 
gesetzgebenden Versammlung im Besonderen, und 
b) auf die sogenannte Judenfrage. 

In Betreff des ersten Punktes der Beratung, nämlich 
Zusammensetzung der Grossloge und Vertretung der Tochter- 
logen bei den Beschlüssen der Grossloge, hatte unsere 
Grossloge eine Aufgabe zu lösen, die bei jeder Durchsicht 
unserer Grundverfassung harte Kämpfe veranlasst hatte, 
ohne dass ein Einverständniss bisher erzielt worden war. 
Bei den Beschlüssen, die im Lauf der letzten 80 Jahre 
in unserer Grossloge gefasst wurden, tritt das Bestreben 
hervor, die Vorzüge einer Vertreter-Loge in unsere Verfassung 
aufzunehmen, ohne mit der Vergangenheit unserer Gross- 
loge zu brechen und ohne die Mutterloge in eine Vertreter- 
Loge umzuwandeln. 

Nach dem Vorgang der englischen Grossloge waren die 
anderen Grosslogen durch einen Vereinigungs- Vertrag einzelner 
bereits bestehender Logen entstanden. Durch den Vereinigungs- 
Vertrag war den einzelnen Logen die gesetzgebende Gewalt, 
die sie durch ihre Vertreter auszuüben haben, zugesichert. 
Die Vertreter der einzelnen Logen in dieser gesetzgebenden 
Versammlung waren die Beamten der Loge, die jährlich 
wechselten. Abgesehen davon, dass der jährliche Wechsel 
in den Mitgliedern des gesetzgebenden Körpers nicht gedeihlich 
auf die Gesetzgebung einwirken konnte, gab es auch kein 
Mittel, die Vertreter zur Teilnahme an den Beratungen der 
Grossloge anzuhalten, da die für das Ausbleiben angedrohte 
Strafe der Streichung der Loge nicht ausführbar war. Später 
fand die englische Grossloge ein Auskunftsmittel darin, dass 
sie jedem Meister vom Stuhl auch nach seinem Ausscheiden 
aus dem Amt (Past-Master) das Stimmrecht dauernd verlieh. 
Bei der Vereinigung der beiden londoner Grosslogen sollte 
durch Art. VII der Unionsakte von 1813 dem Past-Master 
als solchem die Mitgliedschaft der Grossloge nicht ferner zu- 
stehen. Dieses Verbot fand jedoch allzu grossen Widerspruch 
und wurde daher durch den Beschluss der englischen Gross- 



— 267 - 

löge vom 9. September 1818 zaröckgenommen, and das 1878 
frühere Recht der Fast -Masters auf die Mitgliedschaft der 
Grossloge wieder hergestellt. (Histor. Belehrung Bd. I. S. 144.) 
Jetzt besteht die Mehrzahl der bei den Versammlungen der 
Grossloge anwesenden Mitglieder aus Fast- Masters und wird 
auf die Anwesenheit von Vertretern der Tochterlogen gar 
kein Gewicht gelegt. Die alte Verordnung XII schrieb vor: 

Die Grossloge besteht aus den Meistern und Aufsehern 
aller einzelnen verfassungsmä-ssigen Logen, die in das Logen- 
Verzeichniss eingetragen sind, mit dem Grossmeister an 
ihrer Spitze, seinem Zugeordneten zur linken Seite und mit 
den Grossaufsehem an ihren Plätzen. 

Die Verfassung der englischen Grossloge von 1867 
verordnet : 

Die öffentlichen Interessen der Brüderschaft werden durch 
eine allgemeine Vertretung sämmtlicher eingetragenen 
einzelnen Logen nebst den Grossschaffnern für das betreffende 
Jahr, den gegenwärtigen und den gewesenen Beamten, mit 
dem Grossmeister an der Spitze geleitet. 

Diese Körperschaft führt den Namen: „Die vereinigte 
Grossloge der alten freien und angenommenen Maurer in 
England." 

Ihre Mitglieder folgen in bestimmter Ordnung: 
1 — 36 (Grossbeamte aufgeführt). 

Es reihen sich an die Meister, Past-Masters, und die 
Aufseher der Grossschaffnerloge und jeder anderen 
einzelnen Loge. (Historische Belehrungen des Meistergrades. 
Theill. S. 157.) 

Anders hat sich die Vertreter -Loge im Gross-Orient 
von Frankreich ausgebildet. Dort besteht der Gross- 
Orient aus den 32 Mitgliedern des Ordensrates und ausserdem 
aus den Vertretern der Johannislogen. Die Verfassung von 
1865 in Verbindung mit dem Abänderungs-Beschluss von 
1871 verordnet in dieser Beziehung: 

Der Gross -Orient besteht aus allen Vorsitzenden der 
zum Bund gehörigen Bauhütten (les pr^sidents des Ateliers 
de la Correspondance) und dem Ordensrat. In Verhinderung 



— 268 — 

1873 des Vorsitzenden kann jede Bauhütte sich durch einen Ab- 
geordneten vertreten lassen, der in einer zu diesem Zweck 
berufenen Versammlung gewählt ist, zu den höchst 
graduirten Mitgliedern der vertretenen Bauhütte gehört, 
30 Jahre alt ist und mindestens 1 Jahr der Bauhütte angehört. 

Alle zugehörigen Bauhütten sind gehalten, bei der General- 
Versammlung sich vertreten zu lassen. Jede Bauhütte, die 
sich nicht vertreten lässt, verfällt das erste Mal in eine 
Geldstrafe von 100 Francs. Für den Wiederholungsfall kann 
solche Bauhütte ausser der Geldbusse mit der Strafe der 
zeitweiligen Schliessung belegt, selbst aus der Matrikel des 
Gross -Orients gestrichen werden. Die Vertreter aus den 
Provinzen haben den Anspruch auf Erstattung der Reise- 
kosten mit 1 Franc 25 Cent, für die Meile. Diese Entschädigung 
wird durch den Gross- Orient gezahlt. Zur Deckung dieser 
Ausgabe sind sämmtliche Bauhütten verpflichtet, jährlich einen 
Anteil nach Verhältniss ihrer Mitgliederzahl beizutragen. 
Das nicht entschuldigte Ausbleiben eines Vertreters hat für 
jede Sitzung den Verlust des zehnten Teils der Reisekosten- 
Entschädigung zur Folge. (Histor. Belehrungen des Meister- 
grades Bd. I. S.340'*'). 

Der Gross-Orient von Italien wird nach dem Vor- 
gang der älteren erst im Jahr 1871 aufgehobenen Vorschrift 
der Verfassung des Gr. Orient de France durch die Abgeordneten 
der Kapitel u. s. w., der Hochgrade nebst den Abgeordneten 
der Johannislogen gebildet. Es verordnet die Verfassung 
vom 15. Juni 1874: 

§ 13. Die Versammlung besteht aus: 

a) den gewählten Abgeordneten der Logen jedes Ritus, 

b) den Vertretern der Kapital IV, IX, XV, XXV, des 
Konklave, der Bezirks-Konsistorien und der Rosen- 



*) In der General •Versammlung vom 25. September 1873 wurde 
mit 111 gegen 99 Stimmen beschlossen, dass die Kapitel und Conseils 
in den Versammlungen des Gross-Orients fortan nicht vertreten, mithin 
auch von den entsprechenden Verpflichtungen entbunden sein sollen, 
und zwar in Erwägung, dass die sämmtlicben Mitglieder der Hochgrade 
bereits als Mitglieder ihrer Johannisloge dabei eine Vertretung finden. 



— 269 — 

krenz-Ritter des alten and angenommenen schottischen 1873 
Ritus, 
c) den Bevollmächtigten der entsprechenden oberen Körper* 
Schäften in den Thälern, in den Provinzen* und in 
den Bezirken und zwar der bereits vorhandenen sowie 
der später etwa einzusetzenden der anderen Rite, 
die unter der Leitung der ganzen Gemeinde der 
nationalen Freimaurer arbeiten. 
In anderer Weise findet in der Grossloge der Schweiz 
eine doppelte Vertretung der Logen statt. Es verordnen die 
Statuten der schweizer Grossloge „Alpina" vom 20. Juni 1874, 
Art. 24: 

Die Grossloge oder die General-Versammlung der 
schweizerischen Logen ist zusammengesetzt wie folgt: 

A. Wirkliche Mitglieder, die entscheidende Stimme haben: 

a) die hammerführenden Meister vom Stuhl oder deren 
Stellvertreter; 

b) die Abgeordneten der Logen. 

Die Abgeordneten sollen frei aus den Meistern derjenigen 
Loge gewählt werden, die sie vertreten, und unterstehen 
bei jeder Sitzung einer neuen Wahl. 

Jede Loge ernennt einen Abgeordneten. Solche Logen 
jedoch, die mehr als 70 wirkliche Mitglieder zählen, haben 
das Recht, sich durch zwei Abgeordnete vertreten zu lassen. 

B. Wirkliche Mitglieder, die nur beratende Stimmen haben: 

a) die im Amt befindlichen Mitglieder des Verwaltungs- 
rates : 

b) die zugeordneten Meister bei den Vereinslogen. 

C. Ehrenmitglieder, die beratende Stimmen haben: 

a) die Vertreter der auswärtigen Grosslogen; 

b) Freimaurer, die von der Grossloge selbst mit 
der Eigenschaft der Ehrenmitglieder bekleidet werden. 

Die Grossloge von Preussen, genannt Royal York zur 
Freundschaft, durch Zusammentritt der einzelnen Johanni»- 
logen entstanden und also dem Ursprung nach eine Vertreter- 
loge, besteht nach den Statuten vom 31. März 1872 aus 



— 270 — 

1873 zwei Kollegien, dem obersten Lehr-Kollegiam und dem 
obersten Regierangs -Kollegium. Letzteres, die Grossloge 
im engeren Sinn des Wortes, besteht ans den Grossbeamten 
und aus den Vertretern der zu ihrem Logenverband gehörigen 
Provinzial- und unmittelbaren Johannislogen. Die Stimm- 
berechtigung ist nach § 289 folgende: 

a) der Grossmeister, der zugeordnete Grossmeister, die 
beiden Grossaufseher, insofern sie nicht Vertreter einer 
Johannisloge sind, und die Vertreter der unmittelbaren 
Johannisloge haben jeder eine entscheidende Stimme; 

b) der Vertreter der Provinzialloge giebt die ent- 
scheidenden Stimmen des Provinzial -Grossmeisters, 
des zug. Provinzial -Grossmeisters und jeder Tochter- 
loge der Provinzialloge einzeln ab. Zu dieser Stimm- 
abgabe ist derselbe aber nur durch die einzelnen 
Instruktionen für jeden besonderen Fall berechtigt; 
er stimmt daher nur mit so vielen Stimmen, als er 
Instruktionen hat. Bleibt er ohne alle Instruktion, 
so stimmt er nach seiner Ueberzeugung mit einer 
Stimme. 

Die auswärtigen unmittelbaren Johannislogen wählen 
ihre Vertreter aus den zu den ordentlichen Mitgliedern 
gehörigen Meistern der in Berlin vereinigten Johannislogen. 
Ist einer der hammerführenden Beamten der vertretenen 
Loge bei der Versammlung gegenwärtig, so vertritt er seine 
Loge. Ist für e'men besonderen Fall dem Vertreter eine 
schriftliche Anweisung erteilt und von ihm eingereicht, so 
ersetzt deren Verlesung die Abgabe der Stimme der Loge. 

Hiemach können die im Gebiet einer Provinzialloge 
arbeitenden Johannislogen schriftlich sich vertreten lassen. 

Keiner dieser verschiedenen Wege, auf dem in 
neuester Zeit dem Grundsatz der Vertreterloge Ausdruck 
gegeben worden, konnte als mustergültig für die maurerische 
Gesetzgebung unserer Grossloge anerkannt werden. Nur 
das Ergebniss gewinnt man, dass der Zustand der Vertreter- 
loge, wie er in der alten Verordnung XII der englischen 
Grossloge einen entsprechenden Ausdruck gefunden hatte, 



— 271 — 

nicht beibehalten werden kann, sobald die Groseloge auch 1878 
nur einige Ausbreitung gewinnt. 

Die Grossloge ^zxi den drei Weltkugeln^ ist nicht durch 
Vereinigung anderer bereits früher vorhandenen Logen ins 
Leben gerufen, sondern im Jahr 1740 unter Zustimmung 
König Friedrich II. in Berlin entstanden. Durch die Errichtung 
von Tochterlogen wurde sie zur Mutterloge. Wenngleich 
den einzelnen auswärtigen Tochterlogen seit dem Jahr 1774 
das Recht der Wahl von Vertretern bei der Mutterloge 
verliehen worden war, hatte selbst die Grundverfassung vom 
Jahr 1797 den Vertretern der Tochterlogen als solchen 
kein Stimmrecht in der Grossloge beigelegt. 

Es bestand vielmehr die Mutterloge für sich, von keiner 
maurerischen Behörde abhängig und in ihrer ganzen Verfassung 
nur ihren selbst gegebenen Gesetzen unterworfen in der Zahl 
von 23 Mitgliedern und ergänzte sich durch Zuwahl aus den 
Mitgliedern der Berliner Tochterlogen auf den Vorschlag des 
Vorsitzenden (Gross-) Meisters durch Kugelung, wobei drei 
verneinende Stimmen ausschlössen. 

Nach der Durchsicht vom Jahr 1804, bei der die Stimmen 
für Umwandlung der Mutterloge in eine Vertreterloge in 
der Minderheit blieben, wurde den Vorsitzenden Meistern der 
Tochterlogen, die seit 1780 als Ehrenmitglieder der Gross- 
loge geführt wurden, der Sitz in der Grossloge verliehen, 
das Stimmrecht jedoch nur ausnahmsweise für den Fall, 
dass sie Vollmacht ihrer Loge vorzeigten, und die Stimme 
des (aus den ordentlichen Mitgliedern der Grossloge gewählten) 
Vertreters mit dessen Einverständniss so lange auf- 
gehoben wäre. 

Es erhielten nach der Durchsicht vom Jahr 1812 nach 
hartem Kampf mit den Verfechtern des Vertreter -Systems, 
von denen das Mitglied des Bundes-Direktoriums Br. Schmalz 
dadurch zum Ausscheiden aus dem Bund veranlasst wurde, 
die Meister vom Stuhl der Tochterlogen Sitz und Stimme 
in der Grossloge (S. 141). 

Im Jahr 1843 hatten die Tochterlogen zu Merseburg,. 
Lübben und Glogau den Antrag gestellt: 



— 272 — 

1873 „In allen Angelegenheiten des Inneren, also in der 

Gesetzgebung für den ganzen Bund, das Ritual, die Ver- 
fassung und die Statuten, soll in der Mutterloge durch 
die Vertreter ihrer verbündeten Tochterlogen als solche 
abgestimmt werden, so dass jene nicht nach Köpfen, 
sondern nach den vertretenen Logen abstimmt, mithin 
mit alleiniger Ausnahme des Grossmeisters, welcher für 
sich abstimmt, kein anderes Mitglied zum Mitstimmen 
berechtigt ist." 

Dieser Antrag wurde in der Grossloge einstimmig 
abgelehnt, dagegen zur| Wahrung der Rechte der Tochter- 
logen beschlossen: 

1. üeber den in einer Vierteljahrs -Versammlung ein- 
gebrachten Gesetzes-Vorschlag wird in der Grossloge 
nicht eher als in der nächsten aus dem Logen- 
Kalander zu ersehenden Vierteljahrs -Versammlung 
beraten und abgestimmt, wohl aber kann die Ab- 
stimmung auf eine spätere Vierteljahrs -Versammlung 
vertagt werden, wenn Umstände dies notwendig machen. 

Hierdurch wird jede Tochterloge in den Stand 
gesetzt, ihrerseits über den Vorschlag zu beraten und 
ihre Ansicht ihrem Vertreter rechtzeitig mitzuteilen, 
ja selbst ihren hammerführenden Meister zur persönlichen 
Teilnahme an den Beratungen und zur Abgabe seiner 
Stimme hierher abzusenden. 

2. Jeder Vertreter ist verbunden, dasjenige, was ihm von 
der durch ihn vertretenen Loge über den Gegenstand 
mitgeteilt wird, bei der Beratung in der Mutterloge 
vollständig mitzuteilen und — unbeschadet seiner 
persönlichen Ansicht — die von seinen Auftraggebern 
angegebenen Gründe bestens in ihrem Sinn aus- 
einanderzusetzen. 

Bei der Durchsicht der Grundverfassung von 1847 wurde 
beschlossen : 

§ 6. Kein Gesetz der Grundverfassung darf abgeändert, 
kein neues Gesetz ihr hinzugefügt, also überall kein 



— 273 — 

organisches Gesetz gegeben oder abgeändert oder auf^ 1878 
gehoben werden, wenn nicht 

a) in der Grossloge zwei Drittel der gegenwärtigen 
ordentlichen Mitglieder eingewilligt, und 

b) das Bundes-Direktoriom bei seiner Zustimmung erklärt 
hat, dass fünf Mitglieder dafür gestimmt haben. 

Diese Beschränkung des Stimmrechts der Tochterlogen 
bei der Beratung organischer Gesetze machte sich besonders 
fühlbar nach Einführung der Mai-Versammlungen durch den 
Beschluss der Grossloge vom 7. März 1867: 

„Betrifft der Gesetzas-Vorschlag eine Abänderung der 
Grundverfassung oder Bundesstatuten, so wird in der 
nächsten M a i - K o n fe r e n z darüber beraten und beschlossen " . 
(S. 233.) 

Der ständige Gesetz -Prüfungs-Ausschuss hatte bei der 
Durchsieht der Grund Verfassung im Jahr 1873 die Aufgabe, 
die Rechte der Mutterloge wie der Tochterlogen festzusetzen 
und die mannigfachen Ansprüche auszugleichen. 

Die Abänderungs-Vorschläge der Tochterlogen erstrebten 
im Wesentlichen eine grössere Teilnahme der Tochterlogen 
an der Thätigkeit der Grossloge, insbesondere an der Gesetz- 
gebung. Die Formen, durch welche die einzelnen Tochter- 
logen Erfüllung ihrer Forderung erstrebten, wichen jedoch 
sehr von einander ab. Am weitesten ging der Antrag, die 
Grossloge in eine Vereinigung der Vertreter der Tochter- 
logen umzuwandeln. Andere verlangten für jede Johannisloge 
Stimmrecht in den Sitzungen der Grossloge auch bei Beratung 
organischer Gesetze; wieder Andere verlangten eine grössere 
Freiheit in der Wahl ihrer Abgeordneten zur Mai-Versammlung. 
Nach dem Vorschlag des Gesetz -Prüfungs- Ausschusses 
lehnte die Grossloge die Umwandlung der Mutterloge in 
-eine Vertreterloge ab, in Erwägung dass die Grosse National- 
Mutterloge eine selbständige Körperschaft ist, eine seit 
mehr als einem Jahrhundert bestehende Rechtspersönlichkeit, 
Eigentümerin von Vermögen und Trägerin der vom Staats- 
oberhaupt der Genossenschaft verliehenen Vorrechte; in 
P>wägung ferner, dass die Mutterloge das Recht und die 

Gesch. d. (ir. Nat.- Mutter- Lo^e. 18 



— 274 — 

1873 Pflicht gegen sich selbst habe, als Rechtspersönlichkeit sich 
zu erhalten, und nur dann zu einer Auflösung verpflichtet sei, 
wenn dies durch das Wohl der Freimaurerei geboten wäre. 

Als selbständige Rechtspersönlichkeit habe die Grossloge 
ihre inneren Angelegenheiten, ihr Vermögen selbständig zu 
verwalten. Ihre Thätigkeit nach dieser Richtung berühre 
die Tochterlogen nicht. In ihrer Eigenschaft als Gesetzgeberin 
des Bundes aber übe sie auf die Tochterlogen einen 
unmittelbaren Einfluss, und nach dieser Richtung hin erscheine 
das Verlangen der Tochterlogen, bei den Beschlüssen der 
Grossloge eine grössere Beteiligung zu erhalten, wohl 
gerechtfertigt. Für die hiernach notwendige Trennung der 
gesetzgeberischen Thätigkeit der Grossloge von ihren übrigen 
Obliegenheiten sei durch die bereits eingeführten Mai- 
Versammlungen ein Anhalt gegeben. Die letzteren genügten 
den Tochterlogen deshalb nicht, weil ihre Vertretung in 
diesen Versammlungen lediglich von der jeweiligen 
Persönlichkeit ihres Vorsitzenden Meisters, insbesondere 
davon abhänge, ob dieser zugleich Schottenmeister sei, ob 
er femer bereit und im Stande sei, die Reise nach Berlin 
zu machen, und ob er, ein wie tüchtiger Vorsitzender seiner 
Loge er auch sein möchte, die Eigenschaften zur Vertretung 
seiner Loge bei den Versammlungen der Grossloge besitze. 
Es kam deshalb darauf an, die Berechtigungen der Mai- 
Versammlungen zu erweitem und den Tochterlogen eine 
Auswahl unter ihren Brüdern zu ihrer Vertretung zu 
verschaffen. Auf diesen Erwägungen beruhten nachfolgende 
Beschlüsse der Grossloge: 

1. Gesetze und Gesetzes-Aenderungen werden aus- 
schliesslich in den Mai -Versammlungen beschlossen. 

2. Nur ausnahmsweise für dringende Fälle ist die 
Grossloge befugt, ausserhalb der Mai-Versammlungen 
vorläufige Gesetze zu beschliessen. 

3. Zu den Mai-Versammlungen hat jede Tochterloge 
einen Abgeordneten zu senden, der gleiches Stimm- 
recht mit den Mitgliedern der Grossloge hat. 



— 275 — 

4. Der Abgeordnete ist an die Anweisung seiner Loge 1878 
formell nicht gebunden. 

5. Wahirähig zum Abgeordneten sind nur solche Mit- 
glieder der Loge, die durch das Vertrauen ihrer 
Brr. schon einmal zu einem der Hauptlogen -Aemter 
berufen waren, auch längere Zeit Mitglied ihrer 
Loge gewesen sind. 

6. Den Vorsitzenden Meistern der Tochterlogen steht 
gleich den anderen Ehrenmitgliedern der Grossloge 
keine entscheidende Stimme bei den Beratungen der 
Grossloge zu. 

7. Nach Ablauf von 10 Jahren soll eine vollständige 
Durchsicht der Grundverfassung seitens der Grossloge 
vorgenommen werden. 

Neben dem hiernach den Abgeordneten der Tochterlogen 
verliehenen vollen Stimmrecht in den Mai-Versammlungen 
konnte das allerdings nur beschränkte Stimmrecht der Vor- 
sitzenden Meister der Tochterlogen nicht ferner beibehalten 
werden. Es wurde daher nach lebhafter Erörterung auf- 
gehoben. 

In Bezug auf die sog. Judenfrage einigte man sich zwar 
in der Versammlung von 1873 schliesslich dahin, es bei der 
Bestimmung des § 165, 1. der Bundesstatuten, nach welcher 
zur Aufnahme in den Freimaurerbund das Bekenntniss des 
christlichen Glaubens von dem Suchenden gefordert wird, 
zu belassen, um aber der Auffassung derjenigen Vertreter 
der Tochterlogen bezw. Mitglieder der Grossloge — und 
deren Zahl war keine geringe — , die die Aufnahme von 
Nicht- Christen in den Bund für zulässig und notwendig 
erachten, Rechnung zu tragen, beschloss man am 19. April: 
über diese Frage die Ansicht der Johannismeister 
sämmtlicher Tochterlogen einzuholen und das so 
gewonnene Ergebniss in der nächsten Mai- 
Versammlung zur Beschlussnahme vorzulegen. 
Mit dem Johannistag 1873 traten ausser der Grund- 
verfassung und den Rundesstatuten auch die Berliner Orts- 
statuten in Wirksamkeit. 

18* 



— 276 — 

1873 Zorn lebhaften Bedauern sämmtlicher Brr. des Bandes 

legte der bisherige National- Grossmeister Br. v. Messer- 
schmidt, der dieses Amt 25 Jahre hindurch mit 
unermüdlichem Eifer, unwandelbarer Treue und hingebender 
Bruderliebe zum Segen des Bundes verwaltet und noch die 
letzte dreitägige Mai-Versammlung mit sicherer, nicht lässig 
werdender Hand geleitet hatte, den ersten Hammer nieder, 
dessen Last ihm bei seinem vorgerückten Alter allgemach 
zu schwer zu werden begann. An seine Stelle wurde der 
Br. V. Etzel zum National-Grossmeister gewählt. Dem Br. 
V. Messerschmidt aber ward in dankbarer Anerkennung 
seiner hohen maurerischen Verdienste die Würde eines Ehren- 
National-Grossmeisters verliehen. Der fernere Dank der 
Brr. des Bundes aber wurde ihm am Johannistag dargebracht, 
an dessen Festarbeit sich die Vertreter der Schwester-Gross- 
logen zahlreich beteiligten. Dieser Dank bestand in der 
Darreichung einer Ehrengabe von 3000 Thlm. in Gold, die 
dem Jubilar behufs Vermehrung der bereits früher unter 
seinem Namen errichteten Stiftung zu wohlthätigen Zwecken 
zur Verfügung gestellt wurde. 

Auch vom Kaiser und König sowie vom Kronprinzen 
und vom Prinzen Friedrich der Niederlande als Protektor der 
niederländischen Grossloge , waren Glückwunschschreiben 
eingegangen. Das Handschreiben unseres Protektors lautet: 

„Schloss Babelsberg, den 23. Juni 1873. 

In Erfahrung bringend, dass Sie morgen mit dem Johannis- 
fest gleichzeitig Ihr 25 jähriges Jubiläum der Hammerführung 
in der National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln begehen, 
ergreife Ich mit Freuden diese Veranlassung, um Ihnen Meine 
ganze Teilnahme und meinen Glückwunsch zu einem so 
solennen Feste hiermit auszusprechen. Der lange Zeitraum, 
seitdem Sie gedachtes Amt bekleiden, ist der höchste Beweis 
und der höchste Lohn des Vertrauens der Brüder, den Sie 
in dem Amte erhalten. 

Ich selbst habe Mich ja oft von der Richtigkeit dieses 
Vertrauens überzeugen können, indem Ich Sie immer beflissen 



— 277 — 

gesehen habe, die Reinheit unserer Lehre aufrecht zu erhalten 1878 
und frei von den Schlacken, die in anderen Ländern unserm 
Orden Unheil bereiten. 

Mögen Sie noch lange zum Wohle des Ordens in 
demselben thätig sein und bei denen, die Mir dereinst folgen, 
dieselbe Anerkennung finden, die Ich mit wahrer Genugthuung 
Ihnen hiermit ausspreche. (g^^.) Wilhelm. 

Protektor.** 

Das Fest selbst, in dessen Verlauf der würdige Nestor 
des Bundes selbst den ersten Hammer wieder ergriff, um 
ihn seinem Nachfolger im Amt, Br. v. Etzel, durch dessen 
Vater er vor 25 Jahren eingesetzt war, zu überreichen, ward 
von der weihevollen Stimmung aller Brüder getragen. 

Auch der bisherige zugeordnete National -Grossmeister 
Br. Bomemann schied, weil er kurz nach dem Johannisfest 
seinen Wohnsitz von Berlin verlegte, aus diesem seinem Amt 
sowie aus dem Bundes -Direktorium aus. An seiner Stelle 
wurde in der Vierteljahrs -Versammlung vom 11. September 
zum zugeordneten National -Grossmeister der Verwaltungs- 
Direktor des grossen Waisenhauses, Br. Zschiesche, zum 
Mitglied des Bundes-Direktoriums der Direktor der Dorotheen- 
städtischen Realschule, Dr. der Philosophie, Br. Kleiber, 
erwählt. 

In dem am 8. Juni im Orient Bayreuth abgehaltenen 
deutschen Grosslogentag wurde die Geschäfts- 
Ordnung für diesen beraten und endgültig festgestellt und 
damit die Errichtung dieses Bündnisses der deutschen 
Grosslogen vollzogen. (Mitteilungen Jahrgang IV. S. 242. 
V. S. 53.) 

Der neu errichteten Tochterloge „Barnim zur goldenen 1874 
Aue** zu Gollnow in Pommern wurde am 13. Februar 1874 
durch Einbringung des Lichtes die maurerische Weihe 
erteilt. 

In Folge des Beschlusses in der Sitzung am 19. April 1873 
waren sämmtliche Tochterlogen durch Rundschreiben des 



— 278 — 

1874 Bandes -Direktoriums vom 24. April 1873 aufgeforderi: 
worden, über die Frage: 

ob auch Nicht-Christen als Mitglieder des Bundes zu- 
zulassen seien (§ 165 Abs. 1 der Bundesstatuten), 
in besonderen Meisterberatungen abstimmen zu lassen und 
das Ergebniss der Abstimmung, aus dem zugleich zu ersehen 
sei, wie viele Meister diese Frage bejaht und wie viele sie 
verneint hätten, schleunigst einzusenden. 

Aus den eingegangenen Berichten ergab sich Folgendes : 
Von den 110 Logen unseres Bundes mit 7575 Brm. 
Meistern hatten 65 Logen für die Streichung des § 165, 1. 
(also für die Bejahung der Frage) und 43 gegen die 
Streichung gestimmt, während zwei Logen mit Stimmen- 
gleichheit für und gegen die Streichung sich erklärten. Bei 
der Abstimmung, an der nur 2787 Brr. Meister, also nur 
der dritte Teil der Stimmberechtigten sich beteiligten, 
erklärte sich eine Mehrheit von sieben Stimmen gegen 
die Streichung. 

Bei dieser Sachlage und im Hinblick darauf, dass gerade 
die grössten Logen in den Provinzen Pommern, Branden- 
burg, Schlesien und Sachsen mit überwiegender Mehrheit 
der gegenwärtig gewesenen Meister gegen die Streichung sich 
ausgesprochen, erachtete der Gesetz -Prüfungs-Ausschuss 
die Angelegenheit noch nicht für spruchreif und beantragte: 
die Beschlussfassimg über die Bestimmung in Abs. 1 
§ 165 der Bundesstatuten einstweilen auszusetzen, bezw. 
eine der nächsten Gesetzgebungs- Versammlungen nach 
der diesjährigen zur endgültigen Entscheidung darüber 
festzusetzen. (Mitteilungen Jahrgang V. S. 98 ff.) 

Auf Grund dieses Antrags wurden die gesetzlichen Ver- 
treter der Tochterlogen und die Mitglieder der Grossloge auf 
den 21. Mai zu einer Gesetzgebungs -Versammlung berufen, 
in welcher lediglich die vorgedachte Frage entschieden 
werden sollte. 

In dieser Sitzung waren 47 ordentliche Mitglieder der 
Grossloge anwesend und 28 Tochterlogen durch bevoll- 
mächtigte Brüder vertreten. Nach eingehender und lebhafter 



— 279 — 

Erörterung wurde zunächst der Antrag des Gesetz-Prüfungs- 1874 
Aasschusses abgelehnt, wonach die Entscheidung vertagt 
werden sollte, dann aber unter namentlicher Abstimmung 
mit 45 gegen 30 Stimmen die Frage, ob der § 165 Abs. 1 
der Bundesstatuten zu streichen sei, verneint, also 

die Beibehaltung des § 165 Abs. 1 der Bundes- 
statuten beschlossen. (Mitteilungen Jahrgang V. S. 137.) — 

Auf dem am 24. Mai in dem Ordenshause der Grossen 
Loge von Preussen, gen. Royal York zur Freundschaft, zu 
Berlin abgehaltenen deutschen Grosslogentag kamen ebenfalls 
mehrere wichtige Angelegenheiten zur Beratung und Beschluss- 
fassung. 

1. In Betreff des Sprengelrechtes wurde beschlossen: 
„Der Grosslogenbund betrachtet das sogenannte 
Sprengelrecht, welches von vielen Grosslogen be- 
ansprucht wird, nicht als ein Recht, welches aus den 
sittlichen und humanen Grundprinzipien der Maurerei 
oder aus ursprünglichen Gesetzen des Bundes abzuleiten 
ist, sondern lediglich als eine Einrichtung, welche teils 
auf dem Grunde nationaler Zusammengehörigkeit, teils 
auf Gründen der Zweckmässigkeit beruht, und erachtet 
eine Verständigung über Anwendung und Ausdehnung 
dieser Einrichtung für möglich und wünschenswert". 

„Die deutschen Grosslogen betrachten das ganze 
deutsche Reichsgebiet als gemeinsam, und erkennen 
gegenseitig an, dass jede derselben in jedem deutschen 
Lande Logen gründen und leiten kann^. 

2. In Betreff der Verbindung der sog. Odd fellows (sonder- 
baren Brüder): 

„Da die Odd fellows von der Staatsregierung nicht 
als geheime Gesellschaft angesehen werden, auch soviel 
bekannt, nur humane Zwecke verfolgen, so haben die 
Logen sich bis auf Weiteres nicht feindlich gegen 
dieselben zu verhalten und keinen Suchenden, der 
ihnen angehört, aus diesem Grunde abzuweisen. 



— 280 — 

1874 Ebensowenig ist einem Brnder der Zatritt zu ihnen 

zu untersagen. Verbindungen mit denselben seitens 
der Logen finden aber keinesfalls statt ^. 

3. In Betreff des Verhaltens der Logen gegen einander 
bei der Anmeldung von Suchenden : 

„Jede deutsche Johannisloge hat die Verpflichtung, 
über einen nicht in ihrem Orient wohnenden Suchenden 
bei der Loge seines Wohnorts, bzw. bei der demselben 
zunächst gelegenen Loge, vor seiner Aufnahme Er- 
kundigungen einzuziehen*'. 

4. In Betreff der äusseren Werkthätigkeit der Logen über- 
haupt und der Brr. Freimaurer im Besonderen wurden 
nachstehende Grundsätze als maassgebend anerkannt: 

a) Die innere Arbeit der Logen an der Veredlung 
und sittlichen Vervollkommnung ihrer Mitglieder ist 
und bleibt die Hauptsache der Maarerei. 

b) Die Logen sind nicht berufen, als Logen sich an 
den politischen und kirchlichen Parteikämpfen 
handelnd zu beteiligen. 

Sie sollen als neutrale Friedenstempel Brüder, 
die verschiedenen poUtischen und Religionsbekennt- 
nissen zugethan sind, menschlich einigen, wenn sie 
die maurerischen Ideen und Grundsätze anerkennen. 

c) Dagegen sind die Logen berufen, ihre Beziehungen 
zu den ethischen Lebenskreisen und Kulturbestrebungen 
in den Brm. zum klaren Bewusstsein zu bringen. 
Die Freimaurer sind verpflichtet, die Grundsätze 
der Freimaurerei im Leben zu bethätigen und die 
sittlichen Grundlagen der Gesellschaft da, wo sie 
angegriffen werden, zu verteidigen. 

d) Der deutsche Grosslogenbnnd wird dafür sorgen, dass 
sämmtlichen deutschen Logen alljährlich zeitgemässe 
maurerische Fragen vorgelegt werden. 

e) Die Logen fördern durch ihre Anregung und die 
Thätigkeit der Brüder die Stiftung wohlthätiger 
und humaner Anstalten und üben bei jeder Gelegenheit 
nach Kräften die Werke hülfreicher Menschenliebe aus. 



— 281 — 

5. Wurde für nachstehend genannte Grosslogen die An- 1874 
erkennang ausgesprochen : 

a) für die Grosse Loge von Griechenland zu Athen, 

b) für die Grosse Loge Neo-Grenadino in Columbia, 

c) für den Gross -Orient von Belgien zu Brüssel, 
wogegen die Anerkennung der Grossen Loge Prince Hall 
in Boston (sog. farbige Loge) bis zu weiterer Kenntniss 
über deren Verhältnisse ausgesetzt wurde. (Mitteilungen 
Jahrgang VI. S. 12 f.) — 

Am 4. Oktober wurde die Jahrhundertfeier der berliner 
Tochterloge „zu den drei Seraphim" in Gegenwart der Gross- 
meister der drei berliner Grosslogen festlich begangen 
(s. Beschreibung in den Mitteilungen Jahrgang VI. S. 88). 

Kurz vorher, am 11. September war nach mehrjährigem 
Leiden der Br. Heydemann, Mitglied des Bundes-Direktoriums 
und Ehrenmeister der Johannisloge „zum flammenden Stern'', 
gestorben. Die Trauerloge zu seinem Gedächtniss fand am 
16. Oktober statt. (S. Mitteilungen Jahrgang VI. S. 49 f.) 

In der Vierteljahrs-Versammlung der Mutterloge vom 
3. Dezember wurde der Rechtsanwalt beim Königl. Obertribunal, 
Justizrat Gustav Theodor Wolff, Meister v. St. der Loge 
„zur Eintracht", an die Stelle des Brs. Heydemann zum 
Mitglied des Bundes-Direktoriums gewählt. 

In dieser Sitzung genehmigte die Grossloge die am 
24. Mai desselben Jahres gefassten Beschlüsse des deutschen 
Grosslogentages. (S. Mitteilungen Jahrgang VI. S. 67.) 



Achter Zeitraum. 

Von 1875 bis 1889. 



Die Weiterentwicklung der Grundverfassung und der 

Statuten bis 1889. 

1875 JJie Grund Verfassung von 1873 hatte den Tochterlogen 

eine bestimmte Teilnahme an der Gesetzgebung im Verein 
mit dem Bundes- Direktorium und der Grossloge gesichert, 
wievrohl das Becht der Vorsitzenden und zugeordneten Meister 
bei ihrer Anwesenheit in Berlin auf Sitz und Stimme in 
der Grossloge hatte aufgegeben vrerden müssen. Es war 
damit der Weg besonnener Entwicklung in unserem Band 
betreten. Allein es stellte sich alsbald heraus, namentlich 
durch die Abstimmung in der Judenfrage im Jahr 1875, 
dass den Tochterlogen nach ihrer Meinung ihr berechtigtes 
Verlangen nach einer entscheidenden Stimme in der Gesetz- 
gebung nicht erfüllt war. Daraus erwuchs ihr Bestreben 
auf gesetzgeberischem Weg die Macht der Grossloge zu 
brechen, eine günstigere Verteilung der Stimmen in der 
gesetzgebenden Versammlung zwischen den Mitgliedern der 
Grossloge und den Abgeordneten der Tochterlogen herzustellen 
und den letzteren die Teilnahme an der Versammlung zu 
erleichtem. Diese Bestrebungen erfüllten die nächsten Jahre 
mit Verfassungskämpfen. 

Für die gesetzgebende Versammlung des Jahres 1875 
waren folgende Anträge von den Tochterlogen gestellt 
(Mitteilungen VI, S. 98 ff.): 
1. Antrag der Loge zu Minden auf Streichung des § 165, 1 

derBundes-Statuten, um auch Nicht-Christen die Aufnahme 

in unseren Bund zu gestatten. 



— 283 — 

2. Antrag der Loge „Friedrich zum goldenen Zepter" im 1876 
Orient Breslau auf Abänderung der Art. 60, 63 (erster 
Absatz) und Art. 65 der Grund-Verfassung. Der Inhalt 
war im wesentlichen folgender: 

a) Die Grossloge als solche soll von der Teilnahme 
an der Gesetzgebung ausgeschlossen werden. 

b) In der Gesetzgebungs-Yersammlung sollen nur stimm- 
berechtigt sein: 

a. die Mitglieder des Bundes-Direktoriums ein- 
schliesslich des Grossarchivars; 
ß. die Abgeordneten der Tochterlogen und zwar mit 
je einer Stimme, wenn die Loge bis 124 ordentliche 
Mitglieder zählt, mit je zwei Stimmen bei einer 
Mitgliederzahl von 125 bis 224, mit je drei Stimmen 
bei 225 bis 324 Mitgliedern, und so fort mit einer 
Stimme mehr für je 100 ordentliche Mitglieder, 
c. Jede Tochterloge soll zur Absendung eines Ab- 
geordneten aus ihrer Mitte verpflichtet sein; falls 
sie aber daran verhindert ist, hört ihre Verpflichtung 
auf; sie soll dann nur berechtigt sein, ihre Stimme 
oder Stimmen auf den Abgeordneten einer anderen 
Loge zu übertragen. (Mitteil. Jahrg. VI, S 99.) 
In der Sitzung der Grossloge vom 11. März (Mitt. 
VI, S. 121 S.) kamen diese Anträge zur Beschlussfassung. 
Der Gesetzprüf ungs-Ausschuss hatte den Mindener Antrag 
auf Streichung des Absatz 1 § 165 zur Annahme empfohlen 
(S. 104 ff.). Aber die Grossloge lehnte den Antrag des 
AuHbchusses mit 24 gegen 12 Stimmen ab. — Hinsichtlich 
des Breslauer Antrages wurde vom Ausschuss die Ab- 
lehnung beantragt, dagegen vorgeschlagen (S. 111 ff.), von 
der Teilnahme besonderer Abgeordneten der berliner 
Tochterlogen an den Gesetzgebungs-Versammlungen abzusehen 
und darnach im Art. 63 der Grund -Verfassung, und zwar 
im 1. Satz, an Stelle der Worte „die Abgeordneten der 
Tochterlogen '^ zu setzen: 

„Die Abgeordneten der ausserhalb Berlins arbeitenden 
Tochterlogen**, 



— 284 — 

1875 auch in Debereinstimmung hiermit die ersten Worte des 
Art. 65 so zn fassen: 

„Jede ausserhalb Berlins arbeitende Johannisloge^. 

Dieser Antrag wurde von der Grossloge angenommen. 
(S. Mitteilungen 2. Heft 1874, und 3. Heft 1875 S. 123—127.) 

In derselben Sitzung wurde dem lebhaften Wunsch des 
Gross-Orient von Belgien, mit .den deutschen Grosslogen 
wieder in ein geregeltes Verhältniss zu treten, durch gegen- 
seitige Ernennung von Vertretern entsprochen. 

In der Sitzung der Grossloge vom 22. April wurde der 
bisherige National -Grossmeister Br. von Etzel aufs Neue, 
und an Stelle des jede Wahl ablehnenden zugeordn. Gross- 
meisters Br. Zschiesche für diese Würde der Br. Kleiber 
gewählt. — 

Die Gesetzgebungs- Versammlung war vom Bundes- 
Direktorium zum 13. Mai einberufen. An ihr nahmen 51 
ordentliche Mitglieder und 58 Abgeordnete der Tochterlogen 
Teil. Es lag nach Ablehnung der Hauptanträge durch die 
Grossloge nur der Sonder- Antrag des Gesetzprüfungs- Aus- 
schusses vor. Da aber auf Grund des Art. 76 der Grund- 
Verfassung die Anträge aus dem Schooss der Versammlung 
wieder aufgenommen wurden, ausserdem von einem Mitglied 
der Grossloge ein Antrag auf Vertagung des Mindener An- 
trages eingegangen war, wurden die abgelehnten Anträge doch 
Gegenstand der Erörterung. Sie wurden von der Versammlung 
gleichfalls abgelehnt; ebenso der erwähnte Sonder- Antrag 
des Ausschusses, während der Antrag auf Vertagung des 
Mindener Antrages zurQckgezogen wurde. Mit Bücksicht 
auf die Entscheidung über den Mindener Antrag, die in 
namentlicher Abstimmung mit Ja (64 Brr.) und mit Nein 
(45 Brr.) erfolgt war, also keine % Mehrheit erlangte, teilte 
der Vorsitzende mit, dass das Bundes- Direktorium nach 
ernster Prüfung der Frage sich mit 6 gegen 1 Stimme (Graf 
von Wartensleben) für Zulassung der Juden schlüssig 
gemacht und eine Denkschrift ausgearbeitet habe, damit die 
Brr. sich überzeugen könnten, dass keine Gefahr für den 



— 286 — 

Band vorhanden sei. Die Denkschrift ward aaf den Wunsch 1875 
der Versapmlung sofort verlesen. 

In der Denkschrift wird zunächst erklärt, dass das 
Bundes -Direktorium, falls die gesetzgebende Versanunlung 
die Streichung des Absatz 1 § 165 beschliessen sollte, den 
Beschluss bestätigen würde. Weiter wird ausgeführt, dass 
nunmehr, nachdem man im Jahr 1868 die Juden als ständig 
besuchende Brüder zugelassen habe, auch ihre Aufnahme- 
fähigkeit zugestanden werden müsse, schon um allerlei Ver- 
wicklungen mit anderen Logen zu vermeiden, da nur noch die 
Logen schwedischen Systems die Aufnahme von Nicht-Christen 
verweigerten. Die Aenderungen, die nach Streichung des 
Absatz 1 § 165 im Ritual u. s. w. zu erfolgen hätten, seien 
unerheblich. (Mitteil. 1875, 2. Heft, S. 133.) — 

Der Grosslogentag wurde am 16. Mai in Darmstadt 
abgehalten. (S. Mitteil. VI, S. 164.) 

Schon damals schlug unsere Grossloge ein einheitliches 
Verfahren der deutschen Grosslogen in Bezug auf Annahme 
in einem Antrag vor, der auf die Tagesordnung des nächsten 
Grosslogentages gesetzt werden sollte. 

rjm die Geschichte der Freimaurerei zu fördern, beschloss 
der Grosslogentag, die einzelnen Logen der deutschen 
Grosslogen auffordern zu lassen, Verzeichnisse von vorhandenen 
älteren Urkunden allgemeiner maurerischer Bedeutung an 
den geschäftsführenden Grossmeister einzusenden. 

In Bezug auf das Verhältniss der deutschen Grosslogen 
zu dem Gross-Orient von Frankreich wurde beschlossen, 
dessen Berichte wohl anzunehmen, aber eine Erwiderung 
durch Zusendung diesseitiger Niederschriften vorerst nicht 
stattfinden zu lassen. Man ging dabei von der Thatsache aus, 
dass der Gross -Orient von Frankreich noch nichts getban 
habe, um die beleidigenden unmaurerischen Erklärungen 
einzelner französischer Logen, die während des Krieges gegen 
die deutschen Freimaurer und ihre Protektoren ausgesprochen 
wurden, zu sühnen. 

Um indess einen Beweis maurerischer Versöhnlichkeit zu 
geben, wurde beschlossen, hinsichtlich des Besuchs und der 



— 286 — 

1876 Annahme zwischen französischen and anderen Brüdern, die 
in gerechten und vollkommenen Logen anfgenon^men sind, 
keinen Unterschied zu machen. 

Es erfolgte die Anerkennung folgender Grosslogen: 

1. der Grosslogen von Brasilien, Yalle do Lavradio 
and de los Benedictinos, 

2. der Grossloge von Santo Domingo. 

In Betreff der beiden Neger- Grosslogen Prince Hall 
und Ohio war die Zweckmässigkeit der Anerkennung beider 
Logen Gegenstand einer lebhaften Erörterung, die zuletzt zu 
einem Vermittelungs- Antrag führte, der nicht gerade die 
Anerkennung aussprach, aber die Erklärung enthielt, dass 
in Beziehung auf die Anträge der beiden Grosslogen Prince 
Hall und Ohio der Grosslogentag beide Grosslogen als 
gesetzmässig errichtet ansehe, und dass die deutschen Logen 
unbedenklich den Mitgliedern beider Grosslogen und deren 
Tochterlogen ihre Hallen öffnen würden. 

Dieser Vermittlungsantrag war von Hamburg gestellt 
worden. Der Grossloge von Hamburg lag besonders daran, 
die Anerkennung der farbigen Loge durchzusetzen, um damit 
einen Schlag gegen das von den amerikanischen Grosslogen 
einseitig geltend gemachte Sprengelrecht zu führen. 

Die Grosslogen der Vereinigten Staaten hatten nämlich 
einen Bechtsgrundsatz aufgestellt, nach welchem sie in ihrem 
Sprengel die Gründung von Logen unter einer anderen 
Hoheit als unter der ihrigen verbieten. (Jurisdiction-right.) 
Dieses Recht hat zwischen sämmtlichen nordamerikanischen 
Logen bindende Kraft und Geltung durch freie Vereinbarung 
bekommen. In jedem Staat der Union kann nur je eine Gross- 
loge rechtlich bestehen, die selbständig und unabhängig in ihrem 
Hoheitsbezirk ist und innerhalb ihres geschlossenen Gebietes 
allein das Recht der Errichtung von Logen besitzt. Von 
diesem Rechtsstandpunkt aus erkannten die amerikanischen 
Grosslogen die ursprünglich von der Negerloge Prince Hall 
zu Boston gegründeten Logen und Grosslogen nicht an. 
Mit diesem Recht, das die Grossloge von Nordamerika 
geltend machte, war natürlich die Gründung aller Logen 



— 287 — 

eines fremden Landes ausgeschlossen. Nun hatte aber die 1876 
Hamburger Grossloge (seit 1844?) Logen in der Stadt 
Ncw-York und in Brooklyn gegründet, und damit war 
der Streit zwischen der Grossloge von Hamburg und der 
von New-York begonnen, die jene Logen als Winkellogen 
erklärte. Hamburg bestritt das Sprengelrecht als dem 
Wesen der Freimaurerei widersprechend und trat ganz 
folgerecht für die Anerkennung der Negerlogen auf dem 
Grosslogentag ein. — 

In diesem Jahr trat der Br. Graf von Wartensleben 
aus dem Bundes-Direktorium aus. Er begründete in der 
Sitzung vom 2. Dezember (s. Mitt. VH, S. 47) seinen 
Austritt mit der Pflicht, die ein Siebzigjähriger hätte, der 
sich über 10 Jahre mit unermüdlichem Eifer den schweren 
Aufgaben seines Arotes gewidmet, nunmehr jüngeren Kräften 
zum Besten des Ganzen Platz zu machen. 

Ins Bundes -Direktorium wurde in derselben Sitzung 
Br. Marot, Geheimer Ober-Finanzrat und vortragender 
Rat im Finanz-Ministerium, gewählt. 

Nach einer lebhaften Erörterung in der Sitzang hin- 
sichtlich eines Antrags, dem Verein für Verbreitung von 
Volksbildung weitere Mittel zu gewähren, wurde beschlossen, 
durch Zahlung eines Beitrages von 300 Mk. der Grossloge 
die ständige Mitgliedschaft zu erwerben. 

Am 18. November fand die Einweihung der neu er- 
richteten Johannisloge „Esiko zum aufgehenden Licht ^ in 
Dessau statt. 

Bei der Anwesenheit des Kaisers, unseres Protektors, 
in Mailand im Oktober, richtete an ihn der Gross-Orient 
von Italien eine ehrfurchtsvolle, herzliche Adresse. 

Während der Anwesenheit des Kaisers und des Kron- 
prinzen in Breslau (September) empfing der Kronprinz die 
Ivogenmeister der Logen ,,Horus*^ und „Friedrich zum goldenen 
Zepter*^ Der Kronprinz sprach über die Niederlegung seines 
Amtes als Ordensmeister der Grossen Landesloge; es habe 
sein Amt, das er gegen seine ursprüngliche Erwartung 
10 Jahre bekleidet hätte, den Schein erwecken können, als 



— 288 — 

1876 ob er ein System begünstige. Es käme vor Allem darauf 
an, in das geschichtliche Dunkel der Freimaurerei Licht zu 
bringen, wofür er durch Wort und Schrift zu wirken 
gesucht habe, und er forderte insbesondere die Logenmeister 
zu geschichtlichen Forschungen auf. Er schloss mit den 
Worten: „Die Verschiedenheit der Formen schliesst das 
gemeinsame Ziel nicht aus, denn im Grossen und Ganzen 
betrachte ich eben die Freimaurerei als das Edelste und 
Erhabenste neben der Religion". 

1876 Das Jahr 1876 war für unsern Bund ein sehr bewegtes 

und ereignissreiches. 

Am 29. Januar starb nach längerer schwerer Krankheit 
der Ehrengrossmeister von Messerschmidt; es fand am 
16. Februar eine besondere Trauerfeierlichkeit statt. An 
seine Stelle wurde am 4. Mai Br. Albrecht, praktischer 
Arzt und Professor an der Universität in das Bundes- 
direktorium gewählt. 

Am 2. März feierte die Johannisloge „zum aufrichtigen 
Herzen" zu Frankfurt a. 0., und am 10. April die Johannis- 
loge „Julius zu den drei empfindsamen Herzen" zu An kl am 
ihr lOOjähriges Stiftungsfest. — 

Zur Beratung und Beschlussfassung lag wiederum 
eine Reihe von Anträgen vor, die sich fast alle auf Ver- 
fassungsänderungen bezogen. Bereits unterm 8. März hatte 
das Bundes-Direktorium ein Rundschreiben erlassen, betreifend 
die diesjährige Gesetzgebungs- Versammlung. Das Bundes- 
Direktorium macht darauf aufmerksam, dass es Stellung zu 
der Streichung des § 165 Absatz 1 genommen habe, wozu der 
Antrag wieder in diesem Jahr gestellt worden sei. Im Fall der 
Annahme des Antrages sei eine Aenderung des § 1 der Statuten 
erforderlich, die in folgender Fassung vorgeschlagen wird: 
„Der Freimaurerbund ist eine Verbindung, deren 
Zweck darauf gerichtet ist, durch die ihr eigenthümliche 
Lehr- und Uebungsweise Religiosität, Sittlichkeit und 
Humanität zu befördern und Weisheit des Lebens zu lehren 
und zu üben. Indem sie von ihren Mitgliedern den 



— 289 — 

Glauben an Gott, an eine sittliche Weltordnong und an 1876 
die Unsterblichkeit voraussetzt, verlangt sie von ihnen 
die Bethätigung des höchsten Sittengesetzes: Liebe Gott 
über Alles und deinen Nächsten als dich selbst*'. 
(Mitteil. Jahrg. 7, Heft 2, S. 77 und 139.) 

Aus dem Rundschreiben geht hervor, dass das Bundes- 
Direktorium in seiner Mehrheit irgend welche nachteilige 
Folgen durch Aufnahme von Nicht-Christen nicht erwartet. 
Auch das Ritual könne unverändert bleiben, denn die 
Johannisgrade seien in ihrer Reinheit bewahrt worden. Es 
sollten daher auch nur solche Aenderungen in den Statuten, 
Ritualen und dem Fragebogen gemacht werden, die sprachlich 
notwendig oder durch die Fassung des zu beschliessenden 
Gesetzes bedingt seien. 

Es hing nun mit der Frage noch eine andere zusammen, 
die nämlich, wie sich zu der Aufnahme und Beförderung 
von Juden die höheren Stufen stellen würden; ob man bei 
dem in ihnen betonten christlichen Element auch Juden 
aufnehmen könne. 

Das Bundes -Direktorium äusserte sich hierüber etwas 
ausweichend, insofern diese Frage nicht vor die Johannis- 
logen, also auch nicht vor die Mai- Versammlung gehöre. 
Die sogenannten höheren Grade seien als geschichtliche 
Grade, also als Erkenntnissstufen anzusehen, die den Inhabern 
weder einen Einfluss auf die Leitung der Loge noch auf 
die Gesetzgebung gestatteten. Die Johannisgrade seien die 
notwendigen Grundlagen der Freimaurerei, auf welche die 
höheren Stufen keinen ändernden Einfluss haben könnten. 
Mit dieser Erklärung war zugleich eine Denkschrift 
vom Bundes - Direktorium ausgearbeitet worden, in der es 
Aufklärung giebt, wie die Bestimmung, dass der 
Suchende sich zum christlichen Glauben bekennen 
müsse, in die Statuten hineingekommen sei. 

Das Bundes-Direktorium weist an der Hand beglaubigter 
oder aus amtlichen Schriften entlehnter Nachrichten, die 
sich auf die Geschichte unserer Lehrart beziehen, im 
Wesentlichen Folgendes nach: In Bezug auf die Aufnahme- 

0««ch. d. Gr. Nat- Matter -Log«. 19 



— 290 — 

1876 bedingungen der am 9. November 1740 gestifteten Mutter- 
loge zu den drei Weltkugeln lautet die auf das religiöse 
Bekenntniss bezügliche Stelle wörtlich: 

Tout homme faisant profession d'ath^isme ou de 
libertinage ne pourra 6tre re9U sous quelque pr6texte 
que ce soit. 

Erst als durch französische Offiziere, welche nach der 
Schlacht bei Rossbach (1757) als Gefangene nach Berlin 
kamen, die französischen Hochgrade bekannt wurden, und 
die National -Matterloge unter dem Meister vom Stuhl, 
Eammergerichtsrat Krüger, 1766 zu dem System der strikten 
Observanz überging, ward das christliche Bekenntniss zur 
Bedingung der Aufnahme in den „Orden^, wie man damals 
sagte, gemacht. Dieser Bruder nämlich hatte aus eigener 
Machtvollkommenheit das Ritual der ersten 4 Grade verändert, 
und in der Haupteinleitung zu ihm hiess es: „Nur ein 
Christ kann in unseren ehrwürdigen Orden aufgenommen 
werden, keineswegs aber Juden, Muhamedaner, Heiden^. 
(S. S. 54.) 

So sei die Bestimmung, dass man sich zur christlichen 
Religion bekennen müsse, wenn man Freimaurer werden 
wolle, in unsere Bundesgesetze und später in unsere Statuten 
gekommen. — 

Die Anträge, die zunächst dem Gesetzprüfungs-Ausschuss 
zur Beratung vorlagen, waren folgende: 

1. Antrag des Bundes -Direktoriums auf Abänderung 
des § 53 der Bandesstatuten; die Aenderung bezweckte die 
Aufhebung der Censur für maurerische Schriften. 

2. Antrag des Bundes-Direktoriums auf Abänderung des 
§ 1 der Bundesstatuten im Fall der Streichung des Absatz 1 
des § 165. (Mitt. 1875, 7. Jahrg., 2. Heft, S. 77.) 

3. Antrag der Loge zu Insterburg auf Abänderung 
des Art. 65 der Grundverfassung. In ihm war einer jeden 
Loge das Recht zugesprochen, zur gesetzgebenden Versammlung 
einen Abgeordneten zu schicken unter Vergütung der Fahr- 
kosten, die durch eine Steuer von 25 Pfg. für jedes Mitglied 
der Loge aufzubringen waren. Aus dem Recht sollte nach 



— 291 — 

dem Antrag eine Pflicht werden, nnd der Beitrag sollte 1876 
aaf 50 Pfg. jährlich erhöht werden. Der Antrag wurde damit 
begründet, dass die Absendang von Abgeordneten f&r die 
Logen mit zn erheblichen Kosten verbunden sei. Davon 
sei die Folge gewesen, dass in den Gesetzgebungs-Versamm- 
lungen von 1873 und 1874 von 112 Tochterlogen nur 
29 Logen durch Abgeordnete vertreten gewesen seien. 
Die Pflicht für das Erscheinen von Abgeordneten wird 
aus der grossen Bedeutung der gesetzgebenden Versammlung 
fOr den ganzen Bund hergeleitet. 

4. Antrag der Loge von Goblenz auf .Abänderung der 
Art. 63, 65 der Grundverfassang. Damit war der Antrag wieder 
aufgenommen, den im vorigen Jahr der Gesetzprüfungs- 
Ausschuss gestellt hatte, um den Breslauer Anträgen (S. 283) 
darin entgegen zu kommen, dass die 5 berliner Tochter- 
logen, weil sie ohnehin in der Grossloge hinreichend vertreten 
waren, keinen Abgeordneten noch besonders senden sollten. 

5. Antrag der Loge „ Wittekind ^ zu Minden auf 
Streichung des Absatz 1 des § 165 der Statuten, wiederholt 
in Folge eines einstimmig gefassten Beschlusses der Meister- 
schaft. Dem Antrag hatten sich folgende Logen angeschlossen : 
Düsseldorf, Essen, Insterburg, Mülheim a. d. R 

Der Gesetzprüfungs-Ausschuss, der über die Judenfrage 
ausführliche Berichte abgefasst hatte, empfahl die Anträge 
1 und 2 zur Annahme, die übrigen zur Ablehnung. 

In der Sitzung der Grossloge vom 7. April kamen die 
Anträge zur Beratung und Beschlussfassung. Das Bundes- 
Direktorium zog den Antrag 2 zurück. Der Antrag 1 ward 
angenommen, 3 und 4 abgelehnt und der Antrag 5 mit 14 
gegen 13 Stimmen angenommen. 

Die sogenannte Judenfrage hatte die Brüder der Gross- 
loge in zwei Parteien getrennt, die sich schroff gegenüber- 
standen. Das Bundes -Direktorium war für Zulassung der 
Juden, und namentlich war es der Gro9smeister v. Etzel, 
der in dieser Frage seinen Standpunkt vielleicht etwas 
stärker, als es in seiner hohen Stellung geraten war, betonte. 
So bildete sich wider ihn bei der Gegenpartei eine gewisse 

19* 



— 292 — 

1876 Missstimmung, die besonders in der Sitzung vom 6. April 
zu Tage trat und in einigen Schritten, die diese Partei 
bei dem Bundes -Direktorium zu thun für passend hielt. 
Man beschwerte sich mündlich wie schriftlich über seine 
Art der Leitimg der Verhandlung. Darauf erwiderte er 
mit einer gewissen Bitterkeit in einem Schreiben vom 4. Mai, 
das der zugeordnete National- Grossmeister Br. Kleiber in 
der Sitzung vom 4. Mai vortrug. ^Mitt. 7. Jahrg. 1876, S. 179.) 

Bei der erwähnten Stimmung und bei der Parteiung, 
die sich von der Grossloge auf den Bund überhaupt und 
auf die gesetzgebende Yersammlimg übertrug, konnte es 
nicht fehlen, dass diese eine sehr erregte wurde. Sie trat 
am 20. Mai zusammen. 

Gleich beim Beginn der Beratung über die Reihenfolge 
der Verhandlung der Gegenstände ward von den Führern 
der Gegenpartei der Erlass einer Geschäftsordnung nach 
einem eingereichten Entwurf beantragt, in der Absicht, durch 
sie dem Leiter der Verhandlungen eine gewisse Schranke 
aufzuerlegen. Der Antrag fiel aber. Sodann wurde die 
Erörterung über die Auslegung der Art. 24, 26 der Grund- 
verfassung eröffnet, derzufolge nach der Ansicht der Gegner 
kein Mitglied des Bundes-Direktoriums zugleich Mitglied 
des Gesetzprüfungs- Ausschusses sein könne. Einen darauf 
bezüglichen Einspruch gegen das Bundes-Direktorium hatte 
der Br. Metzel an alle Logen gesandt, weil ein Mitglied 
des Gesetzprüfungs -Ausschusses in das Bundes-Direktorium 
gewählt war. Die Versammlung wies den Einspruch zurück 
und billigte das Verfahren des Bundes-Direktoriums. 

Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten, und 
zwar die Besprechung eröffnet über den Mindener Antrag 
(6) auf Streichung des Absatz 1 § 165. Nach den Vorträgen 
der beiden Berichterstatter drang man auf Abstimmung, um 
noch weitläufigen Aussprachen die Möglichkeit zu nehmen, da sie 
bei der entschiedenen Stimmung für und gegen Nichts genützt 
haben würden. Es kam zur Abstimmung: für den Antrag 
stimmten 88, gegen ihn 67. Da die % Mehrheit nicht erreicht 
war, war er gefallen. Damit war die Entscheidung erfolgt. 



— 293 — 

Es kam nun die Erörterang des Coblenzer Antrags (4). 1876 
Sie war eine sehr bewegte; es wurde geradezu aus- 
gesprochen, dass die auswärtigen Tochterlogen ihr Bestreben 
darauf richten müssten, die Macht der berliner Logen zu 
schwächen, die der Tochterlogen zu heben, da diese von Seiten 
der Mehrheit der Grossloge nicht das mindeste Entgegen- 
kommen fänden; es sei den auswärtigen Brüdern nicht zu- 
zumuten, weite Reisen zu machen und dann alle ihre Wünsche 
unerfüllt zu sehen. Der Antrag wurde abgelehnt. 

Der Insterburger Antrag (3) wurde durch die Annahme 
des Vorschlags des Bundes - Direktoriums, dahin lautend: 

„Den Abgeordneten, welche die Mai -Versammlungen 
besuchen, werden die Fahrkosten aus der Grosslogenkasse 
erstattet. Um diese nicht zu sehr zu belasten, zahlt jede 
Loge für ihre ordentlichen Mitglieder 28 Pfennige für den 
Kopf. Die Zahlung der Fahrkosten erfolgt gegen die von 
den Abgeordneten eingereichten Berechnungen^ 
als erledigt angesehen und abgelehnt. 

Der Antrag des Bundes-Direktoriums (1) auf Aenderung 
des § 53 der Statuten wurde angenommen. 

Beide Anträge wurden vom Bandes -Direktorium unterm 
28. Juni veröffentlicht. (Mitt. Jahrg. 7 1876, S 80, 231.) 

Bald nach der Mai -Versammlung, am 4. Juni, trat in 
unserem Logenhaus der Grosslogentag zusammen. Auch 
diese Versammlung war eine sehr erregte in Folge des auf 
dem letzten Grosslogentag zu Darmstadt gefassten 
Beschlusses wegen der Neger -Grosslogen Prince Hall in 
Massachusetts und zu Ohio. InBezugauf ihre Anerkennung 
war 1875 ein vermittelnder Antrag angenommen. Aber aus ihm 
entstanden neue Zwistigkeiten. Die Neger- Grosslogen froh- 
lockten über die ihnen gewordene Anerkennung. Die Grosslogen 
der Weissen in Amerika verhehlten ihren Unmut darüber nicht, 
und die Vermittler gerieten über die Auslegung des Beschlusses 
unter sich selbst in Streit. Die Hamburger Grossloge sah 
durch ihn die volle Anerkennung der Neger -Grosslogen und 
damit zugleich die Errichtung von gegenseitiger Vertretung 
ausgesprochen. Die übrigen deutschen Grosslogen neigten 



— 294 — 

1876 wohl zur Anerkennung, aber nicht als deren Folge zu einer 
näheren Beziehung zu den Neger-Grosslogen durch Vertretung. 
Diese könne erst stattfinden, wenn sie von den Weissen der- 
selben Gebiete erfolge, weil man einen Streit mit anerkannten 
amerikanischen Grosslogen nicht wünsche. Die Meinungs- 
verschiedenheit in der Sache fand zwischen den drei berliner 
und der hamburger Grossloge in einem Schriftwechsel in 
erregter Weise ihren Ausdruck und veranlasste eine lebhafte 
mündliche Erörterung zwischen den berUner und hamburger 
Abgeordneten auf dem Grosslogentag. Die friedliche Stimmung 
siegte endlich; es kam vor Allem darauf an, die amerikanischen 
Grosslogen der Weissen zu beruhigen. Dies versuchte Br. 
Bluntschli durch eine versöhnliche Erklärung, die folgender- 
massen lautete: 

1. Es ist nicht die Absicht des deutschen Grosslogen- 
tags, in die Logenverfassung der nord-amerikanischen 
Grosslogen irgendwie einzugreifen. Vielmehr erkennt 
er ihnen innerhalb des Gebietes der Vereinigten Staaten 
von Amerika dieselben Befugnisse zu, die er für 
das deutsche Reichsgebiet gemäss Beschluss vom 
24. Mai 1874 in Anspruch nimmt. 

2. Indem er auswärtigen Brüdern, welche einer Loge 
angehören, die nach seiner Ansicht nach maurerischen 
Grundsätzen arbeitet, den Besuch in den deutschen 
Logen gestattet, übt er lediglich sein Hausrecht aus 
und erkennt ganz dasselbe Recht den amerikanischen 
Grosslogen zu. — 

In Bezug auf ein gemeinsames Verfahren bei Gründung 
neuer Logen, wo schon eine oder mehrere Logen bestehen, 
wurde folgender Beschluss gefasst: 

„Die Grosslogen verpflichten sich, vor der Stiftung 
einer Johannisloge an solchen Orten, wo schon eine Tochter- 
loge anderer Grosslogen besi eht, mit der oder den betreffenden 
Grosslogen Rücksprache zu nehmen^. 
Derselbe Grosslogentag beschloss zu dem 60 jährigen 
Maurer -Jubiläum des Prinzen der Niederlande, der am 
27. Juli 1816 in unserem Tempel das maurerische Licht 



— 295 — 

erblickt hatte, ein Glückwunschschreiben za richten, das 1876 
von den zam Grosslogentag vereinigten Brüdern unterzeichnet 
¥nirde. Es wurde am 5. Juni abgesandt und von dem Jubilar 
auf's Herzlichste erwidert. 

Das Fest des 60 jährigen Maurer -Jubiläums des Prinzen 
Friedrich der Niederlande fand am 27. Juli im Haag statt. 
Die Grosse National -Mutter löge war dabei durch den zu- 
geordneten National- Grossmeister Br. Kleiber vertreten. 

Gleich nach Beendigung des Grosslogentags legte Br. 
V. Etzel den grossmeisterlichen Hammer nieder, deckte die 
Grossloge und schied ganz aus dem Bund „aus persönlichen 
Gründen^, wie es in dem Rundschreiben des Bundes- 
Direktoriums vom Jahr 1876 heisst. — 

Am 5. August fand die Feier des 100jährigen Stiftungs- 
festes des Loge „Memphis'^ in Memel und die Einbringung 
des Lichtes in den neu erbauten Tempel statt. 

Am 18. August wurde in der Loge „zur Verschwiegenheit'^ 
das 50 jährige Maurer-Jubiläum des Brs. Vater gefeiert. Der 
stellvertretende Protektor hatte seine Teilnahme an dieser 
Feier durch ein Schreiben an den Jubilar sowie durch ein 
zweites Schreiben an das Bundes -Direktorium bethätigt. 
(Mitt. Jahrg. Vll, S. 2.) 

In der Sitzung der Grossloge vom 21. September wurde 
an Stelle des Br. v. Etzel der Königl. Generalmajor z. D. 
Br. V. Lyncker gewählt. 

Am 5. Oktober wurde eine Trauerfeierlichkeit zu Ehren 
des gestorbenen Br. Wolff , Mitglied des Bundes-Direktoriums, 
abgehalten. 

In der ausserordentlichen Sitzung der Grossloge wurde 
Br. Z seh i esc he zum Nationalgro^smeister und Br. Schaper, 
Dr. phil. und Direktor des Joachimstharschen Gymnasiums, 
zum Mitglied des Bundes-Direktoriums an Stelle des Br. 
Wolff gewählt. 

Das Bestreben der Mehrheit der Grossloge, die Anzahl 
ihrer Stimmen zu erhöhen, fand seinen Ausdruck in der 
Sitzung vom 7. Dezember durch die Wahl zweier Mitglieder 
trotz des ausdrücklichen Widerspruchs von Seiten des 



— 296 — 

1876 Bandes-Direktoriums und trotz des Nachweises, dass dazu 
gar kein Bedürfniss vorliege. 

Am 10. Dezember feierte die Loge ,,Friedrich zum 
goldenen Zepter** zu Breslau ihr 100 jähriges Bestehen. 

1877 Am 9. Januar feierte die Loge „Maria zum goldenen 
Schwert" zu Köslin ihr lOOjähriges Bestehen. 

Auf Veranlassung des Besuches des Kronprinzen des 
deutschen Reichs und von Preussen in Hamburg erschienen 
am 20. April die Abgeordneten der Provinzialloge von 
Niedersachsen, die Brr. Wage und Th. Ho ff mann, sowie 
die Abgeordneten der Grossen Loge von Hamburg, die Brr. 
Glitza, Braband und C. H. Schaefer vor dem Kron- 
prinzen und begrüssten ihn in angemessener Weise. Er 
erwiderte darauf in ausführlicher Rede, in der er die wünschens- 
werte Gestaltung der Freimaurerei in offener und tief ein- 
gehender Weise besprach und dadurch zugleich seine grosse 
Teilnahme für diese bewies. (Mitt. 9. Jahrg. 1877, 1. Heft, 
S. 25.) - 

E^ war vorauszusehen, dass die Tochterlogen, trotz des 
Misslingens ihrer Bestrebungen, nach dem Grundsatz der 
Gleichberechtigung das Stimmrecht in den Gesetzgebungs- 
Versammlungen zu ordnen, um dadurch ihrer Absicht gemäss 
das Uebergewicht der Grossloge zu brechen und ihrer Ueber- 
stimmung durch diese vorzubeugen, darauf bezügliche Anträge 
und Abänderungsvorschläge wiederum einbringen würden. Und 
in derThat gingen von einer Anzahl rheinischer Logen (Düssel- 
dorf, Coblenz, Köln, Duisburg, Essen, Gladbach, Minden, Mül- 
heim a. d. Ruhr und dazu Ratibor) weitgreifende Anträge ein, 
aus denen mehr die Missstimmung gegen die bestehenden 
Verfassungsbestimmungen hervorging, als dass die Antrag- 
steller auf Annahme hätten rechnen können. Die Be- 
schränkung des Stimmrechts der Mitglieder der Grossloge 
sollte dadurch herbeigeführt werden, dass bei Anträgen, 
die von den Tochterlogen ausgingen, auser den 7 Mit- 
gliedern des Bundesdirektoriums nur 15 Mitglieder, je 3 von 
den 5 Tochterlogen, stimmberechtigt in der Gesetzgebungs- 



— 297 — 

Versammlang sein sollten. Um die Möglichkeit zu erleichtern, 1877 
Gtesetzvorschläge dorchzabringen , soll zar Beschlassfassung 
nicht die vorgeschriebene Zweidrittel -Mehrheit, sondern nur 
die einfache Mehrheit erforderlich sein. Dm aber übereilten 
Beschlüssen vorzubeugen, soll für den Fall, dass ein Gesetz- 
vorschlag nicht dreifünftel Mehrheit erreicht, die Genehmigung 
oder Nichtgenehmigung von Seiten des Bundesdirektoriums 
an eine Mehrheit von 4 Stimmen gebunden sein. 

Der Gesetzprüfungsausschuss beantragte die Ablehnung 
dieser Anträge „in der vorliegenden Form^. 

Die Anträge der Logen von Bernburg, Calbe und 
Dessau bezweckten eine vollständige Umgestaltung der 
Grossloge. Diese sollte fortan bestehen: 

1. aus den Mitgliedern des Direktoriums, 

2. aus den Vorsitzenden Meistern der Tochterlogen bezw. 
deren Stellvertretern oder aus eigens für einen 
bestimmten Fall gewählten Johannismeistem und 

3. aus den Grossbeamten und Gross -Bevollmächtigten 
sowie deren Stellvertretern, und zwar sollen diese aus 
den in Berlin wohnhaften Johannismeistem gewählt 
werden. Die Stimmen der Tochterlogen sollen sich 
nach deren Kopfzahl richten, so dass die Vertreter 
von Logen bis 100 ordentlichen Mitgliedern eine 
Stimme, und so fort auf jedes Hundert eine Stimme 
mehr haben sollen. 

Der Ausschuss beantragte, auch diese Anträge wegen 
unzureichender Formulirung und Unbestimmtheit abzulehnen. 

Von der Loge zu Königsberg war die Wählbarkeit aller 
Johannismeister zu Abgeordneten für die Gesetzgebungs- 
Versammlnng vorgeschlagen, während bisher nur Brüder 
wählbar waren, die das Amt des Meisters vom Stuhl, des 
zugeordneten Meisters, eines der beiden Aufseher oder des 
Redners bekleideten oder früher bekleidet hatten. 

Weniger bedeutend war der Vorschlag, denjenigen aus 
den Logenlisten zu streichen, der mit den Beiträgen ein Jahr 
im Rückstand geblieben war, während früher dafür 2 Jahre 
bestimmt waren. Der Gesetz prüf ungs -Ausschuss änderte den 



— 298 — 

1877 Königsberger ersten Antrag dahin ab: „zum Abgeordneten 
ist jedes ordentliche Mitglied einer Tochterloge wählbar, 
welches den Meistergrad mindestens drei Jahre besitzt", den er 
dann, ebenso wie den zweiten Antrag, zur Annahme empfahl. 

Es war vorauszusehen, dass die Grossloge, die in der 
Sitzung vom 15. März über die Anträge zu beschliessen hatte, 
sich im Wesentlichen den Vorschlägen des Gesetz prüf ungs- 
Ausschusses anschliessen würde; und so geschah es. Alle 
Anträge wurden abgelehnt, und nur der vom Ausschuss 
veränderte Königsberger Antrag wie der Antrag derselben 
Loge über das strengere Verfahren bei Streichung solcher 
Brüder, die ein Jahr mit ihren Beiträgen im Rückstand 
bleiben, wurde angenommen. 

Die Gesetzgebungs-Versammlung ward am 12. Mai 
abgehalten. Es beteiligten sich an ihr: 

Ordentliche Mitglieder der Grossloge 53 Brr. 

Abgeordnete 105 ^ 

Zusammen 158 Brr. 

Neben der amtlichen Niederschrift der Sitzung wurde 
ein stenographischer Bericht über die Verhandlungen abgefasst 
und in einer Beilage der Mitteilungen als Anhang für die 
Teilnehmer an dieser Versammlung gedruckt. 

Auf der Tagesordnung der Versammlung waren nur 
stehen geblieben die Anträge der Koni gsb er g er Loge, von 
denen der eine mit der Aenderung durch die Antragsteller in 
folgender Fassung durchging: 

jf Zum Abgeordneten ist jedes ordentliche Mitglied einer 
Tochterloge wählbar, welches das Amt des Meisters vom 
Stuhl, des zugeordneten Meisters, eines der beiden Aufseher 
oder des Redners zur Zeit bekleidet oder früher bekleidet 
hat, oder welches den Meistergrad drei Jahre besitzt". 

Der andere Antrag der Königsberger Loge in Bezug 
auf Aenderung der Worte „2 Jahre in 1 Jahr" im § 256, 
3 der Statuten ßel. 

Der einzige durchgegangene Antrag fand seine Bestätigung 
durch das Bundesdirektoriam. 

Enttäuscht gingen die Brr. auseinander. 



— 299 — 

Der Grosslogentag versammelte sich im Jahr 1877 1877 
am 20. Mai in Dresden. 

Aof ihm gelangten Anträge zur Beratmig und Beschluss- 
fassung, die das Verfahren bei Anmeldungen von Sachenden 
betrafen, die bei irgend einer anderen Loge abgewiesen 
worden waren. 

Man einigte sich zu folgenden Beschlüssen: 

§1. 

Hat ein Suchender seinen Wohnsitz an einem Ort, in 
welchem oder in dessen Nähe eine Loge sich befindet, so 
werden, wenn er bei einer Loge anderswo sich meldet, erst 
bei jener Erkundigungen eingezogen, für deren Beantwortung 
im Allgemeinen eine Frist von 6 Wochen angenommen wird. 

§ 2. 

Erfolgt in dieser Zeit keine Antwort, so wird ange- 
nommen, dass gegen den Vorgeschlagenen nichts zu erinnern 
sei, sofern die Ueberzeugung vorwaltet, dass die bezügliche 
Anfrage an ihre Adresse gelangt ist. 

§3. 

Werden aber jenseits Bedenken erhoben, so hat die Loge 
denselben gewissenhaft Rechnung zu tragen; wenn sie die- 
selben jedoch nicht erheblich genug findet, so hat sie sich 
mit der jenseitigen Loge durch brüderlichen Meinungsaustausch 
ins Klare zu setzen. 

§4. 

Gelingt ein Meinungsaustausch nicht, so hat die Loge, 
bei welcher die Anmeldung stattfand, die Angelegenheit 
ihren Bundesbehörden vorzulegen. 

§5. 

Ein Suchender, welcher bereits bei irgend einer Loge 
abgewiesen oder zurückgestellt worden ist, darf vor Ablauf 
eines Jahres, vom Tage der Abweisung oder Zurückstellung 
gerechnet, bei keiner Loge eines anderen Logenbundes vor- 
geschlagen werden. 

§6. 
Meldet er sich nach Ablauf eines Jahres bei einer Loge 

eines anderen Logenbundes, so hat dieser erst bei jener 



— 300 — 

1877 anzufragen, ob die Bedenken gegen die Aufnahme des 
Suchenden bei ihr noch und in solchem Grade obwalten, 
dass sie denselben der Aufnahme in eine andere Loge und 
somit in den Freimaurerbund überhaupt für unwürdig 
erachtet. 

§7. 
Hält die befragte Loge ihren Protest in diesem Umfange 
aufrecht, so kann der neuen Meldung des auswärtigen 
Suchenden nicht stattgegeben werden. — 

E^ sind dieselben Bestimmungen, die im Wesent- 
lichen jetzt die geltenden in dem allgemeinen Aufnahme- 
gesetz sind. 

Ein wichtiger Beschluss ging dahin, dass die Gross- 
logen sich vereinigten, jährlich gemeinsam einen genauen 
Bericht über die Verhältnisse der Freimaurerei und ihre 
Thätigkeit in den verschiedenen Ländern zu veröffentlichen, 
der an Stelle der bisher ausgegebenen besonderen Berichte 
träte. Die Berichte über die eigene Thätigkeit der Gross- 
logen sollen womöglich bis Oktober des Jahres eingeschickt 
werden. 

E^ kamen bei der Beratung die Missstände in der 
freimaurerischen Presse zur Erörterung und Besprechung, 
die Missachtung des Geheimnisses, auch Form und Inhalt 
einzelner Artikel in verschiedenen freimaurerischen Blättern. 
Als ein Mittel zur Beseitigung dieser Missstände wurde die 
Gründung einer gemeinsamen Zeitschrift des Grosslogen- 
bundes bezeichnet. Man beschloss, den Gegenstand auf die 
Tagesordnung des nächsten Grosslogentags zu setzen. — 

Das 100jährige Jubiläum wurde von der Loge 
„Eugenia zum gekrönten Löwen** Or. Danzig, am 
11. Juli gefeiert. 

In Ohlau ward eine neue Loge, „Wilhelm zur deutschen 
Eiche", gegründet, deren Einweihung am 28. Oktober 
stattfand. 

Der Br. Vater trat nach langjähriger Thätigkeit aus 
dem Bundesdirektorium in Folge körperlicher Leiden. 



— 301 — 

Anch im Jahr 1878 setzte sich der Verfassungskampf 1878 
fort, und zunächst wiederholte die Landsberger Loge ihren 
Antrag auf Herabminderung der Zahl der Stimmen der Gross- 
loge auf 25, welche Zahl die niedrigste war von Mitgliedern, 
die die Grossloge haben musste. 

Die Königsberger Loge „zudendreiKronen^ beantragte 
die Bestimmung aufzuheben, dass für die Wählbarkeit der 
Ehrenmitglieder der 4. Grad erforderlich sei (Grundverf. Art. 6), 
wobei sie sich namentlich darauf stützte, dass Brüder anderer 
Lehrarten nur den Johannismeistergrad zu besitzen brauchten, 
um zu Ehrenmitgliedern ernannt zu werden. Desgleichen sollte 
der 4. Grad nicht erforderlich sein für Vorsitzende und 
zugeordnete Meister, um kraft ihres Amtes Ehrenmitglieder 
der Grossloge zu sein. Nur für die ordentlichen Mitglieder 
der Grossloge allein soll der 4. Grad beibehalten bleiben. 
Der Ausschuss beantragte Ablehnung des Antrages. 

Die von dem Grosslogentag 1877 aufgestellten Vor- 
schriften bei der Aufnahme Suchender lagen dem Gesetz-: 
prüfungsausschuss zur Begutachtung vor. Er empfahl sie 
der Grossloge zur Annahme. 

Die Thatsache, dass in der Sitzung der Grossloge vom 
6. Dezember 1876 eine schwache Mehrheit gegen den Wider- 
spruch einer starken Minderheit (26 gegen 23) und gegen 
die Ansicht des Bundesdirektoriums die Erhöhung der Zahl 
der Mitglieder der Grossloge, und zwar ohne das Bedürfniss 
dafür nachgewiesen zu haben, beschlossen hatte, veranlasste 
das Bundesdirektorium, bei der Gesetzgebungs-Versammlung 
den Antrag zu stellen, dass dem Art. 8 der Grund Verfassung 
am Schlnss folgender Zasatz angefügt würde: 

„Der Beschluss, dass ein solches Bedürfniss vorhanden 
ist, bedarf der Bestätigung des Bundesdirektoriums **. 

Das Bundesdirektorium ging von der Ansicht aus, dass 
über das Bedürfniss einer Wahl oder Nichtwahl von Mit- 
gliedern für die Grossloge der Grossmeister die Entscheidung 
haben müsse, der dann mit dem Bundesdirektorium über eine 
Neuwahl die Bestimmung zu treffen habe. 



— 302 — 

1878 Die Posen er Loge beantragte, das Bedürfniss der Anzahl 

der Mitglieder der Grossloge darch Abänderung des Art. 8 
der Grund Verfassung so zu regeln, dass als höchste Zahl 
49 Mitglieder genügten. Es lag dabei die froher von Seiten 
des Bundesdirektoriums angestellte Berechnung zu Grunde, 
dass bei einer Anzahl von 1 14 Tochterlogen, v^ie sie damals 
vorhanden war, % davon 38 betrage — so viele Mitglieder 
genügten, v^enn jedes 3 Logen vertrat — dazu 7 Mitglieder 
des Bundesdirektoriums, ergeben 45, welche Zahl auf 49 =7 X 7 
zu erhöhen sei. 

Die Posener Loge versuchte noch auf einem andern 
Wege, nämlich durch entsprechende Abänderung der Art. 9 
und 14 der Grund Verfassung, den zäh am Alten haftenden 
Geist der Mehrheit in der Grossloge dadurch zu brechen, 
dass sie die lebenslängliche Dauer der Mitgliedschaft der 
Grossloge in eine zehnjährige Dauer umwandeln wollte, 
mit der Massgabe, dass die Wiederwahl der Mitglieder, deren 
Wahlperiode abläuft, erfolgen kann. Man war der Ansicht, 
dass in der Zusammensetzung der gesetzgebenden Versammlung, 
in der doch Alle gleiches Stimmrecht hätten, eine Ungleichheit 
darin herrsche, dass der Auftrag der Abgeordneten eine 
Dauer von 3 Jahren hätte, wogegen die ordentlichen Mit- 
glieder der Grossloge lebenslänglich seien; dadurch sei für 
letztere der Vorteil festerer Vereinigung gegeben, für die 
Tochterlogen aber eine grössere Schwierigkeit, jemals eine 
Zweidrittel -Mehrheit durchzusetzen. 

Der Gesetz -Prüfungsausschuss hatte alle Anträge ab- 
gelehnt mit Ausnahme des Antrags des Bundesdirektoriums, 
betreffend den Beitritt zu den Beschlüssen des Grosslogen- 
tags über ein gleichmässiges Verfahren aller deutschen Gross- 
logen bei der Aufnahme Suchender. In der Sitzung der 
Grossloge vom 21. März wurden gleichfalls alle Anträge, mit 
Ausnahme des letzteren, abgelehnt. — 

Dem aus dem Bundes -Direktorium geschiedenen Br. Vater 
wurde als Anerkennung seiner Verdienste um unsern Bund 
die Ehrenmitgliedschaft des höchsten Inneren Orients, des 
Altschottischen Direktoriums und des Bundesdirektoriums, 



— 303 — 

Terliehen. An seiner Stelle i/varde Br. Ferdinand Dahmsl, 1878 
Prediger an der St. Georgenkirche, als Mitglied des Bandes- 
direktorioms gewählt. (S. Sitzung vom 7. März, 3. Heft 1878, 
S. 118.) 

In der Sitzung vom 2. Mai wurde an Stelle des aus- 
geschiedenen Br. V. Lyncker der Br. Veitmeyer, Civil- 
Ingenieur und Mitglied der Königlichen Akademie fOr das 
Bauwesen, zum Mitglied des Bundesdirektoriums gewählt. 
Hierauf machte der Grossmeister aus der Niederschrift vom 
25. Februar 1878 der Grossmeister-Vereinssitzung die Mit- 
teilung, dass der schweizerische Logen verein „Alpina'' die 
Worte: „die Logen verbieten jede politische Parteierörterung 
oder Beschlussfassung innerhalb der Loge*' gestrichen habe, 
um den Brüdern das Recht zu wahren, im Tempel auch 
politische und religiöse Fragen zu besprechen. Da die drei 
preussischen Grosslogen nach Massgabe des Edikts vom 
20. Oktober 1798 gehalten seien, gegen ein solches Vorgeben 
der schweizerischen Grossloge Alpina Einsprach zu erheben, 
solle auf Grund des § 5 der Statuten des Grosslogenbundes 
dieser Einspruch bei der zur Zeit geschäftsführenden Grossen 
Loge von Sachsen angemeldet und demnächst beim Gross- 
logentag 1878 zur Sache weitere Entscheidung getroifen 
werden. 

In der Sitzung der Grossloge am 18. Mai nahm vor Ein- 
tritt in die Tagesordnung der Grossmeister Br. Zschiesche 
Anlass, der allgemeinen Entrüstung und dem tiefen Schmerz 
Ausdruck zu geben über die verruchte Hand, die es gewagt 
hatte, durch einen schändlichen Mordversuch das Leben unseres 
teuren und geliebten Kaisers und Königs, des Protektors 
unseres Bandes, zu gefährden. 

Zum Grossmeister wurde Br. Zschiesche und zum 
zugeordneten National -Grossmeister Br. Kleiber gewählt. 

Am 25. Mai trat die gesetzgebende Versammlung 
zusammen. Es beteiligten sich 45 Mitglieder der Grossloge 
sowie die Abgeordneten von 107 Tochterlogen, so dass 
zusammen 152 Stimmen abgegeben werden konnten. Von 
den durch den Gesetz- Prüf ungsausschuss und die Chross- 



— 304 — 

1878 löge abgelehnten Anträgen war von 28 Brüdern der Antrag 
der Landsberger Loge: „die Zahl der stimmberechtigten 
Brüder der Grossloge in der gesetzgebenden Versammlong 
anf 25 zu beschränken^, wieder aufgenommen. Der Antrag 
wurde diesmal mit überwiegender Zweidrittel -Mehrheit an- 
genonmien. Desgleichen wurde der Antrag des Bundes- 
Direktoriums auf Beitritt zu den Beschlüssen des deutschen 
Grrosslogenbundes vom 20. Mai 1877, betreffend die Auf- 
stellung gleicher gegenseitiger Vorschriften bei der Aufnahme 
Suchender einstimmig angenommen. 

Die beiden Beschlüsse wurden unterm 29. Mai vom 
Bundesdirektorium bestätigt und als Bundesgesetze verkündet. 
(S. 175.) — 

Während noch Alle unter dem schmerzlichen Eindruck 
des ersten Mordanfalls standen, durchdrang die Schreckens- 
kunde von einem neuen Angriff auf die geheiligte Person 
unseres Kaisers alle Gaue unseres Vaterlandes und rief überall 
eine unbeschreibliche Bestürzung und Scham hervor. Wie 
im ersten Fall so richteten auch bei dieser Unthat die drei 
preussischen Grosslogen ehrfurchtsvolle Schreiben an den 
Kaiser, um den Gefühlen des tiefen Schmerzes, welche die 
gesammte Brüderschaft der Freimaurer in unserm Lande 
bewegte, Ausdruck zu geben. — 

Von grosser Wichtigkeit waren in diesem Jahr die Ver- 
handlimgen des Grosslogentages zu Hamburg. Die 
Thatsache, dass der Grosslogenbund nur eine lose Verbindung 
sei, die nicht thatkräftig nach aussen wirken könne, der 
Hinblick auf die machtvolle Einheit des deutschen Vaterlandes 
liessen es in den Augen vieler Brr. als sehr wünschenswert 
erscheinen, eine grössere Einheit in der deutschen Freimaurerei 
durch Errichtung einer vereinigten deutschen Nation al- 
Grossloge herbeizuführen. Der Grossmeister von Royal 
York, Br. Herrig, gab diesem vielfach geteilten Wunsch 
Ausdruck durch Einbringung eines Verfassungsentwurfs bei 
dem Grosslogentag. Die vereinigte Grossloge von Deutschland, 
deren Sitz in der Reichshauptstadt sein sollte, will die 
bisherigen Grosslogen als Mutterlogen auf Grund der Verein- 



— 305 — 

baroDg gleicher Verfassungen und ebenso der Ritualfreiheit 1878 
bestehen lassen. An der Spitze steht ein Grossmeister mit 
einem besoldeten Grossschriftführer, beide gewählt auf 3 Jahre. 
Die Grossloge besteht aus zwei Körperschaften, aus dem 
Kat der Grossloge und aus der Vertreter-Versammlung, deren 
freigewählte Abgeordnete alle drei Jahre zusammenkommen. 
Der damalige geschäftsführende Grossmeister von Sachsen, 
Br. Eckstein, begrüsste den Entwurf, der zuerst an ihn 
gelangte, mit Freuden, hielt ihn für durchführbar und versprach 
sich reichen Segen daraus für unsem Bund. 

Allein auf dem Grosslogentag zu Hamburg traten in der 
Aussprache, in der es sich zunächst hauptsächlich um den 
Grundsatz der Stiftung einer National -Grossloge handelte, 
alle die Bedenken hervor, wie sie auch noch jetzt gegen 
einen festeren Zusammenschluss der deutschen Freimaurer 
geltend gemacht werden. Man hielt den Grosslogenbund 
Yollständig dem Bedürfniss entsprechend und seine Form als 
die geeignetste für die deutschen Freimaurer; auch wurden 
Zweifel ausgesprochen, ob die Errichtung einer vereinigten 
Orossloge mit den staatsrechtlichen Bedingimgen ihres 
Bestehens (Edikt vom 20. Oktober 1798) vereinbar sei. Was 
den vorliegenden Entwurf betraf, so hielten selbst die ihn für 
unannehmbar, die eine grössere Einigung der Grosslogen für 
notwendig erachteten, namentlich um die Beziehungen des 
deutschen Logenwesens dem Ausland gegenüber gemeinsam 
zu gestalten, damit die deutsche Maurerei nach aussen mehr 
Geltung erlange. Erst mössten die auf dem Grossmeistertag 
von 1870 vereinbarten Grandsätze von allen Grosslogen 
anerkannt und in Anwendung gekommen sein, ehe man die 
Orundlinien für eine einheitliche Verfassung ziehen könnte. 
Nach langer Erörterung wurde folgender Antrag einstimmig 
angenommen: 

„Der Grosslogentag verzichtet auf eine nähere Beratung 
des von der Grossloge Royal York eingebrachten Entwurfs 
über die Gründung einer National -Grossloge, erklärt sich 
aber im Grundsatz mit einer engeren Vereinigung der 
8 deutschen Grosslogen einverstanden. Zur weiteren Ver- 

-Octch. d. Gr. NAt,-MoM«r-Log«. 80 



— 306 — 

1878 folgung des in dem Antrag der Grossloge Royal York 
enthaltenen Grundgedankens ernennt der Grosslogentag 
einen Aosschoss von 5 Brüdern, der beauftragt wird, dem 
Grosslogentag demnächst weitere Vorschläge zu unter-* 
breiten*^. 
Was den von den 3 Grossmeistern eingebrachten Antrags 
Einspruch gegen die „ Alpina ** zu erheben, betraf, so ward 
beschlossen, zunächst in freundlich -brüderlicher Weise an- 
zufragen, wie die erwähnte Angelegenheit (S. 303) von der 
Alpina aufgefasst werde. 

Die Vorgänge im Gross-Orient von Frankreich, der 

durch die Aufhebung der Artikel, in denen der Glaube an Gott 

und Unsterblichkeit als untrennbar von der Maurerei aus-* 

gesprochen war, diese des religiösen Grundes entkleidet hatte> 

beschäftigten lebhaft den Grosslogentag, obgleich die deutschen 

Grosslogen seit dem Jahr 1870 ausser Verkehr mit den 

französischen Logen standen. Man einigte sich schliesslich 

zu einer selbständigen Erklärung, die folgendermassen lautete: 

„Der Freimaurerbund fordert von seinen Mitgliedern 

kein dogmatisch bestimmtes Glaubensbekenntniss, und di» 

Aufnahme der einzelnen Brüder wird nicht abhängig gemacht 

von einem religiösen Bekenn tniss. 

Er ist sich bewusst, dass die Menschen je nach ihr^ 
Eigenart und Bildung sehr mannigfaltige Vorstellungen 
von Gott haben, die denselben nur unvollkommene Bilder 
des ewigen Geistes sein können. 

Aber die freimaurerischen Symbole und die frei- 
maurerischen Rituale weisen nachdrücklich auf Gott hin 
und wären ohne Gott unverständlich und unsinnig. 

Die Prinzipien und die Geschichte der Freimaurerei 
lehren und bezeugen Gott. 

Die Freimaurer verehren Gott in dem Bilde des Baur- 
meisters des Weltalls. 

Das den Freimaurern heilige Sittengesetz hat seine 
tiefste und stärkste Wurzel in Gott. 

Würde die Freimaurerei abgelöst von der Gottesidee,, 
so würde ihr ideales Streben überhaupt seine nachhaltige 



— 307 — 

Kraft und sein höchstes Ziel verlieren and würde haltlos 1878 
und ohnmächtig werden. 

Der deutsche Grosslogentag spricht daher im Namen 
des deutschen Freimaurerbundes die Ueberzeugung aus, 
dass eine Freimaurerloge, welche die Elxistenz Gottes be- 
streiten oder verläugnen wollte, nicht als eine gerechte 
und vollkommene Loge anzusehen sei, und dass eine 
atheistische Freimaurerei aufgehört habe, Freimaurerei 
zu sein''. 
Der Antrag auf OefTentlichkeit bei den Verhandlungen 
des Grosslogentages wurde abgelehnt. 

Die Augusta-Stiftung ward dahin erweitert, dass 
zur Erinnerung an die am 11. Juni 1879 stattfindende goldene 
Hochzeit des Kaisers Wilhelm vom genannten Tage ab den 
Brüdern der 3 preussischen Grosslogen, die ihre goldene 
Hochzeit feiern, eine goldene Denkmünze im Herstellnngs- 
wert von einhundertundzwanzig Mark unter gleichen Vor- 
bedingungen gewährt werde, wie dies bei einer Silber^ 
hochzeit mit der silbernen Denkmünze geschieht. (Sitzung 
der Grossloge vom 19. September 1878, Mittheilung. 10. Jahrg., 
1. Heft, S. 16). - 

Am 12. September feierte die Loge „zur Beständigkeit 
und Eintracht^ zu Aachen, und am 12. Oktober die Loge 
„zu den drei Balken des neuen Tempels^ zu Münster 
ihr lOOjähriges Bestehen. 

Am 18. Oktober, am Geburtstag des Kronprinzen, ver- 
einigte sich die Grossloge zu einer Dankesfeier für die 
glückliche Genesung des Kaisers, verbunden mit der Ein- 
weihung des vollständig erneuerten Tempels, zu der sich auch 
aus den Schwester -Grosslogen zahlreiche Brüder eingefunden 
hatten. 

Zum Andenken an die am 5. November 1863 durch 
unsern Protektor vollzogene Aufnahme des Stellvertretenden 
Protektors, Kronprinzen des Deutschen Reichs und von 
Preussen, Friedrich Wilhelm, als Freimaurer vereinigten 
sich die Brr. der 3 Schwester-Grosslogen in Berlin, eine 
Stiftung zu errichten unter dem Namen „Kronprinz Friedrich 

90^ 



— 306 — 

1878 folgang des in dem Antrag der Grossloge Royal York 
enthaltenen Grundgedankens ernennt der Grosslogentag 
einen Aosschnss von 5 Brüdern, der beauftragt wird, dem 
Grosslogentag demnächst weitere Vorschläge zu unter- 
breiten". 

Was den von den 3 Grossmeistem eingebrachten Antrag^ 
Einspruch gegen die „Alpina" zu erheben, betraf, so warcl 
beschlossen, zunächst in freundlich-brüderlicher Weise an- 
zufragen, wie die erwähnte Angelegenheit (S. 303) von der 
Alpina aufgefasst werde. 

Die Vorgänge im Gross-Orient von Frankreich, der 
durch die Aufhebung der Artikel, in denen der Glaube an Gott 
und Unsterblichkeit als untrennbar von der Maurerei aus- 
gesprochen war, diese des religiösen Grundes entkleidet hatte^ 
beschäftigten lebhaft den Grosslogentag, obgleich die deutschen 
Grosslogen seit dem Jahr 1870 ausser Verkehr mit den 
französischen Logen standen. Man einigte sich schliesslich 
zu einer selbständigen Erklärung, die folgendermassen lautete : 
„Der Freimaurerbund fordert von seinen Mitgliedern 
kein dogmatisch bestimmtes Glaubensbekenntniss, und die 
Aufnahme der einzelnen Brüder wird nicht abhängig gemacht 
von einem religiösen Bekenntniss. 

Er ist sich bewusst, dass die Menschen je nach ihrer 
Eigenart und Bildung sehr mannigfaltige Vorstellungen 
von Gott haben, die denselben nur unvollkommene Bilder 
des ewigen Geistes sein können. 

Aber die freimaurerischen Symbole und die frei- 
maurerischen Rituale weisen nachdrücklich auf Gott hin 
und wären ohne Gott unverständlich und unsinnig. 

Die Prinzipien und die Geschichte der Freimaurerei 
lehren und bezeugen Gott. 

Die Freimaurer verehren Gott in dem Bilde des Bau- 
meisters des Weltalls. 

Das den Freimaurern heilige Sittengesetz hat seine 
tiefste und stärkste Wurzel in Gott. 

Würde die Freimaurerei abgelöst von der Gottesidee,, 
so würde ihr ideales Streben überhaupt seine nachhaltige 



— 307 — 

Kraft und sein höchstes Ziel verlieren and würde haltlos 1878 
und ohnmächtig werden. 

Der deutsche Grosslogentag spricht daher im Namen 
des deutschen Freimaurerbundes die Ueberzeugung aus, 
dass eine Freimaurerloge, welche die Elxistenz Gottes be- 
streiten oder verläugnen wollte, nicht als eine gerechte 
und vollkommene Loge anzusehen sei, und dass eine 
atheistische Freimaurerei aufgehört habe, Freimaurerei 
zu sein''. 
Der Antrag auf OefTentlichkeit bei den Verhandlungen 
des Grosslogentages wurde abgelehnt. 

Die Augusta-Stiftung ward dahin erweitert, dass 
zur Erinnerung an die am 11. Juni 1879 stattfindende goldene 
Hochzeit des Kaisers Wilhelm vom genannten Tage ab den 
Brüdern der 3 preussischen Grosslogen, die ihre goldene 
Hochzeit feiern, eine goldene Denkmünze im Herstellnngs- 
wert von einhundertundzwanzig Mark unter gleichen Vor- 
bedingungen gewährt werde, wie dies bei einer Silber^ 
hochzeit mit der silbernen Denkmünze geschieht. (Sitzung 
der Grossloge vom 19. September 1878, Mittheilung. 10. Jahrg., 
1. Heft, S. 16). - 

Am 12. September feierte die Loge „zur Beständigkeit 
und Eintracht^ zu Aachen, und am 12. Oktober die Loge 
„zu den drei Balken des neuen Tempels^ zu Münster 
ihr lOOjähriges Bestehen. 

Am 18. Oktober, am Geburtstag des Kronprinzen, ver- 
einigte sich die Grossloge zu einer Dankesfeier für die 
glückliche Genesung des Kaisers, verbunden mit der Ein- 
weihung des vollständig erneuerten Tempels, zu der sich auch 
aus den Schwester -Grosslogen zahlreiche Brüder eingefunden 
hatten. 

Zum Andenken an die am 5. November 1863 durch 
unsern Protektor vollzogene Aufnahme des Stellvertretenden 
Protektors, Kronprinzen des Deutschen Reichs und von 
Preussen, Friedrich Wilhelm, als Freimaurer vereinigten 
sich die Brr. der 3 Schwester-Grosslogen in Berlin, eine 
Stiftung zu errichten unter dem Namen ,,Kronprinz Friedrich 

90^ 



— 308 — 

1878 Wilhelm-Stiftung*', darch die würdigen Freimaurern oder deren 
Wittwen und Waisen eine Unterstützung gewährt werden 
soll. Der von den 3 Grossmeistem ausgearbeitete Statuten- 
entwurf wurde genehmigt. (S. 89, 3. Heft, 1879). In Folge 
des Rundschreibens des Bundesdirektoriums vom 29. Mai d. J. 
war bis zum 1. Oktober von den Tochterlogen die Summe 
von 13743 Mk. eingesendet worden. Die Sammlung hatte 
bei der Ablieferung an die Verwaltung der Stiftung, am 
22. März 1879, den Betrag von 19874 Mk. 84 Pf. erreicht 
(S. 91, 3. Heft, 1897). Der Kronprinz empfing am 5. November 
im Neuen Palais zu Potsdam die drei Grossmeister, die ihm 
im Namen der Brüder die Glückwünsche aussprachen. Zu- 
gleich wurde ihm neben einer Zuschrift das Statut der neuen 
EjTonprinz- Stiftung überreicht, das er huldvoll entgegen- 
nahm, indem er in warmen und tiefergreifenden Worten 
seine Erkenntlichkeit aussprach und besonders hervorhob, dass er 
eine Stiftung, wie die vorliegende, die zum Wohl der leidenden 
Menschheit wirken solle, mit freudigem Dank entgegen 
nehme, da sie die beste, schönste aller Huldigungen sei 
(S. 42, 2. Heft, 1878). 

Das Statut der Stiftung vom 5. November 1878 (S. 89) 
hat am 1. März 1879 die Genehmigung des stellvertretenden 
Protektors erhalten. 

1879 Am 24. Januar wurden die drei Grossmeister vom Kaiser 
empfangen, um ihm die Gefühle der Brüder sowie den Dank 
gegen den B. d. W. für die Errettung des Kaisers auszu- 
drücken. Der Kaiser nahm den Ausdruck unerschütterlicher 
Liebe und Treue auf das Huldvollste entgegen und versicherte 
seine unveränderliche Teilnahme für die Freimaurerei (S. 46, 
2. Heft, 1879). 

Die Ueberzeugung, dass unsere Rituale imd Instruktionen 
allmählich einer zeitgemässen Verbesserung entgegengeführt 
werden müssen, hatte ihre Umarbeitung durch ein Mitglied 
des Direktoriums zur Folge gehabt. In der Sitzung vom 
6. März teilte der Grossmeister mit, dass nunmehr die Rituale 
und Instruktionen für den 1. Grad zur Ausgabe gelangt seien. 



— 309 — 

In derselben Sitzung ward beschlossen, dass in Zukunft erst 1879 
die Einwilligung der Grossloge für die Stiftung einer neuen 
Loge einzuholen sei, bevor das Gesuch um Genehmigung 
an den stellvertretenden Protektor eingereicht werde. 

Durch die Annahme des Landsberger Antrags (S. 304). 
und im Hinblick auf die im Jahr 1883 bevorstehende 
Durchsicht der Statuten war in den Yerfassungskämpfen 
einstweilen eine Pause eingetreten, so dass eine Gesetz- 
gebungs-Versammlung, da kein Stoff vorlag, in diesem Jahr 
nicht zusammentrat. Dagegen war die Aufmerksamkeit der 
Grossloge lebhaft in Anspruch genommen durch den 
Verfassungsentwurf, den der Fünfer -Ausschuss für eine 
engere Verbindung des Grosslogenbundes den Gross- 
logen übersandt hatte. Es hatte sich bei näherer Erwägung 
doch ziemlich allgemein die Ueberzeugung geltend gemacht, 
dass der Herr ig 'sehe Entvnirf des vorigen Jahres zu 
plötzlich und unvermittelt an die Brr. herangetreten war, und 
dass auf nur mechanische Weise eine National -Grossloge 
sich nicht herstellen lasse. Denn nach ihm sollten die 
bestehenden 8 selbständigen Grosslogen zu dienenden Gliedern 
herabgedrückt werden, zu blossen Schein wesen. Der neue 
Entwurf, der hierauf von Br. Bluntschli ausgearbeitet war, 
hatte dem H e r r ig 's gegenüber nicht unerhebliche Vorzüge. Die 
Verfassung der deutschen gReichs-Grossloge** schloss sich 
dem Statut des Grosslogenbundes näher an, das behufs einer 
einheitlicheren Gestaltung nach innen und aussen nur erweitert 
wurde. An der Spitze der Reichs-Grossloge sollte ein Reichs- 
Grossmeister stehen, gewählt auf 6 Jahre, umgeben von 
drei zugeordneten Reichs- Grossmeistem und einem Reichs- 
Grosslogenrat mit dem Sitz in der Reichshauptstadt. Die 
Reichs-Grossloge soll ähnlich zuammengesetzt sein wie bisher 
der Grosslogenbund in den Versammlungen, nur sollen 
Abgeordnete in grösserer Anzahl gewählt werden, je nach 
der Grösse der einzelnen Grossloge. Aus dem im wesentlichen 
beratenden Grosslogentag war aber eine beschliessende 
Versammlung geworden. Der Versanunlungsort sollte wechseln 
zwischen Berlin und einer anderen deutschen Stadt. Das 



— 310 — 

1879 waren ungefähr im wesentlichen die Bestimmungen des 
neuen Verfassungsentwurfs. Aber er fand schon bei seinem 
Erscheinen sofort Widerspruch von Seiten der Grossen 
Landesloge. Der Br. Alexis Schmidt, Mitglied des 
Ausschusses, richtete an uns ein Schreiben, begleitet von 
einem von ihm verfassten Gutachten über den Entwurf, 
worin er sich gegen die engere Vereinigung auf dem vor- 
geschlagenen Wege erklärte; zugleich forderte er uns auf, 
weil wir, wie er meinte, ähnliche Bedenken haben würden, 
auch unsererseits unsere Meinung in der Sache zu äussern. 
Inzwischen war der Ausschuss am 9. März noch einmal 
zusammengetreten, und in der Erkenntniss, dass der Reichs- 
Grosslogenentwurf das Misstrauen einzelner Grosslogen nicht 
völlig hatte beschwichtigen können, wurde er dahin abgeändert, 
dass der förderative Grundsatz einen deutlicheren Ausdruck 
erhielt, indem auf die Bildung einer allgemeinen deutschen 
Grossloge verzichtet, und der Grosslogenbund zu einem 
„Bund der vereinigten deutschen Grosslogen ^ umgestaltet 
wurde. Der Entwurf behielt im wesentlichen die Be- 
stimmungen über die Zwecke und Aufgaben des Bundes bei. 
Diese waren: 

1. Dem gemeinsamen Streben und Geist der deutschen 
Freimaurerlogen einen nationalen Körper zu schaffen. 

2. Den veredelnden Einfluss der Maurerei auf die sittlichen 
Zustände der Gesellschaft zu verstärken. 

3. Die deutsche Freimaurerei gegenüber den auswärtigen 
Gross -Orienten einheitlich und wirksam zu vertreten 
und die internationalen Beziehungen mit ihnen besser 
zu pflegen. 

4. Den Frieden unter den deutschen Grosslogen zu 
mehren, gemeinsam freimaurerische Rechtsgrundsätze 
auszusprechen und auf allseitige Anerkennung und 
Anwendung hinzuwirken, unbeschadet der fortdauernden 
Freiheit der verbündeten Grosslogen, ihr System, ihr 
Rituale und ihre Verfassung zu bewahren und selb- 
ständig zu handhaben. 



— 311 — 

Im Debrigen wnrden in diesen Entwurf alle solche 1879 
Bestimmungen geändert, die irgendwie der Befürchtung Raum 
liessen, dass die bestehenden Grosslogen durch blosse 
formale Mehrheitsbeschlüsse zu Aenderungen ihres Systems 
gezwungen werden könnten. Da nach einer Debergangs- 
bestimmung am Schluss des Entwurfs auf dem nächsten 
Grosslogentag zu Frankfurt festgesetzt werden sollte, dass wenn 
mindestens sechs Grosslogen die Bundesverfassung, so wie 
sie schliesslich in Frankfurt beschlossen würde, annähmen, 
der Bund in Wirksamkeit treten solle, kam nun auch an uns 
die Frage in ernster Weise heran, welche Stellung wir dieser 
Verfassung gegenüber einnehmen wollten. Der Entwurf 
wurde vom Gesetzprüfungsausschuss beraten, und vom Br. 
Graf V. Wartensleben ein Gutachten ausgearbeitet, worin 
vom geschichtlichen und rechtlichen Standpunkt beleuchtet 
und nachgewiesen wurde, wie tief er in unsere Verfassung 
eingriffe. In der ausserordentlichen Sitzung der Grossloge 
vom 9. Mai wurden allseitig ernste Bedenken gegen den Ent- 
wurf laut, und man einigte sich zu folgenden Beschlüssen, 
die zugleich als Anweisung für unsere Abgeordneten zum 
Grosslogentag dienen sollten: 

1. Wegen der noch bestehenden inneren Gegensätze unter 
den deutschen Freimaurern von der Vereinigung der 
8 deutschen Grosslogen, folgeweise auch von der 
Errichtung einer deutschen National-Grossloge für jetzt 
Abstand zu nehmen. 

2. Den seit dem 19. Mai 1872 bestehenden Bund der 
deutschen Grosslogen mehr und mehr zu befestigen und 
dadurch die jetzt noch bestehenden Gegensätze aus- 
zugleichen. 

3. Den vorliegenden Entwurf zur Bundesverfassung der 
vereinigten deutschen Grosslogen vom 8. März 1879 
abzulehnen wegen des Mangels hinreichender Gewähr 
für Selbständigkeit der einzelnen deutschen Grosslogen. 

Der Grosslogentag kam zu Pfingsten in Frankfurt 
a. M. zusammen, und es herrschte eine gewisse Spannung, wie 
die Beratungen bei dem Widerspruch, den die Verfassungsfrage 



— 312 — 

1879 einer einheitlichen Grossloge für Deatschland von Seiten 
der meisten Grosslogen und auch in der freimaurerischen 
Presse fand, verlaufen würden. Es war schon eine schlimme 
Vorbedeutung, dass wider alle Erwartung der Br.Bluntschli 
seine Abwesenheit entschuldigen liess, er, der den Entwurf 
und die Begründung abgefasst, der die Seele der ganzen 
Bewegung war; er mochte wohl zu der Erkenntniss 
gekommen sein, dass seine an sich so edlen Absichten keine 
Aussicht auf Durchführung hatten. Es kam zu einer aus- 
führlichen, teilweise erregten Aussprache, aber nicht zu einer 
eigentlichen Beratung des Inhalts des Entwurfs, sondern es 
wurde beschlossen, allen Grosslogen zu empfehlen, ihn den 
Tochterlogen zur Prüfung und Begutachtung vorzulegen und 
im nächsten Jahr darüber zu entscheiden. 

Die weiteren Festsetzungen des Grosslogenbundes waren 
folgende : 

„Die bisher gefassten Beschlüsse durch die geschäfts- 
führende Grossloge mittels Kreisschreibens den Grosslogen 
zur Kenntniss zu bringen mit dem Ersuchen, über die 
Ausfühnmg der Beschlüsse Mitteilung zu machen''. 

„Jede deutsche Grossloge sendet der geschäftsführenden 
Grossloge alljährlich im Oktober zugleich mit dem 
statistischen Bericht einen Bericht über die wichtigsten 
Ejreignisse innerhalb ihres Wirkungskreises im verflossenen 
Maurerjahr". 

„Ein Bruder, welcher sich bei einer dem deutschen 
Grosslogenbunde angehörigen Loge zur Annahme meldet, 
muss, falls er Mitglied einer deutschen Loge gewesen ist, 
die ehrenvolle Entlassung abseiten derselben, falls er in 
eine ausserdeutsche Loge aufgenommen worden, wenigstens 
eine Mitgliedsbescheinigung beibringen oder sonst in 
glaubhafter Weise seine Aufnahme in eine gerechte und 
vollkommene Loge sowie seine ehrenvolle Trennung von 
ihr nachweisen". 

„Will eine Loge einen Bruder annehmen, dem die 
ehrenvolle Entlassung nicht erteilt worden ist, so hat sie 
die Entscheidung ihrer Grossloge nachzusuchen, welche — 



— 313 — 

wenn dieser Bruder bisher einer deutschen Loge angehörte 1879 
— behufs Prüfung der GrQnde, wegen deren die ehrenvolle 
Entlassung verweigert ist, die Grossloge derjenigen Loge, 
welcher der entlassene Bruder angehörte, um Auskunft 
zu ersuchen hat; solche Auskunft muss innerhalb 6 Wochen 
erteilt werden". 

In Bezug auf die Befreiung des angenommenen Bruders 
von Zahlung der Gebühren konnte man sich nicht einigen. 
Aber der Grosslogentag sprach den Wunsch aus, dass das 
geschehen möge mit Ausnahme der baareu Auslagen, falls 
er Mitglied einer zum deutschen Grosslogenbund gehörigen 
Grossloge sei. 

Anerkannt vom Grosslogentag wurde die Grossloge des 
mexikanischen National -Ritus „La Luz" in Mexiko. — 

In Ostrowo, Regierungsbezirk Posen, wurde eine neue 
Loge unter dem Namen: „zum Tempel der Treue im 
Osten" errichtet, deren Einweihung am 2. Juni erfolgte. 

Die am 21. Juni bevorstehende Feier der goldenen 
Hochzeit des Kaisers und seiner Gemahlin gab für die drei 
berliner Grosslogen den freudigen Anlass, an den Kaiser die 
Bitte um Erweiterung der Augusta- Stiftung in dem oben 
(vergl. S. 307) angegebenen Sinn zu richten. 

Der Kaiser bewilligte die Erweiterung des Statuta unter 
aufrichtigem Dank für die Teilnahme für ihn und seine 
Gemahlin. Zu der Feier am 21. Juni brachten die 3 Gross- 
logen unter Einsendung der ersten goldenen Denkmünze 
dem Kaiserlichen Jubelpaar ihre Glück- und Segenswünsche 
dar, worauf eine huldvolle Antwort vom Kaiser einging 
(S. 119 ff., 3. Heft, 1879). — 

Am 4. August starb in Wiesbaden der um unsern Bund 
wolilverdiente zugeordnete National-Grossmeister Br.Kleiber. 
Am 8. September fand eine Trauerfeierlichkeit bei uns zu 
seinem Gedächtniss statt, zu der sich eine grosse Anzahl 
von Brüdern, unter ihnen Abgeordnete der Grossen Loge von 
Preussen, genannt Royal York zur Freundschaft, und der 
Grossen Landesloge von Deutschland, eingefunden hatte. 



— 314 — 

1879 An Stelle des Verstorbenen wurde in der Sitzung der 
Grossloge vom 18. September zum zugeordneten National- 
Grossmeister der Br. Seh aper und zum Mitglied des Bunde»- 
direktoriums Br. Dr. Frederichs, Oberlehrer am Dorotheen- 
städtischen Real- Gymnasium, gewählt. 

Am 9. November feierte die Loge „Friedrich zur 
Tugend" in Brandenburg a.H. ihr 100 jähriges Stiftungsfest. 
Zu der Feier hatte der Kaiser wie auch der Kronprinz huldvolle 
Glückwunschschreiben erlassen. Der Protektor hatte zugleich 
sein Bildniss der feiernden Loge zu Teil werden lassen. 

1880 Die erste Verhandlung der Grossloge am 4. März (3. H. 
1880, S. 113 ff.) hatte mehrere Gesetzes -Vorlagen zum 
Hauptgegenstand der Beratung, um über sie Beschluss zu 
fassen, ehe sie der Gesetzgebungs-Versammlung vorgelegt 
werden konnten. Zunächst hatte das Bundes -Direktorium 
den Antrag gestellt, zu Art. 1 der Verfassung den Zusatz 
zu machen, dass die Grossloge in ihren Beziehungen zu den 
mit ihr verbündeten deutschen Grosslogen das Statut des 
deutschen Grosslogenbundes vom 19. Mai 1872 als massgebend 
anerkenne. War dies zum Gesetz erhoben, was bisher nur als 
Anmerkung zu Art. 1 aufgenommen war, so war damit zugleich 
die Antwort gegeben auf die Aufforderung des letzten Gross- 
logentages, den Entwurf einer National-Grossloge den gesetz- 
gebenden Körperschaften zur Beschlussfassung vorzulegen; es 
war die Ablehnung des Entwurfs damit ausgesprochen. Der 
Antrag des Bundes-Direktoriums ward angenommen. 

Wenn auch der Plan, eine deutsche Grossloge zu errichten, 
aufgegeben werden musste, fuhr der Grosslogentag doch 
fort, nützliche Vorschläge für die äussere Einigung der 
Grosslogen zu machen. Dahin gehörten die auf dem Gross- 
logentag zu Frankfurt 1879 gefassten Beschlüsse über die 
Annahme von Brm. (S. 312 f.). Das Bundes- Direktorium be- 
antragte die Aufnahme dieser Bestimmungen in unsere 
Statuten, welcher Antrag von der Grossloge angenommen ward. 

Eine nicht unwichtige Angelegenheit hatten unterm 
25. November 1879 12 Brüder der Grossloge zum Gegenstand 



— 315 — 

Yon Anträgen gemacht, die unsem Statuten in 10 Paragraphen 1880 
zugefügt werden sollten. Es handelte sich um eine gesetzliche 
Regelung der Maurerkränzchen für unsem Bund. Dass in 
Folge des in neuerer Zeit immer grösser und leichter werdenden 
Verkehrs und der unbehinderten Freizügigkeit sich nicht 
selten an Orten ohne Loge Freimaurer zusammenfanden, die den 
Wunsch und das Bedürfniss hatten, mit einander zu verkehren, 
behufs ihrer maurerischen Bildung ihre Gedanken auszutauschen, 
ja sich unter gewissen maurerischen Formen zu vereinigen, 
wird man ganz natürlich und auf den ersten Anblick es 
sonderbar finden, dass wenigstens von den 3 preussischen 
Grosslogen diese Vereinigungen von Anfang an mit Misstrauen 
angesehen wurden. Aber der Grund waren die Bestimmungen 
des Edikts von 1798, das die preussischen Grosslogen immer 
als die staatsrechtliche Grundlage unseres Bundes angesehn 
haben. Zwar hatte der Grossmeisterverein am 27. Oktober 
1857 bestimmt, dass Brüder sich zu einem gemeinschaftlichen 
Mahl versammeln könnten, wenn sie der Polizeibehörde 
davon Anzeige gemacht hätten, aber jedesfalls ohne maurerische 
Formen. Allein schon im folgenden Jahr gab der Gross- 
meisterverein mit Hinweis auf das Edikt die Erklärung ab, 
dass das Bestehen sogenannter Klubversammlungen nicht zu 
befördern sei, am allerwenigsten die Uebernahme einer ver- 
antwortlichen Beaufsichtigung derselben. Man hob diese 
sogenannten Klubversammlungen nicht auf, aber man verlangte, 
wenn sie zur Kenntniss der Grossloge kämen, der Polizei- 
behörde den Versammlungsort anzuzeigen, und dass die Brüder 
keine maurerischen Formen anwenden sollten. 

In der Vierteljahrs -Versammlung unserer Grossloge vom 
31. Mai 1860 wurde in Veranlassung dieser Erklärung des 
Grossmeistervereins der Beschluss gefasst: 

„Eine Versammlung von Freimaurern an Orten, wo 
keine Logen bestehen, ist unter allen Um.standen nicht 
zu dulden, und zwar unter Hinweis auf die Vorschrift des 
Edikts vom 20. Oktober 1798^ 

Dem Wortlaut nach passt nun freilich der § 12 des 
Edikts nicht auf die eigentlichen Freimaurerkränschen, die 



— 316 — 

1880 ja nur da sich bilden, wo keine Logen sind, sondern es 
wird in § 12 gesagt, dass die Freimaurer- Mitglieder einer Loge 
keine Zusammenkünfte anderswo halten dürften als an den 
der Polizei angezeigten Versammlungsorten. Mit dieser 
ausdrücklichen Bestimmung im § 12 des Edikts sollte ofTenbar 
der Missbrauch des Rechtsschutzes, der den Freimaurern 
gewährt war, verhindert werden. Denn bei dem Misstrauen, 
das damals in der Gesetzgebung und Verwaltung herrschte, 
lag der Gedanke nahe, die Freimaurer könnten sich unter 
dem Schutz ihrer bevorrechteten Stellung ausserhalb der 
Loge versammeln und hier anstatt freimaurerische Angelegen- 
heiten zu besprechen, hochverrätherische und Umsturzpläne 
entwerfen. Um solchem Missbrauch des Privilegiums vor- 
zubeugen, war offenbar jene Bestimmung getroffen, nicht 
um friedliche Maurerkränzchen zu verbieten, ganz abgesehen 
davon, dass sie damals noch gar nicht vorhanden waren. 

In Berlin hatte sich ein maurerisches Kränzchen gebildet, 
das keiner Grossloge bezw. Johannisloge sich unterstellt 
hatte. Die Schritte, die man gegen es auf Grund des Edikts 
thun wollte, waren hinfällig, da es sich bald wieder aufgelöst 
hatte. Bei Besprechung dieser Angelegenheit im berliner 
Grossmeisterverein vom 25. Februar 1878 ward es als wünschens- 
wert hingestellt, die Sache beim nächsten Grosslogentag 
in Anregung durch einen Antrag zu bringen, den der Gross- 
meisterverein stellte (S. 90, 2. Heft): „Die Stiftung solcher 
maurerischen Kränzchen, welche erklären, sich unter die 
Obhut einer der deutschen Grosslogen stellen zu wollen und 
demnächst von der betreffenden Grossloge der besonderen 
Beaufsichtigung einer ihrer Tochterlogen zu überweisen sind, 
für die Folge zu gestatten^, wenngleich mit den Beschränkungen 
im § 12 des Edikts von 1798. Die Landesloge von Sachsen 
hatte Vorschriften für ihre Kränzchen schon 1855 entworfen; 
ebenso hatte Hamburg die Sache geregelt. Es kam dabei 
auch auf dem Grosslogentag zur Sprache, ob die Gründung 
von Freimaurerkränzchen der acht Grosslogen in Deutsch- 
land Gebiets-Beschränkungen unterliege. Denn der Gross- 
meister der Grossen Landesloge rügte die Gründung eines 



— 317 — 

Kränzchens in Lichterfelde seitens der Loge in Giessen. Als 1880 
Zweck des ganzen Antrages ward von dem Grossmeister der 
Grossen Landesloge erklart, man sei jetzt geneigt den früheren 
Beschlnss von 1860, der gegen die Maorerkränzchen sei, fallen 
zu lassen, und er ziehe seinen Antrag zurück. Die mildere 
Uebang, die selbst von der Grossen Landesloge and der 
Grossen National -Mutterloge eingeführt ward, entsprang 
aus der Wahrnehmung, dass aus den Kränzchen sich leicht 
Logen bildeten. Dazu kam, dass Royal York durch den 
Anschluss der hannoverschen Logen auch die Ejränzchen 
überkommen hatte, weshalb diese Grossloge eine gesetzliche 
Regelung der Frage 1879, 1. Dezember, bewerkstelligte. 

Der Antrag der 12 Brr. vom 25. November 1879 bezüglich 
der Maurerkränzchen wurde jedoch vom Gesetz-Prüfungs- 
ausschuss abgelehnt. 

Die Königsberger Loge hatte ihren Antrag wiederholt, 
dass nur die ordentlichen Mitglieder der Grossloge des 4. Grades 
bedürfen, nicht aber die Ehrenmitglieder, sowohl die gewählten 
wie die, welche es kraft ihres Amtes sind, die Vorsitzenden 
und zugeordneten Meister. Dieselbe Loge hatte femer den 
Antrag gestellt, eine grössere Freiheit in Bezug auf die Zu- 
lassung besuchender bezw. ständig besuchender Brüder zu 
gestatten; ob eine Loge nämlich einen Bruder als ständig 
Besuchenden annehmen oder ihm überhaupt, sei es vor Ab- 
lauf eines Jahres oder nach einem Jahr oder später noch 
den Zutritt gestatten will, soll ihr unbeschränkt bleiben. 
Auch dieser Antrag ward von dem Gesetzprüfungs-Ausschuss 
abgelehnt. Ebenso lehnte die Grossloge die Anträge ab 
(3. Heft, S. 118). 

Vor dem Zusammentritt der Gesetzgebenden Ver- 
sammlung hatte der Grossmeister in einer Sitzung vom 
1. Mai das Bedürfniss nach einer Ordnung der Verhältnisse 
der maurerischen Ejränzchen anerkannt, womöglich darch 
Verwandlung der Kränzchen in Logen. Die Grossloge Royal 
York erklärte, dass ihr Abgehen von der in der Sitzung 
vom 1. Mai 1860 über die Kränzchen getroffenen Ver- 
einbarung veranlasst worden sei durch den Zutritt der 



— 318 — 

1880 hannoverschen Logen and der von ihnen abhängenden 
Kränzchen. 

Am 8. Mai fand die Gesetzgebongs- Versammlang statt 
(4. Heft, S. 147). Es waren 124 stimmberechtigte Mit- 
glieder anwesend. Der Antrag des Bandes-Direktorioms 
in Bezag aaf die Anerkennang des Statuts des Grosslogen- 
bandes von 1872 ward fast einstimmig angenommen, and es 
ward dabei von Seiten des Bandes- Direktoriums ausdrücklich 
hervorgehoben, dass damit der Fortentwicklung der be- 
stehenden Einrichtung keineswegs entgegengetreten werde. 
Der zweite Antrag des Bundes -Direktoriums über die gleich- 
massigen Vorschriften der Annahme wurde gleichfalls an- 
genommen. 

Die Meinungen über die Regelung der Frage der Maurer- 
Kränzchen gingen auseinander; man war verschiedener 
Ansicht, ob diese Vereine dem Edikt widersprächen oder 
nicht, und ob es besser sei, diese mit oder ohne Statuten 
zu gründen. Als dann schliesslich der National-Grossmeister 
die Erklärung abgab, das Direktorium der 3 Weltkugeln sei 
mit der Grossen Landesloge darin einig, dass die Gründung 
von Maurerkränzchen statthaft wäre , aber ohne Namen und 
Statuten und unter Aufsicht einer der nächst gelegenen 
Logen, ging die Versammlung über den Antrag der 12 Brr. zur 
Tagesordnung über. 

Die Königsberger Anträge wurden abgelehnt. 

Die von der Versammlung angenommenen Anträge 
wurden vom Bundes -Direktorium bestätigt. — 

Der Grosslogentag trat am 16. Mai in der Grossen 
Landesloge der Freimaurer von Deutschland in Berlin 
zusammen. Der Hauptgegenstand der Tagesordnung war 
die endgültige Beschlussfassung über den vom Ausschuss fest- 
gestellten Entwurf einer Bundesverfassung der vereinigten 
deutschen Grosslogen. Ohne auf die Sache selbst einzugehen 
beschloss der Grosslogentag einstimmig: 

„Den Entwurf des Hamburger Fünf er- Ausschusses zu 
einer neuen Bundesverfassung der vereinigten acht deutschen 
Grosslogen zur Zeit ganz auf sich beruhen zu lassen^. 



— 319 — 

Der nächst wichtige einstimmig gefasste Beschloss 1880 
lautete also: 

„Will eine Loge einen Aasgeschlossenen wieder auf- 
nehmen, so hat sie Entscheidung ihrer Grossloge nach- 
zusuchen, welche, wenn der Ausgeschlossene bisher Mitglied 
einer zum deutschen Grosslogenbund gehörenden Loge 
war, behufs Prüfung der Gründe, wegen deren die Aus- 
schliessimg erfolgt ist, die Grossloge derjenigen Loge, 
welcher der Ausgeschlossene angehörte um Auskunft zu 
ersuchen hat. Solche Auskunft muss innerhalb 6 Wochen 
erteilt werden**. — 

Am 29. Oktober fand die Einweihung einer neuen Loge 
„Zur festen Burg" in Krossen statt (12. 4. S. 96). 

Am 31. Januar fand die Feier des 76jährigen Stiftungs- 1881 
festes der Johannisloge „Ernst zum Kompass** zu Gotha 
statt. 

Das in allen Gauen unseres Vaterlandes freudig auf- 
genommene Ereigniss der Vermählung des Prinzen Wilhelm 
mit der Prinzessin Augusta Viktoria von Schleswig- Holstein 
gab den drei preussischen Grosslogen Anlass, ihren Glück- 
wunsch dem stellvertretenden Protektor, dem Kronprinzen, 
darzubringen, worauf von ihm eine huldvolle Antwort 
erfolgte (12. Heft 3, S. 49). 

Der im vorigen Jahr auf dem Grosslogentag in Berlin 
am 16. Mai in Bezug auf die Wiederaufnahme von Aus- 
geschlossenen ausgesprochene Grundsatz wurde als Antrag 
auf Ergänzung des § 260 der Bundesstatuten vom 19./24. 
April 1873 von Seiten des Bundes -Direktoriums bei der 
Grossloge eingebracht, und zwar als 3. Absatz in abweichender 
Fassung, da im 2. Absatz die Bestimmung bereits enthalten 
war, dass keine Loge einen Ausgeschlossenen zur Wieder- 
aufnahme zulassen dürfte, ohne vorher die Entscheidung 
ihrer Bundesbehörde nachgesucht zu haben. 

DerGesetzprüfungs-Ausschuss beantragte die Dringlichkeit 
des Vorschlages. Diese wie der Antrag wurden einstimmig in der 
Grossloge vom 3. M är z angenommen, so dass, da in diesem Jahr 



— 320 — 

1881 wegen Mangels an Vorlagen keine Gesetzgebungs -Versammlung 
einzuberufen war, das Gesetz sofort auf Grund der Art. 80 
und 85 vom Bundes-Direktorium bestätigt und als Bundes- 
gesetz am 16. März verkündet wurde vorbehaltlich späterer 
Genehmigung. 

In der Grosslogen -Sitzung am 2. Juni ward an Stelle 
des Br. Zschiesche, der die Annahme der Wiederwahl 
verweigert hatte, Br. Schaper zum Grossmeister und Br. 
Marot zum zugeordneten Grossmeister erwählt. Da Br. 
Marot die Annahme der Wahl ablehnte, ward Br. Frederichs 
in der Sitzung am 15. September zu dieser Würde erwählt. 
Br. Zschiesche ward in der Sitzung vom 2. Juni einstimmig 
zum Ehren -Grossmeister ernannt. 

Die Verhandlungen des Grosslogentages fanden in 
diesem Jahr am 15. Juni zu Bayreuth statt. Angenommen 
mit einem geringen Zusatz wurde folgender von der 
Darmstädter Grossloge gestellter Antrag: 

„Jede Johannisloge hat über eine von ihr durch 
Kugelung vorgenommene Abweisung oder Zurückstellung 
eines Suchenden sofort ihrer Grossloge, und diese dem 
geschäftsführenden Vorstand des deutschen Grosslogen- 
bundes Mitteilung zu machen, welcher dann Sorge zu tragen 
hat, dass die sämmtlichen deutschen Grosslogen hiervon 
Kenntniss erhalten". 

Zugleich beschloss der Grosslogentag einen Ausschuss 
einzusetzen, der Vorarbeiten zu einem Gesetzentwurf über 
ein allgemeines Aufnahme- und Kugelungs- Gesetz für die 
verbündeten Grosslogen zu übernehmen habe. 

Ferner wurde mit Bezug auf das Statut des Grosslogen- 
bundes beschlossen: 

„ Ueber Anträge auf Aenderung des Statuts des deutschen 
Grosslogenbundes kann erst nach Verlauf eines Jahres nach 
Einreichung derselben gestimmt werden." — 

Unterm 28. September erteilte das Bundes-Direktorium 
eine Antwort auf ein Schreiben des Grossmeisters des König- 
reichs der Niederlande, in welchem die Nichtaufnahme der 
Israeliten in unserer Loge als nicht mit den maurerischen 



— 321 — 

Orandsätzen vereinbar erklärt wurde, und wir aufgefordert 1881 
wurden, Massregeln zu ergreifen, um die darauf bezüglichen 
Bestimmungen in unsern Statuten aufzuheben. 

Unsere Antwort ging dahin, dass bereits seit mehreren 
Jahren von unseren eigenen Logen Anträge zu dem Zweck 
gestellt seien, dass sie aber in unserer gesetzgebenden 
Versammlung bisher noch nicht die vorschriftsmässige 
Mehrheit von % der Stimmen hätten errlangen können, und 
schloss folgendermassen: 

9 Wir erkennen mit Ihnen im Grundsatz die Ausschliessung 
der Israeliten von der Aufnahme in unsere Logen als nicht 
vereinbar mit dem Grundwesen der Freimaurerei an und 
geben uns auch der sicheren Hoffnung hin, dass diese 
Schranke auf gesetzlichem Wege in nicht allzufemer Zeit 
in unserem Bunde fallen wird**. 

Am 2. Oktober wurde eine neue Loge „HohenzoUem^ 
zu Wiesbaden eingeweiht. 

In diesem Jahr starb der National-Grossmeister des Gross- 
orients der Niederlande, Prinz Friedrich der Niederlande. 
Die Verdienste dieses Bruders um die Freimaurerei, seine 
hohen sittlichen Eigenschaften und der Umstand, dass er 
bei uns das maurerische Licht erblickt hatte, veranlasste 
das Bundes -Direktorium, eine besondere Trauerloge an- 
zuordnen , die am 20. Oktober stattfand. Zu dieser Feier 
erschien auch der Kronprinz. 

Am 3. Januar fand die Einweihung der Loge „Zum 1882 
Friedens-Tempel ^ in Friedland in Mecklenburg-Strelitz statt. 

Mit Rücksicht auf die im folgenden Jahr stattfindende 
Durchsicht der Verfassung und der Statuten fiel die Gesetz- 
gebungs- Versammlung aus, wovon das Bundes -Direktorium 
die Logen in einem Rundschreiben vom 28. Februar 
benachrichtigte. 

In der Sitzung des 2. März gedachte in ehrenden Worten 
der zugeordnete National- Grossmeister Br. Frederichs 
des am 12. Januar in den ewigen Osten eingegangenen 

Uetch. d. Gr Nat.MotUr-Log«. 21 



— 322 — 

1882 Brs. v. Wartensieb en und seiner vielen Verdienste um 
unseren Bund. (13. 3. H., S. 82.) 

Am 26. März wurde eine neue Loge „Zu den drei 
Gleichen^ in Arnstadt eingeweiht. 

In der Sitzung vom 4. Mai teilte der Grossmeister mit, 
dass die eingegangenen Abänderungsvorschläge nicht weniger 
als 45 Artikel der Grundverfassung und 95 Paragraphen 
der Bundesstatuten beträfen. 

Die Geburt eines Urenkels unseres Kaisers und eines 
Enkels des Kronprinzen gab den drei Grosslogen die freudige 
Veranlassung, die innigsten Glückwünsche dem Kaiser und 
dem Kronprinzen darzubringen. (20. Mai.) — 

Der Grosslogentag trat am 28. Mai in Berlin in der 
Grossloge Royal York Zur Freundschaft zusammen. In 
Berlin war unter dem Vorsitz des Br. Schreiner von 
Seiten des engeren Ausschusses in Folge des Auftrages, 
den dieser auf dem vorjährigen Grosslogentag bekommen hatte 
(S. 320), der Entwurf eines allgemeinen Aufnahme- und 
Kugelungs- Gesetzes für die zum deutschen Grosslogenbund 
gehörenden Logen ausgearbeitet worden. Der Entwurf wurde 
mit einigen Abänderungen einstimmig angenommen und den 
deutschen Grosslogen zur Annahme empfohlen. Die Anträge 
der Grossen Landesloge über abgewiesene Suchende wurden 
nach dem Antrag des Ausschusses einstimmig abgelehnt. 

üeber den Darmstädter Antrag, betreffend eine Durchsicht 
des Statuts und der Geschäftsordnung, ward beschlossen, 
von den anderen Anträgen in Bezug auf Aenderung einzelner 
Paragraphen des Statuts abzusehen, die Anträge aber an die 
Darmstädter Loge gelangen zu lassen mit dem Ersuchen, genaue 
Vorschläge für den nächsten Grosslogentag vorzubereiten. 

Bei der Beratung über den Antrag der Grossen Landes- 
loge von Deutschland: 

„Der deutsche Grosslogenbund möge den deutschen 
Grosslogen empfehlen, die Brüder zu verpflichten, dass 
diese auf Geschäfts- Adressen, Empfehlungen, Korrespon- 
denzen u. s.w. keine freimaurerischen Embleme anbringen^^ 



— 323 — 

wurde einfitimmig das Bedürfniss anerkannt, zur Sache Ab- 1882 
hilfe eintreten zu lassen, und den deutschen Grosslogen 
empfohlen, nach Möglichkeit auf die Beseitigung des an- 
gegebenen Debelstandes hinzuwirken. — 

Br. Marot hatte in einem an das Bundes -Direktorium 
gerichteten Schreiben erklärt, er könne sich nicht länger der 
Deberzeugung yerschliessen, dass seine Kräfte zur Erfüllung 
aller übernommenen Pflichten nicht mehr ausreichten, 
dass er daher aus dem Bundes-Direktorium und der Gross- 
loge ausscheide. Da Br. Marot Vorsitzender des Gesetz- 
prüfungs- Ausschusses war, musste schleunigst eine ausser- 
ordentliche Sitzung der Grossloge berufen werden, um auf 
Grund dieser Mitteilung einen neuen Vorsitzenden zu wählen, 
da der in Fülle vorliegende Stoff für die Gesetzprüfung 
noch nicht in Behandlung genommen war. Diese Sitzung 
fand am 12. Oktober statt. Zum Vorsitzenden des Gesetz- 
prüfungs - Ausschusses wurde Br. Frederichs gewählt und 
zum Mitglied Br. Gerhardt. 

Der Gesetzprüfungs-Ausschuss, dem die schwierige Auf- 
gabe der Bearbeitung der Verfassung und der Statuten oblag, 
bestand aus den Brüdern: Frederichs Vorsitzender, 
Dahms I, Brettschneider, Maetzner, Gerhardt, 
van den Wyngaert, Krückeberg, Strübing, Grasnick, 
V. Schweinichen, Brückner, Tuckermann. 

Am 7. Dezember fand das 100 jährige Stiftungsfest 
der Loge „Friedrich Wilhelm zum goldenen Zepter" in 
Küstrin statt. 

In der Sitzung vom 11. Januar wurde Prinz Arthur, 1883 
Herzog von Connaught zum Grossvertreter der Grossen 
National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln bei der vereinigten 
Grossloge von England auf Vorschlag seines Bruders, des 
Prinzen von Wales, gewählt. 

In Anlass der am 25. Januar stattfindenden Feier der 
silbernen Hochzeit des Kronprinzen des deutschen Reiches 
und von Preussen und dessen Gemahlin, hatten die Gross- 
meister der deutschen Grosslogen schon eine vorläufige 

21* 



— 324 — 

1883 Besprechung gehabt, um dem hohen Paar neben den Glück- 
wünschen ein dauerndes Zeichen der Verehrung, Liebe und 
Ergebenheit zu widmen. In Folge dessen schlug der geschäfts- 
führende Grossmeister Br. Herrig in einem Schreiben vom 
9. Oktober 1882 an die verbündeten Grosslogen vor, durch 
freiwillige Beiträge seitens der einzelnen Logen und ihrer Mit- 
glieder ein Schwesternhaus zu gründen, dessen Bestimmung 
sein sollte, hilfsbedürftigen und würdigen Wittwen und 
Töchtern verstorbener Brüder Freimaurer eine sichere Zuflucht 
zu gewähren. In diesem Sinn forderte der Grossmeister zu 
Beiträgen auf, damit dem Jubelpaare mit den Glückwünschen 
des deutschen Grosslogenbundes zugleich über das Ergebniss 
der Sammlung Kunde gebracht werden könnte. 

Am 21. Januar hatten die Grossmeister der sämmtlichen 
8 deutschen Grosslogen die Ehre, von dem hohen Paar in 
besonderem Gehör empfangen zu werden und eine Zuschrift 
verlesen zu dürfen. (3. Kreisschr. 1883, 20. Febr.). Da sich 
inzwischen einige Bedenken gegen die Gründung eines 
Schwesternhauses erhoben hatten, wurde in der Zuschrift 
allgemein nur eine Stiftung für Wittwen und Waisen 
von Brüdern genannt, die ein Denkmal sein sollte der durch 
unseren Kaiser angebahnten Einigkeit und der Verehrung 
für die Gemahlin des Kronprinzen. Dieser dankte für die 
überreichte Zuschrift und war mit seiner Gemahlin hoch 
erfreut und sichtlich gerührt. Die Beiträge hatten die Summe 
von 102,500 Mk. erreicht. Der nächste Grosslogentag sollte über 
die Sanmilung weitere Bestimmung treffen. 

Auch die drei preussischen Grosslogen hatten ihre Glück- 
wünsche dem Jubelpaar zum 25. Januar dargebracht, ebenso 
wie dem Kaiser ein Beileidschreiben in Folge des Todes des 
Prinzen Karl am 31. Januar. 

Am 15. Februar wurde eine Trauerfeier gehalten zum 
Andenken an den gestorbenen Br. Albrecht, Mitglied des 
Bundes-Direktoriums. 

In der Sitzung der Grossloge am 8. März erfolgte die Berat- 
schlagung und Beschlussfassung über die Anträge des Gesetz- 
prüfungs-Ausschusses bezüglich der ihm überwiesenen Anträge. 



— 326 — 

Es handelte sich nur nm die Grundverfassung, da es 1883 
dem Ausschoss unmöglich gewesen war, auch die Anträge 
zu den Bondesstatnten zu beraten. Diese Arbeit mosste dem 
folgenden Jahr vorbehalten bleiben. 

Der Gesetzprüf ongs -Ausschoss hatte auf Grund der ein- 
gegangenen Anträge auf das gründlichste und sorgfältigste 
die bestehende Verfassung einer Durchsicht unterworfen. Er 
war bei dieser Arbeit von dem Grundsatz ausgegangen, alle 
Anträge abzulehnen, die die geschichtliche Entwicklung der 
Grossen National-Mutterloge verleugneten ; sodann wollte der 
Ausschuss einerseits innerhalb der Grossloge eine Vertretung 
der Tochterlogen durch deren Vorsitzende Meister schaffen, 
die den Wünschen der Johannislogen ganz besonders entspräche, 
und andererseits eine Grossloge, in der die bisherige lebens- 
längliche Mitgliedschaft unter gleichzeitiger Festsetzung 
veränderterBedingungen für die Ehrenmitgliedschaft aufgegeben 
würde. Der Gesetzprüfungs-Ausschuss, bisher ein Glied der 
Grossloge, sollte fortan ein Glied der gesetzgebenden Ver- 
sammlung sein. Die Grossloge nahm den Verfassungs-Entwurf 
in der von dem Gesetzprüfungs-Ausschuss vorgeschlagenen 
Form an. Ebenso wurde das von dem deutschen Grosslogentag 
beschlossene Aufnahmegesetz einstimmig genehmigt. 

Am 23. April erfolgte das Hinscheiden des Ehren-National- 
Grossmeisters Br. Zschiesche. Die Trauerfeier fand unter 
zahlreicher Beteiligung der Brüder im Bundeshaus statt. 

In der Sitzung am 26. April ward Br. Grasnick, 
Dr. med., Oberstabs- und Gamisonsarzt, zum Mitglied des 
Bundes-Direktoriums gewählt. 

Am 5. Mai ward die gesetzgebende Versammlung 
abgehalten. (14. Heft 4, S. 126 ff.) Der neue Verfassungs- 
entwurf unterschied sich zunächst äusserlich durch eine 
strengere logische Gliederung. Indem in Art 1 und 2 gehandelt 
wird von der Staats- und privatrechtlichen Grundlage des 
Bestehens der Grossen National-Mutterloge, von ihrer Stellung 
zum Grosslogenbund und von ihren Organen, dem Bundes- 
Direktorium, der Grossloge im engeren Sinn und der gesetz- 
gebenden Versammlung, ist die weitere Gliederung diese: 



— 326 — 

1883 I. Von der Grossloge. 

1. Von den Mitgliedern der Grossloge. 

2. Von den Beamten der Grossloge. 

3. Von den Vertretern der Tochterlogen bei der (xrossloge. 

4. Von den Versammlungen der Grossloge. 

5. Von den Geschäften der Grossloge. 

II. Von dem Bundes -Direktorium. 

1. Von der Zusammensetzung des Bundes -Direktoriums. 

2. Von den Versammlungen des Bundes -Direktoriums. 

3. Von den Geschäften des Bundes -Direktoriums. 

in. Von der gesetzgebenden Versammlung. 

1. Von der Stellung der gesetzgebenden Versammlung 
im Allgemeinen. 

2. Von der Zusammensetzung der gesetzgebenden Ver- 
sammlung. 

3. Von der Vorbereitung der Beschlüsse der gesetz- 
gebenden Versammlung. 

4. Von den Verhandlungen der gesetzgebenden Ver- 
sammlung. 

5. Von der Bestätigung der Beschlüsse der gesetz- 
gebenden Versammlung und der Verkündigung der 
Bundesgesetze. 

Der neue Entwurf hatte als eine Urkunde, durch die 
den Tochterlogen das Recht einer wirklichen Vertretung 
erteilt wurde, gegenüber der Verfassung von 1873 grosse 
Vorzüge. Allerdings war der Gesetzprüfungs - Ausschuss 
von dem Grundsatz ausgegangen, dass es vor allem 
notwendig sei, den überkommenen Rechtszustand nach den 
Anforderungen der Gegenwart fort zu bilden. Deshalb 
waren auch alle Anträge abgewiesen worden, die darauf 
abzielten, die National-Mutterloge durch eine Vertreterloge 
zu ersetzen. Aber das konnte sich der Ausschuss nicht 
verhehlen, dass es in der Gerechtigkeit läge, wenn im 
Anschluss an das frühere Recht, dem gemäss die Vorsitzenden 
und zugeordneten Meister auswärtiger Tochterlogen für 
die Zeit ihrer Anwesenheit in Berlin Sitz und Stimme in der 



— 327 — 

Grossloge hatten, dies aber durch die neue Verfassong von 1883 
1873 verloren hatten, das grössere Recht gewährt 
wurde, dass die Vorsitzenden Meister aller Johannislogen 
oder ihre gesetzlichen Vertreter in Zukunft als vollberechtigte 
Mitglieder, nicht blos als Ehrenmitglieder, der Grossloge 
anerkannt wurden, und als solche an allen Abstimmungen 
Teil nehmen konnten, die sich nicht auf innere An- 
gelegenheiten der berliner Tochterlogen bezogen. So sollte 
denn nun die neue Grossloge hinfort bestehen aus stimm- 
berechtigten und aus Ehrenmitgliedern. 
Stimmberechtigte Mitglieder sind: 

1. Die von der Grossloge hierzu gewählten Brüder. 

2. Die Vorsitzenden Meister, und in ihrer Vertretung die 
zugeordneten oder zweitzugeordneten Meister der 
Tochterlogen der Grossen National -Mutterloge für 
die Dauer ihres Amtes. 

Das war eine gründliche Umgestaltung der Ver- 
fassung. Daneben war zunächst von Wichtigkeit, dass in 
Ueber einst immung mit einer grossen Zahl von Anträgen 
die Lebenslänglichkeit der Mitgliedschaft und die Ehren- 
mitgliedschaft kraft eines Logenamtes beseitigt, aber für 
die gewählten Mitglieder der Grossloge das Erfordemiss des 
Besitzes des 4. Grades vom Ausschass noch beibehalten 
wurde. Einer Aenderung bedurfte das Verhältniss der Ver- 
treter, nachdem alle Logen nun ihre stimmberechtigten Mit- 
glieder in der Grossloge in ihren Vorsitzenden bekommen 
hatten. Daher sollte von jetzt an jede Loge nicht mehr die 
Pflicht, sondern nur das Recht haben, sich ständige 
Vertreter und zwar auf Widerruf zu wählen. Auch die 
gesetzgebende Versammlung blieb unverändert in ihrer 
Zusammensetzung und ihren Befugnissen, nur ward der 
Gesetzprüfungs-Ausschuss Glied der gesetzgebenden Ver- 
sammlung, wie schon erwähnt worden. Das unbeschränkte 
Einspruchsrecht des Bundes-Direktoriums wurde aber um 
so mehr in aller Strenge aufrecht erhalten, als gegenüber 
der durch die neue Einrichtung bedingten grösseren Beweglich- 
keit zur Sicherung der Stetigkeit der Entwicklung ein 



— 328 — 

1883 Gegengewicht onerlässlich war. Dagegen ward auf die 
Lebenslänglichkeit der Mitglieder des Bandes-Direktoriums 
verzichtet, and an deren Stelle trat die Wahl auf 12 Jahre ein. 

Die Verhandlungen über den Entwurf in der Sitzung 
nahmen einen raschen und ununterbrochenen Verlauf. Die 
Verfassung wurde mit geringfügigen Aenderungen so an- 
genommen, wie sie aus dem Ausschuss und den Beratungen 
der Grossloge hervorgegangen war. Nur über einen Punkt 
gingen die Ansichten auseinander, nämlich über die Not- 
wendigkeit des Besitzes des 4 Grades für die gewählten 
Mitglieder der Grossloge. Bei der Abstimmung drang doch 
die Ansicht durch, dass dazu der Meistergrad genüge, 
was dann verfassungsmässige Bestimmung ward. 

Das allgemeine Aufnahmegesetz für die zu dem deutschen 
Gbrosslogenbund gehörigen Logen fand einstimmige Annahme. 
Abweichend von unseren bisherigen Bestimmungen war in 
diesem Gesetz nur die Bestimmung, dass in Zukunft an der 
Kugelung über Aufzunehmende auch die Gesellen und 
Lehrlinge Teil nehmen sollten; femer waren die Bestimmungen 
in Bezug auf die Aufnahme verschärft worden: es sollte 
hinfort die vorläufige Abstimmung in der Lehrlingsloge fort- 
fallen, und nach einem ausführlichen Bericht über den 
Suchenden sein Name ohne Weiteres an die Tafel 
kommen. 

So trat denn mit dem Johannistag, 24. Juni, nach Be- 
stätigung durch das Bundes-Direktorium die neue Verfassung in 
Kraft, und wenn auch die Beteiligung der auswärtigen Tochter- 
logen an den Beratungen der Grossloge eine sehr geringe 
blieb, waren nun doch zum Heil und Segen unseres 
Bundes langjährige Verfassungskämpfe beendet und das 
Bewusstsein und die Einheit unseres Bundes gekräftigt 
und gefestigt. (14. Heft 2, 3.) — 

Der Grosslogentag trat am 13. Mai in Darmstadt zusammen. 

In Bezug auf das allgemeine Aufnahmegesetz wurde 
zunächst durch einstimmigen Beschluss festgestellt, dass das 
Aufnahmegesetz von den Grosslogen vorbehaltlich der voraus- 
sichtlichen Zustimmung der Grossen Loge von Hamburg 



— 329 — 

angenommen sei. Dazu kam ebenfalls der einstimmigeBeschluss, 1888 
dass alle deutschen Grosslogen dringend aufzufordern seien, 
das Aufnahmegesetz bis zum 1. Oktober zur Ausffthrung 
zu bringen und der geschäftsführenden Grossloge davon 
Mitteilung zu machen. 

Deber die Verwendung der gesammelten Summe von 
106,269 Mk. 85 Pf. als Grundstock der Kronprinzenstiftung, 
wozu unser Bund 35,514 Mk. 50 Pf. beigesteuert, hatten sich 
zwei Richtungen geltend gemacht, von denen die eine die 
Gründung einer pensionsähnlichen Anstalt wünschte, während 
der andern eine blosse Zahlung von Unterstützungen zweck- 
mässiger erschien. Auf eingeholten Wunsch des Kronprinzen 
sollten beide Richtungen in der Weise verschmolzen werden, 
dass neben der Zahlung von Unterstützungen das Schwestern- 
haus eine der in Berlin bestehenden Rother-Stiftung 
ähnliche Einrichtung erhalten sollte. Die Vorarbeiten dazu 
wurden durch Beschluss des Grosslogentages in die Hände 
von 5 Mitgliedern gelegt. 

Es hatte sich das Bedürfniss nach einer besser geregelten 
Ordnung des Statuts und der Geschäftsordnung von 1876 
herausgestellt. So ging denn aus der eingehenden Beratung 
der Versammlung das neu durchgesehene Statut und die 
Geschäftsordnung von 1884 hervor. Aber die endgültige 
Beratung und Beschlussfassung darüber sollte erst auf dem 
nächsten Grosslogentag eintreten. 

Ein neues Muster für statistische Nachweisungen wurde 
einstimmig angenommen. 

Dem Gross -Orient von Italien wurde die nachgesuchte 
Anerkennung gewährt. — 

Am 24. Mai fand noch eine besondere Gedächtnissfeier 
zu Ehren des verstorbenen Ehrengrossmeisters Br. Zschiesche 
statt, an der sich auch die Grossmeister der beiden Schwester- 
Grosslogen beteiligten. 

Am 2. Juni ward zu Naumburg a. d. Saale eine delegirte 
Altschottische Loge „Zur neuen Burg an der Saale ** 
gestiftet. 



— 328 — 

1883 Gegengewicht onerlässlich war. Dagegen ward auf die 
Lebenslänglichkeit der Mitglieder des Bandes- Direktoriums 
verzichtet, and an deren Stelle trat die Wahl aaf 12 Jahre ein. 

Die Yerhandlangen über den Entwarf in der Sitzung 
nahmen einen raschen und ununterbrochenen Verlauf. Die 
Verfassung wurde mit geringfügigen Aenderungen so an- 
genommen, wie sie aus dem Ausschuss und den Beratungen 
der (rrossloge hervorgegangen war. Nur über einen Punkt 
gingen die Ansichten auseinander, nämlich über die Not- 
wendigkeit des Besitzes des 4 Grades für die gewählten 
Mitglieder der Grossloge. Bei der Abstimmung drang doch 
die Ansicht durch, dass dazu der Meistergrad genüge, 
was dann verfassungsmässige Bestimmung ward. 

Das allgemeine Aufnahmegesetz für die zu dem deutschen 
Grosslogenbund gehörigen Logen fand einstimmige Annahme. 
Abweichend von unseren bisherigen Bestimmungen war in 
diesem Gesetz nur die Bestimmung, dass in Zukunft an der 
Eugelung über Aufzunehmende auch die Gesellen und 
Lehrlinge Teil nehmen sollten; femer waren die Bestimmungen 
in Bezug auf die Aufnahme verschärft worden: es sollte 
hinfort die vorläufige Abstimmung in der Lehrlingsloge fort- 
fallen, und nach einem ausführlichen Bericht über den 
Suchenden sein Name ohne Weiteres an die Tafel 
kommen. 

So trat denn mit dem Johannistag, 24. Juni, nach Be- 
stätigung durch dasBundes-Direktorium die neue Verfassung in 
Kraft, und wenn auch die Beteiligung der auswärtigen Tochter- 
logen an den Beratungen der Grossloge eine sehr geringe 
blieb, waren nun doch zum Heil und Segen unseres 
Bundes langjährige Verfassungskämpfe beendet und das 
Bewusstsein und die Einheit unseres Bandes gekräftigt 
und gefestigt. (14. Heft 2, 3.) — 

Der Grosslogentag trat am 13. Mai in Darmstadt zusammen. 

In Bezug auf das allgemeine Aufnahmegesetz wurde 
zunächst durch einstimmigen Beschluss festgestellt, dass das 
Aufnahmegesetz von den Grosslogen vorbehaltlich der voraus- 
sichtlichen Zustimmung der Grossen Loge von Hamburg 



— 329 — 

angenommen sei. Dazu kam ebenfalls der einstimmigeBeschluse, 1888 
dass alle deutschen Grosslogen dringend aufzufordern seien, 
das Aufnahmegesetz bis zum 1. Oktober zur Ausführung 
zu bringen und der geschäftsführenden Grossloge davon 
Mitteilung zu machen. 

Deber die Verwendung der gesammelten Summe von 
106,269 Mk. 85 Pf. als Grundstock der Eronprinzenstiftung, 
wozu unser Bund 35,514 Mk. 50 Pf. beigesteuert, hatten sich 
zwei Richtungen geltend gemacht, von denen die eine die 
Gründung einer pensionsähnlichen Anstalt wünschte, während 
der andern eine blosse Zahlung von Unterstützungen zweck- 
mässiger erschien. Auf eingeholten Wunsch des Kronprinzen 
sollten beide Richtungen in der Weise verschmolzen werden, 
dass neben der Zahlung von Unterstützungen das Schwestern- 
haus eine der in Berlin bestehenden Rother-Stiftung 
ähnliche Einrichtung erhalten sollte. Die Vorarbeiten dazu 
wurden durch Beschluss des Grosslogentages in die Hände 
von 5 Mitgliedern gelegt. 

Es hatte sich das Bedürfniss nach einer besser geregelten 
Ordnung des Statuts und der Geschäftsordnung von 1876 
herausgestellt. So ging denn aus der eingehenden Beratung 
der Versammlung das neu durchgesehene Statut und die 
Geschäftsordnung von 1884 hervor. Aber die endgültige 
Beratung und Beschlussfassung darüber sollte erst auf dem 
nächsten Grosslogentag eintreten. 

Ein neues Muster für statistische Nachweisungen wurde 
einstimmig angenommen. 

Dem Gross -Orient von Italien wurde die nachgesuchte 
Anerkennung gewährt. — 

Am 24. Mai fand noch eine besondere Gedächtnissfeier 
zu Ehren des verstorbenen Ehrengrossmeisters Br. Zschiesche 
statt, an der sich auch die Grossmeister der beiden Schwester- 
Grosslogen beteiligten. 

Am 2. Juni ward zu Naumburg a. d. Saale eine delegirte 
Altschottische Loge „Zur neuen Burg an der Saale *^ 
gestiftet. 



— 330 — 

1883 Die Gedächtnissfeier zu Ehren des am 23. Juni gestorbenen 
Brs. Vater, Ehrenmitglieds des Bondesdirektoriams, fand unter 
zahlreicher Beteiligung statt. 

Am 20. August ward vom Bundes - Direktorium das 
Allgemeine Aufnahmegesetz als geltend verkündet. 

Zur Errichtung eines Luther -Denkmals bewilligte die 
Versammlung am 6. Dezember einen Betrag von 500 Mk. 

1884 Die Vorbereitungen zur Durchsicht der Statuten waren 
schwieriger Art, insofern es sich nach dem langen Zeitraum 
seit der letzten Prüfung nicht nur um Veränderungen 
bestehender Bestimmungen, sondern auch um die Ausfüllung 
vieler vorhandenen Lücken handelte. Der Ausschuss hatte 
nur den vierten Abschnitt: „Von der maurerischen Rechts- 
pflege" zu bearbeiten unterlassen, weil nach seiner Ansicht 
auf die Annahme eines Allgemeinen Aufnahmegesetzes nunmehr 
auch eine Feststellung gemeinsamer Bestimmungen über 
diesen Gegenstand folgen müsse. Doch konnte die gesetz- 
gebende Versammlung diesmal erst im Juni zusammenberufen 
werden, da erst in der Sitzung der Grossloge vom 1. Mai 
die Beratung und Beschlussfassung über den vorliegenden 
Statutentenwurf zu Ende kam. 

Der Ausschuss hatte als seine Aufgabe betrachtet, 
das Bestehende gewissenhaft zu wahren, wo es sich bewährt 
und zur Zeit noch für den Bund seine gute Bedeutung 
habe, und nur da Aenderungen eintreten zu lassen, wo es 
geboten schien, die Einrichtungen des Bundes in Einklang 
zu bringen mit den Anschauungen und Bedürfnissen der 
Gegenwart und insbesondere auch mit den grundsätzlichen 
Bestimmungen, die in der neuen Grund Verfassung und in 
dem allgemeinen Aufnahmegesetz Anerkennung gefunden 
hatten. Um die sichere Handhabung des Gesetzes wesentlich 
zu fördern, hatte der Ausschuss ganz besonders seine Auf- 
merksamkeit auf die Gliederung des Ganzen gerichtet, die 
bisher sehr mangelhaft war. Den Aufbau des Werks 
hatte er in folgender Weise aufgerichtet: 



— 331 — 

Allgemeine Grundsätze. 1884 

I. Abschnitt: Von den Johannislogen. 

II. „ Von den Mitgliedern der Johannislogen. 

III. „ Von den Versamminngen and Geschäften der 

Johannislogen. 

Was endlich den IV. Abschnitt betraf, so hätte er 
von der „maurerischen Rechtspflege" handeln müssen. Doch 
ist schon erwähnt, dass davon abgesehen ward, weil der 
Grossmeister und die beiden Abgeordneten beabsichtigten, 
beim nächsten Grosslogentag einen Antrag einzubringen auf 
Ernennung eines Ausschusses zur Ausarbeitung eines Entwurfs 
eines allgemeinen Gesetzes über die maurerische Rechtspflege. 
Einstweilen sollte die gesetzgebende Versammlung beschliessen, 
die Bestimmungen der früheren Bundesstatuten bezüglich der 
maurerischen Rechtspflege bis auf Weiteres in Kraft zu lassen. 

Abgesehen von dem bereits erwähnten Vorzug des vor- 
liegenden Statutenentwurfs in Bezug auf seine über- 
sichtliche Gliederung, war auch darin eine Besserung ein- 
getreten, dass der Gesetzprüfungs-Ausschuss im Einklang 
mit den Forderungen der neuem Zeit und im Ein- 
verständniss mit den Anträgen vieler Tochterlogen den 
Gesellen und Lehrlingen grössere Rechte eingeräumt hatte, als 
es bisher der Fall gewesen war; namentlich waren ihnen in allen 
wirtschaftlichen Fragen die ihnen gebührenden Befugnisse über- 
tragen. Ebenso war auch den Bundeslogen eine grössere 
Selbständigkeit in Bezug auf die Ordnung ihrer wirtschaftlichen 
Verhältnisse zugewiesen ; femer war namentlich die Stellung der 
ausserordentlichen Mitglieder der Loge festgesetzt worden. 

Die Grossloge nahm den Entwurf fast unverändert an, 
nur zu dem § 139, wo von den Bedingungen der Aufnahme 
in unseren Bund die Rede ist, war beantragt worden, zu 
deren Erfordernissen die Zugehörigkeit zu einem christlichen 
Bekenntniss einzuschalten. Der Antrag wurde aber mit 
20 gegen 18 Stimmen abgelehnt. 

Am 5. Mai starb der um die Verwaltung des Archivs 
und überhaupt um unseren Bund sehr verdiente Br. Gross- 
Archivar V. Schweinichen. Der Grossmeister Br. Schaper 



— 332 — 

1884 widmete ihm ehrende und anerkemiende Worte in der Sitzung 
vom 8. Mai. In ihr fand die Wahl der Grossbeamten statt, 
die beiden Grossmeister Brr. Schaper ondFrederichs worden 
wieder gewählt. 

Am 1 . JonitratderGrosslogentag imBnndeshaos der grossen 
National-Mutterloge zn den 3 Weltkugeln in Berlin zusammen. 
Der nächste Gegenstand der Tagesordnung war die wichtige 
Beratung und Beschlussfassung über die Victoria-Stiftung. 
Der von dem Grosslogentag zu Pfingsten 1883 ernannte 
Ausschuss, der die Massnahmen zur Errichtung eines Schwestern- 
hauses zu erwägen und ein Statut für die Stiftung zu 
entwerfen und dem Grosslogentag zur Beschlussfassung 
vorzulegen hatte, war rüstig an die Arbeit gegangen, und das 
Ergebniss der sehr eingehenden und gründlichen Beratungen 
lag dem Grosslogentag in einem Entwurf für die Verwaltung 
dieser Stiftung vor. 

Aufgabe der Victoria- Stiftung mit dem Sitz in Berlin 
sollte die Unterstützung würdiger und bedürftiger Wittwen 
und Waisen von Brm. Freimaurern sein. Das bis dahin 
angesammelte Stammvermögen von Mk. 108578,65 sollte zur 
einen Hälfte für baare Geldunterstützungen, zur anderen für die 
Gründung von Schwesternhäusern in verschiedenen Gegenden 
Deutschlands, und zwar die Erträgnisse der ersten Hälfte 
sofort nach der staatlichen Genehmigung verwendet werden, 
während die der letzteren Hälfte so lange zum Stammgeld 
geschlagen werden sollen, bis die Errichtung und Ausstattung 
zunächst eines Schwesternhauses ermöglicht sein würde. 
Va der laufenden Beiträge sollen ferner der Abteilung zur 
Errichtung eines Schwesternhauses überwiesen, H zu haaren 
Unterstützungen verwandt werden; zu gleichen Teilen sollen 
die jährlichen Beiträge erst dann beiden Stiftangsabteilungen 
zufliessen, wenn wenigstens ein Schwesternhaus errichtet und 
ausgestattet wäre. Die Verwaltung der Stiftung sollte einer 
Pflegschaft von 5 Mitgliedern unter Oberaufsicht des deutschen 
Grosslogenbundes übertragen werden. 

Das Statut wurde mit unwesentlichen Veränderungen 
angenommen. Nur erhielt ein Vertreter der 5 unabhängigen 



— 333 — 

Logen in allen die Victoria-Stiftung betreffenden Angelegen- 1884 
heiten wohl Zolass zu den Yerhandlongen, aber ohne Stimm- 
recht. Ebenso wnrde auch die Geschäftsordnnng genehmigt. 
Das neue Statut des deutschen Grosslogenbandes und 
die Geschäftsordnung für den deutschen Grosslogentag erhielten 
gleichfalls die Zustimmung der Versammlung. 

Das am 20. April von dem römischen Papst erlassene 
Schreiben „Humanum genus' hatte gegen die Lehren, 
Absichten und Thaten der Freimaurer Behauptungen und 
Anschuldigungen gerichtet, die ohne Ausnahme auf gröblicher 
Elntstellung der Wahrheit beruhten. Es waren Anträge ein- 
gegangen in der Form von Erklärungen, die die einzelnen 
Anschuldigungen widerlegten und die offenbare Unwahrheit 
der Behauptungen des Papstes nachwiesen. 

Nach längerer und eingehender Beratung fasste der 
Grosslogentag folgenden Beschluss: 

„In Erwägung, dass die Ziele und Zwecke der Frei- 
maurerei in den grundsätzlichen Beschlüssen von 1876 
und 1880 von dem Grosslogentag ausgesprochen sind, 
erachtet er es für unnötig, auf die Beschuldigungen und 
Schmähungen der päpstlichen Encyklika vom 20. April 1884 
eine Erwiderung zu erlassen und geht über die Anträge von 
Bayreuth, Darmstadt bzw. Hamburg zur Tagesordnung über". 
Der Antrag für Vertretung der 5 unabhängigen Logen 
auf dem Grosslogentag, der von den Grosslogen von Frank- 
furt, Bayreuth und Darmstadt bei dem vorjährigen Gross- 
logentag gestellt war, lag zur Beratung und Beschlussfassung 
diesmal vor, ward aber mit Rücksicht darauf, dass durch 
die von der Grossen Landesloge von Sachsen abgegebenen 
Erklärungen die Erwartung einstimmiger Annahme unbedingt 
als ausgeschlossen zu betrachten war, zurückgezogen. 

Hinsichtlich des Archivs des deutschen Grosslogentages 
wurde Folgendes beschlossen: 

1. Dass das Archiv des deutschen Grosslogenbundes der 
ältesten deutschen Grossloge überliefert, und dass diese 
um Vermehrung und sachgemässe Instandhaltung ersucht 
werde ; 



— 334 — 

1884 2. dass die jetzt vorliegenden, in den Verwaltongsjahren 
1873 u. 8. w. bis einschl. 1878 — 79 entstandenen Akten, 
ebenso die noch fehlenden vier Jahrgänge, gleichfalls 
dorthin eingeliefert werden; 

3. dass dem alljährlich neu eintretenden geschäftsführenden 
Grossmeister je nach Wunsch und Bedürfniss die 
entsprechenden Jahrgänge der einzelnen Aktenstücke 
vorübergehend übergeben werden; 

4. dass ein wohl eingerichtetes, korrekt fortzuführendes 
Aktenverzeichniss angelegt und dem geschäftsführenden 
Grossmeister bei seinem Amtsantritt eingesandt wird. 

Die Anerkennung der Grossloge von Sevilla ward aus- 
gesprochen, und zum Schluss ein Ausschuss von 5 Mitgliedern 
zur Ausarbeitung eines Entwurfs eines allgemeinen Gesetzes 
über die maurerische Rechtspflege eingesetzt. 

Mittels Ereisschreibens während dieses Geschäftsjahres 
war die Annahme des Allgemeinen Aufnahmegesetzes seitens 
aller deutschen Grosslogen verkündet worden; doch hatte 
sich die Grosse Landesloge von Sachsen für sich zunächst 
nur eine Verpflichtung auf drei Jahre ausbedungen. — 

Am24. Juni trat die gesetzgebende Versammlung zusammen 
(15, 4. Heft, S. 122). Es war vorauszusehen, dass der § 139 
der Statuten, weil die Grossloge (S. 331) die Bedingung 
der Zugehörigkeit zur christlichen Religion abgelehnt hatte, 
einen Antrag zur Wiederaufnahme dieser Bedingung herbei 
führen würde. Und so geschah es; es kam zu einer lebhaften 
Auseinandersetzung zwischen den Gegnern. Die namentliche 
Abstimmung ergab 62 gegen 60 Stimmen; der Antrag war also 
abgelehnt. Damit war die endgültige Annahme des Statuten- 
Entwurfs durch % Mehrheit in Frage gestellt. Als es daher zur 
Abstimmung über das ganze Gesetz kam, wurde vom Bundes- 
Direktorium erklärt, es behalte sich vor, nach der Abstimmung 
noch einen Antrag zu stellen, der sofort angemeldet wurde. 

Die Abstimmung über den ganzen Entwurf ergab 59 
Stimmen dafür, 62 dagegen; er war also verworfen. Der 
nunmehr gestellte Antrag des Bundes -Direktoriums ging 
dahin, der § 139 solle folgendermassen lauten : 



- 335 — 

„Wer in den Band der Freimaurer der Grossen National- 1884 
Matterloge aafgenommen werden will, mass sich zam 
christlichen Glauben bekennen und das 25. Lebensjahr 
vollendet haben (§11 des Edikts vom 20. Oktober 1798)''. 

Jetzt erklärten sich von 108 Stimmenden 85 für, 23 
gegen das Gesetz, mithin hatte das Statut in dieser Form 
die '/s Mehrheit gefunden. 

Der Abschnitt von der maurerischen Rechtspflege behielt 
nach dem Beschluss der Versammlung einstweilen Gesetzes- 
kraft, bis ein gemeinsames deutsches maurerisches Rechts- 
verfahren zur Verhandlung komme. 

So war denn die Verfassungs- Erneuerung gelungen, und 
der Grossmeister konnte an dem bald darauf erfolgenden 
Johannisfest mit Recht den Gefühlen der Freude Aller einen 
Ausdruck geben über diesen Erfolg, ebenso wie in der Sitzung 
vom 18. September beim Beginn der Arbeit im neuen Maurer- 
jahr. (Mitteil. 16. Jahrg. 1884, I.Heft, S.3ff.) — In der- 
selben Sitzung wurde durch den Vorsitzenden ein Schreiben des 
Gross - Schriftführers der Grossloge von England Br. Dr. W e n dt , 
aus London vom 18. Juli 1884 zur Kenntniss gebracht, das 
auf Befehl des Grossmeisters, Prinzen von Wales, anzeigt, 
dass dieser die Ehrenmitgliedschaft der Grossen National- 
Mutterloge zu den drei Weltkugeln angenommen habe und 
seinen Dank für diesen Beweis der Anerkennung seiner 
Wirksamkeit auf dem Gebiet der königlichen Kunst ausdrückt. 
Femer gelangte zur Anzeige der Empfang einer Abordnung 
dreier Brüder der Loge „Friedrich zur Vaterlandsliebe** im 
Orient Koblenz am 24. Juni durch den Kaiser, unseren 
Protektor. Auf die Ansprache, in der die Gefühle des Dankes 
und die Glück- und Segenswünsche zum Beginn des neuen 
Maurerjahres einen beredten Ausdruck fanden, erwiderte der 
Kaiser Folgendes: „Ich danke Ihnen, Meine Brüder, und Ihref 
Loge für die Aufmerksamkeit, die Sie Mir erweisen, und für 
die ausgesprochenen Gesinnungen, sie sind Mir ja von Ihnen 
nicht neu. Man kann zwar im acht und achtzigsten Lebens- 
jahr keinen weiten Blick in die eigene Zukunft mehr thun. 



— 336 — 

1884 wenn aber der Himmel will, werde Ich Mich noch sehr gern 
auch in Zukunft der Wiederkehr dieses Tages freuen. Sie 
wissen, Ich bin der Maurerei von Herzen zugethan, und wenn 
Ich Mich auch jetzt nicht mehr thätig an den Arbeiten 
beteiligen kann, so werde Ich doch, so lange Ich lebe, ein 
warmes Interesse, Liebe und regen Sinn für die Sache behalten. 
Die Maurerei wird auch für die Folge bestehen, und wenn 
versucht wird, von aussen daran zu rütteln, so müssen wir 
dem widerstehen. Wir müssen an den Grundlagen festhalten, 
auf denen wir fundamentirt sind. Eine Vereinigung, welche 
sich nun einmal der Aussen weit gegenüber mit einem Geheimniss 
umgiebt, muss dieses auch bewahren vor dem Eindringen 
fremder Elemente. Halten wir fest an den Satzungen, die 
uns überliefert sind, und lassen wir es bei dem Alten, dann 
wird auch, so lange wir Frieden und Ruhe in den Logen 
behalten, deren Arbeit eine gesegnete sein können. Teilen 
Sie das allen Brüdern mit." — 

In derselben Sitzung am 18. September wurden die 
Vertreter aufgefordert, ihre Logen darauf aufmerksam 
zu machen, dass bei Gesuchen um Verleihung der Ehren- 
mitgliedschaft vor allem der vorgeschriebene Weg inne zu 
halten sei, wenn man Enttäuschungen vermeiden woUe. 

In einem Rundschreiben des Bundes-Direktoriums vom 
22. September wurden die Tochterlogen angewiesen, fortan 
die Jahresberichte und Annalen für das Maurerjahr 
spätestens bisEnde August zugleich mit den tabellarischen 
Uebersichten und den Mitgliederverzeichnissen einzusenden. 
Dabei werden die Logen ganz besonders daran erinnert, 
dass bei der Einsendung und Abfassung der in § 231 
genannten Schriftstücke genau nach den Vorschriften der 
§§ 232 — 262 zu verfahren ist, und dass vor allem die 
Annalen nicht fehlen dürfen. (16, 2. Heft, S. 40 f.) 

In der Sitzung der Grossloge vom 4. Dezember d. J. 
wurde vom Vorsitzenden mitgeteilt, dass aus den Mitteln der 
Kronprinz Friedrich Wilhelm-Stiftung für 1884/85 
verheben waren: 



— 337 — 

1. ans dem Bereich der Grossen National- 1884 
Mutterloge 890 Mk. 

2. ans dem Bereich der Grossen Landesloge 

der Freimaurer von Deutschland . . . 520 , 

3. aus dem Bereich der Grossloge Royal York 

zur Freundschaft . . 360 ^ 

Summa 1770 Mk. 
Die Loge i^Janus*^ in Bromberg feierte am 10. Oktober 
ihr 100 jähriges Stiftungsfest, an demderNational-Grossmeister 
Br. Schaper Teil nahm. 

unterm 25. Januar erliess das Bundes -Direktorium an 1885 
sämmtliche Tochterlogen des Bundes ein Rundschreiben, in 
welchem die erfolgte Genehmigung des Statuts der 
Viktoria -Stiftung durch den Kaiser angezeigt, und allen 
Brüdern thatkräftige Teilnahme an dem gemeinsamen Liebes- 
werk aufs dringendste empfohlen wird. 

Der ersten Sitzung der Grossloge vom 26. Februar d. J. 
lagen folgende Berichte des Gesetz-Prtifungs-Äus- 
schusses zur Beratung und Beschlnssfassung vor: 

1. Bericht über die Anträge der Johannislogen zu Halle 

und zu Halberstadt auf Abänderung des § 149 Abs. 2 der 

Bundesstatuten (zu § 23 des Allgemeinen Aufnahme-Gesetzes). 

Der § 23 lautete in der vom Grosslogentag angenommenen 

Fassung folgendermassen: 

„Bleiben auch bei einer Wiederholung der Kugelung 
ein, zwei oder drei ungünstige Stimmzeichen, so hat der 
Vorsitzende Meister den oder die Brüder, welche 
sie abgegeben, aufzufordern, ihm ihre Gründe dazu binnen 
einer von ihm zu bestimmenden Frist von 3 bis höchstens 
9 Tagen vertraulich mitzuteilen. Geht in dieser Frist keine 
Erklärung ein, so wird die Kugelung als leuchtend an- 
gesehen, werden dagegen Gründe zur Rechtfertigung der 
ungünstigen Zeichen angegeben, so hat das Beamten- 
Kollegium gemeinsam mit dem Meister diese Gründe genau 
zu prüfen, und von der Entschliessung des Kollegiums 
hängt es ab, ob sie das oder die ungünstigen Zeichen heben 

0«Mh. d. Or. Nat.-Mat««r-Lo9«. 



— 338 — 

1885 oder nicht heben wollen. Im ersteren Falle proklamirt 
der Vorsitzende Meister in nächster Lehrlingsloge die 
Eugelong als leuchtend, im letzteren Fall gilt sie als 
dunkel, und der Suchende wird auf ein Jahr zurück- 
gestellt". 

Die Loge „Zu den drei Degen" im Or. Halle 
beantragte den § 149, Abs. 2 der Bundesstatuten (zu § 23 des 
Allgemeinen Aufnahmegesetzes) folgendermassen abzuändern : 
„Sind unter den abgegebenen Zeichen mehr als 3, 
aber weniger als Vi ungünstige Zeichen vorgefunden, und 
werden Gründe zur Rechtfertigung in einer nach den Vor- 
schriften des Allgemeinen Aufnahmegesetzes § 23 zu 
stellenden Frist nicht angegeben, so wird die Kugelung 
ebenfalls als leuchtend angesehen; werden aber Recht- 
fertigungsgründe angegeben, so sind dieselben in der nächsten 
Konferenz unter Brr. Meistern bekannt zu machen, und 
wenn dann die Mehrheit für die Aufnahme stimmt, so 
ist dieselbe zu veranlassen, sofern die Minderheit nicht 
widerspricht; geschieht das Letztere, so ist die Ent- 
scheidung des Ehrw. Bundes -Direktoriums einzuholen *". 
Ln § 24 des Allgemeinen Aufnahmegesetzes hiess es: 
„Ein Drittel oder mehr ungünstige Zeichen weisen den 
Suchenden bei dieser Loge für immer ab". Wie es zu 
halten sei, wenn mehr als drei, aber weniger ungünstige Zeichen 
als ein Drittel der abgegebenen Stimmen vorgefunden würden, 
war im Gesetz nicht bestimmt worden, und deshalb hatte 
man schon in der gesetzgebenden Versammlung Bedenken 
gegen diesen Paragraphen des Allgemeinen Aufnahme gesetzes 
erhoben. (14. Juni v. J.) 

Auch unsere Statuten vom Jahr 1873 beruhten auf 
der Verpflichtung der Rechtfertigung abgegebener ungünstiger 
Zeichen unter H der Stimmen. Unterblieb die Rechtfertigung, 
so fanden die ungünstigen Zeichen keine Beachtung. 

Dagegen hatte der Ausschuss des Grosslogentages in 
seinem Entwurf eines Allgemeinen Aufnahmegesetzes für die 
zum deutschen Grosslogenbund gehörigen Logen am 
28. März 1881 in § 24 vorgeschlagen: 



— 339 — 

„Finden sich mehr als drei ungünstige Zeichen vor, 1886 
ohne dass deren Zahl ein Dritteil der Gesammtzahl der 
abgegebenen Zeichen erreicht, so bedarf es der Recht- 
fertigung nicht, vielmehr wird der Suchende ohne weiteres 
Verfahren auf ein Jahr zurückgestellt*'. 

In der Versammlung des Grosslogentages am 22. Mai 1882 
wurde der sj 23 unverändert genehmigt, dagegen § 24 
aufgehoben, und ein Antrag Hamburgs als § 26 dahin lautend 
angenommen, dass es jeder Grossloge überlassen blieb, in 
Bezug auf die Entscheidung durch Kugelung verschärfte 
Bestimmungen zu treffen. 

In der gesetzgebenden Versammlung von 1883 hatte 
der Vorschlag des Gesetz- Prüfungs -Ausschusses: 

, Sind mehr als drei ungünstige Zeichen, aber weniger 
als ein Drittel der abgegebenen Zeichen vorgefunden, so 
bedarf es der Rechtfertigung nicht, vielmehr wird der 
Suchende ohne weiteres Verfahren auf ein Jahr zurückgestellt*' 
nur ganz vereinzelten Widerspruch gefunden. Da aber wenige 
Monate nach dem Inkrafttreten des beschlossenen Gesetzes 
schon Abänderungsanträge kamen, musste der Ausschuss 
die Frage des Bedürfnisses einer solchen Aenderung bejahen, 
insbesondere für grössere Logen. Das Ergebniss der Be- 
ratung des Gesetz -Prüfungs -Ausschusses, worüber von dem 
Br. Gerhardt einsehr eingehender Bericht vorlag, war, dass 
der Ausschuss einstimmig empfahl: 

I. den Antrag der Loge in Halle in abgeänderter Gestalt 
dahin anzunehmen: 

Sind unter den abgegebenen Zeichen mehr als drei, 
aber weniger als ein Drittel ungünstige Zeichen vor- 
gefunden, und werden Gründe zur Rechtfertigung in 
einer nach § 23 des Allgemeinen Aufnahmegesetzes 
zu stellenden Frist nicht angegeben, so wird die 
Kugelung ebenfalls als leuchtend angesehen, werden 
aber Rechtfertigangsgründe angegeben, so sind dieselben 
in der nächsten Lehrlingsloge bekannt zu machen, 
und wenn dann drei Viertel der anwesenden stimm- 
berechtigten Mitglieder für die Aufnahme stimmen, 

22» 



— 338 — 

1885 oder nicht heben wollen. Im ersteren Falle proklamirt 
der Vorsitzende Meister in nächster Lehrlingsloge die 
Eugelong als leuchtend, im letzteren Fall gilt sie als 
dunkel, und der Suchende wird auf ein Jahr zurück- 
gestellt«. 

Die Loge „Zu den drei Degen** im Or. Halle 
beantragte den § 149, Abs. 2 der Bundesstatuten (zu § 23 des 
Allgemeinen Aufnahmegesetzes) folgendermassen abzuändern : 
„Sind unter den abgegebenen Zeichen mehr als 3, 
aber weniger als Vi ungünstige Zeichen vorgefunden, und 
werden Gründe zur Rechtfertigung in einer nach den Vor- 
schriften des Allgemeinen Aufnahmegesetzes § 23 zu 
stellenden Frist nicht angegeben, so wird die Kugelung 
ebenfalls als leuchtend angesehen; werden aber Recht- 
fertigungsgründe angegeben, so sind dieselben in der nächsten 
Konferenz unter Brr. Meistern bekannt zu machen, und 
wenn dann die Mehrheit für die Aufnahme stimmt, so 
ist dieselbe zu veranlassen, sofern die Minderheit nicht 
widerspricht; geschieht das Letztere, so ist die Ent- 
scheidung des Ehrw. Bundes -Direktoriums einzuholen *". 
Ln § 24 des Allgemeinen Aufnahmegesetzes hiess es: 
„Ein Drittel oder mehr ungünstige Zeichen weisen den 
Suchenden bei dieser Loge für immer ab**. Wie es zu 
halten sei, wenn mehr als drei, aber weniger ungünstige Zeichen 
als ein Drittel der abgegebenen Stimmen vorgefunden würden, 
war im Gesetz nicht bestimmt worden, und deshalb hatte 
man schon in der gesetzgebenden Versammlung Bedenken 
gegen diesen Paragraphen des Allgemeinen Aufnahme gesetzes 
erhoben. (14. Juni v. J.) 

Auch unsere Statuten vom Jahr 1873 beruhten auf 
der Verpflichtung der Rechtfertigung abgegebener ungünstiger 
Zeichen unter H der Stimmen. Unterblieb die Rechtfertigung, 
so fanden die ungünstigen Zeichen keine Beachtung. 

Dagegen hatte der Ausschuss des Grosslogentages in 
seinem Entwurf eines Allgemeinen Aufnahmegesetzes für die 
zum deutschen Grosslogenbund gehörigen Logen am 
28. März 1881 in § 24 vorgeschlagen: 



— 339 — 

„Finden sich mehr als drei ungünstige Zeichen vor, 1885 
ohne dass deren Zahl ein Dritteil der Gesammtzahl der 
abgegebenen Zeichen erreicht, so bedarf es der Recht- 
fertigung nicht, vielmehr wird der Suchende ohne weiteres 
Verfahren auf ein Jahr zurückgestellt*'. 

In der Versammlung des Grosslogentages am 22. Mai 1882 
wurde der >J 23 unverändert genehmigt, dagegen § 24 
aufgehoben, und ein Antrag Hamburgs als § 26 dahin lautend 
angenommen, dass es jeder Grossloge überlassen blieb, in 
Bezug auf die Entscheidung durch Kngelung verschärfte 
Bestimmungen zu treffen. 

In der gesetzgebenden Versammlung von 1883 hatte 
der Vorschlag des Gesetz-Prüfungs-Ausschusses: 

,Sind mehr als drei ungünstige Zeichen, aber weniger 
als ein Drittel der abgegebenen Zeichen vorgefunden, so 
bedarf es der Rechtfertigung nicht, vielmehr wird der 
Suchende ohne weiteres Verfahren auf ein Jahr zurückgestellt^ 
nur ganz vereinzelten Widerspruch gefunden. Da aber wenige 
Monate nach dem Inkrafttreten des beschlossenen Gesetzes 
schon Abänderungsanträge kamen, musste der Ausschuss 
die Frage des Bedürfnisses einer solchen Aenderung bejahen, 
insbesondere für grössere Logen. Das Ergebniss der Be- 
ratung des Gesetz -Prüfungs -Ausschusses, worüber von dem 
Br. Gerhardt einsehr eingehender Bericht vorlag, war, dass 
der Ausschuss einstimmig empfahl: 

I. den Antrag der Loge in Halle in abgeänderter Gestalt 
dahin anzunehmen: 

Sind unter den abgegebenen Zeichen mehr als drei, 
aber weniger als ein Drittel ungünstige Zeichen vor- 
gefunden, und werden Gründe zur Rechtfertigung in 
einer nach § 23 des Allgemeinen Aufnahmegesetzes 
zu stellenden Frist nicht angegeben, so wird die 
Kngelung ebenfalls als leuchtend angesehen, werden 
aber Rechtfertigangsgründe angegeben, so sind dieselben 
in der nächsten Lehrlingsloge bekannt zu machen, 
und wenn dann drei Viertel der anwesenden stimm- 
berechtigten Mitglieder für die Aufnahme stimmen, 

22» 



— 340 — 

1886 so gilt die Kagelung als leuchtend, andernfalls wird 

der Suchende auf ein Jahr zurückgestellt. 

IL Bericht über das Statut des deutschen Grosslogen- 
bundes nach der Durchsicht vom Jahr 1884. 

Während die Aenderungen des Statuts sonst meist 
formaler Natur waren, enthält die weitaus wichtigste 
Aenderung des bestehenden Rechts einen bedeutungsvollen 
Fortschritt in der Richtung der Festigung des die deutschen 
Grosslogen vereinigenden Bandes: 

„ § 9. Die nach dem Vorschlage des Grosslogenbundes 
von allen deutschen Grosslogen angenommenen Gesetze 
bilden das gemeinsame Recht des deutschen Grosslogen- 
bundes^. 

„ Der Grosslogentag (§ 12) stellt die Zustimmung der 
verbündeten Grosslogen zu Gesetz vorschlagen fest und ver- 
kündet die angenommenen Gesetze als gemeinsames Recht^. 

„ Abänderungen des gemeinsamen Rechts bedürfen der 
Zustimmung aller verbündeten Grosslogen". 

In diesen Anträgen schien eine sichere Grundlage gelegt 
für ein wirkliches gemeinsames deutsches Maurerrecht. 

Die einzelnen Grosslogen sollten einen Teil ihrer 
Selbständigkeit opfern zum Besten des Ganzen, insofern sie 
solche Gesetze, denen sie einmal aus freier Entschliessung 
zugestimmt haben, auch fortgelten lassen müssen, bis sie 
unter Zustimmung Aller geändert oder aufgehoben worden sind. 

Der Ausschuss machte dann noch auf eine mangelhafte 
Fassung des Statuts aufmerksam, insofern die Anziehung des 
§5 in den §§ 3 und 8 zu streichen wäre, da die entscheidende 
Stimme des Grosslogentages bei Gründung einer Johannisloge 
an einem Ort, in welchem schon eine Tochterloge einer anderen 
Grossloge besteht, und beide Grosslogen sich darüber nicht 
einigen können, wieder fallen gelassen war. 

Der Ausschuss empfahl einstimmig: 

„ Dem Statut des deutschen Grosslogenbundes nach der 
Durchsicht vom Jahr 1884 zuzustimmen und die Vertreter 
der Grosslogen zu dessen Unterzeichnung zu ermächtigen''. 



— 341 — 

In der Grossloge vom 26. Februar kamen diese Anträge 1885 
zur einstweiligen Beratong. Sie worden alle in dem vom 
Ausschoss festgestellten Wortlaut von der Grossloge an- 
genommen. (16. 3. Heft, S. 45 ff.) 

Zur Kenntniss kam in dieser Sitzung femer die Gründung 
eines Maurervereins in Steglitz bei Berlin unter dem 
Namen „Bruderbund am Fichtenberge", der sich unter 
die Aufsicht der Loge „Zum flammenden Stern" in Berlin 
gestellt hatte, und ebenso wurde der Antrag auf Gründung 
einer Loge in Dahme unter dem Namen „Licht, Liebe, 
Leben' genehmigt. 

In der Sitzung der Grossloge vom 30. April ward die 
Gründung eines Maurervereins in Wongrowitz unter 
Aufsicht der Loge „Zum bekränzten Cubus' in Gnesen 
mitgeteilt. (16. 4, S. 79 ff.) 

Die gesetzgebende Versammlung fand am 9. Mai 
statt. Es nahmen Teil an ihr 120 stimmberechtigte Mit- 
glieder. Die Versammlung genehmigte gleichfalls den Antrag der 
halleschen Loge in der von dem Gesetzprüfungs-Ausschuss 
vorgeschlagenen Gestalt mit grosser Mehrheit. Noch an 
demselben Tage wurde die Abänderung des § 149 der 
Bundesstatuten als Gesetz verkündet. (16. 3, S. 94.) 

An die gestzgebende Versammlung schloss sich zum 
ersten Mal eine Grossloge an in der Zusammensetzung, 
wie sie nach dem Art. 3 der Grundverfassung vom 17. Mai 1883 
vorgesehen worden war. Es nahmen Teil 92 stimm- 
berechtigte und 13 nicht stimmberechtigte Brüder. Die 
stimmberechtigten Mitglieder bestanden aus 35 gewählten 
und 57 Vertretern der Tochterlogen. Der Vorsitzende teilte 
zunächst die am 17. Mai in Dahme erfolgte Stiftung der 
Loge „Licht, Liebe, Leben' mit, und es erfolgte dann die 
Besprechung über den „Lessingbund' als 1. Gegenstand 
der Tagesordnung. Diesem Bund gegenüber betonte das 
Bundes -Direktorium entschieden seine ablehnende Stellung. 
Während der Lessingbund von der Ansicht ausging, dass 
sich die gegenwärtige Erscheinungsform der deutschen Frei- 
maurerei überlebt habe, erklärte das Bundes -Direktorium, 



— 342 — 

1886 die zeitgemässe Entwicklang unseres besonderen Bundes wie 
der deutschen Freimaurerei überhaupt könne nur von den 
bestehenden Organen, den einzelnen Logen im Verein mit 
dem Grosslogenbund ausgehen, nicht aber von einem sich 
vordrängenden Sonderbund. Nach kurzer Erörterung bekundete 
die Versammlung ihre Uebereinstimmung mit der Erklärung 
des Bund es -Direktoriums über den Lessingbund in über- 
wiegender Mehrheit. 

Sodann machte der Vorsitzende eine Mitteilung über 
die auf dem Grosslogentag zur Besprechung kommenden 
Gegenstände, unter denen ganz besonders der letzte, der 
die Verhandlung über den Entwurf eines allgemeinen Gesetzes 
über die maurerische Rechtspflege betraf, und der sich 
gedruckt in den Händen der Anwesenden befand, zu einer 
Besprechung führte. 

In der Abstimmung sprach die Versammlung in ihrer über- 
wiegenden Mehrheit ihr Einverständniss mit den wesentlichen 
Bestimmungen des der Verhandlung auf dem Grosslogentag 
zu Grunde zu legenden Entwurfs aus. 

Der dritte Gegenstand der Tagesordnung betraf die 
Besprechung über den Voranschlag der allgemeinen Bundes- 
verwaltung. Nach Art. 26 der Verfassung verwaltet die Gross- 
loge die Angelegenheiten der Grossen National- Mutterloge, 
soweit sie nicht vom Bundes-Direktorium oder von der gesetz- 
gebenden Versammlung wahrzunehmen sind; ausserdem besorgt 
die Grossloge mit dem Bundes-Direktorium die gemeinsamen 
Angelegenheiten der berliner Tochterlogen. Dagegen stimmen 
nach Art. 3 die Vertreter der auswärtigen Tochterlogen nicht 
mit, wenn es sich um die innere Verwaltung der Grossen 
National -Mutterloge und um die gemeinsamen Angelegenheiten 
der berliner Tochterlogen handelt. Daraus folgt, dass in 
Bezug auf das Rechnungswesen der Grossloge als deren 
innere Angelegenheit die Vertreter der Tochterlogen nicht 
mitzustimmen haben. Es entstand daher die Frage, ob nicht 
aus dem allgemeinen Voranschlag der Grossloge die Aufstellung 
für die Kosten der allgemeinen Bundesverwaltung, für 
die von den Tochterlogen nach § 25 der Bundesstatuten eine 



— 343 — 

Bundesabgabe — neben dem Beitrag zu den Kosten der gesetz- 1886 
gebenden Versammlung nach Art. 34 der Gnmdverfassnng — 
gezahlt wird, auszusondern sei, um diesen und die hiemach 
zu führende Rechnung der Beschlussfassung sämmtlicher Mit- 
glieder zu unterstellen. Wie die Leistungen der Tochterlogen 
für die Bundeszwecke festgestellt würden, so möchte auch 
für die Verwendung dieser Bundesabgaben eine Mitwirkung der 
Vertreter derTochterlogen zu der Feststellung des Voranschlags 
und der Entlastung der Rechnung in Anspruch zu nehmen 
sein. Freilich würde ein solches Recht für die Vertreter der 
auswärtigen Logen inhaltlös sein, wenn diese an den Ver- 
sammlungen der Grossloge nicht in stärkerer Zahl als bisher 
Teil nehmen würden. Indessen könnte doch die Frage eine 
grössere Bedeutung gewinnen, wenn sich alljährlich an die 
gesetzgebende Versammlung eine solche der Grossloge 
anschliessen sollte, an der dann die Vertreter der Tochter- 
logen fast vollständig Teil nehmen könnten. 

Das waren die Gesichtspunkte, die das Bundes- 
Direktorium durch den Br. Gerhardt geltend machen Hess 
für die Trennung des Voranschlags der allgemeinen Bundes- 
verwaltung von dem Voranschlag der Hauptkasse. 

Der letzte Gegenstand der Tagesordnung betraf eine 
beabsichtigte Aenderung der „Mitteilungen aus dem Bunde 
der Grossen National -Mutterloge zu den drei Weltkugeln'. 

Während ursprünglich Alles, was man über Verhandlungen 
und Vorgänge unseres Bundes erfuhr, sich auf blosse Mit- 
teilung der „Konferenz-Protokolle*' beschränkt hatte, traten 
im Jahr 1869 seit dem 1. Juli die Mitteilungen aus dem 
Bunde der Grossen National -Mutterloge in einer viertel- 
jährlichen Zeitschrift an die Stelle; diese Zeitschrift sollte 
zugleich dem Bundes-Direktorium zur Behandlung von Fragen 
dienen, die das Gebiet der maurerischen Geschichtsforschung, 
Gesetzgebung und Ritualistik betreifen. Indessen abgesehen 
von den ersten Heften, in denen sich wenigstens einige 
selbständige Aufsätze über maurerische Gesetzgebung und 
Literatur befanden, blieb der Inhalt im Wesentlichen derselbe, 
wie ihn vorher die Grosslogen-Niederschriften geboten hatten. 



— 344 — 

1885 Nachdem nun durch Beendigung der gesetzgeberischen 
Arbeiten eine ruhige Entwicklung eingetreten war, erschien 
eine Zeitschrift, wie sie vor 15 Jahren geplant worden, als 
ein unabweisliches Bedürfhiss. Durch Behandlung von 
Frageii, die in das Gebiet der maurerischen Geschichtsforschung, 
Gesetzgebung und RituaUstik gehören, durch fortlaufende 
Uebersicht der maurerischen Literatur neben den amtlichen 
Veröffentlichungen, glaubte das Bundes -Direktorium, würde 
eine solche Zeitschrift eine weitreichende fördernde Wirkung 
ausüben und zwar nicht bloss in unserem Bund, und dazu 
ersuchte es die Brüder der Grossloge und der Tochterlogen 
des Bundes um ihre eifrige Mitwirkung. 

Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden. 

Am 1. Mai d. J. war das Mitglied des Bundes-Direktoriums 
Br. Th. Fr. Brettschneider gestorben. Ihm wurde am 
8. Juni von dem zugeordneten Grossmeister Br. Frederichs 
die Trauerloge gehalten. 

Der Grosslogentag versammelte sich in diesem Jahr am 
24. Mai in Dresden in der Grossen Landesloge von Sachsen. 
Auf Grund der Tagesordnung wurden folgende Beschlüsse 
gefasst: 

1 . Das neu entworfene Statut des Grosslogenbundes nach 
der Durchsicht von 1884 wird einstimmig angenommen. 

2. Einige unwesentliche Abänderungen in dem Statut der 
Viktoriastiftung werden genehmigt. 

Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung war 
die Verhandlung über den von dem Ausschuss vorgelegten 
Entwurf eines aUgemeinen Gesetzes über die maurerische 
Rechtspflege. 

Der auf dem Grosslogentag des Jahres 1884 eingesetzte 
Ausschuss zur Ausarbeitung eines Entwurfs für ein maurerisches 
Strafgesetz, bestehend aus den Brrn. Gartz von der Grossen 
Landesloge von Deutschland, Braband von der Grossen 
Loge von Hamburg, Wigard von der Grossen Landesloge 
von Sachsen, Brand von der Grossen Loge „Zur Eintracht" 
in Darmstadt, und Gerhardt von der Grossen National- 
Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln", hatte inzwischen 



— 346 — 

einen von Br Gartz ausgearbeiteten Entwurf beraten und 1885 
in der letzten Sitzung endgültig festgesetzt. Schon am 
9. Mai hatte die Grossloge , die sich an die gesetzgebende 
Versammlung anschloss, dem Entwurf im Wesentlichen 
beigestimmt. 

Nach eingehender Beratung auf dem Grosslogentag 
wurde der ganze Entwurf angenommen gegen eine Stimme 
(Sachsen). Sodann wurden folgende Beschlüsse gefasst: 

1. Dass der angenommene Entwurf des Gesetzes jeder 
Grossloge mitgeteilt werde mit der Aufforderung, 
ihn an die Tochterlogen gelangen zu lassen, damit 
diese ihre darauf bezüglichen Wünsche kundgeben, um 
somit für die zweite Lesung des Gesetzes beim 
nächsten Grosslogentag das gewünschte Material zu 
liefern, und dass die betreffenden Auslassungen bis 
1. Dezember d. J. erfordert werden. 

2. Den bereits eingesetzten Ausschuss für Beratung des 
Entwurfs durch drei Mitglieder aus der Mitte der- 
jenigen Grosslogen zu verstärken, die in dem Ausschuss 
bis jetzt noch nicht vertreten waren. 

3. Dass der Ausschuss von den Beschlüssen, die er 
gefasst, bis 1. Februar k. J. der geschäftsführenden 
Grossloge Kenntniss giebt, und diese dann die ein- 
zelnen Grosslogen von der Sachlage unterrichtet. 

Der Lessingbund hatte sich an den Grosslogenbund in 
einem Schreiben gewandt und um Unterstützung seiner 
Bestrebungen gebeten. Der Grosslogenbund verhielt sich 
ablehnend , weil solche sonderbündlerischen Bestrebungen 
als berechtigt nicht anzuerkennen seien. — 

In der Sitzung vom 17. September 1885 wurde als 
Mitglied des Bundes -Direktoriums an Stelle des verstorbenen 
Brs. Brettschneider der Br. Schlichting, Professor an 
der technischen Hochschule, gewählt. 

In einer Entscheidung des Bundes-Direktoriums vom 
14. Oktober, betreffend die Auslegung der §§ 210, 211 der 
Bundes -Statuten ward in den Statuten einer Johannisloge 
folgende Bestinmiung: 



— 346 — 

1886 ^Soweit nicht die Vorherbekanntmachung des Gegen- 

standes zur Bedingung der Gültigkeit von Beschlüssen in 
den Bundesstatuten gemacht ist, darf der Meister vom 
Stuhl in jeder ordnungsmässig berufenen Loge die Brüder 
eines höheren Grades zu Beratungen nach dem Schluss 
der Loge berufen. Den dabei nicht anwesenden Mitgliedern 
steht nicht der Einspruch nach § 211 der Bundes- 
statuten za^ 
beanstandet als nicht im Einklang stehend mit den §§ 210, 211 
der Bundesstatuten. (Mitt. XVII, S. 101 f., Entscheidungen No. 1.) 
Der Sitzung vom 10. Dezember 1885 lag zur Beratung 
der Entwurf des Gesetzes über die maurerische 
Rechtspflege vor, wie er auf dem Grosslogentag vom 
24. Mai 1885 mit allen gegen 1 Stimme (Sachsen) in erster 
Lesung angenommen worden war. 

Nach der ersten Lesung hatten sich nunmehr die ver- 
bündeten Logen über den Entwurf zu äussern und nach 
Eingang dieser Aeussernngen hatte eine Beratung durch den 
Ausschuss zu erfolgen, damit dann der nächste Grosslogentag 
die endgültige Entscheidung über das Ganze treffen könnte. 
Aus unserem Bund waren 48 Gutachten eingegangen: 
12 davon stimmten mit dem Entwurf völlig überein, 17 
hielten die Grundlage des Entwurfs fest, beantragten aber 
einzelne meist wenig erhebliche Abänderungen, während 19 
im Allgemeinen mehr oder weniger von der Grundlage des 
Entwurfs sich entfernten. Die Einwendungen richteten sich 
in der Hauptsache 

a) gegen die Beseitigung der Meisterschaft; 

b) gegen die Ständigkeit des Gerichts; 

c) gegen den Ausschluss des Vorsitzenden und des zu- 
geordneten Meisters vom Gerichtshof. 

Bei diesem Stand der Dinge beantragte der Gesetz- 
prüfungs-Ausschuss eine Erklärung, die im Wesentlichen 
dahin ging, dass die Sache noch nicht spruchreif sei, und 
obwohl der Entwurf eine wohlgeeignete Grundlage für die 
Regelung des Strafverfahrens biete, sei zur Zeit von der Durch- 
beratung der eingegangenen Abänderungsanträge abzusehen. 



— 347 — 

In der Elrörterung wandte man sich besonders gegen die 1886 
Auffassung: dass der vorgelegte Entwurf eine wohlgeeignete 
Grundlage für die Regelung der Angelegenheit wäre, und 
erklärte, dass, wenn von 71 Tochterlogen kein Gutachten 
eingegangen sei, man nicht berechtigt wäre, deren Zustimmung 
vorauszusetzen. Obwohl diese Ansichten in grossem 
Widerspruch mit dem Beschluss der Grossloge vom 9. Mai 
standen, Hess der Gesetzprüfungs-Ausschuss die bemängelte 
Stelle fallen, und nun wurde die Erklärung in folgender 
Fassung einstimmig angenommen: 

„Die Grossloge erachtet nach dem Erlass eines 
Allgemeinen Aufnahmegesetzes f flr die verbündeten deutschen 
Logen die gemeinsame gesetzliche Regelung der maurerischen 
Strafrechtspflege für unerlässlich, sieht jedoch zur Zeit von 
der Durchberatung der eingegangenen Abänderungsanträge 
ab, weil gegenüber den seitens einer beträchtlichen Zahl 
von Bundeslogen erhobenen Bedenken gegen grundlegende 
Bestimmungen des Entwurfs es noch einer weiteren Zeit 
zur Verständigung über die Grundlage des zu erlassenden 
Gesetzes bedarf«. (17. 1, 2, S. 22 ff.) — 

Das hundertjährige Stiftungsfest feierte die Loge ,Zu 
den drei Rosenknospen*' zu Bochum am 13. Dezember 
in Anwesenheit des National- Grossmeisters Br. Schaper 
und des Grossarchivars Br. Linde. (17. 3, S. 58.) 

Gleich beim Beginn des Jahres 188G, am 3. Januar, fand 1886 
in unserm Bundeshause eine gemeinsame Festloge der drei 
preussischen Grosslogen zur Feier des 25jährigen 
Regierungs- Jubiläums des Kaisers statt, zu der eine grosse 
Anzahl der Brüder aller berliner Logen erschienen war. 
(17. 3, S. 54.) 

Am 17. Februar gab das Bundes -Direktorium folgende 
Entscheidung, betreffend die Auslegung der §§22 — 24 des 
Allgemeinen Aufnahmegesetzes der missverständlichen Auf- 
fassung einer Tochterloge gegenüber: 

1. Das Beamten -Kollegium kann ungünstige 2^ichen 
nach § 23 nur heben, wenn bei der Kugelnng nur ein. 



— 348 — 

1886 zwei oder drei ungünstige Zeichen sich vorgefunden 

haben, und Rechtfertigangsgründe angegeben sind. 

2. Die Wiederholung der Kugelung kann nur stattfinden, 
wenn nur ein oder zwei ungünstige Zeichen sich vor- 
gefunden haben. 

3. Die Worte im § 24 „auch bei einer Wiederholung 
der Kugelung *" müssen als in Klammem stehend 
gedacht werden und sind dahin auszulegen, „auch 
wenn eine Wiederholung der Kugelung nach §22 
stattgefunden hat". 

4. § 23 trifft nur den Fall, dass ein, zwei oder drei un- 
günstige Zeichen abgegeben worden sind und zwar — 
als selbstverständliche Folge des §22 

a) sofern sie nicht eben nach § 22 als irrtümlich ab- 
gegeben erklärt worden sind, also „bleiben" und 

b) sofern bei nur einem oder zwei ungünstigen Zeichen 
nicht etwa nach § 22 eine Wiederholung der 
Kugelung stattgefunden hat, bei welcher solche 
nicht wieder abgegeben worden sind, sofern also 
ein oder zwei ungünstige Zeichen auch bei einer 
Wiederholung der Kugelung bleiben. 

5. Der § 149 ist als Zusatz zu § 23 und nicht zu § 22 
des Allgemeinen Aufnahmegesetzes gegeben. 

6. Der § 149 der Bundesstatuten setzt nun Folgendes fest: 

„Mehr als drei ungünstige Zeichen bedürfen der 

Rechtfertigung nicht, müssen aber, sofern sie nicht 

H der Stimmen erreichen und dann nach § 24 zur 

Abweisung für immer führen, dann auch die Wirkung 

haben, welche schon drei oder weniger ungünstigen 

Zeichen, die nicht gehoben worden sind, beigelegt ist, also 

die Zurückstellung des Suchenden auf ein Jahr zur Folge 

haben". (Mitt. XVII, S. 102 ff., Entscheidungen No. 2.) 

In derselben Sitzung wurde die Gründung der Loge zu 

Steglitz unter dem Namen „Bruderbund am Fichtenberge" 

genehmigt. 

Die Grossloge Prince Hall (Farbige) für den Staat 
Massachusetts in New Bedford hatte den Vorsitzenden Meister 



— 349 — 

unserer Loge za Uelzen za ihrem Vertreter bei unserer Gross- 1886 
löge gegen unsere gesetzlichen Bestimmungen ernannt. In 
einem Schreiben vom 17. Mai musste das Bundes-Direktorium 
darauf erwidern, dass auch bei der Beobachtung unseres 
Logenbrauchs in der Wahl von Vertretern wir doch nicht 
in der Lage gewesen wären, in ein Vertretungsverhältniss 
mit jener Grossloge zu treten, weil die farbigen Logen in 
Amerika von dem deutschen Grosslogenbund nicht anerkannt 
seien. 

Am 22. März fand in unserm Bundeshause die gemein- 
same Feier des Geburtstages des Kaisers von Seiten der 
drei preussischen Grosslogen statt. 

In der Sitzung der Grossloge am 13. Mai wurde die 
Errichtung einer Loge in Inowrazlaw unter dem Namen 
„zum Licht im Osten'' einstimmig genehmigt. Auch wurde 
die Mitteilung gemacht, dass die Grossloge Royal York 
zur Freundschaft auf das diesseitige Gesuch während der 
Dauer des Umbaus unseres Logenhauses uns ihre Räume 
an zwei Tagen in jeder Woche zu Logen -Arbeiten bereit- 
willigst zur Verfügung stelle. 

Am 6. Oktober ging der National-Grossmeister Br. Karl 
Heinrich Schaper, Dr. phil., Direktor des Joachimsthalschen 
Gymnasiums in den e. 0. ein, tief betrauert von allen Brm. 
unseres Bundes, dem er bis zu seiner letzten Erkrankung 
ein treuer, umsichtiger Leiter gewesen war. Am 17. Oktober 
fand im Bundeshause der Grossloge Royal York zu Ehren 
seines Gedächtnisses die Trauerloge statt unter Leitung 
des zugeordneten National - Grossmeisters Br. Frederichs, 
der auch schon bei der Johannisfest- Arbeit wegen der 
Erkrankung des Br. Schaper den Vorsitz geführt hatte. 

Aus Anlass dieses tiefschmerzlichen Verlustes gingen 
der Grossen National -Mutterloge von den verschiedensten 
maurerischen Behörden Beileidsbezeugungen zu, darunter 
ein Schreiben des Gross- Schriftführers der „United Grand 
Lodge of England^, Br. Wendt in London, im Auftrag des 
Prinzen von Wales, worin dieser sein Beileid zu dem 
Heimgang unseres Grossmeisters ausdrückt. 



— 350 — 

1886 Am 10. November erliess das Bundes -Direktorium ein 
wichtiges Bundschreiben an sämmtliche Bundeslogen. Es 
wird darin ausgeführt, dass, nachdem die gesetzgeberischen 
Arbeiten in der Grossen National -Mutterloge im Wesent- 
lichen zum Abschluss gebracht sind, unsere Aufgabe nunmehr 
ist, mit vereinten Kräften einzutreten für die weitere Aus- 
gestaltung und Fortbildung unserer Lehre, wie sie 
in den Bitualen und Instruktionen ihren Ausdruck 
gefunden hat. Zur Mitwirkung hierbei werden alle 
Bundeslogen und deren Mitglieder aufgefordert. — 

An Stelle des gestorbenen Bruders Schaper wurde 
Br. Maetzner, Dr. phil. und Professor, Direktor der Luisen- 
schule in Berlin zum Mitglied des Bundes -Direktoriums am 
23. Dezember gewählt. 

1887 Am 13. Februar fand eine Sitzimg des Gesetzprüfungs- 
Ausschusses statt, an der die beiden zugewählten Mitglieder, 
Br, Frege, vors. Meister der Loge Teutonia zur Weisheit 
zu Potsdam, und Br. Schroeter, vors. Meister der Loge 
Friedrich Wilhelm zu den drei Hammern zu Eberswalde, Teil 
nahmen. Auf der Tagesordnung standen zunächst die Anträge 
der Logen Duisburg, Wesel und Mülheim a. d. Ruhr, betreffend 
die einheitliche Regelung der von den ständig besuchenden 
Brüdern zu entrichtenden Beiträge, über die nach § 65 Abs. 2 
der Bundesstatuten die Tochterlogen zu befinden haben. 
Nach eingehenden Erwägungen gelangte einstimmig der 
Antrag zur Annahme, dass eine Verständigxmg auf folgender 
Grundlage anzustreben sei: 

Ständig besuchende Brüder sind gehalten, an ihre eigene 
Loge % bezw. H des Beitrages zu leisten, den diese von 
ihren einheimischen Mitgliedern erhebt, dagegen % bezw. Vt 
an diejenige Loge, der sie als ständig besuchende 
Brüder sich angeschlossen haben, 

und dass seitens der Vertreter unseres Bundes der Antrag 
zu stellen sei: 

Der Grosslogentag wolle einen Ausschuss 
ernennen zur Ausarbeitung gemeinsamer Be- 



— 351 — 

Stimmungen über die Beitragspflicht der ständig 1887 
besuchenden Brüder. 

Hierauf wurde in die Beratung des Entwurfs eines Gesetzes 
über das Verfahren bei Verletzung maurerischer 
Pflichten eingetreten, über den die Brr. Gerhardt und 
Frege eingehend berichtet hatten. (Mitt. S. 44 ff.) 

In diesem Bericht wird zunächst die Entstehung des 
Entwurfs dargelegt. Auf den Antrag der Grossen National- 
Mutterloge vnirde auf dem Grosslogentag am 1. Juni 1884 
ein Ausschuss ernannt zur Ausarbeitung eines Entvmrfs eines 
allgemeinen Gesetzes über die maurerische Rechtspflege. 
Der im 3. Kreisschreiben vom 20. März 1885 zur Eenntniss 
der Bundeslogen gebrachte Entwurf des Ausschusses — mit 
dem sich unsere Grossloge in ihrer Sitzung am 9. Mai 1885 
im Allgemeinen einverstanden erklärte — wurde am 
24. Mai 1885 auf dem Grosslogentag in Dresden in der in 
dem 5. Kreisschreiben vom 13. Mai 1885 mitgeteilten Fassung 
mit allen gegen die Stimmen der Grossen Landesloge von 
Sachsen in erster Lesung angenommen. Dieser Entwurf 
begegnete in der freimaureribchen Presse wie in den Tochter- 
logen manigfachen Bedenken. In der Presse wurde namentlich 
die juristisch - technische Fassung bemängelt. Die Aus- 
lassungen der Tochterlogen unseres Bandes wendeten sich 
hauptsächlich gegen die Ausschliessung der Meisterschaft 
als urteilenden Körperschaft, gegen die Stäindigkeit des 
Gerichtshofes und gegen den Ausschluss der Vorsitzenden 
und zugeordneten Meister vom Gerichtshof. Daher erklärte die 
Grossloge in der Versammlung vom 10. Dezember 1885, dass 
zwar die gemeinsame gesetzliche Regelung der maurerischen 
Strafrechtspflege unerlässlich , indessen vorläufig von einer 
Weiterberatung des Entwurfes abzusehen sei, da von dem 
Verlauf einiger Zeit eine grössere Klärung der Ansichten zu 
erwarten stehe. (Mitt. S. 27.) Der Ausschuss des Grosslogen- 
tages glaubte jedoch sich der nochmaligen Durchberatung 
des Entwurfs unter Berücksichtigung der von den Bandee- 
logen erhobenen Bedenken nicht entziehen zu dürfen und 
stellte demnach den Elntwurf eines Gesetzes über das Verfahren 



— 352 — 

1887 bei Verletzung maorerischer Pflichten fest, der im 3. Kreis- 
schreiben vom 24. Februar 1886 veröffentlicht wurde. Dieser 
Entwurf, dessen wesentliche Unterschiede gegenüber dem 
früheren Br. Gerhardt als Mitglied des Ausschusses in der 
Sitzung der Grossloge am 13. Mai 1886 beleuchtete, fand 
hier den Beifall der Brr. (Mitt. S. 71 u. 76) und wurde dem- 
nächst auf dem Grosslogentag zu Hamburg am 13. Juni 1886 
nach eingehender Beratung mit 7 Stimmen gegen die der 
Grossen Mutterloge des eklektischen Bundes in Frankfurt a.M., 
und zwar in erster Lesung, angenommen. 

Was das Strafrecht betrifft, so ist in dem Entwurf 
der richtige Grundsatz festgehalten, dass es von geringeren 
— dem Bügerecht unterliegenden — Verstössen gegen 
Sitte und Ordnung abgesehen nur ein Vergehen im 
maurerischen Sinn giebt, nämlich die Verletzung der 
maurerischen Pflicht, die, sofern nicht mildernde Umstände 
vorliegen, den Uebelthäter unwürdig macht, femer ein Mit- 
glied des Bundes zu sein und zu heissen, und zwar entweder 
für immer oder für eine gewisse Zeit, je nachdem die Hoffnung 
begründet ist, der Br. werde sein Vergehen wieder gut und sich 
selbst der Mitgliedschaft wieder würdig machen. Hierin sind 
schon die einzig möglichen Strafen mitbezeichnet: zeitweise 
oder dauernde Entfernung aus dem Bund, d. h. Entlassung 
aus der Loge oder Ausschliessung aus dem Freimaurerbund. 

In Bezug auf das Verfahren zur Ahndung einer Verletzung 
der maurerischen Pflicht geht der Entwurf davon aus, dass 
dies weniger ein strafgerichtliches als ein ehren- 
gerichtliches sein muss. Es scheidet sich in fünf natur- 
gemässe Abschnitte: Antragsteller, Erforschung des Sach- 
verhalts, Urteilsfällung, Rechtsmittel, Vollstreckung. 

1. Der erste Entwurf beschränkt das Recht, auf ein 
maurerisches Strafverfahren anzutragen, auf Brr. 
Meister, während der neue Entwurf § 6 das Recht jedem 
Br. zubilligt. Das entspricht der Brüderlichkeit und Gleich- 
berechtigung insofern mehr, als das Verfahren sich nicht nur 
gegen Brr. Meister sondern auch gegen Gesellen und 
Lehrlinge richtet. 



— 353 — 

2. Das die Urteikfallung in erster oder zweiter Instanz 1887 
vorbereitende Verfahren, §§ 8 — 11, 14, 15, 18 — 24, kann nur 

die genaueste Erforschung des wahren Sachverhaltes 
unter Wahrung der Rechte der Beteiligten zum Zweck haben. 
Der Entwurf ist bestrebt, diesem Zweck nach jeder Richtung 
hin Rechnung zu tragen. 

3. Bei der Urteilsfallung weicht der Entwurf wesentlich 
von dem bis dahin geltenden Recht unserer Grossloge ab, 
indem er die Urteilsfallung aus der Hand der Meisterschaft 
in die Hand eines Ehrenrates von Brm. Meistern legt. Da 
Alles in Allem erwogen die Vorzüge und Nachteile der beiden 
einander gegenüber gestellten Gerichtshöfe sich so ziemlich 
die Wage halten mögen, muss die Rücksicht auf das Ganze, 
auf das Zustandekommen des Gesetzes den Ausschlag für 
den Ehrenrat von fünf Mitgliedern geben. 

4. Unser bisheriges Recht kannte eine Berufung nicht, 
weil diese der ganzen Einrichtung der Geschworenen- bezw. 
Volksgerichte — und als ein solches muss man das Gericht 
der gesammten Meisterschaft bezeichnen — ¥ridersprechen 
würde. Nur in dem Bundesdirektorium war eine Art von 
Kassationsinstanz gegeben, aber auch nur für den Fall, dass 
das Urteil auf Ausschliessung lautete. Das vorgeschlagene 
Gesetz überträgt aber die Rechtsprechung von der Meister- 
schaft auf den Ebrenrat, und daher empfahl sich nach den 
heutigen Rechtsanschauungen die Einführung einer Berufungs- 
Instanz. Als solche soll der Ehrenrat bei der Grossloge 
eintreten, der das Urteil in seinem ganzen Umfang zu prüfen 
hat. Bei unserer Grossloge hatte das Bundesdirektorium 
nach seiner verfassungsmässigen Stellung in unserem Bund 
als Ehrenrat zu gelten. 

5. Hinsichtlich der Verkündung und Vollstreckung der 
Urteile können gegen die Bestimmungen des Entwurfs 
Bedenken füglich nicht bestehen. 

Im Einzelnen hebt der Bericht noch folgendes hervor: 

Gegen § 1 Absatz 3, wonach die Berufung des staatlichen 

Gerichts ausgeschlossen ist bei Ehrverletzungen, die in einer 

Logenversammlung stattgefunden oder auf maurerische An- 

OMoh. d. Ur NAt.-Mat««r-Lof«. 83 



— 354 — 

1887 gelegenheiten aich beziehen, sind zwei Bedenken erhoben 
worden. Es soll die Bestimmung „bei Vermeidung der 
Entlassung oder Ausschliessung " gegen die ^ Alten Pflichten * 
Verstössen, weil diese einen solchen Ausschliessungsgrund 
nicht kennen. Aber die alten Pflichten gelten für uns nur 
in so weit als Gesetz, als ihre Bestimmungen in unsere 
Grundverfassung und Statuten übergegangen sind. Dann hat 
man auch die Bestimmung insofern angegriffen, als Ehr- 
verletzungen so schwerer Art in einer Logenversammlung verübt 
werden könnten, dass das maurerische Strafverfahren keine 
hinreichende Sühne dafür biete. Aber einmal muss die Sühne^ 
welche die Loge dem Maurer verschafft, ihm mehr gelten, 
als die staatliche Strafe im Privatklageverfahren, und sodann 
läuft es der Würde des Bundes zuwider, das, was in der 
Loge vorgeht, im Weg der Beleidigungsklage in die Aussen- 
weit zu zerren. 

Die in §§ 1 — 4 gegebenen Bestimmungen sind ein 
wesentlicher Vorzug des neuen Entwurfs gegenüber dem alten. 
Nach § 6 ist zum Klageantrag berechtigt jeder „Bruder f. 
Darüber zu wachen, dass die Verletzung einer maurerischen 
Pflicht nicht ungeahndet bleibt, ist ohnehin Pflicht des Vor- 
sitzenden Meisters. 

Die Bestimmung in § 28: 

„Wenn ein Bruder von einem deutschen Gerichte 
wegen eines Verbrechens oder wegen eines solchen Ver- 
gehens, das seine Verurteilung zum Verluste der bürger- 
lichen Ehrenrechte zur Folge gehabt hat, rechtskräftig 
verurteilt worden ist, so hat der Ehrenrat ohne weitere 
Prüfung und ohne dass die Anhörung des Beklagten 
erforderlich ist, seine Ausschliessung aus dem Freimaurer- 
bunde auszusprechen'' 
ist als gegen die „ Alten Pflichten " verstossend bezeichnet 
worden. Dagegen gilt dasselbe, was zu § 1 Abs. 3 bemerkt 
worden. Aber abgesehen davon, ist eine der ersten Pflichten in 
den „Alten Pflichten** die des Gehorsams gegen die staatliche 
Obrigkeit. Ausserdem wird in den Verfassungen von 1500 
und 1694 dem Freimaurer ausdrücklich die Treue gegen den 



— 355 — 

König, Gehorsam gegen die von ihm eingesetzte Obrigkeit 1887 
zur Pflicht gemacht. Angesichts dieser Bestimmungen kann 
man auch kein Bedenken tragen, solche Mitglieder, die 
wegen politischer Verbrechen — Hoch- und Landesverrat — 
durch Spruch der staatlichen Gerichte verurteilt worden sind, 
aas dem Freimaurerbund auszuschliessen. Für die Mitglieder 
der preussischen Grosslogen ist die ganze Frage schon durch 
das diesen Grosslogen erteilte Protektorium und das 
Protektorat des Kaisers und Königs dahin erledigt, dass die 
Anwendung des § 28 auch auf politische Verbrecher eine 
unerlässliche Bedingung der Annahme des Gesetzes bilden muss. 

Der Ausschuss empfahl einstimmig den Entwurf eines 
Gesetzes über das Verfahren bei Verletzung maurerischer 
Pflichten zur Annahme. 

Dem entsprechend wurde denn auch in der Sitzung der 
Grossloge vom 31. März der Entwurf nach kurzer Erörterung 
einstimmig (Mitt, XVII, 77) und in der gesetzgebenden Ver- 
sammlung am 21. Mai nach längerer eingehender Beratung 
mit 109 gegen 16 Stimmen angenommen. (Bbl. 1887, S. 6ff.) — 

Auf dem Grosslogentag zu Frankfurt a. M. am 29. Mai 1887 
wurde der Entwurf endgültig in zweiter Lesung mit sechs 
Stimmen angenommen. Die Grossloge „Zur Sonne*' zu 
Bayreuth und die „Grosse Mutterloge des eklektischen Bundes*' 
zu Frankfurt a. M. enthielten sich der Abstimmung. (Bbl. 
1887, S. 96 ff.) — 

In der an die gesetzgebende Versammlung vom 21. Mai 
sich anschliessenden Sitzung der Grossloge wurden zunächst 
die gesetzmässigen Wahlen der Grossbeamten vorgenommen. 
An Stelle des in den e. 0. eingegangenen Brs. Seh aper 
wurde der bisherige zugeordnete Grossmeister Br. Frederichs 
zum National -Grossmeister und zu seinem Zugeordneten Br. 
Gerhardt gewählt. Von der Wahl eines Gross-Schatz- 
meisters musste Abstand genommen werden , da der bisherige 
langjährige Inhaber des Amtes, Br. Ki ndler, seines vorgerück- 
ten Alters wegen eine Wiederwahl bestimmt ablehnte, und von 
den übrigen Mitgliedern der Grossloge Niemand zur Annahme 
des Amtes sich bereit erklärte. Der diesmal getrennt für 

23* 



— 356 — 

1867 die allgemeine Bandesverwaltung and für die innere Ver- 
waltang der Grossloge vorgelegte Voranschlag warde nach den 
Anträgen des Bandesdirektoriams, über die Br. Gerhardt 
den Bericht erstattete, angenommen. Damit war zugleich 
eine wichtige Verbesserung in der Geldverwaltung eingeführt, 
and eine wesentliche Klärung des Rechnungswesens des 
Gesammtbundes und der engeren Grossloge erreicht. 

Ausserdem waren für diese Sitzung der Grossloge vom 
Bundes -Direktorium die folgenden Fragen zur Besprechung 
gestellt worden: 

1. Ist bei der Bestimmung des Begriffs der Humanität 
von der geschichtlichen Entwicklung der Menschheit 
gänzlich abzusehen oder ist die Idee der Humanität, 
wie sie geschichtlich in dem Prinzip des Christen- 
tums liegt, zugleich das Ideal wahrer Humanität? 

2. Wie lassen sich die Maurer-Kränzchen einfügen in 
die Organisation unseres Bundes, insbesondere mit 
Bücksicht auf die Bestimmungen des Edikts vom 
20. Oktober 1798? 

3. Welche Bedeutung haben die „Alten Pflichten" noch 
jetzt für die Freimaurerei? 
Die Behandlung dieser Fragen musste jedoch der vor- 
gerückten Zeit wegen von der Tagesordnung abgesetzt 
werden. Die Fragen zu 1 und 3 wurden aber bald darauf 
in der neu gegründeten Zeitschrift der Grossen National- 
Mutterloge eingehend erörtert. (Bdsbl. 1887, II, 45 ff.) 

Am 1. Juli erschien nämlich unter der Bezeichnung 
„Bundesblatt" die neue Zeitschrift, die seitdem in regel- 
mässigen Heften monatlich zweimal herausgegeben wird. 
Ihre Leitung wurde dem Br. Keimann übertragen. 

Zum 18. Oktober richteten die drei Berliner Grosslogen 
an den Kronprinzen und stellvertretenden Protektor ein 
Glückwunsch- Schreiben, auf welches die folgende für die 
Stellung des unvergesslichen hohen Brs. zur Frmrei so 
bezeichnende Antwort erfolgte: 

„Die Wünsche, welche die drei preussischen Gross- 
logen Mir zu Meinem Geburtstage und zu Meiner baldigen 



— 357 — 

Wiederherstellang aasgesprochen haben, erkenne Ich gern 1887 
als den Ausdruck der Treue und Ergebenheit an. Mit dem 
Danke hierfür verbinde Ich den Wunsch, dass die Maurerei 
ihre wohlthuende Wirksamkeit in immer weitere Kreise 
tragen möge. Für Mich war sie mit eine Quelle, das 
Mir auferlegte Leid in Ergebenheit in den Willen des 
g. B. a. W. zu tragen. Zu Ihm blicke Ich auch voll Ver- 
trauen empor, und hoffe, dass Ich in nicht allzuferner 
Zeit, genesen, mit den Meinen in die Mitte des geliebten 
Vaterlandes und in die Residenz zurückkehren kann. Ihnen 
und allen Logen sende Ich Meinen Gruss i. d. u. h. Z. 

Baveno, den 27. Oktober 1887. 

Der Stellvertretende Protektor 

gez. Friedrich Wilhelm, Kronprinz**. 

An den geschäftsführenden Ausschuss der Viktoriastiftung 
erging nachstehender Erlass des Kronprinzen vom 
17. November aus San Remo: 

„In der Anlage lasse Ich dem geschäftsführenden Aus- 
schuss der Viktoriastiftung die genehmigte Unterstützungs- 
liste wieder zugehen. Gern gebe Ich und die Kronprinzessin, 
Meine Gemahlin, hierbei Unserer Freude Ausdruck über 
die auch in diesem Jahr geübte Wirksamkeit und über 
die Erstarkung dieses schönen gemeinsamen Werkes der 
deutschen Freimaurer. Auch in Zukunft werden Wir diesem 
edlen Streben Unsere Teilnahme nicht versagen. Die aus- 
gesprochenen treuen Wünsche haben Mir wohlgethan und 
danke Ich dafür bestens**. — 

Das Bundes -Direktorium erteilte unterm 7. Dezember d. J. 
folgende Entscheidung (Bbl. 1888, 1,7): 

Zur Annahme meldete sich ein Bruder, dem vor noch 
nicht einem Jahr von der Loge, der er früher angehört 
hatte, die Bescheinigung seiner ehrenvollen Trennung erteilt 
worden war. Diese Bescheinigung enthielt aber nur die bei 
der Entlassung zu beurkundenden Thatsachen. Die um die 
Annahme angegangene Loge ersuchte nun um Mitteilung 
der Umstände, unter denen der Bruder sich von der Loge 



— 358 — 

1887 getrennt hatte. Daxauf legte diese Loge die Gründe dar, 
weshalb sie es vorgezogen, die Entlassungsbescheinigung zu 
erteilen, anstatt ein maurerisches Strafverfahren gegen den 
Br. einzuleiten, und sodann ging sie näher auf das spätere 
Verhalten des Bruders gegenüber der Loge und ihrem Vor- 
sitzenden Meister ein mit der Bitte, im Fall der Annahme 
des Bruders gleichzeitigwegen dieses Verhaltens das maurerische 
Strafverfahren gegen ihn einzuleiten. 

Da die um Annahme angegangene Loge nach Prüfung 
der Bedenken sich zur Zurückweisung des Annahmegesuchs 
nicht entschliessen konnte, unterbreitete sie die Sache dem 
Bundes-Direktorium zur Entscheidung auf Grund des § 163 
der Bundesstatuten. Letzteres erklärte jedoch aus folgenden 
Gründen eine Entscheidung nicht treffen zu können: 

Die Bundesstatuten behandeln in den §§ 157 — 160 
den Fall, wenn der die Annahme nachsuchende Bruder den 
Nachweis seiner ehrenvollen Trennung von der Loge, der 
er früher angehört, erbracht hat; und dieser Fall liegt 
hier vor. Da ist aber weder die Loge, die die Bescheinigung 
der ehrenvollen Trennung erteilt hat, zu einem Einspruch 
gegen die Annahme berechtigt, noch die um Annahme 
ersuchte Loge in der freien Beschlussfassung über die An- 
nahme unter Würdigung der geltend gemachten Bedenken 
irgend wie beschränkt (§§ 158, 159). Nur die Loge, die 
einem Bruder die ehrenvolle Entlassung versagt hat, ist 
berechtigt, unter Darlegung der „Gründe, aus welchen die 
ehrenvolle Entlassung versagt worden ist** (§ 162), Bedenken 
oder vielmehr Einspruch gegen die Annahme des Bruders 
zu erheben, über den gegebenen Falls das Bundes-Direktorium 
zu entscheiden hat (§ 163). Wenn die den Bruder entlassende 
Loge Bedenken aus späteren Handlungen des Bruders nach 
seiner Entlassung geltend macht mit dem Antrag, im Fall 
der Annahme des Bruders gegen ihn wegen dieser Handlungen 
das maurerische Verfahren einzuleiten, so hat auch da die 
um Annahme ersuchte Loge die freie Entschliessung über 
die Annahme, aber sie kann sich, wenn sie die Annahme 
nicht zurückweist, der Verpflichtung nicht entziehen, dem- 



— 359 — 

nächst die dem Angenommenen zur Last gelegten späteren 1887 

Handlangen so weit za prüfen, um Beschloss über die 

erhobene Anklage nach § 265 B.-St. fassen zu können. — 

In der Sitzimg am 22. Dezember beschloss die Grossloge 

ein Exemplar des Bundesblattes allen stimmberechtigten 

Mitgliedern. der Grossloge mit der Massgabe zuzustellen, dass 

sie es beim Ausscheiden aus ihrer Stellung zurückzuliefem 

haben, und zwar die gewählten Mitglieder an das Grossarchiv, 

und die Vorsitzenden Meister an ihre Logen. — 

Die 150jährige Jubelfeierder Loge „Absalom*' in Hamburg 
und zugleich der Einführung der Freimaurerei in Deutschland 
am G. Dezember war nach Mitteilung des Grossmeisters, der 
bei ihr zugegen war, durch grosse Beteiligung ausgezeichnet, 
die Festfreude aber leider getrübt durch den Tod des allseitig 
geliebten und hochgeachteten Ehrenmeisters, Brs. Braband. 
Am 30. Dezember fand eine schöne und weihevolle Feier 
statt von Seiten der Loge „Zum flammenden Stern^ zu Ehren 
des Br. Dahms 1, der 50 Jahre der Loge angehörte, nachdem 
er kurz vorher sein 50jähriges Amtsjubiläum und das Fest 
seiner goldenen Hochzeit gefeiert hatte. 

Am 3. Februar endete der Tod das irdische Leben des 1888 
geliebten Brs. Marot, Wirklichen Geheimen Ober-Finanzrats 
a.D., geb. am 1. Januar 1811, Sohnes des in den weitesten 
Kreisen bekannten Ober-Konsistorialrats und ehemals Vor- 
sitzenden Meisters der Loge „Zur Verschwiegenheit*'. Er war 
von 1875 bis 1882 Mitglied des Bundes-Direktoriums gewesen. 

Das Amt des Grossarcbivars übernahm wiederum Br. 
Linde ; von der Elrnennung eines zugeordneten Gross-Archivars 
wurde Abstand genommen, dagegen vom 1. März d. J. ab 
ein Bunde^kanzlist angenommen. 

Das Jahr 1888 war für unser Vaterland und für die 
Freimaurerei ein schwer verhängnissvolles. Während unser 
Aller Herzen in Sorge um Gesundheit und Leben unseres 
stellvertretenden Protektors, des Kronprinzen Friedrich 
Wilhelm , bangten, traf ims und das Vaterland fast unerwartet 
der schmerzliche Schlag, dass Kaiser Wilhelm am 8. März 



— 360 — 

1888 nach korzem Krankenlager ans diesem Leben abberufen ward. 
In ihm verlor die Freimaorerei den erlauchtesten, edelsten Br.; 
der allen Maurern ein leuchtendes Vorbild der aufopfernden 
Pflichterfüllung war, der Treue bis in den Tod, und die 
deutsche Freimaurerei insbesondere ihren wohlwollenden 
Protektor. 

Schon am 11. März vmrde in dem Grossmeister -Verein 
der drei preussischen Grosslogen — entsprechend einem 
inzwischen eingegangenen Schreiben des geschäftsführenden 
Grossmeisters des deutschen Grosslogenbundes — allseitig 
anerkannt, dass die hohen Verdienste des Entschlafenen um 
die Einigung der deutschen Maurerei ihre volle Würdigung 
nur finden würden in einer gemeinsamen Trauerloge 
der verbündeten deutschen Grosslogen, die von dem 
geschäftsführenden Grossmeister des deutschen Grosslogen- 
bundes in dem Bundeshause einer der Grosslogen in Berlin 
— und zwar der zur Zeit den Vorsitz im Grossmeisterverein 
führenden Grossen Loge Royal York zur Freundschaft — zu 
leiten wäre. Dem tiefen Schmerz über den Verlust des 
allverehrten und geliebten entschlafenen Protektors, und den 
Gefühlen treuester Anhänglichkeit und Verehrung für den 
nunmehrigen Protektor wurde Ausdruck gegeben in einer 
Beileids- und Ergebenheits-Zuschrift der preussischen Gross- 
logen an den Kaiser und König Friedrich III., und zugleich 
wurde dem Erlass einer gemeinsamen Zuschrift seitens der 
verbündeten deutschen Grosslogen zugestimmt. Ausserdem 
ward eine Trauerzeit bis zum 4. Mai allen Johannislogen der 
drei berliner Grosslogen angekündigt. (Bbl. 1888, S. 123.) 

Nachdem am 14. März die Zuschrift des deutschen Gross- 
logenbundes an den Kaiser ergangen war, fand die gemeinsame 
Trauerfeier am 22. März Abends 7 Uhr statt unter Leitung des 
geschäftsführenden Grossmeisters, Ehrwsten Br. Knoblauch. 
An dieser ersten gemeinsamen deutschen Logenarbeit, die in 
tiefernster weihevoller Weise verlief, nahmen die Grossmeister 
der verbündeten deutschen Grosslogen und zahlreiche Brr. Teil. 

Gegenüber den verheerenden üeberschwemmimgen, von 
denen weite Gebiete unseres Vaterlandes heimgesucht wurden, 



— 361 — 

verständigte sich der prenssische Grossmeisterverein über die 1888 
Schritte, um schleunigst Hülfe zu gewähren. Zunächst wurden 
Namens der Grossen National -Mutterloge und der Grossen 
Landesloge je 1000 Mark, Namens der Grossen Loge Royal 
York 500 Mark zu diesem Zweck sofort bewilligt. Femer wurde 
ein Aufruf an die Tochterlogen der drei berliner Grosslogen 
am 31. März gerichtet zur Veranstaltung von Sammlungen, 
deren Ergebniss dem unter der bewährten Oberleitung der 
Kaiserin und Königin Augusta wirkenden Vaterländischen 
Frauenverein überwiesen wurden. (Bbl. 1888, S. 189.) — 

Am 16. April fand die Lichteinbringung und Einweihung 
des neuerbauten Tempels in der Splittgerbergasse durch eine 
Festarbeit der Grossloge unter Leitung des Grossmeisters, 
Brs. Frederichs statt, an der unter Anderen die beiden 
Grossmeister der Seh wester -Grosslogen, Br. Neuland und 
Herr ig, sowie auch der Vorsitzende Meister der unabhängigen 
Loge „Minerva zu den 3 Palmen^ in Leipzig, Br. Carus, Teil 
nahmen. Nach der einleitenden Ansprache des Grossmeisters hielt 
der Grossredner Br. Leo den Festvortrag. (Bdsbl.l888,lX,2llflf.) 
Die Antwort des Kaisers Friedrich auf das Beileid- 
schreiben der drei preussischen Grosslogen lautete folgender- 
massen: 

„Die Kundgebung des Beileids für den Eingang Meines 
in Gott ruhenden Herrn Vaters, Sr. Majestät des Kaisers 
und Königs Wilhelm, in den ewigen Osten seitens der 
Preuss. Grosslogen habe ich mit Dank entgegengenommen 
und spreche zugleich Mein Bedauern aus, dass ich bei der 
Seinem Gedächtniss geltenden Feier am 22. März nicht 
zugegen sein konnte. Wie der heimgegangene Kaiser 
überall mit ganzer Seele und Geisteskraft da eintrat, wo 
nach einem hohen und edlen Ziele gestrebt wurde, so 
trug er auch insbesondere unserm Orden ein ehrendes 
Vertrauen tmd ein warmes Interesse entgegen, deren 
Zeugnisse der Geschichte des Ordens angehören. Sein 
Heimgang, der in der ganzen Welt betrauert wird, war 
gleich seinem ganzen Leben der eines Christen und echten 
Freimaurers, eines Helden, der den Tod überwindet, 



— 362 — 

1888 um zum ewigen Leben einzugehen. Die tiefe Trauer, 
welche uns alle erfüllt, findet ihren Trost durch den Blick 
in das Jenseits, wo für Ihn die Sonne nicht mehr bei 
Tage scheint und der Mond nicht mehr die Nacht erleuchtet, 
weil der Herr allein das Licht ist. Ich trete die Nachfolge 
dieses erhabenen Protektors der Freimaurerei in der frohen 
Hoffnung an, dass die Erinnerung an Seine Seelengrösse 
und Liebe bei allen Gliedern der Bruderkette reichen 
Segen bringend bis in die fernsten Zeiten erhalten bleibe. 
Charlottenburg, den 10. April 1888. 

Der Protektor 
gez. Friedrich." 
Am 25. April erliess das Bundes -Direktorium die Ent- 
scheidung, dass ein zum Abgeordneten seiner Loge für die 
gesetzgebende Versammlung gewählter Ehrenmeister aufhört, 
Abgeordneter zu sein, sobald er aus seiner Loge ausgeschieden 
und Mitglied einer anderen Loge geworden ist. Denn 
Abgeordneter einer Tochterloge des Bundes zur gesetzgebenden 
Versammlung kann nur ein stimmberechtigtes (ordentliches) 
Mitglied derselben sein, nicht aber ein Br., der die Voraus- 
setzung seiner Wählbarkeit verloren hat. (Bbl. 1888, IX, 236, 
Entscheidungen No. 7.) 

Am 13. Mai wurde zum ersten Mal in dem neuen Tempel 
unter Leitung des National-Grossmeisters, Brs. Frederichs, 
die gesetzgebende Versammlung der Grossen 
National- Mutterloge abgehalten. Der Gesetzentwurf 
über das Verfahren bei Verletzung maurerischer 
Pflichten wurde in einer doppelten Abstimmung genehmigt; 
zunächst in einer Abstimmung über die Annahme als All- 
gemeines Gesetz des deutschen Grosslogenbundes mit allen 
gegen 3 Stimmen; sodann über die Einführung des Gesetzes 
für unseren Bund, falls das Gesetz im Grosslogenbund nicht die 
Zustimmung sämmtlicher Grosslogen finden, aber von der 
Mehrzahl der deutschen Grosslogen angenommen werden sollte, 
mit allen gegen 13 Stimmen, also mit 97 Stimmen. 

An die gesetzgebende Versammlung schloss sich eine^ 
Sitzung der Grossloge an. Die Versammlung trat in die 



— 363 — 

Verhandlung über die schon für die vorjährige Grossloge 1888 
aufgestellten, damals aber wegen Mangels an Zeit abgesetzten 
Fragen ein. 

Za der Frage: 

Ist bei der Bestimmung des Begriffs der Humanität von 
der geschichtlichen Entwicklung gänzlich abzusehen, oder 
ist die Idee der Humanität, wie sie geschichtlich im Prinzip 
des Christentums liegt, zugleich das Ideal wahrer Humanität? 
wurde nach einem Bericht des Br. Paalzow-Frank- 
fürt a. 0. und einer Darlegung des National -Grossmeisters, 
Br. Frederichs, die folgende Erklärung einstimmig an- 
genommen: 

„Die Freimaurerei gründet sich auf eine sittlich - 
religiöse Weltanschauung. Sittlichkeit (Ethos) und Religion 
sind im menschlichen Bewusstsein — jene als ursprüngliches 
Gefühl der Freiheit, diese als Gefühl der Abhängigkeit — 
bei der Bestimmung des Begriffs der Humanität nicht zu 
trennen. Ihre harmonische Verbindung in der Persönlichkeit 
ist das Ideal des wahren Menschen wesens, das ist der 
Humanität. Die Idee der Humanität, als eine der bewegenden 
Mächte in der Geschichte, ist in der Person des Stifters der 
christUchen Religion zum vollendeten Ausdruck gekommen. 
Sie ist das Ziel der Freimaurerei, das diese mit den ihr 
eigentümlichen Mitteln zu verwirklichen strebt. 
Die zweite Frage lautete: 

„Wie lassen sich die Maurerkränzchen einfügen in 
die Organisation unseres Bundes, insbesondere mit Rücksicht 
auf die Bestimmungen des Edikts vom 20. Oktober 1798**? 
Nach kurzer Erörterung gelangte nach dem Antrag 
des Brs. Gerhardt die folgende Elrklärung zur Annahme: 
„Die Grossloge anerkennt das Bedürfniss einer gesetz- 
lichen Regelung der Maurerkränzchen und sieht eine 
geeignete Grundlage hierfür in den Bestimmungen der 
Grossen Loge von Preussen, genannt Royal York zur 
Freundschaft: „Von den Freimaurerkränzchen**. 
Am Schluss erfolgte die Mitteilung, dass für die Ueber- 
scbwemmten ausser den von der Grossloge bewilligten 



— 364 — 

1888 1000 Mark bisher noch über 13400 Mark in nnserem Band 
als Ergebniss der Samminngen eingegangen seien. (Bbl. 
1888, XIV, 353 ff.) 

Am 18. Mai fand in der Loge „Zur Eintracht^ die Ent- 
hüUnng des von dem Br. Bier mann gemalten Bildes des 
verstorbenen National-Grossmeisters Br. Schaper statt. 

Der Grosslogentag wurde zu Pfingsten am 20. und 21. Mai 
in Berlin in den Räumen der Grossen Landesloge unter 
Leitung des Grossmeisters Br. Neuland abgehalten. 

Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung betraf die 
Mitteilung der Abstimmung über den Gesetzentwurf, betreffend 
das Verfahren bei Verletzung maurerischer Pflichten. 
Für die Annahme des Gesetzes hatten sich nur 7 Grosslogen 
erklärt. Die Grossloge „Zur Sonne** in Bayreuth war dagegen. 
Sie nahm hauptsächlich Anstoss an den §§ 28 und 29, 
Absatz 2. Davon war die Folge, dass nach § 9 des Statuts 
des deutschen Grosslogenbundes der Gesetzentwurf als 
allgemeines deutsches Recht als abgelehnt zu erachten war. 
Indessen wurde — unter Stimmenthaltung Seitens der Gross- 
loge „Zur Sonne" — mit 7 Stimmen der Antrag der Brr. 
Brand und Gerhardt angenommen: „Der Grosslogentag 
empfiehlt den zustimmenden Grosslogen, das als allgemeines 
deutsches Gesetz nicht zu Stande gekommene Gesetz über 
das Verfahren bei Verletzung maurerischer Pflichten für sich 
anzunehmen". 

Der Antrag der Grossen Loge von Hamburg über die 
Behandlung ständig besuchender Brüder wurde nach kurzer 
Besprechung in folgender Fassung einstimmig angenommen: 

„ Der Grosslogentag wolle einen Ausschuss ernennen zu 
dem Zweck, einen Entwurf eines Gesetzes über die Annahme 
von Brüdern und über die den besuchenden Brüdern zu 
gewährende Stellung auszuarbeiten«. (Bbl. 1888, XIII, 314 ff.) 

In der Sitzung der Grossloge vom 31. Mai wurde der 
Antrag des Bundes -Direktoriums auf Niedersetzung eines 
Ausschusses zur Ausarbeitung eines Entwurfs der berliner 
Orts-Statuten und der Geschäftsordnung der Ausschüsse nach 
Art. 3, 14, 26 der Grundverfassung angenommen, und ein 



— 365 — 

Aosscboss von 7 Mitgliedern gewählt, denen die fünf vor- 1888 
sitzenden Meister der berliner Tochterlogen bezw. deren Stell- 
vertreter hinzutreten sollten. 

Die Gründung einer Loge in Delitzsch wurde genehmigt. 

Das Bundes -Direktorium erliess zu § 23 des Aufnahme- 
gesetzes am 6. Juni folgende Entscheidung: Bei der Kugelung 
über einen Suchenden waren weniger als ein Drittel ungünstige 
Zeichen abgegeben worden. Noch vor dem Ablauf der Frist 
zur Rechtfertigimg dieser Zeichen nach § 149 der Bundes- 
Statuten (Ges. v. 9. 5. 85) wurde das Aufnahme- Gesuch 
zurückgezogen. Das Bundes-Direktorium erklärte darnach den 
Suchenden auf ein Jahr zurückgestellt mit der Begründung, 
dass die bei der Kugelung abgegebenen ungünstigen Zeichen 
bei Zurücknahme des Aufnahmegesuches in dem zugelassenen 
Nachverfahren nicht gehoben werden können und deshalb ihre 
Kraft behalten. (Bbl. 1888, XII, 289, Entscheidungen No. 8.) 

Am 15. Juni wurde das deutsche Vaterland mit'tiefer 
Trauer erfüllt durch den nach schweren Leiden erfolgten 
Tod des allgeliebten Kaisers Friedrich 111., des edelsten 
Herrschers, des hehren Förderers von Wahrheit und Licht, 
des bis in den Tod unerschütterlich getreuen Brs. und Protektors. 
(Bbl. 1888, XllI, 313.) 

In der Sitzung der Grossloge vom 21. Juni gedachte 
der National -Grossmeister in warmen Worten des grossen 
Verlustes, der die gesammte Freimaurerei betroffen, sowie der 
unvergänglichen Verdienste, die der Hohe Entschlafene sich 
um den Bund erworben, und verkündete den Beschluss des 
Grossmeistervereins, wonach die Logenarbeiten mit Ausschluss 
der in allen deutschen Bauhütten am 24. Juni abzuhaltenden 
Tranerloge bis zum 12. Juli auszusetzen sind — bis auf 
Beratungen in Verwaltungs - Angelegenheiten — und vom 
13. Juli bis 9. August d. J. Logenarbeiten, jedoch keine Tafel- 
logen oder Brudermahle stattfinden sollen. 

Am Johannistag fand so an Stelle des hergebrachten 
Freudenfestes im Hause der Grossen Landes -Loge eine 
gemeinsame Trauerfeier des deutschen Grosslogenbundes statt 
unter Leitung des geschäftsführenden Grossmeisters, 



— 366 — 

1888 Brs.NeuIand. Die hammerf&hrendenAemter waren an deutsche 
Grossmeister verteilt, und als Redner trat der Grossmeister 
des Eintracht-Bundes, Er. Brand, auf. Die ernste, würdevolle 
Feier hat bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck 
hinterlassen. ( Bbl. 1 888, XHl, 323 iBf.) 

Auf das Beileidschreiben des deutschen Grosslogenbundes 
an Kaiser Wilhelm U. durch den geschäftsführenden Vorstand 
erfolgte aus dem Geheimen Zivil-Kabinet eine Antwort mit 
dem Dank für die Teilnahme an dem schweren Verlust, 
den der Kaiser und König und das Königliche Haus erlitten 
hatten. — 

In der Sitzung der Grossloge am 21. Juni war das 
verbesserte neue Statut des Sterbekassen- Vereins einstimmig 
angenommen worden. 

Am 14. August dieses Jahres beging die Grosse National- 
Mutterloge das Gedächtniss der Aufnahme Friedrichs des 
Grossen in den Freimaurerbund in feierlicher Weise mit Fest- 
arbeit und Tafelloge. Die ganze Feier nahm einen würdigen 
und weihevollen Verlauf. Es war die erste eigentliche Fest- 
feier, die die Grosse National- Mutterloge in ihrem neuen 
Hause beging. Nach einer einleitenden Ansprache des 
National - Grossmeisters , Brs. Frederichs, in der er ganz 
besonders den grossen König als Philosophen auf dem Thron 
würdigte, wurde der Festgruss an den Kaiser und König verlesen, 
auf den am 25. August aus dem Geheimen Zivil -Kabinet 
folgende Antwort einlief: 

„Se. Majestät der Kaiser und König haben von dem 
Telegramm der am 14. Mai zur 150jährigen Gedenkfeier 
für Friedrich den Grossen versammelten Freimaurer gern 
Kenntniss genommen und mich zu beauftragen geruht, 
Ew. Hochwohlgeboren den Allerhöchsten Dank für den 
Ausdruck der Treue und Liebe sowie für die damit ver- 
bundenen Segenswünsche auszusprechen. 

Ich beeile mich, diesem Allerhöchsten Befehle hier- 
durch nachzukommen." gez. v. Lucanus. 
Nach einem Schreiben des Königl. Hausministeriums vom 
12. August d. J. sollte der maurerische Nachlass der Kaiser 



— 367 — 

Wilhelm I. und Friedrich lü. an Bevollmächtigte der 1888 
drei hiesigen Grosslogen zur weiteren VerfQgong nach den 
Gesetzen des Bandes ausgehändigt werden. Die ernannten 
Bevollmächtigten nahmen den Nachlass in Empfang, der 
nach Beschluss des Grossmeistervereins der Grossen National- 
Matterloge einstweilen zar Aufbewahrung übergeben wurde. 
(Bbl. 1888, XVllI, 458.) 

Zur Gründung der Loge „Wilhelm zur Liebe und 
Treue ** zu Delitzsch hatte das Bundes -Direktorium unterm 
31. Mai d. J. die Genehmigung des Kaisers nachgesucht. 
Darauf ging unterm 15. August d. J. von dem Minister des 
Innern, dem dieses Schreiben zur Erledigung zugegangen war, 
die Antwort ein, dass nach dem Allerhöchsten Patent vom 
9. Februar 1796 es für die Grossloge einer besonderen 
Genehmigtmg zur Stiftung einer neuen Loge nicht bedürfe. 
(Bbl. 1888, XVIII, 459.) 

In Osterode in Ostpreussen ward unter unserem Schutz 
ein Freimaurerverein gegründet, der der Loge in Königs- 
berg i. Pr. unterstellt ward. 

Am 23. September fand die Lichteinbringung in den 
Tempel der neu gegründeten Johannisloge „Wilhelm zur 
Liebe und Treue" in Delitzsch durch den National- 
Grossmeister Br. Frederichs statt, den der Grossarchivar 
Br. Linde begleitete. 

Am 10. November erfolgte auf dem Friedhof der Zwölf 
Apostel - Gemeinde in Schöneberg die feierliche Enthüllung 
des Denkmals des heimgegangenen Direktors des 
Joachimsthalschen Gymnasiums und Grossmeisters Bruders 
Dr. Karl Seh aper, das ihm die Liebe und Verehrung der 
Freunde, Schüler und Brüder errichtet hatte. Sein Nach- 
folger in der Grossmeisterwürde, Br. Frederichs, hielt die 
Weiherede und übergab sodann das Denkmal der anwesenden 
Familie des Entschlafenen. 

In der Nacht zum 26. Dezember starb der frühere 
National -Grossmeister, Br. Franz August von Etzel. Er 
war ein Sohn des 1783 geborenen Generals gleichen Namens, 
der von 1838 bis 1850 die Würde des National-Grossmeisters 



— 368 — 

1888 bekleidete. Seit Johannis 1873 war er Grossmeister and 
legte im Jahr 1876 den Hammer nieder. 

1889 Die Feier des Geburtstages des Kaisers und Königs, die 
von den drei berlüier Grosslogen gemeinschaftlich begangen 
wird, fand am 27. Januar in den Räumen der Grossen 
National-Mutterloge unter Leitung des National-Grossmeisters, 
Brs. Frederichs, in üblicher Weise statt. 

Am Mittwoch den 13. Februar wurde Prinz Friedrich 
Leopold von Preussen in der Grossen Landesloge der 
Freimaurer von Deutschland zum Freimaurer aufgenommen. 
Die Bedeutung dieser Aufnahme eines hohenzollemschen 
Prinzen lag hauptsächlich darin, dass sie unzweifelhaft nur 
mit Genehmigung des Kaisers und Königs geschehn war, und 
dass in ihr eine neue thatsächliche Bekundung des Wohl- 
wollens für unseren Bund erfolgte. — 

Die Findel'sche „Bauhütte" hatte inNo. 6 des laufenden 
Jahres der von den Grossmeistem der drei berliner Gross- 
logen an den Kaiser und König zu Neujahr gerichteten 
Glückwünsche und der Antwort aus dem Zivil -Kabinet 
in so spöttischen und unwürdigen Worten gedacht, dass die 
Pflicht der Selbstachtung uns die völlige Abwendung von 
diesem unmaurerischen Blatt gebot. Das Bundes-Direktorium 
ordnete daher an, es im Lesezimmer unseres Bundeshauses 
nicht femer auszulegen. 

Die Genehmigung zur Errichtung einer Loge in Kassel 
ward in der Grossloge vom 4. April erteilt in der Voraus- 
setzung, dass Bedenken von Seiten der Grossloge „Royal 
York zur Freundschaft" nicht erhoben würden. 

Am 24. April verkündete das Bundes-Direktorium das 
Gesetz über das Verfahren bei Verletzung maurerischer Pflichten. 

Was die Durchführung dieses Gesetzes bei unserer Gross- 
loge betraf, so konnte nach Art. 56 unserer Grundverfassung 
ein entsprechendes Ausführungsgesetz über die BesteUung 
des Bundes -Direktoriums zum Ehrenrat der Grossloge der 
diesjährigen gesetzgebenden Versammlung nicht mehr vor- 
gelegt werden. Es blieb daher für das Bundes-Direktorium 



— 369 — 

nur die Wahl, entweder die Verkündong des Gesetses aaf 1889 
ein Jahr zu verschieben, oder aber auf Grand des Art 49 
der Grundverfassung bei der Grossloge ein — vorläufig bis 
zur nächsten gesetzgebenden Versammlung wirksames — 
Notg^setz zu beantragen. Das Bundes -Direktorium entschied 
sich für das Letztere. 

Am 28. April fand die feierliche Lichteinbringung in den 
neuerbauten Tempel der altberühmten Loge „zu den drei 
Degen^ in Halle statt. Die Weihe wurde durch den 
National -Grossmeister Br. Frederichs in Begleitung des 
Grossarchivars Br. Linde vollzogen. (Bbl. 1889, S. 265 ff.) 

Der Kaiser gab am 10. Mai den preussischen Logen 
einen neuen Beweis seiner Teilnahme und Huld, indem er 
ihnen einen Kupferstich zusenden liess, der König Friedrich 
den Grossen als Freimaurer darstellt, wie er im Jahr 1740 
eine Aufnahme — angeblich die des Herzogs von Holstein — 
im Königlichen Schloss zu Charlottenburg vollzieht. 

„Eingedenk der Treue und Anhänglichkeit,'' heisst es 
in dem Begleit- Schreiben, „mit welcher die Logen Preussens 
dem Hause Hohenzollem stets ergeben gewesen sind, haben 
Se. Majestät beschlossen, den preussischen Logen ein Exemplar 
dieses Bildes als ein Zeichen der Erinnerung zu verleihen*. 
(Bbl. 1889,8.253,276.) 

Am ö. Mai fand die Eröffnung der neuen Loge „Friedrich 
zur deutschen Treue** in Kassel statt. Die Lichtein- 
bringung und Einweihung hatte der National -Grossmeister 
Br. Fredericbs in Begleitung des Grossarchivars Br. Linde 
übernommen. 

Am 19. Mai fand im Bundeshaus der Grossen National- 
Mutterloge die gesetzgebende Versammlung und im Anschlnss 
daran die allgemeine Grosslogenversammlung statt. 

Als erster Punkt der Tagesordnung wurde der Antrag, 
betreffend die Stiftung von Freimaurerkränzchen und deren 
Stellung im Bunde der Grossen National -Mutterloge zur 
Beratung gestellt. Ursprünglich hatten die Bundesbehörden 
aller preussischen Grosslogen unter Hinweis auf die Vorschriften 
des Edikts vom 20. Oktober 1798 sich gegen die Errichtung 

0««ch. d. Ur. Nat.-MntUr-Lof«. 84 



— 370 — 

1889 von Freimaurerkränzchen entschieden abweisend verhalten 
und diesen Standpunkt noch im Grossmeisterverein am 
4. Januar 1860 vertreten. Die Grosslogen stimmten dem zu 
(s. S. 221). Allein bald darauf gewann der Grossmeister- 
verein eine andere Auffassung, und in der Beratung vom 
25. Februar 1878 wurde hervorgehoben, dass die Stiftung 
maurerischer Eo'änzchen unter bestimmten Bedingungen 
wünschenswert sei. Ueber den demgemäss beim Grosslogen- 
tag am 9. Juni 1878 eingebrachten Antrag kam es jedoch 
zu keinem entscheidenden Beschluss. Inzwischen hatte die 
Grosse Loge Royal -York bei der Annahme der hannoverschen 
Freimaurerlogen den Beschluss des Grossmeistervereins vom 
4. Januar 1860 aufgeben müssen, um die von ihnen abhängenden 
Freimaurerkränzchen mit übernehmen zu können, den Be- 
stimmungen des Edikts aber dadurch genügt., dass stets sowohl 
von der Stiftung des Kränzchens dem Ministerium als auch 
von dessen Sitzungen der Polizeibehörde Anzeige gemacht 
wurde. Nach diesem Vorgehen der Grossen Loge Royal -York 
ging auch von Brüdern unserer Grossloge ein Antrag auf 
Errichtung von Kränzchen ein. Um jedoch nicht den Rechts- 
schutz, den das Edikt von 1798 unter ganz bestimmten Be- 
dingungen den preussischen Grosslogen gewährt, in Frage zu 
stellen, bescbloss die Grossloge am 4. März 1880, den Antrag ab- 
zulehnen, und die gesetzgebende Versammlung am 8. Mai d. J. 
ging über ihn zur Tagesordnung über. Seitdem wurden nach 
einem vom Grossmeister unseres Bundes, Br. Zschiesche, 
mit dem Grossmeister der Grossen Landesloge von Deutsch- 
land getroffenen Abkommen maurerische Kränzchen geduldet^ 
aber stets ohne Namen und ohne Satzungen unter der Auf- 
sicht der nächstgelegenen Loge. Allein eine solche Duldung 
von Kränzchen war tatsächlich nicht aufrecht zu erhalten 
und unterlag auch rechtlich schweren Bedenken. Dagegen 
war die Rechtslage eine andere, wenn die Frage dahin gestellt 
wurde, ob Freimaurerkränzchen sich mit den Tochterlogen der 
Art verbinden lassen, dass sie als deren Teile anzusehen sind. 
In diesem Sinn war vom Bundesdirektorium ein Entwurf 
in Anlehnung an die von der Grossloge Royal York erlassenen 



— 371 — 

Bestimmungen an den Gesetzprüfongs-Aosschuss gebracht 1889 
worden, der einstimmig den Antrag zur Annahme zu empfehlen 
beachloss. Wie die Grossloge in ihrer Sitzung vom 7. März 
nahm denn auch die gesetzgebende Versammlung am 19. Mai 
nach kurzer Erörterung unter der Ueberschrift „Frei- 
maorerische Vereine (Kränzchen)^ einstimmig den Entwurf 
in der vorliegenden Fassung an. 

Den 2. Punkt der Tagesordnung bildete der Antrag des 
Bandes-Direktoriums auf Abänderung der Art. 11, 12, 13 
der Grundverfassung. Es handelte sich darum, statt des 
bisherigen einen Grossarchivars zwei Grossarchivare, einen 
für die Verwaltung und einen für die Leitung des Bundes- 
blattes einzuführen und beide nicht bloss aus der Zahl der 
stimmberechtigten Mitglieder der Grossloge, sondern aus den 
Brm. Meistern der Tochterlogen ernennen zu lassen und zwar 
mit der Wirkung, dass die Ernannten, so lange sie ihr Amt 
bekleiden, Mitglieder der Grossloge sind. Der von dem 
Qesetzprüfungs-Ausschuss mit allen gegen eine Stimme zur 
Annahme empfohlene Antrag (Bbl. 1889, VI, 142 — 145), wurde 
von der Grossloge am 7. März und in der gesetzgebenden 
Versammlung in folgender Form zum Beschluss erhoben : 

1. In Art. 3, Ziffer 2 hinter den Worten: 

„der Grossen National - Mutterloge ** einzuschalten: 
„sowie die beiden Grossarchivare ^. 

2. In Art. 11 an Stelle der Worte: 

„12. den Grossarchivar. Den Grossbeamten werden 
Vertreter zugeordnet^ zu setzen: 

„12. die beiden Grossarchivare (für das Bureau 
und für die Redaktion des Bundesblattes). Den 
Grossbeamten mit Ausnahme der Grossarchivare 
werden Vertreter zugeordnet. Die beiden Gross- 
archivare vertreten sich gegenseitig^. 

3. In Art. 12 an Stelle der Worte: 

„ des Grossarchivars und seines Vertreters *^ zu setzen : 
„der beiden Grossarchivare ^. 

2i* 



— 372 — 

1889 4. Den Art. 13 za fassen wie folgt: 

„Die beiden Grossarchivare werden auf längstens 
12 Jahre aus denjenigen 6rm. Meistern der Tochter- 
logen des Bandes, welche auf der höchsten 
Bondesstofe stehen, vom Bundes-Direktorium 
ernannt. 

Sie scheiden aas ihrem Amt aasser mit dem 
Ablaaf der Zeit, für welche sie ernannt sind, 
unter eben den Bedingungen, unter welchen für 
die gewählten Mitglieder der Grossloge die Mit- 
gliedschaft erlischt. (Art. 10.) 

Die Ernennung eines Grossarchivars unterbleibt, 
wenn das Bundes-Direktorium eins seiner Mit- 
glieder mit den Geschäften desselben betraut. 

In der sich an die gesetzgebende Versammlung an- 
schliessenden Grossloge gelangte der Antrag des Bundes- 
Direktoriums: „Den Ehrenrat bei der Grossloge nach § 5 
des Gesetzes über das Verfahren bei Verletzung maurerischer 
Pflichten bildet das Bundes-Direktorium" mit grosser Mehrheit 
zur Annahme. 

Es erfolgte die Besprechung über maurerische Werk- 
thätigkeit, wozu Br. Schäffer-Prenzlau Leitsätze gestellt 
hatte. Nach langer Besprechung wurde ein Antrag des 
Brs. Rittershaus-Barmen: 

Die Grosse National -Mutterloge zu den drei Welt- 
kugeln vrird gebeten, auf dem Grosslogentag die folgende 
Frage zur Besprechung und zur Erledigung anzuregen: 

„Was geschieht von den einzelnen deutschen Logen 
in werkthätiger Freimaurerei"? 

einstimmig angenommen. (Bbl. 1889, Vlll, 337 — 345.) 

Am 29. Mai wurden durch Erlass des Bundes -Direktoriums 
die Gesetze: 

1. über die Abänderung der Art. 3, 11, 12 und 13 der 
Grundverfassung ; 

2. über die Stiftung von freimaurerischen Vereinen 
(Kränzchen) und deren Stellung im Bunde; 



— 373 — 

3. über die Ausführong des § 5 des Gesetzes über das 1889 
Verfahren bei Verletzung maarerischer Pflichten 

bestätigt und verkündet. — 

Am 9. Juni fand der Grosslogentag statt in der Gross- 
loge „Zur Sonne^ in Bayreuth. Der erste Gegenstand der 
Tagesordnung war die Mitteilung über diejenigen Grosslogen, 
die das Gesetz „über das Verfahren bei Verletzung maurerischer 
Pflichten^ angenommen hatten. Sämmtliche Vertreter der 
Grosslogen mit Ausnahme der Vertreter für die Grossloge 
„Zur Sonne* in Bayreuth erklärten, dass ihre Grosslogen 
das Gesetz angenommen hätten. Die Grossloge „Zur Sonne* 
wurde von den übrigen Grosslogen ersucht, dem jetzt für 
7 deutsche Grosslogen gültigen Gesetz zur Herstellung einer 
gemeinschaftlichen Gesetzgebung über das Verfahren bei Ver- 
letzung maurerischer Pflichten auch ihrerseits zuzustimmen. 

Der Entwurf eines allgemeinen deutschen Logengesetzes 
betreffend die besuchenden Brüder, die ständig Besuchenden 
und die Annahme von Brm. Freimaurern wurde mit einigen 
Aenderungen angenommen. Es wurde gewünscht, dass die 
Grosslogen ihre Aeusserungen über das Gesetz bis zum 
1. Februar einreichten. 

Der Grosslogentag schloss sich ferner der Auffassung 
der Grossloge von Sachsen in Betreff der Unzulässigkeit der 
Aufnahme österreichischer Staatsbeamten an und 
empfahl rlaher den deutschen Bandeslogen, österreichische 
Staatsbeamte nicht aufzunehmen. 

Es erfolgte dann die Verhandlung über die Beschwerde 
der Grossen Loge von Hamburg wegen der von der Grossloge 
„Zur Sonne*' beabsichtigten Gründung einer zweiten Loge 
in Jena. Gegenüber der Meinungsverschiedenheit zwischen 
der Grossen Loge von Hamburg und der Grossloge „Zur Sonne*, 
erklärten die übrigen Grosslogen — unter Nichtteilnalime 
jener Grosslogen — sich nicht für zuständig, vereinigten sich 
aber in dem dringenden Wunsch, es möchte die Grossloge 
„Zur Sonne ^ von der Grfindang einer Johannisloge in Jena 
Abstand nehmen. Hierbei wurde von Br. Gerhardt beantragt. 



— 374 — 

1889 den Absatz 2 des § 5 des Statuts des deutschen Grrosslogen- 
bundes durch folgende Bestimmung zu ersetzen: 

„Zur Gründung einer Johannisloge an einem Orte, 
in welchem schon eine Tochterloge einer anderen Grossloge 
besteht, ist jedoch die Zustimmung der verbündeten Gross- 
loge erforderlich. Wird diese versagt, so entscheidet der 
Grosslogenbund über die Zulässigkeit der beabsichtigten 
Gründung". 

In die Beratung über diesen Antrag konnte erst im nächsten 
Jahr eingetreten werden. Es wurde einstimmig beschlossen, 
die Grosslogen zu ersuchen, alsdann zugleich die Erklärung 
über die Annahme des Antrages abzugeben. — 

Bei dem am 24. Juni gefeierten Johannisfest gab der 
Vorsitzende seiner Freude darüber Ausdruck, dass die Feier 
wieder nach zweimaliger Unterbrechung in den eigenen schönen 
Räumen stattfand. 

In der Sitzung der Grossloge vom 26. September ward 
beschlossen, dem Verein zur Massenverbreitung guter Schriften 
zunächst mit einem Jahresbeitrag von 50 Mark beizutreten. 

Es wurde mitgeteilt, dass in Folge der Aufforderung an 
die fünf berliner Tocbterlogen für die Luisenstiftung im 
Ganzen bisher 8687 Mark 65 Pfennige eingegangen seien. 
Man beschloss, zur Herstellung eines Statuts einen Ausschuss 
aus Vertretern der fünf Tochterlogen unter Vorsitz eines 
Direktorial -Mitgliedes zu bilden. 

Am 18. Oktober fand die Lichteinbringung in den neuen 
Tempel der Loge „Eugenia zum gekrönten Löwen" in 
Danzig statt. 

Br. Schlichting fand sich veranlasst, sein Amt als 
Mitglied des Bundes-Direktoriums niederzulegen; an seine 
Stelle wurde in der Sitzung der Grossloge am 5. Dezember 
Br. Bensen, Geheimer Ober-Regierungsrat, gewählt. 

Das Bundes-Direktorium entschied am 16. November 1889 
auf die Anfrage einer Tochterloge, ob die Veranstaltung von 
Schwestemfesten im Tempel als zulässig zu erachten sei, 
dahin, dass es kein Bedenken dagegen habe, wenn bei 



— 375 - 

Schwesternfesten die Schwestern zu einer Festarbeit in den 1889 
Tempel geführt würden, vorausgesetzt, dass in diesem Fall 
weder maorerisches Ritual (im engeren Sinn), noch maure- 
riache Abzeichen zur Verwendung kämen, und der Tempel 
der Säulen, des Teppichs und alles sonstigen beweglichen 
sinnbildlichen Schmuckes (mit Ausnahme des Altars) ent- 
kleidet würde. (Bbl. 1889, XXT, 533, Entscheidungen No. 10, 
vergl. hierzu das Rundschreiben vom 23. Februar 1856, S. 214.) 



Neunter Zeitraum. 

Von 1890 bis 1900. 



1890 Aus Anlass des Hinscheidens der Kaiserin Angasta 

richteten die drei preassischen Grosslogen am 11. Januar 
ein Beileidsschreiben an Kaiser Wilhelm IL, aus dessen 
Geheimen Civil-Kabinet eine Danksagung am 17. Januar 
erfolgte. 

Die Feier des Kaiserlichen Geburtstages wurde von den 
drei preussischen Grosslogen am 27. Januar im Haus der 
Grossen Landesloge in üblicher Weise begangen. 

Von der gesetzgebenden Versammlung, die am 11. Mai 
zusammentrat, wurde der Entwurf eines allgemeinen Gesetzes 
über die Zulassung besuchender Brr. und über die Annahme 
von Brm. mit einigen Aenderungen angenommen. Einmütige 
Zustimmung der Versammlung erhielt der Antrag des Bruders 
Gerhardt, dem Absatz 2 in § 5 des Statuts des deutschen 
Grosslogenbundes folgende Fassung zu geben: 

„Zur Gründung einer Johannisloge an einem Ort, 
an welchem schon eine Tochterloge einer andern 
Grossloge besteht, ist jedoch die Zustimmung der 
verbündeten Grossloge erforderlich. Wird diese ver- 
sagt, so entscheidet der Grosslogentag über die 
Zulässigkeit der beabsichtigten Gründung*'. 
Das Gesetz vom 29. Mai 1889, nach welchem das 
Bundesdirektorium den Ehrenrat der Grossloge bildet, wurde 
mit einem Zusatz versehen, durch den dem National-Gross- 
meister die Befugniss erteilt wird, bei Behinderung mehrerer 
Mitglieder des Bundesdirektoriums zur Ergänzung des Ehren- 



— 377 — 

rata auf fünf Mitglieder den ersten und nötigenfalls auch den 1890 
zweiten Grossaafseher zu berufen. (Bdsbl. 1890, XVI, 389 ff.) 

In der an die gesetzgebende Versammlung sich 
anschliessenden Sitzung der Grossloge wurden die Brüder 
Frederichs und Gerhardt zu Grossmeistern auf drei Jahre 
wiedergewählt. Er. Keim an n berichtete über die Frage: 
«In wie weit ist die in der freimaurerischen Presse als 
erwünscht bezeichnete Erkenntnisstufe neben den Johannis- 
graden als berechtigt anzuerkennen. (Bdsbl. 1890, Xm, 313ff.) 

Am 25. Mai wurde im Bundeshaus der geschäftsführenden 
Ghrossloge Royal York zur Freundschaft der Grosslogentag 
abgehalten. Der Entwurf eines allgemeinen deutschen Logen- 
gesetzes über die besuchenden und die ständig besuchenden 
Brüder sowie über die Annahme von Brüdern wurde in 
zweiter Lesung einstimmig genehmigt. Dagegen konnte der 
Antrag des Brs. Gerhardt auf Abänderung des § 5 Abs. 2 
des Statuts des deutschen Grosslogenbundes die allgemeine 
Zustimmung nicht erlangen, da die Grossloge zur Sonne 
(Bayreuth) und die des eklektischen Bundes (Frankfurt) sich 
dagegen erklärten. Der Antrag ferner auf Zulassung der 1883 
gebildeten freien Vereinigung der fünf deutschen unabhängigen 
Logen zum Grosslogenbund wurde einem Ausschuss zur 
Begutachtung überwiesen. Ebenso der Antrag des rheinisch- 
westfälischen Logenverbandes, einen allgemeinen Maurertag 
neben dem Grosslogentag zu schaffen. (Bdsbl. 1890, XV., 357 ff.) 

Am 13. September beging die Grosse National- Mutter- 
loge zu den drei Weltkugeln die Feier ihrer Stiftung vor 
150 Jahren unter Leitung des Brs. Gerhardt, der den 
erkrankten National-Grossmeister Br. Frederichs vertrat. 
Ausserordentlich zahlreich hatten sich die Brr. eingefunden; 
der Grossmeister der Vereinigten Grossloge von England, 
Prinz von Wales, hatte einen Vertreter entsendet; die 
Grossmeister der Grossen Landesloge von Deutschland, der 
Grossloge Royal York, der Grosslogen von Hamburg und 
Darmstadt sowie der Vorsitzende der freien Vereinigung der 
fünf unabhängigen Logen waren erschienen. Aus dem 
Geheimen Civil-Kabinet des Kaisers und vom Prinzen 



— 378 — 

1890 Friedrich Leopold von Preussen waren Glückwünsche 
eingegangen. Br. Gerhardt gab in eingehendem Vortrag 
ein deutliches Bild vom Werden und Wachsen der Grossen 
National -Mutterloge, von ihrer Entstehung bis auf die 
Gegenwart. Er wies nach, wie sie selbständig an die Aus- 
bildung des geistigen Gehalts der Freimaurerei gegangen 
war, wie sie insbesondere die Grundidee der Gleich- 
berechtigung der Brr. wieder in ihre Rechte eingesetzt habe. 
Die Hochgrade mit ihren Ansprüchen wurden beseitigt, und 
dafür Erkenntnisstufen eingerichtet, die die Johannis- 
Maurerei als die wesentliche Grundlage aller Maurerei an- 
erkannten, aber zugleich in der unteren Stufe bestimmt 
waren, die Verirrungen, in die die deutsche Freimaurerei 
verfallen war, zu bekämpfen und für die Zukunft von 
unserem Bund fernzuhalten, während sie in den oberen 
Stufen in der Vertiefung und Klärung der freimaurerischen 
Weltanschauung ihre Aufgabe fanden. Sie alle haben den 
Zweck, nicht die Johannismaurerei zu beherrschen und sich 
über sie zu erheben, sondern sie in ihrem vollen Wesen zu 
erkennen, sie zu vertiefen und ihr selbstlos zu dienen. 
Nachdem Br. Gerhardt weiter darauf eingegangen war, 
wie die freimaurerische idealistische Weltanschauung zwischen 
den beiden Richtungen, der materialistisch -mechanischen 
Auffassung des Weltganges und der konfessionell-dogmatischen 
wie zwischen zwei Feinden stehe, die beide jede in ihrer 
Weise die Freimaurerei zu vernichten suchen, schloss er 
seine Rede mit folgenden Worten: 

Wenn wir deutschen Freimaurer in allen unseren Logen 
uns mehr und mehr vertiefen in das Wesen der Freimaurerei, 
wie es von Anfang an gewesen und trotz aller Verirrungen 
immer wieder zur Geltung gelangt ist; wenn wir in unseren 
gegenseitigen Beziehungen stets das Gewicht legen auf das, 
was uns einigt, und nicht immer an das denken, was uns 
trennt; wenn sich unter uns allgemein die Ueberzeugung 
Bahn bricht, dass wir alle dem gleichen Ziel zustreben, wie 
mannigfach auch die Wege sein mögen, die wir im Einzelnen 
unter dem Einfluss der geschichtlichen Entwicklung unserer 



— 379 — 

LfOgen nach dem Ziel einschlagen: dann wird aach die 1890 
deutsche Freimaurerei nicht ein blosser Begriff bleiben, 
sondern mehr und mehr eine Gestaltung gewinnen, in der 
sie unter Beihülfe der durch das Vertrauen ihrer Logen 
berufenen Brr., ohne die Selbständigkeit der einzelnen 
Logenbünde mehr als das Bedürfiiiss der Gesammtheit es 
erheischt, zu beschränken, als ein fest geschlossenes Ganze 
wirksam wird. (Bdsblt. 1890, XVIII, 441 ff.) — 

In der Sitzung der Grossloge am 11. Dezember machte 
Br. Gerhardt die Mitteilung, dass der vom Grosslogentag 
eingesetzte Ausschuss, zu dessen Mitgliedern er selbst 
gehörte, seine Beratungen über den Antrag der rheinisch- 
westfälischen Logen auf Errichtung von Maurertagen ab- 
geschlossen habe. Der Ausschuss hatte sich einstimmig 
fbr die Einführung eines aus freier Wahl der gesammten 
deutschen Brüder hervorgegangenen Maurertages neben dem 
Grosslogentag, mit beschliessender Stimme in allen Fragen 
der Gesetzgebung über die äusseren maurerischen Verhältnisse 
und mit beratender Stimme in allen anderen maurerischen 
Fragen entschieden. Demgemäss hatte der Ausschuss in 
einem Nachtrag zum Statut des deutschen Grosslogenbundes 
diejenigen Bestimmungen vorgeschlagen, welche den letzteren 
zu einer innigeren Bundesgemeinschaft gestalten sollten und 
dabei die notwendige Selbständigkeit und Eigenart der 
einzelnen deutschen Grosslogen wahrten. Diese Bestimmungen 
sollten insbesondere unmöglich machen, dass die Entwicklung 
der deutschen maurerischen Verhältnisse durch den Widerspruch 
einer einzelnen Grossloge gehemmt würde. Die Zahl der 
Abgeordneten zum Maurertag war auf 112 festgesetzt, von 
denen 33 der Grossen National-Mutterloge angehören sollten. 
(Vgl. den Entwurf des Nachtrags zum Statut des deutschen 
Grosslogenbundes im Bundesblatt 1891, I, S. 22 ff.) — 

Im Jahr 1890 erliess dass Bundesdirektorium zwei 
Entscheidungen. Die erste, am 15. Januar veröffentlicht, 
erläuterte eingehend die §§ 38 und 50 der Bnndesstatuten. 
Ea ist darnach unzulässig, dass das Stiftungsvermögen 
einer aufgelösten Loge nach dem Ausscheiden des letzten 



— 380 — 

1890 Berechtigten einer Stadtgemeinde überwiesen wird. Viel- 
mehr moss bei Schliessung einer Loge deren Vermögen zu- 
sammen mit denStiftungsgeldem dem Bandesdirektorium über- 
geben werden. (Bdsbl. 1890, n, 33 ff., Entscheidungen No. 11.) 

Die zweite am 1 8. Mai veröffentlichte Entscheidung gab 
nähere Ausführungen zu § 26 der Bundesstatuten. Hiemach 
ist eine allgemeine Ermächtigung der Logen seitens des 
Bundesdirektoriums, einzelne über ihre besonderen Ver- 
hältnisse zu treffende statutarische Festsetzxmgen selbständig 
zu beschliessen, mit der gesetzlichen Vorschrift des § 26 nicht 
vereinbar. (Bdsbl. 1890, X, 254 f., Entscheidungen No. 12.) — 

Am 2. Februar 1890 fand die Einbringimg des maurerischen 
Lichts in den neuerbauten Tempel der Loge „Zu den 
drei weissen Felsen*' in Weissenfeis durch den National- 
Grossmeister Br. Frederichs statt. 

Die Loge „Friedrich zur wahren Freundschaft ** in Konitz 
beging am 25. September das Fest ihres hundertjährigen 
Bestehens. 

In Folge des Gesetzes vom 29. Mai 1889 über Stiftung 
von freimaurerischen Vereinen (sog. Kränzchen) und deren 
Stellung im Bunde (Bundes-Statuten § 28 a bis 28 k) hatten 
sich im Lauf des Jahres mehrere solche Vereine gebildet, 
so in Stassfurt und Schönebeck unter der Aufsicht der Loge 
„Zur festen Burg an der Saale ^ in Kalbe; zu Freiburg an 
der Unstrut unter Aufsicht der Loge „Zu den drei Hämmern^ 
in Naumburg a. d. Saale; zu Haynau in Schlesien unter 
Aufsicht der Loge „Pythagoras zu den drei Höhen" in 
Liegnitz; zu Wittenberge unter Aufsicht der Loge „Zur 
Perle am Berge" in Perleberg; endlich zu Saalfeld in Ost- 
preussen unter Aufsicht der Loge „Constantia zur gekrönten 
Eintracht" in Elbing. 

Am 15. Mai feierten fünf thüringische Logen das 
Frühlingsfest. Br. Schillbach, Vorsitzender Meister der 
Loge „Karl August zu den drei Rosen" in Jena, hob hervor, 
dass der Zusammenschluss der Johannislogen zu Verbänden 
die einheitliche Nationalloge vorbereiten und ihre Grundlage 
bilden werde. 



— 381 — 

Die Vertreter von 33 meist süddeutschen Logen kamen 
am 28. September zu Heidelberg zusammen. Es wurde 
verhandelt über Anträge, die den Maurertag und die 
Aenderung des § 5 des Grosslogen- Statuts betrafen. 

Die Feier des kaiserlichen Geburtstages fand gam 18! 
27. Januar im Bundeshaus der Grossloge Royal York in 
herkömmlicher Weise statt. 

In der Vierteljahrssitzung der Grossloge am 12. März 
wurde der Entwurf eines allgemeinen deutschen Logengesetzes 
betreffend die besuchenden Brr., die ständig Besuchenden 
und die Annahme von Brm. sowie der Antrag auf Aenderung 
des § 5 Absatz 2 des Statuts des deutschen Grosslogenbundes 
einstimmig genehmigt. In gleicherweise erfolgte die Annahme 
des Entwurfs des Nachtrags zum Statut des deutschen Gross- 
logenbundes aber mit der Aenderung, dass für den Maurer- 
tag von jeder Johannisloge ein Vertreter zu entsenden sei. 

In derselben Sitzung wurde an Stelle des Brs. Dahms I, 
der aus dem Bundesdirektorium wegen Gesundheitsrücksichten 
geschieden aber zu dessen Ehrenmitglied ernannt war, 
Br. v. Roese erwählt. 

Am IG. März starb nach längerer Krankheit der 
National-Grossmeister Br. Frederichs und wurde am 
20. März vom Hundeshaus aus bestattet. Die Trauerloge 
für ihn fand am 3. April statt. In der Gedächtnissrede 
gab Br. Gerhardt eine Uebersicht über seinen Lebenslauf. 
In unablässigem Streben nach immer tieferer geistiger 
Erkenntniss und sittlicher Läuterung hatte sich Br. 
Frederichs durchgerungen aus engen Verhältnissen zu der 
Höhe menschlichen Lebens, und was er an Erkenntniss 
und sittlicher Kraft gewonnen, auch fruchtbar zu machen 
gestrebt in den Kreisen, in die das Leben ihn stellte, vor 
allem in unserem edle Ideale pflegenden Bruder- und 
Menschheitsbund. Mit unwiderstehlicher Macht zogen ihn, 
der mit seinem ganzen Wesen im Reich des Idealen wurzelte, 
die tiefsinnigen, Geist und Gemüt des Menschen gleichmässig 
erfassenden Lehren unseres Bundes an. Aber er nahm die 



— 382 — 

1891 überlieferten Lehren in sich auf mit der gewonnenen 
Selbständigkeit seines Denkens, unablässig bestrebt, in 
seinem philosophischen Geist sie zu vertiefen und fortzubilden. 
Für ihn hatte die Maurerei nur Bedeutung und Berechtigung, 
wenn sie blieb, was sie von Anfang gewesen : das Ergebniss der 
gesammten Kulturentwicklung der führenden Völker und damit 
der Menschheit, das Reich, in dem alle edlen und guten Menschen 
sich begegnen. Mit gleicher Unbefangenheit und Selbständigkeit 
erfasste er die äusseren Formen, in denen das maurerische 
Leben insbesondere innerhalb unseres Bundes sich bewegt. 
Bei aller Rücksicht auf das althergebrachte Ehrwürdige und 
Weihevolle bekämpfte er alles, was die selbständige Denk- 
arbeit der Brr. und ihre verantwortliche Mitarbeit an der 
Erhaltung des Bundes und der Förderung seiner Aufgaben 
und Ziele beeinträchtigen konnte. Ohne Freiheit des 
Willens kein sittliches Wollen — das galt ihm auch für 
die maurerischen Verhältnisse, und ebendarum konnte er auch 
hier den kategorischen Imperativ der Pflicht allezeit kraftvoll 
vertreten. (Bdsbl. 1891, VHI, 179 ff. und IX, 207 ff.) — 
Am 15. April übernahm Br. Hildebrandt, Oberstleutnant 
z. D., bisher zugeordneter Meister der Loge Ernst zum 
Kompass in Gotha die Verwaltung des Archivs, nachdem 
Br. Linde zurückgetreten war.*) 



*) Als Gross -Archivare and zugeordnete Gross -Archivare sind 
seit 1797 folgende Brr. thätig gewesen: 

Gross - Archivare : Zugeordnete Gross - Archivare : 

Gohl 1797-1824 ßehrend .... 1819-1832 

Kühn 1824-1830 Deter 1837-1839 

Plaste 1830-1832 Hoffmann . . . 18H9-i843 

Behrend .... 1832-1839 Seeger 1843-1849 

Deter 1839-1863 Petersson . . . 1849-1863 

Petersson . . . 1863-1872 v. Schweinichen . 1869-1872 

y. Schweinichen . 1872-1884 Damerow. . . . 1872-1879 

Linde ..... 1884-1891 Gross -Archivare 

Hildebrandt . . 1891 für Leitung des Bundesblattes: 

Keimann .... 1887-1892 

Sellin 1892-1897 

Diercks .... 1897 

Br. Gohl hat bis 1819 allein gearbeitet, ebenso Br. Behrend 
1832-1837, Br Petersson von 1863-1869, Br. v. Schweinichen von 
1880-1884. Br. Linde wurde von 1887-1888 durch Br. Lutter ver- 
treten. Seit 1. März 1888 wurde ein Bundeskanzlist (Sekretär) angestellt. 



— 383 — 

Am 16. April veröffentlichte das Bondesdirektorium 1891 
eine Entscheidang in Betreff der Anlegung von Stiftongs- 
geldem. Es wurde festgestellt, dass eine Loge sich nicht 
zur Schuldnerin ihrer eignen Stiftungen machen kann und 
darf. (Bdsbl. 1891, VIII, 178 ff., Entscheidungen No. 13). 

Zur gesetzgebenden Versammlung am 3. Mai hatten 
sich 116 Brüder eingefunden. Der Entwurf eines allgemeinen 
Gesetzes für die zum deutschen Grosslogenbund gehörigen 
Logen, betreffend die Zulassung besuchender Brüder und die 
Annahme von Brüdern wurde in der vom Grosslogentag am 
2ö. Mai 1890 festgestellten Fassung einstimmig angenommen. 
Ebenso fand der Antrag auf Abänderung des Absatzes 2 in 
§ 5 des Statuts des deutschen Grosslogenbundes über die 
Gründung einer Johannisloge an einem Ort, in welchem 
bereits eine Tochterloge einer anderen Grossloge besteht, 
die einmütige Zustimmung der Versammlung. 

Sehr erregt gestaltete sich dagegen die Aussprache 
über die Einrichtung eines deutschen Maurertags. Der 
Gesetzprüfungs-Ausschuss hatte empfohlen, den im zweiten 
Kreisschreiben vom 11. Dezember 1890 mitgeteilten Entwurf, 
der durch die vom Grosslogentag beauftragten Brüder in 
der Form eines Nachtrags zum Statut des deutschen Gross- 
logenbundes ausgearbeitet war, mit der Aenderung anzu- 
nehmen, dass auf dem Maurertag jede Johannisloge durch 
einen Abgeordneten vertreten wäre. Nach eingehender 
Besprechung, an der sich mehr als 12 Brüder beteiligten, 
wurde der Antrag mit 102 gegen 14 Stimmen angenommen. 
(Bdsbl. 1891, XII, 266 ff) 

In der Sitzung der Grossloge, die sich der gesetz- 
gebenden Versammlung aiischloss, wurde an Stelle des 
gestorbenen Brs. Frederichs zum Mitglied des Bundes- 
direktoriums der Br. v. Bredow gewählt. National-Gross- 
meister wurde Br. Gerhardt, zugeordneter National-Gross- 
meister Br. Bensen. (Bdsbl. 1891, XI, 246 ff.) — 

Der Grosslogentag wurde am 17. Mai zu Dannstadt 
abgehalten. Da der Entwurf zu einem allgemeinen Gesetz 
für die zum deutschen Grosslogenbund gehörigen Logen^ 



— 384 — 

1891 betreffend die Zulasstmg besuchender Bröder und die Annahme 
von Brüdern von sämmtlichen deutschen Grosslogen ange- 
nommen war, konnte er nunmehr vom Grosslogentag als 
gemeinsames Recht für alle deutschen Logen verkündet 
werden. Dagegen musste die Abänderung von Absatz 2 
des § 5 des deutschen Grosslogenbundes als abgelehnt 
gelten, weil trotz der Zustimmung von sieben Grosslogen 
die des Eklektischen Bundes zu Frankfurt a. M. sich dagegen 
erklärt hatte. Auch der Antrag auf Zulassung der freien 
Vereinigung der fünf unabhängigen Logen zum Grosslogen- 
bund wurde zur Zeit abgelehnt, allerdings mit der Erklärung, 
dass der Grosslogentag sich völlig einig wisse mit dem 
Wunsch seines Ausschusses, der deutsche Grosslogenbund 
möge auch die fünf unabhängigen Logen umschliessen. 

Der Entwurf zur Schaffung eines Maurertags fand keines- 
wegs allgemeinen Anklang. Die Grosse Landesloge von 
Sachsen erklärte sich überhaupt gegen den Maurertag, die 
Grossloge des Eklektischen Bundes lehnte den Entwurf in 
der vorliegenden Fassung ab, die Grossloge zur Sonne fand 
die Form der Vorlage nicht richtig, die Hamburger Gross- 
loge legte Abänderungsvorschläge vor. Zuletzt wurde ein 
Antrag des Brs. Gerhardt einstimmig angenommen, dem- 
gemäss der Ausscbuss von fünf auf acht Mitglieder verstärkt 
wurde, sodass jede Grossloge vertreten war. Dieser Aus- 
schuss sollte eine neue Vorlage so zeitig ausarbeiten, dass 
über sie die einzelnen Grosslogen vor dem Zusammentritt 
des nächsten Grosslogentags beraten könnten. Als Ver- 
handlungsort für den Ausschuss wurde Eisenach bestimmt. 
(Bdsbl. 1891, XII, 277ff.) — 

In der Grosslogen- Sitzung am 10. September wurde die 
Loge Karl August zu den drei Rosen in Jena, die 1880 neu 
gegründet war und sich der Hamburger Grossloge an- 
geschlossen hatte, in Folge ihres Antrags vom 16. August 
als Tochterloge in den Bund der Grossen Nation al-Mutterloge 
zu den drei Weltkugeln, dem sie von 1744-1764 angehört 
hatte, wieder aufgenommen. Nachdem das Entlassungs- 
schreiben der Hamburger Grossloge eingegangen war, wurde 



— 385 — 

die Feier der Angliedernng der Loge zu den drei Rosen an 1801 
unseren Bund im Verein mit dem Stiftungsfest der Loge 
am 8. November feierlich vollzogen. (Bdsbl. 1891, XVII, 
386 ff. und 1892, I, 20 ff., Maennel, Gesch. d. Frei- 
maurerei in Jena a. d. Saale, 1896.) 

Am 25. Oktober trat zu Eisenach der Ausschuss der 
acht Brüder zusammen. Einstimmig wurde eine vornehmlich 
vom Br. Gerhardt ausgearbeitete Vorlage angenommen, die 
an Stelle eines Maurertags einen Grosslogentag setzte und 
als Nachtrag zu dem Statut des Deutschen Grosslogenbundes 
von den einzelnen deutschen Grosslogen beraten werden 
sollte, sodass der Grosslogentag des Jahres 1892 darüber 
beschliessen könnte. Der Nachtrag umfasste 11 Paragraphen, 
deren erster die fünf unabhängigen Logen dem Grosslogen- 
bund einfügte. In § 2 wird als Aufgabe des Bundes vor- 
nehmlich die Regelung der äusseren maurerischen Verhältnisse 
hingestellt, während hinsichtlich der Lehre, des Rituals und 
der Verfassung den einzelnen Grosslogen und den fünf un- 
abhängigen Logen volle Selbständigkeit gewahrt bleibt. In 
§ 3 wird als Organ des Grosslogenbundes der Grosslogentag 
bezeichnet. § 4 handelt von der Zusammensetzung des 
Grosslogentags, der aus den Grossmeistem bezw. deren 
Stellvertretern und aus 63 Abgeordneten besteht, die auf 
3 Jahre gewählt werden. Auf je 700 ordentliche Logen- 
mitglieder kommt ein Abgeordneter, sodass zur Zeit zu 
wählen sind: 

Von der Gr. National -Mutterl. z. d. 3 Weltkugeln 19 Abg. 

, „ Gr. Landesl.d. Freimaurer von Deutschland 15 „ 

„ „ Grossloge Royal York zur Freundschaft . 9 „ 

„ „ Gr. Landesloge von Sachsen .... 5 „ 

„ n Gr. Loge von Hamburg 4 ^ 

,, y, Gr. Loge des eklekt. Bundes zu Frankf.a.M. 4 „ 

„ „ Grossloge zur Sonne in Bayreuth . . . 3 „ 

„ „ Gr. Freimaurerl. zur Eintracht in Darmstadt 2 „ 

, den fünf unabhängigen Logen 2 „ 

63 Abg. 

0*tck. d. Ur. N»t.. Matter -Log«. 86 



— 386 — 

1891 Wählbar ist jeder einer Bandesloge angehörende Br. 
Meister. Die Abgeordneten haben lediglich nach ihrer freien 
Ueberzeugong zu stimmen. Nach § 6 fasst der Grosslogen- 
tag seine Beschlüsse mit einfacher Mehrheit, bei Abänderungen 
des Statuts aber mit % Mehrheit. Nach § 8 tritt der Gross- 
logentag in der Regel alljährlich zusammen. (Bdsbl. 1891, 
XX, 480 ff.) — 

Neue Freimaurervereine bildeten sich zu Lennep unter 
Aufsicht der Johannisloge Lessing in Barmen und zu Witten 
unter Aufsicht der Johannisloge zu den drei Rosenknospen 
in Bochum. 

DasFest des 75 jährigen Bestehens beging am 27. September 
die Loge zur Morgenröthe des höheren Lichts in Stolp. 

Am 31. Mai hielt der rheinisch -westfälische Logenbund 
sein 11. Yerbandsfest zu Köln a. Rh. ab. Den wichtigsten 
Gegenstand der Beratung bildete der Entwurf der Ein- 
richtung des Maurertags. 

Am 6. September fand zu Erfurt die erste Versammlung 
des am 24. August 1890 gegründeten Thüringer Logen- 
verbandes statt, dem 18 Logen angehörten, und die von 
139 Teilnehmern besucht war. Br. Scholtz, vors. Meister 
der Loge in Erfurt, wies darauf hin, dass hier Vertreter 
aller Systeme eine Kette bildeten, die alle erfüllt wären 
von dem Vorsatz unerschütterlicher Einigkeit. 

Auf dem Logentag des niederschlesich- lausitzer Gau- 
verbandes am 4. Oktober zu Sprottau wurde ein Vortrag 
über Möglichkeit, Notwendigkeit und Nutzen einer deutschen 
National -Grossloge gehalten. — 

1892 Die Feier des kaiserlichen Geburtstages am 27. Januar 
im Bundeshaus der Grossen National-Mutterloge empfing noch 
eine besondere Weihe dadurch, dass während der Tafelloge 
das vom Br. Professor Biermann gemalte Bild des Kaisers 
Friedrich III. enthüllt wurde. 

In der ersten Vierteljahrs- Sitzung am 10. März entschied 
sich die GrosSloge einstimmig auf Vorschlag des Gesetz- 



— 387 — 

Prüfimgsaiisschasses für Annahme des Nachtrags zum Statut 1892 
des deutschen Grosslogenbundes. 

Die gesetzgebende Versammlung am 15. Mai war von 
117 stimmberechtigten Mitgliedern besucht. Das Bundes- 
direktorium hatte den Antrag gestellt, dem Nachtrag zum 
Statut des deutschen Grosslogenbundes entsprechend dem 
einstimmigen Beschluss der Grossloge vom 10. März die 
Zustimmung zu erteilen. Der Berichterstatter, Br. Namslau, 
hob die Vorzüge des Nachtrags gegenüber früheren Vorlagen 
hervor. An Stelle des ursprünglich geplanten Maurertags 
sei ein verstärkter Grrosslogentag gesetzt, sodass die Gefahren 
des Parlamentarismus beseitigt wären. Vor allem aber sei 
den Johannislogen durch eine Mitgliederzahl, die der ihrer 
Grosslogen entspräche, entscheidende Beteiligung an den 
Arbeiten des Grosslogenbundes gesichert. Die Forderung 
der Einstimmigkeit für Annahme von Gesetzen sei auf- 
gehoben, die Mitglieder könnten ihrer Ueberzeugung gemäss 
ihre Stimme abgeben. Nach eingehender Erörterung wurde 
der Antrag des Bundesdirektoriums einstimmig genehmigt. 

In der sich anschliessenden Grosslogensitzung hielt 
Br. Cronemeyer einen Vortrag, in dem er ausführte, dass 
die Freimaurerei der That bedürfe. Gelegenheit hierzu 
biete die Förderung der von ihm auf bisher ödem Moor- 
land in der Provinz Hannover angelegten Heimat -Kolonie 
Friedrich Wilhelmsdorf bei Bremerhaven, die auf Anregung 
Kaiser Friedrich 111. und mit Hülfe von Freimaurern ins Leben 
gerufen wurde, deren Bestand gesichert sei, wenn jeder deutsche 
Freimaurer einmal 50 Pf. und für 3 folgende Jahre je 25 Pf. 
Beitrag zahle. Sein darauf gerichteter Antrag wurde von 
der Grossloge nicht nur einstimmig angenommen, sondern 
einzelne Logen stellten durch ihre Vorsitzenden Meister 
grössere Zuwendungen in Aussicht. 

Ebenso wurde das Statut der Luisenstiftung einstimmig 
genehmigt. Zur Erinnerung an die im Frühjahr 1888 
erfolgte Einweihung der neu erbauten Räume des Mutter- 
hauses hatten die fünf berliner Tochterlogen, denen bis 
Herbst 1890 eine grosse Zahl (71) auswärtiger Logen sich 

25^ 



— 388 — 

1892 anschlössen, eine nach der Königin Luise benannte Wohl- 
thätigkeits - Stiftung errichtet. Sie sollte unverheirateten, 
bedürftigen Töchtern unvermögender oder ohne Vermögen 
zu hinterlassen verstorbener Brr. die Ausbildung für eine 
selbständige Lebensstellung erleichtem, sei es als Lehrerinnen 
oder Erzieherinnen, sei es in Kunst und Gewerbe, sei es in 
der Leitung eines grösseren Haushaltes mit allen seinen 
yrirtschaftlichen Arbeiten, sei es in öffentlichen Berufsarten, 
die dem weiblichen Geschlecht eröffnet sind, oder endlich 
in dem mannigfach verzweigten geschäftlichen Leben. 

Das Gesammtvermögen der Luisenstiftung betrug im 
Mai 1892 bereits 18000 M. (Bdsbl. 1892, XH, 245 ff. IX, 166 ff.) 

Am 5. Juni hielt der deutsche Grosslogentag im Bundes- 
haus der Grossen National -Mutterloge seine Jahres- 
versammlung ab. Der wichtigste Gegenstand der Verhand- 
lungen betraf den von dem Ausschuss zu Eisenach 
einstimmig angenommenen Nachtrag zum Statut des Gross- 
logenbundes. Zunächst erklärte die Grossloge zur Sonne, 
dass sie Statutenänderungen nur zustimmen werde, wenn 
jede Grossloge und der Verband der fünf unabhängigen 
Logen je durch eine gleiche Anzahl von Abgeordneten zum 
Grosslogentag vertreten sei, und wenn dessen Beschlüsse 
nur Gesetz durch einstimmige Annahme sämmtlicher Gross- 
logen würden. Bei der Schlussbestimmung erklärten sich 
sechs Grosslogen für Annahme der Vorlage, abgelehnt 
wurde sie von der Grossloge zur Sonne in Bayreuth und 
der des eklektischen Bundes zu Frankfurt a. M. (Vergl. 
Bericht über die Verhandlungen des Deutschen Grosslogen- 
bundes am 5. Juni 1892 und Bdsbl. 1892, XIL 270 ff.) 

Die Grossloge nahm in der Sitzung am 8. Dezember Mitr- 
teilungen entgegen über Versuche, in Berlin Logen zu gründen, 
die keiner der drei preussischen Grosslogen unterstellt wären. 

Der am 3. Juni 1889 als Grossmeister von Royal York 
eingeführte Br. Settegast hatte bereits am 15. November 
desselben Jahres dies Amt niedergelegt, weil ein von ihm 
eingebrachter Antrag, der auf Beseitigung des Innersten und 
Inneren Orients gerichtet war und eine Umgestaltung der 



— 389 — 

Verfassung der Grossen Loge Royal York herbeigeführt hätte, 18M 
Yom Innersten Orient am 12. November abgelehnt war. Nach- 
dem das Grandgesetz von Royal York durchgesehen und im Mai 
1891 von neuem, aber nicht im Sinn des Brs. Settegast 
festgestellt war, schied dieser in demselben Jahr aus dem 
Verband der Grossloge Royal York und schloss sich der 
zur Hamburger Grossloge gehörigen Loge Ferdinande Caroline 
in Hamburg an. Auf seine Anregung vielleicht machte die 
Hamburger Grossloge am 17. Oktober 1891 den drei 
preussischen Grosslogen die Mitteilung, dass eine Anzahl 
in Berlin ansässiger Brr., meist Mitglieder ihrer Tochterlogen, 
die Bitte ausgesprochen hätten, in Berlin eine Tochterloge 
von Hamburg gründen zu dürfen. Die drei preussischen 
Groeslogen erwiderten am 29. Oktober, dass nach § 5 des 
Statuts des deutschen Grosslogenbundes jede Grossloge in 
jedem deutschen Land Logen gründen könne, soweit nicht 
die Landesgesetze entgegenständen. Sie erwarteten demgemäss 
den Nachweis von der Hamburger Grossloge, dass gegenüber 
der von ihr zu errichtenden Loge seitens der Polizeibehörde 
die Erfüllung der Vorschriften des Vereinsgesetzes vom 

11. März 1850 nicht verlangt worden sei. Erst dann könne 
die Anerkennung der zu errichtenden Loge ausgesprochen 
werden. In Folge dieser Antwort wies die Hamburger 
Ghrossloge die Antragsteller an, sie möchten die landc£»- 
herrliche Genehmigung der Logengründung in Berlin bewirken. 
Nun wendeten sich Br. Settegast und andere zu Hamburg 
gehörige Brr. am 15. November 1891 und 19. April 1892 
mit Gesuchen an den Minister des Innern, der aber am 

12. Mai 1892 mit Hinweis auf das Edikt vom 20. Oktober 
1798 ablehnenden Bescheid gab. Als Freimaurerlogen könnten 
nur solche angesehen werden, die einer der in Preussen 
anerkannten Grosslogen angeschlossen wären. Br. Settegast 
errichtete hierauf am 1. August 1892 in Berlin einen Verein, 
der sich den Namen Grosse Freimaurerloge von Preussen, 
genannt Friedrich zur Bundestreue, beilegte. 

Diese Bezeichnung erklärte aber das berliner Polizei- 
präsidium, das gegen die eingereichten Satzungen und die 



— 390 — 

1892 Mitgliederliste sonst nichts zu erinnern fand, in einer 
Verfügung vom 3. August für unzulässig, weil sie zu dem 
Irrtum führe, dass es sich um eine anerkannte Freimaurer- 
loge handle. In Folge davon klagte Br. Settegast gegen 
das Polizeipräsidium beim Bezirksausschuss, der auch am 
24. November 1892 die Verfügung des Polizeipräsidiums 
aufhob, das nun seinerseits gegen das Urteil Berufung beim 
Oberverwaltungsgericht einlegte. (Bdsbl. 1892, XXII, 511 ff., 
Flohr, Gesch. d. Gr. Loge Royal York, II, 109 ff.) 

Das Bundesdirektorium verbot in einem Rundschreiben an 
sämmtliche Bundeslogen vom 19. Oktober 1892 den Mitgliedern 
der Tochterlogen, an den Versammlungen des Vereins „Kaiser 
Friedrich zur Bundestreue*', der als Winkelloge bezeichnet 
wurde, teilzunehmen. Auch dürfe kein Mitglied dieses Vereins 
zu Logen-Arbeiten zugelassen werden. (Bdsbl. 1892,X1X, 433.) 

Auch die Grossloge des Eklektischen Bundes zu Frank- 
furt a. M. wünschte in Berlin eine Loge ihrer Lehrart zu 
gründen. Am 25. September 1892 berichtete sie den drei 
preussischen Grosslogen, dass eine Anzahl Brr. den Antrag 
dazu an sie gestellt hätten, dem sie zu entsprechen gedenke 
und deshalb gemäss § 5 Abs. 2 des Statuts des deutschen 
Grosslogenbundes hiervon Kenntniss gebe. Auch dieser 
Grossloge antworteten die drei preussischen Grosslogen, dass 
zunächst festzustellen sei, ob der in Aussicht genommenen 
Gründung einer Tochterloge des Eklektischen Bundes ein 
staatliches Bedenken nicht entgegenstehe, und sie wiesen 
zugleich auf die Entscheidung des Ministers des Innern vom 
12. Mai 1892 über die Eingaben des Brs. Settegast hin. 
(BdsbL 1892, XXII, 522 ff.) — 

Am 10. Januar 1892 fand die Lichteinbringung in den 
neuen Tempel der Loge Blücher von Wahlstatt in Charlotten- 
burg statt. Die Weihe vollzog der National -Grossmeister 
Br. Gerhardt. 

Am 7. Februar beging die Loge zum hellen Licht in 
Hamm die Feier des 100jährigen Bestehens. Das Bundes- 
direktorium war hierbei durch die Brr. Bensen und Hilde- 
brandt vertreten. 



— 391 — 

Am 28. März fand im Ordenshaus der Grossen Landes- 1802 
löge eine gemeinsame Feier der drei preussischen Grosslogen 
zum Gedächtniss des vor drei Jahrhunderten geborenen 
Johann Amos Komenius statt. 

An Stelle des ausgeschiedenen Brs. Keimann übernahm 
am 1. April Br. Seilin, früher Koloniedirektor in Brasilien, 
die Leitung des Bundesblattes. 

Das Bundesdirektorium bestätigte am 20. Juni die 
Satzungen des der Loge zu den drei Rosenknospen unter- 
stellten maurerischen Vereins zu Witten, am 19. Oktober 
die der maurerischen Vereinigung zu Remscheid, die sich 
unter Aufsicht der Loge Lessing zu Barmen befand. 

Während des Jahres 1892 bildete sich ein neuer frei- 
maurerischer Verein zu Kamen unter Aufsicht der Johannis- 
loge „Zum hellen Licht*' in Hamm. — 

Am 27. Mai 1892 starb das Ehrenmitglied des Bundea- 
direktoriums Br. Ferdinand Dahms, der am 14. Mai 1809 
geboren war und sich in Berlin dem Studium der Theologie 
gewidmet hatte. Von 1841 — 1890 war er Prediger an der 
Georgenkirche in Berlin. In den Freimaurer -Bund trat er 
1837, Mitglied der Grossloge war er seit 1854, Mitglied des 
Bundesdirektoriums von 1878 — 1890. Ein Mann von 
tüchtiger Begabung, wahrer Herzensgüte und seltener 
Pflichttreue, erfreute er sich sein ganzes Leben hindurch 
der Liebe und Achtung aller, die ihn kennen lernten. Die 
Loge zum flammenden Stern hielt zu seinem Gedächtniss 
am 18. Oktober eine Trauerloge ab. (Bdsbl. 1892, XII, 
266 flf. u. XIX, 437 ff.) 

Wenige Monate später am 13. Juli 1892 starb das älteste 
Mitglied des Bundesdirektoriums, Br. Eduard Maetzner. 
Er war am 25. Mai 1805 geboren, studirte anfangs Theologie 
und klassische Philologie, dann aber die neueren Sprachen, auf 
deren Gebiet er wissenschaftlich bedeutende Leistungen aufzu- 
weisen hat. 1854 schloss er sich dem Freimaurerbund an. 
21 Jahre hindurch ist er Vorsitzender Meister der Loge 
zur Verschwiegenheit in Berlin gewesen. Der Groesloge 
gehörte er seit 1870, dem Bundesdirektorium seit 1886 an. 



— 392 — 

1892 Allem Dnwahren and Eleinlichen war er entgegen. Seine 
Brr. regte er an zu Erkenntniss im Geist and in der Wahrheit 
and zar Aasübang des Erkannten im Leben. Die Loge 
zar Verschwiegenheit veranstaltete am 7. Oktober za seinem 
Gedachtniss eine Traaerloge. (Bdsbl. 1892, XVIU, 405 ff. 
and XIV, 811 ff.) 

An Stelle des Br. Maetzner warde in der Grosslogen- 
sitzang am 13. Oktober 1892 Br. Bernhardi, Dr. phil. and 
Professor am Laisenstädtischen Gymnasium in Berlin zum 
Mitglied des Bundesdirektoriums gewählt. 

Auf Anregung der Vorsitzenden Meister der drei Logen 
in Danzig und der in Lauenburg in Preussen traten im Sommer 
1891 eine Anzahl Vorsitzender Meister in Danzig zusammen, 
um einen westpreussisch-pommerschen Logenverband zu 
gründen. Seine erste Versammlung fand am 29. Mai 1892 
in der Loge Eugenia zu Danzig statt, die von Mitgliedern 
der den preussischen Grosslogen zugehörigen Bauhütten 
besucht war. 

1893 Das Geburtsfest des Kaisers begingen die drei preussischen 
Grosslogen im Ordenshaus der Grossen Landesloge von 
Deutschland am 27. Januar in üblicher Weise. 

Am 25. Februar richteten die drei preussischen Grosslogen 
an die ihnen unterstellten Johannislogen ein Rundschreiben, 
das zu Beiträgen aufforderte, um für die dem Andenken 
Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. geweihten Gedächtniss- 
kirchen je ein Fenster zu stiften als dauerndes Zeichen sowohl 
der Verehrung, mit der die Freimaurer ihrem dahingeschiedenen 
Protektor zugethan waren, als auch des Dankes dem regierenden 
Kaiser und König für den Schutz, den er den Freimaurern 
zu Teil werden lässt. — 

Am 22. April entschied das Ober^erwaltungsgericht in 
der Berufungsklage des berliner Polizeipräsidiums, das dem 
von Settegast gegründeten Verein die Führung des Namens: 
Grosse Loge von Preussen genannt Friedrich zur Bandestreue 
untersagt hatte. Das Oberverwaltungsgericht bestätigte das 
Drteil des Bezirksausschusses vom 22. November 1892, der 



— 393 — 

die Verfügting des Polizeipräsidiums aufgehoben hatte. In 18B8 
der Begründung macht das Oberverwaltungsgericht geltend, 
dass § 4 des Edikts von 1798, wo es heisst, dass ausser 
den drei genannten (d. h. preussischen) Grosslogen jede 
andere Mutter- oder Tochterloge des Freimaurerordens für 
verboten erachtet und unter keinem Vorwand geduldet werden 
soll, beseitigt sei durch die Verordnung vom 6. April 1848*), 
nach welcher alle Preussen berechtigt sind, zu solchen 
Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, ohne 
vorgängige polizeiliche Erlaubniss in Gesellschaften sich zu 
vereinigen. — Alle das freie Vereinigungsrecht beschränkenden, 
noch bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, fährt die 
Verordnung fort, werden hiermit aufgehoben. (Bdbl. 1893, 
XII, 319 «.) 

Durch dies Urteil des Oberverwaltungsgerichts war dem 
von Settegast gegründeten Verein wohl gestattet, sich als 
Grosse Loge von Preassen genannt Friedrich zur Bundestreue 
zu bezeichnen, aber er wurde damit keineswegs zu einer 
anerkannten Freimaurerloge. Dagegen hatte das Urteil 
die Folge, dass sowohl die Grossloge von Hamburg in Berlin 
eine Loge ihrer Lehrart unter dem Namen Hammonia zur 
Treue am 3. Juni 1893 errichtete, als auch die Grossloge 
des Eklektischen Bundes in Frankfurt a. M. gemäss ihrer 
am 25. September 1892 kundgegebenen Absicht am 
18. Oktober eine von ihr gestiftete Loge Friedrich zur 
Gerechtigkeit in Berlin eröffnen konnte. — 

In der gesetzgebenden Versammlung, die am 14. Mai 
1893 stattfand, wurde der Nachtrag zum Statut des deutschen 
Grosslogenbundes in der Fassung, die er auf dem Gross- 
logentag 1892 erhalten hatte, zur Beratung gestellt. Br. 
Gerhardt empfahl, den Nachtrag anzunehmen, obwohl 
bereits einzelne Grosslogen ihn endgültig abgelehnt hätten, 
sodass er nicht zur Wirkung gelangen könnte, und der 
Beschluss der gesetzgebenden Versammlung nur noch von 
ideeller Bedeutung sei. Aber um so mehr sei ein einmütiger 

*) Die gleiche Ansicht war Ton der National - Matterloge 1849 
ausgesprochen. Verpl. S. 186 ff. 



— 394 — 

1893 Beschluss zu wünschen, als damit zum Ausdruck gebracht 
werde, dass die Grosse National -Mutterloge unbeirrt an 
dem Streben nach grosserer Einigung der deutschen Maurerei 
festhalte. Der Nachtrag wurde einstimmig angenommen. 

In der an die gesetzgebende Versammlung sich an- 
schliessenden Sitzung der Grossloge wurde Br. Gerhardt 
zum National-Grossmeister und Br. Bensen zum zugeordneten 
National-Grossmeister auf drei Jahre wiedergewählt. (Bdsbl. 
1893, XI, 277 ff.) — 

Am 21. Mai trat der Grosslogentag in Dresden zusammen. 
Einstimmig wurde der Antrag des Brs. Gerhardt genehmigt, 
aus den Mitteln der Victoria -Stiftung 50 000 M. zur Er- 
bauung eines Schwesternhauses in Dahme zu bewilligen. 
Das Schwesternhaus sollte im Jahr 1894 erbaut und 1895 
bezogen werden. 

Ueber den Nachtrag zum Statut des Deutschen Gross- 
logenbundes hatten die einzelnen Grosslogen Beschluss 
gefasst. Die drei preussischen Grosslogen und die Gross- 
loge zur Eintracht in Darmstadt hatten ihn angenommen, 
dagegen die von Sachsen, Hamburg, Frankfurt a. M. und 
Bayreuth ihn abgelehnt. Damit war die Vorlage gefallen. 
Zur Eenntniss wurde ein Schreiben des Thüringer Logen- 
verbandes gebracht, der in seiner zweiten Jahresversammlung 
vom 11. Mai erklärt hatte, dass er die Annahme der in 
Eisenach erstrebten Umgestaltung und Erweiterung des 
deutschen Grosslogentags mit Freuden begrüssen würde. 

Eine sehr eingehende Erörterung schloss sich an einen 
Antrag Br. Gerhardts, der die Stellungnahme des deutschen 
Grosslogenbundes gegenüber dem Vorgehen des Brs. Settegast 
betraf. Die drei preussischen Grosslogen, die von Sachsen 
und Darmstadt nahmen ihn an, die von Frankfurt und 
Bayreuth lehnten ihn ab, die Grossloge von Hamburg enthielt 
sich der Abstimmung. Der Antrag lautete: 
Der Grosslogentag wolle erklären: 
Der deutsche Grosslogenbund anerkennt in Deutschland 
nach § 4 seines Statuts nur die acht deutschen Gross- 
logen und deren Tochterlogen sowie die fünf unabhängigen 



— 396 — 

Logen. Die Mitglieder der sogenannten Grossen Freimaurer- 1898 
löge von Preassen, genannt Friedrich zur Bundestreue in 
Berlin und deren Tochterlogen stehen daher ausserhalb 
des deutschen maurerischen Rechts. Dieselben dürfen, 
da sie nicht Mitglieder einer anerkannten Johannisloge 
sind, bei keiner deutschen Bundesloge als Besuchende zu 
den Arbeiten und Versammlungen zugelassen werden, wie 
auch den Brm. der deutschen Bundeslogen der Besuch 
der Versammlungen jener nicht anerkannten Logen nicht 
gestattet ist. (Bdsbl. 1893, XII, 302 ff.) — 

Am 15. Februar veröffentlichte das Bundesdirektorium 
zwei Entscheidungen, deren erste sich auf § 65 der Bundes- 
Statuten bezieht. In § 23 des Gesetzes betreffend die 
Zulassung besuchender Brr. und die Annahme von Brm. 
Freimaurern wird bezüglich der „etwa an Stiftungen oder 
Anstalten der Loge zu zahlenden Beiträge ^ kein Unterschied 
gemacht zwischen einmaligen Eintrittsgeldern und fort- 
laufenden, sodass jene nach wie vor bei der Annahme 
eines Bruders nach dem Ortsgesetz zu erheben sind. 

Die zweite Entscheidung erläutert den § 111 der 
Bundes -Statuten. Auf Anfrage einer Tochterloge hat das 
Bundesdirektorium anheim gegeben, durch den Vorstand der 
Loge dem . . . Bürgermeisteramt zu erklären, dass die 
Freimaurerloge ... als Tochterloge der Grossen National- 
Mutterloge in den preussischen Staaten, genannt zu den 
drei Weltkugeln nach § 12 des für die rechtliche Stellung 
der drei privilegirten preussischen Grosslogen (§ 3) noch 
geltenden Edikts vom 20. Oktober 1798 nur verpflichtet sei, 
der Polizeibehörde den Ort ihrer Zusammenkunft anzuzeigen; 
die unterzeichneten Mitglieder der Loge auf Verlangen aber 
durch ein Zeugniss des Herrn Ministers des Innern den 
Nachweis führen würden, dass sie den Vorstand der zum 
Verband der Grossen National -Mutterloge zu den drei 
Weltkugeln gehörigen Loge bilden und als solche legitimirt 
sind, dieselbe vor den Behörden zu vertreten. Hinzuzufügen 
wäre, dass nach § 10 des gedachten Edikts die Vorgesetzten 
der Grossen National- Mutterloge — das Bundesdirektorium — 



— 396 — 

1893 auch gegenwärtig noch alljährlich Sr. Majestät dem Kaiser 
und König das Yerzeichniss der sämmtlichen von ihnen 
abhängigen Tochterlogen nebst der Liste sänimtlicher 
Mitglieder einreichen. (Bdsbl. 1893, ni, 61 f., Entscheidungen 
No. 14 und 15.) 

Am 1. Juni veröffentlichte das Bundesdirektorium eine 
Entscheidung, wie mit dem Annahme-Gesuch eines Bruders 
zu verfahren sei, der durch maurerisches urteil mit 
Entlassung aus seiner Loge bestraft sei. (Bdsbl. 1893, XI, 
285, Entscheidungen No. 16.) — 

Am 4. Juni fand in Langensalza die Lichteinbringung 
und Weihe des neuerbauten Tempels der Loge Hermann von 
Salza statt. 

Zu Osterode in Ostpreussen, wo seit 1888 eine maurerische 
Vereinigung bestand, wurde unter dem Namen Auf dem Wege 
zum Osten eine neue Loge gegründet, deren Weihe am 
28. September durch den Br. v. Roese erfolgte. 

Zwei neue freimaurerische Vereine bildeten sich in 
Remscheid unter Aufsicht der Loge Lessing zu Barmen und 
in Wernigerode unter der Aufsicht der Loge Zu den drei 
Hammern zu Halberstadt. 

Am 10. Dezember fand die Feier des 150jährigen 
Bestehens der Johannisloge zu den drei Degen in Halle a. S. statt. 

Mehrere Logen feierten das Fest des 75 jährigen Be- 
stehens, so am 5. März die Johannisloge Luise zur Unsterb- 
lichkeit in Meseritz, am 20. August Hermann zur deutschen 
Treue in Mühlhausen (Thüringen), am 3. September Alexius 
zur Beständigkeit in Bemburg und am 8. Oktober Zu den 
drei Thoren des Tempels in Rastenburg. 

Das 50 jährige Bestehen begingen die Logen Zu den 
drei Säulen in Guben am 31. Mai und Wilhelm zu den drei 
Helmen in Wetzlar am 22. Oktober. 

Am 22. August starb Herzog Ernst H. von Sachsen- 
Koburg- Gotha, Protektor der Logen seines Landes, Ehren- 
mitglied der Grossen National -Mutterloge zu den drei 
Weltkugeln, Meister vom Stuhl der Loge Ernst zum Kompass 



— 397 — 

im Or. Gotha. Diese Loge hielt zu seinem Gedächtniss am 1893 
10. September eine Trauerloge. (Bdsbl. 1893, XVII, 439 ff.) — 
Am 16. Dezember fand die feierliche Einführung des 
Prinzen Friedrich Leopold von Preussen in die Grosse 
National -Mutterloge zu den drei Weltkugeln statt. Der 
National -Grossmeister Br« Gerhardt wies in seiner Ansprache 
auf die Gründung der National-Mutterloge Zu den drei Welt- 
kugeln durch Friedrich den Grossen hin sowie auf die 
hohen Verdienste seiner Nachfolger auf dem Thron, der 
Könige Friedrich Wilhelm IL, Friedrich Wilhelm IH, 
und namentlich der Protektoren, der Eotiser Wilhelm I. und 
Friedrich III. um den Bund der Freimaurer und gab dem 
Dank und der Freude Ausdruck, dass wieder ein Spross der 
Hohenzollem dem Bruderbund und insbesondere den drei 
Weltkugeln angehöre. Nachdem hierauf Br. Bernhardi 
den Aufbau der Lehrart der drei Weltkugeln in kurzen 
Zügen dargelegt hatte, wurde der Prinz als Mitglied des 
Innersten Orients der Grossen National-Mutterloge zu den 
drei Weltkugeln maurerisch begrüsst. (Bdsbl. 1894, I, 6 ff.) 

Am 27. Januar begingen die drei preussischen Gross- 1894 
logen sowie die Johannisloge des Eklektischen Bundes 
Friedrich zur Gerechtigkeit die Feier des kaiserlichen 
Geburtstages in üblicher Weise im Haus der Grossen Loge 
Royal York zur Freundschaft. 

Nachdem Prinz Friedrich Leopold am 12. Janaar 
auch in die Lehrart der Grossloge Royal York als deren 
Ehrenmitglied eingeführt war, richteten die drei preussischen 
Grosslogen das Gesuch an ihn, das Protektorat über sie zu 
übernehmen. Der Prinz entsprach diesem Wunsch durch 
folgendes Schreiben an die Grossmeister vom 2. Februar: 

„Auf die mir in Ihrem Schreiben vom 23. v. M. aus- 
gesprochene Bitte erwidere ich Ihnen, dass ich gerne bereit 
bin, das Protektorat über die drei altpreussischen Grosslogen 
zu übernehmen, nachdem Seine Majestät der Kaiser und König 
mittelst Allerhöchster Ordre vom 31. v. M. die Allerhöchste 
Genehmigung hierzu erteilt haben." 



— 398 — 

1894 Seine AufiFassung von der neuen Würde, die er übernommen 

hatte, gab er in folgendem Schreiben an die Grossmeister 
von demselben Tag kand: 

„Im Anschloss an mein Schreiben vom heutigen Tage, 
in welchem ich mich zur Uebemahme des Protektorats über 
die drei altpreussischen Grosslogen bereit erkläre, spreche 
ich den Grossmeistem derselben meinen Dank aus für das 
mir durch den Antrag auf Uebemahme dieses Protektorats 
entgegengebrachte Vertrauen. Es wird mir eine Freude sein, 
dem Beispiel meiner Vorfahren zu folgen und mich der frei- 
maurerischen Sache zu weihen, auch zu ihrem Schutze zu 
thun, was ich kann. Ich habe erkannt, dass die Zwecke, 
die sie verfolgt, edle sind, und Religion imd Gottesfurcht, 
Achtung vor Obrigkeit und Gesetz den Kern und festen 
Grund bilden, auf dem die Freimaurerei ruhet; diese Gesinnung 
zu pflegen und in die Aussenwelt zu tragen, ist ihre Aufgabe. 

Mit der Versicherung meines warmen Interesses für die 
idealen Ziele unserer Königlichen Kunst und dem aufrichtigen 
Wunsche für das fernere segensreiche Gedeihen der drei ali>- 
preussischen Grosslogen und ihrer Lehre grüsse ich Sie i. d. 
u. h. Z.« (Bbl. 1894, IV, 81 f.) 

Ein drittes Schreiben des Prinzen vom 12. Februar hat 
folgenden Wortlaut: 

„ Den Grossmeistem der drei altpreussischen Grosslogen 
teile ich hierdurch mit, dass ich nach Rücksprache mit 
Seiner Majestät dem Kaiser und Könige und nach ein- 
getroffener schriftlicher Allerhöchster Genehmigung als 
Protektor des Freimaurer-Ordens ein Kreuz in rother Emaille 
und in Form des Kreuzes der Rechtsritter des Johanniter- 
ordens, jedoch statt des Adlers in den Ecken das Hexagramm 
mit dem Auge Gottes, am rothen Bande um den Hals 
tragen, auch ausserhalb der Loge anlegen werde." (Bbl. 
1894, V, 109.) 

Zum ersten Mal als Protektor erschien der Prinz in 
der Loge Friedrich Wilhelm zur Morgenröthe am 13. Februar, 
dem Tage an dem er vor fünf Jahren als Freimaurer auf- 
genommen war. In einer Ansprache nahm er Gelegenheit, 



— 399 — 

die von Settegast hervorgerafene Spaltung zu erwähnen: 18M 
Ee gebe jetzt Vereinigungen, sagte er u. A., die sich Logen 
nennen und die sich im Gegensatz zu jenen befänden, die 
an ihrer Lehre unerschütterlich festhielten, unbekümmert 
um die Angriffe, denen sie in neuerer Zeit von jenen Seiten 
her ausgesetzt seien. (Bbl. 1894, V., 130 aus dem Wöchentlichen 
Anzeiger No. 11 und 12.) — 

Von der gesetzgebenden Versammlung, die am 6. Mai 
stattfand, wurden folgende Beschlüsse gefasst: 
L Zu § 9 des Gesetzes vom 17. Mai 1890 (§ 198 Bundes- 
Statuten) gilt folgende Bestimmung: 

Durch Ortsgesetz der Loge kann bestimmt werden, 
dass das den ständig Besuchenden eingeräumte Stimm- 
recht auch das Recht gewährt, bei den Wahlen mitzu- 
stimmen und Logenämter mit Ausschluss der des Vor- 
sitzenden und des zugeordneten Meisters sowie der 
beiden Aufseher und der zugeordneten Aufseher zu 
übernehmen. Alsdann finden die §§ 77, 82 und 83 der 
Bundes -Statuten auf die ständig besuchenden Brüder 
sinngemässe Anwendung. 
IL In § 182 der Bundes-Statuten ist an Stelle der Bestimmung 
unter A. 2 zu setzen: 

(Streichung in den Logenlisten tritt durch Beschluss 
gegen den Br. ein, der) als auswärtiges, im Deutschen 
Reiche wohnendes Mitglied innerhalb zweier Jahre an 
einer Versammlung der Loge nicht Teil genommen, auch 
nicht die Zulassung als ständig Besuchender bei einer 
Deutschen Loge nachgesucht hat. 
ni. In § 235 der Bundesstatuten ist als Absatz 3 einzuschalten: 
Bei den auswärtigen Mitgliedern ist anzugeben, bei 
welcher Loge dieselben etwa als ständig Besuchende 
angeschlossen sind. 

Diese Beschlüsse, wurden vom Bundesdirektorium am 
9. Mai 1894 bestätigt und als Bundesgesetze verkündet. 
(Bbl. 1894, X, 245 f., vergl. auch 271 ff.) — 

Die von Settegast gegründete sogenannte Grossloge 
Kaiser Friedrich zur Bundestreue hatte bei ausserdeutachen 



— 400 — 

1884 Grrosslogen die Anerkennang als berechtigte Freimaurerloge 
nachgesucht. Während von der Grossloge New York eine 
schroffe Abweisung erfolgte, die Grosslogen von Italien und 
Belgien zunächst bei den drei preussischen Grosslogen 
Erkundigung einzogen, trugen der Grossorient des Königreichs 
der Niederlande am 23. Juni 1893 und die Symbolische 
Grossloge von Ungarn am 18. Dezember 1893 kein Bedenken, 
diese Anerkennung auszusprechen, ohne zuvor bei den 
befreundeten deutschen Grosslogen anzufragen, ob diese 
Neugründung auch wirklich dem deutschen maurerischen 
Recht entspräche, das in diesem Fall allein in Frage kommen 
konnte. In Folge dieses rücksichtslosen Verfahrens legte 
nicht nur Br. Gerhard t die ihm verliehene Ehrenmitgliedschaft 
der Symbolischen Grossloge von Ungarn am 14. Februar 
nieder, sondern die drei preussischen Grosslogen richteten 
den gemeinsamen Antrag an den Grosslogentag, er wolle 
beschliessen, die Verbindung mit den Grosslogen der Nieder- 
lande und von Ungarn aufzulösen, weil diese mit einer vom 
Grosslogenbund nicht anerkannten Grossloge in Deutschland 
in amtlichen maurerischen Verkehr getreten seien. 

Auf dem Grosslogentag, der am 13. Mai 1894 zu Hamburg 
abgehalten wurde, fand dieser Antrag nicht die Zustimmung 
der übrigen fünf Grosslogen. Man einigte sich schliesslich 
über einen von der Hamburger Grossloge eingebrachten 
Vermittlungs Vorschlag, dem gemäss der Grosslogentag beschloss, 
das Vorgehen der beiden Grosslogen von Ungarn und der 
Niederlande, nämlich die Anerkennung der Settegast'schen 
Gründung ohne vorherige Anfrage bei den deutschen Gross- 
logen auszusprechen, als verletzend für die deutschen Gross- 
logen zu erklären. 

Da die sog. Grossloge Eotiser Friedrich zur Bundestreue 
am 31. März 1893 auch an den Grosslogenbund das Ansinnen 
gerichtet hatte, er möge sie als gerechte und vollkommene 
Freimaurerloge anerkennen, hatte die Grossloge von Hamburg 
beantragt, einen Ausschuss von drei Mitgliedern zu beauftragen, 
die Frage der Anerkennung zu prüfen und darüber zu berichten. 
Der Antrag wurde gegen die Stimmen der preussischen Gross- 



— 401 — 

meisier angenommen, die auch den Eintritt in den Ausschnss 18M 
ablehnten. (Bbl. 1894, XI, 284 flf.) — 

Am 15. März 1894 veröffentlichte das Bandesdirektoriom 
eine Entscheidung, in der die richtige Ausführung des § 17 
des Gesetzes über das Verfahren bei Verletzung maurerischer 
Pflichten angegeben wurde. Die Eröffnung des Urteils hat 
mündlich stattzufinden, und das Urteil mit Begründung ist 
spätestens am Tag nach der Eröffnung dem ßrossmeister 
zuzustellen. (Bbl. 1894, VI, 134 f., Entscheidungen No. 20.) 

Während des Jahres 1894 bildeten sich drei neue frei- 
maurerische Vereine: zu Finsterwalde unter Aufsicht der 
Loge zum Leoparden in Luckau, zu Limburg a. d. Lahn 
unter Aufsicht der Loge Wilhelm zu den drei Helmen in 
Wetzlar und zu Oeynhausen unter Aufsicht der Loge Armin 
zur deutschen Treue in Bielefeld. 

Ein Zeichen für den blühenden Zustand unserer Bau- 
hütten waren die zahlreichen Einweihungen neuer Tempel 
und Logengebäude während des Jahres 1894. So wurde 
das neue Haus der Loge Bruderbund am Fichtenberge in 
Steglitz bei Berlin am 18. März geweiht, der Loge Johannes 
zum Wohl der Menschheit in Salzwedel am 3. Juni, das der 
Loge Pythagoras zu den drei Höhen in Liegnitz am 
9. September, der Loge Auf dem Weg zum Osten in Osterode 
(Ostpreussen) am 23. September, der Loge Zum Friedens- 
tempel in Friedland (Mecklenburg) am 30. September, der 
Loge Licht, Liebe, Leben zu Dahme am 21. Oktober. 

Zwei Logen begingen die Feier des 50jährigen Bestehens; 
die Loge Armin zur deutschen Treue in Bielefeld am 
11. November und Zur Rose im Teutoburger Walde in 
Detmold am 31. Dezember. 

Die Gauverbände entfalteten rege Thätigkeit. Am 
20. Mai fand in Danzig die Versammlung des westpreussisch- 
pommerschen Logenbundes statt, am 8. und 9. September 
tagte der Verein deutscher Freimaurer zu Hirschberg i. Schi., 
und am 22. und ^3. September beging der rheinisch -west- 
fälische Logenverein sein Verbandsfest zu Bochum. Auf 
diesen Versammlungen wurde die Settegast-Gründung und 

Ge»eh. d. Gr. Nat.llatt«r-Lof«. 26 



— 402 — 

1894 ihre Wirkung auf die Freimaurerei lebhaft und eingehend 
erörtert, ebenso wie die Frage der Einigung der deutschen 
Logen. 

Am 18. November starb Br. Schlichting, der von 
1885-1889 Mitglied des Bundesdirektoriums gewesen war. 

1895 Den Geburtstag des Kaisers begingen am 27. Januar 
die drei preussischen Grosslogen und die Loge des eklektischen 
Bundes Friedrich zur Gerechtigkeit im Bundeshaus der 
Grossen National-Mutterloge in üblicher Weise. 

Nach Art. 54 der Grundverfassung erhalten die zur 
gesetzgebenden Versammlung abgeordneten Vertreter der 
Tochterlogen die Fahrkosten von der Grossloge erstattet, 
weil die fem wohnenden Vertreter sonst nicht leicht in der 
Lage wären, zur Maiversammlung in Berlin zu erscheinen. 
Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die gesetzgebende 
Versammlung nicht einberufen werden kann, weU ein Gegen- 
stand für ihre Beschäftigung nicht vorhanden ist, wie es 
z. B. 1872, 1881 und 1882 der Fall war. Dagegen erscheint 
es durchaus wünschenswert, dass jedes Jahr einmal die Ver- 
treter aller Johannislogen in Berlin vereinigt sind, um 
persönliche Bekanntschaft und brüderlichen Verkehr zwischen 
den Mitgliedern des Bundesdirektoriums, den berliner Mit- 
gliedern der Grossloge und den Vertretern der Tochterlogen 
anzubahnen und zu unterhalten. Das Bundesdirektorium 
hatte daher auf die Tagesordnung der gesetzgebenden Ver- 
sanmdung, die auf den 26. Mai 1895 einberufen wurde, einen 
Antrag gebracht, der es ermöglichen sollte, die Jahres- 
versammlung als Grossloge stattfinden zu lassen, auch wenn 
für die gesetzgebende Versammlung nichts zur Beratung 
und Beschlussfassung vorliegen würde. Der Antrag ging 
dahin, Art. 19 No. 1, wo bestimmt wird, dass die Grossloge 
sich regelmässig versammelt in jedem Vierteljahr einmal 
zur Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten, durch 
folgenden Zusatz zu erweitern: 

„und alljährlich im Anschluss an die gesetzgebende 
Versammlung (Art. 61). Falls beim Mangel einer 



— 403 — 

Vorlage für die Gesetzgebong des Bandes die gesetsE- 1805 
gebende Versammlung (Art. 61) ausfällt, tritt die 
Grrossloge im Monat Mai zusammen. Den Vertretern 
der Tochterlogen, welche an dieser Jahresversammlung 
teilnehmen, werden die Fahrkosten nach Art. 54 Abs. 2 
von der Grossloge erstattet.*' 
Der Antrag wurde von der gesetzgebenden Versammlung 
einstimmig angenommen. In der sich anschliessenden Gross- 
logensitzung wurde an Stelle des zugeordneten National- 
Grossmeisters Brs. Bensen, der am 1. April 1895 seinen 
Wohnsitz nach Hannover verlegt hatte, Br. Dahms zum 
Mitglied des Bundesdirektoriums, Br. v. Roese aber zum 
zugeordneten National -Grossmeister erwählt. (Bdsbl. 1895, 
XII, 309 ff.) 

Der vom Grosslogentag 1894 eingesetzte Ausschuss, der 
aus drei den Grosslogen von Hamburg, Bayreuth und 
Frankfurt a. M. angehörigen Mitgliedern bestand, um die 
Frage der Anerkennung der sog. Grossen Loge von Preussen, 
genannt Eotiser Friedrich zur Bundestreue, zu prüfen, hatte 
seinen Bericht am 22. April 1895 fertig gestellt. Es hiess 
darin u. A.: „Wenn nun auch anerkannt werden muss, dass 
die in dem Gesetzbuch der Grossen Loge Kaiser Friedrich 
zur Bundestreue aufgestellten Grundsätze sowie die Rituale 
derselben den allgemeinen freimaurerischen Grundsätzen und 
Gebräuchen entsprechen, auch die im Druck erschienenen 
der Kommission vorgelegenen Logenarbeiten nichts enthalten, 
woraus auf eine dem Geiste dieser Gesetze widersprechende 
Handhabung zu schÜessen wäre, so erhellt doch zugleich 
hieraus auch, dass ein Bedürfniss, diese selben Grundsätze 
in einer neuen Grossloge zu wiederholtem Ausdruck zu 

bringen, im Allgemeinen nicht vorhanden ist Auch 

hat es auf verschiedenen Seiten schwere Bedenken hervor- 
gerufen, dass der Hauptträger der Bewegung vor Gründung 
der neuen Grossloge nicht alle diejenigen Bedingungen genau 
erfüllt hat, welche nach den Gesetzen seiner damaligen 
maurerischen Oberbehörde für den Austritt aus deren Logen- 
verband zu Recht bestanden. Nicht minder zu betonen 

26* 



— 404 — 

1895 sind die Bedenken, welche durch die voreilige Gründung der 
inzwischen wieder eingegangenen amerikanischen Tochter- 
logen der neuen Grossloge von dem Gesichtspunkte aus 
erhoben sind, dass dadurch im Ausland leicht der Rück- 
schluss auf eine gleich geringe Sorgfalt in unseren heimischen 
maurerischen Verhältnissen veranlasst werden könnte. 

Die erheblichsten Bedenken gegen die Anknüpfung 
näherer Beziehungen zwischen dem Deutschen Grosslogen- 
bunde und der Grossen Loge Kaiser Friedrich zur Bundes- 
treue glaubt die Kommission aus den Logenverhältnissen 
entnehmen zu müssen, wie sich dieselben in Deutschland im 
Laufe der Zeit herausgebildet haben. Die acht deutschen 
Grosslogen sind seit dem Jahre 1872 in einem engeren 
Bund vereinigt, der als solcher auch zu den fünf unab- 
hängigen Logen in Verbindung getreten ist. — Die Festigkeit 
dieses Bundes und das gedeihliche Zusammenwirken der 
Grosslogen und Logen ist bedingt durch die brüderlich 
freundschaftlichen Beziehungen der in Betracht kommenden 
Faktoren, welche auch thatsächlich seither bestanden haben 
trotz der Verschiedenheit der im Bunde vereinigten Lehrarten. 

Ist sich nun auch die Kommission voll bewusst, dass 
die Grundsätze der Bruderliebe und Versöhnlichkeit in allen 
freimaurerischen Verhältnissen obenan zu stellen sind, so 
glaubt sie doch auch den thatsächlichen Verhältnissen, wie 
dieselben leider sich gestaltet haben, Rechnung tragen 
zu müssen. 

Wie dieselben heute liegen, erscheint kein gedeihliches 
Zusammenwirken der neuen Grossloge mit sämmtlichen im 
Bunde vereinigten Grosslogen zur Zeit möglich.^ (Bdsbl. 1895, 
IX, 229 flf.) 

Dieser Bericht wurde dem Grosslogentag, der am 
2. Juni 1895 zu Frankfurt a. M. zusammentrat, vorgelegt 
und führte zu dem Beschluss: „Der Deutsche Grosslogentag 
vermag nach Kenntnissnahme des Kommissionsberichtes die 
nachgesuchte Anerkennung nicht auszusprechen" . (Bdsbl. 1895, 
XII, 315 «f.) 



— 405 — 

Am 28. September 1895 erfolgte die Einweihung des 1895 
in Folge des Grosslogentags-Beschlosses von 1893 erbauten 
Victoria-Stiftes zuDahme. In dieser kleinen brandenburgischen 
Stadt war von dem Baurat Br . T e c h o w in ebenso ansprechender 
wie würdiger Gestalt das erste Heim für Wittwen und Waisen 
▼on Freimaurern errichtet worden. Das Stift enthält siebzehn 
Wohnungen, darunter sechs grössere, in denen je zwei Damen 
Aufiiahme finden können; neben einem gemeinsamen Speise- 
und Yersammlungssaal und einigen anderen Gesellschafts- 
räumen die Wohnung für das Hausverwalterpaar und die 
erforderlichen Wirtschaftsräume. Ein weiter offener Vorbau 
am Speisesaal und ein wohlgepflegter Garten sorgen für 
den Aufenthalt im Freien. 

Die Stiftsdamen erhalten Wohnung, Heizung, Beleuchtung, 
Wäsche, Mittagessen, ärztliche Behandlung und Arznei frei. 
Den Stiftsdamen, deren Einkommen nicht vollständig zur 
Bestreitung des übrigen Lebensunterhalts ausreicht, wird 
auch Geldunterstützung gewährt, soweit die Mittel des 
Stifts gestatten. 

Dem inneren Leben im Stift steht die aus der Zahl 
der Stiftsdamen gewählte Oberin vor. Sie bildet mit dem 
Vorstand der Freimaurerloge zu Dahme und einer dazu 
gewählten Dame aus der Stadt die Pflegschaft, die unter 
der Oberleitung des geschäftsführenden Ausschusses der 
Victoria- Stiftung die örtliche Verwaltung des Stifts führt. 

Der Gesammtaufwand für das Stift betrug etwa 80000 M., 
das Schwesternhaus -Vermögen hatte am 1. Oktober 1894 die 
Höhe von etwas über 174 000 M. erreicht, der Grundstock für 
Unterstützungen betrug zu derselben Zeit über 66 000 M. 

Bei der Einweihung dieses Denkmals der Einigung der 
deutschen Freimaurer wurden die acht Deutschen Grosslogen 
durch Abgeordnete vertreten. Die Kaiserin Friedrich und 
der Protektor der drei preussischen Grosslogen waren am 
Erscheinen verhindert, letzterer überwies der Victoria-Stiftung 
ein Geschenk von 500 M. (Bdsbl. 1895, Xll, 477 ff.) 

In den zum Gedächtniss Kaiser Wilhelm I. und Kaiser 
Friedrich III. in Berlin erbauten Kirchen hatten die drei 



— 406 — 

1896 preossischen Grosslogen je ein Fenster für 12 000 bezw. 
10 000 M. gestiftet. Erstere Kirche wnrde am 1. September, 
letztere am 21. Oktober geweiht. Die Vertreter der 
drei preossischen Grosslogen waren zu der Feier eingeladen. 

Am 15. September veröffentlichte das Bnndesdirektoriam 
eine Entscheidung, die mit Bezug auf § 29 des Gesetzes über 
das Verfahren bei Verletzung maurerischer Pflichten von der 
Einleitung des maurerischen Verfahrens handelte. (Bbl. 1895, 
XVI, 423 f., Entscheidungen No. 17.) Eine andere 
Entscheidung, die am 1. Oktober bekannt gegeben wurde, 
betraf die Entlassungsurkunde. (Bbl. 1895, XVII, 449 f., 
Entscheidungen No. 18.) In einer dritten gleichfalls am 
1. Oktober ausgegebenen Entscheidung wurde mit Bezug 
auf § 65 der Bundes- Statuten bestimmt, dass den Logen- 
mitgliedern eine Verpflichtung zur Beteiligung an einer auf 
Wohlthätigkeit abzielenden Anstalt nicht auferlegt werden 
kann. (Bbl. 1895, XVII, 450, Entscheidungen No. 19.) 

Die zu Shangai in China am 10. Juli 1873 gegründete 
und am 7. Oktober 1883 geschlossene Loge Germania (S. 264) 
wurde am 29. Mai 1895 wiedereröffnet. 

Das fünfzigjährige Bestehen feierten 1895 die Logen 
zur Palme in Pasewalk am 21. April und Vorwäxts in 
Gladbach -Bheydt am 29. September; das 75jährige Bestehen 
die Logen zu den drei weissen Felsen in Weissenfeis am 
17. März, zum Tempel der Eintracht in Posen am 28. April, 
zu den drei Rosen im Walde in Sorau am 19. Juni, Borussia 
in Schneidemühl am 19. Juni, zur festen Burg a. d. Saale in 
Calbe am 20. Oktober und zur deutschen Burg in Duisburg 
am 27. Oktober. Am 10. November fand zu Inowrazlaw die 
Einweihung des neuen Gebäudes der Loge zum Licht im 
Osten statt. 

Am 25. Mai 1895 trat zu Berlin im Logenhaus der 
Grossen Loge Royal York eine Versammlung von Vertretern der 
deutschen Logenverbände zusammen. 31 Vorsitzende Meister 
hatten sich als Abgeordnete von sieben Logenverbänden 
eingefunden. Den Vorsitz führte Br. Kreyenberg, Meister 
vom Stuhl der Loge zu Iserlohn. Der Br. Fischer-Gera 



— 407 — 

fUirte aus, dass ein engerer ZnsammeiiBchluss des deutschen 1886 
Logentnms in zeitweisen Versammlungen von Vertretern der 
deutschen Logenverbände unerlässlich sei, so lange ein Ausbau 
des deutf^chen Grosslogenbundes behufs Mitwirkung der 
Johannislogen nicht erreicht werden könne, und dass auf 
diese Weise der Gedanke der Einigung der deutschen Frei- 
maurerei festen Fuss fassen werde. (Bbl. 1895, XII, 332 f.) 

Der Verein deutscher Freimaurer hielt eine Versammlung 
am 14. und 15. September in der Loge Armin zur deutschen 
Treue in Bielefeld ab, der westpreussisch-pommersche Logen- 
verband tagte am 27. Oktober zu Danzig. Ueberall zeigte 
sich steigende Teilnahme der Johannislogen an freimaurerischen 
Bestrebungen und Verhältnissen. (Bbl. 1895, XVÜI, 496 «F. 
und XXI, 575 ff.) 

Die Grossloge verlor durch den Tod während des Jahres 
1895 viele hervorragende Brr., unter ihnen den Br. Bötticher 
am 19. Januar. Er war Meister vom Stuhl der Loge Ferdinand 
zur Glückseligkeit in Magdeburg, Oberbürgermeister dieser 
Stadt und 2. Vizepräsident des Herrenhauses. Am 2. Mai 
starb Br. Gramer, Meister vom Stuhl der Loge zu Köln a. Rh. 

Am 7. Januar 1896 überwies die Kaiserin Friedrich dem 1896 
Victoria- Stift in Dahme die Bildnisse des Kaisers Friedrich 
und ihr eigenes als Geschenk. 

Der Geburtstag des Kaisers wurde am 27. Januar im Ordens- 
haus der Grossen Landesloge von den 3 preussischen Grosslogen 
sowie den Johannislogen Hammonia zur Treue der Hamburger 
Grossloge und Friedrich zur Gerechtigkeit des Eklektischen 
Bundes von Frankfurt a. M. in üblicher Weise gefeiert. 

Am 12. März fand die 1000. Sitzung der Grossloge zu 
den drei Weltkugeln statt. 

Bereits in diesem Jahr wurde der 1895 gefasste Beschluss 
der gesetzgebenden Versammlung wirksam, dass die Vertreter 
der Tochterlogen im Mai zusammenkommen sollen, auch 
wenn Vorlagen für die gesetzgebende Versammlung nicht 
vorhanden sind. Am 17. Mai erschienen 126 stimmberechtigte 
Mitglieder, um zunächst die Wahl der Grossbeamten vorzu- 



— 408 — 

1896 nehmen. Die Brr. Gerhardt und v. Roese wurden als 
Grossmeister wiedergewählt. Alsdann folgten nach einem 
Vortrag des Brs. v. Roese eingehende Erörterungen über die 
Frage, ob auswärtige Brr. einer Johannisloge verpflichtet 
seien, sich der nächstliegenden Loge als ständig Besuchende 
anzuschliessen. Br. Bernhardi behandelte die Frage, ob in 
der Lehrart der drei Weltkugeln die Darstellung der frei- 
maurerischen Lehre im Meistergrad ihren Abschluss finde. 
Die Versammlung nahm einstimmig die Erklärung an: In 
dem System der drei Weltkugeln ist die Darstellung der 
maurerischen Lehre in den drei Johannisgraden vollständig 
enthalten. Br. Gerhardt berichtete über einen Antrag, den 
er bei dem Grosslogentag eingebracht habe, um eine weitere 
Ausgestaltung des deutschen Grosslogenbundes zu bewirken, 
den die Versammlung zu dem ihrigen machte. Femer teilte 
er die Anzeige der Grossloge des Eklektischen Bundes vom 
15. April mit, dass die Loge Hermann zur Beständigkeit in 
Breslau sich bei dieser Grossloge zur Annahme gemeldet 
habe. EUerauf habe das Bundesdirektorium am 6. Mai 
geantwortet, dass eine nach § 4 des Statuts des deutschen 
Grosslogenbundes anerkannte Loge Namens Hermann zur 
Beständigkeit in Breslau nicht bestehe. — Es war dies eine 
der von Settegast gegründeten Logen. (Bbl. 1896, XI, 297 ff.) 
Am 24. Mai wurde im Ordenshaus der Grossen Landes- 
loge von Deutschland zu Berlin der Grosslogentag abgehalten. 
Auf ihm wurden die Verhandlungen über eine Neugestaltung 
des Grosslogenbundes, die seit der Ablehnung des vom 
Ausschuss zu Eisenach festgestellten Entwurfes (1893) fast 
drei Jahre geruht hatten, durch einen Antrag des Brs. G erhardt 
von neuem aufgenommen. Der Antrag, der durch das Streben 
nach Einigung der deutschen Freimaurerei, wie es besonders 
in den Gauverbänden zu Tage trete, begründet wurde, lautete : 
Der Grosslogentag wolle eine Kommission von acht 
Mitgliedern ernennen mit dem Auftrag, aufs Neue über 
eine weitere Ausgestaltung des Deutschen Grosslogenbundes 
zu beraten und etwaige Vorschläge hierüber dem Gross- 
logentag vorzulegen. 



- 409 — 

Nach einstimmiger Amaahme des Antrags erfolgte die 1896 
Wahl der Mitglieder des Aasschusses. Ebenso fand eine 
Vorlage des Landes - Grossmeisters, Brs. Zoellner, die den 
Entwurf eines allgemeinen Gesetzes für die zum Deutschen 
Orosslogenbund gehörigen Logen, betreffend die Entlassungs- 
scheine (Dimissorialien) enthielt, die allgemeine Zustimmung 
der Versammlung. (Bbl. 1896, XIII, 372 ff.) — 

Das Deutsche Adelsblatt, Wochenblatt für die Aufgaben 
des christlichen Adels brachte in No. 18 vom 3. Mai 1896 
einen Aufsatz mit der Ueberschrift: Welcher Schändlichkeit 
das Pariser Freimaurertum fähig ist, in dem es u. a. hiess: 
,Dass einzelne Logen des deutschen Freimaurertums sich 
rein erhalten haben, glauben wir gern, sie stehen dann aber 
auch nur in loser Verbindung mit der Centralleitung, die, 
wie mehrfach auf das Glaubwürdigste nachgewiesen ist, nichts 
Geringeres bezweckt als die Ausrottung des Christentums 
und die geheime Herrschaft über die Völker mit den gemeinsten 
Mitteln und zu den gemeinsten Zwecken^. 

Der Protektor der drei preussischen Grosslogen, Prinz 
Friedrich Leopold richtete hierüber an den Kaiser ein 
Schreiben, das am Johannisfest vom Vorsitzenden, Br. v. Roese 
mitgeteilt wurde und folgenden Wortlaut hat: 

„Jagdschloss Glienecke, den 10. Juni 1896. 
Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät erlaube 
ich mir Nachstehendes ehrerbietigst vorzutragen. 

Als ich im Februar 1894 mit Eurer Majestät Aller- 
höchster Genehmigung das Protektorat über die drei hier 
domizilirenden altpreussischen Grosslogen übernahm, hatte 
ich Gelegenheit gehabt, zu erkennen, dass — den Traditionen 
getreu — ihre Arbeiten und die Arbeiten ihrer Tochterlogen 
einzig den Zweck im Auge haben, die Liebe zu Religion und 
Sitte, zu König und Vaterland zu beleben und zu bestärken. 
Nachdem ich nunmehr länger als zwei Jahre das 
Protektorat geführt habe und ausserdem als Ordensmeister 
an die Spitze der Grossen Landesloge der Freimaurer von 
Deutschland getreten bin, kann ich jene Wahrnehmung 
nur aus vollster Ueberzeugung bestätigen. 



— 410 — 

1896 Sehr bedauerlich sind mir daher die Angriffe, wie 

sie namentlich in neuester Zeit gegen die Freimaurerei 
und ihre Zwecke, besonders in den Blättern der katholischen 
Zentrumspartei geschleudert worden, die zum Teil so 
unsinnige Mitteilungen enthalten, dass sie ein eigentümliches 
Licht auf die Intelligenz der Leser werfen, für welche sie 
geschrieben sind. 

Ganz besonders aber ist es zu beklagen, wenn sich 
das hier erscheinende Deutsche Adelsblatt, Organ der 
Deutschen Adelsgenossenschaft, zu solchen Verdächtigungen 
hergiebt, wie sie die am 18. Mai d. J. erschienene Nimimer 
desselben bringt. 

Als Protektor der drei altpreussischen Grosslogen 
halte ich für meine Pflicht, dieselben gegen derartige Ver- 
unglimpfungen, die auch zu Eurer Majestät Kenntniss 
kommen könnten, in Schutz zu nehmen. 

Das Organ der Deutschen Adelsgenossenschaft nimmt 
sich heraus, seinen Lesern eine Orgie aus einem Pariser 
socialdemokratischen Atheistenklub als Kundgebung des 
Freimaurertums und echt freimaurerischen Geistes zu er- 
zählen und zu bezeichnen. Dasselbe Blatt spricht dann 
weiter von dem vielfach verkannten giftigen Kern, der 
sich unter der harmlosen Hülle des Freimaurertums ver- 
bergen soll und fabelt von einer Zentralleitung, die nichts 
geringeres als die Ausrottung des Christentums und die 
geheime Herrschaft über die Völker mit den gemeinsten 
Mitteln und zu den gemeinsten Zwecken beabsichtigt. 

Allein schon das warme Interesse, welches die hoch- 
seligen Kaiser Wilhelm I. und Friedrich 111. der Freimaurerei 
entgegenbrachten, sollte diese gegen solche Verdächtigungen 
schützen. 

In dem Aufnahme-Ritual der Grossen Landesloge der 
Freimaurer von Deutschland heisst es in der Ansprache 
des Vorsitzenden an den Aufzunehmenden wörtlich: 

Wenn Sie als redlicher und gewissenhafter Mann 
besorgen sollten, dass in der Loge etwas geschehe, was 
gegen Gott und die Religion, gegen den König und die 



— 411 — 

• 

Regierung oder gegen die guten Sitten verstiesse, so ver- 1896 
sichere ich Ihnen aaf mein and der ganzen Loge Ehren- 
wort, dass dem nicht so ist. Reine Ehrfurcht gegen das 
höchste Wesen, Gehorsam gegen Obrigkeit und Gesetz, 
Liebe zu unseren Mitmenschen, Treue und Fleiss in unserem 
Beruf, das sind die Pflichten, die wir einem Freimaurer 
auferlegen und die Tugenden, die von ihm unzertrennlich 
sein müssen. 

In diesen Worten, wie sie ähnlich auch die Aufnahme- 
Rituale der beiden anderen hiesigen Grosslogen enthalten, 
liegt wahres Freimaurertum und echt freimaurerischer 
Geist; sie geben den Zwecken und Zielen der deutschen 
Freimaurerei den klarsten Ausdruck. — 

Im Gegensatz zu dem deutschen Adelsblatt halte ich 
gerade in der heutigen Zeit die inländischen Freimaurer- 
logen f&r besondere Pflegestätten der Religiosität und des 
Patriotismus, und erlaube mir daher aus voller Deber- 
zeugung und wärmstem Interesse für die Freimaurerei, 
wie sie in den preussischen und den deutschen Staaten 
überhaupt betrieben wird, dieselbe Eurer Majestät AUer- 
gnädigstem ferneren Schutz und Wohlwollen ehrerbietigst 
zu empfehlen. 

Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät 

unterthänigster 

Friedrich Leopold. 
Prinz von Preussen. " 

Hierauf ist aus dem Civil -Kabinet im Auftrag des 
Kaisers folgende Antwort ergangen: 

„Kiel, den 22. Juni 1896. 

An don ilofmarschall 

Sr. Königl Hoheit des Prinzen Friedrich Leopold von Preussen, 

Königl. Generalmajor z. D. Herrn Nikisch von Uoscnegk, 

Ilochwohlgeboren 

Potsdam. 

Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich im Aller- 
höchsten Auftrage ganz ergebenst zu ersuchen. Seiner 
Königlichen Hoheit, dem Prinzen Friedrich Leopold von 



— 412 — 

1896 Preussen, gerälligst zu melden, dass Seine Majestät der 
Kaiser und König aas Höchstdesselben Schreiben vom 
10. d. Mts. zn Allerhöchst ihrem Bedauern entnommen 
haben, welche ungerechten Angriffe und Verdächtigungen 
gegen die deutsche Freimaurerei das Organ der Deutschen 
Adelsgenossenschaft, das Deutsche Adelsblatt in seiner 
Nummer vom 18. Mai d. Js. gebracht hat. Seine Majestät 
haben mir zu befehlen geruht, mich mit dem Protektor 
der bezeichneten Genossenschaft, Sr. Hoheit dem Herzog 
Ernst Günther von Schleswig-Holstein dieserhalb ins Ver- 
nehmen zu setzen. Von dem Hofmarschall Seiner Hoheit 
wurde mir mitgeteilt, dass Höchstderselbe bereits mit dem 
Vorsitzenden der Genossenschaft, Grafen von der Schulen- 
burg-Beetzendorf, wegen der in der Sache zu unter- 
nehmenden geeigneten Schritte in Verbindung getreten sei. 

(gez.) V. Lucanus.'' 
(Bdsbl. 1896, XIV, 405 ff.) — 

Grosse Hoffnungen setzten die Feinde der Freimaurerei, 
insbesondere die römische Kirche, die nicht müde wurde, 
immer von Neuem die Logen als die Brutstätten des 
Unglaubens und der Unsittlichkeit, des Umsturzes von Altar 
und Thron zu kennzeichnen, auf den Antifreimaurer-Kongress, 
der zu Trient vom 16.-30. September abgehalten wurde, 
dessen Vorsitzendem und Teilnehmern Papst Leo XIII. durch 
ein Schreiben vom 2. September den apostolischen Segen 
spendete. Er spricht darin von der mit jedem Tag un- 
verschämter auftretenden Sekte der Freimaurer, die Lehr- 
sätze verwegenster Gottlosigkeit vertrete und sich auf Lüge 
und Finsterniss stütze. Decke man ihr Lügengewebe auf, 
so liege es nahe, dass alle redlich Denkenden von ihrer 
Schlechtigkeit und Verruchtheit voll Abscheu sich abwenden 
werden. — Einen Erfolg hat die Versammlung von Trient 
nicht erreicht. (Bdsbl. 1896, XVII, 522 ff. und XVIH, 546 ff.) 

Am 6. Dezember feierte die Loge zur Eintracht in 
Berlin das 25 jährige Maurerjubiläum ihres Mitgliedes, des 
National -Grossmeisters Br. Gerhardt unter ausserordentlich 
zahlreicher Teilnahme von Brm. der National- Mutterloge 



— 413 — 

und anderer Grosslogen. Der Protektor der drei preussischen 1896 
Groeslogen, Prinz Friedrich Leopold von Preossen hatte 
das folgende Handschreiben an ihn gerichtet: 

„Ehrwürdigster National- Grossmeister! 

Am Stiftungstage Ihrer Loge zur Eintracht feiern Sie 
den Tag, an welchem Sie vor 25 Jahren in der Johannis- 
löge zum aufrichtigen Herzen in Frankfurt a. 0. das 
Freimaurerlicht empfangen haben. Bald nach ihrer Ver- 
setzung nach Berlin wurden Sie durch das Vertrauen 
Ihrer Brr. an die Spitze der an Mitgliedern stärksten 
deutschen Grossloge gerufen. Durch sorgliche Führung 
haben Sie das Vertrauen und die Liebe Ihrer Brr. sich 
zu bewahren gewusst, aber auch in weiteren Brkreisen 
werden Ihre Verdienste für die freimaurerische Gesetz- 
gebung, für die würdige Vertretung der Interessen der 
befreundeten Grosslogen und für die praktische Aus- 
gestaltung der Einigungsbesirebungen der deutschen 
Johannismaurerei rühmend anerkannt. Mit Interesse habe 
ich mich selbst überzeugt, wie durch Ihren Eifer und 
Ihre Umsicht die Viktoria -Stiftung in dem Schwestem- 
hause in Dahme vorbildUch in Wirksamkeit getreten ist. 
Leider muss ich es mir versagen, an Ihrem schönen Feste 
teilzunehmen und Ihnen persönlich für Ihre freimaurerischen 
Arbeiten und Bestrebungen aufrichtig zu danken. Allen 
Festteilnehmem sende ich meinen Gruss! Ihnen, 
ehrwürdigster Grossmeister wünsche ich in Ihrem Amte 
noch eine lange wie bisher reich gesegnete Thätigkeit. 
Jagdschloss Klein-Glienecke, den 6. Dezember 1896. 

Der Protektor der drei altpreussischen Grosslogen. 
Friedrich Leopold, Prinz von Preussen*. 

(Bdsbl. 1896, XXII, 662 ff.) — 

Vier Tochterlogen wurden 1896 gegründet: zu Eschwege. 
Limburg a. d. Lahn, Witten (Ruhr) und Gross Lichterfelde. 
Bereits 1810 entstand zu Eschwege eine Loge Eintracht 
zur Acacia, die aber 1824 in Folge staatlicher Aufhebung 
der Freimaurerlogen in Kurheesen geschlossen wurde. Erst 



— 414 — 

1896 1883 traten eine Anzahl Brüder zur „Vereinigung der Frei- 
maurer in Eschwege ^ zusammen, die sich später, als ihre 
Anzahl gewachsen war, an die Grosse National -Mutterloge 
wendeten mit dem Gesuch, die Vereinigung als Tochterloge 
anzunehmen. Die Stiftungsurkunde wurde am 17. Mai 1896 
ausgestellt, die Lichteinbringung erfolgte am 4. Oktober 1896. 
(Bdsbl. 1896, XX, 603 ff.) 

In Limburg an der Lahn wurde die seit 1894 bestehende 
freimaurerische Vereinigung in die Loge zu den drei Thürmen 
an der Lahn umgewandelt. Die Lichteinbringung erfolgte 
am 11. Oktober. (Bbl. 1896, XIX, 568 ff.) 

Der am 2. Dezember 1891 unter dem Schutz der Loge 
zu den drei Rosenknospen zu Bochum für Witten und 
Umgegend gegründete Freimaurer -Verein beschloss am 
8. Oktober 1896 als selbständige Loge in den Verband der 
Grossen National- Mutterloge einzutreten. Sie wählte den 
Namen Friedrich Leopold zur Markaner Treue und wurde 
am 12. November vom Bundesdirektorium und der Grossloge 
bestätigt. Die V\^eihe fand am 15. November statt. (Bbl. 
1896, XXII, 677 ff.) 

Zu Gross-Lichterfelde bei Berlin waren im September 
1887 Mitglieder von Logen verschiedener Lehrart zusammen- 
getreten, um einen Bruderverein zu gründen. Dieser beschloss 
am 24. Oktober sich als Loge unter dem Namen Drei Lichter 
im Felde der Grossen National -Mutterloge anzuschliessen, 
die am 12. November die Stiftung genehmigte. Die Weihe 
erfolgte aber erst nach Vollendung des Logengebäudes am 
19. September 1897. (Bbl. 1897, XVIII, 503 ff.) 

Drei freimaurerische Vereine entstanden im Jahr 1896, 
der erste zu Hamburg unter dem Schutz der Loge zu Uelzen 
wurde am 18. September, der andere zu Jüterbog unter dem 
Schutz der Loge zu Dahme wurde am 10. Oktober eröffnet. 
Der dritte zu Gardelegen wurde der Loge zu Stendal unterstellt. 

Drei Logen konnten ein Bestehen von 150 Jahren feiern : 
Die Loge zu den drei Hammern in Halberstadt am 12. Januar, 
die Loge zu den drei Kronen in Königsberg in Preussen am 
16. April, die Loge Karl August zu den drei Rosen in Jena 



— 415 — 

am 14. Mai. In Königsberg wurde eigentlich das 150 jährige 1896 
Bestehen der Freimaurerei überhaupt gefeiert, indem dort 
am 16. April 1746 die Loge zu den drei Ankern gestiftet 
wurde, die während des siebenjährigen Krieges ihre Arbeiten 
einsteUen musste, und deren Mitglieder sich 1760 meist der 
Loge zu den drei Kronen anschlössen und ihr die sämmtlichen 
Akten der drei Anker übergaben. Zur Erinnerung an die 
Feier 1896 gab die Loge zu den drei Kronen eine vom Br. 
Kienast verfasste Schrift heraus: Qaellenkritische Beiträge 
zur Geschichte der Loge zu den drei Kronen, und Hess eine 
Denkmünze prägen, die auf der einen Seite das Bildniss des 
Prinzen Friedrich Leopold von Preussen, auf der anderen 
das Abzeichen der Loge trägt. Zwei dieser Denkmünzen 
wurden in Gold ausgeführt, deren eine dem Kaiser, die andere 
dem Protektor überreicht wurde. Der letztere dankte dafür 
durch folgendes Schreiben: 

,An die Loge zu den drei Kronen zu Königsberg i. Pr. 

Meinen Dank spreche ich den Mitgliedern Ihrer alt- 
ehrwürdigen Johannisloge zu den drei Kronen aus für die 
Uebersendung der künstlerisch ausgeführten Denkmünze. 
Mit Interesse habe ich die quellenkritischen Beiträge des 
Brs. Kienast zur Geschichte Ihrer Loge eingesehen und 
hoffe, dass solche dankenswerte Forschungen von allen 
Logen mit gleichem Eifer betrieben werden, damit wir 
ein klares Bild von dem Leben der deutschen Freimaurer 
erlangen. Die Notiz dürfte allgemeines Interesse erregen, 
dass in Ihren ältesten Logenlisten der damalige Gouverneur 
der Feste Königsberg, der spätere russische Feldmarschall 
Suworow als Ihr Mitglied sich eingezeichnet hat und 
als Br. thätig gewesen ist. 

Besonders erfreut haben mich die schönen Worte, 
mit denen Br. Kienast den Anfang einleitet, dass der 
Freimaurer jederzeit seinen Stolz darin setzt, treu und 
fest wie ein Fels zu stehen zu seinem Kaiser und seinem 
Herrscherhause, und die Aufforderung, mit der das Werk 
schliesst, dass wir dafür sorgen wollen, dass die maurerische 



— 416 — 

1886 Einigkeit gefestigt und gefördert werde. Dann wird auch 
die Hand des höchsten B. a. W. unsere Maurerei segnen 
und unsere Arbeit gedeihen lassen durch alle Zeit. 
Jagdschloss Klein -Glienecke, den 13. November 1896. 

Der Protektor der drei altpreussischen Grosslogen. 
Friedrich Leopold, Prinz von Preussen." 
(Bbl. 1896, XII, 337 flf. und 1897, I, 32 ff.) 

Die Feier des 100 jährigen Bestehens begingen die Logen 
zur Wahrheit in Prenzlau am 8. März, und zur deutschen 
Redlichkeit in Iserlohn am 29. November. (Bbl. 1896, VII, 
186 ff. und 1897, ü, 45 ff.) 

Die Loge Blücher zur Wahlstatt in Charlottenburg 
feierte das 75. Stiftungsfest am 15. Februar, die Loge Adamas 
zur heiligen Burg in Burg am 29. November. Ebenso beging 
die Loge Astraea in Wolmirstedt, die am 1. Mai 1821 gegründet 
war, im Jahr 1896 das 75. Stiftungsfest. (Bbl. 1896, VI, 
159 ff. und 1897, I, 30 ff.) 

Zu Stargard i. P. wurde der neuerbaute Tempel der 
Loge Julius zur Eintracht am 8. November geweiht. (Bbl. 
1896, XXn, 684 ff.) 

Die Wirksamkeit der Logen-Gauverbände, in denen sich 
meist das Streben geltend machte, die deutsche Freimaurerei 
ohne Eingriff in das geschichtlich entwickelte maurerische 
Recht zu grösserer Einigung zu führen, wurde mit jedem 
Jahr fühlbarer. 

Am 12. September fand zu Hamburg die zweite Ver- 
sammlung von Vertretern deutscher Logenverbände statt, 
von denen aber nur sieben ihre Abgeordneten entsendet hatten. 
Es wurde mitgeteilt, dass innerhalb eines Jahres sich vier neue 
Verbände gebildet hätten, so dass in nahezu 20 Gauverbänden 
oder ähnlichen Vereinigungen 150 anerkannte deutsche Logen 
vertreten wären. Der Vorsitzende Br. Fischer-Gera hob 
hervor, dass die Gauverbände das Einigungswerk der Gross- 
logen keineswegs hindern, sondern nach Möglichkeit fördern 
und beschleunigen, zum wenigsten die Bestrebungen nach 
Einigung in stetigem Fluss erhalten wollten. (Bbl. 1896, 
XVn, 517 ff.) 



— 417 - 

Bedeutsam war die Kundgebung des rheinisch -west- 1896 
falischen Logen Verbandes, der sein 16. Verbandsfest vom 26. bis 
28. September zu Elberfeld beging. Einmütig wurde hier be- 
schlossen, den drei preussischen Grosslogen folgende Kund- 
gebung zu übersenden : Der in Elberfeld tagende rheinisch-west- 
fälische Logen verband spricht den drei vereinigten preussischen 
Grosslogen brüderlich herzlichen Dank aus für ihre erneuten 
Bestrebungen zur Einigung der deutschen Maurerei und 
giebt zugleich der Hoffnung Ausdruck, dass die bevorstehenden 
Beratungen zu dem von der Mehrzahl der deutschen Maurer 
erwünschten Ziele führen werden. 

Mit den bevorstehenden Beratungen waren die des 
Ausschusses gemeint, der vom Grosslogentag 1895 ernannt 
war und Vorschläge zur weiteren Ausgestaltung des deutschen 
Grosslogenbundes machen sollte. Diese Beratungen fanden am 
25. Oktober 1896 ihren Abschluss. 

Der am 1. November 1896 zu Danzig abgehaltene Tag 
des westpreussisch-pommerschen Logenverbandes gab dem 
Streben nach Einigung insofern Ausdruck, als er erklärte, 
dass derjenige Br., der seinen Wohnsitz an einen andern 
Ort verlegt, an welchem eine zum Grosslogenbund gehörige 
Loge sich befindet, verpflichtet werden müsse, sich dieser 
Loge als ständig besuchender Br. anzuschliessen. 

Der Geburtstag des Kaisers wurde am 27. Januar im 1897 
Bundeshans der Grossen Loge Royal York von den drei 
preussischen Grosslogen im Verein mit Brüdern andrer Lehr- 
arten in gewohnter Weise gefeiert. 

Am 22. März wurde die hundertjährige Wiederkehr des 
Geburtstages Kaisers Wilhelm I. seitens der drei preussischen 
Grosslogen in den Räumen der Grossen Loge Royal York 
zur Freundschaft durch ^'emeinsame Festarbeit unter 
Beteiligung der Grossmeister und überaus vieler Brr. aller 
Lehrarten festlich begangen. 

Im Jahr 1S97 begannen die von Settegast gegründeten 
Logen zuerst ungünstig auf das gegenseitige Verhältniss der 
deutschen Grosslogen einzuwirken. 

ü»ich. d. Or. Nat-Mottcr-Lof«. 27 



- 418 — 

1897 Die Settegast- Logen empfanden es unangenehm, dass 

ihnen von den deutschen Freimaurerlogen Anerkennung ver- 
sagt blieb. In der zu Breslau eingerichteten Settegast -Loge, 
die sich Hermann zur Beständigkeit nannte, wurde der Wunsch, 
den Freimaurerlogen eingefügt zu werden, so dringend, dass 
sie ihre Entlassung aus der Verbindung der sog. Grossloge 
Friedrich zur Bundestreue erwirkte und mit der Grossloge 
des Eklektischen Bundes zu Frankfurt a. M. behufs ihrer 
Angliederung in Unterhandlung trat. Im Allgemeinen schien 
es für die Freimaurerei gegenüber der Aussenwelt von Nutzen, 
wenn es gelang, die Settegast -Logen in Freimaurerlogen 
umzugestalten, ohne dabei das bestehende Recht offen zu 
verletzen, aber die Frankfurter Grossloge fand nicht den 
richtigen Weg dazu. Dass die Vereinigung Hermann zur Be- 
ständigkeit keine anerkannte Freimaurerloge war, stand fest, 
sie führte die Bezeichnung Loge nur kraft des Urteils des Ober- 
verwaltungsgerichts vom 22. April 1893. Mithin hätten bei 
weitem die meisten Mitglieder der Vereinigung, wenn die 
Gesetze des Grosslogenbundes innegehalten werden sollten, 
als Suchende in einer Tochterloge des Eklektischen Bundes 
aufgenommen werden müssen. Da vorauszusehen war, dass 
die Mitglieder der Settegast -Loge darauf nicht eingehen 
würden, hätte der Versuch einer Verständigung insbesondere 
mit den drei preussischen Grosslogen, deren jede in Breslau 
eine Tochterloge besitzt, gemacht werden müssen, um über 
diese Schwierigkeit hinwegzukommen. Vielleicht fand die 
Frankfurter Grossloge ihrer Würde einen solchen Versuch 
nicht angemessen, wenigstens zog sie es vor, der Grossen 
National -Mutterloge am 5. April 1896 kurz mitzuteilen, dass 
sich die Loge Hermann zur Beständigkeit in Breslau bei 
der grossen Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes 
zur Annahme gemeldet habe. Darauf konnte das Bundes- 
direktorium am 6. Mai 1896 nur antworten, dass eine nach 
§ 4 des Statuts des deutschen Grosslogenbundes anerkannte 
Loge Namens Hermann zur Beständigkeit in Breslau nicht 
bestände. Auf dies Schreiben erklärte die Frankfurter Gross- 
loge am 17. Juni 1896, sie habe beschlossen, diese Vereinigung 



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(Hermann zur Beständigkeit) neu zu konstituiren als eine 1897 
gerechte und vollkommene Johannisloge des eklektischen 
Bandes unter Beibehaltung des Namens Hermann zar 
Beständigkeit. Hierauf antwortete das Bundesdirektorium, 
es nehme an, die Frankfurter Grossloge werde nur aus den 
Mitgliedern der Vereinigung Hermann zur Beständigkeit, die 
von einer anerkannten Loge aufgenommen wären, eine 
Loge neu konstituiren. In diesem Fall bestehe kein 
rechtliches Bedenken gegen die Gründung einer Johannis- 
loge in Breslau, wohl aber widerstrebe ihr die dort befindliche 
Tochterloge der Grossen National -Mutterloge. 

Die Frankfurter Grossloge beabsichtigte dagegen, die 
Umwandlung so vorzunehmen, dass diese alle Mitglieder der 
Vereinigung in sich begrifP. In ihrem Schreiben vom 
29. September 1896 fügte sie hinzu: „Es ist selbstverständlich, 
dass wir dabei diejenigen Formen beobachten werden, die 
unseren Gesetzen und damit auch unserem Bundesverhältniss 
entsprechen. — Die näheren Modalitäten glauben wir als 
eine innere Angelegenheit unserer Grossloge betrachten zu 
müssen". In Uebereinstimmung mit den beiden anderen 
berliner Grosslogen schrieb das Bundesdirektorium am 
28. November 1896, dass die Umwandlung offenbar nichts 
anderes sein sollte als eine Annahme. Eine deutsche Gross- 
loge könne aber nur eine anerkannte Freimaurerloge 
ihrem Bund durch Annahme zuführen, ebenso wie eine 
deutsche Johannisloge nur in einer anerkannten Johannis- 
loge Aufgenommene durch Annahme ihrer Kette anschliessen 
könne. Die Umwandlung der unter dem Namen Hermann 
zur Beständigkeit in Breslau bestandenen Vereinigung in 
eine Johannisloge des eklektischen Bundes könne demnach 
nicht als nach maurerischem Recht erachtet werden. — Eine 
gleiche Zuschrift wurde dt»r Frankfurter Grossloge von den 
beiden andern berliner Grosslogen zu Teil. 

Inzwischen hatte die Frankfurter Grossloge ihren Plan 
ausgeführt. Am 22. November 1896 wurde in Breslau eine 
sogenannte Delegationsloge des eklektischen Bundes abgehalten, 
in der diejenigen Mitglieder der Vereinigung Hermann rar 



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1897 Beständigkeit, die nicht anerkannten Logen angehörten, in 
den eklektischen Bond als Freimaurer aufgenommen wurden, 
und alsdann wurde die neue eklektische Bundesloge 
Hermann zur Beständigkeit „in Arbeit gesetzt". 

Hierdurch war das allgemeine Aufnahmegesetz, das 
auch für die Frankfurter Grossloge gilt, verletzt. Denn 
dies Gesetz kennt nur die Aufnahme Suchender in eine 
bestimmte Johann isloge. Eine Grossloge kann weder 
unmittelbar noch durch eine Delegationsloge Nichtmaurer 
als Freimaurer aufnehmen. Da demgemäss die dreipreussischen 
Grosslogen die Anerkennung verweigerten, und ihre breslauer 
Tochterlogen jeden Verkehr mit der neuen Loge ablehnten, 
beschloss die Grossloge von Frankfurt Beschwerde wegen 
Verletzung des Statuts des deutschen Grosslogenbundes 
sowie wegen des beleidigenden und verletzenden Vorgehens 
gegenüber der Grossen Mutterloge des eklektischen Bundes, 
bezw. deren Tochterlogen zu erheben und den Antrag auf 
Einberufung eines ausserordentlichen Grosslogentags zu 
stellen. Diesen Antrag zog die Frankfurter Grossloge indess 
zurück, während der geschäftsführende Grossmeister Br. 
Zoellner sämmtliche deutsche Grossmeister zum 17. April 
1897 zur Beratimg der Angelegenheit nach Berlin berief. 
Das Ergebniss war, dass sämmtliche Grossmeister (der von 
Sachsen war abwesend) einmütig übereinkamen, die Grosse 
Mutterloge des Eklektischen Bundes zu ersuchen, folgenden 
Antrag beim Grosslogentag einzubringen: Die Grosse 
Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes zieht ihre 
Beschwerde gegen die drei preussischen Grosslogen zurück 
und beantragt, der Grosslogentag wolle beschliessen: „Die 
Neukonstituirung der Loge Hermann zur Beständigkeit in 
Breslau als eine Tochterloge der Grossen Mutterloge des 
Eklektischen Freimaurerbundes anzuerkennen, obschon 
dabei die Bestimmungen der Bundesgesetze nicht 
überall beobachtet worden sind. 

Die Frankfurter Grossloge konnte nicht verkennen, 
dass hiermit der einzig mögliche Weg zur friedlichen 
Beilegung des Streitfalles und zur Vermeidung einer Sprengung 



— 421 — 

des deutschen Grosslogenbundes gefanden wäre, and stellte 1897 
in der That diesen Antrag, durch den sie das Ungesetzliche 
ihres Verfahrens in Breslau eingestand, beim Grosslogentag, 
der am 6. Juni 1897 zu Bayreuth abgehalten wurde. 
Er wäre vermutlich einstimmig angenommen und damit der 
Zwist beseitigt worden, wenn die Frankfurter Grossloge es 
sich versagt hätte, in die Niederschrift über ihre Sitzung, 
in der sie den Antrag einzubringen beschloss, den Satz 
aufzunehmen: „Die Grosse Mutterloge ist nach vne vor der 
Ansicht, dass sie bei Neukonstituirung der breslauer Loge 
die Gesetze des Bundes, soweit sie überhaupt sinngemäss 
Anwendung auf den vorliegenden Fall finden können, nicht 
verletzt hat^. Die Grossloge Royal York wurde dadurch 
veranlasst, gegen Annahme des frankfurter Antrags zu 
stimmen, und die Grosse Landesloge von Deutschland schloss 
sich ihr an. Die Grosse National -Mutterloge zu den drei 
Weltkugeln hatte dem Antrag zugestimmt, weil sie das 
Verschwinden der Settegast- Logen für nützlich hielt. Obwohl 
ihre Tochterloge in Breslau von der Loge Hermann zur 
Beständigkeit nichts wissen wollte, hätte sie zum Wohl der 
gesammten deutschen Freimaurerei, nicht aber um der 
Frankfurter Grossloge entgegenzukommen, die Anerkennung 
ausgesprochen. Ihr genügte, dass in dem Frankfurter Antrag 
die Ungesetzlichkeit vor dem Grosslogentag eingestanden war. 
Da aber das Statut des Grosslogenbundes Einstimmigkeit 
verlangt, wurde diese Anerkennung unmöglich. Die versöhn- 
liche Stimmung der Grossen National -Mutterloge kam indess 
in der Vierteljahrs -Sitzung am 9. Dezember zu deutlichem 
Ausdruck durch Annahme der folgenden vom National- 
Grossmeister Br. Gerhardt vorgeschlagenen Erklärung: 

Die Grossloge beklagt es mit der Ehrwürdigsten 
Grossen Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes, 
dass die aus Neukonstituirung der Johannisloge Hermann 
zur Beständigkeit im Orient Breslau entstandenen 
Differenzen nicht auf dem in der Konferenz der deutschen 
Grossmeister einmütig vorgeschlagenen Weg ihre Erledigung 
gefunden haben, sieht sich aber bei der nun einmal 



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1897 bestehenden Rechtslage im deutschen Grosslogenbund 
ausser Stande, ihrerseits jene Johannisloge anzuerkennen, 
80 lange die dissentirenden beiden Grosslogen ihren 
Widerspruch gegen den Beschluss des deutschen Gross- 
logentags aufrecht erhalten. Dass die Verfassung des 
deutschen Grosslogenbundes auch in einem solchen Fall 
wie dem vorliegenden nicht die Möglichkeit bietet, über 
den Widerspruch Einzelner im Interesse des Ganzen 
hinwegzukommen, darin findet die Grossloge einen Grund 
mehr för die Notwendigkeit einer Reform jener Verfassung. 
(Bdsbl. 1897, VllI, 209 «f., IX, 245 f., XIII, 371 fif., 1898, 1,4fif.) 
Am 30. Mai wurde die gesetzgebende Versammlung ab- 
gehalten, in der der Entwurf eines allgemeinen Gesetzes für 
die zum deutschen Grosslogenbund gehörigen Logen, 
betreffend die Entlassungsscheine einstimmige Annahme fand. 
In der sich anschliessenden Grosslogen - Sitzung berichtete 
das Mitglied des Bundesdirektoriums, Br. Dahms, über 
Eingänge von Beiträgen für die Neubearbeitung der 
Instruktionen, die das Bundesdirektorium im Herbst 1896 
beschlossen hatte, und über seine eigenen Vorschläge hierzu. 
Von 16 Tochterlogen waren sorgfältige und ausführliche 
Gutachten eingesendet, welche die verschiedenen Meinungen 
und Wünsche für die Umgestaltung der Instruktionen darlegten. 
Nachdem Br. Dahms hierüber zunächst berichtet hatte, gab 
er in sehr eingehendem Vortrag die Geschichte der Ent- 
stehung und Entwicklung der Instruktionen und stellte als 
allgemeinen Gesichtspunkt für ihre Erneuerung den Satz auf: 
ihr allgemeiner Charakter ist sorgfältig zu bewahren ; zurück- 
zuweisen ist die Forderung einer systematisch geordneten 
Lehre. Dem in einem Gutachten ausgesprochenen Wunsch, 
man möge die Instruktion den Brüdern selbst in die Hand 
geben als ein Lehrbuch, aus dem sie sich über das Wesen der 
Freimaurerei unterrichten, konnte er sich eben so wenig an- 
schliessen wie einem anderen: die Grossloge möge eine Art 
maurerisches Vorbereitungsbuch herausgeben, das für Nicht- 
maurer zur Kenntnissnahme, für Suchende zur Vorbereitung 
bestimmt wäre. 



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Angenommen iwurden in dieser Sitzung zwei von der 1897 
Loge Bruderbund am Fichtenberge im Orient Steglitz 
gestellte Anträge, die eine weitere Verbreitung des Bundes- 
blattes bezweckten. Demnach sollte jede Tochterloge ein 
Freiexemplar des Bundesblattes erhalten und verpflichtet 
sein, noch ein zweites bezahltes Exemplar zu beziehen. 
Ferner sollte der Preis von 10 Mark jährlich auf 8 Mark 
herabgesetzt werden, wenn von einer Loge mindestens f&nf 
bezahlte Exemplare, und auf 6 Mark, wenn deren zehn und 
mehr bezogen würden. (Bdsbl. 1897, XII, 309 f. und XIII, 
341 ff.) — 

Von hervorragender Bedeutung für die Entwicklung der 
deutschen Freimaurerei schienen die Verhandlungen des 
Grosslogentags werden zu sollen, die am 6. Juni zu Bayreuth 
stattfanden. 

Der vom Grosslogentag 1896 eingesetzte Ausschuss für 
Vorschläge zur weiteren Ausgestaltung des deutschen Gross- 
logenbundes hatte am 25. Oktober 1896 abermals einen 
Nachtrag zum Statut des deutschen Grosslogenbundes ent- 
worfen und einstimmig angenommen, der in 4 Abschnitten 
die für das Gedeihen des Grosslogenbundes notwendigen 
Bedingungen enthielt. Nach Abschnitt 1 besteht der Gross- 
logentag aus den acht Grossmeistern und aus Abgeordneten, 
die von den Johannislogen gewählt werden, und deren 
Gesammtzahl 32 beträgt; und zwar wählen die Grosse National- 
Mutterloge und die Grosse Landesloge von Deutschland je 6, 
die Grossloge Royal York 5, die Grosse Landesloge von 
Sachsen 4, die von Hamburg, vom Eklektischen Bund und 
von Bayreuth je 3 und die von Darmstadt 2 Abgeordnete. 
Wenn die fünf unabhängigen Logen in den Grosslogenbund 
eintreten, erhalten sie 2 Abgeordnete, und die beiden ältesten 
preussischen Grosslogen zur Ausgleichung je 1 Abgeordneten 
mehr. Die Abgeordneten stimmen lediglich nach ihrer freien 
Ueberzeugung. Nach Abschnitt 2 fasst der Grosslogentag 
seine Beschlüsse mit einfacher Mehrheit; soweit sie sich 
jedoch auf Abänderung des Statuts des deutschen Grosa- 
logenbundes oder auf die gesetzliche Regelung der äusseren 



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1897 manrerischen Verhältnisse beziehen, mit einer Mehrheit von %. 
Diese letzteren Beschlüsse erlangen Gesetzeskraft, sobald 
sie von % der deutschen Grosslogen angenommen sind. 
Eine Abänderung der Bestimmung über die Selbständigkeit 
der deutschen Grosslogen hinsichtlich ihrer Lehre, ihres 
Rituals und ihrer Verfassung, sowie eine Abänderung des 
Statuts des deutschen Grosslogenbundes ist jedoch nur mit 
Zustimmung aller deutschen Grosslogen zulädsig. Abschnitt 
3 und 4 handeln von Einbringen von Anträgen und von 
Bestreitung der Kosten. 

Diese Vorlage schien alle Hindernisse, die der Einigung 
der deutschen Freimaurerei bisher entgegengestanden hatten, 
zu beseitigen. Denn die Johannislogen erhielten auf dem 
Grosslogentag eine Vertretung, die ihnen unter 40 Stimmen 
32 zuwies. Der bindende Auftrag der Abgeordneten wurde 
durch Abstimmung nach Ueberzengong ersetzt. Die Abstimmung 
sollte nicht mehr nach Grosslogen, sondern nach Köpfen 
stattfinden. Endlich war die Vorschrift beseitigt, dass 
gültige Beschlüsse einstimmig gefasst sein mussten; einfache 
Mehrheit war jetzt entscheidend. Dabei war die volle 
Selbständigkeit jeder Grossloge in Lehre, Ritual und Ver- 
fassung dadurch gewährleistet, dass die Zustimmung aller 
deutschen Grosslogen zu Aenderungen auf diesen Gebieten 
erfordert wurde. Wenn man femer erwägt, dass nach 
der üebersicht von 1895/96 die Gesammtzahl der Freimaurer 
in Deutschland 45 669 betrug, von der 31 177 auf die Mit- 
glieder der drei preussischen Grosslogen fielen, so dass für 
die 5 andern Grosslogen und die 5 unabhängigen Logen nur 
14 429 übrig blieben, so leuchten das Gemeingefühl und die 
Selbstverleugnung hervor, womit die drei preussischen Gross- 
logen auf ihre überwältigende Mehrheit verzichteten, indem 
sie von den 40 Stimmen des Grosslogentags (8+32) nur 
die Hälfte, 20 Stimmen (3+6+6 + 5) in Anspruch nahmen. 
Der Furcht vor üeberstimmung der kleineren Grosslogen 
war damit der Boden entzogen. 

Aber als es zur Abstimmung über diese Vorlage kam, 
wurde sie von zwei Grosslogen, Hamburg und Frankfurt a. M. 



— 425 — 

abgelehnt, während 6 Grosslogen sie annahmen. Damit war 1897 
dies Werk treuester Hingebung und opferwilliger Entsagung 
wiederum gefallen. Die Vorschrift der Einstimmigkeit liess 
die Hoffnungen der deutschen Freimaurer abermals ver- 
sinken. Denn es war vorauszusehen, dass die acht Gross- 
logen, denen die Beschlüsse des Grosslogentags zur endgültigen 
Entscheidung unterbreitet werden mussten, ebensowenig wie 
der Grosslogentag zu einer einmütigen Annahme des Nachtrags 
gelangen würden. (Bbl. 1897, 1, 5 ff . und Xlll, 375 ff.) — 

Dagegen fand der Entwurf eines allgemeinen Gesetzes 
über die Entlassungsscheine einstimmige Genehmigung des 
Grosslogentags. Er wurde am 30. Juni als Gesetz vom 
Bundesdirektorium verkündet. (Bbl. 1897, XIV, 389 f.) 

Der zu Hamburg 1896 gestiftete freimaurerische Verein 
unserer Lehrart wurde am 14. April 1897 in eine Johannisloge 
unter dem Namen Vom Fels zum Meer umgewandelt. Die Licht- 
einbringung erfolgte am 16. Mai 1897. (Bbl. 1897, XIV, 397 ff.) 

Am 30. April 1894 waren zu Freiburg i. B. eine Anzahl 
Brüder zusammengetreten, um einen freiraaurerischen Verein 
zu bilden, der am 24. Juni 1894 unter dem Namen Friedrich 
zur Treue errichtet wurde. Durch die Opferwilligkeit der 
Mitglieder gelang es, diesen Verein im Jahr 1897 in eine Loge 
umzugestalten. Die Stiftungsnrkunde wurde vom Bundes- 
direktorium am 30. Mai 1897 vollzogen. Die Lichteinbringung 
erfolgte am 4. April 1898. (Bbl. 1898, Xll, 273 ff.) 

Zu Honnef a. Rh. bildete sich ein Freimaurer-Verein, 
der am 11. März vom Bundesdirektorium genehmigt und der 
Aufsicht der Loge Minerva-Rhenana zu Köln a. Rh. unter- 
stellt wurde. (Bbl. 1897, VHl, 226.) 

Die Loge zu den drei eisernen Bergen in Siegen feierte am 
5. Dezember das Fest ihrer vor 75 Jahren erfolgten Stiftung. — 

Die Logen -Gauverbände, deren bereits 18 bestanden, 
entwickttlten eine rege Thätigkeit. Zu den vorhandenen 
Verbindungen traten neue hinzu: Am 10. Januar 1897 erfolgte 
die Gründung des Gau Verbandes des Fulda -Werra-Leinethals, 
dem die Logen zur Eintracht und Beständigkeit in Kassel 
sowie die Logen zu Göttingen, Heiligenstadt und Münden 
angehörten. (BW. 1897, V, 144 f.) 



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1897 Am 9. Mai wurde unter Führung der Loge zu den drei 

Kronen in Königsberg i. Pr. die Gründung eines Logen- 
Gauverbandes für Ostpreussen beschlossen, dem ausser den 
drei Königsberger Logen die von Allenstein, Bartenstein, 
Braunsberg, Gumb innen, Insterburg, Memel, Osterode, 
Rastenburg und Tilsit beitraten. (Bbl. 1897, XII, 336 fif.) Die 
Logen zu Perleberg, Rathenow, Salzwedel, Stendal, Uelzen 
und Wolmirstedt tbaten sich zur Bildung eines Gauverbandes 
der Altmark zusammen. (Bbl. 1897, V, 145.) 

Am 8. Mai versammelten sich die Vertreter der 
pommerschen Logen aus allen drei preussischen Gross- 
logen in Stettin. Einziger Gegenstand der Besprechung 
bildete der dem Grosslogentag zu unterbreitende Nachtrag 
zum Statut des Deutschen Grosslogenbundes. Einstimmig 
war man der Ansicht, dass der Vorschlag des Ausschusses 
angenommen werden müsse, und dass die in ihm festgestellte 
Vertretung der preussischen Grosslogen durch die gleiche Zahl 
von Abgeordneten, wie sie den fünf anderen gewährt war, 
dass äusserste Zugeständniss sei, das gemacht werden könnte. 

Am 18. September fand zu Koburg die dritte Versammlung 
der Vertreter deutscher Logen-Gauverbände statt. Auch hier 
wurde über die Einigung der deutschen Freimaurerei ver- 
handelt, insbesondere die Gleichberechtigung und Gleich- 
achtung der verschiedenen deutschen Logensysteme erörtert. 

Am 18. und 19. September hielt ebenfalls in Koburg 
der Verein deutscher Freimaurer seine 35. Jahresversammlung 
ab. Br. Rittershaus in Barmen, seit 1879 Vorsitzender 
dieses Vereins, war am 8. März 1897 gestorben. — In den 
Verhandlungen wurde hervorgehoben, dass die Bedeutung 
der Gauverbände hauptsächlich darin liege, dass sie das 
Einigungswerk allmählich aber nachhaltig fördern, da die 
Gauverbandsbewegung der mächtig wirkende Ausdruck des 
Willens der deutschen Brüder sei, endlich zur Einigung zu 
gelangen. (Bbl. 1897, XIX, 646 «. XX, 564 ff.) 

Am 17. Oktober trat der westpreussisch-poramersche 
Logenverband zu seiner 6. Jahressitzung in Danzig zusammen. 
Der zweite Punkt der Tagesordnung handelte von der Einigung 



— 427 — 

der deutschen Freimaurerlogen. Die Ueberzeugung kam zum 1897 
Ausdruck, dass die Notwendigkeit einer Umgestaltung des 
deutschen Grosslogenbundes besonders daraus hervorgehe, 
dass trotz des Verzichtes der drei preussischen Grosslogen 
auf die ihnen zustehende Stimmenzahl der Nachtrag zum 
Statut des deutschen Grosslogenbundes abgelehnt sei. (Bbl. 
1897, XIX, 544 ff.) 

Am 2. Juni übernahm an Stelle des Brs. Sellin, der 
Berlin verlassen hatte. Er. Dr. Diercks die Leitung des 
Bundesblattes. 

Am 2. September starb zu Wiesbaden im Alter von 
92 Jahren der Wirkliche Geheime Kriegsrat Br. Bornemann. 
Er war 1845 in den Bund eingetreten, dem er bis zu seinem 
Lebensende zugethan blieb. 1862 wurde er Mitglied des 
Bundesdirektoriums. Von 1869 — 1873 ist er zugeordneter 
National 'Grossmeister gewesen. 1873 verlegte er seinen 
Wohnsitz nach Wiesbaden, wo er einer der Mitstifter der 
Loge HohenzoUem wurde. (Bdsbl. 1897, XVI, 451 ff.) 

Die gemeinsame Festloge zur Feier des Geburtstages 1808 
des Kaisers am 27. Janaar seitens der drei preussischen 
Grosslogen und der anderen Lehrarten zugehörigen berliner 
Johannislogen Friedrich zur Gerechtigkeit, Hammonia zur 
Treue, Friedrich Ludwig Schroeder und Galilei zur ewigen 
Wahrheit wurde im Bundeshaus der Grossen National-Mutter- 
loge zu den drei Weltkugeln in üblicher Weise gehalten. 

Sehr bewegt gestalteten sich die Verhandlungen der 
gesetzgebenden Versammlung, die am 15. Mai 1898 stattfand. 
Hauptgegenstand war der Nachtrag zum Statut des deutschen 
Grosslogonbundes. Der Vorsitzende Meister der Loge zu 
Eberswalde, Br. Schroeter, der als Abgeordneter an den 
Grosslogentagen teilnahm, hatte einen eingehenden Bericht 
zu dem Antrag des Bundesdirektoriums: dem Nachtrag 
zuzustimmen, erstattet. (Bbl. 1898, IX, 180 ff.) In diesem 
Bericht gab er zunächst eine Uebersicht der Eünigungs- 
Bestrebungen bis 1872, die nach Ablehnung des sogenannten 
Eisenacher Entwurfs (vom 25. Oktober 1891) auf dem Gross- 



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1896 logentag zu Dresden 1893 einige Jahre geruht hatten, da 
die Settegast- Gründung den Grosslogentag in Anspruch 
nahm. Erst auf dem Grosslogentag zu Berlin 1896 brachte 
der National -Grossmeister Br. Gerhardt die Einigungs- 
Bewegung wieder in Fluss durch den Antrag: 

Der Grosslogentag wolle einen Ausschuss von 8 Mit- 
gliedern ernennen mit dem Auftrag, aufs Neue Vorschläge zu 
machen zur weiteren Ausgestaltung des Grosslogenbundes. 
Dem Antrag wurde zugestimmt, und der vom Ausschuss 
am 25. Oktober 1896 festgestelle Vorschlag eines Nachtrags 
zum Statut des Grosslogenbundes kam auf dem Grosslogen- 
tag 1897 zu Bayreuth zur Verhandlung, wo er gegen die 
Stimmen von Hamburg und Frankfurt angenommen wurde. 
Der Bericht führt weiter aus, dass der Widerstand gegen 
die Einigung auf dem sogenannten Partikularismus beruhe, 
der es einzelnen Grosslogen erschwere, sich auch nur unter 
geringster Verzichtleistung auf ihre Sonderheit einem grösseren 
Ganzen einzureihen, sich einer wenn auch selbst geschaffenen 
Macht zu unterstellen; und diese Sondersucht lasse sie 
dann nach Gründen für die Rechtfertigung ihres Verhaltens 
suchen. Einen solchen Grund brächten die Gegner vor, 
wenn sie die Bündnissföhigkeit von einer vorhergehenden 
Einigung über die maurerischen Grundsätze abhängig machten, 
wenn sie verlangten, dass das sogenannte christliche Prinzip 
und die sogenannten Hochgrade aufgegeben werden sollten. 
Die Gegner setzten dadurch das Ergebniss an die Stelle 
der Vorbedingung und bewiesen eine Unduldsamkeit, die 
mit dem Wesen und den Lehren der Freimaurerei schlechter- 
dings nicht in Einklang zu bringen sei. Zum Schluss 
empfiehlt der Bericht dringend die einstimmige Annahme 
des Antrags des Bundes -Direktoriums. — 

Dieser wurde nicht nur einstimmig angenommen, sondern 
es fand auch eine vom Br. Ritschl-Stettin vorgeschlagene 
Erklärung einmütige Zustimmung, durch die das Bundes- 
Direktorium aufgefordert wurde, falls der Nachtrag endgültig 
vom Grosslogentag abgelehnt würde, im Sinn seiner bisherigen 
Bestrebungen dahin zu wirken, dass innerhalb des deutschen 



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Grosslogenbandes ein engerer Zusammenschluas derjenigen 1896 
Grosslogen herbeigeführt werde, welche das BedOrfniss 
einer innigeren Einigung der deutschen Freimaurerei an- 
erkennen. 

In der an die gesetzgebende Versammlung sich an- 
schliessenden Sitzung der Grossloge machte Br. Dahms 
nähere Mitteilungen über die Neubearbeitung der Instruktion 
des Lehrlingsgrades. — Ein auf dem Grosslogentag 1896 
gefasster Beschluss: 

Der Grosslogentag ersucht die einzelnen Grosslogen, 
dahin zu wirken, dass die Beiträge der einzelnen Logen 
an die Viktoria-Stiftung reichlicher iliessen, 
wurde vom National -Grossmeister begründet, der den Bm. 
ans Herz legte, nach Kräften dafür zu sorgen, dass dem 
Beschluss des Grosslogentags entsprochen werde. (Bbl. 
1898, IX., 181 fif. und XL, 249 ff.) — 

Die Sitzung des deutschen Grosslogentags wurde am 
29. Mai im Bundeshaus der Grossloge Royal York zu Berlin 
abgehalten. 

Der wichtigste Gegenstand der Tagesordnung, die end- 
gültige Beschlussfassung über den Nachtrag zum Statut des 
deutschen Grosslogenbundes wurde ohne weitere Besprechung 
durch Abstimmung erledigt. Fünf Grosslogen stimmten dafür, 
drei, die von Hamburg, Frankfurt a. M. und Bayreuth, dagegen. 
Somit war der Antrag gefallen. Der National-Grossmeister 
der drei Weltkugeln, Br. Gerhardt, gab hierauf Kenntniss 
von den für diesen Fall gefassten Beschluss der gesetz- 
gebenden Versammlung der Grossen National-Mutterloge zu 
den drei Weltkugeln. 

Von der Liste der anerkannten Grosslogen wurde die 
von Peru gestrichen, weil sie die Be.seitigung der Bibel vom 
Altar der ihr unterstellten Logen vor Kurzem angeordnet 
hatte. 

Da der Tochterloge des Eklektischen Bundes, Hermann 
zur Beständigkeit in Breslau, die Anerkennung seitens der 
drei preussischen Grosslogen noch versagt blieb, wurde 
behufs friedlicher Beilegung dieser Angelegenheit ein Schieds- 



— 430 — 

ld9& gericht von drei Personen, den Brm. Wiebe (Hamburg), 
Erdmann (Sachsen) und Weber (Darmstadt) eingesetzt, 
dessen Urtheil sich zu fügen die beteiligten Parteien ver- 
sprechen sollten. (Bbl. 1898, XIU, 303 fif.) — 

Am 15. Januar veröffentlichte das Bandes -Direktorium 
eine Entscheidung über die Rechte der standig besuchenden 
Brr. Es sei festzuhalten, dass diese ausserordentliche Mitglieder 
seien, dass ihnen mithin die Ausübung derjenigen Rechte, 
die in den Statuten den ordentlichen Mitgliedern vorbehalten 
sind, nicht zustehe. (Bbl. 1898, II, 29 ff., Entscheidungen No. 21.) 
Eine andere Entscheidung vom 15. October betraf die Dnter- 
sagung des Logenbesuchs. (§29 des Gesetzes über das 
Verfahren bei Verletzung maurerischer Pflichten.) Die Brr. 
Beamten dürfen sich der Erwägung nicht verschliessen, 
dass die Untersagung des Logenbesuchs den Angeschuldigten 
in seiner maurerischen und vielleicht auch in seiner bürger- 
lichen Stellung aufs Schwerste trifft, dass die Untersagung 
mithin nur in schwereren Fällen eintreten kann, wenn 
Umstände vorliegen, nach denen der Angeschuldigte hin- 
reichend belastet erscheint, um ihn schon während des 
maurerischen Verfahrens vom Logenleben fern zu halten. 
(Bbl. 1898, XVIII, 417, Entscheidungen No. 22.) Eine dritte 
Entscheidung vom 15. November bestimmte, dass ständig 
besuchende Brr., die zu Ehrenmitgliedern ernannt werden, 
die Berechtigungen dieser mit denen eines ständig besuchenden 
Brs. in ihrer Person vereinigen. (Bbl. 1898, XX, 461, 
Entscheidungen No. 23.) — 

Am 5. April wurde zu Weilburg a. d. Lahn ein frei- 
maurerischer Verein unter dem Namen: Wilina zum Felsen 
an der Lahn gegründet, der der Aufsicht der Loge Wilhelm 
zu den drei Helmen in Wetzlar unterstellt wurde. Ebenso 
entstand zu Hannover unter Aufsicht der Loge Wittekind 
zur westfälischen Pforte in Minden am 13. April ein frei- 
maurerischer Verein. 

Die Loge Friedrich Wilhelm zu den drei Kränzen in 
Torgau feierte am 23. Januar das Fest ihres fünfzigjährigen 
Bestehens. (Bbl. 1898, IV, 79 ff.) 



— 431 — 

Mehrere Logen hatten ihre Räume neu erbaut. Die 1896 
Lichteinbringung in den neuen Tempel der Loge Friedrich 
zur Tugend in Brandenburg a. d. Havel fand am 9. October 
statt. Dieselbe Feier beging die Loge Franz zum treuen 
Herzen in Greifenhagen, in Verbindung mit der Feier des 
75 jährigen Bestehens, und am 11. Dezember die Loge Julia 
Carolina in Helmstedt. (Bbl. 1898, XII, 273 ff., 1899, 1, 11 ff.) 

Die Grossloge Royal York zur Freundschaft, die 1798 
gestiftet war, veranstaltete am 11. Juni, dem eigentlichen 
Stiftungstag, eine Vorfeier ihres hundertjährigen Bestehens, 
während das Fest selbst am 24. Juni begangen voirde. Die 
Grosse National- Mutterloge war hierbei durch Abgeordnete 
vertreten ebenso wie am 11. November bei der Grundstein- 
legung des neuen Ordenshauses der Grossen Landesloge von 
Deutschland. — 

Ausserordentlich lebhaft gestaltete sich auch in diesem 
Jahr die Thätigkeit der Logen-Gauverbände. Am 16. April hielt 
der Gauverband der Provinz Posen seine 2. Jahresversammlung 
zu Gnesen ab. Ein Vortrag über die von den Johannislogen 
ausgehenden Einigungsbestrebungen der Freimaurerei rief 
eine eingehende Erörterung hervor. Das 18. Verbandsfest der 
rheinisch -westfälischen Logen fand vom 4.-6. Juni zu Münster 
statt. Der Vorsitzende Meister der Loge zu den drei Balken in 
Münster, Br. Förster, sprach über die Einheitsbestrebungen 
in der Freimaurerei, ihre Ziele und ihre Grenzen. Er ver- 
teidigte nachdrücklich die Erkenntnisstufen und das Festhalten 
am Christentum und wies den Vorwurf des Antisemitismus, 
der unserni Bund gemacht werde, als unbegründet zurück. 
Am 10. September tagte die 4. Versammlung der Vertreter 
deutscher Logen -Gau verbände zu Karlsruhe. In Verbindung 
hiermit wurde die 36 Jahresversammlung des Vereins deutscher 
Freimaurer am 10. und 11. September in Karlsruhe abgehalten. 
Die Logen zu Bochum, Duisburg, Emmerich, Essen, Mül- 
heim a. d. Rulir und Wesel feierten am 26. September ihr 
jährliches Verbandsfest. Endlich fand am 30. Oktober zu 
Danzig die Jahres-Versammlung des westpreussisch- 
pommerschen Logen -(lauverbandee statt. 



— 432 — 

1898 Br. V. Lyncker, geb. am 27. März 1817, starb 
am 30. Juni 1898. Er war von 1876-1879 Mitglied des 
Bandesdirektoriums gewesen. (Bbl. 1898, XIV, 351 f.) 

1899 Der Geburtstag des Kaisers wurde am 27. Januar im 
Ordenshaus der Grossen Landesloge von Deutschland in 
üblicher Weise gefeiert. 

In der Grosslogen-Sitzung am 10. März wurde der vom 
Schiedsgericht in der Breslauer Logenangelegenheit vom 
30. Januar gefällte Spruch mitgeteilt. Er lautete: Die 
Loge Hermann zur Beständigkeit im Orient Breslau ist als 
eine gerechte und vollkommene Tochterloge der Grossen 
Mutterloge des Eklektischen Freimaurer -Bundes zu Frank- 
furt a. M. anzuerkennen. (Bbl. 1899, IX, 205 ff.) 

Für die am 14. Mai abgehaltene gesetzgebende Ver- 
sammlung lag nur ein Antrag auf Aenderung des Art. 6 
der Grundverfassung vor. Die Versammlung beschloss, dass 
in Absatz 2 dieses Artikels nur Art. 11 erwähnt werden 
soll anstatt Art. 11 und 14. 

In der sich anschliessenden Grosslogen-Sitzung wurden 
die beiden Grossmeister Gerhardt und v. Roese auf 
3 Jahre wieder gewählt. Als Mitglied des Bundes-Direktoriums 
an Stelle des am 3. Februar gestorbenen Brs. Veitmeyer 
wurde der Vorsitzende Meister der Loge zu den drei Seraphim, 
der Postbaurat Br. Tuckermann neu gewählt. 

Zur Beratung kam hierauf ein sehr wichtiger vom 
Bundes-Direktorium gestellter Antrag. Durch die auf den 
1. Januar 1900 fetzgesetzte Einführung des bürgerlichen 
Gesetzbuches stand der bisher bevorrechteten Stellung der 
Freimaurerlogen in Preussen eine wesentliche Veränderung 
bevor, falls sie nicht beim Inkrafttreten dieses Gesetzbuches 
bereits Rechtsfähigkeit besassen, die in Preussen nur durch 
staatliche Verleihung erlangt wird. Soll die Rechtsfähigkeit 
erst nach dem Inkrafttreten des bürgerlichen Gesetzbuches 
erworben werden, wie dies bei allen Logen, die vom Jahr 
1900 ab gegründet werden, der Fall sein wird, so kann 
diese nur durch Eintragung der Logen in das Vereinsregister 



— 433 — 

erlangt werden, und als Vereine sind die Logen nicht nur 1899 
der Beaufsichtigung durch die Behörden unterworfen, sondern 
es wird den Gegnern der Freimaurerei der Kampf gegen 
sie wesentlich erleichtert. Der Eintragung in das Vereins- 
register mit allen ihren nicht ganz unbedenklichen Folgen 
bleiben die bereits bestehenden Freimaurerlogen aber nach 
Art. 82, 163 des Einführungsgesetzes überhoben, insoweit 
sie beim Inkrafttreten des bürgerlichen Gesetzbuches Rechts- 
fähigkeit und zwar in Preussen und anderen deutschen Staaten 
durch staatliche Verleihung, in Sachsen durch Eintragung 
in das Genossenschaftsregister schon erlangt haben. Diese 
Umstände hatten das Bundes-Direktorium veranlasst, folgenden 
Antrag einzubringen: 

Die Grossloge wolle beschliessen : 
la. Durch das Bundes-Direktorium dem Protektor die Bitte 
zu unterbreiten, vermitteln zu wollen, dass den von der 
Gr. National- Mutterloge zu den drei Weltkugeln auf 
Grund ihres Konfirmationspatents und Protektoriums 
vom 9. Februar 1796 in Preussen errichteten Tochter- 
logen als zum Verbände der Mutterloge gehörigen 
Freimaurerlogen die Rechte einer juristischen Person 
verliehen werden, bezw. anerkannt werde, dass diesen 
Freimaurerlogen mit Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit 
zum Verband der Gr. National -Mutterloge die Rechte 
einer juristischen Person zustehen, 
b. Den deutschen Tochi erlogen ausserhalb Preussens an- 
heimzugeben, auch ihrerseits die Verleihung der Rechte 
einer juristischen Person zu erbitten. 
2. Für den Fall, dass die Verleihung der Rechte einer 
juristischen Person an die bestehenden Tochterlogen im 
Sinn zu 1 nicht erfolgt, das Bundes-Direktorium zu 
ermächtigen, Satzungen für die Tochterlogen aufzustellen, 
welche diese mit ihrem Antrag auf Eintragung in dah 
Vereinsregister vorzulegen haben. 

Den Tochterlogen bleibt überlassen, Entwürfe zu 
solchen Logensatzungen dem Bundesdirektorium bis 
zum 1. Oktober d. J. einzureichen. 

G«tch. d. Gr. Nat.- Mutter -Log«. 28 



— 434 — 

1899 In ebenso scharfsinniger wie überzeugender Weise ¥mrde 

vom Br. Gerhardt die Notwendigkeit dieses Antrags nach- 
gewiesen, der nach eingehender Erörterung einstimmig an- 
genonmien wurde. Alsdann berichtete Br. Dahms über die 
Grundsätze, nach denen die Instruktionen des zweiten Grades 
bearbeitet werden sollen. (Bbl. 1899, XII, 265 ff.) 

Ein Grosslogentag wurde 1899 nicht abgehalten. Er 
hätte der Reihenfolge nach in Darmstadt zusammentreten 
müssen, da aber abgesehen von dem Bericht über die 
Victoriastiftung Vorlagen für ihn nicht vorhanden waren, 
wurde er bis zum nächsten Jahr verschoben. 

Am 1. März veröffentlichte das Bundesdirektorium zwei 
Entscheidungen. (Bbl. 1899, V, 101 f. Entscheidungen No. 24 
und 25.) Die erste betraf das Bügerecht des Vorsitzenden 
Meisters, die zweite stellte fest, dass ein Br., der einer an- 
erkannten Loge nicht angehört, auch nicht das Recht 
besitzt, gegen einen anderen Br. die Einleitung des 
maurerischen Verfahrens zu beantragen. 

In Säo Paulo (Brasilien) hatten eine Anzahl deutscher 
Brr. an das Bundesdirektorium das Ersuchen gerichtet, ihnen 
eine Stiftungsurkunde für eine Loge unserer Lehrart unter 
dem Namen Prometheus zu verleihen. Nach den Bundes- 
statuten sollte die Debermittlung der Urkunde durch ein 
Mitglied der Grossloge erfolgen. Da dies im vorliegenden 
Fall nicht möglich war, beantragte das Bundesdirektorium 
in der Sitzung der Grossloge am 14. Dezember einen Zusatz 
zu § 32 der Bundes-Statuten des Inhalts: 

Liegt die neue Tochterloge im Ausland, so kann das 
Bundesdirektorium den stiftenden Brüdern durch den von 
ihnen zum Vorsitzenden Meister gewählten Bruder (§ 31, 2) 
die Stiftungsurkunde und die Rituale überreichen. 

Der Antrag wurde dem Gesetz- Prüf ungs-Ausschuss 
überwiesen; die Eröffnung der neuen Loge Prometheus ein- 
stimmig genehmigt. — Die Lichteinbringung erfolgte am 
5. Mai 1900. 

In derselben Sitzung wurde dem Meister vom Stuhl 
der Loge Germania in Shangai (China) die Vertretung der 



— 435 — 

Grossen National -Matterloge zu den drei Weltkugeln in 1899 
Ost- Asien bis auf Weiteres übertragen. (Bbl. 1900, I, 4 ff.) 

Am 27. Juni wurde in Neudamm ein maurerischer 
Verein gegründet, der der Aufsicht der Loge Friedrich zum 
goldenen Scepter in Eüstrin unterstellt wurde. 

Das Fest des 125 jährigen Bestehens feierte am 
15. Oktober die Loge zu den drei Seraphim in Berlin, das des 
Anschlusses an die Grosse National-Mutterloge vor 100 Jahren 
begingen die Logen Eugenia zum gekrönten Löwen in 
Danzig (am 26. März) und Victoria zu den drei gekrönten 
Thürmen in Marienburg. (Bbl. 1899, XII, 457 ff. u. X, 225 ff.) 

Das maurerische Licht wurde in zwei neu erbaute Tempel 
eingebracht: am 15. Januar in den der Loge zur Ankerkette 
in Ueckermünde, am 24. September in den der drei Gleichen 
zu Arnstadt. 

Von Bedeutung erschienen die Verhandlungen des 
19. Verbandfestes der rheinisch-westrälischen Logen zu 
Köln a. Rh. vom 27.-29. Mai. Die Loge Vorwärts zu 
M.- Gladbach -Rheydt hatte den Antrag eingebracht: Der 
rheinisch -westfälische Logenbund wolle: 

1. In Gemeinschaft mit den übrigen hierzu sich bereit 
findenden Logenverbänden die sämmtlichen deutschen 
Johannislogen auffordern, zu Pfingsten des Jahres 1900 
Vertreter nach Berlin zu einem AUgemeinenDeutschen 
Maurertag zu entsenden, um über die Schaffung einer 
deutschen freimaurerischen Gesammt^ Vertretung Beschluss 
zu fassen. 

2. Zum Zweck der Vorbereitung und Leitung dieses 
Maurertages einen Ausschuss aus den Vorsitzenden der 
einladenden Logenverbände mit dem Recht der Zuwahl 
bilden und 

3. Bis zur Bildung dieses Ausschusses dem Verbandsvor- 
stand die erforderlichen einleitenden Schritte übertragen. 
In seinem Bericht über den Antrag ging der zweite 

zugeordnete Meister der Loge Vorwärts Br. Strauss davon 
aus, dass der deutsche Grosslogenbund den Erwartungen 
der deutschen Freimaurer auf Erfüllung ihrer Wünsche nicht 

28* 



— 436 — 

1899 entsprochen habe, da er von den Einigongsbestrebongen 
Abstand genommen habe. Indem er anf die mangelhafte 
Verfassung des Grosslogenbandes näher einging, die vergeb- 
lichen Versnobe, ihn umzugestalten, aufzählte, kam er zu der 
Ansicht, dass der deutsche Grosslogenbund nicht die Vereinigung 
darstelle, die die Zusammenfassung der gesammten deutschen 
Freimaurerschaft auf nationaler Grundlage ermögliche, dass er 
nicht einmal die Fähigkeit besitze, eine Verbesserung seiner 
Ebrichtung herbeizuführen. Wohl aber seien die Gau- 
verbände im Stande, die Verwirklichung des Ideals der 
Einigung der deutschen Freimaurerei zu erreichen. Der Antrag 
der Loge Vorwärts wurde mit allen gegen eine Stimme an- 
genommen. Der gewählte Ausschuss lud die Vertreter der 
Logenverbände nach Dresden, wo man sich am 9. September 
zunächst darauf beschränkte, die Einberufung eines allge- 
meinen deutschen Maurertags vorzubereiten. In allen maure- 
rischen Zeitschriften wurde dieser neue Versuch, die Einigung 
der deutschen Freimaurerei durch unmittelbares Eingreifen 
der Johannislogen zu bewirken, lebhaft und meist günstig 
besprochen. Auch das Bundesdirektorium nahm in einem Rund- 
schreiben vom 8. November Stellung zu der Bewegung. 
Nachdem in ihm gesagt ist, dass alle Versuche zu einer 
lebensvolleren Gestaltung des Grosslogenbundes gescheitert 
wären, heisst es weiter: „Wenn da die Johannislogen in allen 
Gauen des deutschen Reiches sich gedrungen fühlen, den sie 
alle beseelenden Einigungsgedanken wieder aufzunehmen, und 
durch eine bedeutsame Kundgebung Zeugniss abzulegen für 
die unerlässliche Notwendigkeit einer nationalen Zusammen- 
fassung aller deutschen Freimaurer und für die Grundlage, auf 
welcher diese Einigung durchzuführen, so haben unseres Dafür- 
haltens die deutschen Grosslogen keinen Grund, einem solchen 
Vorgehen ihrer Johannislogen irgendwie entgegenzutreten. 
Wir unsrerseits können im Gegenteil nur wünschen, dass 
die Johannislogen unsres engeren Bundes, wie sie in der 
ganzen Zeit des Ringens nach einer innigeren Einigung der 
deutschen Freimaurerei einmütig zu der hierfür eintretenden 
Bundesleitung gestanden haben, nicht zurückbleiben bei jener 



— 487 — 

geplanten Kundgebung. Ihre allseitige Beteiligung würde 1899 
uns in unserem Vertrauen nur bestärken, dass die Bewegung 
unter den deutschen Johannislogen sich in gesetzlichen 
Bahnen hält, um nicht das Bestehende zu zerstören sondern 
das geschichtlich Ueberkommene fortzubilden nach dem Ziel, 
welchem wir alle zustreben". 

Auch in der Grosslogen -Sitzung vom 14. Dezember 
brachte der National -Grossmeister, Br. Gerhardt, die Ansicht 
des Bundesdirektoriums mit Entschiedenheit zum Ausdruck. 
Zur Zeit werde das Bundesdirektorium sich eines Eingreifens 
in diese Bewegung enthalten, denn nur aus eigener Entwicklung 
heraus könne sie gedeihen. Aber im Bundesblatt werde 
ein besonderer Abschnitt eingerichtet, in welchem alle 
wichtigeren Beschlüsse maurerischer Körperschaften und Aus- 
sprüche hervorragender Brüder Freimaurer in Bezug auf den 
Maurertag aufzunehmen wären. (Bbl. 1899, XVII, 417 flf.; 
XIX, 472 ff.; XX, 478 f.: IWX), 1, 9 ff.) — 

Am 3. Februar starb das älteste Mitglied des Bundes- 
direktoriums, Br. Veitmeyer. Der Grossloge hatte er seit 
1867, dem Bundesdirektorium seit 1878 angehört. Wie 
unter seinen Berufsgenossen so war er unter den Freimaurern 
ein hervorragender Mann. Mit sicherem Takt, mit klarem 
Blick, aber auch mit warmem Herzen trat er für die Ideale 
der Königlichen Kunst ein. Er wies den Brm. die Weisheit 
des Lebens und deutete die Gotteskindschaft, zu der wir 
berufen seien. Ueber das Grab hinaus sorgte er für den 
Bund. Der Victoria -Stiftung vermachte er zum Bau eines 
Schwesternhauses 15,000 M.. dem Waisenant der Grossloge 
3000 M. Der Grossloge zu Händen des Bundesdirektoriums 
hinterliess er 30,000 M., über deren Zinsen das Bundes- 
direktorium zum Besten des Bundes zu verfügen hat. Am 
f). Februar wurde er vom Bundeshause aus bestattet; die 
Loge zu den drei Seraphim, der er als Mitglied 43 Jahre 
angehört hatte, veranstaltete für ihn eine Trauerfeier am 
14. Februar. (Bbl. 1899, IV, 72 ff.; VI, 125 ff. und IX, 206 ff.) 

Ein für den Bund hocherfreuliches Ereigniss schloss 
das Jahr 1899 ab. Durch Kabinetsordre vom 31. Dezember 



— 438 — 

1899 verlieh der König den in Preussen bestehenden, seit dem 
Erlass des Edikts vom 20. Oktober 1798 errichteten Tochter- 
logen der drei grossen Landeslogen in Preossen die Rechte 
juristischer Personen, insoweit ihnen solche nicht bereits 
landesherrlich erteilt worden waren. Der Protektor, Prinz 
Friedrich Leopold von Prenssen, dessen Bemühungen der 
Bund diesen Beweis der Königlichen Huld vornehmlich zu 
verdanken hatte, übersendete dem Bundesdirektorium Ab- 
schrift der Kabinetsordre mit einem Schreiben vom 22. Jan. 1 900, 
in dem er seiner Freude Ausdruck gab, dass durch diesen 
Gnadenakt die drei altpreussischen Grosslogen in der Lage 
wäxen, auch femer in ihrer bisherigen stillen, segensreichen 
Weise für das Wohl und die Glückseligkeit der menschlichen 
Gesellschaft zu arbeiten. (Bbl. 1900, III, 71 f.) 

1900 Die Feier des kaiserlichen Geburtstages wurde am 
27. Januar im Bundeshaus der Grossloge Royal York in 
gewohnter Weise begangen. 

In der Sitzung der Grossloge am 10. März 1900 wurde 
gemäss den Vorschlägen des Gesetz-Prüfungs- Ausschusses 
folgender Zusatz zu Art. 52 der Grundverfassung genehmigt: 
Die Tochterlogen im Ausland sind befugt, ihren Abgeordneten 
aus den wählbaren Mitgliedern der Tochterlogen im Inland 
zu wählen. — Ferner erhielt Art. 54, Absatz 2, der Grund- 
verfassung folgende Form: Die Vertreter der Tochterlogen 
im Inland erhalten die Fahrkosten von der Grossloge erstattet, 
an welche dafür jede dieser Tochterlogen einen Beitrag von 
25 Pfennigen für jedes ihrer ordentlichen Mitglieder zu 
zahlen hat. — Endlich wurde der in der Sitzung der Gross- 
loge vom 14. Dezember 1899 beantragte Zusatz zu § 32 
der Bundes -Statuten genehmigt. 

In derselben Sitzung wurde der Grossloge auch Kennt- 
niss gegeben von dem Entwurf eines Antrages für einen 
einzuberufenden Freimaurertag der deutschen Johannislogen. 
Er war zu Kassel am 20. Januar 1900 von dem Gesammt- 
ausschuss für den Freimaurertag von neuem festgestellt, 
nachdem ein früherer zu Leipzig am 25. November 1899 



— 439 — 

beschlosseDer Entwarf zurückgezogen war. Letzterer hatte 1900 
besonders dadurch zu schweren Bedenken Anlass gegeben, 
dass § 3 des ersten Abschnitts den Satz enthielt: Stand, 
Nationalität, Farbe und Religionsbekenntniss sollen kein 
Hindemiss der Aufnahme sein. Es machte den Eindruck, 
als ob man durch diesen Satz den Grosslogen, die am 
christlichen Bekenntniss festhielten, die Juden gewissermassen 
aufzuzwingen wünschte. Damit hing zusammen, dass in 
§ 1 des 2. Abschnitts die geplante Johannis-Orossloge als 
die höchste maurerische Behörde auch in Bezug auf Lehre 
und Ritual hingestellt war. Diese Bestimmungen und einige 
andere, die ebenfalls unannehmbar für mehrere Grosslogen 
waren, fanden sich im kasseler Entwurf nicht mehr vor, 
so dass eine Einigung nicht ganz ausgeschlossen schien. 
Dieser Entwurf beschäftigte auch vornehmlich die Mai- 
Versammlung der Grossloge (13. Mai). Das Bundes-Direk- 
torium schlug folgende Erklärung vor: Die Grosse National- 
Mutterloge zu den drei Weltkugeln hält an der Ueberzeugung 
fest, dass eine engere Vereinigung der deutschen Maurerei 
unbeschadet der Selbständigkeit der verbündeten Grosslogen 
und der freien Vereinigung der fünf unabhängigen Logen 
hinsichtlich ihrer Sonderverfassung und Verwaltung, ihrer Lehre 
und ihres Rituals dringend geboten ist, und wünscht, dass der 
Grosslogentag zunächst durch die acht Grossmeister in eine 
neue Beratung der letzten Vorlage vom 29. Mai 1898 über 
die Umgestaltung des deutschen Grosslogenbnndes unter Er- 
wägung der seitdem gemachten weiteren Vorschläge eintrete. 
Nachdem der National -Grossmeister, Br. Gerhardt, 
ausgeführt hatte, dass die Einigung der deutschen Frei- 
maurerei nicht auf unitarischer, sondern nur auf föderativer 
Grundlage, wie es bei der politischen Einigung des deutschen 
Vaterlandes geschehen sei, erstrebt werden könne, und der 
zugeordnete Meister der Loge Gladbach-Rheydt, Br. Strauss, 
der Hauptführer der Bewegung in den Johannislogen, für 
den Antrag des Bundesdirektoriums eingetreten war, wurde 
dieser von der zahlreichen Versammlung von 134 stimm- 
berechtigten Mitgliedern einmütig angenommen. 



— 440 — 

1900 In derselben Grosslogen-Sitzung, am 13. Mai, wurde 

vom Berichterstatter, Br. Bernhardi, mitgeteilt, dass der 
Vorrat der Ritaale I — III erschöpft und eine neue Ausgabe 
notwendig sei, in der Fehler und Versehen beseitigt und 
yrünschenswerte Aenderungen herbeigeführt werden sollten. 
Aber mit Vorsicht und Schonung müssten diese Rituale 
behandelt werden, um die ihnen eigentümliche Schönheit 
zu bewahren. Die Tochterlogen wurden ersucht, Vorschläge 
zu Aenderungen bis zum Johannisfest 1900 einzusenden. 
(Bdsbl. 1900, VII, 181 «F.; XIII, 331 fif.) 

In ^er Grosslogen -Sitzung am 14. Juni machte der 
Vorsitzende, Br. Gerhardt, Mitteilung von dem Schrift- 
wechsel, der aus Anlass des Schiedspruchs in Sachen der 
Loge Hermann zur Beständigkeit in Breslau zwischen der 
Grossen National -Mutterloge und der des Eklektischen 
Bundes zu Frankfurt a. M. entstanden war. 

In dem Jahresbericht des Eklektischen Bundes für 
1898/99 fand sich der Satz: „Der Schiedspruch in der 
Angelegenheit unserer breslauer Bundesloge Hermann zur 
Beständigkeit brachte nach langem Harren das Recht zur 
Geltung*'. Da diese Bemerkung den Thatsachen zuwider 
lief, hatten die Grossmeister der drei preussischen Gross- 
logen in einem gemeinsamen Schreiben unter eingehender 
Darlegung der geschichtlichen Entwicklung der Angelegenheit 
Einspruch erhoben. In ihrer Antwort gab die frankfurter 
Grossloge zwar zu, „dass dem Wortlaut nach die Bestimmungen 
der Bundesgesetze nicht in allen Punkten beobachtet worden 
sind^, aber sie fügte hinzu, dass sie dabei beharren müsse, 
„dass das Recht dem Sinn und dem Geist nach auf unserer 
Seite war"! 

Ausserdem wurde zur Kenntniss gebracht, dass die 
Grosslogen von Hamburg, Frankfurt a. M. und Ba3rreuth am 
14. März 1900 eine Grossmeister -Vereinigung unter sich 
gebildet hatten, deren Zweck gemeinsame Vorberatung und 
Behandlung aller wichtigeren maurerischen Fragen, ins- 
besondere solcher von grundsätzlicher Bedeutung, ferner 
Förderung der Einheitsbestrebungen in der deutschen Maurerei 



— 441 — 

dnrch Verständigung über die gemeinsamen Grandsätze und 1900 
möglichste Vereinheitlichung der Verfassung der in Betracht 
kommenden Grosslogen sein sollte. Es erschien doch sehr 
zweifelhaft, ob zur Zeit ein solcher Sonderbund die Einigung der 
deutschen Freimaurerei fördern werde. Vielleicht sollte er eine 
Art Gegensatz bilden gegen den preussischen Grossmeister- 
Verein, der aber schon 1839, lange bevor man an eine Einigung 
der deutschen Freimaurerei dachte, zu dem Zweck gestiftet 
war, die drei berliner Grosslogen in Lehre und Verfassung 
einander näher zu bringen. (Bdsbl. 1900, XIV, 373 ff.) 

Auf dem am 3. Juni zu Darmstadt abgehaltenen Gross- 
logentag bildete der Freimaurertag naturgemäss den 
wichtigsten Gegenstand der Beratungen. Die Vertreter der 
preussischen Grosslogen stimmten in dem Wunsch einer 
engeren Einigung der deutschen Freimaurerei überein unter 
den Bedingungen, dass der bestehende Zusammenhang der 
Johannislogen mit ihren Grosslogen nicht geschädigt werden 
dürfe, und dass in Lehre, Ritual und Verfassung die Selb- 
ständigkeit jeder Grossloge keinerlei Beschränkung erführe. 
In Folge dieser Erklärungen wurde in eine Beratung über 
den kasseler Entwurf nicht eingetreten, dagegen ein Antrag 
des National -Grossmeisters Brs. Gerhardt einstimmig 
angenommen, der dahin lautete: Der Grosslogentag wolle 
durch die Grossmeister in eine Vorberatung eintreten über 
die Wege zur weiteren Ausgestaltung des deutschen Gross- 
logenbundes im Sinn einer engeren Vereinigung der deutschen 
Maurerei unter Erwägung der seither zu Tage getretenen 
Wünsche. (Bdsbl. IIHX), XIIL 343 ff.) 

Am 19. November traten infolge dieses Beschlusses die 
acht Grossmeister in den Räumen der Grossloge Royal York 
zusammen, um über zwei Vorlagen zu verhandeln, die den 
Zweck einer Einigung der deutschen Freimaurerei verfolgten. 
Die eine rührte vom Grossmeister der Grossloge zur Sonne 
in Bayreuth, Br. v. Reinhardt her, die andere vom National- 
Grossmeister Br. Gerhardt, dessen Entwurf sich die beiden 
anderen preussischen Grossmeister angeschlossen hatten. 



— 442 — 

1900 Br. V. Reinhardt ging von dem Grundsatz aus, dass 

eine auf der Macht der Zahl beruhende Einigung in einem 
Bund, in welchem das ethische Interesse alles überwiege, 
gefährlich und deshalb zu vermeiden sei. Sein Vorschlag 
beschränkte sich zunächst ' darauf im Statut des deutschen 
Grosslogenbundes dem § 11, durch den Streitfragen über 
Lehre und Ritual von den Verhandlungen ausgeschlossen 
sind, folgende Fassung zu geben: 

Der Beratung des Grosslogentags unterliegen alle 
Fragen, welche das Wesen der Freimaurerei (einschl. 
Verfassung, Lehre und Ritual) berühren und von gleich- 
massigem Interesse für die Gesammtheit der deutschen 
Logen sind. Erhält eine zur Beratung gestellte Frage 
die einheitliche Zustimmung des Grosslogentags und 
hierauf die einstimmige Genehmigung der Grosslogen, 
so ist der betreffende Beschluss ein Teil des gemeinsamen 
Rechtes des deutschen Grosslogenbundes geworden. 
Während dieser Vorschlag nach den Erfahrungen, die 
man mit der Forderung der Einstimmigkeit gemacht hatte, 
aller Wahrscheinlichkeit nach eine Einigung vielmehr hindern 
als fördern musste, zeigte der vom Br. Gerhardt aus- 
gearbeitete Entwurf der drei preussischen Grossmeister das 
ernsthafte Bemühen, der deutschen Freimaurerei feste Grund- 
lagen einer dauernden Einigung zu verschaffen. Nicht mehr 
ein Nachtrag zum Statut des Grosslogenbundes wurde 
geboten, sondern die Vorlage kündigte sich an als: 
Satzungen des deutschen Grosslogenbundes, eingetragener 
Verein. Sie waren in zwei Abschnitte gegliedert: A. Bildung 
und Ziele des Bundes, B. Verfassung des Bundes. 

Im ersten Abschnitt wird die Zusammensetzung des 
deutschen Grosslogenbundes (§ 1) angegeben. Er umfasst 
ausser den acht Grosslogen auch die fünf unabhängigen 
Johannislogen. Zugleich wird ausgesprochen, dass als 
Freimaurerlogen nur die verbündeten Grosslogen mit ihren 
Tochterlogen und die fünf unabhängigen Logen anerkannt 
werden. Aus den Bestimmungen über Zweck und Aufgabe 
des Bundes und über die Stellung der Mitglieder in ihm 



— 443 — 

(§§ 2-6) ist besonders hervorzuheben, dass den deutschen 1900 
Grosslogen und den fünf unabhängigen Logen in Lehre und 
Ritual sowie in den Anforderungen, die sie an die Auf- 
zunehmenden stellen, ihre Eigenart gewahrt bleibt. Leitende 
Grundsätze des Bundes sind dieselben, die vom deutschen 
Grossmeistertag am 7. Juni 1870 aufgestellt wurden (§ 7). 
In scharf abgegrenzten Teilen ist die Verfassung aufgebaut. 
Der Bund besitzt drei Organe: den aus den Abgeordneten 
der Johannislogen gebildeten Logentag, den aus den Gross- 
meistern und dem Vorsitzenden der freien Vereinigung der 
fünf unabhängigen Logen sowie ihren Vertretern bestehenden 
Grosslogentag und den Bundesrat, dem der deutsche Gross- 
meister als Vorsitzender und zwei Mitglieder angehören. (§ 11.) 

Die Abgeordneten zum Logentag werden auf drei Jahre 
in solcher Anzahl gewählt, dass auf 500 Mitglieder ein 
Abgeordneter kommt. Wählbar ist jeder einer deutschen 
Johannisloge angehörige Br. Meister. (§ 12.) Der Logentag 
versammelt sich in der Regel alle drei Jahre (§ IS) und 
wird vom deutschen Grossmeister geleitet. Er verhandelt 
und beschliesst über alle Angelegenheiten, die nicht dem 
Grosslogentag oder dem Bundesrat vorbehalten sind. Die 
Abgeordneten beschliessen nach freier Ueberzeugung mit 
einfacher Stimmenmehrheit Beschlüsse über Abänderung 
oder Ergänzung der Satzungen bedürfen jedoch einer 
% Mehrheit und erlangen Wirksamkeit nur durch Zustimmung 
aller Grosslogen und der freien Vereinigung. (§ 14.) 

Auf dem Grosslogentag führt jede Grossloge und die 
freie Vereinigung eine Stimme. (§ 16.) Ej: versammelt sich 
jährlich und tritt ausserdem am Tage vor der Versammlung 
des Logentags oder auch im Anschluss an ihn zusammen. 
(§ 16.) Er wird vom deutschen Grossmeister geleitet 
und fasst seine Beschlüsse mit einfacher Stimmenmehrheit. 
Zur Bestätigung von Beschlüssen des Logentags ist \ Mehr- 
heit erforderlich. (§ 17.) Der Grosslogentag setzt die Tages- 
ordnung für den Logentag fest und beschliesst über die 
Grundsätze, nach denen die Verwaltung des Bundes zu 
führen ist. (§ 18.) Auch entscheidet er über Streitigkeiten 



— 444 — 

1900 zwischen Grosslogen (§ 19) und über die Anerkennong 
ausserdeutscher Grosslogen. Hautfarbe und Basse sind kein 
Hindemiss der Anerkennung. (§ 20.) 

Der Bundesrat bildet den Vorstand des deutschen 
Grosslogenbundes und hat seinen Sitz in Berlin. Die Wahl 
des deutschen Grossmeisters erfolgt durch den Logentag, die 
der beiden Mitglieder durchdenGrosslogentagauf drei Jahre. 
Alle drei sind aus den deutschen Grossmeistem zu wählen. 
(§ 21.) Der Bundesrat vertritt den deutschen Grosslogen- 
bund nach aussen und führt dessen Verwaltung nach den 
Beschlüssen des Logentags und des Grosslogentags. Die vom 
Logentag beschlossenen Gesetze, denen der Grosslogentag 
zugestimmt hat, verkündet er als Gesetze des Bundes. (§ 22.) 

Dies sind die wesentlichsten Bestimmungen der von den 
drei preussischen Grossmeistem eingebrachten Vorlage. Sehr 
verschieden war der Eindruck, den sie bei den Grossmeistern 
hervorbrachte. Br. Gerhardt hob zunächst den Unterschied 
der beiden Vorlagen hervor. Die des Brs. v. Reinhardt 
wolle lediglich inneren Ausbau des Grosslogenbundes durch 
Feststellung seiner ethischen Grundlagen, die zweite schaffe 
eine neue Lebensform für die Fortentwickelung der deutschen 
Freimaurerei. Im Wesentlichen stimme die zweite Vorlage 
mit den kasseler Vorschlägen überein, wenn man statt der 
unitarischen Grundlage die föderative setze. Der neue 
Entwurf lege den idealen Schwerpunkt auf den Logentag, 
den realen mit der Verwaltung des Bundes auf den Gross- 
logentag. Dazu komme der Bundesrat gewissermassen als 
ständiger Ausschuss des Grosslogentags. Br. v. Reinhardt 
glaubte, dass die bayreuther Grossloge kaum ihre Zustimmung 
zur zweiten Vorlage geben werde, weil namentlich die 
humanistische Frage weggelassen sei. Br. Werner, Gross- 
meister von Frankfurt, war sogar erschrocken über die 
Vorlage der drei preussischen Grossmeister, weil sie hinter 
das, was früher zugestanden wurde, zurückgehe. Br. Wiebe 
war auch der Ansicht, dass die hamburger Logen schwerlich 
die zweite Vorlage annehmen würden. An der Einzel- 
besprechung werde er sich nicht beteiligen. 



— 445 — 

Für die Vorlage des Brs. v. Reinhardt stimmten nur 1900 
er selbst und die Brr. Werner und Wiebe. Die Vorlage 
der preussischen Grossmeister wurde gegen die Stimmen 
derselben Brr. v. Reinhardt, Werner und Wiebe von 
den übrigen angenommen. (Bbl. 1901, I, 9 ff.) — 

Zwei Entscheidungen veröffentlichte das Bundes-Direk- 
torium im Jahr 1900. Die erste vom 1. October betraf die 
Ein¥rirkung des bürgerlichen Gesetzbuchs auf die Verfassung 
der Bundeslogen. Es ¥rird festgestellt, dass die verfassungs- 
mässigen Beschränkungen der Selbständigkeit der Tochter- 
logen gegenüber der Mutterloge auch nach dem Inkrafttreten 
des bürgerlichen Gesetzbuchs bestehen bleiben. Nur als 
Tochterlogen der drei preussischen Grosslogen besitzen die 
zu diesen gehörigen Johannislogen nach dem Erlass vom 
31. Dezember 1899 Rechtsfähigkeit. (Bbl. 1900, XVll, 451 f., 
Entscheidungen No. 26.) 

In der zweiten Elntscheidung vom 15. November wurde 
ausgesprochen, dass der Ehrenrat jede an ihn gelangte 
Klage nicht durch einen ablehnenden Beschluss, sondern 
durch ein Urteil zu erledigen hat. (Bbl. 1900, XX, 531, 
Entscheidungen No. 27.) 

Am 4. November fand die Einweihung der zu Finster- 
walde am 13. Mai 1900 gestifteten Loge durch Nacht zum 
Licht statt. (Bbl. 1900, XXll, 617 ff.) Die Lichteinbringung 
in die aus dem maurerischen Verein in Hannover entstandene 
Loge Wilhelm zur deutschen Treue wurde auf den 6. Januar 1901 
festgesetzt. (Bbl. 1901, VI, 163 ff.) 

Die Feier des 125 jährigen Bestehens begingen am 
14. Januar die Loge zur Verschwiegenheit in Berlin und am 
20. Mai die Loge zum goldenen Schwert in Wesel. Zwei 
Logen konnten festlich des Tages gedenken, an dem sie 
vor 100 Jahren der Grossen National -Mutterloge sich an- 
geschlossen hatten: am 6. Mai die Loge Friedrich zur auf- 
gehenden Sonne in Brieg, am 24. Mai die Loge zu den drei 
Triangeln in Glatz. Das 50 jährige Bestehen feierte am 
4. März die Loge zur Perle am Berge in Perleberg. (Bbl. 1900, 
IIL 73ff., XL282ff., XIV, 391ff., VIII, 205ff.) - 



— 446 — 

1900 Die Grosse National -Matterloge hatte in der Sitzung 

vom 14. Juni 1899 den Beschlnss gefasst, ein Bild des 
National- Grossmeisters, Brs. Gerhardt herstellen zu lassen. 
Nachdem das Bild vollendet war, fand seine Uebergabe am 
24. Februar 1900 vor einer zahlreichen Versammlung von Brm. 
der berliner und der benachbarten Tochterlogen statt. Das 
Bild sollte der Ausdruck des Dankes sein für alles, was Br. 
Gerhardt dem Bund in langjähriger, aufopfernder Wirk- 
samkeit geleistet hatte. Der Br. v. Boese erinnerte in seiner 
Ansprache an die umfassende Thätigkeit Br. Gerhardts 
auf dem Gebiet der Gesetzgebung: wie unter seiner Leitung 
die innere Einrichtung unseres Bundes, die Grundverfassung, 
die Bundes -Statuten und die Ortsatzungen ihre auf lange 
Zeit hinaus endgültige und zweckmässige Gestaltung gewonnen 
hätten, an sein langjähriges, von Begeisterung getragenes 
Ringen um die Einigungsbestrebungen der deutschen 
Maurerei, dessen Erfolglosigkeit nicht an ihm gelegen, und 
an seine Bemühungen, denen die Johannislogen ihre 
gesicherte Rechtsfähigkeit verdanken. (Bbl. 1900, VI, 151 flf.) 

Am 19. und 20. Mai wurde das 20. Verbandsfest des 
rheinisch - westfälischen Logenbundes festlich zu Detmold 
begangen. Eine von der Loge zu den drei Verbündeten in 
Düsseldorf begründete Stiftung: Einderfürsorge wurde dem 
Verband empfohlen. Der Br. Strauss von Gladbach -Rheydt 
berichtete über den Stand der Einheitsbestrebungen. An 
den Grosslogentag richtete der Verband ein Schreiben mit 
der Bitte, die Einigungsbestrebungen in der deutschen Frei- 
maurerei von neuem zu beraten und mit allen Kräften zu 
fördern. (Bbl. 1900, XIX, 512 «F., vgl. XIII, 349.) 

Am 15. und 16. September hielt der Verein deutscher 
Freimaurer seine 38. Jahresversammlung zu Wiesbaden ab. 

Ebenso tagte zu Wiesbaden am 15. September die sechste 
Vertreter-Versammlung der deutschen Logengauverbände. 
Es wurde bemerkt, dass die Sache der Gauverbände der 
deutschen Johannislogen einen Fortgang und weitere Ent- 
wickelung nicht gehabt habe. (Bbl. 1900, XIX, 519 fif. und 
XX 537 fif.) 



— 447 — 

Der engere Aasschass fdr die Einiglingsbestrebungen 1900 
war gleichfalls zu Wiesbaden am 15. September zusammen- 
getreten. Er fasste den Beschluss, zunächst abwarten zu 
wollen, welchen Erfolg die von dem Grosslogentag zu Darm- 
stadt beauftragten acht Grossmeister mit ihrer Beratung 
erreichen würden, und bis dahin eine weitere Verhandlung über 
die Angelegenheit vorläufig nicht zu veranlassen. (Bbl. 1900, 
XX, 541 fif.) 

Allgemeine Aufmerksamkeit in der maurerischen Welt 
erregte die im Oktober des Jahres 1900 erfolgte Angliederung 
der Set tegast- Logen an die Grosse Loge von Hamburg. So 
laut auch das Frohlocken der Anhänger Settegasts gewesen 
war, dass sie durch das Urteil des Ober verwaltungs- Gerichts 
vom 22. April 1893 den Sieg über die drei preussischen Gross- 
logen errungen hätten, empfanden sie doch mit der Zeit, 
dass ihr Erfolg lediglich äusserlicher Art gewesen war, da 
sie wie vorher auf sich selbst angewiesen blieben, und ihre Ver- 
einigungen ausser von den Grosslogen von Ungarn und der 
Niederlande Anerkennung als Freimaurerlogen nicht hatten 
erreichen können. Auch hatten die Minister des Innern und der 
Justiz in dem Ministerialblatt für die genannte innere Ver- 
waltung des preussischen Staats vom 31. März 1894 bekannt 
gemacht, dass die Stellung der neuen Vereinigung zu den 
Behörden durch das Elrkenntniss in nichts geändert sei. Nachdem 
daher die breslauer Settegast-Loge Hermann zur Beständig- 
keit zuerst für notwendig erachtet hatte, sich von der Sette- 
gast- Grossloge Friedrich zur Bundestreue zu trennen, und 
dem Eklektischem Bund zu Frankfurt a. M. beigetreten war, 
gelangten auch die übrigen Settegast- Logen und sogar 
Settegast selbst zu der Ueberzeugung, dass ihr Bestehen ohne 
Anerkennung als Freimaurerlogen auf die Dauer wertlos und 
unfruchtbar sei. Sie traten daher zum Zweck der An- 
gliederung mit der Grossen Loge von Hamburg in ver- 
trauliche Unterhandlungen. Denn da die Mitglieder der 
Settegast- Logen in weitaus überwiegender Mehrheit Juden 
waren, konnte für sie nur eine Grossloge in Betracht kommen, 
die Juden zuliess und in Berlin bereits eine Loge besass. 



— 448 - 

1900 Die hambnrger Grossloge, bei der diese Voranssetzangen 
zatrafen, zeigte sich gern bereit, die Settegast-Logen in 
sich aufzunehmen and dadurch um die deutsche Freimaurerei, 
zu deren Nutzen das Verschwinden dieser ausserhalb des 
maurerischen Rechts befindlichen Vereinigung zu gereichen 
schien, sich ein Verdienst zu erwerben. Die Schwierigkeit 
lag aber wie bei dem Fall in Breslau darin, dass die 
hamburger Grossloge an das allgemeine Aufnahmegesetz 
gebunden war, nach welchem die Mitglieder der Settegast- 
Logen als Suchende anzusehen waren und sich der vorschrifts- 
mässigen Aufnahme hätten unterziehen müssen. Dazu aber 
wollten sich die Mitglieder der Settegast- Logen nicht ver- 
stehen, vielmehr verlangten sie als Freimaurer zu gelten, 
ihre Vereinigungen sollten unter ihrem alten Namen als 
Tochterlogen von Hamburg fortleben. Bei dem zvdschen 
den drei preussischen Grosslogen und den Settegast -Logen 
bestehenden Gegensatz, der von Settegast und seinen An- 
hängern sogar in die Oeffentlichkeit gezerrt war, schien es 
durchaus geboten, dass die hamburger Grossloge, wenn sie 
den Forderungen der Settegast -Logen nachgeben wollte, 
sich zuvor mit den drei preussischen Grosslogen in Ver- 
bindung setzte, um mit ihrer Zustimmung nach gemeinsamer 
Beratung die Art und Weise der Angliederung, die an sich den 
drei preussischen Grosslogen nicht unerwünscht war, festzu- 
stellen und auszuführen. Durch offene Auseinandersetzung wäre 
unzweifelhaft das von allen erstrebte Ziel erreicht worden. 
Allein die hamburger Grossloge meinte ebenso wie die des 
Eklektischen Bundes diesen Weg vermeiden zu müssen; sie 
liess allerdings unter der Hand bekannt werden, dass sie 
damit umgehe, die Settegast-Logen mit sich zu vereinigen, 
betrieb aber im üebrigen die Vorbereitungen geheim, so 
dass es ihr möglich wurde, mit einer vollendeten Thatsache 
hervorzutreten. 

Zunächst wurde in Berlin am 12. Juni eine neue Loge 
hamburger Lehrart unter dem Namen Victoria gegründet, 
die aber nur aus den notwendigsten Beamten bestand und 
dann mit den Mitgliedern der gleichbenannten Settegast- 



— 449 — 

Loge gefüllt werden sollte. Ihr fiel die Aufgabe zu, in einer 1900 
Arbeit 202 Mitglieder der Settegast-Logen dem Verband der 
Oroseloge von Hambarg zuzuführen. Dies geschah am 
18. Oktober in den Räumen der sog. Grossloge Kaiser Friedrich 
zur Bundestreue. Die Mitglieder der einzelnen Settegast-Logen 
wurden in Gruppen von 30 — 50 in den Saal geführt und hier 
gemeldet als Brüder der unter der Grossloge Friedrich zur 
Bundestreue arbeitenden Loge (folgte der Name der Settegast- 
Loge), die bäten in den Verband der Grossen Loge von 
Hamburg aufgenommen zu werden. Hierauf wurden sie 
durch Handschlag und Unterschrift verpflichtet, die ihnen 
z. T. vorgelesenen Gesetze der hamburger Grossloge zu 
beobachten. Bei jeder Gruppe wurde das Verfahren wieder- 
holt. Aus diesen Mitgliedern der Settegast-Logen, die ihre 
Bekleidung und Logenabzeichen behielten, wurden alsdann 
zu Berlin drei hamburger Tochterlogen gebildet: Germania, 
Humanitas und Pestalozzi, und eine in Charlottenburg zum 
Spiegel der Wahrheit, deren Errichtung durch Beauftragte 
der hamburger Grossloge am 28. Oktober vollzogen wurde. 
In derselben Versammlung wurde durch die bisherigen 
Beamten der Settegast-Crrossloge diese für aufgelöst erklärt, 
nachdem dem Grossmeister von Hamburg die Ehrenmitglied- 
schaft dieser nicht anerkannten Grossloge erteilt war. Der 
Grossmeister nahm diese Ehrenmitgliedschaft nicht nur an, 
sondern verlieh auch im Auftrag der Grossen Loge von 
Hamburg deren Ehrenmitgliedschaft dem Br. Settegast. 
Zuletzt wurde die Errichtung einer hamburger Provinzial- 
Grossloge zu Berlin verkündet, der die in Berlin bestehenden 
sowie die in Stettin und Breslau in Aussicht genommenen 
Logen unterstellt sein sollten. 

Diese Art der Angliederung der Settegast-Logen stand 
in schroffem Widerspruch mit dem Aufnahme -Gesetz. Will- 
kürlich hatte sich die hamburger Grossloge über das geltende 
Recht hinweggesetzt, ohne die den Bundesgenossen schuldige 
Bücksicht zu beobachten. In der Grosslogen -Sitzung vom 
8. Dezember gab der National -Ghrossmeister Br. Gerhardt 
eine Uebersicht der Vorgänge und teilte den Schriftwechsel 

Q—ek. d. Gr. N*t-lI«tlM-Lof«. 29 



— 450 — 

1900 mit, der durch sie veranlasst war. Er wies nach, dass die 
Grossloge von Hamburg das auch für sie göltige allgemeine 
Aufnahmegesetz umgangen habe. „Wäre der deutsche Gross- 
logenbund, so beendigte er seine Ausfährungen, das, was 
er sein müsste, aber leider nicht ist, dann wären die Wege 
gebahnt, um solche Vorgänge von vornherein auszuschliessen 
oder doch soweit auszugleichen, dass ihren schädigenden 
Einwirkungen auf die maurerischen Verhältnisse in Deutsch- 
land möglichst vorgebeugt wird. Das Verletzende in dem 
Vorgehen der Grossen Loge von Hamburg liegt vielleicht 
weniger in der Anwendung der auch sie bindenden maurerischen 
Gesetze über die Aufnahme Suchender und die Annahme von 
Brüdern auf Männer, die Suchende nicht sein wollten und 
Brüder nicht sein sollten, als vielmehr in der rücksichtslosen 
Verleugnung der schweren Fehde, die zwischen dem Br. 
Settegast und seinen Gründungen auf der einen und den 
drei preussischen Grosslogen auf der anderen Seite noch 
unvermittelt bestanden hat, ohne dass auch nur der Versuch 
eines brüderlichen Ausgleichs gemacht worden ist. Immerhin 
möchte ich nicht schliessen, ohne dem Wunsch und der 
Hoffnung Ausdruck zu geben, dass es trotz Allem, was vor- 
gekommen, in dem aufrichtigen Streben nach brüderlicher 
Verständigung gelingen möge, auch diese aufs neue herauf- 
beschworene Schwierigkeit zu überwinden und dann zu 
einer innigeren Vereinigung der deutschen Maurerei zu 
gelangen, und so für einen wahrhaft brüderlichen Verkehr 
der Maurer auch in der Hauptstadt des Reichs den Boden 
zu bereitend (Bbl. 1900, XXH, 596 ff. und 624 ff.) 



^^^^ 



Anlagen. 



89» 



L 

Stiftmigs-Urkiinde der Matterloge zu den drei 
Weltkugeln vom 9. November 1740. 

Loix, Statutes et Ordonnances de la tr^ Respectable 
Soci^td des Francs et Libres Ma^ons. 



Les tiis respectables Fr&res Philippe Simon, Jean 
Serre,PaalBenezet etChristianGregorysesont assemblöe 
le XIII. Sept. TAn. 1740 et d'an common accord, sont 
convenos onanimement, d^^tablir avec le conaentement de 
la Conr une joste, parfaite et legitime Loge de france et 
libres Ma^ons. Ponr cet effet ils Tont fond^e et stabile k 
rhötel de Vincent dans la nie des Fr^res k Taile gaache snr 
le devant au troisidme £tage et cela sans pr^judice k la 
transmigration. 

Le mdme jour ils ont choisi le trto vtoirable Frtee 
Philippe Simon pour Maitre en chaire. Le Frtoe Jean 
Serre ponr Aini Surveillant, le Fr&re Paul Benezet ponr 
Jeune Surveillant et enfin le Fr&re Christian Gregory poor 
Secr^taire et TrÄsorier. 

En conformitä de Tusage ositö dans les autres Loges 
les Fröres ont encore ^tabli les Loix et Statutes suivants, 
qui ont 6t6 approuv^s et signös le IX Novembre MDCCXL. 

C hap. I. Articles concernants la T. V. Soci^t^ en G^niral. 

1. Les Fröres sont avertis par ce premier Article, que 
Ton proc^dera avec la derniöre rigueur et sans ^gard 
aux contrevenants, et qu'ils ne ponrront £tre dispensös 
de payer les Amendes prescrites. 

2. Les Loix et Statutes suivants seront gard^s et observte 
religieusement sans ne pouvoir jamais 6tre enfreints, 
except^ lorsQue les Membres Respectifs conviendront 
d'un Gas par runanimit^ le leors Voix dans un Ballotage. 

'^. La T. V. Loge s'assemblera les jours et heures stipom 
et marquös et se s^parera k hoit heures. 

4. Tout Fr^re, qui viendra k la Loge 4tant pris de Vin ou 
qui s'y enivrera, payera un ducat k la Caisse des Panvree. 



— 454 — 

5. La Loge etant ouverte, tout Fr&re qui se retirera sans 
une permission expresse du T. V. Maitre, payera 2. gr. 
k la Caisse des fonds. 

6. Qui forcera un Fröre k boire au delä de son inclination, 
payera 2 gr. ä la Caisse des Pauvres. 

7. Tout jurement, blasph^me, badinage impie, parole 
ind^cente et obscöne sont bannis de la Loge, sous peine 
de 8 gr. ä la Caisse des Pauvres. 

8. On ne traitera dans la Loge d'aucune affaire d'^tat, 
ni de Religion sous peine de 2 gr. ä la Caisse des 
Pauvres. 

9. Toute dispute, tout Sujet, qui pourroit en faire naitre, 
tonte expression choquante et piquante sont bannies 
de la Loge sous peine de 4 gr. ä la Caisse des Pauvres. 

10. Toute dispute, qui naitra contre Pordre stipul6, sera 
jug6e dans la Loge ou par un Comit6 de Fröres selon 
Fexigence du cas. 

11. Persone n'aura des entretiens particuliers, ni ne parlera 
k qui que ce soit pendant qu'on sera occupe d'affaires 
s^rieuses, ou qne Ton sera dans le travail, sous peine 
de 2 gr. k la Caisse des Pauvres 

12. On observera un religieux silence lors que le Maitre 
rimposera, sous peine de 2 gr. ä la Caisse des Pauvres. 

13. Les Frdres se caracteriseront pendant l'assemblee de la 
Loge des noms usit^s dans la T. V. Soci^te et lors que 
Ton adressera la parole au T. V. Maitre, on aura soin 
d'observer l'Etiquette etablie parmi nous, sous peine de 
2 gr. k la Caisse des Pauvres. 

14. II ne sera permis ä personne, d'ordonner aucun Meuble 
ou faire, quoi que ce soit pour la Loge sans son con- 
sentement. 

16. Toutes choses concemantes la Loge se feront et se 
concluront par le Ballotage et tout s'y traitera en 
fran9ois. 

16. Si l'on decouvre dans un Frere quelque Vice contraire 
aux loix de notre T. V. Loge et au but de notre T. V. 
Ordre, et qu'aprfes toutes les remonstrances conv^nables 
on ait lieu de d6sesp6rer de sa conversion, ce Fröre 
sera exclu de notre Loge et ne pourra plus y ötre admis. 
Chap. II. Articles concemants la Röception des Ap- 

prentifs et des Compagnons. 
1. Tout homme faisant profession d'Athöisme ou de 
Libertinage, ne pourra ötre re9u sous quelque prötexte 
que ce soit. 



— 455 — 

2. Tont digne Postulant pour 6tre admis dans notre T. V. 
Ordre sera proposö par un des Membres, et appuy^ 

Sar an Second, toos les deax r^pondront de sa docüitö, 
e ses moenrs, du payement au fond de la Loge, et de 
la demie des frais du Jour de sa r^ception. Au d^faut 
de quoi celui qui Taura propos^, sera contraint au 
payement et aux frais de sa r^ception. 

3. Le Postulant ne pourra ^tre admis que du consentement 
unanime des membres pr^sents. 

4. Le Maitre en Chaire au bout de son Rdgne, aura la 
libert^ de rappeler au Ballotage pour la seconde fois 
les Postulants refus^s k la premi^re, pareillement son 
successeur pour la troisi^me fois, aprds quoi le mdme 
Sujet ne pourra plus ^tre propos6 sous quelque prätexte 
que ce soit. 

5. Le Candidat proposä, ballotä et admis ne sera re9u 
qu^ä la Huitaine, k moins que ce ne soit un j^tranger 
dont le d^part presse et qui en ce cas payera tous les 
frais d'une Loge extraordinaire. 

6. Le noveau Fröre re9u payera 60 Rixdaler k la Caisse 
des fonds le m^me jour avant sa r^ception, imm^diatement 
apres la lecture des Loix, et un Ducat au Portier sans 
ägard k la personne, exceptä les Frdres servants. 

7. Tout Fr^re Apprentif re9u dans une Loge ifetrangdre, 
qui desirera ^tre passä Compagnon dans notre T. V. Loge, 
payera 10 Rixd. k la Caisse des F. et un £cu au Portier. 

8. Conforinäment aux Coütumes des Loges d'Angleterre, 
la notre proposera trois Candidats le Jour de la S. Jean, 
afin que Tun des trois soit re<;u gratis, ce qui se fera 

Far le scrutin, et celui qui aura le plus de voix, 
emportera sur ses deux Compagnons. 

9. Toutes personnes re<;ues clandestinement, qui se pre- 
senteront pour avoir entr^e dans notre Loge, n'y seront 
admis qu^aux conditions de pr^ter Tobligation de nouveau 
et de payer la Somme stipul^e dans nos Loix. 

10. Tout Fröre ötranger, qui se prösentera pour avoir entröe 
dans notre Sanctuaire, n'y sera pas admis, quHl ne 
donne des preuves convainquantes de sa röception, ou un 
Certificat de la Loge, ou il aura 4t4 re^u. signä du Maitre 
en Chaire, des Officiers et döcorö du Sceau de la Loge. 
Chap. 111. Loix concemants la Riception des Maitrea. 
1. Personne ne sera re^u Maitre, qui n'ait assistö rigo- 
liörement au travail de la Loge pendant trois mois 
consöcutifs. 



— 456 — 

2. Lorsqu'un Fr&re voudra dtre re9a Maitre, on le proposera 
et bailotera en Loge de Maitre. 

3. Tont Frdre re9a dans notre T. Y. Ordre qa^on aura 
passi maitre, payera 5 Bixd. k la caisse des Fonds et 
nn Eon an Portier. Si c'est nn Fröre ^tranger, il payera 
le donble k la Caisse des Fonds. 

4. A la premidre Loge de chaqne mois les Mattres con- 
viendront d'nn jonr ponr tenir Loge de Mattre ä laquelle 
ancnn Apprentif ni Compagnon ne ponrra etre admis. 

Chap. rV. Loix concemants les Membres. 

1. Tont Fröre re9n dans notre T. V. Loge, qui vondra 
en ötre fait Membre, ne ponrra en exiger le ballotage 
qn'apris six semaines de röception, et la plnralitö des 
Voix en döcidera. 

2. Les Fröres Membres payeront trois Eons par Quartier 
k la Caisse des Fonds pour l'entretien de la Loge, (exceptö 
le Fröre Secrötaire, qni sera franc de tons les frais. 
Le dit Fröre Secrötaire aura tous les ans 15 £cus de 
chaqne Loge, que la nötre 6rigera en qnalite de fille, 
conformöment aux Grandes Loges de Londres et de 
Hambourg. Cet Article a 6t& döcidö, Loge du premier 
de Septembre 1746 par un Ballotage unanime.) 

3. Tont Fröre Membre sera tenu de tenir ä ses frais un 
tablier conforme an modöle usitö dans notre T. Y. Loge. 
De plus il n'entrera jamais en Loge avec aucune arme 
offensive ou defensive, et ne se trouvera la Loge ouverte 
Sans ötre babillö sous peine de 2 gr. 

4. Tont Membre invitö, qui ne sera pas prösent ä Touverture 
de la Loge, payera 2 gr. ä la Caisse des Pvr. Et qui 
ne s'y rendra pas du tout sans s'ötre fait excuser dans 
les formes, payera 2 Gr. Si c'est un des Officiers, il 
payera le double dans les deux Cas. 

5. Aucun Fröre Ma^on recu aiUeurs ne ponrra etre incorporö 
Membre dans notre T. Y. Loge aux 3 Globes, k moins 
quil ne paye 20 Rixd. ä la Caisse des Fonds, Exeeptö 
ceux, qui prouveront y avoir döjä contribue et ^tant 
devenus Compagnons ou Mattres, en quel cas ils ne 
seront tenus qu'au surplus de ce qui manquera a la 
dite Somme. 

II est toute fois ä noter que quant k ceux qui ne 
seraient que devenus Maitres, il ne leur tournera ä 
Compte que 5 ]^us des 10 Ecus, qu' ils auront payes ä 
leur röception de Maitre. 



— 457 — 

6. Celui qui sera charg^ de quelque commission concemant 
la Loge s^en acquittera d'ane maniere convenable, et 
Sans prendie de profit. 

7. Tont Membre est somini de ne point donner de balle 
d'opposition, lors qu'il s'agira de balloter sor un snjet 
digne et lägitimement proposä poor 6tre Ma9on, ou a 
r^gard de toute aatre chose concernant la Loge, sans 
une juste et bonne raison, sous foi de Magon. 

8. Tont Membre, qui voudra s^absenter, payera Six Mois 
d'avance pour le Fond de la Loge soos peine d'en Atre 
exciu, et il sera tenu au bout de ces six mois de poorvoir 
au payement des six suivanta, soos peine d'6tre ray^ 
apres quinzaine. 

9. En conformit^ de cette Loi et poor le soutien de la 
soci^t^ la T. Y. Loge est convenue unanimement, que 
dors en avant, toos Frdres Membres, qui ne payeront 
pas leurs quartiere, d^abord k T^lch^ance ou pour le 
p]u8 tard au bout de quinze jours, seront rayte du 
nombre des Membres. 

10. Et pour plus de süret^ du payement des Quartiers, la 
T. V. Loge a jug6 k propos, d'ins^rer encore ici, que 
tous Fröres Maitres ou Compagnons, qui d^ireront dtre 
re^us Membres de notre T. V. Loge, seront tenus de payer 
le Quartier avant que d'etre initi^s au Nombre des Membres. 

Chap. V. Loix concernants les Frdres Visiteurs. 

1. Les Fröres Visiteurs payeront pour leur Entr^e 8 Gr. 
a ]a Caisse des fonds, exceptä la premiöre fois. 

2. Les Fr^res Visiteurs n^auront point de Voix anx 
d^iib^rations de la Loge. 

Chap. VI. Loix concernants les Officiers de la Loge. 

1. Tous les trois mois Ton choisira d'entre les Membres 
par Scrutin un nouveau Maltre en Chaire, deux Sur- 
veillans, un Secr^taire et un Tr^sorier. 

2. Si les int6rßts et les affaires de la Loge Texigent, Ton 
pourra confirmer un ou plusieurs Officiers dans leurs 
cb arges. 

3. On ne pourra ^tre ^lu Maltre en chaire qu'on n'ait 
servi notre T. V. Loge en qualit^ d'Officier, c'est k dire 
Passe -Maitre ou Surveillant. 

4. Lorsque le Maitre rignant quittera la chaire, le Secr^ 
taire et le Tr^sorier lui rendront les comptes, et le 
Maitre quittant la Chaire les rendra k son succeeseur 
en pr^sence de tous les Membres. 



— 458 — 

5. Si le Maitre r^gnant manque de se trouver k la Loge, 
le Passe -Maitre occapera la Chaire et an d^faut de ce 
dernier, les autres Officiers selon leur rang. 

6. Le Tr^sorier et le Secr^taire aaront soin. des Comptes 
et s'en acqnitteront avec le zdle et Texactitude requise. 

7. Le T. V. Maitre aora soin de procMer toos les Jours 
de Loge ä one partie du travail, et ordonnera la lectore 
d'une partie de Livre des constitutions de notre T. V. 
Ordre pour Pinstrnction des Apprentifs et des Compagnons 
et pour l'^dification de ses Fr^res en g^n^ral. 

8. Lors qu'on aura re9u un nouveau Frere, le Secr^taire 
lui lira les Loix et les lui fera signer. 

9. Conform^ment aux usages ätablis en Angleterre, les 
Officiers de la Loge tiendront une assembl^e tous les 
3 Mois, qui sera toujours le dernier Samedi des dits 
3 Mois, afm d'examiner tous les diff^rents et autres cas, 
qui pourroient survenir concernant la Loge, ainsi que la 
recette et la d^pense. 

Gbap. VII. Loix concemants les Fonds de la Loge. 

1. Le Tr^sorier aura les Argents, Billets et Obligations 
des Fonds de la Loge entre ses mains et röpondra du 
tout, bien entendu chacun dans leur nature. 

2. A mesure que les Fonds de la Loge s'accumuleront, 
les Membres respectifs conviendront de leur emploi au 
b6n6fice de la Loge, et si le capital est assez considörable, 
pour ^tre mis aux Int^r^ts, on le placera de la mani^re 
la plus süre. 

3. Les amendes seront distribuöes tous les Six Mois k 
tels pauvres, que la Loge jugera ä propos. Bien 
entendu aux pauvres Fröres Ma^ons seuls. 

4. On ötablira un Portier, qui recevra tous les Mois 2 Rixd. 
du Fond de la Loge. 

Diese Stiftungs-Urkunde, der eine deutsche Uebersetzung 
beigefügt wurde, ist von den Stiftern sov^rie von den später 
bis 1764 aufgenommenen Brüdern unterschrieben. 



IL 

Die Yereinignngs-Urkande'O der drei Grossen 
Logen Preossens vom 28. März 1860. 



Der Freimaarer-Orden, wie solcher in Preussen besteht, 
ist eine Verbindung, deren Zweck darauf gerichtet ist, fern 
von jeder politischen oder konfessionell -kirchlichen Tendenz 
nach den Grundsätzen des Christentums durch die ihr 
eigentümliche Lehr- und Uebungsweise echte Religiosität, 
edle Gesinnungen, innere Rechtlichkeit, veredelten Patriotismus, 
Ehrfurcht, Gehorsam und Liebe gegen den Landesherm, 
Vertrauen, Eintracht, Brudersinn und jede gesellige Tugend 
zu nähren und zu verbreiten. 

Die Bestrebungen des Ordens richten sich daher 
unmittelbar an den Menschen als solchen, abgesehen von 
den äusseren Lebens-, bürgerlichen und Standesverhältnissen. 

Der Orden verlangt von seinen Mitgliedern einen 
unbescholtenen Ruf und sittlichen Lebenswandel sowie den 
Grad geistiger Bildung und diejenige Empfänglichkeit des 
Gemüts, welche zur Förderung des Zweckes der Freimaurerei 
unerlässlich sind; seine Mitglieder sollen die heilsamen 
Einflüsse, welche die Freimaurerei auf ihre geistige, moralische 
und gesellige Vervollkommnung erwirkt, auch in ihrem 
aussermaurerischen Leben sichtbar werden lassen, sich überall 
als Gottesverehrer zeigen, die religiösen Meinungen Anderer 
achten und sich alles Spottes über Glaubenssachen enthalten. 

Seinen Mitbürgern gegenüber soll der Freimaurer friedfertig 
und ein Vorbild in unwandelbarer Treue sowie in dem 
Gehorsam gegen den Landesherm, die Obrigkeit und die 
Landesgesetze sein; er darf keine Verbindung oder Unter- 
nehmung eingehen, welche den Pflichten redlicher Staats- 
bürger entgegen zu wirken beabsichtigen könnte, vielmehr 
ist er verpflichtet, sobald er davon Nachricht erhielte, sie 
den Gesetzen gemäss sofort der Behörde anzuzeigen. 

^) Die Grunds&txe sind den ^ 1 bis 88 der BandessUtnten der 
Grossen National -Mutterloge nach der Durchsicht Ton 1841 fast 
wörtlich entlehnt. — S. S. 180. 



— 460 — 

Der Freimaurer bat dahin zu streben, dass er auf der 
Stelle, welcbe er im bürgerlichen Leben einnimmt, alle seine 
Obliegenheiten vollkommen erfülle; er wirke, eingedenk 
seines Berufes als Glied einer höheren Weltordnung nicht 
bloss für sich sondern auch für seine Mitmenschen und zum 
Wohl des Ganzen. Er hat sich eines häuslichen, sittsamen, 
massigen, bescheidenen Wandels zu befleissigen und sich in 
seinen Versprechungen zuverlässig, in seinen Entschliessungen 
beharrlich und im Kampf für Recht und Wahrheit unbeugsam 
zu beweisen. 

In seinem Privatleben soll der Maurer bemüht sein, 
Frieden und Vertrauen zu stiften und zu erhalten; er hat 
die seiner Obhut Anvertrauten zur Gottesfurcht und wahren 
Religiosität, zu treuen Unterthanen zu erziehen und über 
ihre geistige und leibliche Wohlfahrt zu wachen. 

Allen Menschen trage er Bruderliebe entgegen, den 
Leidenden und Hülfsbedürftigen sei er nach Kräften und 
unbeschadet anderer Pflichten ein Helfer in der Not, und 
selbst in dem Gefallenen achte er den Menschen. 

Der Freimaurer muss dem Orden Kräfte, Talente und 
Zeit widmen, auch müssen ihn Gehorsam, Treue, Vertrauen, 
Eifer, Uneigennützigkeit und Verschwiegenheit beseelen, es 
sei denn, dass in Bezug auf das Letztere man ihn auf 
Staatswegen frage, in welchem Fall er Alles zu bekunden 
hat, was er in dieser Hinsicht als Maurer erfahren haben 
könnte, da es den Tendenzen des Ordens nicht entspricht, 
vor den Regenten irgend ein die Regierung und den Staat 
betreffendes Geheinmiss zu hegen. 

Nicht Stand, Rang und Reichtum gelten im Bunde, 
wohl aber sind Verstand und richtiges Gefühl, Sittlichkeit 
und geistige Bildung Eigenschaften, welche dem Besitzer 
Achtung unter den Brm. sichern; die Ehre des Freimaurers 
ist das Bewusstsein treu erfüllter Pflicht, ein reiner Wandel 
und ein gutes Gewissen. 

Bundes-Verpflichtungen sind heilig zu halten, Maurer- 
wort muss gleich dem feierlichsten Eide gelten; Selbst- 
erkenntniss, Bekämpfung der Leidenschaften sind die 
ernstesten Arbeiten des Freimaurers. 

Strenge gegen sich selbst soll er Milde gegen Andere 
walten lassen und sich niemals zu Hass, Hochmut, Neid, 
Verleumdung und Streitsucht hinneigen, denn sie machen 
ihn zu einem unwürdigen Gliede in der reinen Bruderkette. 

In seinem Verhältniss zu den Bundesbrüdem hat sich 
der Freimaurer durch Eintracht, Gefälligkeit, rege Teilnahme, 



— 461 — 

Nachsicht, Bescheidenheit und Treue auszuzeichnen, den 
Ordens- Vorgesetzten ehrerbietig zu begegnen und ihnen 
vemunftmässigen Gehorsam zu leisten, doch darf der 
Freimaurer dabei weder zu einer Verletzung seiner Amta- 
oder Bürgerpflichten Anlass geben, noch irgend welche 
Parteilichkeiten zeigen; die Ordensverbindung soll überhaupt 
nicht zur Erlangung äusserer Vorteile missbraucht werden. 
Mit Staat, Kirche und Familie, als den naturgemäss 
älteren menschlichen Verbindungen, erhält der Orden der 
Freimaurerei sich im Frieden. 

Berlin, den 28. März 1860. 

Die drei Groesen Logen yon Preussen. 

Das Direktorium des Bundes der Grossen National-Mutter- 

Loge zu den drei Weltkugeln. 

Schmfickert v. Olfers. Messerechmidt Seeger. Vater. 
Hont V. Hennensdorf. Deter. Petersson. 

Die Grosse Landesloge der Freimaurer von Deutachland. 
Klemm, di Die. Wilcke. Oartz. Manchd. 

Die Grosse Loge von Preussen, genannt j, Royal York zur 

Freundschaft^ . 

SchnakenbuTf. Hedemann. BrScker. BoucM. 



m. 

Lebensläufe. 



Albrecht, Heinrich, Wilhelm, Eduard, ward im Jahr 1832 
zu B e r 1 i n geboren. Sein Vater war der Hofzahnarzt Albrecht, 
dessen Berufsthätigkeit wohl als mitbestimmend für die spätere 
ärztliche Thätigkeit des berühmteren Sohnes angesehen 
werden darf. 

Als zwanzi^ähriger Jüngling bezog er die Universität 
Berlin, wo er mit seinem Jugendfreund Albrecht von Gräfe 
sich dem Studium der Medizin widmete. 

Bald hatte er den Mut sich als Privatdozent für die 
Zahnheilkunde zu habilitiren, die durch ihn von handwerks- 
massiger Technik zu einem selbständigen Zweig der 
medizinischen Wissenschaft erhoben werden sollte. 

Die erste zahnärztliche Klinik in Deutschland ward von 
ihm 1855 aus eigenen Mitteln gegründet. Fach wissenschaftliche 
Werke haben ihm daneben in Deutschland und im Ausland 
einen guten Ruf erworben. Im Jahr 1868 wurde er zum 
Professor ernannt, und die von ihm begründete „Klinik 
für Mund- und Halskrankheiten^ ward in die Zahl der 
Universitätskliniken aufgenommen. Nach dem fünfundzwanzig- 
jährigen Bestehen dieser Klinik am 19. September 1880 wurde 
zu Ehren des Stifters ein Albrecht- Stipendium gegründet. 

Nicht allein rastlos thätig in Vorlesungen und in der 
Verwaltung seiner Klinik wirkte er auch als praktischer 
Arzt, der viel beschäftigt und liebevoll reichen und herzlichen 
Dankes sicher war. 

Er ward geehrt durch die Kriegsdenkmünzen von 1848 
und 1870 und den Kronenorden 4. Klasse. 

Am 17. März 1851 trat er in die Loge „zu den drei 
Seraphim'' in Berlin; 1863 — 79 war er dort Redner, dann 
Vorsitzender Meister, als welcher er die Weihnachtsfeier dieser 
Loge, die den anderen berliner Logen zum Vorbild dient, 
einführte und dazu ein echt maurerischen Geist atmendes 
Ritual verfasste. 1865 ward er Mitglied der Grossloge, auch 
ihr beliebter Grossredner. Zum Mitglied des Bundes- 
direktoriums wurde er im Jahr 1876 erwählt, neben welchem 



— 463 — Bellermann. 

Amt er noch drei Jahre den Vorsitz in seiner Johannis- 
loge behielt. Selbstlose, aufopfernde Thätigkeit war sein 
wesentlicher Charakter. 

Im August 1881 zog er sich bei einer Operation eine 
Blutvergiftung zu, von der er Genesung nicht zu erhoffen 
wagte. Mach anscheinender Besserung nahm er seine viel- 
seitige Beschäftigung zwar wieder auf, war sich aber des 
Todeskeims, den er in sich trug klar bewusst und erlag der 
wieder ausbrechenden Krankheit nach kurzem Schmerzens- 
lager am 25. Januar 1883. 

Ausserhalb wie innerhalb der Loge treu seinem Wahl- 
spruch : Licht — Liebe — Leben — hat er als Maurer gelebt, 
gelehrt und gewirkt. 

Behrend« Karl Wilhelm, geb. zuBerlinam lO.Februar 1765, 
lutherisch, erhielt den ersten Unterricht auf der Kgl. Real- 
schule. Auf den Rat des Direktors Heck er widmete er sich 
dem Schulfach, ward 1786 Hülfslehrer an der Realschule, 
1788 ordenüicher Lehrer. 1792 verliess er diese Laufbahn, 
und wurde beim Ober-Kriegs-Kollegium als Geheimer Sekretär 
angestellt, 1 805 Geheimer Registrator beim Militair-Oekonomie- 
Departement und 1817 Kriegsrat beim Departement des Kriegs- 
Ministeriums. 

Aufgenommen als Freimaurer den 15. März 1805, ward 
er befördert nach II d. 13. Dezember 1805, nach III d. 
25. August 1809 und nach IV d. 25. August 1812. Vom 
Jahr 1810 bis 1822 Schriftführer der Schaffner-Loge, 1819 
zugeordneter Gross -Archivar, 1832 Gross-Archivar, ward er in 
Anerkennung seiner Verdienste um den Bund am ] 5. September 
desselben Jahres zugleich zum Mitglied des üundes- 
Direktoriums gewählt. Diese beiden Logenämter bekleidete 
er bis zu seinem Tod am 6. Februar 1839. 

Bellermann, Johann Joachim, geboren am 23. September 
1754 zu Erfurt, bezog 1772 die dortige Universität und 
1775 die zu Göttingen, um Theologie zu studieren. Im 
Jahr 1778 übernahm er in Reval eine Hauslehrerstelle, kehrte 
1782 nach Erfurt zurück und wurde dort 1784 zum Professor 
der Philqsophie an der Universität und 1790 zum Professor 
der Theologie ernannt. 1794 erhielt er das Amt des 
Direktors des Erfurter Ratsgymnasiums und wurde 1804 
als Direktor des berliner Gymnasiums „zum grauen Kloster' 
nach Be'rlin berufen. Dort wurde er 1816 zum ausser^ 
ordentlichen Professor der Theologie an der Universität, 
1818 zum Konsistorialrat ernannt, auch ward ihm 1824 



V. Beyer. — 464 — 

der rote Adlerorden dritter Klasse verliehen. Im Jahr 1828 
trat er indess in den Ruhestand, in welchem er 1833 sein 
fünfzigjähriges Doktor -Jubiläum und 1840 sein goldenes 
Hochzeitsfest feierte. 

In den Freimaurer-Bund trat Bellermann schon im 
Jahr 1778 während seines Aufenthaltes zuReval, indem er 
sich der damals dort bestehenden Loge „zur Bruderliebe^ 
anschloss. Nach Erfurt zurückgekehrt, stiftete er mit anderen 
Brm. im Jahr 1787 dort eine neue Loge nach Verfassung 
des eklektischen Bundes zu Frankfurt a. M. unter dem 
Namen „Karl zu den drei Rädern^, die aber 1797 geschlossen 
wurde. 1803 schloss sich diese Loge nach erfolgter Erneuerung 
unter demselben Namen, nachdem Erfurt preussisch geworden, 
auf Bellermanns Betrieb der Grossen National-Mutterloge 
zu den drei Weltkugeln an, und er war bis zu seinem Abgang 
nach Berlin Redner dieser Bauhütte. 1804 den 13. AprU 
bei der Loge „zur Eintracht '^ in Berlin angenommen, und 
bis 1812 ihr Redner, wurde Bellermann 1809 zum Mitglied 
der Grossen National-Mutterloge, 1817 zum Mitglied des 
Alt- Schottischen Direktoriums, 1828 zum zugeordneten 
National-Grossmeister erwählt und legte endlich 1839 nach 
mehr als 60jähriger segensreicher Wirksamkeit wegen hohen 
Alters dieses Amt nieder, worauf er zum Ehrengrossmeister 
ernannt wurde. Hochbetagt über 86 Jahre alt starb 
Bellermann 1842. Im Archiv sind Handschriften von ihm 
aufbewahrt, durch die ausser Zweifel gestellt ¥drd, dass er 
ttchon vor seinem Eintritt in das Bundes-Direktorium an der 
1816 herausgegebenen Instruktion zu VII gearbeitet hat. 

Die Prüfung der sog. Kölner Urkunde beschäftigte ihn 
längere Zeit; und in seinem Outachten über sie ist ein 
grosser Schatz von philologischen Kenntnissen niedergelegt. 

V. Beyer, Georg Friedrich Eberhard, geb. am 23. Dezember 
1739 zu Halberstadt, widmete sich dem Handelsstand in 
Braunschweig und Magdeburg. Dort stand er dem 
Geschäft der Gebrüder Schwarz vor und machte in deren 
Auftrag Reisen durch Deutschland und Holland. 1765 
erhielt er von dem genannten Haus die Oberaufsicht der 
von diesem erworbenen Stempelpacht. In dieser Stellung 
lernte ihn der Minister v. Hagen kennen, der ihn 1776 zum 
ersten Direktor der Hauptstempel- und Kartenkammer nach 
Berlin berief. 1778 wurde er bei der Ober -Rechnungs- 
kammer angestellt, 1784 zum Geheimen Rat ernannt, und 
ihm beim Tod Friedrichs des Grossen die Versiegelung 



— 466 — V. Bieberstein. 

des königlichen Nachlasses anvertraut. Bald darauf ging er 
als Geheimer Ober-Finanzrat zu dem Accise-Departement über. 

In den Freimaurer-Bund ward v. Beyer am 6. Juli 1776 
in der Loge ^zur Verschwiegenheit^ zu berlin aufgenommen 
und 1778 Meister vom Stuhl dieser Loffe, welches Amt er 
beinahe 40 Jahre verwaltete. 1780 zum Mitglied der Grossen 
National -Mutterloge, 1797 zum Mitglied des Direktoriums 
imd 1817 zum zugeordn. National -Orossmeister ernannt, 
starb er zu Berlin den 24. Februar 1818. 

Durch Ausarbeitung der Anweisung für das Altschottische 
Direktorium i. J. 1797, welches demnächst zur Grund Verfassung 
der Grossen National-Mutterloge umgearbeitet wurde, erwarb 
er sich um diese ein grosses Verdienst. 

V. Bieberstein« Christian Adam Marschall, ward 
geboren am 25. Juli 1732 zu Kolberg. Sein Vater war 
Hauptmann bei dem Dragoner-Regiment von Platen. Die 
erste Erziehung erhielt Marschall v. Bieberstein im Haus 
des Geheimen Rates Estienne zu Berlin. Für die mili- 
tärische Laufbahn bestimmt trat er 1752 in das Heer Friedrichs 
des Grossen. Er focht in den Schlachten des 7jährigen Krieges 
bei Prag, Breslau, Leuthen, Zorndorf und Kuners- 
dorf mit. Nach Beendigung des 7jährigen Krieges erhielt 
er eine Prälatur des Stiftes Cammin verliehen. Er beschloss 
seine militärische Laufbahn als Major im Regiment v. PfuhL 

In den Freimaurer-Bund trat Marschall v. Bieberstein 
am 3. Mai 1765 bei der Loge „zur Eintracht^ zu Berlin, 
war 1770 Vorsitzender Meister der neugestifteten Militär- 
Loge „zum flammenden Stern ''f der er bis an sein Lebensende 
angehörte, und 1780 Stifter und Vorsitzender Meister der 
Loge zu Cammin. Er starb zu Berlin den 6. Februar 1786, 
und die Brr. ehrten sein Andenken durch ein in demselben 
Jahr errichtetes Denkmal im Logengarten. 

Er war nicht ein Mann von tiefer wissenschaftlicher 
Bildung aber ein Br., auf den man das Wort anwenden 
kann, dass ihm das Herz auf dem rechten Fleck gesessen 
habe. Seine Ansprachen an die Brr., von denen mehrere 
im Archiv noch aufbewahrt werden, sind kurz und bündig, 
ohne Schmuck der Rede. AUe atmen aber den Geist 
unerschütterlicher Redlichkeit, furchtloser Offenheit und 
Oradheit und ungekünstelten Wohlwollens. Kennzeichnend 
für ihn wird von seinen Zeitgenossen berichtet, dass er, um 
in den Logen- Arbeiten recht genau zu sein, das ganze 
Ritual auswendig gelernt hatte und nie ein Buch oder eine 
schriftliche Vorlage brauchte, dass er femer den Logenbesuch 

Otsch. d. Or. Nat.- Mutter -Lof^ 80 



V. Blomberg. — 466 — 

der Brr. sorgsam überwachte, Säumige, auch solche, die 
im militärischen Rang über ihm standen, mündlich oder 
schriftlich zur Rede stellte und den Schriftführer der 
Loge beauftragte, für diejenigen Brr., welche zu häufig ohne 
genügenden Entschuldigungsgrund der Loge fernblieben, 
die ^tlassungs-Urkunde bereit zu halten. 

V. Bielfeld, Jakob Friedrich, geboren zu Hamburg 
den 31. März 1717 als Sohn eines Kaufmanns, trat 
im Jahr 1740 als Legationsrat in den preussischen Staats- 
dienst und wurde 1748 in den preussischen Freiherrnstand 
erhoben. Später ward ihm die Erziehung des Prinzen 
Ferdinand von Preussen anvertraut, und die Pflegschaft 
der Akademie der Wissenschaften übertragen. Endlich zum 
Geheimen Rat und zum Gesandten im Haag ernannt, zog 
er sich später in das Privatleben zurück. 

Dem Freimaurer- Bund gehörte v. Bielfeld seit 1737 
an, wo er in die Loge „Absalom" in Hamburg aufgenommen 
wurde. Er war Zeuge der Maurer-Weihe Friedrichs des 
Grossen zu Braunschweig 1738 und ward mit dem 
Geheimen Rat und Vice- Präsidenten der Akademie Jordan 
auf des grossen Königs Veranlassung Mitbegründer der Loge 
„aux trois globes", aus welcher später die Grosse National- 
Mutterloge hervorging. Im Jahr 1754 war er Meister vom 
Stuhl. Er starb 1770 auf seinem Gut Treben im Alten- 
burgischen. (Vergl. Allg. Handbuch der Freimaurer Bd. 1, 
S. 113.) 

V. Blomberg, Freiherr, Georg Friedrich Siegmund, 
geboren den 13. September 1784 zu Iggershausen im 
Lippeschen, erhielt seinen ersten Unterricht in Lemgo und 
bezog alsdann die Universitäten Göttingen und Jena, um 
die Rechte zu studieren. Er erhielt zuerst in lippeschen 
Diensten eine Anstellung, verliess sie jedoch in den unglück- 
lichen Kriegsjahren 1806 und 1807, um später gegen die 
Franzosen in der russisch-deutschen Legion zu fechten. 
Nach dem Einzug der Verbündeten in Paris legte er das 
Schwert nieder, ergriff es aber nochmals, als 1815 der Kampf 
aufs Neue entbrannte. Er focht bei Ligny und Belle- 
Alliance und erhielt das eiserne Kreuz. Der Krieg hatte 
ihm ein lange dauerndes Leiden zugezogen, nach dessen 
Heilung er wieder in preussische Staatsdienste trat, wie er 
1815 in preussischen Diensten gefochten hatte. Er stieg 
von Stufe zu Stufe und schied als Wirklicher Geheimer 
Regierungsrat im Ministerium des Innern 1843 aus dem Staats- 
dienst, um sich auf das Gut seiner Vorfahren zurückzuziehen. 



— 467 — Bornemann. 

In den Freimaurer- Bnnd trat v. Blomberg zn Magde- 
burg. Am 17. Oktober 1834 bei der Loge ,,zur Eintracht* 
zu Berlin angenommen, wurde er Hitetifter der Loge ^zu den 
3 Rosen im Teutoburger Walde*' in Detmold und y^zvi 
wachsenden Palme* in Arolsen, war Hitglied der Mutter- 
loge seit 1839 und des Bundesdirektoriums 1839 bis 1843, 
aus welchem er als Ehrenmitglied ausschied. Er starb zu 
Iggershausen am 9. Oktober 1855. 

V. Blücher, Gebhard Leberecht, später Fürst von Wahlstatt, 
geboren zu Rostock am 16. Dezember 1742, gestorben am 
12. September 1819 zu Eriblowitz in Schlesien. Das 
Leben und die Grossthaten dieses preussischen Helden zu 
schildern, ist hier nicht der Ort. 

Blücher trat in den Freimaurer-Bund am 6. Februar 
1782 in der Loge ,»Angusta zur goldenen Krone* zu 
Stargar d in Pommern, war 1802 Mitstifter und erster 
Meister vom Stuhl der Loge „zu den drei Balken des neuen 
Tempels* in Münster i. W. und wurde m demselben Jahr 
Ehrenmitglied der Mutterloge, welche Würde er bis zu 
seinem Tod bekleidete. 

Bornemaoo, Karl Friedrich, wurde am 23. Oktober 1805 
zu Berlin geboren. Er war ein Sohn des als mundartlichen 
Dichters bekannten Lotteriedirektors Bornemann. Nach- 
dem er das Friedrichs -Werdersche Gymnasium in Berlin 
besucht hatte, studierte er in Berlin und Bonn 1825-1827 
die Rechte. Im Oktober 1833 wurde er Kammergerichts- 
assessor und erhielt 1835 die Stelle eines Gamison-Auditeuis 
zu Köln a. Rh. 1840 wurde er als solcher nach Potsdam 
versetzt. 1860 wurde er zum vortragenden Rat im Kriegs- 
ministerium ernannt und nahm 1871 aJs Wirklicher Geheimer 
Kriegsrat den Abschied. 1873 verlegte er seinen Wohnsitz 
nach Wiesbaden, wo er am 2. September 1897 starb. 

Zum Freimaurer wurde er 1845 in der Loge „Teutonia 
zur Weisheit* zu Potsdam aufgenommen. In Berlin schloss 
er sich 1861 der Loge „zum flammenden Stern* an, deren 
Vorsitzender Meister er 1862 und 1863 wurde. Seit 1862 
Mitglied des Bundesdirektoriums ward er 1869 zum zu- 
geordneten National-Grossmeister gewählt. Bei seiner Ueber- 
siedlung nach Wiesbaden legte er dies Amt nieder. Für die 
Freimaurerei war er ausserordentlich thätig; in Wiesbaden 
begründete er mit anderen Brm. die Loge „HohenzoUem*, 
deren erster Vorsitzender Meister er wurde und deren Mit- 
glied er bis zu seinem Tod blieb. 1895 konnte er das 
50 jährige Maurer- Jubiläum feiern. 

30» 



Braonschweig Herzog von — 468 — 

Bournanilt Michael Philipp, geboren zu Potsdam am 
12. April 1747, widmete sich dem Baufach und begann 1763 
seine Laufbahn als Baukondukteur bei dem damaligen 
Baukomptoir, späterem Hofbauamt zu Berlin. Er wurde 
nach 7 jähriger Thätigkeit, während welcher er auch die 
Baugeschäfte des Stiftes Quedlinburg versehen hatte, im 
Jahr 1770 von der Prinzessin Amalie, Aebtissin von 
Quedlinburg, zum Bau-Inspektor ernannt. Nach dem 
Ableben seines Vaters im Jahr 1776 ging er zum Ober- 
Baudepartement über und wurde dort als Assessor mit 
Beibehalt seiner Geschäfte bei dem Hof- Bauamt angestellt, 

1787 aber zum Geheimen Ober-Baurat ernannt und erhielt 

1788 das Stiftskreuz zu St. Gangolphi in Magdeburg. 
1794 wurde ihm mit dem Titel als Geheimer Oberfinanzrat 
und Ober-Hofbau-Intendant die Leitung des königlichen 
Ober-Baudepartements übertragen. 

In den Freimaurer -Bund ward er am 3. August 1775 
in der Loge „zur Eintracht^ zu Berlin aufgenommen, 1799 
zugeord. Meister der Loge „zur Verschwiegenheit"^ daselbst, 
im Jahr 1795 Mitglied der Mutterloge, in demselben Jahr 
Altschottischer Obermeister und am 22. November 1797 
Mitglied des Altschottischen Direktoriums. Er starb zu Berlin 
am 2. August 1803 und hinterliess 4 Söhne und 1 Tochter. 

In gerechter Würdigung seiner grossen Verdienste um 
unseren Bund, namentlich in Beziehung auf die Einführung 
der Grundverfassung vom Jahr 1797 hat die Grosse National- 
Mutterloge bei Veranlassung der siebenzigsten Jahresfeier der 
Grundverifassung im Jahr 1867 die ObermeisterBou mann 'sehe 
Stiftung gegründet. (Vgl. Bundesblatt 1892, Heft XVII, S. 384£F.) 

Braunsch wei; - Lüneburg - Wolffenbüttel , Ferdinand, 
Herzog von, ward geboren den 11. Juni 1721.. Als jüngerer 
Sohn des Herzogs Albrecht II. ward er für den Kriegs- 
dienst erzogen, ging 1741 mit König Friedrich II. von 
Preussen nach Schlesien und zeichnete sich im ersten 
schlesischen Krieg so aus, dass der König ihn mit dem 
schwarzen Adlerorden belohnte. Im zweiten schlesischen 
Ejrieg General -Major, zu Anfang des 7 jährigen Krieges 
General-Leutnant, war er es, der 1757 den Sieg bei Prag 
entschied. Nach der Schlacht bei Hastenbeck (Juli 1757) 
machte ihn der König auf die Bitten Englands zum Führer 
des verbündeten Heeres, und er trat in die Reihe der 
grössten Feldherren seiner Zeit. 

Nach dem 7 jährigen Krieg blieb er als Feldmarschall 
und Gouverneur von Magdeburg in preussischen Diensten, 



— 469 — Braunschweig Herzog tob 

nahm aber 1766 seinen Abschied und lebte von da ab in 
Braanschweig oder aaf seinem Schloss Yechelde bei 
Brannschweig. 

In den Freimaorer-Bmid trat Herzog Ferdinand am 
21. Dezember 1740 in der Loge „za den 3 Weltkugeln* in 
Berlin. 1743 in Breslau Meister, 1770 englischer Pro- 
vinzial -Grossmeister fQr das Herzogtum Braunschweig, 

1771 zum Protector Ordinis ernannt, trat er der strikten 
Observanz bei unter dem Namen Ekjues a Victoria und 
wurde 1772 auf dem Konvent zu Eohlo zum Grossmeister 
der schottischen Logen unter dem Titel Magnus Superior 
ordinis per Germaniam inferiorem erwählt und als solcher 
am 21. Oktober in Braunschweig eingesetzt. Zu Ende 
der 70er Jahre war er es, der den Konvent von Wilhelms- 
bad anregte, der 1782 zu Stande kam. Im Jahr 1782 
wurde er zum General -Grossmeister der vereinigten Logen 
erwählt. 

Nach dieser Zeit zog er sich mehr und mehr von der 
thätigen Mitwirkung in der Maurerei zurück und starb zu 
Braunschweig den 3. Juli 1792. 

Braunschweig- Lüneburg, Friedrich August, Herzog 
von, ward geboren den 29. Oktober 1740 als zweiter Sohn 
des Herzogs Karl U. Auch er betrat, wie sein Oheim Prinz 
Ferdinand, die militärische Laufbahn, ging in preussische 
Dienste und zeichnete sich wie jener im 7 jährigen Krieg 
aus. 1764 — 1769 General-Leutnant und Kommandant von 
Küstrin, Domherr zu Lübeck und Dompropst von Branden- 
burg, lebte er meist in Potsdam und Berlin. 1788 ward 
er zum General der Infanterie befördert, erbte 1792 das 
Fürstentum Oels in Schlesien, war 1793 im Rheinfeldzug 
thätig, legte aber dann sein Kommando nieder, um die 
Regierung seines Fürstentums Oels zu übernehmen. 

In den Freimaurer-Bund trat Herzog Friedrich August 
wahrscheinlich in Braunschweig. Der Tag seiner Aufnahme 
ist nicht bekannt. 1771*) trat er zur strikten Obervanz in 
das Braunschweiger Kapitel unter dem Namen Friedericus 
eques a leone aureo als socius amicus et fautor ordinis ein. 

1772 zum Superior ad honorem und Praefect in Templin 
erwählt, wurde er in demselben Jahr (2. November) National- 
Grossmeister in den preussischen Staaten. 1773 berief er 
eine Versammlung nach Berlin, um die strikte Observanz mit 

^) Nach Lachmann (Geschichte der Freimaarerei in Braanschweig 
S. 69) erfolgte seine Einführung zu Braunschweig am 4. Dezember 1771. 



V. Diederichs. — 470 — 

den Y. Zinnendorf'schen Logen auszusöhnen, welches 
Unternehmen jedoch missglückte. 1797, als sich die Grosse 
National-Matterloge „zu den drei Weltkugeln" eine neue 
Verfassung gab, wurde er zum Ehrenmitglied des Altschottischen 
Direktoriums ernannt, legte aber in Folge des Edikts vom 
20. Oktober 1798 im Februar 1799 den grossmeisterlichen 
Hammer nieder und starb zu Oels den 8. Oktober 1805. 

Dahms, Ferdinand, Sohn des Schullehrers und Kantors 
Dahms zu Menz bei Rheinsberg, wurde am 14. Dezember 1809 
geboren. Er besuchte das Joachimsthalsche Gymnasium in 
Berlin, das er als Primus omnium verliess, um Theologie zu 
studieren. Neben Hegel, Marheinecke und Neander war 
es besonders Schleiermacher, der für seine geistige Richtung 
von Bedeutung wurde. 1835 nahm er die Stelle des Rektors 
der Schule in Lindow bei Neu-Ruppin in der Mark an und 
ging 1841 als Prediger an der Georgenkirche nach Berlin, 
an der er bis zum Jahr 1890 überaus segensreich gewirkt 
hat. Nicht nur als geistlicher Redner war er hervorragend, 
sondern vor allem in der Seelsorge, der er sich mit inniger 
Frömmigkeit und hingebendem Pflichtgefühl widmete, die 
ihm die unbeirrbare Liebe seiner Gemeinde erwarb. Dazu 
kam seine unermüdliche Hülfsbereitschaft, wenn es galt, dem 
Bedürftigen beizustehen und den Elenden emporzuheben. 
Seit 1890 lebte er im Ruhestand. Er starb am 27. Mai 1892. 

In den Freimaurerbund trat er 1837 zu Neu-Ruppin 
(Loge „Ferdinand zum roten Adler^'). In Berlin schloss er 
sich 1844 der Loge „zum flammenden Stern" an. Sehr bald 
wurde er in den Beamtenrat dieser Loge gewählt, 1868-1877 
war er zugeordneter, 1877-1879 Vorsitzender Meister. Der 
Grossloge gehörte er seit 1854 an. Im März 1878 trat er 
in das Bundesdirektorium, dessen Mitglied er bis 1891, Ehren- 
mitglied bis zu seinem Tod blieb. Seine Wirksamkeit im 
Bund war vor allem durchdrungen von Duldsamkeit und 
Treue. Die Brüder seiner Loge verehrten ihn wie einen Vater. 

V. Diederichs 9 Christoph Leopold, ward geboren am 
28. Oktober 1772 zu Pyrmont. Nach Beendigung der 
üniversitätsstudien wurde er bei dem Obergericht zu Minden 
1792 zum Auskultator, 1795 zum Assessor und in demselben 
Jahr zum Konsistorial- und Pupillenrat ernannt. Nach seiner 
erfolgten Versetzung an das Obergericht zu Posen wurde 
er 1807 bei Auflösung der südpreussischen Behörden bei 
der Regierung zu Königsberg i. P. angestellt. 1809 wurde 
er zum Geheimen Justizrat und vortragenden Rat im Justiz- 
ministerium ernannt und kehrte als solcher mit der gesammten 



— 47 1 — Y. EtxeL 

Zenixalverwaltang 1811 nach Berlin zurück. 1815 hielt 
er dem Kronprinzen von Preussen Vorlesungen über die 
Rechtswissenschaft. 1817 Geheimer Ober-Jnstizrat, wurde 
ihm zugleich der Adelstand verliehen. 1820 Chef der 
Justiz -Organisationskommission in Sachsen und den Rhein- 
landen, führte er 1825 nach dem Tod des Justizministers 
V. Kircheisen die Geschäfte des Justizministeriums und 
trat 1833 in den Ruhestand, bei welcher Veranlassung ihm 
der rote Adlerorden 2. Klasse verliehen wurde. 

In den Freimaurer-Bund trat v. Diederichs 1806 am 
8. März in der Loge „zum Tempel der Eintracht** in Posen. 
Am 15. Februar 1812 in der Loge „zu den drei Seraphim* 
zu Berlin angenommen, 1817 zugeordn. Meister, 1818 bis 
1822 Meister vom Stuhl dieser Loge, 1817 Mitglied der 
Grossen National-Mutterloge, 1824 Mitglied des Altschottischen 
Direktoriums, entsagte er krankheitshalber 1835 und starb 
zu Charlottenburg den 11. November 1839. Bei der 
Bearbeitung des Anhanges zu den Bundesstatuten vom 
Jahr 1825 beteiligte er sich in hervorragender Weise. 

V. Etzely Franz August, ward geboren zu Bremen den 
10. Juli 1783, besuchte 1803 die Bergakademie zu Berlin 
und begab sich zunächst zur Fortsetzung seiner Studien 
nach Paris. Im Jahr 1805 begleitete er Alexander 
V. Humboldt auf einer Reise nach Neapel und besuchte 
im nächsten Jahr die Universität Wittenberg, wo er zum 
Dr. phil. promovirt wurde. Mitte 1806 trat er in den 
preussischen Staatsdienst als Assistent beim Bergdepartement, 
schied indess im Jahr 1807 aus dem Staatsdienst und Hess 
sich in Berlin als Apotheker nieder. Nachdem er 1809 
die Apotheke mit einigem Vorteil verkauft, trat er 1810 in 
das preussische Heer und zwar als Gemeiner auf Beförderung 
in das zum Teil aus den Re.sten der Schill'schen Husaren 
errichtete brandenbnrgische Ulanen -Regiment und ward 
durch Kabinetsordre am 6. Februar 1812 zum Sekonde- 
Leutnant ernannt. 

Im Jahre 1847 wurde er zum General- Major befördert 
und trat 1H50 in den Ruhestand, nachdem mittelst Kabinets- 
ordre vom 25. Juni 1846 der Adelstand seiner Voreltern 
anerkannt und unter Beilegung des Namens v. Kitzel (statt 
O'Etzel) erneuert worden war. 

In den Bund der Freimaurer wurde er 1803 zu Paris auf- 
genommen. Im Jahr 1817 war er Mitstifter und Vorsitzender 
Meister der Loge „Friedrich zur Vaterlandsliebe* in Koblenz, 



V. Etzel. — 472 — 

am 20. Juni 1821 wurde er in der berliner Loge „zur Eintracht' 
angenommen, von 1825 bis 1828 ihr Vorsitzender Meister, 
seit 1822 MitgUed der Matterloge, 1836 Mitglied des Bandes- 
Direktoriums and 1838 National-Grossmeister. Er starb zu 
Berlin den 25. Dezember 1850. 

Er erwarb sich erhebliche Verdienste am unseren Bund 
und die Freimaurerei im Allgemeinen, insbesondere bei der 
Durchsicht der Grundverfassung vom Jahr 1838, der Bundes- 
statuten vom Jahr 1840 und 1847, der berliner Orts- 
statuten vom Jahr 1841, der Rituale und Instruktionen des 
2. und 3. Johannisgrades von 1844 bis 1850, ferner durch 
Aufstellung des Rituals für die Tafelloge im Jahr 1840 
im Verein mit den Brm. Kluge, Klug, Schmücke rt, 
V. Blomberg und Schmidt III., sowie nicht minder durch 
Abfassung der Geschichte unseres Bandes, auch durch die 
Anbahnung der näheren Beziehung mit den befreundeten 
Grosslogen durch die Wahl der Gross -Vertreter. Ihm war 
es endlich auch beschieden, als National-Grossmeister unsere 
Grossloge im Jahr 1840 bei der Aufnahme des Prinzen von 
Preussen in den Bund der Freimaurer zu vertreten. 

V. Etzely Franz August, war ein Sohn des vorgenannten 
Brs. und 1808 in Berlin geboren. Er trat kaum 16 Jahre 
alt in das Gardeschützenbataillon ein, war 1826 Sekonde- 
leutnant, und nachdem er die Kriegsakademie besucht 
hatte, wurde er zum Examinator und Lehrer als Mitglied 
des topographischen Bureaus berufen. 1842 zum Hauptmann 
im Grossen Generalstab ernannt und 1848 zum Major 
befördert, wurde er bis März 1849 als Telegraphen-Direktor 
kommandirt und nahm als Chef des Stabes der mobilen 
Division in Schleswig am Feldzug gegen Dänemark Teil. 
Er wurde 1853 Oberstleutnant, 1856 Oberst, 1859 General- 
major und 1864 Generalleutnant, als welcher er die 
16. Division 1866 bei Münchengrätz und Königgrätz zum 
Sieg führte. Bis zum Ausbruch des Ejrieges 1870 war er 
darauf Direktor der Kriegsakademie, und während des 
Krieges zum General der Infanterie ernannt, stellvertretender 
kommandirender General des IX. Armeekorps. Nach dem 
Krieg wurde er Gouverneur von Stettin, schied jedoch schon 
Ende 1871 aus dieser Stellung und wurde aufsein Ansuchen zur 
Disposititon gestellt. Kaiser Wilhelm I. berief den hoch- 
verdienten General 1874 zum ersten Vorsitzenden der 
Kaiser -Wilhelmstiftung für deutsche Invaliden aus den 
Jahren 1870 und 1871, in welchem Amt v. Etzel noch 
12 Jahre verblieb. 



— 473 — FranU. 

Am 23. Oktober 1835 ward v. Etzel in die Loge 
,zar Elintracbt*' zu Berlin aufgenommen. In die Chrossloge 
ward er den 3. September 1868 und in dae Bmsdesdirektorinm 
den 2. März 1871 gewählt. Die Brüder der Loge „zur 
Eintracht^ hatten ihm schon am 22. April 1868 das Amt 
des zugeordneten Meisters übertragen und seine Wiederwahl 
war 1869 und 1870 wieder erfolgt. Durch das Vertrauen 
der Grossloge zum National -Grossmeister berufen, ward er 
am Johannisfest 1873 feierlich eingeführt. 

Mit Eifer, im freisinnigsten Geist an den gesetz- 
geberischen Arbeiten zur Verfassungsemeuerung beteiligt, und 
insbesondere für die Aufhebung der Forderung der Zugehörig- 
keit zu einem christlichen Bekenntniss eintretend, begegnete er 
einem Widerstand, der, wenn er auch von einer Minderheit aus- 
ging, geeignet war, ihm seine Stellung zu verbittern und 
persönliche Kränkung zu bereiten. Er legte daher seine Logen- 
ämter im Juni 1876 nieder, in seinem freien, selbstlosen 
Streben von allen gewürdigt, denen echte Menschlichkeit 
teuer ist. Herzgewinnende Liebenswürdigkeit gesellte sich 
zu dem thatkräftigen Wesen des hochsinnigen Bruders. — 
Er starb am 26. Dezember 1888. 

Fischer, Ernst Gottfried, ward geboren den 17. Juli 1754 
zu Hoheneiche bei Saalfeld, besuchte die Schule des 
halleschen Waisenhauses und studierte alsdann in Halle 
Theologie und Mathematik. 1775 wurde er Lehrer am 
Pädagogium in Berlin, 1783 Lehrer am Gymnasium zum 
grauen Kloster, später Professor und Mitglied der Akademie 
der Wissenschaften und der Militär-Studiendirektion und 
für seine wissenschaftlichen Verdienste mit dem roten 
Adlerorden 4. und seiner Zeit 3. Klasse aasgezeichnet. 

In den Freimaurer -Bund trat Fischer in der Loge 
.zur Eintracht^ zu Berlin den 2. Oktober 1801, 1814 zweit- 
zugeordneter Meister, 1816 Mitglied der Mutterloge, 1819 
Mitglied des Alischottischen Direktoriums. Er starb zu 
Berlin am 23. Februar 1830. 

Fraotz, Daniel, WUhelm, geboren zu Berlin am 5. Februar 
1799, besuchte das Berlinische Gymnasium und bildete 
sich für den Kaufmannsstand aus. 1814 trat er in das 
Geschäft des Kaufmanns Kupfer als Lehrling ein und war 
später bis 1823 in Frankfurt a. 0. beschäftigt. In diesem 
Jahr kehrte er nach Berlin zurück, gab 1822 sein Geschäft 
auf und trat in das damals Königliche Intelligenz-Komptoir 
ein, wurde 1846 Kassirer und 1847 Chef des Komptoirs. 
Bei der Auflösung dieser Anstalt 1849 wurde er zum 



Frederichs. — 474 — 

königlichen Auktionskommissar ernannt and erhielt 1858 
den Charakter als Kommissionsrat. 1864 wurde ihm der 
königliche Kronen-Orden verliehen. Erstarb am 18.März 1865. 

In den Freimaurer-Bund trat Frantz am 13. November 
1829 bei der Loge „zu den 3 Seraphim" zu Berlin, war 
1838 bis 1842 zugeordneter Schriftführer, 1842 bis 1843 
Schatzmeister, 1848 bis 1849 zweitzugeordneter Meister, 
1849 bis 1854 zugeordneter Meister, 1854 bis 1862 Meister 
vom Stuhl dieser Loge; am 6. März 1844 wurde er zum 
Mitglied der Mutterloge, noch in demselben Jahr zum zu- 
geordneten Gross-Schatzmeister, 1846 zum Gross-Schatz- 
meister und 1861 zum Mitglied des Bundes -Direktoriums 
gewählt. In Folge dieser Wahl legte er das Amt als Meister 
vom Stuhl seiner Loge nieder und wurde zu ihrem Ehren- 
meister erwählt. Während seiner Wirksamkeit im Bundes- 
Direktorium war ihm als Kassen -Kurator ein reiches Feld 
gegeben, auf dem er seine Kenntniss als Kassen -Beamter 
zum Nutzen einer geordneten Verwaltung der Grosslogen- 
Kasse verwertete. Er gehörte zu den Brrn., die mit 
voller Hingebung ihre Kräfte ausschliesslich unserem Bund 
widmeten. 

Prederichs, Friedrich Henning Leonhard, wurde am 
23. Februar 1823 zu Rendsburg geboren. Mit 14 Jahren 
trat er als Lehrling in ein kaufmännisches Geschäft und 
blieb in ihm bis zu seinem 18. Jahr. Aber diese Thätigkeit 
befriedigte ihn nicht, er entschloss sich das Gymnasium zu 
besuchen, das er 1847 verliess, um in Kiel Philosophie und 
Philologie zu studieren. Als sich 1848 Schleswig-Holstein 
gegen Dänemark erhob, ergriff der Student die Waffen, 
geriet aber in dänische Gefangenschaft. Er begab sich nach 
seiner Freilassung nach Bonn, um seine Studien fortzusetzen. 
Nachdem er noch einmal in die Reihen der Vaterlandsver- 
teidiger eingetreten war, nahm er nach der Unterwerfung 
Schleswig -Holsteins unter Dänemark die Studien in Kiel 
von neuem auf. 1853 wurde er Dr. phil. und bestand die 
Prüfung für das Lehramt. 1856 empfing er eine Berufung 
an das Gymnasium zu Stargard in Pommern und 1858 nach 
Berlin an das Dorotheen.städtische Realgymnasium. An dieser 
Anstalt blieb er, zuletzt als Professor, bis er 1889 in den 
Ruhestand trat. Seine wissenschaftliche Thätigkeit widmete 
er der Philosophie, insbesondere hat er Studien über Berkeley 
veröffentlicht. Er starb am 16. März 1891. — Zum Frei- 
maurer wurde er 1858 in der Loge „Julius zur Eintracht*' in 
Stargard aufgenommen, in Berlin schloss er sich der Loge 



— 475 — V. Qaionneaa. 

„znm flammenden Stern'^ an, deren Redner er wurde. Er txat 
1877 in die Loge „zur Einlxacht^^ über, als er zu deren Vor- 
sitzendem Meister gewählt wurde. Doch legte er dies Amt 
1880 nieder,