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Full text of "Handwörterbuch der textilkunde aller zeiten und völker für studierende, fabrikanten, kaufleute, sammler und zeichner der gewebe, stickereien, spitzen, teppiche und dergl., sowie für schule und haus"

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HANDWÖRTERBUCH 

DER 

TEXTILKUNDE 

ALLER ZEITEN UND VÖLKER 

FÜR 



STüWEREmE, FABRIKANTEN, KAUFLEÜTE, SAMMLER UND ZEICHNER 

DER GEWEBE, STICKEREIEN, SPITZEN, TEPPICHE UND DERGL., 

SOWIE FÜR SCHULE UND HAUS 



BEARBEITET VON 



Max Heiden, 

BERLIN. 



MIT 16 TAFELN UND 356 IN DEN TEXT GEDRUCKTEN ABBILDUNGEN. 




STUTTGART 

VERLAG VON FERDINAND ENKE 
1904. 



rl w 



WS ^ 



m 24 1945 

Druck der Hoffinaunschen Buchdruckerei in Stuttgart. 



Vorrede. 



In der Industrie und Kunstindustrie nehmen die textilen Gebiete 
die erste Stelle ein, weil sie nächst der Ernährung den Bedürf- 
nissen des täglichen Lebens unentbehrlich sind. Sobald die eigene 
Person dabei ihre notwendige Berücksichtigung gefunden hat, stellt 
das Leben- für die Umgebung, für "Wohnung und Haus weitere Auf- 
gaben, deren Lösung im einzelnen sowie in der Gesamt ersch einung 
eine vielseitige Tätigkeit künstlerischen Schaffens und mechanischer 
Massenerzeugung in sich schliesst. 

Je nach Ort und Zeit sind von alters her in der Weberei, 
Wirkerei, Stickerei, im Zeugdruck und im Bereiche der Spitzen- und 
Teppichindustrie zahlreiche Gruppen solcher Erzeugnisse entstanden, 
deren technische und stilistische Bestimmung mit der kunstgewerb- 
lichen Bewegung der letzten Jahrzehnte zu einer besonderen Wissen- 
schaft geworden ist. 

Ein Nachschlagebuch dieser Art fehlte bisher darüber. Man 
findet Notizen in den allgemeinen Wörterbüchern, und im einzelnen 
gibt die Fachliteratur reichlich Aufschluss, indessen ist es nicht 
leicht, sich im Zusammenhange schnell darüber zu unterrichten. 

Der Herausgeber konnte während seiner nahezu dreissigj ährigen 
früheren Tätigkeit als Verwalter der Stoffsammlung des Könighchen 
Kunstgewerbemuseums zu Berlin beobachten, welche Unklarheiten im 
Bereiche des Textilwesens herrschen und hat es unternommen, 
weiten Kreisen des kunstsinnigen Publikums, dem Künstler, dem 
Kaufmann und Industriellen eine Darstellung zu bieten, welche allen 
derartigen Fragen gerecht zu werden versucht. 

Gesammelt und eingetragen sind alle grösseren Orte der Welt, 
die sich mit der Herstellung textiler Erzeugnisse befassen, wobei auch 
auf ihre historische Bedeutung Wert gelegt worden ist; ferner die 
gebräuchlichsten Fachausdrücke der Technik aller gewebten, ge- 
druckten, gewirkten, gestickten, geklöppelten, genähten und geknüpften 



JY Vorrede. 



Waren und schliesslich erstrebt das Ganze dadurch etwas Nutzbringen- 
des, dass die Stilkunde im Bereiche aller dieser Arbeiten nicht 
unberücksichtigt blieb, was auch zur Verfolgung einzelner Kunst- 
formen führte, welche im Flächenmuster von Bedeutung sind. 

Wertvolles Studienmaterial stand dem Herausgeber dabei durch 
frühere Arbeiten zur Verfügung. Eine besondere Bereicherung erfuhr 
das Buch durch die Genehmigung des Königlichen Landesgewerbe- 
museums in Stuttgart, dessen bisher noch wenig bekannte reichhaltige 
Stoffsammlung benützen zu dürfen, wofür ich an dieser Stelle Seiner 
Exzellenz dem Präsidenten a. D. Herrn Staatsrat Dr. v. Gaupp 
meinen besonderen Dank auszusprechen mir erlaube. Von grösstem 
Werte für meine Arbeiten war mir auch die Einführung in die um- 
fangreiche Bibliothek der Königlichen Zentralstelle für Gewerbe und 
Handel durch Herrn Hof rat Petzendorfer daselbst. 

In technischen Fragen bezüglich der Weberei stand mir Herr 
Ernst Flemming, I. Lehrer an der Städtischen Höheren Webeschule 
in Berlin hilfreich zur Seite, der auch die Zeichnungen einiger Tafeln 
freundlichst übernahm. 

Die Bitte um Zusammenstellung einer grossen Sammlung mo- 
derner Stoffproben für technische Zwecke gewährte mir die Firma 
Rudolph Hertzog in Berlin, welcher ich gleichfalls für die Auf- 
nahmen der orientalischen moderneren Teppichmuster zu Dank ver- 
pflichtet bin. 

Die Wiedergabe alles Dargestellten in zweckentsprechender 
Weise danke ich einer verständnisvollen Mitarbeit des Verlages 
Ferdinand Enke, sowie den trefflichen Ausführungen der chemi- 
graphischen Anstalt von ilugust Schul er in Stuttgart. 

Steglitz-Berlin, Oktober 1904. 

Max Heiden. 



InhaltsYcrzeichnis der Tafeln 

dereu einzelne Nummern in verschiedenen Artikeln besonders erwähnt und im 
Zusammenhange nach. Angabe der Seitenzahlen beschrieben sind: 

Seite 

Tafel I. AVirkereien und "Webereien aus koptischen Gräbern ...... 306 

„ ir. Webereien des frühen Mittelalters 539 

„ IIT. Webereien des späteren Mittelalters 540 

„ IV. Webereien der Gotik und Friihrenaissance 234 

„ V. Webereien der Renaissance 430 

„ VI. Webereien aus China und Japan 275 

„ VII. Webereien aus Indien, Persien und der Türkei . 383 

„ VIIT. Europäische Textilmuster der Neuzeit 541 

„ IX. Aufnäharbeiten der Renaissance 430 

„ X. Genähte Spitzen des 16. und 17. Jahrhdts 515 

„ XI. Genähte und geklöppelte Spitzen des 18. Jahrhdts 516 

„ XII. Spitzen des 18. und 19. Jahrhdts 517 

„ Xlir. Orientalische Knüpfteppiche des 18. und 19. Jahrhdts 584 

„ XIV. Orientalische Teppiche des 19. Jahrhdts 584 

„ XV. Darstellungen von Bindungen in der Weberei 88. 624 

„ XVI. Darstellungen von Gewebebindungen und Knüpftechnik 629 



Berichtigungen. 



38, Z. 1 V. u. statt print lies : point. 
135, Z. 18 V. 0. statt Contil lies: Coutil. 
Dijou „ Dijon. 
Spanien lies Spinnen. 
18. Jahrhdt. lies: 13. Jalirhdt, 
XXVI lies: XYI. 
furtion „ fustian. 
„ 389, im Artikel Palmwipfelmuster, ist nicht die nach vorn überschlagende 

Cypressenblüte, sondern der "Wipfel gemeint. 
„ 400, bei Abbildung 234, statt sine lies: sive. 

Die nicht im einzelnen wiederholten Verweisungen sind in den grösseren 
Artikeln der Technik, des Materials und des Stils berücksichtigt. 



154, 


5? 


8 V. 


0. 


159, 


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5 Y. 


0. 


204, 


55 


8 V. 


0. 


213, 


55 


32 V. 


0. 


346, 


55 


1 V. 


0. 



A. 

Aachen, Hauptstadt des gleichnamigen Regb. der preuss. Rheinprovinz : 
Hauptsitz der Tuch- und Buckskinfabrikation in Deutschland. Aus 
überseeischer Wolle (vom Kapland, Buenos-Aires u. s. w.) werden in mehr als 
40 Anstalten etwa 100 000 kg. Grarn gesponnen, in 138 Betrieben zu A. und 
Burtscheid bei A. mit 80 Dampfmaschinen von 3000 Pferdekräften und 13 300 
Arbeitern jährlich 200000 Stück Tuch im Werte von 36 Mill. Mark erzeugt, 
wovon für 7 — 8 Mill. Mark bisher auf amerikanischen Märkten Absatz fand. 
Die Tuchfabrikation wurde schon im 12. Jahrhundert betrieben; berühmt ist das 
sogen. Kardinaltuch (s. d.), das für sämtliche hohe Würdenträger der katholischen 
Kirche hier gewebt wird und dessen Herstellungsweise (besonders das Färbeverfah- 
ren) ein Geheimnis der Firma Erckens Söhne in Burtscheid sein soll, sodass 
dieser seit Jahrhunderten die Lieferungen für den Vatikan übertragen werden. 

A. erzeugt auch Sammet-, Leinen- und Posamentierwaren. 

Spitzen und verwandte Nadelarbeiten, zum grossen Teil aus Filet- 
arbeiten in weissem Leinen bestehend, sieht A. schon im Mittelalter in Nonnen- 
klöstern für den kirchlichen Gebrauch entstehen; erhalten sind auch durch- 
zogene seidene farbige Filetnetze aus dem 13. und 14. Jahrh. , wozu Material 
und Musterung durch die zu jener Zeit bestehenden regen Handelsbeziehungen 
A.s mit Venedig über Antwerpen überführt sein werden. 

Für Studien älterer Textilien sind von Bedeutung die in den Be- 
liquienschreinen der älteren Kirchen A.s als Umhüllung der Gebeine von Hei- 
ligen aufbewahrten Gewebe, und auch vereinzelt Stickereien, welche zur Zeit 
Karls des Grossen und in späterer Zeit aus dem Morgenlande kamen. Die 
wichtigsten im Domschatz sich befindlichen Stoffe sind gelegentlich ihrer 
öffentlichen Schaustellung, welche alle sieben Jahre (zuletzt 10. — 24. Juli 1902) 
stattfindet, im Interesse des Studiums für Museen gezeichnet worden: die 
besten Abbildungen hiervon im Kunstgewerbe-Museum zu Berlin. (Heber 
Einzelheiten dieser Gewebemuster vgl. den Artikel Weberei, frühes Mittelalter 
und Tafel IL) 

Literatur: Käntzeler, Der die Gebeine Karls d. Gr. enthaltende 
Behälter. Aachen, 1859; Bock, Der Beliquienschatz des Liebfrauen-Münsters 
zu A. Aachen 1860; Ders., Das Heiligtum zu A. Köln 1867; Ders., Karls 
d. Gr. Pfalzkapelle und ihre Kunstschätze. Köln 1866 — 67; Kessel, Ge- 
schichtliche Mitteilungen über die Heiligtümer der Stiftskirche zu A. Köln 1874. 

Das Suermond-Museum (Direktor: Dr. A. Kisa) enthält eine reiche 
Sammlung älterer Gewebe, Stickereien und Spitzen, welche durch das Ver- 
mächtnis des Dr. Franz Bock im Jahre 1899 einen bedeutenden Zuwachs er- 
hielt. (Führer: herausgegeben 1902.) 

Die Preussische Höhere Fachschule für Textilindustrie 
(Direktor: Dr. Sigmund Kapff") seit 1884 bestehend, bildet in ihren verschiedenen 
Abteilungen für Spinnerei, Weberei, Färberei, Appretur und Stopferei 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 1 



Aalen — Abfälle. 



Fabrikanten, Fabrikdirektoren, Dessinateure, Spinner, Färberei- und Textil- 
tecliniker, AVerkmeister, Einkäufer und Verkäufer aus, wobei vorwiegend die 
AVollen- und Halbwollenindustrie bevorzugt wird. Der Lehrplan ist in 
jüngster Zeit derart erweitert worden, dass die Weberei von den ersten An- 
fangsgründen bis zur selbständigen Fabrikation erlernt werden kann. Die ge- 
samte Ausbildung in der Weberei ist auf drei voneinander getrennte halbjährige 
Kurse verteilt worden. Das Schulgeld für einen halbjährigen Kursus beträgt 
für Deutsche 100 Mk., für Ausländer 500 Mk. Ermässigungen und Stipendien 
werden bedürftigen und befähigten Schülern gewährt. 

A. ist der Sitz des Vereins deutscher Seidenzucht, der 6. Sektion der 
Eheinisch-AVesttälischen Textil-Berufsgenossenschaft und eines Vereins deutscher 
Nadelfabrikanteu. 

Aalen, Stadt in Württemberg: Herstellung von Tuch- und Wollwaren, 
Druckerei, Färberei und Spinnerei. 

Aarau, Hauptstadt im Schweiz. Kanton Aargau : bedeutende Fabrikation 
von Seidenstoffen, Baumwollen- und Konfektionswaren. 

Aarhus, dän. Amt im östl. Teil der Halbinsel Jütland: Baumwollen- 
manufakturen. 

Aba, Abba oder Abajeh (arab.), grosse Tücher, weite ßöcke ohne Aermel, 
auch Beinkleider, von einfarbigen blauen, braunen oder roten Baumwollenzeugen, 
welche Smyrna und Salonichi nach den Häfen des schwarzen Meeres in Mengen 
versenden; sie werden namentlich in Albanien und Mazedonien gefertigt, in 
neuerer Zeit auch aus Wolle. Die gewöhnlicheren Stoffe dieser Art benützen 
die Grosshändler zur Verpackung von Tabak. Auf der Sinaihalbinsel heisst 
die Ware Grhasiz, in Nubien Ahk, in den Gattaländern Moyasa, 

Abaca (in der Botanik musa textilis, d. i. Gewebe-Pisang), Name, welchen 
die Eingeborenen auf Luzon einer Abart des wilden oder Affenpisangs geben, 
die Fasern heissen Manilahanf (s. d.). 

Abat-chauvee, eine französische Ausschusswolle. 

Abats, starke braune Wollengewebe, welche in Mazedonien für Kleidung 
und zur Verpackung von Tabak gewebt werden. 

Abatzi, ostindische Baumwollenzeuge, welche früher die asiatisch-dänische 
Kompagnie nach Europa einführte. 

Abbeville, Arrondissementshauptstadt im franz. Dep. Somme : Sammet-, 
Damast-, Segeltuch- und Teppichfabriken; erhielt durch Colbert 1665 die erste 
Tuch-, 1667 die erste Teppichfabrik. Vor der Aufhebung des Ediktes von 
Nantes hatte A., infolge seiner Wollenindustrie und des ansehnlichen Handels, 
für die Textilindustrie eine grosse Bedeutung. 

Abbinden, 1. in der Weberei das Niederhalten einzelner Ketten- oder 
Schussfäden durch andere rechtwinkelig darüber geführte Fäden. — 2. Ein- 
schnürung eines Gewebes, wenn es für eine bestimmte Art des Z eugdruckes 
vorbereitet wird, welche namentlich in China und Indien gebräuchlich ist. (s. d.) 

Abdecken heisst das Auflegen von Wachs auf Flächen des Stoffes, welche 
ein ausgespartes Muster bilden (s. Zeugdruck). 

Abdullah Kani, moderner in Lyon für Abessinien und Marokko gewebter 
gestreifter Seidenstoff. 

Abelmoschusfaser, in Indien Rai bhenda genannt, eine der Jute ähn- 
liche Gespinstfaser, als solche verkauft und für Webereizwecke verwendet. 

Abenberg, Stadt im bayr. Regb. Mittelfranken: Fabrikation von Spitzen 
aus Gold- und Silberdraht. 

Aberdeen, Stadt im nördl. Schottland : Bedeutende Fabriken in Wollen-, 
Baumwollen- und Leinenstoffen. 

Abergavenny, Stadt in der engl. Grafsch. Monmouth : Flanellwebereien. 

Abertham, Stadt in Böhmen: Spitzenklöppelei. 

Abessinien, Ländergebiet in Ostafrika: Baumwollenweberei und Anfer- 
tigung von Teppichen aus Wolle und Ziegenhaaren. 

Abfälle (franz.: dechets , engl.: wasts; ital. : viatagli), welche sich von 
Rohstoffen oder Fabrikaten ergeben, bilden in der Textilindustrie eine grosse 



Ahfallspinuerei — Acantlius. 



Gruppe wichtiger Handelsartikel ; A. von Geweben tierischen Ursprungs (Fetzen 
von Wollenzeug) geben das Material zur Kunstwolle (s. d.), woraus die sog. 
Shoddj's (s. d.) hergestellt werden, üeber A. der Seidenindustrie s. Bourrette- 
uud Florettindustrie. 

Abfallspinnerei, auch Barchentspinnerei genannt, weil aus dem Produkt 
derselben Barchentstofi' gewebt wird. Die A. stellt auch Garne von No. 1 — 8 
her, mit Verwendung von ostindischer Bengal-Baumwolle oder aus Mischungen 
besserer oder schlechter Baumwollabfälle (s. a. Florettspinnerei). 

Abgebeizte Wolle (franz. : pelade, pelure), durch Behandlung mit Kalk 
von den Schaffellen losgelöste AVolle, in einigen Gegenden auch Gerberwolle 
genannt, wird zu Flanellen und leichten' Wollenzeugen verwendet und ist na- 
türlich nicht so fest wie die von lebenden Tieren geschorene Wolle. 

Abgepasst heissen gemusterte Stoffe, wenn sich die verzierte Fläche der 
gegebenen Form für den Gebrauch anschliesst. 

Abhaspeln (franz.: devidoir; engl.: to reel), in der Spinnerei die Vorrich- 
tung, wodurch das Rohmaterial von Kötzern oder Spulen in Form von Strähnen 
gebracht wird. 

Abheben s. Strickerei. 

Abingdon, Stadt in der engl. Grafschaft Berkshire: Fabrikation von 
Packleinen, wollenen Zeugen und gewebten Flurteppichen. 

Ablaque oder Perlseide, welche in Persien erzeugt, aber wenig gebraucht 
wird, weil sie beim Abwinden kein warmes Wasser verträgt. 

Abnehmen s. Netzarbeit. 

Abojas, syrische Mäntel aus Seide, erfreuen sich in Europa grosser Be- 
liebtheit. 

Abouchouchon, eines der geringsten französischen Wollentücher, welche 
in den Manufakturen von Carcassonne, Nimes, Narbonne, Sedan, Grenoble für 
den levantiner Handel gewebt werden; nach den bestehenden Vorschriften 
mussten sie früher 1600 Kettenfaden halten und schwarz und weisse Salleisten 
haben: sie gingen in Mengen über Marseille nach Smyrna und Konstantinopel. 

Abrohany, Name sehr dünner Baumwollengewebe , welche in Ostindien 
angefertigt werden, s. Mallemolles. 

Abrowahanf, (engl. : perennial Indian hemp) stammt von den zu den 
Sterculiaceen gehörigen Abranaarten A. angustata (Indien und Philippinen), 
A. fastuosa (xAustralien) und A. mollis (Molukken), aus dessen Bastfasern grobe 
Gewebe und Stricke gefertigt werden. 

Abruzzen, benannt von Abruzzo, nördlichster Teil des ehem. König- 
reichs Neapel: Seidenzucht, Herstellung von Stickereien auf weissem uud ge- 
färbtem (gewöhnlich) roten Baumwollenstoffe. 

Abschnüren s. Schnurschlag. 

Absetzen, in der Weberei eine Zeichnung in die Carta rigata bringen (s.d.). 

Absetzen der Wolle ist die Bezeichnung für das Fehlerhafte derselben, 
d. h. wenn die Haare des Vliesses teilweise abgestorben sind, M^ährend ein 
anderer Teil wieder zu wachsen anfängt, oder wenn jede Wollfaser aus zwei 
verschieden starken und dicken Teilen besteht. 

Abtafeln, ein fertig gewebtes Stück Zeug vom Webstuhl nehmen. 

Acanthus, auch Bärenklaue genannt, eine in südlichen Gegenden wild 
wachsende Staude, von welcher es 14 Arten gibt (s. Abb. 1 u. 2). Ihre Schön- 
heit veranlasste den griechischen Architekten Kallimachus zur künstlerischen 
Nachahmung, er benutzte Blatt- und Blütenform zur Ausstattung des korinthi- 
schen Kapitals. Von Griechenland aus fand die Blattform allgemeine Verbrei- 
tung, sie ging auch auf alle Gebiete der Kleinkunst über (s. Abb. 3) und spielt 
in den nachfolgenden Stilarten eine grosse Bolle. Die europäische Textilkunst 
bevorzugt das Motiv eigentlich nur zur Zeit der Benaissance: sie bringt 
Acanthusblattwerk, Banken u. s. w. in abwechselnder Darstellung für Weberei, 
Stickerei, Spitzennäherei u. a. m. unter strenger Beobachtung der Stilistik des 
Flächenmusters zur herrlichen Entfaltung (s. Abb. 4). Aber schon in Stoffen 
der Spatrenaissance sieht man den A. weniger berücksichtigt, bis er im 18. Jahrh. 



4 



Acanthus. 



in kleineren Flächenmustern zurücktritt; in der Zwischenzeit aber durch Meister 
des französischen Klassizismusses für architektonische Innendekoration Yer- 



Abb. 1. 



Abb. 2. 





Abb. 3. Wendung findet (s. Abb. 5). Die 

Empirezeit und die Periode Schin- 
kels nimmt den A. mit den übrigen 
klassischen Motiven wiederum auf 
(s. Abb. 6) und er kommt dann 
noch einmal in der modernen Renais- 
sance der Jahre nach 1873 in Nach- 
bildung der altitalienischen Vor- 
bilder zur G-eltung (s. Abb. 7). In 
neuester Zeit ist der A. mit dem 
Studium der Naturformen und ihrer 
Nutzbarmachung für die Fläche 
Gregenstand eingehender Betrach- 
tung geworden (s. Abb. 8). 

Abb il düngen: 

1. Acanthus satinus, nach einem 
Holzschnitt aus: Lobelius, plantarum 
sev stirpium icones, Antwerpen 1581, 

2. Acanthus mollis aus demsel- 
ben Werk. 

3. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbe-Museum in Stuttgart: 
Quadratisches Aufsatzstück eines Gewandes, gobelinartige Stopfarbeit in violettem und 
weissem Garn mit Darstellung einer Reiterfigur über einem Löwen ; im Rande Acanthus- 
ranke mit Blüten und Früchten. Aus einem koptischen Grabe, 5. — 7. Jahrhundert. 




Acanthus. 



Abb. 4. 




Abb. 5. 



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JWIilillliiir 



Abb. 6. 




Acanthus. 



Abb. 7. 




Abb. 8. 




Accrington — Adler. 



4. Acanthusrankenmotiv nach einer Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Blatt 102, 
Leipzig 18&6 : Borte aus aufgenähter Silberschnur auf rotem Sammet; dazwischen 
Candille und Füttern; Italien, 16. Jahrhundert. Original: Königl. Kunstgewerbe- 
Museum Berlin. 

5. Gobelinborte mit Acanthusblattwerk , Ranken und Eierstableiste nach einer 
Darstellung aus: L'Art pour Tous, XIV. Jahrg., Blatt 358. Original aus der Zeit 
Ludwig XIV. (1643—1715.) 

6. Acanthuskelch mit Blattwerk und Blüten nach einer Darstellung aus: Heiden, 
Musteratlas, Blatt 41, Leipzig 1896: Abgepasste Bildweberei in farbiger Seide für 
den Stuhlbezug einer Rücklehne ; nach Zeichnung von Karl Friedrich Schinkel, Berlin 
1781 — 1841. Original : Königl. Kunstgewerbe-Museum Berlin. 

7. Ecke einer Leinendamasttischdecke mit Borte aus Acanthusrankenwerk nach 
einer Darstellung aus: Grewerbehalle 1891, Blatt 24, 

8. Gepresster Sammet mit Muster aus volutenartig geschwungenen Acanthus- 
ranken, nach einer Darstellung aus : Kunstgewerbeblatt 1893 ; Original aus der Fabrik 
von Th. Wardle in London, 1892. 

Literatur: Ebe, Handbuch der ornamentalen Acanthusformen aller 
Stilarten. Berlin 1893; M eurer, Die TJrsprungsformen des griechischen 
Acanthusornaments. Berlin 1896. 

Accrington, Stadt in der engl. Grafschaft Lancashire : bedeutende Baum- 
wollfabrikation ; Kattundruckereien. 

Achmim (El-Achmim, auch El-Echmin, koptisch Schmin genannt) das alte 
Chemins oder Panopolis, Stadt in Oberägypten : in neuerer Zeit viel genannt 
infolge der Aufdeckung alter Grrabstätten, welche Mumien enthielten mit reichen 
Gewändern, die in Wirkerei verziert und mit Seidengeweben besetzt sind. 
(Ygl. koptische Textilfunde.) In neuer Zeit Fabrikation von Seidenstoffen. 

Literatur: Forrer, die frühchristl. Altertümer aus dem Gräberfelde 
von A. (Strassb. 1893.) 

Acireale, Stadt in der ital. Prov. Catania an der Ostküste Siciliens : 
Fabrikation von Seidenstoffen, Leinen- und Baumwollengeweben. 

A^ores, graue, ungebleichte Leinen, welche in verschiedener Feinheit 
im franz. Depart. der unteren Charente, hauptsächlich zu Barbesieur gewebt 
werden. Die feiner gewebten Sorten kauften früher die Holländer für ihre 
Bleichen und die gröberen Arten gingen über Cadiz nach Südamerika. 

Acri, Name einer syrischen Baumwollenart. 

Acupictus, acupictilis (lat.) gestickt, mit der Nadel gestickt; acupic- 
tura, die Stickerei. 

Acupingere (lat.) sticken, von acus : die Nähnadel, Sticknadel. 

Adamaschus (lat.), der Damast (s. d.). 

Adapangia, Handelsname für bengalische Hohseide. 

Adatais, Addatis; holländ.: Adathys, feine Baumwollenzeuge, eine Art 
Musselin aus Ostindien; die besten werden in Bengalen erzeugt, die Sorten 
aus Pondichery sind weniger geschätzt. 

Aden, seit 1839 eine den Engländern gehörende Halbinsel mit gleich- 
namiger Stadt, an der Südwestküste Arabiens, schon im Altertum berühmt; 
wird von dem vielgereisten Mukkadasi (985) als die Vorhalle Chinas (Dehliz-a sin) 
bezeichnet und behält seine besondere Bedeutung als Eingangspunkt in das 
rote Meer für den Seidenhandel auf dem Seewege. 

Adena, levantinische Baumwollsorte aus Karamanien. 

Adenos, Seebaumwolle (franz. : coton de marine), die feinste unter allen 
Arten levantinischer Baumwolle, welche zuerst von Aleppo über Marseille in 
den Handel kommt. 

Adersja, veraltete Sorte indischer Kattune. 

Adjectivfarben, s. Zeugdruck. 

Adler (lat.: aquila; franz.: aigle ; engl. : eagle) ; erscheint bei den meisten 
vorchristlichen Völkern als heiliger Vogel, später in allgemeiner Deutung als 
Symbol des Sieges, der Macht und Herrschaft; als Stoffmuster schon im frühen 
Mittelalter in vortrefflicher Stilisierung dargestellt, jedoch ohne heraldische Be- 
ziehungen, die überhaupt nur vereinzelt nachweisbar sind. Im 14. Jahrb., 



Adler. 



Abb. 9. 




Abb. 10. 




als das Stoffmuster sich kirchlichen Zwecken 
dienstbar zeigt, erscheint der A. darin als 
Symbol göttlicher Macht zum Schutze be- 
drängter Wesen, welche Auffassung her- 
geleitet werden kann aus dem für die 
Italiener unverständlichen sarazenischen 
Tierwerk der s. Z. ihnen zugehenden orien- 
talischen Gewebe , das sie im Sinne der 
biblischen Mystik umzugestalten suchten. 
(Yergl. Weberei, Mittelalter.) Die Dar- 
stellung des Doppeladlers auf früh- 
mittelalterlichen G-eweben hat zu der An- 
nahme geführt, dass dieser durch den 
symmetrischen Musterumschlag entstanden 
sei, wie ihn die Technik der Weberei mit 
sich bringt; indessen erscheint diese Auf- 
fassung fraglich bei der Betrachtung des 
zweiköpfigen Adlers, welcher eingemeisselt 
ist an dem Pilasterpfosten zu Oejuk, aus 
der Zeit der Hethiter (etwa 950 v. Chr.), 
woselbst diese Darstellung als Vogel des 
Donnergottes , ursprünglich der geflügelte 
Blitz oder Donnerkeil, wie ihn nach Justi 
(Geschichte der orientalischen Völker im 
Altertum S. 184 ff.) der babylonische Me- 
rodoch führt und wie er auch auf grie- 
chischen Münzen (Elis und Sicilien) dar- 
gestellt ist. 



Adorf — Aofnaux de Tartarie. 



Abb. 11. 




Abbildungen: 

9. Adler nach einer Darstellung aus: Heiden, Motive, Blatt 114, Leipzig 1891. 
Original in einem orientalischen Seidengewebe des 10. bis 11, Jahrhunderts im Königl. 
Kunstgewerbe-Museum zu Berlin. 

10. Doppeladler nach einer Darstellung aus: Heiden, Motive, Blatt 17, Fig. 1. 
Original wie vorher. 

11. Doppeladler nach einer Darstellung aus: Justi, Geschichte der orientalischen 
Völker im Altertum, Berlin 1884. Original an dem Pilasterpfosten eines hethitischen 
Grabes bei Oejnk (etwa 950 v. Chr.). 

Adorf in Sachsen, Kreishauptmannschaft Zwickau: Kunstwebereien, me- 
chanische Baumwollenwebereien und Spinnereien, Weissstickerei. 

Adrianopel, Hauptstadt des türk. VilajetsA. ; in den Vorstädten Kara- 
kabsch und Hdyrym blüht Seiden-, Woll- und Baumwollweberei, sowie Teppich- 
fabrikation. 

Affe, im christlichen Mittelalter als Symbol des Teufels ; auf arabisch- 
italischen Seidengeweben (s. d.) des XIV. Jahrh. ohne besondere Bedeutung (?) 
nachweisbar. 

Afghanen werden Teppiche aus Afghanistan genannt, die sich im Muster 
an die Turkmenen (s. d.) anlehnen; auch Khiwa. 

Afghanistan, der pers. allgemein gebräuchliche Name des Landes der 
Afghanen: Fabrikation von Teppichen, Seiden- und Filzwaren. Jährliche Aus- 
fuhr von Wolle nach Indien für etwa 12 Mill. Mk. ; auch Baumwollenstoffe 
werden nach Indien ausgeführt. 

Afiun-Karahissar, Hauptstadt im türk. Vilajet Khodawendikjar in 
Kleinasien: Teppich- und Wollenstofferzeugung. 

Agen, Hauptstadt des Arond. A. des Depart. Lot-et-Garonne, sowie der 
ehem. Landschaft Agenois : Fabrikation von Kattun, wollenen und leinenen 
Zeugen, besonders Segeltuch; berühmte Färbereien. 

Agenois, unter diesem Namen wurden früher in Bordeaux die unge- 
bleichten Flachsleinen verkauft, welche im Depart. des Lots und der Garonne, 
besonders in der Gegend von Agen gewebt werden. 

Aggonedbunder, in Bengalen die Bezeichnung für die beste E^ohseide, 
welche in Indien und Japan in grossen Mengen verkauft wird ; in Europa 
kommt sie unter dem Namen Tanny oder Tani in den Handel. 

Agnaux de Tartarie, Agnaux de Perse, im franz. Handel die feinen, 
gekräuselten Baranken oder Lammfelle, die aus Taurien und Persien gebracht 
werden, z. B. Astrachan, Krim. 



1 Agnelins — Aegypten. 



Agnelins, ältere Bezeichnung für die in Amsterdam verkaufte feinge- 
kräuselte AVoile der kleinen gleichnamigen dänischen Landschaft. 

Agnus Dei, lat. deutsch : Lamm Gottes (franz. : agneau pascal, agneau 
de Dieu; engl: lamb of God;) eine dem Ausspruche Johannis des Täufers (Joh. 1, 29) 
entnommene Bezeichnung Jesu Christi. Als bildliche Darstellung Christi unter 
dem Symbol eines Lammes, in der Begel mit dem Kreuz oder der Siegesfahne, 
auf italienischen Geweben des 15. Jahrh. (s. d.) ; mehr gebräuchlich ist die 
Darstellung auf kirchlichen Stickereien in Leinen. In der griech. Kirche nennt 
man A. D. das mit einem Lammesbilde versehene Tuch, mit dem beim. Abend- 
mahl der Kelch zugedeckt wird. 

Agra, Hauptstadt des Distrikts A. in den indobritischen sog. Nordwest- 
provinzen: bedeutende Fabrikation von Goldlitzen. 

Agram, Hauptstadt im Königreich Kroatien und Slavonien: Teppich- 
wirkerei, Fabrikation von Seidenwaren. 

Aguilles, glatte, gewöhnliche Baumwollenzeuge, welche in Syrien gewebt 
und über Aleppo in den Handel gebracht werden. 

Aegypten erzeugt scbon vor dem vierten vorchristlichen Jahrtausend 
AYebereien (vgl. Georg Steindorff, Das Kunstgewerbe im alten Aeg., Lpz. 
1898). In den Gräbern haben sich steinerne Spinn wirtel (s. d.) und kupferne 

Nadeln zum Zusammennähen der 
Abb. 12. Kleider, sowie Reste von Stoffen ge- 
funden, welche aus Leinwand her- 
gestellt sind. Am meisten Verwen- 
dung fanden dieselben in Gestalt 
von schmalen und breiten Binden 
zur Um Wickelung der Mumien : sog. 
Mumienleinwand, deren älteste Pro- 
ben nach den Untersuchungen von 
Aug. Braulik (Altägyptische Ge- 
webe, Stuttg. 1900) mindestens 4600 
Jahre, die jüngsten 1500 Jahre alt 
geschätzt werden. Die allermeisten 
dieser Gewebe bestehen aus Flachs- 
garnen und zwar aus dem mittelfeinen 
Handgespinst der Pflanze linum usi- 
tatissimum, welche in Unter- und 
Oberägypten mit Sorgfalt angebaut wurde. Den feinsten und teuersten derartigen 
Stoff, der an Wert dem Purpur gleichkam (s.Byssus), stellte man aus den zartesten 
Fäden einer Leinpflanze her, die nur im Delta Aegyptens wuchs: aus ihm wurden 
Kleider von solcher Feinheit gewebt, dass sie sich durch einen Siegelring ziehen 
Hessen. Dass die "Wolle in frühester Zeit gar nicht und später nur seltener Ver- 
wendung fand, erhellt schon daraus, dass Braulik bei 350 untersuchten Ge- 
webebruchstücken nur ein einziges aus Wolle fand. Auch aus Gründen der 
Temperatur und der Sauberkeit wird man leinene Kleider den wollenen vor- 
gezogen haben. Ferner darf nicht unbeachtet bleiben, dass der Widder den 
alten Aegyptern ein geheiligtes Tier gewesen ist, so dass also in früher Zeit, 
als die Priesterkaste noch den bedeutendsten Einfluss auf Sitten und Gebräuche 
des ägyptischen Lebens ausübte, das Verbot der Wolle als Bekleidung des 
Körpers wohl auch auf religiösen Anschauungen beruht. Indische Baum- 
wolle lernten die Aegypter nach J. Engelmann (Geschichte des Handels- 
und AVeltverkehrs, Leipz. u. Berl. 1881) zuerst etwa um 2000 v. Chr. durcji 
die Völker des südlichen Arabiens und die Phönizier kennen; dagegen scheint 
ihnen die Seide erst in der Zeit nach Chr. bekannt geworden zu sein: ge- 
wiss durch den Verkehr mit den Völkern des fernen Ostens. (Vgl. Seidenstoffe 
aus den koptischen Funden.) 

Ueber das Spinnen und AVeben der alten Aeg. geben uns bildliche Dar- 
stellungen Aufschluss , aus denen hervorgeht, dass diese Arbeiten nicht viel 
anders aber umständlicher ausgeführt wurden, als es heute zu geschehen pflegt. 




Aegypten. 



11 



Die Webestühle, mit wagerecht oder senkrecht aufgespannter sehr langer Kette, 
waren einfacher Art, Frauen und Männer webten an ihnen in hockender Stel- 
lung. (Vgl. Abb. 12.) Das Mühsame dieser Handfertigkeit wird uns in einem 
Papyrus geschildert, der Ermahnungen und Vorstellungen eines Abenteurers an 
seinen Sohn enthält, welcher eine Zeitlang am Hofe des Königs Amenemhat I. 

Abb. 13. 




lebte (12. Dynastie: nach Justi, Geschichte der orientalischen Völker im 
Altertum, Berl.), um ihm jedes andere Greschäft als das eines Schreibers zu 
verleiden. In dieser Schrift heisst es: „Der Weber im Innern der Häuser 
ist viel unglücklicher als eine Frau. Seine Kniee sind bis zur Höhe des 
Herzens heraufgezogen; er geniesst keine frische Luft. Versäumt er einen 



Abb. 14. 



Abb. 15. 





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Tag, die ihm vorgeschriebene Quantität Zeug zu machen, so bindet 
man ihn krumm , wie den Lotos der Sümpfe. Nur wenn er den Türhütern 
Brot gibt, gelingt es ihm, das Tageslicht zu sehen." Wenn auch hier die 
Tätigkeit eines ägyptischen Webers in etwas grellen Farben geschildert sein 
mag, so erscheint die Notiz bezüglich des feuchten Arbeitsraumes insofern 
nicht unwichtig, als ein solcher die Dichte der Fadenfügung des Leinengewebes 
bekanntlich günstig beeinflusst; zum Vergleich mit dem zarten altägyptischen 
Byssusleinen erinnere ich daran, dass auch von den feinsten Valenciennesspitzen 
(s. d.) des 18. Jahrh. berichtet wird, sie seien im feuchten Kellerraum ge- 
klöppelt. Ausser den glatten Leinenstoffen, die in einfachen und gemusterten 



12 



Aegypten. 



Farbenstreifen abschliessen , führt Braulik aus der Stoffsammlung des k. k. 
Oesterreicliischeu Museums in Wien noch Fransengewebe (s. d.) an, ferner macht 
uns derselbe Forscher bekannt mit Produkten der altägyptischen Kunstweberei : 



Abb. 16. 



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Abb. 17. 



das sind Bändchen, welche als Grewandborten aufgenäht waren ; ihre Musterung 
ist geometrisch, ein anderes Beispiel erinnert darin an den antiken Zinnigen- 
abschluss (s. d.). Im Grundstoffe gemusterte Kleider wurden von den alten 

Aegyptern nicht getragen ; wenn wir 
solche auf Wandmalereien abgebildet 
finden, so handelt es sich um Darstel- 
lungen fremder Völkerschaften (siehe 
Abb. 13) ; ebenso bevorzugten die Ein- 
geborenen weisse G-ewänder, bei deren 
Anlegung sie den Anschauungen der 
Griechen huldigten, in die Schlichtheit 
des ungemusterten Stoffes dui'ch reiche 
Fältelung Abwechselung hineinzubringen, 
um die ümrisslinien des menschlichen 
Körpers vorteilhaft in Erscheinung tre- 
ten zu lassen. Neben den einfachen in 
Taffetbindung gewebten Stoffen waren 
in Aeg. broschierte Gewebe bekannt; 
auch nahtlose Kleider wurden durch sog. 
Schlauchweberei (s. d.) erzeugt. Für 
Leichentücher und andere Decken, Zelt- 
behänge u. s. w. stellte man Stoffe in 
Färberei, Malerei und Zeugdruck (s. diese 
Artikel im einzelnen) her, denen in 
manchen Fällen eine stuckähnliche Masse 
zu Grunde liegt (s. Abb. 14 u. 15). Wie 
weit man an Teppiche des alten Aeg. 
denken kann, wird dadurch ungewiss, 
dass im Altertum darunter nicht aus- 
schliesslich Fussbodenbeläge in unserem 
Sinne verstanden werden, sondern auch geflochtene, gemalte oder gestickte 
Decken für die Wände in Betracht kommen. An sonstigen altägyptischen Tex- 
tilien müssen noch die Netzar beiten erwähnt werden, welche sich als oberster 




Ahaus — Aire-sur-la-Lys. 13 



Belag der eingewickelten Mumien finden ; die Verzierung derselben besteht 
innerhalb der Maschen aus farbigen Perlen. 

Die Mustergebung der altägyptischen Behangstoffe haben wir uns 
im allgemeinen als eine geometrische vorzustellen, wie sie sich aus der Technik 
heraus entwickelt (s. Abb. 16) ; erst in spcäterer Zeit erscheinen mit der fort- 
schreitenden Fertigkeit in Weberei , AYirkerei und Stickerei Ornamente , in 
welche Reminiszenzen der altägyptischen Formensprache hineinklingen, wde sie 
uns aus den Denkmälern der Architektur und Malerei bekannt sind (s. Abb. 17). 
Wichtige Aufschlüsse geben uns hierfür die seit dem letzten Jahrzehnt in 
Oberägypten gemachten Gräberfunde (s. koptische Textilfunde). 

Die moderne Textilindustrie Aegyptens ist unbedeutend, jedoch im Auf- 
schwung begriffen. Man fertigt in Kairo u. a. 0. grobe Baumwollenstoffe für 
die Soldaten, halbwollene, blau gefärbte Stoffe für die Fellahweiber; wollene 
Decken und grobe Tücher liefert das Fayum. Die ehemals so bedeutende 
Leinenfabrikation in Unter- und Oberägypten hat aufgehört, ebenso ist die 
Fabrik der roten Mützen zu Fuah im Verfall. 

Abbildungen: 

12. Aegyptischer Webstuhl nach einer Darstellung aus: Aug. Braulik, Alt- 
ägyptische Gewebe, Stuttgart 1900. Original auf einem Wandgemälde in Beni-Hasan. 
Die mit a und b bezeichneten Stäbchen dienen zur Fachbildung. 

13. Wandmalerei aus einem Grabe zu Beni-Hasan: Semitische Familie ^ in 
Aegypten Einlass begehrend (uach Lepsius), nach einer Darstellung aus Justi, Ge- 
schichte der orientalischen Völker im Altertum, Berlin 1884. 

14. Bemaltes Leinwandgewebe nach einer Darstellung aus : Braulik, Altägyptische 
Gewebe, Stuttgart 1900. Die Buchstaben a und b beziehen sich auf leichtere (a) und 
dunklere (b) Stellen der braungrauen Farbe. 

15. Bemaltes Leinwandgewebe wie Abbildung 14. Originale von 14 und 15 
im k. k, Oesterreichischen Museum in Wien. 

16. Dekomponiertes ägyptisches Stoffmuster aus einer Wandmalerei nach einer 
Darstellung aus: Braulik, Altägyptische Gewebe, Stuttgart 19.00. Die Dekomposition 
ist so dargestellt, dass die schwarzen vollen Quadrate für Schwarz, die Kreuze in den- 
selben für Indischrot, die Punkte für Zinnobergrün und die Kreise darin für Chrom- 
gelb gelten sollen. Das Muster besteht nach Angabe von Braulik aus sechs ver- 
schiedenen Schussfäden, die sich in der Ordnung 1, 2, 3, 4, 5, 6, 5, 4, 3, 2; 1, 2, 3, 
4, 5, 6, 5, 4, 3, 2 u. s w. im Gewebe wiederholen. Original wie vorher. 

17. Altägyptisches Flächenmuster aus Lotos und Spiralen mit Handwerkszeichen 
in Feldern, nach einer Darstellung aus : Friedrich Fischbach, Ursprung der Buchstaben 
Gutenbergs, Mainz 1900, Tafel V, Fig. 4. 

Ahaus, Stadt im preuss. Peg. -Bez. Münster: Jutespinnerei und Weberei. 

Ahle, Pfriemen (franz.: alenes* engl.: elsins, prickers); Werkzeug aus 
einem Messingheft mit eingeschraubter Nähnadel; wird bei Stickereien auf 
harten Stoffen (Brokat, Plüsch, Leder) gebraucht, um der Sticknadel für den 
Durchzug des Fadens vorzustechen. 

AhmedpOOr, Stadt im Vasallenstaat Bahawalpur des indo-brit. Peiches : 
Seiden- und Baumwollenwebereien. 

Aicha, Stadt in Böhmen: Spinnereien und Kattunfabrik; Wollstoff- 
druckereien. 

Aida, Bezeichnung eines modernen Grewebes für Tisch- und Grartendecken. 
Die Musterung wird hervorgebracht durch zwei straminartige Oewebe, die 
übereinander liegen und nach Form des Musters bald auf die rechte, bald auf 
die linke AVarenseite gebracht werden, das ihre doppelseitige Benützung er- 
möglicht (s. Bindungen). 

Aiguillette (franz.), die Nestel, Nestelschnur, der Schnürsenkel, auch be- 
schlagene Achselschnüre für Militär. 

Ain-Tab, Stadt in der Türkei : Fabrik von Seiden- und Baumwollenwaren. 

Airdrie, Stadt in der schott. Grrafschaft Lanark : Baumwollenwebereien. 

Aire-sur-la-Lys , Hauptstadt des Kantons Aire im Arrond. St. Omer des 
franz. Dep. Pas de Calais : bedeutende Fabrikation von Wolle. 



14 Ajamis — Albigeois. 



Ajamis, bunte Kattune, welche ehemals aus der Levante nach Frankreich 
gebracht und von dort wieder nach Afrika ausgeführt wurden. 

A-jour-Arbeit (franz.), s. Durchbruch. 

A-jour-Stoffe, durchsichtige, durchbrochene Gewebe aus Seide oder feinen 
Baumwolleugarneu, mit leinwandartigem Grund, während auf den durchsichtigen 
Stellen vier Fäden zusammendrehen, sodass Löcher im Gewebe entstehen; die 
Musterung ist gestreift oder karriert (s. Bindungen). 

Akhmyn s. Achmim. 

Akscher, Stadt in der asiat. Türkei : Teppichfabrik, Handel mit '\\''ollen- 
waren und Seidentapeten. 

Aksu, Stadt in Ost-Turkestan oder der kleinen Bucharei: fabriziert Baum- 
wollenzeuge von erster Güte, die nach allen Orten Ost-Tiirkestans abgesetzt werden. 

Ala, Stadt in Tirol: Sammet- und Seidenwebereien. 

Alabama, einer der Vereinigten Staaten im östlichen Teile von Amerika : 
Erzeugung von Baumwolle, jährlich bis auf 2 Millionen Ballen, welche nach 
dem Gewinnnungsort benannt wird. 

Aladjas, schwere ostindische TafFete , die früher von Surate durch die 
ostindischen Kompagnien in den Handel gebracht wurden: es gibt gestreifte 
und geblümte Muster mit Ranken u. s. w. 

Aladscha, buntgemusterte Baumwollenstoffe, ursprünglich nur im Orient 
angefertigt, jetzt aber auch in Deutschland und der Schweiz gemacht, von wo 
sie nach dem Orient ausgeführt werden. 

A-la-fougere, eine Gattung Kniebänder von Zwirn, die in der Auvergne 
gewebt werden. 

Alagia, im Levantehandel die auf Morea, Prevesa und Arta dichtgewebten, 
bunten Baumwollenzeuge, die auch mit Seide vermischt werden. 

Alagoas, Staat und frühere Hauptstadt in Brasilien : Haupterzeugnis in 
Baumwolle, welche nach ihrem Ge^^-innungsort benannt wird. 

A la grecque (franz.), unpassende Bezeichnung für Mäanderborte (s. d.), 
weil wörtlich : auf griechische Art. 

• Alais, das alte AJesia, Hauptstadt des Arrond. A. im franz. Dep. Gard: 
bedeutende Seidenindustrie ; beträchtlicher Handel mit Seidenstoffen und Bän- 
dern; Maulbeerbaumzucht. 

Alamba, nordamerikanische Baumwollsorte (aus Mobile), weiss, glänzend, 
kräftig im Faden. 

Alatri, Stadt im Kreis Frosinone, im Südosten der ital. Prov. Kom: hat 
viele Tuchfabriken. 

Alaunieren, Alaunen, in der Färberei, namentlich in der Türkischrot- 
färberei, die Behandlung der zu färbenden Stoffe zum Zwecke der Aufnahme 
und Fixierung des zu applizierenden Farbstoff'es. 

Alba, Albe (Jat. alba; franz. aube; engl, alb) ; das unterste Amtsgewand 
des Priesters der alten, der heutigen katholischen und der angelikan. Kirche. 
Es besteht aus weisser Leinwand und hängt faltig bis auf die Füsse. 

Albaida, Stadt in der span. Prov. Valencia : Leinenwebereien. 

Albanesische Fransen s. Fransen. 

Albanesische Stickerei, nach ihrer Herkimft bezeichnete Technik auf 
Leinen im Kreuz-, Strich- und Gobelinstich in Bot, Blau und Grün, mit 
Mustern aus streng stilisierten Blütenformen oder geometrischen Figuren (s. 
Leinen>tickerei\ 

Albarazine, spanische AVolIe aus Albaracia in Aragonien. 

Albernus, orientalischer Stoff wie Kamlott , der über Marseille in den 
Handel kommt. ^ 

Albi, Hauptstadt des franz. Dep. Tarn und Arrond. A. : Fabriken von 
Wollen-. Leinen- und Baumwollzeugen. 

Albigeois, eine im Handel von Toulouse, Montpellier, besonders aber auf 
der Messe von Beaucaire vorkommende Sorte grauer ungebleichter Leinwand 
von verschiedener Länge und Feinheit, sie wird in Languedoc, meistens in der 
Gegend von Albi verfertigt. 



Albisola — Alessandria. 15 



Albisola, Flecken in der ital. Prov. Genua: fertigt Spitzen aus ver- 
schiedenfarbigen Seiden- oder Leinenfäden, welche nach ihrer Fabrikationsstätte 
benannt werden (s. Spitzen). 

Alcala, Bezirksstadt in der Prov. Madrid : Leinengarnspinnerei und ver- 
schiedene "Webereien. 

Alcantara, Stadt in Brasilien: Seidenzucht. 

Alcantaraorden s. Lilienkreuz. 

Alcatifas de Persia, Alcatifs, im spanischen Handel die feinen orien- 
talischen Tapeten und Teppiche. 

Alcatquen, reiche mit Gold durchwirkte persische Teppiche , welche zu 
Divandecken verwandt werden. 

Alcazar de San Juan, Bezirksstadt in der span. Prov. Ciudad-Peal: 
"Wollwebereien. 

Alcira, Bezirksstadt der span. Prov. Valencia: bedeutende Seidenzucht, 
welche jedoch gegen frühere Zeiten sehr zurückgegangen ist; die Blütezeit von 
A. fällt in die maurische Zeit. 

Alcoba^a, Stadt in der portug. Prov. Estremadura: Seiden-, Baumwollen- 
und AVollenindustrie. 

Alconcher, in England eine Art wollener Bayette (s. d.) für Spanien und 
Amerika gefertigt. 

Alcoy, Stadt in der span. Prov. Alicante : grosse Anzahl von Walken, 
Tuch-, "Wollenstoff- und Leinenwebereien, welche während des blutigen Auf- 
standes im Jahre 1873 gelitten haben. 

Aldekerk, Dorf im preuss. Peg.-Bez. Düsseldorf: Sammet- und Seiden- 
bandweberei. 

Alderney (franz. Anrigny), drittgrösste der normannischen Inseln : wich- 
tiger Erwerbszweig ist die Strumpfwirkerei. 

Alemanetis nannte man ehedem zu Marseille die deutsche Schocklein- 
M'and, welche besonders ans Augsburg dort eingeführt wurde. 

Alen^on, Hauptstadt des franz. Depart. Orne : lebhafte Industrie in Lein- 
wand, Picjue- und Barchentweberei, feinen Wollenzeugen, Stickerei- und Posa- 
mentierwaren. Die einst so bedeutende Erzeugung von Nadelspitzen, zuerst 
(1666) auf dem Schlosse Louray beiA., wohin der Minister Colbert Arbeiterinnen 
aus Venedig berufen hatte, beschäftigt nebst der Musselinestickerei noch immer 
an 2000 Personen, welche gewöhnlich in der Spitzenschule zu A. vorgebildet 
werden. (Vgl. den Artikel Spitzen.) 

Alen^On, ein leichter Stoff aus Seide und Baumwolle, welcher zu Anfang 
des 19. Jahrhunderts modern war. 

Alen^onnes oder toiles d'Alencon, halbweisse Hausleinwand, welche in 
der Xiedernormandie in verschiedener Feinheit gewebt wird. 

Alepine, ein nach seiner Hauptfabrikationsstätte Aleppo in Syrien be- 
nannter geköperter Stoff, dessen Kette von weicher Seide, der Einschlag von 
weichem feinem Kammgarn, ursprünglich nur in schwarzer, später in allen Farben 
gebräuchlich; wird auch in Frankreich (Paris, Beauvais, Amiens) und in Deutsch- 
land (Gera, Pochlitz) erzeugt, in England von härterem Kammgarn nachgeahmt. 

Alepper oder aleppische Seide , welche die Europäer zu Aleppo in 
Syrien kaufen und über Alexandrette ausführen. 

Aleppo, Hauptstadt des gleichnamigen asiatisch-türkischen Vilajets: die 
Lage im Knotenpunkt aller Handelsstrassen, die vom Mittelmeer nach Osten 
führen, machte A. schon vor Jahrhunderten zu einem Haupthandelspunkt des 
Orients und bildet seither den Stapelplatz für europäische, levantinische, indische 
und persische Textilwaren. Am schwunghaftesten war der Handel A.'s vor 
der Auffindung des Seeweges nach Indien, während und nach der Zeit der 
Kreuzzüge, wo die Genuesen und Venezianer ihre Hauptniederlagen hier hatten. 

Aleppo, Name syrischer Baumwollenart. 

Alessandria, Hauptstadt der Prov. A. in Oberitalien: bedeutende Fabri- 
kation von Leinen- und "Wollen Stoffen. Für den Handel wichtig als Mittel- 
punkt des Verkehrs zwischen Genua, Turin und Mailand. 



16 Alexandrette — Aloehanf. 

Alexandrette, Name syrischer Baumwollenart. 

Alexandria, Stadt in der schott. Grafschaft Dumbarton: Kattundrucke- 
reieu und Färbereien. 

Alexandria, moderner halbwollener gemusterter Damenkleiderstoff. A. 
ist auch Bezeichnung einer ägyptischen Baumwollenart, von kurzem Stapel, 
der gewöhnlichen smyrnischen ähnlich, jedoch unrein und schmutziger als diese. 

Alexandrien, Alexandria, 331 v. Chr. von Alexander d. Grr. gegründet, 
von den Türken und Arabiern Iskanderijeh oder Skanderijeb genannt, Seestadt 
an der Mittelmeerküste Aegyptens. Hauptsitz der Seidenindustrie im frühen 
Mittelalter, auch bis zum Zeitalter der mamelukkischen Sultane noch' besonders 
tonangebend in der Herstellung reicher orientalischer Brokatgewebe. 

Alexandrine nannte man früher feine Stoffe aus Baumwolle und Leinen- 
garn, welche durch Appretur ein seidenartiges Aussehen erhielten; sie wurden 
in Neuchätel und E-ouen in bunten Mustern auf weissem Grunde gewebt. 

Alfa, (Haifa, Sparto, Espartogras) Faserstoff aus der in Nordafrika hei- 
mischen und kultivierten Grasart stipa tenacissima von grüngelber Farbe, ohne 
Glanz, rauh und steif, wird zu Geweben für Militär- und Matrosenkleidung 
verwendet. 

Alfeld, Kreisstadt im Kreise A. a. d. Leine : Fabrikation von Drell und 
Barchent ; Handel mit Leinwand. 

Algerienne, ein ursprünglich nur in Algier hergestelltes Wollengewebe 
mit bunten Qnerstreifen für Zelte, Vorhänge u. dergl., wird jetzt auch in 
Europa vielfach in leichterer Ware nachgemacht und nach dem Orient ausgeführt. 

Algier, Hauptstadt des Depart. A. zugleich erster Handelsplatz von Al- 
gerien : Erzeugung von Teppichen, Seidengazen, goldgestickten Musselinstoffen, 
Haiks und anderen Wollwaren. 

Alicante, Hauptstadt der Prov. A. in Spanien: beträchtliche Baumwollen- 
fabriken und Leinwandwebereien. 

Alizari, (ital.: Krapp) die Krappwurzel, welche den roten Farbstoff liefert, 
der bei der auf Smyrna geübten Teppichindustrie eine grosse Bolle spielt. 

Alkmaar, Stadt in der niederl. Prov. Nordholland: bedeutende Segel- 
tuchwebereien. 

Allabatis, Allibalis, Alliabat, Alliabally, Allibanis, Bezeichnungen für ost- 
indische Baumwollenzeuge, teils glatt, teils broschiert und gestickt, welche am 
Anfange des 19. Jahrhunderts durch Holländer und Dänen nach Europa ge- 
bracht wurden. Die holländischen Sorten waren mit Kanten aus Golfäden, 
die dänischen meist gestickt. 

Alla Tolosa, in Italien eine Gattung seidener Halstücher, welche aus 
feiner Organsinseide gewebt werden. 

Allegeas, Allegias, Allejars, mehrere Arten ostindischer Stoffe, teils ganz 
aus Baumwolle, teils gemischt; die baumwollenen Sorten dieses Namens sind 
Musselin: sie kommen auch unter der Bezeichnung Bethilles vor. 

Allemagnettes oder Alemanetis hiess früher in Italien die weissgebleichte 
Württemberger bezw. TJlmer Leinewand, welche in Livorno, Genua, Marseille 
u. s. w. grossen Absatz fand; sie wurde in Fadenbreile von 1600 — 3600 Kett- 
fäden gewebt. 

Allenstein, Kreisstadt im Beg.Bez. Königsberg : bedeutender Leinenhandel. 

Alliabably, feines Baumwollengewebe (Musselin) von Dacca in Ostindien. 

Alliancewappen s. Heiratswappen. 

Almeria, Hauptstadt der Prov. A. in Spanien, verdankt seine Bedeutung 
den Mauren, die dort im Mittelalter erzeugten Seidenstoffe waren durch ihre 
Schönheit sprichwörtlich geworden. Im 13. Jahrhundert nimmt hier die Seiden- 
industrie einen solchen Aufschwung, dass die inländische Bohseidenproduktion 
nicht mehr ausreicht. 

Aloehanf, Aloefaser (franz.: chauvre d'alves ; engl.: Mexican grass), starke, 
lange, von spinnbarer Feinheit glänzend gelblicliweisse Faser, deren Länge bis 
auf 50 cm, die gehaspelte Faser auf 20 — 38 cm kommt, in Mexiko, Südamerika 
und Algier aus den Blättern einiger Agavearten gewonnen ; in fein zubereitetem 



Alpaka— Altkirch. 17 



Zustande zu Geweben (Aloetüchern), auf den Philippinen zu Nadelspitzen ver- 
arbeitet. Ein sehr ähnliches Produkt ist der Pitehanf in Peru und Neugranada 
(s. a. Lisal). 

Alpaka, moderner glänzender Damenkleiderstoff in Leinwandbindung 
aus Kette von Baumwollenzwirn und Alpakaschuss. 

Alpakawolle, das Haar der drei in Südamerika heimischen Schafkamel- 
arten : Lama, Alpaca, Yicuna oder Vicogna, zeichnet sich aus durch seiden- 
artigen Grlanz. Sie ist nur schwach gewellt, ziemlich schlicht und liefert ein 
sehr geschätztes Kammgarn, dessen Rohware über England nach Europa kommt. 
Bis zum xAnfang des 19. Jahrh. ist die A. für Europa wertlos, bildet jetzt 
einen der vorzüglichsten Ausfuhrartikel von Peru und Chile. In England wird 
die A. seit etwa 1830 versponnen, in Frankreich, Belgien und Deutschland hat 
diese Industrie viel später Eingang gefunden. Am häufigsten wird A. mit 
mehreren anderen Fasern versponnen (Baumwolle, Mohair, Kammgarn oder auch 
Seide), solche Alpakagarne nennt man Mixed garns (gemischte Garne). Die 
Farbenmischung im Einschuss wird auch durch Zwirnen verschiedenartiger 
Alpakagarne bewirkt; solche Gewebe nennt man Twisted Alpaka. Die Alpaka- 
gewebe dienen zu Anzugsstoffen, Möbelbezügen und Besätzen. 

Alsfeld, Kreisstadt in Oberhessen: Erzeugung von Leinen-, Halbleinen- 
iind Baumwollenwaren. 

Altarausstattung, Altarbekleidung, Altarzeug (lat. : vestis altaris, vesti- 
mentum; franz.: ornament d'autel ; engl.: altar-ornament). Zur Altarbekleidung 
sind zu rechnen a) in der katholischen Kirche : der Altarbehang, die Altartücher, 
das A^esperale, das Corporale, das Frontale oder Antependium, b) in der 
evangelischen Kirche: der Altarbehang, die Vorhaltetücher, die Altartücher: 
Corporale oder Leibtuch, die Fallen, und in englischen Kirchen das Yelum 
(s. die Artikel im Einzelnen). (Yergl. über katholische A. Bock, Geschichte 
der liturgischen Gewänder, 3 Bde. Bonn 1859 — 1871, über evangelische A. 
M eurer, Altarschmuck, ein Beitrag zur Paramentik :! i der evangelischen Kirche, 
Leipzig 1867.) 

Altarbehang, Altarbehänge, Altargewand, Altarverhüllung (lat. : pallium, 
palla, palliota; franz.: nappe, d'autel; engl.: pallium); so heissen in ihrer 
Gesamtheit alle die Teile der Altarbekleidung, welche an den Altar angehängt 
werden. 

Altartuch, Altartwele (lat. : mappa, tobaleum, tuella, linteamen ; franz. : 
linge d'autel , nappe, touaille ; engl. : towel , altar-cloth). Jeder katholische 
Altar soll mit drei Leinentüchern bedeckt sein. Die beiden unteren bedecken 
nur die Altarplatte , das oberste aber muss noch zu beiden Seiten bis zum 
Sockel des Altartisches herabhängen; unter dem untersten liegt noch das 
Chrismale, ein wachsgetränktes Linnen. lieber das oberste wird das Yesper- 
tuch (s. d.) ausser der Messe gebreitet. Diese Yorschriften datieren vom 
Papst Pius I. (142 — 157). Anderen Stoff als Leinwand zu nehmen ist streng 
verboten. Im Mittelalter wurden diese Leinentücher mit farbigen Streifen 
gewirkt oder gestickt oder auch mit strengen Mustern im Stile der Zeit bedeckt 
und in bescheidener Weise mit Fransenabschluss versehen (s. Leinenstickerei). 

Altchemnitz, Ortsgem. in Sachsen: Baumwollen- und Kammgarnspinne- 
reien; Kattun- und Jutedruckereien (s. Chemnitz). 

Altdeutsche Leinenstickerei s. Leinenstickerei. 

Altdeutsche Stoffmuster s. Deutschland. 

Altdeutscher Knüpfstich s. Leinenstickerei. 

Altdeutsches Leinen s. Leinen. 

Altenburg, Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-A. : Fabri- 
kation von wollenen Garnen und Leinenwaren. 

Altertumskonservierung s. konservieren, reinigen u. s. w. 

Altes Land, Marschebene im Kreis Jork des preuss. Beg.-Bez. Stade 
a. d. Elbe: Leinenstickerei, Baumwollen- und Tuchwebereien älterer Zeit. 

Altkirch, Hauptstadt im Oberelsass bei Mülhausen: Baumwollspinnerei, 
Kattunweberei. 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde, O 



18 Altona — Amerika. 



Altona, Stadt im preuss. B>eg.-Bez. Schleswig: Wollspinnerei, Fabrika- 
tion von Wollgarn; Posamentierwaren. 

Altorientalische Teppiche s. Teppiche. 

Altstadt, Stadt in Mähren: bedeutende Leinenindustrie. 

Alumnatzeug, ein starker, dicht gewebter, meistens schwarz ge- 
färbter Wollenstotf, welcher in mehreren böhmischen Fabriken gemacht 
und meistens zu Kleidern für Ordensgeistliche und Alumnen verbraucht wird. 

Alvellos, Stadt in Brasilien : Seidenwebereien. 

Alzey, Kreisstadt der hessischen Provinz E,heinhessen, bei Mainz: ältere 
Webereien. 

Amabouks nennt man die in den nördlichen Gegenden Irlands verfer- 
tigten, gewöhnlichen, halbgebleichten Leinwandstoffe; sie werden ungebleicht zu 
Warensäcken, halbgebleicht zu Matrosenhemden und Sklavenkleidung gebraucht. 

Amamee, ein glattes, festgeschlagenes Baumwollengewebe aus Bengalen; 
die feinere Sorte führte auch den Namen Bissuti, die gröbere Tissuti. Sie 
wurden ehedem zum Kattundruck, auch zu Hemden, Betttüchern, Vorhängen 
u. 8. w. gebraucht, später aber durch nordamerikanische baumwollene Zeuge, 
die sog. Domestiks verdrängt. 

Amanblucee, ältere Sorte von Baumwollenzeug, die man über Aleppo bezog. 

Amand-les-Eaux , Hauptstadt im franz. Depart. Nord, Arrond. Valen- 
ciennes: Spitzenfabrikation. 

Amanouri, eine der feinsten levantinischen Baumwollen. 

Amarant, Name einer Zeugfarbe, welche der des gleichnamigen Pali- 
sanderholzes ähnlich ist (s. Zeugdruck). 

Amazones, moderne Bezeichnung eines Wollenstoffes, der zur Anfertigung 
von Frauenkleidern dient. 

Ambelakia, Stadt in der Türkei, Vilajet Janina: Baumwollenbau, 
Türkischrotfärberei. 

Amberg, Stadt im bayer. Beg.-Bez. Oberpfalz : bedeutende Fabrikation 
in Woll- und Leinenzeugen. 

Amberien-en-Bugey, Hauptort im franz. Depart. Ain, Arrond. Belley: 
Tuch- und Deckenfabriken; Baumwollenspinnereien. 

Ambert, Hauptstadt des gleichnamigen franz. Arrond. im Deport. Pay- 
de-D6me: Band-, Segeltuchfabrikation; lebhafter Handel mit Kamelotts, Beutel- 
tuch u. s. w. 

Amboise, Hauptort im franz. Depart. Indre-et-Loire : Fabrikation von 
Teppichen und Tuchstoffen ; bedeutender Handel. 

Ambras, Dorf in der österr. Bezirkshauptmannschaft Innsbruck in Tirol: 
berühmt durch die s. Zt. dort aufbewahrten Sammlungen, worunter auch einige 
Stoffe und Stickereien , welche sich gegenwärtig im kunsthistorischen Hof- 
museum in Wien befinden. Vgl. Hg und Böheim , Führer durch die K. K. 
Ambraser Sammlung, Wien 1879. 

Ambrieres, Hauptort im franz. Depart. Mayenne : Kalikofabriken. 

Amens, Amiens, ein fester geköperter Wollenstoff, welcher aus feinem 
hartem Kammgarn, den Lastings gleich, aber von besserer Qualität, in Schott- 
land, England, Frankreich und Deutschland gewebt wurde; er kam in allen 
Farben, gestreift und gemustert, in den Handel: man fertigte ihn zuerst in 
Amiens, s^Däter in Yorkshire und zuletzt in Deutschland; ersetzt wurde A. 
später durch die im Gewebe und Garn ähnlichen Merinos und Tibets (s. d.). 

Amerika. Die ersten Versuche, Seidenband- und Stoffweberei in den 
Vereinigten Staaten Amerikas einzuführen, fallen in die 50er Jahre des 19.;Jahrh., 
wenn auch schon früher (1836) kleinere Betriebe bestanden haben. Hohe 
Schutzzölle und die Freilassung der Einfuhr von Bohseide verhalfen der jungen 
Industrie bald zu raschem Aufschwung. Das Material bezog A. von Anfang 
an aus China. Die wichtigsten Sitze der Seidenindustrie befinden sich aus- 
schliesslich in den nordöstlichen Staaten, namentlich Neu-Jersey, Pennsylvanien, 
Neu-York, Connecticut (South Manchester) und Massachusetts, weniger in 
Maine und Virginien. Das Charakteristische amerikanischer AVebereien ist, 



Amertis — Amsterdam. 19 



dass die meisten keine Spezialartikel liefern, sondern neben den Sammeten auch 
Atlasse , neben den Bändern Besatzartikel anfertigen u. s. w. Die meisten 
betreiben ferner zugleich die Zwirnerei und stellen ihren Bedarf an Organsine 
und Trame selbst her. Infolge der teueren Handarbeit verwendet die Weberei 
fast ausschliesslich die mechanischen Stühle. Der Charakter der amerikanischen 
Seidenmanufaktur ist von dem der europäischen in vieler Hinsicht verschieden. 
Infolge hoher Arbeitslöhne werden aus ökonomischen Rücksichten gröbere 
Gespinstnummern verwendet; es wird auch weniger dicht gewebt. Die zeit- 
raubende Operation des Stoffreibens wird nur selten ausgeübt. Die Stoffe 
werden stark gummiert, wodurch sie an Gefühl und Schönheit des Faltenwurfs 
verlieren. Die Gespinste werden in der Regel nicht unbeträchtlich erschwert. 
Die Qualität der Arbeit selbst ist weniger sorgfältig, als in Europa; im all- 
gemeinen sind die Fabrikate von ziemlich guter Qualität, aber unverhältnis- 
mässig hohem Preise. (Yergl. Silbermann, die Seide, Dresden 1897, Bd. 1 
S. 137 ff.) lieber Baumwollenindustrie in Amerika vergl. den Artikel Baum- 
wolle. (Vergl. auch über Altertümer in A. den ^Artikel Peru.) 

Amertis, Amiertjes, im holländisch-ostindischen Handel feste Baumwollen- 
zeuge oder Kalikos für Druckstoffe, welche die Holländer früher aus Bengalen, 
vornehmlich aus Patua, nach Europa brachten. 

Amiant s. Asbest. 

Amictus (lat.), Ornatstück der abendländischen Kirche, gleichbedeutend 
mit Humerale, Schultertuch. 

Amiens, Hauptstadt des franz. Depart. Somme: Fabrik von Kamelotts, 
Wollenstoffen, Utrechter Sammet, Teppichen, Tüll- und Leinenstoffen und be- 
deutender Handel mit diesen Erzeugnissen. Schon im Mittelalter hatte A. als 
eine der bedeutendsten Fabrik- und Handelsstädte Frankreichs einen Ruf. Im 
Jahre 1492 führten Arbeiter aus Tournai die Tuchfabrikation daselbst ein; 
Colbert brachte die Textilindustrie hier zu grosser Berühmtheit, indem er 1666 
holländische Fabrikanten kommen liess. Jetzt ist A. besonders wichtig 
durch Leinen-, Hanf-, Jute-, Woll-, und Seiden ab fallspinnereien. Fabriken 
für Manchestersammet mit 7000 Arbeitern, Plüsch (4500), Kleiderkonfektion 
(4000). 

Amita, Bezeichnung für Taffetgewebe, welche nach einem Geschichts- 
schreiber (Ende des 12. Jahrh.) unter diesem Namen in der Kgl. Manufaktur 
zu Palermo gefertigt wurden. 

Amoer, in vielen Gegenden Italiens der sog. Gros de tours. 

AmorgOS, griechische Insel, die östlichste der Cykladen, hatte im Alter- 
tum drei Städte : Minoa, Arkesine und Aegiale, die berühmt waren durch eine 
Art feinen Flachses, aus dem feine durchsichtige Gewänder hergestellt wurden. 

Amour, Hauptort im franz. Jura: Sammetstofffabrikation. 

Amour oder Lacs d' Amour, ein sog. Drell, damastartig mit runden 
oder ovalen Mustern, welcher im Depart. des Calvados, in Caen und der Um- 
gegend, für Servietten hergestellt wird. 

Amritsar, Hauptstadt der gleichnamigen Division und des Distrikts in 
Indien : bedeutendste Handelsstadt des Pandschab und Mittelpunkt des Transit- 
verkehrs für den Handel mit Kaschmir. Zu den Haupteinfuhrartikeln gehören 
Baumwolle, Stückwaren, echte Kaschmirshawls, Seide. Ausgeführt werden die 
einheimischen Fabrikate: Wolle und Seidenwaren, Goldfäden und besonders 
unechte Kaschmirshawls, die hier aus dem Seidenhaar der tibetanischen Ziege 
gestickt werden. Seit 1871 nimmt dieser Industriezweig ab ; doch ist A. noch 
immer der Hauptmarkt für Kaschmirshawls. Der Gesamtwert der nach Europa 
ausgeführten Shawls beträgt jährlich durchschnittlich 4 Mill. Mark, von denen 
IV2 Mill. Mk. auf die in A. hergestellten Nachahmungen entfallen. A. ist 1574 
gegründet und wurde 1846 britisch. 

Amsterdam, Hauptstadt des Königreichs der Niederlande: Seide, Ta- 
peten, Wolle. A. hatte früher einen wichtigen Seidenhandel ; man kaufte dort 
alle Sorten roher ostindischer, persischer, levantinischer und italienischer Seide, 
sowie gesponnene Organsine und Trame von Piemont, Mailand u. s. w. 



20 Amsterdam — Ananasmuster. 

Amsterdam, Stadt im County Montgomery des nordamerik. Staates Nen- 
York: Strickwaren- und Teppichfabriken. 

Anabasses, blau- und weissgestreifte wollene Decken oder Tücher, welche 
im Depart. der niederen Seine zu ßouen, Dartenal und in den umliegenden 
Ortschaften gemacht werden; auch die niederländischen Fabriken zu Leyden, 
Brügge, Ypern u. s. w. webten diese Stoffe in Nachahmung der französischen, 
welche meistens nach dem Senegal, nach der Küste von Gruinea und Angola 
ausgeführt wurden. 

Anacoste oder Anacote, moderner geköperter Wollenstoff aus hartem Kamm- 
garn, eine Art Serge. In Frankreich machte man ihn aus ganz feiner Wolle, be- 
sonders inBeauvais; die niederländischen Fabriken zu Leyden, Brügge, Arschoet 
und Ypern liefern diesen Artikel noch. In Deutschland lieferten ehemals gute 

A. Penig, Gotha, Bochlitz, Gera, Linz, Elberfeld, Breslau und Berlin für den 
auswärtigen Handel. Schwarz gefärbt und ganz weiss geschwefelt ging die 
AYare in Menge nach Spanien ; in harter Wolle und weniger guter Ausführung 
liefern den Stoff die Holländer nach Japan, wo er unter dem Namen „Saaij" 
bekannt ist. 

Ananashanf (franz. fibre de pine; engl, pine applehemp), Gespinstfaser 
aus den Blättern der Ananaspflanze. A. ist sehr fein, weiss und seidenartig 
glänzend, die daraus gefertigten Gewebe scheinen stark durch, weil Schuss- 
uud Kettfäden, die unmittelbar aus dem Blatt entnommen, nur an den Enden 
durch Andrehen oder Yerknoten vereinigte Bastfaserbündel sind, welche der 
Verdrehung gewöhnlicher Gespinstfäden entbehren: Ananasbatist, auf den 
Philipx^inen Pinas , malayisch Tagais. Ananas sativa, Bromelia lucida und 

B. semierata liefern die feinsten Fasern; die gröberen Fasern anderer Arten, 
z.B. Bromelia karatas , B. silvestris , B. sagenavia, werden als Silk-grass zu 
Tauen u. s. w. verwendet. 

Ananas-Leinen, aus den Gespinstfäden der trockenen Blätter einer Ana- 
naspflanze (Bromelia Pigmaea) und Mischung mit Baumwolle gefertigtes Ge- 
webe. Die feinen A. -Tücher, welche in Manila gewebt werden, nennt man Pinas. 
' g Ananasmaschine s. Wirkerei. 

■ ^ 1.: Ananasmuster haben infolge des spitzovalen rautenförmig gerippten Frucht- 
kolbens mit dem oben auswachsenden Blattbüschel in ornamentaler Auffassung 

Abb. 18. 




etwas Verwandtes mit den aus Pinienzapfen, Granatäpfeln und Distelblüten- 
köpfen gebildeten Stofimustern des gotischen Zeitalters. Alle diese botanischen 
Motive haben aber eher eine künstlerische Verwertung gefunden, als das 



Ananasmuster. 



21 



Ananasgewächs , welches allein in Amerika seine Heimat hat (s. Abb. 18). 
Das erste Erscheinen desselben in Europa fällt in die Zeit, wo in Gewändern 
und Tapetenstoffen das sogenannte Granatapfelmuster (s. d.) in Italien und 
Spanien zu voller Entfaltung gelangt ist und schon anfängt , sich von dem 
ursprünglichen Grundmotiv zu entfernen, bis es allmählich übergeht in Blüten- 

Abb. 19. 




formen, wofür uns die sichere botanische Bezeichnung fehlt. Bei dieser Um- 
gestaltung eines allgemein herrschenden palmettenartigen Blütenmotivs, dem 
wir besonders in italienischen und spanischen Stoffmustern begegnen und das 
dort bis spät in das 17. Jahrb. die verschiedenartigsten Wandlungen durch- 
macht, scheint der Körper derA nanasfrucht in geschlossenem und offenem Zu- 
stande von bedeutendem Einfluss gewesen zu sein (s. Abb. 19). In Frankreich 
setzt die eigentliche fruchtbringende Tätigkeit der Prachtweberei erst am 
Ende des 15. Jahrb. ein ; man ist also bei den Entwürfen der folgenden Stoff- 
muster frei von Ueb erlief erungen alter eigener Kunstformen. Daher sehen 
wir den französischen Zeichner die ihm über Holland zugehenden tropischen 
Pflanzen in ihrer möglichst natürlichen Erscheinung für die Fläche nutzbar 
machen, wobei selbst der schwere Ananaskolben als neigendes Glied eines 
grossen palmettenförmigen Strausses dem typisch gewordenen Barockmuster 
in getreuer Wiedergabe nicht fehlt (s. Abb. 20). 

Ab bildungen : 

18. Ananaspflanze nach einer Darstellung aus: lUustriertes Crartenbaulexikon, 
begründet von Th. Rümpler, Berlin 1902. 

19. Originalaufnahme aus dem König]. Landesgewerbe- Museum in Stuttgart: 



22 



Ananasmuster — Andrichau. 



Halbseidenstoff, Grund blassrot, symmetrisches Muster gelblicb und weiss: Blatt- 
gewinde, durch Knäufe verbunden, bilden spitzovale Felder, in welchen je eine grosse 
palmettenförmige Blüte. Italien, 17. Jahrhundert. 

20. Origiualaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbe-Museum in Stuttgart: 



Abb. 20. 




Borte eines Frauenkleides, Grund dichter, roter, geschnittener Sammet, symmetrisches 
Muster aus gezogenen Goldfäden: Spitzengehänge, welche nach oben den Bogen- 
abschluss der Borte bilden, umschliessen auf wechselnd gemustertem Grunde palmetten- 
artige Blütensträusse , in denen der Ananas besonders vorherrschend ist. Frankreich, 
Ende 17. Jahrhundert. 

Ananasware s. Wirkerei. 

Anatolische Teppiche, türkische Bezeichnung für T. aus Kleinasien, 
zum Unterschied von den ebenfalls in Anatolien erzeugten eigentlichen Smyrna- 
teppichen (s. Teppiche). 

Ancelia, moderner halbwollener, durch Bindung gemusterter Damenkleider- 
stoff aus Kette von Baumwollenzwirn und Schuss von Weft. 

Ancona, Hauptstadt der gleichnamigen ital. Prov., nach Venedig die 
wichtigste Seestadt am Adriatischen Meer: Fabrikation von Seidenwaren, 
Segeltuch. 

Andalusia, eine mittelfeine spanische Wolle. 

Andeyls, Hauptstadt des franz. Arrond. A. : Fabrikation von feinem^Tuch, 
Strumj)fwaren und Leinwand stoffen. 

Andreasberg, Stadt in der preuss. Prov. Hannover : Spitzenklöppelei, 
mechanische Webereien. 

Andreasknoten s. Knüpfarbeit. 

Andreaskreuz, Bezeichnung für ein Spitzenmuster in Klöppelarbeit, 
welches im Züricher Musterbuch von 1561 erscheint (s. Spitzen). 

Andrichau, polnisch Andrychow, Stadt in der österr. Bezirkshauptmann- 



Andro — Annaberg. 23 



Schaft Wadowice inGalizien: bedeutende Leinwand-, Tuch- und Zwillichwebe- 
reien, Blaudruckfärberei mit starker Indigoeinfuhr. 

Andro, Hauptstadt auf der gleichnamigen Insel im griechischen Archi23el: 
Seidenzucht und Spinnerei, Tapetenweberei. 

Angebinde, (franz.: faveur; engl.: favor, favour) eine Bandschleife, die 
der Ritter als Zeichen der Zuneigung von einer Dame empfing. 

Angelica vestis (lat.), das Mönchskleid. 

Angers, Hauptstadt im franz. Depart. Maine-et-Loire : Segeltuchfabrik, 
Baumwollenspinnerei, Taschentuch, Kattun- und Zwirnstrumpfwarenmanufakturen. 

Angleterre, Bezeichnung für einen in Frankreich gewebten seidenen 
Glanztaffet. 

Angola, moderner roter Baumwollenstoff in Köperbindung. 

Angora, moderner glänzender Damenkleiderstoff in Leinwandbindung aus 
Kette von Baumwollenzwirn und Schuss von Mohair. A. heissen auch Nach- 
ahmungen der Angorafelle (s. Mohairplüsch, Lamskin). 

Angoratuch, Bezeichnung einer älteren Ware aus "Wolle und Seidenfaser- 
haar, welche durch weiches glänzendes Aussehen auffiel, aber nicht dauerhaft 
war; man fertigte sie in Buttstädt und Züllichau. 

Angorawolle, Angorahaar, Kämelhaar, Kamlot, — fälschlich Kamelhaar 
genannt — (franz.: poil de chevre ; engl.: mohair, ice wool; span. : mohair; 
türk. : tiftik) ; vom Arabischen Chamal = Ziege, aber auch „zart" „fein", eine seit 
alter Zeit (vergl. Moses II, 25, 4 und 35, 6) wegen ihrer bedeutenden Länge 
(30 cm und mehr), Dauerhaftigkeit und ihres Seidenglanzes hoch angesehene 
Spinnfaser : das Haarkleid der Angoraziege, welche auf den Höhen von Angora 
und Konieh in Kleinasien gezüchtet wird. Die feinste Wolle stammt von 
einjährigen Ziegen; die der älteren Tiere wird auffallend grob und verliert 
stark an Wert. Die geringste Sorte führt den Kamen Wickelwolle (pelotage 
oder pellotini), dieser ist die persische Ziegenwolle (laine de perse) sehr ähnlich. 
Die Angorawolle ist reinweiss, seltener grau und schwarz, daher am meisten 
geschätzt. Ausser dieser ersten Angorawolle kommen auch noch andere Wollen 
unter gleicher Bezeichnung in unserem Handel vor, die auch von Ziegen 
stammen; aber sich von diesen unterscheiden durch den reichlichen Grehalt 
dicker markhaltiger Haare. Die Angoraziege ist auch in Frankreich, Spanien 
und Australien akklimatisiert worden, doch hat die von dort kommende Wolle 
einen gelblichen Schein. Ferner sind in Kalifornien, Nevada, Arizona und 
Neu-Mexiko bedeutende Herden dieser Ziege. 

Anhalt, Fürstentum, besitzt beträchtliche Schafherden, welche im all- 
gemeinen eine gute Wolle geben, die in Menge nach Hamburg, Holland und 
Frankreich ausgeführt wird, der Handel damit hat seinen Hauptsitz in 
Cöthen. 

Animalisieren nennt man die für Zwecke der Färberei und des Zeug- 
druckes häufig erforderliche Vorbereitung der Baumwolle, welche dazu dient, 
derselben eine der Schafwolle ähnliche Anziehungskraft für gewisse, andernfalls 
an der Baumwollfaser nicht haftende Farbstoffe zu erteilen. 

Animetta (lat.), das Tuch zur Bedeckung des Abendmahlskelches. 

Anlegetechnik, in der Stickerei das einfache Aufnähen der Groldfäden 
oder Schnüre, welche entweder unsichtbar oder sichtbar mit Ueberfangstichen 
in gleicher oder abstechender Farbe festgehalten werden und in Umrissen 
(nach italienischen und spanischen Vorbildern der Renaissance) oder auch in 
ganzen Flächen (nach Stickereien des Orients, vornehmlich China) das Muster 
bilden. (Vergl. den Artikel Goldstickerei.) 

Anmaschen s. Strickerei. 

Annaberg, Stadt in Sachsen: Mittelpunkt der sächs. Spitzenklöppelei 
und Posamentier Warenfabrikation, von denen die erstere 1561 durch Barbara 
Uttmann (-|- 1575), die andere im nahen Buchholz im Jahre 1590 durch prote- 
stantische Belgier (Einenkel) begründet ward ; ferner Fabrikation von seidenen 
Stoffen, unechten Gold- und Silbertressen (sog. Leonische Ware). Gewerbliche 
Fachschiilen für Frauen und Mädchen. Lehranstalt für erzgebirgische Posa- 



24 



Annecy — Antependium. 



mentierindustrie, mit der früheren Posamentierlehrlingsschule verbunden. Posa- 
raentenexport nach den Vereinigten Staaten jährlich etwa für 45 Mill. Mark. 

Annecy, Hauptstadt des franz. Depart. Haute-Savoie: Baumwollen-, 
Wollen-Spinnereien und Webereien; Seidenfabriken. 

Annina, römische weisse Baumwolle. 

Annonay, Hauptstadt des Kantons A. des franz. Depart. Ardeche: Tuch- 
und Strumpfwaren-Fabriken; Handel mit Seidenwaren. 

Anreihen s. Knüpfarbeit. 

Ansbach, Stadt im bayr. Reg.-Bez. Mittelfranken: Wollspinnerei; Fa- 
briken von Woll- und Posamentierwaren, Nähseiden, Goldstickereien, Tapeten 
und Teppichen; Frauenarbeitsschulen. 

Anschlag s. Häkeln. 

Anschlagen, 1. in der Weberei die eingeschossenen Querfäden mittels 
der Lade am Webstuhl zusammenschieben; 2. das Umwickeln der Nadeln eines 
Wirkstuhles zur Bildung der ersten Schleifenreihe. 

Anschlagmaschen s. Strickerei. 

Anspach, Stadt am Taunus : Fabrikation von Wollwaren und Herstellung 
von Strumpfwirkstühlen. 

Anstreckzeug s. Webstuhl. 

Antependium (lat.), (franz. nappe; engl, frontal cloth), gestickter, gewirkter 
oder gewebter Zierbehang für die Vorderseite des Altars zum Schutz oder an Stelle 

Abb. 21. 




des Frontale. Die Anwendung des A. ist seit dem frühesten Mittelalter gebräuchlich. 
Die ersten Altarbehänge scheinen aus leichten faltigen Stoffen bestanden zu 
haben, welche mit Bingen oder Oesen zum Abnehmen eingerichtet waren, es 
wird eines solchen aus dem 4. Jahrh. von einem Altar Erwähnung getan, auf 
welchem in der Unterkirche von Cosmas und Damian in Bom schon Papst 
Felix IL zelebriert haben soll. Der Bibliothekar Anastasius erzählt von einer 
golddurchwirkten Decke, die Kaiser Konstantin unter dem Pontifikat Vitalians 
(657 — 672) für den Altar des heil. Petrus gestiftet habe; ferner: Papst Leo IIL 



Anterits — Apolda. 25 



(795 — 816) habe für denselben Altar eine Bedeckung anfertigen lassen, ge- 
schmückt mit Weinranken aus reinstem Golde, mit Edelsteinen, Palmen, in 
deren Mitte das Antlitz des Erlösers, der Maria und der Apostel dargestellt 
war. Anfangs waren die Antependien jedenfalls ohne Rücksicht auf Betonung 
der Elächengliederung aus gemusterten Stoffen der Zeit genommen, erst in 
der romanischen Epoche erscheint das A. in gewisser Teilung, die sich späterhin 
bis zur architektonischen Linienführung steigert (s. Abb. 21). Das gestickte 
A. ist dem gewebten stets vorgezogen ; sobald die Technik der Goldstickerei 
entwickelt ist, wird diese in reichem Masse dekorativ verwendet, dann aber 
nimmt die Aufnäharbeit einen breiten Raum für derartige Zwecke ein, die 
auch in neuester Zeit wieder dafür in Anwendung gekommen ist (s. kirchliche 
Stoffe und Stickereien). 

Abbildungen. 

21. Originalaufnahme aus dem Dom in Xanten: Teil eines Antependiums, in 
Gold- und Bildstickerei mit Darstellung von Apostelfiguren in Bogenstellungen, Frank- 
reich Ende 15. Jahrhundert. 

Anterits nannte man früher "Westen von sogen. Bourre de Magnesie, 
einem floretseidenen Zeuge, das im Orient gewebt wird. 

Antik s. Griechenland und Bom. 

Antikisierend, den antiken Kunstformen nachgebildet, sich an solche an- 
lehnend, nicht unmittelbar kopiert. 

Antiochien, im frühen Mittelalter Besidenz der Seleuciden in Syrien, 
erzeugt nach Berichten römischer Schriftsteller schon frühe prächtige, glatte, 
moirierte Gewebe und Goldbrokate und ist der Hauptsitz der Seidenindustrie wäh- 
rend der Kreuzzüge. An der Stelle des alten A. liegt das heutige A., dessen 
Einwohner Seidenzucht und Handel mit Seide treiben. 

Antrim, nordöstliche Grafschaft Irlands in der Prov. Ulster : Flachsbau, 
Spinnerei und Weberei in Leinen bilden die Hauptindustriezweige ; daneben 
wird auch Baumwolle und Schafwolle gesponnen und verwebt. 

Antwerpen, Hauptstadt gleichnamiger Provinz im Königreich Belgien: 
Tuch-, Wollen- und Baumwollenwebereien. Fabrikation von Spitzen, deren 
Erzeugnisse in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückgehen (s. Spitzen). 
Für den Seidenhandel ist A. im Mittelalter wichtig; es stand im 13. Jahrh. 
in lebhaften Beziehungen mit den Yenetianern und war im 14. Jahrh. einer 
der besuchtesten Stapelplätze für Bohseide. Im 16. Jahrh. hat A. den leb- 
haftesten Handelsverkehr mit der ganzen Welt, besonders aber mit Amerika. 
Unter der spanischen Herrschaft der Niederlande und während der niederländ. 
Freiheitskämpfe wurde der Handel dieser Stadt völlig zerrüttet und 1648 
durch die Sperrung der Scheidemündung von Seiten Hollands aufs neue unter- 
bunden. Infolge der Eroberung der Niederlande durch die Franzosen wurde 
die Scheideschiffahrt wieder frei und A.s Hafen von Napoleon wieder her- 
gestellt und vergrössert. Ueber die Stoffsammlung in A. vergl. Catalogue du 
musee d'antiquites d'Anvers par P. Genard. A. 1894. 

Anzugsstoffe, zu Anzügen benützte Gewebe, besonders Tuche, Buckskin, 
Loden, Cheviot, Kammgarnstoffe. 

Aeolian, moderner, ganz leichter, halbseidener Stoff für Ballkleider mit 
Kette aus Kettengarn und Schuss aus Seide. 

Apartadores heissen in Spanien die sachkundigen Leute, welche die 
Wolle sortieren. 

Apfelbaum, als symbol. Darstellung des Baumes der Erkenntnis ; in guter 
Stilisierung häufig auf deutschen und italienischen Leinenstickereien: nament- 
lich Mustertüchern des 17. und 18. Jahrhunderts. 

Apolda, Stadt in Sachsen-Weimar-Eiseuach: Hauptort für Fabrikation 
von Strumpfwaren (gegründet von Zimmermann 1759 — 1843) im Deutschen 
Beich, die in A. und Umgegend in mehr als 70 Fabriken 8000 Arbeiter be- 
schäftigt. Auch Posamentierwaren werden erzeugt, ferner bestehen Woll- 



26 Apostelfigureu — Arabesken. 



Spinnereien und Färbereien. Der jährliche Gesamtumsatz der Wollwaren be- 
trägt über 20 Mill. Mk. (Yergl. Kornfeld, Geschichte und Beschreibung 
der Fabrik- und Handelsstadt A., Apolda 1871.) 

Apostelfiguren bilden namentlich in der Gotik und Frührenaissance eine 
beliebte Darstellung in kirchlichen Stickereien, wo sie in sogen. Bildstickerei 
einzeln so ausgeführt sind, um sie als Füllung oder unter Bogenstellungen 
ornamental und als Symbol zu verwenden. lieber die erste derartige Verwen- 
dung vgl. koptische Wirkereien (s. Abb. 21). 

Appenzell, Schweizer Kanton, ganz vom Kanton St. Gallen umschlossen : 
bedeutende Fabrikation von AVeissstickereien: 137 Werkstätten mit 2000 Ar- 
beitern. 

Applikation s. Aufnäharbeit. 

Applikationsfarben (s. Zeugdruck), sog. Tafel- oder Körperfarben, welche 
ohne vorherige Beize direkt auf den Stoff gedruckt werden. 

Appretur (franz.: appret; engl.: finishing), Zurichtung, Ausrüstung des 
Gewebes, um es in Farbe, Glanz, Griff und Dichte in der äusseren Erschei- 
nung und im inneren Gefüge für den Handel besser zu veransehnlichen, schöner 
und auch preiswürdiger zu gestalten, welches je nach der Art und Beschaffen- 
heit des Stoffes geschieht: Wollene Gewebe werden gewalken, gerauht, ge- 
schoren, genoppt, gebürstet oder gepresst; Kammgarnstoffe sind meistens 
fertig, wenn sie aus dem AVebstuhl kommen ; baumwollene Gewebe werden, 
wenn sie den Leinenwaren ähnlich sehen sollen, gesengt, um die Fasern zu 
entfernen, dann gebleicht, gestärkt, gemangelt oder kalandriert, moiriert u. s. w. 
Leinene Gewebe werden mit Ausnahme des Sengens ebenso behandelt. Auch 
die Seidenstoffe sind grösstenteils fertig; nur leichtere Sorten von Atlas 
und Taffet werden mit Kleb- oder aus x4.usfüllstoffen bestehender Masse be- 
strichen, zylindriert, moiriert u. s. w. 

Literatur: Meissner, Die Maschinen der A. Berl. 1872; ders.. 
Der praktische Appreteur. 1875; Grothe, Die A. der Gewebe. Berl. 1882; 
E/Omen, Bleicherei, Färberei u. A. Berl. 1879 — 85; Depierre, Die A. der 
Baumwollengewebe (aus dem Franz.). Wien 1888; Polleyn, Die Appretur- 
mittel, ebd. 1886; B. eis er, Die A. der wollenen und halbwollenen Waren. 
Leipzig 1898. 

Appreturschulen s. Färberei- u. A.-Schulen. 

Apt, Hauptstadt des franz. Arrond. A. in der Provence : Fabrikation 
von Seidenfilaturen. 

Aptä (Malvo), Bast der Stämme mehrerer ostindischer Bausiniaarten ; 
wird zur Herstellung von Tauen, Seilen, Fischernetzen und gröberen Geweben 
benützt. Die Bausiniafasern haben grosse Festigkeit und Widerstandskraft 
gegen Wasser und sind sehr biegsam; ihre Farbe ist tiefbraun. 

Arabeshi werden in spanischen und französischen Musterbüchern des 
17. Jahrhunderts gewisse Spitzen genannt, deren Bezeichnung sich aber nur 
auf die Zeichnung (in arabischem Stil) bezieht. 

Arabesken (auch Mauresken genannt), ein von den Arabern erfundenes 
Flachornament, das sich in geradlinig- geometrischer, kreisförmig und spiralig 
gewundener Linienführung unter Hinzuziehung vegetabilischer Kunstformen 
bewegt. Dasselbe fand bei allen Völkern des Islam, denen die religiösen 
Vorschriften das Abbilden von Menschen und Tieren nicht gestatteten, die 
weitgehendste Ausbildung und kommt in der Zeit der Renaissance in Europa 
(Italien, Frankreich und Spanien), in Deutschland namentlich bei Ornament- 
stechern (Peter Flötner, A. Hirschvogel u. a.) zur reizvollen selbständigen 
Entwickelung. Der Textilkunst ist besonders die geradlinige Arabeske tech- 
nisch sehr zur Hand ; aber auch die feinen, rundlich gelegten Banken weiss 
der Araber der Technik seiner hochentwickelten Seidenweberei, sowie der in 
feinstem Material geübten Stickerei und Teppichknüpferei anzupassen (s. ara- 
bischer Stil). (Vgl. Abb. 22.) 



Arabias — Arabischer Stil. 



27 



Abb. 22. 




Abbildun g: 

22. Arabeskenmuster nach einer Darstellung aus : Kumsch, Stofimuster des 
16.— 18. Jahrhdrts. Serie IV, Tafel 151; Leipzig 1888— 95. Original: Sammetbrokat, 
Spanien 16. Jahrhdrt. 

Literatur: Pris d'Avennes, L'art Arabe ; Dier cks , Das arabische 
Ornament, Leipzig 1883; Licht wark, Der Ornamentstich der deutschen 
Frührenaissance, Berlin 1888. 

Arabias, Arabiennes, eine ältere Sorte bunter Halbleinwand, welche aus 
Baumwollen- und Flachsgarn in der Oberlausitz (Lauban, Sebnitz) gewebt und 
nach Südamerika versandt wurde. 

Arabischer Stil, die von dem Auftreten Mohammeds bis gegen das Ende 
des 9. Jahrhunderts vorzugsweise in Spanien herrschende Richtung der Mo- 
hammedaner, aus welcher sich später der während der ganzen Blütezeit des 
Mittelalters herrschende maurische Stil entwickelte. Die Araber entbehrten 
einer nationalen Kunst. Die Religion, welche sonst überall die Grrundlagen 
für die Architektur und alle anderen Künste bildet, konnte es dort nicht 
werden, weil weder der ursprüngliche einfache Gestirnkultus, noch der spätere 
Götzendienst dem wandernden Nomadenvolke Gelegenheit zu bedeutenden 
Tempelbauten gab und auch die geringfügigen Bedürfnisse des Lebens keine 
Veranlassung zur Ausbildung eines etwaigen Kunsttriebes boten. Ihre stets 
regen Handelsbeziehungen zu Aegypten, Phönizien, Persien und Indien und 
später zu China und Japan machten sie mit allen Kostbarkeiten der alten 
Welt und ihren Kulturen bekannt, indessen liess ihr kriegerischer Geist und 
die Interessen für den Handel, ebensowenig die Prachtliebe für die Benutzung 
der fremden Artikel, als auch das Streben zur Nachahmung bei ihnen auf- 



28 



Arabischer Stil. 



Abb. 23. 



kommen. Es nehmen demnach die Araber, als sie dem Gebote Mohammeds 
(im 7. Jahrhdrt. n. Chr.) folgend, den Islam in alle Welt trugen, aus ihrer 
Heimat keine nennenswerte Kultur mit, sondern fanden solche überall vor und 
machten sie ihren Zwecken nutzbar. Die hochentwickelten 
Kunstformen, welche sie auf ihren gemachten Eroberungen 
in Aegypten, Syrien, Mesopotamien, Persien und Indien 
kennen lernten, wurden ihnen nicht nur zu eigen, sondern 
sie förderten deren Fortentwickelung in ihrem Geiste, und 
wurden, wo sie ihre Herrschaft befestigt hatten, eifrige 
Pfleger der Künste und Wissenschaften. So entwickelte sich 
aus einem Gemisch verschiedener Elemente erst allmählich 
der arabisch-maurische Stil in dem maurischen Spanien und 
den unter seinem Einfluss stehenden Ländergebieten in Nord- 
afrika und Sizilien, der im 13. Jahrhundert seinen Höhepunkt 
erreicht und im 15. Jahrhundert allgemein zurücktritt. Der 
eigentliche Grundzug des arabischen Ornaments beruht auf 
einer gesetzmässigen geometrischen Linienführung (s. Ara- 
besken) , die den nüchternen berechnenden Anschauungen 
des arabischen Handelsmannes am meisten entspricht, wozu 
er auch durch den Gestirnkultus und die daraus ent- 
springende Yorliebe für Astronomie am meisten hinneigt 
(s. Abb. 23). Gefördert wird dieses Streben noch durch 
den nach dem Verbot Mohammeds gänzlichen Ausfall bild- 
licher Darstellungen. Wo der Araber solche im Flächen- 
muster vorfindet, beraubt er sie ihres natürlichen Wesens, 
stilisiert mit gleicher Meisterschaft die reichlich benutzten 
Blätter und Blüten des Ornaments und schafft so eine 
einzig dastehende Formenwelt der reizvollsten Erscheinungen, 
die sich nirgends eindrucksvoller offenbart, als in den 
reichen seidenen und golddurchwirkten Prachtstoffen des 
13. und 14. Jahrhunderts (vergl. die Darstellungen auf 
Tafel III). Sehr frühzeitig kam zu alledem noch die Nei- 
gung des Arabers zur Sj^mbolik (vergl. den Artikel Adler 
und Baum) und die Yorliebe für Spruchbildung, welche 
letztere in den steifen geradlinigen kufischen Schriftzügen 
und dem späteren sogenannten Neschi, der flüssigen Kursiv- 
schrift, ihren Ausdruck findet (s. Abb. 24 — 25). Diese 
Inschriften geben einen Anhalt für das Alter des Gewebes, 
wenn sie den Namen des jeweiligen Herrschers oder Trägers 
des Gewandes enthalten, für welchen der Stoff gewebt 
#^^-2%'"®©'^*-%^ wurde ; oft drücken sie aber nur Segenssprüche aus dem 
^i;^*t^j*5fc<»w»->^^^ Koran aus, zuweilen sind die Schriftzüse wiederum nur 












schriftunkundigen Arabers rein als Verzierung behandelt 
sind, werden natürlich später in Europa gänzlich zu Band- 
mustern, wie dies schon an späteren orientalischen Teppichen 
wahrzunehmen ist. Ein Zeichen seiner ursprünglichen ein- 
fachen Auffassung hat uns der Araber noch in den Vor- 
hängen und sogen. Gebetteppichen (s. d.) hinterlassen, wo er Säulen und 
Bogenstellung seiner Gebetnische, oft mit der hängenden Ampel (vergl. Abb. 26), 
in das Flachmuster hinübergenommen hat. 

Abbild ungen: 
23. Arabisches Stoffmuster nach einer Darstellung aus: Portefeuille des arts 
decoratifs tissus, PL 256. Original : Seidenstoff in Bunt auf rotem Grunde ; spanisch- 
maurisch 15. Jahrhdrt. 



Arabischer Stil — Araoonien. 



29 



24. Arabisches Stoffmuster nach einer Darstellung aus : Paul Schulze , lieber 
Gewebemuster früherer Jahrhunderte, Leipzig 1893, S. 25. Original: Alexandrien (?) 
12. — 13. Jahrhundert in der Köcigl. 



Gewebesammlung Krefeld. Der 
Stoff wechselt in farbigen Seiden- 
streifen ab, auf welchen in Gold 
broschiert spitzovalePalmetten,kleine 
Tiere and Halbmonde; die Inschrift 
auf dem zweiten breiteren Streifen 
lautet: „assulthan alam" oder ,,el 
Sultan el alim" , d. h. der weise 
Sultan. 

25. Originalaufnahme aus dem 
Kunstgewerbemuseum in Leipzig : 
Endigung eines Leinenhandtuches, 
mit querlaufender Borte in vio- 
lettem Garn im sogen. Strichstich 
doppelseitig gestickt (s. Holbein- 
technik) , Muster aus Bäumchen 
(s. Bäumchenmuster) mit paarweise 
zu einander gekehrten Vögeln ; dar- 
unter Felder mit arabischen In- 
schriften in ornamentaler Behand- 
lung. Arabisch 15. Jahrhdrt. 

26, Arabische Bogenstellung 
nach einer Darstellung aus : Kumsch, 
Muster orientalischer Gew^ebe und 
Druckstoffe, Tafel 7, Leipzig 1893. 
Original in einem Seidenvorhang, 
Türkei 17. Jahrhundert. 



Abb. 24. 




Abb. 25. 







V 



Arabische Technik, iu der modernen Stickerei eine Bezeichnung für 
jene Arbeiten, deren breite Flächenmusterung in Anlehnung an orientalische 
Vorbilder aus überstickten Fäden gebildet und von Schnur umrandet ist 
(vgl. den Artikel Goldstickerei). 

Arabisch-italisch w^erden Seidenstoffmuster bezeichnet, die im 13. Jahr- 
hundert durch die Verschmelzung arabischer Kunstformen mit denen Italiens 
entstanden. (Vgl. Abbildungen auf Tafel III und den Artikel arabischer Stil.) 

Aragonien, Generalkapitanat im nordöstl. Spanien mit dem Titel eines 
Königreiches : leistet in der Wollproduktion Spaniens verhältnismässig das 



30 



Arains — Arbon. 



meiste ; es zeichnen sich darin die Städte Saragossa, Alcaniz und Tarazona 
aus. Flachs- und Hanfbau am bedeutendsten in Borja und Calatayud. Aus- 
fuhr besteht in wenigen Leinen- und Wollenfabrikaten. 

Abb. 26. 




Arains, eine Art gestreifter und würfelich gemusterter Taffet aus Ostindien. 

Arassa (lat.), ein Teppich aus Arras. 

Arbascio, starke braune Tücher aus grober Schafwolle und Ziegenhaar, 
welche in Albanien und Mazedonien gewebt und nach Italien und Spanien, 
besonders nach Neapel und Sizilien zu Capots, Capotti (Regenmänteln) fi^r die 
Matrosen und Landleute verkauft werden. 

Arbeit (lat. opus; franz. ouvrage, m. ; oeuvre ; engl, work) , Art und 
Weise der Bearbeitung, der AnfertiguDg u. s. w., daher immer im Zusammen- 
hange mit der Bezeichnung einer Technik (namentlich im Lateinischen und 
Englischen) gebräuchlich. 

Arbon, Hauptort im Schweiz. Kanton Thurgau : im Schloss wird eine 
Seidenbandfabrik betrieben. 



Arbroath — Arkade. 31 



Arbroath, Seestadt in Forfarshire (Schottland) : bedeutende Fabrikation 
von Leinwand und Segeltuchen. 

Arcazabo, moderner Seidenbrokatstoff, der in Lyon für Abessinien und 
Marokko hergestellt wird. 

Archi-Imperiale, eine Art italienischer Serge, die zu Livorno u. a. 0. 
für den Handel nach Tunis gemacht wird. 

Architektur im textilen Ornament kommt im 13. Jahrhundert in jenen 
Seidengeweben zur Darstellung, welche unter dem Einfluss der arabischen 
Mustergebung im Orient oder in Italien gefertigt worden sind. (Vgl. Ab- 
bildungen auf Tafel III.) 

Arcis-SUr-Aube, Hauptstadt des Arrond. A. im franz. Depart. Aube: 
Seiden- und Baumwollenspinnerei, Baumwollenweberei, Strumpfwirkerei. 

Ardamu, persische Seidenart aus Ghilan. 

Ardasse, geringe Sorte persischer Seide, welche nach Italien, Frankreich 
und Deutschland geht und hier zu Näh- und Stickseide verarbeitet wird. 

Aredas oder Aridas, eine Art ostindischer leichter Stoffe aus glänzenden 
Fasern oder Fäden gewebt, die man von einigen seidenartigen Kräutern und 
Pflanzen gewinnt. Sie werden auch Grastaffet oder Grasaridas genannt. 

Arenys de Mar, Bezirks- und Hafenstadt der span. Prov. Barcelona: 
Wollen- und Baumwollenwebereien, Spitzenfabrikeu. 

Arequipa, Hauptstadt des Depart. A. in Peru, eine der am besten ge- 
bauten Städte Südamerikas : Baumwollenmanufakturen. Ausfuhrartikel : xAlpaka- 
wolle, gewaschene Schafwolle, Baumwolle. 

Arezzo, Hauptstadt der Prov. A. in Mittelitalien. Die ehemalige In- 
dustrie ist gesunken; es bestehen noch Seidenstoff- und Tuchfabriken. 

Argent (trait), im Französischen so viel als fil d'argent oder Silberdraht. 
Argent en lame, Lahnsilber, auch argent trait et applati. Man 
unterscheidet dies in argent en lame fin und en lame faux. Argent 
file ist über Seide gesponnen und heisst auch file d'argent. Das Material 
wird in der Weberei zu Brokatstoffeu, in der Stickerei zu Tressen, in der 
Spitzennäherei (poiut d'Espagne) und Klöppelei verwendet (s. a. Goldfäden). 

Argentan, Hauptstadt des Arrond. A. rechts von der Orne : am Ende 
des 17. Jahrhunderts bedeutende Fabrikation von Nadelspitzen, die denjenigen 
von Alencon gleichen, mit sechseckigem Netzgrunde und am Bande gezähnten 
Blümchen, geht um 1708 fast zu Grunde ; erlangt aber unter Ludwig XY. 
und XYI. durch Mme. Du Barry wieder hohe Blüte, bis sie 1810 gänzlich in 
Verfall gerät. Heute bestehen in A. noch Stickereifabriken (s. a. Spitzen). 

Argentat, Hauptstadt des Kantons A. im Arrond. Tülle des franz. De- 
part. Correze a. d. Dordogne : Wollspinnerei, Spitzenfabrikation. 

Argenteuil, Flecken im franz. Depart. Seine-et-Oise, Arrond. Versailles, 
in dem Beliquienkästchen einer romanischen Kirche wird ein sog. heiliger Bock 
(s. d.) aufbewahrt. 

Argentifrigium (lat.), silberne Fransen. 

Argentine croisee, ältere Bezeichnung für einen französischen Stoff, 
dessen Kette aus Seide, der Einschlag aus Baumwolle ist ; er wurde am meisten 
in der Prov. Limoisin in allen Farben gefertigt und auch zu Männerkleidern 
verarbeitet. 

Argenton-SUr-Creuse, Hauptstadt des Kantons A. im Arrond. Chäteau- 
roux des franz. Depart. Indre : AVollspinnereien, Tuchfabrikation. 

ArgOS, Stadt in Griechenland, erzeugt durch Hausindustrie Teppiche, 
welche zumeist über die Türkei in den Handel kommen (s. Griechenl.). 

ArgOUges, ältere Sorten festgewebter , weissgarniger Leinwand , welche 
im franz. Depart. der Ille und Vilaine. besonders zu St. Malo, vorschriftsmässig 
25 X3ariser Zoll breit, nur aus festgedrehtem, ausgesuchtem Garne gemacht 
wurde und zwar durfte die geringste Sorte nicht weniger als 1300 Faden in 
der Kette enthalten. 

Arkade, Eeihe von Bogenstellungen, die auf Säulen oder Pfeilern ruhen; 
in der romanischen und gotischen Kunstepoche sehr beliebt als Einrahmung 



32 Arkaden — Arrazzi. 



für figürliche Darstellungen auf kirclilichen Stickereien in Seide und Grarn auf 
Leinwand, Segeltuch u. a. m. (vergl. Abb. 21). 

Arkaden, die Schnüre, welche am Jacquardwebstuhl die Verbindung der 
Platinen der Jacquardmaschine mit den Litzen herstellen und somit das Hoch- 
ziehen der einzelnen Kettfäden ermöglichen. 

Arlane, Stadt im franz. Depart. Puy-de-Donn: Spitzenfabrikation. 

Arles, Hauptstadt des Arrond. A. im franz. Depart. Bouches du Rhone, in 
der Provence, eine der ältesten Städte Frankreichs : Fabrikation von Seidenwaren. 

Armagh, Hauptstadt der Grafsch. A. in der Irland. Prov. Ulster : Haupt- 
industriezweige : Spinnerei und Weberei in Leinen. Leinwand- und Grarnhalle, 
in der jährlich fünf Märkte für den Verkauf von Leinenwaren abgehalten werden. 

Aermel (franz : manche ; span. : mancha), der die Arme umgebende Teil 
des Unter- und Obergewandes; aus ihm hat sich die Mancha (s. d.), eine für 
kirchliche Zwecke benutzte Stickerei, entwickelt. 

Armenisehe Spitze s. Nadelspitzen. 

Armentieres, Stadt im franz. Depart. Nord: bedeutende Baumwollen- 
und Leinwandfabrikation ; Bleicherei. 

Armiak, eine Art russ. Kamelott, den die astrachanischen Tartaren aus 
Kamelhaar anfertigen und Biaza nennen. 

Armins (engl.), Bedeckungen (aus Leder, Tuch oder Sammet) für den 
Handgriff der Pike. 

Armoisin (ital. : Ermesino), dünner leichter Futtertaffet , der zuerst am 
Ende des 17. Jahrh. in und um Lucca gewebt worden ist, später aber in Lyon, 
Avignon, Nimes und Tours in grossen Mengen nachgemacht wurde. In Avignon 
webte man auch Halb-Armoisins, die ganz leicht und dünn ausfielen. Dickere, 
doppelte oder dreidrähtige Sorten (Ermesini rinforzati) wurden in Florenz, 
Mantua, Neapel und Turin zu Vorhängen, Decken und Bettzeugen verbraucht. 
Die Muster der A.s bestanden aus Streifen und geometrischen Mustern, auch 
„leicht getüpfelte" werden beschrieben. Aus Ostindien kommen zuweilen heute 
noch A.s in zwei Sorten, nämlich Damaras oder geblümte und Arains oder 
gestreifte und gewürfelte in allen Farben. 

Armure (franz.). Webzettel, in der Weberei die zur Vorrichtung eines 
Schaftwebstuhles übliche schematische Darstellung der Greschirreinrichtung. 
Aus der A. muss mindestens zu ersehen sein : die Art, wie die Kettenfäden in 
die vorhandenen Schäfte verteilt werden sollen (Einpassierung), die Bewegungs- 
folge der Trittschemel (Tretweise) und die erforderliche Verbindungsart der Tritt- 
schemel mit den Schäften (An schnür ung). 

Armure ist übertragen worden auf diejenigen kleingemusterten G-ewebe, 
deren Herstellung noch mittels Kontermarsches (d. h. ohne Jacquardgetriebe) 
möglich ist , höchstens (unter Beibehaltung der Schäfte) eine Schaftmaschine 
erfordert. Die A. fallen also zwischen die glatten (ungemusterten) und die 
grossgemusterten Waren (sog. Damaste), zu deren letzteren Herstellung auf 
die ausschliessliche Benutzung von Schäften verzichtet werden muss. 

Army Cloth (engl. , Armeetuch) ; gewöhnliches graues Kommistuch, wird 
meist in Bradfort und Leeds für Kleinasien, Syrien und Palästina hergestellt. 

Arnau, Stadt in Böhmen, im 14. Jahrh. Eigentum des Herrn von Turgan: 
hier und in benachbarten Ortschaften werden jährlich auf 3300 Stühlen etwa 
165 400 Stück Leinen- und Halbleinenstoffe gewebt; ausserdem Seidenwarenfabrik. 

Arnswalde, Kreisstadt im preuss. Peg.-Bez. Frankfurt i. d. Neumark, 
zuerst 1629 erwähnt: Fabrikation von Tuchstoff'en. Abhaltung von Wollmärkten. 

Arpino, Stadt in der ital. Prov. Caserta, schon 303 v. Chr. eryähnt: 
Tuch- und Leinenstofffabriken. 

Arras, Hauptstadt des franz. Depart. Pas de Calais : Fabrikation von 
Spitzen , welche seit 1666 , zuerst nach italienischen Vorbildern, die man 
point de France nennt; erreicht darin 1804 — 1811 seine höchste Entwickelung 
und erzeugt dann Spitzen in der Art des gemusterten Tülls (s. Spitzen). 

Arrazzi heissen die in Arras oder überhaupt in Flandern gewirkten 
Wandteppiche (s. Bildwirkerei). 



Arrindy-Seide — Assemblage. 33 



Arrindy-Seide, S. der Eria-Seidenranpe aus Indien, welche sehr dauer- 
haft ist. 

Arsamas, Kreisstadt im russ. Grouvern. Xishnij Nowgorod : Leinwand- 
fabriken, bedeutender Handel mit Leiuenwaren: in den Klöstern Anfertigung 
von Grold- und Silberstickereien. 

Arschot, Kantonsstadt im Arrond. Löwen der belg. Prov. Brabant, seit 
dem Mittelalter bekannt: SjDitzenfabrikation. 

Arscot, Serge d'Arscot, geköperter, feiner AVollenstoff, welcher in Süd- 
brabant, vornehmlich in der Gegend von Aerschot, Löwen, Mecheln gefertigt wird. 

Arta, Ortschaft im nordöstl. Teile der span. Insel Mallorca: Seidenzucht, 
BaumwoJlenbau. 

Artificial leather, englisches künstliches Leder. Mehrere Lagen von 
starkem rauhen Baumwollenstoff durch mit Kautschuk, Gruttapercha u. s. w. 
bereitete Tirnisse untereinander verbunden. Es dient vornehmlich zum Ersatz 
des Leders bei Krämpelbeschlägen (Kratzen) (s. d.) 

Asbach, Dorf im Kreis Neuwied des preuss. Eeg.-Bez. Koblenz : Seiden- 
weberei als Hausindustrie. 

Asbest, Erdflachs (lat. : Amianthus s. Alumen plumosum; franz.: amiante 
ou asbeste). Ton den vielen Arten der Fossilien, welche man mit dem gemein- 
samen Namen A. bezeichnet, ist der Amiant oder biegsame A. für die Textil- 
industrie von Bedeutung, weil seine 30 — 40 cm langen Fasern sich zu Grarn ver- 
spinnen lassen, aus welchem unverbrennliche Grewebe hergestellt werden. Die 
vorzüglichsten Fabrikate derart lieferte einstmals Mad. Lena Perpenti zu Como, 
sie machte daraus auch Sj)itzen von solcher Feinheit und Weisse, die man von 
mittelfeinen Zwirnspitzen kaum zu imter scheiden vermochte. Auch wurden 
Versuche mit G-eweben aus Asbest zur Schützung des Körpers gegen die Flammen 
gemacht, die nur zum Teil gelangen, weil die Fasern des Stoffes durch wieder- 
holtes Glühen brüchig wurden. 

Asch, Stadt in Böhmen : bedeutende Fabrikation von halbseidenen, halb- 
uud ganzwollenen Kleiderstoffen, Strumpf- und anderen wollenen und baumwollenen 
AVirkwaren (6—7000 Webstühle und 14 000 Arbeiter). Wirk- und AVebschule. 

Aschabad, Hauptstadt des transkaspischen Gebietes im russ. Zentralasien: 
Seidenbau. 

Aschenti, Xegerreich an der Goldküste in Afrika : Herstellung gemusterter 
Kattune; Baumwollenbau. 

Aschersleben, Stadt im preuss. Eeg.-Bez. Magdeburg: Fabrikation von 
Wollwaren (Decken und Flanelle). 

Aschkali, quadratisches sog. Drehmuster (s. d.) persischer Teppiche, 
das aus einfach aufgefassten Pflanzen- und Tierformen neben geometrischen 
Elementen und streng stilisierten Pauken besteht: Einzelbilder darin sind vor 
allem die Cypresse. Im Kaschkai-Teppich (s. d.) vorkommend. 

Aschraf, Stadt in der persischen Prov. Masenderan: Baumwollenbau; 
Seidenzucht bedeutend. 

Ascoli Piceno, Hauptstadt der Prov. A. in Mittelitalien: Fabrikation 
von roher Seide, Flachs- und Hanfbau, Tuchfabrikation. 

Ashborne, Stadt in der engl. Grafsch. Derby: Baumwollenstoff'- und 
Spitzenfabrikation. 

Ashford, Stadt in der engl. Grafsch. Kent : Leinwand- und Damast- 
fabrikation. 

Ashton-in-Makerfield, Stadt in der engl. Grafsch. Lancaster : Fabrikation 
von BaumwoUeuwaren. 

Assagiatore (ital.), Seidenprobierer, dessen Beruf in Oberitalien es ist. 
die Seidenballen auf Mass und Gewicht zu prüfen, bevor sie in den Handel 
gehen. Nach seinen Ergebnissen wird dann die Seide numeriert und ihr Preis 
bestimmt. 

Assam, Distrikt in Britisch-Indien, in welchem reger Betrieb von Seideu- 
zucht. 

Assemblage (franz.). Zusammensetzen der einzelnen Teile einer Nadelspitze. 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 3 



34 



Assemble — Assyrien und Babylon. 



Assemble, do^Dpeltes (sog. dubliertes) in Frankreich hergestelltes Chappegarn. 

Assorcebunder, Name für die schlechteste bengalische Kohseide, welche 
in Indien und Japan in grossen Mengen verkauft wird. 

Assouplieren (assouplissage), das Biegsammachen der geschälten und 
gebleichten Seidenfaser durch wiederholtes Behandeln mit kochendem "Wasser, 
dem auch etwas Weinstein zugesetzt wird. 

Assyrien und Babylon haben keine Originalproben von Stoffen hinter- 
lassen; doch legen die Trümmerfunde des alten Niniveh (zerstört 606 v. Chr.) 

Abb. 27. 




Zeugnis ab von der textilen Kunstfertigkeit seiner früheren Bewohner. Die 
dort seit 1840 durch Botta, Layard, Ojopert, Smith u. a. wieder aufgedeckten 
Alabasterplatten dienten als Wandbelag der Tempel und sind zum grossen 
Teil getreue Nachahmungen schwerer Stoffbehänge und Teppiche, wie sie bei 
festlichen Einzügen als Schmuck der Hallen Verwendung gefunden hatten. 
Oder, wie Gottfried Semper (der Stil u. s. w. München 1878. S. 323) 
darüber bemerkt: ,,Zur Verewigung denkwürdiger Siegesfeste wurden jene 
Gelegenheitsdekorationen in den Steinstil umgewandelt." Diese Platten zeigen 
in flachem Belief und farbiger Bemalung Darstellungen von Figuren: si« ver- 
gegenwärtigen Szenen aus dem Leben der Könige und Taten der Jagd- und 
Kriegshelden (s. Abb. 27). Alle Personen erscheinen in langen, festanliegenden, 
wenig gefältelten, reich gemusterten und befransten Gewändern (s. Abb. 2^), die 
erkennen lassen, dass man es jedenfalls mit solchen aus schweren und mit Borten 
(s. Abb. 29) in Gold gestickten Stoffen zu tun hat. Auch Teppichmuster (s. 
Abb. 30) mit geometrischer Felderteilung lassen sich nach eingemeisselten Dar- 
stellungen rekonstruieren. 

Alle die uns hierdurch bekannt gewordenen assyrisch-babylonischen Kunst- 
formen: der Cherub, der heilige Baum (s. Abb. 31), der Granatapfel, die 
Palmette (s. d.) sind von besonderer Bedeutung : sie geben den Ausgangspunkt 



Assyrien und Babylon. 



35 



Abb. 28. 



für die Entwickelung der meisten späteren Stilarten, woran die Textilkunst den 
grössten Anteil hat. 

Abbildungen: 

27. Assyrisches Steinrelief nach einer 
Darstellung aus : Kunstgewerbeblatt 1 893. S. 154. 

28. Assyrischer Krieger nach einer Dar- 
stellung aus: Semper, Der Stil in den techni- 
schen und tektonischen Künsten; München 1878. 
S. 22. 

Abb. 29. 





29. Borte von der Gewandfigur eines 
assyrischen Reliefs nach einer Darstellung aus: 
Fischbach , Ursprung der Buchstaben üuten- 
bergs, Mainz 1900. Tafel. II, Fig. 13. 

30. Assyrisches Teppiclamuster, mit Rand 
und Füllungen aus Lotospalmetten, nach einer 
Darstellung aus : Semper, Der Stil in den tech- 
nischen und tektonischen Künsten; München 
1878. S. 51. 



Abb. 30. 



Abb. 31. 





31. Assyrischer Baum nach einer Darstellung aus: Fischbach, Ursprung der Buch- 
staben Gutenbergs, Mainz 1900. Tafel II, Fig. 15. 



36 Astar— Atlas. 



Astar, eine Gattung Musselin, welche in Kleinasien gefertigt, über Smyrna 
und Konstantiuopel in den Handel kommt und von den Türken zu Unterkleidern 
und Turbans verwendet wird ; man hat hiervon drei Sorten : Dagbezi, die beste, 
Thadirbezi, die mittlere und Churumbezi, die schlechteste. 

Asti, Kreisstadt der ital. Prov. Alessandria: Seidenmanufakturen, zwei 
stark besuchte Messen und ansehnlicher Handel mit Wollenwaren. 

Astorga, Bezirkshauptmannschaft der span. Prov. Leon: Leinenspinnerei 
und AVeberei. 

Astrabah, Ort für Seidenerzeugung in Persien. 

Astrachan, 1. Baranken, Baranjen, die nach der gleichnamigen Stadt 
in Pussland benannten fein- und kraushaarigen Lammfelle von grauer oder 
schwarzer und weisser Farbe, welche aus dem südl. Pussland (Krim) der Tatarei, 
Persien und Polen in den Handel kommen. Dem krausen Wuchs des Haares 
wird an Ort und Stelle dadurch nachgeholfen, indem das eben zur Welt ge- 
kommene Lamm in grobe Leinwand genäht und diese täglich mit warmem 
Wasser befeuchtet wird, wonach man mit der flachen Hand in gewissen Pich- 
tungen einige Male am Tage darüberfährt. Diese Behandlung wird vier Wochen 
lang fortgesetzt. 2. Hiernach gefertigtes und benanntes, weiches, flaumig und 
eisblumenartig aussehendes Plüschgewebe, dessen Orundkette aus Water, die 
Polkette aus Mohair und der Schuss aus Mule besteht. (Bindung wie Plüsch; 
s. d.) Wird im Stück gefärbt und zur Bildung des pelzartigen Aussehens 
griff'weise in dichten, geiälligen Längs- und Querfalten zusammengedrückt (ge- 
knautscht), mit Bindfaden fest umschnürt und gekocht oder gedämpft. 

Astwerk (lat. : ramagium; franz.: bois mort, branchage; engl.: ramage, ra- 
mification), das in der Spätgotik beliebte Ornament aus dürren, knorrigen 
Aesten, erscheint in italienischen Seidengeweben des 15. Jahrh. als Gehege 
für Tierfiguren dargestellt ; überhaupt ist das A. in der gotischen Zeit ein 
beliebtes Motiv im Stoffmuster (s. auch Dornenkranz). (Ygl. Abbildungen auf 
Tafel III.) 

Atalanti, Stadt in Griechenland: erzeugt durch Hausindustrie Teppiche, 
(hier zuerst in neuer Zeit aufgenommen), welche zumeist über die Türkei in 
den Handel kommen (s. Griechenland). 

Atchiabanes, ältere ostindische Kattune, welche die Holländer auf den 
Markt brachten. 

Ath, Hauptstadt der belg. Prov. Hennegau : bedeutende Leinwandindustrie, 
Kattundruckereien, Färbereien, Sx^itzenfabrikation und lebhafter Handel. 

Athen, Hauptstadt des Königreichs Griechenland: erzeugt durch Haus- 
industrie Teppiche, welche zumeist über die Türkei in den Handel kommen. 
Im 11. Jahrh. wird A. als byzantinische Seidenmanufaktur gerühmt. 

Athlone, Stadt in der irischen Grafsch. Westmeath: Leinenwebereien. 

Atina, Stadt im Kreis Sora der ital. Prov. Caserta: Fabrikation von 
Wollendecken. 

Atitlan, Santiago de, Indianerort des mittelamerik. Staates Guatemala: 
Baumwollenweberei. 

Atlas (franz.: ras ; engl. :rash; ital.: raso ; span. raso), Gewebe, welches 
durch seine wenig gebundenen Kettfäden (s. Atlasbindung) eine glänzende Ober- 
fläche darstellt, die künstlerisch, am ehesten in der Seide zur Geltung kommt. 
Letzteres berechtigt zu der Annahme und findet Bestätigung in erhaltenen 
älteren Schriften, dass der Atlas seinen Ursprung in der Heimat der Seide 
(China oder Indien) hat, woselbst er im frühen Altertum in mechanischer Nach- 
ahmung der Plattstichstickerei auf dem Webstuhl entstanden sein wird. Persische 
Seidenstoffe des 6. bis 8. Jahrh. beweisen, dass der Atlasgrund in de-n mit 
grossen Tierfiguren und Jagdszenen gemusterten Geweben bevorzugt ist. Die 
Aufnahme des Atlasstoffes in Europa fällt mit der Einführung der Seidenkultur 
zusammen. Im Altertum scheint mit dem Atlas der Name Blattin gleichbe- 
deutend gewesen zu sein; auch Pfellel, dessen Wolfram von Eschenbach er- 
wähnt, der so heiss an Glanz war, „dass ein Strauss seine Eier darin hätte 
ausbrüten können," wird für gleichbedeutend mit A. gehalten. L^rsprünglich 



Atlasbindung — Aetzbeitzen. 37 



war der A. in den weitverzweigten Absatzländern des Orients nur als dibädsch 
bekannt : die arabisierte Form des persischen dibah von dip = glänzen. Im 
christlichen Europa ist dieser Name von den Venetianern nur für ihre reichen 
Goldstoffe angenommen worden. Der französische Name für den A. (Satin) 
scheint zuerst im 16. Jahrh. vorgekommen zu sein. 

Atlasbindung ist neben der Leinwand- und Köperbindung eine Grund- 
bindung in der Weberei (s. Bindungen). Die Hochgänge der Kettfäden, 
die Bindungspunkte, sind derartig im Bindungsrapport regelmässig verstreut, 
dass nie zwei Punkte aneinanderstossen. Die ßapportgrösse schwankt je nach 
Feinheit des Materials und der Dichte der Fadeneinstellung zwischen 5 bis 
20bindig. Als vierbin diger Atlas wird häufig der vierbindige Kreuzköper 
bezeichnet. Die A. ermöglicht durch das lange Flottliegen der Fäden die 
höchste Glanzentfaltung des Materials. Man unterscheidet der Bindung nach 
Kettatlas und Schussatlas: je nachdem mehr Kette oder mehr Schuss an der 
Oberseite des Gewebes liegt. Für die am meisten oben liegende Fadensorte 
verwendet man das glänzendste Material. (lieber weitere Einzelheiten s. Bin- 
dungen in der Weberei.) Man hat Atlas von allen Faserstoffen. Der Seiden- 
atlasist natürlich der ammeisten glänzende, weil man hierzu weiches Fadenmaterial 
für den Einschlag und zur Kette die feinsten Gespinste wählt. Um dem Stoff 
in leichteren Qualitäten Halt zu geben und zugleich den Glanz zu erhöhen, 
werden die Atlasse in der Regel appretiert und zwar um so stärker, je leichter 
der Stoff ist; den gelinden Appret wendet man nur bei schweren Gattungen 
an und nur die schwersten Atlaszeuge, wo die Menge der dazu verwendeten 
ganz feinen Kettenseide dem Stoff Festigkeit und Glanz zugleich verleiht, 
können den Appret entbehren: Satins sans appret. Diese ungesteiften 
oder unzugerichteten Atlasstoffe, welche sich beim Anschnitt an den E-ändern 
wie Sammet rollen, werden deshalb E,ollatlas genannt. 

Der schönste glatte oder einfache Atlas wurde zur Zeit der Renaissance 
in Italien, vorzüglich in Florenz , Lucca , Genua , Turin und Venedig ge- 
fertigt ; unter diesen ist wieder der Florentiner der schönste. Gegenwärtig 
werden in Frankreich, England und Deutschland nicht minder schöne Atlas - 
Stoffe gewebt, welche man je nach ihrer Musterung ebenso wie andere 
schwere Taffet- und Köperzeuge, mit den Zusätzen raye (gestreift), ä cadrille 
(gegittert), ä fleurs (mit Blumen), chine (geflammt) u. s. w. bezeichnet. (Vergl. 
hierüber die einzelnen Artikel.) 

Ausser seidenem Atlas werden auch halbseidene, wollene und leinene 
Stoffe in gleicher Bindung hergestellt. In China wird ein atlasartiger Stoff 
von Seide und Baumwolle oder von Florettseide und Leinen gewebt, der unter 
dem Namen Sirsakas in den Handel kommt. Der türkische A. ist ein halb- 
seidener Stoff, in welchem die Kette Baumwolle, der aufliegende Köper Seide 
ist. Der Brügges che A. , nach gleichnamiger Stadt in Flandern benannt, 
hat eine Kette von Seide , einen Einschlag von Wolle, er wurde zuerst für 
Tapeten und Möbelbezüge verwendet; jetzt liefern ihn alle grösseren europä- 
ischen Fabriken unter dem Namen von Satins, Sateens, glattem Damast u. s. w. 
Atlas-Brokat ist ein dichtes, schweres wollenes Zeug auf Atlasart, mit er- 
habenen bunten Blumen, welche durch den Einschlag mit kleinen Schüssen 
hervorgebracht werden. Der achtbindige Atlas kann wie in Seide, so auch in 
glatter und glänzender Wolle (Kammgarn), in Baumwolle und Leinen gefertigt 
werden: man hat darum Atlasdrell, Sateens in Baumwolle und Leinen. 

Atlastrikot, eine Kettenwirkware , mit zwei Reihen Kettenfäden ge- 
arbeitet. 

Atlastuch, moderner leichter Wollenstoff aus Streichgarn, gewalkt, ge- 
rauht und geschoren.- 

Atri, im Altertum Adria, Atria, Hadria, Stadt in der ital. Prov. Teramo : 
Seidenfabrikation. 

Attalische Teppiche s. Bildwirkerei. 

Attincta (lat.) heissen im römischen Zeitalter gefärbte Stoffe. 

Aetzbeizen, Aetzfarben s. Zeugdruck. 



38 Atzgersdorf — Aufnäharbeit. 



Atzgersdorf, Dorf in Niederösterreich : Kattun- und Jutedruckerei, Fabri- 
kation von Seidenzeug, Schnüren und Borten. 

Aetzspitzen (auch Luftspitzen genannt), Nachahmung von Nadelsp. durch 
Stickerei in Baumwolle auf ^\^ollengrund ausgeführt, welch letzterer durch 
flüssiges Aetzmittel, das die Stickfäden nicht angreift, zerstört wird. Bei ge- 
eigneter Wahl des Grundstoffes und der Aetzmittel können auch Ae. in Leinen, 
Wolle und Seide hergestellt werden. Die Ae. wurden zuerst 1883 durch Gebr. 
Wetter in St. Gallen gemacht. 

Aubagne, Hauptstadt des Kantons A. im Arrond. Marseille des franz. 
Depart. Bouches-du-Bhone : Baumwollenweberei, Tuch- und .Shawlfabrikation. 

Aubenas, Hauptstadt des Kantons A. im Arrond. Privas des franz. De- 
part. Ardeche: Fabrikation von Seiden-, Woll- und Baumwollenwaren, Färbe- 
reien ; berühmte Messen für Seide. 

Aubusson, Hauptstadt des Arrond. A. im franz. Depart. Creuse: seit 
dem 15. Jahrh. bedeutende Fabrikation von Teppichen. (Vgl. Bildwirkerei.) 

Auch, Hauptstadt des franz. Depart. Gers : Leinwand- und Baumwollen- 
webereien. 

Aucube, eine Art Zimmerteppich aus Flandern. 

Aue, Stadt im sächs. Erzgebirge: mechanische Baumwollenwebereien, 
Fabrikation von Wäsche ; Klöppelschule. 

Auerbach. 1. Stadt im sächs. Yoigtland: bedeutende Fabrikation von 
Weiss- und Konfektionswaren, fertiger Wäsche, engl. Gardinen ; ferner Spitzen- 
klöppelei, Wollwebereien und Herstellung von Maschinenstickereien. 2. bei 
Thum : Strumpfwirkerei. 

Aufbäumen (franz.: plier; engl.: beaming), in der Weberei das Aufwickeln 
der gescherten und geschlichteten Kette auf den Kettenbaum des Webstuhles ; 
bei der Appretur der Gewebe das Aufrollen des in halber Breite zusammen- 
gelegten Stückes auf die Walzen der Mange. 

Aufgeschweiftes Muster, in der Weberei ein Muster, welches durch ver- 
schiedenfarbige Kette entsteht. 

Aufkrempeln, aufkratzen (franz. recarder ; engl, to card again), bezeichnet 
die Auflockerung von Wolle, Bosshaaren u. s. w. mittels der Krempeln durch 
Hand- oder Maschinenarbeit. 

Aufnäharbeit, Verzierung von Stoffen (Geweben und Leder) durch Aufnähen 
ausgeschnittener Muster (vgl. Taf. IX). Letztere bestehen aus breiten Flächen belie- 
biger anderer weicher Stoffe und erhalten zur Verhütung des Ausspringens der 
Kanten eine Papierunterlage, welche gleichzeitig den sicheren Halt für das Auf- 
kleben auf den zu musternden Stoff abgibt. Die Verbindung von Muster und 
Grundstoff geschieht dann durch Aufnähen von Seiden- und Metallschnürchen 
oder auch durch breite Ziernähte, welche zur reizvollen einheitlichen Belebung 
der Fläche beitragen. Einzelne Teile des Musters erhalten durch Malerei oder 
Plattstichstickerei eine Vervollständigung in der Zeichnung. Der Vorläufer 
der Aufnäharbeit ist schon im frühen Mittelalter zu suchen, wo man zuerst 
aus Gold getriebene Platten und Figuren als Ersatz für die Brokatweberei zur 
Verzierung von Kirchengewändern benutzte. Aufnäharbeiten in Leder sind 
aus dem 5. bis 7. Jahrh. erhalten: sie stammen aus koptischen Gräberfunden 
(s. d.). Zur höchsten Vollendung gelangt die Aufnäharbeit als Schmuck der 
Kirchenausstattung und Gewänder in Italien und Sj^anien, im Zeitalter der Be- 
naissance, woselbst sie in den Ornamenten viel Verwandtes mit denen der Holz- 
intarsien zeigt: ein Umstand, der sich aus der Gleichartigkeit beider Ver- 
zierungsarten ergibt. Zur Herstellung der Muster bedient man sich nicht nur 
der aus dem Stoff ausgeschnittenen Formen, sondern es kommen auch /die im 
Ausschnitt stehen gebliebenen Teile des entstandenen Negativs zur Verwertung: 
(vgl. die Abb. 9 und 10 auf Tafel IX) hieraus entstehen dann in schmalen 
Borten die umschlagenden Arabeskenränder aus Palmetten oder kleinen kelch- 
artigen Blütenformen. In der Zeit der Spätrenaissance , als in Italien und 
Spanien die genähte Spitze das Bereich der verzierenden Künste erweitert, 
gibt der sogen, print de Venise (s. d.) Veranlassung, breite Bankenmuster aus 



Aufnähspitzen — Augsburg. 39 



Leinwand auszusclineiden und diese auf farbigen Sammet, auf glatte oder ge- 
musterte Seide zu applizieren, wobei für das Aufnähen und zur Füllung der 
offenen Blütenflächen feine Groldschnürchen Verwendung finden (s. Abb. 11 auf 
Tafel IX). Bleibt das reliefartige Muster in Weiss gehalten, so hat man den 
Eindruck einer aufgelegten venetianischen E,eliefspitze, welcher Technik die 
neuere Zeit den Namen Elfenbeinstickerei (s. d.) beigelegt hat. Yon höchster 
Schönheit kommen solche Arbeiten älterer Zeit in grossen Decken oder Borten 
aus lachsfarbenem Atlas und E,ips vor, welche am Ende des 17. Jahrhunderts 
in Deutschland gemacht wurden. Allmählich vereinfacht man die Technik der 
Aufnäharbeit noch mehr, indem gewebte Litzen oder breitere Bänder aufgenäht 
werden (vgl. Abb. 3 auf Tafel IX). Eine Bereicherung des Formenkreises für 
solche Bandmuster ist gegeben in der Verzierungsart des französischen Orna- 
mentstechers Daniel Marot (1650 — 1712), nach dessen Entw-ürfen, im sogen. 
Kurvenstil (s. Abb. 35), verschiedene derartige Arbeiten, grosse Bettdecken und 
Vorhänge, entstanden sind. Der Orientale kennt die europäische Art der 
Aufnäharbeit nicht. Man stellt in Indien und Persien Stickereien in breiten 
Flächen her, indem Gold- oder Seidenfäden aufgelegt und in Belief übernäht 
werden oder man bedient sich der sog. Tuchmosaik (s. d.). 

Aufnähspitzen, durch Aufnähen genähter oder geklöppelter Muster auf 
einen Maschinentüllgrund hergestellte Spitzen (s. d.); sie kommen um 1780 in 
Paris auf. 

Aufnehmen s. Netzarbeit. 

Aufranken (franz.: lainer, garnir; engl.: to raising, torowing); rauhen, 
kardätschen, aufkratzen, in der Tuchfabrikation angewendet, um diesen Stoffen 
eine gleichmässige rauhe nnd haarene Aussenseite zu geben. 

Aufstossen, in der Wirkerei das Aufhängen der Wirkware auf die Nadel- 
reihe des Wirkstuhles. 

Aufstricken s. Strickerei. 

Aufwinde oder Klöppelbrief, das auf Papier gezeichnete Muster, welches 
jeder Klöppelspitze als Grundlage dient. 

Aufzug (franz.: chaine; engl.: chain), s. v. w. Kette eines Gewebes. 

Auge, Häuschen u. s. w. (franz.: oeillet, coulisse; engl.: eye); eine Schleife 
ziemlich in der Mitte der Litzen, oder ein Bingelchen (maillon, mail) durch 
welches je ein oder mehrere Kettfäden gezogen werden (s. Weberei). 

Augsburg, Hauptstadt des bayerischen Beg.-Bez. Schwaben: die erste 
Stelle nimmt die Baumwollen Industrie ein, die sich sowohl auf mecha- 
nische Baumwollenspinnerei als auf mechanische Weberei, Zwirnerei und Näh- 
fadenfabrikation erstreckt. In 10 bedeutenden Anstalten: u. a. Spinnerei am 
Stadtbacb, Feinspinnerei A. (von Wertach) , Spinnerei am Senttelbach , Bunt- 
weberei vorm. Biedinger, Weberei am Fichtelbach, am Sparrenlech und von 
Müller & Keidel — mit 7200 Webstühlen, 380000 Spindeln; die Kattun- 
druckerei, Färberei und Appretur, Seidenzwirnerei, Nähfaden- 
fabrik, Kammgarnspinnerei mit 3000 Arbeitern und 2^2 Mill. Mark 
Aktienkapital. A. ist Sitz der süddeutschen Textilberufsgenossenschaft und 
deren erste Sektion. 

Im Mittelalter schon durch Erzeugung aller Arten von Geweben berühmt, 
gelangt die Zunft der Weber aber erst im 14. Jahrh. zu besonderer Bedeu- 
tung, die ihren Höhepunkt am Ende des 16. Ja,hrh. erreicht hat. Schon vorher 
wird A. ein Stapelplatz des deutschen, italienischen und levantiuischen Handels 
durch die Familien der Fugger, Welser und Betten: im Jahre 1504 fuhren 
die Schiffe der Augsburger Welser als die ersten deutschen Schiffe nach West- 
indien: der Leineweber Fugger war Stammherr eines mächtigen Fürsten- 
geschlechtes geworden ! Nach dem Stande der Weberei wurde — wenn auch 
nicht immer mit Becht — (vergl. die Studien darüber in „Grassmann, Die 
Entwickelung der Augsburger Industrie im Neunzehnten Jahrhundert" , das. 
1894) das wirtschaftliche Gedeihen der Stadt bemessen; die Weberzunft hatte 
schon im Jahre 1368 den grössten Einfluss und ausschlaggebende Bedeutung 
sich errungen, so dass sie die zahlreichste war und gleich nach den Kaufleuten 



40 



Augsburg. 



rangierte. Im Jahre 1466 zählte sie 746 Meister, im Jahre 1600 etwa 2900 
Meister mit 3500 Gesellen, überhaupt 11031 in der Weberei beschäftigte Per- 
sonen, Av eiche auf 3670 AVebstiihlen jährlich nahezu eine halbe Million Stücke 
Leinwand zu der obrigkeitlich eingeführten Geschau brachten. Die Lein- 
weberei schloss natürlich auch die Entwickelung von Bleichereien, Färbereien 
und Handdruckereien in sich. An hauptsächlichen "Webewaren aus dem Ende 
des 14. und Anfang des 15. Jahrh. werden (nach Paul von Stetten d. j.: Kunst- 
gewerbe- und Handwerksgeschichte der Reichsstadt Augsburg, das. 1779 und 
1788) Barchets — Gewebe aus Leinen und Baumwolle — Golschen 
oder Kölsch — gemusterte, blau und weiss gestreifte gröbere Leinenzeuge — 

Abb. 32. 






zu Bett-, Hauszeug- und Tüchern genannt: „deren starker Absatz reiche und 
mächtige Leute machte, aus denen, welche teils arbeiteten, teils den auswärtigen 
Verschleiss der Waren besorgten''. Aus dem Jahre 1513 wird berichtet, dass 
wegen der Kriege in den Niederlanden und in Italien die Baumwolle .,auf 
einen ungeheuren Preis stieg", was den Absatz verminderte. Allein man er- 
holte sich bald wieder, so dass im folgenden Zeitraum ausser den schon ge- 
nannten Waren auch Zwillich, Schnurtuch, Krontuch, Dicken, Ochsen, Trauben, 
Brabanterlein, Vierer, Dreyer (vergl. diese Artikel im Einzelnen) in grossen 
Mengen erzeugt wurden. „Ungeachtet zu dieser Zeit schon die Handlung mit 
diesen Waren, welche durch Venedig wichtig geworden, aber durch den 
neuen AVeg nach Ostindien einen gewaltigen Stoss erlitten, so war sie dennoch 
sehr ahnsehnlich." TJ. a. wird nach Pechnungen aus dem Ende des 16. Jahrh.. 
berichtet, „dass in einem Jahre 350 000 Stück allerlei Barchet gefertigt, wovon 
über 70000 gebleichet, ja, dass man noch im Jahre 1610 sogar 475184 allerlei 
Barchet hier gewirkt und dass sich vor Ausbruch des dreissigjäbrigen Krieges 



Augsburg. 



41 



gegen 6000 Meister von Barchet nncl anderen Webern, ohne Weiber, Kinder 
und Gesinde hier befinden, deren Zahl aber nach dem Ende desselben bis auf 
500 Meister zusammengeht." 

Gegen Ende des 17. Jahrh. kommen zu den vorher erwähnten Stoffen 
die bedruckten „Kotton- und Zilz waren" (s. d.), die mit den aus Ostindien 
eingehenden auf gleicher Höhe stehen, bis endlich eine abermalige Teuerung 
der Baumwolle, Wohlfeilheit der ostindischen Waren. Sperrung und Stockung 
der Handlung, „aber auch Eigennutz und Nachlässigkeit eine neue betrübte 
Epoche herbeibrachten." 

Xener ist die Seidenweberei in A. Tom Gebrauch der Seide 

Abb. 33. 







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und Seidenzeuge ist schon früher die Rede — man spricht im Bürgerbuche 
und in Steuerregistern schon im Jahre 1453 von „Sydenäer" — auch gab es 
schon Sammet- und Seidenweber, „auch Felbaweber und Brocatmacher-, die 
aber bald gänzlich eingingen. „Um das Jahr 1720 wollte der Seideniärber 
Dieterich zu Helle noch eine Florfabrik anlegen, die keinen langen Bestand 
hatte." Erst seit 1755 fingen einige Seidenweber an u. a. Johann Simon 
Eaitmair, aus Nürnberg gebürtig, ihre Industrie zu pflegen, sie machten „nicht 
nur halbseidene, sondern auch ganzseidene Zeuge, ja sogar Sammetzeuge, von 
welchen man sich bei fortdauerndem Eifer immer besseren Wachstum zu ver- 
sprechen, und ihm dessen Belohnung in reichlicher Abnehmung seiner Arbeit 
zu wünschen hat." Seit 1789 wird nach den Berichten von Grassmann die 
Seidenindustie mit besonderem Eifer von der Begierung gefördert. 1827 werden 
6 Lot „Maulbeersamen" dem Magistrat von A. zur Verteilung gesendet; einige 
Jahre später wird in Begensburg eine königliche Seideninspektion errichtet. 
Im Jahre 1813 führt Aug. Brentano Mezzegra den Jacquardstuhl und eine 



42 



Augsburg. 



Abb. 34. 



Seidenfärberei ein: verarbeitet wurde italienische Seide. Ende der 60er Jahre 
wird der Betrieb eingestellt. 

Die vorhandenen Keime des Gredeihens der Kattund ruckerei brachte 
Joh. Heinrich Schule aus Künzelsau, welcher 1745 nach A. kam und zehn Jahre 

später ein erledigtes Druckerzeichen (s. d.) erhielt, 
zu hoher Entfaltung; aber dennoch überflügelten 
ihn schliesslich die Engländer: er stirbt 1785. 
Im Jahre 1687 brachten Jeremias und Greorg 
Neuhofer die Kenntnis der Krapprotfärberei 
hierher, welche durch sie eine solche Vervoll- 
kommnung erfuhr, dass sie die Leistungen der 
Holländer bald überflügelten ; hierzu kamen die 
Vollendung der Eormschneidekunst und die Zu- 
nahme der Baumwollenspinnerei. Im Jahre 1821 
wird die erste Kirschrotfärberei hier errichtet. 
Die einzige Verbindung dieser älteren Periode 
hoch entwickelten industriellen Schaffens mit 
der Neuzeit vermittelt die Kattunfabrik von 
Schöppler & Hartmann, welche im Jahre 1780 
aus der vom Tischler Johannes Apfel gegrün- 
deten Kattunmanufaktur hervorgegangen war. 

Der Untergang des Augsburger Grewerbes 
ward durch die französische Revolution und die 
ihr folgenden französischen Kriege vollständig 
besiegelt. 1835 wurde eine Weberschule mit 
reichen Mitteln gegründet, ging aber nach drei 
Jahren ein und wurde übernommen von der 
Firma Frisch & Co. 

Im Jahre 1844 führte die Firma Schöp- 
pler & Hartmann die Weberei und den Druck 
der Wollenmusseline als die erste im Zoll- 
verein ein, rasch entwickelte sich auch in Sachsen 
und Preussen eine rührige Konkurrenz, um 
Frankreich zu verdrängen. 1861 wird das Weber- 
haus in A. verkauft, die Innung löst sich auf; 
durch die amerikanischen Wirren kommt die 
Verteuerung der Baumwolle. Als der letzte 
Handweber wird in A. der im Jahre 1882 ver- 
storbene Meister David Knäule genannt. — 
lieber Augsburger Muster der Penaissance- 
zeit sind wir unterrichtet durch ein daselbst im 
Jahre 1534 erschienenes Modelbuch: vgl. Abb. 32 
u. 33. Es zeigt, dass mit dem italienischen Weber 
auch seine Muster nach Augsburg gingen und 
hier Verwendung fanden. Sehr verbreitet ist das 
verschlungene Bandmotiv, das auch für die in 
Süddeutschland im 16. und 17. Jahrh. geübte 
Kanevasstickerei (s. d.) Aufnahme gefunden hat. Der streng stilisierte Adler 
(Abb. 33) weist auf die Benützung alter Muster hin, ebenso die in Abb. 34 
dargestellte Handtuchborte, in der wir ein italienisches Original erblicken, nach 
welchem in Augsburg bis ins 17. Jahrh. hinein Muster älteren Stils gewebt 
wurden. ' 

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32. Augsburger Palmettenmuster in Feldern aus Bandverschi ingungen nach einer 
Darstellung aus : Kunstgewerbeblatt 1887. Original im Augsburger Modelbuch von 1534. 

33. Augsburger Muster nach derselben Quelle : Darstellung eines Adlers, Ränder 
mit verschlungenen Bandmotiven. 

34. Originalaufnahme aus dem Kgl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: Borte 




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Augusta — Avignon. 43 



eines Leinenhandtuches mit blau gewebten glatten Querstreifen und gemusterten Borten, 
welche zwischen gefüllten Zickzackbändern streng stilisierte Vögel an wappenlilien- 
artigen Blüten enthalten. Sizilien 16. Jahrhundert. 

Augusta, Hauptstadt des County E-ichmond in Georgia: Grosse Baum- 
wollenfabriken, überhaupt ein Mittelpunkt des Handels für dergleichen Waren. 

Augustine, ältere Stoffart aus Frankreich, von Baumwolle und Seide, die 
besonders in und um Eouen gewebt wurde. 

Augustusburg, Stadt in Sachsen bei Chemnitz : Maschinenstickerei und 
Herstellung von wollenen und baumwollenen Stoffen. 

Auma, Stadt in Sachsen-lYeimar-Eisenach: Weberei, Strickerei, Strumpf- 
wirkereien, Tuchschuhfabrik und Herstellung mechanischer Webstühle. 

Aumale, im Mittelalter Albamaria, Hauptstadt des Kantons A. im Arrond. 
Neuchätel des franz. Depart. Seine-Inferieur : Herstellung von Blonden, groben 
Tüchern und Serge; Wollspinnerei. 

Aumales, ältere Sorte französischer Sergen aus A., die zu Futterstoffen 
Verwendung fand. 

Auquili, grobe Sackleinwand, in Syrien gefertigt, kommt über Aleppo in 
den Handel; die feineren Gattungen sind blau gefärbt, teils auch halb weiss, 
jedoch immer mit Baumwolle gemischt. 

Aurangabad, Stadt in Haidarabad, Ostindien : fertigt schöne Seidenstoffe, 
Gold und Silberbrokate; lebhafter Handel in Baumwolle. 

Aureria (lat.), der Saum, die Borte, Bordüre von Gold oder Goldgespinst. 

Aures, eine Art Cadis (s. d), die in Frankreich unter dem Namen Fleurets 
bekannt sind ; werden zu Montauban gefärbt und zugerichtet : sie bestehen aus 
einem der dauerhaftesten Wollenstoffe. 

Aurifilum (lat.), Stickerei mit Goldfäden. 

Aurillac, Stadt in der Auvergne, soll angeblich schon im 14. Jahrhun- 
dert Spitzen erzeugt haben. Seit dem 17. Jahrhundert Spitzennäherei nach 
italienischen Vorbildern, die allgemein points de France genannt wurden. Um 
1708 geht diese Industrie zurück, bis sie mit der Revolution überhaupt er- 
lischt (s. Spitzen). 

Auriphrygium (lat.) hiess bei den Römern die Goldstickerei. 

Aurisamitum (lat.), ein goldgestickter Seidenstoff. 

Aurotextilis (lat.), in Gold gewebt, gewirkt. 

Ausbessern s. Konservierung, Stopfen und Einsetzen. 

Ausfallmuster, Ausfallprobe, Muster einer durch Vermittler zu kaufenden 
oder auf Bestellung zu erzeugenden Ware, die dem Käufer die Beschaffenheit 
derselben zeigt. 

Aussetzen s. Carta riga. 

Aussig, Stadt in Böhmen: Fabriken von Modestoffen in Seide, Baum- 
wolle und Schafwolle. 

Aussparen, die Flächen um die Figuren herum ausfüllen, so dass der 
Grund eines Stoffes das Muster bildet, wie es z. B. im Zeugdruck und auch 
oft in altitalienischen Leinenstickereien geschehen, aber auch in jeder anderen 
Technik möglich ist. 

Austria, moderner Schirmstoff. 

Ausziehspitzen (ital. punto tirato; franz. point tire ; engl, drawn work). 
Durch Ausziehen von Fäden aus einem Leinwandstoff wird ein Netzgrund her- 
gestellt, dessen zurückbleibende Fadengruppen umrandet werden. Muster in 
breiten Flächen können darin entstehen durch grössere erhalten gebliebene Stoff- 
reste und durch Füllung des Netzgrundes, in Art der Filetarbeiten. (S. Spitzen 
und Durchbrucharbeit.) 

Autun, Hauptstadt im franz. Depart. Saone-et-Loire : Tuch- und Fass- 
teppichfabriken. 

Auxy (L'aine d'Auxy) s. Wolle von Abbeville. 

Avantagee heisst in Frankreich die feinste Sorte der Nankinseide (s. d.). 

Ave Maria (Angelica salutatio, Engelsgruss) s. Verkündigung. 

Avignon, Stadt im franz. Depart. Vaucluse a. d. Rhone: hier wird zuerst 



44 Avila — Azuay. 



(las franz. Seidengewerbe betrieben, veranlasst durch Papst Gregor X. (gebürtig 
aus Piacenza (war bis 1271 Archidiakonus in Lüttich, regierte 1271 — 76), 
welcher italienische AVeber berief. Zur Bedeutung gelangt die Industrie erst 
im 15. Jahrhundert unter Ludwig XL von Frankreich. Heute beschäftigt die 
Seidenindustrie 12 — 14000 Arbeiter, welche jährlich Waren im Werte von 
IY2 Mill. Pres, herstellen. Ausserdem Fabrikation von Posamentierwaren, 
Sammetstoffen u. a. ni. Die Gewinnung des Krapps zur Färbung roter Tuch- 
stofi'e verdankt A. einem landesflüchtigen Perser, Jean Althen, dessen Vater 
Gesandter des Schahs Thamas Kuli Chan war, der 1774 in Armut starb. Nach 
A. wird auch ein leichtes Seidengewebe benannt, sogen. Indiennes. 

Avila, spanische Wolle aus der Provinz gleichen Namens, welche wegen 
ihrer guten und feinen Qualität sehr geschätzt wird. 

Avio, Ortsgem. in Tirol: Seiden- und Sammetmanufakturen. 

Avivieren, ein Verfahren, der Seide (Strangseide) nach dem Färben 
wieder ein gutes Aussehen zu geben: Vornahme des „Schönens" und „Be- 
lebens" ; es geschieht mit Hilfe eines Bades, welches aus verdünnter Säure 
besteht. 

Avouet, persische Wolle von dreijährigen Schafen. 

Avranches, Hauptstadt des Arrond. A. in der Normandie : Fabrikation 
von Spitzen, Kattun; grosse AVebereien und Spinnereien. 

Axminster, Stadt in der engl. Grafschaft Devon : Tuch- und Bandfabri- 
ken; die berühmte Teppichfabrik befindet sich seit 1835 zu Wilton in Wilt- 
shire bei A. 

Axminster-Teppich, eine Art weicher Sammetteppich mit langem, auf- 
geschnittenem Flor, die als Nachahmung der Smyrnateppiche gelten kann. Der 
Flor kommt dadurch zustande, dass man zuerst (auf einem Handwebstuhl) eine 
besondere Ware herstellt: die Vorarbeit, deren Kettenfäden nicht in gleicher 
Dichte, sondern gruppenweise in regelmässigen Abständen angeordnet sind, und 
deren Einschlag aus farbiger Wolle nach einem gezeichneten Muster ein- 
getragen wird. Indem man diese Vorarbeit der Länge nach in Streifen schneidet, 
die je eine Kettenfadengruppe in der Mitte enthalten, und diese Streifen auf 
einer besonderen mit Pinnen versehenen Sengmaschine derartig sengt, dass die 
erst nach beiden Seiten abstehenden wollenen Einschlagiäden nach oben ge- 
presst werden, erlangt man die eigentlichen Florschussfäden, die nun abwechselnd 
mit festen Grundschussfäden in die Teppichkette eingeschossen werden. Diese 
Teppichkette besteht meist aus einer Leinen- oder Jutekette zur Bildung eines 
festen Grundgewebes, und einer dünnen, weitgestellten Baumwollkette zur Be- 
festigung der mehr an der Oberseite des Teppichs liegenden Florschüsse, die 
in ihrer genauen Zusammenstellung das vorher entworfene Muster geben müssen. 
Die Appretur des A. besteht in Dämpfen, Bürsten und Scheren (s. a. Che- 
nilleteppich). 

Aylanthusseide (A. Cynthia), S. des gleichnamigen Spinners (s. Seide). 

Ayr, Hauptstadt der Grafsch. A. in Südschottland: Segeltuch-, Baum- 
wollen-, Wollen-, Seidenwaren- und Teppichfabriken. 

Azara oder Azera, feine ostindische Musseline, welche die Franzosen 
aus Pondichery brachten. 

Azerbeidschan, Prov. in Persien: erzeugt Knüpf- und Wirkteppiche, 
jedoch meist von geringerer Sorte: dazu gehören die von Karadagh, Heris, 
Zendian und Hamadan (s. d.). 

Azores, locker gewebte, dicke und sehr langhaarige Wollenstoffe: eine 
Gattung starker Biber mit glänzendem Haar, welcher in mehreren böhmischen 
und tiroler Fabriken gewebt wird. ^ 

Azuay, Assuay, eine der südl. Provinzen der südamerik. Pepublik Ecua- 
dor: Industrie von Geweben. 



Baar— Bagdad. 45 



B. 

Baar, Dorf im Schweiz. Kauton Zug, im 9. Jahrhundert erbaut: eine 
der grössteu Baumwollspinnereien der Schweiz; die Sj)imierei an der Lorze 
seit 1855 im Betrieb. 

Babenhausen in Bayern: mechan. Spinnerei. 

Babylon, s. Assyrien und Babylon. 

Babylonica, s. Baldachin. 

Babylonicum (lat.) gestickte Arbeit, Stickerei; babylonica texta und stra- 
gula werden in mittelalterlichen Inventarien erwähnt. 

Babylonische Teppiche, s. Assyrien und Babylon. 

Backfischseide heisst im modernen Handel ein heller leichter Seiden- 
stoff, der zu Kleidern für junge Mädchen Verwendung findet. 

Backnang, Stadt in AYürttemberg : AVollspinnerei, Strumpfstrickerei, 
Tuchmacherei. 

Badehandtücher, Frottierstoff, G-ewebe aus Leinen oder Baumwolle, 
welches zu beiden Seiten zahlreiche Noppen hat und dadurch geeignet wird, 
Wasser in sich aufzunehmen, daher zu Handtüchern, Bademänteln u. s. w. 
Verwendung findet. Die Herstellung ist der eines Plüschgewebes ähnlich. 
Auf dem leinwand- oder ripsartigen Grrund erheben sich nach beiden Seiten 
unaufgeschnittene Schleifen (oder Noppen), die mittels zweier Polketten mit 
loser Spannung entweder durch eingelegte Nadeln oder durch ein eigentüm- 
liches Verfahren beim Anschlagen der Lade (schwache und starke Schläge) 
hervorgebracht werden. Die nicht sehr dicht stehenden Noppen geben dem 
Gewebe eine rauhe Oberfläche. 

Bad Elster, Dorf in Sachsen : Seiclensammetweberei. 

Baden, zum Deutschen Reiche gehöriges Grossherzogtum. Vor dem 
1835 erfolgten Anschluss an den deutschen Zollverein nur ein ackerbauender 
Staat. Seitdem hat die Gewerbtätigkeit so zugenommen, dass B. jetzt an der 
industriellen Gesamt|3roduktion des Deutschen Peiches einen namhaften und in 
einzelnen Zweigen einen hervorragenden Anteil hat, wovon auf die Textil- 
industrie, besonders in Baumwolle und Seide, auch Wolle, Leinen und Hanf, 
nicht die geringste Tätigkeit entfällt, mit dem Hauptsitz im "Wiesental und 
oberen Peintal, sodann in Freiburg, Waldkirch und Ettlingen, auch in Offen- 
burg, Lahr und Konstanz. (Vgl. Dietz, die Gewerbe im Grossherzogtum B.. 
ebd. 1863.) 

Badia Polesiue, Hauptstadt des Distrikts B. in der ital. Prov. Povigo : 
Seidenspinnerei. 

Bafel (Bavel, vom ital.: bavella, Abfall-, Flock-, Florettseide), Ausschuss, 
schlechte Ware. 

Baffetas, Baftas, ostindische, glatte und dichte Baumwollenzeuge von 
verschiedener Feinheit, welche früher in Mengen nach Europa gebracht und 
in Holland, England, Hamburg, Kopenhagen häufig gedruckt wurden. Sie sind 
jetzt von der europäischen und nordamerikanischen Maschinenware, unter dem 
Namen calicoes, printers, domestics u. s. w., fast ganz verdrängt. 

Bagdad, im Mittelalter in der abendländ. Form auch Baldach genannt. 
Hauptstadt des asiat.-türk. Vilajets B., 763 gegründet; im 9. Jahrh. erhob sie 
Harun-al-Paschid zu hohem Glänze. AVar seither eine Hauptniederlage für 
arabische, indische und persische Erzeugnisse, sowie für europäische Manufaktur- 
A\aren, und versah Kleinasien, Syrien und einen Teil Europas mit indischen 
AVaren, die, zu Basra eingeführt, den Tigris in Booten stromaufwärts und in 
Karawanen weiter nach Konstantinopel, Haleb, Damaskus und in die westlichen 
Teile Persiens gebracht wurden. B. selbst bringt AVoile zur Ausfuhr. Erzeugt 
werden seidene, baumwollene und wollene Stoffe, besonders Musseline, Taöete, 
Teppiche und Shawls. AA^ann der Anfang zu der im Mittelalter so mächtig 
aufoeblühten Seidenindustrie in B. ofeleot wurde, ist nicht sicher bekannt; es 



46 Bagdalin — Baldachin. 



lässt sich mir aus einigen erhaltenen biographischen Daten (nach Karabacek: 
lieber einige Benennungen mittelalterlicher Gewebe) auf eine Bagdader Ko- 
lonie tusterischer Seidenweber schon im 10. Jahrhundert schliessen. (Kremer, 
Kulturgeschichte des Orients. Bd. 2. AVien 1877.) 

Bagdalin, früher ein in bunten Mustern gewebter Baumwollenstoff in 
persischem (xeschmack, jetzt ausser Mode. 

BaggingS (engl.) oder Sackings, nach der Bezeichnung der schottischen 
Spinnereien, die groben Jutesäcke zur Verpackung von Baumwolle, während 
die feineren Hessians genannt werden. Die Bezeichnung ist auch auf die 
rohen (noch nicht zu Säcken verarbeiteten) Jutestoffe übertragen worden. 

Bagirmi, mohammedanischer Negerstaat im mittleren Sudan, dessen Ein- 
wohner als AVeber und Färber sehr geschickt sind. 

Bagneres-de-Bigorre, Hauptstadt des Arrond. B. im franz. Departement 
Hautes-Pyrenes : AVoUfabriken für Baregestoff, der hier vor alter Zeit seinen 
eigentlichen Ursprung hatte. 

Bagnols-SUr-Ceze, Hauptstadt des Kantons B. im Arrond. Uzes des 
französischen Departements Gard: Seidenspinnerei (jährlich für 600000 Frcs.), 
sowie Handel mit Seide. 

Baguette, s. Bay. 

Bahama, westindische Baumwollsorte. 

ßahia, Hauptstadt des Staates B. in Brasilien: Baumwollenwebereien, 
(seit 1867 ist hier die bedeutendste Spinnerei Brasiliens) ; Fabrikation von 
Jutewaren. B. ist auch Handelsname einer südamerikanischen Baumwoll- 
sorte. 

Bahn (franz. : lisse, auch le = Blatt, Bahn), ein in vollständiger Breite 
vorliegendes Stück Zeug. 

Baigues, geköperte Wollenzeuge aus Flandern. 

Bailleul, Hauptstadt der 2 französischen Kantone B.: Fabrikation von 
Spitzen, Zwirn und Leinwand. 

Baindix, türkische Baumwollsorte. 

Baize, s. Flanell. 

Bajaderen, französische allgemeine Bezeichnung für kleine leichte shawls- 
artige Tücher; auch leichte gemischte Zeuge für Frühlings- und Sommertracht. 

Bajota, grobe weisse Baumwollenzeuge, welche früher durch die hollän- 
disch-ostindische Kompagnie in den Handel kamen. 

Bakewell, Stadt in der englischen Grafschaft Derby; Baumwollweberei. 

Baku, Hafenstadt in Transkaukasien auf dem Landstrich Schirwan, un- 
weit des kaspischen Meeres, nach welcher die in dem benachbarten Dorfe 
Amer-Adschan gefertigten Knüpfteppiche benannt werden; sie zeigen in der 
Borte meist schräg gestellte farbige Parallelstreifen. (Vgl. kaukasische Teppiche.) 

Balassoratücher, Balassores, Balazores ; unter diesem Namen kannte man 
im englischen Handel einen zu Balassor in Ostindien aus dem Bast eines 
Baumes gewebten Stoff. 

Balastri heissen die besten in Venedig gewebten Draps-d'or. 

Balbriggan, Stadt in der irischen Grafschaft Dublin: Fabrikation von 
baumwollenen Strümpfen, Kattun und gesticktem Musselin. 

Balch, Stadt in der Landschaft B. im südlichen Turkestan : Hauptindustrie 
in Seidenstoffen. 

Baldachin (lat.: baldakinus; franz.: baldaquin ; ital. : baldachino; engl.: 
baldachin), nach dem orientalischen Brokatstoff Baldacs (s. d.), woraus im frühen 
Mittelalter die Thronhimmel gebildet wurden, benannter Prachtüberhang für 
einen Altar, Thron u. dergl. Im gotischen Zeitalter findet der B. als -fester 
von Säulen getragener Altarüberbau in der Architektur Verwendung und er- 
scheint auch in kleinerem Massstabe an Strebepfeilern als Schutzdach über 
Heiligenfiguren : Diese Darstellungen nimmt um 1500 die deutsche Bildstickerei 
und Bortenwirkerei zur Verzierung von Kaselstäben, Besätzen von Chormänteln 
u. s. w. auf. In das allgemeine Ornament geht der Baldachin zur Barockzeit 
über , wo er , ohne Säulen- oder Bogenstellungen , wieder aus dem Behangstoff 



Baldachin — Baldacs. 



47 



dargestellt erscheint und auch als Wehe- und Stickmuster an Tapetenstoffen und 
Pfeilerbehärgen beliebt ist (s. a. Betthimmel). (Vgl. Abb. 35). 



Abb. 35. 




Abbildung: 
35. Bettdecke nach einer Darstellung aus: Ornamentation Usuelle, I. anne, cahier 15- 
u. 16, Grrundstoff Damast, Muster aus breitem und schmalem Band- und Litzenwerk auf- 
genäht: Symmetrischer Aufbau in Art einer UmrahmuDg, aus breiten Bändern, welche 
zu Voluten aufgerollt sind; darin die Darstellung eines aus Stoff gerafften Baldachins,, 
dessen Entwicklung in Zusammenhang gebracht ist mit dem halbrunden Bogenabschluss 
der ganzen Umgebung. Frankreich Anfang 18. Jahrh. (Stil Marot: 1650—1712.) 

Baldacs (baldachino), meist mit Gold durchwirkter reicher Seidenstoff, im 
Mittelalter in Bagdad und Damaskus gemacht ; aber auch aus Lucca kamen zahlreiche 
Nachbildungen. 



4S Balingen — Bandanadruck. 



Balingen, Oberamtsstadt in Württemberg: Fabrikation von Trikots. 

Ballanca, schwarzwollener, mit Ziegenhaar vermischter Stoff aus Steier- 
mark zu Linz im Oesterreichischen. 

Ballen, Zähl- oder Stückmass : im Tuchhandel 12 Stück ; auch eine gewisse 
Yerpackungsform, z. B. bei Baumwolle. 

Ballenstedt, Stadt in Anhalt: Teppichfabrik. 

Ballonstoffe bestehen aus sehr feinen und dichten Seiden- und Baum- 
wollengeweben von möglichst gleicher Fadenzahl in Schuss und Kette. Sie 
werden in vier bis neun Lagen über einander geklebt, damit sie die erforder- 
liche Dichtigkeit und Festigkeit erhalten. 

Balsthal im schweizerischen Kanton Solothurn: Fabrikation von Baum- 
wollenzeugen und Posamentierwaren. 

Balzorins, franz. Bezeichnung: 1. für leichte mit Ultramarin gedruckte 
Kattune und Musseline, 2. im allgemeinen eines offenen^ gedruckten Gewebes 
mit seidener Kette und Kammgarnschuss. 

Bambagine, im italienischen Handel die Basinzeuge und die baumseidenen 
Gewebe. 

Bamberg, Stadt in Bayern: eine der grössten Baumwollenspinnereien 
Deutschlands mit 2400 Arbeitern, 125000 Spindeln, 2000 Stühlen, und Weberei, 
Seidenzwirnerei; Fabrik für Tuch, Wollzeug. Der Domschatz enthält wert- 
volle Reliquien (Mäntel) von Heinrich IL und seiner Gemahlin. Vgl. Pfister, 
Dom zu Bamberg (ebd. 1896). 

Bananenfaser, s. Manilahanf. 

Band (franz. : ruban ; engl. : ribbon •, span. : cinta, ruban ; ital. : fettucie), 
Gewebe, welches sich durch geringe Breite im Verhältnis zur Länge auszeichnet 
und zum Binden, zum Besatz, zur Einfassung oder zum Aufputz dient. Der 
Qualität nach gehen die Bänder vom Einfachsten bis zur höchsten Luxus- und 
Modeware und sie werden aus Seide, Wolle, Kamelhaar, Baumwolle, Leinen und 
Gemischen dieser Stoffe hergestellt. Man webt die Bänder teils auf Posamentier- 
oder Bandwirkstühlen (an manchen Orten auch Borten wirkerstuhl), teils auf dem 
sogenannten Mühlenstuhl oder der Bandmühle mit Schnellschützen, wobei eine 
grössere Anzahl von Bändern, auch in verschiedenen Mustern und Farben, 
gleichzeitig gewebt werden können. Für bunt gemusterte Bänder w^erden die 
Stühle auch mit der Jacquardvorrichtung versehen; dann aber können alle 
Gänge nur gleichartig gewebt werden. Viele Bänder werden noch zylindriert, 
moiriert und gauffriert (s. d.). Die Namen der Bänder richten sich nicht allein 
nach dem Material , aus welchem sie gemacht werden , sondern auch nach ihrer 
Breite^ teils nach der Art des Webens, glatt oder gemustert, schliesslich auch 
nach ihrem Gebrauch. Die Hauptfabrikationsplätze für Bänder sind die Her- 
stellungsorte für Seidenwaren überhaupt: so werden seidene Bänder namentlich 
in Paris, Lyon, St. Etienne, am Niederrhein (besonders Sammetbänder), in Krefeld, 
Basel, Wien, leinene, baumwollene und wollene besonders in und um 
Elberfeld und Barmen, im sächsischen Erzgebirge, in Böhmen und dem übrigen 
Oesterreich gefertigt. (Vgl. Beiser u, Beintgen, Handbuch der Weberei, Bd. III : 
Bandweberei.) 

Bandagenstoffe, s. Verbandzeug. 

Bandanadruck, Bandaaasdruck, Bandanendruck (franz. : bandannes; engl.: 
bandanoes) , ein Verfahren des Zeugdruckes , bei welchem hellere Muster auf 
dunkelm Grunde durch stellenweise Zerstörung des Farbstoffes mittels bleichend 
wirkender Agentien hergestellt werden. Dem Bandanadruck liegt dasselbe Prinzip 
zu Grunde, das in Ostindien und Japan für die Herstellung weisser Muster auf 
gefärbten Zeugen angewendet wird und darin besteht, dass die Stellen des Zeuges, 
die nicht gefärbt werden sollen, vor dem Einbringen in die Farbbrühe mit Bind- 
faden fest zusammengebunden und nachher gepresst werden, in welchem Zustande 
sie nichts von der Farbe aufnehmen. Das zuerst von Monteih in Glasgow zur 
Anwendung gebrachte , die Nachahmung der berühmten Bandanastücher be- 
zweckende Verfahren (vgl. Brandes Jour. 1823) unterscheidet sich von der 
einfachen orientalischen Methode im wesentlichen nur darin, dass die Pressung 



ßandannos — Barbadoes. 49 



der von der BerühruDg mit Flüssigkeit freizuhaltenden Stellen der Zeuge durch 
bequem zu handhabende Pressapparate besorgt wird (vgl. Bandannos), 

Bandannos, Bandanoes, Bandanas, ostindische seidenartige Zeuge, welche 
aus den glänzenden Fäden einiger indischen Pflanzen verfertigt werden, die man 
wie den Flachs zubereitet; gewöhnlich sind sie dunkelgelb, braun oder rot gefärbt 
und mit hellgelben Mustern bedruckt (vgl. Bandanadruck). Bandannos heissen 
auch ostindische Schnupftücher von gleichem Stoff, welche auf braunem, rotem 
oder gelbem Grund mit weissen , gelben oder blauen Mustern gedruckt sind ; 
ferner gibt es sogenannte türkischrote, baumwollene Bandanoestücher, geköperter 
Grund mit blauen und gelben Mustern, wie auch bunte, welche in den englischen 
Manufakturen nachgeahmt werden. Ehemals wurden letztere auch in sächsischen, 
preussischen und österreichischen Fabriken gemacht. 

Bändchenspitze s. Litzenspitze. 

Bändchenstickerei wurde am Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland, 
Sjjanien und Frankreich geübt: sie besteht aus ganz schmalen Seidenbändchen, welche 
aufgenäht oder auch durchzogen , in feinen bunten Streu- oder Bankenmustern 
die Flächen seidener weisser Tücher, Handtäschchen, Kostümteilen u. s. w. ver- 
zieren. In neuerer Zeit findet die Technik wieder vielfach Verwendung. 

Bandelier (lat. : baldrellus; franz.: bandouliere; engl.: baldier, baldrick), 
in früherer Zeit das über die Schultern gehende Wehrgehänge, an welchem ein 
Schwert, Dolch, Jagdhorn oder auch die Pulverfläschchen hingen; heute beim 
Militär der Ledergurt, woran der Säbel getragen wird, auch der Postillon trägt 
sein Hörn am Bandelier: einer geflochtenen, wollenen, dicken Schnur. Das 
Wort soll durch Pyrenäenräuber des 16. Jahrhunderts, die sich Bandouliers 
nannten, in Gebrauch gekommen sein. 

Banderoles, s. Beuteltuch. 

Bandes, Bandelettes, in Frankreich leinene oder Garnbänder. 

Bandmacherstuhl (franz.: metier älabarre; engl.: bar-loom), Bandmühle, 
Mühlstuhl, ein zur gleichzeitigen Herstellung einer grösseren Zahl von Bändern 
benutzter Webstuhl. Die Erfindung der Bandmühle wurde von einem Holländer 
gegen Ende des 16. Jahrhunderts gemacht, in verschiedenen Ländern anfangs 
verboten, um die Handarbeit nicht zu verdrängen, allein nach und nach immer 
mehr benutzt und vervollkommnet. 

Bandmühle, s. Bandmacherstuhl. 

Bandmuster s. Flechtband. 

Bandwirkerrahmen, Bandrahmen, ist ein Bahmen am Bandstuhl, in dem 
die zur Aufwickelung der fertigen Bänder dienenden Bandrollen liegen. 

Banjaluka, Hauptstadt des Kreises B. in Bosnien: Tuchfabrikation. 

Banner (lat.: banneria; franz.: banniere : engl.: banner) , im Mittelalter 
jede quadratische Fahne mit Wappen als Feldzeichen der Ritter; später entsteht 
das Banner, indem der Stoff (sog. Fahnentuch) an einer mit dem Schaft ver- 
bundenen Querstange befestigt wird. Banner und Fahnen haben für die Textil- 
kunst eine Bedeutung wegen der auf ihnen von frühester Zeit an dargestellten 
Zeichen oder Muster in Weberei oder Stickerei, worin sich besonders diejenigen 
für kirchliche Zwecke (Prozessionsbanner), Zunft- und Städtebauner auszeichneten. 
In der Benaissancezeit wählte man zur Darstellung der Muster gewöhnlich die 
Technik der Aufnäharbeit (s. d.), weil die durch sie geschaffenen breiten Flächen 
am ehesten weithin dekorativ wirken ; auch heut wird die Applikation meistens 
zum Banner- und Fahnenschmuck verwendet. 

Bantine, (sede), Rohseide aus Genua. 

Bapaume, Hauptstadt des französischen Departements Pas de Calais im 
Arrond. Arras: bedeutende Textilindustrie. 

Baquiers, geringste Gattung des Baumwollengarns, welches von Smyrna 
in den Handel kommt. 

Baranjen, Baranken, s. Astrachan. 

Baras oder Bapper, geringe Packleinwand aus Wergflocken, die in Böhmen 
und auch im Erzgebirge gemacht wird. 

Barbadoes, westindische Baumwollsorte. 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. A. 



50 



Barbe — Barege. 



Abb. 36. 



Barbe oder Barbet (von barbe = Bart) , ältere Spitzengarnitur , welche 
an den Seiten des Gesichts bis an das Kinn und darunter ging. (Vgl. Abb. 36.) 

Abbildung: 

36. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart : 
Barbe, Nadelarbeit in weissem Leinen. Frankreich (Alengon) zweite Hälfte 18. Jhrdts. 

Barbezleux , Hauptstadt im französischen 
Depart. Charente: Leinwandfabrikation. 

Barcelona, Hauptstadt der spanischen 
Provinz B. : wichtigster Hafen- und Handelsplatz 
von Spanien , schon im Mittelalter bedeutend 
für den Handel im Mittelmeer. Hauptzweig der 
Industrie ist die Verarbeitung der Baumwolle 
(jährlich 250000 Ballen). Ausserdem bestehen 
1400 Webstühle für Seide, etwa 2000 für 
Schafwolle; Färbereien, Druckereien. Im Mittel- 
alter ist Barcelona der Hauptsitz spanischer 
Seidenweberei, es tritt mit dem 1282 eroberten 
Sizilien in regen Verkehr und bezieht von ihm 
das Rohmaterial in grösseren Mengen. 

Barcelona, Baumwollsorte aus Columbia. 

Barcelonnette, Hauptstadt des Arrond. 
B. im franz. Depart. Basses Alpes: Manu- 
fakturen für Tuch- und Seidenwaren. 

Barchent, Barchet, Parchent, (franz.: 
fataine ; ital. : fustagno ; engl. : fustian und 
dimity), dichtes, festes Köpergewebe aus Baum- 
wolle oder aus Leinen und Baumwolle. Je 
nach der Beschaffenheit der die rechte Seite 
bildenden Oberfläche des Gewebes unterscheidet 
man glatte und gerauhte B.'s. Die ersteren sind 
so belassen, wie sie vom Stuhl kommen, bei 
den anderen werden die freiliegenden baum- 
wollenen Einschussfäden gerauht und nach einer 
Richtung gestrichen, wodurch eine faserige 
flaum- oder wollartige Oberfläche entsteht, die 
den Stoff wärmehaltender macht. Der glatte 
B., Bett- oder Futterbarchent, kommt 
roh und gebleicht vor, weiss oder mit Schuss 
von gefärbtem Baumwolleugarn ; rauher B. 
(franz.: futaine ä poil; engl.: top), roh, 
gebleicht oder schwarz gefärbt, dient zu 
"Wachstuchdecken mit weicher Unterseite; 
Kleider- oder Pelzbarchent, meist ganz 
Baumwolle, mit weicherer Haarschicht, in ver- 
schiedener Feinheit und Schwere. Schnür- 
barchent ist geriffelt; Piquebarchent 
sieht wie mit würfligen oder anderen Mustern 
gesteppt aus. 

Bardwan, Distrikt der Division B. in 
der indobrit. Präsidentschaft Bengalen : Erzeug- 
nisse von Baumwolle und grober Seide. / 

Barege, ursprünglich halboffener musselinartiger Stoff in Kette und Ein- 
schlag von Wolle, hat seine Entstehung in dem Dörfchen Auzons in den oberen 
Pyreuäen. Schon vor Jahrhunderten trugen dort die Frauen bei einer Taufe 
oder Trauung eine Kappe davon, die bis an die Ferse in Gestalt eines Sackes 
herunterhing. Als die Bewohner des Tales Bagneres de Bigorre sich dieses 
Industriezweiges bemächtigten, gaben sie dem Zeuge den Namen Bagnos ; allein 




Bareges — Barockstil. 51 



diese Bezeichnung wich später dem alten Barege. Der beste Stoff dieser Art 
wurde im Dorfe Luz im Tale von Barege verfertigt. Vor der hohen Ausbildung 
der Kammgarnspinnerei auf Maschinen blieb der B. ziemlich teuer. In Paris 
wurde er ziemlich früh nachgeahmt; aber die Kette war Seide und der Ein- 
schlag Kammgarn. In Nimes wurde B. noch billiger hergestellt durch Ver- 
wendung von baumwollener Zwirnkette und später wird er in vielen Fällen durch 
den Musselin ersetzt. In neuester Zeit besteht B., als sehr leichter Kleider- 
stoff, gazeartig gewebt, aus feiner Bohseidenkette und Kammgarnschuss. 

Bareges, Ort im Kanton Luz im Arrond. Argeies des franz. Depart. 
Hautes-Pyrenees mit wichtigen Fabriken von Baregestoffen. 

Baret, Barret, ist der Name von ursprünglich gestrickten und festgewalkten, 
wollenen Mützen, welche im 15. und 16. Jahrhundert die Batsherren und Geist- 
lichen der meisten deutschen Städte trugen und welche später aus Seide und 
anderen Stoffen gemacht wurden. Die Anfertigung eines solchen Baretts von 
runder Form mit einem breiten runden oder achteckigen Deckel gehörte früher 
zu den Aufgaben für das Meisterstück eines Strumpfwirkers. 

Barfoul, baumwollener StofP, der im afrikanischen Handel vorkommt und 
von einigen Negerstämmen durch die Europäer gegen Stangeneisen und Kurzwaren 
eingetauscht wird. 

Barhana, schlechteste Sorte von Smyrnateppichen , welche in Uschak 
erzeugt werden ; die Echtheit ihrer Farben ist zweifelhaft. 

Bariga, s. Seide. 

Barking, Stadt in der engl. Grafschaft Essex: Jutefabrikation. 

Bar-le-Duc, Hauptstadt des franz. Depart. Meuse: Grosse Baumwoll- 
spinnereien. 

Barmen, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Düsseldorf; eine der grössten 
Industriestädte Deutschlands. Die Hauptindustrie (Herstellung von Bändern, 
Kordeln, Litzen, Spitzen aller Art und aus allen Stoffen: „Barmer Artikel") 
beschäftigt in etwa 900 Betrieben rund 20000 Arbeiter. Ferner bestehen 
Färbereien und Appreturanstalten, Garnbleichen, Türkischrotgarn- und Stück- 
färberei, Garnfabriken, mechan. Webereien, Fabriken für Tapisserie-, Möbel- 
und Dekorationsfransen und Besätze , Trikotwaren , seidene und halbseidene 
Tücher, Schnürlochaugen, Teppiche, Zanella, Lastings und andere Futterstoffe. 
Die Zahl der Band- und mechan. Webstühle für breite Waren beträgt mehr 
als 10 000. Die Seidentrocknungsanstalt von Elberfeld-Barmen konditioniert jährlich 
etwa 600 000 kg. Seide. B. wird zuerst im 11. Jahrhundert als Barmont erwähnt; 
bis zum Ende des 17. Jahrhunderts bestand es nur aus Bauernhöfen, deren 
Bewohner sich aber seit dem 15. Jahrhundert schon mit der Bleicherei, dem 
ersten Anfange industrieller Betriebsamkeit im Tale beschäftigten; 1606 bestan- 
den 77 Bleichen; Band- und Leinwandbereitung fand nachweislich im Anfang 
des 16. Jahrhunderts statt. Seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts kam 
Färberei und Verwendung von Wolle, 1750 Spitzen- und Kantenweberei, Seiden- 
fabrikation u. s. w, hinzu, welche die unter Ludwig XIV. verfolgten französischen 
Protestanten hier heimisch machten. Von grossem Einfluss für die Entwicklung 
der Textilindustrie B.'s war die 1821 erfolgte Einführung der Jacquardwebereien 
und die zu Anfang der fünfziger Jahre des 19. Jahrhunderts erlangte Vervoll- 
kommnung der Flechtmaschinen, die Erfindung des Eisengarns u. s. w. Die 
Preussische Höhere Fachschule für Textilindustrie (Direktor: Albert 
Oettel), seit 1900 bestehend, bildet in ähnlicher Weise wie Aachen, Kräfte für 
Weberei, Klöppelei, Spitzenfabrikation, Stickerei und Besatzkonfektion aus. Sie 
enthält Fachateliers für Musterzeichnen u. s. w. sowie eine Abteilung für Färberei. 
B. ist Sitz der 4. Sektion der Rheinisch -Westfälischen Textil-Berufsgenossenschaft. 

Barnsley, Stadt in der engl. Grafschaft York: Hauptsitz der Leinen- 
fabrikation ; Bleichen und Färbereien. 

Barnstaple, Municipalborough der engl. Grafschaft Devon : Fabrikation 
von Serge, grobem Tuch und Spitzen. Der Handel und die Wollwarenfabrikation 
ist in neuerer Zeit zugunsten von Bideford zurückgegangen. 

Barockstil bezeichnet in der allgemeinen Kunstrichtung die Zeit des 17. 



52 



Barockstil. 



und Anfang des 18. Jahrhunderts und zwar nicht einen Hauptabschnitt in der 
Entwicklungsgeschichte ihrer 'Formenwelt, sondern eine Kunstweise, in welcher 
die auf Grundlagen griechisch-römischer Anschauungen aufgebaute Renaissance 
ausklingt in eine Entartung zum Naturalismus. Der Ausgangspunkt ist Italien, 
wo schon nach der Mitte des 16. Jahrhunderts sich eine freiere E,ichtung Bahn 
bricht, die im Zusammenhange steht mit dem Bestreben der Zeit, den alten Bann 
der Ueberlieferung zu sprengen und den Blick auf die unendliche Mannigfaltig- 
keit des wirklichen Lebens zu lenken. Die Architektur bringt das Wesen dieser 
Epoche dadurch zum Ausdruck, dass sie die früher knapp bemessenen Grund- 

Abb. 37. 




formen des Gesamtaufbaues allmählich auflöst und sich in Einzelheiten begibt, 
wodurch das Ganze in breiteren Linien an malerischer Wirkung gewinnt. Die 
Formensprache der Kleinkunst schliesst sich später dieser Richtung an, das 
Bereich des Flächenmusters erweitert sich dementsprechend. Im textilen Orna- 
ment bleibt für das Tapetenmuster Italiens zunächst noch das Motiv der 
Vase (s. d.) geltend (vgl. Abb. 37), welcher ein Blütenstrauss entsteigt. Auch 
die EinSchliessung dieser Mittelfigur in ein annähernd spitzovales Feld geschieht 
noch durch Blattwerk, welches Kronen verbinden; aber dem Ganzen fehlt doch 
der feste bestimmte Grundzug einer Flächenteilung der eigentlichen Benaissünce. 
Haltbarer im Zusammenhange erscheinen in der Zackenspitze (Abb. 38) durch 
die Technik der Klöppelarbeit dieselben Motive, welche übrigens auch in Spanien 
Eingang gefunden hatten; doch wie weit haben sich die Einzelheiten von ihrem 
ehemahgen ornamentalen Wert entfernt! (Vgl. den Artikel Kronen im Stoff- 
muster.) Das Motiv der Zackenspitze an sich wird wiederum aufgenommen zur 
Bildung lambrequinartiger Felder (Abb. 39), in demselben Stoff ist das Vasen- 



Barockstil, 



53 



Abb. 38. 




Abb. 39. 




54 



Barockstil. 



motiv an den Sträussen mit Vögeln , welche Borten bilden , kaum noch erkenn- 
bar, und so verflachen sich selbst in Italien die Muster, welche ehedem den 
feinsinnigsten Beobachtungen antiker Elemente ihre Entstehung verdanken. In 
Spanien vollzieht sich der Uebergang zum Naturalismus im Stoffmuster lang- 
samer. Die im ganzen strenger angelegte Pormenwelt, mehr oder weniger noch 
mit maurischen Elementen durchsetzt, lässt sich nicht so ohne weiteres in neue 
Bahnen lenken, wie die weicher behandelten italienischen Motive. (Vgl. Abb. 40.) 
Wenn auch die breit angelegten Flächen im Blattwerk und in den palmetten- 
förmigen Blüten dem malerischen Zuge der Zeit zu folgen scheinen, so zeigen 
die gewürfelten dicken herzförmigen Blätter und das Umschalten zwischen Grund 
und Muster in der AViedergabe der Zeichnung, wie man bei allem Streben barock 
zu erscheinen, doch noch am Alten hängt. Selbst die seitliche Begleitborte ver- 

Abb. 40. 




mag ihre alte arabische Herkunft nicht gänzlich abzustreifen. Schneller folgt 
die Handarbeit einer neuen Mustergebung , so dass z. B. die spanischen Platt- 
stichstickereien jener Zeit schon schwer von den italienischen und deutschen 
Arbeiten zu unterscheiden sind; nur ganz bestimmte technische Merkmale (vgL 
den Artikel Stickerei) können da den Ausschlag geben. D eutschland schliesst 
sich zunächst dem italienischen Charakter dieser Zeit an. Vortreffliche Muster 
jener Art finden sich in der Kanevas Stickerei (s. d.) , welche am Anfang des 
17. Jahrhunderts für grössere Schutzdecken, Stuhlkissen und -Bezüge gearbeitet 
wurden. Dem hier gegebenen Beispiel (vgl. Abb. 42) ist der Ausdruck der 
Zeit deutlich aufgeprägt. Den Bändern, welche die Felder bilden, ist eine 
dezente Schattierung gegeben: sie erinnern an das beliebte breite ßahmenwerk. 
Der palmettenartigen Füllung haftet nur noch weniges der B-enaissance an: breite 
Kelchformen und gerolltes Blattwerk geben ein selbständiges Motiv ab, das dem 
geteilten Grundstoff in jeder Weise angepasst ist. Frankreich macht sich in 



Barockstil. 



55 



dieser allgemeinen Bewegung der Barockzeit unabhängig. Unter Ludwig XIII. 
(1610 — 1643) fallen zwar italienische Einflüsse allgemeiner Art auf; indessen 
schlägt die Textilkunst bald andere Wege ein, welche zum vollständig freien 
Naturalismus führen, wozu die holländischen Verbindungen wesentlich beitrugen, 

Abb. 41. 







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Abb. 42. 




weil durch sie die Vermittelung exotischer Pflanzen möglich wird, deren Formen 
und Farbenreize derartig begeistern, dass mit ihrer Verwendung eine neue Art 
der Mustergebung für die Textilkunst einsetzt und auch in der späteren fort- 
schreitenden Entwickelung massgebend wird. (Vgl. den Artikel Ananas und 



f)ß Barr — Barroches. 



und Abb. 20.) Die Bezeichnung der Stilarten geschieht von dieser Epoche ab 
in Frankreich nach den regierenden Königen, so dass der sogen. Barockstil unter 
Louis Treize und Louis Quatorze (1643 — 1715) fällt. Yon grossem Einfluss für 
das allgemeine Ornament der Zeit wird die Tätigkeit der französichen Zeichner: 
Jean Lepautre (1618—1682), Le Brun (1619—1690), Jean Berain (1638—1711), 
Daniel Marot (1650—1712), Charles Boulle (1647—1732), doch bleibt das Ge- 
webemuster davon unberührt, vielmehr erstreckten sich deren Entwürfe nur auf 
Erzeugnisse der "Wirkerei und Stickerei grösserer Art , welche mit der Innen- 
dekoration im Zusammenhange stehen: wie der Grobelin mit Grotesken (s. d.) von 
Berain, grosse Decken mit Aufnäharbeit (s. Abb. 35) im sogen. Kurvenstil (s. d.) 
von Marot u. s. w. (Vgl. darüber auch die Artikel der Techniken im Einzelnen 
und den Artikel Frankreich.) 

Abbildungen: 

37. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Gewebte Seidentapete, Grund gelbgrüner Atlas, symmetrisches Muster blaugrüner Rips : 
hochstehende acanthusartige Blätter sind durch Kronen verbunden und bilden Felder, 
in welchen je eine gebuckelte Vase mit einem Strauss aus Blattwerk und Blüten ; da- 
zwischen Vögel. Italien Ende 17. Jahrh. 

38. Geklöppelte Zackenspitze nach einer Darstellung aus: Dr. M. Dreger, Ent- 
wickelungsgeschichte der Spitze, Wien 1901, Blatt 27. Das Muster besteht aus Vasen 
mit einem Blütenstrauss ; dazwischen Kronen. Italien oder Spanien 17. Jahrh. Original 
im K. K. Oesterreichischen Museum für Kunst und Industrie in Wieu. 

39. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Seidenbrokatgewebe, Grund grüner Rips, abgepasstes Muster gelblich weiss, leicht mit 
Silberlahn durchwirkt: Borten, abwechselnd mit lambrequinartigen Feldern aus breitem 
Blatt- und Blütenwerk und mit Blütensträussen und Vögeln am vasenartigen Unterteil ; 
dazwischen Borte mit Nelkenrosetten an welliger Ranke. Randborte aus gewebten 
Bogenf eidern. Italien 17. Jahrh. 

40. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: Ge- 
webte Seidentapete auf Baumwollkette (sogen. Brokatelle), Grund gelb, in Köper- 
bindung, symmetrisches Muster Atlas: Breites Blattwerk und Palmettenblüten sind in 
dichten Reihen geordnet ; innerhalb einzelner Formen ausgesparte Flächen mit ge- 
würfeltem Muster. Seitliche Abschlussborte, welche kennzeichnet, dass der Stoff als 
Tapete in einer Bahnbreite benutzt wurde, welche mit Holztäfelung abwechselte. Spanien 
Anfang 17. Jahrh. 

41. Plattstichstickerei nach einer Darstellung aus : Musterblätter für künstlerische 
Handarbeiten, Nr. 63. Illustrierte Frauen-Zeitung, Berlin 1895. XXII. Jahrg. Heft 13. 
Das Muster, auf grünem Seidengrunde in bunter loser Seide ausgeführt, besteht aus 
Blütenranken , welche symmetrisch geordnet in Bogenstellungen abgeschlossen sind. 
Spanien Ende 17. Jahrh. 

42. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Stickerei auf Kanevas in farbiger "Wolle und etwas Seide, Muster auf weissem Grunde 
aus Bändern, welche Felder bilden, in deren je eine palmettenartige Füllung aus Blatt- 
werk. Süddeutschland 17. Jahrh. 

Barr, Stadt in Elsass-Lothr. : Fabrik von Haarnetzen, Socken, Kunstwolle ; 
grosse Färbereien. 

Barrage, gemusterte Leinewand zu Tischzeug, welche in Frankreich 
gewebt wird. 

Barragones, dichter geköperter Baumwollenstoff, eine Art glatter Man- 
chester, mit ganz schmalen Streifen, welcher sowohl weiss gebleicht als schwarz 
gefärbt, zu Beinkleidern verbraucht wurde. Der Stoff wird heut nach Buckskin- 
mustern hauptsächlich in der sächsischen Lausitz und Böhmen unter dem Namen 
Hosenzeuge gemacht. 

Barrakan, (arab.) s. Berkan. '' 

Barrangan (Barakan, Bakeram); wollenes Gewebe, das im Mittelalter sehr 
gebräuchlich war und besonders gut in Regensburg hergestellt wurde. 

Barras, s. Packleinwand. 

Barroches, feine rohe Kattune, eine der besonderen Sorten ostindischer 
Baftas, welche die Engländer und Franzosen aus Surate nach Europa brachten ; 
sie haben ihren Namen von der Stadt Baroche oder Baroach. 



ßar-sur-Aube — ßastancini. 57 



Bar-SUr-Aube, Hauptstadt des Arrond. B. in der Champagne: Baum- 
wollenweberei; lebhafter Hanf- und Wollhandel. 

Bärteltuch, das dem ersten Scheren unterzogene Tuch. 

Barutine, Barutinseide, eine Art levantinischer Seide, die man von Barut 
über Smyrna und Said nach Livorno und Marseille bringt. Sie wird zu Trame 
und meistens in Tressenfabriken verarbeitet. 

Basane (franz.), ein pelzähnliches Gewebe. 

Basel, Hauptstadt des Halbkantons Basel-Stadt: seit Jahrhunderten eine 
der wichtigsten Eabrikstädte und die erste Handelstadt der Schweiz. Die 
Seidenbandweberei, welche seit etwa 200 Jahren fabrikmässig betrieben wird, 
beschäftigt in der Stadt allein 8000 Arbeiter und 1600 Stühle. Auch Seiden- 
spinnerei, -Zwirnerei und -Färberei werden betrieben. 

Basford, Stadt in der engl. Grafschaft Nottingham: Hauptplatz der 
Spitzen- und Strumpffabrikation aus Baumwolle ; Spinnerei und Bleicherei. 

Basin, Bazin, ein ganz aus Baumwollengarn mehrschäftig gewebter oder 
geköperter weisser Stoff, der dem sogen. Dimity ähnlich und entweder glatt 
oder mit kleinen schmalen Streifen, teils ohne Streifen und auf der einen Seite 
aufgekratzt, teils piqueartig wie Barchent gemustert ist. 

Basin royal, feiner weiss gestreifter Zwillich, ganz aus Leinengarn 
gefertigt, meist sächsisches Fabrikat. 

Basmas, dichter, feiner leinwandartiger Stoff aus der Türkei. 

Basra oder Bassora, jetzige Hauptstadt des asiat.-türk. Yilajets B., 
635 n. Chr. angelegt, um den Persern die Verbindung mit dem Meere ab- 
zuschneiden, sowie um einen Hafenort und Schlüssel zum Euphrat und Tigris 
zu gewinnen; gelangte als Handelsplatz indischer und arabischer Waren für die 
Kalifenstadt Bagdad zu grossem Wohlstande. B. wird als vielbesuchte Stätte 
für den Seidenverkehr im 7. und 8. Jahrhundert genannt: hier war es zuerst, 
dass gegen das deutlich ausgesprochene Verbot des Propheten ein Araber 
seidene Kleider anzulegen wagte. (Vgl. Karabacek. lieber einige Benen- 
nungen mittelalterlicher Gewebe, Wien 1882. S. 18.) 

Basselissestuhl, im weiteren Sinne ein Webstuhl mit nahezu horizontaler 
Kette, im Gegensatz zum Hautelissestuhl (s. d.), bei dem die Kette in vertikaler 
Richtung aufgespannt ist ; daher Basselisse- (niederschäftige) Weberei, im Gegen- 
satze zur Hautelisse- (hochschäftige) Weberei. Im engeren Sinne ein zur 
Herstellung von Teppichen, Gobelins und dergl. gebräuchlicher Webstuhl (s. Bild- 
wirkerei.) 

Bassinas, bassiaes, pelettes, tetelettes, heisst in Frankreich der Abfall 
beim Abhaspeln der Seide, der die innere pergamentartige Haut der abgehaspelten 
Kokons darstellt, woraus später die Florettseide gemacht wird; er kommt unter 
den Namen ricotti, wading, neri, Galletame, Basinetto u. s. w. in den Handel 
und wird von Italien, China und Japan geliefert. 

Bassines nennt man in Frankreich die Taffetbänder. 

Bast (franz.: liber; engl.: hast; ital.: libro; span. : librillo), Baumbast, 
die dünne und zähe Haut oder Schale der Bäume, welche sich zwischen dem 
Splint und der äusseren harten Hinde befindet. In Ostindien wird B. zu feinen 
Geweben benützt, nachdem man ihn wie Flachs geschlagen, geröstet und 
gesponnen hat. Diese Zeuge haben wegen des starken Glanzes der Bastfasern 
viel Aehnlichkeit mit der Seide; sie kommen, meistens braun und dunkelgelb 
gefärbt, auch mit Seidenfäden vermischt, unter verschiedenen Benennungen nach 
Europa ; die bekanntesten Arten sind Biambonnees , Cherquemolles , Foulas, 
Fontalonges, Nillas, Pinasses, Romais. B. heisst auch ein gestreiftes oder 
gewürfeltes Zeug, dessen Kette aus ungekochter Seide und dessen Einschlag 
aus Baumwolle besteht. Ausserdem kommt unter B. ein geköperter, sehr 
glanzreich appretierter Baumwollenstoff vor, auf dessen rechter Seite die Kette 
zu drei Vierteln über dem viel gröberen Einschlag frei liegt. 

Bastancini, feine und dünn gewebte, weiss gebleichte Leinen aus Böhmen 
und Schlesien, welche früher für den italienischen Handel gefertigt wurden: 
sie sind den klaren Schleiern ähnlich appretiert, steif gestärkt und gebläut. 



58 Bastard-Atlas — Batist. 



Bastard- Atlas ist fünfbindiger A. 

Bastarde oder Batarde, in Frankreich eine unechte Sorte der Yigogne- 
wolle. Die schwarze Wolle welche von Aleppo nach Marseille gebracht wird, 
führt denselben Namen. 

Bastard-Sammet, früher Bastersammet genannt, Mittelgattung des S., der 
feiner als Plüsch und gröber als kurzer S. ist. 

Bastband, in der Weberei ein bandförmiges Fadengebilde, das durch 
Zusammenkleben von baumwollenen, nach Art der Kettenfäden in der Weberei 
angeordneten Gespinstfäden gebildet ist; diese Fäden haften also nur durch 
ein Klebemittel zusammen, nicht durch Einscblagfäden. Das B. zum Zusammen- 
binden verwendet, ersetzt so die aus natüi-lichem Bast hergestellten Streifen, die 
Bindfäden und andere biegsame Gebilde. 

Bastseide, ostindische, s. Tussah. 

Bataloni, im levantiner Handel die in Xatolien gefertigten gemischten Ge- 
webe, deren Kette von Hanf-, der Schuss von Baumwollengarn ist; meistens 
sind sie hellblau gefärbt. 

Batavia oder Kasimir, gleichseitiger, zweiseitiger oder Doppelköper; er 
nimmt seinen Anfang bei dem Vierbinder und kann nur, da stets die Hälfte 
Kette und die Hälfte Schuss auf jeder Warenseite liegen muss, in allen geraden 
Zahlen als Bindung ausgeführt werden : die Webart findet in allen Stoffarten 
Anwendung und es gibt ausser dem glatten ungemusterten B. auch solchen mit 
Streumuster in Broschierung. 

Batik (malayisch), (Batek- oder Battik-Sarongs, Battik druck, Baktinieren), 
ein seit alter Zeit auf Java heimisches Verfahren , Baumwollen stoff zu 
mustern. Der Arbeiter träuft aus einem, etwa wie ein winziges Teekännchen 
geformten Instrument flüssiges Wachs nach Vorschrift der Patrone auf den 
weissen Stoff, welcher dann in die Farbenküpe kommt und die Farbe nur aut 
den ungedeckten Stellen annimmt; das Wachs wird hierauf ausgeschmolzen. 
Das Verfahren kann mehrmals ausgeführt werden, doch kommen in der E-egel 
nur die Farben Blau und Braun, in neuerer Zeit auch Orange, zur Anwendung. 
In neuester Zeit ist diese Technik durch Arts and Grafts, im Haag, weiter aus- 
gebildet worden. In den Werkstätten zu Apeldoorn werden B. in Seide, Sammet^ 
Baumwolle , Leder u. dgl. hergestellt. Man überträgt die Zeichnung auf den 
Stoff, gibt die Umrisse mit Wachs an, füllt die Teile, die ungefärbt bleiben 
sollen, in der alten Weise mit warmem Wachs und bringt den Stoff ins Farben- 
bad. Dieses Verfahren wird so oft wiederholt, bis alle gewünschten Farben an- 
gebracht sind. Zuletzt wird das Wachs durch eine Flüssigkeit entfernt. (Vgl. 
Houffaer u. Juynboll, die indische Batikkunst und ihre Geschichte. Haar- 
lem 1899.) 

Batist (franz. : batiste ; ital. und span. : battista ; engl. : cambric ; veralteter 
Name Kammertuch), (nach Einigen von dem indischen Wort Baftas (s. d.), nach 
Anderen von dem Namen des angeblichen Erfinders Baptiste Chambray, eines 
flandrischen Leinwebers im 13. Jahrhundert, herzuleiten), die feinste Leinwand, 
halb durchsichtig und doch dicht aus dem feinsten Flachsgarn (rame) gewebt^ 
das für die besten Sorten nur mit der Hand gesponnen wird aus Garnen des 
schönsten und längsten belgischen Flachses. Die Verarbeitung des möglichst 
fein und gleichmässig gesponnenen Garnes geschieht ungebleicht auf gewöhnlichen 
Leinwebstühlen. Es geschah früher in kühlen , feuchten ßäumen , um den 
Faden geschmeidig zu erhalten ; jetzt erreicht man jedoch durch Schlichten das 
gleiche Resultat mit Vermeidung jeder gesundheitschädlichen Wirkung. Man 
unterscheidet drei Arten von Batist: den klaren oder leicht gewebten (batiste 
claire), die zweite Sorte, fester geschlagen (demi claire) und von stärkerem 
Garn, die dritte Sorte (batiste hollande e) dicht und kernig gewebt, sodass 
die Fäden fest anschliessen. Eine verwandte Art ist die sogenannte Batist- 
leinwand, die durch stärkere Fäden und grössere Dichtheit den Uebergang 
zur gewöhnlichen Leinwand bildet. Seit Jahrhunderten wird die eigentliche 
Batistweberei in Frankreich und im heutigen Belgien betrieben. Den schönsten 
B. von ausserordentlicher Feinheit liefern noch heute die französischen Städte 



Batist ä libret — Baum als Stoifmuster. 59 



Arras, Bapaume, Cambrai, Lille, Peronne, St. Quentin, Troyes, Valenciennes, 
sowie die Provinz Brabant, besonders Nivelles ; indes hat der echte B. durch die 
zunehmende Fabrikation ähnlicher Gewebe in Baumwolle beträchtlich an Bedeu- 
tung verloren, während Batistleinwand grösseren Absatz findet und ausser in 
Frankreich und Belgien auch in England und Irland, Böhmen, Schlesien, Sachsen, 
und Westfalen (Bielefeld) hergestellt wird. Der schottische B. (Batistmusselin), 
so genannt, weil die Fabrikation desselben von Schottland ausging, ist ein feiner, 
batistartig gewebter BaumwollenstofP, jetzt vorzüglich in England, Frankreich, 
der Schweiz, in Böhmen und im sächsischen Vogtland erzeugt, der infolge der 
Gleichmässigkeit des Maschinengespinstes ein schöneres Aussehen als selbst der 
echte B. hat, weniger haltbar, aber auch weit wohlfeiler als dieser, daher sehr 
beliebt ist und als Kleiderstoff mit feinen Mustern bedruckt wird. 

Batist ä libret, s. Schleier. 

Batist Läppet, feines Baumwollengewebe, im Grunde mit Leinwand- 
bindung. Dasselbe wird mit Sticklade gemustert, d. h. es werden stärkere Fäden 
hin und her geführt und nach Plan des Musters in das Grundgewebe eingebunden. 

Batiststickereien als ausgenähte Nachahmungen von Pokokospitzen, wurden 
im Anfange des 18. Jahrhunderts im ganzen Norden Deutschlands, besonders in 
Dänemark, hergestellt und erhielten sich bis ins 19. Jahrhundert. In abweichen- 
den Mustern der Spitze enthalten sie auf dreieckigen Kopf- oder Nackentüchern 
die reizvollsten Blütenformen und Banken, welche für Gardinenweberei und son- 
stige transparente Füllungen gutes Material bieten. (Vgl. Abb. 43.) 

Abbildung: 

43. Batiststickerei nach einer Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Blatt 13, 
Leipzig 1896. Borte eines dreieckigen J^ackentuches, weiss in Weiss, z. T. durchbrochen 
gestickt. Deutschland Anfang des 18. Jahrhdts. Original: Königl. Kunstgewerbe- 
museum, Berlin. 

Batley, Fabrikstadt in der englischen Grafschaft York: Hauptsitz der 
Shoddymanufaktur und der Fabrikation grobwollener Stoffe. 

Batnas, dreifarbige Kattune aus Oesterreich; wahrscheinlich ist die Be- 
zeichnung aus Patnas, einer kalikoähnlichen Sorte Stoff, entstanden. 

Baubayna (lat.), alte Bezeichnung für eine Art Baumwollenstoff, vielleicht 
gleichbedeutend mit dem modernen Bombasin (s. d.). 

Bäuchen, Bücken, Bauchen, Buchen, das Abkochen leinener und baum- 
wollener Garne als vorbereitende Prozedur für das Bleichen in schwachen Laugen, 
Seifenlösungen, behufs Entfernung der Protein- und Eiweissstoffe, der Fette; 
überhaupt das Bleichen siedender Substanzen. 

Bauderoux, eine Art gemalter ostindischer Schnupftücher, welche die 
Franzosen früher nach Europa brachten. 

Bauernstickerei, s. Volkskunst. 

Bauge, Hauptstadt des Arrond. im franz. Depart. Maine- et-Loire. Woll- 
und Leinenfabrikation. 

Bauhiniafaser = Aptä, Bast der Stämme mehrerer ostindischer Bauhinia- 
arten, tief rotbraun, sehr fest und zähe, biegsam : Material für Seile, Taue, Netze 
und grobe Gewebe. 

Baum als Stoffmuster ist im frühen Mittelalter mit den ornamentalen 
Tierformen aus dem Altertum übernommen, wo die Assyrer das Motiv als Baum 
des Lebens schon künstlerisch verwertet haben. (Abb. 31.) Eine symbolische Be- 
deutung des heiligen Baumes liegt auch noch der Darstellung zugrunde in dem 
unter Nr. 44 abgebildeten runden Aufsatzstück eines koptischen Gewandes, worin 
nach christlicher Anschauung der Baum einer Aschenurne entsteigt, über welcher 
sich zwischen den Zweigen der auferstandene Genius erhebt. Die zu den Seiten 
der Vase (s. d.) stehenden Hirsche (vgl. den Artikel Tiere im Stoffmuster) 
dürften auch in Nachahmung orientalischer Vorbüder des 6. — 8. Jahrhunderts, 
aber im biblischen Sinne zu deuten sein. Die orientalisch-byzantinische Kunst 
des frühen Mittelalters fasst den Baum vollständig als Ornament auf, lässt ihn 
indessen noch in ganzer Darstellung hinter den grossen Tierfiguren, inmitten 



60 



Baum als Stoffmuster. 



Abb. 43. 



eines grossen Kreises oder frei dahinter aufwachsen: also wieder in ähnlicher 
Weise wie auf den uns erhaltenen assyrischen Reliefs (vgl. Abb. 27). In 
gleicher ornamentaler Darstellung erscheint der Baum als Mitte eines grossen 
Kreisfeldes auf frühmittelalterlichen Geweben des Orients oder solchen aus Byzanz, 

(vgl. die Abbildungen 4, 7 auf Tafel I, Abb. 2 auf 
Tafel II) und als gleichzeitige Nadelarbeit das kleine 
runde Aufsatzstück eines koptischen Gewandes (Tafel I, 
Abb. 2) ; ferner als Vorläufer dieser Muster die nach 
assyrischen Heliefs abgebildete Borte in Abb. 29. 
Schon als nebensächlicheres Motiv eirscheint der 
Baum auf den sassanidischen und byzantinischen 
Seidenstoffmustern mit den ileiterfiguren (s. d.) (in 
der Abb. 1 auf Tafel II, wo von ihm nur noch 
die als Palmette ausgebildete Spitze und die um- 
gestalteten Keimblätter des Fusses übrig geblieben 
sind. Beide Motive, namentlich die Palmette (s. d.) 
geben zu gleicher Zeit (vgl. Abb. 8 auf Tafel I) selb- 
ständige kleinere Stoffmuster ab. Der Baum in 
seiner ganzen Darstellung erscheint dann nur noch 
im früheren Mittelalter, in den sogenannten Regens- 
burger Stoffen (s. d.) des 10. — 12. Jahrhunderts, 
(vgl. Abb. 6 auf Tafel II) zu einer Zeit, wo er in 
Sizilien schon zu einem durchgehenden Blütenschaft 
umgebildet und in Abwechslang höchstens noch 
in spitzovale Felder als schlankes Baummotiv ein- 
gezwängt ist, wo ihm Papageien, Adler und Gazellen 
zur Seite stehen. (Vgl. Abb. 10 auf Tafel IL) Im 
13. Jahrhundert wird die Kunstweberei durch die 
Araber von Spanien über Sizilien (Palermo) nach 
Italien überführt und mit ihnen orientalische Muster, 
die unter dem Einfluss des Islam umgebildet sind. 
(Vgl. den Artikel Arabischer Stil.) Die Muster- 
gebung besteht aus Pflanzen- und 
Tierformen und dazwischen er- 
scheint das Baummotiv in reiz- 
vollster Stilisierung jener Zeit (vgl. 
Abb. 45). Da den Mustern dieser 
sogenannten arabisch - italienischen 
Periode eine gewisse symbolische 
Bedeutung im biblischen Sinne 
nicht abgesprochen werden kann, 
so wird man nicht fehlgehen, hier noch 
einmal der Darstellung des Baumes 
die ehemalige Bedeutung zuzuweisen. 
(Vgl. den Artikel Weberei im 
Mittelalter.) Ob dann schliesslich 
auch in den Stoffmustern der Re- 
naissance (s. d.) mit dem beliebten 
Vasen- und Blütenstraussmotiv noch 
ein entfernter Nachläufer des der 
antiken Urne entsteigenden Baumes 
zu erblicken ist, wird schwerlich 
nachzuweisen sein. In neuerer Zeit 
hat von England aus (durch 
Walter Grane u. a.) das Baummotiv als Flächendekoration glückliche Ver- 
wendung gefunden, das im Sinne desjenigen auf den persischen und türkischen 
Stoffen und Stickereien des 17. und 18. Jahrhunderts (s. d.) rein ornamental 
behandelt ist. 




Baum als Stoffmuster. 



61 



Abb. 44. 




Abb. 45. 




52 Bäumchenmuster — Baumwolle. 

Abbildungen: 

44. üriginalaufDabme aus dem Kunstgewerbemuseum in Leipzig: Rundes Auf- 
satzstück eines Gewandes , gobelinartige Stopfarbeit in farbiger Wolle (vorwiegend 
dunkel violett) mit etwas Stickerei in feinen weissen Fäden; Muster: Einer gebuckelten 
urnenförmigen Yase, der zur Seite ein Paar von Hirschen steht, entsteigt in breiter 
Entwickelung ein Baum, zwischen welchem sich ein Grenius erhebt. Aus einem kopti- 
schen Grabe. 5. — 7. Jahrh. 

45. Brokatgewebe nach einer Darstellung aus: Paul Schulze, Ueber Gewebe- 
muster früherer Jahrhunderte, Leipzig 1893, S. 35. Grund schwarze Seide, Muster 
Gold: Ein Adler, als Symbol götthcher Macht, führt in einem Nachen auf Wellen mit 
Ente und Schwänen das Ruder, vor ihm sitzt, an der Kette gefesselt, «in Hund (Ver- 
sinnbildlichung der menschlichen Seele). Hinter dem Xachen steigt ein Baum mit 
reicher Palmettenbekrönung auf, dem auch Granatapfelzweige (Symbol der Liebe) er- 
wachsen. Originale in den Sammlungen des Königl. Kunstgewerbemuseums Berlin, 
■der Königl. Gewebesammlung in Krefeld u. a. a. 0. Arabisch-Italienisch 14. Jahrh. 

Bäumchenmuster, moderne Bezeichnung für die auf Leinenstickereien 
vorkommenden Abschlüsse und äusseren Begleitbörtchen in Gestalt von aufrecht 
oder schräg stehenden kleinen stilisierten einzelnen Blüten. (Vgl. Abb. 25.) 
in gleicher Weise bezeichnet man die freiliegenden kleinen geklöppelten oder ge- 
nähten Zacken in Form von Pflänzchen als Bäumchenspitze. 

Bäumenheim, Dorf in Bayern: Elachs-, Hanf-, Werg- und Baumwoll- 
spinnerei und -Weberei. 

Baumhaar, vegetabilisches Hosshaar = Caragatas. 

Bäummaschinen, am Webstuhl in Gestellen lagernde grosse Holzwalzen 
oder hohle Eisenwalzen, auf welche vom Färben, Appretieren u. s. w. unmittelbar 
kommende Gewebe aufgewickelt werden. 

Baumontiafaser, s. Gespinstfasern. 

Baumseide, Bohmsiede, Boomsiede, starkes und dichtes, aus Baumwolle 
und Wolle gewebtes Zeug, welches früher sehr im Gange war, jetzt aber nur 
im Westfälischen in geringem Masse verfertigt wird. Der StofP wurde zur 
Arbeiterkleidung verwendet. 

Bäumstuhl, wird zum Aufbäumen der Kette bei Webstühlen mit Jacquard- 
vorrichtung benutzt. 

Baumwollblau, Neublau, Meldolas Blau: blauer, den Oxazinen angehören- 
der Teerfarbstoff für vorgebeizte Baumwolle. 

BaumwollcopS, durch den Selfactor gelieferte Baumwollgarne. 

Baumwolldruck, s. Zeugdruck. 

Baumwolle (franz. : coton ; engl. : cotton) , besteht aus den Samenhaaren 
der Fruchtkapsel verschiedener zur Familie der Malvaceen gehörigen Gossy- 
piumarten, welche zur Spinnfaser Verwendung finden (s. a. Gespinstfasern). Die 
Grundformen der Baumwollpflanzen sind: Gossypium herbaceum : die krautartige 
(vgl. Abb. 46), und Gossypium arboreum: die strauch- oder baumartige. Beide 
wachsen im tropischen Asien, Ostindien und Afrika wild, während eine dritte 
Sorte, Gossypium barbedense, als in Amerika heimisch betrachtet werden muss; 
eine besondere Art ist die Gossypium religiosum, die namentlich in China und 
Ostindien gebaut und deren rötlichgelbe Faser zu den echten Nankingstoffen ver- 
arbeitet wird. 

Das Einsammeln der Fruchtkapseln erfordert grosse Aufmerksamkeit 
und eine grosse Zahl von Arbeitern, da ihr Aufspringen an verschiedenen Tagen 
der Erntezeit erfolgt und ein längeres Verweilen der Wolle in den aufgesprungenen 
Kapseln derselben schädlich ist. Die rohe Baumwolle wird einige Tage der 
Sonne ausgesetzt und dann mittels besonderer Maschinen egreniert, d. h. von 
den Samenkernen befreit. Von der bei dem Egrenieren (s. d.) angewendeten Soi^gfalt 
hängt es ab, ob man reine, unreine oder ganz minderwertige Sorten von Baum- 
wolle erzielt. Nachdem die Baumwolle dann noch nach Farbe und Feinheit 
sortiert worden ist, wird sie handelsmässig verpackt: gewöhnlich durch Zusammen- 
pressen stark verdichtet und in Ballen zusammengeschnürt, in Nordamerika in Band- 
eisen gelegt, verschiedentlich auch in Säcke aus Jute, Hanf oder Haartuch genäht. 

Die Güte der sehr vers chiedenen Handel s Sorten von Baum- 



Baumwolle, nord-, südamerikanische. 63 

wolle riclitet sich nach der Länge der Faser (lang- oder kurzstaplig), Feinheit 
(geringer Faser querschnitt), Farbe, Festigkeit, Weichheit und dem Glanz ; auch 
kommt hierbei in Betracht, ob die Faser frei von Knötchen (Finnen) ist. Be- 
züglich der Farbe sind die farblosesten Sorten die geschätztesten , dann folgen 
die bläulichen, rötlichen und zuletzt die gelblichen und bräunlichen. 

Die Einteilung der Handelssorten geschieht zunächst nach der 
Herkunft des Produktes , alsdann werden sie nach ihrer aus obigen Merkmalen 
beurteilten Güte in mehrere Klassen oder Marken eingeteilt; in England unter- 
scheidet man gewöhnlich: fine, good, good fair, middling fair, good middling, 
good ordinary, ordinary, inferior. Hamburg bezeichnet: A, AB, B, BC, C, 
CD, D, DE, E, EF. (lieber weitere Einteilungen siehe den Artikel Garnsorten.) 

Im allgemeinen teilt man die im europäischen Handel vorkommenden 
Baumwollsorten wie folgt ein: 

Nordamerikanische Baumwollen: 

Sea Island oder Georgia, an den Küsten des Staates Georgien und auf den 
benachbarten Inseln St. Simon und Cumberland erbaut; man teilt sie in feine, mittlere 
und geringere, oder in lange und kurze. Von Ansehen weiss, mit einem Schimmer 
in Gelb fallend; Haar lang:, zart, kräftig und glänzend, finnenfrei, liegt in lockeren 
Flöckchen. Eine Sorte dieser Art fällt ins Kostgelbe , sie wird fleckig genannt. 
Faserlänge: 35 — 42 mm, 

Louisiana, Stapelplatz Neu Orleans ; man unterscheidet nach Prima-, Sekunda- 
und Terza-Qualität , kommt nach der Sea Island. Haar zart , kräftig , finnenfrei, 
glänzend, bläulichweiss. Die Prima frei von Schalen und Samen, die anderen Quali- 
täten sind unreiner, oft finnig und weich. Faserlänge: 21—28 mm, die gewöhn- 
liche 18 — 25 mm. 

Alabama, oder auch nach dem Verschiffungsplatz Mobile genannt, ist von 
gleicher Güte als Louisiana; gewöhnlich aber schmutziger und mit Samenkörnern 
vermischt, deshalb auch immer um 10 "/o wohlfeiler als diese. Haar in grossen Vliessen 
glänzend weiss. Faserlänge : 16 — 22 mm. 

Tenessee, ihre Ausfuhr findet statt über Mobile- und über New Orleans ; sie hat 
ein trockenes und starkes Haar, das auch oft finnig, weiss, zuweilen graublau, matt, 
und im Angriff wergig ist. Vieles davon bleibt im Lande und wird zu geringen 
Stoffen verarbeitet. Faserlänge: 16 — 22 mm. 

Georgia, Carolina, Upland sind gleiche Sorten; Stapelplatz Savannah, werden 
in Prima-, Sekunda-, Terza- und Quartaqualität eingeteilt; die Prima, welche man 
zum Unterschied von Sea Island auch Upland oder lange Georgia nennt, hat einen 
sehr feinen, weissen und langen Flaum, der, obwohl nicht so zart und glänzend wie 
Louisiana, bei guter Ware doch kräftig und finnenfrei ist. Die zweite bis vierte 
Qualität kommen auch unter dem Namen kurze Georgia oder Bowed vor und sind 
um 20 7o wohlfeiler als die ersten , weil sie durch Schlagen gelitten haben , leicht, 
schwach und meistens unrein geworden sind. Faserlänge : 16 — 22 mm, 

Virginia ist der Georgia ähnlich; das Haar ist aber ungleicher, doch kräftig: 
es liegt in grossen Flauschen locker beisammen. Faserlänge: 16 — 22 cm. 

Molinos kommt aus Mexiko, enthält dunkle Flocken und ist finnig. Faserlänge : 
18—25 mm. 

Ausserdem gibt es noch Baumwollen aus Mississippi (gute Sorte) , Arkansas 
(ziemlich gut), Missouri (ziemlich gut), Kentucky (mittelmässig), Texas gut mittel). 
Alle diese Sorten werden über Neu Orleans ausgeführt und gehen unter dem Namen 
von Mobile oder Tennessee. 

Südamerikanische Baumwollen: 

Fernambuk oder Pernambuk hat ein feines, weiches und langes Haar, ist rein 
und liegt in grossen , festzusammenhäno^enden Vliessen. Die Farbe ist durchweg 
mattglänzend. Sie wird zu den feinsten Zeugen verarbeitet und unter allen anderen 
Baumwollensorten am teuersten bezahlt. Faserlänge: 28 — 30 mm. 

Ceara oder Siara ist der ebengenannten Art (in runden Ballen) beinahe 
gleich, doch gibt es auch hiervon eine zweite am meisten vorkommende Sorte, deren 
Flaum kürzer und stärker ist. Faserlänge : 21 — 27 mm. 

Bahia, das Haar ist fein, lang und weich, allein nicht so weiss wie Fernambuk 
und -oft mit unreifen Flocken vermischt; ihr charakteristisches Kennzeichen ist das 



64 Baumwolle, südamerikanische. 

Vorkommen von Schalen und Samen , der entweder einzeln oder in zwei Reihen 
erscheint, die aus 6 — 10 Körnern bestehen, welche fest zusammengewachsen sind. 
Faserlänge : 27 — 36 mm. 

Alagoas, aus der Provinz gleichen Namens, weissgelb wie Fernambuk, aber 
nicht so rein. Faserlänge 20 — 38 mm. 

Maranham oder Maragnon kommt in drei verschiedenen Sorteu vor, deren 
erste der Bahia gleich ist, die zweite und dritte Qualität ist schmutzig und meistens 
mit solchen Flecken vermischt, deren Kapseln auf dem Strauch nicht aufplatzten und 
welche unreif abgenommen wurden, weshalb sie bei der Verarbeitung viel Abgang gibt. 

Minas novas kann wie Bahia verwendet werden; Haar lang, zart und seiden- 
artig, liegt in kleinen Flauschen zusammen, ist aber unrein und mit unreifen Flöckchen 
vermengt. Faserlänge; 21 — 27 mm. 

Sertaro, im allgemeinen wie Minas novas: das Haar ist schmutzigweiss, ver- 
mengt mit unreifen Stellen, Schalen und zusammengewachsenem Samen. Faser- 
länge: 21 — 27 mm. 

Minas geraes ist geringer als die vorigen Sorten; das Haar ist zwar lang, 
aber stark und hart, und die Farbe ungleich blassgelb mit dunklen Flammen und 
matten Stellen. Faserlänge: 21 — 27 mm. 

Rio Janeiro ist sehr unrein, gewöhnlich mit gelben Flecken und Samenkörnern 
vermischt; das Haar ist stark und grob; doch gibt es noch eine bessere Sorte, 
welche gleichmässig und frei von Schalen ist. 

Para ist glänzend weiss, etwas gelblich, gut im Haar, aber sehr unrein und 
nicht so gut anwendbar wie Bahia. Faserlänge: 21—27 mm. 

Magaio oder Mageio, wie Para: das Haar liegt nur in grösseren Flauschen. 
Faserlänge : 21 — 27 mm. 

Parahyba verhält sich ähnlich wie Minas geraes. 

Guianabaumwolle wird fast mit gleicher Sorgfalt geerntet als in Nordamerika, 
und wenn sie auch im Haar den brasilianischen Sorten nachsteht, so wird sie wegen 
ihrer Reinheit sehr geschätzt. Sorten sind : 

Surinam, kommt in geschlagenem oder ungeschlagenem Zustande. Im ersteren 
besteht sie in grossen Vliessen und ist ganz rein , in letzterem in kleinen Flocken 
und unrein ; das Haar ist glänzend, weiss, kräftig, aber nicht so fein als Fernambuk. 
Faserlänge: 25 — 30 mm. 

Newkerry oder Nikerie (niederländische Kolonie) von Surinam. Ansehen 
blassgelb, das Haar in kleinen Flauschen weich glänzend ohne Finnen, nicht ganz 
rein, ziemlich im Wert wie Surinam. Es kommen auch schlechte Sorten vor, welche 
grob, wergig und sehr unrein sind. 

Demerary (englische Kolonie), je nach ihrer Qualität geschätzt; die beste wird 
über Pernambuko gestellt , die schlechteste unter Newkerry ; ihr Haar ist zart und 
kräftig, es liegt locker. Faserlänge: 25 — 30 mm. 

Berbioe (englische Kolonie), verhält sich der Demerary sehr ähnlich, aber nicht 
so lang und rein im Haar, daher sie unter Demerary zu setzen ist. Faserlänge: 
20—25 mm. 

Essecebo (englische Kolonie), wertloser als Demerary und Berbice, weil sie 
weniger zart und lang ist. 

Cayenne (französische Kolonie), die schlechteste Guineasorte, ungleich kurz und 
lang, wenn auch im Haar kräftig und weich. Mit ganzen und zerquetschten Samen- 
körnern vermengt, welches letztere natürlich für die Spinner eine sehr üble Eigen- 
schaft ist. Faserlänge: 20 — 25 mm. 

Columbische Sorten sind die im Norden von Südamerika erzeugten: 

Varinas (Provinz Apura), ähnlich der Surinam: blassgelb, rein, aber im Haar 
kurz und hart; steht unter Sertaro. 

Barcelona, schmutzig weiss mit gelbem Scheine, höchst unrein; der Abgang 
beim Verspinnen beträgt 20 — 30 7o- ^^^ Haar wie Minas novas. 

Porto-Cavallo oder Porto-Cabello, wie Barcelona, doch härter im Haar; eine 
andere Gattung ist geschlagen, daher rein, aber sehr ungleich im Haar und finnig. 

Caracas, Laguayra, Valencia, Cumana und Injira sind von gleicher Beschaffenheit: 
höchst unrein, so dass die Abgangsprozente zwischen 20 — 50 7o wechseln. / 

Carthagena oder St. Martha. Erstere kennzeichnet sich durch einzelne lange, 
fest zusammenhängende Lunte , sie ist mattglänzend , gelblichweiss , hart , kurz und 
lang im Haar, ungleich und unrein; steht unter der schlechtesten nordamerikanischen. 
Die zweite Sorte ist mattglänzend, schmutzigweiss, hat schönes Haar in Flauschen, 
aber höchst unrein und finnig. Beim Spinnen Abgang bis zu 20 7o- 

Peruanische Sorten: Lima, weissgraues Haar, kurz und lang, hart, unrein; 
nicht mehr wert wie Carthagena. 



Baumwolle, west-, ostindische. 65 

Payta oder Paita, kennzeichnet sich durch dünne, zusammengeschlagene Tliesse, 
der Abgang beträgt 20 7o- ^^^ Haar schmutzig weiss, kräftig, aber hart und liegt 
fest zusammen. Sie ist nur zu groben Gespinsten verwendbar und wird in England 
und Frankreich mit Wolle zusammen versponnen. 

Piara oder Piuara ist gleichartig blassgelb, ziemlich rein und gleich lang, doch 
grob im Haar. 

Cariaco, weiss, lang und glänzend, gleicht der Surinam. 
- Orinoco wie Cariaco, doch gelblich. 

Cumana ist fein und lang, hat aber viel Abgang. 

Peru, schön, zart und lang, wird der ßahia gleich geschätzt. 

Westindische Baumwollen 

haben ein langes, zartes, kräftiges und finnenfreies Haar, was sie über die nördlich- 
südamerikanischen und südlich-nordamerikanischen mit Ausnahme von Sea Island 
stellt. Leider wird auf ihre Ernte und ßeinigung wenig Sorgfalt verwendet; daher 
stehen sie im Verhältnis zur Schönheit ihres Haares unter dem Preise. Die Haupt- 
arten sind : 

Domingo, ungeschlagen von blassweissgelber Farbe; bei guter Qualität wird 
sie einer Prima-Georgia vorgezogen. Die beste Sorte heisst smal seed und wächst 
in Gonare und Artibonite. Faserlänge : 25 — 30 mm. 

Portorico, der Domingo ähnlich, aber reiner. Eine zweite Sorte unter dem 
Namen Guayanilla ist von schönem Haar und steht in der Regel ziemlich mit Minas 
novas in einem Range. 

Cuba wird in Prima und Sekunda geteilt: erstere blassgelb, gemischt, stark 
im Faden, letztere sehr unrein und unansehnlich. Ist mit Porto-Cabello in Vergleich 
zu stellen. Faserlänge: 24 — 28 mm. 

St. Martin, blassgelb, lang und zart, aber sehr unrein. 

Curassao, wie St. Martin, aber im Haar hart und gemischt; nicht soviel wert 
wie Domingo. 

Jamaica, ungeschlagen, daher etwas unrein; Haar lang und zart, aber schmutzig 
gelb, doch ist sie wertvoll, weil sie sich gut spinnt. Die englischen Pflanzer be- 
zeichnen zuweilen Arten hiervon als green seed, coton und shrub coton, von denen 
die erste die beste ist; eine andere Sorte ist die Common Jamaica von untergeordneter 
Beschaffenheit. 

Barbadoes, gleicht der Guayanilla, doch merklich unreiner. 

Grenada, wie Barbadoes, doch mehr mit dunkelgelben Flammen unterbrochen, 
daher wertloser. 

Trinidad, wie Barbadoes, das Haar aber zart und kräftig und gleichartiger als 
Domingo. 

Tortola und Montserrat wie Trinidad. 

Cariacou, von kurzem und langem Haar, hart, sehr unrein und noch schlechter 
als Curassao. Die bessere Sorte geht nach England. 

St. Vincent, ähnelt in jeder Beziehung der Cariacou. Faserlänge: 24 — 28 mm. 

Bahama, Erzeugnis der lucayischen Inseln, zwar weiss und lang, aber hart und 
trocken und sehr unrein. 

Barthelemy, die beste der westindischen Wollen. Das Haar ist lang und 
seidenweich und spielt ins Rötliche. Die ganze Ernte erhält Schweden. 

Ostindische Baumwollen 

stehen den amerikanischen an Güte im allgemeinen nach ; für den deutschen Handel 
sind die wichtigsten: 

Bengalische, zur Ausfuhr über Kalkutta. Die geringste Sorte ist matt weiss- 
gelblich, kurz und trocken im Haar, eignet sich daher nicht für Maschinenspinnerei. 
Man unterscheidet im Ausfuhrorte vier Qualitäten : Panda, Jallona, Faria und Cat- 
chowra; die schlechteste letzte kommt zum Versand nach China. Auf europäischen 
Bezugsplätzen unterscheidet man sie in ord., gut ord., f. ord., mittel, gut m., f. m., 
f. und Prima. Diese Ordnung bezieht sich nicht auf inneren Gehalt, sondern auf 
äusseres Ansehen und Reinheit. Faserlänge 6 — 16 mm. 

Madras oder Tinevelly, wie Bengal, aber gleicher und reiner; kann jedoch 
nur zu Matten und Dochtgarn gebraucht werden. Ihre Qualitäten sind f., ord., mittel 
und fein. Faserlänge: 12 — 20 mm. 

Western, schmutzig gelb, Haar kurz, aber noch weich und kräftig. Quali- 
täten: ord,, gut ord., f. ord. Faserlänge 12 — 20 mm. 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. S 



ßQ Baumwolle, persische, von China, der Türkei und Griechenland. 

. ^ 

Surate oder Bombay ist im Haar wesentlich von Madras und Bengal ver- 
schieden ; es ist länger, zarter und liegt in lockeren Flöckchen und Flauschen. Diese 
Baumwolle ist daher auf Maschinen spinnbar. Die Farbe ist leicht graugelbweiss. 
Ihre Primaware wird in England Toomel genannt, ist frei von allem Laub und 
Samen : sie wird daher vorzugsweise zu Dochtgarn verwendet. Eine gute Surate 
muss in Flauschen zusammenliegen und nicht in einzelnen langen Fäden bestehen. 
Das beigemischte Laub muss orangegelb und nicht schwarz aussehen und die Samen- 
körner dürfen nicht mit der Wolle verbunden sein. Diese Eigenschaften haben sämtlch 
Bezug auf Verminderung des Abgangs beim Spinnen. 

Manila, Haar glänzend weiss, aber kurzlang, zart und warzig, zwar ganz rein, 
aber nicht ohne unreife Flöckchen, daher in der Regel nicht mehr wert als Georgia. 

Nanquinbaumwolle oder Bhangulpore (vom krautartigen Gossypium rehgiosum), 
ist hellbraun oder bräunlich gelb, das Haar ist stark, spröde und trocken; man 
kulti\Tert sie am meisten in China und Ostindien und verfertigt daraus Xanquin. 

Siam, in zwei Sorten gewonnen : weisse und rötliche ; beide haben ein schönes, 
langes , seidenartiges Haar , das sich leicht verspinnen lässt. Man verarbeitet sie 
grösstenteils im Lande selbst und nur "Weniges kommt nach England. 

Persische Baumwolle 

ist sehr fein, glänzend w^eiss und weich; sie kommt der langen Georgia am nächsten. 
Das Meiste davon wird in Persien selbst verbraucht und als Zeug in den benachbarten 
Ländern verkauft. Russland erhält etwas Weniges roh über Astrachan und Orenburg. 
Faserlänge: 15 — 20 mm. 

China-Baumwolle 

kommt in drei Arten vor: rötliche, gelbe und weisse, welche sämtlich ein feines, jedoch 
kurzes und trockenes Haar haben. Nach Europa kommt davon gar nichts, denn so 
bedeutend auch die Kultur der B. in China ist, so kann das Erzeugte doch nicht 
für den Verbrauch im Lande selbst hinreichen und es werden noch jährlich grosse 
Mengen von Madras, Kalkutta, Manila und Nordamerika nach Canton gebracht. 
Faserlänge der ziemlich reinen: 20 — 27 mm, der unreinen 17 — 22 mm. 

Baumwollen der Türkei und Griechenland 

sind schon seit längerer Zeit durch die w^ohlfeileren und besseren ostindischen und 
amerikanischen Gattungen etwas vom europäischen Markte verdrängt. Der Anbau 
ist infolgedessen sehr beschränkt worden. Die im Handel noch vorkommenden 
Sorten sind: 

Alta-Sabugia, die vorzüglichste Sorte, welche in Natolien gebaut und über 
SmjTna ausgeführt wird. Sie ist weiss , glänzend , ganz rein im Haar , das ebenso 
lang, aber härter wie das der Georgia ist. Faserlänge 20 — 25 mm. 

Uso-Sabugia, wie die erstere, aber ungleicher und härter von Haar. Faser- 
länge 16 — 20 mm. 

Kirkagatsch, wie erstere, aber matt grauweiss, kurz und lang, hart und nur 
mit einer Prima Madras gleichzustellen. Faserlänge 15 — 18 mm. 

Cassaba wie Kirkagatsch, zuweilen weicher im Haar. 

Adena aus Karamien, wie Cassaba, aber weicher. 

Salona aus Rumelien, weissgelblich, lang, zart und kräftig ; da sie aber laubig 
und filzig ist, so steht sie hinter der Alta-Sabugia zurück. 

Kassaba, Kirkagatsch und Arar kommen auch unter dem Namen Natolia vor. 

Ehmich oder Kinik und Baindir, beide sind im Flaum der Cassaba gleich, 
jedoch unreiner und deshalb wohlfeiler. 

Gallipoli- oder Seewolle ; unter diesem Namen verkauft man allgemein die auf 
den Inseln des Archipels gebaute Baumwolle, welche der Kirkagatsch gleichkommt. 

Smyrnlsche, gemeine oder commune und Magnesia-, beide sind unreiner als 
Cassaba und daher wohlfeiler als diese. 

Acri, Aleppo, Said, Alexandrette sind die Namen der syrischen Baumwollen, 
die sehr schön weiss und feinhaarig ausfallen; man unterscheidet Prima-, Sekiinda- 
und Tertiaqualität. 

Cyprische Baumwolle war früher die schönste und gesuchteste Wolle der 
ganzen Levante, allein sie hat an Güte sehr verloren, wie sich auch der Anbau sehr 
vermindert hat; denn als die Venetianer im Besitz der Insel waren (15. Jahrb.), wurden 
30 000 Ballen ausgeführt, jetzt beträgt die ganze Ausfuhr jährlich nicht mehr als 
1000 Ballen. Auf der Insel unterscheidet man die an Bächen und Flüssen gebauten 
Baumwollen von der auf trockenen, bergigen Gegenden gepflanzten und gibt der 



Baumwolle, ägyptische, europäische. 67 



ersteren den Vorzug; im Handel teilt man sie in Fior oder Prior, welches die beste 
ist und der Sabugia gleich geachtet wird, in Prima-, Sekunda- und Tertiaqualität; 
die Prima heisst auch buon mercantile; die Sekunda heisst passabile und die Tertia 
commune. Die cyprische Baumwolle ist im allgemeinen länger und weicher als die 
smyrnischen Sorten, aber unreiner und nicht so weiss, sondern ins Bötliche fallend. 
Faserlänge 15 — 18 mm. 

Tschesma ist die reinste und beste von sogen, macedonischen "Wollen, weil 
sie aus der Mitte der Kapsel genommen und mit Sorgfalt gereinigt ist. 

Uxur, Uschur, gehört auch zu den besten maced. Sorten, es ist die sogen. 
Zehntwolle, welche die Beamten aus den Vorräten der Bauern gleich nach der Ernte 
aussuchen lassen und für Rechnung der Begierung verkaufen. 

Salonica oder Saloniki ist von gleicher Qualität wie Uxur. Faserlänge: 
16—20 mm. 

Tricala ist eine vorzüglich schöne und gut gereinigte Sorte. 

Cantar heisst die B. , welche auf den Feldern der Agas gewonnen und auf 
deren Anbau und Reinigung mehr Fleiss verwendet wird, als bei der auf den Feldern 
der Bauern. Im Handel wird sie „Primat Qual" genannt. 

Taxili ist der Name der B., welche von den Dörfern für Strafgelder oder 
rückständige Abgaben in die öffentlichen Magazine abgeliefert werden muss ; sie ist 
geringer als Cantar und lässt sich nicht höher als bis Nr. 30 verspinnen. 

Cira ist der Name aller übrigen B. , welche nicht zu den obigen Sorten 
gehört , die Qualität ist gering und man kann sie nur zu niedrigen Nummern ver- 
spinnen. 

Morea ist eine schöne Baumwolle, w^elche glänzend weiss, fein und rein und 
der Sabugia gleichgeschätzt werden kann. 

Aegyptische Baumwollen : 

Alexandria oder ordinäre ägyptische ; sie ist von kurzem Stapel, der gewöhnlichen 
aus Smyrna ähnlich, jedoch unreiner und schmutziger als diese, die wohlfeilste aller 
levantischen Baumwollen. Man unterscheidet fior oder prima, mitteilgut oder secunda 
und ordinär assortiert. Der Anbau dieser Gattung wird von Jahr zu Jahr ein- 
geschränkt. 

Maco oder Jumel, wurde 1820 von dem Franzosen Jumel angebaut und bildet 
seitdem einen bedeutenden Ausfuhrartikel ; sie ist aus Fernambuksamen gezogen. Das 
Haar ist zwar hart und kräftig, aber kurzlang, finnig, selten frei von dunkelgelben 
Flöckchen und Laub und deshalb der Fernambuk keineswegs ähnlich. Sie wird daher 
nicht nach Qualität geschätzt, zumal die aus ihr gefertigten Gewebe erst gebleicht 
werden müssen, ehe sie gefärbt werden können, weil sonst die Ware sich nicht 
gleichmässig ausfärbt. 

Sea Island mako, setalunga, ist besser aber lange nicht so gut wie Sea Island, 
da sie unrein und nicht ohne Finnen ist. Die Ernte ist im September und Oktober 
und man bringt sie im November und Dezember zu Markte. Der Vizekönig hat 
davon den Alleinhandel und bestimmt den Preis frei ab Kairo. 

Europäische Baumwollen: 

Die Kultur der krautartigen Baumwollstaude (Gossypium herbaceum) ist zu 
verschiedenen Zeiten in Italien, Sizilien, Spanien, im südl. Frankreich, in Kärnten 
und im österreichischen Kronlande (Banate) versucht worden. Ausser in Italien 
und Spanien haben diese Versuche jedoch keinen bleibenden Erfolg gehabt. Im 
allgemeinen liefert auch hier ein sandiger, trockener Boden eine bessere Qualität 
als ein gutes, fettes Erdreich. Folgende Gattungen kommen im Handel vor: 

Spanische, als: Motril, Sevilla, Grenada: diese Sorten sind sämtlich fein, 
schmutziggelb, weich und lang. Sie werden den südamerikanischen gleichgeschätzt. 

Neapolitanische. Von dieser gibt es verschiedene Gattungen, die besten sind 
Castellamare und Deliatorre, welche ein feines, weisses Haar haben, doch ist es 
ungleich und kraftlos und steht daher der Georgia nach. Die Puglieser, welche in 
der Gegend von Bari und Lecce erbaut wird, ist geringer, weil auf ihre Kultur und 
Reinigung nicht soviel Fleiss verwandt wird als bei den ersteren. Die Calabresische 
und die blassrote von Tarent sind die geringsten und werden der gewöhnlichen 
Salona gleichgeachtet. Sie gehen grösstenteils nach der Schweiz und nach Frank- 
reich ; eine gewisse Menge verarbeiten die Einwohner selbst. 

Sizilianische, unter den besonderen Namen Bianca villa, IVIodica und Terra 
mova vorkommend; auf der Insel verkauft man sie unrein (lordo), wie sie aus der 
Kapsel kommt und noch nicht von dem Samen gereinigt ist, oder gereinigt (maga- 



68 



Baum\Yol]e, Ersatzmittel. 



lugio), d. h. von den Samenkörnern gesäubert und in Bündel geschlagen, oder fein 
ausgesucht (fior di roba i , welche aus der IMitte der Kapseln genommen wird. Die 
erstere verbrauchen die Einwohner; die beiden letzteren haben einen feinen, langen, 
weichen, etwas gelblichen Elaum. 

Malta liefert eine gelbliche und eine weisse Wolle ; beide haben einen feinen, 
langen und weichen Elaum, welcher die schönsten Garne liefert. Es kommt davon 
nichts zur Ausfuhr, denn die Malteser verspinnen Alles, was sie erbauen, selbst und 
verkaufen ihre Garne in Triest und Livorno. 



Afrika liefert mit Ausnahme der ägyptischen so gut wie keine Baumwolle 
zur Ausfuhr. Man kennt die hochgelbe vom Whida und die vom Senegal. An der 
Westküste wächst sehr viele wild, sie wird aber auch fast überall, wo es der Boden 
gestattet , angebaut. Die an den östlichen Küsten Afrikas liegenden beiden Inseln 
Bourbon und Mauritius erzeugen eine sehr feine, weisse, seidenartige, aber unreine 
und gemischte Baumwolle. 

Abb. 46. 




Ersatzmittel für die Baumwolle 

hat man zu verschiedenen Zeiten vorgeschlagen ; bis jetzt ist aber kein Material 
erfunden worden, welches sich besser, stärker und feiner verarbeiten Hesse und dabei 
zugleich so wohlfeil und in den erforderlichen Massen zu erhalten wäre. Genannt werden: 

Populus nigra, die schwarze Pappel, und 

Populus tremula, die Aespe, liefern einen Elaum, dem nur die Biegsam- 
keit fehlt; 

Juncus effusus, die Binse; 

Eriophorum alpinum, triquetrum, vaginatum, angustifoiium : verschiedene Arten 
des Woll- oder Dungrases; 

Populus canadensis. die kanadensische Pappel: 

Epilobium angustifoiium (ung. : Keskeny Tsöverits), der Sumpfweideri(^, und 
Epilobium hirsutum, der grosse, rauhe und zottige Weiderich; 

Tamarix Germanica, die deutsche Tamariske; 

Disteln und Graswolle: AgTostis: 

Seidenpflanze: Asclepias syriaca: 

Wollähnlicher Stoff der Rohrkolben: Typha argustifolia und latifolia; 

Fetabrun (filix) auf Malta; 

Samenwolle der Bäume Munguba und Simauna oder Samuuba. 



Baumwollgarn — Baum vvoUge webe. ß9 

Abbildung: 

46. Baumwollpflanze nach einer Darstellung aus: Buch der Erfindungen, Leipzig 
und Berlin 1879. Bd. 6, S. 301. 

(Literatur s. hinter dem Artikel Baumwollspinnerei.) 

Baumwollengarn (twist) wird für Webezwecke in Kett- und Schussgarn 
unterschieden und nach der Herstellung benannt. Das Ketten- oder Water- 
garn ist stark gedreht und auf der Watermaschine, das Schuss oder Mule- 
garn ist schwächer gedreht und auf der Mulemaschine gesponnen; hiernach 
auch die Bezeichnungen: mule twist und water twist. Für die Watergarne, welche 
aus den Spinnereien oder Schlichtanstalten als fertig gescherte und geschlichtete 
Ketten bezogen werden, bedient man sich vorzugsweise des Ausdruckes Warps. 
Die zum Einschuss bestimmten Mulegarne, welche für die Spulen aufgewickelt, 
aus den Spinnereien hervorgehen, werden dementsprechend einfach Wefts oder 
Pincops, Kötzer oder C o p s genannt. 

Baumwollengewebe werden schon im frühen Altertum hergestellt; man 
nimmt an, dass in Indien, der Heimat der Baumwolle, diese Grespinstpflanze 
auch zuerst praktisch verwertet wurde. In den ältesten sanskritischen Schriften 
werden Baumwollengewebe erwähnt, welche schon so fein waren, dass die Dichter 
von ihnen als von „gewebtem Wind" sprechen, wobei aber in Frage zu stellen 
ist, ob damit nicht jene musselinartigen Byssusstoffe (s. d.) gemeint sind, welche aus 
Flachsfasern bestanden, deren erste Gewinnung und Verwendung im Altertum 
den Aegyptern zugeschrieben wird. Von Indien verbreitete sich mit dem Anbau 
auch die Verarbeitung der Baumwolle nach China, Vorderasien und Aegypten, 
durch Phönizier und Karthager nach Griechenland, Malta, Sizilien und Spanien. 
In welche Zeiten diese Ueberführung zu setzen ist, darüber hat man die uns 
überkommenen Notizen der Schriftsteller des Altertums wiederum mit Vorsicht 
aufzunehmen, da, wie gesagt, mit der Beschreibung aller dieser hochgeschätzten 
durchsichtigen Gewänder auch solche aus Leinwand gemeint sein können. Den 
Bewohnern von Amerika war die Kultur der Baumwolle und ihre Verarbeitung 
zur Zeit der Entdeckung bereits bekannt. Unter den Geschenken, die Columbus 
von den Einwohnern von Guanahani erhielt, befand sich auch Baumwolle; es 
wird berichtet, dass die Bewohner des Innern von Hispania ihm alle 3 Monate 
25 Pfund als Tribut lieferten und auf Cuba fand man grosse Vorräte von 
Rohstoff und allerlei Fabrikaten. In Südamerika bestanden die bunten Kopf- 
tücher und Schürzen der wilden Indianer aus Baumwolle , die Brasilianer 
fertigten ihre Hamaks (Jagdgarne) daraus, die Peruaner ihre ärmellosen Hemden 
und Mäntel. Bei den Mexikanern war die Baumwolle fast das einzige Be- 
kleidungsmaterial. Unter den Geschenken, die Montezuma dem Cortez bot, be- 
fanden sich 30 der feinsten baumwollenen Mäntel, ausser Tej^pichen u. s. w., von 
denen Cortez einige dem Kaiser Karl V. sandte, an dessen Hofe diese Neuheiten 
die grösste Bewunderung erregten. Auf weissen Baumwollenstoffen entwarfen auch 
die Maler, die sich unter den Gesandten Montezumas befanden, Zeichnungen aller 
der Merkwürdigkeiten, die sie bei den Spaniern gesehen hatten. (Vergl. hierüber 
die Artikel Peru und Zeugdruck.) In das nördliche Amerika ist die Kultur und 
die Verarbeitung der Baumwolle erst durch die Europäer eingeführt worden. 
Wie die Araber den Anbau der Baumwolle nach Europa brachten, so fingen 
sie auch zuerst an, dieselbe zu verarbeiten, indem sie Baumwollenmanufakturen 
in Spanien gründeten. Abu Abdallah sandte an Karl den Grossen als Geschenk 
baumwollene Zeuge, die in Spanien verfertigt worden waren. Unter Abdar- 
rhaman entwickelte sich diese Industrie noch weiter und gelangte im 12. Jahr- 
hundert zu hoher Blüte; im 14. Jahrhundert wurde sie in Granada schwung- 
haft betrieben. Die Christen aber hatten schon im 13. Jahrhundert bedeutende 
Baumwollenmanufakturen in Barcelona. Sizilien verdankt die Einführung der 
Baumwollenweberei gleichfalls den Sarazenen. In Italien führte Venedig zuerst 
die Baumwollenmanufaktur ein ; hier blühte sie im Anfang des 14. Jahrhunderts 
und verbreitete sich bald über die benachbarten italienischen Städte. Florenz 
glänzte um diese Zeit durch seine ausgezeichnete Weberei, Appretur und Färberei. 



70 ßaumwollengewebe — Baumwollspinnerei. 

Yon Italien kam die Baumwollenindustrie nach der Schweiz, und zwar haupt- 
sächlich nach Zürich, wo im 14. und 15. Jahrhundert der Handel mit Baum- 
wolle und baumwollenen Zeugen ein sehr lebhafter war. Um dieselbe Zeit 
gelangte die Baumwolle von Venedig nach Augsburg (s. d.); durch den regen 
Handelsverkehr zwischen diesen beiden Städten fing Augsburg bald an, sehr 
beträchtliche Mengen von Geweben nach den Niederlanden auszuführen, von wo 
es später den Rohstoff bezog. Denn den Engländern und Niederländern wurde 
zwar schon zu Anfang des 14. Jahrhunderts Baumwolle durch Genuesen und 
Venetianer zugeführt, indes verwandte man dieselbe, soweit bekannt, nur zu 
Licht- und Lampendochten. Protestantische Flüchtlinge brachten die Baum- 
wollenspinnerei und -Weberei nach England. Unter Heinrich VIII. (1509 — 47) 
begann die Verarbeitung der Baumwolle in Lancashire, und eine Parlamentsakte 
seines Sohnes Eduard VI. spricht schon von Baumwollenwaren aus Manchester, 
Lacashire und Chefhire. Manchester wurde der Hauptplatz der Fabrikation 
baumwollener Gewebe (Kanevas, Barchent, Fustian, Dimity u. a.) und lieferte 
bald baumwollene Sammete und Velvetins. Aber erst durch die Einführung 
des Kattundrucks und die gesetzliche Beschränkung der Einfuhr ostindischer 
Zeuge (1700 und 1721) gelangte die englische Baumwollenindustrie zu stärkerer 
Entfaltung, und als dann gegen die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts die 
Spinnmaschinen in England erfunden wurden, vermöge welcher das Baumwollgarn 
so wohlfeil wie in seiner Güte vollkommen geliefert wurde, da hatte man hier 
den Markt erobert. Hierzu kam die Verbesserung der Webevorrichtungen, u. a. 
der im Jahre 1738 von dem Engländer John Kay erfundene Schnellschütze, 
mit dem ein Weber doppelt so viel zu weben vermochte, als mit dem Wurf- 
schützen. In Deutschland war Sachsen eines der ersten Länder, und Plauen 
die erste Stadt, wo Kattunfabriken im Grossen angelegt wurden, und noch 
immer ist Sachsen das Hauptland für die deutsche Baumwollweberei. Als 
Ware lassen sich die modernen Baumwollengewebe, deren Zahl und 
Mannigfaltigkeit eine sehr grosse ist, in gewisse Hauptgruppen einteilen, ohne 
dass dabei auf die stets wechselnden Modenamen Bücksicht genommen werden 
kann. Bei den meisten Baumwollgeweben spielt die Appretur eine grosse 
Bolle, um ihnen schönes, leinwandartiges, glattes, glänzendes oder auch ein 
rauhes, wollartiges Ansehen zu geben: 1) Einfache, glatte und dichte Baum- 
wollenzeuge, aus rohem weissem oder gefärbtem Garn, einfarbig, gestreift, 
gewürfelt, gemalt, bedruckt u. s. w., deren vornehmste Gattungen sind: Nanking, 
Shirting, Gingan, Kattun, Kaliko, Kambrik, Perkai, Sarsenet, 
Chiffon; dann halbdichte, wie Jakonett, Musselin oder Baumwollen- 
batist, die aber auch buntgewebt, gefärbt oder bedruckt werden; endlich 
klare und offene Gewebe ohne Köper und Muster, wie Mull oder Organdy, 
Tarlatan, Kanevas, Bobbinet u. s. w. 2) Schwere, glatte, geköperte 
oder gemusterte Baumwollenzeuge, von starkem Garn fest gewebt, meistens 
ungefärbt oder einfarbig; die vorzüglichsten sind: a) geköperte: Drell oder 
Drill, Satin (Englischleder, Jeanet, Oriental), Molton, Merino (dem 
Woll-M. nachgebildet), Bar chent, Biber; b) gemusterte: Pique, Zwillich, 
Dimity, Wallis, Domestik, Basin; 3) Sammetartige oder sogenannte 
geschnittene Baumwollenzeuge, als: Manchester (oder unechter Sammet), 
Velvet, Velveteen, Fustian, Pillow; 4) durchbrochene, broschierte, 
gestickte und fassonierte Baumwollenzeuge, deren vorzüglichste sind: genadelte 
und broschierte Gaze, Tüll, Musselin, und broschierte Gar di neust offe ^ 
5) Gemischte Baumwollenzeuge, teils mit Seide, teils mit Schafwolle oder 
Leinen untermengt, unter den verschiedensten Namen : vergl. hierüber die ein- 
zelnen Artikel , wie auch die oben genannten Stoffarten dort überalK näher 
beschrieben sind. 

Baumwollspinnerei. Noch im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts wurde 
alles baumwollene Garn auf der Spindel, wie in Ostindien , oder auf dem 
gewöhnlichen Handrade gesponnen^ wobei man das Rohmaterial, in Ostindien 
durch den Fachbogen, in Europa durch die Handkratze, auflockerte. Die 
Wohlfeilheit der Handarbeit in Ostindien hatte zur Folge, dass die Baumwoll- 



Baumwollspitzen — Baum wollwaren- Appretur. 7 1 

Spinnerei und -weberei in Europa nicht in die Höhe kommen konnte. Sowohl 
öarne als Gewebe wurden hauptsächlich aus Ostindien eingeführt. In Europa 
verwendete und spann lüan zum Teil auch baumwollenes Garn, aber nur zum 
Schuss. Zur Kette nahm man Leinengarn, weil das baumwollene Handgarn 
nicht haltbar genug war. In England fühlte man zuerst das Bedürfnis einer 
Vermehrung, Verbilligung und Verbesserung des Baumwollengarns und es 
gelang dort nach vielen Versuchen, diesen Anforderungen durch Maschinen 
gerecht zu werden. Schon 1762 wurden in England die Zylinderkrämpeln 
(umlaufende Kratzen zum Auflockern der Baumwolle) erfunden. Bobert Peels 
Grossvater nahm sie zuerst in Gebrauch. James Hargreaves konstruierte 1767 
seine Spinnmaschine mit einer Beihe Spindeln. Eine Anzahl Baumwolle-Locken 
wurden eingeklemmt, die Spindeln steckten auf einem Wagen, und wenn man 
diesen herauszog, so drehten die Spindeln die Locken zu Faden. Der Erfinder 
nannte diese Maschine Jenny, nach seiner Tochter. Hargreaves ging von der 
ostindischen Spindel, Bichard Arkwright (1769), ein Barbier, von dem deutschen 
Flachsspinnrade mit Spule und Fliege aus. Deshalb musste der erstere , den 
Faden spinnend, ausziehen und aufwickeln. Arkwright konnte dies aber nicht, 
da seine Spulen, wie im Handrade, sich nur um sich selbst, nicht aber fort- 
bewegten; die Spulen mussten aber spinnen und aufwickeln, ohne auszuziehen 
(Drosselmaschine). Die grosse Erfindung Arkwrights bestand nun darin, dass er 
die Locke , Lunte , den erst leicht zusammengedrehten Baumwollfaden , durch 
zwei Walzengarne (Zylinder) auseinanderzog oder -streckte, Walzengarne die 
dicht hintereinander lagea und von denen das vordere Paar geschwinder umlief 
als das hintere. Crompton verband die Zylinder Arkwrights mit der aus- 
ziehenden drehenden Spindel Hargreaves und nannte seine Maschine „Mule" 
(daher muH twist). Diese scheinbar einfache Erfindung führte zum Gelingen 
der Maschinenspinnerei, durch welche so grosse Umwälzungen in Handel und 
Industrie entstanden. In Deutschland begann die Baumwollspinnerei zu Anfang 
des 19. Jahrhunderts. Gegenwärtig nimmt die Baumwollspinnerei und -weberei, 
w^as Umfang der Anstalten, Verbrauch des Rohmaterials, Zahl der beschäftigten 
Hände und Anwendung maschineller Hilfsmittel anbelangt, unter allen Zweigen 
der Textilindustrie die erste Stelle ein. Sie hat zuerst von den Erfindungen 
der neueren Zeit im Fache des Maschinenwesens Gebrauch gemacht; die Spinn- 
maschine, der mechanische Webstuhl fanden in der Baumwollenindustrie zuerst 
Anwendung, sie verdanken derselben ihre Erfindung und konstruktive Entwicklung; 
Druck- und Appreturmaschinen nahmen von ihr den Weg in andere Gebiete 
der Faserstofftechnik. 

Literatur: Niess, Baumwollspinnerei in allen ihren Teilen; Weimar 1885. 
Kuhn, Die B. , ihre Kultur, Struktur und Verbreitung; Wien 1892. Kar- 
marsch-Fischer, Handbuch der mechan. Technologie; Leipzig 1892. Spenn- 
rath, Materiallehre für die Textilindustrie ; Aachen 1899. Zipser, Die textilen 
Bohmaterialien , I. Teil, 2. Aufl.; Wien 1899. Wiesner, Die Bohstoffe des 
Pflanzenreichs, Bd. 2, 2. Aufl.; Leipzig 1902. Johannsen, Handbuch der 
Baumwollspinnerei u. s. w., 3. Aufl.; Leipzig 1902. 

Baumwollspitzen stellt man seit 1830 besonders in Frankreich der 
Billigkeit wegen her; aber nur mit geringem Erfolg. 

Baumwolltaff et , schwarzes, leinwandartiges, appretiertes, glänzendes 
Baumwollgewebc. 

Baumwollteppiche kommen als Knüpfarbeit im Orient nicht vor; es 
wird die B, nur zur Kette verwendet , und da die persische Baumwolle für 
diesen Zweck sich nicht eignet, ist man geneigt, Teppiche mit Baumwollkette 
für indische Ware zu halten. Geknüpfte B. -Teppiche kommen in sehr geringer 
Qualität aus Japan. 

Baumwollwaren-Appretur, die Ausrüstung der Baumwollgewebe mit 
besonderen, ihnen von Haus aus nicht zukommenden äusserlichen Eigenschaften 
durch Behandeln mit Appreturmitteln und geeigneten Vorrichtungen (Mangen, 
Kalandern, Pressen u. s. w.); hauptsächlich bezweckt sie den leinwandartigen, 
kalten, glatten Griff und runden Faden durch Stärkekleister, mit Zusatz von 



72 Baumwollzwillich — Bayern. 



Leim, Dextrin, Pflanzenschleimen, Fetten, Stearin u. s. w. Die Appretmasse 
wird beiderseits (voll) aufgetragen, getrocknet, eingesprengt, gar nicht oder 
kalt mit schwachem Druck kalandert oder sonst speziell behandelt, und die 
Appretmassen sind je nach dem zu erzielenden Effekt besonders zusammen- 
gesetzt. So gibt es Leinen-, Damast-, Shirting-, Chiffon-, Glace-, Kaliko-, 
knirschende, hochglänzende und andere Appreturen. 

Baumwollzwillich, für Syrien bestimmtes Gewebe, wird im Rheinland, in 
Böhmen u. a. 0. hergestellt. 

Bausmusselin, feines, weisses, stark appretiertes Baumwollengewebe zum 
Durchzeichnen, namentlich für Zeichnungen von Bauplänen. 

Bautsch, Stadt der österr. Bezirkshauptmannschaft Sternberg in Mähren: 
die ehemals bedeutende Leinwandindustrie ist zurückgegangen. 

Bautzen, Hauptstadt der sächs. Kreis- und Amtshauptmannschaft: 
wichtige Industrie- und Wollspinnerei nebst bedeutender Tuchfabrikation, 
Flachsspinnerei, Leinen- und Strumpfweberei, Bleicherei, Färberei; Herstellung 
von Strickmaschinen. 

Bavari war am Ende des 16. Jahrhunderts in Italien ein gebräuchlicher 
Name für Halskrausen; der Ausdruck soll nach einem Schriftsteller dieser Zeit 
von dem ital. "Worte für die Bewohner Bayerns, wegen der bei ihnen üblichen 
Pelzkragen abgeleitet sein. 

Bave (franz.), die erste Faser des Seiden wurms. 

Bavella, Bafel ist Abfall- oder Florettseide. 

Bavolet, (franz.) schleierartiger Kopfputz normannischer Bäuerinnen; 
Nackenschleier bei Damenhüten. 

Bay, Bayes, Bayettes, Baguettes, ein ungeköperter, sehr locker gewebter 
"Wollenstoff, eine Art grober Flanell; auf der einen Seite langhaarig gerauht, 
etwas geschert, gewöhnlich nach dem Weben nur ausgewaschen, seltener etwas 
gewalkt, gewöhnlich weiss, oft aber auch schwarz, rot oder grün gefärbt. In 
Frankreich (Departement des Nords) fertigt man dergleichen Stoffe unter dem 
Namen Baigue für den Handel nach Spanien, wo man sie Baetas nennt. 
In vielen anderen Orten werden flanellartige lockere Wollenstoffe unter dem 
Namen Boy hergestellt, die im auswärtigen Handel auch Bayettes heissen. 
(Siehe Boy.) 

Bayazid, Stadt in Kleinasien, erzeugt durch Hausindustrie Teppiche nach 
persischen Mustern unter dem Namen Khali, welche als anatolische T. in den 
Handel kommen. 

Bayern, Königreich, hat bedeutende Baumwollenspinnereien und -Webereien. 
Die Textilindustrie beschäftigt 32 767 Betriebe mit 60 460 Personen, wovon auf 
Augsburg (s. d.) 14 : 8650 kommen. Einen bedeutenden Aufschwung hat die 
Webindustrie genommen. Sie ist in Schwaben sehr verbreitet, wo Augsburg der 
Hauptsitz für Kammgarn- und Tuchfabrikation, Baumwollspinnerei und -Weberei 
ist; ferner in der Pfalz (Zweibrücken, Kaiserslautern) und in München, dann als 
Hausindustrie in Niederbayern und bei Hof. Garnfärbereien und Bleichereien 
gibt es in Schwaben und Oberfranken; Leinspinnerei und -Weberei in Bäumen- 
heim bei Donauwörth und Memmingen u. s. w. Kunststickerei, insbesondere 
Gold- und Silberstickerei in München, Nürnberg und Weissenburg a. S. 

lieber ältere Textilindustrie vgl. Augsburg. Für Seidenindustrie 
gibt Silbermann (Die Seide u. s. w. ; Dresden 1897, Bd. 1, S. 104 u. 105) 
folgende Notizen: Unter Kurfürst Maxi. (1598 — 1651) werden ausgedehnte Maul- 
beerplantagen angelegt. Verheerende Kriege verhindern aber weitere Ausdeh- 
nung. Schon zu Zeiten Wilhelms VI. (1508—1559) und Albrecht Y. (1550—1579) 
sind Gartenrechnungen vorhanden, in denen Maulbeerbäume erwähnt sind. Heiter 
dem Kurfürsten Ferdinand Maria (1651 — 1679) war man wieder bestrebt, die 
Seideuzucht zu heben. 1664 entsteht unter Joachim Becher ein ausgedehnter 
Seidenbauverein, der aber bald auseinander geht. Erst unter Max III. (1455 
bis 1777) begann eine allgemeine Verbreitung des Seidengewerbes. Nach 1760 
geht die Seidenzucht herunter, weil die Ernten des Seidenbaues misslingen. Eine 
neue Periode für Bayern beginnt erst 1823 — 1834 unter der Regierung Maxi- 



Bayetas de Pellon — Beaujolais. 73 

milians I. und baut sich unter König Ludwig I. weiter aus. Im Jahre 1832 sollen 
in Bayern über 4 Millionen Maulbeerbäume gestanden haben; gehen aber 1838 
auf 400 000 zurück. 

Webeschulen bestehen in Bayern zu Münchberg, Lambrecht und Passau; 
eine Stickschule zu Euchenreuth, eine Klöppelschule zu Stadlern. 

Bayetas de Pellon oder de cien hilos, grobe Köperflanelle für den 
Chinamarkt, welche z. T. noch in Spanien gemacht werden und über Manila 
zur Einfuhr nach China kommen. Unter demselben Namen kommen sie auch 
im spanisch- amerikanischen Handel vor. 

Bayetones ingleses heissen im spanisch- amerikanischen Handel die eng- 
lischen Coatings (s, d.). 

Bayettes, s. Bay. 

Bayeux, Hauptstadt das Arrond. B. im franz. Depart. Calvados : ansehnliche 
Spitzenfabriken und Baumwollspinnereien. Erstere stammen aus dem Anfang 
des 18. Jahrhunderts; es wird vom Jahre 1709 berichtet, dass sich hier eine 
Industrie für Mignonette, eine Art seidener Blonde, und der point de Marly 
bildeten, die zu jener Zeit eine Berühmtheit erlangt hatten. 

Bayeux-Teppich , ein in der Stadtbibliothek zu B. in der ersten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts von dem Archäologen Montfaucon wieder aufgefundener 
Wandteppich, sogen, tappisserie de Bayeux. Er ist gestickt auf 
einer Leinwandfläche von 63 m Länge und 0,46 cm Höhe in farbiger Seide im 
Plattstich mit verschiedenen Richtungen des Fadens. Dargestellt ist darauf in 
72 Szenen mit 530 Figuren und vielen beigefügten Inschriften die Eroberung 
Englands durch Wilhelm den Eroberer: für die Kultur- und Kostümgeschichte 
eines der wichtigsten Belegstücke aus dem Bereiche der Textilkunst. Die 
Arbeit wird von Einigen der Königin Mathilde, Gemahlin Wilhelms, von Anderen 
der Mathilde, Tochter Heinrich I. von England zugeschrieben; sie ist etwa um 
das Jahr 1100 entstanden. Vgl. Beschreibung in „Thierry, Histoire de la 
€onquete de l'Angleterre (Bd. I) ; The Bayeux-Tapestry reproduced in autotype- 
plates with historic notes by Frank Bede Fowke-London Ar unvel- Society 1875. 

Bayonne, Hauptstadt des Arrond. B. im franz. Depart. Basses-Pyreuees : 
Leinwandfabrikation. 

Bayreuth, Stadt in Bayern : grosse mechanische Baumwollen- und Flachs- 
spinnereien ; Fabrik für Baumwollenwaren. 

Bays (engl.), ein grober englischer Wollenstofi^, getragen von den Land- 
leuten zur Zeit der Königin Elisabeth. 

Bayutapauts, Bayutapaux, grober Baumwollenstoff, gewöhnlich blau und 
weiss, oder rot und weiss gestreift, zuweilen auch blau und rot gefärbt, zum 
Handel nach den afrikanischen Küsten bestimmt: es gibt ostindische und fran- 
zösische B.s. 

Baza, Pazac oder Bazar, eine Sorte levantinischen Baumwollengarns. 

Bazin, s. Basin» 

Beaucaire, Hauptstadt des Kantons B. im Arrond. Nimes des franz. 
Depart. Card. In früheren Zeiten von Kaufleuten und Fabrikanten aus allen 
Ländern Europas, aus der Levante und selbst aus Persien und Armenien besucht, 
verringerte sich schon im 17. Jahrhundert ihre Bedeutung durch die Aufhebung 
der Abgabenfreiheit seit 1632, die Kriege mit dem Auslande, sowie die Waren- 
lager zu Marseille, Lyon u. s. w. Seit der Revolution beschränkt sich der 
Handel auf Seide und Seidenfabrikate, NimesShawls, Leinen, Tuch, Wolle und 
Baumwolle. Immerhin wird die Messe noch von etwa 50000 Personen besucht 
und der Warenumsatz beläuft sich auf 20 Mill. Eres. 

Beaufort-en-Vallee, Hauptstadt des Kantons B. im Arrond. Bauge des 
franz. Depart. Maine et-Loire : Segeltuchfabrikation. 

Beauforts, festgewebtes Segeltuch aus Hanf, welches im franz. Depart. 
der Mayenne und Loire, in der Gegend von Angers, besonders aber zu Beaufort 
gemacht wird. 

Beaujolais heissen Stoffe aus Leinen und Baumwolle, welche in dem 
Dürfe Gours nahe bei Beaujeu, im franz. Depart. Hhone gefertigt werden. 



74 Beaumont — ßeidrecht. 



Beaumont, Hauptstadt des Kantons B. im Arrond. Castelsarrasin des 
franz. Depart. Tarn-et-Garonne : Tuch Fabrikation. 

Beaumont-le-Roger, Hauptstadt des Kantons B. im Arrond. Bernay des 
franz. Depart. Eure : Leinwand- und Tuchfabrikation. 

Beaune, Hauptstadt des Arrond. B. im franz. Depart. Cote d'Or: 
Fabrikation von Tuch, Sergen. Yor der Aufhebung des Edikts von Nantes 
(1683) beschäftigten 200 prot. Eamilien über 2000 Arbeiter in Manufakturen 
aller Art; seitdem geriet die Stadt in Verfall und hat sich nie wieder zu ihrer 
früheren Höhe erhoben. 

Beaupreau, Hauptstadt des Kantons B. im Arrond. Cholet des franz. 
Depart. Maine-et-Loire : Wollen- und Leinenfabrikation (Choletstoffe), s. d. 

Beauvais, Hauptstadt des franz. Depart. Oise und des Arrond. B., 
bedeutende Fabrik- und Handelsstadt. Sie besitzt eine grosse, 1664 von Colbert 
begründete Wandteppich- (Gobelins-) Manufaktur, Fabriken für Woll- und 
Baumwollwaren aller Art; ausserdem Spinnereien, Wollkämmereien, Bieichen 
und Färbereien. (Vergl. Lab an de, Histoire de B. et de ses institutions 
communales; Paris 1892.) 

Beavers , Beaverteeus , englische , wie Tuch gewebte , auch gedruckte 
BaumwolleDstoife, dem Kalmück ähnlich, die zu Wiuterkleidungen dienen. Man 
bezieht sie von Manchester und Norwich. Sie sind den Velvets ähnlich, auch 
so breit als diese. Auch deutsche Manufakturen liefern B.'s. Die Beaverteens 
sind, da sie fester gearbeitet als die Beavers, dauerhafter als diese. Aus 
feiner Wolle in derselben Weise angefertigte Stoffe heissen Castorins oder 
Yelpel. 

Beby, baumwollene Tücher, welche in Syrien gemacht werden und, ge- 
wöhnlich blau gefärbt, über Aleppo und Said in den Handel kommen; das 
Meiste geht nach den türkischen Provinzen. 

Bedarieux, Hauptstadt des Kantons B. im Arrond. Beziers des französi- 
schen Departements Herault : Fabrikation von Tuch und Kattun. 

Bedburdyk, Gemeinde im preuss. E-egbez. Düsseldorf: Sammetweberei. 

Bedburg, Stadt im preuss. Begbez. Köln: grosse Wollweberei, Woll- 
spinnerei, Kunstwollfabrik. 

Bedford, Hauptstadt der englischen Grafschaft B. : Anfertigung von ge- 
klöppelten Spitzen. 

Beederwand (nach Beeder [Bidar], Distriktshauptstadt in Dekan), Beider- 
wand, Bedermann, Beiermann, Beilwand, Petermann; unter diesen verschiedenen 
Namen kam sonst ein gewöhnlicher Stoff, halb aus Schafwolle, halb aus Leinen- 
garn, fest und dauerhaft gewebt, gewöhnlich braun, schwarz oder dunkelblau 
gefärbt, in den Handel, welcher von den deutschen Landleuten und von den 
ärmeren Yolksklassen viel getragen wurde. Auch jetzt wird dieses Gewebe teil- 
weis noch im Lüneburgschen, Schaumburgschen, in Westfalen und in Thüringen, 
von den Landleuten zum eigenen Yerbrauch, von den Zeugwebern zum Handel 
gefertigt. Den Namen beiderlei Gewand erhielt der Stoff, weil er halb 
aus Wolle und halb aus Leinen gemacht wird. Hieraus entstanden wiederum 
durch die verdorbene Aussprache der verschiedenen deutschen Provinzen die 
obigen Benennungen. Jetzt ist B. gewöhnlich eine Art Halbwollenlama, d. h. 
ein in der Kette aus Baumwollengarn, im Einschlag aus Streichgarn bestehender, 
leinwandartig gewebter, zuweilen aber auch geköperter Stoff, der nicht gewalkt, 
daher auch nicht gerauht, sondern nur glatt geschert und meist ein- oder mehr- 
farbig, gestreift oder kariert in den Handel gebracht wird. 

Beggars-Lace, s. Webkanten. 

Behaar, Sorte ostindischer Cassas oder baumwollener Gewebe. ^ 

Beibazar heisst zu Marseille und in der Levante die zweite Sorte des 
Ziegenhaares, welche zu Webezwecken verarbeitet wird. 

Beidelseide, syrische Seidenpflanze. 

Beiderwand, s. Beederwand. 

Beidrecht (franz. : etoffe ä double face), jedes ungemusterte Gewebe, bei 
welchem auf jeder Seite von dem Kett- und Schussfadenmaterial gleich viel 



Beiersdorf in der Oberlausitz — Belgien. 75 

sicMbar ist. Alle leinwandbindigen Gewebe sind B. Andere fassen den Begriff 
weiter auf und verstehen alle jene Stoffe darunter, welche auf beiden Seiten 
ihres gleichen Aussehens und der gleichen Appretur wegen getragen werden 
können. 

Beiersdorf in der Oberlausitz : Bleicherei, Leinen- und Wollwarenfabrik. 

Beiertheim, Dorf in Baden : Seidenbandfabrikation. 

Beige, in Poitou eine graue, braune oder schwarze Serge, die von natur- 
farbener Wolle (Kammgarn) gewebt ist; im allgemeinen Bezeichnung für einen 
naturfarbigen, oft jedoch melierten Damenkleiderstoff in Köperbindung. 

Beilik nennt man im Orient die groben Tücher von Saloniki, welche zu 
Montierungen der Janitscharen dienten. 

Beilwand, s. Beederwand. 

Beirut, Hauptstadt eines asiatisch-türkischen Vilajets : Neben starker Seiden- 
und Baumwollenweberei wird Gold- und Silberdrahtfabrikation betrieben. Ausser- 
dem verfertigt man hier die in ganz Syrien und Aegypten berühmten, mit Nägeln 
verzierten bunten Koffer für Leinenzeug, die namentlich zu Brautgeschenken 
dienen. Die Umgegend gewinnt ausgezeichnete Seide und Baumwolle. B. war 
schon im Mittelalter durch seine Seidenindustrie berühmt. 

Beize, in der Färberei und dem Zeugdruck ein wichtiger Artikel: ge- 
wöhnlich Mordant genannt. In vielen Fällen läuft die Wirkung darauf hinaus, 
dass sie die Farbstoffe aus ihren Lösungen auf die Gespinstfasern niederschlägt, 
indem ihre Bestandteile unlösliche Verbindungen mit den Farbstoffen eingehen. 
Die Gewebe werden entweder in die Beizlösung eingetaucht oder mit derselben 
gekocht. In einigen Fällen (z. B. bei den Eisenoxydulbeizen) wird die B. auf 
der mit, ihr imprägnierten Faser durch „Hängen" an der Luft oxidiert; in an- 
deren Fällen wird sie durch Zusatz von Salzlösungen (Fixiermittel) auf der 
Faser unlöslich abgeschieden; die Methode des Dämpfens besteht darin, dass 
ein Gemenge von polygenetischem Farbstoff und Metallsalzbeize auf das Gewebe 
aufgedruckt und dieses nach dem Trocknen in einem geschlossenen Kasten dem 
Einfluss von Dämpfen ausgesetzt wird, wodurch das durch Zersetzung entstandene 
basische Salz gleichzeitig mit dem Farbstoff aus der Faser fixiert wird. Vgl. 
„Stübling, Die Beiz- und Färbekunst" (Berl. 1898). 

Bejar, Bezirksstadt in der spanischen Provinz Salamanca: Wollhandel und 
Tuchfabrikation, die etwa 8000 Menschen beschäftigt. 

Belchette, s. Wolle. 

Belelacs, seidene, taffetartige gewebte ostindische Zeuge, welche durch die 
Engländer nach Europa gebracht werden. 

Belesmes, auch Kanevas, eine Art grobes Hanfleinen, das zu Perche in 
Frankreich gewebt und besonders zu Strohsäcken verbraucht wird. 

Belfast, Hauptstadt in der irischen Grafschaft Antrim : Hauptsitz der 
irischen Linnenfabrikation; die Baumwollenfabrikation geht zurück. 

Belgamire (franz.), ein früher in Eouen gefertigter Leinenstoff mit ein- 
gewebten seidenen Blumen. 

Belgaon(g), Hauptstadt des Distriktes B. der indobritischen Präsident- 
schaft Bombay: Auf 300 Webstühlen werden Baumwollenzeuge angefertigt. 

Belgien, Königreich. Zu den Hauptindustriezweigen gehört die Leinen-, 
Woll- und Baumwollfabrikation. Die durch Verbreitung des mechan. Gespinstes 
gesunkene Leinenmanufaktur hat sich seit 1850 durch zweckmässigere Organi- 
sation emporgeschwungen, namentlich in den beiden flandrischen Provinzen. 
1880 bestanden 1863 diesbezügliche Anstalten mit 33 048 Arbeitern. Die Weberei 
wird vorzüglich in den beiden Flandern, in einigen Orten Brabants, des Henne? 
gaus und der Provinz Antwerpen betrieben. Die Zahl der Webereien betrug 
(1880) 236 mit 11940 Arbeitern; die Ausfuhr (1895: 16 010 954 Frcs.) ist im 
Sinken. Das belg. Handgespinst, hauptsächlich von den Armen in Flandern 
geliefert, konnte die Konkurrenz mit den Maschinen nicht aushalten. Die Bra- 
banter oder Brüsseler Spitzen (s. d.) werden am besten in und um Brüssel, sowie 
in Mecheln geklöppelt. Den Hauptzweig der Spitzenindustrie, die gegen 140 000 
Menschen beschäftigt, bilden die sogenannten Valenciennes (s. d.), die am meisten 



76 Belgrad — Bendarabbas. 



in Westflandern verfertigt werden (Ausfuhr 1895: 2 201371 Frcs.). Für die 
AVoUenmanufaktur ist Verviers und Umgebung der wichtigste Ort. Die Woll- 
spinnereien fertigten (1880j 7 391246 kg im Werte von 41513 785 Frcs. (Aus- 
fuhr 1898: 38 226 Mill. Frcs.) Grosse Teppichfabriken bestehen zu Brüssel, 
Mecheln, Ingelmünster und Tournai. Viele Strümpfe und Strickwaren werden 
in Leuze, Peruwelz, Tournai und A.elst (Alost) gewebt. Die vorzüglichsten 
Baurawollenmanufakturen befinden sich in Gent, Aelst, Kortrijk, Brüssel und 
dessen Vorstadt Anderlecht und Tournai (Ausfuhr: 1898: 23 235 Mill. Frcs.). 

Literatur: Van Bruyssel, Histoire du commerce et de U marine en 
Belgique (3 Bde., Brüssel 1861—1864); Meulemans, La Belgique, ses res- 
sources agricoles, industrielles et commerciales (Gent 1865); van Bruyssel, 
L'industrie et le commerce en Belgique (Brüssel 1868). 

Belgrad, Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Serbien: Tuchfabrik. 

Bellac, Hauptstadt des Arrond. B. im franz. Depart. Haute-Vienne : 
Fabrikation von Tuch, Decken, Leinen und Hüten. 

Bellacosa oder Bellcosse sind seidene broschierte Stoffe, mit etwas Gold 
und Silber durchwirkt, die als Nachahmung der venetianischen reichen Zeuge 
auf der Insel Scio für den Levantehandel gewebt werden. 

Bellchester, Duchester, verschiedene Sorten des englischen Manchesters 
oder des Velvets. 

Belley, Hauptstadt des Arrond. B. im franz. Depart. Ain : Seidenspinnerei, 
Indienne- und Musselinfabrikatiou ; beträchtlicher Handel mit Seide. 

Beliings, der allgemeine Name mehrerer Sorten englischer gemischter Zeuge 
von Flachs- und Hanfgarnen in der Kette und Wollengarn im Einschlag, zu- 
weilen ganz von Wolle. Man fertigte auch in Frankreich viele Sorten davon 
und brachte sie unter Bailanges, Bellinges fagon de Bouracan, Tiritaines, Bre- 
luches, Berluches, Bure u. s. w. in den Handel. In neuer Zeit ist dieser Artikel 
durch andere Stoffe in den Hintergrund gedrängt worden. 

Belluno, Hauptstadt der Provinz und des Distrikts B. : Seidenspinnereien. 

Belutschistan, (Balutschistan, auch Beludschistan; engl.: Beloochistan), 
das Gedrosia der Alten, das südöstlichste Fürstentum des Hochlandes von Iran: 
Erzeugung von Knüpfteppichen gleichen Namens, deren ältere Sorten sehr selten 
und hoch im Preise sind. Sie unterscheiden sich von anderen ostpersischen 
und zentralasiatischen Teppichen durch ihre düstere und verschwommene Färbung, 
wozu das tiefdunkle Blau und das schwärzliche Braun, ebenso wie das eigen- 
tümliche Bot, beiträgt, das zwischen Rosa und Indischrot etwa die Mitte hält. 
Ganz unvermittelt findet sich dann in diesem düsteren Fond ein kleines weisses 
(seltener gelbes) Motiv, ein Kreuzchen, eine punktierte Baute oder dergleichen 
hingesetzt. Die Baumeinteilung wie die Einzelmotive sind fast immer geome- 
trischer Natur. Die Muster sind so dicht gestellt und in der Pegel von so all- 
gemein geometrischem Inhalt, dass man in den meisten Fällen zweifelhaft bleibt, 
auf welche Farbe das Muster und auf welche der Grund zu beziehen ist. Der 
Belutschistanteppich ist ganz aus Wolle, welche sehr weich und ziemlich lang 
geschoren ist, weshalb die Teppiche dick und schwer sind. Die Knüpf ung ist 
keine besonders dichte. Die Querseiten haben den kilimartig angewebten farbig 
gestreiften Vorstoss, wie diese, und geknüpfte Fransen. (Vgl. Teppiche.) 

Belvedere, s. Seide. 

Belzamire, ein franz. Stoff mit seidenem Blumenmuster auf einem Grunde 
von Leinengarn, der ehedem in Pouen gefertigt wurde. 

Beizig. Kreisstadt im preuss. Pegbez. Potsdam: Weberei, Wollspinnerei. 

Benares, Hauptstadt der Division und des Distrikts B. im indobritischen 
Reiche: berühmt sind die hier gefertigten Gold- und Silberbrokate, Sammite, 
seidene und baumwollene Stoffe. 

Benares, ein ostindischer Silberstoff. 

Benau, Dorf im preuss. Regbez. Frankfurt: Flachsspinnerei, Leinweberei, 

Bendarabbas, Hafenort der pers. Prov. Kerman: Handel und Bedeutung 
des Ortes ist gegen früher sehr gesunken; besonders werden Baum wollwaren, 
Tuche und Teppiche auf den Markt gebracht. 



ßendorf — Berkan. 77 



Bendorf, Stadt im preuss. Eegbez. Koblenz: Wollspinnereien. 

Benfeld, Hauptstadt im Kreis Erstein in Elsass-Lothringen : grosse Baum- 
wollenspinnerei, Bandweberei, Färberei, Hanfbau, 

Bengalen, Präsidentschaft des Indobrit. Reiches : die inländische Industrie 
hat durch die massenhafte, stets zunehmende Einfuhr englischer Manufakturwaren 
ausserordentlich gelitten. Die früher berühmten, ausgebreiteten Musselinwebereien 
in Dhaka sind gleich den Baumwollwebereien zu Balasor fast gänzlich zugrunde 
gegangen. In und um Kalkutta bestehen jedoch noch ziemlich bedeutende Fa- 
briken von groben Baumwollstoffen und (1896/97) 9 Baumwollspinnereien, Segel- 
tuchwebereien und Seilereien ; die Juteindustrie stellt in hoher Blüte. Die Aus- 
fuhr an Baumwolle betrug 1898/99 6,769,920 Rupien. 

Bengaline, moderner Halbseidenstoff für Damenkleider; auch bedruckte 
halbseidene helle Ballstoffe. 

Bengalische Leinewand heisst ein seidenartiges, ostindisches Gewebe, 
dessen Fäden aus den Samenkapseln eines Krautes gesponnen und zu verschie- 
denen, zwar glänzenden, aber wenig haltbaren Stoffen verarbeitet werden. Der 
Stamm dieses Krautes trägt am Gipfel einen Büschel gelber Blumen, nach deren 
Verblühen die Fäden in Gestalt von Flocken erscheinen, welche von den Frauen 
des Landes versponnen werden. 

Bennington, Ort im County B. im südwestlichen Teile des nordamerika- 
nischen Staates Vermont: Fabriken von Strickwaren. 

Bentheim, Kreisstadt im preuss. Begbez. Osnabrück : Baumwollweberei. 

Berams, Berampaats, auch Berupates, ein grobes einfaches Baumwollen- 
gewebe, welches früher in Mengen aus Surate nach England gebracht wurde, 
jetzt aber nicht mehr vorkommt. 

Berbice, Baumwollsorte aus Guyana. 

Berck-SUr-Mer, Hafenort im Arrond. Montreuil des franz. Depart. Pas-de- 
Calais: Segeltuch fabrikation. 

Berditschew, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kiew : Färbereien, Band- 
fabriken. 

Berg, vormals ein selbständiges Herzogtum, (Ducatus Montensis), jetzt 
ein Teil der preuss, Bheinprovinz : wichtigstes Fabrikland Deutschlands, worin 
sich namentlich das Wuppertal mit Elberfeld und Barmen (s. d.) durch seine 
textilindustrielle Tätigkeit auszeichnet. Unter Ludwig XIV. (1643 — 1715) führten 
die Verfolgungen der Protestanten viele gewerbliche Ansiedler nach B., die dort 
den franz. Geschmack in Seide und Baumwolle, im Bleichen, in Spitzen, feinen 
Leinen u. s. w. heimisch machten. 

Berga, Bezirksstadt in der span. Prov. Barcelona: Mechanische Webereien» 

Bergamees (franz.) oder Bergamotatapeten, in Bergamo erfunden_, grobe 
gewebte Tapeten, welche dann auch in Bouen, Leboeuf, Antwerpen, Brüssel, 
sowie in Böhmen und Mähren verfertigt wurden. Das Material dazu ist ver- 
schieden : die Kette gewöhnlich Hanf oder Leinen, der Einschlag von Flockseide, 
Baumwolle, Wolle, Kuh- oder Ziegenhaar. 

Bergamo, Hauptstadt der ital. Prov. B. : Seiden- und Tuchwebereien, 
erstere im 14. Jahrhundert eingeführt. 

Berge in Hannover: Teppich- und Kattunweberei. 

Bergisch-Gladbach, Stadt im preuss. Begbez. Köln: Merino- und Streich- 
garnspinnerei. 

Bergseide ist Asbest (s. d.). 

Berilldruck, ein Verfahren des Zeugdrucks auf Wolle, nach dem erhabene 
farbige Muster durch Aufdrucken mit Stücken verdickter Tafelfarben, ohne nach- 
herige Beseitigung des Verdickungsmittels hergestellt werden. Gegenwärtig selten 
mehr üblich. 

Berkan, Perkan, Parkan, Barakan, Barrakan (ursprünglich arabisch), (in 
Frankreich auch bouracan) ein aus Ziegenhaar und Wolle oder aus Kamelhaar 
gewirktes Zeug; jetzt allgemein ein sehr dichter und schwerer, leinwandartig 
gewebter Stoff mit Kette aus festem, zweifädigem und Einschlag aus drei- bis 
sechsfädigem Kammwollzwirn, der, mittels des Kalanders (s. Appretur) mit einem 



78 Berlin. 



wellenartigen Schimmer (Moirierung) versehen, namentlich als Möbelstoff Anwen- 
dung findet; doch kommen unter dieser Benennung auch leichtere, aus unge- 
zwirntem Kammgarn verfertigte und selbst baumwollene Gewebe vor. In Frank- 
reich bezeichnet man mit baracan grosgrain jenen B., bei dem der Einschlag stärker 
und dicker als die Kette ist im Gegensatz zu Camelot baracane, in welchem die 
Kette stärker als der Schuss ist. 

Berlin. Die Anfänge der Seidenindustrie in Berlin beginnen unter der 
Regierung des Grossen Kurfürsten (1640 — 1688) , nachdem Sachsen nach den 
Beispielen in Frankreich , England und Holland vorangegangen war. (Vgl. 
Schmoller und Hintze, Die Preussische Seidenindustrie im 18.' Jahrhundert, 
aus: Acta Borussica, Denkmäler der Preussischen Staatsverwaltung im 18. Jahr- 
hundert. 3 Bde. Berlin 1892.) Die ersten Versuche der Einführung, welche 
mit Dresdener Unternehmern gemacht wurden, gelangen nicht; erst die Einwande- 
rung der französischen Befugies, unter denen sich Hunderte von Familien aus 
Seidenmanufakturen befanden, führten zu befriedigenden Ergebnissen. Eine ganze 
Beihe der verschiedensten Fabriken entstanden in kurzer Zeit. Man fertigte 
Tuch und feine Wollenzeuge, ihr schloss sich die Strumpfwirkerei auf den 
neuen mechanischen Stühlen an, wie sie französische Kunstschlosser in den branden- 
burgischen Landen zu verfertigen begannen. Berlin kommt zunächst für die 
Seidenindustrie ausschliesslich in Betracht. Der Erste, welcher eine Seiden- 
manufaktur anlegte, war Jean Biet, ein Unternehmer aus Paris. Eine Gaze- 
manufaktur ward 1686 begründet; zu gleicher Zeit entstehen Bandmanufakturen. 
Von besonderer Bedeutung war die Gobelinmanufaktur, welche Pierre 
Mercier 1686 einrichtete. Seit 1647 gab es in Berlin und Colin eine Zunft der 
Posamentierer. Im Jahre 1697 wurde Strumpfwirkern und Barettmachern 
(s. Barett), aus vertriebenen Heidelbergern und Schweizern bestehend, ein Privi- 
legium bewilligt. Bei den Seidenfabriken entsprach der Fortgang nicht ganz 
den glücklichen Anfängen der ersten Jahre. Mangel an Kapital war die Haupt- 
ursache daran; denn die kurfürstlichen Vorschüsse allein reichten nicht aus, das 
genügende Rohmaterial zu beschaffen. Aber auch zollpolitische Verhältnisse 
spielen hinein, welche den fertigen Stücken den Absatz nach aussen hin er- 
schweren. So geht die Industrie allmählich zurück. 1690 kommt die Manufaktur 
von Biet zum Stillstand; die Seidenweberei von Müller und Koppisch in Spandau 
bei B. geht 1693 ein. Eine Berufs Statistik von 1700 weist nur noch 12 Seiden- 
arbeiter auf. Der Karmoisinsammet zum Krönungsfeste konnte noch in B. ge- 
arbeitet werden; bald danach verfiel dieser Fabrikationszweig gänzlich. Besser 
haben ihr Fortkommen die Seidenstrumpf- und Bortenwirkerei, die Seidenstickerei, 
vor allem die Fabrikation halbseidener Zeuge. Letztere fand einen Halt an der 
mehr und mehr aufblühenden Wollenindustrie, in der neben französischen Flücht- 
lingen, Schweizer und andere Kolonisten, wie Wegeli und Orelli tätig waren; 
um das Jahr 1710 sind in B. mehr derartige Arbeiter, als sich ernähren können. 
Hofseidensticker finden sich in B. seit dem 16. Jahrhundert in stetiger Folge: 
nur Fremdlinge, wobei selbst ein Türke ist. Dann nehmen französische Künstler 
diese Stelle ein, wie Elie Pally. Schon am Ende des 17. Jahrhunderts bestand 
in B. ein besonders privilegiertes Gewerbe der Gold- und Silber-, Perlen-, Seiden- 
Tind Wollsticker. In enger Beziehung zur Seidenindustrie steht auch die Manu- 
faktur goldener und silberner Fäden, Tressen und sonstigen Zierats, welche 1686 
begründet worden war und im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts unter allen 
verwandten Manufakturen den glänzendsten Aufschwung nahm. Dieser Industrie- 
zweig hing mit der Einwanderung der französischen Befugies nicht zusammen. 
Inzwischen ist in B. und Umgegend der Seidenbau eifrig betrieben, welcher unter 
der Begierung Friedrich Wilhelms I. mit besonderem Nachdruck gepflegt wi/rde. 
Auch der Wollen- und Leinwandmanufakturen nimmt sich der König an. Von 
den französischen Sammet- und Seidenstoffmanufakturen war damals nur noch 
eine, die 1709 begründete von Bourgnignon, in Betrieb, die auf 10 — 15 Stühlen 
arbeitete und ihren Absatz zum guten Teil im Auslande, namentlich auf den 
Messen zu Frankfurt und Leipzig, fand. Für Halbseidenstoffe wird 1709 die 
Gutbiersche Fabrik begründet, Delon (seit 1709) und Duchesne (seit 1713) 



Berlin. 79 



gelten als Vertreter der Seidenstrumpfwirkerei. Die Jahre 1728—35 bezeichnen 
den Höhepunkt der industriellen Entwickelung Preussens unter Friedrich Wil- 
helm I. 1732 kommt der bisher in Dresden tätige Seidenfabrikant Claude 
Pitra aus Lyon nach B. und gründet auf Veranlassung des Königs eine Manu- 
faktur. Mit dem Jahre 1735 beginnt wieder eine Handelsstockung, welche sich 
bis in den Anfang der Regierung Friedrichs II. ausdehnte. Friedrich der Grosse 
schuf schon in den ersten Wochen seiner Pegierung eine neue Abteilung im Ver- 
waltungswesen, das sogenannte „Fünfte Departement", welchem die Sorge für 
Handel und Industrie im ganzen Gebiete der Monarchie übertragen ward: unter 
den näheren Aufgaben dieser Behörde stand die Förderung der Seidenindustrie 
obenan. Zunächst beschränkte man sich darauf, das Vorhandene vor dem Ver- 
fall zu bewahren. Bis zum Jahre 1748 blieb die Geschäftslage eine sehr schwierige. 
Der Fabrikant Pitra beschäftigte 1740 von seinen 32 Stühlen nur noch 6 und 
musste unterstützt werdei? , um seinen italienischen Seidenhändlern bezahlen zu 
können; seit 1743 hört mau nichts mehr von ihm. 1742 hatte sich einer seiner 
Gesellen, Cuissart aus Lyon, selbständig gemacht, musste aber wegen Nieder- 
gang des Geschäftes entweichen. Am schwersten litt unter der langen Absatz- 
stockung die grosse Gobelinsmanufaktur von Charles Vigne, welche bisher 
meistens für das Ausland, auch viel für den russischen Hof geliefert hatte. Der 
König selbst war der beste Abnehmer im Lande: unter den Geschenken, welche 
den fremden Gesandten gegeben wurden, sollte sich jedesmal eine Tapete von 
Vigne im Werte von 1500 Talern befinden. Aber die Bedeutung dieser Ber- 
liner Industrie geht dahin. Im scharfen Gegensatz dazu stehen die Sammet- und 
Seidenmanufakturen in Potsdam (s. d.). Nach dem Dresdener Frieden (1745) 
bricht eine neue Zeit für die gesamten wirtschaftlichen Unternehmungen an. Um 
die Entwickelung des Seidengewerbes macht . sich der Minister Marschall sehr 
verdient. Als dieser 1749 stirbt, übernimmt Friedrich der Grosse persönlich die 
Leitung. In Berlin war damals der Gesamtbetrieb in allen Zweigen der Industrie, 
mit Einschluss der Halbseiden-, Seidenstrumpf- und Seidenbandfabrikation, auf 
900 — 1000 Stühle gebracht worden, wovon 4 — 500 auf Sammet- und Seidenzeug- 
manufakturen kamen.- Die Arbeiter stammten aus allen Ländern: Meister und 
Gesellen aus Italien und Oesterreich, aus Leipzig und Dresden, aus Hamburg, 
Amsterdam und Kopenhagen, aus Basel und Zürich, namentlich aber aus Frank- 
reich und zwar vorzugsweise aus Lyon, wo die preussischen Agenten besonders 
rührig warben. In besonderer Gunst beim König stand die Berliner Sammet- 
fabrik von Gotzkowsky, welche aus derjenigen von Blume hervorgegangen 
war: sie beschäftigte 1753 bereits 145 Stühle. Auch Girard und Michelet 
werden erwähnt, als eines der ersten Handlungshäuser das Unternehmen von 
Fr, W. Schütze. Bernhard Is'aac wird unter den jüdischen Seiden- 
händlern als einer der ersten genannt. Viel Mühe gab sich der König schon 
damals um die Einführung der Seidenbandfabrikation, welche in Holland, in 
Basel und Krefeld so ausserordentlich grosse Erfolge aufzuweisen hatte: be- 
sonders bezeichnet werden die Posamentierer Moses Ulff und Büchling. 
Der Seidenbau lag hauptsächlich in den Händen der Geistlichen und Schulmänner. 
1750 setzte der König besondere Preise aus für die besten Leistungen in und 
um Berlin. Eine hervorragende Musteranstalt für den Seidenbau wurde die in 
B. begründete Königliche Pealschule, die der Pastor Heck er von der Dreifaltig- 
keitskirche leitete. Der Seidenertrag hob sich stetig und betrug 1754 2637 Pfund, 
wovon die Kurmark allein 1835 Pfund lieferte. Um die Seidenzwirnerei zu fördern, 
liess man 1748 einige Seidenzwirner aus Lyon kommen; die bedeutendsten waren 
die Gebrüder Fonrobert; trotzdem aber konnte der Bezug des gezwirnten Materials 
aus Italien nicht aufgegeben werden. — Der siebenjährige Krieg bildet den 
U ebergang zu einer neuen Epoche auch für die Seidenindustrie in B. Mangel 
an Arbeitskräften verteuern den Arbeitslohn. Der auswärtige Absatz geriet 
gänzlich ins Stocken. Als Gotzkowsky 1756 die Leipziger Herbstmesse bezog, 
konnte er statt deren sonst für 40000 Tal er , nur für 200 Taler verkaufen. 
Trotzdem machte sich eine fühlbare Betriebsstockung zunächst nicht bemerkbar; 
erst nach dem Friedensschlüsse traten die Wirkungen des Krieges in Handels- 



80 Berlin. 



krisen hervor. Der Erste, welcher der Katastrophe zum Opfer fiel, war Gotz- 
kowsky: er legte neben den eingegangenen Seidenfabriken eine Porzellanfabrik 
an: Gr. nahm übrigens in den Jahren von 1746 — 1756 in der Geschichte der 
preussischen Seidenindustrie einen hervorragenden Platz ein. Trotzdem dann in 
den Jahren von 1763 — 66 eine ganze Peihe von Unternehmungen begründet 
wurden, sind erneute Krisen nicht zu vermeiden. Man sucht im einzelnen zu 
helfen, um wenigstens einen völligen Stillstand der Fabrikation zu vermeiden. 
Yon 1766 — 1786 macht sich wiederum ein lebhafter Aufschwung bemerkbar, der 
namentlich in den 70er Jahren durch Massnahmen des Königs erreicht ist. Als 
Massstab hierfür kann gelten , dass von 1770 — 1780 der Absatz an allerhand 
Seidenwaren einheimischer Fabrikation (d. h. in Preussen überhaupt) auf den 
Frankfurter Messen von 2—300 000 Taler im Jahr auf 7—800 000 Taler stieg. 
Der König ordnet Verbesserung der Fabrikate an. Die Appretur wurde durch 
Einführung der französischen Zylindriermaschine vervollkommnet; das Moirieren 
(s. d.) der Zeuge , welches mit Hilfe einer englischen Maschine versucht worden 
war, wurde durch die Gebr. Massonneau wieder aufgenommen. Die in Mode 
kommenden chinierten Zeuge, bei welchen das Muster durch gefärbte Kette ge- 
bildet wird, werden von einem eigens aus Frankreich verschriebenen Seiden- 
arbeiter gemacht; auch auf gute Musterzeichner, Musterleserinnen, Färber und 
Färberinnen wird Bedacht genommen. Im Jahre 1781 beginnt wieder ein Rück- 
gang, der indessen nicht lange anzuhalten scheirt. Zu den bisher genannten Er- 
zeugnissen kommt 1769 eine nach Pariser Muster und mit Pariser Arbeitern 
angelegte Blondenfabrik. Ferner wird in demselben Jahre eine Fabrik künst- 
licher Blumen nach italienischer Art begründet. Diese Artikel werden hergestellt 
aus den feinen Häuten der Kokons, bunten Seidenfäden u. s. w. Man beschäftigt 
auch hier meist Pariserinnen. 1773 wurde die Manufaktur an den Berliner 
Kaufmann Friedel verkauft, der mit 150 — 200 Arbeiterinnen jährlich für über 
24000 Taler an Wert herstellt. Die Pflege des Seidenbaues, welcher sich Fried- 
rich der Grosse nach dem siebenjährigen Kriege wieder mit grosser Fürsorge 
annimmt, wird nach seinem Tode vernachlässigt. Diese Industrie hatte über- 
haupt bald nach dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IL eine schlimme 
Zeit durchzumachen, wobei die ungünstige Seidenernte in Italien (1787) einen 
grossen Einfluss hatte. Der Preis des Materials stieg um mehr als 40% und 
die Fabrikation wird eingeschränkt. In Berlin gingen über 300 Stühle, etwa 
der neunte Teil der bisher betriebenen, ein; 1791 ist die Krisis wieder vorüber. 
In den Jahren 1794 und 1795 ist die Zahl der Stühle in B. auf 3 700 und 
4200, 1796 auf 4500 Stühle gewachsen, worunter 2800 in reinseidenen Stoffen 
beschäftigt waren. Auf den glänzenden Aufschwung der Berliner Seidenindustrie 
folgte ein Rückgang: die Stühle für ganzseidene Waren gingen um 1000 herunter. 
Indessen erhält sich das Seidengewebe in bezug auf die Güte der Waren auf 
der Höhe. Die grosse Katastrophe, welche im Jahre 1806 das ganze altpreussische 
Yerwaltungssystem umstürzte, hat auch die Berliner Seidenindustrie an den Rand 
des Unterganges geführt. Im Jahre 1807 sank der Betrieb auf 523 Stühle, hob 
sich noch einmal auf 1481, ging in der Kriegszeit aber wieder stark herab, um 
1819 abermals auf 1122 zu steigen. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts fabriziert 
Berlin noch die ganzseidenen und namentlich auch die gemusterten kostbaren 
Modestoffe. Die Zahl der Jacquardstühle betrug im Jahre 1846 für B. 372 
und noch 1861 zählte man deren 208. Auch in den gemusterten Seidenbändern 
"zeichnet sich B. um diese Zeit aus. Aber im Laufe der 50er und 60er Jahre 
sieht man sich gezwungen, wie die übrigen Fabriken anderer Städte, zu der 
Herstellung leichter, glatter Stoffe überzugehen. Neben der eigentlichen Weberei 
entwickelte sich die Seidenzwirnerei samt der Fabrikation von Näh- und Stick- 
seide und namentlich die früher noch sehr unvollkommene Seidenfärberei zu 
bedeutenden Gewerbszweigen. 1871 betrug die Menge der gefärbten Seide 
320000 Pfd. und noch heut ist dieser Zweig der Seidenindustrie von Bedeutung. 
Das eigentliche Seidenwebergewerbe ging aber immer mehr herunter. Die Gewerbe- 
zählung von 1875 wies in der Stadt nur noch 203 Seidenweber, einschliesslich 
der Lehrlinge auf, während überhaupt im ganzen Seidengewerbe (Spinnerei, 



Berlin. 81 



Zwircerei u. s. w.) 686 Arbeiter beschäftigt waren. (lieber die Musterung der 
älteren Gewebe vergl. den Artikel Deutschland.) 

Die moderne Textilindustrie in B. erstreckt sich besonders auf 
gewebte Wollwaren; sie umfasst in neuester Zeit auch die Fabrikation von Orleans, 
Shawls, Teppichen und Strumpfwaren. Die Seidenindustrie ist so gut wie ganz 
zurückgegangen, dagegen haben sich Färberei und Druckerei in Wollgarn, Seide 
und Baumwolle, sowie das Konfektions- und Modewarengeschäft zu grosser Blüte 
entfaltet. — An Sammlungen von älteren Textilien besitzt 

das König 1. Kunstgewerbe- Muse um (Direktion: Geh, Keg.-Kat 
Prof. Dr. Lessing [Sammlung], Prof. Ernst Ewald [Unterrichtsanstalt], Dr. 
P. Jessen [Bibliothek]), die in geschichtlicher Beziehung bedeutendste der Welt. 
Sie verdankt seit dem Jahre 1873 sachgemässe Anlage und weiteren Ausbau der 
Tätigkeit Geh. Pat Lessings. Ein im Jahre 1890, gelegentlich der Gesamt- 
ausstellung dieser Stoffsammlung, herausgegebener kleiner Führer zählt 11 055 Stücke 
verschiedener Gruppen auf, wovon 6079 auf die Gewebe und innerhalb dieser 
1472 auf solche Stoffe kommen, die vor der gotischen Periode liegen. Eine aller- 
neueste Notiz gibt 12 000 Gesamtnummern dieser Sammlung an und es ist wohi 
anzunehmen, dass unter den seit 1890 gemachten Neuerwerbungen sich meistens 
Stoffe der älteren Epochen befinden. Den Hauptschatz bilden die frühmittel- 
alterlichen Stoffe vor dem Erblühen der Webereien in Aegypten und Sizilien. 
Während das eine oder das andere Museum davon nur vereinzelte Stücke besitzt, 
finden sich hier Hunderte z. T. vorzüglich erhaltene Muster. Ueberaus zahlreich 
sind die arabischen Seidengewebe verschiedener Perioden und ihre italienischen 
Nachahmungen, meist in grossen Stücken vertreten, ebenso die italienischen des 
15. und 16. Jahrhunderts. Grössere Gruppen bilden die chinesischen und japa- 
nischen Stoffe, denen sich kostbare Stickereien, eine Spitzensammlung und orien- 
talische Teppiche anreihen. In Arbeit befindet sich zur Zeit die Veröffentlichung 
dieser „Gewebesammlung des Königlichen Kunstgewerbe-Museums zu 
Berlin" (Verlag E. Wasmuth, Berlin), welche auf 400 Tafeln (200 farbig, 
200 schwarz) angelegt ist. Das Werk wird im Auftrage der Preussischen Staats- 
regierung mit erheblichem Zuschuss von Staatsmitteln herausgegeben; es hat 
nicht nur den archäologischen und kunsthistorischen Zwecken des Unterrichts in 
Webeschule und Zeichensaal zu dienen. Für die Perioden, in denen das Material 
reichlicher vorhanden ist, dem späteren Mittelalter und der Renaissance, wird 
keine Vollständigkeit angestrebt, es werden aber ausgesucht schöne und typische 
Exemplare gegeben. Aehnliche Publikationen hat sowohl Geh. Pat Lessing per- 
sönlich, als auch die Verwaltung der König]. Museen in Berlin als solche, über 
Stickereien und altorientalische Teppiche veranstaltet: vgl. hierüber die einzelnen 
Artikel. In der Unterrichtsanstalt des Museums bestehen Zeichenklassen 
für Flächenmuster, insbesondere für Weberei und Stickerei; auch wird eine be- 
sondere Fachklasse für ausführende Kunststickerei unterhalten. Die Bibliothek 
enthält alle Vorlagenwerke, welche im Bereiche der Textilkunst erschienen sind; 
ein für Studienzwecke höchst wertvoller Apparat ist die reiche Vorbildersamm- 
lung, welche Photographien und sonstiges Abbildungsmaterial, in Mappen histo- 
risch und nach Techniken geordnet , enthält und den Besuchern zur freien Be- 
nützung im Lesesaal zur Verfüg^ang steht. Die Ornamentstichsammlung 
bewahrt wertvolle alte Stick- und AVebemusterbücher. Der Bibliothek angeschlossen 
ist die (für sich aufgestellte) Freiherrlich Lipperheidesche Kostüm- 
bibliothek, welche für Trachtenstudien das wertvollste Material bietet. — 
Von anderen Abteilungen der Königl. Museen in Berlin enthält diejenige der 
ägyptischen Altertümer [Direktor: Prof. Dr. Ermann] eine reiche Samm- 
lung von Textilien, welche in den letzten Jahren durch die koptischen Grab- 
funde eine wertvolle Bereicherung erfahren hat. Für Studien im Bereiche 
altchristlicher Kunst ist in Vorbereitung eine Sammlung derselben Grabfunde, 
welche im Kaiser Friedrich-Museum [Direktor: Geh. Peg.-Pat Dr. Bode] 
aufgestellt werden wird. 

Das Museum für deutsche Volkstrachten und Erzeugnisse 
des Hausgewerbes, im Jahre 1888 errichtet, enthält für Studien über ge- 
Heiden, Handwörterbuch der Textilknnde. 6 



82 Bern — Bettdecken. 



webte und gestickte Bauerntrachten und damit zusammenhängende Einzelheiten 
ein reiches Material. (Führer herausgegeben 1895.) 

Die Städtische Höhere Webeschule, (Direktor: Gr. Weber), 
zerfällt in eine Tages-, eine Abend- und Sonntagsschule; es wird in der Weberei 
Wirkerei, Posamentierer ei und Färberei unterrichtet , wobei die Be- 
dürfnisse der Berliner Textil- und Konfektions-Industrie Berücksichtigung 
finden. Eingeschlossen sind: kaufmännische, Musterzeichnen-, Hand- und Maschinen- 
stickerei-Kurse , die nach Bedürfnis erweitert werden. Die Dauer derselben ist 
je nach Bedarf und den Verhältnissen bemessen ; der jährliche Kursus kostet für 
Schüler des preussischen Staates 60 Mark. 

Zum Zwecke des Unterrichts in der Stilkunde ist eine umfangreiche Stoff- 
sammlung angelegt, welche Gewebe, Stickereien, Si3itzen und Teppiche älterer 
Zeit enthält, woran sich Musterkollektionen der modernen Industrie anschliessen. 

Die König]. Preussische Zentralstelle für Textilindustrie, 
(Direktor: Professor Max Gürtler), übt die Aufsicht über die Preussischen 
Fachschulen für Textilindustrie im Auftrage des Ministeriums für Handel 
und Gewerbe aus. Sie fertigt Lehrmittel für die Fachschulen, übernimmt 
chemisch-technische Untersuchungen aller in das Textilfach schlagenden Mate- 
rialien und vermittelt die Arbeitsverteilung an die Königl. Preussischen Stick- 
schulen. 

Bern, Hauptstadt des Schweiz. Kantons und Bezirks B. : Woll-, Seiden- 
und BaumwoUwarenfabrikation. (Vgl. Burgundische Tapeten.) 

Bernau in der Mark, Stadt im preuss. Eegbez. Potsdam: Woll-, Baum- 
woll- und Seidenweberei, Posamentenfabriken. 

Bernay, Hauptstadt des Arrond. im franz. Depart. Eure : Woll- und Baum- 
wollspinnereien, Garnbleichen. Wichtig ist die Leinwandmesse. 

Berneck, Stadt im bayr. Regbez. Ostfranken : Baumwollenweberei, Leinen- 
fabrik. 

Bernstadt, Stadt in Schlesien: Tuchweberei. 

Berthelsdorf bei Hainichen, in der Amtshauptmannschaft Döbeln der 
sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig: bedeutende Flanellfabrik, Wollspinnerei 
und Bleichen. 

Berthelsdorf bei Herrenhut in der Oberlausitz: Baumwolldamastweberei. 

Berwer, abgeleitet von berbicinus, im Mittelalter Name eines Wollenstoffes. 

Besan^on, Hauptstadt des franz. Depart. Doubs und des Arrond. B. : 
bedeutende Fabriken liefern Leinwand, Woll-, Baum woll- und Seidenzeuge; 
Tuchhandel. 

Besatztuch, aus Streichwolle hergestelltes T. , gewalkt, gerauht und ge- 
schoren. 

Besigheim, Oberamtsstadt im württ. Neckarkreis : Fabrikation von Band- 
und Trikotwaren. 

Besooty, eine Sorte Cassas (s. d.) welche die Dänen ehemals aus Ost- 
indien brachten. 

Bestaubte Tapeten, s. Flocktapeten. 

Bethilles, Betilles, ein lockeres, baumwollenes, meistens weissgestreiftes 
oder weissgegittertes Gewebe, welches in vielen Gegenden Ostindiens häufig ver- 
fertigt und nach allen Gegenden Asiens kommt ; früher brachten es die Holländer, 
Franzosen und Dänen auch nach Europa, allein schon seit Jahren wird der Stoff 
hier durch die schottischen, sächsischen und schweizerischen Musseline verdrängt. 

Bethune, Hauptstadt des Arrond, B. im franz. Depart. Pas-de-Calais : 
Leinwandbleichen und ansehnlicher Handel mit Leinwand. 

Bettbarchent, Bettdrell, s. Barchent. '' 

Bettdecken als abgepasste Ware, Schlafdecken (franz.: couvertures 
de lit), bilden in allen Stoff- und Webarten einen bedeutenden Handelsartikel. 
Es sind gewöhnlich dichte festgewebte Zeuge aus Schafwolle, Baumwolle, Seide 
und aus sonstigen gemischten Stoffen, die in deutschen, niederländischen, fran- 
zösischen und englischen Manufakturen verfertigt werden. Die schafwollenen 
Decken sind hierunter am gangbarsten , besonders die sogenannten Burger- 



Betthimmel. 83 



decken, welche im früheren Herzogtum Berg (s. d.), in und um Burg, und die 
Neumünster-Decken in Holstein, gewöhnlich aus B,auh- oder Pelzwolle der 
Weissgerber, die man aus den benachbarten Provinzen bezieht, in grosser 
Menge verfertigt und von da nach allen Gegenden, wo die Decken von Federn 
nicht in Gebrauch sind, verkauft werden. Obenan stehen eigentlich die ge- 
wöhnlichen Sorten , welche nicht nur zu Lagerdecken für die Soldaten und 
Krankenhäuser, sondern auch für die Kavallerie unter die Sättel der Pferde 
gebraucht werden. In denselben Werkstätten bei Burg u. s. w. werden auch 
die sogenannten Baumwollendecken gemacht, deren Kette gewöhnlich von Leinen- 
garn, der Einschlag von Baumwolle ist und welche nicht gewalkt, sondern nur 
trocken gerauht und aufgekratzt werden und zwar mit Karden. Ausser diesen 
Burgerdecken macht man auch solche in Bayern, Hannover, Sachsen u. s. w., 
ebenso werden sie im Böhmischen, Mährischeu und Schlesischen in den ver- 
schiedensten Sorten gefertigt. Die englischen Manufakturen liefern eine grosse 
Menge von Bettdecken in allen möglichen Arten von Geweben und Stoffen unter 
den verschiedensten Bezeichnungen : Pose Blankets (weisse, wollene), Parish Man- 
tels (langhaarige, bunte), Cots oder Cuts (gewöhnliche für die Hängematten in 
den Schiffen), Hykes (ganz dichte und festgewebte) u. s. w. Torringtons sind 
geköperte Decken. Baumwollene, barchentartig gewebte und auf der einen Seite 
gerauhte Decken liefern namentlich die Manufakturen von Manchester unter dem 
Namen Counterpanes (vgl. Palampores). Dergleichen kommen auch aus Sachsen : 
aus der Gegend von Hohenstein. In Frankreich werden wollene Decken, meistens 
ungeköpert, mit und ohne eingewirkte Streifen gewebt : Canadas (festgewebte, 
dicht gewalkte, weisse), deren grösster Teil nach Nordamerika geht; die besten 
macht man in Pouen und Darnetal aus spanischer Wolle. Castalognes oder 
Castelognes sind feine weisse Decken, welche ursprünglich aus Barcelona und 
Umgegend in den Handel kamen, später aber auch in Frankreich nachgemacht 
wurden. Haardecken (thibandes) werden viel im franz. Depart. Calvados gefertigt 
und als Pferdedecken nach der Schweiz, Belgien und i^merika geliefert. Bett- 
decken verschiedener Grösse aus Kattun, Pique, Seidenzeug u. s. w. werden 
auch zum Verkauf genäht; man pflegt sie mit Baumwolle, Watte oder Florett- 
seide auszustopfen und dann in Mustern zu übersteppen, damit das dazwischen 
wattierte Material sich nicht verschiebt. Einige Sorten dieser doppelten oder 
gesteppten Decken kommen unter dem Namen Courte pointe oder Contre pointe 
aus Frankreich. In Italien sind die Corperte per Letto als Bettdecken ein sehr 
guter Artikel. 

Gestickte Bettdecken gehören in neuerer Zeit oft zu den selbst- 
gefertigten Gegenständen der Aussteuer. Man näht Bahnen des am breitesten 
liegenden Kongress- oder Kanevas-, Leinen- oder Baumwollenstoffes zusammen 
und stickt breite Borten- oder geeignete Streumuster in rot und blauem 
waschbarem Garn darauf. In vornehmeren Häusern sind neben den Filetbett- 
decken, deren Untergrund aus schwerer farbiger Seide besteht, auch solche mit 
aufgenähtem breitem Seidenband in der Linienführung des sogenannten Kurven- 
stils (s. d.) in Aufnahme gekommen, wobei nur eine Decke für zwei zusammen- 
stehende Betten eingerichtet wird , in der Art , wie solche in früheren 
Zeiten für die breiten , sogenannten Himmelbetten üblich waren, (Vgl. 
Abb. 35). 

Betthimmel (lat. : celura, coelum; franz.: ciel de lit; engl.: sperver, 
esperver), als Bekrönung der breiten, reichgeschmückten, sogenannten „Parade- 
betten" hatten sich in der Penaissancezeit allmählich aus dem in geschwungenem 
Giebel abgeschlossenen Kopfblatt des Bettes entwickelt, wo man diesen von der 
bisher mit der übrigen Architektur zusammenhängenden Wandbekleidung loslöste. 
Ein auf vier Säulchen ruhendes Gebälk enthält in leichtem Pahmen einen glatten 
oder drapierten Umhang aus reich gemusterten gewebten, gestickten oder be- 
malten Stoffen, welche als Lambrequinstreifen, oberer Fries oder Behang, den 
herüberhängenden Abschluss bilden. Im 17. Jahrhundert fallt die vollstän- 
dige Ueberdachung des Bettes weg und der B. erscheint von der Wand her als 
krönender Baldachin (s. d.) über dem Kopfende des Lagers. 



34 Bettleinwand — Biambonnees. 

Bettleinwand, eine bunte, gewöhnlich rot und weiss oder auch blau und 
weiss, in verschiedenen Mustern karierte Leinwand, in welcher häufig die bunten 
Fäden Baumwollengarn und nur die weissen Leinen sind, die sich aber durch 
ihr festes dichtes Gewebe auszeichnet und deshalb zu gewöhnlichen Bettüber- 
zügen verbraucht wird. Die Art des Stoffes mit der karierten Musterung ist 
schon im frühen Mittelalter bekannt gewesen : es haben sich zahlreiche Beispiele 
hiervon in koptischen Gräbern gefunden (s. d,). 

Bettlersammet (franz.: velours de gueux), ein französischer Stoff, dessen 
Kette von Leinengarn, der Einschlag von Baumwolle gemacht wird; man webt 
ihn besonders in der Gegend von Lyon. 

Bettstout (engl.), Bettdrell, Inlett, einfarbig oder gestreifter,. dicht gewebter 
Baumwollenstoif in Bindung von vierschäftigem Köper. 

Betzingen, Dorf in Württemberg : Baumwollspinnerei und -weberei ; Fa- 
brikation von Nähzwirn aus Leinen, und von Weberuten süien ; eigene Volkstrachten. 

Beuchen (Bäuchen, Büken), Wäsche, Garne, Gewebe zur Wäsche in Lauge 
(Beuche) einweichen. 

Beuel, Dorf im preuss. E,egbez. Köln : Jutespinnerei und -weberei, Gurten - 
fabrik und Rosshaarspinnerei. 

Beuteltuch, Siebtuch, Siebleinwand, Müllertuch, Müllergaze (franz. : toile ä 
bluteau, toile ä moulin, toile ä tamis, toile ä sas, etamine ä bluteau ; engl.: bolding 
cloth) ; durchsichtige , fein netzförmige , aber aus starken , fest gedrehten Fäden 
gewebte Stoffe, welche sowohl zum Durchsieben oder Durchbeuteln des Mehls in 
den Mühlen, als auch za Sieben, Fensterrahmen u. s. w. gebraucht werden. Die 
verschiedenartige Anwendung macht dieses Gewebe zu einem bedeutenden Han- 
delsartikel. Man webt den Stoff meistens aus Wollengarn, doch kommt er auch 
aus Leinen, Baumwolle, roher Seide und aus Haaren in Verwendung (s. a. 
Haartuch). 

Bevagna, Stadt im Kreis Spoleto der ital. Prov. Perugia: Handel mit 
den berühmten Hanf- und Leinengeweben. 

Beveren (Beveren-Waes), Dorf in der belg. Prov. Ostflandern: bedeutende 
Spitzenklöppelei. 

Beyrut, s. Beirut. 

Bezane, Bezans, heissen in Frankreich verschiedene weisse oder gestreifte, 
auch mannigfaltig gefärbte bengalische Kattunsorten. 

Bezetten, Bezetta, Tournesolläppchen, mit Farbstoffen verschiedener Art 
imprägnierte Leinwandläppchen, die vorzugsweise zum Schminken benutzt werden. 

Beziers, Hauptstadt des Arrond. B. im franz. Depart. Herault : Woll- 
spinnereien, Seiden- und Wollmanufakturen ; Handel mit Seide. 

Bhamo, Bhamr, Bhamar, Bamo oder Bhanmo ; birman. Bhamaw ; chines. 
Sin-kai (Neumarkt), bedeutendste Handelsstadt in Birma in Hinterindien. Der 
sehr belebte Ort ist Hauptsitz des birman. -chines. Handels. Alljährlich treffen 
hier vom Oktober bis Mai (nur die Regenzeit unterbricht den Verkehr) die mit 
Seide und Manufakturwaren beladenen Karawanen chines. Kaufleute, zunächst 
aus der Prov. Jün-nan und die flachen Boote der Birmanen mit ihren Baum- 
wollballen zusammen. Der IJeberwert der Baumwollausfuhr findet seine Aus- 
gleichung zum Teil durch Einfuhr von Sammet- und Seidenzeugen, russ. Tuch 
u. s. w. Versuche der Engländer, von hier aus den Handel mit Südwestchina 
zu leiten, sind an der Landesnatur gescheitert, da zwischen B. und Jün-nan hohe 
schneebedeckte Ketten zu übermüden sind. (Vgl. Kreitner, Im fernen Osten, 
Wien 1885.) 

Bhangulpore, ostindische Baumwollsorte. 

Bharotsch, Hauptstadt des Distrikts B. der Prov. Gudschrat in d^r indo- 
britischen Präsidentschaft Bombay: bedeutende Baumwollpflanzungen. 

Biala, Stadt in Galizien : bedeutende Leinwandweberei und Hauptsitz der 
galizischen Tuchfabrikation, deren Produkte, insbesondere bunt gefärbtes Tuch, 
nach dem Orient, schwarzes nach der Schweiz und Amerika ausgeführt werden. 

Biambonnees, ostindische Zeuge, welche ganz aus Baumbast gefertigt und 
gewöhnlich dunkelbraun oder dunkelgelb gelärbt werden (s. Bast). 



Biancavilla — Biella. 85 



Biancavilla, das alte luessa, Stadt in der Prov. Catania auf Sizilien: 
alle Baumwollengewebe dieses Teiles von Sizilien heissen Biancavilla-Zeuge. 

Bias, bucharisch und kalmückisch Bös, weisser baumwollener Stoff in drei 
Sorten, dem Tschaldar (s. d.) ähnlich. Er kommt häufig im russischen Handel 
mit den Biicharen und Kalmücken vor, am meisten in Astrachan, Orenburg und 
einigen sibirischen Gegenden. 

Blasse, rohe, levantinische Seide. 

Biaza, russ. Armiak, eine Art Kamlot, von den astrachanischen Tataren 
aus Kamelhaar gefertigt. 

Biber (engl.: Beavers), in einzelnen feinen Sorten nach dem Französischen 
Castorin und nach dem Englischen Beaver genannt, ein beidrecht geköpertes Woll-, 
jetzt meist Baumwollgewebe mit feiner, stark gedrehter Kette und grobem, schwach- 
gedrehtem Einschlag, das auf beiden Seiten sehr stark gerauht ist • hiernach bilden 
die in der Längenrichtung des Stücks, nacb dem Strich liegenden Härchen des 
Einschlags, eine dichte Decke, wodurch der Stoff das Aussehen eines dicken 
langhaarigen Tuches gewinnt. 

Biberach in Württemberg, Stadt: Posamentierwarenfabriken. 

Bicester, Stadt in der engl. Grafschaft Oxford : Spitzen- und Sackleinwand- 
fabrikation. 

Biddeford, Stadt im County York des nordamerik. Staates Maine: Baum- 
wollspinnereien . 

Bideford, Hafenstadt in der engl. Grafschaft Devon: Spitzen- und Segel- 
tuchfabrikation. 

Biedenkopf, Kreisstadt im preuss. ßegbez. Wiesbaden: "Wollweberei. 

Biel, Hauptstadt im Schweiz. Kanton Bern: Baumwollspinnereien. 

Bielefeld, Stadt im preuss. Pegbez. Minden : einer der wichtigsten Plätze 
Deutschlands für Leinweberei und Flachsspinnerei. Erstere wird schon im An- 
fang des 14. Jahrhunderts erwähnt, jedoch erst durch Einwanderer aus den 
Niederlanden im 16. Jahrhundert gefördert, die in und um B. die Fabrikation 
der Schleier, der sogenannten klaren Leinewand, und die Flachsspinnerei ein- 
führten. Der neue Erwerbszweig blühte besonders seit den Zeiten des Grossen 
Kurfürsten rasch auf. Die Batist- und Damastweberei, worin B. ebenfalls einen 
Puf geniesst, kam seit dem Siebenjährigen Krieg in Aufnahme. Gegenwärtig 
liefert B. besonders feinere Sorten Leinen, ausserdem fertige Wäsche, wobei 
über 160 Firmen arbeiten (zum Teil mit Dampf getriebene Nähmaschinen) und 
über 3500 Personen beschäftigt sind. Von Bedeutung sind: die Pavensberger 
Spinnerei mit der Filiale in Wolfenbüttel (30 200 Spindeln), die Spinnerei Vor- 
wärts (10 850 Spindeln), die beide zusammen für 9 Mill. Mk. jährlich fertig 
stellen, und die 1863 begründete mechanische Weberei (950 Stühle und 200 000 
Stück Jahresproduktion). Die grossartigen Bleichen um B. sind meist nach 
irländischem und belgischem System eingerichtet. In neuerer Zeit wird auch 
Seiden-, Sammet- und Plüschweberei betrieben. Unter dem Namen Biele- 
felder Leinwand versteht man eines der besten deutschen Leinen; durch 
ihr dichtes, gleiches Gewebe, durch die Gleichheit der Fäden, welche durch den 
Gebrauch nicht dicker werden, wie es bei der anderen Leinwand häufig der 
Fall ist, und durch ihre Haltbarkeit steht sie der holländischen L. wenig nach ; 
die feinste kommt dem niederländischen Batist nahe. Früher wurden die 
Stücke der B. -Leinwand an beiden Enden mit einem Adler gestempelt, da die 
verpflichteten Schau- oder Leggemeister jedes Stück auf den „Leggen" genau 
untersuchten und dasjenige, welches nicht für fehlerfrei erkannt wurde, weder ge- 
stempelt, noch auf den Bleichen zugelassen, auch nicht ausser Landes verkauft 
werden durfte. 

Bielitz, Stadt in Oesterreichisch-Schlesien : bedeutende Schafwollindustrie, 
ausserdem Flachsgarn- und Jutespinnerei. Von grosser Wichtigkeit ist der 
Handel des Ortes in Tuch waren nach dem Orient. (Vgl. Haase, Die Bielitz - 
Bialaer Schafwollwarenindustrie Teschen-Bielitz 1874). 

Biella, Hauptstadt der ital Prov. Navarra : viele Manufakturen in Tüchern, 
Leinwand; Handel mit Seide. 



8() Bienenzellenmuster — Bildwirkerei. 

Bienenzellenmuster (franz.: dessin alveolaire; engl.: cellular pattern), ein 
aus sechseckigen Feldern bestehendes Muster, das im Füllgrund gewisser fran- 
zösischer Spitzen des 18. Jahrhunderts vorherrscht; aber auch schon am Ende 
des 16. Jahrhunderts in spanischen Sammetstoffen sehr beliebt ist, wo es auf 
Grund geometrischer Konstruktion entstand. (Vgl. auch Bobbinnet.) 

Bietigheim, Stadt in Württemberg : grosse Kammgarnspinnerei 5 Färbereien. 

Biggleswade, Stadt in der engl. Grafschaft Bedfort: Spitzenfabrikation. 

Bilbao, Hauptstadt der span. Provinz Biscaya: Baumwollfabrik, Tuch- 
fabriken; bedeutende Ausfuhr von Wolle. 

Bildgewebe (franz.: etoffes faconnees; engl.: fancy cloth) , gemusterte, 
fassonnierte, dessinierte; figurierte Stoffe; diejenige Art von Geweben, in denen 
durch Benützung verschiedenartiger Kett- und Schusseffekte, mit oder ohne 
Farbenverschiedenheit, eine Zeichnung (Muster, Dessin, Figur) hergestellt ist : 
daher Bildweberei s. v. w. Musterweberei. Die Zeichnung kann entweder in 
regelmässiger Anordnung auf der ganzen Fläche wiederholt, oder in Form und 
Grösse dem Gebrauch des Stoffes entsprechend, gleichsam architektonisch 
innerhalb eines bestimmt abgegrenzten Raumes mit Borte oder Einfassung, 
Mittelstück, Eckstücken u. s. w. angeordnet, also nur einmal ausgeführt werden. 
Stoffe der letzten Art werden abgepasst genannt; zu ihnen gehören Tafeltücher, 
Servietten , Handtücher , gewebte Teppiche u. s. w. Der Grund wird bei 
einfachen Stoffen meist in glatten Bindungen: leinwand-, köper-, atlas-, zuweilen 
auch wohl gazeartig gewebt; die Flächen des Musters werden meist durch flottere 
Bindungen gebildet, z. B, Leinwandgrund mit fünf- oder sechsbindigen Atlas- 
figuren, oder fünfbindiger Schussatlasgrund mit Figuren in acht- oder zehn- 
bindigem Atlas; oder man lässt nur den Kett- und Schusseffekt bei gleichen 
Bindungszahlen wirken, wie bei Damast. Bei Doppelgeweben mit mehreren 
Ketten und Schüssen besteht das auf glattem Grund gebildete Muster aus lang- 
flottenden Kett- oder Schussfäden, die nur an passenden Stellen abgebunden 
werden, oder es arbeitet wohl auch ein glattes Untergewebe mustermässig durch 
ein glattes Obergewebe, z. B. : baumwollene Garten- und Kaffeetischdecken. Um das 
Muster möglichst hervortreten zu lassen, wird dasselbe öfters in feinem, glänzen- 
dem, lebhaft farbigem, sogar von dem Stoff des Grundes verschiedenem Material 
hergestellt, namentlich aber wird das Sichtbarw^erden der Zeichnung durch Frei- 
liegen (Flotten) der musterbildenden Fäden erreicht. Prinzipiell soll die Faden- 
verbindung des Musters eine wirkungsvollere, gefälligere als die des Grundes sein, 
mindestens darf sie dieser in Glanz und Farbe nicht nachstehen. In manchen 
Fällen kommt ein glatter Grund überhaupt nicht zum Vorschein, indem das 
Muster mit seinen mannigfaltigen Formen, aus verschiedenen Ketten und Schüssen 
gebildet, die Fläche des Gewebes vollständig deckt: z. B. bei Gobelinimitationen. 

Bildwirkerei bezeichnet eine Handfertigkeit, welche auf senkrecht oder 
Avagerecht gespannter Kette durch Einziehen farbiger Fäden bildartige* Flächen 
herstellt. Die Technik an und für sich reicht in ein hohes Altertum zurück 
und darf als eine Vorstufe der eigentlichen Weberei gelten: wir sehen sie bei 
allen Völkern entstehen, sobald es sich um Anfänge einer Stoffmusterung handelt» 
Hatten dies schon früher vereinzelt vorkommende Proben, sowie die Mumien- 
stoffe von Peru (s. d.) gezeigt, so wurde die volle Bestätigung dafür gegeben 
durch die seit etwa zwei Jahrzehnten aus den sogen. Koptischen Gräbern (vgl. 
den Artikel Koptische Funde) zu uns gelangenden Wirkereien. Die künstlerische 
Ausbildung der B. hat je nach dem Stande der Kultur stattgefunden. Für die 
gröbste Art solcher Wirkereien geben uns die sogen. Kilims (s. d.) der asiatischen 
Völker ein Beispiel. Ihre zackig absetzende Musterung ist entstanden, indem 
man bunte Wolle durch bestimmte Gruppen von Kettfäden hin und her ^führte, 
ohne dabei in andere Farben oder nebenliegende Grundfäden überzugreifen. Durch 
diese Art der Mustergebung ist es bedingt , dass an den Kanten der einzelnen 
Farbenflecken die Kettfäden auseinanderfallen und Schlitze gebildet werden. Der 
Orientale kennt aber keine andere Art der Bildwirkerei, sie hat bei ihm sogar 
seit altersher im feinsten Material, in Seide und Goldfäden, die vollendetste 
Ausbildung erfahren. (Vgl. den Artikel Schlitzwirkerei.) Es wohnt den Völkern 



Billardtuch — Bindungen. 87 



des Orients das Gefühl inne, die Art der Nadelmalerei, wie sie die auf höchster 
Stufe stehende Technik der B. erzeugt, durch die Stickerei darzustellen. (Vgl. orien- 
talische Stickereien.) In Europa führen uns die ersten Bildwirkereien nach den 
nördlichen Ländern, mit ihnen setzt eine andere Art ihres Gebrauchs ein und 
auch die Technik erweitert sich. (Vgl. nordische Kunstweberei.) Fanden im 
Orient die gewirkten Arbeiten Verwendung zur Ausstattung der Kostüme, und 
gröbere- Kilims zu Behängen der Zelte u. dgl., so nimmt die B. in Europa unter 
den verschiedensten Benennungen die Gestalt des Wandteppichs (s. d.) an, dessen 
Musterung und Technik sich mit der Zeit so vervollkommnet, dass sie sich in 
Frankreich unter dem Namen Gobelin (s. d.) als Tapisserie (s. d.) in die Reihen 
der ersten Kunstwerke einordnet. 

Billardtuch, aus Streichwollen hergestelltes T., roh gewebt und im Stück 
gefärbt (grün), in Bindung von dreischäftigem Köper. 

Billerbeck in Westfalen: Leinwandweberei. 

Binche, Stadt in der belg. Provinz Hennegau, nach welcher man ver- 
schiedene Arten von älteren Klöppelspitzen bezeichnet, die aber nicht alle ihren 
Ursprung hier haben. Die eigentliche B. ist eine geklöppelte Spitze der Kokoko- 
zeit, welche sich durch ihre unendliche Feinheit in der Textur auszeichnet: ihre 
Blütezeit geht bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, die Musterung bewegt sich 
in Ranken aus breitem Blatt- und Blütenwerk , welche der sogenannten point 
d'Angleterre ähnlich sieht. Schon seit dem Ende des 18. Jahrhunderts werden 
in B. die sogenannten Fleurs ä plat für die in Brüssel auf Tüll „applizierten 
Spitzen" gefertigt. (Vergl. Artikel und Tafel Klöppelspitzen, sowie das Werk: 
Lejeune, Histoire de la ville de B. [Binche 1890].) 

Bindelli nennt man in Italien die seidenen, goldenen und silbernen Borten, 
die besonders in Mailand auch unter dem Namen venetianische Borten verfertigt 
werden; in früherer Zeit wurden sie auch in Wien, Berlin, Hamburg und 
Leipzig gewirkt. 

Bindfaden, Spagen, Spagatfaden (franz. : ficelle ; engl. : string, pack thread ; 
ital. : spago) , eine aus Flachs oder Hanf gesponnene dünne Schnur , die aus 
zweifach oder dreifach zusammengesetzten Fäden besteht, welche bald stärker, 
bald schwächer, bald fester, bald lockerer gedreht sind. Die feinste Art ist der 
sogenannte Kanzleibindfaden, die gröbste Art der Zuckerbindfaden. (Vergl. die 
Artikel Schnüre und insbesondere Seilerei.) 

Bindlöcher werden in der Weissstickerei runde ausgeschnittene, durch 
Knopflochstiche übernähte Durchbrüche genannt. 

Bindungen heissen in der Weberei die Verkreuzungen der Kettfäden mit 
den Schussfäden. Man unterscheidet drei „Haupt- oder Grundbindungen" und 
unzählige davon „Abgeleitete Bindungen". Erstere sind: a) die Leinwand-, Tuch- 
oder Taffetbindung; b) die Köperbindung; c) die Atlasbindung. Zu einer Bin- 
dungseinheit, dem Bindungsrapport, gehören bei der Leinwandbindung zwei Kett- 
und zwei Schussfäden, die wechselweise hoch oder tief liegen; bei der Köper- 
bindung mindestens drei Kett- und drei Schussfäden, von denen bei jedem Schuss- 
faden ein Kettfaden hoch oder tief liegt; bei der Atlasbindung mindestens fünf 
Kett- und fünf Schussfäden. (Vgl. Bindungstafel XV, Abb. 1 — 3.) Die Leinwand- 
bindung stellt sich als ein schachbrettartiges Muster dar; bei den Köperbindungen 
zeigen sich auf der Fläche des Gewebes schräg laufende Grade (Bindungsgrade), 
während beim Atlas die Bindungspunkte (Hoch- oder Tiefgänge der Kettfäden) 
regelmässig über den Rapport verteilt sind, ohne sich gegenseitig zu berühren. 
Die „Abgeleiteten Bindungen" entstehen auf die verschiedensten Weisen: z. B. 
durch Verdoppelung der Kett- oder Schussfäden, durch Hinzufügen einzelner 
Bindungspunkte oder ganzer Gruppen , durch Umordnen der Fäden u. s. w. 
Gewebe mit einer Bindungsart über die ganze Breite nennt man „glatte", solche 
mit wechselnden Bindungen nebeneinander werden als „fassonierte Gewebe" be- 
zeichnet. (Ueber Atlas [Satin] , gemischte und weitere Bindungen vgl. die Stoff- 
arten im Einzelnen.) 

Literatur: Denk, Bindungslehre für Gewebe, Altona 1883/86; Jos. 
Vincenz, Lehrbuch der Bindungslehre und Dekomposition, Dresden 1895; 



3g Bionde — Bischweiler. 



Fr. Donat, Methodik der Bindungslehre und Dekomposition , Wien 1892; 
Oelsner, Die deutsche Webeschule, Altona 1891; E^eiser und Spenn- 
rath, Handbuch der Weberei, Bd. II, Die Kompositionslehre. 

Abbildungen auf der Bindungstafel XV : 

1. Leinwand-, Tuch- oder Taffetbindung. 

2. Köperbindung: vierbindiger Schussköper. 

3. Atlasbindung: fünf bindiger Schussatlas. 

4. Panamabindung: dreifädige und dreischüssige Taffetbindung. 

5. Achtbindig gleichseitiger Köper. 

6. Achtzehnbindiger Mehrgradköper. 

7. Sechsbindig gebrochener Schussköper. 

8. Zickzackköper von vierbindigem Kettköper (Drell). 

9. Zweifädiger füuf bindiger Atlas. 

10. PanamaAtlas. 

11. und 12. Kreppbindungen. 

18. Doppelgewebe: eine Kette, zwei Schuss; oben und unten vierbindiger Köper. 

14. Doppelgewebe: eine Kette, zwei Schuss; oben achtbindiger, gleichseitiger 
Mehrgradköper, unten achtbindiger Kettköper. 

15. Doppelgewebe: zwei Ketten, ein Schuss; oben und unten vierbindiger Köper. 

16. Doppelgewebe: zwei Ketten, ein Schuss; oben vierbindiger Köper, unten 
achtbindiger Atlas. Oben und unten Taffet mit taffetartiger Anbindung. 

17. und 18. Verbundene Hohlgewebe: zwei Ketten, zwei Schuss; oben vierbindiger 
gleichseitiger Köper, unten achtbindiger Atlas mit köperartiger Atlasbindung. 

(Die linke untere Ecke auf den Einzelbildern zeigt die Darstellung der wirk- 
lichen Fädenlage: schwarz = Schuss, weiss = Kette. Rechts von der Bindungs- 
darstellung ist Schnitt in Kettrichtung, unten ist Schnitt in Schussrichtung angeben.) 

Bionde (ital.) s. Blonden. 

Biredschend oder Birdschan , Stadt in der pers. Provinz Khorassan : 
erzeugt Knüpfteppiche, welche sich durch grosse Festigkeit und Dichte des 
Gewebes auszeichnen, so dass 3000 bis zu 8000 Knüpfungen auf 100 qcm kommen. 
Dagegen fühlen sie sich bei aller sammetartigen Weichheit der Oberfläche des Flors 
sehr steif an und sind wenig schmiegsam. Die Musterung der Biredschend-Teppiche 
ist sehr wechselnd. Eines der gewöhnlichsten Motive ist das der aneinander 
gereihten Palmwipfel oder des Shawlmusters (s. d.). 

Biret (lat. : biretum, birretum) , Kopfbedeckung der römisch-katholischen 
Geistlichkeit. 

Birma, zum indobritischen Heiche gehörendes Land in Hinterindien: 
Herstellung grober Baumwollenstoffe und Zeuge aus inländischer Seide; 
Zeugfärberei. 

Birrus (lat.), (franz. bureau), ursprünglich ein leinenes Gewand, bei den 
Kömern auch der Name für eine bestimmte Gewandform : das älteste Bischofs- 
gewand. Später ein derber flockiger Stoff, sowie ein Mantel daraus; auch zu 
Mützen verwandt, woraus die Namen Birretum, Baret u. s. w. 

Bischofsornat, dasselbe besteht (nach Bock, Geschichte der liturgischen 
Gewänder, Bd. II. S. 222) aus folgenden Teilen: 1. die bischöflichen Strümpfe, 
2. die Sandalen oder Schuhe, 3. der Amictus oder das Schultertuch, 4. die Alba, 
5. der Gürtel zur Aufschürzung der Alba, 6. die Stola, 7. die Tunika, 8. die 
Dalmatika, 9. die Casula oder Planeta, 10. die Handschuhe, 11. die Mitra oder 
Infula, um welche die gefürsteten Bischöfe einen kronenartigen Kj?anz zu 
tragen pflegen, 12. der Manipulus. (Yergl. über diese textilen Einzelheiten die 
betreffenden Artikel.) Dazu kommen als metallische Insignien: 13. der Bing, 
14. das Brustkreuz oder Pektorale; 15. der Bischofsstab und endlich als besonders 
auszeichnende Ornate für den Bischof und den Erzbisch. : 16. das gallikanische 
Pallium, 17. das erzbischöfliche Pallium. 

Bischofsmütze s. Mitra. 

Bischweiler, Hauptstadt des Kantons B. in Elsass-Lothringen : die vor 
1870 bedeutende AVoUgarn- und Tuchfabrikation ist infolge der veränderten 
Absatzverhältnisse zurückgegangen; zwei neuerdings gegründete Aktiengesell- 



Bisette — Blattstechen. 89 



Schäften haben die Fabrikation wieder aufgenommen. Ferner bestehen Fabrikation 
von Leinwand, bedeutende Jutespinnerei und -Webereien. 

Bisette (franz.), gestickte Tresse ; auch Bezeichnung für eine leinene 
Bauernspitze, welche die Landleute im franz. Depart. der Seine und Oise aus 
weissem Garn klöppeln. 

Biskra oder Biskara, Stadt im Arrond. Batna im südl. Algerien : Burnus- 
und Teppichfabrikation. 

Bislint, eine sehr schmale Bandsorte aus Westfalen. 

Bisonhaar, Büffelwolle. Der amerikanische Büffel oder Bison hat zwischen 
seinen langen groben Haaren eine feine Wolle, welche der Merinowolle und dem 
Yicunnahaar ähnelt: sie wird zu Filzarbeiten und anderen groben Textilwaren 
verarbeitet. 

Bissonata^ grobe Wollenstoffe, tuchartig gewebt, braun oder schwarz 
gefärbt, vornehmlich in Frankreich für Ordensgeistliche gefertigt. 

Bitlis oder Bedlis, Hauptstadt des asiat.-türk. Vilajets B. : E,otfärberei 
und Baumwollzeugweberei; Ausfuhr von Wolle, Einfuhr von Baumwolle aus 
Persien. Durch Hausindustrie Erzeugung von Teppichen nach persischen Mustern. 
(Yergl. Anatolische Teppiche). 

Bitre ist eine Art der Brabanter Leinewand. 

Bjela, Kreisstadt im russ.-poln. Gouvernement Sjedlez: Flachsbau und 
Leinenweberei. 

Bjelosersk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Nowgorod: Spitzenklöppelei. 

Bjelostök, Kreisstadt im russ. Gouvernement Grodnow: 19 Woll- und 
Tuchfabriken. 

Blanc (franz: le blanc, das Weisse), bei den französchen Manufaktur- 
warenhändlern alles das von ihrer Ware, was gebleicht worden ist: Lein- 
wand, Batist, Kalicot, Perkai, Musselin. Manche dieser Kaufleute teilen 
ihr blanc wieder in blanc de coton (Baumwollenweiss) und in blanc de fil 
(Leinenweiss). 

Blanc, Le, Hauptstadt des Arrond. Le B. im franz. Depart. Indre : 
Woll- und Leinenweberei, Tuchmacherei. 

Blancards oder Bouen blancards ist der Name einer der gangbarsten 
französischen Leinenstoffe, welcher in den beiden Departements des Calvados 
und der Oise aus halbgebleichtem Flachsgarn gewebt und halbgebleicht verkauft 
wird. Früher suchte man die besten und feinsten Stücke aus und verkaufte sie 
unter dem Namen Fleurets oder Floretas nach Spanien; jetzt kennt man im 
Handel nur B.'s von verschiedener Qualität. 

Blankets s. Bettdecken. 

Blaquets (franz.), Druckwalzentücher, starke, gewalkte wollene Tücher, 
welche eine gewisse Dichte, Zurichtung und Breite haben müssen, entsprechend 
den Verhältnissen der Druckwalze, für die sie gebraucht werden und in der sie 
dienen, die zu bedruckenden Stoffe unter die Walze durchzugleiten und die 
erforderliche Unterlage zu gewähren. 

Blatt, Teil des Webstuhls, dasselbe besteht aus zwei horizontalen Leisten, 
zwischen welchen aufrechtstehende, glatt abgerundete Stäbchen, die Bohre 
(Bieth, Biede) von Teichrohr, Messing oder Stahl, befestigt sind. Das B., 
welches in der Fuge des Ladendeckels und der des Ladenklotzes befestigt wird, 
dient dazu , die von dem Kettbaum durch das Geschirr (Schäfte) kommenden 
Kettfäden aufzunehmen und dieselben über die ganze Breite der Ware in regel- 
mässigen und paralellen Abständen von einander zu halten, andererseits dient es 
auch dazu, die Schussfäden, welche in die Fachöffnung der Kette eingetragen 
werden , gegen die fertige Ware zu drücken und somit die Dichtheit der Ware 
herzustellen. 

Blattgang, derselbe bezeichnet in der Dichtenbestimmung eines Gewebes 
die Summe von 20 Bohren; nach Blattgängen wird die Blatthöhe (Blattdichte) 
bemessen. (Yergl. Blatt.) 

Blattstechen gehört zu den Vorbereitungen der Webematerialieu, im engeren 
Sinne wird das Einziehen der Kettfäden in die Riethlücken (Bohre) darunter ver- 



90 ßlaubeuren — Bleichtücher. 



standen. Das B. wird von zwei Personen ausgeiührt. Die eine sticht mit dem 
Eiuziehhcäkchen oder Blattstecher durch die Oeffnung zweier Bohre, während 
die andere so viel Kettfäden , als in dieselbe kommen sollen , abzählt und 
auf den Einschnitt legt. Die erste Person zieht dann den Blattstecher zurück 
und hält die Fäden mit der linken Hand fest. Die Zahl der ins Bohr zu 
ziehenden Fäden ist je nach dem herzustellenden Stoff verschieden (s. a. Blatt). 

Blaubeuren, Oberamtsstadt in Württemberg: Leinenweberei, grosse Blei- 
chereien. Sitz der 1. Sektion der Leinenberufsgenossenschaft. 

Blaue ostindische Leinwand nennt man zuweilen eine Art Baftas (s. d.). 

Blaumachen ist ein um das Jahr 1832 in die Schwarzfärberei der Seide 
eingeführtes Verfahren, das darin besteht, das auf der Faser fixierte Eisenoxyd 
in sogenanntes Berlinerblau überzuführen : einerseits , um die Erschwerung 
(s. d.) zu erhöhen, andererseits um den Ton des Schwarz ins Bläuliche scheinen 
zu lassen. 

Bleichen (franz.: blanchiment; engl.: to bleach), heisst in der Technik 
die Zerstörung oder Umwandlung der organischen Farbstoffe, mit denen viele 
Bohmaterialien aus dem Pflanzen- und Tierreich in der Art behaftet sind, dass 
durch dieselben das Aussehen der daraus hergestellten Fabrikate beeinträchtigt 
wird. Je nach der Art der zu bleichenden Stoffe und ihrem Verhalten den 
bleichenden Mitteln gegenüber, sind verschiedene Arten des Bi. zu berücksichtigen. 
Im Allgemeinen unterscheidet man zwischen ISJatur-, Kunst- oder ehem. Bleiche. 
Die Naturbleiche ist ein von alters her angewandtes Verfahren und beruht 
darauf, dass die in Betracht kommenden färbenden Substanzen fast sämtlick 
unter der Einwirkung von Luft, Feuchtigkeit und Sonnenlicht, wahrscheinlich 
infolge der Bildung von Ozon oder Wasserstoffsuperoxyd, zerstört werden. Es 
erfolgt dies um so leichter und vollkommener, je vollständiger alle sonstigen 
fremden Stoffe vorher durch Waschen und Beuchen (Büken) (s. d.) u. s. w. 
beseitigt sind. Die vorbereiteten Stoffe werden so in feuchtem Zustande der 
Wirkung des Sonnenlichts ausgesetzt, indem man sie auf ebener Unterlage, am 
besten und einfachsten auf dem Basen (Basenbleiche) ausbreitet. Der dem 
Boden entsteigende Wasserdampf, der sich niederschlagende Tau trägt zur Er- 
haltung der nötigen Feuchtigkeit bei, die aber bei trockener Luft und hoher 
Wärme durch Besprengen zu vermehren ist. Allmählich tritt dann eine Ver- 
änderung im Aussehen der Stoffe ein, das ursprüngliche Grau schwindet mehr 
und mehr, bis nach einiger Zeit das reine, schneeige Weiss hervortritt. Gegen- 
wärtig ist die Naturbleiche, die sich wegen der langen Zeit, die sie erfordert, 
für die Grossindustrie nicht eignet, durch die ehem. B. oder Kunstbleiche fast 
gänzlich verdrängt. Zum B. von Baumwolle, Leinen- und Papierzeug findet 
der Chlorkalk Verwendung, dagegen nie bei Wolle oder Seide, weil er diese 
Fasern zerstören würde. Letztere werden gewöhnlich so gebleicht, dass man sie 
im nassen Zustande in einem geschlossenen Baume aufhängt, in dem man durch 
Verbrennen von Schwefel gasförmige , schweflige Säure erzeugt. Diese wird 
von dem den Stoff durchtränkenden Wasser aufgesogen und zerstört die 
Farbstoffe. 

Literatur: Hummel, Färberei und Bleicherei (deutsch von Knecht, 
Beil. 1891); Herzfeld, das Färben und B. (ebd. 1890); Frey, Anlage, 
Konstruktion und Einrichtung von Bleicherei- und Färbereilokalitäten (ebd. 1888) ; 
Joclet, Vollständiges Handbuch der Bleichkunst (2. Aufl. Wien 1895); Herz- 
feld, das Färben und B. (Tl. 1, Berl. 1900). 

Bleicherode, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Erfurt: Fabrikation von Leinen- 
waren (26 Fabriken mit 258 Stühlen), in der Umgegend Handweberei, im Orte 
selbst zwei, im nahen Oberdorf eine mechanische Weberei für leinene und 'baum- 
wollene Waren, ausserdem Bleicherei und ausgezeichnete Flachsbereitungsanstalten.. 

Bleichtücher, unter diesem Namen wurden in Hamburg und Bremen eine 
Sorte westfälischer Leinwand verkauft, welche aus grobem Flachs- und Hanfgarn 
halb gebleicht oder ganz roh vorkommt. Nach Südamerika gingen sie unter 
dem Namen Augule millas , nach Portugal und Brasilien unter der Benennung 
Brins de festo ; in jenen Gegenden wurden sie zu Säcken , Decken und Ver- 



Bloemfontein — Bobbinnetm aschine. 9 1 

packung verbraucht , auch dienen sie zu Unterlagen für die zu bleichenden 
dünnen Schleier u. s. w. 

Bloemfontein, Hauptstadt des OraDJe-Freistaates: lebhafter Handel mit 
Wolle. 

Blonden (franz.: blondes; engl.: blonds-laces ; ital. : blondes), geklöppelte 
oder genähte Spitzen aus starker, weicher und offener Hohseide , in der Regel 
weiss (nach ihrem gelblichen Schimmer B. genannt) , selten schwarz oder bunt, 
deren weiter, netzartiger Grund mit Blumen und anderen Figuren gefüllt ist. 
Zuerst , um die Mitte des 18. Jahrhunderts , in Frankreich (besonders Caen, 
Bayeux und Chantilly) meist geklöppelt, nach der Farbe blondes ecrus oder 
nach Herkunft des Fadens nankings genannt, später unter verschiedenen Be- 
zeichnungen und Arten bekannt: blondes de fantasie oder Modeblonden, 
leichte seidene Spitzen, deren Grund mit der Bobbinnet- oder Pelinetmaschine, das 
Muster hinein genäht oder gehäkelt wurde; seidene sogen, points d'Espagne 
wurden geklöppelt, dahin gehören auch die Schmelzspitzen der Chenillenblonden, 
ferner die blondes en persil, d. h. diejenigen, welche in ihrem Grunde kleine 
Blätter in Form der Petersilie haben, endlich gibt es auch blondes des 
d'application: Applikationsblonden, welche früher teils mit der Maschine 
und in Verbindung von Klöppelei und Stickerei hergestellt wurden. Fausses 
blondes nennt man im allgemeinen die mit offener Seide ausgenähten Seiden- 
tüllstoffe oder auch solche mit eingewirkten Mustern, wobei die Bobbinnetm aschine 
Anwendung findet. Die italienischen B. werden am häufigsten in Venedig und 
Genua gefertigt; Spanien bezieht B. in grossen Mengen aus Paris und Le Puy; 
an deutschen B. sind namentlich die des Sächsischen Erzgebirges zu nennen 
(vgl. Spitzen). 

Bludenz, Stadt in Vorarlberg : Baumwollenspinnereien, Bleicherei, mechan. 
"Weberei. 

Blumlyleinwand ist der schweizer Name der früher im Kanton Bern 
gewebten und durch Modeldruck gemusterten Zwilliche mit ausgesparten weissen 
oder blauen und roten Blumen. 

Blyant, blyat oder pliat, Name eines Seidenstoffes, der in einem deutschen 
Wörterbuche aus dem Jahre 1482 als „byssus jacinthus, edel seyden gewandt" 
aufgeführt und in den späteren Kommentaren der Minnegedichte kurzweg als 
„kostbarer Seidenstoff" bezeichnet wird. 

Bobbinnet (franz. : tulle anglais ; engl. : bobbin net) , Bobinet , Spitzen- 
grund, Bobinetspitzen, englischer Tüll, Bezeichnungen für spitzenartige Gewebe, 
welche auf der Bobbinnetmaschine (s. d.) hergestellt sind; sie geben eine Nach- 
ahmung des geklöppelten, auch genähten Spitzengrundes in dem sogen. Waben- 
oder Bienenzellenmuster wieder, welches aus sechseckigen Löchern oder Maschen 
besteht. B. erscheint platt oder gemustert in den verschiedensten Arten; die 
glatte Ware nennt man auch Quillings oder Plaitings; gemusterte B. ahmen 
täuschend die points d'Alencon nach. B. hat die Eigenschaft, durch Heraus- 
ziehen von Kettenfäden in Streifen zu zerfallen, welche dichte Kanten und 
Zäckchen haben und dadurch zu Besatzspitzen werden. Der bedeutende Handel 
in B. erklärt sich dadurch, dass er den grössten Teil der früher gebräuchlichen 
Baumwollengaze^ der handgeklöppelten, gewebten und gewirkten Spitzen verdrängt 
hat. B. wird vorzüglich in England (seit Anfang des 19. Jahrhunderts) und 
Frankreich, jetzt auch in Oesterreich und Belgien hergestellt. 

Bobbinnetmaschine, die künstlichste Webmaschine, ist für glatten Bobbinnet 
(s. d.) zuerst in den Jahren 1808 und 1809 von John Heathcoat in Nottingham 
konstruiert und wurde 1816 oder 1820 im franz. Depart. Calais nachgeahmt. In 
Sachsen hatte sich der Weber Schönherr in Plauen und die Wirker Pupf und 
Berthold zu Neukirchen Mitte der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts selbständig 
mit der Erfindung und dem Bau einer B. beschäftigt und es wurde auch mit 
Unterstützung der sächsischen Regierung im Jahre 1830 in Harthan bei Chemnitz 
ein grosser Betrieb für Herstellung von Bobbinnet eingerichtet; aber schon im 
Jahre 1838 musste das unter der Firma Sächsische Bobbinnetm anufaktur um- 
gewandelte Aktienunternehmen der englischen Konkurrenz weichen. Erst im 



92 Bobine — Bochara. 



Herbst 1879 hat die Herstellung von gemustertem Bobbinnet (engl. Tüllgardinen) 
in Sachsen wieder Aufnahme gefunden. 

Literatur: A. TJre, Cotton Manufacture of Great Britain (2 Bd., 
Lond. 1836; neue Aufl. 1861; deutsch Weim. 1837; 2. Ausg. 1842); S. Fer- 
guson, Histoire du tulle et des dentelles mecaniques en Angleterre et en France 
(Par. 1862); W. Felkin, A history of the machine-wrought hosiery and lace 
manufactures (Cambridge 1867); C. Müller, lieber Bobbinnetmaschinen mit 
Jacquard (im „Civilingenieur" 1884); M. Kraft, Studien über mechan. Bobbinnet- 
und Spitzenherstellung (Berl. 1892). 

Bobine (franz.: bobbine ; engl.: bobbin), die Spule in der Maschinen- 
spinnerei ; auch soviel wie Kötzer : der birnförmige Körper, der aus dem G-arn 
beim Aufwickeln auf die Spindeln der Mulemaschine gebildet wird. 

Bobinoir, Vorspinnmaschine für Kammgarn und Seide; in der Weberei 
das Spulrad oder die Spulmaschine zum Aufwickeln der Kette. 

Böblingen, Oberamtsstadt in Württemberg: Spinnerei, mechan. Trikot- 
weberei, Fabrikation von Tuch, halbwollenen und halbleinenen Zeugen. 

BÖbrka, Stadt in Galizien : Kunstweberei, Leinenhandel. 

Boccadillos, spanischer Name einer aus Schlesien nach Spanien und Süd- 
amerika versandten weissgebleichten Leinwand , die auch unter dem Namen 
Platilles simples, einfache Platilles vorkommt und in Schlesien jauerische Lein- 
wand hiess. Sie ist sehr dünn gewebt, durchsichtig und daher billig, steif gestärkt ; 
dient in den Kolonien zu Negerhemden, Totentüchern u. dergl. 

Boccage, eine Gattung Leinwand, damastartig, welche zu Servietten im 
franz. Departement des Calvados gewebt wird. 

Boccassini, weisse, ziemlich feine baumwollene Zeuge, musselinartig leicht 
gewebt, in Natolien und Morea gefertigt. 

Bochara, Bokhara, Buchara, Khanat in Turkestan, mit gleichnamiger 
Hauptstadt, welche früher unter der arabischen Herrschaft als Mittelpunkt 
orientalischer Wissenschaften galt. Bisher nur Hausindustrie, jetzt aber Ver- 
wertung der Seide in grösseren Spinnereien an Ort und Stelle ; es werden Stoffe 
und Teppiche erzeugt. Der Handel durch Karawanen von jeher stark entwickelt; 
namentlich kommen Baumwolle und Seide zur Durch- und Ausfuhr, Baumwollgarn 
und Baumwollwaren , Seidenzeuge , gefärbte Lämmerfelle aus Bussland zur 
Einfuhr. Bochara- oder Bokharateppiche kommen in grösster Mannig- 
faltigkeit nach Europa. Dem von E. v. Kuczynski für den Katalog der Teppich- 
ausstellung in Wien 1891 gegebenen Bericht entnehmen wir: 

Im Grundtone (rot oder rotbraun, sehr grell) stimmen sie alle mehr oder 
weniger überein, die Einzelheiten der Zeichnung wechsein jedoch fast in jedem Stück. 
Dennoch lassen sie sich von den eigentlich turkmenischen (s. d.) dm'ch das fast 
durchweg reichhch vorkommende Ockergelb, durch den langhaarigen Flor, sowie in 
der Zeichnung, endlich durch die Menge von phantastischen Figuren auseinanderhalten, 
welche nach Simakoff (L'Art de l'Asie Centrale, St. Petersbourg, 1883) sämtlich auf 
die in den dortigen Steppen lebenden giftigen Insekten, den Skorpion und die Tarantel, 
zurückzuführen sind. Im Gegensatz zu den übrigen orientalischen Teppichbezeichnungen 
heissen die langhaarigen bokharischen Teppiche mit weicher Oberfläche in den dortigen 
Gegenden Kilim (s. d.) ; z. T. werden dieselben von den in der 2sähe des Urmitan- 
passes überwinternden Oezbegen hergestellt. Die B. sind ganz aus Wolle in Wolle 
geknüpft und haben vielfach auch einen seidenartigen Glanz; „die Oezbegen ziehen," 
wie Robinson TEastern carpets, London 1882 u. 1893) erwähnt, ..die schönste Wolle, 
da sie ihre Schafe mit grosser Sorgfalt pflegen, sie unter Obdach halten und sie sogar, 
wenn sie der Witterung ausgesetzt sind, in Kotzen (das sind starke, wollene Decken) 
einhüllen wie wir die Pferde." Das Gewebe dieser Teppiche ist ziemlich locker: es 
kommen ungefähr 6 — 700 Knüpfuugen auf 100 qcm; die Knüpfung geht nach Schema IV 
und auch nach Schema III (vgl. den Artikel Knüpfteppiche : ,, Technisches ")( Die 
bokharischen T, kommen in allen Grössen vor , auch Gebetteppiche (s. d.) sind 
vorhanden. Die Raumeinteilung im Innengrunde ist in der Regel eine geometrische. 
Auch erscheint sie durch abgetreppte Zickzackbänder hervorgebracht, die von Schmal- 
seite zu Schmalseite laufen und in ihrer helleren Eärbung auf dem indischroten 
Grunde dem Ganzen ein geflammtes Aussehen geben , das unmittelbar an die ähnlich 
gemusterten Seidenstoffe von Samarkand (s. d.) erinnert. Die Motive sind teils geo- 
metrischer Xatur, teils vegetabilischen Ursi^rungs, aber auch in letzterem Falle von 



Bocholt— Böhmen. 93 



geometrischer StihsieruDg. Oft hält es schwer, die Bedeutung einzelner, besonders 
phantastisch gestalteter Motive zu ergründen. Mit den von langstieligen Haken um- 
ränderten oblongen Motiven pflegt der dortige Arbeiter, wie schon bemerkt, die Vor- 
stellung von Skorpionen und Taranteln zu verknüpfen. Charakteristisch für bokharische 
Gebetteppiche ist die Gestalt der JsTische. Diese schliesst nämlich mit dem Spitzgiebel 
nicht definitiv ab , sondern setzt sich in Form eines schmalen Halses , dann aber in 
einem annähernd kreisrunden Anhängsel nach oben fort. Dieses Anhängsel lässt sich 
historisch aus dem Hufeisenbogen (s. arabischer Stil) ableiten, der dann als Bekrönung 
der Nische zu denken wäre. Die Gesamtsilhouette dieser bokharischen Gebetnischen 
erinnert aber auch an die türkischen Grabsteine mit dem aufgesetzten Turban. Ueber 
letzteren erhebt sich ferner in der Regel eine Doppelvolute , die an Insektenfühler 
erinnert und vielleicht mit jenen oben erwähnten, der Phantasie der dortigen Teppich- 
knüpfer vorschwebenden Tieren in Verbindung gebracht werden darf. Von den Farben 
ist insbesondere das Indischrot für ßokharateppiche charakteristisch ; als Grundfarbe 
erscheint es regelmässig verwendet. In den Motiven findet sich häufig ein Englischrot 
und dann ein Ockergelb ; alle diese drei Farben zusammen erzeugen eine gewisse 
Gesamtwirkung. Der gewirkte Verstoss an den Schmalseiten der B. ist in der Regel in 
blossen Streifen gemustert. (Vgl. Teppiche.) 

Bocholt oder Bochold, auch Bockholt geschrieben, Stadt im preuss. Keg.- 
Bez. Münster : bedeutende Baumwollenspinnereien, berühmte Barchent- und Baum- 
wollwebereien, Fabrik grober Wollzeuge; Färbereien und Bleichereien. 

Bocqueralen hiessen früher die zu Hamburg gefertigten Futterleinen. 

Bodenwerder, Stadt im preuss. E,eg.-Bez. Hannover: Kunstwollfabrik, 
"Wollgarnspinnerei. 

Bodiasse, chinesische, gewöhnliche Seide. 

Bodmin, Hauptstadt der engl. Grafschaft Cornwall : Wollindustrie. 

Bogensaum oder Ziersaum , entsteht an leichten Stoffkanten durch Ein- 
biegen derselben um 2 — 3 cm nach innen; zieht man die dann nach auf- und 
abwärts gemachten Vorstiche zusammen, so bilden sich kleine Bogen im Stoffe, 
welche noch ornamentaler wirken, wenn man zu den Stichen andersfarbige Seide 
oder Garn als die des Grundstoffes wählt (s. Ziersaum bezw. Ziernaht). 

Bogorösdsk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Moskau; grosse Woll- und 
Seidenfabriken ; Anfertigung von Tuchen, Baumwollstoffen. 

Bohain, Hauptstadt im Arrond. St. Quentin des franz. Depart. Aisne: 
Seidenfabrikation, Färbereien, Kaschmir-, Gaze- und Baregesfabriken. 

Böhmen. Die Textilindustrie lieferte 1890 Waren im Werte von 
212 685 Mill. Guld. In der Leinenindustrie haben die Spinnereien besonders in 
Trautenau beträchtlich zugenommen. 1890 standen in B. 22 Spinnereien mit 
243 000 Spindeln in Betrieb, welche 490 000 Schock Garne im Werte von 
18,65 Mill. Guld. erzeugten. Die Zahl der Webestühle für Leinen- und Halb- 
leinenindustrie betrug in 48 Fabriken 8305 Hand- und 996 mechan. Stühle mit 
einer Produktion von 9,65 Mill. Guld. Die Tuch- und Schafwollenindustrie^ 
vornehmlich in und um Reichenberg, hat im fabrikmässigen Betriebe eine grosse 
Ausdehnung erlangt, ist aber als Handwerk dem Verschwinden nahe. Eine 
Spezialität bilden die türkischen Kappen (Fes), welche zu Strackonitz fabriziert 
werden. In gemischten Stoffen ragen insbesondere Asch, Aussig und Warnsdorf, 
ersteres zugleich in der Strumpfwirkerei, hervor. Die Zahl der Streichgarn- 
spinnereien betrug 1890: 90 mit 150 000 Feinspindeln und einer Produktion im 
Werte von 16 Mill. Guld. ; jene der Kammgarnspinnereien 6 mit 127 984 Spindeln 
und 9 949 500 Guld. Die Streichgarnweberei beschäftigte 69 Fabriken mit 6244 
Arbeitern und 2093 mechan. Stühlen, welche für 13,23 Mill. Guld. erzeugten; die 
Kammgarnerzeugnisse 62 Fabriken mit 26 313 Arbeitern, 9713 einfachen und 
3523 mechan. Jacquardstühlen und 26,63 Mill. Guld. Produktion. In der Baum- 
wollenindustrie ist die Spinnerei (1890) in 81 Fabriken mit 17 067 Arbeitern 
und 1 255 931 Spindeln vertreten, welche 27 790 t Garne und Zwirne im Werte 
von 28,12 Mill. Guld. erzeugten. Die Baumwollabfallspinnerei (31 Fabriken 
mit 52 752 Spindeln) erzeugte 7840 t im Werte von 3,54 Mill. Guld. Die Baum- 
wollenweberei hat nunmehr zum grossen Teil den Maschinenbetrieb aufgenommen 
und beschäftigt in 274 Fabriken 50 085 Arbeiter, 14 800 Hand- und 35 000 mechan. 
Stühle mit einer Produktion von 3,72 Mill. Stück und 420 000 m im Werte von 



94 Böhmische Schocke — Bombasin. 

57,12 Mill. Guld. Durch den Appreturverkehr gewann letztere einen Markt in 
Deutschland, da es deutschen Druckereien gestattet war, die aus Oesterreich 
bezogenen Gewebe in bedrucktem Zustande zollfrei nach Oesterreich einzuführen. 
Was die Weberei hierdurch gewann, hat die Druckerei eingebüsst, die nach dem 
Eingehen der kleinen Fabriken nur noch 19 allerdings bedeutende Etablissements 
zu Prag und Kosmanos mit 4016 Arbeitern zählt. Ausserdem haben in der 
Textilindustrie noch einige Bedeutung die Seidenweberei (1890 : 20 Fabriken 
mit 2 124 000 Guld. Produktion) , die Jutemanufaktur (10 Fabriken mit 3000 
Arbeitern und 1,43 Mill. Guld.), 53 Färbereien mit 3129 Arbeitern, 76 Appretur- 
anstalten mit 3880 Arbeitern und die Wirk- und Strickwarenerzeugung (61 Fabriken 
mit 6330 Arbeitern und 3,96 Mill. Guld.). Die Hausindustrie des böhmischen 
Erzgebirges liefert Spitzen aus Graslitz und Grossengrün, Wirk- und Posamentier- 
waren aus Weipert; einzelne Zweige, wie die Spitzenindustrie, sind durch 
Fachschulen gehoben worden. Neu hinzugetreten ist die Sammetweberei in 
Schmiedeberg. 

Böhmische Schocke, gewöhnliche Leinwand aus Böhmen, welche für den 
Druck in Stücken von 60 Ellen verkauft wurde. 

Böhmisch-Leipa, Stadt in Böhmen: Flachsgarnspinnerei, B,otgarnfärberei, 
Sammetweberei. 

Böhmisch-Skalitz, Stadt in Böhmen : Baumwollspinnerei, mechan. Färberei. 

Böhmisch-Trübau , Stadt in Böhmen: bedeutender Flachsbau, Flachs- 
spinnerei, Leinenweberei 5 Leinwand- und Garnhandel. 

Bohnerfries, eine wohlfeile Sorte Fries (s. d.), welche infolge der härteren 
Wolle, aus welcher sie hergestellt, zum Auffrischen für Fussböden verwendet wird. 

BojanÖWO , Stadt im preuss. Beg.-Bez. Posen : Tuchfabriken , Flachs- 
h ereitungsanstalt, 

Bokas, Gattung baumwollener blauer und weisser Tücher aus Surate. 

Bolbec, Hauptstadt im Arrond. Le Havre des franz. Depart. Seine- 
Inferieure: Baumwollspinnerei und -druckerei, Kattun- und Wollweberei, Plüsch- 
und Spitzenfabriken ; Cretonne- oder Leinwandniederlagen. Beträchtlicher Handel 
mit Baumwoll- und Seidenwaren. 

Bolbees, rohe und weissgebleichte Leinen aus der Normandie; denselben 
Namen führt auch eine Art bläulich gefärbtes Leinen, welches in Frankreich als 
toiles bleues en reserve bekannt ist. 

Bolchen, Hauptstadt in Lothringen : Flanell Webereien, Färbereien. 

Boldus sind holländische Bänder, welche zum Verpacken benützt werden. 

Bolhetus (lat.), der Quast, die Troddel. 

Bolivarflanell, s. Flanell. 

Bolkenhain, Kreisstadt im preuss. Beg.-Bez. Liegnitz: Baumwollspinnerei 
und -Weberei (1 mechan. Weberei mit 500 Stühlen und 350 Pferdestärken), 
Leinenweberei (Aktiengesellschaft). 

Bologna, Hauptstadt der oberital. Prov. B.: Fabrikation von Seiden-, 
Leinen- und Hanfgeweben. Im 13. Jahrhundert sind hier wichtige Kokonmärkte 
und Seidenhaspelanstalten nachweisbar und schon im 12. Jahrhundert wird von 
l)lühender Seidenindustrie berichtet, die durch Vervollkommnung auf dem Gebiete 
der Spinnerei weltberühmt war. 

Bologneser Flor oder bononischer Flor, eine Art Kreppflor von der alier- 
feinsten Seide, der gewöhnlich schwarz ist und dann zu Trauerflor dient. Man 
hat auch eine milchweisse Sorte (ital. : Velo), die von den Italienerinnen zu 
Schleiern Verwendung findet. 

Bombanasfaser, Bippen und Blätterfasern der Panamapalme; Flecht- 
material für feine Hüte u. s. w. 

Bombar, s. Baumwolle. 

Bombasin (franz.) (engl. : bombazet, vom lat. bombycinus , seidenartig), 
Bombaset , Bombasine , Bomesine , Bombazeen ; unter diesem Namen kommen 
mehrere, unter sich sehr verschiedene Gewebe in den Handel; ursprünglich ist 
es ein seidener, ungeköperter Stoff, welcher in Mailand, Como u. a. 0. Ober- 
italiens verfertigt und zu Unterfutter verbraucht wurde ; nach und nach machte 



' Bombast — ßonteet rooke Streep. 95 

man denselben aus Kamelhaar, aus Wolle und Seide und jetzt wird er fast 
allgemein nur aus Schafwolle als glattes oder geköpertes Zeug gewebt. Es 
gehören eigentlich auch die Alegines, Caschirairiennes und die Pondicherys dazu, 
der Unterschied besteht nur darin, dass die Organsinkette für letztere Arten 
ausgekocht (purgiert) wird. TJebrigens sind die Bombasinstofife vielfach durch 
die sog. Tibets verdrängt worden. 

Bombast (engl., vom mittelalterlichen bombax, d. h. Baumwolle), ursprüng- 
lich Zeugstoif zum Auswattieren. 

Bombax, L. Wollbaum, Pflanzengattung aus der Familie der Malvaceen 
mit 10 tropischen Arten. Wird in Südamerika und Westindien zu Polstern 
verwendet. In den europäischen Handel kommt B. als Pflanzendunen oder Ceiba- 
wolle und dient zum Ausstopfen von Betten. 

Bombay, Hauptstadt der Präsidentschaft des Kaiserreichs Indien: be- 
deutende Baumwollenindustrie. 

Bombayhanf, s. Gambohanf. 

Bombazet, in Frankreich ein glatter Stoff" von hartem grobem englischem 
Kammgarn. 

Bombykien (bombycinae vestes), durchscheinende feine Gewebe wie coae 
vestes (s. d.), welche im frühen Mittelalter aus heimischer Seide in Rom ge- 
macht wurden, 

Bombykometer (griech.: Seidenmesser), Garntafel, eine zur Ermittelung 
der Feinheit, insbesondere der Baumwollengespinste dienende Tabelle, nach der 
die betreffende Garnnummer aus dem Gewicht eines Strähns oder Schnellers be- 
stimmt wird. Die Garnnummer gibt an, welche Länge des betreff"enden Garns 
genommen werden muss, um die Gewichtseinheit zu erfüllen : bei dem gegen- 
wärtig allerwärts angestrebten metrischen Numeriersystem, wieviel Meter auf 
ein Gramm, oder wieviel Kilometer auf ein Kilogramm gehen. 

Bombyx, Seidenspinner, s. Seide und Seidenzucht. 

Bomesine, s. Bombasin. 

Bonefize (Bohnseiss, Knochenschlichte), flüssig bleibende Schlichte für Garn 
bei der Tuchweberei ; wird aas Tierkadavern durch Auskochen mit Wasserdampf 
in verschlossenen Apparaten erhalten und besteht aus leimhaltigem Fleischextrakt. 

Bone lace (engl.), Knochenspitze, in Inventarien der Königin Elisabeth 
(1558 — 1603) erwähnt, wo der Ausdruck als Klöppelarbeit aufzufassen ist, weil 
vor Erfindung des Holzklöppels dünne Knochen zum Aufwickeln des Garns ver- 
wendet wurden. 

Bonitur (vom lat. bonus, gut), im Wollhandel die kunstgerechte Beur- 
teilung eines Yliesses mittels technischer Ausdrücke und Zeichen. 

Bonndorf, Hauptstadt im bad. Kreis Waldshut: Musselinstickerei. 

Bonne-femme (taff'etas-ä la), besondere Art französischer Taö'et, schwarz, 
ohne Glanz und Appretur. 

Bonnetable, Hauptstadt im Arrond. Mamers des franz. Depart. Sarthe : 
Baumwollweberei, Fabrikation von Beuteltuch und Taschentüchern. 

Bonnet de Turquie, s. Fez. 

Bonnetterie nennt man in Frankreich alle gestrickte und gewirkte Waren, 
sowohl von Seide, als auch von Wolle, Baumwolle und Leinen; bonnetier = 
Mützenmacher, Strumpfwirker. 

Bonnettes, s. Segelleinen. 

Bonneval, Hauptstadt im Arrond. Chäteaudun des franz. Dep. Eure-et- 
Loire : Baumwollspinnerei und -weberei. 

Bönnigheim, Stadt in Württemberg: Seidenzwirnerei und -färberei (über 
500 Arbeiter). 

Bontaues, baumwollene Decken oder Schürzen mit roten Streifen, welche 
die nach Afrika handelnden Völker früher im Königreich Kantor, am Gambia, 
tauschten und wieder vertauschten ; später wurden sie von europäischen Fabriken 
in den afrikanischen Handel gebracht. 

Bonteet rooke Streep, eine Gattung streifiger Bettleinen, welche in Fries- 
land gewebt und besonders nach Amerika und Westindien ausgeführt wurden. 



96 Bonten — Bosnien. 



Bonten, Handelsname für sogenannte Matrosenleinwand: grobe Ware, 
gewöhnlich blau- und weissgewürfelt oder kariert; auch gleiche Musterung in 
rot und weiss. 

Bookjes, s. Bockleinen. 

Books oder Bückmusselin, englische, leichte und durchsichtige Gewebe 
von ganz feinem Baumwollengarn, eine Nachahmung der französischen Linons. 

Bordat, starker und grober Baumwollenstoff aus Kairo, Alexandrien und 
Damiette, zur Kleidung der ärmeren Bevölkerung. 

Bordati heisst eine Art Gewebe, von Seide und Baumwollengarn aus 
Genua; es gibt glatte, geblümte, atlasartige, gestreifte u. s. w. Eine Sorte 
dieser Zeuge brauchen die Orientalen zu Gürtelstoffen. 

Bordeaux, Hauptstadt des franz. Depart. Gironde : Woll- und Baumwoll- 
spinnereien, Fabrikation in Decken und Teppichen. 

Borden, Borten (franz. : bordures, galons, passements ; engl. : welts, edges, 
trimming, laces; span. : bordes; ital. : galloni), sind gleich den Bändern (s. Band) 
schmale Gewebe verschiedener Gattung. Die Grenze zwischen beiden ist stilistisch 
kaum scharf zu ziehen ; indessen unterscheidet man im Sprachgebrauch gewöhnlich 
nach der Beschaffenheit der Ware so, dass zu Bändern leichtere Gewebe und 
zu den Borten solche Besätze gerechnet werden, welche aus dickerem Material, 
besonders aber aus Metallgespinsten gefertigt sind : sie gehören daher mehr oder 
weniger zu den Posamentierarbeiten, welche zum Besetzen von Kleidungsstücken, 
gewebten Tapeten, Polstermöbeln u. s. w. Verwendung finden. 

Bordürenstoffe werden im Handel Gewebe mit abgepassten Mustern für 
Behangstreifen, Lambrequins u. dergl. genannt. 

Borghorst, Dorf im preuss. E-egbez. Münster: zwei grosse Baumwoll- 
spinnereien (55 600 Spindeln), 6 Baumwollen- und Halbleinenwebereien (1400 
Stühle) ; Färberei. 

BorgO di Val Sugana, Marktflecken und Hauptort im Suganatale : Seiden- 
filaturen. 

BorgO San Donnino, Hauptort in der ital. Prov. Parma: Seiden- und 
Hanfspinnereien. 

Borken, Kreisstadt in Westfalen: 4 mechanische Webereien (300 Stühle, 
275 Arbeiter, 50000 Stück jährliche Produktion). 

Borowitschi, Kreisstadt im russ. Gouvernement Nowgorod: Leinwand- 
färberei und -druckerei; Handel mit Leinwand. 

BÖrowsk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Kaluga: Seiden- und Segel- 
tuchfabrik. 

Borrat, schwarzer Baumwollenstoff, ehedem in Sachsen gefertigt, dem Berkan 
ähnlich. 

Borre, eine Art ostindischer baumwollener Gewebe oder Nesseltücher. 

Borte, s. Borden. 

Bortenwirkerei, s. Bandwirkerei und unter Köln und Palermo. 

Bortenwirkstuhl, s. Bandmacherstuhl und Posamenterie. 

Boskowiz, Stadt in Mähren: Woll- und Baumwollindustrie, 

Bosnien, mit der Herzegowina nominell das nordwestlichste Yilajet des 
Osmanischen Reiches in Europa: einheimische Industrie von Leinen- und ge- 
wöhnlichen Wollenzeugen, welche im eignen Lande verbraucht werden. Hin- 
gegen hat es sich die österreichisch-ungarische Verwaltung angelegen sein lassen, 
die aus dem Orient herübergekommene Teppichindustrie, welche einst hier ein 
blühender Zweig kunstgewerblicher Tätigkeit war, zu einem neuen Aufschwünge 
zu verhelfen. Der alte bosnische Teppich ist auf äusserst einfachen Web- 
stühlen gewirkt, die nur eine Breite von etwa 40 cm haben, so dass ^ur Her- 
stellung breiterer Teppiche dieselben aus Streifen zusammengenäht wurden, was 
die bosnischen Arbeiterinnen nicht ohne Geschick zu machen verstanden. Bos- 
nische Teppiche wurden übrigens früher nicht nach dem Mass, sondern 
nach dem Gewicht verkauft. Die Musterung der bosn. Teppiche besteht aus 
geradlinigen Motiven, wie sie die grobe Schlitzwirkerei zur Darstellung 
bringt (s. Kilim). 



Boston — Bourrette-Industrie. 97 



Boston, Hauptstadt des nordamerikanischen Staates Massachusetts und des 
County Sutiolk: nach Neuyork der bedeutendste Ein- und Ausfuhrhafen der 
Union: bedeutender Handel mit Asien. Ein- und Ausfuhrartikel, besonders 
Baumwolle; Herstellung von Männerkleidern: jährlich etwa für 24 Mill. Doli. 

Bota, Betsche bota, persische Bezeichnung für das auf den Knüpfteppichen 
vorkommende Palmwipfelmuster (s. d.). 

Boublins, Bublins , dichter geköperter Baumwollenstoff, blau und grün 
changierend, welcher in Böhmen zu Sommerkleidern für Polen und Galizien ge- 
webt wird. 

Boucassine, französische Steifleinwand und ein grober Zwillich. 

Bouche, französischer leinwandartig gewebter feiner Wollenstoff, ungefärbt, 
in der natürlichen gelben Farbe, für den Handel nach Spanien und Italien ver- 
fertigt, wo er von den Geistlichen, die nach ihrer Ordensregel keine Hemden 
tragen dürfen, gebraucht wird. 

Bougrams, Bougran oder Bougassin, eine Art grober Steifleinwand, 
welche man in die Kleider unterfüttert, um denselben einen Grad von Haltung 
zu geben. 

Bouillon oder Cantille (franz.: bouillon, canntelle ; engl.: bullion, purl;) 
ein zu Stickereien, Borden, Fransen, Epaulettes u. dergl. verwendetes Fabrikat, 
w^elches aus feinem, spiralig gedrehtem Gold- und Silberdraht besteht. Ein ver- 
wandtes Stickmaterial ist der geglättete Draht oder das Lahn (franz. : lame d'or 
ou d'argent; engl.: tinsel, flatted wire), woraus man auch die sogenannten Glanz- 
kantillen herstellt. 

Boulanges de Campos, eine Art Serge, die in Frankreich gewebt wird; 
sie führt den Namen von der spanischen Camposwolle und wird auch Carise 
oder Tiretaine genannt. 

Boulogne-Sur-Mer, Hauptstadt des Arrond. B. im franz. Depart. Pas-de- 
Calais : Flachsspinnereien, Posamentenfabriken. 

Boulogne-Sur-Seine, Stadt im Arrond. St. Denis des franz. Depart. Seine : 
Leinwandbleichen mit 400 Waschhäusern. 

Bouloires heissen einige Sorten französischer Leinenstoffe nach dem gleich- 
namigen Dorfe im Departement der Sarthe, wohin sie die Landleute aus der 
umliegenden Gegend zu Markte bringen. 

Bourbon, afrikanische Baumwollsorte. 

Bourdaloue, französische,, gemusterte Leinwand oder Zwillich, mit ver- 
schiedenen geometrischen Mustern, oft auch damastartig gezogen; sie wird zu 
Tischtüchern und TJeberzügen verbraucht. 

Bourdonys, Wollenstoffe, welche ehemals aus Gera kamen. 

Bourg-de-Peage, Hauptstadt im Arrond. Valence des franz. Depart. 
Drome: Seidenindustrie. 

Bourg-en-Bresse, Hauptstadt des franz. Depart. Ain : bedeutender Handel 
mit Spitzen. 

BourgOgne, berkanartiges glattes Zeug von Abbeville. 

Bourgoin, Hauptstadt im Arrond. La Tour-du-Pin des franz. Depart. Isere: 
Seidenfilaturen, Stoffdruckerei; Handel in Leinen- und Wollwaren. 

Bourme, eine Sorte persischer Rohseide. 

Bourre, beste Gattung der Abfallseide, welche beim Haspeln, Spulen, 
Putzen und Mulinieren der Rohseide gewonnen wird; sie kommt namentlich in 
englischen Spinnereien zur Verarbeitung. Bourszeuge werden hiernach in Frank- 
reich mehrere Gattungen unter sich verschiedener Gewebe genannt, deren Güte 
durch Nebenbenennungen unterschieden ist. Auch weiss gestreifte Baumwollen- 
zeuge aus Kleinasien kommen unter dieser Bezeichnung in den Handel. 

Bourrette (franz.), flockiger Stoff' aus Seidenabfällen für Tischdecken u. s. w. 
bedruckt. 

Bourrette-Industrie wird jener Zweig der Seidenspinnerei genannt, bei 
welcher die in der Florettspinnerei (s. d.) erhaltenen Abfälle (Bourette, Werg, 
Stumba) als Rohmaterial Verwertung finden. Sie besteht seit 1855, die eigent- 
liche Entwickelung fällt in die letzte Hälfte des 19. Jahrhunderts; ihre Bedeu- 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 7 



98 Bourrettemasse — Brasilien. 



tung und Grösse bleibt von der Ausdehnung der Florettspinnerei abhängig. 
(Ygl. Silbermann, Die Seide, Bd. II. S. 90 £f. Dresden 1897.) 

Bourrettemasse, Abfall aus der Bourretteindustrie (s. d.), findet als Packungs- 
und Isoliermaterial Verwendung; auch als Füllung für die Pujffer der Eisen- 
bahnwaggons. 

Bourrette-Seide oder -Garn dient als Ersatzmittel für die Florettseiden 
(s. d.) und findet hauptsächlich als Einschlag für alle bilhgeren Artikel Ver- 
wendung, wie für Möbelstoffe, Decken, Kleiderstoffe, Druckfabrikate u. s. w. 
Ferner wird dieses Material für Stückpatronen der Geschütze und in Frankreich 
für das Artillerie-Asbestzeug als Einschlag benützt (s. a. Bourrette-Industrie). 

Boutanes, eine Art Dimiti oder geköperter Baumwollenstoffe, die von den 
Inseln Cypern und Ohio nach Marseille gebracht werden. 

Boutonniere, point de (franz.), Knopflochstich, durch den der Grund in 
Nadelspitzen hergestellt wird. 

Boy, Boi, Boie, grober und tuchartiger lockerer Flanell aus "Wolle und 
Kämlingen. 

Boyau, moderne Zeugart: abwechselnd glatte Streifen aus geköpertem Atlas 
und Kipsstreifen, zwischen welchen Musterung auf Taffetgrund. 

Braban^onnes, werden Spitzenkanten von Antwerpen genannt. 

Brabant, Landschaft des holländisch belgischen Tieflandes : von alters her 
blühende Industrie, besonders in der Fabrikation von Leinen- (Brabanter Spitzen), 
Baumwoll- und Tuchwaren. 

Brabanter Spitzen, s. Spitzen. 

Brabantes, spanischer Name verschiedener Sorten brabanter Leinwand, 
welche in Flandern, namentlich in der Gegend von Gent, von den Landleuten 
wöchentlich jeden Markttag zum Verkauf in die Stadt gebracht und unter dem 
Namen Blaams Linnen verkauft werden. 

Brabantine nennt man in Italien eine weiss gebleichte Leinwand von 
verschiedener Feinheit, welche aus Holland kommt. 

Bradford, Stadt in der englischen Grafschaft York : Herstellung von Woll- 
garn und Ötoffwaren. Die Industrie beruhte im Mittelalter auf Tuchmanufaktur ; 
gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Kammgarnspinnerei eingeführt, die 
seit Erfindung der Dampfmaschine alle anderen Betriebszweige in den Hinter- 
grund drängte. Seit 1833 ist durch Sir Titus Salt das Alpaka, bald darauf 
auch das Mohair eingeführt. Die Saltaire-, Alpaka- und Mohairspinnerei an 
der Aire, 5 km von B., beschäftigt über 3000 Arbeiter. Durch S. C._ Lister 
nahm auch die Seiden- und Velvetfabrikation grossartigen Aufschwung. Die 
von ihm errichteten „Mauningham Mills" gehören zu den bedeutendsten Englands. 

Braga, Hauptstadt in der portug. Prov. Minho : bedeutende WoU- und 
Leinenwebereien. 

Bragan^a, Hauptstadt in der portug. Prov. Traz oz Montes : viele Taffet- 
und Sammetwebereien. 

Braintree, Stadt in der englischen Grafschaft Essex: bedeutende Seiden- 
manufaktur. 

Bramsche, Ort im preuss. Regbez. Osnabrück: Baumwoll-, Wollwaren und 
Leinwan dfabrikation. 

Bran, eine Sorte russischer Schetterleinwand ; auch Kleanka im russischen 
Handel genannt. 

Brand, Stadt bei Freiberg in Sachsen: Gold- und Silberspitzenklöppelei; 
seit 1887 eine Klöppelschule. 

Brandenburg, Stadt im preuss. Regbez. Potsdam: Fabrikation von Woll- 
und Seidenwaren; Tuchmanufakturen. Die Domkirche, um 1170 erbaut,^ enthält 
eine grosse Sammlung mittelalterlicher Messgewänder, darunter das Gewand des 
Schwanenordens (s. d.). 

Brandeum (lat.) , ein seidenes oder leinenes Tuch, insbesondere zum Ein- 
hüllen und Angreifen der Reliquien. 

Brasilien, ausgedehnter Staat in der östlichen Hälfte von Südamerika: 
bedeutende Baumwollenindustrie; fertigt Spitzen in ganz selbständigem Stil nach 



Brauls — Brettchenweberei. 99 



den aus Portugal uud Madeira eingeführten Waren (s. Spitzen , insbesondere 
Solspitzen). 

Brauls, Brawels, auch Chiadder-Boraals, baumwollene, weiss- und blau- 
gestreifte ostindische Tücher oder locker gewebte Kattune, im Handel nach den 
afrikanischen Küsten, wo sie die Bewohner zum Einhüllen des Kopfes, sowie 
zum Ueberzug des Turbans gebrauchen, weshalb sie oft unter dem Namen 
Turbans (s. d.) vorkommen. 

Braunau, Stadt in Böhmen: bedeutende Tuchmacherei, Wollindustrie; in 
der Nähe zwei Baumwollwarenfabriken. 

Braunsberg, Kreisstadt im preuss. Reg. -Bez. Königsberg: ehemals wurde 
viel Garn erzeugt, auch Tuch- und Leinenweberei getrieben. 

Braunsberg, Stadt in Mähren: bedeutende Schafwollindustrie. 

Braunschweig, Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums B. : Fabrikation 
von Wollwaren. Das Herzogliche Museum in B. (Direktor: Prof. Dr. P. Meier), 
gegründet 1755, enthält eine Reihe frühmittelalterlicher Messgewänder, Stoffe 
und Stickereien (etwa 300 Nummern). (Vgl. Stoffsammlungen.) Das Vater- 
ländische Museum, gegründet 1890 im Anschluss an die Ausstellung vater- 
ländischer Erinnerungen aus den Jahren 1806 — 15, enthält Trachten und sonstige 
Textilien kirchlicher und profaner Art. 

Brauweiler, Dorf im preuss. Reg. -Bez. Köln: In der romanischen Kirche 
werden frühmittelalterliche Gewänder aufbewahrt; bekannt ist das Gewand des 
beil. Bernward. 

Breannes, eine französiche, locker gewebte, weissgeb leichte Leinwand, 
die wie die Brionner zugerichtet ist und als solche verkauft wird. 

Brechin, Stadt in der schottischen Grafschaft Eorfar: Segeltuch- und 
Leinenindustrie. 

Breda, Stadt in der niederl. Provinz Nordbrabant : bedeutende Tuch- und 
Teppichfabriken. 

Bregenz, Hauptstadt von Vorarlberg: Baumwollspinnerei und -weberei, 
Fabrikation von Seidenfoulard. 

Bremen, freie Hansestadt : Jutespinnerei und -weberei; Baumwollspinnerei 
und -Weberei. 

Bremergarn, s. Leinengarn. 

Bremer Linnen . werden im Handel mehrere Sorten westfälischer Lein- 
wand genannt, welche roh nach Bremen geliefert, dort appretiert und als 
Rosenlinnen, Cannamosas, Casserillos nach Spanien und Amerika verkauft werden. 

Brenne, leichter AVollenstoff, zuweilen mit seidenen Streifen, welcher früher 
aus Frankreich kam. 

Breslau , Hauptstadt der preuss. Provinz Schlesien : Baumwoll- und 
Kammgarnfabriken; Teppichindustrie. Schlesisches Museum für Kunst- 
gewerbe und Altertümer, gegründet 1891, (Direktion: Prof. Dr. K. Massner, 
Dr. Hans Seger) enthält eine umfangreiche Stoffsammlung, deren mittelalter- 
liche Gewebe und Stickereien den dortigen Kirchen entstammen. 

Breslauer Ballen wurden früher sehr verschiedene Sorten schlesischer 
Leinwand genannt, deren Hauptmarkt Breslau war. 

Brest, Hauptstadt im franz. Depart. Finistere : Fabrikation von wasser- 
dichter Leinwand; Wollhandel. 

Bretagnes, eine der gangbarsten Sorten weissgebleichter Leinwand nach 
gleichnamiger französischer Provinz , wo sie ursprünglich vorzüglich und in 
grossen Mengen gefertigt, seit langem aber auch in Deutschland und England 
nachgemacht wird. 

Brettchenweberei, eine in neuester Zeit (zuerst durch Geheimrat Jakobs- 
thal) wieder belebte uralte Technik, welche schmale Bänder und Fransenborten 
aus Fäden herstellt, deren Kreuzung durch das Drehen von Brettchen vermittelt 
wird, in welche die Längsfäden (also die eigentliche Kette) gezogen sind. Der 
das Muster bildende Faden befindet sich auf einer schiffchenartigen Spule und 
wird mit der Hand geführt (vergl. Margarethe L ehmann-Filhes , „lieber 
Brettchenweberei", Berlin 1901). (Näheres siehe unter „Flechtband".) 



100 ßriangon— Brodequins. 



Brian90n, Hauptstadt des Arrond. B. im franz. Depart. Hautes- Alpes: 
die Seidekrempelanstalt in einem ehemaligen Kloster zählt mehr als 600 Arbeiter; 
ausserdem Fabrikation von Trikots und Strumpfwaren. Durchfuhrhandel nach 
Italien. 

Brides heissen die Yerbindungsstege in Nadelarbeiten der Spitzen, welche 
zwischen den verschiedenen Einzelfiguren des Musters liegen: daher Bride-Grund 
jeder unregelmässige Grund in Nadelspitzen ; bride picotee heisst ein solcher 
Stegfaden, wenn er mit Zähnchen aus kleinen Maschen besetzt ist. 

Bridgeport, Stadt und Hafen des nordamerikaniscben Staates Conecticut : 
bedeutende Fabrikation von Strickwaren und Teppichen. 

Bridgewaters sind englische leichte Tücher. 

Brieg, Kreisstadt im preuss. Reg.-Bez. Breslau; Wollspinnerei, Flanell- 
weberei ; Fabrikation von Tuch- und Posamentierwaren. 

Briegische Leinwand, oberschlesische Hausmacherleinwand , die zwischen 
Brieg und Oppeln von Landleuten gewebt und gebleicht wird. 

Brighouse, Stadt in der engl. Grafschaft York : Woll-, Baumwoll-, Kamm- 
garn-, Seiden- und Tapetenfabrikation. 

Brihuega, Bezirksstadt in der span. Provinz Guadalajara in Neukastilien : 
eine aus den Zeiten Ferdinands VI. ( — 1759) und Karls III. ( — 1788) stammende 
Tuchfabrik. 

Brillantgarn, ein zu Stickereien verwendetes gezwirntes Wollgarn, das in 
lebhaften Farben gefärbt und hierauf mit Gold- oder Silberlahn so weitläufig 
übersponnen wird, dass zwischen " den Windungen der Grundfaden deutlich 
sichtbar ist. In China (s. d.) und Japan stellt man gleiches Material für Weberei 
und Stickerei aus farbigen Seidenfäden her, um die das Metall (Lahn oder 
gezogenes Drahtgespinst) so gewunden wird, dass die Farbe der Seide die 
malerische Wirkung des dargestellten Musters erhöht: je nach der Schattierung 
des Unterfadens erhält also das Gold einen grünen, roten oder bläulichen Schein. 
(S. a. Brokat.) lZ4P^S'i 

Brillants, englische Bezeichnung eines älteren AVollenstofi'es, der früher 
zu Beinkleidern Verwendung fand. 

Brillantstoff, geblümter Seidenstoff, in welchen Brillantgarn (s. d.) verwebt 
worden ist, 

Brillanttaffet nannte man früher einen gemusterten Taffet mit Quadraten 
und Steinen, in einer Schlangenlinie zusammengesetzt, gleichsam einen Wetter- 
strahl bildend. 

Brins heissen mehrere Sorten festgewebter roher Leinwand, welche in 
Frankreich gewebt und nach Amerika verkauft werden. 

Brionnes, beliebte französische Leinwand, locker und dünn gewebt, am 
meisten in gleichnamiger Stadt gefertigt. 

Brioude, Hauptstadt im franz. Depart. Haute-Loire: Manufakturen in 
Passem enterie, Tüll und Wollstoffen. 

Brisbane, Hauptstadt der brit.-austral. Kolonie Queensland: starke Aus- 
fuhr von Wolle und Baumwolle. 

Britannias, unter diesem Namen werden aus der Lausitz und aus Schlesien 
dicht gewebte Leinenwaren, teils gebleicht, teils roh, nach Westindien, besonders 
nach der Havannah verschickt. 

Britisches Museum, s. London. 

Brive-la-Gaillard, Hauptstadt des Arrond. B. im franz. Depart. Correze: 
Musselinwebereien ; Wollhandel. 

Brixen, Stadt in Tirol: im Dom werden frühmittelalterliche Stoffe und 
Gewänder aufbewahrt; bekannt ist das sogen. Adlergewand: abgebildet auf 
Tafel II, 5. 

Brjansk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Orel : beträchtlicher Handel 
mit Hanf und Hanfgespinsten. 

Broad-Cloth nennt man in England die feinsten wollenen Tücher, welche 
dort für den chinesischen Markt gefertigt werden. 
Brodequins (franz.) sind gestickte Strümpfe. 



Broderie— Brügge. 101 



Broderie (franz.), Stickerei, gestickte Arbeit, la brode, die in der 
Reliefspitze vorkommende Stickerei. 

Brody, erste Handelsstadt in Galizien: Geschäfte in "Wolle aus Russland, 
Baumwoll- und Seidenwaren. 

Brokat (von brocatto, ital., gestickt; franz.: brocart; engl: brocarde) , 
ein Seidengewebe, dessen Grund und Muster ganz oder teilweis aus Gold- oder 
Silberfäden besteht ; auch schwere glatte Seidenstoffe mit farbigem einbroschiertem 
Muster werden B. genannt. Die Verwendung von Metallfäden zur Weberei 
stammt aus dem Orient (China ?), ihr ging die Goldstickerei und das Aufnähen 
von goldenen Streifen und Plättchen vorauf (s. Goldstickerei). Anfangs, im 
11. Jahrhundert n. Chr., werden schmale vergoldete Lederhäutchen verwandt, 
welche im 13. Jahrhundert durch den sogen, cyprischen Goldfaden (s. d.) ersetzt 
sind, der als Umwickeluug eines Leinengespinstes (s. Membran) dient. Der 
gezogene Metallfaden kommt im 16. Jahrhundert aus Spanien und zwar hier 
und in Italien (Genua, Florenz, Venedig) auch in prächtigen Sammettapeten 
(Sammetbrokat) und Gewändern als hochstehende Oesen (s. Noppen) in An- 
wendung (s. or frisee). In China und Japan braucht man in der Weberei 
heut noch, so wie in alter Zeit die Lederriemchen, vergoldete schmale Streifen 
aus festem Papier; nur bessere Seidenbrokate enthalten gezogene Metallfäden 
als spiralig umwickelte Hülle eines farbigen Seidenfadens : eine Art, die überall 
Eingang gefunden hat (s. Brillantgarn). B. wird auch als Drap d'or oder Drap 
d'argent bezeichnet. (Vgl. den Artikel Broschieren.) 

Brokatelle, Brocardelle, ein geringerer dicker Stoff, früher aus grober 
Seide und Baumwolle, jetzt häufiger nur aus Baumwolle, welcher zu Tapeten, 
Vorhängen und Decken Verwendung findet. Im 17. Jahrhundert wurde B. 
gewöhnlich einfarbig aus Seide und Baumw^olle mit grossblumigem Damastmuster 
besonders in Italien (Venedig, Mailand und Genua) gewebt; dasselbe hebt sich 
infolge der Verschiedenheit des Materials reliefartig vom Grunde ab (s. Abb. 40). 

Bromsgrove, Stadt in der engl. Grafschaft Worcester: bedeutende Grob- 
leinenfabrikation. 

Bromsia, eine Sorte levantinischer Rohseide. 

Bronnizy, Kreisstadt im russ. Gouvernement Moskau: Baumwollweberei. 

Broschieren (vom franz. : brocher, mit Seide, Gold oder Silber durchwirken) 
(engl. : to stitch), in der Weberei ein Verfahren anderer Musterbildung, als sie 
durch den Grund- und Lanzierschuss entsteht. Der hiernach benannte Broschier- 
schuss findet Anwendung, wenn Stellen des Musters durch oft wechselnde Farben, 
auch durch besseres Material (in Wolle oder Baumwolle durch Seide, in Seide 
durch Gold- oder Silberfäden) besonders hervorgehoben werden sollen. Damit 
nun diese Broschierschüsse, wie beim Lanzieren (s. d.) unter den anderen Stellen 
des Gewebes nicht flottieren, bedient man sich der sogen. Broschierlade, die den 
Schützen nur so weit führt, als die Broschierstelle gross ist. Hierdurch wird 
auch bedeutendes Material erspart. B. ist also in der Weberei ein durch den 
sogen. Figurschuss gleichmässig fortschreitendes Sticken; jede Broschierung 
besteht nur aus einem Schussfaden, der über die Breite des Broschiermusters, 
nicht aber über die ganze Ware läuft und so in der technischen Ausdrucksweise 
des Webers „besondere Effekte" herstellt. 

Brossage (franz.), das Bürsten (z. B. in der Tuchfabrikation) bei Ge- 
weben, meist maschinell ausgeführt. 

Brown Osnabrughs sind rohe ungebleichte Leinen aus starken Hanf- 
und Flachsfäden, welche in Irland und Schottland gefertigt und ohne Appretur 
nach Amerika gehen, sie sind den westfälischen sogen. Osnabrücker Leinenstoffen 
nachgemacht. 

Brown Silesia, ungebleichte feste schlesische Leinwand. 

Bruges (engl.), schwerer Seidenstoff, so genannt von Brügge in Flandern. 

Brügge, Hauptstadt der belg. Provinz Westflandern: Haupterzeugnisse 
sind Leinen-, Woll- und Baumwollenerzeugnisse. Die Spitzenindustrie, seit dem 
Anfang 'des 17. Jahrhunderts durch Klöppelei geübt, ist heut noch im Betrieb. 



102 ßruieren— BuchleineD. 



Spitzen aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts werden in Paris unter dem Namen 
Malines (s. d.) verkauft; es waren dies weniger feine grossblumige Muster. 
B. war im 14. Jahrhundert Mittelpunkt des Welthandels im nördl. Europa; 
seinen Beziehungen zu Italien verdankte es zu dieser Zeit schon die Einführung 
der Seidenindustrie — Yenetianer und Florentiner legten hier den ersten Grund 
dazu. Im 16. Jahrhundert zur Zeit Karls V. erlangte die Weberei der Seiden- 
atlasse, Sammete und Goldbrokate ihren Höhepunkt (s. Flandern). 

Bruieren (franz.), von bruir, das ist durchdämpfen, von Dampf durch- 
dringen lassen, ein technischer Ausdruck für Dämpfen oder Ausdämpfen ; derselbe 
wird nur für die Methode der Befestigung auf Geweben gebraucht, wobei die 
gefärbten oder bedruckten Stoffe der Wirkung heisser Wasserdämpfe ausgesetzt 
oder bruiert werden. 

Bruneta, brunetum (lat.), (franz.: brünette), gefärbter Wollenstoff des 
Mittelalters. 

Brtinn, Stadt in Mähren, wichtigste Fabrikstadt der österreichisch-unga- 
rischen Monarchie, daher das österr. „Manchester" genannt, für Schafwollen- 
industrie, besonders Tuche, die europäischen Ruf haben. Yon Bedeutung ist 
auch die Fabrikation von Spinnerei- und Webereimaschinen ; ferner Segeltuch- 
fabrikation. 

Das Mährische Gewerbemuseum (Direktor: Julius Leisching), im 
Jahre 1873 zur Hebung der Kunstindustrie vom Mährischen Gewerbeverein ge- 
gründet, enthält eine grosse Sammlung von Stoffen und Stickereien, deren letztere 
zum grossen Teil aus modernen Erzeugnissen des Landes bestehen. 

Brunnen in ornamentaler Darstellung kommen auf sarazenischen Geweben 
des 13. Jahrhunderts vor, sie erscheinen in der Form von Ziehbrunnen. 

Brussa, Hauptstadt des Vilajets Khodawendikjar in Kleinasien: Haupt- 
erwerbszweige sind Seidenzucht, -Spinnerei und -weberei. Die Seide wird haupt- 
sächlich nach Lyon ausgeführt. Auch die Baumwollkultur hat in neuester Zeit 
Fortschritte gemacht. Berühmt sind die seidenen Burnusse und die baumwollenen 
Bademäntel von B. ; Hafen der Stadt ist Mudania. Brussaleinen, ein in B. 
gewebter lockerer, halbseidener Schleierstoff, welcher infolge der Verschiedenheit 
von Kette und Schuss eine wellige Textur hat. 

Brüssel, Hauptstadt des Königreichs Belgien, zugleich Hauptstadt der 
Provinz Brabant und der ehemaligen österr., früher span. Niederlande : seit dem 
16. Jahrhundert Hauptort für Spitzenindustrie, welche nach eingeführten Mustern 
aus Italien und Spanien entstand. Es werden Klöppel- und Nadelspitzen her- 
gestellt, erstere erstreben durch den breiteren, glänzenden Leinenfaden der Umriss- 
linien eine ähnliche Wirkung wie die in Mecheln hergestellten. Im 18. Jahr- 
hundert werden Spitzen mit vereinter Nadel- und Klöppelarbeit verfertigt 
(s. Spitzen). 

Brustbaum, vorderer Querbaum am Webstuhl, festliegend oder drehbar 
angeordnet. Ueber dem B. geht die fertige Ware auf den Warenbaum (s. a. 
Webstuhl.) 

BrzozÖW, Stadt in Galizien : Tuch- und Leinenweberei, Bleicherei ; Flachs-, 
Garn- und Leinwandhandel. 

Bucharischer Kattun ist Basmas. 

Buchau, Stadt in Württemberg: Trikot- und Baumwollwarenfabriken. 
Buchbinderleinwand, soviel wie Kaliko (s. d.). 

Buchholz, Stadt in Sachsen: die Hauptindustrie bildet die 1589 durch 
Georg Einenkel eingeführte Posamentierarbeit mit etwa 80 Fabriken und Ver- 
legern, 500 Arbeitern und 30 grossen Posamenten-, Spitzen- und Perl^nhand- 
lungen. 

Buchleinen (franz.: toiles ä librets; engl.: book linnen; span. : libretas ; 
holländ. : bookjes) nennt man nach ihrer Legeart eine gewöhnliche, bunte Leinwand, 
leicht gewebt, blau und weiss oder rot und weiss gewürfelt, gestreift oder 
kariert, welche meist nur in der Oberlausitz und in den böhmischen Grenzorten 
gewebt wird und nach Amerika geht. 



Bucioche — ßurano. 103 

Bucioche, eine der gewöhnlichen Sorten französischer Wollentücher, welche 
dort für den Orient gewebt werden. 

Buckingham, Stadt in der engl. Grafschaft B.: Spitzenklöppelei, Seiden- 
spinnerei, 

Buckskin (vom englischen buck-skin = Bockfell), ein mit verschieden- 
artigen Köperstreifen oder anderen einfachen Dessins gemusterter wollener Stoff 
zu Beinkleidern, nicht gerauht, aber auf der rechten Seite glatt geschoren. Die 
Kette ist in der Regel ein feines festgedrehtes Gespinst, öfters gezwirnt. Der 
Wohlfeilheit wegen werden auch halbwollene B. gefertigt: mit gezwirnter, baum- 
wollener Kette und einfachem streichwollenem Schuss. B. zerfällt deutlich unter- 
scheidbar in zwei Arten, die man Winter- und Sommerbuckskin nennt. Erstere 
sind in Weberei und Zurichtung ganz wie Tuch behandelt ; durch den geköperten 
Grund erhalten sie dann eine grössere Beweglichkeit als Tuch und haben aber 
nicht das gedeckte, glänzende Ansehen desselben, dessen Mangel aber durch die 
Weberei bedingt ist. Sommerbuckskin wird von gezwirnter Streichgarn- 
werfte, oft auch ganz von Streichgarnzwirn, zuweilen mit Seide dubliert, ge- 
fertigt, und es begreift sich, dass man dazu eines sehr feinen Streichgarns bedarf; 
die Ware fällt daher auch dünner und noch beweglicher als der Winterbucks- 
kin aus. 

Buckskinbindungen sind eigene Arten von Diagonalbindungen, die auf 
Köperbindung beruhen. Grösstenteils fertigt man Demistoffe (s. d.) damit an, 
welche zu Sommerüberziehern dienen. 

Bücktücher , Bikkerntücher , superfeine Tücher : die beste und feinste 
Gattung der sog. märkischen Wollentücher , welche früher in Berlin und a. 0. 
im Brandenbui'gischen vorschriftsmässig nur aus Kernwolle, und zwar Winter- 
und Sommerwolle untereinander genommen, mit rechts gedrehten Kettenfäden 
und links gedrehten Einschlagiäden von zartem, gleichem Garn, dicht gewebt, 
nur mit Karden gerauht und sehr gut geschoren. 

Budapest, Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Ungarn: 11 Fabriken 
der Textilindustrie (Wollwäscherei, Jutespinnerei, 3 Blaufärbereien und Kattun- 
druckereien). Seidenerzeugung durch Fütterung der Eaupenmit Schwarzwurzeln (s. d.). 

Büffelwolle, kanadisches Büffel- oder Bisonhaar; ein äusserst feinwolliges 
Flaumhaar, welches der amerik. oder kanad. Büffel (Bos Bonassus) zwischen den 
langen und starken Haaren hat; es wird zu feinen Filzhüten, auch zu Shawls 
und anderen Geweben verarbeitet. 

Buffin (engl.) , großes Tuch für Frauenkleider in der Zeit der Königin 
Elisabeth von England. 

Buffline, halbleinenes Hosenzeug. 

Bühl im Kreis Gebweiler des Bezirks Oberelsass: grosse Wollkämmerei, 
Spinnerei und Weberei (33 000 Spindeln, 900 mechan. Webstühle), Baumwoll- 
spinnerei und -Weberei. 

Bührenzeug, s. Barchent. 

Bujalance, Stadt in der span. Prov. Cordova: Tuch- und Wollenzeug- 
manufakturen. 

Bukarest, Hauptstadt des Königreichs Bumänien: Herstellung von Tuch-, 
Flanell-, Leinwand- und Wollwaren. 

Bulgarien, Fürstentum der Balkanhalbinsel : Fabrikation von Wollgeweben 
und Teppichen (in Grabovo). Erzeugung von bunten Leinenstickereien für Kostüme. 

Bundfäden, Bindefäden, in der Weberei die (Ketten- oder Schuss-) Fäden, 
welche die das Muster bildenden flottliegenden Fäden niederhalten. 

BuntingS (franz. : etamine) , englische Leinengewebe , zu Flaggentüchern 
hergestellt, meist in Weiss, Königsblau und Scharlachrot gefertigt. 

Burail, französischer Stoff, eine Art Ferrandine (s. d.), in dem die Kette 
aus Florett- oder anderer Seide, der Einschlag aus Baumwolle, Wolle, Ziegen- 
haar u. s. w. gemacht wird. 

Burano, Stadt in der ital. Prov. und im Distrikt Venedig: erzeugte seit 
dem Ende des 18. Jahrhunderts genähte Spitzen, welche Aehnlichkeit mit denen 



104 Burat — Burkhardtsdorf. 



von Alencon hatten. Dieselben erhielten sich bis in die Mitte des 19. Jahr- 
hunderts. Was heute in den Spitzenschulen von B. gemacht wird, hat moderne, 
französische Arbeiten zum Muster. 

Burat, in Frankreich ein leichter, aus Florettseide und Kammgarn gewebter 
Stoff, der in Fr. selbst und auch in Italien, Spanien und Portugal sehr gebraucht 
wird. Die in E-heims gewebten Burats ä gros grains sind etaminartig. 

Burates, in Frankreich hergestelltes , leichtes , gewöhnliches Wollenzeug, 
das leinwandartig gewebt und stärker als Schleieretamin ist, es dient (schwarz 
gefärbt) zur Kloster- und Trauerkleidung. 

Buratine, Name eines älteren Stoffes, dessen Kette Seide,' der Schuss feines 
Kammgarn ist. 

Buratiner Seide, eine Sorte persischer E^ohseide. 

Buratto , in Italien , besonders zu Neapel und in Sizilien, ein seidener 
Buratstoff, zu dem die Kette von bologneser Seide, der Schuss von Trameseide 
genommen wird. 

Bure, grober, leinwandartiger, langhaariger Wollenstoff, der seinen Namen 
wahrscheinlich von Bourre (s. d.), WoUabgang, schlechte Wolle, die man dazu 
nimmt, erhalten hat. Er wird in der ehemaligen Normandie gefertigt. 

Bureau (franz.), grober Wollenstoff. 

Burg bei Magdeburg : 10 bedeutende Fabriken für Tuch, die meist Militär- 
tuch liefern; ferner bestehen Flanellwebereien, Färbereien, Wollwäschereien. 

Burgau, Stadt im bayr. ßeg.-Bez. Schwaben: Baumwoll- und Woll- 
fabrikation. 

Burgdorf, Hauptstadt im Schweiz. Kanton Bern : Seidenband- und Damast- 
weberei, Woll- und Flachsspinnerei, -weberei, Färberei; Fabrikation von Kunstwolle. 

BurgOS, Hauptstadt der span. Prov. B.: Wollwebereien; Handel mit 
Schafwolle und groben Wollgeweben. 

BurgOS, blaugefärbte und in Farben gedruckte Tücher aus Ostindien, eine 
Art Kattun, welche früher die Holländer nach Europa brachten; später wurden 
sie hier nachgemacht. 

Burgstädt, Stadt in Sachsen bei E,ochlitz; bedeutende Fabrikation von 
Strumpfwaren; 1750 die erste Kattunfabrik, 1787 die erste Seidenweberei in 
Sachsen. 

Burgsteinfurt, Kreisstadt im preuss. Keg.-Bez. Münster: Leinenweberei, 
Zeugdruckerei, Färberei, grosse Baumwollspinnerei. 

Burgund (franz. : Bourgogne), der Name bezeichnete früher ein bei weitem 
grösseres Gebiet als heute, wo er auf das frühere Herzogtum B. beschränkt ist. 
Für Handel, Gewerbe und Kunst beginnt die glänzendste Periode B.s, an der 
auch die Textilkunstindustrie grossen Anteil hat, mit der Regierung Philipp des 
Kühnen, Herzog von B. (1363 — 1404), dem Stifter des jüngeren Hauses Burgund. 
Seine Heirat mit Margarete von Flandern ist darauf nicht ohne Einfluss ge- 
blieben. Die schönsten Denkmäler der Kunststickerei jener Zeit sind die heute 
noch erhaltenen sog. Burgundischen Gewänder , bestehend aus dem Messornat 
des Ordens vom goldenen Yliess, welches im Auftrage Herzog Philipps für diesen 
angefertigt wurde. (Vgl. Die Burgundischen Gewänder der K. K. Schatz- 
kammer. Messornat für den Orden vom goldenen Yliess. Herausgegeben vom 
Oesterreichischen Museum für Kunst und Industrie, Wien 1864.) 

Burgunder Tapeten, unter diesem Namen bewahrt das historische Museum 
in Bern neun grosse Wandteppiche auf, welche zum Teil der Bürger-, zum Teil 
der Einwohnergemeinde der Stadt gehören. Sie stammen aus der Beute, welche 
die Schweizer dem Herzog Karl dem Kühnen von Burgund abgenommen haben. 
(Vgl. Jakob Stammler, Die Burgunder Tapeten im historischen Museum zu 
Bern. Bern 1882.) 

Burhanpur, Stadt in Ostindien : Handel und Fabrikation von Musselin und 
kostbaren Seidenstoffen. 

Burkhardtsdorf, Marktflecken in Sachsen: Fabrikation baumwollener 
Strumpfwaren (16 Fabriken mit 1000 Strumpfmaschinen). 



Burnley — Byssus. 105 



Burnley, Stadt in der engl. Grafschaft Lancashire : grosse Baumwollen- 
spinnereien, sowie Druckereien und Bleichen. 

Burnus (arab.) , ein aus einem dichten Wollstoff gearbeiteter , mit einer 
Kapuze versehener Mantel, das allgemein gebräuchliche Oberkleid der mohammed. 
Bevölkerung in ^ordafrika. Der B. ist meist weiss, doch tragen Vornehme 
ihn auch farbig. 

Burrom Sannah, ostindische baumwollene Zeuge, welche die dänisch- 
asiatische Gesellschaft nach Europa brachte. 

Bursa (lat.) , Tasche zur Aufbewahrung des Corporale oder eine solche 
für Beliquien. 

Burscheid, Stadt im preuss. E,eg.-Bez. Düsseldorf: 3 mechan. "Webereien, 
1 mechan. Spinnerei, 5 Färbereien, 4 Schäftchenfabriken , sowie Plüschweberei. 

Bürstmaschine, Aufsatzbürste, Vorrichtung zum Aufstellen der Fasern 
an Tuchen mittels Walzenbürsten. 

Burtscheid, ehemalige Stadt im preuss. B,eg.-Bez. Aachen: bedeutende 
Industrie (über 5000 Arbeiter) , erstreckt sich auf Fabrikation von Tuch 
(20 Fabriken), Kratzen (2); ferner bestehen 4 Spinnereien, 8 Webereien, 4 Kamm- 
garnspinnereien und 8 Färbereien. 

Burudschird, Stadt in der pers. Prov. Iräk-Adschmi : beträchtliche Industrie 
in BaumwoU- und Filzartikeln. 

Burundjuk sind zu Konstantinopel und Asien seidene Hemden, die in K. 
gemacht werden. 

Busca, Stadt in der ital. Prov. Cuneo : Seidenzucht und -weberei. 

Bütow, Kreisstadt im preuss. B-eg.-Bez. Köslin: Wollspinnereien mit Dampf- 
und Wasserbetrieb. 

Butzelleinwand , ein früher sehr gangbarer Artikel, unter welchem man 
eine einfache, dicke Leinwand in grosser Verschiedenheit begreift. 

Byssus (griech.: byssus), durchschimmernde Gewebe verschiedener Feinheit 
aus weissen und gelblichen Leinenfäden. Der altorientalische B. hat hinsichtlich 
der Feinheit verschiedene Arten aufzuweisen. Zu den einfachsten Sorten des B. 
sind jene feinen Leinengewebe zu zählen, in welche die Mumien Aegyptens aus 
der Pharaonenzeit eingewickelt wurden. Diese Mittelsorte ist aus einem mittel- 
feinen Handgespinst der Pflanze linum usitatissimum gewonnen, welche in Unter- 
und Oberägypten mit Sorgfalt angebaut wurde. Die feinste und teuerste Abart 
des B., die an Wert dem königlichen Purpur gleichstand, wurde aus den zartesten 
Fäden jener Leinpflanze angefertigt, die nur im Delta Aegyptens wuchs. Diese 
Sorte des B. war im klassischen Altertum und in den frühesten christlichen 
Zeiten sehr gesucht und bekannt unter der Bezeichnung „alexandrinischer 
Byssus". Ihm stand an Feinheit und Höhe des Preises der syrischeByssus 
nahe , welcher in der Nähe von Antiochien wuchs und daselbst unter der Be- 
nennung autiochenischer B. gewebt wurde und durch Karawanen meist auf 
orientalischen Märkten Absatz fand. Der alexandrinische B. fand vorzugsweise 
als sudarium (suaire) zur Umhüllung des Hauptes hoher Verstorbener Verwendung. 
Die Zartheit des Gewebes gestattete es, die Züge des Verstorbenen zu erkennen. 
Dieser Eigenschaften wegen wurde er auch von hochstehenden Frauen und Ma- 
tronen als Kopfhülle , überhaupt als leichtes Obergewand (velamen peplon) in 
Gebrauch genommen. Seiner Zartheit wegen nannte man den B. auch linea 
nebula oder opus araneum , weil er in seiner Textur wie Nebel oder wie ein 
leichter Anhauch des Spinngewebes sich darstellte. Die Sitte verbot es aber im 
Altertum, nur in Byssus zu erscheinen, er blieb ein Privilegium für hochstehende 
Personen und Würdenträger. Gemusterte Byssusstoffe mit geometrischen Figuren, 
aus der römischen Cäsarenzeit bis zum Sturze des weströmischen Kaiserreiches, 
sind nachweisbar. Als Marktplatz der Byssusstoffe nennen die Schriftsteller des 
Altertums, seit den Tagen der ägyptischen Pharaonen bis auf die Zeiten der 
Ptolemäer und die Herrschaft der arabischen Kalifen, Alexandrien als Hauptort, 
desgleichen Antiochien , Damaskus und Palmyra für weniger durchscheinende 
Gewebe. (Vgl. F. Bock, Die textilen Byssusreliquien des christlichen Abend- 
landes, aufbewahrt in den Kirchen zu Köln, Aachen, Cornelimünster und Prag. 



106 Byssus jacinthus — Byzanz. 



Aachen 1895.) Je mehr die Kultur und Industrie nach den Kreuzzügen an 
Ausdehnung gewannen, auch die indischen und persischen Baumwollenstoffe 
Eingang fanden, desto seltener wurde der Byssus, bis er im 15. Jahrhundert 
überhaupt nicht mehr erscheint. (Vgl. auch Muschelseide.) 

Byssus jacinthus, s. Blyant. 

Byzantinischer Stich wird in neuerer Zeit in der Straminstickerei jene 
Stichart genannt, wenn über einer gewissen Anzahl von Fäden des Grundstoffes 
(gewöhnlich sechs) Schrägstiche gelegt werden, die in weiterer Fortsetzung, nach 
oben und seitwärts, ein dichtes Zackenmuster bilden. Mit einer mittelalterlichen 
Technik hat der Stich nichts gemein. 

Byzanz, Byzantinisches B-eich, auch Oströmisches , Morgenländisches^ 
Griechisches Beich genannt, 

entstand, als Theodosius I. bei seinem Tode (395 n. Chr.) das Römische Reich unter 
seine beiden Söhne Arcadius und Honorius teilte, und umfasste die Piäfektar des 
Orients und den grössten Teil von Illyricum , nämlich alle asiatischen Provinzen, in 
Afrika, Aegypten, Marmarica und Kyrene^ in Europa die Halbinsel südlich der Donau, 
die in die Diözesen Thrazien (nebst Mösien und Scythien) und Makedonien (nebst 
Achia, Epirus, Thessalien und Kreta) zerfiel. Hauptstadt war Byzanz , wonach das 
Reich seinen Namen führte ; sie wird 196 n. Chr. zerstört, bald aber wieder aufgebaut, 
erhebt sich zu neuer Blüte und wird, als Konstantin der Grosse sie 330 unter dem 
Namen Neu-Rom und Konstantin opel zur Hauptstadt des Römischen Reiches gemacht 
hatte, eine der bedeutendsten Städte der Welt. Im Jahre 1453 wird das Byzantinische 
Reich unter Konstantin XI. von den Türken unterjocht: auf seinen Trümmern erhob 
sich das Osmanische Reich. 

Für die Geschichte der Textilkunst ist Byzanz von gleicher vielseitiger 
Bedeutung, wie für die übrige Entwickelung der Kunst im allgemeinen. Byzanz 
wird im 5. u. 6. Jahrhundert als Residenz des Reiches die leitende Stadt in 
Europa , nachdem Rom längst zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken ist. Im 
4. — 6. Jahrhundert findet ein starker Import von orientalischen seidenen Ge- 
wändern nach B. statt. Die byzantinischen Schriftsteller jener Zeit sprechen von 
modischen Gewändern , die auch ser^.©che genannt werden : die Serer sind die 
Chinesen. Aber auch die chinesische Rohseide musste Byzanz über Persien be- 
ziehen und der Bedarf an Rohmaterial für die bj-zantinischen Seidenmanufakturen, 
welche Justinian (527 — 565) von Staats wegen eingerichtet hatte (s. Gynäceen), 
war eine Hauptursache der häufigen Kriege, welche das Reich mit den Parthern 
zu führen genötigt war. Diese fingen die aus China kommende Seide ab , um 
sie für sich selbst zu verbrauchen oder an die Byzantiner mit hohem Aufgeld 
zu verkaufen. Auch die Versuche Justinians, die Seide durch Yermittelung der 
befreundeten Aethiopier, in deren Besitz sich die alten Handelswege über das 
Rote Meer befanden, aus indischen Häfen zu beziehen, schlugen grösstenteils fehl, 
weil die Perser dazwischen kamen. Der sehnliche Wunsch Justinians, sich hin- 
sichtlich der Rohseide nicht nur von Persien, sondern auch von China unabhängig 
zu machen, wird ihm erfüllt durch das Angebot zweier Perser, angeblich Mönche 
vom Orden des heil. Basileus, welche erbötig waren, die Eier der Maulbeerraupe 
nach Byzanz zu bringen. Nach den Notizen von Silbermann (Die Seide, Dresden 
1897 S. 30 fP.) ist nicht mit Sicherheit festgestellt, woher diese beiden Mönche 
eine grosse Menge Raupen in hohlen Bambusstöcken nach Byzanz brachten ; 
Procop bezeichnet das Land als Serindia, worunter Forster mit Recht Kleinthibet 
(Khotan) vermutet, wo zu jener Zeit nach chinesischer Art betriebene Seiden- 
zucht in voller Blüte stand. Natürlich verging noch geraume Zeit, bis es Justinian 
gelang, den gewaltigen Bedarf ganz durch heimische Rohseide zu decken; aber 
er hatte es doch dahin gebracht, dass Byzanz schon vom Ende des 6. Jahr- 
hunderts ab eine der Hauptexportstellen von Seide für Europa geworden war, 
welchen Standpunkt es bis zum 11. Jahrhundert behauptete. Mit dem Material 
erhielten die Griechen in den fertigen Gewändern aber auch die Muster der 
Seidenstoffe aus dem Orient und hier ist es oft schwer, von den in zahlreichen 
Beispielen erhaltenen Originalen jener Zeit zu sagen, ob sie nach persischen 
Mustern in Byzanz oder in Persien selbst entstanden sind. Auch das Umgekehrte 
tritt in den Fällen ein, wenn die infolge des durch Justinian eingeführten Staats- 



Caballeros — Cäceres. 



107 



monopols nach Persien ausgewanderten Griechen ihre Muster dahin mit über- 
nahmen. Einen sicheren Anhaltspunkt geben hierfür nur die in einigen Geweben 
angetroffenen Inschriften. Die eigentlichen b3'zantinischen Stoffmuster, d. h. jene, 
welche vom orientaUschen Einfluss nicht berührt sind, enthalten noch vollkommen 
antike Elemente. So der auf Tafel II in Fig. 3 abgebildete Seidenstoff aus 
dem Münster in Aachen, in welchem die Darstellung einer von griechischen 
Zirkusspielern gelenkten Quadriga. Noch mehr in das byzantinische Anschauungs- 
gebiet hinein gehen die kleineren Stern- und Eosettenmuster, welche den antiken 
Mosaiken ähnlich sind (vgl. Abb. 47). Anders verhält es sich mit dem auf Tafel II 

Abb. 47. 




in Fig. 4 dargestellten Elefantenmuster von einem Seidengewebe aus dem 
Münster in Aachen. Hier würde Niemand an Byzanz denken, wenn dem Stoff 
nicht eine griechische Inschrift eingewebt wäre. (Weiteres s. Artikel Weberei: 
Geschichtliches.) 

Abbildung: 

47. Byzantinisches Stoffmuster nach einer Darstellung aus: Paul Schulze, Ueber 
Gewebemuster früherer Jahrhunderte. Leipzig 1893, S. 20. Original im Domschatz 
zu Aachen. 



c. 



Caballeros, oder Cavalleros, eine Gattung spanischer Wolle. 

Cabans nennt man wollene ßegenröcke aus Saloniki, die in Asien 
häufigen Absatz finden. Sie sind entweder langhaarig (wie Plüsch) oder ge- 
schoren. Zu Marseille versteht man unter C. Capotröcke für Schiffsleute von 
Pinchinat- oder Peveche-Geweben. Eine Art, Zagora genannt, ist von schwarzer 
Wolle und ohne Kapuze. Halbe C. sind diejenigen ohne Aermel. 

Cabesa, eine Art spanischer Wolle aus Estremadura. 

Cabra, Stadt in der span. Prov. Cordoba in Andalusien : Leinenindustrie. 

Cabuya, eine Art amerikanischer Hanf, welcher in Peru und Columbien, 
besonders in den ehemaligen Provinzen Panama und Yeragua wächst. Das 
aus demselben gesponnene starke Garn wird zu Stricken, Matten und Säcken 
von grosser Dauerhaftigkeit verarbeitet. 

Cäceres, Provinz im Königreich Spanien mit gleichnamiger Hauptstadt : 
in beiden ist die Industrie gegenüber der Viehzucht wenig entwickelt. Merino- 



1Q3 Caceres — Cajantes. 



schafe mit vorzüglicher Wolle, so dass letztere die Hauptausfuhr bildet. In der 
Hauptstadt C. Gerbereien, AYalkmühlen und Wollfärbereien. Letztere wurde 
47 V. Chr. von den B;ömern begründet. 

Caceres, geringe Sorte spanischer Wolle, die auch unter dem Beinamen 
de Blassas, de Truxillo und d'Alcantara im Wollhandel Spaniens vor- 
kommt. 

Cadas, Carda oder Carduus war im Mittelalter ein wahrscheinlich aus 
Seidenabfällen hergestellter Stoff geringerer Qualität, der für Priestergewänder 
Verwendung fand. 

Cadene, die geringste und stärkste Sorte der wollnen Fussteppiche, 
welche in Yorderasien nach Art der Hautelissen, jedoch von längerem Flor 
und nur in einzelnen Teilen gewebt und dann zusammengesetzt werden. 

Cadicee, Cadizee, Facon de Cadis, veralteter geköperter Wollenstoff, 
eine Art Droguet (s. d,). 

Cadillons, eine Art wollener Cadiszeuge aus Bhodez in Frankreich. 

Cadis, Caddis (engl.), ein ehedem sehr gangbarer, geköperter, dicker 
Wollenstoff, der wie Tuch geschoren und zugerichtet, in verschiedenen Farben 
-zu Winterkleidern, schwarz gefärbt zur Kleidung für die Greistlichen in Menge 
verbraucht wurde. Die Cadis von Montauban waren Scharlach oder schwarz 
gefärbt, sowie die von Bagneres (s. d.) und die von Castres (s. d.) schätzte 
man am meisten. Eine sehr dauerhafte starke Sorte kommt in Frankreich 
unter dem Namen Aures, Fleurets von Aures oder auch Cordelats ä fil gros 
und ä fil fin vor. 

Cadricat, s. carta rigata. 

Caen, Hauptstadt des Arrond. C. und des Depart. Calvados: Ver- 
fertigung berühmter Blonden (s. d.) und Spitzen, BaumwoU- und Woll- 
spinnerei, Fabrikation von Watte, Stickereien, damaszierten Leinen- und 
Strumpfwaren. Die Blonden aus C. werden in der Mitte des 18. Jahrhdrts. 
erwähnt. Man verwendete dazu chinesische Seide aus Nanking, bei ver- 
schiedenen dieser Spitzen waren Grund und Blumen aus verschiedener Seide 
hergestellt. Sie übertrafen jene von Chantilly (s. d.) an Qualität des Materials 
und Güte der Technik, standen ihnen aber in künstlerischem AYert der Zeich- 
nung nach. 

Caens, im franz. Handel eine Gattung Serge, die in der Gegend von 
Caen gewebt wird; auch gemusterte Leinwand zu Tischzeugen, die unter dem 
Namen Barrage vorkommt. 

Caffas, ostindische, bunt gemalte Baumwollzeuge, welche früher aus 
Bengalen nach Europa kamen. Li Deutschland wurde ehemals unter der Be- 
zeichnung Caffa ein mit Blumen gemusterter wollener Plüsch, Sammet oder 
Felbel zu Wagen- und Möbelkissen gefertigt, (s. a. Batik.) 

Cage-work (engl.), Gitterwerk, durchbrochene Arbeit. 

Cagli, Stadt im Kreis Urbino der ital. Prov. Pesaro e Ilrbino : Seiden- 
fabrikation. 

Cagliari, Hauptstadt der Prov. C. und der Insel Sardinien : Fabrikation 
von Baumwollzeugen und Wollmützen. 

Cahors, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Lot: Tuch- 
fabrikation. 

Caimancanis, musselinartig feine Baumwollgewebe, welche in der Türkei, 
vornehmlich zu Smyrna, zum Umbinden der Turbane gebraucht werden. . 

Cairens, ganz feine türkische Wollenteppiche, welche sowohl als Fuss-, 
als auch in kleinem Massstabe zu Tisch-, Sola- und Bettdecken in Verwen- 
dung kommen. ' 

Cajamarca, Hauptstadt in der südamerik. Republik Peru: Fabrikation 
von AVoli- und Baumwollstoffen. 

Cajantes, eine Gattung Berkan, welcher in Frankreich (Lille und Um- 
gegend) gewöhnlich aus Kammgarn, zuweilen auch aus Seide und Kammgarn, 
verfertigt wird. C. kommt auch unter dem Namen Calandres, Plemates, 
Plummates, Gros-Grains im Handel vor. 



Calabrien— Calotte. 109 



Calabrien, Halbinsel des Köiiigreichs Italien. Gewinnung von Flachs 
und Hanf ; die Seide wird besonders gerühmt. Aus dem Schilfrohr (Sarrachio) 
fertigen die Bewohner SchifFstaue, Körbe, Matten, Seile und Netze. 

Caladaris, rot oder schwarz gestreifte Kattune, die in Ostindien, vor- 
nehmlich in Bengalen, verfertigt werden. 

Calais, wichtige Seestadt im Arrond. Boulogne des franz. Depart. Pas 
de Calais-: Bedeutende Industrie von Spitzen und Baumwolltüll ; ferner Her- 
stellung ven Seiden- und Leinenstoffen ; Flachsspinnerei. In der Verarbeitung 
der E-ohseide zu Tüllgazen und Spitzengeweben findet C. seine besondere 
Eigenart. 

Calamacho (ital.), seidener atlasartiger Stoff aus Genua. 

Calamatta, Calamata, eine Art italienischer Seide, welche unzugerichtet 
von Genua in den Handel kommt. Man nennt sie auch Calamatta senz' anima. 

Calamink oder Calminken, grober russischer Zwillich, einfach, ohne 
Muster, welcher aus einer geringeren Sorte des Hanfes gewebt und rob von 
Petersburg und Archangel grösstenteils nach Holland verschifft wird. 

Calancard, Calanca, ostindische Kattune, welche früher in Europa be- 
druckt wurden. 

Calatayud, Bezirkshauptstadt der span, Prov. Saragossa: Seiden- 
fabrikation. 

Calbe, an der Saale, im preuss. Heg. -Bez. Magdeburg: Fabrikation von 
Tuch- und Wollwaren ; Wollspinnerei. 

Calcar, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Düsseldorf: Sammetweberei. 

Calcuttahanf, Sumpfhanf, Pant, Sanchu-Pant, Fäden der Kohlmusspflanze 
(Corchorus olitorius), die man in Bengalen Jute nennt. Man verfertigt Stricke 
und Zeuge davon, verfälscht aber auch die Leinwand damit, w^elche zu 
Matrosenhemden verarbeitet wird. 

Calico, s. Kaliko. 

Calicut, Kalikut, Seestadt in der ind. Präsidentschaft Madras, führt im 
Mittelalter einen ausgedehnten Seidenhandel einerseits mit China, andrerseits 
mit Alexandrien und Byzanz. Die ersten Europäer, die 1496 nach C. ge- 
langten, fanden zu ihrem Erstaunen lucchesische Damaste und Sammete vor 
(vgl. Silbermann, Die Seide, Bd. 1, S. 86). Aus C. stammt auch der sog. 
Kaliko (s. d.). 

Callamancoes, geköperte Baumwollzeuge, w^elche die Manufakturen von 
Yorkshire liefern. Die Ware ist eine Art Kalmank, aber von besserer Wolle 
als dieser. Man hat sie sowohl einfarbig und changierend, als auch gemustert 
und fassoniert ohne Köper, in welchem Falle sie auch zu den wollenen Damast- 
stoffen gerechnet werden. 

Callies, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Köslin: Tuchfabrikation. 

Callnberg, Stadt in Sachsen: Webereien, Strumpfwirkereien. 

Calmande, franz. Bezeichnung für Kammgarnstoffe, welche die Eng- 
länder Lastings nennen. C. wurde ursprünglich in Amiens verfertigt; später 
nannte man den Stoff auch Satin ture. 

Calmucs, Kalmucks, 1. eine Art wollener langhaariger Stoffe, welche 
aus starkem Streifgarn locker gewebt, aber dicht gewalkt und in verschiedenen 
Farben gefärbt in den Handel kommen und zu Winterkleidern verbraucht 
werden. Im allgemeinen versteht man darunter die geringeren Sorten von 
Biber (s. d.). 2. Eine Gattung der franz. sogen, wollenen Londres- oder 
Halbtücher. 

Calotte (franz.), (lat. : calota; engl.: callot, callote) netzartige Haube 
aus wollenen oder seidenen Schnüren, die durch Stickerei auch mit Gold und 
Perlen verziert wurde und das Haar beinahe ganz einhüllte. Sie kam am 
Ende des 15. Jahrhdrts. mit dem Barett (s. d.) auf, um dem oft wie ein 
Teller ganz auf der einen Seite des Kopfes sitzenden Barett die Befestigung 
zu ermöglichen. Mitte des 16. Jahrhdrts. kommt die C. ausser Mode. Die 
goldene und silberne C. sollten nach der Beichsordnung von 1530 nur Fürsten 
und dem Adel, den Geschlechtern nur die seidenen zustehen. Später ver- 



wo Oalquiers— Camelatin, 



stand man unter C. besonders das Scheitelkäppclien der kath. Greistlichen, 
dann auch die Narrenkappe. 

Calquiers, eine Gattung ostindischer Taffete und Atlasse. 

Calüire-et-Cuire, Ort im Kanton Neuville-sur-Saone, Arroud. Lyon: 
Zeugdruckereien und Färbereien. 

Calw, Oberamtsstadt in Württemberg : Fabrikation von Wolldecken und 
Trikotwaren; Baumwollspinnerei, Schönfärberei. (Vgl. Stätlin, Geschichte 
der Stadt C, Stuttgart 1888 ; Tröltsch,die Calwer Zeughandlungskompagnie 
und ihre Arbeiter, Jena 1897.) 

Calwap, Callewappen, baumwollner ostindischer Stoff, welchen früher die 
Dänen aus Tranquebar nach Europa brachten. 

Camayeux, veralteter bunter Seidenstoff, dessen farbige Kette mit dem 
dunstschwarzen Einschlag leinwandartig so verbunden wird, dass bei dem 
letzteren ein einfacher Faden mit einem doppelten abwechselt und dadurch 
ganz schmale Streifen entstehen; man hat denselben einfarbig und klein geflammt. 

Cambay, verkommener Hauptort des gleichnamigen mohammed. Vasallen- 
staates der indobrit. Präsidentschaft Bombay: berühmt wegen seiner Baum- 
wollwebereien, Manufakturen von Seide, Gold- und Silberbrokat. 

Cambayes, eine starke und gewöhnliche Sorte ostindischer Kattune, 
welche ehedem nach Europa gebracht wurden, gegenwärtig aber nur im 
Zwischenhandel und den philippinischen Inseln und Ostindien vorkommen. 

Camblets, Camlets, engl. Bezeichnung für eine Art Kamlots: glatte 
Wollenzeuge aus starkem, hartem Kammgarn, gewässert wie Moreens (s. d.). 

Cambraetas, im portugiesischen Handel die schlesischen Schleierleinen. 

Cambrai, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Nord: seit alter 
Zeit bedeutende Indastrie in Batistleinwand, den sogen. Cambricstoffen oder 
Kammertuch (s. d.), feinen Baumwollengeweben, baumwollenen Spitzen und 
Tülls (jährlich für 8^2 Mill. Frcs.); ferner Leinen- und Baumwollspinnereien. 
Dem angeblichen Erfinder der Batistleinwand, Baptiste, ist hier eine Statue 
errichtet. 

Literatur: Bouly, Histoire de C. et du Cambresis (2 Bde. Cambrai 
1843); Lecluselle, Histoire de C. depuis 1789 (2 Bde. ebd. 1875); Dieck- 
meyer, die Stadt C. (Bielef. 1890). 

Cambre heissen im italienischen Handel die schlesischen Schleierleinen. 

Cambresine, Cambrasine nennen die Franzosen alle diejenigen baum- 
wollenen Stoffe, w^elche aus feinem Garn dicht und fest, leinwandartig gewebt 
werden und den Cambrays ähnlich sehen, und von welchen ehemals mehr als 
20 Sorten von verschiedener Länge und Breite aus Ostindien eingeführt wurden; 
im engeren Sinne versteht man darunter die dichtgewebten, weissen, baum- 
wollenen Zeuge, welche aus mehreren Gegenden Asiens, aus Persien, Aegypten, 
Natolien über Smyrna, Kairo und Alexandrien in den Handel kommen. C. 
haben in neuerer Zeit mehr die Namen Cambrics, Shirtings, Percals u. s. w. 
angenommen. 

Cambre velate, italienische Benennung für Schleierleinwand. 

Cambric, Cambray, Cambrik (engl.), locker gewebte dünne Batistlein- 
wand, welche man auch Kammertuch, und in Frankreich Claires nennt; sie 
wird zu Lille, Yalenciennes, besonders aber zu Cambrai gemacht, woher sie 
ihren Namen hat und hier schon zur Zeit der Königin Elisabeth eingeführt 
sein soll. C. erscheint in ausserordentlich verschiedenen Sorten; die Fort- 
schritte in der Baumwollspinnerei führten bald zur Nachahmung des Stoffes in 
England, Frankreich und Deutschland. 

Camden, Hauptstadt im amerik. Staate Neujersey: bedeutende Fabif'ikation 
von Wollwaren. 

Camelatin, Camelotine ist der veraltete Name mehrerer Gattungen ge- 
ringer, auf Kamelotart gewebter Stoffe aus hartem Kammgarn, welche in den 
ehemaligen französischen Niederlanden und an mehreren Orten Flanderns ge- 
Avebt wurden. Verschiedene Sorten dieses Zeuges sind unter anderem Namen 
wieder aufgekommen; sie werden auch unter den Bezeichnungen Lamparilles 



Cameleon— Capelle. Hl 



oder Nonpareilles nach dem Ausland versandt. Letzere sind entweder ganz 
aus Wolle, teils auch mit Leinengarn und Ziegenhaar vermischt. Andere 
Arten von C. werden auch Polamit genannt. 

Cameleon, s. Seidenwaren. 

Cameline heisst ein gewöhnlicher auf Kamelotart gewebter Stoff von Amiens. 

Camelot, s. Kamelott. 

Campane (ital.), eine Art Fransen von Gold, Silber oder Seide, mit 
kleinen Troddeln oder Flocken, die wie Glöckchen aussehen; sie werden als 
Besatz von Kostümen angewandt. Auch gewisse Arten von Spitzen aus Seide 
oder Zwirn mit halbrunden Bogen und feinen Zähnchen werden C. genannt; 
letztere wurden im 18. Jahrhundert in Puy gemacht. 

Campania (lat.), das Feld, der Fond einer • Stickerei, eines gemusterten 
Stoffes. 

Campatillas, eine Gattung wollener Stoffe, die zu Brügge gewebt und 
für Spanien bestimmt wurden. 

Campes, eine Art geköperter Tuchrasche, die zu St. Pierre du chemin 
und Chateigneray in Frankreich gemacht werden. 

Campobasso, Hauptstadt der gleichnamigen ital. Provinz : Fabrikation 
von Tuch und Leinwand. 

CampOS, eine Gattung Wolle aus Aragonien, die besonders nach Frank- 
reich zur Verarbeitung von Stoffen geht. 

Camwood, in der Wollfärberei für braune und rotbraune Farben an- 
gewandte afrikanische Holzart. 

Canadaris, ostindische und chinesische atlasartige Stoffe aus Seide und 
Baumwolle oder aus Seide und Florettseide; es gibt buntgestreifte und ge- 
gitterte C. 

Canadas, französische Bettdecken, die besonders um Dartenal verfertigt 
werden. 

Cancanias, eine Art ostindischer Seidenatlasse. 

Candagang, Spinfaser, dem Gambohanf ähnlich, von Hibiscus eriocarpus. 

Canevas, s. Kanevas. 

Cangette, eine Gattung gewöhnlicher Serge, aus der Gegend von Caen. 

Cannamazos ist der spanische Name aller Sorten gewöhnlicher un- 
gebleichter Leinwand aus Deutschland. In Nordamerika nennt man sie Hessians. 

Cannequins (franz.) sind weisse Kattune oder lange baumwollene ost- 
indische Tücher, welche im afrikanischen Handel vorkommen. 

Cannette werden einfädige in Frankreich hergestellte Chappegarne 
(s. d.) genannt; assembles heissen die dublierten. 

Cannos heissea die feinen, meist gebleichten Zwilliche, welche damast- 
artig gestreift, in Spanien und Portugal zu Handtüchern und Ueberzügen ver- 
braucht werden. 

Cannstatt, Oberamtsstadt in Württemberg, Baumwollweberei, Färberei; 
Fabrikation von Korsetts, Garne, Baumwoll- und Strumpfwaren, Wachstuch 
und Watte. 

Canons wurden im 17. Jahrhundert in Frankreich englische Spitzen- 
krausen genannt, die aus den Schäften der hohen Stiefel heraussahen. 

Canourges, eine französische Serge, w^elche zu Mende verfertigt wurde. 

Canques, baumwollne Gewebe, wovon die Chinesen Hemden machen. 

Cantazaro, Hauptstadt der ital. Prov. C. Seiden- und Sammetwebereien. 

Canterbury, Stadt der engl. Grafschaft Kent: bedeutender Handel mit Wolle. 

Canterbury (engl.), halbseidenes, buntgemustertes Gewebe, mit seidener 
Kette und feinem baumwollenem Einschlag. 

Cantille, s. Bouillon. 

Cantillen s. Leonische Waren. 

Canton, Hauptstadt in den Yereinigten Staaten von Amerika: Fabri- 
kation von Teppichen und Wollwaren. 

Capelle, capella (lat.), Diminutiv von capa oder cappa; besonders hiess 
so der abgeschnittene Mantel des heiligen Martin, daher auch das Kirchlein, 



112 Capicciola — Cardauzille. 



in dem er verwahrt ward und daher die Kapelle. Nach obigem Begriff be- 
deutete C. ursprünglich das vollständige Messornat der katholischen Geistlichkeit. 

Capicciola oder Spicchetto di capicciola heisst in Italien, besonders zu 
Xeapel und Messina, ein Seidenstoff mit Eiuschuss von Florettseide. 

Capitum (lat.), Kopfmütze, ein Verband des Kopfes, der mit einem 
grossen viereckigen, zu einem Dreieck zusammengelegten Tuche ausgeführt wird. 

CapOC, Capock oder Capuck, s. Seidenwolle. 

Capodistria, Stadt in der österr. 3Iarkgrafschaft Istrien: ^^ebereien 
und Färbereien. 

Capottücher, Matrosentuche, Singonne, ein dunkelfarbiges, gewöhnlich 
schwarz oder braun gefärbtes, auf der einen Seite zottiges und langhaariges, 
dicht gewalktes Wollentuch zu Mänteln und Ueberröcken der Seeleute, welche 
die Manufakturen von Lille liefern. Aehnliche schwarze Zeuge, aber dicker 
und langhaariger, die fast das Ansehen von Schaffellen haben, sind die im 
Levantiner Handel bekannten Capots von Zangora, welche wie starker Plüsch 
und so fest gewebt werden, dass das Wasser nicht durchdringen kann und 
welche in Saloniki ein bedeutender Handelsartikel für alle diejenigen Schiffer 
sind, welche die türkischen Häfen besuchen. In England wird ein ähnliches 
sehr festes und dickes Matrosentuch gemacht, das Shoddy clothe heisst. 

Cappa, capa (lat.), (c. choralis, der Chormantel: c. missalis = dalmatica; 
c. aqualifera, pluvialis, E^egenmantel, Pluviale), mittelalterliches, halbrundes 
Grewand mit offenen Halbärmeln, im 14. Jahrhundert mit Kragen und Kapuze; 
nimmt unter den liturgischen Gewändern eine wichtige Holle ein. Die Bischöfe 
tragen sie von violetter Farbe mit weissem Pelzkragen als Kapuze, bei dem 
Gottesdienste im Chor, wenn sie zur Kirche gehen, um selbst Messe zu lesen 
und beim Weggehen nach beendetem Amte. Bei der ausschliesslich dem 
Gottesdienst geweihten Pluviale wurde die ursprüngliche Kappe des Mantels 
zu einem reich verzierten in tiefer Halbbogenform ausgeschnittenen Schilde 
(clipeus), das heut im allgemeinen als Cappa des Chormantels bezeichnet wird 
und schliesslich als Kragen ausgebildet ist. (Vgl. den Artikel Kirchengewänder.) 

Capuchon, Kapuze, Mönchskappe, auch ein mit einer Kapuze versehener 
Damenmantel. 

Capulla de seda, im spanischen Handel die schlechtesten Sorten der 
levantinischen Seiden. 

Caracolillo heisst ein rotes baumwollenes amerikanisch-indianisches Garn, 
das mit dem Schleim einer gewissen Schnecke (Carocol) gefärbt ist. 

Caragach, eine feine Sorte baumwollnen Garns von Smjrna. 

Carasee, feine und dicht gewalkte Flanelle, welche an mehreren Orten 
in Mähren für Italien verfertigt werden. 

Carbonisieren, in der Wollwarenindustrie ein Verfahren, das bezweckt, 
die Wolle von vegetabilischen Stoffen zu befreien, und darauf beruht, dass die 
Wolle der Einwirkung von Säure widersteht, während die vegetabilischen 
Körper dadurch zerstöst werden. 

Carcami (ital.), Abfälle bei der Seidenerzeugung. 

Carcanes, ostindische Baumwollzeuge, welche ehemals die dänisch- asia- 
tische Compagnie nach Europa brachte. 

Carcassonne, Hauptstadt des Arrond. C. und des franz. Depart. Aude : 
Bedeutende Tuchfabriken, AVoll Spinnereien, Manufakturen in Wolldecken 
und Watte. 

Carcassone-Tücher haben den Namen von ihrem Verfertigungsort. Man 
macht hier und in dem umliegenden Distrikt mehrere Sorten leichter Tücher, 
besonders für den Handel nach der Türkei, nach Aegypten u. s. ^. Die 
feinsten aus spanischer Wolle heissen Mahouts, eine etwas geringere Sorte 
heisst Londrins. In Carcassone w^erden noch andere feine Tücher unter dem 
Namen Draps de dame, Fagon d'Elboeuf, Facon de Sedan gewebt und nach 
Italien, Spanien und den Kolonien verkauft. 

Carda, s. Cadas. 

Cardauzille, geringer, wollener, auf Paschart gewebter Stoff. 



Garden — Carrick-ma-cross. 113 



Garden, s, Kardendistel. 

Cardinaltuch, s. Kardinaltuch. 

Cardis, Kardis, veralteter geköperter AVollenstoff, dem Baye oder Boy 
(s. d.) ähnlich, der gewalkt und warm gepresst auch Walk- oder Tuchrasch, 
und in doppelter Breite Landserge genannt wurde, trotzdem er in der Wolle 
wie in der Arbeit besser als jener war. 

Carduus, s. Cadas. 

Caredaris, Carradarer, Carradars, sind ostindische Baumwollzeuge, bunt 
undc schmal gestreift, den Ghingans ähnlich ; die Dänen brachten sie früher unter 
dem Namen Donacolly in den Handel. 

Carelles, Carele, ein schwarzer kamelhaariger Stoff, der früher zu Westen 
und Beinkleidern gebraucht wurde. 

Cargaisonleinen, eine gewöhnliche Sorte der französichen Bretagnes, 
welche von B,ennes in den Handel kommen. 

Carignan, Hauptort im Arrond. Sedan des franz. Depart. Ardennes : 
Tuchfabrikation. 

Cariguano, im früheren Mittelalter Carianum, auch Carinianum, Stadt 
in der ital. Provinz Turin : Seidenbau und Seidenindustrie. 

Cariset, Karozet, in Frankreich allgemeine Bezeichnung für alle dicht- 
gewalkten, auf beiden Seiten geköperten Flanelle, sowie auch die englischen 
Kirseys, insbesondere aber eine Gattung Molton, welche im Departement der 
Yendee, zu Fontenay le Comte, aus Landwolle gemacht wird. 

Carisol oder Creseau, in Frankreich eine ganz dünn und durchsichtig 
gewebte Leinwand, welche so gearbeitet wird, dass sich zwischen den Flächen 
kleine viereckige Zwischenräume befinden und das Gewebe siebähnlich ausfällt. 
Die feinen Sorten werden von Flachs-, die ordinären von Hanfsamen gewebt. 
C. wird wie Kanevas für Stickereien auf abgezählten Fäden verwandt. Haupt- 
beziehungsplätze sind Alengon und Bennes. 

Carlisle, Hauptstadt der engl. Grafschaft Cumberland : Bedeutende Baum- 
wollfabrikation, Färberei. 

Carmagnola, Stadt in der ital. Prov. Turin: Fabrikation von Seiden-, 
Leinen- und Hanfstoffen. 

Carmeline, in Frankreich die Mittelsorte der Vigognewolle. 

Carmenische Wolle, laine de Carmenie, in Frankreich das persische 
Ziegenhaar. 

Carnet, in Frankreich eine Gattung Leinen, nach Art der Bretagnes, 
welche besonders nach Spanien ausgeführt werden. 

Carole, ein veralteter bunter Wollenstoff, welcher mittels Schäften ge- 
webt Avurde, in der Kette zwei gezwirnte Fäden, im Einschlag nur einen ein- 
fachen Faden hat und zu Westen und Beinkleidern diente. 

Caroline, s. Stösselleinwand. 

Carpentras, Hauptstadt im Arrond. C. des franz. Depart. Vaucluse: 
Bedeutende Seiden- und Baumwollspinnereien. 

Carpet (engl.) , (lat. carpeta. carpita) Teppich, Matratze ; venetian-c. 
Treppenläufer; scotch-c. schottischer, dreifacher Teppich; rug-c. Sammetteppich. 

Carpettes (franz.), sind ganz geringe, aus den Pocken oder dem Werg 
des Hanfs und des Flachses zwillichartig gewebte Packleinen, ungebleicht, je- 
doch häufig gestreift. Sie werden meistens in Amiens und Abbeville ver- 
fertigt und gehen grösstenteils nach Spanien, wo sie zu Wollsäcken ver- 
braucht werden. 

Carragheenmoos ist ein Appretmittel. 

Carretine changeant, ein früherer gemusterter Seidenstoff von ver- 
schiedenen Farben, ganz klein gewürfelt ; sie wurden so gewebt, dass man in 
der farbigen Kette von 8 Fäden zu 8 Fäden einen einfachen schwarzen Faden 
anlegte, welchen der Einschlag von einer anderen Farbe, die dem Stoff ein 
schillerndes Aussehen gab, ganz deckte. 

Carrick-ma-cross (engl.), in Irland die Bezeichnung für eine aus Lein- 
wand ausgeschnittene und gestickte Spitze. 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 8 



114 Carrick-on-Suir — Cassinets. 



Carrick-on-Suir, Marktstadt in der irischen Grafschaft Tipperary: die 
frühere Wollindustrie ist eingegangen, in neuerer Zeit hat die Leinen- und 
Flachsmanufaktur wieder an Bedeutung gewonnen. 

Carrierte Stoffe werden in der Weberei solche genannt, in welchen ein 
Streifen, der sich in der Kette befindet, auch im Schuss vorkommt, oder in 
welchem ein Kettenstreifen abgeschossen wird; man fertigt sie in allen Grrund- 
bindungen mit Cannele- Köper- oder Atlaskarrierung. 

Cartagena, feste Seestadt der span. Prov. Murcia: Segeltuchfabrikation, 
Hanfweberei. 2. ßaumwollsorte aus Columbia. 

Carta rigata, die, (ital.) liniertes Papier, insbesondere, die durch wage- 
rechte und senkrechte Linien in kleine Quadrate geteilten Papierbogen, in 
welche die Muster für Weberei, Stickerei u. s. w. in vergrössertem Massstab 
„ausgesetzt" werden. Jedes Quadrat (Auge) vergegenwärtigt eine Stelle, wo 
Kette und Schuss einander decken, bezw. ein Kreuzstich gestickt werden soll. 

Cartisane (franz.), eine mit Zwirn oder Metallfäden zum. Sticken oder 
Spitzenmachen umwickelte kleine Karte: die Palette. 

Carton (franz.), (engl.: cartoon; lat. carto), eine auf starkem Papier in 
beabsichtigter Grösse ausgeführte Yorzeichnung zu einer Malerei, Stickerei, 
Bildwirkerei u. a. m. 

Cartouche (franz.), (engl, cartouch), rahmenartige Einfassung, vornehm- 
lich aus Bollwerk; dazwischen Blumen, Laubwerk und sonstige Figuren. 
Entsteht in der Spätrenaissance und erscheint im textilen Ornament meist als 
Umrahmung eines Namenszuges oder Bildes; besonders ausgenutzt wurde das 
Motiv für die Zwecke der Stickerei und Aufnäharbeit in Italien und Spanien 
(s. Abbild. ^12, Tafel IX). 

Carvin, Hauptort im Arrond. Bethune des franz. Depart. Pas des Calais : 
Flachsspinnerei und Tüllfabrikation. 

Casa, ein ostindisches baumwollenes Gewebe, welches die Franzosen von 
Surate zuführten. 

Casaque (franz.), weitärmeliger Beisemantel, Soldatenmantel. 

Caschemir, s. Kaschmir. 

Casel, Caselkreuz, Caselstab, s. Casula. 

Casemir, s. Kasemir. 

Caserta (S. Leucio), Hauptstadt der ital. Prov. C. : erzeugt Brokate, 
Damaste und andere reiche Möbelstofi'e. L. hat eine königliche Seiden- 
spinnerei, verbunden mit Leinen- und Tapetenwebereien. 

Cassaimabad sind Cassas. 

Cassas, Casses, Cossas, feine baumwollne musselinartige Gewebe aus 
Bengalen, deren Einschlag- und Kettenfäden nicht rund gedreht und fest, 
sondern locker und glatt sind, daher der Stoff, wenngleich dichter als Musselin, 
doch weich und dünn ausfällt. Die Cassas kamen ehedem in sehr grosser 
Menge, von verschiedener Länge und Breite, unter mancherlei Beinamen, die 
ihre Arten näher bezeichneten, nach Europa, sie sind aber allmählich durch 
die europäischen Musseline und leichten Kattune verdrängt worden. 

Cassel, s. Kassel. 

Casserillos oder Cassarilles, gewöhnlich mit dem Zusatz aplatillos oder 
aplatillados, ist der Name mehrerer Gattungen weissgarniger, deutscher Haus- 
leinwand, aus mittelfeinem und starkem Leinengarn fest gewebt, die über 
Hamburg und Bremen zur überseeischen Ausfuhr gelangte. 

Cassinets (engl.), sind geköperte Stoffe von starker baumwollener Water- 
kette und Streichgarnschuss, festgeschlagen und leicht gewalkt, in der Wolle 
gefärbt und heiss gepresst. Sie werden vornehmlich für Beinkleider verwendet. 
Man hat sie in vielen Farben meliert, gestreift, karriert und gemustert, als 
Nachahmung des ganz wollenen Sommerbuckskins. Der sogen. Doppel-Cassinet 
mit zweierlei Einschlag ist in der Art hergestellt, dass wollene und baum- 
wollene Einschlagfäden miteinander abwechseln und auf der rechten Seite drei 
Viertel des wollenen, auf der linken drei Viertel des baumwollenen Einschlags 
freiliegen. Durch diese entgegengesetzte Bindungsweise schieben sich die 



Castagnette — Catania. 115 



Einschlagfäden sehr dicht zusammen, wodurch der Stoff seine Schwere 
erhält. 

Castagnette ist eine Zeugart, die auf beiden Seiten geköpert ist und 
zu Amiens von Seide, Wollengarn und Leinen gewebt wird. 

Castalla, Stadt in der span. Prov. Alicante: Leinwandweberei. 

Castalogne, Catalogne (franz.), eine Art feiner wollener Bettdecken aus 
Catalonien, die auch in Frankreich nachgemacht werden. 

Castellamare, Baumwollsorte aus Neapel. 

Castellamonte, Ort in der ital. Prov. Turin: Seidenfabrikation. 

Castellane, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Basses-Alpes : 
Tuchfabrikation und Wollspinnerei. 

Castellaneta, Stadt in der ital. Prov. Lecce: Gewinnung von Wolle und 
Baumwolle. 

Castello Branco, Hauptstadt in der portug. Prov. Beira: Fabrikation 
von Wollstoffen. 

Castello de Vide, Stadt im portug. Distrikt Portalegre : Tuchfabrikation. 

Castellön de la Plana, Hauptstadt der span. Provinz C: Hanfbau, 
Segeltuch- und Leinweberei, sowie lebhafter Handel mit diesen Erzeugnissen. 

Castelnandary, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Aude: 
Fabrikation von Tuch und Leinwand; lebhafter Wollhandel. 

Castelvetrano, Stadt in der ital. Prov. Grirgenti auf Sizilien : Seide-, 
Leinen- und Baumwollfabrikation. 

Castiglione Fiorentino, Ort in der ital. Prov. Arezzo : bedeutender Seidenbau. 

Casting of draperies (engl.), Faltenwurf. 

Castorin (franz.), s. Biber (Gewebe). 

Castortapeten, s. Velourstapeten. 

Castortuch, Castorin, nennt man das allerfeinste, aus spanischer Wolle 
gefertigte Tuch, dessen Aeusseres durch ganz vorzügliche Appretur glänzend 
und seidenartig geworden ist. Im allgemeinen werden auch unter C. gewisse 
langhaarige, weisse Wollenzeuge darunter verstanden, welche als Nachahmung 
von Pelzwerk zum Besetzen von Kleidern Verwendung finden (s. Biber). 

Castravane, eine Gattung Seide, die von Aleppo in den Handel kommt 
und zu Tressen dient. 

Castres, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Tarn: Bedeutende 
Fabrikation von feinen und groben Tuchen, Kasemir und anderen Wollstoffen, 
Baumwoll-, Seiden- und Florettseidenzeugen; Färbereien. 

Casula, Casel (lat.: casula, casubula, casubla; franz. und engl. : chasuble), 
das eigentliche Messgewand des katholischen Bischofs und des Priesters. Anfangs, 
gleich der römischen Pänula, ein weiter, rings geschlossener, ärmelloser, glocken- 
ähnlicher Mantel aus schwerem Seidenstoff, nur mit einem Ausschnitt für den 
Kopf, schon im frühen Mittelalter mit gestickten oder gewirkten Streifen an 
den Rändern versehen. Behufs freierer Bewegung der Arme brachte man 
später Schnürenzüge auf den Achseln an, wodurch die C. über den Armen 
hinaufgezogen wurde. Gegen das Ende des Mittelalters machte man für die 
Arme Seitenausschnitte, die sich schliesslich so weit ausdehnten, dass Vorder- 
und Bückseite der C. nur noch an den Schultern einen Zusammenhang hatten. 
Die Musterung der C. legt zunächst Gewicht auf das Kreuz (s. d.) der Bück- 
seite, die bei dem Amtieren der Geistlichen den Gläubigen zugekehrt ist, und 
den Stab (s. d.) der Vorderseite. Diese sind beide reich gestickt. Der Grund- 
stoff der C. ist verschiedener Art. Bei Musterungen desselben in Weberei fügt 
er sich dem Schnitt des Gewandes ; gestickte C. sind abgepasst gemustert. (Vgl. 
Kirchengewänderstoffe und -Stickereien und die Abbildung zum Artikel Würzburg.) 

Cataclitus, cataclyzomatis ars (lat.), „phrygische Kunst", Edelsteine und 
Glasperlen in Gold zu fassen oder auf Stoff zu nähen; daher c. opus, ein Werk 
dieser Kunst, phrygische Arbeit; c. vestis mit Steinen und Perlen besetztes Gewand. 

Catania, Hauptstadt der ital. Prov. C. : Fabrikation von Leinen-, Baum- 
woll- und Seidenzeugen. — Vgl. Guida letteraria, scientifica, artistica, ammi- 
nistrativa" e commerciale di C. (Catania 1881). 



Ilß Cäteau-Cambresis — Cerise. 



Cäteau-Cambresis, Le Cäteau, Hauptstadt im Arroncl. Cambrai des 
franz. Depart. Nord: Bedeutende TToll- und Baumwollspinnereien, viele Merino-, 
Shawl-, AVollzeug- und Seidenfabriken. 

Cate-Caatjes, ein ostindischer Baumwollenstoff, welchen die Holländer 
ehedem von der Küste Coromandel, in verschiedener Feinheit nach Europa 
brachten. 

Catifah wurden im Mittelalter Sammetstoffe genannt, welche arabischer 
Herkunft waren. 

Cattivella, in Italien ein seidener Stoff zu Kleidungsstücken, der von 
gezwirnter Florettseide gefertigt wird; derEinschuss ist von feinerer Florettseide. 

Cattoene Lywaten nennt der Holländer überhaupt alle Arten baiun- 
wollener Grewebe. 

Caudebec, 1. Hauptort im Arrond. Yvetot des franz. Depart. Seine- 
Inferieure: Bleichen, T\"oll- und Baumwollfabriken. 2. Stadt im Arrond. 
Ronen desselben Depart.: bedeutende "Wollspinnerei, Tuchfabrikation und 
Färberei. 

Caudry, Stadt im Arrond. Cambrai des franz. Depart. Nord : Fabrikation 
von Musselin, Tüll und Baumwollenwaren, ebenso rege Seidenindustrie. 

Cavailhos, sind weissgebleichte, dicht gewebte schlesische und Lausitzer 
Leinen, welche diesen Namen in SiDanien und Portugal von den auf dem 
Papierumschlag in Silber abgedruckten zwei Pferden erhielten. 

Cavallinen, im italienischen Handel Tele cavaline oder Possleinwand, 
sind von den Cavailhos (s. d.) hinsichtlich der Appretur und Legeart ver- 
schieden; es ist eine schöne Mittelware, sorgfältig gebleicht, welche haupt- 
sächlich in Böhmen verfertigt wird und über Triest nach Hallen geht. 

Cavarzere, Ort in der ital. Prov. Venedig: Seidenindustrie. 

Cayenne, eine ungebleichte französische Leinwand; es ist eine leichte, 
locker gewebte Ware von verschiedener Qualität, die auch unter dem Namen 
Lavaische oder als Bouloir in den Handel kommt. C. heisst auch eine Baum- 
wollsorte aus Guyana. 

Cayenne ä fond chine hiess ein halbseidener Stoff, der heut aus der 
Mode ist. 

Cazimir, ein dicker, geköperter Stoff aus gezwirntem Baumwollgarn, 
welcher zuerst in Lyon, dann auch in verschiedenen Orten Deutschlands nach- 
gemacht wurde. Der Artikel ist ausser der Mode. Ueber wollenen C. s. 
unter Kasemir, 

Ceara, Baumwollsorte aus Mexiko. 

Ceibawolle dient zum Polstermaterial. 

Celaya, Stadt im mexik. Kant. Guanajuata: Fabrikation von Wollstoffen. 

Celle, Kreisstadt im preuss. Peg.-Bez. Lüneburg: Wollgarnfärberei, 
Wachsbleicherei. 

Celloidinwolle, reinste Kollodiumwolle, durch Behandeln reiner, von 
organischen nitrierbaren Substanzen freie Baumwolle, welche für photographische 
Zwecke verwandt wird. 

Cendal (franz.), (arab.: zendado; lat.: cendalum, cendalium, cindalum, 
celdal etc.), Sendel, Zindel, ein dünner, leichter, taffetähnlicher Seidenstoff, 
chinesischen Ursprungs, der im Mittelalter zuerst in Alexandrien und später 
in Mailand angefertigt und in Europa zu Fahnen, Decken und als Futterstoff 
Verwendung fand. 

Cendal de Bolonna, im spanischen Handel der italienische Krepp- und 
Schleierflor. 

Cenedatücher sind wollene Tücher, die in feine und halbfeii^e unter- 
schieden und namentlich im Oesterreichischen gewebt werden; sie gehen nach 
Bosnien, Dalmatien u. s. w. 

Cento, Hauptstadt in der ital. Prov. Ferrara: bedeutender Handel 
mit Hanf. 

Cerignola, Stadt in der ital. Prov. Foggia: Baumwollkultur. 

Cerise (franz.), Kirsche, kirschrot. 



Cesena — Chamberguillas. 117 



Cesena, Hauptstadt in der ital. Prov. Forli: Hanf- und Seidenbau. 

Ceuta (lat.: Septa, mauriscli: Sebta), befestigte span. Stadt an der 
Nordküste Afrikas, in Marokko: war unter der arab. Herrschaft eine indu- 
strielle Stadt, wo von einem Araber die erste Baumwollpflanzung des Occidents 
angelegt wurde. 

Ceylon, brit. Insel an der Südspitze Vorderindiens: Weberei von 
Kattunstoffen für inländischen Grebrauch ; Ausfuhr von Coirgarn, -seide und 
-faser. C. war im frühen Mittelalter ein wichtiger Handelsplatz für Seide, 
welche die Araber aus China bezogen; dieser Verkehr erreichte im 12. Jahrh. 
seinen Höhepunkt (s. Leinenstickereien aus C). 

Cha ist ein sehr leichtes schlechtes seidenes Zeug, das in China ge- 
fertigt und in vielen Teilen des Reiches allgemein zur Sommer kleidung ge- 
braucht wird. Es ist dem Taflet ähnlich ; aber nicht so gut gewebt und nicht 
so glänzend. 

Chabnams, ein musselinartiges baumwollnes Gewebe, das ehedem aus 
Ostindien, besonders Bengalen, nach Europa gebracht wurde. 

Chacarts, eine Art gewürfelter Kattune von allerlei Farben, welche die 
Franzosen von Surate nach Europa brachten. 

Chadderton, Stadt in der engl. Grafschaft Lancashire: lebhafte Baum- 
wollindustrie. 

Chafer^onnes heissen ostindische bemalte Hals- und Schnupftücher, die 
früher die Franzosen von Surate brachten. 

Chagny, Hauptort im Arrond. Chalon-sur-Saone des franz. Depart. 
Saone-et-Loire: Wollstofl"- und Leinwandfabrikation. 

Chagrin (franz.), wird ein schmales bandartiges Gewebe des Borten- 
wirkers genannt, dessen Kette und Schuss reiches Gespinst, auch wohl Can- 
tille ist. C. heisst auch ein Seidenstofl", welcher durch eigentümliche Schnü- 
rung eine einigermassen körnige Oberfläche erhalten hat. 

Chagrintaffet heisst ein getüpfelter Taflet von allen Farben, der früher 
besonders zu Unterfutter, zu Vorhängen u. dergl. diente. 

Chainette, ein schwerer, klein gemusterter Seidenstoff mit doppeltem 
Köper, welcher früher grösstenteils in schwarzer Farbe zu Westen und Bein- 
kleidern verbraucht wurde. 

Chaise-Dieu, La, Hauptort im Arrond. Brionde des franz. Depart. Haute- 
Loire : Spitzenfabrikation. 

Chalat (türk.), Ehrenkleid, s. Chyl'at. 

Chalon, Chalong, ein leichter einfach geköperter Stoff von hartem 
Kammgarn, der ebenso wie der Basch, gewebt, nur feiner und auf der rechten 
Seite durch warme Presse geglänzt wird, gegenwärtig aber keinen Absatz 
mehr findet ; nur für die Bühne und einige Nationaltrachten macht man ihn noch. 

Chalonnes-SUr-Loire, Hauptort im Arrond. Angers des franz. Depart. 
Maine-et-Loire : Sergefabrikation. 

Chälons-SUr-Marne, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. 
Marne: Fabrikation von Woll- und Baumwollzeugen. 

Chalons-SUr-SaÖne, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Saone- 
et-Loire : Tuchfabrikation, Spitzenindustrie; bedeutender Handel. 

Chaly, Chalynette, Chalinet, ein feiner geköperter musselinartiger Stoff 
aus dem feinsten weichen Kammgarn und Seide, gewöhnlich auf ganz weissem 
Grunde, mit verschiedenen lebhaften, bunten Farben bedruckt. Um ihn 
billiger zu liefern, machte man ihn ganz aus Wolle, ohne Beimischung von 
Seide, allein ebenfalls nur weiss und bunt gedruckt, 

Cham, Dorf im Schweiz. Kanton Zug: Fabrikation von Baumwollen- 
garn (Spinnerei Hagedorn mit 300 Arbeitern). 

Cham, ein schwarzer, blauer, grüner oder rosenroter Baumwollenstoff, 
welcher im russisch-sibirischen Handel mit den Bucharen und Kalmücken vor- 
kommt. Die besten werden nur in der Stadt Kaschkar gemacht. 

Chamberguillas, im spanischen Handel eine Sorte schweizer Taffet- 
bänder ; engl. : hank ribbons. 



118 Chambery — Chäteauroux. 



Chambery, ital. Ciamberi, Hauptstadt des Depart. Savoie und des 
Arrond. C, seit 1860 französisch: Fabrikation berühmter Seidengaze, Spitzen, 
Taffet, Tuche. 

Chanduly Faserstoff aus den westlichen Teilen Ostindiens, ist der Bast 
von Lepuranda succidora, der zur Herstellung von Säcken, Matten u. s. w. 
benützt wird. 

Changeant (franz.), 1. im Handel feiner Kamelot, den man häufig zu 
Ryssel fertigte, 2. verschiedenartige seidene, kamelhaarene oder wollene Zeuge, 
wo Kette und Schuss je von einer anderen Farbe genommen wird. Das Gre- 
webe verändert daher auf verschiedene Art seine Farbe, je nachdem das Licht 
darauf fällt. 

Chantilly, Stadt im Arrond. Senlis des franz. Depart. Oise: Fabrikation 
von Spitzen •, Wollspinnerei. Die Spitzenindustrie wird in C. gegründet durch 
die Herzogin von Longueville, Caterine de Rohan: sie stiftete zu Beginn des 

17. Jahrhdrts. Schulen und berief Arbeiterinnen aus Havre und Dieppe; im 

18. Jahrhdrt. wird C. besonders durch die schwarzen Spitzen in blonden- 
artigem Charakter berühmt. Die Industrie ging während der Devolution zu- 
grunde; Fabrikanten und Arbeiter waren verdächtig, weil sie Spitzen für die 
„Tyrannen" gearbeitet hatten; erst um die Mitte des 19. Jahrhdrts. ist die 
Spitze aus Ch. wieder in Aufnahme gekommen (s. Spitzen). 

Chaperon (franz.), eine den Kopf und Hals bedeckende Kappe, die im 
Mittelalter von beiden Geschlechtern getragen wurde. 

Chappe (franz.), Gespinste aus Seidenabfällen, s. Seidengarn. 

Charcanas sind ostindische Zeuge von Baumwolle mit Seide vermischt. 

Chardonnetseide, eine im Jahre 1885 vom Grafen de Chardonnet er- 
fundene künstliche Seide aus Zellulose und vielen anderen Bestandteilen (vgl. 
Silbermann, Die Seide, Bd. II, S. 116 ff.). 

Charkow, Hauptstadt des russ. Gouvernements C. : bedeutende Woll- 
wäschereien und Handel mit Wolle ; es besteht eine im Jahre 1838 gegründete 
Wollhandelskompagnie. 

Charleston, Hauptstadt des County C. in Südkarolina, an der Küste 
des Atlant. Ozeans : Fabrikation von Strickwaren, Baumwollkompressen. 

Charlieu, Hauptort im Arrond. Boanne des franz. Depart. Loire : 
Seiden- und Baumwollspinnerei und -weberei. 

Charlotte, Hauptstadt des County Mecklenburg im nordamerik. Staate 
Nordkarolina: Beträchtliche Baumwollindustrie und -handel. 

Charlottenbrunn, Marktflecken im preuss. Beg.-Bez. Breslau: Garn- 
handel, in der Umgebung Leinen- und Baumwollwarenfabrikation. 

Charpie, englische (patent linte), ist ein leinenes, gebleichtes, lockeres 
Gewebe mit weit auseinanderliegenden Schussfäden. Die Bindung ist lein- 
wandartig, aber jeder Kettfaden besteht aus vier bis fünf Fäden. Der Stoff 
wird barchentartig aufgerauht (s. Verbandstoffe). 

Charput, Hauptstadt im türk.-asiat. Kurdestan : Baumwollkultur. 

Chasselas, baumwollene Zeuge, die man besonders zum Handel auf der 
gueneischen Küste braucht. 

Chasublerie (von chasuble = Messgewand), hat im französischen Handel 
zwei Bedeutungen: 1. für alle Waren ohne Unterschied, welche zum Kirchen- 
schmuck bestimmt sind: s. Bischofsornat u. s. w. ; 2. nur die Gewebe für 
Kirchenzwecke. 

Chäteau du Loir, Hauptort im Arrond. St. Calais des franz. Depart. 
Sarthe: Fabrikation von Leinwand und Watte; Färberei. 

Chäteaudun, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Eure-e*-Loire : 
Fabrikation von Wolldecken ; Tuchhandel. 

Chäteau-Gontier, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Mayenne : 
bedeutende Leinwand-, Wollzeugfabrikation und -Spinnerei. In Ch. und Um- 
gegend wird eine Art Etamine gewebt, der hiernach seinen Namen hat. 

Chäteauroux, Hauptstadt des Arrond. Indre und des Arrond. C. : be- 
deutende Fabrikation von Tuchen und Wollspinnerei; Leinwandhandel. 



Chäteau-Thierry — Chemnitz. 1 19 



Chäteau-Thierry, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Aisne: 
Leinwandfabrikatioii, Baumwollspinnerei und Färberei, "Wollhandel. Ch. wird 
1666 als Ort der Spitzenerzeugung nach italienischen Yorbildern erwähnt, 
deren Fabrikate man point de France nannte. 

Chätellerault, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Vienne: 
Eine der bedeutendsten Industriestädte Frankreichs, u. a. Spitzenfabrikation. 

Chaumont-en-Bassigny, Hauptstadt des Depart. Haute-Marne : Bevöl- 
kerung fabriziert AVollzeuge. 

Chaussettes, eine Hauptsorte der weissen franz. Zwirnstrümpfe, welche 
zu Vitre und den umliegenden Ortschaften von den Landleuten gestrickt 
werden. Sonst nennt man C. im Französischen auch im allgemeinen einen Unter- 
ziehstrumpf, eine Art Socken, an welchen der halbe vordere Fuss fehlt. 

Chaux-de-Fonds, Hauptort im Schweiz, gleichntimigen Bezirk, wird am 
Ende des 18. Jahrhdrts. als Hauptstätte der Spitzenindustrie des Landes 
erwähnt. 

Chaves, das Aquae Flavieu der E,ömer, Stadt und Festung im portug. 
Distrikt Villa Real: Leinweberei und Seidenindustrie. 

Chavonnis, dünne ostindische Musseline von Pondichery. 

Chazz (arab.), leichteres Seidenzeug des frühen Mittelalters, das aus 
seidener Kette und wollnem Einschlag in Armenien erzeugt wurde und der 
Beschreibung nach am meisten unserem heutigen Atlas entsprochen zu 
haben scheint. 

Cheks, Checks, in England und Nordamerika versteht man darunter die 
gewöhnlichen blau- und weissgewürfelten oder blau- und weis sgestr elften 
Matrosenleinen, welche aus den Niederlanden und aus der Oberlausitz in 
grosser Menge nach Westindien gehen. Man unterscheidet je nach der An- 
fertigung Linnen-Cheks, Cotton-Cheks und Mired-Cheks. Im allgemeinen be- 
zeichnet man in England mit C. baumwollene Zeuge mit kleingewürfelten 
Mustern. 

Chelos, Chelasses, Chelles, Cheloes, sind buntgewürfelte oder gegitterte, 
ostindische Kattune, welche in vielerlei Sorten von den Holländern, Franzosen 
und Dänen in Bengalen, Surate u. s. w., wo sie zu den sogen. Pagnes 
(Matrosenhemden) dienen, gekauft werden. 

Chemille, Hauptort im Arrond. Cholet des franz. Depart. Maine-et-Loire : 
Woll- und Baumwollmanufaktur; Färberei. 

Chemin (franz.) in der W^eberei die Zahl der Kettenfäden in der Breiten- 
ausdehnung eines Musters, welches sich in der Breite des Stoffes mehrmals 
wiederholt. 

Chemische Wäsche, s. Fleckmittel. 

Chemisette, Chemisettchen (franz.), die bekannten Yorhemdchen, welche 
von Seidenzeug, Batist, Ghingan, Cambric, Jaconet u. s. w. früher mehr in Mode 
waren, als heute. Man fertigte den Stoff zu diesen Yorhemdchen mit feinen 
Fältelungen auf dem W^ebstuhl, vornehmlich um Lichtenstein und Hohenstein 
im Königreich Sachsen. Auch Yorhemdchen für Damen nennt der Franzose 
Chemisettes. 

Chemnitz, erste Fabrikstadt Sachsens und eine der bedeutendsten Deutsch- 
lands ; HaujDtindustriezweige sind: Baumwoll- und Kammgarnspinnerei, Weberei, 
hauptsächlich von Möbelstoffen, Tischdecken, Portieren, Y^irkwarenfabrikation, 
besonders Strumpf-, Handschuh- und Trikotstofffabrikation; Färbereien und 
Appreturen. Y^ebstuhlfabrik und Fabriken von Maschinen für Spinnerei, 
Wirkerei, Strickerei und Appretur. Eine grosse Anzahl der als Chemnitzer 
geltenden Fabriken liegt in den nahen Ortschaften. So wird die Fabrikation 
von Wirkwaren, deren Mittelpunkt C. ist, imd die 50000 Arbeiter beschäftigt 
und etwa für 70 Mill. Mark Ware fertigstellt, vielfach noch immer als Haus- 
industrie in der Umgegend von C. betrieben. Die meisten der sogen. Fabri- 
kanten sind jedoch nur Händler, welche die Appretur der bezogenen Waren 
und die mannigfaltige Verpackung besorgen. Die Möbelstofffabriken beschäf- 
tigten 1895 etwa 5000 Arbeiter und lieferten für mehr als 25 Mill. Mark 



120 Chenebier — Chenilleteppiche. 



Waren, die anderen "Webereien bescbäftigten 300, die Färberei- und Appretur- 
anstalten 2300 Arbeiter. Chemnitz bestand schon als Ort zur Zeit Kaisers 
Lothar (gest. 1138), der hier ein Benediktinerkloster, jetzt Schloss C. stiftete; 
im Jahre 1414 erhielt C. sein ältestes Stadtrecht. Neben der uralten Lein- 
weberei und einer ausgedehnten, durch E/egierungsmonopole geschützten 
Bleicherei, erreichte das Tuchmachergewerbe bald einen für damalige Zeiten 
grossartigen Umfang, und als die Stadt 1485 bei der Teilung Sachsens an die 
Albertinische Linie kam, war sie eine der blühendsten im Meissnerlande. Im 
dreissigj ährigen Kriege wurde die Stadt (1633 — 1636) fast gänzlich zerstört; 
erst in der letzten Hälfte des 17. Jahrhunderts erhob sich die Baumwoll- 
weberei als ein neuer Nahrungs zweig, welcher 1739 schon 2000 Stühle be- 
schäftigte und 20 Jahre später alle deutschen Konsumtionsplätze mit rohen 
Kattunen versorgte. C. wurde 1765 Sitz der in den umliegenden Dörfern ver- 
breiteten Strumpfwirkerei. Schlüssel aus Hamburg legte hier 1770 die erste 
sächsische Zeugdruckerei an. Die englische Piqueweberei wurde 1775, die 
englische Handspinnmaschine 1790 durch Forkel und Irmscher, die Baumwoll- 
mas chinenspinnerei (s. d.) nach Arkwright'schem System 1799 durch Whöler 
und Whitfield eingeführt. Alle diese Gewerbe erhoben C. während der Konti- 
nentalsperre zur höchsten Blüte, die aber nach dem Pariser Frieden durch die 
unglückliche Handelspolitik des Landes erheblich beeinträchtigt wurde, bis C. 
1834 nach dem Beitritt Sachsens zum Zollverein, besonders durch den mäch- 
tigen Aufschwung des Maschinenbaues, von neuem aufblühte. — Literatur: 
Mitteilungen des Vereins für Chemnitzer Geschichte (Bd. 1 bis 10, ebd. 1873 
bis 1899); Urkundenbuch der Stadt C. (im „Codex diplomaticus Saxoniae 
regiae", II, Bd. 9, Leipzig 1879); Zöllner, Geschichte der Fabrik- und 
Handelsstadt C. (Lpz. 1888); S träum er. Die Fabrik- und Handelsstadt C. 
Ein Städtebild (ebd. 1893). 

Chenebier, Dorf im Kanton Hericourt im franz. Depart. Haute-Säone: 
Baumwollspinnerei und -weberei. 

Chenille, (franz.: die Baupe; engl.: chenille; ital. : ciniglia), bandartige 
gedrehte und ausgefaserte Schnur von sammet- oder raupenartigem Ansehen, 
deren Herstellung auf dem Webstuhl folgendermassen geschieht: Die Kette 
besteht aus mit regelmässigen Abständen eingestellten Gruppen von Seiden- 
und Zwirnfäden; der Einschuss ist Seide, Wolle, auch Baumwolle, die Bindung 
Taffet. Ist das Gewebe fertig, so werden Streifen geschnitten, bei denen die 
Streifen in der Mitte liegen, während rechts und links die Schussfäden quer 
herausstehen. Durch Drehung auf dem Schnurdrehrad werden die ausgefaserten 
Streifen bleibend schraubenförmig gewunden. Feinere Chenillen, besonders 
einfarbige, sowie FaQonchenille werden auf Ch. -Maschinen hergestellt (s. Posa- 
menterie.) Die Ch. wird für sich allein zu verschiedenen Posamentierarbeiten 
verwendet, teils dient sie als Aufputz für Damenkleider. Auch als eine Art 
Spitzen (Ch. -borten), sowie zu sogen. Ch. -blonden, oder auch zu weissen, dicken 
Geweben (Ch.-stoffe) und endlich zu sammetähnlich aussehenden Teppichen, 
Tischdecken und Portieren wird die Ch. angewandt. Hauptsitz der Fabrikation 
in Deutschland ist Chemnitz und weitere Umgebung. 

Chenillenatlas, brochierter Sammet, ist ein veralteter, reicher, seidener 
Stoff, der broschierte Blumen von Chenillefäden in einem Atlasgrunde oder 
einem anderen Köpergrunde enthält. 

Chenilleschneidemaschine, eine Maschine, welche zum Zerschneiden des 
bandartigen Chenillegewebes (s. Chenille) in einzelne Streifen dient. 

Chenilleteppiche, eine Art Teppiche, die, abweichend von der gewöhn- 
lichen Art der Teppichweberei, auf beiden Seiten dasselbe Farbenmtfster in 
Flor zeigen. Zunächst wird ein glattes Gewebe verfertigt, dessen Kette aus 
einzelnen gleichmässig verteilten Gruppen leinener oder baumwollener Fäden 
besteht, während der sehr dichte Einschlag in den durch das Muster be- 
stimmten Farben aus Kammgarn oder Seide hergestellt ist. Indem man dieses 
Gewebe zwischen je zwei Kettenfädengruppen der Länge nach durchschneidet 
und die so erhaltenen Streifen auf einem Seilerrad zusammendreht, bilden sich 



Cherasco — Chieri. 121 



behaarte Schnürchen, deren feine Kette, durch den stärkeren Einschlag ver- 
deckt, diesem nur zum Halte dient und die in ihrer Färbung das beabsichtigte 
Muster darstellen. Diese Schnürchen werden in das eigentliche Teppich- 
gewebe, dessen Kette aus Leinengarn besteht, eingeschossen und dem Muster 
entsprechend sorgfältig aneinander gepresst, worauf durch Aufbürsten der 
Chenillefäden auf beiden Seiten ein regelmässiger Sammetflor erzeugt wird. 
Durch dazwischen eingetragene leinene Grundschussfäden erhält die "Ware den 
erforderlichen Zusammenhalt. Da sämtliche bei der Vorarbeit gleichzeitig er- 
haltenen Chenilletäden dieselbe Musterung zeigen, muss zu ihrer vollständigen 
Verarbeitung die gleiche Anzahl Teppiche von einerlei Muster hergestellt 
werden. Der Mannigfaltigkeit der Nüancierung ist bei dieser Methode volle 
Freiheit gelassen, da die Zahl der Farben ausserordentlich vermehrt und 
der Zeichnung jeder beliebige G-rad der Feinheit gegeben werden kann (s. a. 
Axminsterteppich). 

Cherasco, Stadt in der ital. Prov. Cuneo: Seidenindustrie. 

Cherbourg, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. La Manche: 
Fabrikation von gedruckten Kattunen, Strümpfen, Blonden; sodann Spinnerei. 

Chercolee, Cherconne, ist der Name von gewissen gestreiften seidenen 
und baumwollenen Zeugen aus Indien. 

Cherquermolles, ostindische baumwollene Stoffe, welche ehedem die 
Franzosen auf den Markt brachten. 

Cherub, (franz.: cherubin; engl.: cherub), Mehrzahl Cherubim, s. 
Engel. 

ehester, Stadt im County Delaware des nordamerik. Staates Pennsyl- 
vanien: Bedeutende Textilindustrie, besonders in Baumwoll waren. 

Chesterfield, Stadt in der engl. Grafschaft Derby: Fabrikation von 
Seiden- und Baumwollstoffen und Passementerie. 

Chevillieren der Seide, in der Seidenfärberei ein Verfahren zur 
Steigerung des Glanzes der gefärbten Faser. Die Arbeit wird nach dem 
Färben der Strangseide vorgenommen. Besonders wichtig ist das Ch. bei der 
Soupleseide. Das Ch. wird in der "Weise ausgeführt, dass die Seidensträhnen 
mehrmals, abwechselnd nach rechts und links, um sich selbst aufgedreht werden, 
wodurch sich die einzelnen Fäden durch die gegenseitige E,eibung und den 
grossen Druck glätten. Das Ch. geschieht in grösseren Färbereien durch 
Maschinen. 

Cheviot, ein aus gröberer "Wolle, insbesondere aus Crossbredwolle (s. d.) 
hergestellter Stoff, der zu Anzügen benutzt wird. Je nachdem das Roh- 
material zu Kammgarn oder zu Streichgarn verarbeitet ist, wird der daraus 
hergestellte Stoff mehr oder weniger glatt. Cheviotstoffe fühlen sich hart und 
rauh an, sind auch, da die gröbere AVoile nicht walkt, stets verhältnismässig 
lose, bieten aber, sofern sie ohne Kunstwolle oder sonstige Abfälle hergestellt 
sind, das dauerhafteste Material zu Kleidungsstücken. Die Fabrikation der 
Cheviotstoffe bildet einen der wichtigsten Teile der Wollindustrie, insbesondere 
auch in Deutschland, ist aber von derjenigen der anderen Wollstoffe nicht 
wesentlich verschieden. 

Chevron, moderner einfarbig gestreifter schwarzer Kleiderstoff aus Wolle. 

Chiaak sind in der Türkei, besonders in den Gegenden am Schwarzen 
Meer, Sofaüberzüge von feiner wollener Serge. Die Garnitur hiervon besteht 
aus einem Paar von Kissen und einer grossen Decke (Makat). 

Chiari, Hauptstadt in der ital. Prov. Brescia : Seidenspinnerei und 
-Weberei. 

Chiasso, Flecken im Schweiz. Kanton Tessin: Seidenspinnereien. 

Chiavari, Hauptstadt in der ital. Prov. Genua: Fabrikation von Seiden- 
waren und Spitzen. 

Chiavenna, deutsch Cläven oder Clefen, Stadt in der ital. Prov. Sondrio: 
Seidenzucht, -Spinnerei und -Weberei. 

Chieri, Stadt in der ital. Prov. Turin: Leinwebereien, Seiden- und 
Baumwollspinnereien. 



122 Chieti— China. 



Chieti, Stadt in Italien: Tuchweberei, Seidenbau und -handel. 

Chiffons (franz.), eine Art baumwollener Zeuge, eine sogen, weisse Ware, 
glatt und nicht geköpert. 

Chilime, Bett- und Sofadecken oder Teppiche von Seide und Leinen- 
garn oder aus Wolle und Leinengarn, bunt gemustert, welche in Slavonien 
gewebt und aus zwei Breiten zusammengesetzt sind. 

China ist das Stammland der Seide (s. d.). Henri Silbermann (Die 
Seide, ilire Geschichte, Gewinnung und Verarbeitung, Dresden 1897.) be- 
richtet darüber aus den verschiedensten Quellen: Der chinesischen Seidenstoffe 
findet man zuerst im Jahre 2225 v. Chr. Erwähnung getan, zu welcher Zeit 
sie von der Provinz Shantung, die auch als eigentliche Heimat der Seide be- 
trachtet wird, als Gabe und Huldigung an den kaiserlichen Hof des Shuntien 
geliefert worden sind. Ln Jahre 2200 erscheint im Buche „Tschu-king" die 
erste Nachricht über Seidenfärberei, in welcher die Verwendung gefärbter 
Seidenstoffe beschrieben ist; auch schildert Konfucius rote und schwarze Seiden- 
zeuge, die als Tribut an den Kaiser Ju (2022) geliefert wurden. Die Haupt- 
verwendung der Seidengewebe jener Zeit bestand in der Anfertigung von 
Fahnen und Schirmen, welche als Abzeichen der Würde dienten, indem ver- 
schiedene Farben bestimmten Rangstufen entsprachen, in der Art, wie es 
heute noch in China üblich ist. Das Gelb als ausschliessliche Farbe des Kaisers, 
das Violett die seiner Nebenfrauen; Blau, !R,ot und Schwarz wurden dem ver- 
schiedenen Range der Ritter beigelegt. Aus geschichtlichen Schilderungen 
geht hervor, dass in China, wie auch sonst überall, die echten Seidenstoffe nur 
dem Gebrauch des Hofes und der Adeligen dienen durften. Erst durch die 
liberalen Verordnungen des weisen Kaisers Ju (2205) hat die Seidenkultur 
auch unter dem chinesischen Volke Platz gegriffen. Mit der Zeit entfaltet das 
Seidengewerbe einen immer höher steigenden Luxus: es erscheinen im 8. Jahrh. 
V. Chr. Goldbrokate und ähnliche kostbare Seidenstoffe, in welche man sogar 
bunte Vogelfedern einzuweben und einzusticken pflegte. Heber zwanzig Jahr- 
hunderte gingen in gleicher Weise dahin, ohne dass das Seidengewerbe die 
Grenzen seiner Heimatstätte Shantung überschritten hätte: es ist im grossen 
und ganzen auf derselben Höhe geblieben, wie zur Zeit der Einführung. Der 
Seidenhandel scheint bis zum 3. Jahrh. v. Chr. nicht bestanden zu haben. Die 
durch natürliche und politische Hindernisse und durch sittliche Originalität 
bedingte Absonderung Chinas wurde auf die Dauer dadurch bekräftigt, dass 
die mittelasiatischen Barbaren dem weiteren Umsichgreifen der fortschreitenden 
chinesischen Kultur unüberwindlichen Widerstand leisteten. Erst durch eine 
infolge politischer Unruhen entstandene Auswanderung der chinesischen Be- 
völkerung wurde der Seidenbau durch chinesische Ansiedler im Jahre 200 v. Chr. 
nach der Halbinsel Korea verpflanzt und etwas früher finden sich in der Hinter- 
lassenschaft der Chinesen die ersten Andeutungen über fremdländischen Verkehr 
mit den Völkern Westasiens. Von Mittelasien kam die Seide aus China durch 
Vermittelung der parthischen Kaufleute nach Europa. (Vgl. den Artikel Seide.) 
Im 7. Jahrh. n. Chr. erhielt die Seidenkultur und -Weberei in China einen 
solchen Aufschwung, dass bis zum 10. Jahrh. chinesische Rohseide und Seiden- 
gewebe den wichtigsten Artikel im mittelasiatischen Handel bildeten, so dass 
vom Jahre 819 berichtet wird, dass einem Kaiser von China 100000 Stück 
Seidengewebe als Huldigung des Volkes dargebracht worden seien; ein Mandarin 
schenkt im Jahre 826 dem Kaiser King-Tsang eine Million Seidenzeuge. Dieses 
verschwenderische Umgehen mit der Seide lässt auf ihre unermesslichen Vor- 
räte und den Luxus damaliger Zeit schliessen, da die Seidenzeuge sowohl beim 
hohen Adel wie im gemeinen Volke zu etwas Alltäglichem geworden sind.'^ Seit 
dem 13. Jahrh. wird China durch Indien im Seidengewerbe und dessen Ver- 
breitung durch den Handel abgelöst; zu dieser Zeit ist dann wahrscheinlich 
auch die regelmässige Zucht des Maulbeerspinners nach Indien eingeführt 
worden. (Vgl. über Weiteres den Artikel Seide und Geschichtliches der 
Weberei.) Die chinesische Seidenindustrie neuerer Zeit besitzt eine sehr be- 
deutende Anzahl Webestühle. Besonders im Norden blüht die Kunstweberei, 



China. 



123 



wo in Schen-si und Ss'-tschum Sammete von hohem AVerte erzeugt werden. 
Atlasse und Crepes webt man in Shanghai, Houpch, Hu-tschen-fu undNingpo; 
Bänder in Houpch und Shanghai, schliesslich broschierte und fassonierte Gewebe 
in Kiangsu, besonders im Departement Kiang-nin-fu (Nankin). Die meisten 
der gefertigten Grewebe werden im Lande selbst verbraucht und zwar am 
häufigsten zu den von alters her üblichen Kleidern, die in den letzten Jahr- 
zehnten in Mengen nach Europa kamen, so dass die Museen sich mit chinesischen 
Stoffen reichlich versorgen konnten. 

Abb. 48. 




Chinesische Kleider: der Anzug besteht im "Wesentlichen aus vier Stücken: 
Der Po ist ein weiter Rock, welcher auf der Seite zugeknöpft wird und fast bis auf 
die Spanne hinabreicht, mit langen und weiten Aermeln; er ist entweder von Seide 
oder Wolle. Im ersten Fall kann die Seide gemustert sein. Die Wolle ist aber immer 
glatt: entweder Long-ell, Spanisch-Strippe oder Broadcloth, nach Stand und Würden. 
— Der Theong-cham ist ein Po von Baumwolle oder Mä. Ihn tragen die unteren 
Klassen. — Die M a - k o u a ist eine Art Weste mit Aermeln, aber weit, welche vorn 
geknöpft wird und bis in die Gegend der Weichen reicht. Viele Ma-kouas sind von 
seidenem oder wollenem gemustertem Kamelott, entweder chinesischer oder enghscher 
Fabrikation, aber auch manche von Polamit aus Leyden, von Lasting, Longells, 
Spanisch Strippe oder Medium Cloth. — Die Tai-koua ist ein üeberwurf, fast wie 
ein Paletot und geht bis auf die Knie ; sie hat weite Aermel, geschlitzt zum Zurück- 
schlagen. Oft ist sie aus Fa-n-tunn (gemusterter Stoff aus Seide und KamelwoUe) ge- 
macht, aus Polamit oder feinem Tuch. — Die Beinkleider, oft auch nur Unter- 
beinkleider, sind von leichtem Flanell oder Baumwolle , die sie mit einer seideneu 
Schnur unter dem Knie festbinden. Im Sommer trägt man sie auch von Mientchao, 
eine leichte Popeline von Seide und Baumwolle, die in Chuenn-te, eine Tagereise von 
Kanton, gewebt wird. — Der Po wird von grauer und hellblauer, die Ma-koua maza- 
rinblau oder violett, die Tai-koua dunkelblau, purpurrot, violett oder feuerrot getragen. 



124 



China. 



Die arbeitende Klasse kennt alle diese Kleidungsstücke nicht; der Arbeiter zieht je 
nach der Witterung 1 , 2, 3 Kittel übereinander von blau-weissem oder weissem 
Baumwollenzeug an. Bei der Arbeit trägt er eine Art Aermelweste bis auf den 
halben Leib und zur Seite geknöpft, darunter eine weite Hose bis zum Knöchel, oder 
auch eine Kniehose. Die Frauen der unteren und mittleren Klassen tragen das lange 
Beinkleid und den Rock. Diese Röcke sind nach Rang und Wohlhabenheit von ver- 
schiedenen Stoffen, selten aber gemustert, höchstens mit einem Sammetstreifen verziert. 
Das Beinkleid ist weit und fällt sehr weit herunter. Der Rock ist paletotartig, reicht 
bis ans Knie und wird auf der Schulter und an der Seite geknöpft. Die vornehmen 
Frauen tragen ein enges Gewand bis auf die Fusspitze von Seide, darüber einen Ueber- 
wurf, Form Paletot, mit weiten langen Aermeln; er reicht zuweilen etwas über die 
Taille, zuweilen bis zur Hälfte des Schenkels. Im Sommer ist er von gestickter Seide, 
im Winter von feinem dunkelblauem Tuch mit Goldstickereien verziert. 



Abb. 49. 




Die Musterung der Stoffe in China wird, wie die ganze Kunst- 
weise des Volkes, schon früh von Indien her durch den Buddhismus beeinflusst, 
wozu vom 13. Jahrhundert an auch islamitische — hauptsächlich persische — 
Elemente kommen. Die Verschmelzung gewisser Kunstformen dieser Länder 
lässt sich im Mittelalter in Stoffen ebenso beobachten, wie es in anderen 
Gebieten des Kunstgewerbes, namentlich im Porzellan, der Fall ist. (Vgl. 
Geschichtliches im Artikel Weberei.) Und man kann oft nicht mit Sicherheit 
angeben, ob ein Gewebe dieser Zeit in China unter persischem oder umgekehrt 
in Persien unter chinesischem Einfluss entstanden sein mag. In Brokatstoffen 
ist die Natur des Goldgespinstes nicht entscheidend, da China in dieser Zeit 
zunächst auch noch vergoldete Lederhäutchen gebraucht, bevor das Papier 
hierzu in der Weberei Verwendung findet. Schwer ist es auch, chinesische 
Gewebe früherer Zeit von denen aus Japan zu unterscheiden, solange die 



China. 



125 



Japaner nach chinesischen Yorbildern gearbeitet haben. Das Charakteristische 
der chineschen Kunstformen ans der Pflanzenwelt ist die strenge Stilisierung, 
welche ihre AViedergabe ohne Rücksicht auf das Material gleich erscheinen 
lässt: bevorzugt sind der Lotos , die Päonie und solche Blüten, welche sich 
der Palmettenform anschliessen lassen. (Vgl. Abb. 48 — 50.) In der An- 
wendung von Tiergestalten kommt zu dem Schwerfälligen das Symbolische, 
wobei in den meisten Fällen der indisch-buddhistische Ursprung nachzuweisen 
ist. In anderen Darstellungen erscheinen die Tiere nur als Embleme gewisser 
Eigenschaften und damit als Träger bestimmter Wünsche. (Vgl. M. v. Brandt: 
..Ein Kapitel aus der chinesischen Kunstgeschichte-, in „AVestermanns Monats- 
hefte" LXXXV, 508; Januar 1899.) Zu den ersteren gehört der Löwe, Shi 

Abb. 50. 




oder Shix, der als Sinnbild der Kraft und der Stärke unzweifelhaft aus Indien, 
wo er den Thron Buddhas trägt oder Götter und Göttinnen als Sitz dient, nach 
China übernommen worden ist; er findet auch Aufnahme in Japan, wo man ihn 
irrtümlich im Volksmunde als Hund Buddhas nennt. (Vgl. Abb. 52.) Auch der 
Elefant ist das Sinnbild der Kraft; er findet sich auch als Stütze oder Ver- 
zierung an buddhistischen Thronen oder als Träger von Vasen und tribut- 
bringenden Personen auf Stickereien. (Vgl. Abb. 53.) Die vier heiligen Tiere 
der Chinesen sind: Schildkröte, Kilin, Phönix und Drache. (S. die Artikel im 
Einzelnen.) Landschaftliche Darstellungen im chinesischen Ornament (vgl. 
Abb. 51) des 18. Jahrhunderts haben zur selben Zeit (vgl. den Artikel Bokoko) 
die französische Mustergebung stark beeinflusst. 

Die Technik in Weberei und Stickerei ist in China, ent- 
sprechend der Fülle des edelsten Materials, in jeder AYeise ausgebildet; doch 
geht man dabei mehr vom Standpunkt künstlerischer "Wirkung als auf Streben 
nach Efi^kten aus, die im Bereiche der Technik möglich wären. Hierzu sind 
die auf einfachen Grundlagen beruhenden Einrichtungen der Webe- und Stick- 



126 



China. 



apparate nicht angetan. Es sei denn, dass in neuester Zeit die europäische 
Kultur in einigen Gegenden sich Geltung zu verschaffen gewusst hat. Die 
gewebten Seidenstoffe enthalten Muster, welche durch Lanzieren und Bro- 
schieren hergestellt sind; in beiden Eällen ist man bemüht, der Fläche eine 
Abwechslung dadurch zu geben, dass die Blumen- oder andere Ornamente 
reihenweis in der Farbe abwechseln. Die grösste Mannigfaltigkeit ist natürlich 
durch die Technik des Broschierens (s. d.) gegeben , wobei das Material in 
Ueppigkeit verschwendet wird, so dass auf der Bückseite solcher Stoffe 
Strähnen von Seidenfäden flottliegen, die an der Oberfläche nur an wenigen 
Stellen gebunden sind: eine Art und Weise der Kunstweberei, welche auch in 

Abb. 51. 




Japan (s. d.) in erhöhtem Masse Ausbildung gefunden hat. Bei notwendigen 
Goldeffekten hat das aus dem Maulbeerstrauch gewonnene haltbare Papier reich- 
lich Verwendung gefunden, aus dem man auch im gedrehten Faden Stoffe zu 
Sommerkleidern herstellt (s. die Artikel Brillantgarn, Brokat, Goldgespinste 
u. s. w.). Eine reiche Ausbildung hat die Stickerei in China von früher 
Zeit an erfahren. Der Plattstich (s. d.) ist bei weitem bevorzugt, dessen Yor- 
zeichnung in neuer Zeit durch Auflegen dünner gestanzter Papiermuster (s. d.) 
erleichtert wird. (Abb. 54.) (Weiteres s. im Artikel Stickerei.) 

Abbildungen: 

48. Originalaufnahme eines Seidengewebes (im Kunsthandel), Grund rot, Muster 
grün: reihenweis versetzte Lotos- und päonienartige Blüten an Ranken mit schnör- 
keligem Blattwerk. China, alt. 

49. Originalaufnahme aus dem Kgl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: Sammet- 




127 



Abb. 53. 




128 



China — Chinagras. 



gewebe, Grund hellblauer Atlas, Muster schwarz, geschnitten: Wellig gelegten Ranken 
mit gerolltem Blattwerk entsteigen in Reihen abwechselnd nach oben und unten ge- 
kehrt Palmettenblüten. China 18. Jahrhundert. 

50. Originalaufnahme eines Seidengewebes (im Kunsthandel), Grrund grün, Muster 
in bunter Seide broschiert, so dass die Einzelfiguren desselben unter sich auch innerhalb 
der Reihen in den Farben wechseln: Wellig geschwungene breite Ranken mit Blüten 
in Rosetten- und Palmettenform; dazwischen Blattwerk und Früchte. China 18. bis. 
19. Jahrhundert. 

Abb. 54. 




51. Originalaufnahrae eines Brokatgewebes (im Kunsthandel) : Rundbild aus 
einem Gewände mit Darstellung einer Berglandschaft, in Gold broschiert, dessen Grund- 
fäden aus verschiedenfarbiger Seide bestehen, wodurch das Metall wechselnden Schimmer 
erhalten hat. China 18. — 19. Jahrhundert. 

52. Originalaufnahme einer Goldstickerei (im Kunsthandel) auf roter Seide mit 
Darstellung eines Löwen. China 19. Jahrhundert. 

53. Originalaufnahme einer Goldstickerei (im Kunsthandel) auf roter Seide mit 
Darstellung eines aufgeschirrten Elefanten, der einen Fruchtkübel trägt. China 19/Jhrhdt. 

54. Originalaufnahme von einem Gewände (im Kunsthandel), Plattstichstickerei 
auf gazeartigem Seidenstoff in bunter Seide, mit Darstellung von Schmetterlingen. 
China 19. Jahrhundert. 

Chinagras, chinesischer Hanf, in England China-grass und Cloth-grass, 
die Bastfaser von Boehmeria nivea. Ramie ist ein anderer Name für die 
gleiche Faser, und auch die von der sehr nahe verwandten oder besser nur 



Chine— Chits. 129 



als Rarität zu betrachtenden Boehmeria tenacissima abstammende Rheafaser 
besitzt die gleichen Eigenschaften; häufig werden sogar die Worte ßhea, Ramie 
und C. nebeneinander für dieselbe Faser gebraucht. Diese Fasern liefern 
seidenartig glänzende, sehr dauerhafte Gewebe und Seilerwaren, auch halten 
sie Farbe und lassen sich leicht mit anderen Fasern zusammen verarbeiten. 
Das C. ist eine der allerfeinsten und zugleich stärksten Fasern; auch ist der 
mittlere Durchmesser der Faser dünner, als der von Jute, Flachs und Hanf. 
Zum Zwecke der Weberei werden die Fäden des C, im eigentlichen Sinne 
nicht gesponnen, sondern durch Aneinanderstückeln einzelner, Ende bei Ende 
gelöster und durch Rollen mit der Hand vereinigte Fasern gebildet. Das 
Material erscheint dadurch nicht rund, wie andere Garne, sondern glatt wie 
ein sehr schmales Bändchen. In England, wo dieses Material erst durch die 
Londoner Weltausstellung von 1851 weiteren Kreisen als Grasscloth (Gras- 
leinen), wahrscheinlich infolge einer Verwechselung der Stammpflanze bekannt 
wurde, werden die zur Verarbeitung dahin verschifften rohen Stengel einer 
ähnlichen Behandlungsweise wie der Flachs unterworfen. Der Verbreitung 
der Chinagrasfabrikate ist namentlich die durch den amerikanischen Bürger- 
krieg veranlasste Unterbrechung der BaumwoU einfuhr förderlich gewesen. 
Auf der Pariser Weltausstellung 1867 trat diese Industrie bereits in be- 
merkenswerter Weise hervor, und seitdem ist dieselbe in stetem Fortschritt 
begriffen. 

Chine, Chinee, chiniert, nennt man in Frankreich jeden auf geflammte 
Art oder mit flammigen Mustern gewebten Stoff. 

Chiniert, s. Chine. 

Chin-tcheon, s. Foulards. 

Chints, eine Sorte des englischen Kalikots; man unterscheidet sie in 
FuU-Chints, d. s. solche, die im Grunde zwei Farben Krapp haben, und in 
Half-Chints, oder solche, die nicht in Krapp ausgefärbt sind, sondern nur 
Aufdruckfarbe haben. 

Chipping-Norton, Stadt in der engl. Grafschaft Oxford: Wollfabriken 
(600 Arbeiter). 

Chipping-Wycombe, Stadt in der engl. Grafschaft Buckingham: Spitzen- 
fabrikation. 

Chiques, in Frankreich, besonders zu Alais, die geringeren Sorten der 
Landseide, welche nur zu Nähseide verarbeitet werden können. 

Chiroteken (griech.), eine Art Handschuhe; sie finden sich schon im 
Altertum bei den westasiatischen Völkern, von kostbarem Pelzwerk bei Persern, 
Griechen und Römern (digitalia). Im Mittelalter waren sie bei den meisten 
Kulturvölkern im Gebrauch. Die zu den noch erhaltenen Krönungsinsignien 
der deutschen Kaiser (s. Reichskleinodien des heil, römischen Reichs) ge- 
hörenden C. sind aus purpurfarbener Seide zusammengenäht, ausserhalb reich 
mit Laubornamenten in Gold- und Perlstickerei nebst aufgesetzten Email- 
plättchen in romanischem Stile bedeckt. Als Teile des geistlichen Ornats (mit 
gesticktem Kreuz) gehören die C. ausschliesslich der abendländischen Kirche 
an und erscheinen als bischöfl. Würdenzeichen hier bereits im 6. Jahrh. 

Chitaboully, s. Baffetas. 

Chiton, bei den alten Griechen das von Männern und Frauen unmittel- 
bar am Körper getragene Unterkleid. Man hat den dorischen und jonischen 
Ch. zu unterscheiden. Ersterer, als Männergewand eigentlich Chlaina genannt, 
war ein oblonges Wolltuch, so angelegt, dass es an der linken Seite des 
Körpers gefaltet und daher geschlossen war, während es an der rechten offen 
blieb und an beiden Schultern mit Heftnadeln genestelt wurde. Der jonische 
C. war hingegen aus Leinwand, sackartig geschlossen und wurde durch das 
für Hals und Kopf gelassene Loch angezogen. 

Chits, Zitse, in Frankreich früher auch Perses genannt, veraltete Be- 
zeichnung für baumwollene, dichte, leinwandartige, feine, gedruckte (früher 
auch gemalte) Stoffe, die ehedem in grosser Mannigfaltigkeit aus Bengalen und 
von der Küste Coromandel häufig nach Europa gebracht wurden, dann aber 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 9 



130 Chiwa— Chorhemd, 



bald von den europäischen Kattunen und verwandten Zeugen (s. Augsburg) 
übertroffen wurden. 

Chiwa, Chanat in Turkistan in Mittelasien, mit gleichnamiger Haupt- 
stadt: Erzeugung von Seide und Baumwolle. Die frühere Atlas-, Seiden- und 
Sammetstoffweberei ist fast nicht mehr vorhanden, seitdem die Zentralasiatische 
Eisenbahn im Gange ist. 

Chlamys, ein mantelartiges Oberkleid der alten Griechen. Die Ch. war 
ein unten abgerundetes Stück Zeug, das über die linke Schulter geworfen und 
auf der rechten Schulter mittels einer Spange zusammengeheftet wurde. 

Chloren der Wolle, Behandlung von Schafwolle nach dem Entfetten mit 
Chlor, wodurch leichtere Aufnahmefähigkeit für Farbstoffe und namentlich 
bei Teerfarbstoffen gleichmässige Färbungen erzielt werden. S. a. Seidenwolle. 

Chodschent, Kreisstadt im russ. zentral-asiat. Generalgouvernement 
Turkestan: Seidenweberei und -färberei, Stickerei, Anfertigung baumwollener 
Stoffe; auch Baumwollbau. 

Cholet, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Maine-et-Loir: 
Fabrikation von Taschentüchern, Leinen- und Baumwollzeugen, Batist, Flanell. 
C. ist Mittelpunkt eines Industriebezirks mit 50000 — 60000 Arbeitern. 

Cholets, auch unter dem Namen schlesisches Kanevasleinen bekannt; 
man versteht darunter ungebleichte Leinen, leicht gewebt, nach Art der grauen 
Platillas, in verschiedener Feinheit. Sie werden nach ihrer ganzen Breite 
glatt gelegt und erhalten keine andere Appretur, als dass sie gut gemangelt, 
stark gepresst und genau sortiert werden, wobei man darauf sieht, dass kein 
gelbes oder rötliches, sondern durchaus nur silbergraues oder aschgraues Garn 
im Gewebe ist. Der Name kommt von der Stadt Cholet, im franz. Depart. 
der beiden Sevres, wo sie ursprünglich verfertigt wurden. Unter Cholets in 
Farben kommt ein ähnliches Fabrikat mit schmalen bunten Streifen, meist blau 
und rot oder blau und gelb in den Handel. Auch bunte Schnupftücher sind 
in Frankreich unter dem Namen Cholets bekannt. 

Choppats, leichte, einfache aber dauerhafte seidene Taffetstoffe, welche 
aus Indien kommen und in Europa durch Färben und Bedrucken weiter ver- 
edelt werden. 

Choquettes (franz.), Puppen und Gespinste von kranken Seidenraupen. 

Chor, eigentlich Korps, in der Weberei jede der Abteilungen im Web- 
geschirr (Harnisch) des Webstuhls für Bildgewebe (s. d.), enthält bei Waren 
mit einer Kette die Harnischschnüre für je einen Bapport des Musters; bei 
Waren mit mehreren Ketten die Harnischschnüre für je eine Kette. 

Chorassan, Landstrich zwischen den Steppen des Tieflandes Turan und 
der Salzwüste im Innern des Hochlandes Iran: Webereien von Teppichen, 
Schals und Kameltuch. 

Chorbrett, am Webstuhl das horizontale Brett, durch dessen Löcher die 
Harnischschnüre laufen, welche die Litzen für die Kettfäden tragen. 

Chorgewänder (franz.: habits de choeur), in der kath. Kirche die 
beim Chordienst von den Chorherren zu tragenden Gewänder, besonders 
die Chorkappe, auch Chormantel genannt: s. Pluviale , und der Chorrock: 
s. Chorhemd. 

Chorhemd (lat : superpelliceum ; franz. : surplis ; engl. : surplice), das 
beim Chordienst und verschiedenen priesterlichen Handlungen nicht nur von 
der kath. Stifts- und Pfarrgeistlichkeit über dem Talar, sondern auch von 
Chorknaben getragene faltenreiche , weisse Ueberkleid von feinem Leinen 
oder Batist ; es ist vorn geschlossen und hat lange, weite Aermel. Es ent- 
wickelte sich, wie es scheint, im 12. Jahrhdrt. in England aus der Alba; i^eichte 
im 14. und 15. Jahrhdrt. bis an die Waden herab, wurde aber später etwas 
verkürzt, auch mit engeren Aermeln versehen und hiess dann der Chor- 
rock (lat.: rochettum; franz.: röchet, rochette ; engl. rock). Unter den 
wenigen aus dem Mittelalter gebliebenen Chorhemden ist eines der interessan- 
testen das im Schloss Friedenstern zu Gotha aufbewahrte : mit tamburiert 
Q'estickten Mustern im orientalischen Geschmack. 



Chorley— Ciciclia. 131 



Chorley, Industriestadt in der engl. Grafschaft Lancashire: Fabriken 
von Baumwollgarn, Musselin, Kaliko, Indiennes und Putzwaren. 

Chormantel s. Pluviale. 

^hotzen, Stadt in Böhmen: Flachsspinnerei mit 12 000 Spindeln und 
600 Arbeitern. 

Chowtars, ostindische Musseline von Patna. 

Chrätsch, eine gewöhnliche, aus Hanfheede gewebte Packleinwand, 
welche aus Russland meistens nach Norwegen, Holland und den Ostseehäfen 
verschifft wird. 

Chrismale, in der kath. Kirche ein weisses Tuch, welches den zu 
Salbenden um die Stirn gebunden wird, damit das Salböl nicht herabfliessen kann. 

Christiania s. Kristiania. 

Christianstadt, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Frankfurt: Flachsgarn- 
spinnereien, Bleicherei. 

Christus, Jesus Christus (franz. : le Christ, Jesus-Christ) ist in der 
Textilkunst, namentlich im frühen Mittelalter, sehr oft Gegenstand bildlicher 
Darstellung. Bei der bekannten Abneigung der ältesten Christen gegen Ab- 
bildungen der Gottheit ist es begreiflich, dass Christus zunächst nur durch 
Symbole dargestellt wurde. Die wichtigsten davon sind: das bedeutungsvolle 
Kreuz, das Lamm (s. Agnus Dei), der Fisch, der Adler, der Weinstock und 
die Weinreben, das Schiff, der Hügel mit vier Flüssen, der Pelikan (s. d. betr. 
Artikel). Mehr allegorische Andeutungen waren der gute Hirt, der Gärtner 
u. s. w. ; dazu treten rein äusserliche Zeichen, so z. B. des ^ und P^ (Offenb. 
Joh. 1, 8. 11; 22, 13; die Buchstaben LH. S. (s. Christusmonogramm). (Vgl. 
auch die Artikel Kirchliche Stoffe und Stickereien.) 

Christus-Monogramm, Abkürzungen des Namens Christus in dem Aus- 
druck des griechischen Alpha und Omega (d. h. Ich bin das A und das 0) 
und Jesus (I -j- C oder J H S u. dergl.), ersteres in der frühesten Zeit der 
christlichen Kunst, letzteres bis zur spätgotischen Zeit auf kirchlichen Stoffen 
und Stickereien in ornamentaler Verwendung gebräuchlich. (Vgl. Abb. 6, Tafel IX.) 

Chromartikel, im Zeugdruck die mittels Chrombeizen hergestelltenDrucke. 

Chrysanthemum, Goldblume, Pflanzengattung aus der Familie der Kom- 
positen, wovon es 100 Arten gibt. (Vgl. Japanische Kunstformen.) 

Chrysidineus (lat.), mit Gold verwebt. 

Chrysoclavus (lat.), mit Gold durchwirkter Purpurstreifen am Saum, 
namentlich der liturgischen Gewänder. 

Chuquelas, eine Art ostindischer gestreifter, baumwollener und sei- 
dener Stoffe. 

Chur (ital. : Coira; roman. : Cuara; franz.: Coire), Haupstadt des Schweiz. 
Kantons Graubünden: Mittelalterliche Stoffe in der Sammlung der Kathedrale. 

Chusan hiess ein Modestoff aus den dreissiger Jahren des vorigen Jahr- 
hunderts, von baumwollner Zwirnkette und englisch Kammgarnschuss, mittels 
der Jacquardmaschine in mehreren Farben geblümt gemustert. 

Chüzistän wird im frühen Mittelalter als Ort einer persischen Seiden- 
manufaktur genannt, wo unter dem Einfluss der Araber Atlas- und Sammet- 
stoffe hergestellt wurden. 

Chyl'at (Chilat, Chalat), im Arabischen so viel wie Kleidungsstück, be- 
sonders das von einem Fürsten dem Günstling verliehene Ehrenkleid; in letz- 
terer Bedeutung ist das Wort zu den Persern, Türken und anderen islamit. 
Völkern übergegangen. Die Verleihung des Ehrenkleides als Zeichen höchsten 
Wohlgefallens ist im Orient uralt und hat bestanden, bis im 19. Jahrhdrt, in 
Persien und der Türkei die europäische Form der Huldbezeugung durch Ver- 
leihung von Ordensdekorationen eingeführt wurde. 

Ciciclia, eine in der Türkei und in Griechenland bekannte Gattung- 
seidener und halbseidener Zeuge, welche in Aleppo verfertigt werden. Es 
gibt C. aus Seide und Baumwolle, damastartig, mit eingewebten einfachen 
Blumen auf Atlasgrund ; die anderen, mit dem Zunamen indische, sind reiche 
Stoffe mit einbroschierten goldenen und silbernen Blumen auf Grosdetourgrund. 



132 Cilicium— Clinton. 



Cilicium (lat.), bei den alten ßömern eine grobe Decke aus cilicischen 
Ziegenhaaren; in der katli. Kirche das Gewand der alten Einsiedler und 
Mönche, auch ein unter dem andern auf blossem Körper von den Mitgliedern 
einzelner Orden, auch von frommen Laien getragenes härenes Hemd, sowie der 
in ähnlicher Weise getragene Bussgürtel von Draht. 

Cilimi heissen bei den Südslaven die Kilims (s. d.). 

Cinctus, bei den alten Römern ein kurzer Rock, der den Oberleib nackt 
liess und durch einen Riemen gehalten wurde. 
^indacis (engl.), Seidenzeuge. 

Cingilum (lat.), Leibgürtel; in der kath. Kirche die weissleinene oder 
baumwollene Schnur mit Quasten, die dazu dient, das Unterkleid (Alba) zu 
gürten. Auch über den geistlichen Leibrock (Soutane) tragen die kath. Geist- 
lichen ein C, das in einem schärpenartigen, an der Hüfte zusammengesteckten 
Bande besteht, dessen Enden an der Seite herabfallen. Dieses C, ebenfalls 
von Seide oder Wolle, ist in der Regel schwarz. 

Cinque-Cento-Stil (vom itaL cinque cento = 500, abgekürzt für 1500), 
italienischer Renaissancestil (s. d.). 

Ciporovica, auch Ciporovci undCiprovec genannt, das Tschiprowatz unserer 

Karten, Flecken in Bulgarien, der durch seinen Teppichexport berühmt ist. 

Circassias, Circassiennes, Zirkas, ein kaschmirähnlicher Stoff, welcher 

sowohl ganz aus Streichgarn, wie auch aus Baumwolle und Leinen mit Wolle 

gemischt, geköpert gewebt wird. 

Cirencester, Stadt in der engl. Grafschaft Gloucester: Sehr bedeutende 
Wollmärkte. 

Cirkularstühle, Wirkmaschinen mit kreisförmig angeordneten Nadeln. 
Cirsacca sind ostindische und chinesische Atlasse von Seide und Florett- 
seide und Baumwolle, bunt gestreift oder gegittert, s. Sirsakas. 

Ciudad-Real, Hauptstadt im Königreich Spanien: Woll- und Zeugweberei. 
Ciudad-RodrigO, Stadt in der span. Prov. Salamanca: Fabrikation von 
Woll- und Leinenzeugen. 

Cividale del Friuli, Hauptstadt der ital. Prov. TJdine: Die Einwohner 
treiben Kattun- und Leinweberei. 

Claires, Clarines, klare Schleier, eine dünne, offengewebte Batistart, von 
denen die feineren Sorten in Valenciennes und St. Quentin gemacht werden. 
Die gewöhnlichen macht man in Schlesien und Böhmen ; in Amerika und West- 
indien kommen sie auch unter dem Namen klare Estopillas zu Yelas (Schleier) 
in den Handel. 

Claremont, Ort im County Sullivan in Nordamerika: Strickwarenfabriken. 
Classi di seta, auch Yintilizzi, nennt man in Italien glatte, leichte, 
seidene Zeuge. 

Clavus (lat.), der purpurne Streifen, der bei den römischen Senatoren 
und Rittern, bei jenen breiter, bei diesen schmäler, an der Tunika vorn in 
der Mitte vom oberen bis zum unteren Saume hinablief. 

Cleckheaton, Stadt in der engl. Grafschaft York: Fabrik für Krempeln, 
Tuch- und Spinnmaschinen. 

Clermont, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Oise: Leinen- 
weberei, Strumpfwirkerei; Leinenhandel. 

Clermont-Ferrand, Hauptstadt des franz Depart. Puy de Dome : Fabri- 
kation von Baumwollgarn, Tafelleinen; beträchtlicher Handel mit Landes- 
produkten. 

Clermont-rHerauIt, Hauptstadt im Arrond. Lodeve des franz. Depart. 
Herault: Fabrikation von Militärtuch, Levantetuch; Färbereien. 

Cleve, Kreisstadt im preuss. Reg.-Bez. Düsseldorf: Baumwollwebereien. 
Clichy-la-Garenne, Hauptort im Arrond. St. Denis des franz. Depart. 
Seine: Stoffdruckereien und bedeutende Bleichereien. 

ClinchampS (franz.), grobe Hanfleinwand zu Bar. 

Clinton, Stadt im County Worcester in Massachusetts: Teppich- und 
Ginghamfabrik. 



Glisson— Colbertine. 133 



Glisson lieisst eine Leinwand, die ihren Namen von der gleichnamigen 
französischen Stadt führt. 

Clitheroe, Ort in der engl. Grafschaft Lancashire : Baumwollwaren- 
fabrikation. 

Clochepied, eine zugerichtete Seide oder Organsinsorte, die aus 3 Fäden 
besteht, wovon erst zwei zusammen besonders, hernach diese wieder mit dem 
dritten Faden noch einmal zusammengedreht oder gezwirnt worden sind. Man 
gebraucht diese Seide in den Gazefabriken. 

Cloth, wollener oder halbwollener Futterstoff mit Kammgarnkette und 
Baumwollenschuss oder umgekehrt, je nachdem als Bindung Atlas oder Köper 
gewählt ist. 

Clouties, englische kleine leinene Tücher für Madagaskar. 

Clove, Wollgewicht in England = 3,5 kg. 

Cluny, Hauptstadt im franz. Depart. Säone-et-Loire : Spitzenerzeugung. 

Coae vestes (lat.), koische Seidenstoffe des frühen Mittelalters, welche 
beinahe durchsichtig erscheinen. Man nimmt an, dass sich die Bezeichnung 
auch auf diejenigen Gewebe bezogen hat, die aus den serischen Halbseiden- 
stoffen, durch Trennung der Seide von der Baumwolle, und nochmaliges Ver- 
weben der ersteren erzeugt wurden. Nach erhaltenen Beschreibungen sollen 
diese byssusartigen Stoffe (s. d.) auch mit Purpur oder Scharlach gefärbt und 
mit Gold durchwirkt gewesen sein (s. Cos). 

Coast Goods, englische Zeuge von der Küste Malabar. 

CoatingS (engl.), Fries, Flaus (franz. : frise) nennt man eine Art glatter 
oder geköperter, langhaariger Wollenzeuge, welche sich von dem Kalmuk durch 
kürzere Haare und dünneren Körper unterscheiden und deshalb auch häufig 
Halb-Kalmuk genannt werden. Masquerade-Coating ist ein im Gemisch von 
allerlei Farben gewebter C. 

Coburg (Koburg), Hauptstadt desHerzogstums C: Mechanische AYebereien. 

Cocarde (franz.), die Bandrosette in den Farben einer Partei oder eines 
Landes. 

Cochabamba, Hauptstadt in der südamerik. Pepublik Bolivia: Be- 
deutende Fabrikation von Woll- und Baumwollzeugen. 

Cochinchina, Landschaft in Hinterindien: Baumwollweberei, Maulbeer- 
baumanpflanzungen zur, Seidenzucht; Anfertigung grober Seidengewebe. 

Cocon (franz.), das Gespinst, mit welchem sich Schmetterligsraupen be- 
hufs der Yerpuppung umgeben, insbesondere das Gespinst der Seidenraupe. 
Cocons werden in allen möglichen Gattungen und Namen, nach Art der E-assen 
und Verwendung des Gespinstmaterials auf den Markt gebracht : s. hierüber 
Florettindustrie, insbesondere Seide. 

Coconshäute nennt man die nach dem Abhaspeln der Cocons übrig- 
bleibenden Häute, welche man zu Wattseide, Florettseide und zu italienischen 
Blumen benützt. 

COCOS, s. Kokos. 

Codille wird in manchen Gegenden die Heede von Flachs und Hanf 
genannt. 

Coeur fleuri, in Frankreich ein feingebleichter Zwillich mit eingewebten 
verschiedenen kleinen geometrischen Mustern. 

Cohoes, Stadt im County Albany des nordamerik. Staates Neuyork • 
Baumwollindustrie und bedeutende Strickwarenfabriken. 

Cohrasdruck, Bedrucken der Gewebe mit geschmolzenem Harz- und 
Wachsgemisch. Färben mit beliebigen Farbstoffen, wobei die bedruckten 
Stellen keine Farbe annehmen, und Entfernen des Aufdrucks durch heisses 
Wasser (s. a. Batik). 

Coimbra, Hauptstadt in der portug. Prov. Beira: Leinweberei. 

Coir, Bezeichnung der Fasern aus den Früchten der Kokospalme, welche 
zu textilen Zwecken Verwendung finden. 

Colbertine nannte man in Frankreich zur Zeit Colberts nach diesem 
eine geklöppelte Nachahmung der italienischen Barockspitze, welche auf Ver- 



134 Colchester — Compiegne. 



anlassung von C. durch venetianische Arbeiterinnen nach Alencon, Sedan u. s. w. 
eingeführt worden war. 

Colchester, grösste Stadt in der engl. Grafschaft Essex: Fabrikation 
von Segeltuch, Seide und Sammet, letztere seit der Ansiedelung flüchtiger 
Flamänder zur Zeit Albas im 16. Jahrh. 

Colitz, Stadt in der Prov. Sachsen: Baumwollspinnerei und Zwirnerei, 
Fabrikation von Trikotagen, Watte, Strickgarn und Docht. 

Collata (Tele) ist die italienische Benennung aller aus Deutschland nach 
Italien kommenden Steif leinwand oder Schütter. 

Collette ist eine ungebleichte flächsene Leinwand von mittlerer Fein- 
heit, welche im Osnabrückschen verfertigt und nach den canarischen Inseln 
ausgeführt wird. 

Collodiumfäden als Ersatz für Seidengespinste sind gefärbte glänzende 
Fäden aus C, sie werden nach dem Patent E. Breuer dargestellt, indem eine 
Walze von Metall oder anderem festem Material zuerst mit Collodium, darauf 
mit aufgelöstem Leim, dann wieder mit C. und so fort überzogen wird, bis 
die Schicht die gewünschte Stärke hat. Diese präparierte Walze wird auf 
eine Leitspindeldrehbank gebracht und diese, nachdem man einen Schneide- 
stahl befestigt und so weit an die Walze vorgeschoben hat, dass er die Schichte 
durchritzt, in Bewegung gesetzt. Die Schicht wird in Fäden zerteilt und 
letztere abgehaspelt. Das so gefertigte Material ist zwar sehr schön, aber 
auch wegen seiner grossen Feuergefährlichkeit kaum zu Webezwecken an- 
wendbar. 

Colmar, Hauptstadt im Oberelsass : Baumwoll-, WoU- und Seiden- 
spinnerei, -Weberei und Färberei; Fabrikation von Tuch, Jute, Packleinwand 
und Nähfaden. Literatur: Pathgeber, C. und Ludwig XIY. (Stuttg. 1873). 
Hausbuch von Dominikus Schmutz, hg. von Julien See (Colm. 1878, Bd. 6 der 
„Chroniques d'Alsace") ; Die älteste deutsche Chronik von C, hg. von Waltz 
(C. 1891); Annalen und Chronik der Stadt C. (2. Aufl., bearbeitet von Watten- 
bach, Bd. 75 der „Greschichtschreiber der deutschen Vorzeit", Leipzig 1897). 

Colombianas für den Markt von Manila: ein Lasting oder Calmande, 
im Stück gefärbt, Kette und Schuss von hartem Kammgarn. 

Col rabattu, ein bis auf die Achseln herniederschlagender Spitzenkragen, 
der unter Heinrich III. in Frankreich den sogen Gekrösekragen (fraise) ablöste. 

Columbia, Hauptstadt des Staates Südcarolina von Amerika: Bedeuten- 
der Baumwollhandel. 

Columbus, Name von Orten in den Vereinigten Staaten von Amerika, 
in welchen mehr oder weniger bedeutender Baumwollhandel getrieben wird (s. 
Baumwollarten) . 

Comash (amb.) heissen im frühen Mittelalter broschierte Gewebe orien- 
talischer, d. i. rein arabischer Herkunft. 

Combourgs ordinaires nennt man in Frankreich die groben hänfenen 
Leinen, welche in der ehemaligen Normandie, meistens im Departement der 
Nordküsten verfertigt werden und über St. Malo und Pouen zur Ausfuhr 
kommen. 

Comfortables (engl.), nach Deutschland übergegangene Bezeichnung für 
die auf Strumpf- und Kettenpetinetstühlen gewirkten, auch gehäkelten elasti- 
schen wollenen Shawls für Herren, zum Warmhalten des Halses imd der Brust. 

Comines, Ort im Arrond. Lille des franz. Depart. Nord: Band-, Baum- 
wollzeug- und Zwirnfabriken. 

Commesso (ital.), eigentlich lavoro di comesso , musivische Arbeit, 
Applikationsstickerei. ^ 

Como, Hauptsadt der ital. Prov. C. : Seidenspinnerei und -W^eberei, 
Baumwollspinnerei. Die zahlreichen Seidenmanufakturen liefern Sammet, Taffet, 
Handschuhe und Strümpfe, und der Handel mit Graubünden, der Schweiz und 
Oberitalien beschäftigt mehrere grosse Handelshäuser. 

Compiegne, Hauptstadt des Arrond. im franz. Depart. Oise : Fabrikation 
von Hanfleinwand, Seiler- und Strumpfwaren. 



Condeaux— Copsbleiche. 135 



Condeaux ueunt man im franz. Leinenhandel eine halbgebleichte hänfene 
Leinwand, dicht und dauerhaft, deshalb in Spanien sehr gesucht. Sie wird in 
der Gegend von Rennes, im Depart. der Ille und Vilaine, verfertigt und über 
Ronen nach Spanien verkauft. 

Condrien, Hauptstadt im Arrond. Lyon des franz. Depart. Khone : 
Seidenfabriken und Stickerei. 

Conegliano, Hauptstadt der ital. Prov. Treviso : Tuchfabrikation und 
Seidenindustrie. 

Conshohocken, Stadt im nordamerik. Staate Pennsylvanien: Fabrikation 
von Woll- und Baumwollwaren und Teppichen. 

Constanzer Leinwand, Tele di Constanza, eine feine, dichtgewebte, auf 
holländische Art gebleichte und zugerichtete flächsene Leinwand von ver- 
schiedener Qualität, w^elche im Breisgau und im Odenwalde aus ausgesuchtem 
gleichem Grarn gewebt, in Constanz und in St. Gallen gebleicht und appretiert 
und von da nach Italien und dem südl. Frankreich verkauft wird. 

Contailles, in Frankreich eine Florettseide von geringer Art, die man 
sonst auch Hondelettes und Strasses nennt. 

Contil, s. Tuchfabrikation. 

Continue, s. Streichgarnspinnerei. 

Continuebleiche ist Baumwollstückbleiche. 

Contremarsch, in theoretischem Sinne die Kenntnis der Einzugsweisen, 
der Bindungen , der Trittweisen und Schnürungen , sowie der Wirkungen, 
welche durch Kombination der Einzugs- und Trittweisen mit den verschiedenen 
Schnürungen entstehen. C. im praktischen Sinne die Bauarten und Zusammen- 
stellungen aller zur Bewegung der Kettfäden notwendigen Teile an sogenannten 
Trittwebstühlen, ausschliesslich der Schaft- und Jacquardmaschinen. 

Conzentzeug, veralteter Name für einen einfachen gewöhnlichen "Wollen- 
stoff, welcher leinwandartig mit gezwirnten Kettenfäden und einfachen Fäden 
im Schuss gewebt wird und der sich von dem Etamin nur durch diese ge- 
zwirnten Fäden unterscheidet; man hat dieses Gewebe, dessen Kettenfaden oft 
drei- bis vierdrähtig ist, einfach und glatt, verschieden gefärbt, gestreift, ge- 
presst und meliert, und gebraucht es zu Frauenüberröcken, Sammetkleidern, 
ünterfutter, Theatergarderobe, den schwarz gefärbten zu Kleidungen für die 
Geistlichen. Die glatten C. kommen auch unter Polamit, die gestreiften unter 
Quinette in den Handel. 

Cöpenick, Stadt im preuss. Peg.-Bez. Potsdam: Bedeutende Färberei 
(Spindler auf Spindlersfeld), Dampfwäscherei, Fabrikation von Shoddy, Lino- 
leum und Wachstuch; umfangreiche Hauswäscherei. 

Copis, Copees, Cupis, buntgewürfelte oder ginganartige Baumwollzeuge 
aus Bengalen, welche die Holländer und Franzosen von dort zum Handel nach 
den afrikanischen Küsten holten, wo sie zu Turbans und Pagnes (Hemden) 
verbraucht werden. Später wurden diese Stoife in Kouen nachgeahmt. 

CopOU, ein feines musselinartiges Gewebe, welches die Chinesen aus 
einer Gattung Hanf verfertigen, den sie aus einer Cos genannten Staude ge- 
winnen. C. kommt sehr selten nach Europa; von den Chinesen wird der Stoff 
wegen seiner Leichtigkeit und Kühle sehr geschätzt und zu mancherlei 
Kleidung verbraucht. 

Cops ist die aus dem Englischen auch in alle Sprachen übergegangene 
Bezeichnung für die Aufwindungsform des gesponnenen Fadens, speziell für 
die zylindrisch, mit konischen Enden gewundenen Erzeugnisse der Mule-Spinn- 
maschinen. 

Copsbleiche, Baumwollengarne, die in Form von Cops (Kötzern), Spulen 
u. s. w. gefärbt werden sollen, werden auch in dieser aufgewickelten Form 
der Bleiche unterzogen. Um die Form des C. zu schonen und ein Verwirren 
des Garnes zu vermeiden, werden dieselben in Weidenkörbe gepackt und in den 
Bleichkier und in das Chlorkalkbad gebracht. In ähnlicher Weise wird auch 
die Copsfärberei als solche benannt, wenn das Färben der Garne (beson- 
ders der- Baumwolle) in aufgewickelter Form geschieht. Dieselbe bietet so 



136 Coquille — Cordons. 



wesentliche Vorteile gegenüber der Garnfärberei, dass sich diese Art der Ver- 
edlung der Baumwolle sehr rasch eingebürgert hat. Vgl. Knecht, ßawson, 
Löwenthal, Handbuch der Färberei der Gespinstfasern, Berlin 1894. S. 943. 

Coquille oder neige (franz.) bezeichnete man in Puy jene Spitzen, wenn 
an ihrem äusseren Saume statt der Zacken muschelartig sich verbreiternde oder 
fächerförmige Ornamente vorhanden waren. 

Corahs, einfache Taffetseidenstoffe, die aus Indien kommen und in Europa 
durch Färben und Bedrucken weiter veredelt werden. 

Coram, Tele Corame, Lederleinwand, eine aus weiss gebleichtem fläch- 
senem Garne fest und gedrungen gewebte Leinwand, welche in der Oberlausitz 
und in Böhmen verfertigt und nach Triest und ganz Italien exportiert wird; 
gewöhnlich wird zur Kette stRrkeres Garn genommen und zum Schuss feineres 
eingeschlagen, wodurch die Ware schön und gleich wird und sich von den 
Coras nur dadurch unterscheidet, dass sie dichter und kerniger ausfällt und 
andere Legeart hat. 

Coras ist der willkürlich gegebene Name einer Art sehr billiger, ge- 
wöhnlicher, gedruckter Kattuntücher, die man vorzugsweise in Sachsen fertigt. 

Coras-Seide, s. Corahs. 

Corbeil, Hauptstadt des Arrond, C. im franz. Depart. Seine-et-Oise: 
Fabriken von Shawls und Damast. 

Corbie, Hauptstadt im Arrond. Amiens des franz. Depart. Somme : Woll- und 
Baumwollspinnereien, Fabrik von Mützen, Wollstoffen, Sammet und Trikotagen. 

Cordaline oder Cordoline, der starke Leinen- oder Seidenfaden, welcher 
längs jeder Kante oder Leiste eines Seidengewebes hinläuft und die Gleich- 
mässigkeit derselben bewirkt. 

Cord, Schuss cord, Stramin, Schuhstramin, ein dicker, aus groben Ge- 
spinsten gewebter Stoff mit kleinen bunten Mustern auf einfarbigem Grunde, 
meist nur zum kleinsten Teile aus Wolle bestehend. Die Muster sind ent- 
weder lanziert oder in die Kette eingeschweift. 

Cordat heisst in Frankreich eine Art grober geköperter Tuchserge. 

Corde, früher ein dichter, schwerer Seidenstoff, einfarbig, in der Hegel 
schwarz, mit ganz schmalen Rippen, welche dadurch entstehen, dass in der 
Kette ein zwei- und dreifach gezwirnter Faden mit einem einfachen abwechselt; 
zuweilen ist der stärkere Faden auch mit Baumwolle gezwirnt. 

Cordel, Cordein, Corden, Cordelspitzen, eine Art schmaler Besätze auf 
Kleidern, die in den Bandfabriken und von den Posamentieren verfertigt wurden. 
Man machte sie von Seide (vergl. Gorl). 

Cordelat, Cordillat, in Frankreich versteht man darunter: 1. eine Sorte 
grobes, langhaariges Wollentuch, welches an mehreren Orten im ehemaligen 
Languedoc verfertigt wird; 2. ein leichtes, locker gewebtes Wollentuch, eine 
Art Flanell, welches man in Beauvais, Puy und Bagneres macht; 3. eine Art 
Cadis, welche zu Mamaset, Alby, Bressar, Castres und im Tale Aure bei 
Montauban in verschiedenen Sorten gewebt wird. Man unterscheidet C. refins 
aus sehr feiner Wolle von C. molton, welche viel dicker sind. 

Cordeliere, s. Rasch. 

Corderoy, ein schwerer, baumwollener, dem Sammet als Manchester 
ähnlicher Stoff. 

Cordet-dimiti, eine Art englischer Basins, von Ziegenhaar gewebt. 

Cordettes sind schmale Gewebe von hänfenem Garne, die besonders in 
Auvergne gemacht und zu Hauben verarbeitet werden. 

Cordonnet-en-laine, eine Art Schnüre von Wolle oder Kamelgarn, die 
besonders zu Ambut und Auvergne gemacht werden. In Deutschland Werden 
sie in Annaberg und Umgegend, Barmen, wie überhaupt von den Posamen- 
tierern in vielen Städten gefertigt und heissen Schnüre und Litzen. 

Cordonnetseide (franz.), cordonnierte Seide, d. i. derb gezwirnte, schnur- 
ähnliche S. zu Häkel- und dergl. Arbeiten. 

Cordons (franz.) werden goldene und silberne Besätze aus massiven 
Tressen mit Krepinen u. s. w. genannt. 



Cords— Cote. 137 



Cords (engl.) sind manchesterartige oder dichte nnd streifig gerippte 
Zeuge ans Schafwolle, aus Baumwolle mit Schafwolle vermischt, und ganz aus 
Baumwolle, der Schuss ist einfach, die Kette bis vierfach; man hat viele Sorten, 
welche durch eine kleine Veränderung der Streifen, des Köpers, der Breite, 
der Mischung, der aufgeschnittenen oder glatten Rippen u. s. w. entstehen 
und denen willkürliche Beinamen gegeben werden. Bei den gemischten, welche 
die ganz . wollenen verdrängt haben, ist die Kette von Baumwollen-, der ein- 
fache Einschlag von Wollengarn. 

Cordulatis (lat.), Stickerei auf den Kleidern. 

Cordurvy (engl.), schwerer Baumwollensammet aus Manchester. 

Cork, Hauptstadt der irischen Prov. Munster, drittgrösste Stadt Irrlands: 
Kattunfabrikation, Woll- und Baumwollspinnerei. 

Corksrew, (engl.) Kammgarnstoff. 

Cornelimünster, Flecken im preuss. Reg.-Bez. Aachen: Wollspinnerei, 
Tuchfabrikation. In der altgothischen Kirche werden Reliquienhüllen auf- 
bewahrt, u. a. das Grab- und Schweisstuch Christi. 

Coroot, Corotte, ein ganz geringer grober Kattun von verschiedenen 
Sorten, welcher durch die Holländer aus Ostindien nach den afrikanischen 
Küsten gebracht wird. 

Corporale (lat.), im frühen Mittelalter ein grosses feines Leinentuch 
(linteamen), welches zum Bedecken der Oblationen und des Kelches auf die 
vordere Kante des Altars gelegt wurde; eines der ältesten in Weissstickerei 
aus dem 7. Jahrb., in der Schatzkammer des Domes zu Monza. (Abgebildet 
bei Bock, Geschichte der liturgischen Gewänder.) In späterer Zeit ist das C. 
durch ein Paar von Kleineren ersetzt, wovon das eine (Leibtuch) auf den 
Altar, das andere (Schweisstuch) über den Kelch gebreitet wird. Von 1300 
an heisst nur das erstere C., das zweite wird palla benannt. 

Corsery, ein baumwollener Stoff, welchen die Dänen aus Ostindien 
brachten, 

Corsicaines, älterer Seidenstoff, dessen Muster kleine schiefliegende 
Vierecke bilden; die Kette ist farbig, der Schuss Grosnoir, welcher aber von 
dem ersteren nur insoweit ganz gedeckt wird, dass nur die Streifen des Vier- 
ecks von der Farbe der Kette erscheinen, der Grund aber schwarz und farbig 
rechtwinklig verbunden ist. Diese Stoffe wurden in Lyon und Tours gemacht. 

Cos (Insel Kos), wird im frühen Mittelalter als Ort der Seidenver- 
arbeitung genannt, ja es wird vermutet, dass die Seide schon lange v. Chr. 
verpflanzt worden ist und dass diese der ersten Maulbeerseide am nächsten 
gestanden haben soll. Wie Silbermann (Die Seide, Bd. I., S. 25) nach 
Movers berichtet, stand die Fabrikation der Bombykien auf der Insel Kos im 
Zusammenhaug mit dem daselbst verehrten phönizisch-assyrischen Herakles, 
dem die Mythe ein aus durchsichtiger Bombykia gefertigtes Kleid beilegte, 
und denselben sonst in mehrfacher Weise mit der Färbung der Gewänder zu- 
sammenbrachte. Die ersten Nachrichten über die Kosiche Seidenindustrie gibt 
uns Aristoteles, dessen Angaben von Plinius wiederholt und vervollständigt 
werden; sie berichten, dass das Rohmaterial zu Fäden abgewickelt wurde, um 
zu feinen Geweben verarbeitet zu werden. In sprachlicher Hinsicht besteht 
unter den Gelehrten noch insofern eine Unsicherheit, als man nicht weiss, ob 
das besagte Rohmaterial Kokons oder fertige serische, d. h. chinesische Ge- 
webe waren, die man wieder in einzelne Fäden auftrennte. (S. Coae vestes.) 

Cossack-Cords (engl.), ein früher sogenannter dichter, weissgebleichter 
Wollenstoff, welcher, wie das sogenannte englische Leder, köperartig gewebt, 
aber zahlreich gemustert und klein gestreift ist. 

Cossars, eine Gattung roher Kattune aus Ostindien. 

Cossas, im englisch-ostindischen Handel die glatten Kattune. 

Coswig, Stadt im Herzogtum Anhalt: Tuchfabrikation. 

Cote (franz.), eigentlich die Rippe, daher cote fine = fein geripptes 
Seidenzeug; cote fort glace = stärker geripptes; cote satinet = Seiden- 
zeug mit doppeltem Köper. 



238 Coteline — Coutanees. 



Coteline, moderner leichter Seidenstoff für Kleider. 

Cöte paly, ein buntes gazeartiges Gewebe, dessen Kette von feinem 
Leinengarn, der Einschlag von harter Seide ist; es wird steif appretiert. 

Coton (franz.), Baumwolle, Kattun; Cotonnerie: Baumwollpflanzung; 
Kotonieren: mit Baumwolle füttern, ausstopfen. 

Coton-Drill (engl.), ein dichter, geköperter Stoff, welcher sowohl ganz 
aus Baumwolle, wie auch aus Baumwollen und Leinen, in vierbindigem Kett- 
köper gewebt wird. Er kommt in verschiedenen Breiten und Längen, weiss, 
bunt gestreift und kariert vor. 

Cotonis sind bunte ostindische Zeuge, deren Kette von Seide, der Schuss 
aus feinem Baumwollengarn besteht: denselben Namen führen auch bunte halb- 
seidene Decken und eine Art ostindischer Atlasse. 

Cotons, Cotonnes, Cottonias, Cotonaden, Cattunleinen, bunt geschossene,, 
glatte baumwollene Webware; diese verschiedenen Namen führen leinwandartig 
gewebte Stoffe aus Baumwolle und Leinengarn, zuweilen aus beiden Materialien 
mit Seide vermischt, oder ganz aus Baumwolle, jedoch immer mit bunten 
Streifen und Mustern. Der Artikel stammt ursprünglich aus Roannes und 
Beaujeu, Depart. de Loire, von Alby, Depart. des Tarn, und von ßouen, St. 
Quentin und Boubaix. Seit Jahrhunderten liefert denselben Stoff auch Deutsch- 
land und die Schweiz unter Namen wie Gingan, Indienne u. s. w. 

Cottbus, Kreisstadt im preuss. Beg.-Bez. Frankfurt: Bedeutende Kamm- 
garn- und "Wollspinnereien, Leinen- und Jutespinnerei, sowie Fabrikation von 
Kammgarn, Tuch und Buckskin, Smyrnateppichen, Läufern. 

Königliche Höhere Fachschule für Textilindustrie. 

Cotton (engl.), Baumwollenzeug. 

Cotton de frommages, s. Seidenwolle. 

Cottoni d^AugUSta ist der italienische Name der Augsburger Leinwand. 

Cottonines, ein dichter und starker baumwollner Stoff, dessen Kette aus 
Baumwolle, der Schuss von Hanfgarn. Er wird nicht nur in der Haushaltung, 
sondern auch zu Segeltüchern u. dergl. verbraucht und in Frankreich nament- 
lich für Italien und Spanien gefertigt. 

Cottonisieren, Behandeln von Geweben aus Flachsfaser oder dieser selbst 
mit Aetznatron, dann mit Schwefelsäure, Auswaschen und Trocknen. 

Coupeuse s. Flachsspinnerei. 

Coupieren, in der Zeugdruckerei Versetzen der Stammfarben mit Yer- 
dickungsmitteln zur Erzielung hellerer Töne. 

Coupons (franz.), im allgemeinen versteht man in Langwarengeschäften 
geteilte Stücke und einzelne Abschnitte; in den Niederlanden werden damit 
feine Bettzwilliche, sowohl weiss und bunt, bezeichnet, welche gleich zu einem 
Bett zugeschnitten sind. 

Courbevoie, Hauptstadt im Arrond. St. Denis des franz. Depart. Seine : 
Fabrikation von Leinenwaren und gepressten Stoffen, 

Courpiere, Hauptort im Arrond. Thiers des franz. Depart. Puj-de- 
Dome: Fabrikation von Wollband und Passementerie. 

Courseulles-SUr-Mer, Flecken im Arrond. Caen des franz. Depart. Cal- 
vados : Blonden- und Spitzenfabrikation, in neuester Zeit Versuche mit solchen 
aus bunter Seide. 

Courtaille, eine französische Art grober Hanfleinwand, die in Maine 
und Umgegend gewebt wird. 

Courte-pointe (franz.), gesteppte Decke. 

Courtrai, Fabrikstadt in der belgischen Provinz Westflandern: Erzeugt 
im Anfange des 18. Jahrhdts. Klöppelspitzen, die in Paris unter dem Nanfen 
Malines Absatz finden. 

Coutanees, Hauptstadt des Arrond. C. im franz. Depart. Manche : Fabri- 
kation von Spitzen, Zwirnband und Baumwollzeugen. 

Coutanees sind einfache Zwilliche von Hanfgarn ohne Muster, welche 
die Landleute im franz. Departement des Cannes fast überall weben und 
die ihren Namen von der Stadt Coutanees erhielten, wo sie in früheren 



Couteline — Creas. 139 



Zeiten viel gefertigt wurden. Sie zeichnen sich durch Güte und Dauerhaftig- 
keit aus. 

Couteline, ein dicker, gewöhnlicher Baumwollenstoff oder Zwillich, 
meist blau und weiss gestreift, welchen die Franzosen ehedem aus Surate 
nach Europa brachten. 

Coutellines, Kutelinen, ein feiner flächsener Zwillich oder Matratzen- 
leinwand mit breiten und mittelbreiten Streifen von lebhaften Farben; ein 
Artikel, der an vielen Orten der ehemaligen Normandie verfertigt wird. In 
Deutschland macht man es in leichterer Ware. 

Coutils oder Coutis ist eine allgemeine Bezeichnung für die in der 
Bretagne und in der Picardie gefertigten verschiedenen Zwillichsorten, unter 
welcher sie auf den überseeischen Markt gehen. Im engeren Sinne versteht 
man darunter die sächsische Matratzenleinwand oder den Bettdrill, welcher 
blau und weiss, oder rosa, blau und weiss gestreift, auch in verschiedenen 
Farben geflammt, aus starkem Garn gewebt wird. Coutil ist auch ein der 
Buckskinkategorie angehöriges, aus feinem Streichgarn erzeugtes, einfach ge- 
mustertes, meist zu Beinkleidern verwendetes Gewebe. 

Couvet, Dorf im Schweizer Kanton Neuenburg: blüht im 18. Jahrh. 
Spitzenindustrie. 

Coventry, Stadt in der engl. Grafschaft Warwick: wichtig ist die Fabri- 
kation von Seide und Seidenband 5 auch Wollstoffe, Tuche und Trikots werden 
gefertigt. 

Covilhao, Stadt im portug. Distrikt Castello-Branco : bedeutendste Tuch- 
fabriken Portugals, Färbereien und Walkereien. 

Cowert COat, engl. Herren- und Damenkleiderstoff, meist modefarbig. 

Crabben, Verfahren, den gemischten Geweben (Wolle und Baumwolle) 
ein glattes Ansehen und nicht verschwindenden Glanz zu geben durch Passieren- 
lassen von Soda- und Seifenbädern, Ausquetschen zwischen schweren Walzen 
und Dämpfen. 

Crailsheim, Oberamtsstadt in Württemberg : Fabrikation von Baumwoll- 
und Strumpfwaren. 

Crapaudaille, auch Crespodaille, heisst in Frankreich ein sehr zarter und 
klarer seidener Crepon. 

Cravate, Cravatte, hat ihren Namen von den französischen Söldnern der 
französischen Könige erhalten und war ursprünglich ein Band oder Tuch zum 
Festhalten eines um den Hals getragenen Amulettes, daher im Französischen 
in der eigentlichen Bedeutung des Wortes eine Halsbinde, eine Halskrause, an 
der in der europäischen Tracht die Masche und insbesondere der Spitzenbesatz 
daran zur Hauptsache wurde, so dass sich an den Cravatten die barocken 
Spitzen noch längere Zeit erhalten. Man verstand aber auch früher, als diese 
Halstücher von den Männern getragen wurden, die Einlagen darunter, welche 
von starkem Baumwollenzeug, mit eingenähten Rosshaaren oder Borsten ver- 
fertigt wurden, um dem Stoff die nötige Haltung zu geben. Diese Unterlagen 
bildeten am Anfang des 19. Jahrh. einen nicht unbedeutenden Handelsartikel 
(s. a. Schlipse). In älterer Zeit verstand man unter C. eine Gattung ost- 
indischer Musseline aus Bengalen, welche auch zu Halstüchern und Halskrausen 
Verwendung fanden. 

Creas (franz. : eres ; engl. : dowlas), vom spanischen crea, eine der gang- 
barsten und wichtigsten Leinwandsorten aus weissgarnigem , dichtgewebtem 
Stoff, wozu ein durchaus festes und wohlgedrehtes Gespinst genommen wird 
und zwar zur Kette starkes und zum Einschlag feineres Garn. C. stammt 
ursprünglich aus Frankreich, wird aber seit dem 17. Jahrh. in den Nieder- 
landen und Deutschland nachgemacht und geht seit dieser Zeit nach Italien, 
Spanien, Portugal, nach Nord- und Südamerika, obgleich die irländischen 
Leinen und die festen Baumwollzeuge den Absatz sehr geschmälert haben, so- 
wie der Betrug, den man sich hie und da durch Beimischung von Baumwolle 
erlaubt hat. Von den breiten C. (Crees larges) heissen die feinsten Sorten 
Extroits, die mittleren Fleurets, die geringeren Crees communes. Mittelbreite 



140 Creguelas — Criminitschau. 



C. heissen C. rosconnes, C entrelarges, im Spanischen Creas entreanchas : sie 
sind aus geringerem Garn als die vorigen. Crees graciennes, C. etroites, 
schmale C. ; im Spanischen Creas estrechas oder Creas angostas. Unter Crees 
Morlaires begreift man die sämtlichen obigen Sorten, denn von Morlair aus 
wird damit der stärkste Handel getrieben (s. a. Dowlas). 

Creguelas, Crehuelas, ist der spanische Name von gewöhnlichen, halb- 
gebleichten, westfälischen Leinen, die an ihrem Yerfertigungsort auch als 
Mittelkronleinwand bezeichnet werden. 

Crema, Hauptstadt in der ital. Prov. Cremona: Seidenspinnerei und 
Leinenweberei; Erzeugung der besten italienischen Leinwand; Spitzenfabrikation. 

Cremieu, Hauptstadt im Arrond. La-Tour-du-Pin des franz. Depart. 
Isere : Tuch- und Leinenfabrikation. 

Crepe, s. Krepp. 

Crepe arophane, s. Seidenwaren. 

Crepe de Chine, Tuch oder Shawl aus gelblich weissem, kreppartig ge- 
webtem Seidenstoff mit gesticktem Muster in gleichfarbiger Seide im Platt- 
stich aus breit angelegten, in abgesetzten Flächen stilisierten Blumen ; als Ab- 
schluss gewöhnlich breite, geknüpfte Franse. C. de Chine-Tücher kommen 
seit dem Anfang des 19. Jahrh. in den verschiedensten Grössen bis herunter 
zu den kleinsten Kravatten in Mengen aus China und haben in Europa viel 
Verbreitung gefunden. 

Crepe de laine, ein dünner und feiner, leinwandartig gewebter Wollenstoff, 
den man besonders zu Bagneies in Frankreich webt. 

Crepe de sante, s. Seidenwaren. 

Crepe lisse, s. Seidenwaren. 

Crepe barchent, s. Seiienwaren. 

Crepe Rachel, ein gemischter Kleiderstoff aus Baumwollkette und Kamm- 
garnschuss, bunt gemustert. 

Crepine (franz.), ein ganz klein gemusterter Seidenstoff, schwarz und in 
anderen Farben. Die Kette von bunter Seide deckt den doppelten, dunst- 
schwarzen Einschlag, so dass auf der rechten Seite zwei und ein sich be- 
grenzende Pünktchen erscheinen, wodurch der Stoff wie getupft aussieht. C. 
werden auch Fransen mit langen Fäden genannt. 

Crepon, dem Krepp ähnliches Gewebe, aber dichter gewebt. Die Kette 
besteht aus festgedrehtem Kammgarn, der Schuss aus losem "Wollgarn. Nach 
der Appretur wird die AVare kräuselig. 

Crepy, Hauptstadt im Arrond. Senlis des franz. Depart. Oise: Fabri- 
kation von Spitzen, Leinwand, Posamenterie. 

Crescentin, Gespinst aus Seidenabfällen. 

Crescentino, Stadt in der ital. Prov. Novara : Seiden- und Wollmanufaktur. 

Crespine, crepine (franz.), Franse, oben spitzenartig durchs chlungen. 
unten gefranst. 

Crest, Hauptstadt im Arrond. Die des franz. Depart. Drome : Seiden- 
spinnereien, Tuch- und Teppichfabriken. 

Cretonnes (franz.), weissgebleichte, gedrungene Leinwand, bei welcher 
die Kette von flächsenem und der Einschlag von hänfenem Garn ist; sie wird 
im Depart. des Calvados, in der Gegend von Lisieur, in sehr verschiedener 
Feinheit verfertigt. Unter C. versteht man in Frankreich auch dichte Kalli- 
kots von starken Numtuern. 

Crewkerne, Stadt in der engl. Grafschaft Somerset: Leinwand- und 
Segeltuchfabrikation. 

Crezleinwand sind leichte, glatte Leinen, welche von Böhmen i/ach 
Italien gehen und dort unter dem Namen Tele greggie sehr beliebt sind; sie 
werden teils aus gebleichtem Garn und teils aus rohem Garn gefertigt. 

Crimmitschau, Stadt in Sachsen: bedeutende Industrie erstreckt sich 
hauptsächlich auf Spinnerei und Weberei. 80 Spinnereien mit 210000 Spin- 
deln liefern teils wollene Garne, die gleich am Orte selbst verwendet werden, 
teils (hauptsächlich Vigognegarne) zum Export nach England, E-ussland, Skan- 



Crin-Cuba. 141 



dinavien, Italien, der Schweiz und den Rheinlanden. Dann folgt die Fabri- 
kation von Herrenkleiderstoifen, namentlich Buckskins und Rohstoffen, die 
auch in überseeischen Ländern sehr gesucht sind. Auch Cassinets, Circasiennes 
und Kasemirs werden in bunten Farben für Mexiko und andere Tropenländer 
gefertigt. Es bestehen etwa 50 Streichgarnspinnereien, 350 Handspinnmaschinen, 
130 Selfactors, 1000 Buckskinstühle, 70 mechanische Stühle, 190 Stühle für 
halbwollene "Waren; ferner 40 grosse Färbereien. 

Crin (franz.), Bezeichnung für dicke Seidenfäden, die man aus der aus- 
gewachsenen Seidenraupe dadurch gewinnt, dass man dieselbe tötet, den Be- 
hälter der Seidensubstanz zerreisst und auszieht. Da der so erhaltene Faden 
nach seiner Substanz von der Rohseide nicht verschieden ist, so zeigt er auch 
deren Festigkeit und Zähigkeit. Man verwendet die C. bei der Herstellung 
von Fischangeln. 

Crinolin, Gewebe mit Kette aus feinem Baumwollenzwirn und Schuss 
aus Pferdehaaren. 

Crisp (engl.), sehr feines leinenes Gewebe, feines Leinentuch. 

Cristaline, moderner loser Seidenstoff. 

Croccia (ital.) (lat. : crocea), die rote Kardinalskleidung. 

Croise (franz. : über Kreuz gearbeitet) nennt man in den französischen 
Manufakturen alle Arten geköperter Stoffe. Ausser den seidenen Croisees 
mit verschiedenen Beinamen kommen im Handel auch baumwollene und wollene 
C. vor ; die ersteren sind gewöhnlich dicht gewebt, entweder bunt gestreift 
oder bunt gedruckt. Mehre Arten dieser geköperten Zeuge kommen unter 
dem Kamen Oriental oder Orientine, meistens bunt gestreift, in den Handel. 
Die wollenen C, einfarbig, gestreift und gedruckt, eine Art Serge werden 
Segovis genannt: sie sind meistens aus spanischer Wolle gemacht. 

Crompton, Stadt in der engl. Grafschaft Lancaster: Baumwollindustrie- 

Cronberg, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Wiesbaden: Sammlungen weiland 
Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich, in welcher sich Stoffe und Stickereien 
der Benaissance und orientalische Teppiche befinden. 

Crossbredwolle, neuerdings Kreuzzuchtwolle genannt, die Wolle einer 
Schafrasse, die durch Kreuzung grobhaariger, insbesondere engl. Glanzwoll- 
schafe mit den in Australien, Südafrika und am La Plata gezüchteten fein- 
haarigen Merinoschafen erzielt wurde. Sie ist erheblich gröber und härter, 
als die feinhaarige Merinowolle, aber ungleich kräftiger, besitzt grosse Länge 
und starken Glanz. Ihre Produktion hat die Erzeugung von Merinowolle stark 
zurückgedrängt. C. bildet das Hauptmaterial zur Herstellung von Cheviotstoffen. 

Crossen, Kreisstadt im preuss. Beg.-Bez. Frankfurt: Tuchfabriken. 

Croy-Teppich, ein Gobelin, 1566 in Stettin gewirkt, im Besitze der 
Universität Greifswald, wohin ihn Herzog Ernst Bogislav 1680 stiftete: zur 
Erinnerung an seine hier innegehabte Bektorwürde und zum Gedächtnis des 
letzten direkten Gliedes aus dem alten Herzoghause von Pommern, der 1660 
verstorbenen Herzogin Anna von Croy. Die Darstellung auf dem C. bezieht 
sich auf die Einführung der Beformation: der auf der Kanzel predigende Luther, 
Melanchthon und fürstliche Persönlichkeiten. 

Crucifix (lat. : crucifixum ; franz. : crucifix ; engl. : crucifix), Darstellung 
des Gekreuzigten, wird im frühen Mittelalter seltener in der Kunst dargestellt, 
noch später erscheint sie in der Textilkunst. Hier vereinzelt in der romani- 
schen Zeit als Stickerei für die Bückseite der Caseln (s. d.) nachweisbar, 
später aber, namentlich in der gotischen Zeit, aligemein für Caseln und andere 
kirchliche Bildstickereien sehr verbreitet (s. Kirchenstoffe und Stickereien). 

Csaba, Hauptgemeinde in L^ngarn: Handel mit den von den slowak. 
Frauen gefertigten Linnen- und Hanf Webereien, Strickarbeiten, ferner mit 
Säcken und Matratzen. 

Cuba, die grösste der grossen Antillen, ehemals span. Kolonie, seit 1899 
unter der Verwaltung von Amerika stehend: Baumwolle wurde schon früher 
gewonnen, seit 1862 legte man aber im Osten neue Pflanzungen an, indem die 
hohen Preise dieses Produkts manche Pflanzer verlockten, ihre Felder für 



142 Cubica — Dacca. 



diese Kultur einzurichten. C. wird auch eine Baumwollsorte aus Westindien 
genannt. 

Cubica ist eine englische Serge aus Kette und Schuss von hartem 
Kammgarn. 

Cuenza, Hauptstadt der span. Prov. C. : einst berühmt durch ihr Tuch. 

Cuggiono, Ort in der ital. Prov. Mailand: Leinen- und Seidenstoff- 
fabrikation. 

Cuire de laine (franz.), willkürlicher Name eines geköperten, brettigen, 
tuchartigen "VVollenstoffes von kurzer Schur. 

Cuiteseide, entschälte, mit Seife abgekochte Seide. 

Cunewalde, Mittel-, Nieder- und Ober-, Dörfer der sächs. Kreishaupt- 
mannschaft Bautzen: Leinwandwebereien, mechan. Webereien, Bleichereien. 

Cupar, Hauptstadt der schott. Grafschaft Fife: Spinnerei, Leinen- und 
Kattunweberei. 

Curley, Haspelseidenabfälle. 

Curls (engl. = locken), wollene Lockenstoffe für Damen- und Herrenmäntel. 

Cusir, Bezeichnung für Nährohseide. 

Cusirino, feine italienische, zur Herstellung von Spitzen und zarten Ge- 
weben bestimmte Seidenfäden. 

Cussidah nannte man eine Art ostindischer Musseline im dänischen 
asiatischen Handel. 

Cuttny, starker Baumwollenstoff, für den Orient bestimmt, mit geblümten 
und gerankten Mustern. 

CUCZO, Stadt in der südamerik. Republik Peru: Woll- und Baumwoll- 
manufakturen ; Posamentierwaren. 

Cylindrieren, Bearbeitung mit dem Kalander (s. d.), eine Art der 
Pressung gewisser Stoffarten. 

Cypern, eine zum osmanischen Beiche gehörige, seit 1878 unter engl. 
Protektorat stehende Insel am östl. Ende des Mittelmeeres : Oewinnung von 
Baumwolle, Seidenzucht, Verarbeitung des gewonnenen Materiales an Ort und 
Stelle nur unbedeutend. Im Altertum durch Kunstfertigkeiten aller Art be- 
rühmt u, a. auch durch den sog. cyprischen Goldfaden. 

Cyperrasch, Bas des Cypre, ein schwarzer, ungeköperter Seidenstoff 
aus starker, gedrehter Seide; er hat viel Aehnlichkeit mit dem Gros de Tours 
und wird zu Lyon, Tours und Paris gemacht. 

Cyprische Gold- und Silberfäden, s. Brokat- und Goldgespinst. 

Czemke sind baumwollene, geblümt gemusterte, feste Zeuge, welche für 
den Orient in Böhmen und Niederösterreich gewebt werden. 

Czenstochau, Kreisstadt im russ.-poln. Gouvernement Petrikan: Baum- 
wolle- und Tuchfabriken. 



D. 

Daba, heisst in Bussland weisser, schmaler, chinesischer oder bucharischer 
Kattun. 

Daba, Ort in der tibetanischen Provinz Ugari: die Mönche treiben 
wichtigen Handel mit vortrefflicher Schafwolle. 

Dabouis, eine schmale Sorte weisser ostindischer Kattune, welche früher 
durch die Franzosen nach Frankreich und Holland kamen und dort gedruckt 
wurden. 

Dacca, Hauptstadt in Bengalen, nach welcher die feinsten ostindischen, 
oft gestickten Musseline, genannt werden. Man hat den Namen D. auch einigen 
Sorten gestreifter und kleinkarrierter europäischer Musseline gegeben. 



Dag — Damassin. 143 



Dag (engl.), herabhängender Quast; dagsres, Zaddeln. 

Daghestan, Dagestan, Landschaft am Nordostabhange des Kaukasus bis 
zum Kaspischen Meere, mit der Hauptstadt Derbent, nach welcher der land- 
läufige, im Handel gebräuchliche Name für die im Kaukasus erzeugten Teppiche. 
Er hat aber nur seine Berechtigung für die in der gleichnamigen, am west- 
lichen Ufer des Kaspischen Meeres gelegenen Provinz ; denn es werden auch 
ausserhalb derselben in den verschiedensten Gregenden des Kaukasus Tep- 
piche verfertigt, welche alle ihre eigene Benennung haben. Die Hauptorte für 
Teppicherzeugung in D. sind Derbent und Kuba, mit welchen Namen auch 
die von einander verschiedenen Hauptgattungen bezeichnet werden. Die aus 
Derbent sind ganz in "Wolle gearbeitete Teppiche verschiedener Grösse von 
ziemlich grobem, eher langhaarigem Grewebe ; das Muster trägt den Typus der 
Nomadenteppiche an sich (vgl. die Tafel Teppiche). Die Farben dieser Teppiche 
sind gewöhnlich hell, jedoch nicht grell: weiss, gelb, licht, braun und dergl. 
Für feiner als die eigentlichen Derbent-Teppiche gelten diejenigen aus Kuba 
(s. auch Sumakh-Teppiche). 

Daglocks (engl.), ist eine Wolle, die schlecht und unrein ist. 

DagUS, lat. (franz.: dais; engl.: days), Thronhimmel, Betthimmel, Bal- 
dachin, s. d. 

Dahme, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Potsdam: Tuchfabrikation. 

Daimiel, Hauptstadt in der span. Prov. Ciudad-Real: Woll- und Lein- 
vveberei. 

Dais (franz.), (lat.: dasium; engl.: dais), hiess ursprünglich die mit einem 
Baldachin versehene Estrade, bes. am oberen Ende eines Speisesaales, samt 
dem dort vorstehenden Hochtisch und Thron; später sowohl das Teppichbe- 
hänge für sich, als auch der Thron u. s. w. ; noch später kommt dais nur für 
Thronhimmel, Betthimmel, Baldachin mit Seitenvorhängen vor. 

Dajak, Eingeborene auf der Insel Borneo: fertigen Batiks. 

Dallas, Hauptstadt im nordamerik. Staate Texas : Fabrikation von Baum- 
wolle und AYollwaren. 

Dalmatica (lat.), (franz. dalmatique ; engl, dalmatic) , das von den alten 
Römern bei feierlichen Gelegenheiten getragene, ursprünglich in Dalmatien 
übliche, lange, weisse Oberkleid mit Aermeln. Papst Sylvester I. führte es 
um 320 als Amtskleid der Diakonen ein. Yom 14. Jahrhundert wird die D. 
aus farbigem Stoff gefertigt, allmählich enger gemacht, so dass sie mit der 
Casula (s. d.) Aehnlichkeit hat, nur dass sie etwas kürzer, am Saume gerade 
geschnitten und mit ofienen Aermeln versehen ist. Fast gleichartige Gewänder, 
aber reicher ausgestattet in Weberei und Stickerei, tragen auch die Bischöfe 
über der Alba und unter der Casula; ebenso gehörte die D. zum Krönungs- 
ornat der deutschen Kaiser und Könige. (Vgl. Kirchengewänder.) 

Dalry, Industriestadt in der schott. Herrschaft Ayr: Baumwollweberei. 

Daman, portug. Stadt an der Westküste Ostindiens : Baumwollspinnerei. 

Damanhur, Hauptort der Prov. Beherah in Aegypten: wichtig als 
Handelsmittelpunkt und Niederlage der im Orient berühmten Baumwoll- und 
Wollstofffabrikate. 

Damaras oder Damavars, in Frankreich eine Art ostindischer, leichter 
geblümter Taffete. 

Damas, franz. Bezeichnung für Damast. 

Damaschello (ital.), werden in Italien leichte seidene Damastsorten ge- 
nannt; schmaler liegende D. bezeichnet man als Damaschetto oder Damasquett. 

Damas Chine, moderner Seidenstoff aus Streifen in geflammten Mustern, 
die zum Teil durch Kettendruck hergestellt sind. 

Damaschino, s. Damast. 

Damascierte Gewebe, s. Damast. 

Damas en dorure, französischer Damaststoff mit Gold- und Silberblumen. 

Damassin, reiche Damastart mit Blumen von Gold und Silber, welche 
vorzüglich Lyon und Tours liefern, von wo aus sie früher nach katholischen 
Ländern zu Messgewändern geliefert wurden. 



144 



Damaskus — Damast. 



Damaskus, türk. und arab. Dimischk esch-Scham, Hauptstadt des türk. 
Wilajets Syrien, schon zu Davids Zeiten politisch wichtig als Residenz eines 
der kleinen Reiche, in welche Syrien damals zerfiel. Unter der Herrschaft 
Assyriens, Babyloniens und Persiens hatte D. nicht geringe Bedeutung durch 
seinen Handel. Seit Eröffnung des Suezkanals sind Handel und Wohlstand der 
Stadt sehr zurückgegangen. Der früher lebhafte Tauschhandel, dem D. seinen 
Reichtum und seinen Ruf als Haupthandelsplatz der Levante verdankte, hat 
den sichereren und billigeren Seeweg eingeschlagen, so dass sich der heutige 
Karawanenverkehr auf den Austausch einiger weniger Erzeugnisse des syri- 
schen und persischen Grewerbefleisses beschränkt. Im früheii Mittelalter 
war D. ein Hauptsitz der Seidenindustrie, es erzeugte die gemusterten Seiden- 
stoffe seines Namens (vgl. Damaschino, Damast). Die heutige Industrie leistet 
noch immer Hervorragendes, namentlich in feinen gold- und siiberdurchwirkten 
Seidenzeugen, wollenen, baumwollenen und seidenen Kleiderstoffen. 

Damast (lat. : damacius, damassus ; franz.: damas ; engl.: damask; ital.: 
damasco, damaschino), ursprünglich ein einfarbiges Seidengewebe, dessen Grund 
glatt oder geköpert ist, in welchen man Ranken, Blumen u. s. w. einwebte. 
Nach einigen Angaben soll diese Art zu weben von den Einwohnern von Da- 

Abb. 55. 




maskus in Syrien erfunden worden sein; von letzterer Stadt stammt auch der 
Name. Die älteste Musterung von Damaststoffen geht davon aus, in geo- 
metrischer Linienführung Farbe in Earbe die Fläche zu teilen (vgl. Abb. 55) 
und so eine Art Grunddessin zu schaffen; es hat sich diese Art von Webe- 
mustern aus der Technik heraus auch für die älteste Leinendamastweberei (s. d.) 
entwickelt. Später haben zuerst die Italiener und Holländer Damast gewebt, 
die Franzosen und Deutschen ahmten die Verfertigung bald nach. Die Wir- 
kung der Damaste beruht auf dem wechselnden Lichteffekt von Kette und 
Schuss, indem man z. B. das Muster im Kett-, den Grund dagegen im Schuss- 
effekt arbeitet oder umgekehrt, wobei meist Atlasbindungen zur Verwendung 
kommen. Seidendamaststoffe und solche aus Halbseide in mehreren Farben 



Damast Cafifard — Dampffarben. 145 



haben die verschiedensten Benennungen und werden nach anderen Einrichtungen 
des Webestuhles hergestellt. 

Der Wollendamast ist ein geköperter AVolienstoff, worauf das Muster 
atlasartig glatt steht, man nannte ihn früher auch Florett oder geblümten 
Kalmank. 

Halbwollener Damast hat in der Fabrikation eine bedeutende Aus- 
dehnung; er besteht aus Baumwolle (hartem Kammgarn) und ist auch zu- 
weilen mit Seide gemischt. 

Leinen damast (franz. : linge damasse ; engl. : linen-damask) wird zum 
Teil aus feinsten Leinengespinsten gefertigt (s. „Leinendamast" als besonderer 
Artikel.) 

Abbildung: 

55. Originalaufnahme aus dem Kaiser Friedrich-Museum in Berlin: Leichtes 
Seidendamastgewebe rot, Muster in Rautenfeldern aus abgesetzten geometrischen 
Figuren. Arabisch-sizilisch 13. Jahrhundert. 

Damast Caffard (franz.), (engl. : half damask), nannte man früher einen 
Tapetendamast, eine Nachahmung des seidenen D. von verschiedener Qualität 
und Breite ; einige davon haben Ziegenhaare, Florettseide, Leinengarn, Baum- 
wolle oder Schafwolle zum Einschlag, in der Kette Seide, Florettseide, auch 
nur Leinengarn oder Baumwolle; durch eine vorzügliche Appretur erhalten 
sie auf der rechten Seite ein glänzendes, seidenartiges Aussehen. 

Damastflor ist eine Nachahmung des eigentlichen Damastes, in dem 
man im Florgrunde mittels eines besonders angebrachten Harnisches die Ketten- 
fäden nach Art des Damastes einliest. In der Begel kommt dieser Stoff, zu 
dessen Einschlag immer rohe ungekochte Seide und zur Kette weiche oder 
vorher gekochte Seide genommen wird, nur in Schwarz, Weiss und Grün vor. 

Damastmaschine, besondere Vorrichtung an den Webstühlen, bestehend 
aus einer Jacquardmaschine, welche die Kettfäden mustermässig in Gruppen 
von zwei bis acht Fäden herstellt, während die abzubindenden Kettfäden durch 
besondere Damastschäfte hoch oder tief gezogen werden. 

Literatur: Müller, Handbuch der Weberei, Leipzig 1884. S, 609. 
Lembcke, Mechanische Webestühle. 5. Forts. Braunschweig 1883, S. 130. 

Damentuch, die leichteren Streich garngewebe, die gleich den eigentlichen 
Wolltuchen die Prozesse des Walkens, Bauhens und Scherens durchgemacht 
haben, also nicht fadenscheinig sind. Gewicht für 1 D m 200 — 250 gr. 

Dameus (lat.), s. Damast. 

Damicaster (engl.), kurzer Mantel, getragen von den Frauen im 16. 
Jahrhundert. 

Damiette, arab. Dimjat, kopt. Tamiati, im Altertum Tamiathis, Stadt 
in Unterägypten: Seit dem 13. Jahrhundert ein blühender Ort und lange be- 
rühmt durch Fabrikation der gestreiften Seidenzeuge; ist in industrieller Hin- 
sicht, mit Ausnahme der Fabrikation grober Baumwollstoffe, ganz herabge- 
sunken und auch sein Handel hat nicht mehr die Bedeutung früherer Zeit, 
wo er, vor dem Aufblühen Alexandriens und der Anlage des Suezkanals, 
hauptsächlich den Handel mit Syrien vermittelte. 

Damm, Dorf im bayr. Beg.-Bez. TJnterfranken : Kunstwollfabrikation. 

Dammartin-en-Goele, Hauptstadt im Arrond. Meaux des franz. Depart. 
Seine-et-Marne : Spitzenfabrikation. 

Dammerkirch, Stadt im Oberelsass: Baumwollweberei. 

Dämpfen, im Zeugdruck, heisst die Behandlung mit Körperfarben be- 
druckter Gewebe mit Wasserdampf. 

Dampffarben, in der Zeugdruckerei solche Farben, welche mit dem 
Beizmittel (Mordant) aufgedruckt werden und dann der Einwirkung von Was- 
serdämpfen in einem geschlossenen Kaum ausgesetzt werden, wodurch die 
Beizmittel mit den Farben in die Faser tief eindringen und letztere befestigen. 
Die Ware wird später nur ausgewaschen und appretiert. Das Verfahren 
findet hauptsächlich Anwendung bei wollnen und seidnen Stoffen. 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde, 10 



146 Dampfpresse — Decken. 



Dampfpresse, eine bei der Tiichfabrikation zur Erzeugung eines höheren 
Grianzes auf dem Gewebe in Anwendung gebrachte hydraulische Presse. 

Dänemark erzeugte im Anfange des 18. Jahrh. auf Batist gestickte 
und ausgenähte Nachahmungen von Rokokospitzen, welche sich bis in das 
19. Jahrhundert erhalten haben; geklöppelte Spitzen aus D. gleichen im all- 
gemeinen den schwedischen (s. Batiststickereien). 

Dänische Weissstickereien, s. Hedebo. 

Dansafasern von der Eobinia cannabina benutzt man in Bengalen zur 
Verfertigung von Stricken. 

Danudars, gekräuselte Astrachanfelle aus der Tatarei. 

Danzig, Hauptstadt der Prov. AVestpreussen: Tuchfabrikation. Die 
Marienkirche, erbaut 1353 — 1508, enthält eine grosse Sammlung mittelalter- 
licher Stoffe_, Stickereien und Gewänder. (Vgl. Hintz, die Marienkirche in 
Danzig.) 

Danziger Leinen, nennt man im allgemeinen die verschiedenen groben 
hänfenen Hemdlinnen, welche in grossen ungeregelten Pollen aus Polen die 
AVeichsel herab nach Danzig zu Markte gebracht werden. 

Dardanell-Leinen ist türkische, gewöhnliche Leinwand aus den Gegen- 
den um die Schlösser bei Konstantinopel, welche zu Segeltüchern und zu 
Hosen der Laudieute verbraucht wird. 

Dariabanis, eine Sorte weisser Kattune aus Surate. 

Daridas sind bunte ostindische Zeuge, welche in Surate aus den glän- 
zenden Fäden einiger Pflanzen, die man wie Seide behandelt, gewebt werden, 
die jedoch selten in den grösseren Handel kommen, weil sie ohne Haltbarkeit 
sind uüd in Falten leicht brechen. 

Darins ist eine gewöhnliche französische Leinwand aus Hanfgarn. 

Daris sind glatt gewebte Baumwollenzeuge, welche ehedem in Indien 
Verwendung fanden, um die dort berühmt gewordenen marmorglatten Dielen 
zu bedecken. 

Darlington, Stadt in der nord-engl. Grafschaft Durham: Wollkämmerei 
und Flachsspinnerei, Baumwoll- und "Worstedfabrikation. 

Darnetal, Hauptstadt im Arrond. Pouen des franz. Depart. Seine-In- 
ferieure: Baumwollspinnereien und -Webereien, Tuch- und Wollstoff fabriken ; 
Färbereien. 

Darre, Dörre, Vorrichtung zum Trocknen oder schwachem Posten vege- 
tabilischer Stoffe: Avie z. B. des Flachses. 

Darwen, Over-, Stadt in der engl. Grafschaft Lancashire : Baumwoll- 
spinnereien. 

Dattel, Bezeichnung für die innerste Schicht des Seidenkokons, welche 
eine pergamentähnliche Schale bildet. Aus den Abfällen (Stami) wird das 
Crescentingarn gesponnen. 

Daunenperkal, modernes Bettunterzeug zur Einlage der Daunen. 

Dauphine, veralteter, in andere Artikel übergegangener leichter Stoff 
aus dünner verschiedenfarbiger Wolle, Seide und Halbseide, welcher in Lyon 
gemacht wurde. 

Deanston, Stadt in der schott. Grafschaft Perth : Baumwollindustrie. 

Debourreur, s. Seidenspinnerei. 

Debreczin, königi. Freistadt in "Ungarn: bedeutende Industrie in der 
Herstellung von wollenen Zeugen, Mänteln u. s. ^v. 

Dechets (franz.), Seidenabfälle aller Art, welche zur Darstellung der 
Chappe- und Florettseide dienen. ^ 

Decken (franz.: couvertures, tapis ; engl.: Covers, carpets) , aus Tuch, 
meist aus Baumwollkette und Streichwollschuss, ausserordentlich mannigfaltig, 
glatt und velourartig, gemustert und ungemustert, in den verschiedensten Far- 
ben, in verschiedener Stärke, weich oder härter appretiert, auch kotzenartig 
hergestellte Gewebe, welche als Schlaf-, Peise-, Pferd- und Stubeudecken und 
selbst als Mäntel in Verwendung kommen; s. Tuchfabrikation und die ein- 
zelnen Gattungen von Decken (s. a. Bettdecken). 



Deckenzeug — Demi-cuite. 147 



Decken mit eingefügten Leinwandbildern (franz.: plafond maroufle) 
waren in der Barockzeit und Zopfzeit sehr beliebt; dieselben waren gemalt 
und auch in Plattstichstickerei hergestellt, in letzterem Falle von aufgenähten 
Bänden eingeschlossen. 

Deckenzeug (Kotzen), ein aus grobem Streichgarngespinst hergestellter, 
schwach gewalkter, nicht gescherter und sehr stark gerauhter Stoff mit pelz- 
artig dichtem und langem Haar, glatt oder geköpert gewebt, zu Pferdedecken, 
Fuss- oder Bettdecken. 

Deckmaschine, eine Vorrichtung an Wirkmaschinen zur Herstellung 
von Musterungen in glatter Kulierware, indem mit Hilfe der Decknadeln ein- 
zelne Maschen oder Maschengruppen seitlich auf andere Nadeln überschieben 
oder aufdecken (s. Wirkerei). (Vgl. Franz ßeh, Fabrikation der ^V'irkwaren.) 

Decolorieren, entfärben, entbleichen. 

Deggendorf, Stadt im bayr. Eeg.-Bez. Niederbayern: Tuchfabrikation, 
Leinwandhandel. 

Degommage, im Zeugdruck die Behandlung der "Ware in den Fixier- und 
Heinigungsbädern, einerseits vollständige Fixierung der Beize, andrerseits Ent- 
fernung der Verdickungsmittel bewirkend. 

Degummieren, die Befreiung der Bohseide von dem anhaftenden Seiden- 
leim und dem Farbstoffe. Das Material wird erwärmt, gewöhnlich mit Seifen- 
lösung, ausgepresst und dann mit schwächerer Lösung derselben gekocht; 
schliesslich gespült und getrocknet. 

Dehbid, auf einem Hochplateau gelegener Ort in Persien, wo Teppiche 
erzeugt werden, welche denen aus Kaschkai (s. d.) in der Struktur ähnlich, 
aber in geringerer Qualität ausgeführt sind. 

Dehli, Hauptstadt im indobrit. Beich : Handel und Industrie, einst 
blühend und grossartig, waren in Verfall geraten, haben sich aber in neuerer 
Zeit wieder gehoben. Die Bazare von D. sind ihrer kostbaren Shawls, Gold- 
und Silberstickereien im ganzen Orient bekannt. 

Dekatieren (franz.: decatir; engl.: to steam), Behandlung wollener und 
seidener Oewebe mit Wasserdampf oder heissem Wasser durch Eintauchen 
oder Besprengen behufs Wiedererlangung der ursprünglichen Form und Lage 
der Fasern, und auch behufs Verminderung des Zusammenschrumpfens (Ein- 
gehen) beim späteren Feucht- und Nasswerden. 

Dekomponieren (iat.), Zusammengesetztes auseinandernehmen, zerlegen, 
auflösen; in der Weberei: Absetzen des Musters auf die Patrone nach einem 
vorliegenden Grewebe. 

Dekoration, s. Innendekoration. 

Dekortikationsmaschine, s. Eamiespinnerei. 

Delft, Stadt im Bezirk Botterdam der niederl. Prov. Südholland: nicht 
imbedeutend ist die Fabrikation von Teppichen in der Art der Smyrna- 
teppiche. 

Delineres oder Dalineres, eine mittelfeine, gut gewebte Hausleinwand, 
welche die Landleute im franz. Depart. Finisterre nach Vannes und Nantes 
bringen, wo sie gebleicht und verkauft werden. 

Delmenhorst, Hauptstadt im Verwaltungsbezirk Oldenburg: Wollkäm- 
merei und Kammgarnspinnerei, Jutespiunerei und -weberei. 

Delphin (franz. : dauphin) , in der altchristlichen Sj^mbolik Sinnbild der 
Liebe, der ehelichen Treue; nach anderen ein Führer durch das Dunkel des 
Totenreiches; auch Sinnbild des Christen überhaupt. Die Benaissance (s. d.) 
übernimmt den D. lediglich als Ornament und stellt ihn sowohl in der 
Weberei wie in der Stickerei in Umgebung reichen Blatt- und Blüten- 
werkes dar. 

Demas sedas, im Handel mit Spanien die Organsinseide. 

Demerary, Baumwollsorte aus Guayana. 

Demi-Cottons, Demittons (engl.), sind sehr billige starke baumwollene 
Zeuge, broschiert und geflammt, welche für den Orient gewebt werden. 

Demi-cuite, s. Seidenspinnerei. 



148 Demi-Draps — Dessin. 



Demi-Draps, Halbtücher, feine leichte, wenig gewalkte Wollentücher, 
in Frankreich auf englische Art kurz geschoren und stark gepresst; auch die 
deutschen Fabriken liefern den Artikel. 

Demi-Florences, s. Seidenwaren. 

Demi-Hollandees, in Frankreich eine feine weisse Leinwand, welche auf 
holländische Art gebleicht, appretiert und gelegt wird. 

Demi-Londres, geringe, locker gewebte und leicht gewalkte "Wollentücher 
aus Frankreich, teils ungefärbt und ohne Appretur. 

Demi-Musselines, eine Gattung dünnen Linons aus Frankreich, meist 
aus Leinen- und Baumwollengarn, ganz glatt, gegittert oder gemustert. 

Demirdschik, Fabrikationsort in Kleinasien für sogen. Smyrnateppiche (s. d.). 

Demi-Torles, eine leicht und dünn gewebte Leinwand, die man in Frank- 
reich teils roh, teils gefärbt, zu Futter verbraucht. 

Demmin, Stadt im preuss. E-eg.-Bez. Stettin: Tuchfabrikation. 

Dendermonde, Stadt in der belg. Prov. Ostflandern: Baumwollweberei 
(namentlich Decken) Seilerei und Leinwandbleicherei. 

Denier, franz. G-ewicht = 1,275 kg, bei Seidengarn nur 0,0531 g. Bei 
der Numerierung des Seidengarns ermittelt man, wieviel Deniers ein Strähn 
Seide von 476 m (ancien titre) oder von 500 m (nouveau titre) wiegt. 

Denims, auch Florentine, englischer Name eines leichten, glatten baum- 
wollenen Köperzeuges, das ursprünglich zu Nimes gewebt wurde. 

Dentelieren (franz.), auszahnen, auszacken; dentelierte Arbeit (franz.: 
dentelure), ausgezackte Arbeit, Spitzen, Kanten ; dentelles, Spitzen. 

Dentelle duchesse, eine der in Brügge gefertigten Spitze ähnliches Pro- 
dukt, welches dadurch besonders kenntlich ist, dass an den Verb indungs Stäb- 
chen des Grundes, dem bride, zahllose picots oder Dörnchen angesetzt sind. 
(Vgl. Spitzen 19. Jabrh.). 

Dentelles (franz.), Spitzen. 

Dentelles de pot ä fleurs heissen die sogen. Pottenkanten aus Ant- 
werpen (s. d.). 

Dentelschnüre, von dentelli (ital.), Zähnchen, dens (lat.) Zahn, dent 
(franz.) Zahn, woraus das französische dentelle, das bei einer Spitze soviel 
wie Klöppelspitze heisst. In italienischen Musterbüchern kommt dentelli 1549 
zum erstenmal, in einem Züricher Musterbuch „dentel arbeit, dentelschnüre" 
im Jahre 1561 vor. Auf D. sind die ersten Spitzen in Deutschland zurück- 
zuführen. 

Derbent, Derbend, Hauptstadt der Landschaft Daghestan im russischen 
Kaukasus: erzeugt Teppiche (s. unter Daghestan). 

Derby, Hauptstadt der engl. Grafschaft D. : sehr bedeutende Seiden- und 
Baumwollfabriken ; Spitzenklöppeleien, Kattun- und Strumpfwarenfabriken. In 
D. wurde 1718 die erste englische Seidenmanufaktur errichtet. 

Der-el-Kamar, Hauptstadt des asiat.-türk. Mutessariflik Libanon : Seiden- 
zucht, Seidenweberei und Stickerei. 

Deribands, eine Sorte weisser ostindischer Kattune. 

Deringa, im russischen Handel die gewöhnliche gelbe Packleinwand. 

Desaignes, Flecken im Arrond. Tournon des franz. Depart. Ardeche: 
Seidenfabriken. 

Desintegrieren , d. i. Entbasten des rohen Kokons und Seidenabfälle 
(Abfallseide), bevor sie zur Florettspinnerei verwandt werden. 

Des Moines, Hauptstadt des nordamerik. Staates Iowa: Woll- und Baum- 
wollmanufakturen; bedeutender Handel. 

Desooksoys, eine Gattung baumwollener Zeuge im englisch-ostindischen 
Handel. 

Dessau, Hauptstadt des Herzogtums Anhalt: Tuchfabrikation. 

Dessin (franz.), (engl.: design, pattern); findet vorzugsweise Anwendung 
in der Textilkunst, und zwar versteht man darunter ebensowohl die Muster- 
zeichnung, nach welcher gewebt, gestickt oder gedruckt wird, als das ausge- 
führte Muster, und nennt man daher gemusterte Stoffe dessinierte und die 



Dessinateur — Deutschland. 149 



Vorrichtung am mechanischen Webstuhl zum AVeben solcher Stoffe Dessin 
machen. Dessin, le, nennt der Franzose auch das Herstellen des Musters 
für Nähspitzen. 

Dessinateur (franz.), Musterzeichner. 

Dessiniermaschlne (franz.: machine ä piquer; engl.: punching machine), 
in der Tuchfabrikation Vorrichtung, durch die auf der Oberfläche von Gre- 
weben Muster hervorgebracht werden. 

Dettingen, an der Erms, Dorf im württ. Oberamt Urach: Baumwoll- 
spinnerei und -Weberei. 

Deuben, Dorf bei Dresden: Sammetstofffabrikation. 

Deutschbrod, Stadt in Böhmen: Tuchfabrikation. 

Deutsche Naht ist diejenige für "Wirkwaren verwandte überwendliche 
Naht, bei welcher der Nähfaden den zweiten und dritten Maschenhenkel des 
einen Warenstückes mit dem zweiten und dritten Henkel des anderen Waren- 
teiles in jeder zweiten Beihe verbindet. 

Deutsche Renaissance, s. Renaissancestil. 

Deutsches Spinnverfahren, Yorspinnverfahren (Vorbereitung) der Kamm- 
garnspinnerei, welches man bei dem Verfeinern der Spindelbänke (Flyer) an- 
wendet. 

Deutschland. Textil- und Bekleidungsindustrie: 1882 waren 1223 621 
Betriebe mit 2169 880 beschäftigten Personen, dagegen 1895: 1054137 Be- 
triebe mit 2 383 861 Arbeitern vorhanden. Am ältesten ist die 

Leinenweberei. Das Spinnen des Flachses als Beschäftigung auf 
dem Lande hat sehr nachgelassen, seitdem die Spinnmaschine die geübteste 
menschliche Hand überbietet. Die Flachsspinnerei beschäftigt gegenwärtig 
über 360000 Spindeln, kann jedoch den einheimischen Bedarf nicht decken. 
Im Jahre 1900 betrug die Einfuhr von Leinen-, Jute- und Manilahanfgarn, 
sowie von Nähgarn und Zwirn 19171 t (25,1 Mill. Mk.) 

Hauptsitz der Leinenweberei ist das schlesische Gebirge längs der böh- 
mischen Grrenze, von wo sie nach der sächs. Lausitz übertritt. Namentlich in 
Zittau und Umgebung werden vorzugsweise feinere Gewebe, darunter auch die 
viel gesuchten Damaste, hergestellt. Sehr bedeutend für die Anfertigung von 
Leinwand ist ferner Bielefeld (s. d.) mit Umgebung bis in die Gegend von 
Osnabrück und nach der Lippe zu. Hier, wie in einzelnen Bezirken von 
Württemberg, Franken, Thüringen, im Rheinland, Brandenburg ist die Leinen- 
weberei hausindustriell entwickelt; es mögen etwa 90000 Webstühle vorhanden 
sein, die indes nur bei sehr flottem Geschäftsgange voll beschäftigt sein wer- 
den; die Mehrzahl der Weber ist nebenher landwirtschaftlich tätig. 

Fertige Wäsche wurde früher vorzugsweise in Bielefeld hergestellt, 
neuerdings aber auch in Berlin und anderen grossen Städten mit Erfolg. 

Seiler waren liefern Westfalen, die Seestädte, Oberschlesien, das 
schwäbische Bayern und das Beg.-Bez. Kassel ; 

Packleinwand Ostfriesland und die Gegenden der Ems und mittleren 
Weser. 

Die Zwirnerei erstreckt sich hauptsächlich auf das Königreich Sachsen, 
auf Schlesien und die Bheinprovinz. Ausserdem befinden sich bedeutendere 
Nähfadenfabriken in Augsburg und Heilbronn. 

In der Hausindustrie wird Hervorragendes nicht geleistet; am meisten 
ist dieselbe in Baden und in Schwaben zu Hause. 

Jutewaren bezog Deutschland früher aus England. Die erste Jute- 
weberei wurde in D. im Jahre 1861 in Verhelde bei Braunschweig gegründet. 
Seitdem sind in Meissen, bei Hamburg, Berlin und anderen Orten Jute- 
webereien und -Spinnereien entstanden, deren Erzeugnisse steigende Aufnahme 
gefunden haben. Da der Bohstofi" eingeführt werden muss , so lässt sich an 
den Eiafuhrziffern das Wachstum der Industrie am besten darlegen: 1880 
wurden 17 564 t (6,7 Mill. Mk.), 1896: 98 845, 1900: 97 106 t Rohjute 
(30,1 Mill. Mk.) eingeführt. 

Für Wolle sind etwa 1450000 Spindeln für Streichgarn, und etwa 



X50 Deutschland. 



600000 Spindeln für Kammgarn tätig. Die Hauptsitze der Wollspinnereien 
sind die E-heinprovinz , das Königreich Sachsen (namentlich die Gegend von 
Werdau bis Plauen), Württemberg und das Oberelsass. Diese Bezirke sind 
auch die Hauptsitze 

der Tuchfabrikation, denen sich noch die Niederlausitz und der 
südöstliche Teil der Mark Brandenburg mit den Städten Kottbus, Forst, 
Spremberg, Sorau, Sommerfeld zugesellen. Besonders feine Tuche liefern 
Aachen, (Irossenhain und andere sächsische Städte. In Bezug auf 

Kamm w oll waren zeichnen sich die Bezirke von Chemnitz, Glauchau 
bis mit Crimmitschau und Plauen, von Gera, Greiz (wollene und halbwollene 
Fraueukleiderstoffe: sog. „ Greiz-Gera" -Artikel) , Zeulenroda und Pössneck, 
Mühlhausen i. E., Gebweiler und Bischweiler, auch Württemberg aus. 

Die Kunstwollspinnerei, vor vier Jahrzehnten eingeführt, wird 
hauptsächlich im Pheinland, namentlich in Aachen (82 Fabriken mit 1 200 Ar- 
beitern), Düsseldorf, Minden, Liegnitz, ferner in den sächsischen Industrie- 
orten Steingleis bei Zwichau, Werdau, Wilkau u. s. w. betrieben. 

Für wollene Strumpfwaren sind Chemnitz, Apolda, Zeulenroda 
sowie einzelne Bezirke in Württemberg und dem Elsass zu nennen, 

für Shawlweberei Berlin, 

für wollene Plüsche Berlin, Barmen, Hannover und Dresden, 

für Teppiche Berlin, Barmen, Schmiedeberg (Schlesien), AVurzen. 

Die Einfuhr von Wollgarn betrug 1880: 93,1, 1896: 114,1, 1900: 110,6 
Mill. Mk.; die Einfuhr von Wollwaren 26,1 und 16,1, 1900: 20,5 Mill. Mk.; 
dagegen stieg der Wert der Ausfuhr 1888—1900 von 190 bis auf 233,7, Woll- 
garn von 44,6 auf 56,8 Mill. Mk. 

Die Kammgarnspinnerei hat ihre Hauptsitze im Elsass (Malmers- 
pach , Mühleisen , Erstein und Sennheim) und in Sachsen. In S. wurde die 
Maschinenspinnerei am Ende der 30er Jahre eingeführt. Schon 1861 besass 
das Land 15 Kammgarnspinnereien mit 104600 Spindeln und einem Gesamt- 
erzeugnis von 15 Mill. Mark. 

Die Entwickelung der deutschen Baumwollindustrie er- 
scheint um so beachtenswerter, wenn man erwägt, dass der Kohstoff im Hei- 
matlande nicht erzeugt wird; sie ist konzentriert im Oberelsass (Mülhausen, 
Gebweiler, Thann, Münster, Markirch, Wesserling), in Sachsen (Chemnitz und 
Umgebung , vorzugsweise im Zschoppau-, Flöha- und Muldental) ; im Rhein- 
land (München-Gladbach, Dülken, Barmen, Elberfeld bis nahe zum Rhein), in 
Württemberg (bei Reutlingen), im nördlichen Abfall der Rauhen Alb und von 
hier übergehend bis nach Bayern ; in Baden im südlichen Abfall des Schwarz- 
waldes ; in Bayern (Augsburg) und in Oberfranken (Bayreuth bis Hof); in 
Schlesien (Reg.-Bez. Liegnitz bis zu dem Eulengebirge). 

Die Einfuhr von roher Baumwolle, die jetzt statt über London mehr 
und mehr über Bremen erfolgt, belief sich 1840 auf rund 10 000 t, 1870 auf 
71000 t, 1900 auf 313155 t (318,1 Mill. Mk.). Obgleich die Spinnereien 
(etwa 6 Mill. Feinspindeln) ihre Erzeugung zu steigern bemüht gewesen sind, 
kann der Bedarf an Baumwollengarn doch nicht ganz gedeckt werden, viel- 
mehr wurden 1900 noch 19969 t (62,9 Mill. Mk.) eingeführt. Erzeugt werden 
die gröberen und mittelfeinen Garne bis zu etwa Nr. 80, im Oberelsass bis 
zu etwa Nr. 100; feinere Garne liefert England, Das Oberelsass nimmt in 
Bezug auf die Feinheit der Stoffe den ersten Rang ein, dann folgen das König- 
reich Sachsen und Rheinland. 

Für Weisswaren (Gardinen, Mull, Musselin) ist ausserdem das Vogt- 
land (Plauen) zu nennen, für baumwollene Strumpfwaren Chemnitz, für Bunt- 
stickerei Berlin, Rheinland und Württemberg, für Posamentierwaren Barmen, 
Elberfeld, Annaberg (Sachsen), Isny (Württemberg), Brieg (Schlesien), Strass- 
burg und Kolmar, für Wachstuch Berlin und Leipzig, für Schirm stoffe Chem- 
nitz, Berlin, Elsass und Rheinland. Hausindustriell entwickelt ist die Spitzen- 
klöppelei und Weissstickerei im Erzgebirge (Eibenstock, Schwarzenberg, Schnee- 
berg bis in das Vogtland), letztere auch im südlichen AVürttemberg. 



Deutschland. 151 

Die Haiiptbezirke für YeredeluDg von AVollwaren sind Zwickau, Greiz- 
Gera, Bautzen, Frankfurt a. 0., Oberfranken. Unter den Hauptbezirken für 
Baumwollveredelung finden sich wieder Zwickau, ferner Mühlhausen und Düssel- 
dorf. Mit der Veredelung von Seide sind in Krefeld und Elberfeld 3900 Per- 
sonen in Fabriken und 3000 Personen im handwerksmässigen Betrieb be- 
schäftigt. 

Die Einfuhr von Baurawollwaren betrug im Jahre 1880: 1387 t (14,9 
Mill. Mk, Wert), 1890: 1462 t (11,8 Mill. Mk.), 1900: 6302 t (35,2 Mill. Mk.). 
Dagegen hat die Ausfuhr stetig zugenommen, sie betrug 1880: 21171t (99,4 
Mill. Mk.), 1890: 28190 t (168 Mill. Mk.), 1900: 40 865 t (244,7 Mill. Mk.). 

Für die S eidenindu strie sind Krefeld, Barmen und Elberfeld Mittel- 
punkte, ferner Berlin, Aachen, Baden und Lothringen. Der Schwerpunkt der 
deutschen Seidenindustrie liegt auf den Halbseidenstofi'en und Sammeten, in 
denen sogar die berühmte französische Industrie erreicht, vielleicht überholt 
ist, während in den schweren Stoffen Frankreich noch den ersten Platz be- 
hauptet. 

Der Gesamtwert der Einfuhr (einschliesslich E-ohseide) ist seit 1880 von 
148,5 auf 200,6 Mill. Mk. im Jahre 1899 gestiegen; im Jahre 1900 jedoch 
auf 173,3 Mill. Mk. zurückgegangen; der Gesamtwert der Ausfuhr (mit Ein- 
schluss der Halbfabrikate) dagegen von 237,1 auf 166,6 Mill. Mk. gefallen, 
nachdem sich dieselbe bis in die neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts auf 
gleicher Höhe gehalten hatte. 

Die Bleicherei, Färberei, Druckerei und Appretur der 
Garne und Webwaren schliessen sich an den Webstoff an, dem sie zu dienen 
bestimmt sind, und finden sich in denselben Bezirken. In Zeugdruckerei und 
Appretur fand Jahrzehnte hindurch ein lebhafter AYechselverkehr mit den 
Nachbarländern statt, die ihre Webstoffe nach Deutschland sandten und hier 
im Veredlungsverkehr bearbeiten Hessen. Solche Zeugdruckereien finden sich 
noch in Mühlhausen i. Eis., Berlin, Augsburg, Baden, Sachsen, doch hat dieser 
Veredlungsverkehr durch die Erhöhung der Zölle in den Nachbarländern stark 
gelitten. 

Für Spitzenklöppelei sind die Hauptsitze Annaberg, Schneeberg 
(Hauptstadt für weissleineue Sjjitzen), Schwarzenberg, Eibenstock und Schön- 
heide (Tambourierstickerei für Decken, Gardinen, Schleier). Einer der grössten 
Betriebe mechanischer Spitzenfabrikation befindet sich in Leipzig-Lindenau. 

Für die Stickerei sind die Hauptorte Plauen und Zwickau ; auch in 
dem württembergischen Oberland sticken seit einem Jahrzehnt mehrere Tausend 
Personen, aber für Pechnung schweizerischer Unternehmer. Bedeutend ist die 
Stickerei auch in Berlin, wo sich mit ihr sowie mit Häkelei 2900 Personen 
befassen. 

Geschichtliches: D, sieht geschichtlich wie dem Umfange des Aussen- 
handels nach in der Textilindustrie an erster, der Zahl der beschäftigten 
Personen nach an fünfter Stelle. Das Verarbeiten des Flachses und der Schaf- 
wolle war hier von jeher allgemein verbreitet. Beide Gewerbe wurden vom 
frühen Mittelalter an in Schwaben, Cleve , Jülich und Gelderland als land- 
wirtschaftliches Nebengewerbe oder handwerksmässig betrieben. Tuch und 
Leinen bildeten im Mittelalter für Augsburg, LTlm, Görlitz, Köln, Aachen u. s. w. 
einen Hauptexportartikel, der in England, Eussland sowie in Italien und Spanien 
guten Absatz fand. Die Weberei der feineren Wollzeuge, die bis dahin nach 
Deutschland importiert worden waren, wurde 1566 von flüchtigen Flamändern 
in Hanau, Gera, Plauen, 1680 von Hugenotten in Berlin, Göttingen, Kassel, 
Eisenach eingeführt. Erst im 17. Jahrhundert kam die Konkurrenz Englands 
auf. Die B aum wollen web er ei und Kattundruckerei wurde in Deutsch- 
land zu Ende des 17. Jahrhunderts in Augsburg (s. d.) eingeführt und der 
geschlossene Fabrikbetrieb — als erste Kattunmanufaktur 1750 durch flüchtige 
Schweizer in Plauen i. V. — begründet. Sachsen wurde neben Ostindien und 
der Schweiz zum hauptsächlichsten Produktionsland für Baumwollenwaren. 
Die" Sc hl ei er webe r ei aus Baumwolle wurde zu Ende des 16. Jahrhunderts 



152 Devants de corps — Diadem. 



von niederländischen Flüchtlingen im sächsichen Yoigtlande, dessen Mittelpunkt 
die Stadt Plauen bildet, eingeführt und bis 1600 daselbst für E,echnung Nürn- 
berger Kaufleute betrieben. Im 17. und 18. Jahrhundert dehnte sich die 
neue Manufaktur (Musselin, Kattun u. s. w.) immer mehr aus, bis sich kurz 
vor den 20er Jahren auch hierin der Maschinenbetrieb einzubürgern begann. 
Die Seiden Industrie kam Ende des 17, Jahrhunderts durch niederländische 
und französische Flüchtlinge nach dem linken Rheinufer (s. Krefeld) und in 
■die Mark (s. Berlin). Die Spitzenklöppelei wurde um die Mitte des 
16. Jahrhunderts als häusliche Beschäftigung (der Bergmann sfamiljen) aus den 
Niederlanden im sächsichen Erzgebirge eingeführt. Die Po s am&ntierkuns t 
wurde 1591 von flüchtigen Niederländern in das mittlere Erzgebirge, die 
Strumpfwirkerei ein Jahrhundert später von flüchtigen Hugenotten nach 
Württemberg, Sachsen und Thüringen verpflanzt. Mit der Wirkerei ist die 
Korsettweberei verwandt; auch sie ist eine aus Frankreich herüber ver- 
pflanzte Industrie und sie wurde im Jahre 1848 nach dem Vorbild der Fabri- 
kation in Bar le Duc zuerst in Württemberg eingeführt. Die Wirkerei 
mit ihren drei Hauptzweigen : der Strumpfwaren-, Handschuh- und 
der Trikotagen fabrikation bildet heute in D. einen Hauptzweig der 
Textilindustrie. Der Manufakturbetrieb kam (speziell in der Strumpfwirkerei) 
in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts auf; eine solche „Strumpf-, 
Seiden- und Wollfabrique" errichtete damals in Limbach David Esche, der 
Erfinder des deutschen Strumpfwirkstuhls. Die Strumpfwirkerei als Hand- 
werk konnte sich aber fast noch ein volles Jahrhundert erhalten. (Vgl.: „Deutsch- 
land als Industriestaat" von Dr. F. C. Huber, Stuttgart 1901. S. 421 fi".) 

Devants de corps werden im Französischen die vorderen spitz zulaufen- 
den Einsätze der Frauenkleider genannt, welche in Posamenterie , aber auch 
in bunter oder in weisser Spitze ausgeführt wurden. 

Deventer, auch Demter, Stadt in der niederländ. Prov. Oberyssel: be- 
deutende Teppichfabriken, darunter die königl. Fabrik von Smyrnateppichen ; 
Kattundruckerei, Leinwandhandel. 

Deville-les-Rouen, Stadt im Arrond. Pouen des franz. Depart. Seine- 
Inferieure: Baumwollspinnerei und -weberei, Bleichereien. 

Devisen (lat.: devisia; franz.: devises; engl.: devices), Denk- oder Wahl- 
sprüche, in Worten oder durch Sinnbild dargestellt, bilden in älteren Stofi'mustern 
eine beliebte Darstellung, wohin sie durch die arabischen Sprüche gekommen sind. 

Devonshire-Plains (engl.) heissen grobe, einfarbige, sehr billige Wollen- 
tuche, zum Gebrauch der Schiffsleute und für Negersklaven in Westindien. 

Dewsbury, Stadt in der engl. Grafschaft York: Fabrikation von Tep- 
pichen und W^ollwaren; Hauptsitz der Shoddymanufaktur. 

Deynze, Stadt in der belg. Prov. Ostflandern: Fabrikation von Seiden- 
stoffen ; Flachshandel. 

Dhaka, Stadt in der Gouverneurschaft Bengalen des indobrit. Reichs : 
bedeutende Industrie in Musselinen, gröberen Kattunen und Silberstickereien. 

Dholera, Ort in der indobrit. Präsidentschaft Bombay: Baumwollspinne- 
reien und -Webereien. Während des amerikanischen Bürgerkrieges (1862 bis 
1865) war D. der Hauptbaumwollhafen von Gudschrat und gab einer auf dem 
europäischen Markte wohlbekannten Baumwollsorte den Namen. 

Dhoties heisst Shirting mit farbigen Streifen. 

Diablement-fort, ein französischer Stoff, dessen Kette Leinwand, der 
Einschlag Baumwolle ist. 

Diadem (lat.: diadama; franz.: diademe; engl.: diadem), ursprünglich 
ein Band zum Zusammenhalten des Haupthaares; es findet sich schon früh als 
Zeichen der Würde bei hochstehenden weiblichen und geistlichen Persönlich- 
keiten der Aegypter, Assyrer, Babylonier und Perser. Das Band wurde mit 
Symbolen aus Metall geschmückt. Im frühen Griechenland findet sich das 
D. wieder als direkte Stirnbinde und machte dann die gleiche Wandlung durch 
wie in seinen Stammländern, nur erhält sich eine mit Perlen besetzte Binden- 
form. Diese hauptsächlich wird in Pom zuerst nur von den Frauen als Schmuck 



Diagonals — Dieppe. 153 

und von den Priestern als Würdezeichen angenommen. Unter Konstantin d. Gr., 
der das D. reich schmückte, wurde es von den Fürstlichkeiten Europas überall 
angenommen. Im Mittelalter trägt man es als einen einfachen goldenen Reif 
oder statt seiner die Krone, zu der es durch Justinian ausgebildet wurde. 

Diagonals heissen geköperte Gewebte mit schräg verlaufender feiner 
Streifung. 

Diagonalstuhl oder Milanesstuhl ist ein mechanischer Kettenwirkstuhl, 
welcher die Kettenfäden nach und nach seitlich über sämtliche Nadeln der 
ganzen Reihe legt. 

Diamantines ^ älterer englischer gemusterter Köperstoff von hartem 
Kammgarn. Er zeichnet sich aus durch seine gute Appretur und glänzendes, 
atlasartiges Ansehen. 

Diaper (engl.) (lat. : diasprus) , ein dichtes geköpertes Baumwollenzeug, 
eine Art Drell (s. d.) mit bunt gewürfelten eingewebten Mustern, welches 
zuerst in England gemacht wurde und nach A.rt dieser Muster to diaper, 
diapering, diaper-work (engl.) ein aus Blumen u. s. w. wiederkehrendes Muster, 
das eine Fläche völlig bedeckt, zunächst auf weichen Stoffen, dann allgemein 
gebräuchlich für alle in TJmrisslinien eingeschnittene oder reliefartige Muster 
(s. a. Diaprer). 

Diapistis wird im 13. — 14. Jahrh. als grünlicher Stoff bezeichnet, der 
nach dem Schriftsteller Hugo Falcandus in Palermo erzeugt sein soll. 

Diaprer, Verbum des franz. Substantivs diaper (s. d.) von diaspre (s. d.), 
hiermit bezeichnete man im frühen Mittelalter bestimmte Brokate. Welcher 
Art dieselben waren, ist nicht genau zu bestimmen, doch scheinen es Stoffe 
gewesen zu sein, deren Muster ganz oder teilweis in Grold gewebte Tiere dar- 
stellte. Das spätere Mittelalter brauchte den Ausdruck schon in demselben 
Sinne, wie jetzt diaper (s. d.) angewendet wird. 

Diarbekir oder Diarbekr, auch Kara-Amid, Hauptstadt gleichnamiger 
asiat.-türk. Prov., erzeugt durch Hausindustrie Knüpfteppiche nach persischen 
Mustern. 

Diarrhodons, Bezeichnung mittelalterlicher Grewebe; von einem solchen 
feuerroten Stoff des 13. — 14. Jahrh., der in Palermo erzeugt wurde, spricht 
der Schriftsteller Hugo Falcandus. 

Diaspre, Bezeichnung für frühmittelalterliche Seidengewebe von weisser 
Farbe. Der Name ist rein griechischer Abstammung. D. scheint eine Abart 
des sogen, „draps" zu sein, welcher in Lyon im 14. Jahrh. in grossen Mengen 
hergestellt wurde. 

Dibadsch, Dybäg, mittelalterliche arabische Bezeichnung für Atlasstoffe 
und Brokate, welche in der Tiraz (Staatsweberei) zu Bagdad gefertigt wurden. 
Die Bezeichnung ist später sehr verallgemeinert worden und wird jetzt im 
Orient auf alle schweren seidenen Stoffe angewendet. 

Dichtenbestimmung eines Gewebes wird nach der Zahl der Kettenfäden 
gemacht (in Deutschland 1 — 10 cm) , sie entbehrt noch eines Normalsystems. 
Die Dichte der Kette wird auch nach Gängen ausgedrückt. 

Dickmühle, auch Walkmühle, Filzmühle, Hammerwalke genannt, eine in 
der Tuchfabrikation zum Filzen der Loden verwendete Vorrichtung, in welcher 
das Gewebe in einem eigentümlich geformten Holztrog durch fallende Holz- 
hämmer bearbeitet wird: es ist die älteste Walke. 

Dickzüchen, veralteter Name für sächsische bunte Leinen, welche sehr 
fest und gedrungen gewebt und zu Bettinleten und Ueberzügen gebraucht 
wurden. Sie waren blau und weiss, rot und weiss gewürfelt oder gestreift, 
oder blau geflammt. 

Die, Hauptstadt im Arrond. D. des franz. Depart. Drome: Seidenraupen- 
zucht, Fabrikation von Tuchen, Seiden- und Baumwollspinnereien; bedeutender 
Handel mit Seidenwaren und Tuchen. 

Dieppe, Hauptstadt des Arrond. D. im franz. Depart. Seine-Inferieure : 
Spitzenfabrikation, welche im 18. Jahrh. ihren Ursprung hat, deren Erzeugnisse 
oft als points k la vierge bezeichnet werden. Im übrigen arbeitete man in 



J54 Diessenhofen — Distel. 



der Art des Valenciennes (s. d.), ohne die Muster an Feinheit zu erreichen. 
Die Herstellung, im 17. und 18. Jahrh. bedeutend, ist heute nur noch sehr 
gering. 

Diessenhofen, Hauptstadt im Schweiz. Kanton Thurgau: Färbereien, 
Verbandstofffabriken. 

Digne, Hauptstadt im Arrond. D. des franz. Depart. Basses-Alpes : 
Färbereien, Tuchmanufaktur und bedeutender Tuchhandel. 

DijOU, Stadt im franz. Depart. Cote d'Or: fertigte am Ende des 17. und 
in der ersten Hälfte des 18. Jahrh. Klöppelspitzen. Man findet sie oft wegen 
ihres schweren Fadens getadelt; sonst scheinen sie in Technik und Muster 
nichts Eigentümliches gehabt zu haben. 

Dimantino, ein älterer geköperter Wollenstoff, welcher in bunten Farben 
zu Möbel- und Kleiderstoffen diente. 

Dimity (engl.), Dimitos, Demittas, Demittons, vom griech. di-mitos, d, i. 
vom doppelten Faden, zweidrähtig, ein englisches geköpertes Baumwollenzeug, 
auch ein gewöhnlich sehr dick gewebter Stoff mit streifigen Mustern auf drei- 
oder fünf bändigem Köpergrund, wobei die Streifen gewöhnlich durch einen 
Wechsel von Kettenköper und Schussköperstreifen zustande kommen. D. ist 
ursprünglich ein levantinisches Gewebe, welches auf den Inseln des Archipels, 
auf Cephalonia, an vielen Orten in Kleinasien gemacht wird. In Holland zu 
Amersfort wurde D. zuerst, dann aber überall, in England, Frankreich und 
Deutschland nachgemacht. 

Dinan, Hauptstadt des Arrond. D. im franz. Dep. Cotes-du-Nord : Flachs- 
bau, Hanfspinnereien, Fabrikation von Flanell, Leinwand, Segeltuch und Baum- 
wollstoffen, sowie bedeuteoder Handel mit diesen Artikeln. 

Dinkesbühl, Stadt im bayr. Reg. -Bez. Mittelfranken: Fabrikation von 
Wollwaren; Streichgarn Spinnerei; Wollmarkt. 

Dinklage, Gemeinde im oldenb. Amt Yechta: Baumwollweberei, Färberei 
und Druckerei. 

Diplax, doppelter, wollener Mantel, ein glattes Stück Zeug, das im frühen 
Griechenland getragen wurde. 

Discincta (lat.), loses, ohne Gürtel und Fibula übergeworfenes Gewand, 
Mantel. 

Diselset, Disselset, Distelset, nach der Limburger Chronik von 1351 
Bezeichnung für Nesseltuch (aus Distel und sedum [Mauerpfeffer]), im 14. und 
15. Jahrh. als Kopftuch der Frauen aus dem Bürgerstande getragen. 

Diss, Stadt in der engl. Grafschaft Norfolk : Flachsspinnerei und Mützen- 
fabrikation. 

Dissen, Flecken im preuss. E,eg.-Bez. Osnabrück: bedeutende Fabrik 
von Segeltuch und Sackleinwand. 

Distel, fast jede stachlige oder dornige Pflanze, vorzugsweise solche, 
welche kopfartige Blütenstände haben und deren Blütenhüllen aus dornig endi- 
genden Hüllblättchen bestehen, sämtlich zur Familie der Kompositen gehörig 
(Abb. 56 u. 57.) Als Kunstform erscheint die Distel zuerst im gotischen Zeit- 
alter (s. d.) gleichzeitig mit dem Granatapfel (s. d.) und es hat den Anschein, 
dass in den Stoffmustern jener Zeit beide Motive nebeneinander zur Ver- 
wendung gelangten; während aber am Ende des 15. Jahrh. der Granatapfel 
allmählich verschwindet, geht die Distel noch in die Renaissance über (vgl. 
Abb. 58) und findet in Italien und Spanien für Kleiderstoffmuster Aufnahme. 
Der Hebergang dieser Blatt- und Blütenform in das 16. Jahrh. ist augen- 
scheinlich auf die Aehnlichkeit des krausen Blattwerkes mit denen des Acanth<is 
(s. d.) zurückzuführen. In neuerer Zeit ist die D. durch Eugland wieder für 
die Textilkunst als Kunstform nutzbar gemacht worden. 

Abbildungen. 

56. Distelstaude nach einem Holzschnitt aus: Lobelius, plantarum sev stirpium 
iconen, Antwerpen 1581. 

57. Distelstaude aus demselben Werk. 



Distel 



155 



Abb. 56. 




Abb. 57. 




Abb. 58. 




58. Originalaufnahme aus dem Kgl. Landesgewerbemuseuin in Stuttgart: Sammet- 
brokat, Grund gelb, mit etwas Goldlahn durchwirkt, symmetrisches Muster rot, ge- 
schnitten und uu geschnitten: Bänder, durch Knäufe verbunden, bilden spitzovale Felder, 
in welchen stilisierte Distelblüte mit Blattwerk. Spanien Ende 16. Jahrh. 



J56 Dittersbach — Doncherys. 



Dittersbach, Dorf in Böhmen: Zwirnfabrik, Weberei. 

Divisa (lat.), zweifarbiges Gewand. 

Dizaine (franz.) heissfc die stärkere Linie innerhalb der carta riga (s. d.) ; 
sie erleichtert das Abzählen der Quadrate und ist auch für achtteiliges Papier 
üblich. 

Djoule heissen glatte, gewirkte persische Teppiche (eine Sorte Kilim), 
welche in der Gregend von Schuschter angefertigt werden. Dieselben sind an 
der Rückseite zottig uud sehen den Jacquardgeweben ähnlich. 

Dmitrow, Kreisstadt im russ. Gouvernement Moskau : Baumwollspinnerei 
und -Weberei, Tuchfabriken. 

Dobby (ßatiere), s. v. w. Schaftmaschine am Webstuhl. 

Döbeln, Stadt in Sachsen: bedeutende Wollspinnereien. 

Dobruschka, Stadt in Böhmen: Weberei, bedeutende Märkte für Flachs 
und Garn. 

Dochte, Bezeichnung für einfach zusammengedrehte oder durch Flechten 
und Weben von Baumwollfäden hergestellte Textilerzeugnisse, platt oder 
schlauchförmig, dazu bestimmt, Leuchtstoffe aufzusaugen und nach dem Ende 
hinzuleiten, wo sie angezündet werden, ünverbrennliche Dochte stellt man 
aus Glaswolle, Asbest u. a. her. 

Docke, in der Woll-, BaumwoU- und Seidenspinnerei ein durch Zusam- 
mendrehen und Falten von Garnsträhnen gebildeter Zopf, deren eine gewisse 
Anzahl zu einem Bündel vereinigt werden. 

Dockenmaschine s. v. w. Klöppelmaschine. 

Dockenseide ist Seidengarn in Strähnen gelegt. 

Doeskins (engl. = ßehleder), leichtes, dünnes Köpertuch zu E,ock- und 
Hosenstoffen, viel leichter als Buckskin. 

Dogenstola, s. Stola. 

Doigtier, doittier (franz.), leinenes Tuch, das die Domherren in Reims 
am kleinen Finger der linken Hand (als eine Art von Manipel) beim Cele- 
brieren der Messe tragen. 

Dolman (türk.), ursprünglich ein Stück der ungarischen Nationaltracht, 
eine Jacke ohne Schösse, auf der Vorderseite mit horizontalen Reihen von 
Schnüren nnd vertikalen Reihen von Knöpfen besetzt. 

Domestics (engl.), ein nordamerikanisches Baumwollzeug , auch starke 
Futter- oder Hemdenkattune. Man hat rohe, ungebleichte D., welche die Eng- 
länder brown sheeting, die Spanier und Mexikaner manta triquena nennen, 
und weisse D. (white sheeting oder shirting; manta blanca). Die schweren D. 
werden auch cotton osnaburghs genannt. Der Hauptfabrikationsort der D. in 
den Vereinigten Staaten ist Lowell, unweit Boston, in Massachusetts. Im all- 
gemeinen und namentlich wenn sie gebleicht und lang gelegt sind, nennt man 
diese baumwollenen Zeuge Long cloths ; in Mexiko auch einige Sorten Elefantes. 

Domingohanf, einer der zahlreichen, aus den Blattfasern mehrerer 
Agavearten sowie anderer zum Teil noch nicht botanisch genau bestimmter 
Gewächse gewonnen, gewöhnlich unter dem Gesamtbegriff Aloehanf (s. d.) zu- 
sammengefasster Spinnstoffe, welcher aus Westindien nach Europa gebracht wird. 

Dominicale (lat.), das in der alten Kirche den Kommunizierenden beim 
Genuss des Sakraments untergehaltene Abendmahlstuch. 

Dominiealis (lat.), weisser Schleier, welchen die Frauen beim Gottes- 
dienst, besonders beim Abendmahl trugen; bis zum 7. Jahrh. im Gebrauch. 

Domino, franz., engl., lat., Wintermantel der Geistlichen mit Kapuze. 

Donauwörth, Stadt im bayr. Reg.-Bez. Schwaben: Leinenweberei, Flacts- 
und Hanfbau. 

Doncaster, Stadt in der engl. Grafschaft York : bedeutende Spinnereien 
und Webereien. 

Doncherys, eine Art wollener französischer Sergen, die zu Dongchery an 
der Maas, eine Meile von Sedan, gewebt werden. Sie sind sehr dicht und 
dauerhaft und werden deshalb zu Montierungen für die Truppen, zu Kloster- 
kleidungen u. dgl. gebraucht. 



Dongchery — Doreas. 157 



Dongchery, Stadt im Arroud. Sedan des franz. Depart. Ardennes: Fa- 
brikation von Tuch- und Wollstoffen. 

Doppeladler, s. Adler. 

Doppelflanell, ein einst als Beinkleidstofi' beliebtes, nach Art der Kidder- 
minster-Teppiche (s. d.) aus Streichgarn erzeugtes, mit kleinen flammenartigen 
Zeichnungen gemustertes, der Tuchfamilie angehörendes Gewebe. 

Doppelgewebe, verschiedenartige Stoffe, wie Pique und manche Arten 
von Teppichen, die durch regelmässiges, teilweises Zusammenweben zweier 
aufeinander liegenden, meist glatten Zeuge hergestellt werden, wobei durch die 
Art des Zusammenwebens das Muster hervorgebracht wird. (Vgl. Tafel XY, 
..Bindungen", s. a. Hohlstoff.) 

Doppelkassinet, aus Baumwollketten, zweifachem Schuss, abwechselnd 
Baum- und Streichwollgarn, hergestelltes atlasbindiges Gewebe. 

Doppelleinwand, die aus weissgebleichtem Garn gewebte Leinwand, wie 
Dowlas u. s. w., an manchen Orten die bunte gewebte Leinwand, welche auf 
jeder Seite eine andere Farbe hat. 

Doppelmaschen, s. Häkeln. 

Doppelnähte werden zur Verbindung zweier Stoffe angewendet, welche 
leicht ausfasern; die dazu gebräuchliche sogen, französische Doppelnaht 
entsteht, indem man die beiden Stoffteile mit den Schnittkanten aufeinander 
legt und einige Millimeter durch Vorstiche verbindet. Nach Vollendung dieser 
ersten Naht werden die Teile so gewandt, dass die beiden rechten Seiten der- 
selben nach innen liegen imd die Schnittkanten zwischen zwei Stofflagen ein- 
geschlossen sind; hiernach wird die Naht durch eine zweite Vorstichreihe 
vollendet. 

Doppelperse, in Oesterreich eine Gattung mehrfarbiger, auf dunklem 
Grunde bunt gedruckter Zitze. 

Doppelsammet, eine Art Sammet, die entweder auf beiden Seiten Flor 
hat, so dass auf einer Seite z. B. blauer Sammet, auf der andern weisser oder 
andersfarbener zu sehen ist; oder auf einer Seite Sammet, auf der anderen 
Velpel; oder endlich auf einer Seite aufgeschnittener Sammet, auf der andern 
unaufgeschnittener ist: Velours canneles u. s. w., s. Sammet. 

Doppelschlag, ein auf Strumpfstühlen gefertiges spitzenartiges Gewebe 
von feinem ßaumwollengarn, das auf Spannrahmen fein appretiert ist. Wenn 
es nass wird, geht es aber in den Maschen wie ein Strumpf zusammen; s. a. 
Märkische Tuche. 

Doppelseitige Stickerei, s. Strich stich. 

Doppelstäbchen, heissen in der Häkelei Maschen, die durch zweimaliges 
Umlegen des Fadens um die Nadel gebildet werden. 

Doppelsteinlinnen, eine blau und weiss, rot und weiss, lila und weiss 
karrierte Leinwand, welche im Bheinland gewebt und hauptsächlich nach den 
Nordseehäfen zur Ausfuhr verkauft wird. 

Doppeltaffet oder Marcellin, glattes, ziemlich schweres Gew^ebe aus Seide 
in Leinwandbindung mit zweifädiger Kette und zwei- bis dreifädigem Schuss 
(s. auch Seidenwaren). 

Doppeltuch, ein zu dicken Winterkleidern benutztes tuchartiges Doppel- 
gewebe, dessen rechte (obere) Seite gewöhnlich feiner als die linke (untere) 
ist und dessen Muster meist in Bippen, Bauten, eine Art Moirieruug, Wellen- 
linien u. s. w. besteht. Die linke Seite ist ziemlich stark gerauht, aber nur 
wenig geschert, um den Stoff möglichst warmhaltend zu machen. 

Doppelzinnen, s. Zinnigenmuster. 

Dorchester, Hauptstadt in der engl. Grafschaft Dorset: Tuchfabriken. 

Dordrecht, Handelsstadt der niederl. Prov. Südholland: Leinen. Im 
Mittelalter die reichste und wichtigste Handelsstadt des Landes. 

Doreas, Drurias, Durias, eine Gattung ostindischer Musseline oder Nes- 
seltücher, welche ehedem durch die Engländer, Franzosen, Holländer und 
Dänön von der Küste Coromandel und aus Bengalen in grosser Menge nach 
Europa gebracht wurden, später aber durch englische, schweizer und sächsische 



158 Dorelot — Doublieren. 



Musseline verdrängt worden sind. Aehnlich sind diesen Zeugen Bethilles 
(s. dort). 

Dorelot, (franz.), Haarnetz der Frauen und Mädchen. 

Doreloterie (vom franz. : doreloter, verzärteln), allerlei Bandwaren und 
Fransen. 

Dorfcaffard, Bauerncaffard, oder wie man das Gewebe in Frankreich 
nennt, Caffard de village, ein grober Stoff, entweder ganz aus Wolle, oder aus 
Wolle und Leinen; er dient besonders zur Kleidung für Landleute. 

Dorlisheim, Dorf im TJnterelsass : Woll- und Baumwollfärberei, Appre- 
turwerkstätten. 

Dornach, Fabrikort bei Müblhausen im Oberelsass: bedeutende Baum- 
woU- und Wollspinnereien, sowie -Webereien, Packleinwandfabriken; Anferti- 
gung von Garnen. Eine wertvolle Sammlung älterer Gewebe, Stickereien, 
Spitzen und Posamenten besitzt die Firma Dollfuss Mieg u. Co. 

Dornbirn, Marktflecken in Oesterreich (Vorarlberg) : bedeutende Baum- 
wollspinnereien und mechanische Webereien, Kattundruckereien. K. K. Sticke- 
reischule. 

Dorneck, Bezirk im Schweiz. Kanton Solothurn: Seidenweberei. 

Dornenkranz, Dornenkrone , (franz. : couronne d'epines ; engl. : thorn- 
crown), als Attribut Christi und vieler Heiligen. 

Dorniks, eine Art Taffetleinen aus schottischen Manufakturen, eine 
Nachahmung der zu Dornik in Holland verfertigten Tischtücher oder Damaste. 

Dorsal, (franz.: dorsal, dossier; engl.: dorsel, dosel; lat. : dorsale, dos- 
sale, dossile), Bückenteppich, das Bücklaken (s. d.) ; auch Bückenkissen, daher 
im Lateinischen gestickter Teppich. 

Dorser (engl.), Bückenkissen. 

Dorsetteens, gemischter englischer Stoff, dessen Kette aus Kammgarn, der 
Einschlag aus Seide besteht; er findet in Spanien, Portugal und Südamerika 
Absatz. 

Dorsten, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Münster: Garnbleichereien, Fabri- 
kation von Teppichen. 

Doruses hat im französischen Handel verschiedene Bedeutungen: reiche 
Stoffe, Spitzen, Points d'Espagne, Bourdalones ; Achselbänder oder Epauletten, 
Tressen, reiche Stickereien und dergl. Dourure fine ist die echte gold- und 
silberreiche Ware: Dourure fausse die unechte oder leonische. 

Dosia oder Mao-ma sind chinesische wollene gestrickte Strümpfe, ohne 
Fuss- und Wadenform. 

Dosinken, Dogens, werden in Hamburg, Lübeck und Bremen, die Kir- 
seys und die sogen. Duzendlaken aus England genannt, womit wollene Tuch- 
stoffe gemeint sind. 

Döskin, Winterbukskin, ein mit Satinbindung und Streichwolle ge- 
webtes, tuchartiges Gewebe, welches im x4ussehen zwischen Tuch und Satin steht. 

Dossal, franz. eine Art Mantel, welcher im frühen Mittelalter von den 
vornehmen Ständen getragen wurde. 

Double Atlas ist in England eine Sorte Papier zum Kupferdruck. 

Double meches (Reunion), s. Kammgarnspinnerei. 

Doublerie oder Doubles oeuvres, auch Linge ouvre heisst in Frankreich 
durch Modeldruck gemusterte Leinwand. 

Doublerium, (lat.) (franz.: doubliere); doppeltes Tischtuch. 

Doublestoff, s. V. m. Doppelgewebe (s. d.), besonders auch ein zu Da- 
menmäntelu benutzter sehr dicker Wollstoff. 

Doublet, (franz.), (lat. : doubletus ; engl.: doublet); urs^Drünglich aus dop- 
pelter Leinwand oder Baumwolle bestehender, von beiden Geschlechtern ge- 
tragener Ueberwurf oder Bluse. Im 16. Jahrh. scheint der Name übertragen 
zu sein auf eine eng anschliessende, bis auf die Hüften herabreichende Jacke 
mit oder ohne Aermel. 

Doublieren, (franz.) verdoppeln, aber auch im weiteren Sinne verviel- 
fachen, ein dem Zwirnen des Garns, namentlich der Seide, vorausgehendes 



Doubliermaschine — Drahtgewebe. 1 59 



Verfahren, nach welchem so viele Fäden, als zusammengedreht werden sollen, 
zusammengeführt und parallel nebeneinander liegend auf eine gemeinsame 
Spule gewunden werden; auch diejenige Operation der Spinnerei, durchweiche 
eine Anzahl von AVatten oder Bändern zu einem Ganzen verarbeitet werden 
(s. Spanien). 

Doubliermaschine, s. Spinnerei und Seide. 

DoublingS (engl.), IJnterfutter der Staatskleider. 

Doublure (franz.), Futter, Unterfutter eines Kleidungsstückes; auch Be- 
zeichnung für Tapetenleinwand. 

Doublure, ein weisser und grober Wollenstoff, der in Frankreich zur 
Kleidung der Truppen dient. 

Douillon (franz.), die geringste Sorte von Schafwolle: Ausschuss. 

Doullens, Hauptstadt des Arrond. D. im franz. Depart. Somme : Baum- 
w^oUspinnereien. 

Doupions, im franz. Handel die vierte und geringste Sorte der Seide 
von Alais, welche zu Cordeline oder sogen. Grenada verarbeitet wird. 

Dourdan, Hauptstadt im Arrond. Bambouillet des franz. Depart. Seine- 
et-Oise: Baumwollspinnereien, Fabrikation von Strumpfwaren. 

DouSOUtis, Dussutus, Doesootjes, eine der besten Sorten weisser ostin- 
discher Kattune, welche ehedem die Engländer in Mengen aus Ostindien brachten. 

Doutis, Dotis, Dutys, gewöhnlicher ostindischer Kattun, welcher früher 
häufig durch den englischen, französischen und holländischen Handel nach 
Europa kam. 

Douzaine (draps de) heissen in Frankreich die Halbtücher, 

Dover, Hauptstadt des County Strafford in Amerika: Fabrikation von 
Kaschmirs. 

Dowlas, werden in England die schAversten, dicht gewebten Sorten der 
Leinwand aus Deutschland genannt, welche früher in grossen Mengen aus der 
Lausitz und Schlesien nach England gingen, jetzt aber geringeren Absatz dort 
finden, weil die Ware in Irland gemacht und unter der Benennung Irish 
Linnen im Handel vorkommt. Die deutschen Dowlasstoffe entsprechen fast 
der nämlichen Güte wie die Creas (s. d.). In England und Nordamerika wird 
dieser deutsche Artikel noch in Loom Dowlas, den schwersten, in SIeeked 
Dowlas, den etwas leichteren und in E,ough Dowlas, den gröbsten und stärk- 
sten Stoff dieser Art verwendet. 

Doxale oder doxallum (lat.), rotes Altartuch. 

Drache, (lat. : draco ; franz. : dragon ; engl. : dragon) ; ursprünglich die 
geflügelte Riesenschlange: das Fabeltier fast aller alten Völker, dem auch die 
geflügelte Eidechse zu Grunde zu liegen scheint. Das Stoffmuster übernimmt 
den D. schon im frühen Mittelalter aus China, wo er zu den heiligen Tieren 
gezählt wird und mit 5 Krallen vom Kaiser und den ihm nächst stehenden 
Prinzen als Wappen geführt wird. Auch Japan (s. d.) übernimmt den D. als 
Kunstform und Wappentier, wo er als letzteres mit 3 Krallen dargestellt er- 
scheint. (Abbildungen s. unter Japan.) 

Draht, s. Drahtgewebe, Goldgespinste. 

Drahtgewebe, Metalltuch, Metallgewebe, ein mit w'enigen Ausnahmen 
nur aus Eisen- und Messingdraht in Grössen 10 bis 30 und noch mehr Meter 
Länge und 220 — 1500 mm Breite liergestelltes, meist glattes, selten geköpertes 
Gewebe. Je nach dem Gebrauch ist das Material und das Gewebe verschieden. 
Die gewöhnlichste Webart ist die einfache Siebform, bei welcher die Kett- 
fäden nicht bloss dieselbe Stärke, sondern auch denselben Abstand von einander 
haben wie die Einschussfäden ; hierzu gehören die Metallgewebe für die Papier- 
fabrikation mit Formdrähten (ä vergeure) ; die zweite Form zeigt die Kett- 
fäden stärker als die Schussfäden, sie stehen in gleichen Abständen von einander: 
die Schussfäden sind nach Art der Korbgeflechte so eingeschlagen, dass die 
Fäden dicht aneinander liegen. Sie dienen zu den sogen. Waschscheiben. 
Die" Herstellung erfolgt (bei Eisendraht in durch Ausglühen erweichtem Zu- 
stande) teils auf Stühlen, sogen. Siebmacherrahmen, die nur die Anfertigung 



\Q0 Drahtwebstuhl — Draps de Berry, 



von 2 m Länge nicht übersteigenden Stücken gestatten, teils auf solchen, 
mittelst deren man endlose Gewebe zu liefern imstande ist und die meist mit 
dem gewöhnlichen Leinweberstuhl Aehnlichkeit haben. 

Drahtwebstuhl, s. Drahtgewebe. 

Drama, Hauptstadt im türk. Wiiajet Saloniki: Baumwollbau und -Spin- 
nerei. D. liegt an der Stelle des alten Drabeskos. 

Dramburg, Kreisstadt im preuss. Reg.-Bez. Köslin: Tuchfabrikation. 

Drammen, Seestadt in Norwegen: Baumwollspinnereien, Weberei; aus- 
gedehnter Handel mit England und Holland. 

Drap, Draperie, (franz.), im deutschen eigentlich Tuch oder Tuchwaren, 
im englischen cloth. In Frankreich nennt man im allgemeinen verschiedene 
schwere seidene und wollene Gewebe Draps, im engeren Sinne versteht man 
darunter aber auch Tuch und verschiedene Arten ähnlicher Zeuge. Dabei 
teilt man im Handel alle Wollengewebe in die grosse und in die petite draperie 
und sammetartige Zeuge : etoffes veluntees. Zur grossen Draperie rechnet der 
Franzose sowohl die draperie commune, als auch die draperie fine; die beiden 
letzten Arten werden nach ihren Fabrikation Sorten auseinandergehalten. Die 
petite draperie wird in Frankreich je nach der Verarbeitung des Materials in 
einfache (unie) und geköperte (croise) eingeteilt. Die TJniesorten bestehen in 
gröberen Kamelotten, Berkanen (wollenen und seidenen), in einfachen und 
anderen Etaminen, und sogen. Damis aus verschiedenen Fabriken. Die ge- 
köperten Sorten bestehen in Sergen, Minorquen, Prünellen, Kalamanken, Tür- 
kisen, Merino, Thibet, Cassinet, Circassia u. s. w., aus den verschiedensten 
Fabriken. 

Drap Imperial, ein ganz feines ungeköpertes Halbtuch aus Aachen, Mont- 
joie, Eupen, Verviers u. s. w. 

Drap Zephir, eine Gattung feines Damentuch, sowohl einfach, als auch 
geköpert; die geköperten Sorten sind eine stärkere Ware Kasemir ; sie ähnelt 
dem Draps Cachemirs. 

Draps ampastelees heissen in Frankreich alle die wollenen Tuche, welche 
eine Grundfarbe mit Waid erhalten und dann erst mit Indigo gefärbt werden. 

Draps Cachemirs, ein feines Halbtuch zu Damenmänteln und Sommer- 
kleidern; dasselbe wird zuweilen geköpert gewebt und ist alsdann eine Art 
Doppel-Casimir. 

Draps Cesar, ebenfalls feine Halbtuche. 

Draps chats heissen diejenigen französischen Tuche, bei welchen die Kette 
von weisser, der Einschuss aber von Wolle der braunen, schwarzen oder 
rötlichen Schafe genommen wird; sie können daher nicht anders als schwarz 
gefärbt werden. 

Draps croises heissen geköperte Tuche auf holländische Art, die zu Viviers 
und an mehreren Orten im ehemaligen Languedoc gefertigt werden. Ihr 
stärkster Verbrauch ist zu Truppenkleidungen, da der Artikel sehr dicht 
und dauerhaft. 

Draps croises double broches sind wollene Köpertuche , die besonders 
in der ehemaligen Dauphine gewebt werden. 

Draps d'Abbeville, Tuche aus Abbeville gehören sowohl ihrer Webart, als 
auch der dauerhaften Farbe und der Appretur wegen zu den besten fran- 
zösischen Fabrikaten ihrer Art; die Draps fins werden ganz aus spanischer 
Leonesawolle gewebt und mit einem blauen Sahlbande und vier Aurorafäden 
bezeichnet; auch ist gewöhnlich der Name des Fabrikanten eingestickt. 

Draps d'A 1 1 i a n c e , eine früher gebräuchliche Sorte geflammter Tuche, welche 
in Frankreich und Deutschland gemacht wurden. 

Draps d'Amiens, feine Tuche aus den Manufakturen von A. 

Drap d'Andely, franz. Tuche und verwandte Zeuge, die in der Normanäie 
gewebt werden; es sind teils sehr feine, aber auch Halbtuche, welche auf 
englische Art gefertigt und zugerichtet werden. 

Draps d'argent s. ßrokatstoffe. 

Draps de baye oder boye nennen die Franzosen einen schwarzen fest- 
geschlagenen und dichtgewalkten Wollenstoff, welcher stark gerauht, nur 
wenig geschoren wird und wenig Presse erhält, daher ein rauhes, langhaariges 
Aussehen hat und nur zu Trauerkleidern verbraucht wird. 

Draps de Berry oder Double breche sind geköperte, dicht geschlagene 



Draps de Chateaux roux — Draps de Sedan. 161 

und festgewalkte Halbtuche oder auch eine Art Doppel-Casimir, von ver- 
schiedener Feinheit, welche vornehmlich zu Frauenüberröcken und Sommer- 
kleidern verbraucht werden. 

Draps de Chateau roux, auch Draps de chateau du Parc genannt , nach 
gleichnamiger Stadt benannt, sind wegen ihrer Güte und ihrer Dauerhaftig- 
keit sehr geschätzt, die feinste Sorte (du Parc) ist ganz aus spanischer Wolle 
und nach Art der Tuche von Sedan und Elbeuf gewebt. 

Draps de coton, ein brauner wollener Stoff aus Troyes. 

Draps de dames sind locker gewebte und leicht gewalkte Tuche aus feiner 
zweischuriger Wolle und feinem Gespinst, welches zur Kette fest und links 
gedreht, zum Einschlag aber locker und rechts gedreht, genommen wird. 
Früher wurde dieser Artikel nur in schwarzer Farbe zu Trauerkleidern ver- 
kauft. 

Drap d'Elbeuf, feine Wollentuche aus der Stadt gleichen Namens ; sie werden 
aus drei Teilen spanischer, mit einem Teil Wolle aus Portugal, Roussillon 
und ßerry vermischt, gewebt, auf holländische Art appretiert. Die meisten 
dieser Tuche werden in Frankreich selbst verbraucht. 

Drap d'Ete ist ein Stoff von weichem Garn, der in Gera gefertigt wird. 

Draps d'Evreux, aus den gleichnamigen Manufakturen, nach Art der von 
Louviers gewebt und appretiert, von welchen sie sich nur durch eine blaue 
Sahlleiste mit weissem Band unterscheiden. 

Draps de Gobelins nennt man in Frankreich die feinsten Scharlachtuche, 
welche ehedem in den vornehmsten Tuchmanufakturen zu Sedan, Louviers, 
Abbeville, sowie in der Gobelinfabrik zu Paris aus ganz feiner spanischer 
Wolle gefertigt wurden und vor Zeiten in Menge nach England, Italien und 
Spanien gingen. 

Draps de gros bureau sind grobe schwarze, weisse oder graue französische 
Tuche, die zur Kleidung der Landleute gebraucht werden. 

Draps des hommes, eigentlich Drap pour homme, schwarze wollene Tuche, 
die den Draps de dames gleichen, aber gröber sind, und den Männern zur 
Trauerkleidung dienen. / 

Draps de Juliemes nennt man alle Tuche und ähnliche Stoffe, die in den 
Gobelins zu Paris verfertigt werden. 

Draps deLanguedoc. Die ehemalige Prov. L., welche jetzt die Departements 
Ardeche, Aude, Gard, Haute-Garonne, Lozere, Herault und Tarn ausmacht, 
hat sehr wichtige W^ollenmanufakturen, von welchen besonders die Tuche einen 
sehr starken. Absatz nach der Levante, nach der Berberei, nach Italien, Spanien, 
Westindien und Amerika haben. Die gangbarsten unterscheidet man durch 
folgende Namen: Mahouds, Londrines, Seizaines und Nimes, die sich durch 
Wolle, Breite und Aufmachung voneinander unterscheiden. 

Draps de Louviers, sehr feine französische Tuche aus L., welche denen von 
Abbeville gleichkommen und sich durch vorzügliche Güte, Dauerhaftigkeit 
und schöne Appretur auszeichnen; sie werden ganz aus spanischer Segovia- 
Leonesawolle gewebt und durchgängig in der Wolle gefärbt; jedes Stück ist 
auf beiden Enden mit dem Namen des Fabrikanten und der Stadt Louviers 
bezeichnet, welche dort vor der Walke des Tuches eingestickt werden. Die 
gelben Leisten der Sahlbänder haben blaue Streifen; auf alles dieses, sowie 
auf den Bleistempel, welcher auf der einen Seite die Inschrift Bureau de 
Louviers, Manufacture reglee, auf der anderen Seite das Wappen enthält, 
und den ganzen Stücken angehängt wird, ist beim Einkauf genau zu achten, 
weil andere Fabrikanten die Louvierstuche nachmachen und den Namen 
Louviers und den eines bekannten Manufakturisten in schon gewalkte und 
appretierte Stücke sticken lassen. 

Drap monstre, engl. Hammercloth , besonders starke und dichtgewebte und 
gewalkte Tuche zum Ueberziehen der Fortepiano- Hämmerchen als Ersatz der 
BelederuDg. Aachener Tuchfabriken liefern dieselbe Ware. 

Draps de Montagne sind gemeine französische Tuche, die besonders um 
Limour gewebt und auf den Messen zu Beaucaire, Pezenas und Bourdeaux 
abgesetzt werden. Das meiste davon wird in verschiedenen Gegenden der 
ehemaligen Provence und nach Italien ausgeführt. 

Draps de Sedan, feine französische Tuche aus Sedan, in verschiedenen Sorten, 
jedoch alle aus feiner , spanischer Wolle auf holländische Art gearbeitet und 
appretiert. Die schwarzen Tuche von Sedan gehören, sowohl in Rücksicht 
aut die Farbe, als auf ihre Dauerhaftigkeit, zu den vollkommensten Geweben 
dieser Art; man verfährt aber auch beim Färben mit der grössten Vorsicht 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. . II 



162 Draps de Silesie — Dreipass. 



und kein Stück darf verkauft werden, ehe es bei der Schauanstalt aufs ge- 
naueste untersucht ist; dies gilt auch z. T. von scharlachroten und blauen 
Tuchen, welche vormals, wie die schwarzen, häufig nach England gingen. 
In Schwarz, Scharlachrot und Königsblau hatten überhaupt vor der ersten 
Revolution die französischen Tuche einen entschiedenen Vorzug vor den eng- 
lischen und den deutschen, was lange aufgehört hat. 
Draps de Silesie sind französische Tuche, die den schlesischen nachgemacht 
werden. Abbeville, Rheims und umliegende Ortschaften liefern diese Ware. 
Drap deSoie; unter dieser allgemeinen Benennung begreift man meistens alle 
schweren , in der Regel geköperten Seidenzenge und Armüren , welche zu 
Kleiderstoöen getragen und in sehr grosser Mannigfaltigkeit gefertio^t werden, 
wenngleich ihr Verbrauch durch wollene und baumwollene Stoffe sie ver- 
drängt haben. Die gewöhnhchsten dieser Draps de Soie sind Cote satinee, 
Royale, Serge de Rome, Croisee u. s. w. ; auch hierin erscheinen fortwährend 
neue Artikel unter den willkürlichstenBenennungen, meistens in schwarzen Stoffen. 
Draps de Vire, eine Art geringer Tuche, die in Vire in der ehemaligen Nor- 

mandie gemacht werden. 
Draps de Wilton sind feine englische Tuche. 
Draps petits, petit Draperie s. Draps. 
Drapier-Wolle, im holländischen Handel die einschürige Schafwolle, welche 

zu Tuchen und ähnlichen Zeugen dient. 
DrappO; Drappi heissen in Italien die wollenen Tuche, welche zu San Severino, 

Pergola, Narni, Norcia, Fabriano u. s. w. gewebt werden. 
Drappi di seta sind in Italien allerlei seidene Zeuge. 

Drappi spolinati heissen daselbst broschierte seidene Stoffe mit echtem Gold 

und Silber durchschossen, bei welchen die Kette von Organsinseide, der Schuss 

von Trameseide gemacht wird ; man macht sie vorzüglich zu Neapel, Venedig 

und Messina. 

Drap de faim, (franz.) Hungertuch, Fastentuch (s. d.); d. mortuaire 

(franz.), Leichentuch. 

Draperie (franz.), (engl. : drapery) ; eine Dekoration, s. Innendekoration. 
Drapieren, (franz.), mit Stoffen bekleiden, Gewänder künstlerisch in 
Falten legen. 

Draw-Boys, ein geköperter, fagonierter Wollenstoff, eine Sorte geblümter 
Lasting aus den Manufakturen von Yorkshire. 

Drebach, Dorf in Sachsen bei Chemnitz : Fabrikation von Spitzen und 
Strumpfwaren. 

Dreget, Sammetmesser oder Sammethaken, ein messerartiges Werkzeug 
zum Aufschneiden der Sammetmaschen zur Herstellung des geschnittenen oder 
gerissenen Sammets. 

Dreiband, Driband, s. Flachs. 

Dreibindig heisst ein Köpergewebe, wenn der Einschlagfaden unter zwei 
Kettenfäden hinweg und erst über den dritten hinwegläuft (s. Tafel XY und 
Artikel „Bindungen"). 

Dreichorig heisst ein gemusterter Stoff, dessen Muster durch drei ver- 
schiedene Figuren gebildet wird. 

Dreidraht nennt man in einigen Gegenden Deutschlands die geköperten 
flächsenen oder hänfenen Zwilliche, welche mit vier Schäften einfach, ohne 
Muster, gewebt werden. 

Dreikronentücher, heisst eine Sorte mittelfeiner, lockergewebter und 
leichtgewalkter Tuche, welche von den niederländischen, sächsischen und böh- 
mischen Tuchfabriken für den levantiner Handel, mit weiss und blauen Sahl- 
leisten, meistens in hellen Farben verfertigt werden. Es ist eine Gattung 
dicker Mahouds, gewöhnlich aus zweischüriger Wolle, im Stücke gefärbt,'^ auf 
dem Spiegel mit drei Kronen in Gold oder Seide gezeichnet, auf dem Blei- 
stempel gleichfalls drei Kronen führend. 

Dreipass, (franz. : tierce-feuille, rond-trefle ; engl. : round trefoil, clover), 
im gothischen Stil drei um ein gleichseitiges Dreieck gelegte Dreiviertelkreise, 
die in einen grossen Kreis gestellt sind und dessen Halbmesser zum Durch- 
messer haben. Besteht die Figur aus vier Bogen und vier Ecken, so heisst 
sie Vierpass. Vergl. den Artikel Passfelder im Stoffmuster. 



Dreischneuss — Droguet. 163 



Dreischneuss, eine gotische Rosette, die aus drei in einem Kreis neben- 
einander liegenden Fischblasen besteht. 

Dreissiger nennt man die wollenen Tuche, deren Kette aus hundertmal 
30, oder überhaupt aus 3000 Fäden besteht. 

Drell, Drill, Drillich, Zwillich, (franz. : treilhs ; engl. : drill) , hiessen ur- 
sprünglich alle gemusterten Leinengewebe, welche mit Trillen (ohne Zugstuhl 
und Jacquardmaschine) hergestellt wurden. Die Muster sind einfach und klein 
und durch Köperbindung erzielt. Jetzt benutzt man die kleine Jacquardein- 
richtung, wodurch eine an Damast erinnernde Zeichnung ermöglicht wird. 
Der Unterschied von Drillich und Zwillich besteht darin, dass ersterer nur 
glatten, fortlaufenden, vierschäftigen Köper ohne Muster hat, letzterer gemus- 
tert und mit soviel Schäften gewebt ist, als die Grösse der Muster erfordert. 
Die D. werden aus Leinen, oder aus Leinen und Hanf, jetzt am meisten aus 
Leinen und Baumwolle gemacht und kommen in verschiedenem Zustande in 
den Handel, sind entweder roh oder weiss gebleicht, durch Hinzunahme far- 
bigen Grarns gestreift, quadrilliert, meliert u. s. w. Im allgemeinen ist D. ein 
dreibindiger Köper, auf dessen rechter Seite zwei Drittel der besonders faden- 
reichen Kette sichtbar sind. Man unterscheidet Sackdrillich, ein grober 
ungebleichter, drei- oder vierbindiger Köper; Bettdrillich, gebleicht oder 
ungebleicht, bald in der Art des fünfschäfrigen Atlasses gewebt (Atlas-D.), 
bald mit Köperstreifen; Tischdrell, verschiedenartig geköpert oder atlasartig 
gewebt; Schachung mit schachbrettförmigen Mustern, sogen. Steinmustern; 
Handtuchdrell, meist mit Steinmustern in vierbindigem Köper (Zwillich- 
grund) oder fünfschäftigem Atlas, auch gestreift oder mit allerlei kleinen 
Mustern. Ausserdem nennt man D. auf zahlreiche Arten in der Kette Baum- 
wolle, im Einschlag aus Leinengarn b^tehender oder auch ganz baumwollener 
Zeuge, die statt leinenem D. zu Tafelzeug, Bettzeugen u. s. w. Verwendung 
finden. Während früher die Fabrikation von Drell einen besonderen Zweig 
des Webereihandwerks bildete, wird sie gegenwärtig fast nur noch im Grossen, 
mit Hilfe von Maschinen ausgeführt. 

Dresden. Das Königl. Kunstgewerbemuseum, gegründet 1875 (Direktor: 
Geh. Hofrat Prof. C. Graff; Yorst. : Prof. Dr. Berling), enthält eine be- 
deutende Sammlung von Geweben, Stickereien, Spitzen und Teppichen aller 
Zeiten und Völker. Die hiermit in Verbindung stehende Königl. Kunstgewerbe- 
schule (Direktion wie vorher) legt besonderes Gewicht darauf, Musterzeichner 
für die Textilkunstindustrie auszubilden. (Semester 30 M., Ausländer 45 M.) 

Dressingmaschine, eine Art Kämmmaschine zur Zubereitung von Florett- 
seide; in der Tuchfabrikation Bürstmaschine zum Aufstellen der Fasern vor 
dem Scheren. 

Drieband, s. Flachs. 

Driesen, Stadt im preuss. Peg.-Bez. Frankfurt in der Neumark: Tuch- 
und Leinwandfabrikation. 

Driffield, Ort in der engl. Grafschaft York: Fabrikation von Baumwoll- 
und Seidenwaren. 

Drill, s. V. w. Drell (s. d.). 

Drillich, s. v. w. Drell (s. d.). 

Drogheda, Stadt in den irischen Grafschaften South und Meath : Flachs- 
spinnereien, eine grosse Baumwollfabrik. 

Droghetto, in Italien der Basch und Halbrasch, welcher aus Deutsch- 
land, besonders aus Schlesien, dem Glazischen und aus Mähren bezogen wird. 

Droguet ist der allgemeine Name mehrerer Gattungen gemusterter oder 
figurierter Stoffe, welche teils ganz aus Seide, oder halb aus Seide und halb 
aus Baumwolle, teils ganz aus Schafwolle, oder von Leinen, von Baumwolle 
und Schafwolle, geköpert und leinwandartig in Frankreich, England, Holland, 
Deutschland und in der Schweiz, in grosser Menge und Verschiedenheit ge- 
fertigt werden. Demnach ist D. ein unendlich weitschichtiger Begriff, unter 
den' sich eine grosse Menge von Stoffen, z. B. die ganze Fülle der gemischten 
Zeuge einordnen lassen. 



164 Dromore — Düffel. 



Dromore, Stadt in der irischen G-rafschaft Down: Fabrikation von 
Leinen und gestickten Musselinen. 

Drosin, ein holländischer Burat, im Volksmunde einiger Gegenden auch 
Klütjenstoff genannt, welcher häufig von den Mennoniten getragen wird. Die 
Blankeneser unterhalb Hamburgs nennen es Wiederschall, d. i. Wiederschein. 
Der bunte D. heisst holländisch Monk. 

Drosselstuhl ist in der Spinnerei eine Watermaschine, (Feinspinnmaschine). 

Drossen, Stadt im preuss. E,eg.-Bez. Frankfurt : Wollspinnerei und Tuch- 
fabrikation. 

Drouero, Stadt in der ital. Prov. Cuneo: Seidenbau, Leinenweberei. 

Droylsden, Stadt in der engl. Grafschaft Lancashire: Kattunweberei, 
Baumwollspinnerei und Färberei. 

Druckblau, Handelsbezeichnung für einige Induline, d. s. Farben für 
Zeugdruck. 

Drucken, s. Zeugdruck. 

Druckleinwand, leicht und locker gewebte Leinenzeuge für den Druck 
bestimmt, die auch unter dem Namen Druckschleier in den Handel kommen. 
Im allgemeinen jede Leinwand, die kattunartig mit bunten Farben auf dunkel- 
blauem Grunde gedruckt werden soll. Sie wird in allen Gegenden Deutsch- 
lands gefertigt und auch gedruckt. 

Druckstoffe, s. Zeugdruck. 

Druckwalke, auch Kurbelwalke, jene Art der in der Tuchfabrikation 
zum Verfilzen des Loden verwendeten, Walken genannten Vorrichtungen, bei 
welchem die Bewegung von einer Kurbel ausgeht und daher ein Druck anstatt 
eines Stosses ausgeübt wird. 

Dschabalpur, Hauptstadt des Distrikts D. im indobrit. Reich: bedeu- 
tende Baumwoll- und Teppichwebereien. 

Dschaipur, Hauptstadt des Fürstentums D. im indobrit. Beich: Mus- 
selin- und Kattunfabrikation. 

Dschanemaz, persischer Name für den Gebetteppich (s. d.). 

Dschedim, gewöhnlicher Kilim; er besteht aus schmalen, gewirkten 
Streifen, die zusammengenäht sind. 

Dschouschegan , Ort, welcher südwestlich von Kaschau in Kleinasien 
gelegen ist , in welchem ehemals Knüpfteppiche erzeugt wurden , welche den 
besten aus Teheran ähneln (s. d.). Sie stammen aus dem Ende des 18. und 
Anfang des 19. Jahrh. Ende der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts ist 
D. zu Grunde gerichtet. 

Dschubbe (arab.), das aus Tuch oder Wollstoff angefertigte Obergewand 
des orientalischen Mannes. Es wird vorn offen getragen, hat enge, nicht ganz an 
das Handgelenk reichende Aermel, aus dem die Aermel des Unterkleides Entari 
(s. d.) hervorragen, und reicht bis zu den Knöcheln herab. In Syrien ist D. 
heute ein bis auf die Füsse herabreichender europäischer Mantel mit weiten Aermeln. 

Dschujnabe werden in Zentralasien Knüpfteppiche aus Turkmenen genannt. 

Dschut, s. V. w. Jute (s. d.). 

Dubliertes Garn, s. Zwirn. 

Dublin, Hauptstadt von Irland: Leinenindustrie. 

Duchessespitzen , viel in den Niederlanden, besonders in Brügge her- 
gestellte Spitzen, deren Figuren einzeln geklöppelt, dann mittels picots- 
geschmückten brides zusammengesetzt sind und deren Grund stellenweise mit 
der Nadel ausgearbeitet (s. Spitzen). ^ 

Duck (engl.), s. Segeltuch. 

Duderstadt, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Hildesheim: Fabrikation von 
Flanell, Woll- und Baumwollstoffen. 

Düffel, Tüffel (Sibisienne), ein dicker, langhaariger und ungeschorener 
Wollenstoff, eigentlich eine gewöhnliche Sorte Kalmuck, von welchem er sich 
nur durch etwas kürzere Haare unterscheidet; derselbe wird tuchartig glatt, 
wie auch geköpert gewebt und erhält durch eine besondere Appretur eine 
glänzende Oberfläche. Der Stoff wird in England und Deutschland gefertigt. 



Duisburg — Durchzug. 165 



Duisburg, Stadt im preuss. Eeg.-Bez. Düsseldorf: Baumwollspinnereien 
und Webereien, Gazestofffabrikation, Färbereien. 

Dukinfield, Stadt in der engl. Grafschaft Chester: Baumwollspinnereien. 

Dukla, Stadt in Galizien: Tuch- und Leinwandfabrikation. 

Dulbend (pers.) oder Tülbend, Tüllbund, der Turbanbund, ein Streifen 
baumwollnen oder seidenen Zeuges, das im Orient um die tassenförmige filzene 
Kopfbedeckung, die Kappe (Kank) der Männer gewunden, dieser die Turban- 
gestalt gibt. Die Dulbendmacher (Dulbendschian) stehen unter dem Patronate 
des Propheten, welcher vor seiner Verheiratung in Syrien mit D. handelte. 
Grösse und Farbe des D. bezeichnen den Unterschied der Stände, doch kommt 
derselbe nach Einführung des Fes (s. d.) immer mehr ab. 

Dülken, Stadt im preuss. Eeg.-Bez. Düsseldorf: Fabrikation von Seiden- 
und Sammetwaren, Plüsch, Zwirn und Leinenwaren; Flachsspinnereien, Baum- 
wollspinnereien, Färbereien und Appreturen. 

Dülmen, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Münster in Westfalen: Leinwand- 
fabriken, Färbereien. 

Dumbarton, Hauptstadt der schottischen Grafschaft D.: Kattundruckereien, 
Bleichen. 

Dumfries, Hauptstadt der schottischen Grafschaft D.: Woll- und Strumpf- 
warenfabrikation. 

Dundee, Stadt in der schottischen Grafschaft Forfar: Hauptsitz der 
Leinenindustrie und des Leinwandhandels von Grossbritannien. Es beschäftigt 
in seinen Leinwand-, Drillich-, Segeltuch-, Beuteltuch- und Sacktuchfabriken 
gegen 25000, in der Juteweberei über 20000 Arbeiter, hat Seilereien und 
Strumpffabriken. 

Dündtelmaschine , sie stellt durch Uebereinanderflechten einzelner ge- 
drehter einfacher Garne Schnüre her im Gegensatz zu der gewöhnlichen Bildung 
eines Fadens oder einer Schnur durch Drehen eines parallel gelegten Fasern- 
bün^els um seine gemeinschaftliche Achse. Sie dient zur Herstellung von 
Schnüren für den Antrieb der Spindeln an Spindelmaschinen. 

Dungännon, Stadt in der irischen Grafschaft Tyrone: Fabrikation von 
Musseline und Leinen; Flachshandel. 

Dünkirchen, (Dunkerque), Seestadt im franz. Dep. Nord: erzeugte im An- 
fange des 18. Jahrh. geklöppelte Sx^itzen, die in Paris unter dem Namen 
Malines Absatz fanden. 

Dunkles Zeug, die Jagdtücher im Gegensatz zu den Netzen, dem 
lichten Zeug, 

Dünnstoff, Dünntuch, ist die allgemeine Bezeichnung für weitläufig ge- 
webte und daher durchsichtige gazeartige Stoffe aus ungekochter, halbgekochter 
oder gekochter Seide; dieselben können glatt, broschiert, fassonniert oder mit 
spitzenartigem Dessin sein. Sie haben ihren Ursprung im Orient, 

Dunstable, Stadt in der engl. Grafschaft Bedford: Spitzenfabrikation. 

Dunsters sind englische wollene Tuche aus Sommertshire. 

Duplieren, s. Doublieren. 

Dupliermaschine, s. Spinnerei. 

Durances, englische wollene Zeuge von verschiedener Farbe, die beson- 
ders nach Spanien ausgeführt werden. 

Durant wird in einigen Gegenden der Kalmank (s. d.) genannt. 

Durantini, in Italien die Cadiszeuge, welche daselbst häufig aus Frank- 
reich eingeführt und verbraucht werden. 

Durchbrucharbeit (franz.: ä jour; engl.: cage-work; lat.: diacoptus, durch- 
brochen gearbeitet, unterschnitten), sie entsteht im gewebten Stoff durch Aus- 
ziehen, Ausschneiden und Umsticken von Fäden; ihre künstlerische Nutzbar- 
machung geht vom frühesten Altertum mit der Weiss- und Leinenstickerei 
(s. d.) zusammen, daher ist sie als Vorläufer der Spitzennäherei anzusehen: 
point coupe (s. a. Hohlsaum). 

Durchschuss, s. v. w. Einschlag. 

Durchzug, s. V. w. Flachsstreckmaschine. 



166 Durham — Echarpes. 



Durham, Haupstadt der engl. Grrafschaft D.: Fabrikation von Teppichen. 

Dürois (franz.), Bezeichnung eines glatten Stoffes von hartem Kamm- 
garn, eine Art Tamis, dicht geschlagen und geglänzt, der früher in Amiens ge- 
fertigt, viel nach Spanien ging, wo er zu Sommermänteln verwendet wurde. 

Dursley, Ort in der engl. Grafschaft Grloucester: Wollindustrie und 
Tuchfabrikation. 

Durujeh, Duruje (persisch) := zweigesichtig, werden in Persien die 
nach Art der Kilims doppelseitig gemusterten Teppiche genannt. 

Dushawalla wird in Ostindien der oberste Shawlarbeiter gienannt. 

Düsseldorf, Hauptstadt des gleichnamigen preuss. Keg.-Bez.: Das Kunst- 
gewerbemuseum, gegründet 1882, vom Zentral-(xewerbeverein erhalten (Dir. : 
Heinrich Frauberger) enthält eine bedeutende Stoffsammlung, worin sich 
wertvolle Gewebe des frühen IVlittelalters befinden. Auch sind die folgenden 
Perioden, sowie Stickereien, Spitzen und Teppiche aller Zeiten reichlich ver- 
treten. Die Sammlung ist grösstenteils durch den verstorbenen Kaplan Dr. Franz 
Bock zusammengebracht. 

Dutsch-BIankets, s. Bettdecken. 

Duxer Strümpfe, feine wollene Strümpfe von zwei-, drei-, vier- und 
mehrdrähtigem Garn aus einschüriger Wolle, dicht gewalkt, meist geschwefelt 
oder blau gefärbt, gut geschoren, welche die Meisterschaften zu Dux, Ober- 
leutersdorf, Töpplitz, Grauppen und an mehrere u in diesem Teile Böhmens 
liegenden Ortschaften verfertigen. Vorzüglich schätzt man die aus Dux selbst, 
weil sie sehr fein sind und den englischen Strümpfen nichts nachgeben. 

Dybäg, s. Dibadsch. 



East-London, Hauptort in der östlichen Provinz der Kapkolonie: der 
zweitgrösste Weltausfuhrplatz derselben. 

Eau Ciaire, Hauptstadt im nordwestlichen Teile des nordamerikanischen 
Staates Wisconsin: Fabrikation von Leinen- und Baumwollwaren. 

Ebersbach, 1. Dorf in Württemberg: Baumwollweberei und Spinnerei, 
Tuchfabrik. 2. Dorf in Sachsen: bedeutende Baumwollwarenfabrikation (über 
1200 mechanische Stühle in mehreren Betrieben, 450 Handwebstühle im Orte 
und 800 ausserhalb) ; Appreturanstalten. 

Ebingen, Stadt in Württemberg: Fabrikation von Baumwollsammet und 
Trikotwaren. 

Eboutage (franz.), eine Bezeichnung, die im Anfang des 18. Jahrh. für 
das Ausbessern der Nadelspitze üblich war. 

Ebuat, Dorf im Schweiz. Kanton St. Gallen: Baumwollwebereien (nament- 
lich Taschen- und Kattuntücher), Färbereien und Stickereien. 

Ecailles (franz. = geschuppt) , bezeichnet in Brüsseler Spitzen des 
18. Jahrh. eine Füllform des Grundes in Art des Schuppenmnsters , wonach 
dieselben s. Z. genannt wurden. ^ 

Ecce homo, Darstellung Christi mit der Dornenkrone. E. h. sind die 
Worte, die Pilatus dem Volke zuruft, als er ihm Jesus mit der Dornenkrone 
zeigt. Ev. Joh. 19, 5. Häufig auf kirchlichen Stickereien dargestellt. 

Eccles, Stadt in der engl. Grafschaft Lancashire: Baumwollindustrie. 

Echantillon (franz.), Stoffmuster ab schnitt. 

Echarpes (franz.), kleine Shawls oder Schärpen, welche in Seide, halbseiden ; 
Baumwolle, Wolle, einfarbig oder mit eingewirkten und aufgedruckten Mustern 
und Kanten getragen werden; ähnlich sind die englischen wollnen Scarfs (s. d.). 



Ecija— Eichenseide. 167 



Ecija, Stadt in der span. Provinz Sevilla in Andalusien : Tuch-, Flanell-, 
Leinen-, Schleier- und Seidenwebereien. 

Ecrues (franz.), ältere Bezeichnung für Blonden (s. d.). 

Ecruseide, ist Seide in unentbastetem rohen Zustande, sei es als Grrege, 
Trame, Cordonnets u. s. w. 

EdgingS (engl.), sind auf Bobbinnetmaschinen gearbeitete schmale Ansatz- 
spitzen. 

Edredon, Gewebe aus feinem Streichgarn in dreibindigem Köper, dessen 
Schuss stärker als die Kette ist. 

Eecloo, Stadt in der belg. Provinz Ostflandern: Spitzenfabriken, Plachs- 
und Wollspinnereien. 

Effekt, Wirkung, in der Stoffmusterung ein Ausdruck für besonders 
durch Technik, Musterung oder Farbe erzeugte Schönheitswerte. 

Effektzwirn, s. Zwirn (s. a. Brillantgarn). 

Effilure (franz.), die Ausfaserung des Randes eines gewebten Stoffes. 

Egalisierungstuch , in Oesterreich-Ungarn das zur Unterscheidung der 
Regimenter für Kragen, Aufschläge u. s. w. in 28 Farben verwendete Tuch. 

Eger, Stadt in Böhmen: bedeutende Fabrikation von Woll-, Baumwoll- 
und sonstigen Webwaren. 

Egrenieren heisst die Reinigung des Samenhaares der Fruchtkapseln 
von Baumwollpflanzen, welches an Ort und Stelle der Gewinnung durch Ma- 
schinen (Mühlen oder Egreniermaschinen: Cotton gin, saw gin) geschieht. Die 
Hauptteile solcher E. -Maschine sind ein mit Sägeblättern besetzter liegender 
Zylinder und ein Kasten, vorn mit eisernem Rost, zwischen dessen ßtäbe die 
Blätter greifen, die Baumwolle abstreichen und sie dann an einem Bürsten- 
zylinder wieder abstreifen. Jede amerikanische Baumwolle ausser Sea Island 
wird auf der sam gin egreniert. Allein da die Baumwolle, wenn sie nicht 
gleich der Reinigung unterworfen wird, bald anfängt zu trocknen und dann 
fest zusammenhängend, sich schwer von dem Samen trennt, so bleiben ungeachtet 
der E. -Maschine immer noch viel Samenkörner zurück, welche nachher durch 
Schlagen der Baumwolle auf Matten entfernt werden. 

Egyptienne, veralteter französischer Stoff, mit Grosdetoursgrund und 
schmalen Atlasstreifen. Man gibt diesen Namen auch einem Zeuge, welches 
aus Wolle, Florettseide und Kamelhaar gewebt ist. 

Ehewappen, s. Heiratswappen. 

Ehewerken-Tuch hiess früher in Schwaben eine Art Hausmacherleinen. 

Ehingen, Amtsstadt in Württemberg: Bleicherei; Musselinstickerei. 

Ehrenfriedersdorf, Stadt in Sachsen: Fabrikation von Spitzen, Posa- 
menten und Strumpfwaren. 

Eibau, Dorf in Sachsen: mechanische Webereien, Färbereien und 
Druckereien; Appreturanstalten. 

Eibenstock, Stadt in Sachsen: Seiden-, Tüll- und Mullstickerei mittels 
der Stickmaschinen, sowie Spitzenfabrikation mittels der Näh- und Tambourier- 
nadel. Letztere wurde 1775 durch Klara Angermann aus Thorn hier eingeführt. 
Zweiganstalt der Königl. sächs. Industrieschule zu Plauen i. V. 

Eichenseide ist das Produkt einer unter dem Namen Antheraea Pernyi 
bekannten Seidenraupe und kommt aus jenem Teile Nordchinas, von welchem 
Tschifu (Chefoo) die südöstlichste Grenze bildet. Die Eichenseide, auch chine- 
sische Tussahseide genannt, besonders in der Provinz Shantung in grossen 
Mengen gewonnen, wird zum Teil ausgeführt, teils zur Anfertigung der 
„pongee"-Gewebe verwendet. In Chefoo besteht ein nach europäischer Art 
eingerichteter Betrieb zum Haspeln und Zwirnen der für den Export be- 
stimmten Eichenseide. Shantung stellt jährlich 481280 kg mulinierter Eichen- 
seide her und gewinnt im ganzen etwa 601 600 kg. Ihrer Herkunft entsprechend 
werden verschiedene Arten von E. unterschieden. In Japan wird die Eichen- 
seide von der Antheraea Yamamay (s. d.) erzeugt. In Europa wurden früher 
zahlreiche Versuche angestellt, den chinesischen Eichenspinner einzuführen, so 
u. a. in Italien (A. Fantoni) Frankreich, Spanien, Belgien, Oesterreich-Ungarn 



1 68 Eichenzweigwerk — Einhorn. 



und Deutschland. In Reichenbach (Schlesien) wurden in letzterer Zeit auf 
40 Morgen Eichenscliälwald einige Jahre hindurch sowohl chinesische wie 
japanische Eichenspinner gezüchtet, welche Gespinste von grosser Weichheit 
und Grleichmässiokeit lieferten. (Vgl. Silbermann, die Seide; Dresden 1897, 
Bd. I, 303 ff.) 

Eichenzweigwerk mit Eicheln kommt in italienischen Stoffmustern des 
17. Jahrh. häufig vor (s. Streumuster); das Motiv findet auch Aufnahme im 
Bereiche der Leinenstickerei (s. d.) und in Eiletarbeiten der E,enaissance (vgl. 
Abb. 59) wo es in strenger Stilisierung zum Ausdruck gebracht ist. 

Abbildung: 
59. Originalaufnahme aus dem Königl, Landesgewerbemuseum in Stuttgart : Borte, 
Durchzugarbeit in farbiger Seide auf Filetgrund: Darstellung von streng stilisierten 
Eichenzweigen mit Blättern und Früchten. Italien Ende 16. Jahrh. 

Abb. 59. 



Eiderdaunenstoffe. Wirkwaren, ganz weich appretierte Flanelle; auch 
allgemeine Bezeichnung für leinenes Inletzeug. 

Eierstab (franz. : goudron ä oves, fusarolle ; engl. : eggmoulding), auch Eier- 
leiste, ist eine Bezeichnung der jonischen Blattwelle, die ihre Veranlassung nur 
in der zufälligen Aehnlichkeit des Hauptblattes mit einem Ei hat ; ein solches ist 
keineswegs als das ursprüngliche Vorbild dieser Kunstform anzusehen. In der 
griechischen Kunst wird der E. gewöhnlich plastisch ausgeführt; er macht sich 
aber in den späteren Zeiten der Benaissance und des französischen Klassizismus 
im 18. Jahrh. mit der Aufnahme antiker Elemente auch als Flachmuster in 
Begieitborten bemerkbar, die bestimmt sind, nach aussen hin kräftig zu 
wirken. (Vgl. die untere Borte in Abb. 5.) 

Eilenburg, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Merseburg: Fabrikation von Tuch, 
Kattun, Pique- und Webösen. 

Einbadfärberei, Färben von Textilfasern oder Textilerzeugnissen durch 
Eintauchen in die fertige Farbenflotte. 

Einbinden, in der Weberei die Kettenfäden durch die Schussfäden 
binden. 

Eindhoven, Stadt in der niederl. Provinz Nordbrabant: Leinwand-, 
Damast-, Tuch-, Flanell- und Spitzenfabriken ; reger Handel nach Belgien. 

Eingekämmte Ware ist Kulierwirkware, in welche eine Faserschicht ^als 
Futterdecke eingewirkt worden ist. 

Einhorn (griech. : monokeros; lat. : unicornus ; franz.: licorne; engl.: 
unicorn), ein fabelhaftes, wildes, unbändiges Tier von Pferdegestalt, welches auf 
der Mitte der Stirn ein gerades, spitzes, gewundenes Hörn als mächtige und 
gefährliche Waffe trägt. Der Grlaube an das Vorhandensein eines solchen 
Tieres war schon im Altertum sehr verbreitet, wo es besonders in ladien und 
Persien Gegenstand symbolischer Darstellung gewesen und wohl auch mit dem 
auf frühmittelalterlichen Greweben vorkommenden chinesischen Khilin (s. d.) 



Einhubmaschine — Einkrimpen. 



169 



verwandt ist. Von den Christen wurde das Einhorn als Bild der E,einheit, 
Keuschheit und Stärke beibehalten, weil man glaubte, das gew^altige, unbezähm- 
bare Tier (Hiob 39, 9 ff.) lasse sich von keinem Jäger einfangen ; w^enn es aber 
eine Jungfrau sehe, so lege es sich ruhig in deren Schoss und schlafe ein ; so 
sei auch die göttliche Allmacht im Schoss einer Jungfrau Mensch geworden. 
In dieser Vorstellung erscheint daher das E. noch auf kirchlichen Stoffen, Wand- 
teppichen und Stickereien bis zum Ende des 15. Jahrh. in Einzeldarstellungen 
mit der Jungfrau Maria oder dem Erzengel Gabriel; daneben aber kommt die 
christliche Anschauung in der Szene der Einhornsj agd auf Antependien u. s. w. 
in breiterer Eorm zur Geltung. (Ygh Abb. 60.) 

Abb. GO. 




Abbildung: 
60. Darstellung nach einer Photographie (im Xunsthandel) : Teil aus einem 
"Wandteppich, Gobelinarbeit in farbiger WolJe, darauf Darstellung der heil. Jungfrau 
mit dem Einhorn. Original in den Königl. Sammlungen zu Madrid. Flandern Ende 
15. Jahrh. 

Einhubmaschine, Schaftmaschine, bei welcher das Messer pro Schuss 
einen vollen Hin- und Hergang macht. 

Einkrimpen, Einkrumpen, Einkrumpfen, auch Krimpen, Krimpfen, 
Krumpfen, jene Eigenschaft der aus Wolle hergestellten Gew^ebe, zufolge welcher 



X70 Einläno-enstuhl — Eisengarn. 

dieselben beim Uebergange aus dem feuchten in den trockenen Zustand an 
Dimension verlieren, schrumpfen, einschrumpfen (s. Tuchfabrikation). 

Einlängenstuhl ist ein "Wirkstuhl von solcher Breite, dass nur ein Waren- 
stück, z. B. eine Strumpflänge, auf ihm gearbeitet werden kann. 

Einlegstäbchen^ s. Weberei. 

Einmennic, im deutschen Mittelalter das von einem Manne gewebte 
Tuch ; bei grösserer Breite hiess es Zweimennic , weil zwei Männer am Web- 
stuhl beschäftigt waren. 

Einnädlig wird diejenige Kulierwirkmaschine genannt, welche nur fallende 
Platinen enthält, also beim Kulieren Schleifen über je eine Isladel bildet. 

Einpassierung, s. v. w. Einzug, 

Einschiessen, in der Weberei den Schussfaden zwischen den Kettfäden 
hindurchführen: daher Einschluss, Einschlag oder Schuss eines Gewebes. 

Einschlagapparat, s. Kammgarnspinnerei. 

Einschlägige Leinwand nennt man eine nicht dichte Leinwand, bei 
welcher der Weber im Weben nur einen Schlag mit der Lade tut zum Unter- 
schied der zweischlägigen Leinwand. 

Einschlagseide, s. Zwirn. 

Einschliessen, s. Wirkerei. 

Einschürige Wolle ist Wolle von Schafen, die nur einmal im Jahre 
(um Pfingsten) geschoren werden. 

Einschuss, s. v. w. Einschlag oder Kette in der Weberei. 

Einschüttstoffe, s. Federleinen. 

Einspänen, diejenige beim Pressen des Tuches zur Anwendung gebrachte 
Arbeit, durch welche zwischen je zwei Lagen des zusammengefalteten, zum 
Pressen bestimmten Gewebstückes eine sehr glatte Pappetafel, der sog. Press- 
span, eingelegt wird. 

Einspänmaschine, eine in der Tuchfabrikation angewendete Maschine, 
welche das sogen. Einspänen, das bisher grösstenteils noch der Handarbeit über- 
lassen ist, durch mechanische Kraft bewirkt. 

Einsprengmaschine zum oberflächlichen oder gründlichen Benetzen des 
Gewebstückes: wird für einen gewissen Zeugdruckprozess angewendet, insbe- 
sondere für die verschiedensten Handdruckartikel und für das Bedrucken der 
Wolle auf der Maschine ; desgleichen zur Entwickeluug der Eigenschaften der 
Appretur leinener und baumwollener Waren durch Zylinder, Kalander, Gau- 
frieren u. s. w. 

Eintrag, s. v. w. Schuss eines Gewebes. 

Einwalken (Einlaufen), in der Tuchfabrikation diejenige Erscheinung, 
welche sich beim Verfilzen der Gewebe (Walken) durch eine Abnahme der 
Breiten- und Längendimension zu erkennen gibt und welche gleichzeitig als 
Mass dieser Arbeit verwendet wird. 

Einziehmesser, s. Weberei. 

Einziehwalze, s. Spinnerei. 

Einzug, in der Weberei das Verfahren, die einzelnen Kettfäden in die 
Augen der Geschirrlitzen nach einer bestimmten, für die verschiedenen Ge- 
webebindungen aber verschiedener Ordnung einzufädeln, einzuziehen. 

Eipel, Stadt in Böhmen: zahlreiche Leinenwarenfabriken, grosse Elachs- 
garn- und Jutespinnerei, Zwirnfabrik mit Färberei und mechanische Webereien. 

Eisenberg, Stadt des Herzogtums Sachsen-Altenburg: Fabrikation von 
Wollzeugen und Plüschwaren. 

Eisenbrod, Stadt in Böhmen: inihrer Umgebung grosse Baumwollspinnereien. 

Eisenfilz, aus Wildwolle hergestellter Filz, mit hydraulischen Pressen 
zusammengedrückt, imprägniert mit Stearin, Paraffin und mit Chlorleim be- 
handelt. Er dient als Schalldämpfer bei Maschinen, zur Isolierung und als 
stark abschwächende Unterlagen. 

Eisengarn, einfaches oder gezwirntes, durch ein Appreturverfahren, das 
sogen. Lüstrieren (s. Garn), mit hohem Glanz versehenes Baumwollgarn von 



Eisfeld— Elemente. 171 



grosser Festigkeit des Fadens. Es kommt sowohl gebleicht als verschieden ge- 
färbt in Strähnen, auf Spulen oder auf Pappkästchen gewickelt, in den Handel, 
und zum Nähen, aber auch in der AVeberei, am häufigsten als Kette, verwendet. 

Eisfeld, Stadt im Herzogtum Sachsen-Meiningen : AYoll- und Baumwoll- 
weberei; Flanell- und Tuchfabrikation. 

Eiswolle, Bezeichnung für eine zu Strick- und Häkelarbeiten verwendete 
Art engl. AVolle von langem, glänzendem Faden, ähnlich dem Mohairgarn. 

Eitorf, Dorf im preuss. E,eg.-Bez. Köln: Alizarinfabrik, Türkischrot- 
färberei. Kammgarnspinnerei und Weberei. 

Eklipsmaschine, Baumwollspinnmaschine, bei der den Faserbündeln eine 
später verschwindende Drehung erteilt wird. 

Elastiks, (franz.: elastiques ; engl. : elastics) ; auch Kaut s chukge web e 
genannt, sind leinene, baumwollene, wollene oder seidene Gewebe, die entweder 
in Kette und Einschlag oder meist nur in der Kette Kautschukfäden enthalten 
und besonders zu Strumpfbändern, Einsätzen in Halbstiefel, Tragbändern 
(Hosenträgern) u. s. w. verwendet werden. Elastique ist auch die franzö- 
sische Bezeichnung von geköperten Bock- und Hosenstoffen aus sehr dehn- 
baren Streichwollzeugen. 

Elatsches, leicht gewürfelte, ostindische Zeuge, reine Baumwolle und Seide, 
welche vormals durch die Franzosen aus Pontichery nach Europa gebracht wurden. 

El Baida oder la Casa blanca, Erzeugungsort der gewirkten marokka- 
nischen Teppiche : Hambel (s. Marokko). 

Elberfeld, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Düsseldorf, mit Barmen (s. d.) 
bezüglich ihrer Industrie auf textilem Gebiete in Deutschland unerreicht. 
Baumwollene Zeuge wurden hier zuerst im Anfange des 18. Jahrhunderts 
gefertigt; die Seidenfabrikation begann durch Einflüsse französischer 
Einwanderer im Jahre 1760, die Türkisch rotfärberei 1784; die Man- 
schesterweberei 1807; die Kattundruckerei 1826. Jetzt ist E. der 
Hauptsitz von Baumwoll-, AVoll-, Seiden-, und aus diesen Stoffen gemischten 
Waren: glatte seidene und halbseidene Gewebe und Faconnes für Möbel, wol- 
lene und halbwollene Kleiderstoffe, Zanella und halbwollene Konfektions stoffe und 
aller zum Besatz bestimmten Knopfartikel ; ferner der Kattundruckereien und 
ihrer den Wollmarkt beherrschenden Erzeugnisse, der hoch entwickelten Webe- 
reien, Wirkereien, Spinnereien, der Möbelstofffabriken, Färbereien, Appretur- 
anstalten. E. ist Sitz der 3. Sektion der Bheinisch- Westfälischen Textil- 
Berufsgenossenschaft. 

Elberfelder Leinwand werden im allgemeinen alle die im Wuppertal 
angefertigten Leinenzeuge genannt, welche von Elberfeld nach allen Gegenden 
versandt werden. 

Elbeuf, Hauptstadt im Arrond. Bouen des franz. Depart. Seine-Inferieure : 
verdankt ihre Bedeutung der seit Alters her dort gepflegten Tuchindustrie. 
Heut bestehen noch Fabriken in Tuch mit 91 Dampfmaschinen von 1000 
Pferdestärken, 17 Färbereien und 9 Wollspinnereien, welche jährlich für 40 
bis 50 Mill. Eres. Wolle verarbeiten, Manufakturen von gewürfelten Shawls 
und von verschiedenen Modeartikeln. E. erzeugt das gebräuchlichste Streich- 
garn. Die gesamte Industrie des Ortes liefert jährlich für 80 — 90 Mill. Frcs. 

Electra, moderne Kleiderstoffe aus Baumwolle mit Seide. 

Elefant, (Symbol der Beharrlichkeit, Kraft und Stärke), erscheint als 
Stoffmuster im frühen Mittelalter auf Geweben des Orients und wird von der 
byzantinischen Kunst übernommen (s. Abt. 4 auf Tafel I) ; tritt aber in der 
späteren sarazenischen Periode selten auf. In China wird der E. plastisch 
dargestellt als Träger von Leuchtern und Opfergeräten und in gleicher Nach- 
ahmung auf schweren Goldstickereien grosser Vorhänge als Musterung ver- 
wertet. (Vgl. im Artikel China die Abb. 53.). 

Elefantes sind im spanischen und mexikanischen Handel long cloth, 
cotton osnaburghs, schwere Domestiks. 

Elemente, die vier, bisweilen im frühen Mittelalter als alegorische Ge- 
stalten: Zeugen der Kreuzigung und Verherrlichung Christi personifiziert dar- 



3^72 Elfenbeinstickerei — Elsen. 



gestellt; im späteren Mittelalter auf sarazenischen Stoffen in symbolischer 
Ornamentik aufgefasst, ist die Burg in Bedeutung der Erde, der Adler als 
Luft, der Drache als Feuer, das Wasser als solches dargestellt. 

Elfenbeinstickerei wird in neuerer Zeit eine Technik genannt, die ihren 
Ursprung in der Nachahmung der genähten venetianischen Beliefspitzen des 
17. Jahrhunderts hat und darin besteht, die breiten Bankenmuster derselben 
aus aufgenähtem gewebtem Leinenband und damit vereinigten Spitzenstichen 
auf einem farbigen Seidengrund nachzuahmen. Die Art und Weise dieser 
Kunststickerei wurde im 17. Jahrhundert, fast gleichzeitig mit dem apäteren 
point de Yenise, in Deutschland geübt: (vgl. Aufnäharbeit und die Abb. 11 
auf Tafel IX). 

Elisabethstil, die in England zur Zeit der Königin Elisabeth gebräuchlich 
gewesene Bauweise, ca. 1530 — 1600. Dieser Stil charakterisiert sich durch 
ein Vermischen der gotischen Bauweise mit den Formen der Benaissance, ein 
Vorgang, der sich in ähnlicher Weise namentlich in Deutschland (die sogen, 
deutsche Benaissance), Holland und Dänemark vollzog, dennoch aber überall 
in anderen Erscheinungsformen sich äusserte. Die Textilkunst lässt derselbe 
ziemlich unberührt. 

Elkhart, Stadt im nordamerik. Staate Indiana: Strickwarenfabriken. 

Eiland, Stadt in der engl. Grafschaft York: Wollindustrie. 

Elmshorn, Stadt im Beg.-Bez. Schleswig: mechanische Lein- und Baum- 
wollweberei. 

Elsasser Stoffarten, Bezeichnung für die verschiedensten Arten von 
Leinen, Baumwollen- und anderen Weisswarenstoffen. 

Elsass-Lothringen, deutsches Beichsland, wird hinsichtlich der gewerb- 
lichen Tätiorkeit nur von wenigen Staaten des deutschen Beiches übertroffen. 
Die Textilindustrie beschäftigt nahezu ein Drittel aller Gewerbetätigen: das 
sind nach der Gewerbezählung vom Jahre 1895 rund 10 300 Betriebe mit 
105 326 Bersonen, dazu kommen in dei Hausindustrie tätige Arbeiter und Ar- 
beiterinnen : 2372 in Weberei (einschliesslich Bandweberei) 2114 in Xäherei 
und Schneiderei, 860 in Häkelei und Stickerei. 

Die Haupt sitze der Textilindustrie sind Mülhausen, Colmar, 
die Täler der Thur, der Lauch, der Fecht, der Leber, deren künstlich gere- 
gelte Wasserkraft Fabrikzwecken dienstbar gemacht ist; im Fnterelsass beson- 
ders das Breuschtal. 

Die Baumwollindustrie ist der ausgedehnteste Gewerbszweig des 
Beichslandes. Im Oberelsass gelangte das Gewerbe um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts zu Bedeutung. Aus der Herstellung bedruckter Baumwollenzeuge 
(Indienne) entwickelte sich die Baumwollweberei (erster fabrikmässiger Betrieb 
1750 in Sennheim; erste mechanische Weberei 1821), die Baumwollspinnerei 
(erste Fabrik 1803 in Wesserling), Färberei. Baumwollweberei findet sich als 
Fabrikbetrieb hauptsächlich in Mülhausen, als Hausindustrie namentlich im 
ITnterelsass. 

Die Wollindustrie ist gleichfalls bemerkenswert und hat den Haupt- 
sitz im L'nterelsass (Tuchfabriken von Bischweiler), die Kammgarnspinnerei 
im Oberelsass (Mülhausen und Malmersbach) ; die Garnweberei beschäftigt mehr 
Arbeiter im TJnterelsass. Wollfärberei, -Druckerei und -Appretur findet sich 
ausschliesslich im Oberelsass. 

Von der Leinenindustrie wird Flachsspinnerei hauptsächlich in 
grösseren Unternehmungen (im Oberelsass), Weberei viel im lOeinen als Haus- 
industrie (namentlich in Lothringen) betrieben. 

Seidenspinnereien sind nur im Oberelsass, grössere Seidenwebereien 
daselbst und in Lothringen. Seidenplüschfabriken inBüttlingen und Saargemünd. 

Literatur: Kraus, Kunst und Altertum in Elsass-Lothringen (2 Bde. 
ebd. 1876 u. 1884). — Meyer, G.. Elsass und Lothriugen, eine volkswirtschaft- 
liche Studie, Bielefeld 1870. 

Elsen, Dorf im preuss. Beg-Bez. Düsseldorf: Baumwollspinnerei und 
-Weberei. 



Elstra — Empirestil. 



173 



Elstra, Stadt in Sachsen: Leinen- und Bandweberei. 

Eiterlein, Stadt in Sachsen bei Chemnitz : Königl. Klöppelschule ; Gorl- 
näherei, Herstellung von Leonischen Gold- und Silber- sowie Posamentierwaren. 
E. ist der angebliche Geburtsort der Barbara Uttmann, welche sich um die 
Einführung der Spitzenindustrie in Deutschland (Erzgebirge) verdient gemacht hat. 

Elzach, Stadt an der Elz in Baden: Seidenwarenfabriken, zwei mechanische 
Leinenwebereien, 

Embossd'ells heissen in England wollne Zeuge, die auch unter dem 
Namen Seraffins bekannt sind. 

Emertis, Emmerties, Amiertis sind ostindische feste Baumwollengewebe, 
zum Buntdruck bestimmt, welche früher aus Bengalen und Surate nach Europa 
kamen. 

Emmendingen, Hauptstadt im badischen Kreis Ereiburg: Hanf- und 
B,amiespinnerei. 

Emortuale (lat.), Leichentuch. 

Empirestil wird jene Ausdrucksweise der französischen Kunst genannt, 
welche bestrebt war, die römische Kaiser- 
zeit nachzuahmen. Er beherrschte die Zeit Abb. 61. 

unter Napoleon I. (1804—1815) und bildete 

den Abschluss der Periode des sogen, fran- 
zösischen Klassizismusses , der unter Lud- 
wig XIY. seinen Anfang genommen hatte. Das 
Eindringen rein antiker Elemente in die fran- 
zösische Kunst erfuhr schon eine wesentliche 
Förderung durch die seit 1748 in Pompeji 
erfolgten Ausgrabungen, indessen gelangen sie 
zu dieser Zeit mit vollem Verständnis zur 
Anwendung; in der Napoleonischen Zeit aber 
sinkt die edle griechisch-römische Ausdrucks- 
weise zur vollen Armseligkeit herab. Wie die 
Erzeugnisse des übrigen Kunstgewerbes den 
Heiz der Farbenstimmung und die Beweglich- 
keit der Formensprache aufgeben, so muss 
sich auch die Textilkunst der Allgemeinheit 
fügen, allenfalls, dass hier und da technische 
Neuheiten auffallen, die im Zusammenhange 
stehen mit dem Aufblühen maschineller Tätig- 
keit. (Vgl. Abb. 61.) Der ehemalige natür- 
liche Faltenwurf wird im Webemuster als 
Fläche dargestellt (vgl. Abb. 62), wobei das 
Muster sich nur in einer Farbe vom Grunde 
abhebt. Die Ornamentik schliesst sich genau 
den Einzelheiten der antiken Kunst an: der 
Akanthus, die Palmette, die Urne, das Lorbeer- 
und Epheublattrankenwerk , die Weinranke 
u. a. m. sind charakteristisch auch für die 
Erzeugnisse der Textilkunst im Empirestil. 
(Vgl. Abb. 63 und 64). Der E. geht auch 
auf die anderen Länder über. In Deutschland 
weist Karl Friedrich Schinkel (gest. 1841) auf 
die ursprüngliche Bedeutung der missbrauchten 

antiken Elemente hin und sucht sie als ein Lebendiges weiter zu bilden, so 
dass man auch in dieser Zeit noch von Empiremustern spricht. (Vgl. Abb. 6.) 

Abbildungen : 

61. Originalaufnahrae aus dem Kgl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart : Borte in 
farbiger Seide und Grold auf weissem Grunde gewebt mit verschiedener Darstellung 
von Grandeffekten und Blattwerk. Frankreich um 1800. 




174 



Empirestil. 



62. Darstellung aus : C o x , l'art de decorer les tissus d'apres les collections du 
musee historique de chambre de commerce de Lyon. Paris 1900. PI. CXVIIT, 6. Vor- 



Abb. 62. 




Abb. 63. 




hang, in farbiger Seide gewebt, Muster in faltiger Darstellung mit Borten und Streu- 
muster. Frankreich um 1800. 

63. Darstellung aus demselben Werk (PI. CXVIII, 1): Gewebte Seidenborte mit 
wechselnden Palmetten und Rosettenf eidern. Frankreich um 1800. 



Empoli — England. 



175 



64. Darstellung aus Heiden, Musteratlas, Leipzig 1896. Tafel 117, 2: Borte, 
farbige Tambourierarbeit auf grünem Sammet, Muster aus Weinranke, Köcher und 
Urne. Kopie im Kgl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin nach einem Original im Schloss 
Monrepos bei Ludwigsburg. 

Abb. 64. 




Empoli, Stadt in der ital. Provinz Florenz: Baumwollfabriken. 

Emsdetten, Dorf im prenss. Eeg.-Bez. Münster: 8 Leinen- und Nessel- 
webereien, Jutespinnerei, Färberei. 

Engel (lat. : angelus; franz.: ange; engl.: angel), in der Bibel die über- 
irdischen Boten Gottes an die Menschen, in der christlichen Kunst im allgemeinen 
in menschlicher Gestalt dargestellt, jugendlich, geflügelt, von körperlicher 
Schönheit, ohne besonderes Merkmal eines Geschlechts. In der Textilkunst 
auf kirchlichen Stoffen des 15. Jahrhunderts vielfach dargestellt (s. Figürliches 
im Stoffmuster.) 

Engelsberger Leinwand , eine Art deutsches Leinen , nach Art der 
ßouennes, die in der schlesischen Stadt Engelsberg ursprünglich gemacht wurde. 

Enger, Dorf im preuss. Reg Bez. Minden: Garnspinnerei, Leinweberei und 
Leinbau. 

England, Stammland des Yereinigten Königreiches Grossbritannien und 
Irland : Die Textilindustrie ist bei weitem der wichtigste Gewerbszweig. Die 
Ausfuhr von Textilfabrikaten und Garnen stellt beinahe die Hälfte des Wertes 
der Gesamtausfuhr des Königreiches G. und I. dar. Das in der Herstellung 
baumwollener, wollener und leinener Produkte angelegte Kaj)ital beträgt etwa 
200 Mill. Pfd. St.., der jährliche Wert der Produktion "beläuft sich auf 190 Mill. 
Pfd. St. und die Anzahl der von diesen Industriezweigen abhängigen Personen 
beträgt 5 Mill. Der Betrag der jährlich verbrauchten Baumwolle ist jetzt 
40mal grösser als zu Anfang des 19. Jahrb., der Wolle beinahe 6mal, des 
Flachses mehr als 2mal grösser. Die Ausfuhr von Baumwolle hat 14mal mehr 
Wert als im Jahre 1800, die von Wolle 4mal, vom Flachs 6mal mehr. Im 
Jahre 1890 hatten England und W^ales: 6180 Betriebe mit 50 211216 Spindeln, 
357 848 männlichen, 500404 weiblichen Arbeitern, Schottland: 747 Betriebe 
mit 2 413 735 Spindeln, 46 386 männlichen, 108205 weiblichen Arbeitern, 
Irland: 263 Betriebe mit 1016111 Spindeln, 23 848 männlichen, 47940 weib- 
lichen Ajrbeitern. 

Fabriken für Baumwolle bestehen (1890) 2538, für Wolle 1793, für 
Kunstwolle 125, für Wollgarn 753, für Flachs 375, für Hanf 105, Jute 116, 
Borsten 42, Kokosnussfasern 24; für Seide 623, Spitzen 403, Strümpfe 257, 
elastische Gewebe 54. Die Anzahl der Spindeln in den Baumwollspinnereien 
betrug 1899/1900: 45400. Das Hauptzentrum der Baumwollindnstrie ist die 
Grafschaft Lancashire, wo allein 500 000 Webstühle (gegen 560 955 im Jahre 
1885) vorhanden sind ; die wichtigsten Fabrikorte sind : Manchester, Blackburn, 
Preston, Ashton - under - Lyne , Stalybridge, Bolton, Bochdale, Middleton, 
Heywood, Stockport, W^igan und Bury. Für Strumpfwaren sind Nottingham, 
Derby und Leicester zu nennen. Die Grafschaften Wilts , Devon und Xots 
sind für Spitzenindustrie wichtig; besonders berühmt sind die Spitzen von 
Honiton. Ein zweites Zentrum ist Glasgow; die Grafschaften Peesrew und 
Lanark sind reich an Webereien (s. auch Baumwollindustrie). Von den etwa 
1800 W^ollfabriken liegen die meisten in England. Das Wollgeschäft ist eine 
Stapelindustrie Englands und hauptsächlich in Yorkshire und im Westen 



176 Englische Naht— Euguera. 



heimisch. Die wichtigsten Plätze für die Wollindustrie sind Bradfur-on-Avon, 
Frome, Strond, TroM'bridge; sehr bekannt ist auch Worcester; das Haupt- 
zentrum aber ist Manchester, und in Yorkshire seine Rivalen Leeds, Hudders- 
iield, Bradford und Halifax. Folgende Zweige werden besonders gepflegt: 
Feines breites Tuch (Broadcloth) in Leeds, Manchester, Halifax, Huddersfield 
und Bradford; Flanell in Halifax und Rochdale; Wolldecken in AVilney und 
Dewsbury; Tepj)iche in Kidderminster ; die berühmten „Schottischen Tweeds" 
in Aberdeen, Gralashiels und Hawick. Im Flachs- und Leinwandgeschäft stehen 
Irland und Schottland obenan; in England sind zu nennen Leeds, Barnsley, 
Halifax; der Wert der Jahresproduktion beträgt etwa 20 Mill. Pfd. St. Yon 
den Jutefabriken sind über 100 in Schottland (Dundee, Arbroath); in Irland 
sind für Linnen Newry, Drogheda, Louth und Dublin wichtig, vor allem aber 
Belfast mit seinen niedrigen Löhnen und langer Arbeitszeit. Das Seiden- 
geschäft hat seinen Sitz hauptsächlich in den Grafschaften Cheshire, Somerset, 
Derby und Stafford. W^ichtige Plätze sind Macclesfield, Congieton (für Seiden- 
garne und Färbereien), Glasgow, Paisley und Manchester, sowie für Seiden- 
bänder Coventry. 

Geschichtliches: Die Fabrikation von Wo 11 waren war bereits zur 
Zeit der Homer bekannt; aber es gelang erst nach Heranziehung von vlämischen 
AVebem (seit 1665) feinere Tuche zu machen. Mechanische Webstühle wurden 
bereits 1785 eingeführt, doch erst seit 1807 ist ihr Gebrauch gesetzlich ge- 
stattet. Die Baumwollenindustrie hat seit der Erfindung der SjDinn-Jenny 
(S.Baumwollspinnerei) (1767) einen grossen Aufschwung genommen. Die Seide 
ist schon im frühen ^Mittelalter bekannt, das Seidengewerbe als solches wird 
im 14. Jahrhundert aus Oberitalien hierher verpflanzt: 1455 ist schon von 
grossen Londoner Seidenwebereien die Bede. Die Seidenkultur Englands 
ist (nach Silbermann, Die Seide, Dresden 1897, II, 235 ff.) durch einen im 
Jahre 1608 datierten Brief Jakob I. an den Lord-Lieutenant, in welchem er 
die Seidenzucht eingehend behandelt, jeder Grafschaft verbürgt. 

Englische Naht, diejenige für Wirkwaren verwendete Xaht, bei welcher 
der Xähfaden die Bandmaschenstäbchen zweier Warenstücke durch Bückstiche 
miteinander verbindet. 

Englischer Gruss, s, Verkündigung Maria. 

Englisches Leder, nach der Art des Gewebes auch Satin, Sateen, Satinet, 
Jeans und, namentlich in den besseren Sorten, nach dem Englischen Moleskin 
genannt, ein sehr dichter, atlasähnlich geköperter Baumwollstoff, dessen rechte 
Seite, auf Vv'elcher der im Verhältnis zur Kette etwas feinere und sehr dichte 
Einschlag frei liegt, gerauht und geschoren, während die linke Seite nur gerauht 
ist. In Deutschland liefern diesen Artikel Plauen, Zittau, Erfurt, Burscheid, 
Bocholt, Ravensburg, Ettlingen u. a. m. In Italien wird dieser dichte atlas- 
artige Baumwollstoff j^elle del diavolo genannt. 

Englisches Spinnverfahren, Vorspinnverfahren (Vorbereitung) der Kamm- 
garnspinnerei, welches bei dem Verfeinern Maschinen mit Flügelspindeln ohne 
selbständige Spulendrehung (Water-Prinzip) anwendet. 

Englische Tuchbindung besteht aus einem Tuchgewebe, bei welchem in der 
Begel zwei Ketten- und zwei Schussfäden nebeneinander gleich binden. Man wendet 
sie an in halbwollnen und wollnen Kleiderstoffen, sowie auch in einigen Bucks- 
kins ; die T. erfordert aber eine gehörige Dichte, weil sonst lappige Ware entsteht. 

Englische Tüllgardinen, s. Bobbinnet. 

Englisch-Gras sind seidene Angelschnüre, welche aus den Seidenraupen 
selbst , unmittelbar bevor sie sich einspinnen wollen , hergestellt werden. Sie 
haben das Aussehen von Darmsaiten und sind von grosser Festigkeit. 

Englisch Leinen wird sowohl eine feine, gestreifte Leinwand, als auch 
der für Bucheinbände benutzte Kattun genannt (s. Kaliko). 

Engrelure (franz.), Bandverzierung mit rundlichen Zäckchen, zackige 
Einfassung, Spitzenrand. 

Enguera, Stadt in der span. Provinz Valencia: bedeutende Leinen- und 
Wollindustrie. 



Enlevage — Epheu. 



177 



Abb. 65. 



Enlevage (franz.), eine Bezeichnung, die im Anfang des 18. Jahrli. für 
das Abnehmen der Nadelspitze vom Pergamentgrunde gebräuchlich war. 

Entari, das Unterkleid der Männer im Orient. Es besteht aus Baum- 
wolle oder Seide, hat bis über die Eingerspitzen hinausreichende, von der Mitte 
des Unterarms ab aufgeschlitzte Aermel, wird unter der Brust mittels eines 
Shawlgürtels zusammengehalten und reicht bis an die Knöchel. Der E. ent- 
spricht in der europäischen Tracht der Weste , die ursprünglich auch lange 
Schösse hatte. 

Entfärben (franz. : decolorer ; engl. : to decolour), technisches Verfahren, 
das die Entfernung vorhandener Farbstoffe bezweckt. Gewebe werden durch 
das Bleichen entfärbt (s. d.). 

Entoilage (franz.), Bezeichnung für eine Beihe von Spitzen und spitzen- 
ähnlichen Stoffen: 1. im Anfang des 18. Jahrh. für das Einnähen der Schling- 
stiche in Nadelspitzen gebräuchlich, 2. um 1770 eine einfache netzartige Spitze, 
3. in späterer Zeit mehrere Sorten französischer Zwirnspitzen aus Dieppe und 
Bayeux, welche gleicher Art auch im 
sächsischen Erzgebirge geklöppelt wur- 
den , 4. spitzenartiges , durchbrochenes 
gazeähnliches Gewebe, 5. in Streifen ge- 
webter Bobbinnettüll oder Dünntuch mit 
spitzenartigem Muster. 

Entre-deux (franz.), Spitzeneinsatz. 

Entre larges sind in Frankreich 
mittelbreite Leinen. 

Entresins heissen in Frankreich 
Mitteltuche. 

Entschälen der Seide, die Ent- 
fernung des Seidenleims (Sericine) von 
der Bohseide , um die Schönheit des 
Seidenfadens sichtbar zu machen. Die 
Seide wird in heisse Seifenlösung gelegt 
und schwach gekocht. Der hiermit ver- 
bundene beträchtliche Gewichtsverlust 
wird durch das Assouplieren (s. d.) 
wieder ersetzt. 

Entschlichten, das dem Bleichen 
vorausgehende Einweichen, Waschen und 
Spülen der Gewebe zur Beseitigung der 
Weberschlichte. 

Enveloppes (franz.), im Leinen- 
handel die halben Stücke starker, weiss- 
garniger Leinwand zur Verpackung. 

Envers (franz.), die linke, un- 
rechte Seite vom Zeug. 

Enversins sind grobe, wollene 
Sergestoffe, welche in Frankreich gewebt 
werden. 

Eolienne, moderner leichter einfarbiger Seidenripsstoff. 

Eosin, ein prachtvoll roter, besonders zum Färben von Seide und Wolle 
dienender Farbstoff. 

Epheu, (Hedera) Pflanzengattung der Araliaceen (vgl. Abb. 65), ein im 
Orient, in Nordafrika, Süd- und Mitteleuropa, sowie in England heimischer 
immergrüner Kletterstrauch. Er war im Altertum dem Bacchus geheiligt, auch 
gilt er als Symbol der Freundschaft. Von Griechenland aus, wo man ihn als 
Laubband verwendete (vgl. Abb. 66), wird er in spätere Stilarten übernommen, 
doch macht ihn sich im romanischen und gotischen Zeitalter mehr die 
Plastik, als das Flachmuster zu eigen. Erst der französische Klassizismus des 
18. Jahrhundets bringt den E. hier in Weberei und Stickerei lediglich als 

Heiden, Handwörterbucli der Textilkunde. 12 




I^YS Epinal — Erschweren. 



Ornament zur Darstellung, wo er nach dem Empirestil (s. hier Abb. 62) 
zurücktritt. 

Abbild ungen: 

65. Epheuzweig nach einem Holzschnitt aus: Lobelius, plantarum sev stirpium 
icones, Antwerpen 1581. 

66. Originalaufnahme eines Epheulaubbandes nach einer griechischen Vase aus 
dem Besitze der Kgl. Museen in Berlin. 



Abb. 66. 




Epinal, Hauptstadt des franz. Depart. Yosges im gleichnamigen Arrond. : 
Leinwand- und Baumwollwarenfabriken. 

Epingle (franz.) wird der Ripsgrund in Seide genannt. 

Epingline, nach E. benannter moderner Seidenstoff, gestreift und geblümt. 

Epitrachelion (griech.) (lat. : epitrachelium), ein zur Kleidung der griech.- 
kath. Priester gehöriges breites steifes, mit Kreuzen besticktes, in der Farbe 
verschiedenes Band, das, um den Hals getragen, bis über den Oürtel mit beiden 
Enden herabhängt : s. v. w. Stola der griech. Kirche. 

Epurateur (franz.), Reiniger, in der Baumwollspinnerei eine von Risler 
erfundene Maschine, welche zuweilen an Stelle der Yorkratze angewendet 
wird; sie zerstört die Anordnung der Fasern in Büscheln und liefert das 
Material in Form gleichmässiger lockerer Faserbänder ab. 

Erbach, im Odenwald, Stadt in Hessen: Tuchfabriken. 

Erbisdorf, Dorf in Sachsen bei Dresden: Spitzenklöppelei. 

Erbstüll, ein grober Tüll, weiss, creme oder mode gefärbt, für Grardinen- 
stickerei verwendet. 

Erdflachs, s. Asbest. 

Erding, Stadt im bayr. Reg.-Bez. Oberbayern: Wollspinnerei und Woll- 
zeugweberei. 

Erfurt, Hauptstadt in der preuss. Provinz Sachsen : Webereien für Woll-, 
Baumwoll- und Leinenwaren ; bedeutend ist die Herstellung von Damenmänteln. 

Eriaseide ist das Produkt der Pizinusspinner, Attacus ricini, die Kokons 
anfertigen, welche mit wenigen Ausnahmen gänzlich unentwirrbar, weil sie offen 
und unregelmässig gesponnen sind; dagegen eignen sich diese wilden Seiden- 
arten vorzüglich als Rohmaterial für die Florettspinnerei. Der A. ricini ist 
in Indien, Assam und auf Ceylon teils im wilden, meist aber im halbgezüchteten 
Zustande zu finden; er stammt aus Assam, wo er „eri" genannt wird. 

Eriophoronwolle, s. Gespinstfasern. 

Erlangen, Stadt im bayr. Reg. -Bez. Mittelfranken: bedeutende Baumwoll- 
spinnerei. 

Ermeländische Leinen : gewöhnliche, weissgebleichte Flachsleinen, welche 
in Ostpreussen gewebt und im Auswärtigen auch Königsberger Leinen heissen. 

Ermines sind englische farbige Wollenzeuge, die nach Spanien und 
Portugal gehen. / 

Erschweren der Seide heisst sie mit fremden Körpern beladen und be- 
ruht auf einem chemischen Prozess, welcher zur Grewichtsvermehrung bezw. 
Verfälschung der fertigen AVaren dient. Auch Posamentier- und Nähseiden, 
Cordonnets u. s. w. werden zur Yermehrung ihres G-ewichts erschwert. Das 
Verfahren ist oft aus technischen Gründen nicht ungerechtfertigt, um den Seiden- 
fasern mehr Fülle und Ansehen zu geben. Es geschieht durch Metallsalze und 
Zusatz von Oelen und Fetten, welche bei längerem Lagern grösserer Mengen 



Erstem— Estopillas. 179 



erschwerter Seide Selbstentzündmio- hervorrufen (s. a. Füllstoffe). (Vgl. Silber- 
mann, die Seide, Dresden 1897. ^Bd. n, S. 369 ff.) 

Erstein, Stadt im ITnterelsass : grosse Kammgarnspinnerei und Bleicherei. 

Erzerum oder Erserum, Hauptstadt der gleichnamigen türk. Prov. in 
Armenien: erzeugt durch Hausindustrie Teppiche nach persischem Muster. 

- Erzinghian erzeugt durch Hausindustrie Teppiche nach persischen Mustern, 

Escamis, ein dichtgewebter, baumwollener Stoff, eine Art ungeköperter 
Barchent, welcher früher aus der Levante, insbesondere aus Smyrna nach 
Europa kam. 

Eschwege, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Cassel: Woll- und Haarspinne- 
reien, AVollzeug-, Flanell- und Leinweberei in grossem Umfange. 

Escots waren ursprünglich feine geköperte Zeuge aus gezwirntem TTol- 
lengarn, welche in Frankreich gefertigt wurden ; in Deutschland machte man 
diese Zeuge unter dem Namen Scotts. 

Eskimo, auch Doubel, Double genannt, ein gewöhnlich mit vierbindigem 
Kreuzköper aus zwei Streichgarnketten gewebtes Doppelgewebe, welches meist 
zu Herrenüberziehern verarbeitet wird. 

Esp heisst persisch das Pferd, welches im Aschkalimuster (s. d.) eine 
B,olle spielt. 

Espagnolettes, eine Gattung ganz wollener Droguets, teils geköpert, teils 
glatt wie Leinwand gewebt, und zuweilen auf beiden Seiten gerauht und 
langhaarig. Sie führen den Namen, weil die echten aus spanischer ^olle ge- 
webt wurden. In Deutschland haben die Moltonstoffe damit Aehnlichkeit ; 
Zeuge derselben Art führen auch den Namen Castorin, Lama, Biber. 

Esparto, Spartogras, spanischer Grinster (Stipa tenacissima), das zähe 
Pfriemengras, wächst in Spanien, auch im südlichen Frankreich und in Asien. 
Stengel und Aeste werden dem Flachse ähnlich bearbeitet. Das feinere Ge- 
spinst wird zum Weben von Packleinen, Segeltuch, auch wohl zuweilen zu 
feineren Geweben verarbeitet. 

Esperver (engl.), Baldachin aus Stoff, Betthimmel. 

Esseg, bedeutendste Industrie- und Handelsstadt von Slavonien: grosse 
Seidenspinnereien. 

Essener Linnen werden westfälische, dicht gewebte Leinen aus gut ge- 
drehtem Garne genannt, welche in der Gegend von Essen gefertigt und meistens 
roh, zuweilen auch gebleicht, ohne weitere Appretiu* zur Versendung gelangen. 

Esslingen, Oberamtsstadt in "Württemberg: grosse Kammgarn- (1000 
Arbeiter) und Baumwollspinnerei (41000 Spindeln). 

Essonnes, Stadt im Arrond. Corbeil des franz. Depart. Seine-et-Oise : 
Baumwollspinnerei, Deckenfabriken. 

Essui-main (franz.), Handtuch. 

Estaires, Stadt im Arrond. Hazebrouk des franz. Depart. Nord: Leinen- 
fabriken und -Bleichen ; Fabriken von Damasttafelzeug. 

Estalins, bunt gefärbte Steifleinwand, welche in Schlesien für den Export 
nach Spanien und Südamerika gefertigt wird. 

Estames ist in Marseille die Benennung der dort gefertigten roten 
türkischen Mützen, Kappen oder des Fez. 

Estcoupiers COrdats, von Werg gewebte Packleinen, die aus Frankreich 
kommen und über Marseille weiter gehen. 

Esteras, eine Gattung Matten, welche in Spanien, vorzüglich in Valencia, 
aus den Flatterbinsen gemacht und nach Holland, England, Frankreich und 
ItaKen verkauft werden, wo man sie unter dem Namen Tapis d'Espagne kennt. 
Es gibt davon zwei Sorten: die Estera finas, welche auf besonderen dazu ein- 
gerichteten Webstühlen gewirkt und bunt gefärbt werden, und die Esteras 
bastas, welche nur geflochten sind. 

Estopas nennt man in Portugal teils die deutschen Heedeleinen, teils die 

deutsche, halb von Flachs, halb von Hanf gewebte Leinwand, s. Heedeleinen. 

• Estopillas, eine der im Auslande bekanntesten deutschen Leinen für 

den Export, welche in Sachsen und Böhmen, hauptsächlich aber in Schlesien 



180 Estramen — Evangelistenzeichen. 

batistartig aus feinem Leinengarn gewebt werden. Im südlichen Europa und 
Amerika werden die Yelas (Schleier) daraus gemacht. E. unies sind dicht 
gewebte, gedrungene Schleier, welche dem Batist gleichen und die man deshalb 
auch häufig Battistes nennt ; sie sind bläulich appretiert. 

Estramen (lat.), Stramin. 

Estras, s. Seide. 

Estremadura, ursprünglich ein in Spanien erzeugtes Baumwollengarn. 
Jetzt bezeichnet man mit E. ein meist zum Stricken verwendetes sechs drähtiges 
Grarn mit rundem, gleichmässigem Faden. 

Etain, Stadt im Arrond. Yerdun-sur-Meuse des franz. Depart. Meuse : 
Fabrikation von Baumwollstoffen. 

Etaises heisst eine Art flandrischer Leinen oder Tischzeuge, die über 
Merville in den Handel kommen. 

Etaleuse, eine Flachsspinnmaschine, auf welcher der gekämmte Flachs 
ausgebreitet wird, um in endlose Bänder verwandelt zu werden. 

Etamin, Estamin, Stamin (vom franz. etamine), ein sehr dünnes Graze- 
gewebe (s. d.), meistens aus Baumwolle, jedoch auch aus Seide, oder von Wolle 
und Seide in den verschiedensten Gattungen gewebt, welches wesentlich als 
Futterzeug in Kleidungsstücken Verwendung findet. Ganz seidene Etamin- 
stoffe werden in Lyon und Avignon gewebt. Die holländischen E. aus AYolle 
waren wegen ihrer guten Qualität früher sehr geschätzt. 

Eten, Stadt der Republik Peru: Baumwollindustrie. 

Eternel, Eternelle, ein veralteter französischer Wollenstoff, geköpert und 
mit Streifen. 

Etoffe (franz.), Stoif, Gewebe. 

Etoffe de Verdun, ein wollener, sergeartig gewebter Stoff oder ein Halbtuch. 

Etoupes, s. Wergspinnerei. 

Etramee heissen zu Abbeville hänfene Gewebe, welche später weiss 
gebleicht oder auch verschieden gefärbt werden. 

EtschigO oder Et-schi-go, eine Sorte japanischer Seide, wenig stark, aber 
sehr feinfadig ; sie kommt auch unter der Bezeichnung Maibafi im Handel vor. 

Etterbeeck, Vorstadt von Brüssel : Baumwollspinnereien und Färbereien. 

Ettlingen, Stadt in Baden: bedeutende Aktien-Baumwollspinnerei und 
Weberei (1200 Arbeiter, 30 000 Spindeln), Sammetfabrik, Färberei, Bleicherei 
und Appreturanstalten. 

Eu, Stadt im Arrond. Dieppe des franz. Depart. Seine-Inferieure : Fabri- 
kation von Spitzen, Segelleinwand und Wollstoffen; Woll- und Baumwoll- 
spinnereien. 

Eufaule, Stadt im nordamerik. Staate Alamba : BaumwoUwarenfabrikation. 

Eupen, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Aachen: Kammgarn- und Streich- 
garnspinnereien, Karbonisieranstalten, Färbereien, Walkereien, Fabriken von 
Tuch, Buckskin, Kaschmir und Trikot. 

Eurley, Bezeichnung für chinesische und japanische Frisons (s. d.), unter 
welcher dieselben von Engländern zur Florettindustrie (Chappespinnerei) auf- 
gekauft werden. 

Euskirchen, Stadt im preuss. Eeg.-Bez. Köln: 20 Tuchfabriken und 
Wollspinnerei. 

Euxinet, ein nicht mehr gangbarer halbseidener englischer Stoff aus 
Schafwolle und Seide. 

Evangelisten, die vier, gelten als Ausfluss der göttlichen Weisheit; in 
der ältesten Zeit symbolisch dargestellt durch vier Schriftrollen in den vier 
Ecken eines griechischen Kreuzes oder als vier Bücher, in kirchlichen Stoff- 
mustern später unter den bekannten Evangelistenzeichen dargestellt (s. d.). 

Evangelistenzeichen stellen die Evangelisten in der christlichen Kunst 
seit dem 5. Jahrhundert symbolisch dar: Mattheus als geflügelter Mensch, 
Markus als Löwe, Lukas als Stier, Johannes als Adler; später als vier 
Menschengestalten mit dem Kopf des betreffenden Zeichens. Auch sind den 
Gestalten der E. jene vier Zeichen als Attribute beigegeben. 



Everghem — Fächer als Flächenmusterung. 181 

Everghem, Hauptort im Arrond. Grent der belg. Prov. Ostflandern: 
Baumwoll- und Leinenindustrie. 

Everlasting, ein fester, damastartig gewebter WollenstofF, gewöhnlich 
mit erhöhten oder aufliegenden Rippen oder Streifen, welche durch stärkere 
Kettenfäden und durch Schemelarbeit gebildet und nicht aufgeschnitten werden; 
unter seinem Namen kommt er nicht mehr vor. 

Evora, Stadt der portug. Prov. Alemtejo: Fabrikation von Tuch- und 
Baumwollwaren. 

Evreux, Stadt im Arrond. E. des franz. Depart. Eure : Fabrikation von 
Leinwand und Zwillich. 

Evron, Stadt im Arrond. Laval des franz. Depart. Mayenne: Fabri- 
kation von Leinwand und Tafelzeug; Handel mit Wollwaren und Zwirn. 

Exametum, examitum (lat.), ganzseidenes Gewebe. 

Exarentasmas, Exarentamas (lat.), werden von älteren Schriftstellern 
Seidenstoffe des 12. Jahrhunderts aus Palermo genannt, welche Kreismuster 
haben. 

Exeter, Hauptort der engl. Grafschaft Devon: Im 18. Jahrhundert war 
E. Hauptsitz der Wollmanufaktur, jetzt ist neben der Fabrikation von Haus- 
schuhen diejenige der Spitzen (Honiton lace) wichtig. 

Exmouth, Stadt in der engl. Grafschaft Devon: Spitzenfabrikation. 

Extergi facium (lat.), Tuch zum Abwischen des Gesichts. 

Externa (lat.), Oberkleid, im Gegensatz zu interula, Unterkleid. 

Exzenterstuhl, Trittexzenterstuhl nennt man Schaftwebstühle, bei denen 
die Bewegung der Tritte durch die an der Hauptwelle befestigten unrunde 
Scheiben (Exzenter) geschieht (s. Weberei). 

Eylau, Stadt im preuss. Eeg.-Bez. Königsberg: Tuchfabrik. 



F. 

Fabelwesen sind phantastisch gestaltete Menschen und Tiere, deren 
letztere namentlich in sarazenischen mittelalterlichen Geweben oft vorkommen 
und sich verfolgen lassen bis hinauf zur ägyptischen, assyrischen und chine- 
sischen Kunst des Altertums; es gehören dahin die Sphinx, der Greif, der 
Drache, das Einhorn, der Phönix u. a. m., welche je nach Auffassung der 
Zeit in verschiedener Bedeutung und Stilisierung erscheinen (s. d. einzelnen 
Artikel). Menschliche Fabelwesen kommen im Flachmuster der Textilkunst 
seltener vor. 

Fach heisst in der "Weberei die Oeffnung, welche zwischen den Ketten- 
fäden hervorgebracht wird, um den Schuss hin durchzuführen : in diesem Falle 
heisst die Kette gespalten, sonst geschlossen. 

Fachapparat, auch Ablegeapparat, nennt man eine bei den in der Textil- 
industrie , insbesondere in der Appretur , verwendeten Maschinen häufig in 
Anwendung stehende Vorrichtung, welche das aus der Maschine tretende Ge- 
webe in regelmässiger Weise übereinander zu legen hat. 

Fache, s. Gespinstfaser. 

Fächer als Flächenmusterung finden nirgends so vielseitige Anwendung 
als in Japan, wo die ausgedehnte praktische Verwendung derselben zur Dar- 
stellung geführt hat. Es werden nicht nur die TJmrisslinien wiedergegeben, 
sondern man geht soweit, in Geweben und Stickereien auch die Musterungen 
innerhalb derselben zu wiederholen, wobei die allerfeinste Ausführung beob- 
achtet wird. (Abb. 67.) Welche Bedeutung man dem Fächer in Japan bei- 



182 



Fachschulen — Facta da ossi. 



misst, geht daraus hervor, dass seine Darstellung selbst als "Wappen einer 
Daimiofamilie erscheint. (Abb. 68.) 

Abbildungen: 

67. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Seidengewebe, Grund weiss, mit Fächermuster (Kohaku) in blauen Umrisslinien und 
Goldpapier, Japan um 1800. 

68. Darstellung eines Daimio Wappens in Form zweier Fächer, von einem Seiden- 
gewebe aus der Sammlung des Königl. Kunstgewerbemuseums in Berlin. Japan, alt. 

Abb. 67. 




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Fachschulen, s. Webeschulen. 

Facilletlein (lat.: faciletum; ital.: fazzoletto), Schweisstuch , Taschen- 
tuch. Der Ausdruck kommt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts vor, 
in welcher Zeit in Italien und Frankreich das Taschentuch in Mode kam, mit 

Abb. 68 




dem besonders bei Brautgeschenken ein solcher Luxus getrieben wurde, dass 
man ihn gesetzlich zu beschränken suchte. 

Fa^onnerie (franz.), das Modeln, Blüm ein des Zeugs; fagonnieren: 
mustern; faconniert: gemustert; geblümt; Fagonneur: Mustermacher. 

Fa^onnierte Stoffe, s. fassonierte Stoffe. 

Facta da ossi werden in einer alten italienischen Urkunde Spitzen be- 
zeichnet, wobei der Ausdruck „ossi", Knochen, sich auf die Klöppel aus 
Bein bezieht. 



Eaden— Fa-lag-nel. 183 



Faden (in älterer Form Fadem), Längeumass; als Garnmass die Länge 
eines Haspelumfangs (s. Garn), also sehr verschieden; eine Anzahl Fäden 
bilden ein Gebinde (s. d.). 

Faden (Gespinstfaden), s. Gespinstfaser. 

Fadenbällchen, s. Gespinstfaser. 

Fadenführer für Spinn- und Yorspinnmaschinen , welche unmittelbar 
hinter dem letzten Zylinder liegen, sind Eisenschienen mit gut auspolierten 
Bohrungen oder Holzschienen mit Drahtschnecken oder Schienen mit trichter- 
förmigen Zinkeinläufen. 

Fadengang bezeichnet in der Dichtenbestimmung eines Gewebes die 
Summe von 40 Fäden. 

Fadengebilde, s. Gespinstfaser. 

Fadengold ist der technische Ausdruck für das aus Tressen, Gold- 
wirkereien und Goldgeflechten ausgezupfte Gold. 

Fadengras (Pflanze), s. Gespinstfaser. 

Fadenmalerei, s. Stickerei, 

Fadenmaschen, s. Wirkwaren. 

Fadenmühle, Spinnmühle, TJeberspinnmaschine, im Posamentiergewerbe 
eine Maschine, welche zum TJeberspinnen, d. h. schraubenförmigen Umwinden 
eines inneren Kernfadens (Seele oder Futter) mit Lahn dient. 

Fadenreisser , eine Oeffnungsmaschine , welche die Abgangsfäden der 
Yorspinn- und Spinnmaschinen auflockert, so dass sie als Beimengung der Boh- 
baumwolle wieder mit verarbeitet werden können. 

Fadenspannung, Padensprung, s. Nähmaschine. 

Fadenwächter, Yorrichtung an Textilmaschinen, die bei Fadenriss ein 
selbsttätiges Stillsetzen der Maschine bewirkt. 

Fadenzähler, Weberglas, Lupe zur Besichtigung der Webstoffe und zum 
Abzählen der auf einen bestimmten Baum kommenden Fäden. Die Grund- 
platte eines solchen Yergrösserungsglases enthält einen quadratischen Ausschnitt, 
um die Fäden pro Quadratzentimeter zählen zu können. 

Faenza, Hauptstadt der ital. Provinz Bavenna: Seidenspinnereien und 
Webereien. 

Fahne, besteht aus dem Fahnenblatt oder Fahnentuch und dem Fahnen- 
stock oder der Fahnenstange. In früheren Zeiten pflegte man zu unterscheiden: 
1. Das Beichsbanner, das stets länger als hoch war und das landesherr- 
liche Wappen enthielt. 2. Das einfache Banner, die Fahne des Banner- 
herren mit quadratischem Fahnenblatt. 3. Bennfahne hiess die Fahne der 
Bitter, die wenigstens 20 Mann ins Feld führen konnten. 4. Spitzfahne 
die Fahne der einfachen Bitter. 5. Bundbanner, eine nach aussen ab- 
gerundete Fahne, die namentlich bei Begräbnissen verwendet wurde. 6. Stan- 
darte, jene Fahne, die an einem Querholz befestigt erscheint und namentlich 
bei der Beiterei gebräuchlich ist; früher Messen diese Fahnen Cornette. Auch 
für kirchliche Zwecke waren sie an einem Querholz befestigt. 

Faido, deutsch Pfaid, Flecken und Hauptort des Bezirks Livinen (Leven- 
tina) im Schweiz. Kanton Tessin: Fremdenindustrie und Seidenzucht. 

Failine, eine Art wollene Serge, die aus Frankreich kommt. 

Failles (franz.), einfarbige gerippte Seidengewebe. Der Ausdruck stammt 
von dem ebenso genannten langen und weiten Kopftuch aus schwarzer Seide, 
welches zur Tracht der brabanter Bürgerfrauen gehört. 

Failsworth , Stadt in der englischen Grafschaft Lancaster : bedeutende 
Textilindustrie. 

Faja, in der span. Nationaltracht eine breite rote Wollschärpe , welche 
zweifach um den Leib geschlungen wird ; sie wird sowohl vom Yolk, als auch 
vom Militär getragen. 

Fajüm, Fayüm, auch Faijum, Fayjum (El-), Provinz in Oberägypten: 
Baumwollenbau; in neuer Zeit bekannt durch die hier gemachten Grabfunde 
(s. koptische Funde). 

Fa-lag-nel, s. Flanell. 



184 Falaise— Farbtuch. 



Falaise, Stadt im Arrond. F. des franz. Depart. Calvados: bedeutende 
Spinnerei, Woll- und Baumwollweberei, Färberei. 

Falaises sind SergenstofFe, die in dem Bezirk von Alengon gewebt werden. 

Fa-lan-jin, s. Flanell. 

Falbala nannte man früher die breiteste Seite der mit Silber durch- 
wirkten Gazestoffe, ebenso goldene oder silberne Spitzen. 

Falbeln heissen gewöhnlich breite in Falten gelegte Besätze von Frauen- 
kleidern, Mänteln oder Kragen. 

Falkenau, Stadt in Böhmen a. d. Eger: bedeutende Spi^nereien. 

Falkenberg, Marktflecken im bayer. Eeg.-Bezirk Oberpfalz: Lein- 
weberei und Grarnhandel. 

Falkenburg, Stadt im preuss. Reg.-Bezirk Köslin: Kgl. Webeschule; 
drei Tuchfabriken. 

Falkenstein, in Sachsen: ausgedehnte Baumwollweberei (deutsche und 
englische Gardinen, Kongressstoffe), Schiffchen- und Handmaschinenstickerei, 
zwei grosse chemische Bleich- und Appreturanstalten für Gardinen und Sticke- 
reien, fünf englische Gardinen- und Spitzenfabriken (Falkensteiner Gardinen- 
weberei und -Bleicherei, Aktiengesellschaft). 

Faltenlegmaschine, eine Einrichtung, die bestimmt ist, das Legen von 
Falten oder Tollen in Stoffen oder Geweben auf mechanischem Wege selbst- 
tätig zu verrichten. Besondere Verwendung findet die F. bei der Fabrikation 
gefältelter Hemdeneinsätze und der Herstellung von Rüschen, Plisses u. s. w. 

Faltenwurf, s. Gewand. 

Famis, eine Art seidener mit Goldfäden durchwirkter Stoffe, die in 
Italien und Frankreich für die Levante gewebt wurden (s. a, Lüster). 

Fanchon (franz.), Bezeichnung einer leichten Kopfbedeckung für Damen. 

Fancy-Artikel ist der englische Ausdruck für alle Modewaren. 

Fancy-net (engl.), Bobbinnet oder gemusterter Spitzengrund. 

Fangschnur, Cordon, eine Schnur, die mit dem einen Ende an der Kopf- 
bedeckung (deren Verlorengehen sie verhindern soll), mit dem anderen Ende 
an der Uniform des Soldaten befestigt oder auch nur um seinen Hals ge- 
schlungen ist. Früher zur Ausrüstung der deutschen Kavallerie gehörig, wird 
die F. jetzt mehr zum Zierat und auch als Schützen ab zeichen verwendet. 

Fangstuhl, ein Wirkstuhl, welcher ausser der gewöhnlichen Nadelreihe 
noch eine zweite, der ersteren entgegenstehende Nadelreihe enthält, zur Her- 
stellung von Bechts- und Bechtsware. 

Fano (lat.), (franz.: fanon; engl.: fanon), leichtes Tuch, Gewebstreif, 
daher auch Bezeichnung für Manipel. Ferner Fahnenblatt, auch Fahne und 
Kirchenfahne. Das althochdeutsche Wort, aus welchem Fahne entstanden ist, 
bedeutet überhaupt ein Zeugstück, wurde aber im Mittelalter speziell für das 
Nastuch gebraucht, welches der amtierende Priester über den linken Arm 
gehängt hatte. 

Fanon (franz.), Bezeichnung für das sonst Manipel (s. d.) genannte Ge- 
wandstück der kath. Priester, auch das Schultervelum , unter dem bei der 
feierlichen Messe der Subdiakon die Patene hält und ein vom Papste bei der 
feierlichen Messe getragenes seidenes Humerale (auch Orale genannt). Ferner 
bezeichnet F. den Bandstreifen (sudarium) an den einwärts gebogenen Stäben 
der Aebte und die zu beiden Seiten der Krone der deutschen Kaiser herab- 
hängenden Bänder (s. a. Fano). 

Fan-palk, s. Flanell. 

Fanta, leichter Taffet von der Insel Korea. '' 

Fantaisie nennt man in Frankreich die bourre de soie, wenn sie, wie 
Baumwolle, auf Maschinen gekrämpelt und gesponnen worden ist. Man braucht 
sie zu Strumpfwaren und Shawls. 

Färberei, s. Zeugdruck. 

Färberei- und Appreturschulen, s. Webeschulen. 

Farbtuch, auch Drucktuch, nennt man beim Zeugdruck dasjenige aus 
Wolle oder Baumwolle bestehende endlose Gewebe, welches bei den Walzen- 



Farnworth — Federmosaik. Xg5 



druckmaschinen die Unterlage für das zu bedruckende Gewebe bildet, und 
letztere gleichzeitig in die Trockenkammer leitet. 

Farnworth, Stadt in der engl. Grafschaft Lancaster: wichtige Baumwoll- 
industrie. 

Fars, persische Seidenmanufaktur, welche im Mittelalter durch Atlasstoffe 
und Sammete berühmt war. 

Faserstoffe sind: 1. Pflanzenfasern: Baumwolle, vegetabilische Seide, 
Flachs, Hanf, Jute, Chinagras, Ramie, Abelmoschusfaser, Gambohanf, Nessel- 
faser, Sum, Agavefaser, Aloehanf, Co'ir, Manilahanf, neuseeländischer Flachs, 
Tillandsinfaser, Kitulfaser, Piassava, Esparto. 2. Tierische Fasern: Schaf- 
und Ziegenwolle, Alpaka- und Kamelwolle, Tierhaare im allgemeinen, Muschel- 
seide. 3. Mineralische Fasern: Metallfäden, Glaswolle, Schlackenwolle, 
Asbestfäden. (Vergi. die Artikel im eiüzelnen und „Gespinstfasern".) 

Fassa, Fesa oder Basa, Stadt in der pers. Provinz Farsistan, im Süd- 
osten von Schiras: hat ihren alten Glanz gänzlich eingebüsst, ist jedoch durch 
ihre Goldstickereien und Brokate noch jetzt berühmt. 

Fassonierte, fagonierte, figurierte, gemusterte Stoffe nannte man früher 
die verschiedenen Gewebe, bei welchen die Figuren nicht mit dem Zampel- 
oder Kegelzug eingewirkt, sondern nur mit vielen Schäften und Fusstritten 
hervorgebracht wurden. Nach der Erfindung der Jacquardmaschine und der 
ihr ähnlichen Trittmaschine hat diese Unterscheidung aufgehört; man bezeichnet 
jetzt gemusterte oder figurierte Stoffe im Gegensatz zu den glatten Zeugen, 
unter welche man nur die leinwand- oder taffetartig und geköperten Gewebe 
rechnen kann. Gewöhnlich sind in fassonierten Stoffen dem Muster oder der 
Farbenstellung nach entsprechende Streifen eingewebt, welche in anderer Weise 
binden, als der Grund oder die daneben befindlichen Streifen. Es ist dem- 
nach eine Bindung in die andere gestellt, weshalb man sich auch des Aus- 
drucks „zusammengestellte Bindungen" (s. Bindungen) bedient. Trotz der 
Vielseitigkeit in der Ausführung lassen sich die so erzeugten Stoffe in sechs 
Klassen einteilen: Langgestreifte Stoffe (raye's); quergestreifte St. (travers); 
karierte St., würfelige St., mehrteilige St. (s. a. Armure und Bildgewebe). 

Fastentuch, Hungertuch, (lat.: cortina qudraginta dierum, circitorium 
oder velum quadragesimale; franz.: tenture de careme; engl.: tenten veil.) 
grosser Teppich aus weisser, grauer oder violetter Leinwand, mit biblischen 
Darstellungen bemalt, bestickt oder bedruckt, welcher in der Fastenzeit vor 
dem Allerheiligsten aufgehängt wird. Im Mittelalter liebte man für derartige 
Tücher die Weissstickerei, wohl mit Rücksicht darauf, dass das Licht, welches 
durch die Hochfenster für den Beschauer von hinten auf den Vorhang 
fiel, die gestickten Figuren und Sprüche dunkel auf hellem Grunde er- 
scheinen lässt. 

Fa-U-tunn (chines.), ein broschierter Kamlott aus Seide und Wolle, der 
in China gewebt und zu welchem das karte Kammgarn zum Schuss aus Eng- 
land eingeführt wird. 

Faveur (franz.), eine Gattung farbiger schmaler Bänder aus Etienne. 

Fayetteville, Hauptort des County Cumberland im nordamerik. Staate 
Nordcarolina: Baumwollmanufaktur und -Fabrikation. 

Fecamp, Hauptort im Arrond. Havre des Depart. Seine-Inferieure : 
Kaliko- und Segeltuchfabrikation; Baumwollspinnerei. 

Fechenheim, Dorf im preuss. Reg.-Bez. Kassel: Litzenweberei. 

Federkielstickerei, s. Stickerei. 

Federköper, s. v. w. Federleinwand. 

Federleinwand nennt man eine Gattung sächsischer Barchente, worin 
die Kette von gebleichtem Leinengarn, der Einschlag aus feiner Baumwolle 
besteht. Sie unterscheiden sich von anderen Barchenten dadurch, dass nach 
der Breite wechselweise ein Streifen geköpert, der andere ungeköpert ist. 

Federmosaik, aus natürlich oder künstlich gefärbten Vogelfedern zu- 
sammengesetzte Muster oder Bilder. Bei den Indianern Südamerikas hat sich 
der Gebrauch erhalten und von ihnen auf die Eingewanderten übertragen. 



186 FederriteQ— Ferahan. 



bunte Federn in Decken einzuwirken, eine Art und "Weise der Musterung, der 
schon im Altertum in China Erwähnung geschieht. 

Federriten, gewöhnlicher, blaugestreifter Bettzwillich. Die Streifen sind 
meistens blau und grau von ungebleichtem Grarn. In Mähren nennt man auch 
eine rohe Leinwand F. 

Federtapeten, Federteppiche, Decken oder Teppiche, in welche bunte 
Yogelfedern eingewirkt sind (s. Federmosaik). 

Feine, die, oder Höhe des Blattes (s. d.) eines Seidengewebes drückt 
man nach den Hunderten von Riethstäben (Blattrohren) aus, welche sich auf 
einem bestimmten Masse befinden. 

Feinspinnen, der Spinnprozess, welcher den fertigen Faden aus dem 
Yorgespinst herstellt. 

Feinspinnmaschinen ziehen die Fäden bis zur gewünschten Feinheit aus 
und drehen sie gleichzeitig zusammen: Watta- und Mulmaschinen. 

Felbel, Felpel, Felper odel Yelpel, auch Pelzsammet, ein sammetartiges 
Gewebe, dem die langen, durch Bürsten nach dem Strich niedergelegten 
Florfäden ein pelzähuliches Aussehen geben; dient zum TJ eberkleiden der 
Zylinderhüte. 

Feldbinde, die im 13. Jabrh. aufgekommene Militärschärpe. Sie bestand 
zuerst aus einem breiteren Schmuckgürtel, in welchen häufig Wappen oder 
andere Bilder eingestickt waren. Später, so im dreissigj ährigen Kriege, 
wurde sie in den Landesfarben von der rechten Schulter zur linken Hüfte ge- 
schlungen. 

Feldkirch, Stadt in Yorarlberg: Baumwollspinnereien. 

Felixdorf, Dorf in Oesterreich bei Wien: Baumwollspinnereien, Baum- 
wollweberei mit Appretur und Bleicherei. 

Felletin, Hauptort im Arrond. Aubusson des franz. Depart. Creuse: 
bedeutende Teppichfabrikation, Wollspinnerei. 

Fellmaschine, Pelzkrempel, in der Streichgarnsj)innerei eine Bezeich- 
nung für die zweite Krempel, welche die Wolle in Form einer breiten pelz- 
artigen Fläche empfängt. 

Felpel, Felber, s. Felbel. 

Fenny-Stratford, Stadt in der engl. Grrafschaft Buckingham: Spitzen- 
klöppelei. 

Feradsche, Kleidungsstück der türk. Frauen, wird ausserhalb der Woh- 
nung getragen und besteht aus einem den ganzen Körper von den Schultern 
bis auf die Knöchel einhüllenden L^eberwurf aus Seide oder feinem Wollstoff, 
in Aegypten und Syrien auch aus Baumwolle mit einem breiten Kragen, an 
den sich oberhalb der den Hals und Kopf bedeckende Schleier (Jaschmak) 
anschliesst. Xeuerdings wird statt des F. vielfach der Tscharschaf (s. d.) 
getragen. 

Ferahan, persische Provinz, nach welcher ein am meisten in Europa 
verbreiteter kurz geschorener Knüj^fteppich benannt wird, der hauptsächlich in 
der Stadt Suitanabad vom Ende des 18. bis zum Anfange des 19. Jahrhunderts 
erzeugt wurde. Der Ferahanteppich galt früher als eines der vorzüglichsten 
Produkte persischer Teppichindustrie. Ohne Anspruch auf besondere Feinheit 
oder besonderen Materials erheben zu können, stellte derselbe in den guten 
Sorten einen überaus fest gearbeiteten, unverwüstlichen, durch seine ruhigen 
Farben und das geschmackvolle Muster wohltuend wirkenden Bodenbelag dar, 
der auch durch seine Grrössenverhältnisse den europäischen Bedürfnissen ^am 
meisten zusagte. Gewannen ihm alle diese Eigenschaften bald einen Weltruf, 
so ging infolge der massenhaften Ausfuhr seine Qualität immer mehr herunter, 
so dass es schwer ist, heut noch ein wirklich gutes Stück seiner Art im Orient 
zu erhalten; es kommen nur noch gröbere Arten in den Handel. Der ver- 
breitetste Typus des F. -Teppichs ist durch das Heratimuster (s. d.) gekenn- 
zeichnet, dem sich auch seine Borte anpasst. Eine andere Gattung von F.- 
Teppichen zeigt im Inneren zwei Systeme von geflammten Panken, ein verti- 
kales und ein horizontales, die einander unter dem rechten Winkel kreuzen 



Ferandine — Fibrom. 187 



und sich zu ausgeschweiften spitzovalen Feldern zusammeDschliessen. Ein 
drittes Motiv ist das unter dem Namen Gule Hennai (s. d.) bekannte Muster, 
das aus in gelblicher Farbenstimmung dargestellten, symmetrisch an einen Stengel 
gereihten Narzissenblüten besteht. Die Hauptplätze für F. -Teppiche sind 
Täbris und Terahan, von wo aus dieselben über Trapezunt durch Karawanen 
in den europäischen Handel gelangen (s. a. den Artikel „Teppiche"). 

Ferandine, Ferrandine, früher ein leichter, halbseidener Stoff, dessen 
Kette ganz von Seide, der Einschlag von Wolle, Baumwolle, Leinen oder auch 
von Kamelhaar war. Er ähnelte dem Chaly, der Barege, der Alepine. Der 
Stoff wurde in Frankreich gefertigt. 

Ferda (arab.), TJmhüllungstuch der Orientalen. 

Fere, La, Hauptort des Kantons F. im Arrond. Laon des franz. Depart. 
Aisne: Drillich- und LeinwandhanSel. 

Fernambuk, südamerik. Baumwollsorte. 

Ferraschen heissen in Persien in den Häusern der Grrossen jene Leute, 
welche die Aufsicht über die Teppichbestände haben: so genannt vom persischen 
Fersch, der Teppich. 

Ferte-Bernard, La, Hauptort im Arrond. Mamers des franz. Depart. 
Sarthe: Leinwandindustrie. 

Fes, Fez, (Fäs), eine der beiden Haupt- und Residenzstädte des Sultanats 
Marokko. Hauptsitz der marokkanischen Industrie: man fertigt wollene Be- 
duinenmäntel, Grürtel, wollene Decken, Sättel, seidene Tücher, rote wollene 
Mützen, Leinen; war einst Hauptsitz der Teppich erzeugung in Marokko (s. 
Marokkanische Teppiche). 

Fes, türkische Kappen, rot und weiss, in verschiedenen Sorten unter 
den Bezeichnungen Abas, Nisam, Servianen, albanesische, griechische u. s. w., 
bonnets de Turquie, estamets casquettes, sind die aus feiner Schafwolle ge- 
strickten oder gewirkten, dann fest gewalkten runden Mützen, das Hauptstück 
des Kopfputzes in der Türkei, welches die Stelle des Hutes vertritt und daher 
einer von den einträglichsten und bedeutendsten Artikeln im levantiner Handel 
ist, von den Griechen ohne alle Verzierung getragen, von den Türken in roter 
Farbe mit einem Turban umgeben, von den Weibern in weisser Farbe, mit 
Tüchern, Schleiern, Eransen und anderem Kopfschmuck verziert wird. Seit 
1826 ist der Fes ein Uniformstück der türkischen Armee: Nisam. Gefertigt 
werden diese Kappen seit uralten Zeiten in Fes ; seit dem 18. Jahrhundert 
macht man sie aber in grossen Mengen auch in Italien, Frankreich, Deutsch- 
land, Oesterreich und Böhmen. 

Festenberg, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Breslau: Tuchfabrikation. 

Festonnierapparat, Maschine der Stickindustrie zum Einfassen von aus- 
geschlagenen Zacken u. dergl. 

Festonstich, s. Maschinenstickerei. 

Festonstressen heissen die doppelten, ausgebogten, gemusterten und an 
der einen Kante oder an beiden durchbrochenen Tressen. 

Fetabrun (filix) wächst auf Malta: Ersatzmittel für Baumwolle. 

Feuchtwangen, Bezirksstadt in Mittelfranken: Leinen-, Woll- und Damast- 
fabrikation. 

Feuerhemd, in früheren Seekriegen angewandtes Kampfmittel: Leinwand- 
stücke u. s. w., die, mit brennbaren Stoffen getränkt, an den feindlichen Schiffen 
befestigt wurden, um sie in Brand zu setzen. 

Feuersteinleinwand, Flintleinwand, mit grob oder fein gemahlenen Kiesel- 
steinen bestreutes Gewebe, vorher mit Leimlösung bestrichen: Schleif- und 
Putzmittel. 

Fibroin, flüssiges Sekret der Seidenraupe, eigentlich die Seidensubstanz 
der eigentlichen Seidenfaser, wurde in vorgeschichtlicher Zeit in Fadenform 
ausgezogen und zur Herstellung von Saiten und Angelschnüren verwendet. 
Indessen sollen nur die Chinesen (3000 v. Chr.) im Besitze dieses Materials 
gewesen sein. Ein scheinbar ähnliches Produkt wird japanisch als Tengusu, 
engl.: silkworn-got, franz.: fil de Florence genannt. 



188 



Fife— Filet. 



Abb. 69. 



Fife, Grafschaft in Schottland: bedeutend sind die verschiedenen Zweige 
der Leinenmanufaktur; ausserdem Tuchfabrikation. 

Figures de Chimay nennt man niederländische Spitzen, welche zu Henne- 
gau verfertigt werden. 

Figuriert (franz.: figure; engl.: figured), gemustert, verziert, namentlich 
von Stoffen; s. fassoniert. 

Filatomaschine , in der Seidenfabrikation eine Vorrichtung zum Auf- 
drehen des Probefadens, das den Zweck hat, für irgend ein Seidengespinst die 
Anzahl von Drehungen zu finden, welche auf eine bestimmte Länge sowohl 
den einzelnen ßohseidenfäden als beim nachherigen Zwirnen dem Granzen 
gegeben worden sind. 

Filatorium (lat.), Seidenzwirnmühle oder auch Spinnmühle, Maschine, 
auf der das Zwirnen oder Zusammendrehen mehrerer Kokonfäden zu einem 
Fadenbündel (Rohseidenfaden) erfolgt. 

Filatrice hat in Frankreich zweierlei Bedeutung: 1. die Florettseide; 
2. einen Stoff, dessen Kette aus Seide, der Einschluss von Florett ge- 
macht wird. 

Fil d'Epreuve, eigentlich Toiles fil d'Epreuve, mittelfeine, bunte fran- 
zösische Leinen, ganz aus Flachsgarn, blau und weiss gewürfelt, blau und 
weiss gestreift, zuweilen auch in anderen Farben kariert und gestreift. 
Fil de Forez, s. Leinengarn. 
Fil de Sayette, s. Wollengarn. 

Filet , ein durch Knüpfen aus Fäden hergestelltes Netz, das mittels eines 

runden, glatten Holzstabes entsteht — dessen 
Umfang die Grösse der Maschen bestimmt — 
und der sogen. Filetnadel, einem dünen Metall- 
stäbchen, das an beiden Enden gespalten ist 
und in dem sich der streifenartig aufgewickelte 
Fadenvorrat befindet. Der weiteren Ausbildung 
der Technik liegt wohl das einfache Fischernetz 
zugrunde, dessen Heimat kaum festzustellen sein 
möchte; doch kann auch das Ausziehen von 
Fäden, wodurch quadratischer Netzgrund ge- 
schaffen wird, zur Vervollkommnung geführt 
haben. Die ältesten Netzarbeiten (s. d.) sind 
uns als Mützen aus den koptischen Gräbern des 
5. — 7. Jahrh. erhalten, deren Herstellung aber 
nicht immer auf dem einfachen Filetknoten be- 
ruht. (Abb. 69.) Kopfnetze aus farbiger Seide 
mit entsprechender Musterung kommen aus dem 
13. — 14. Jahrh. und sind als rheinische Ar- 
beiten bekannt. Als spitzenartige Decken und 
Borten, meistens in weissem Garn, kommt die 
eigentliche Filetarbeit gleichzeitig in Italien, 
Spanien, Deutschland und Frankreich im An- 
fange des 17. Jahrhs. vor; sie bildet bis ins 
18. Jahrh. hinein eine der beliebtesten textilen 
Kunstfertigkeiten und findet weite Verbrei- 
tung durch Musterbücher. Die Musterung an und für sich schliesst sich 
infolge der quadratischen Grundlage derjenigen für Leinenstickerei streng ''an 
(Abb. 70) ; freiere Ausbildung erfahren die Muster durch den Filetguipüre und 
die Filetstickerei (s. d.). Auch der Orient hat die Filetarbeit in Shawls und 
dergl. aufgenommen, wo sie aber nur in bunter Seide zur Ausführung gelangt. 
(Abb. 71.) Gewebte Filetstoffe, welche den klaren Gazestoflfen 
ähnlich sind, erscheinen im Anfang des 17. Jahrhs. in Spanien und Italien, 
man bediente sich ihrer für Durchzugarbeiten und Stickereien in farbiger 
Seide (s. a. die Netzarbeiten unter Aegypten). 




Filet de Cluny — Filetguipüre. 



189 



Abbildungen: 

69. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart : 
Teil einer Mütze, in filetartiger Netzarbeit aus gelblichem Garn. Aus einem koptischen 
Grabe 5. — 7. Jahrh. 

70. Darstellung aus : Ornamentale und kunstgewerbliche Sammelmappe (Serie V) 
des Kunstgewerbemuseums zu Leipzig. Tafel XXII. Decke in Filetarbeit aus weissem 
Garn mit Darstellung von Tieren und Blütenzweigen in Umrandung einer Ranke mit 
stilisierten Blütenpalmetten. Italien 17. Jahrh. 

71. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerberauseum in Stuttgart: 
Endigung eines Shawls, Filetarbeit in farbiger Seide, im Grunde Streumuster aus ßlüten- 
zweigen, die Borte mit stehenden Bäumchen. Tärkei 18. — 19. Jahrh. 

Abb. 70. 




Filet de Cluny, französische Netzarbeiten aus dem 15. — 17. Jahrh. Sie 
zeichnen sich durch einen sehr engen Netzgrund aus und durch dichtgestellte 
Muster, die mit einem starken Faden umnäht sind. 

Filetdurchzug, s. Filetguipüre und -Stickerei. 

Filetguipüre nennt man die auf einem Filetnetz hergestellten Arbeiten, 
deren Musterung sich nicht an die quadratische Grundfläche binden, sondern 
in rundlichen Linien durch weitergeführte Fäden gebildet werden. (Abb. 72.) 
Mit- dem Guipüre (s. d.) in passementerieartiger Ausführung hat die Technik 
niißhts gemein. 



190 



Filetstickerei. 



Abbil düng: 
72. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Borte, sogen. Filetguipüre in weissem Garn: welliges Rankenmuster. Deutschland 
Ende 17. Jahrh. 

Filetstickerei, Durchzug von Fäden durch die Maschen eines geknüpften 
oder gewebten Netzes ; erscheint im XIY. Jahrhundert als rheinische Kloster- 

Abb. 71. 




arbeit, im XYI. Jahrhundert in Italien (Abb. 73) und (Abb. 74) Spanien für 
profane Zwecke reich in farbiger Seide ausgeführt. Als eine andere Art der 

Abb. 72. 







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Filetstickerei ist diejenige zu bezeichnen, wenn das gröbere Netz als Auflage 
für ein aus Leinen ausgeschnittenes Muster dient, dessen Ränder in farbiger 
Seide bestickt: sie wurde im 17. Jahrh. in Italien und Spanien geübt. (Abb. 75.) 

Abbildungen: 
73. Originalauf nähme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Borte in Filetstickerei aus gelblichem Garn auf weissem Netz, mit eckig gelegtem 
Rankenmuster, das in distelartige Palmettenblüten endigt. Italien Ende 16. Jahrh. 



Filieren — Fillingmaschine . 



191 



74. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Borte in Filetstickerei aus bläulichem Garn auf weissem Netz mit Muster aus Blüten 
und schrägen Balken. Spanien Ende 16. Jahrb. 

75. Originalaufnahme aus dem Königl. Kunstgewerbemuseum in Berlin : Borte, 
Aufnäharbeit aus weissem Leinen mit farbiger Seidenstickerei auf grossmaschigem grün- 
seidenem Filetnetz. Italien 17. Jahrb. 



Abb. 73. 




Abb. 74. 




Abb. 75. 




auf 



Filieren, in der Seidenfabrikation, s. v. w. Zwirnen. 

Filierte Seide, der aus mehreren Kohseidenfäden gezwirnte Seidenfaden, 

Filik-Teppiche werden orientalische Teppiche aus Ziegenhaar genannt. 

Filla (lat.), Schnur, mit der ein Spiegel befestigt wurde. 
. Fillingmaschine, bei der Verarbeitung der Florettseide eine Maschine, 
der das Material in ein Vliess verwandelt und sodann in gleiche Längen 



192 -Filo ad un dente — Finsterwalde. 

zerschnitten wird, um die Arbeiten des Dressierens (Kämmens) und Spinnens 
zu ermöglichen. 

Filo ad un dente, in Neapel eine Art Taffet, der von sog. Scomiglia- 
seide gewebt und einem seidenen Schleier ähnlich ist, weshalb ihn die Ita- 
liener auch Yelo sengro nennen. 

Filo d'Angora, in Italien und Oesterreich das gesponnene Ziegenhaar. 

Filoschegardine, s. Filousche. 

Filoselle, Filosello (ital.), Florettseide, d. s. Abgänge von Grespinstresten, 
w^elche das Rohmaterial zur Florettindustrie abgeben (s. d,). 

Filousche, Filouche, Filosch, ein dünner durchsichtiger Baumwollenstoff 
mit Lein wandverbindung; man rechnet ihn unter die Musseline oder Gazestoffe. 

Filtrierstoffe, s. Filtriertuch. 

Filtriertuch, Filtertuch, Filtrierbeutel, ein dicker loser Wollstoff, der 
entweder durch Weberei aus gedrehtem Grarn oder auch durch Filzen herge- 
stellt wird. In allen Teilen muss der Stoff hinreichend lose sein, um Flüssig- 
keiten schnell durchzulassen, und hinreichend feinporig, um auch sehr feine 
feste Körper zurückzuhalten. Wolle ist nach ihrer natürlichen Beschaffenheit 
hierzu besonders geeignet. 

Filtrum (lat.), Filz; filtreus: aus Filz gemacht. 

Filure (franz.), Gespinst. 

Filz ist ein Stoff aus Wolle und Tierhaaren, die man mit Hilfe von 
Wärme und Nässe auf einer Filztafel mit einem Filzeisen oder Filzblech von 
Eisen oder Kupfer über Kohlenfeuer derartig ineinandertreibt , dass sich die 
kurzen Härchen erst locker ineinanderschlingen, worauf man sie in einem 
AVaschkessel mit warmem Wasser und Weinsteinlösung ineinander walkt. 

Filzgarn, gefilztes Grarn, ein zu den Kunst- oder Ziergarnen (Effekt- 
garnen) gehöriges Garn. Als E-ohmaterial ist nur filzfähiger Faserstoff, wesent- 
lich also Streichwolle anwendbar. Die Herstellung geschieht nach dem gewöhn- 
lichen Spinnverfahren bis zum Vorgarn. Der Yorgarnfaden aber wird nicht 
auf dem üblichen Wege durch Strecken und Drehen in fertiges Garn ver- 
wandelt, sondern durch Yerfilzung der Haare des Yorgarnbündels. Der Filz- 
prozess ist derselbe wie bei gefilzten Stoffen. F. ist weicher und glätter als 
gedrehtes Garn uad besitzt einen matten Glanz. Verwendung findet es ver- 
einzelt als weiches Schussgarn, sowie zu Posamentierartikeln u. a. 

Filzmaschine, eine in der Filz- und in der Tuchfabrikation gebrauchte 
Maschine, auf welcher eine vorbereitete Fache oder ein Haarverliess die Be- 
schaffenheit des Filzes erhält (s. Filz). 

Filzmühle oder Walkmühle, eine Art Filzmaschine (s. Tuchfabrikation). 

Filzteppiche werden nicht gewebt, sondern gestampft und kommen vor- 
züglich in Yezd, Ispahan, Khain u. a. 0. in Persien vor. Es gibt drei Sorten, 
die sich nach der Stärke unterscheiden (s. Nemed). 

Filztuch, im gewöhnlichen Sinne ein Wollstoff, der durch Filzen der auf 
den Yorspinnmaschinen erzeugten Decken oder Pelze hergestellt wird und zu 
Fussdecken, Pantoffeln, Bieruntersätzen u. a. dient. — Dann auch ein aus 
kräftiger Streichwolle hergestelltes dickes Gewebe, das durch Walken stark 
verfilzt ist; es wird als Zylinderüberzug in der Papierfabrikation benützt, 

Fimbria (lat.), goldgestickter Saum, Franse, auch Halskrause ; fimbriatus, 
mit Goldstickereien oder Fransen eingefasst. 

Finastre, eine der schlechtesten Sorten Ardassinseide aus Smyrna. 

Finette, eine Art der französischen Serge. 

Finishing, der englische Ausdruck für die Schlussoperationen der Appre- 
turverfahren, welche den Zweck haben, die Ware verkäuflich zu machen. 

Fin trait, eine Gattung Segeltücher aus Abbeville. 

Fiocchi (ital.), Quasten von Leinenschnüren, die sich im 17. Jahrhundert 
im Zusammenhange mit den Spitzen entwickelt haben. 

Fior di Francia heissen in Italien die broschierten Atlasse. 

Finsterwalde, Stadt im Kreis Luckau des preuss. Eeg.-Bezirks Frank- 
furt: Tuchfabrikation (21 Fabriken mit 5 — 600 mechanischen Stühlen und 



Fischtücher— Flachs. 193 



12 — 1300 Arbeitern). Das hier hergestellte fast ausschliesslich schwarze Tuch 
wird auf Messen in Leipzig, Frankfurt a. 0. und Braunschweig abgesetzt, 
sowie nach Schweden und der Schweiz versandt. 

Fischtücher, eine Gattung wollener Tücher für den levantiner Handel, 
welche in Sachsen, Schlesien und Böhmen gewebt und in den orientalischen 
Farben gefärbt werden, Ihren Namen haben sie von den zwei Fischen, welche 
auf ihrem Bleistempel den Namen der Fabrik umgeben. 

Fischu, Fichu (frauz.), kleine Frauenhalstücher, welche durch Maria An- 
toinette in Mode gekommen sind und zuerst aus einer den Malines (s. d.) ähn- 
lichen Spitzen bestanden. 
Fitze, s. G-arn. 

Fixe (franz.), kleines Bild auf Leimvand oder Seidenstoff, bedeckt von 
einer Glasplatte, wie sie früher zur Ausschmückung der Möbel angewendet 
wurden. 

Flachdraht, s. Lahn. 

Flachs, Lein, der allgemeine Name für mehr als 24 verschiedene Pflanzen, 
die sich durch den fünfblättrigen Kelch, durch die fünfblättrige Blumenkrone 
und durch die fünfschaligen Samenkapseln, die in jedem ihrer zehn Fächer 
einen einzelnen Samen enthalten, auszeichnen. Eine dieser Arten ist der be- 
kannte gemeine Flachs, gemeine Lein, Linum ussitatissimum, dessen eigent- 
liches Yaterland imbekannt ist; doch findet man ihn in einigen südlichen 
Ländern, in Aegypten , in Spanien und auch in der Schweiz, wild ohne alle 
Pflege wachsen. Der Flachsbau ist über ganz Europa verbreitet, doch mehr 
im nördlichen, als im südlichen. Lein heisst eigentlich die ganze Pflanze, 
Flachs aber das daraus zum Garnspinnen vorbereitete Material. (Vgl. die 
Artikel Byssus und Lein.) 

Ln Handel kommen folgende Sorten von Flachs vor: 

Aegyptischer Flachs, ungewöhnlich lang und von rötlicher Farbe; 
meistens sehr stark, daher nur zu grober Leinwand brauchbar. 

Archangeler Flachs, lang, weich, grau in der Farbe; man schätzt ihn 
dem Petersburger gleich. 

Böhmischer Flachs wird unter den deutschen Sorten nächst den lüne- 
burger am meisten geschätzt, er ist rein und von langem glänzenden Haar. 

Danziger Flachs kommt in 6 Sorten in den Handel; die beste Sorte ist 
rigaischer Rakitzer, dann folgt podolischer und als dritte Sorte oberländischer. 
Paternoster ist gering. Zweiband und Dreiband sind unrein. 
Finn ländischer Flachs ist von grüner Farbe. 

Flandrischer Flachs, eine der besten und feinsten Sorten, welcher den 
irländischen besten Arten gleichkommt. Die Einwohner verarbeiten hiervon alles 
selbst für Batist-, Spitzen- und Leinwandwaren, so dass kaum etwas in den Handel 
kommt. 

Französischer Flachs ist gleich dem flandrischen fein und wird auch zu 
den feinsten Geweben und Spitzen verarbeitet. Man erhält daraus die unter den 
Bezeichnungen Ramie und Lin de fin bekannten Sorten; Lin de gros dient nur zu 
mittelfeinen und starken Gespinsten. 

Holländischer Flachs wird wegen seines feinen und glänzenden Fadens, 
seiner Länge und Güte dem flandrischen gleichgeschätzt. 

Irländischer Flachs ist unter allen bekannten Sorten der feinste und beste ; 
er kommt aber nicht in den Handel, weil man nur so viel baut, als in den englischen 
Spinnereien gebraucht wird. 

Königsberger Flachs kommt in verschiedenen Sorten nicht allein aus Ost- 
und Westpreussen , sondern aus Polen und den angrenzenden russischen Provinzen 
nach Königsberg. Man unterscheidet unter folgenden Namen: Feiner oder Königs- 
berger Rackitzer, Kaydans R. , Drujaner R., Podolischer R.; Kettenflachs in Weiss, 
Blau, Grau und Silberfarbig; Oberländischer, Paternoster, Liebstädter, Bauerband; 
Flachsdos nennt man den verwirrten Flachs. 

Libauer Flachs sind im Kürland erbaute Sorten von geringer und un- 
reiner Art. 

Lüneburger, braunschweiger, hannoveraner Flachs rechnet man 
unter die besten deutschen Flachssorten; er wird meist aus dem sogen. Schiesslein 
erzeugt. 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 13 



194 Flachsgarn — Flandrische Leinwand. 

Memeler Flachs wird in fünf Sorten geteilt unter gleichen Bezeichnungen 
wie Königsberger. 

Xarwaer Rein flachs ist eine gute und rein gehechelte Ware, die nicht 
häufig vorkommt, 

Neuseeländer Flachs wird aus den Blättern einer auf den Inseln von 
Neuseeland wild wachsenden Pflanze, Phormium tenax, die zur Familie der Lihaceen 
gehört, gezogen. Man bezeichnet diese Art des Flachses auch oft Manilahanf, doch 
mit Unrecht, da dieser (auch Abaka genannt) von der Musa textilis gewonnen wird. 
Beide haben aber sehr viel Aehnlichkeit miteinander. 

Oesterreichischer, kärntner und tiroler Flachs ist von geringerer 
Qualität als der böhmische und mährische. 

Peru auer Flachs enthält viel Werg, die beste Sorte ist der sogen, geschneide. 
Petersburger Flachs wird sehr geschätzt, seine Farbe ist naturbräunlich, 
er wird indessen bald weiss. 

Riga er Flachs kommt unter allen Grattungen im Handel am häufigsten und 
in grossen Mengen vor, weil R. der wichtigste Stapelplatz für diesen Artikel ist. 

Sächsischer und lausitzer Flachs ist dem böhmischen an Güte gleich; 
man ist im übrigen seit lange in Sachsen bemüht, die belgische Methode des Flachs- 
baues einzuführen. 

Schlesischer Flachs ist fein, fest und rein gehechelt; man hält ihn nächst 
dem böhmischen und mährischen für eine der besten Sorten. 

Thüringischer Flachs; man baut in Thüringen, wie in Hannover und 
Braunschweig zwei Arten von Flachs: Klängellein, Klanglein und Springflachs. 

Ausserdem wird der Flachsbau in allen Gegenden Deutschlands betrieben: 
Bayern, Württemberg, Hessen, Baden, Westfalen u. s. w.; er kommt aber in 
Mengen nicht in den Handel, weil er in den ihn erzeugenden Ländern zu Leinwand 
verarbeitet wird. 

Flachsgarn, s. Leinengarn. 
Flachsspinnerei, s. Spinnerei. 
Flachstich, s. Plattstich und Stickerei. 

Flachswolle, aus der rohen Flachsfaser durch wiederholtes Behandeln 
mit Sodalösung und nachfolgendes Neutralisieren durch Schwefelsäure dar- 
gestelltes Surrogat für Baumwolle , das bisher aber noch wenig praktische 
Verwertung gefunden hat. 

Flackmaschine, veraltete Bezeichnung für Schlagmaschine. 
Flaggentücher oder Schiffsfahnen werden von leichtem Wollenzeug her- 
gestellt, das man Fahnentuch nennt (s. Fahne). 

Flaine, eine Art Coutils oder Bettzwilliche. 

Flämisch Leinen, Ylämisch Leinen, ist einfache, gedrungen gewebte 
russische Leinwand von sächsischem Garne, welche in den südlichen Gegenden 
des Reiches gefertigt, ungebleicht nach Holland, England und Amerika ver- 
kauft werden. 

Flammes, französische, buntgeflammte, auf Leinwandart gewebte Zeuge, 
deren Kette aus Leinengarn, der Einschlag aus Baumwolle besteht. 

Flammierte, geflammte, chinierte oder jaspierte Stoff'e heissen diejenigen 
tuchartigen Gewebe, welche flammige Streifen oder gesprenkelte, lange Linien haben. 
Man färbt dazu bestimmte Garne so, dass mehrere Stellen weiss bleiben, die übrigen 
aber die beliebige Farbe behalten, daher man die zur Kette oder zum Ein- 
schlag bestimmte Garnstrehne mit Bindfaden so umbindet , dass die Farbe die 
bewickelten Stellen nicht berühren kann und diese deshalb weiss bleiben. 
Auch mehrere seidene oder reiche Stoff'e, sowde Bänder, auch genähte oder gestickte 
Arbeiten, die ein flammenartiges Muster oder gleichsam einen geflammten Glanz 
haben, nennt man flammiert oder flammig. 

Flamski Polotno oder Plotno, Polotno heisst auf russisch die flächsene 
Leinwand ; man versteht darunter alle auf niederländische oder flandrische Art 
gewebte Leinwand; insbesondere begreift man darunter in Petersburg die beste 
Sorte der sogenannten flämisch Leinen (s. d.). 
Flandrische Garne, s. Leinengarn. 

Flandrische Leinwand werden im allgemeinen die besten und feinsten 
Leinengewebe genannt, die in den ehemaligen französischen und österreichischen 
Niederlanden gefertigt wurden. 



Flandrische TextilerzeugDisse — Flanell. 



195 



Flandrische Textilerzeugnisse älterer Zeit siehe unter Wandteppiche, 
Weberei und Spitzen. 

Flanell oder Flonell, Franella, Fa-lan-jin, Fa-lag-nel, Faupak, ein leichtes, 



Abb. 76. 




Abb. 77. 



tuchartiges Gewebe aus Wollengarn, welches entweder gar nicht oder nur sehr 
wenig gewalkt (gewaschen), dann gerauht, aber nicht geschoren wird, und mit 
verschiedenen Abänderungen, glatt, gepresst, 
frisiert , geköpert , gedruckt und gestreift, in 
verschiedener Feinheit in den Handel kommt. 
Bei allen Grattungen wird zur Kette aus zwei- 
schüriger Wolle fest gesponnenes Grarn genommen, 
zum Einschlag Streichwolle. Vielfach wird auch 
Fl. mit baumwollener Kette gemacht, den man zu- 
weilen Hemderflanell o der Bolivarflanell nennt. 
Bei einigen bunten gestreiften Gattungen ist die 
Kette Leinengarn, und der Einschlag Schafwolle. 
Man webt den F. wie Tuch, doch da er nur die 
Wäsche mit Seife bekommt, so wird er etwas 
dicht geschlagen , wodurch er sich vom Boy 
unterscheidet, der stärker gewalkt wird. Das 
Rauhen geschieht nur einmal; nach demselben 
wird er geschwefelt und nass in die Rahmen 
gespannt. Die feinsten Sorten erhalten einen 
Köper, wie Kersey, und sind unter dem Namen 
Gesundheitsflanell, geköpert er Fl. be- 
kannt. Die Herstellungsorte in Deutschland sind 
Sachsen, Thüringen, Württemberg, Preussen, 
Hannover, Hessen. In grossen Mengen findet 
Fl. zu Frauenunterröcken Verwendung. lieber 
gedruckten oder türkischen Flanell vgl. den 
Artikel Golgas. In früherer Zeit wurden vor- 
zugsweise in Flandern feine Flanelle hergestellt, 
später auch in England und Nordfrankreich, 
heut stehen die deutschen Fabrikate den fremdländischen nicht nach. lieber 
flanellartige Zeuge wie Moltons, Boy, Fries, Lamas, Bajetas vgl. die einzelnen 
Artikel. 




196 



riatted wire — Flechtbänder. 



Fiatted wire (engl.), s. Lahn. 

Flaus (Fries, Coating), tuchartiges, zuweilen geköpertes Grewebe, ist 
dicker und hat längeres Haar als gewöhnliches Tuch. 

Flechtbänder oder Bandmuster sind als Begrenzung deckender Flächen 

Abb. 78. 




aus Produkten der textilen Kunst durch Flechten, "Weben oder Sticken hervor- 
gegangen und in dieser Bedeutung auch auf die allgemeine Formensprache des 
Kunstgewerbes übertragen worden. Die ersten schmückenden Formen derselben 
gingen aus dem technischen Yerfahren hervor, welche bei ihrer Herstellung 



Flechtbänder. 



197 



stattfand: d. s. Reibungen von Flecbtmotiven, deren älteste Beispiele uns scbon 
aus dem alten Aegypten und Assyrien (Abb. 76) bekannt sind, von wo sie das 

Abb. 79. 




Abb. 80. 




klassische Altertum übernahm (Abb. 77) und weiter künstlerisch ausbildete. 
Tom Besatz- oder Bortenmotiv, für welches in der Textilkunst eine eigene 
Technik (s. Brettchenweberei) von frühesten Zeiten an nachgewiesen ist, welche 



198 



Flechtbänder. 



der Bortenwirkerei (s. d.) zugrunde liegt, geht das Flechtbandmuster über als 
reine Grundfüllung (Abb. 78), wozu der arabische Einfluss (s. arabischer Stil) 
beiträgt, welcher es bis zum 13. Jahrh. immer mehr selbständig erscheinen 
lässt. (Abb. 79 u. 80.) Auch in China und Japan wird das Motiv des Flecht- 
bandes aus der Technik heraus entwickelt, wobei als Ausgangspunkt einesteils 
der Mäander (Abb. 81), aber auch jene Flechtart wahrzunehmen ist, welche 
auf breiten Knotenverschlingungen beruht, die sich als Flachmuster aus- 
dehnen. (Abb. 82.) Yom Orient aus nehmen die Flechtbandmuster mit den 
übrigen Motiven der Textilkunst ihren Weg nach Europa, wobei seit dem 
16. Jahrh. in Spanien, Italien und Deutschland eine Umwandlung zu erkennen 
ist, welche die ursprüngliche Bedeutung derselben hinten anstellt (Abb. 83 u. 84) 
und vielmehr auf die geflochtene Matte als die Entstehung derartiger breiter 
angelegter Flechtbandmuster hinzudeuten scheint. 

Abb. 81. 




Abbildungen: 

76. Darstellung aus: Semper, Der Stil u. s. w. Bd. 1, Taf. XII. München 1878: 
Doppelborte mit Flechtband und Palmeiten; von einer assyrischen Wandmalerei. 

77. Darstellung aus: Margarethe Lehmann-Fühes, üeber Brettchenweberei. 
Berlin 1901: Bandornament auf einem römischen Mosaikfussboden. 

78. Originalaufnahme aus dem Kunstgewerbemuseum in Leipzig: Aufsatzstück 
eines Gewandes, gobelinartige Stopfarbeit in violetter Wolle, darauf in feinem weissen 
Garn gestickt: Muster aus Flechtband und Rosetten. Original aus einem koptischen 
Grabe 5. — 8. Jahrh. 

79. Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Bl. 2, Fig. 1. Leipzig 1896: R(/sette 
aus Flechtbandwerk in Umrahmung von zwei durchsteckten Quadraten. Original auf 
einem spanisch-maurischen Seidenstoff des 13. — 14. Jahrh. in der Stoffsammlung des 
Königl. Kunstgewerbemuseums zu Berlin. 

80. Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Bl. 2, Fig. 2. Leipzig 1896: Rosette 
aus Kelchpalmetten im Yierpass, in Umrahmung eines rund gelegten doppelten Flecht- 
bandes, Original auf einem arabisch-indischen Seidenstoff des 13. — 14. Jahrh. in der 
Stoffsammlung des König]. Kunstgewerbemuseums zu Berlin. 

81. Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Bl. 100, Fig. 1. Leipzig 1896: 



.Flechtbänder. 



199 



Rosette aus Flechtbandwerk mit stilisierten Blütenranken. Original aus einer Weberei 
in farbiger Seide im Königl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin. China 18. — 19. Jahrh. 




v^l 



E.^ 



Abb. 83. 




Abb. 84. 




82. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Seidengewebe, Grund blassgrün, Muster gelb, die runden Felder Goldpapier: Rauten- 
felder aus Flechtbandwerk enthalten eingerahmte Rundbilder mit Drachen. Japan 
um 1800. 



200 Flechtenstich— Flockentuch. 



83. Originalaufnahme aus dem Kunstgewerbemuseum in Leipzig: Leichtes Seiden- 
gewebe, Grund grün, Muster gelb: In Keihen versetzte Gruppen von Flechtbandwerk. 
Deutschland (?) 16. Jahrh. 

84. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Stickerei auf Kanevas in farbiger "Wolle und etwas Seide, Muster aus Flechtbandwerk. 
Süddeutschland 16.— 17. Jahrh. 

Flechtenstich, s. Zopfstich. 

Flechtspitze ist die einfachste Form der Klöppelarbeit, sie wird haupt- 
sächlich in der sogen. Vierflechte ausgeführt, bei der sich die Fäden bald 
gerade, bald schräg bewegen und mit den entgegenkommenden verkreuzen 
(s. Spitzen\ 

Flechtwerk, s. Flechtbänder. 

Fleecy-Hosiery (engl.), gefüttertes Strumpfzeug aus Baumwolle, auf der 
einen Seite glatt, auf der anderen aber durch die eingelegte, fest in die Maschen 
eingewirkte offene Schafwolle völlig rauh wie ein Pelz, und je nach den Be- 
dürfnissen von verschiedener Dicke. In Deutschland wird der Artikel für 
Mützen, Strümpfe, hauptsächlich aber für Jacken, gefertigt. 

Flems (engl.), flämische Leinen (s. d.). 

Flensburg, Stadtkreis im preuss. Beg.-Bez. Schleswig: Tuch- und "Woll- 
warenfabrikation. 

Flers, Hauptort im Arrond. Domfront des franz. Depart. Orne : Spinnerei 
und "Weberei. 

Fleurance, Hauptort des Kantons F. im Arrond. des franz. Depart Grers: 
Baumwollspinnerei. 

Fleur de lis, s. Lilie. 

Fleuret ist Florett (s. d.) auch Florettseide. 

Fleurets nannte man früher die ausgesuchten und besten B,ouen blancards, 
eine aus halbgebleichtem Garn gewebte Leinwand, welche von Bouen und 
Morlair nach Holland und England ging, und dort besser gebleicht und appre- 
tiert nach Amerika und Westindien gesandt wurde. Heut ist der Name Fleuret 
veraltet, man nennt den Artikel Blancard. 

Fleurier, Ort in der Schweiz: Erzeugung von Spitzen seit dem 17. Jahr- 
hundert. 

Fleuron, ein leichter französischer Stoff von Seide, Leinen und Wolle, 
der früher in Amiens gewebt wurde. 

Fliess, Yliess, s. v. w. Schafwolle. 

Flinder, s. v. w. Flitter (s. d.); daher die Flinderhaube, mit Groldplättchen 
behängte Staatshaube der Frauen im Mittelalter. 

Flittern, Flinkem, Flinder, Pailletten, (engl.: spangles) Plättchen, sind 
kleine dünne Scheiben von Messing-, Tombak- oder Silber- und Golddraht 
geschlagen. Man verwendet sie seit dem frühesten Mittelalter zu (echten und 
unechten) Stickereien. Hier waren es oft grössere in Relief getriebene leichte 
Platten, die im Sinne der Brokatweberei als Vorläufer der Aufnäharbeit 
gelten. 

Flixcourts, französische Leinen, die in der Gegend von Amiens gewebt 
werden. 

Flocard (franz.), quastenähnlicher Zierat am Pferdeharnisch. 

Flocart, floquart (franz.), der Schleier, welcher von der Spitze der bur- 
gundi sehen Haube (hennin) herabhing. 

Floches, dünne Näh-, Posamentier- und Fransenseide. 

Flocken, s. Wolle. 

Flockenleinwand oder Fockenleinwand sind die aus dem geringen, groben 
Werggarn gewebten Packleinen, welche aus Sachsen anter dem Namen Barras 
in den Handel kommen. 

Flockentuch, ein in früherer Zeit sehr gangbares grobes und starkes 
Tuch aus Abgängen der Wolle in der Spinnerei. Statt desselben fertigt man 
in England Tuch aus Shoddy wool. 



Flockseide— Florenz. 201 



Flockseide, (franz.: Frisons), Abfall vom äusseren unregelmässig ge- 
sponnenen Teil der Kokons, welcher in der Florettindustrie Verwendung 
findet. In Japan kommen Frisons meistens in Wattenform in Verkehr. 

Flocktapeten, Leinentapeten, auf welchen das Muster durch Auftragen 
von pulverisierter Flockenwolle (d. i. Abfall beim Scheren des Tuches) auch 
Seidenstaub hergestellt worden ist. Dieselben wurden zuerst im Anfange des 
17. Jahrhunderts von Audrian in Paris aus Wachstuch gemacht. Nach Beck- 
mann (Geschichte der Erfindungen, Leipzig 1784) ist das Alter der Herstel- 
lungsart fraglich). Derselbe schreibt sie dem Engländer Lanyer (1644) oder 
dem Franzosen Frangois (1620) zu. Sie waren auch unter dem Namen Tapisserie 
de tonture en laine bekannt. 

Flockwolle ist Scherwolle. 

Flocone ist der dicke, weiche und flockige Paletotstofi"; sein eigentüm- 
liches Aussehen wird ihm mittels verschiedener Arten der Appretur erteilt. 
Seine Herstellung geschieht, indem nach 1 oder 2 Grundschüssen 1 mehrfacher 
Grundschuss erfolgt, der auf der rechten Seite der Ware stellenweise flottiert 
und dann in Tuch verbindet. Die ungebundene Stelle dient zur Bildung 
des Flors. 

Flohteppiche, Händlerbezeichnung für eigentümliche persische Knüpf- 
teppiche: sie zeigen eine kleine stilisierte Palmettenmusterung auf rotem Grunde. 

Flor, allgemeine Benennung für ein dünnes, durchsichtiges oder netz- 
artiges Gewebe, bei welchem die Fäden der Kette und die Einschlagfäden 
merklich voneinander abstehen, in vielen Sorten und verschiedenem Material. 
Ein wesentlicher Unterschied ist nicht zwischen Flor und Gaze, auch der 
Musselin hat ein gleiches Gewebe. Im allgemeinen ist die Bezeichnung Flor 
für offene oder klare Gewebe veraltet, statt seiner ist der Ausdruck Gaze 
(s. d.) für dergleichen gebräuchlicher. 

Flor nennt man auch bei der Sammet- , Felbel- und Manchester- 
weberei die in die Grundkette eingeschlagenen Fäden, welche über erstere 
hinaustreten. 

Florence, ein glatter in Leinwandbindung hergestellter Seidenstoff, zu 
welchem nur die feinen Gattungen der Seide verwendet werden und welcher 
an die Stelle des Taffets getreten ist. Er unterscheidet sich von diesem durch 
einen grösseren Glanz, der teils durch die dazu genommene ganz gekochte 
Seide (tout cuit), teils durch eine sorgfältige Appretur entsteht. Man machte 
den Stoff zuerst in Florenz, woher er seinen Namen hat. 

Florentiner Rasch, Haso di Firenze, eine eigene Gattung feiner bunt- 
farbiger Hasche, welche in Florenz aus dem feinsten und zartesten Wollengarn 
gewebt und in Ballen zu Anzugsstoffen für Männer verarbeitet werden; man 
nannte den Stoff sonst auch Finette. 

Florentines, Florentins, nennt man feine, geköperte Wollenzeuge aus den 
Wollenmanufakturen von Norwich und Halifax. 

Florenz (ital.: Firenze; lat. : Florentios), Hauptstadt gleichnamiger ital. 
Prov. ; Die Seidenverarbeitung wird um das Jahr 1204 eingeführt und erreicht 
ihre Blütezeit im 14. Jahrh. Gegen Ende des 13. Jahrh. kommt durch süd- 
deutsche Mönche die Tuchweberei hierher und die Fabrikate sind im 14. und 
15. Jahrh. im Orient wie im Abendlande stark begehrt. Der steigende Reich- 
tum in der Residenz der Medicäer, die in grosser Anzahl arbeitenden Web- 
stühle und die handfertigen Weber waren der Einführung der Seide günstig. 
Man besitzt einen interessanten Aufsatz der florentinischen Seidenweber des 
14. und 15. Jahrb., der meist in Form eines Dialogs gehalten, aber genaue 
Angaben über Technik und Webekunst der Seidenstoffe liefert. (Vgl. Silber- 
mann, die Seide. Dresden 1897. Bd. I, S. 81.) Vom Ende des 15. Jahrh. an 
entstehen Sammet-, Gold- und Silberbrokate, welche die bis dahin in den be- 
rühmten Herstellungsorten Lucca, Pisa und Genua gefertigten Stoffe über- 
trafen. Im 16. Jahrh. ging die Textilindustrie infolge innerer Kämpfe schon 
zurück; nur die Herstellung genähter Spitzen erhielt sich länger. Auch in 
neuerer Zeit ist die Industrie nicht bedeutend. 



202 Floret— Fontange. 



Floret, riorets, Spiegeldamast, ein glänzender, figurierter Wollenstofi" 
s. Droguet. 

Floret, s. Florett und Seide. 

Floreteades, im spanis<jlien Handel die Popeline. 

Florettas ist der Name feiner weissgebleichter flandrischer Leinen, welche 
durch das feine ausgesuchte flächsene Garn und durch die sorgfältige Arbeit 
einem starken Batist ähnlich sehen. 

Florettband, Frisoletband; im allgemeinen eine geringe Bandsorte von 
Florettseide, welche nur aus einem schmalen leinwandartig verbundenen Ge- 
webe besteht und in bunten Farben einfach und gestreift und auf Bandmühlen 
oder Mühlenstühlen mit vielen Gängen gefertigt wird. Es hat nicht das glatte, 
glänzende Ansehen des ganz seidenen Bandes, weil die Knoten der ungleichen 
Fäden der Florettseide sich bei aller Appretur doch nicht völlig wegbringen 
lassen. 

Florettindustrie, Zweig der Seidenabfall Verarbeitung, welche im Anfang 
des 18. Jahrhunderts besonders in der Schweiz und im Elsass zur Entwick- 
lung gelangte. Sie beruht auf der Nutzbarmachung aller Abgänge von wirren 
Gespinstresten und dergl. , welche sich bei der Baupenzucht und Gewinnung 
der Seide aus den Kokons ergeben; man ist bemüht, ihre Leistungsfähigkeit 
durch chemische und maschinelle Erfindungen fortgesetzt zu verbessern (s. 
Seidenabfälle und Florettspinnerei). Die Grossindustrie des Floretts , d. i. 
mechanische Seidenspinnerei, beginnt erst um 1860, hat sich aber, wie kein 
anderer Zweig der Textilindustrie, schnell entwickelt. In der Schweiz hatte 
die Florettindustrie als Hauptgewerbe schon im Jahre 1555 bestanden und war 
im 18. Jahrhundert namentlich an den Ufern des Yierwaldstädter Sees rege 
betrieben worden. Die erste mechanische Florettspianerei entstand 1830 in 
Basel. In Frankreich war das Florettgewerbe schon im 13. oder 14. Jahr- 
hundert im Betrieb, doch war die Qualität der Gespinste gering. (Vgl. Silber- 
mann, die Seide. Dresden 1897. Bd. II, S. 1 ff.) 

Florettleinwand, s. Florleinwand. 

Floretts, ein dem Satin ähnlicher glänzender wollener damaszierter Stofi" 
aus englischen Manufakturen, für Landleute bestimmt. Man nennt ihn auch 
Spiegeldamast. 

Florettspinnerei, s. Florettindustrie. 

Florida (Pensacola), nordamerikanische Baumwollsorte, weiss ins Grau- 
gelbe, minder glänzend und kräftig im Faden. 

Florleinwand oder Florettleinwand nennt man Gewebe, die sich von der 
gewöhnlichen dünnen Leinwand darin unterscheiden, dass sie aus glatten, feinen 
Fäden ganz locker geschlagen sind, so dass der Einschlag wie die Kette von- 
einander abstehen und dass bei gleicher Breite die Kette dazu weit weniger 
Fäden hat, als die Kette zur gemeinen Leinwand; ferner, dass der Schuss 
nicht mit der Lade festgeschlagen, sondern jeder neu eingeschossene Faden 
genau in dem gehörigen Abstand von dem vorhergehenden bleiben, wozu man 
sich des sogen. Regulators (s. Webemaschinen) zu bedienen pflegt. 

Flottliegend heissen bei atlasartigen Geweben die oben aufliegenden, die 
BinduDgen verdeckenden Kettenfäden. 

Flüchtige, flüchtig stehende oder geschossene Zeuge nennen die "Weber 
diejenigen, welche weit im Blatt stehen und locker geschossen werden. 

Foes, ein leinwandartiges Baumwollengewebe. 

Folie ist das zu dünnen Blättern oder Blechen geschlagene Metall, 
welches in verschiedenen Formen (Sternen, Blattrosetten u. dgl.), in ähnlicher 
"Weise wie Flittern (s. d.) , namentlich in bäuerlichen Stickereien Ver- 
wendung findet. 

Fond, le, das Einnähen der Schlingstiche für Nähspitzen. 

Fond d'or ist Goldstoff". 

Fontange (franz.), hohe, über ein Drahtgestell aus Spitzen oder Flor 
aufgebaute Frauenhaube, getragen bis etwa 1720. Die Herzogin von Fon- 
tanges soll diesen Kopfputz zum Schutze gegen die Sonne erfunden haben. 



Fontenay-le-Comte — Frankenberg. 203 



Fontenay-le-Comte , Hauptstadt des gleichnamigen Arrond. im franz. 
Depart. Yendee: Tuch- und Leinwandindustrie. 

Forcalquier, Hauptstadt des Arrond. F. im franz. Depart. Basses-Alpes : 
Seidenspinnerei. 

Forchheim, Stadt im bayer. B,eg.-Bezirk Oberfranken: Spinnereien und 
Webereien. 

Fordingbridge, Stadt in der engl. Grafschaft Hampshire: Leinenmanu- 
faktur und Kattundruckerei. 

Forenza, Ort in der ital. Provinz Potenza: Leinwandindustrie. 
Forestieri (drappi), im italienischen und levantinischen Handel die fran- 
zösischen Tücher, welche den niederländischen nachgemacht sind, 

Forets-whites, auch Penistones, sind englische wollene Tücher. 
Forfar, Hauptstadt gleichnamiger schottischer Grafschaft: Leinwand- 
industrie. 

Forillos crudos nennen die Spanier die beste Sorte der schlesischen 
ungebleichten Platilles. 

Formen- oder Leinenschlagspitze bemüht sich durch gobelin- und leinen- 
artige Bindung breitere Flächen herzustellen; der einfachere Flechten schlag 
wird dabei fast nur für die Yerbiadungen angewendet. 

Fossano, Stadt in der ital. Provinz Cuneo: Seidenspinnerei und -Weberei; 
Tuchfabrikation, bedeutender Handel. 

Fossombrone, Stadt in der ital. Provinz Pesaro e TJrbino : bedeutende 
Seidenindustrie (Seta della Marca), s. d. 

Fossys sind eine Art ostindischer baumwollener Zeuge von verschie- 
dener Farbe. 

Fotalongees, ostindische, von Baumbast und Seide gemalte Stoffe mit 
Streifen. 

Fotas, Fottes, Foras (franz.: phottes), eine Gattung baumwollener, bunt- 
gewürfelter und buntgestreifter Tücher, welche die Franzosen früher von der 
Küste Coremandel und aus Bengalen und an den afrikanischen Küsten in den 
Handel brachten. 

Fougeres, Hauptstadt im gleichnamigen Arrond. des franz. Depart. Illa- 
et-Yilaine : Wollspinnerei und -Wirkerei. 

Fougeres, Namen verschiedener Sorten französischer Leinen. Fougeres 
d'Emballage : starke hänfene Packleinen; F. halles : flächsene ungebleichte Leinen; 
de menage: eine weiss gebleichte, gedrungene Leinwand. 

Foulard, Foulas (franz.), leichter Seidenstoff, Kette von ungezwirnter 
Rohseide und Schuss von Florettseidengarn. Foulards werden auch ostindische 
seidene Basttücher genannt , welche schwer , aber sehr ungleich im Gewebe 
sind, zuweilen glatt, meistens aber auf rotem und braunem Grunde, mit weissen 
oder gelben, auch dunkeln Mustern bedruckt. Als die Zeugdruckerei sich in 
Europa vervollkommnet hatte, wurden die Foulards von Indien eingeführt und 
in Manchester, Nimes, Elberfeld, Berlin, Chemnitz u. s. w. bedruckt. 

Fourmies, Stadt im Arrond. Avesnes des franz. Depart. Nord: Woll- 
kämmerei, Baumwollspinnerei, Garnbleichen, Strumpfwirkerei. 
Fourrivu (franz.), Pelzwerk, Pelzmantel. 

Fraises (franz. = Kalbsgekröse), ein gefältelter kurzer Spitzenkragen, 
der nur bis an die Schultern reicht, dagegen rund um den Hals gleich- 
förmig liegt oder gesteift absteht; er wurde in Frankreich Mode zur Zeit 
Heinrich IL, der wegen einer Narbe am Halse zum Tragen desselben ge- 
zwungen war. 

Franella, s. Flanell. 

Frange (franz.), Fadensaum, Franse (s. d.), frangieren, mit Fransen 
besetzen. 

Frankenberg, Stadt in Sachsen : Fabrikation von wollenen, halbwollenen 
und seidenen Webereien (Teppiche, Portieren, Cheviot u. s. w.), Steppdecken. 
Fernör Appreturanstalten und Färbereien, Kattundruckerei: das grösste In- 
stitut Sachsens dieser Art. 



204 Frankreich. 



Frankreich, Republik und Grossmacht Europas. Unter den einzelnen 
Zweigen der Industrie kommt an Bedeutung keiner der Textilindustrie gleich 
(1897 : 6713 Betriebe), deren Produktion auf 3 Milliarden geschätzt wurde. 
Davon entfielen etwa 1200 Mill. auf Woll- , 500 Mill. auf Seiden-, 600 Mill. 
auf Baumwoll- und 350 Mill. Frcs. auf die Hanf-, Leinwand- und Jutemanu- 
faktur. Als wichtigster Zweig der Textilbranche ist die Seidenindustrie 
hervorzuheben, die seit dem 8. Jahrhundert durch Yermittelung der Friesen 
nachweisbar ist; im 18. Jahrhundert befestigte sich der Seidenbau namentlich 
im Süden; doch gab die Widerrufung des Ediktes von Nantes (1685) der bis 
dahin in stetigem Wachstum begrifPenen Industrie einen heftigen Stoss: über 
80 000 geübte Handwerker siedeln nach England und Deutschland über. Lud- 
wig XVI. führt die vorzügliche weisse Originalrasse „Sina" der Seide direkt aus 
China ein, während bis dahin die gelben, grünlichen und weisslichen ßassen kulti- 
viert wurden. F. ist für den Seidenbau das zweitwichtigste europäische Land, 
besondere Bedeutung haben die Departements der Rhone: G-ard, Ardeche, Drome 
und Vaucluse sind die am meisten erzeugenden Provinzen. Die bedeutendsten 
Sammelpunkte sind Alais, Uzes, Nimes, Yalena, Chomerac, Viviers, Cavaillon, 
Avignon, Joncquieres, Hochemaure u. a. Der Verbrauch an roher Seide (1899 : 
4,7 Mill. kg), der sich in den letzten Jahren fast immer gleich geblieben ist, ver- 
langt gegenüber der Produktion (1890 etwa 650000 kg, hergestellt in 1400 Roh- 
seidenfabriken durch 45500 Arbeiter, 1899: 566000, 1900: 736000 kg) eine 
bedeutende Einfuhr von Kokons roher und filierter Seide. 1897 gab es : 1028 
Spinnereien und Webereien mit 78000 Arbeitern, 1400000 Spindeln und 
61200 mechanischen Webestühlen, während die Zahl der Handstühle zurück- 
gegangen ist. F. fabriziert in der Hauptsache Ganzseidenwaren und übertrifft 
darin alle übrigen Länder. Die französischen Seidenwaren zeichnen sich vor 
allem durch Feinheit des Geschmacks und vollendete technische Ausführung 
aus. Der Wert der Ausfuhr belief sich 1900 auf 263, der der Einfuhr auf 
61,5 Mill. Fr. In der Schafwollenindustrie zählte man 1885: 3266000 
Spindeln, 46 300 mechanische Webstühle und 112000 Arbeiter in 1882 Be- 
trieben, 1897: 3500000 Spindeln, 72000 mechanische Webstühle und 160000 
Arbeiter in 2100 Fabriken. Sie ist am meisten entwickelt in den Depart. 
Nord (etwa 300 Manufakturen), Ardeche (230), Tarn (150), Marne (100), Aisne(50), 
Seine-Inferieure (50), Sonne (50). Die Zahl der Handstühle betrug 1873 : 60000, 
hat sich aber bis 1897 auf 23000 vermindert. Der Einfuhr von Schafwollen- 
geweben im Werte von 42,2 Mill. Fr. stand 1900 eine Ausfuhr von 220,2 Mill. Fr. 
gegenüber. Einen besonderen Ruf haben die Tuche und Weichgarngewebe 
von Elbeuf, Sedan und Louviers, die Kammgarn- und Damenkleiderstoffe von 
Le Cäteau-Cambresis, Ronen, Reims, Tourcoing, und Roubaix und die Shawls 
von Paris, Nimes und Lyon. Schliesslich nimmt F. in der Verfertigung von 
Wandteppichen (s. Gobelins und Savonnerieteppiche) di« erste Stelle uuter den 
europäischen Ländern ein; Mittelpunkte sind Paris, Aubusson und Beauvais. 
Die einheimische Wollproduktion (1899: 43 Mill. kg) reicht für den Bedarf 
nicht aus; es werden noch (1900) für 374,1 Mill. Fr. Rohwolle und für 29 
Mill. Fr. Wollabfälle (meist aus Argentinien, Australien und denl Kapland) 
eingeführt; dagegen wird auch (1900 für 219 Mill. Fr.) Wolle wieder aus- 
geführt. Die Baumwollenindustrie wurde 1773 zuerst in Amiens ein- 
geführt und hat seit dieser Zeit einen gewaltigen Aufschwung genommen. 
1900: 5,29 Mill. Spindeln, 95000 Webstühle und 450000 Arbeiter. Die Haupt- 
sitze sind die Depart. Nord, Seine-Inferieure, Vosges, Pure und Aube. Als 
Hausindustrie wird sie hauptsächlich noch in den Depart. Rhone, Somme, 
Aisne, Ome, Loire und Isere betrieben. Die Einfuhr von Baumwolle war 
1900 auf 168,3 Mill. Fr. angewachsen. Die Einfuhr von Baumwollgeweben 
belief sich im Spezialhandel 1900 auf 47, die Ausfuhr auf 152,4 Mill. Fr. 
Von grosser Bedeutung ist in F. auch die Leinenindustrie, welcher sich 
die Hanf- u. Jutemanufaktur anschliesst. Mittelpunkte für die Flachsspinnerei 
sind die Städte Amiens und Lille, für Hanfspinnerei Mezidon (Calvados) und 
Angers, für Jutegespinste Ailly (Somme) und Dünkirchen. Die Leinenweberei 



Frankstadt — Frasnes-lez-Buissenal. 205 

wird namentlich in Lille, Cambrai , Valenciennes und Armentieres betrieben ; 
Hanfstoffe liefern besonders Diinkirchen und Angers, Jutegewebe einige nörd- 
liche Departements. Anfang 1898 zählte die Leinwandindustrie (ohne Jute) 
550000 Spindeln, 17000 Maschinenstühle und 20000 Handstühle. Der Ge- 
samtverbrauch von Rohstoffen beläuft sich auf etwa 2100000 Zentner. Die 
Einfuhr an Leinenwaren betrug 1900 (Grewebe und Garn, incl. Hanf und 
Ramie) 17,1, die Ausfuhr (einschliesslich Jute) 41,5 Mill. Fr. Die Weiter- 
verarbeitung der Webstoffe ist im hohen Grade entwickelt, und hier kommt 
der französischen Lidustrie sehr zu statten, dass Paris noch heute der ganzen 
Welt die Moderichtung diktiert, sowohl was die Stoffe selbst, deren Farben 
und Muster, als auch deren Fasson und Bearbeitung betrifft. In der Spitzen- 
industrie haben sich einige Gegenden ihren europäischen Ruf erhalten. 
Solche sind die Depart. Orne (Alengon), Calvados (Bayeux und Caen), Nord 
(Valenciennes und Lille), Oise (Chantilly), Pas de Calais (Calais und Arras), 
Haute-Loire, Puy-de-D6me und Cantal, ferner die Städte Paris, Lyon, St. 
Quentin u. s. w. Eingeführt werden die Spitzen zuerst im Jahre 1653 von 
Italien; aus Venedig kommen Arbeiterinnen, um Technik und Musterung der 
Kadelarbeiten (point de Venise) unter dem Namen „point de France" nach- 
bilden zu lassen. Die Posamentenfabrikation wird vorzugsweise in 
Paris, Lyon, St. Etienne, Nimes, Amiens und Nantes betrieben. 

Frankstadt, 1. Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Mistett in 
Mähren : bedeutende Leinen- und Baumwollenindustrie. 2. Stadt in der österr. 
Bezirkshauptmannschaft Schönberg in Mähren : grosse Leinenindustrie ; Webschule. 

Franse, Franche, Frange, Franze (franz.: frange , engl.: fringes; span.: 
flecos) , Saum oder Endigung aus dicht herabhängenden Fäden , entsteht zu- 
nächst aus den an der Qaerseite stehen bleibenden losen Kettfäden jedes ge- 
webten Stoffes, woraus sich die weitere Arbeit der Bortenwirker uad Posa- 
mentierer entwickelt hat, auch stilistisch schon im frühen Altertum daher seine 
Ableitung findet, wie es die Endigungen der Binden und Tücher aus dem alten 
Aegypten zeigen. Künstlerische Ausbildung reichen Fransenbesatzes an den 
Gewändern der Assyrer (vgl. Abb. 28). Das Mittelalter lässt die Franse aus 
verschiedenfarbigen lang herabhängenden losen Seidenfäden als Besätze der 
Kirchenausstattung und Gewänder selbständig werden, zu welcher Zeit der 
Halter aus Bergkristallkugeln entsteht, dem später ein solcher in Holz ge- 
drechselt folgt (s. Quasten). Am Ende des 16. Jahrhunderts entsteht die Knopf- 
franse (s. d.). Die weiteste Ausbildung erfährt die F. als Möbelbesatz im 17. und 
18. Jahrb., als die feste gewirkte Borte in Posamentierarbeit übergeht (s. d.). 

Fransengewebe sind Stoffe, deren Ketten- oder Schussfäden als Fransen 
stehen geblieben sind, ohne dass sie eine weitere Knüpfung erhalten haben. 

Franzleinen sind gestreifte, im Garn gefärbte schwäbische Leinen. 

Franzosentuch, s. Tuch. 

Französische Leinen waren bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die 
gesuchtesten ihrer Art, erst durch die Verbesserung der Baumwollspinnerei 
und die damit verbundene grössere Herstellung von Baumwollgev/eben in den 
meisten Provinzen des Reichs, ferner durch das Emporkommen der irländischen 
und schottischen Leinweberei, endlich aber auch durch die wohlfeileren irischen 
und deutschen Leinen hat der Ruf derselben abgenommen. Nur die Toiles 
de Mulquinerie, d. h. die Batiste , Cambrays , Linons , Claires und die ihnen 
verwandten feinen Gewebe, sowie mehrere Gattungen Segelleinen, haben sich 
unter der allgemeinen Bezeichnung in alter Güte erhalten. 

Französische Stilarten nehmen in der Textilkunst besonders seit der 
Regierung Ludwig XIIL (1614 — 1643) ein Interesse in Anspruch, weil F. von 
da ab auch die Führung im Flachmuster übernimmt. Die Stilepochen werden 
nach den ehemals regierenden Königen genannt, so dass man im Lande selbst 
nicht vom Barock-, Rokoko-, Zopf- oder Empirestil spricht, sondern die Stil- 
arten Louis XIII., XIV. u. s. w. unterscheidet (s. unter Stil im Einzelnen). 
. Frasnes-lez-Buissenal , Hauptort des Kantons F. der belg. Provinz 
Hennegau: Strumpfwirkerei. 



206 Frastanz— Fries. 



Frastanz, Gemeinde in Vorarlberg : Baumwollspinnerei, Weberei, Eot- 
und Blaufärberei. 

Fredersdorfer oder Friedersdorfer Leinen sind im Handel bekannte 
Namen für solche , welche in dem gleichnamigen Dorfe der Lausitz ge- 
webt werden. 

Freiberg, Stadt in Mähren: Schafwollindustrie, besonders starke Tuch- 
weberei, Fesfabrikation. 

Freiburg, 1. im Breisgau (Baden): grosse Seidenzwirnerei (Firma Carl 
Mez und Söhne), mit neun auswärtigen Zweiggeschäften und bedeutender Aus- 
fuhr. Sitz der 4. Sektion der Süddeutschen Textil-, der 2. Sektion der Seiden- 
Berufsgenossenschaft. 2. in Schlesien : Aktiengesellschaft für schlesische Leinen- 
industrie (früher Kramsta und Söhne). 

Freistadt, 1. Stadt im preuss. ßeg.-Bezirk Liegnitz : Spinnerei, Jute- und 
Teppichweberei (Fabrikation und Hausindustrie). 2. Stadt in Oberösterreich: 
Leinweberei, Zwirnfabrikation. 

Freiwaldau, Stadt in Oesterreichisch-Schlesien : bedeutende Leinen- und 
Baumwollindustrie ; Flachsgarnbleicherei. 

French apret wird eine besondere Appretur genannt, welche auf glatte, 
weisse Baumwollwaren zur Anwendung kommt und wodurch der französische 
Batist nachgeahmt wird. 

French cambric, englische Bezeichnung für französischen Batist. 

Fresnoy-le-Grand, Stadt im franz. Depart. Aisne : Fabrikation von 
Gaze, Kaschmirshawls und Foulards. 

Freudenberg, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Arnsberg: Färbereien, Filz- 
und Kunstwollfabrik. 

Freudenfahne, Fahne in glänzenden Farben, im Mittelalter bei Begräb- 
nissen hoher Personen zwischen dem Freudenpferd und dem Trauerpferd getragen, 
um anzudeuten, dass man mit dem Verstorbenen alle Freuden zu Grabe trägt. 

Freudenstadt, Stadt im württ. Schwarzwaldkreis: Woll- und Flachs- 
spinnereien. 

Freudenthal in Oesterreichisch-Schlesien : bedeutende Textilindustrie 
(Leinen, Damast, Tuch und Kotzen). Webschule. 

Fridingen, Stadt im württ. Schwarz waldkreis: mechanische Wollspinnerei 
und Kunstwollfabrik. 

Friedeberg, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Liegnitz: Flachsgarnspinnerei 
(über 5000 Spindeln) grosse Bleicherei; Fabrikation von Strumpfwaren. 

Friedland, Stadt im preuss. E,eg.-Bez. Breslau : mechanische Webereien, 
Garnbleiche. 

Friedland in Böhmen: Wollwarenwebereien und Spinnereien, zwei Baum- 
wollspinnereien, Druckerei, Färberei und Appretur von Wollwaren, Feintuch- 
und Zwirnfabriken. 

Friedländer Leinen, eine rohe Sorte schlesischer Leinwand von grober 
Art, die zu Friedland häufig verfertigt und besonders über Hamburg aus- 
geführt wird. 

Friedrichroda, Stadt im Herzogtum Sachsen -Koburg-Gotha: Drillich- 
weberei, Bleicherei und Wäscherei. 

Friedrichshagen, Dorf im preuss. E.eg.-Bez. Potsdam: wurde 1753 durch 
Friedrich d. Gr. als Spinnerkolonie gegründet. 

Friedrichshof, Marktflecken im preuss. Eeg.-Bez. Königsberg: bedeutender 
Grenzhandel mit seidenen Zeugen aus Frankreich und der Schweiz. 

Fries, ein grober und starker, nicht sehr fest geschlagener und nur laicht 
gewalkter Wollenstoff, mit starkem langem Haar auf der oberen Seite, welcher 
einfach und geköpert aus geringer Wolle und grobem Kämmling gewebt wird. 
Das Garn ist gewöhnlich zum Einschlag noch einmal so stark als zur Kette. 
In der Walke wird F. nur mit guter Seife ausgewaschen, dann mit Karden 
gerauht, am Rahmen gestrichen und entweder meist geschwefelt oder bunt ge- 
färbt ohne weitere Presse in den Handel gebracht; Breite und Länge ist so 
verschieden, als die Qualität. 



Frigidines — Frocs. 



207 



Frigidines, s. Haartuch. 

Frigium, (lat.) statt phrygium, goldgestickter Saum, auch goldgestickte 
Mitra. 

Frise, Toile de Frise, friesische Leinen, die beste unter allen holländischen 
Leinen, weshalb man auch die feinste Sorte der niederländischen Gewebe nur 
mit dem Namen F. bezeichnet. 

Frisette, ein geringer Stoff aus Wolle und Baumwolle, der in Holland 
gewebt wird. 

Frisierte Stoffe sind tuchartige Gewebe mit langhaariger Decke, welche 
man durch eine eigene Maschine (Frisiermühle) in kleine Knötchen gedreht hat. 
Leichte Boys und Droguets werden auf diese Weise eingerichtet und als Futter- 
stoffe verwendet. 

Frison (franz.) nennt man 1. einen schlechten Fries, 2. einen gekräuselten 
warmen weichen Fries, 3. eine gewisse Art gekräuselter Gold- und Silberfäden 
oder Kantillen, welche zu Stickereien, sowie auch zu reichen Geweben angewandt 
werden, 4. dasjenige Produkt, das nach dem Aufweichen der Seidenkokons im 
heissen Wasser und leichter Behandlung mit Bürsten oder den gebräuchlichen 
Besen sich zuerst vom Kokon loslöst. Es ist die äussere Hülle der Kokons, 
„die erste Arbeit der Seidenraupe" von ungleicher Stärke. 

Frisonnets, Seidenabfälle für die Florettindustrie, welche sich beim 
Abhaspeln der Kokons ergeben, wenn dieselben ungeschlagen verarbeitet werden. 

Frivolitäten heissen spitzenartige Handarbeiten, welche mittels ein oder 
zwei den Faden tragenden Schiffchen durch Schlingen und Knoten hergestellt 
werden. Sie wurden zuerst im 17. Jahrhundert gemacht und haben sich bis 
in die Neuzeit als häusliche Kunstarbeit erhalten. In Irland werden F. Occi- 
arbeiten genannt. (Vgl. Abb. 28.) 



Abb. 85. 




Abb ildung : 

85. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: Teil 
eines Kragens, Frivolitäten- oder Occischiffchenarbeit in weissem Garn. Irland 19. Jahrh. 



mandie. 



Frocs, Froks, grobe geköperte Wollenstoffe aus der ehemaligen Nor- 



208 Frohburg— Futtertuche. 



Frohburg, Stadt in Sachsen: Plüsch web er ei, Kattundruckerei. 

Frome, Stadt in der engl. Grrafschaft Somerset: Wollfabrikation, Be- 
kleidungsindustrie. 

Frottiertücher, s. Badehandtuch. 

Frührenaissance, (franz.: renaissance primär; engl.: first revival-style) 
s. Renaissance. 

Frulloni, im ital. Handel das Beuteltuch. 

Frutigen, Marktflecken im Schweiz. Kanton Bern: Fabrikation von Tü- 
chern; Spitzenklöppelei. 

Fukusa, kleine japanische gestickte und gedruckte Decke, welche zum 
Verhüllen von Geschenken dient, aber Eigentümer des Spenders bleibt. 

Fulda, Stadt im preuss. Reg. -Bez. Kassel: Leinen-, Sackleinen- und 
Baumwollweberei, Kammgarnspinnerei, Farberei ; Fabrikation von Plüsch, Filz- 
tuch und Schuhstoffen. 

Fuldische Leinen, s. hessische Leinen. 

Full-chints (engl.), echte, krapprot ausgefärbte gedruckte Kalikos. 

Füllstoffe heissen die in der Grewebeappretur zum Füllen verwendeten 
pul verförmigen, meist weissen Stoffe, wie Gips, Stärke, Schwerspat u. s. w., 
welche für Leinenzeug in Gebrauch kommen. 

Fulneck, Stadt in Mähren: Seiden-, Tücher- und Modewarenfabriken. 

Fulnecker Tücher, eine sehr gute und beliebte Art "Wollentuch aus 
gleichnamiger Stadt iu Mähren, welche in Europa und im Orient starken Ab- 
satz finden. 

FÜnfbindig, s. Bindungen. 

Fünfkirchen, Stadt in Ungarn: bedeutende Webereien. 

Furie, ursprünglich ein ostindischer und chinesischer Seidenstoff, taffet- 
artig gewebt, auf dunklem Grund, mit grotesken aufgemalten oder gedruckten 
Figuren in auffallenden hellen Farben; derselbe wurde auch in Holland und 
Frankreich nachgemacht. 

Fürstenberg, Stadt im Grossherzogtum Mecklenburg-Schwerin: Woll- 
spinnerei, Tuchmacherei. 

Fussarbeit, (franz.: armüre) ein technischer Ausdruck in den Wollen-, 
Leinen- und Baumwollmanufakturen, um die durch verschiedene Fusstritte und 
Schäfte im Webestuhl, und durch deren mancherlei Verbindung untereinander 
hervorgebrachten Muster und Figuren in den Stoffen, zu bezeichnen. 

Fussdecken, s. Teppiche. 

Fussdroguet ist Kalmank. 

Fustagno (ital.), s. Barchent. 

Fustanella, das weit herabreichende, weisse, baumwollene Gewand der 
Neugriechen. 

Fustian (engl.), s. Barchent. 

Futaine (franz.), s. Barchent. 

Futterkattune, s. Sarsenettes. 

Futterleinwand, 1. verschieden starke, rohe und gebleichte Leinen, 
2. buntgefärbte Glanzleinen und Steiffutter, 3. in Frankreich grobe rohe Werg- 
leinwand zum Beschlagen der Stühle, Sofas u. s. w. unter dem Namen toiles 
d'embourrure. 

Futtertaffet, s. Taffet. 

Futtertuche, Futterzeuge, sind zum Unterfutter bestimmte leichte Streich- 
garne und kammgarne Zeuge. 



Gabans — Gransbauch. 209 



Gabans, Mäntel von Filz oder grobem Tuch, die gegen den ßegen 
schützen sollen. Sie werden hauptsächlich in der Türkei getragen ; die be- 
liebtesten sind diejenigen, welche mit einem roten oder gelben Kreuze be- 
zeichnet sind. 

Gabes, Stadt in der marrokk. Regentschaft Tunis: Teppicherzeugung. 

Gafsa, Stadt im mittleren Tunis: Fabrikation von Burnussen, Ha'iks und 
"Wolldecken. 

Gänseaugendrell , Gänseaugenmuster, ein derber grauer oder weisser 
Leinenstoff, der zu Handtüchern Verwendung findet und in köperartiger Bin- 
dung mit kleinen spitzovalen Feldern gemustert ist. 

Gaia, Yilla Xova de, Stadt in Portugal: Fabrikation von Seidengeweben. 

Gaillac, Hauptstadt im franz. Depart. Tarn: Spinnerei, Fabrikation von 
Tuchen, Haus- und Packleinen; Färberei. 

Gaillon, Hauptort im Arrond. Louviers des franz. Dep. Eure : Tuch- und 
Plüschfabrikation, Strumpfwirkerei und Baumwollspinnerei. 

Gala (altfranz.), reiches, prächtiges Gewand; galabrunus (lat.) frz: gale- 
iDrun, Tachsorte ; im allgemeinen festlicher Schmuck, im besonderen die Hoftracht. 

Galans, Bandschleifen als Putz. 

Galashiels, Municipalborough im südl. Schottland: Hauptsitz der schotti- 
schen Wollweberei und wichtige Manufakturen von Tweedtuch und Shawls. 

Galetta (von Gallette -Kokon) sind durchlöcherte, flockige oder besonders 
dünne Kokons, welche als Seidenabfälle für die Florettspinnerei verwandt werden. 
Galletseide sind gesponnene Seidenabfälle. 

Gali-Farss heissen in Persien die geschorenen sammetartigen Teppiche. 

Galizien, Kronland der Oesterr. -Ungar. Monarchie: in neuerer Zeit hat 
sich die Tuchindustrie entwickelt und in Biala (s. d.) ihren Hauptsitz genommen. 
Dieser zunächst steht die Leinenindustrie, welche in den Karpathen als Haus- 
weberei betrieben wird , dann die Hausweberei von Schafwollstoffen im öst- 
lichen G. 

Galletame (ital.), s. Bassinas. 

Galliate, Ort in der ital. Prov. Novara : Seidenspinnerei, Kattunfabrikation, 
Baumwollweberei. 

Gallieren, am Jacquardwebstuhl die Schnüre mit den Plattinen, flachen 
Metallstäben, verbinden. 

Gallipoli, Baumwollsorte von den Inseln des Archipels. 

Galons, Galonen, allgemeine französische Bezeichnung für Tressen, daher 
kommt die Benennung Galonen, womit man in Deutschland eine Gattung leichter, 
durchsichtiger Tressen bezeichnet, bei denen der Aufzug oder die Kette aus Ge- 
spinst oder Lahn, der Einschlag aus Gespinst besteht; auch hat man G. ohne 
Gold und Silber. Galonperle, perlenbesetztes Band ; g a 1 1 o n n e , mit solchen 
Streifen versehen (s. a, Tressen). 

Gambohanf, auch Bombayhanf, Bastfaser der Hibiscus canabinus. 

Gammadion, byzantinische Bezeichnung, welche sich auf ein aus vier 
Buchstaben (Grossgamma) kreuzförmig gebildetes Motiv in Stoffmustern bezieht. 

Gänge ist die Bezeichnung für die Dichtenbestimmung eines Gewebes; 
man spricht daher von einer 6^24gäDgigen "Ware. Beim Seidenweben berechnet 
man die Höhe der Ware nicht nach Gängen, sondern nach Fein. 

Ganges, Hauptort im franz. Depart. Herault : Fabriken für Seiden- 
strümpfe, wichtige Seideuhaspeleien, Filet- und Handschuhfabriken und Baum- 
wollspinnereien. 

Gansbauch, ein Wams, das sich vorn in eine Spitze tief herabsenkte, nach 
der Mitte zu mit Baumwolle oder Pferdehaaren ausgestopft war und wie ein 
Polster vor Brust und Bauch herabhing. Die Mode kam am Hofe Heinrich III. 
von Frankreich auf. 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 14 



210 Ganses — Garnprüfungen. 



Ganses, in Frankreicli eine Art runder oder eckiger schmaler Sclinüre^ 
die von Gold, Silber, Seide und Zwirn geklöppelt oder auf dem Bandstuhle ge- 
macht werden. 

Gantes, starke Sorte Leinwand, welche von den Landleuten in der Gegend 
von Gent und Brügge gewebt wird. 

Garas, Garats, Gueras, Gerras, Gerraes, Gorras, Guerleys, unter diesen 
verschiedenen Namen kamen ehemals aus Ostindien gewöhnliche starke Baum- 
wollenzeuge, welche zum Druck und zu Gebrauchsstücken (Hemden, Tischzeugen ^ 
Handtüchern) in Europa Verwendung fanden. 

Gardelegen, Stadt im preuss. ßegbez. Magdeburg: Lein- und Baumwoll- 
weberei, Zeugdruckerei. 

Gardinen, d. s. Behangstoffe für Betten und Fenster, bilden in allen 
Arten textiler Kunstfertigkeiten einen bedeutenden Artikel. Die Entstehung- 
der eigentlichen Gardine geht mit der Entwickelung des Tafelglases für die 
Fensterscheiben Hand in Hand. Man verwendet zunächst zur Dämpfung des 
Lichtes leichte Musselinstoffe oder helle bedruckte Kattune, bis durch die Er- 
weiterung der Maschinentechnik für die Spitzen- und Tüllindustrie ein Produkt 
gegeben ist, das den modernen Ansprüchen in jeder Weise gerecht zu werden 
sucht. (Vgl. Spachtelstickerei, Spitzen- und Tüllstoffe.) 

Gargurans, Gorgorans, Gourgurans, schwere ostindische und chinesische 
Seidenzeuge, welche früher die holländisch-ostindische Compagnie nach Europa 
brachte. 

Garlix, aus weissgebleichtem Garn dicht gewebte Hausleinwand 5 in Böhmen 
nennt man sie Butzelleinwand. 

Garn, in der Spinnerei das Erzeugnis der Spinnmaschine. Es entsteht 
durch Drehung einer Anzahl parallel gelegter Fasern um ihre gemeinschaftliche 
Achse. Die Unterbegriffe : Kettgarn, S chus sgarn, Stick- und Strick- 
garn, Eisengarn, beziehen sich auf die Verwendung des gesponnenen Fadens 
als Kette oder Schuss für Gewebe, Faden zum Sticken, zum Stricken, zur Her- 
stellung von "Weberflügeln (Geschirre) von starken Nähfaden, und muss der Faden 
für jeden dieser Zwecke bestimmte Eigenschaften aufweisen, welche sich namentlich 
auf die Drehungen per Längeneinheit beziehen, dann aber auch auf die Qualität 
des verwendeten Bohmaterials. Bei der Haspelung der Garne erfolgt die Auf- 
wickelung des Fadens in Form der Strähne, Strenge auf dem Haspel, 
Garnhaspel, der Weife. Man teilt, nach hergebrachter Gewohnheit oder 
nach gesetzlichen Vorschriften, den Strähn in eine bestimmte Anzahl kleinerer 
Abteilungen, welche durch das Unterbinden (Fitzen) mittels eines quer durch- 
geflochtenen Fadens (Fitzfaden) von einander geschieden werden. Eine solche 
Abteilung heisst ein Gebinde, Bind, Unterband, Wiel oder Wiedel, 
eine Fitze, und muss eine festgesetzte Anzahl von Fadenumgängen (Fäden^ 
Haspelfäden) von bestimmter Länge enthalten. 

Garndruckmaschine, dient zum Bedrucken aller Fasermaterialien in 
Strangform. Man baut solche Maschinen, um 1 — 16 Farben gleichzeitg zu 
drucken. 

Garnpresse, Pack- oder Bündelpresse, eine Maschine, welche dazu dient^ 
die zu Strähnen gehaspelten Garne in sog. Packe oder Bündel von möglichst 
geringem Umfang zu formen, deren jedes ein Gewicht von 10 bis 20 kg besitzt. 
Diese Maschinen sind verschieden, als Hebel-, Schrauben-, Hydraulische Pressen 
u. s. w. konstruiert und immer so eingerichtet, dass sie gleichzeitig das Einbinden 
der zusammengedrückten Bündel ausführen. 

Garnprüfungen erstrecken sich auf die Bestimmungen des verarbeiteten 
E,ohmaterials , der Feinheit des Garnes, dessen Drehungsgrad, Fettgehaltes, 
Feuchtigkeitsgrades, sowie Festigkeit und Dehnbarkeit. 

Literatur: Wiesner, die Rohstoffe des Pflanzenreiches, Leipzig 1870; 
Herzfeld, die technische Prüfung der Garne und Gewebe, Wien 1895; 
Budeloff, Untersuchungen über Einfluss des Materials und der Konstruktion 
auf die Festigkeit von Hanfseilen; Mitteilungen aus den Königl. Techn. Ver- 
suchsanstalten zu Berlin, 1893; desgl. 1894. 



Garnsorten. 211 



Garnsorten werden nach der Feinheit oder Dicke des Garnes bestimmt: 
a) durch unmittelbaren Vergleich mit Garnen bestimmter Feinheit, wozu die 
letzteren einzeln mit der Probe verflochten werden oder b) zahlenmässig durch 
die für ein bestimmtes Gewicht erforderliche Garnlänge. Nach der zugrunde 
gelegten Masseinheit unterscheidet man das metrische, oder das englische 
Numerierungssystem mit dem Yard als Masseinheit. Die handelsübliche 
Numerierungsweise ist für die Garne aus verschiedenem Material verschieden. 
Das metrische Numerierungssystem ist bislang nur von der gesamten Kamm- 
garnspinnerei (ausschliesslich England) und einem grossen Teil der Seiden- 
industrie (Rohseide, Organsine, Trama) angenommen, sowie von einigen weniger 
bedeutenden Gespinstarten (Ramie, Ziergarne u. s. w.); ausserdem werden 
Streichgarne und Shoddygespinste vielfach nebenher auch metrisch numeriert. 
Dass sich bislang, trotz der unzweifelhaften Vorzüge, das metrische System 
so wenig Bahn gebrochen hat, liegt in der Hauptsache in dem Mangel an ge- 
setzlichen Mitteln zur Einführung und an dem Widerstände der englischen 
Produzenten. 

TJebersicht der Numerierung der Garne: 

1. Baumwollgarne. Englische Numerierung (üblich im grössten Teile von 
Europa und Nordamerika). Die Garnnummer benennt die Anzahl Schneller, welche 
1 Pfd. eng], wiegen (1 Pfd. engl. = 0,4536 kg.) Haspelung: 1 Faden oder Weifen- 
umfang = 1,5 Yards (1,3714 m); 80 Faden = 1 Gebind; 7 Gebinde = 1 Schneller 
= 560 Faden = 840 Yard = 768 m Fadenlänge. Verpackung: 10 Schneller bilden 
eine Kaute oder Docke; in einem Bündel sind so viele Kauten, als die Nummer 
angibt, somit ist ein Bündel = 10 Pfd. engl. — Frankreich hat die doppelte metrische 
Numerierung, d. h. die Garnnummer gibt an, wie viel Strähne zu je lOOO m Faden- 
länge auf V2 kg' gehen. Haspelung: Haspelumfang = ],43 m ^ 1 Faden; 70 Faden 
= 1 Gebind = 100 m; 10 Gebinde = 1 Strähn = 1000 m. Die Verpackung ist 
in 5kg-Bündeln. — Vigognegarne numerieren vielfach metrisch. 

2. Flachsgarne. (Leinengarne.) Englische Numerierung (üblich in Gross- 
britannien und Deutschland , z. T. in Frankreich und Belgien). Die Garnnummer 
gibt an, wie viel Gebinde zu je 300 Yards 1 Pfd. engl, wiegen. Haspelung in 
Schottland und Deutschland: 1 Gebind (leas) = 120 Faden ä 2'/^ Yards = 300 Yards 
=^ 274 m. In England auf 1 Gebind = 100 Faden ä 3 Yards. — Oesterreichische 
Numerierung: Nummer = Anzahl Strähne ä 3600 Wiener Ellen (=: 2800 m) auf 
10 Pfd. engl. — Hanfgarne werden wie Leinengarne nach engl. Numerierung be- 
stimmt. 

3. Jutegarne. Englische Numerierung wie bei Leinen. — Schottische oder ßel- 
faster Numerierung : Nummer- Anzahl engl. Pfd. , welche 1 Spindel = 14 400 Yards 
= 13 160 m Fadenlänge wiegen. Haspelung: Haspelumfang = 2 Yg Yards ; 120 Faden 
= 1 Gebind (cut) = 300 Yards = 274 m ; 2 Cut = 1 Heer = Schneller = 600 Yards 
= 548 m; 6 Heer = l Haspel oder Strähn = 3600 Yards = 3290 m; 4 Haspel = 
1 Stück oder Spindel = 14400 Yards oder 13160 m. 

4. Nesselgarn, Chinagras, Ramiegarne haben entweder die engl. Numerierung 
und Haspelung der Flachsgarne oder international-metrische Numerierung. 

5. Kammgarn. A. Weiches Kammgarn (Moosgarn u. s. w.): Metrische oder 
internationale Numerierung. Die Nummer gibt an wie viel Strähne zu je 1000 m 
auf 1 kg gehen. Haspelung entweder 70 Faden zu je 1,43 m oder 73 Faden zu je 
1,37 m oder 80 Faden zu je 1,25 m = 1 Gebind = 100 m; 10 Gebinde = 1 Strähn 
= 1 Fitze := 1000 m. Verpackung: 5 Strähn = 1 Docke; im 5kg-Bündel sind so 
viele Docken, als die Nummer angibt. — Französische Numerierung : Nummer-Anzahl 
der Strähne, welche y, ^g wiegen. 1 Strähn (echeveau) = 600 Annes (Pariser Ellen) 
= 720 m. — Englische Numerierung: a) Kurze Weife: Nummer- Anzahl Schneller auf 
1 Pfd. engl. Haspelung: 1 Faden = 1 Yard = 0,914 m; 80 Faden = 1 Gebind; 
7 Gebinde = 1 Schneller = 560 Yards = 512 m. — b) Mittlere Weife ist genau so, 
wie für Baumwollgarne. — c) Lange Weife: Nummer- Anzahl der Strähne auf 1 Pfd. 
engl. Haspelung : 1 Faden = 2 Yard ; 80 Faden = 1 Gebind ; 7 Gebinde = 1 Strähn 
= 1120 Yards = 1024 m, — B. Hartes Kammgarn (Weft, Mohair, Alpaka, Cheviot) 
hat engl. Numerierung und letzteres auch metrische. 

6. Streichgarn (auch Shoddy, Mungo, Vigogne) hat ausserordentlich verschiedene 
Numerierungs- und Haspelsysteme. Aus der grossen Zahl sollen nur folgende an- 
geführt werden: Die metrische Haspelung und Numerierung ist wie bei weichem Kamm- 
garn angegeben. — Die englische Numerierung und Haspelung ist wie bei hartem 
Kammgarn kurzer Weife. 1 Strähn =: 560 Yards = 512 m; Nummer gibt an An- 



212 Garn wage. 



zahl der Strähne auf 1 Pfd. engl. — Französische Numerierung, Sedaner: 1 Faden 
(fil) = 1,3 Aunes (Pariser Ellen) = 1,543 m; 1 Gebind (maque) = 44 Faden; 
1 Strähn (echeveau) = 22 Gebinde = 1256 Aunes = 1492 m. Sedaner Nummer- 
Anzahl der Strähne (ä 1492 m) auf Yg kg. — Französische Numerierung, Elboeufer : 
1 Faden ^ 1,666 Aunes = 2 m; 1 Gebind (sou) = 45 Faden; 1 Strähn (quart) = 
10 Gebinde ; 1 Stück (echeveau) = 4 Strähne = 3000 Aunes == 3600 m. Elboeufer 
Nummer- Anzahl der Stücke (ä 3600 m) auf 7. kg. — Preussische oder deutsche Nume- 
rierung, auch in Oest erreich noch gebräuchlich: 1 Faden = 2 Y2 Berliner Ellen 
(1 ßerl. Elle = 0,667 m); 1 Gebind = 44 Faden; 1 Strähn (fitze, ^zahle) = 5 Ge- 
binde; 1 Stück = 4 Strähne. — Nummer- Anzahl der Stücke (ä 2200 Berl. Ellen = 
1467 m) auf 1 Zollpfund (500 g). — Alte Berliner oder Belgische, auch Cockwillsche 
Haspelung und Numerierung: 1 Strähn = 2240 Berl. Ellen (1494 m). Nummer- 
Anzahl der Strähne auf 1 Zollpfund (500 g). — Preussische Numerierung für Shoddy- 
garne: 1 Stück = 2040 Berl. Ellen (= 1360 m). Nummer-Anzahl der Stücke auf 
1 Zollpfund. — Alte österreichische oder Brünner Numerierung: 1 Faden == 2 Wiener 
Ellen (= 1,552 m); 1 Klapp (Wiedel, Gebind) = 44 Faden; 1 Zahle (Strähn) = 20 Klapp. 
Nummer- Anzahl der Strähne (ä 1760 Wiener Ellen = 1369 m) auf 1 Wiener Pfd. 
(560 g). — Als weitere österreichische Nummer kommt vor auch Anzahl der Strähne 
zu 2112 Wiener Ellen (= 1642 m) auf 1 Wiener Pfd. — Alte Wiener Numerierung: 
1 Faden = 2 Wiener Ellen (= 1,55 m) ; 1 Gebind = 50 Faden; 1 Fitze oder Strähn 
= 4 Gebinde; 1 Stück = 4 Strähne. Nummer- Anzahl der Stücke zu je 1600 Wiener 
Ellen (=: 1240 m) auf 1 Wiener Pfund. — Sächsische Numerierung: Weife entweder 
2 ellig (= 1,132 m) oder 3 ellig (^ J,7 m). Nummer (bei 2 elliger Weife) = Anzahl 
der Zahlen (ä 800 Leipziger Ellen = 452,8 m) auf 1 Zollpfund, oder (bei 3 elliger 
Weife) = Anzahl der Stücke (ä 1200 Leipziger Ellen = 679,2 m) auf 1 Zollpfund 
oder auch 1 engl. Pfd. — Sämtliche sind im Fett gewogen und verlieren durch das 
Wasser etwa 8— 12"/o des Gewichts. 

7. Sächsisches Vigognegarn. 1 Faden = 2,375 Leipziger Ellen (= 1,344 m); 
1 Gebind = 80 Faden ; 1 Strähn = 4 Gebinde = 760 Leipziger Ellen (= 430 m). 
Nummer-Anzahl der Strähne (ä 760 Leipziger Ellen oder auch ä 480 Yards) auf 
1 Zollpfund. 

8. Chappeseide (Florettseide, Bourrette, Spunsilk) hat grösstenteils Numerierung 
wie engl. Baumwolle, stellenweise auch metrisch, in folgender Art: Nummeranzahl 
der Schneller zu je 500 m auf Y2 kg. — 1 Faden = 1,25 m; 1 Gebind = 100 Faden; 
1 Schneller (Strähn) = 4 Gebinde (= 500 m). 

9. Rohe und filierte (gehaspefte) Seide (Grege, Organsin, Trama). Der Titor 
(Titolo, Nummer) gibt an, wie viele Gewichtsteile 1 Gebind oder 1 Strähn „Seide" 
wiegt. Als Gewicht wird der Denier oder die Gräne verwendet. — Internationaler 
oder metrischer Titor = Anzahl der Gramme, welche 1 Strähn von 10 000 m Fadenlänge 
wiegt oder auch Anzahl der Gräne (0,05 g) , welche 1 Gebind = 500 m wiegt. — 
Alter Lyoner Titor = Anzahl der Gräne (= 0,0531 g), welche 1 Gebind von 400 franz. 
Ellen wiegt. — Turiner Titor (ital. : legale Titolo) = Anzahl der Gräne (= 0,0533 g), 
welche 1 Gebind von 450 m Länge wiegt, oder auch = Anzahl der Gramme, welche 
1 Strähn von 9000 m Fadenlänge wiegt. Auch wird beim Turiner Titor von 450 m 
der Grän zu 0,05 g genommen. — 

Mehrfache Garne werden durch einen Bruch bezeichnet, z. B. ^^/^', doch herrschen 
auch hierbei wieder verschiedene Auffassungen bezüglich der Auslegung. ^^2 kann 
bedeuten, dass das fertige Gezwirn Nr. 20 entsprechen soll; das einfache Garn ist 
dann nicht Nr. 40, sondern mit Rücksicht auf die Einzwirnung etwas feiner (in Deutsch- 
land übliche Auffassung, massgebend für die deutsche Kammgarnindustrie angenommen); 
*72 kann auch bedeuten, dass einfaches Garn Nr. 40 zweifach gezwirnt ist, das fertige 
Gezwirn ist dann der Zwirnung entsprechend etwas stärker (in England mehrfach 
üblich); ^^/2 bedeutet ferner (in England für Chappe, in der Schweiz für Tussah- 
seide) , dass das fertige Gezwirn die Nr. 40 aufweist, dabei aber aus 2 Fäden be- 
steht. — (Vgl. Kutzer, Garnnumerierungen, Haspelungen u. s. w. Wien 1901.). 
Garn wage, Sortierwage, eine Vorrichtung, mittels deren man die Nummer 
eines Garnsträhns (Schneller) von bestimmter Länge ohne Anwendung von Ge- 
v^^ichten feststellen kann. Die G. sind entweder kleine Schnellwagen, bei welchen 
das verschiebbare konstante Laufgewicht auf der Einteilung des Balkens die 
Nummer angibt, oder Zeigerwagen, bei denen durch Anhängen des Garnstrangs 
an den einen Arm das konstante Gewicht des andern Arms mehr oder weniger 
gehoben wird und die dadurch bewegte Zunge (der Zeiger) auf der Skala eines 
Gradbogens die Nummer anzeigt. Die letztere Konstruktion ist die am meisten 
gebräuchlichste. 



Garn\yinde — Gebetteppiche. 213 



Garnwinde, eine Vorrichtung, um das fertige Garn gleichmässig auf- 
zureihen, in sogen. Strähne zu verwandeln, Avelche einen sicheren Transport des 
Gespinstes ermöglichen, auch später zum Verkauf oder zur weiteren Verarbeitung 
auf Spulen oder in Knäuel verteilt werden. Der Apparat gleicht in seiner 
Konstruktion dem Garnhaspel mit dem Unterschied, dass nicht, wie bei diesem, 
eine Zählvorrichtung zum selbsttätigen Messen der aufgewundenen Fadenlänge 
vorhanden ist, und bestellt aus einer leichten Trommel, die von vier oder mehr 
gehobelten, durch entsprechende Streben miteinander verbundene Latten gebildet 
ist und mittels Handkurbel oder Riemenscheibe um ihre Achse gedreht wird. 
Die Trommel hat, je nachdem ein Faden oder mehrere Fäden zugleich auf- 
gewunden werden sollen, verschiedene Breite. 

Garrovillas, Stadt in der span. Prov. Caceres: Tuchfabriken. 

Gaschenzeuge nennt man in einigen Gegenden die leichten und rauhen 
Wollenzeuge, wie Coatings, Lamas, Moltons u. s. w. 

Gattieren, in der Baumwollspinnerei das Mischen verschiedener Baumwoll- 
sorten, wodurch ein gleichförmiges Fabrikat erzielt werden soll. 

Gaudivis sind gewöhnliche ostindische Kattune. 

Gaufrieren (von gaufrer, in Falten presssen), das Aufprägen von Mustern 
auf glatte Gewebe und das Pressen in mehr oder weniger feine Falten, welches 
durch erhitzte Metallplatten, Walzen oder dazu hergerichtete Maschinen aus- 
geführt wird. 

Gaze, ursprünglich nach der Stadt Gaza benannt, (franz.: gaze; engl.: 
gauze) , wo diese Art Gewebe zuerst verfertigt wurde , ein dünn und offen ge- 
webter, durchsichtiger Stoff, mit oft mannigfacher Verbindung der Schuss- mit 
den Kettfäden, wodurch viele Muster und Namen entstehen. Je nach Verbindung 
der Schuss- und Kettfäden unterscheidet man Donna Maria- G. , G. de soie, G. 
de Paris, G. d'ete, G. Iris. Spitzengaze ist fassonierte oder broschierte Gaze, 
welche mit der Jacquardmaschine genadelt und durch den Nadelstab erzeugt 
wird. Man hat Gaze in Seide, Baumwolle und Leinwand. Technisch unter- 
scheidet sich das Gazegewebe vom Flor- und Musselingewebe dadurch, dass die 
Kettenfäden paarweis zwischen je zwei Einschussfäden um einander herum- 
geschlungen oder gekreuzt sind (vgl. Bindungstafel XXVL), während die Schuss- 
fäden gerade und einzeln liegen. Eine eigene Gattung der Gaze ist der Marly. 
Baumwollene Gaze wird unter dem Namen Tarlatan oder Tirletan gewebt. 
Damastgaze ist eine Nachahmung des eigentlichen Damasts, indem man durch 
eine Einrichtung des Jacquards damastartige Blumen und andere Muster webt; 
derartige Zeuge kommen viel in China und Japan vor. Eine andere Gattung 
Gaze ist der Krepp (s. d.) ; auch gehören dazu die Etamine- und Beutel- 
tuchstoffe. 

Gaze nennt der Bortenwirker eine Art Tressen, deren Kette Seide, der 
Einschlag von Gold- oder Silbergespinst und von starkem Lahn ist. 

Gebetteppiche (persisch : Tschanemaz ; türkisch : Nemazi) haben den Namen 
davon erhalten, dass sie für Decken in Verwendung kommen, welche dem 
Mohammedaner als Fussteppiche während der Verrichtung seines Gebetes dienen; 
mit Bücksicht auf die religiöse Vorstellung des Muselmannes, dabei das Gesicht 
gegen die heilige Stadt Mekka gekehrt zu haben, wird in das Teppichmuster 
gewöhnlich eine, Mihrab genannte Nische von giebelartiger Form eingewirkt, an 
der Stelle, wo dann bei den Verbeugungen stets der Kopf des Betenden zu 
ruhen kommt. Diese Flächenmusterung aus der Gebetnische mit Darstellung 
der Säulen als Träger des spitzbogigen Gebälkes (vgl. Abb. 86), an welchem 
oft noch die hängende Ampel das Originalbild vervollständigt, findet auch An- 
wendung in gewebten und gestickten Vorhängen des Orients. (Vgl. Abb. 26.) 

Abbildung: 

86. Darstellung aus: Rigl, Ein orientalischer Teppich vom Jahre 1202 n. Chr. 
und die ältesten orientalischen Teppiche, Berlin 1897: Knüpfteppich (sogen. Gebet- 
teppich) in farbiger Wolle. In Mitte auf rotem Grunde das von Säulen getragene 
Gebälk, welches die Gebetnische darstellt. 



214 



Gebildleinen — Geelong. 



Gebildleinen, Zwillich, welcher auf beiden Seiten das Muster gleich zeigt. 
Gebweiler, Stadt im Bezirk Oberelsass: Seidenband-, Flanell-, und Tuch- 
fabriken, Baumwollspinnereien und -Webereien; Färberei. 

Abb. 86. 




Gedenktücher sind T. mit aufgemalten oder aufgedruckten, auch gestickten 
Sprüchen oder Darstellungen, die an eine Persönlichkeit, ein Ereignis erinnern 
sollen. Die Sitte, derartige Tücher zu fertigen, lässt sich bis ins Mittelalter 
zurück verfolgen. 

Geelong, Seestadt in der brit. Kolonie Victoria in Australien: Kamm- 
garnspinnerei, Weberei und Wollwäscherei. 



Geertsberger — Genua. 215 



Geertsbergen, Hauptstadt im Arrond. Aelst der belg. Prov. Ostflandern : 
Fabrikation von Spitzen, Baumwoll- und WolJzeug. 

Geflammte Garne, welche innerhalb bestimmter Abstände andersfarbige 
Faserbüschel eingesponnen besitzen, werden entweder dadurch erzeugt, dass auf 
den Krempeln durch Einstreuen der Faserbüschel oder durch Aufstreichen des 
andersfarbigen Spinngutes in Querstreifen durch mit Kratzen beschlagene Walzen 
an eine Krempelwalze die Faserbüschel hineingebracht, oder dadurch, dass 
Stücke fertiger andersfarbiger Vorgarnfäden in bestimmten Abständen quer über 
eine Krempelwalze aufgelegt werden. 

Geflammte Gewebe sind chinierte G-ewebe (s. a. flammierte Stoffe). 

Gegittert heisst ein gewebter Stoff mit rechtwinkelig sich kreuzenden 
Streifen, welche grössere Quadrate in der Grundfarbe einschliessen. Wechseln 
dagegen Streifen von gleicher Breite mit einander ab, so ist der Stoff gewürfelt 
oder quadrilliert. 

Gehänge, in der Weberei die Schnuren nebst Rollen und Wippen, an 
welchen die Schäfte des Webstuhls hängen. 

Geisshaar nennt man die spitzigen, rauhen und spröden Haare, die sich 
unter der abgeschorenen Wolle befinden und auch Flocken heissen. 

Geköpert s. Köperbindung. 

Geldern, Stadt im preuss. B;eg.-Bez. Düsseldorf: Seidenweberei. 

Gemischte Bindungen entstehen in der Weberei aus Ableitungen von 
Leinwand-, Köper- und Atlasbindegraden (s. Bindungen). Da nun die Ab- 
leitungen und Mischungen sehr verschiedener Art sein können, so ist auch die 
Bindungsanzahl eine grosse. 

Gemischte Gewebe entstehen, wenn Kette und Schuss von verschiedener 
Farbe sind. 

Gemusterte Stoffe s. Damast, Bildweberei. 

Genähte Spitzen s. Nadelspitzen im Artikel Spitzen. 

Genappes-Garn, auch Ispahan-Gam, ist ein mindestens zweifädiges, scharf 
gedrehtes Gezwirn aus Alpalkahaaren, Mohair oder den ungekräuselten langen 
Haaren des Landschafes, welche man, um eine glatte Oberfläche zu erhalten, 
sengt. 

Genoa, ein technischer Ausdruck in den englischen Wollen- und Baum- 
wollenmanufakturen, welcher bei vielen Fabrikaten einen geköperten Grund an- 
deutet, wenn von schweren Stoffen die Bede ist; dahin gehören Genoa Backs, 
Oenoa Tiksets, Genoa Cords u. s. w. 

Gent, Hauptstadt der belg. Prov. Ostflandern : bedeutende Textilindustrie. 
Es bestehen (1900) über 210000 Spindeln für Flachs-, Werg-, und Jutespinnerei, 
690000 für Baumwollspinnerei; ferner Spitzenmanufaktur. Im Anfange des 
17. Jahrh. erscheint hier eine Klöppelspitze in Nachahmung derjenigen aus 
Brüssel. Eine grosse Leinenweberei beschäftigt 3000 männliche und weibliche 
Arbeitskräfte. 

Genua, Hauptstadt gleichnamiger Provinz des Königreichs Italien: be- 
deutende Textilindustrie ; erzeugt ausser glatten Stoffen in Seide, Sammete und 
Plüsche (9 Seidenfabriken), Bänder, Wollwaren, Baumwollwaren (17 Spinnereien 
und 15 Webereien), Damast, Stickereien u. s. w. — Schon im 13. Jahrh. kommen 
genuesische Stoffe unter dem Namen „pannus" vor und finden zu kirchlichen 
Zwecken Verwendung. Zu Ende des 13. Jahrh. berichtet Marco Polo über das 
Auftreten der Genueser in Tauris, auf dem Kaspischen Meere und dessen Süd- 
gestaden: „und von daher kommt die ghilanische Seide", ein Beweis, dass die 
persische Seide von den Italienern bezogen wurde. Während des 15. Jahrh. 
teilt Genua mit Venedig die Führerrolle in der italienischen Webekunst. Be- 
züglich der Spitzen gilt Genua als eigenth'che Erzeugungsstätte italienischer 
Klöppelarbeiten. Hier wollte man sie schon (nach Dr. Dreger, Entwickelungs- 
geschichte der Spitze, Wien 1901) um 1400 nachweisen; indessen betreffen alle 
älteren Nachrichten nur Goldposamenten und Stickereien, Erst im 16. und 17. 
Jahrh. kommen dieselben in Verzeichnissen und Nachlassen häufiger vor. Be- 
sonders scheinen in G. Goldspitzen gemacht worden zu sein (s. Spitzen). 



^16 Geoktschaj — Geschlitzte Stoffe. 



Geoktschaj, Kreisort im russ. Gouvernement Baku in Transkaukasien : 
Seidenzucht, Teppich- und Seidenweberei. 

Georg, der Heilige, in der röm. Kirche gewöhnlich Ritter Sankt G., in 
der griechischen G. der Siegbringende genannt, stammte nach der Legende aus 
einer vornehmen Familie in Kappadocien, trat ins römische Heer und stieg unter 
Diocletian rasch empor. Als der Kaiser die Christenverfolgung begann, verwies 
ihm G. seine Grausamkeit und erlitt deshalb 303 den Märtyrertod. Er wird 
gewöhnlich als Jüngling, in antiker ritterlicher Küstung. auf E,oss, mit der Lanze 
einen Drachen durchbohrend, dargestellt und es ist die Annahme nicht un- 
gerechtfertigt, dass ähnliche Darstellungen in byzantinischen Stoffmustern inner- 
halb der Kreise (vgl. Abb. 1 aut Taf. U) darauf zurückzuführen sind. (Vgl. auch 
B,eitermuster.) 

Georgia, Carolina oder IJpland, nordamerikanische Baumwollsorte. 

Georgswalde, Stadt in Böhmen, an der sächs. Grenze : mechan. Webstuhl- 
fabrik, Baumwollwarenfabriken. 

Gepresster Sammet, s. Pressen. 

Gera, Haupt- und Residenzstadt im Fürstentum E-euss j. L. : den Haupt- 
zweig der bedeutenden Industrie, die sich besonders seit 1873 entwickelt hat, 
bildet die 1595 durch den aus Flandern eingewanderten Nikolaus de Smit be- 
gründete Wollwarenweberei (etwa 12 000 mech. Webstühle in 65 Fabriken; 
jährlicher Umsatz etwa 60 Mill. M., direkte Ausfuhr nach den Vereinigten 
Staaten von Amerika etwa 8 IMill. M.), Kammgarnspinnerei (4 Fabriken), 
Teppichweberei (6), Färberei; ferner bestehen Appretur- und Blanchieranstalten. 
Näh- und Strickschule. 

Gerardmer, Hauptort im Arrond. St. Die des franz. Depart. Yosges: 
Hanf- und Leinweberei. 

Geringswalde, Stadt in Sachsen : Fabrikation von Strümpfen und Chenille- 
artikeln. 

Gerippter Sammet, wird als solcher bezeichnet, wenn seine Maschen um 
dicke, darinbleibende Baumwollenfäden, anstatt um Nadeln geschlungen werden 
und demnach als E-ippen erscheinen (s. Sammet). 

Gerissener Sammet wird als solcher bezeichnet, wenn seine Maschenreihen 
(Noppen) aufgeschnitten sind. 

Germanisches Museum s. Nürnberg. 

Germusets, ein buntgemusterter Halbseidenstofif, der auf Damastart mit 
doppelter Kette, die eine von Seide, die andere von Baumwolle, in Brussa und 
Aleppo gewebt wird. 

Gerona, Stadt in Spanien: Spinnerei und Weberei. 

Gersau im Schweiz. Kanton Scliwyz : drei Seidenfabriken (Florettspinnereien 
und Zwirnereien). 

Gerstenkornmuster kommt in geklöppelten Spitzen, namentlich in denen 
aus Genua vor und wird der Frucht entsprechend genannt. 

Gerus, Landschaft an der Grenze von Kurdistan : Erzeugung von Teppichen^ 
welche sich in Persien eines besonderen Ansehens erfreuen. Sie enthalten 
4 — 5000 Noppen auf 100 EU cm. Das alte Gerusmuster bestand in gross- 
blumigen Motiven. 

Geschlitzte Stoffe werden im 16. Jahrh. hergestellt, meistens in Atlas- 
geweben, indem mit Messern oder Eisen ein Muster aus reihenweis versetzten 
länglichen oder runden Tupfen eingeschlitzt wird. (Vgl. Abb. 87.) Entstanden 
sind diese Musterungen im 16. Jahrh. aus der Mode, die bauschigen Aermel des 
Obergewandes aus doppeltem Stoff zu bilden , wobei der obere so weit aus- 
geschnitten wurde, um den unteren hervorquellen zu lassen. 

Abbildun g: 

87. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Atlasstoff, rotbraun, mit Muster aus reihenweis versetzten Tupfen in geschlitzter Arbeit. 
Spanien Ende 16. Jahrh. 



Geschnittener Sammet — Gespinstfasern. 



217 



Geschnittener Sammet s. v. w. gerissener Sammet (s. d.). 

Geschorener Sammet wird derjenige Velour genannt, dessen Noppen 
aufgeschnitten sind, im Gegensatz zu dem ungeschorenen, welcher aus un- 
geschnittenen Noppen besteht (s. Sammet). 

Gespinste oder gesponnenes Gold oder Silber werden Seidenfäden genannt, 
welche mit Gold- oder Silberdraht umsponnen sind, je nach der Beschaffenheit 
des Metalls: echte und unechte G. (s. Brokat). 

Abb. 87. 



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Gespinstfasern (franz.: fibres textiles; engl.: textil-fibres) bilden das 
Bohmaterial der Textilindustrie und werden vom Pflanzen- oder Tierreich ge- 
liefert. Einzellige Haare sind : Baumwolle , vegetabilische Seide. Bast- 
fasern sind: Flachs, Hanf, Jute, Chinagras, Bamie, Abelmoschusfaser, Gambo- 
hanf, Nesselfaser, Sunn; monokotyle Gefässbündel sind: Agavefaser, 
Aloehanf, Cuir; monokotyle Sklerenchj^mfaserbündel: Manilahanf, 
neuseeländischer Flachs; Gefässbündelgruppen: Tillandsiafasern (Crin 



Abb. 88. 



Abb. 89. 




vegetal), Kitulfaser (Caryota), Piassave (Attalea); Blätter: Esparto. — Tie- 
rische Faserstoffe sind die feinen Haare und Seide. Zu ersteren gehören : 
die Wolle der Schafe, die Haare der Kaschmirziege (Kaschmirwolle), der An- 
goraziege (Mohairwolle), des Lama (Lamawolle), des Alpaka (Alpakawolle), des 
Yicunä (Yicufiawolle) und des Kamels (Kamelwolle). Die Seide ist ein 
Sekret der Kopfdrüsen verschiedener Schmetterlingsraupen; die echte Seide 



218 



Gespinstfasern. 



stammt vom Maulbeerspinner (Bombyx mori); Mus ch eise ide ist ein Grespinst 
von gewissen Arten der Steckmuscheln. Künstliche Seide besteht aus 
verschiedenen Substanzen, z. B. aus künstlichen Kollodiumfäden. Mineralische 



Abb. 90. 



Abb. 91. 




G. haben geringere Bedeutung; zu diesen gehören: die Metallfäden, die bei den 
Brokatstoffen und Tressen verwendet werden; Asbestwolle und Grlasseide. Die 

Abb. 92. 




Unterscheidung der G-espinstfasern voneinander wird durch die mikroskopische 
Untersuchung ermöglicht, im verarbeiteten Zustande durch chemische Beageiitien. 
(Vgl. die Yergrösserungen in den Abbildungen 88 — 94.) 

Abb ildungen: 

88 — 94. Darstellungen aus: Buch der Erfindungen, Leipzig u. Berlin. Bd. 6. 
S. 314—316: 

88, Wollfaser, 400 mal vergrössert. 

89. Baumwollfaser, 400 mal vergrössert. 



Gespinstfaser. 



219 



90. Leinenfaser, 400 mal vergrössert. 

91. Hanffaser, „ „ 



Abb. 93. 




Abb. 94. 




92. Seidenfaser, 400 mal vergrössert. 

93. Feine unverfälschte Leinwand, 100 mal vergrössert. 

94. Feiner Baumwollbatist, „ „ 



220 Gestäubte Tapeten— Gimborn. 

Gestäubte Tapeten, Papiertapeten, auf welchen das Muster durch Wollen- 
staub ein sammetartiges Ansehen erhält : Sammet- oder Velourtapeten (vergl. 
Flocktapeten). 

Getee , Getel (engl. : getee fibre) , die aus dem Bast der in Ostindien 
heimischen Marsdenia tenacissima gewonnene Spinnfaser von grosser Festigkeit 
und schönem seidenartigen Glänze. 

Gewand nannte man früher in Niedersachsen häufig jede Art Wollenzeug, 
besonders aber Wollentuch ; daher Messen Gewandschneider, Gewandausschneider 
damals diejenigen Kaufleute und Fabrikanten, welche das Tuch eilen- oder teil- 
weise verkauften oder ausschnitten. Gewandhaus war in vielen Städten Sachsens 
ein besonderes Gebäude, das jenen Verkäufern als Niederlage eingeräumt war. 

Gewässerte Stoffe oder moirierte Zeuge heissen solche seidene oder wollene 
Stoffe, deren rechte Seite glänzende wellenförmige, jedoch nicht eingewebte Streifen 
hat. Oberflächlich geschieht die Wässerung dadurch, dass man die Zeuge mit 
Wasser einsprengt und dann mangelt oder mit heissen Metallplatten presst; 
diese Wässerung verschwindet aber in der Nässe. Eine zweite Wässerung, die 
man besonders bei seidenen und Kammgarnen, dicht gerippten Zeugen anwendet, 
stellt man dadurch her, dass man die Zeuge, die rechten Seiten zugekehrt, auf- 
einander legt und dann durch zwei heisse, scharf aufeinander drückende Walzen 
langsam durchlässt, nachdem man die Zeuge vorher mit einer entsprechenden 
steifen Appretur behandelt hat. Eine dritte Wässerung auf Zeuge, die nicht 
rippig sind, wie z. B. dünne baumwollene Stoffe, erfolgt dadurch, dass man sie 
zuerst steift, dann glänzt, darauf durch fein gerippte Metallwalzen gehen lässt, 
wodurch sie fein gerippt werden und dann wie bei zwei verfährt. In England 
heisst das Verfahren to make coarse goods fine. 

Gewebe, s, Weberei. 

Gewirkte Stoffe sind im Gegensatz zu den gewebten solche, deren Fäden 
bei den Verschlingungen Maschen bilden; sie stehen in nächster Verwandtschaft 
zu den gestrickten und gehäkelten Waren. 

Gewürfelt heissen die Muster von Geweben, wenn sie quadratische 
Teilungen in Art des Schachbrettes enthalten. 

Gezogen heisst Sammet, dessen Noppen nicht aufgeschnitten sind. 

Gezogene Zeuge nannte man vor Einführung der Jacquardmaschine alle 
diejenigen, in die mittels des Zugstuhles, des Kegel-, Zampel- oder Walzenstuhles 
kleine und grössere Muster durch das entsprechende Heben und Senken ver- 
schiedener Kettenfäden eingewebt wurden. 

Ghenaaltapat, Faserstoff der Kapselmusspflanze in Ostindien, der zu 
groben Geweben Verwendung findet. In Bengalen nennt man die Fasern 
Malta jute. 

Ghilams, seidene Zeuge, welche in der Provinz Nanking in China ge- 
fertigt und durch die Holländer nach Japan weiter ausgeführt werden. 

Ghilan, auch Gilän, pers. Provinz am Südwestufer des Kaspischen Meeres, 
mit der Hauptstadt Rescht (s. d.), gehörte im 16. und 17. Jahrh. zu den reichsten 
seidenproduzierenden Gegenden Asiens und war der Sitz eines schwunghaften 
Seidenhandels nach West und Ost. 

Ghile nannten die Genuesen die Seide, welche sie im 16. Jahrh. von den 
Ufern des Kaspischen Meeres bezogen: der Name stammt von der pers. Prov. 
Ghilan (s. d.). 

Giessen, Hauptstadt der Hess. Prov. Oberhessen: mechan. Baumwoll- 
weberei (Homberger u. Söhne), Spinnerei, Weberei. 

Gifhorn, Kreisstadt im preuss. Reg. Bez. Lüneburg: WoU- imd Baum- 
wollspinnereien. 

Gigerl, im Oesterreichischen eine Gattung Bettleinen. 

Gilets sind Westenzeuge. 

Gilgenmodel s. v. w. Lilienmuster in der Klöppelspitze. Der Ausdruck 
kommt vor in dem Züricher Musterbuch von 1561/62. 

Gimborn, Gemeinde im preuss. Keg.-Bez. Köln: Kunstwollenfabriken, 
Wollspinnerei im Leggethal. 



Gimians — Glanzleinwand. 221 



GimianSt im levantiner Handel die ganz feinen und grossen Stubenteppiche, 
welche in Kleinasien gefertigt werden und den englischen Shag-carpets und Pile- 
carpets ähnlich sehen ; indessen nicht mit denen der hohen Preise wegen kon- 
kurrieren können. 

Gimpen, G-orl, (franz.: guipure, guimpure; engl.: gimps), mit farbiger 
Seide übersponnene Baumwollfäden, welche dadurch das Ansehen von glänzenden 
seidenen Fäden und eine gewisse Steifheit erhalten, welche sie geeignet macht, 
in allerlei Mustern zu Kleiderbesätzen, Möbelverzierungen geklöppelt (Klöppel- 
gorl) , genäht (Nähgorl) oder gewebt (Stuhlgorl) zu werden (s. a. Posa- 
menten). 

Gimpenspitze, nachgeahmte Reliefspitze. Die um die Konturen der 
Formen genähte Gimpe soll eine dicke Nadelarbeit ersetzen ; sie wird oft in 
Seide gefertigt. 

Gingan, Gingham, Guingan, Gingas, unter diesem Namen kamen früher 
im Handel mehrere Sorten ostindischer, französischer, englischer und sächsischer 
Gewebe vor, welche teils aus Seide, aus Baumwolle und Bast, aus Baumwolle 
und Seide, aus Baumwolle und Leinen, bunt gestreift oder bunt gewürfelt ver- 
fertigt wurden; später gab man den Namen G. lediglich den bunten leinwand- 
artigen Baumwollstoffen von mittlerer Feinheit, die feineren Sorten pflegt man 
Indiennes zu nennen. In alten Zeiten gingen ganz leinene Gingans unter dem 
Namen teile rigata nach Italien. Im spanischen und südamerikanischen Handel 
werden die G. unter dem Namen caranclones genannt. 

Gingerline, zu Marseille eine Bastardsorte der carmenischen Wolle. 

Gingham s. Gingan. 

Ginghamets sind gestreifte und geblümte Musselinets. 

Gingiras, eine Art ostindischer seidener Zeuge. 

Ginsterfasern (von Genester hispanica) werden zu Leinwand, Segeltüchern 
und Tauwerk verwendet; in Dalmatien kommen sie in grosser Menge vor. 

Giordes, Hauptsitz der Erzeugung einer beliebten Art von sogen. Smyrna- 
teppichen in Vorder-Kleinasien , welche in hellen Farben gehalten sind. Es 
kommen viel derartige Gebetteppiche vor, ihre E,andborte setzt sich gewöhnlich 
aus schmalen Streifen mit Streublumen zusammen (s. Teppiche). 

Gisors, Hauptort im Arrond. Les Andeyls des franz. Depart. Eure : Baum- 
wollspinnerei, Spitzen- und Tuchfabrikation. 

Glaceband, atlasartiges, steifes und glänzendes, einfarbiges, seidenes Band, 
welches am meisten in Basel hergestellt wird. 

Glace d'argent, Glace d'or (franz.), mit Silber- und Goldfäden oder Lahn 
durchwirkte seidene Stoffe. 

Gladbach (München- Gladbach), Hauptsitz der rheinischen Baumwoll- 
industrie: über 30 Spinnereien mit etwa 160 000 Spindeln, darunter die grosse 
Aktienspinnerei und -weberei, zahlreiche mechanische Webereien, Färbereien und 
Druckereien, Appreturanstalten, Bleichereien und Bauhereien, Fabriken für 
Halbseiden-, Woll- und Halbwollwaren. König 1. Preuss. Fachschule für 
Baumwollindustrie. G. ist Sitz der Bheinisch- Westfälischen Textil-Berufs- 
genossenschaft und ihrer 2. Sektion. Schon im Mittelalter waren Flachsbau und 
Leinwandhandel sehr bedeutend; die Baumwollweberei wurde gegen Ende des 
18. Jahrb., die Baumwollspinnerei 1807 eingeführt. (Vgl. F. W. Strauss, Ge- 
schichte der Stadt M.-Gladbach ; Gladbach 1895. Ders. Beiträge zur Geschichte 
der Stadt M.-G. ebd. 1898.) 

Glanzetamin, veralteter Name für einen leichten, leinwandartig gewebten 
Seidenstoff mit einer geglätteten Oberfläche, der in Amiens verfertigt wurde. 

Glanzgaze, dünne baumwollene G., welche man mit Hausenblase galert 
oder mit Collodium überzieht, sodass kein Staub durchdringt, um sie als Schutz- 
decken für Bilder, Stickereien u. s. w. zu verwenden. 

Glanzleinwand, locker gewebte L., welche teils im rohen Zustand, teils 
gebleicht oder im Stück bunt gefärbt in den Handel kommt. Nach der Mangel 
wird das Gewebe mit Stärke und Gummi überstrichen und dann mit einem 
geschliffenen Kiesel so geglättet, dass es spiegelglatt wird. 



222 Glanztaffet— Gobelins. 



Glanztaffet ist ein leichter Taffet, der stark mit Grumini appretiert und 
geglättet ist. 

Glanzzwirn, baumwollener Nähzwirn, der durch äusserst regelmässiges 
Aufspulen und Glätten auf einer besonderen Maschine einen ziemlich starken 
Glanz erhalten hat. 

Glarus, Hauptort im gleichnam. Schweiz. Kanton: Zwirnerei, Weberei, 
Buntweberei, Zeugdruckerei (besonders Handdruck, welcher türk. Turbane und 
Schleier liefert). 

Glasgow, grösste und wirtschaftlich die bedeutendste Stadt Schottlands: 
seit 1870 entwickelte sich die Baumwollspinnerei und Weberei, die Bleicherei, 
die Jute- und Seidenindustrie, die Fabriken von Shawls, Musselinen und ge- 
druckten Kalikos, sowie von Garnen und Zwirnen. G. ist Handelsmittelpunkt 
des industriellen Teiles von Schottland und vertreibt auch einen grossen Teil der 
Erzeugnisse der irischen Leinenmanufaktur. 

Glasleinwand, zum Polieren weicher Metalle dienender Baumwollstoff, 
auf welchem durch ein Klebemittel Glaspulver befestigt ist. 

Glasperlen s. Perlstickerei. 

Glasseide s. Glasspinnerei. 

Glasspinnerei, das von J. de Brunfaut ausgebildete Verfahren, Glas in 
lange, biegsame Fäden zu verwandeln und web- und flechtbare Gespinste (Glas- 
seide) herzustellen. Man verfertigt daraus Quasten, Gürtel u. s. w., ausserdem 
benutzt man das Gespinst als Einschlag für seidene Zeuge, die dadurch, je nach- 
dem das Glas gelb oder weiss ist, den Glanz und das Aussehen von Gold- oder 
Silberbrokat erhalten. 

Glastonbury, Stadt in der engl. Grafschaft Somerset: Seidenindustrie. 

Glaswolle, mittels eines heissen Eisens gekräuselte und verfilzte Glasseide 
(s. Glasspinnerei), die als plüschartiger Auszug, als Filtriermaterial verwendet wird. 

Glauchau, Stadt im Königreich Sachsen ; für die Fabrikation von wollenen 
und halbwollenen Stoffen einer der wichtigsten Plätze Deutschlands: 9 mech. 
Webereien (Damenkleiderstoffe) mit bedeutendem Export, 25 Färbereien, Appre- 
turanstalten, Garnwäschereien und -druckereien, 2 Spinnereien, mehrere Muster- 
zeichnereien und Jacquardkartenschlägereien, eine Jacquardmaschinen- und Web- 
utensilienfabrik. 

Glizzum, glizum, glisdum (lat.), im Altertum kostbares glänzendes Gewebe. 

Gloggnitz, Marktflecken in Niederösterreich : Baumwollspinnerei, Filz- und 
Wollwarenfabriken. 

Gloria ist ein köperbindiges , glattes Gewebe mit Kette aus Baumwolle 
und Einschlag aus Florettseide. 

Glossaret, veralteter englischer halbseidener Stoff aus feiner Schafwolle 
und Seide. 

Glossop, Stadt in der engl. Grafschaft Derby : Mittelpunkt der Baumwoll- 
industrie der Gegend, hat auch Bleicherei, Tuchfabrikation und Färberei. 

Glyzine, Pflanzengattung der Schmetterlingsblütler, von denen es ver- 
schiedene Arten gibt ; es sind Schlingpflanzen mit wohlriechenden, lang herunter- 
hängenden Blüten, die in China und Japan für Kunstformen der Weberei und 
Stickerei reichlich Anwendung finden. (Vgl. Abb. 95.) 

Abb ildung : 

95. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: Seiden- 
stoff, Grund weisser Atlas, Muster bläulich weiss aus reihenweis versetzten rundlich 
gelegten Glyzinenblüten (Daimiowappen?); dazwischen Blattranken und einzelne hängende 
Blüten derselben Pflanze. Japan Anfang 19. Jahrh. 

Gobelins werden in Paris einzig und allein jene Wandteppiche genannt, 
welche in der Fabrik gefertigt sind, welche im 15. Jahrh. die Familie Gobelin 
inne hatte. Der Stammvater derselben, Gilles Gobelin, betrieb eine Färberei 
daselbst. Im Jahre 1630 wird die französische Staatsanstalt zur Herstellung der 
Wandteppiche in dieses Gebäude verlegt und die Bezeichnung Gobelin ist all- 
gemein geworden für alle auf Haute-lisse- und Basse-lisse-Stühlen gewirkten 



Gobelinstoffe — Goldstoff. 



223 



Teppiche oder Vorhänge. (Vgl. die Artikel Bildwirkerei, Kilim, Schlitzwirkerei, 
Tapisserie und Wandteppiche. 

Gobelinstoffe werden im modernen Handel alle derartigen Gewebe für 
Möbel, Vorhänge ii. dgl. genannt, deren stärkere Schussfäden die schwächeren 
Kettfäden in der AVeise binden, dass der Stoff gerippt erscheint. 



Abb. 95. 




Godovabli (altslavisch) s. Gotaweppi. 

Godwob (altfriesisch) s. Gotaweppi. 

Göggingen in Bayern: die grösste Zwirnerei und Nähfadenfabrik 
Deutschlands. 

Goldbrokat s. Brokat. 

Goldfäden sind in Brokatgeweben (s. d.) und Stickereien zu verschiedenen 
Zeiten und bei verschiedenen Völkern auf mancherlei Art bereitet worden. Die 
Orientalen belegten sehr feine Tierhäute mit Blattgold, schnitten sie in ganz 
schmale Streifen und zogen diese entweder so in das Gewebe ein oder umwickelten 
mit demselben Leinenfäden. Später bediente man sich des Golddrahtes oder der 
mit Golddraht umsponnenen Eäden (Goldgespinst). In China und Japan benützt 
man Goldpapier für Gewebe und Stickereien. 

Goldgespinst s. Gespinste. 

Goldmodel werden in alten Spitzenmusterbüchern Vorlagen für Passemen- 
terien aus Goldfäden genannt. 

Goldspinnerei, das Verfahren, Seidenfäden mit Golddraht zu umwickeln, 
s. Brokat und Goldfäden. 

Goldspitzen und Silberspitzen, Spitzenarten, die ganz oder teilweise aus 
Gold- oder Silberfäden genäht, meistens geklöppelt sind. Sie kommen im 
17. Jahrh. zuerst in Spanien und Italien vor, es gingen ihnen wahrscheinlich die 
maurischen Gold- und Silberpassementerien voran (s. Spitzen). 

Goldstickerei s. Stickerei. 

Goldstoff, auch Goldstück (Drap d'or, auch Fond d'or), heissen diejenigen 
broschierten weichen Stoffe, deren schimmernder und glänzender Grund ganz 
aus reichem Gold- und Silbergespinst oder aus Goldlahn besteht, wodurch sie 
sich von dem Brokat unterscheiden , bei welchem die Muster z. T. aus feiner 
Seide bestehen. — Sie dienen zur Tracht der Orientalen und zu Kirchenornaten, 
mit leonischem Gold zu Theater- und Maskeradenaufzügen. Eine neuere Art 
von G. sind die Cirsaccas-Zeuge, eine Zusammensetzung von Atlas, Tissu d'or 
und Fond d'or, welche den ostindischen und chinesischen Sirfakas oder Sersukers 
nachgemacht sind. Die Manufakturen von Lyon und Tours liefern die meisten und 



224 Golgas— Gotischer Stil. 



schönsten Goldstoffe; doch werden sie auch in Paris, Genua, Florenz und 
Venedig gemacht. Leichtere derartige Stoffe liefert auch Deutschland. 

Golgas, gedruckte Flanelle, auch türkische Flanelle genannt, welche durch 
Model- oder Walzendruck doppelseitig gemustert sind. 

Golgasdruck, der auf Wolle angewendete Bandanadruck (s. d.); die 
wollenen Zeuge werden, ehe sie zwischen die Platten kommen, mit Alaun oder 
Weinstein gebeizt. 

Golsch, eine Art Barchent aus den Webereien in Ulm und anderen 
Gegenden Schwabens. 

Goole, Stadt in der engl. Grafschaft York: Woll- und Baum wollwaren - 
fabrikation. 

Goor, Stadt in der niederl. Prov. Oberyssel: Webereien, Bleichereien und 
Färbereien. 

Göppingen, Oberamtsstadt im württemb. Donaukreis: bedeutende Baum- 
wollwebereien. 

Gorillagarn, eine Art Noppengarn, dessen Grundfaden aus langem, 
schlichtem Rohmaterial (Kamelhaar, Alpaka, Angorahaar, schlichter Schafwolle, 
auch Pflanzenfasern) gebildet wird. Zur Erzielung der Baubeiten und Knötchen 
setzt man Seidenabfälle zu. 

Gorl s. Gimpen. 

Gorlice, Stadt in Galizien : bedeutende Märkte für Leinwand 5 in der Um- 
gebung Leinen- und Wollzeugwebereien und Leinwandbleichen. 

Görlitz, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Liegnitz: der Hauptindustriezweig ist 
die Tuchfabrikation (10 Fabriken mit über 2000 Arbeitern), ferner die Fabri- 
kation von Gloriastoff (z. T. in der Umgegend). 

Gortinia, Stadt in Griechenland: erzeugt Knüpfteppiche. 

Görz, Stadt in Oesterreich: die Fabriken der Herren von Bitter gehören 
zu den grossartigsten der Monarchie, sie besteben aus Baumwollspinnereien und 
-Webereien, mechanischen Florettspinnereien, Seidenspinnereien und -Webereien. 

Gossau, Dorf und Hauptort im Schweiz. Kanton St. Gallen : Zeugdruckerei, 
mehrere Stickereien und Weberei. 

Gössnitz, Stadt im Herzogtum Sachsen-Altenburg: Spinnerei, mechan. 
AVeberei, drei mechan. Stickereien. 

Gotaweppi (althochdeutsch), godwob (altfriesisch), godowabli (altslavisch), 
hedbav (tschechisch), hodbab (slowakisch), jedwab (polnisch), unter diesen all- 
gemeinen Namen kamen im ganzen germanisch-slavischen Norden Europas die 
Seidengewebe in Aufnahme, und da sie in erster Linie wohl zu kirchlichen Zwecken 
Verwendimg gefunden haben, so kam man zu der wohl annehmbaren Vermu- 
tung, dass die Bezeichnung von „Gottesgewebe" abzuleiten sei. 

Göteborg oder Got(h)enburg, Stadt in Schweden: bedeutende Baumwoll- 
spinnerei und -Weberei, Färberei, Herstellung von Gardinen und Möbelstoffen, 
Stickereien. 

Gotischer Stil bezeichnet in Deutschland und Frankreich die Kunstweise 
der Zeit von 1200 bis 1500, in Italien bis 1400, welche in der Baukunst durch 
die Ausbildung des Spitzbogens gekennzeichnet ist, dessen gebrochene Linien, 
Fialen, Krabben u. s. w. während dieser Zeit auch in der Kleinkunst vor- 
herrschen, wozu später für das Flachmuster Bosetten und Passfelder (s. d.), 
die Böse als solche, der Wein (Abb. 96), die Distel (Abb. 97) in Erscheinung 
treten. Das Gewebemuster , im Anfange der Periode noch vollständig von 
sarazenischer Kunstweise beeinflusst, weil die europäische Kunstweberei und 
ihre Formensprache erst allmählich selbständig werden, lässt vom 14. Jahrh. 
ab Elemente erkennen, welche sich als spätere Gotik bezeichnen lassen, wobei 
früher und später die Mustergebung für kirchliche Stoffe (s. d.) auffällt, welche 
die Italiener nach gegebenen orientalischen Vorbildern in ihrem Geiste um- 
gestaltet haben, in welcher Beziehung ihnen schon die Araber vielfach vor- 
gearbeitet hatten (s. arabischer Stil). Am Ende des 14. Jahrh. hat sich in 
Italien die arabische Ueberlieferung verloren (vgl. die Abb. auf Tafel III) ; die 
Tiermuster sind verdrängt, die Arabesken haben sich in Blattwerk verwandelt, 



Gotischer Stil. 



225 



welches deutliche Spuren des gotischen Stils trägt: knorriges Astwerk (Abb. 98), 
das zackige Distellaub (Abb. 97), halb naturalistische Blätter und Blüten, ver- 
einzelt die Lilie (Abb. 99), bis im 15. Jahrh. das sogen. Grranatapfelmuster (s. d.) 
einsetzt und das Stoffmuster bis in die E^enaissancezeit hinein beherrscht. — 

Abb. 96. 




Technisch ist im frühgotischen Zeitalter für die Kunstweberei wenig 
^eues zu verzeichnen ; erst im 15. Jahrh. entfaltet sich die grösste Pracht des 
Damastes und des Groldbrokates, vor allem aber des Sammets, welcher uns bis 
dahin nur wenige Beispiele hinterlassen hatte. Ergiebiger gestalten sich eih- 

Abb. 97. 




zelne G-ebiete der Kunsthandarbeiten , welche zumeist noch in Kirchenwerk- 
stätten für das Gotteshaus entstehen, wobei zu bemerken ist, dass sich in 
manchen Gregenden die Muster hierfür lange bis ins 16. Jahrh. hinein halten. 
Zahlreich vorhanden sind Stickereien auf grobem Segeltuch und aus späterer Zeit 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 15 



226 



Gotisclier Stil. 



Abb. 98. 




Abb. 99. 




Gotischer Stil. 



227 



Leinenstickereien (s. d.). Von letzteren gibt es unzählige Altardecken, welche 
in weissem und braunem Garn Ranken mit reizvollen stilisierten Blüten ent- 
halten, deren Flächen in allerlei Ueberfangstichen belebt sind. Ein ganz be- 
sonders schönes Stück eigener Art bewahrt das Germanische Museum in Nürn- 
berg. (Vgl. Abb. 100.) Kirchlichen Zwecken dienstbar gemacht ist ferner das 
weite Gebiet der Bild- und Goldstickerei, meistens für Kaselkreuze und -Stäbe 
verwendet. Die Musterung besteht in Streifen aus biblischen Figuren, welche 
unter Spitzbogenstellungen abwechseln. Aufgelegte Goldfäden werden in roter 
Seide in korbilechtartiger Musterung übernäht, die Gewänder der Heiligen sind 
mit farbigen Seidenfäden emailartig lasiert überstickt und die Gesichter und 
auch oft andere Teile in malerischer Art in farbigem Plattstich ausgeführt. — 

Abb. 100. 






Eine gröbere Art von Stickerei auf schwarzem Tuch, deren Technik an Auf- 
näharbeit erinnert, kommt in quadratischen Feldern zur Geltung, die zu Bück- 
laken für Chorgestühle zusammengesetzt sind. Auch hier hat man bunte aufgelegte 
Fäden in Flächen überstickt, wobei vergoldete Lederriemchen , und als Unter- 
lagen der Blütenformen, Pergamentfolien Verwendung gefunden haben. (Abb. 101.) 
In die frühgotische Zeit gehört die Technik der Aufnäharbeit in Perlen und 
getriebenen Goldplättchen ; auch eine Art der Tamburierarbeit (s. d.) auf Lein- 
wand lässt sich in Deutschland um diese Zeit nachweisen. Schliesslich kommt 
auch hier in Aufnahme die Technik der sog. Gobelinwirkerei für Eücklaken und 
Wandteppiche (s. d.), deren Arbeiten mit Figurendarstellungen, Spruchbändern 
und verschiedenartigem Ornament in dunklen TJmrisslinien merkwürdig in gleicher 
Wirkung stehen zu den bunten Glasfenstern mit Bleiverglasung derselben Zeit, 
(lieber Einzelheiten vergl. die Sx^ezialartikel.) 

Ab bildungen : 

'96. Darstellung aus: Heiden, Motive, Leipzig, 1890, BI. 221. Stickerei auf 
Leinen in farbiger Seide mit Darstellung zweier Bundfelder, um die sich Rosen und 



228 



Gotisierend — Grains grossiers. 



Weinreben ranken ; in den Feldern Rosenstauden anderer Stickereien. Original : Deutsch- 
land 15. Jahrb. 

97. Darstellung aus Heiden, Musteratlas, Leipzig, 1896: Kissen, Stickerei 
auf Leinen in farbiger Seide : Darstellung von Distelzweigen an gewundenem Astwerk. 
Original : Deutschland 15. Jahrb. 

98. Darstellung aus: Brinckmann, das Hamburgische Museum für Kunst und 
Gewerbe. Leipzig, 1894, S. 25. Seidenbrokatgewebe, Grund blau, Muster Gold: 
Schräg aufsteigende wellige Aeste, welche von Ranken aus breiten Blättern mit kleinem 
Zweigwerk umschlungen sind. Italien 14. Jahrb. 

99. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum' in Stuttgart: 
Wollenstoff, grün, mit hellroter Seide und etwas Gold broschiert: Rauten aus ver- 
schlungenen Bändern enthalten Wappenlilien. Deutschland 14. — 15. Jahrb. 

100. Darstellung aus dem Katalog des Germanischen Nationalmuseums in München, 
daselbst 1901, Tafel XV. Leinendecke, in verschiedenen Sticharten in Seide und Gold 
gestickt mit Darstellung eines Liebespaares zwischen einem Spruchband. Schweiz (?) 1548, 

Abb. 101. 










'•^^ 



101. Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Leipzig 1896, Bl. 9. Quadratisches 
Feld eines Rücklakens, Stickerei auf schwarzem Tuch in farbiger Seide und Leder- 
riemchen (übernähte Fäden und mit Pergament unterlegte Teile): einem rundlich ge- 
legten Ast entsteigen nach den vier Ecken und Mittelpartien stiUsierte Blütenzweige, 
deren Einzelformen an die Passionsblume erinnern. Deutschland 15. Jahrb. 

Gotisierend, zur Gotik sich hinneigend, also entweder spätromanische, 
oder auch Renaissanceformen, in denen einzelne gotische Elemente vorkommen. 

Göttingen, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Hildesheim : Fabrikation von Tuch- 
und Wollwaren. 

Gradeis, Gradls, Grateis, Demi-Coutils, bunte Halbdrilliche oder Köper- 
leinen, welche in Sachsen und Böhmen gewebt werden. 

Graines (franz.), (jap.: Tane), Ausfuhrartikel aus der Seidenzucht : Seiden- 
raupeneier. 

Grains grossiers, Coutils de Brin (franz.), gewöhnlicher einfacher Zwillich 
aus starkem Garn. 



Grramasia — Granatapfelmuster. 



229 



Gramasia, gramata, gramatia (lat.), gemusterter Bortenbesatz. 

Granada, Hauptstadt der gleichnara. Prov. im KöDigreich Spanien : Fabri- 
kation von Tuchen und Geweben. 

Granatapfelmuster (franz.: Grenada; pomme d'amour; engl.: pomme 
granate) nennt man die Bildung einer Kunstform in der Weberei der Spätgotik 
aus gleichnamiger Frucht in Vereinigung mit Motiven des Spitzbogens. Die 
Verwendung des Granatapfels als Muster kommt schon im Altertum vor und 
ist hier wohl auf symbolische Bedeutung zurückzführen , wie er auch über- 
gegangen ist in die Ornamentik der koptischen Gewandreste. (Vgl. Abb. 3.) 
Weiterhin als Frucht erkennbar ist der 



Abb. 102. 



Granatapfel in Geweben des 14. Jahrh., 
welche in Italien unter arabischem Ein- 
tluss entstanden sind. (Vgl. Abb. 45.) 
Daneben geht als ähnliche, aber weniger 
naturalistisch wiedergegebene Schmuck- 
form der Pinienzapfen, der auch schon 
in Assyrien bekannt war. (Vgl. Abb. 30 
u. 76.) Verwandt in der Blütenbildung 
nähert sich diesen Formen auch die 
Distel (vgl, Abb. 56 u. 57) und end- 
lich ist den Genannten wiederum in der 
Frucht ähnlich die Ananas (vgl. Abb. 18); 
beides aber erst später vorkommende 
Motive. Alle diese Blüten-, Blatt- und 
Fruchtformen haben dem Stile der Zeit 
entsprechend zu dem gleichartigen sogen. . 
Granatapfelmuster Anregung gegeben, 
das vom 15. Jahrh. bis ins 16. Jahrh. 
hinein im Orient, in Europa, vornehm- 
lich in Italien, Spanien und Flandern, 
zu Hunderten von verschiedenen Ab- 
wechselungen erscheint. Das Grund- 
motiv zu demselben wird also dem 
Orient entstammen, woselbst auch schon 
im 12. und 13. Jahrb. verwandte spitz- 
ovale Blütenformen vorkommen, die 
aber, wenn sie überhaupt in Zu- 
sammenhang damit zu bringen sind und 
nicht viel eher auf eine allgemeine Pal- 
mettenform der altchinesischen und 

persischen lotosähnlichen Blüte zurückzuführen sind, mehr an die Bildung des 
Pinienzapfens erinnern. 

An der selbständigen 'Ausbildung des Granatapfelmusters in Europa hat 
entschieden der gotische Stil mit den ihm charakteristischen Spitzbogenmotiven 
den grössten Anteil; denn die hieraus gebildete Umrahmung der Blüte oder 
Frucht ist in gleichzeitigen orientalischen Stoffmustern niemals so streng wahr- 
zunehmen wie hier; wenngleich dem gegenüberzustellen ist, dass dem Araber 
die spitzige Bogenstellung durch seine Architektur natürlich auch sehr geläufig 
war. Aber man dürfte nicht fehlgehen, nur jene Granatapfelmuster nach dem 
Orient zu setzen, welche die einfachere Spitzbogenumrahmung der Blüte oder 
Frucht in nochmaliger Einschliessung eines spitzovalen Feldes zeigen (vgl. Abb. 4 
auf Tafel IV), das mit dem 16. Jahrh. auch von Italien für das Stoffmuster 
einsetzt, im Orient aber schon im 13. Jahrh. allgemein geworden ist. Orien- 
talisierende Einflüsse machen sich, wie in allen Geweben Venedigs (s. d.), natür- 
lich auch beim Granatapfelmuster bemerkbar ; als Fabrikationsstätte des Orients 
dürfte in dieser Zeit schon Skutari (s. d.) genannt werden. Die ältesten Granat- 
apfelmuster erscheinen an breiten welligen Aesten, welche sich schräg über die 
ganze Fläche winden (Abb. 6 auf Tafel IV); unsymmetrisch gelangen sie auch 




230 



Granatapfelmuster. 



noch zur Darstellung, wenn die Bogenfelder durch schlanke oder gerollte 
Blätter unterbrochen sind, deren Anordnung dem vorigen Typus entspricht. 
Eine grosse Vielseitigkeit im Granatmuster ist in jener Grruppe von Damast- 
oder einfarbigen Sammetstoffen wahrzunehmen, die das Kernstück als kleine 
Blüte oder Frucht in einer Bogenumrahmung zeigen, welche sich einer grossen 
Palmettenform nähert (vgl. Abb. 1, 3, 7, 11 auf Tafel IV), worin die gotische 
Linienführung deutlich zum Ausdruck gelangt. Ebenso weisen die in feinen 
Linien geschorenen Muster (vgl. Abb. 12 auf Tafel TV) auf rein europäische 
Herkunft hin. — Je mehr man sich der Benaissancezeit nähert, um so kleiner 
wird die Spitzbogenumrahmung des Hauptmotivs. (Vgl. Abb. 9 auf Tafel IV.) 
Ein dichter Blütenkranz umgibt dieselbe und dieser ist wiederum durch Bänder 
eingerahmt, den Kronen verbinden. Im Anfange des 16. Jahrh. erscheint dann 
der Grranatapfel mit den herausquellenden Fruchtkernen noch einmal in seiner 

Abb. 103. 




ältesten Gestalt und die Spitzbogenumrahmung ist abgelöst durch eine spät- 
gotische Rose. (Vgl. Abb. 102 u. 103.) Zwischen diesen Ausläufern des 
Granatapfelmusters liegen die Damaste der Frührenaissance, welche das ehe- 
malige einfache Motiv in reichster Entwicklung und durch Kronen verbunden 
zeigen (vgl. Abb. 8 auf Tafel IV), woran sich anschliessen die gleichzeitigen 
spanischen Stoffe mit abwechselnder Granatapfelblüte und dem Pinienzapfen, 
die schon in spitzovale Felder eingeschlossen sind, also den Anfang des Penais- 
sancemusters darstellen. Deutlicher tritt der Pinienzapfen in der unter Abb 104 
dargestellten Sammetbrokattapete in Erscheinung, dessen Umrahmung aus 
Cypressenblättern und dem aus kleinen Tulpen- und Nelkenblüten bestehenden 
Beiwerk den orientalischen Typus solcher Muster veranschaulichen. Völlig auf- 
gelöst erscheint dann in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. in Spanien die 
Granatapfelblüte (Abb. 105), deren gewürfelte Einzelheiten an frühere arabische 
spitzovale Formen erinnern. In gleicher Weise werden in späterer Zeit ähnliche 
Muster auch im Orient freier, wodurch der Zusammenhang mit der europäischen 
Formenwelt noch augenscheinlicher wird. (Abb. 106.) — Ein dem Granatapfel- 



Granätaptelmuster. 



231 



Abb. 104. 




Abb. 105. 



^ 







Abb. 106. 




232 



Granatap f elmuster. 



muster verwandtes Motiv tritt noch einmal in Erscheinung, als am Ende des 
17. Jahrh. sich der französische Barockstil unter dem Einfluss italienischer 
Kunstformen bildet; indessen liegt diesem Stoffmuster lediglich die Frucht der 
Ananas zu Grunde. (Vgl. Abb. 107 u. 18—20.) Hinsichtlich des Gebrauchs 
der grossmusterigen Granatstoffe ist es bemerkenswert, dass dieselben nicht nur 
zu Tapeten oder für sonstige Innendekoration Verwendung fanden, sondern auch 
zu Gewändern verschnitten wurden, wofür die Bilder jener Zeit die inter- 
essantesten Beispiele aufweisen. (Vgl- Abb. 108.) 

Abb. 107. 




Abbildungen : ^ 

102. Original aufnähme aus dem Königl. Kunstgewerbemuseum inBerhn: Sammet- 
brokat, Grund hellviolette Seide, Muster rot, geschnitten und mit or frisee : Bänder 
mit eingefügten Verschlingungen bilden spitzovale Felder, in welchen abwechselnd 
Granatapfel mit Krone und gotische Rose in gebuckelter Vase. ItaHen Anf. 16. Jahrh. 

103. Darstellung aus: Kunstgewerbeblatt, N. F. III, S. 84, Leipzig 1891: Sammet- 
Stoff (moderne Nachbildung), rot, Grund glatt, Muster geschnitten: In Reihen geordnete 
und durch herzförmig geschwungene Bänder mit Kronen verbundene gotische Rosen und 
kleinere Blüten. Original von einer venetianischen Dogenstola, Anfang 16. Jahrh. 

104. Originalaufnahme aus dem Königl. Kunstgewerbemuseum in Berlin: Sammet- 



Granatapfelmuster. 



233 



brokattapete , Grund rot , Muster mit Silbertaden durchwirkt : Reihenweis versetzte 
Pinienzapfenblüten sind von gefüllten Cypressenblättern umgeben und mit kleinem 
Blütenwerk besetzt. Persien 16. Jahrb. 

105. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Sammetstofif^ Grund weisser Atlas, Muster rot, geschnitten : Aeste, durch Knäufe ver- 
bunden, bilden spitzovale Felder, in welchen je eine granatapfelartige Blüte. Spanien 
16. Jahrh. 

106. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Stickerei auf Baumwolle in roter Seide im Webstich, Muster in Art gewebter Tapeten : 

Abb. 108. 




Aeste, mit Blättern besetzt und durch Knäufe verbunden, bilden spitzovale Felder, in 
denen je eine Palmettenblüte, die an granatapfelartige Gestaltung erinnert. Türkei 
17.-18. Jahrh. 

107. Darstellung aus: Kunstgewerbeblatt, Jahrgang 1890, Leipzig: Sammetbrokat, 
Grund Gold, Muster schwarz geschnitten: Eine wellige Blütenranke, durch Rosetten 
verbunden, bildet Felder, in welchen je eine Palmettenblüte aus dem Fruchtkolben der 
Ananas in Umrahmung von schlanken Blattfeldern. Frankreich Ende 17. Jahrh. Ori- 
ginal :. Berlin und Leipzig. 

108. Originalaufnahme nach einem Gemälde aus der Galerie der Königl. Museen 
in Berlin: Brustbild einer Yenetianerin von Crivelli (1412—1486). 



234 Grand-Lion — Greif. 



Abbildungen auf der Tafel IV. (Webereien der Gotik und 

Frührenaissance.) 

Originalaufnahmen aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 

1. Sammetstoff, rot, Muster aus feinen Linien des Atlasgrundes auf geschnittener 
Fläche: Granatapfelmuster. Italien 15. Jahrh. Der Stoff ist im 17. Jahrh. mit einem 
anderen Muster gepresst. 

2. Seidendamast, hellblau, Muster (nicht ganz vollständig): Aeste mit Blättern 
besetzt, bilden Felder, in welchen abwechselnd je eine granatapfel- und eine pinien- 
zapfenartige Blüte. Spanien Anfang 16. Jahrh. 

3. Seidendamast, rot, mit Granatapfelmuster in feinen Taffetlinien auf Atlas- 
fläche. Italien 15. Jahrh. 

4. Sammetbrokat, rot und etwas Gold, Muster : Bänder bilden spitzovale Felder, 
in welchen je eine granatapfelartige Füllung in Spitzbogeneinrahmung. Skutari (?) 
16. Jahrh. 

5. Granatapfelmuster des 15. Jahrh. nach einem venetianischen Bilde. 

6. Sammetbrokat, rot und Gold, mit Goldnoppen und or frisee: Wellig auf- 
steigenden Aesten entsteigen grosse und kleine Granatapfelblüten. Flandern 15. Jahrh. 

7. Sammetstoff, rotbraun, Grund Atlas, Muster geschnitten : Reihenweis wechselnde 
Blütenfelder mit Füllung einer Granatapfel blute. Venedig 15. Jahrh. 

8. Seidendamast, weiss: Granatapfelmuster. Italien Anfang 16. Jahrh. 

9. Sammetstoff, Grund gelb, Muster hellblau, geschnitten : Rundliche Felder aus 
Blütenkränzen enthalten Granatapfelblüten und sind von Bändern eingeschlossen, die 
durch Kronen verbunden werden; dazwischen Granatäpfel. Italien Anf. 16. Jahrh. 

10. Seidenstoff, rot, bunt und Gold: Rosenranken bilden spitzovale Felder, in 
welchen je eine spitzovale Bogenstellung mit Granatapfelblüte. Italien Ende 15. Jahrh. 

11. Sammetbrokat, olivgrün, Grund Atlas, Muster geschnitten und mit etwas 
Gold: Wechselnde Blütenfelder mit Kernstück aus Granatapfelblüte und -Frucht. Italien 
15. Jahrh. 

12. Sammetstoff, grün, Muster in feinen Linien auf geschnittener Fläche: Granat- 
blüten in Bogenstellungen. Italien 15. Jahrh. 

Grand-Lion (franz.), gemusterter Zwillich zu Tischzeugen und Handtüchern. 

Grande-Venise oder Grande-rose (franz.), feine Leinen, damastartig mit 
Blumen gemustert, besonders im franz. Depart. des Calvados gewebt. 

Grands-lez, weisswollener Stoff aus Dreux in Isla de France, zu Mänteln 
für die Truppen. 

Grandurels, fein geflammter Baumwollstoff in Art der Nankings, der für 
Italien und die Levante gefertigt wird. 

Granit- oder Cannelebindung wird nur in vereinzelten Fällen als alleinige 
Warenbindung angewandt; umsomehr benutzt man sie zur Herstellung kräftig 
hervortretender Streifen in Kleider-, Buckskin- und anderen Stoffen. 

Grasleinen oder China-grass-cloth heissen die aus Chinagras hergestellten 
Gewebe. 

Graslitz, Stadt in Böhmen : Baumwollspinnerei, WoU- und Sammetweberei, 
Färberei, zwei Bleichereien, 7 Stickerei- und Konfektionsfabriken (darunter eine 
staatliche). G. ist Hauptsitz der Weiss warenstickerei und Konfektion, sowie 
Mittelpunkt der Spitzenklöppelei des Erzgebirges, 

Great-Yarmouth, Stadt in der engl. Grafschaft Norfolk: Seiden-, Woll- 
und Baumwollmauufakturen. 

Grebenau, Stadt in der hess. Prov. Oberhessen: Leinweberei, besonders 
Packleinwand. 

Grecque-Muster s. Mäander. 

Grega, schmale Leinwand für Portugal. 

Grege, allgemeine Bezeichnung für ungezwirnte Rohseide. 

Gregegarn ist ein aus Wolle und Seide erzeugtes Gespinst von grosser 
Haltbarkeit und in Feinheit dem engl. Baumwollengarn Nr. 60 gleich; es dient 
als Kette zur Herstellung der feinen Longshawls und ist erst in neuer Zeit 
eingeführt. 

Greif (lat. : griphus; franz.: griff un; engl.: griffin), ein fabelhaftes Tier 
des Altertums, das an Grösse und Stärke einem Löwen gleich, mit dem Leib 
eines solchen und vier Krallenfüssen, aber mit zwei Flügeln und dem krummen 



Greiffenbersf — Grezseide. 



235 



Schnabel eines Raubvogels versehen ist. Als Kunstform verdankt er seine Ent- 
stehung dem Orient, von wo aus ihn der Grieche übernimmt und in seiner "Weise 
idealisiert. Als Stoffmuster ist der G. erhalten auf einem sassanidischen Gewebe 
des 6. Jahrh. (vgl. Abb. 2 auf Tafel II), unter chinesischem Einfluss ist der 
G. dargestellt auf einem orientalischen Stoff des 10.— 11. Jahrh. (vgl. Abb. 7 
auf Tafel II). Ebenso wird er als Stoffmuster in gleichzeitigen Geweben von 
Sicilien übernommen (vgl. Abb. 109) und erscheint bis in das 13. Jahrh. hinein 
mit anderen Tierfiguren auf sarazenischen Geweben. 

Abbildung: 

109. Darstellung aus: Paul Schulze, Ueber Gewebemuster früherer Jahrhunderte, 
Leipzig 1893, S. 23. Seidenbrokat mit Darstellung von Greifenparen in reihenweis 
geordneten Kreisen; dazwischen Sterne. Sicilien 10. — 12. Jahrh. 

Abb. 109. 




Greiffenberg in Schlesien: Leinweberei, Leinwanddruckerei und Färberei; 
Bleichen. 

Greiz, Haupt- und Residenzstadt des Fürstentums Keuss ä. L. : nimmt in 
der Kammgarn Weberei die erste Stelle in Deutschland ein. Es befinden sich hier 
12 500 mechan. Webstühle, welche Tibets, Kaschmirs, Wollwaren aller Art, 
Decken, Shawls, feine Kammgarnstoffe herstellen ; ausserdem arbeiten eine grosse 
Anzahl auswärtiger W oll Warenfabriken für Greizer Firmen; ferner bestehen be- 
deutende Färbereien, Wollzeugdruckereien, Appreturanstalten und Kammgarn- 
spinnereien. Höhere Webeschule. 

Grenada, westindische Baumwollsorte ; auch eine spanische Baumwolle wird 
so benannt. 

Grenade (franz.), 1. Gemusterte Tischzeuge aus damastartig gewebter 
Leinwand. 2. Sehr feiner Berkan von Wolle und Seide aus Abbeville. 

Grenadine, 1. Im 18. Jahrh. schwarze Seidenspitzen, deren Material in 
Lyon gefärbt wurde. 2. Das feinste aller stark mulinierten Seidengespinste, das 
für Spitzen und Posamenten ausgedehnte Verwendung findet. 3. Franz. Seiden- 
zeug. 4. Damastartige Leinwand. 

Greven, Dorf im preuss. Beg.-Bez. Münster: Baumwollspinnereien. 

Grevenbroich, Stadt im preuss. Reg. -Bez. Düsseldorf: Baumwollspinnerei 
und -Weberei, Halbwollwebereien. 

Grezseide (franz. greze oder grege), s. v. w. Rohseide. 



236 



Griechenland— Griechenland und Rom. 



Griechenland, Königreich, hat trotz der hohen Schutzzölle keine bedeu- 
tende Industrie. Nennenswert ist die Textilindustrie, besonders Seidenfabriken 
(37 Betriebe mit 8 — 9 Mill. kg jährlicher Produktion). Bedeutend ist auch die 
Erzeugung von Teppichen, deren Hauptproduktionsorte Tripolitza, Leonidi, 
Athen, Argos, Korinth, Atalanti, Gortinia, sowie Yolo und Makrenitza in der 
Provinz Thessalien. Atalanti ist derjenige Platz , wo die moderne Teppich- 
erzeugung zuerst aufgenommen wurde, Tripolitza jener, welcher an Leistungs- 
fähigkeit obenan steht mit allein ein Fünftel der Gresamtproduktion im Werte 
von etwa jährlich 200000 Drachmen (= 150 000 M.). Die meisten Teppiche 
werden in der Hausindustrie erzeugt, nur vereinzelt gibt es berufsmässige 
Teppichweber. Ein Haupterzeugungsort derselben ist eine Frauenarbeitsanstalt: 
eine Schöpfung des griechischen Bankiers Syngros, welche in ihren inneren Ein- 
richtungen fast vollkommen unseren Frauenerwerbsvereinen entspricht. Mehr 
als 400 Frauen und Mädchen der ärmeren Bevölkerungsklasse erlernen hier 
ausser anderen weiblichen Handarbeiten insbesondere die Teppichweberei. Die 
bei der Teppicherzeugung zur Verwendung gelangenden Rohstoffe sind fast 
ausschliesslich inländischen Ursprungs. Auch der Bedarf an Mineral- (Anilin-) 
und Pflanzenfarben wird in Athen gedeckt, welches dieselben aus dem Aus- 

Abb 110. 




lande, vornehmlich aus England, Frankreich, Belgien, Deutschland und Italien 
bezieht. Die Musterung griechischer Teppiche scheint nach einem Bericht von 
Richard Oppenheimer, welchen derselbe im Jahre 1891 für die in Wien statt- 
gefundene Teppichausstellung erstattet, auf künstlerischen Wert keinen Anspruch 
zu haben. „Sie ist einfach in der Komposition, wenn auch mannigfaltig variiert. 
Die einzelnen Motive haben eigene Benennungen. Man unterscheidet die eigent- 
lichen griechischen Muster und solche Zeichnungen, welche sich an die Muster 
der Smyrna-Teppiche anlehnen. In neuester Zeit werden in der Fabrik einer 
Athener Firma Teppiche mit eingewebten Ansichten von Athener Bauwerken 
und Denkmälern und Sujets aus der altgriechischen Geschichte hergestellt." 
Seit einiger Zeit werden übrigens ausser den gewebten Teppichen auch ge- 
knüpfte Teppiche gefertigt. Aus der Zeit der Antike haben uns 

Griechenland und Rom wenige Originalstoflfe hinterlassen. Einige Ueber- 
reste von Wollwirkereien sind in den Gräbern pontischer Griechen der helle- 
nistischen Zeit (etwa vom 3. — 1. Jahrh. v. Chr.) gefunden (vgl. Compte rendu 
de la commission archeologique de St. Petersburg [für die Jahre 1878/79], 134 
Tafel Y), welche naturalistische Muster mit Enten, Hirschköpfen und Blättern 
zeigen. Mit Recht betont Alois Riegl (Altorientalische Teppiche, Leipzig 1891, 
S. 15), dass „die gesamte Textilkunst des Altertums augenscheinlich unter der 



Griechenland und Rom. 



237 



Führung der "Wirkerei stand und dass erst mit der Verbreitung der Seiden- 
kunstweberei neue Verhältnisse geschaffen, die allmählich das Zurücktreten der 
"Wirkerei und ihre Ersetzung durch die Seidenweberei und Stickerei zur Folge 

Abb. 111. 




hatten." Einen Beweis dafür haben wir nicht nur in der Abbildung des auf 
einem antiken Vasenbild im Berliner Museum sich befindlichen Hautelisse-Stuhles 
(vgl. -Abb. 110), sondern auch in vielen Gesängen der Odyssee und Iliade 
werden uns Gewänder und ihre Musterungen beschrieben, die auf keine andere 

Abb. 112. 




Technik, als die der Wirkerei hindeuten, wobei auch an Durchzugarbeiten» in 
farbiger AVolle auf Leinen oder Baumwolle gedacht werden kann, wie sie uns 
die koptischen Grabfunde zutage gefördert haben (vgl. Abb. 111), welche, 



238 



Grimma — Griphaticus. 



Abh. 113. 



wenn sie auch nicht direkt auf griechischem Boden entstanden sein mögen, so 
doch wahrscheinlich auf hellenistischen Yorbildern beruhen, die wohl in Mosaik- 
fussböden zu suchen sind. Die Musterung griechischer Gewänder haben wir 
uns so einfach wie möglich vorzustellen, da der Grieche viel mehr Gewicht 
auf die Fältelung seiner weissen wollenen oder leinenen uTeberwürfe legte und 
sie höchstens mit einem Saum verzierte. Die antiken Yasenbilder, welche 
reiches Material für dergleichen Studien bieten, zeigen nur selten in kleinen 
Quadraten mit einfachen Sternen und Rosetten gemusterte Kleider, von denen 
man annimmt, dass orientalische Personen gekennzeichnet sein sollen, oder es 
handelt sich um Stücke jener Periode, in welcher Griechenland noch nicht völlig 

frei von orientalischen Einflüssen war. 
Während des 7. — 10. Jahrh. bemächtigen 
sich die Griechen der Seewege und führen 
den Gebrauch der Seide bei den Völkern 
und wilden Stämmen ein, mit denen sie in 
dieser Periode in politischen Verkehr traten: 
es handelt sich hier sowohl um Seide aus 
dem Orient und aus Spanien. Rom besass 
unter den ersten Päpsten schon Seiden- 
stoffe : einige wenige daher erhaltene Ori- 
ginale (eines im Königl. Kunstgewerbe- 
museum zu Berlin, ein anderes wird in 
Sitten aufbewahrt [vgl. Abb. 112]) zeigen 
Musterungen, welche vollständig in dem 
Geiste klassischer Pormensprache gehalten 
sind. Akanthusranken — auf dem Original 
in Berlin befinden sich dazwischen kleine 
Rosetten aus je vier herzförmigen Feldern, 
die auch auf byzantinischen Geweben wieder- 
kehren — und wie die Ergänzung Sempers 
wohl richtig vermuten lässt, bilden diese 
die Umgebung von menschlichen Gestalten 
mit ornamentalen Tierfiguren. Ein drittes 
römisches Original, aus Grabfunden her- 
rührend (vgl. Abb. 113), weist mehr auf 
das Pormengebiet hin , welches auf den 
Gewandfiguren römischer Mosaiken wahr- 
zunehmen ist. 




Abbildungen: 

110. Darstellung aus: Eugene Müntz, La tappisserie, Paris, A. Quantin, S. 31: 
Darstellung eines griechischen Webestuhles (le metier de Penelope) nach einer antiken 
Vase aus dem Antiquarium der Königl. Museen in Berlin. 

111. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Rundes Feld, Muster in durchzogenen farbigen Wollfäden auf Leinwand : Darstellung 
eines antiken Kriegers mit Schild und Speer in Umrahmung des Wogenbandes (sogen, 
laufender Hund). Aus einem koptischen Grabe des 5. — 7. Jahrh. 

112. Darstellung aus: Semper, Der Stil u. s. w., München 1878, S. 180: Rö- 
misches Seidengewebe, Grund rot, Muster gelblich: Darstelluog einer Jungfrau auf 
einem phantastischen greifenartigen Seepferd zwischen Akanthusranken. Original im 
Domkapitel der Valeriakirche zu Sitten in der Schweiz. 3. Jahrh. n. Chr. 

113. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart 
(Originalgrösse) : Seidengewebe, Grund weiss, Muster blau, gelb und rot: In Rauten- 
feldern aus quadrierten Linien wechseln schalenartige Gefässe und geometrische Fül- 
lungen ab. Römisch (?) 5. Jahrh. n. Chr. Aus einem koptischen Grabe. 

Grimma, Stadt in Sachsen: ehemals bedeutende Tuchindustrie, welche ein- 
gegangen ist; zwei Wäsche- und Garnbleichen, Färberei und mehrere Druckereien 
für leinene und wollene Stoffe. 

Griphaticus (lat.), mit Greifen bestickter Altarvorhang. 



Grisaille — Gruayanilla, 239 



Grisaille, franz. Bezeicliming eines leichten Seidenstoffes, der aus schwarzen 
und weissen Fäden locker gewebt ist. 

Griset, Grisette, ursprünglich ein französischer, leinwandartig gewebter 
WollenstofP, eine Gattung Etamine, nur mit stärkeren Fäden; später wurde er 
in allen Farben, teils ganz aus Wolle, oder diese mit Seide oder Baumwolle 
vermengt, teils ganz aus Seide gefertigt. Jetzt ist der Name im Handel dafür 
ein anderer geworden. 

Grisettas nennen die Spanier eine leicht gewebte ungebleichte Leinwand. 

Grödek, Stadt in Galizien: Flachsbauschule und ein wichtiger Markt 
für Lein. 

Grodno, Hauptstadt im gleichnamigen russischen Gouvernement : Tuch-, 
BaumwoU- und Seidenfabriken. 

Gronau, Stadt im preuss. E,eg.-Bez. Münster: 6 Baumwollspinnereien, 
2 Webereien mit Druckerei und Färberei, je eine Bleicherei und Warpstärkerei. 

Groningen, Stadt im Königreich der Niederlande : Maschinenflachsspinnerei, 
Fabrikation wollener Strickwaren, Färberei und Wollkämmerei. 

GroppO oder grupo (ital.), Bezeichnung für eine Schnürtechnik : daher 
punto a groppo d. i. geflochtene Spitze oder marcramee; ursprünglich der Aus- 
druck für verschlungene , gerade oder geschwungene Linien (s. Macramee und 
Spitzen). 

Gros de Berlin, Naples, Tours, aus starken Fäden taff'etartig gewebte 
Seidenstofi'e. 

GrOS-forts, Mortagnes, Toiles-pour-meubles, gewöhnliche, aus starkem 
Hanfgarn, fest und gedrungen gewebte Leinwand, welche in Frankreich von den 
Landleuten gefertigt wird ; sie findet zu Tapezierarbeiten Verwendung. 

Gros-grains, Grobgrän, veralteter berkanartiger Wollenstoff. 

Gros point de Venise, italienische Guipürespitze, deren Musterumrisse 
stark unterlegt und im Innern fein durchbrochen genäht sind (s. Spitzen). 

Grossarias, in Spanien der allgemeine Name der gewöhnlichen Sack- und 
Packleinwand. 

Grossbritannien und Irland s. England und Irland. 

Grosschönau, Dorf in Sachsen : Fabrikation von baumwollenen, leinenen 
und halbleinenen Stoffen, Bleicherei, Färberei und Appreturanstalten. Die früher 
hier blühende Damastweberei ist zurückgegangen; doch liefern die noch vor- 
handenen 480 Stühle jährlich etwa 50 t der feinsten Damasttischzeuge. 

Grossenhain, Stadt in Sachsen: Woll- und Seidenspinnerei, Fabrikation 
von Tuch und Buckskin (10 Fabriken), Strumpf- und Wollwaren. 

Grosshartmannsdorf in Sachsen: Maschinenstrickerei, Weberei. 

Grossröhrsdorf in Sachsen: bedeutende Leinen- und Baumwollenweberei, 
Bleicherei, Färberei, Fabrikation von Kanevas, Zwirn, Bändern und Litzen. 

Grosssachsenheim, Stadt in Württemberg: Bandfabrik. 

Gros-trait pour Prelat, starke Leinwand, welche in Frankreich in der 
Gegend von Abbeville für Segeltuch gewebt wird. 

Gros-Zeuge sind in der Begel seidene, immer aber leinwandartig gewebte 
Stoffe. Man hat eine Fülle von Bezeichnungen für Stoffe in der Zusammen- 
stellung mit dem französischen Gros, obgleich dieselben nicht alle franz. Ur- 
sprungs sind. Die Unterscheidungen der verschiedenen Seidenzeuge mit „Gros" 
werden hervorgebracht durch den Wechsel stärkerer oder schwächerer Ketten- 
oder Schussfäden. 

Grünberg, Stadt in Schlesien: Fabriken für Tuch und halbwollene Waren: 
18 Betriebe, darunter die englische Wollwarenmanufaktur mit 1500 Arbeitern. 

Grund heissen bei gemusterten Stoffen diejenigen Flächen, von welchen 
sich die Muster durch Farbe oder Fadenlage abheben. 

Grundnetz der Spitzen s. Netzarbeiten und Spitzen. 

Guarnellum (lat.), weisser Stoff, aus Flachs und Baumwolle gewebt, daher 
auch für das daraus gefertigte Hemd gebraucht. 

Guayanilla, Baumwollsorte aus Westindien, weiss, glänzend, kräftig im 
Faden. 



240 Gruben — Gynäceen. 



Guben, Stadt im preuss. Eeg.-Bez. Frankfurt: Tuchfabrikation, Streich- 
garnspinnereien und Färbereien. 

Guerleys, Gattung ostindischer Kattune. 

Gueuse, im franz. Handel 1. Art dünner, geklöppelter Zwirnspitzen, die 
einen sog. Eeseau- oder netzartigen Grund und blinde Blumen haben. 2. Geringer 
"Wollenstoff, der früher in Flandern auch unter dem Namen Picotte gewebt wurde. 

Guianabaumwolle s. südamerik. Baumwollen. 

Guibert, in Frankreich eine gut und gedrungen gewebte Leinwand aus 
gebleichtem Garn. 

Guibray (fil de), in Frankreich ein weisses Dochtgarn, welches zu "Wachs- 
stöcken, Wachslichtern u. dergl. Verwendung findet. 

Guilladores, Gattung baumwollener Tücher aus Ostindien. 

Guimpe (fraoz.), Brust- oder Yortuch der Nonnen: ärmelloses Leibchen 
unter dem Kleid. 

Guineas, Namen verschiedener Kattune aus Afrika. 

Guinget, in Frankreich die geringste Sorte des gehechelten Hanfs und 
eine daraus gewebte Leinwand. 

Guingets, eine Art leichter Kamelotte aus Amiens. 

Guingets, Sorte russischer Hanf. 

Guipüre, (vom altfranz. guimpure; neufranz. heisst guipor s. v. w. mit 
Seide überspinnen), nannte man schon in älterer Zeit besonders kräftige, aus 
seiden- oder metallumsponnene Schnüren (Gimpen) hergestellte Geflechte, die 
meist als Kleiderbesätze verwendet wurden und im ganzen schon den Posamenten 
sehr verwandt sind. Da für dergleichen Arbeiten dann seit dem 16. Jahrh. 
der Ausdruck guipüre üblich wurde, bezeichnete man allmählich auch die daraus 
gefertigten Spitzen mit diesem "Worte und später, als die Spitze mit durch- 
gehendem Grunde vorherrschend geworden, blieb die Bezeichnung an dem Barock- 
typus der Spitze haften. 

Gul buda dusta, persischer Teppich mit Blumenmuster, womit nur der 
Name gemeint ist. 

Gulbani, leichter gazeartiger mit Seide und Goldlahn durchwehter Stoff 
aus Ostindien. 

Gule Hennaimuster, im Ferahanteppich vorkommend, besteht aus symmetrisch 
an einem Stengel gereihten Narzissenblüten, meist in gelblichen Tönen gehalten. 

Gumbinnen, Stadt im gleichnamigen preuss. Beg.-Bez. Gumbinnen: "Woll-, 
Baumwoll- und Leinwebereien; Strumpfwirkerei. 

Gummersbach, Stadt im preuss. Eeg.-Bez. Köln: "Wollgarnspinnerei, 
KunstwoU- und "Wolljackenfabrikation. 

Gur, weisse Kattune aus Ostindien. 

Gurte sind dicke bandförmige Gewebe, die als Tragbänder, als elastische 
Unterlage für die schneckenförmigen Stahlfedern der Kissen beim Polstern der 
Möbel Verwendung finden. Bessere Sorten dienen für den Grundsitz der Reit- 
sättel (Sattelgrundgurte) und zu gepolsterten Wagenarbeiten (Wagengurte), feinere 
und weichere Sorten zu Hosenträgern, Halftern, sowie zu eigentlichen Sattel- 
gurten (Bauchgurte). Tragbänder und Tapezierergurte werden aus sehr grobem 
Hanf- oder Werggarn angefertigt und sind glatt gewebt. Die Sattelgrundgurte 
und Wagengurte stellt man aus Hanfgarn, Hanf- oder Leinenzwirn her oder 
auch aus zweidrähtigem Bindfaden, sie sind entweder glatt oder zweiseitig ge- 
köpert. Sattelgurte und Halfter bestehen ganz aus Kammwollgespinst und 
sind immer geköpert, oft auch mit kleinen Mustern durchwebt. In derselben 
Weise w^erden Hosenträger gefertigt. Die gewöhnlichen G. aus Hanfgarn u. s. w. 
werden vom Seiler am Schlagstuhl (G.-Schlagstock) gemacht, die G. aus Zwirn 
oder Wolle von dem Bortenwirker am Handstuhl. 

Gustarda, indische Bezeichnung für Teppiche. 

Gütersloh, Stadt im preuss. Reg.-B.z. Minden: mechan. Baumwoll- 
webereien und Bandfabrik ; Fabrikation von Seidenzeugen. 

Gynäceen, sogen. Frauenhäuser, in welchen in B3^zanz sich Seidenmanu- 
fakturen befanden, die unter Justinian im 6. Jahrh. gegründet wurden. 



Haan — Haidaraur. 24 1 



H. 



Haan, Gremeinde im preuss. E,eg.-Bez. Düsseldorf: Zanellafabrikation, 
8eiden- und "Wollweberei. 

Haarbeutel, ehemals ein gewöhnlich schwarzes Säckchen von Seide oder 
auch Taffet, das sich glatt auf den Oberteil des Rückens legte, das Nackenhaare 
enthielt und noch mit seidenen Bändchen gebunden und verziert war. Er 
schützte die Kleider vor dem Puder und verdrängte wohl deshalb ungefähr 
seit der Mitte des 18. Jahrh. neben dem Zopfe die grosse Staatsperücke, ging 
von Frankreich aus, wo von 1710 ab das Militär diese Tracht annahm und 
für den Strassenanzug modisch machte. Seit der franz. Revolution hörte diese 
Mode auf. 

Haardecken, Haartuch, Haarzüchen, grobe Gewebe von Pferde-, Ochsen-, 
Kuh-, Beh- und anderen Haaren, welche man, nach vorheriger Reinigung in 
"Wasser, wenn sie getrocknet sind, wie Wolle kartätscht oder krempelt, auf 
einem Rade spinnt, nachdem doubliert und zwirnt, dann aber nach Leinwandart 
mit zwei Schäften webt. Haarzüchen dienen zum Einpacken, zum Belegen 
der Fussböden im Winter, zu Pferde- und Schiffsdecken u. dergl. Auch in 
Nordamerika macht man unter dem Namen Taurinotuch einen Stoff aus Rinder- 
haaren, der zu Regenmänteln und Teppichen verbraucht wird. 

Haardraht, der feinste Grolddraht, den man zu Greweben und Stickereien 
l)enutzt. 

Haaren im Rheinland, Dorf im preuss. Reg.-Bez. Aachen: "Wollspinnerei 
und Tuchfabrikation. 

Haargewebe, Fabrikate aus Pferdehaaren und den Abfallhaaren der 
Gerbereien. Die kürzeren Haare werden gesponnen und als sogen. Haarzüchen 
zu Presstüchern, Decken, Möbelstoffen u. dergl. verwendet. 

Haarhaube s. Calotte. 

Haarlem, Hauptstadt der niederl. Prov. Nordholland: früher blühende 
Industrie; jetzt sind die Fabriken in Seide, Leinwand, Zwirn u. s. w. herab- 
gekommen, wichtig ist noch die Rotfärberei, Baumwollbleicherei und Druckerei, 
Spinnerei und Maschinenweberei. Im 18. Jahrh. ist H. berühmt wegen der 
vorzüglichen Bleiche des Leinenfadens zur Spitzenerzeugung. 

Haarseide nennt man in den Seidenmanufakturen einen einzelnen Faden 
roher, um sich selbst gedrehter Einschlagseide, die man zum Yerheften beim 
"Weben reicher Stoffe gebraucht. 

Haarsiebe, Haarsiebboden, aus Pferdehaaren geflochtene oder durchsichtige 
Gewebe. 

Haartreibriemen bestehen aus festen dichten Geweben von grobem Woll- 
garn mit Baumwolleinschlag, in ein- oder mehrfachen Lagen auf besonderen 
Stühlen hergestellt. 

Haartuch, (franz.: etoffes de crin), Rosshaarstoffe nennt man im all- 
gemeinen die Gewebe in Verbindung mit Haar, insbesondere die feinen Stoffe 
dieser Art aus Rosshaaren in Verbindung mit anderen Fäden. 

Haberkorn oder Gerstenkorn (Motiv des grains de nullet) kommt in den 
älteren Genueser Klöppelspitzen häufig vor. 

Hadern, Lumpen, Fetzen, Strazzen, Allgemeinbezeichnung für Gewebe 
aller Art, welche durch den Gebrauch für persönliche und häusliche Zwecke 
unbrauchbar geworden sind. 

Hadmersleben, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Magdeburg: Wollspinnereien. 

Häfel, Bezeichnung der gefirnissten Zwirnfäden, welche die Schleifen bei 
den Schäften der Webstühle bilden. 

Hagen, Kreisstadt im preuss. Reg.-Bez. Arnsberg: Baumwollspinnerei 
und -Weberei, Färberei und Bleicherei. 

Haidamur, bedeutendes Dorf in Syrien, welches Teppiche erzeugt. 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 16 



242 Haidarabad— Häkelarbeiten. 



Haidarabady 1. Hauptstadt im gleichnamigen Vasallenstaat des Indo- 
britischen Reiches: bedeutende Baumwollmanufakturen. 2. Hauptstadt von 
Sindh: Seide und Baumwollmanufakturen. 

Haindorf, Dorf in Böhmen: Baumwollspinnerei, mechan. Webereien. 

Hainewalde, Dorf in Sachsen bei Zittau: Haarsiebbodenweberei. 

Hainichen, Stadt in Sachsen : Chenillefabrik, Fabrikation von Flanell und 
Wollphantasiewaren. Städtische AVebeschule. 

Hairasgarn ist eine Art von wollenem Kammgarn, das aus dickhaarigen 
orientalischen Schafwollen gesponnen wird. Von dem englischen Schussgarn 
ist es besonders durch einen geringeren Grlanz zu unterscheiden. Das Material 
wird vor dem Krempeln, wie vor dem Verspinnen reichlich gefettet, vor dem 
Färben wird es ausgewaschen; es findet für Teppiche und Posamenten Ver- 
wendung. 

Hairbims, Harbins, veralteter wollener kamelotartiger Stoff, dessen Kette 
halb von Seide und halb von Baumwolle ist. 

Haircords (engl. Haarstrick), sind ganz feine weisse Baumwollenzeuge, 
mit kleinen dichten Streifen, die sich dadurch auszeichnen, dass in gewissen 
Abständen durch gefärbte dickere Kettfäden hervortretende Längsstreifen sicht- 
bar sind. 

Häkelarbeiten werden mit der Häkel- oder Tambouriernadel , dem 
„crocher" der Franzosen meist aus weissem Baumwollengarn gefertigt, einem 



Abb. 114. 




Stift aus Metall, Holz, Elfenbein oder dergl. an dessen etwas stumpfer Spitze 
sich ein Widerhaken befindet, mit welchem die Maschen geschlungen werden. 
Das Alter der Technik ist mit Bestimmtheit nicht nachzuweisen. Man darf 
nach erhaltenen koptischen Gräberfunden annehmen, dass sie in Gremeinschaft 
mit der Strickerei und Filetarbeit schon im 5. Jahrh. geübt wurde; eine all- 
gemeinere Aufnahme findet das Häkeln erst im Anfang des 19. Jahrh., be- 
sonders in Irland, wo man sich bemüht, die venetianische Beliefspitze nierin 
nachzubilden. (Vgl. Abb. 114 u. 115.) Zur selben Zeit verbreitet sich die 
Technik auch in Nachahmung von flachen genähten und geklöppelten Spitzen 
über Deutschland (namentlich Sachsen und Preussen). Die grösste Vielseitigkeit 
gewinnt das Häkeln durch die Aufnahme von Oesenbändchen (Mignardisen), russ. 
Börtchen, Pointlaceband, Gimpen u. s. w., welche als fertige durchgehende Borten 
dem Häkelmuster als belebender Zwischensatz dienen. Vgl. Heine, Die 
Schule des Häkeins (4. Aufl. Lpzg. 1891); Hochfelde n, Das Häkeln (Ber- 
lin 1892), 



Hakirs — Halblakea. 



243 



Abbildungen : 

114. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Teil einer Borte, Häkelarbeit in Eelief in gelblichweissem Grarn : Muster aus einem 
Zweig, dessen Blüten die Zacken bilden. Irland 19. Jahrh. 

115. Originalaufnahme aus dem königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Teil eines Kragens, flache Häkelarbeit in weissem Garn : Muster aus grossen und kleinen 
runden Scheiben auf unregelmässigem Maschengrund. L-land 19. Jahrh. 

Abb. 115. 




Hakirs werden Demi-cottons genannt. 

Halagia (lat.), Teppich oder Vorhang; anch Tischtuch. 

Halbau, Stadt im preuss. E/eg.-Bez. Liegnitz : Banmwoll- und Damast- 
weberei. 

Halbborten, Borten, deren Kette aus Seide und deren Einschlag ab- 
wechselnd aus Seide und anderem Material besteht (s. a. Bortenwirkerei). 

Halbenglische Naht, diejenige für TTirkware verwendete überwendliche 
Naht, bei welcher der Xähfaden die äussersten Henkel oder halben Maschen 
zweier "Warenstücke miteinander verbindet. 

Halberstadt, Stadt im preuss. ßeg.-Bez. Magdeburg: Der Domschatz 
enthält Gewänder des Mittelalters und kostbare Bruchstücke von Geweben und 
Stickereien. Unter Friedrich dem Grossen im Jahre 1749 Ausdehnung in der 
Seidenzucht. 

Halbflorence, Gewebe in Leinwandbindung aus seidener Kette und 
baum^vollenem Schuss. 

Halbkammgarne (Sagetten- oder Sayettegame, Strick-, Stick- oder 
Tapisserie- und Strumpfwirkergarne, fil corde-peigne, Knittingyarn, Stocking- 
yarn, hosiery-yarn, mock-worstev) werden aus mittellangen Wollen meist ähn- 
lich wie Kammgarn mit Hinweglassung der das Spinnen sehr verteuernden 
Kämmmaschine, oder ähnlich wie Streichgarn, jedoch unter Fortfall des ge- 
kreuzten Auflegens, erzeugt. Dadurch, dass die in der Wolle enthaltenen 
kurzhaarigen Teile mit verarbeitet werden, erhält der alsdann gesponnene Faden 
eine weniger glatte und feste Beschaffenheit als eigentliches Kammgarn; ist 
jedoch glatter und glänzender als eigentliches Streichgarn. 

Halblaken, Halbtuche nennt man ein dünnes und leichtes Tuch, welches 
aus fein gesponnenem Garn und feiner "Wolle gewebt, nicht fest gewalkt, aber 
mit besonderer Sorgfalt appretiert wird. Es dient zur Sommerkleidung und 
zu Frauenmänteln , und ist besonders nach den wärmeren Ländern , Italien, 
nach der Levante und nach Südamerika gangbar. Xach den verschiedenen 
Gegenden, wohin es bestimmt ist und nach der Qualität und Appretur erhält 
es besondere Namen, wie z. B. Drap de dames, Mahouts, Serails, SjDanish 
Striges, Kronentücher u. s. w. In England wird das feinste Halbtuch in 



244 Halbmond — Hamilton. 



Saddleworth gemacht. Die französischen Halbtücher kommen unter den Be- 
zeichnungen: Carcassonnetücher, Demi-Draps, Demi-Londres, Draps de Langue- 
doc in den Handel. 

Halbmond als Musterung in türkischen Webereien und Stickereien so- 
wohl als Bedeutung des AVappens, aber auch lediglich zur Flächenfüllung von 
den ältesten Zeiten her nachweisbar. (Vgl. Orientalische Grewebe und Stickereien.) 

Halb-Perses sind holländische Kattune, die früher dort viel gebraucht 
und in Art persischer Muster bedruckt wurden. 

Halbsammet ist ungeschnittener oder nur teilweise geschnittener Sammet. 

Halbseidener Damast (franz.: damas-caffard, damassin; engl.: half 
damask), Gewebe aus Seide und anderen Faserstoffen. 

Halbseidene Stoffe sind alle Gewebe, in denen seidene Fäden mit denen 
anderer Faserstoffe gemischt vorkommen. 

Haifa s. Alfa. 

Halifax, Stadt in der engl. Grafschaft York: nächst Leeds und Bradford 
Hauptsitz der Woll- und Wollgarnindustrie. Ausserdem fertigt man Baum- 
wollwaren und Seidenplüsche. In Crossley's Teppichfabrik sind gegen 5000 
Arbeiter beschäftigt. 

Haiina oder Hallina sind langhaarige, grobe, wollene, gewürfelte Decken 
oder Kotzen, welche in Oesterreich, Ungarn und Siebenbürgen gewöhnlich aus 
ungarischer Zackelwolle gefertigt werden. 

Hall, Stadt in Tirol: Fabrikation von Loden, Tuch und Zwirn. 

Hallencourts sind Tischzwilliche, welche bei Abbeville gewebt werden. 

Halles-crues, Halles de Dinan, eine französische starke flächsene Leinwand. 

Halluin, in Frankreich eine Art grober Serge oder sogenannte Trikots, 
die früher besonders zu Montierungsstücken für die Truppen gebraucht wurden. 

Halskrause s. Fraise. 

Hamadam, Hamadan, Stadt in der pers. Prov. Irak-Adschemi: Her- 
stellung von Filzteppichen, welche besonders leicht und durch Anwendung des 
Ziegenhaares sehr schmiegsam sind. Sie werden bezüglich der Güte mit denen 
von Brussa verglichen. 

Hamah, Stadt in Syrien: Woll-, Baumwoll- und Seidenwebereien, Ver- 
fertigung arabischer Mäntel. 

Hamans, Hamas, sind feine, weisse, dicht gewebte, ostindische Baum- 
wollzeuge, eine Gattung ganz feiner weisser Kattune, welche früher nach 
Europa kamen; jetzt aber durch englische Shirtings, Sheetings- und Cambriks 
ersetzt werden. 

Hambel heissen in Marokko die gewirkten Teppiche (s. Kilim). 

Hamburg, Freie und Hansestadt, Bundestaat" des Deutschen Beichs : 
Norddeutsche Jutespinnerei und -weberei (in Schiffbeck), Jutespinnerei und 
-Weberei (H.-Harburg), Wollgarnfärberei, Hanfgarnspinnereien, Pferdehaar- 
spinnereien, Fabrikation von Hauswäsche und Anzügen. Die Anfänge der 
Seidenindustrie lassen sich bis zum Ende des 16. Jahrhs. verfolgen, wo nieder- 
ländische Beformierte die Sammet- und Taffetfabrikation nach der in Ant- 
werpen bekannten Art eingerichtet haben. Der dreissigj ährige Krieg, welcher 
das übrige Deutschland wirtschaftlich zurückbrachte, berührte die Hamburger 
Industrie nicht oder kam ihr vielmehr zugute, weil gerade infolge des Krieges 
die Ausfuhr nach den übrigen deutschen Ländern einen bedeutenden Auf- 
schwung erhielt; in das Ende des 17. und die erste Hälfte des 18. Jahrh. fällt 
die Zeit ihrer höchsten Blüte. Im Anfang des 18. Jahrh. werden in H. 4uch 
Spitzen erzeugt, nachdem in Frankreich ihre Fabrikation zurückgegangen ist. 
Ferner im 17. Jahrh. Erzeugung von Bildwirkereien (s. Wandteppiche). 

Das Museum für Kunst und Gewerbe, gegr. 1869, seit 1877 
Staatsanstalt (Direktor: Prof. Dr. Justus Brinckmann) enthält eine umfangreiche 
Sammlung von Stoffen, Stickereien und Spitzen aller Zeiten. Gewerbeschule 
für Mädchen: Zeichnen und Kunststicken. 

Hamilton, Stadt in der schottischen Grafschaft Lanark: Weberei und 
Musselinstickerei. 



Hamiltonspitzen — Hardangerarbeit. 245 

Hamiltonspitzen (auch schottische Spitzen), einfache Klöppelspitzen, die 
um die Mitte des 18. Jahrh. durch eine Lady Hamilton in Aufnahme kamen. 

Hanau, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Kassel: Teppich- und Strumpfwaren- 
fabrikation. In der Königl. Zeichen-Akademie eine Fachklasse für Kunst- 
stickerei. 

Handspitze, durch Handarbeit, ohne Zuhilfenahme mechanischer Ein- 
richtung hergestellte genähte, geklöppelte, gehäkelte, gestrickte oder geknüpfte 
Spitzen, die im Gegensatz zu den Maschinenspitzen auch echte Spitzen genannt 
werden. 

Handtuch (franz.: serviette de toilette; engl.: towel); s. Leinenstickerei. 

Handtuchdrell s. Drell. 

Handy-WarpS, sind weisse englische Tuche. 

Hane-Caatjes sind weisse Musseline, welche ehemals die Holländer aus 
Ostindien brachten. 

Hanf, eine zur Familie der TJrticaceen gehörige zweihäusige Pflanze. 
Die Grösse der einzelnen Arten ist sehr verschieden, man unterscheidet danach 
in der Landwirtschaft den grösseren und in freierem Stande erwachsenen 
Riesen-, Schleiss- oder Schlichthanf von dem feineren und niedrigen Spinnhanf. 
Die Bearbeitung des H. stimmt mit derjenigen des Flachses im wesentlichen 
überein, er gleicht im spinnfähigen Zustande dem Flachs, ist aber von mehr 
gelblicher Farbe, dabei gröber, härter und steifer, daher zu feinen Gespinsten 
nicht verwendbar. Verhältnismässig wenig H. wird zu Geweben (Hanfleinwand 
oder Segeltuch) oder zu Zwirnen, der meiste zu Seilerwaren verbraucht. 
Hänfene Gewebe sind schwerer und fester als solche aus Flachs. In Japan 
ist Hanf die älteste kultivierte Textilpflanze und wird, mit Indigo gefärbt, der 
gewöhnlichste Bekleidungsstoff der Landbewohner; s. Leinenindustrie. 

Hanfheede, Torse, der grobe verworrene Abfall von Hanf, welcher beim 
Hecheln desselben an der Hechel hängen bleibt. Die verschiedenen Sorten 
Hanfheede werden gesponnen und zu grober Leinwand, Packtuch u. dergl. 
verwebt, teils von den Seilern zu geringen Stricken verarbeitet, oder, wie die 
Wolle gekardet, als eine Art Watte verbraucht. 

Hanfleinwand, Hanftuch werden alle feinen, einfachen oder gemusterten, 
sowie die gewöhnlichen Gewebe, welche ganz aus hänfenem Garn gefertigt werden, 
genannt. Die vornehmsten Arten sind die tecklenburgischen, die polnischen, 
die französischen Brins, Beauforts, Combourgs, Zwillich, Grosforts 
u, s. w.; die russischen Brans, Calamink, Chrätsch, Guingets; die 
niederländischen Kanevas st off e und viele Sorten Segelleinwand. Im all- 
gemeinen soll die Hanfleinwand dauerhafter sein als die flächsene, jedoch ist 
sie nicht so geschmeidig und braucht längere Zeit zum Bleichen. 

HangingS (engl.), der Behang, das Behänge, bes. Wandteppiche; hangings 
of Arras, die Arrazzi, Tapeten aus Arras. 

Hang-tschou(-fu), Hauptstadt der chines. Prov. Tsche-kiang: bedeutende 
Seidenmanufakturen (7000 Webstühle, 28000 Arbeiter); Goldstickerei. Stoffe 
dieser Art werden hier in grösseren Mengen und zugleich schöner und besser 
hergestellt als in einer anderen chines. Stadt. Auch eine Baumwollspinnerei 
mit über 15000 Spindeln liegt in der Nähe von H. 

Hanos, früher die von der holländisch- ostindischen Compagnie ein- 
geführten sogen, zehndrähtigen Atlasse mit Blumen. 

Hanovilles, Gattung wollener Serge, welche ehemals über Beauvais und 
Amiens Absatz fanden. 

Harami, grosser, indischer Teppich. Die Bezeichnung bezieht sich nur 
auf das Format. Doch scheint es, dass die so genannten Teppiche haupt- 
sächlich für Moscheen gefertigt werden. Die Muster sollen stets religiös- 
symbolische Bedeutung haben. 

Hardangerarbeit, eine in neuerer Zeit nach gleichnamiger Landschaft im 
norwegischen Amt Sönder-Bergenhus benannte Leinendurchbrucharbeit auf 
Kongressstoff mit umstickten Rändern und Figuren, wie sie vorbildlich in den 
orientalischen Korandecken erhalten sind (s. d.). 



246 Harir — Heidenheim. 



Harir, arabische Bezeichnung für entbastete Ibrisams: d. i. die mittel- 
alterliche Bezeichnung für Seide. 

Harlekins, ehedem eine Art englischer wollener Stoffe, welche bunt 
chinierte Muster hatten. 

Harlekynen, gewöhnliche flächsene Leinen mit blauen, roten, gelben und 
anderen Streifen, welche früher aus Holland kamen. 

Harlemer Cheks, eine Sorte blau und weiss, oder rot und weiss ge- 
gitterter Leinen aus Harlem. 

Harnisch, Vorrichtung am Webstuhl, woselbst es die Anordnung der 
Schnüre, Harnischlitzen, bezeichnet, welche am Musterwebstuhl die Kett- 
fäden in die Höhe ziehen. 

Harras nennt man in Oesterreich und Bayern doppelfädiges gedrehtes 
Garn aus einschüriger gekämmter Wolle. Harrasware ist ein aus der- 
gleichen Garn raschartig gewebter Stoff, welcher früher zu Tapeten und 
Möbelbezügen gebraucht wurde. 

Hartenstein, Stadt in Sachsen: Weberei, Weisswaren- und Strumpfwaren- 
fabrikation. 

Hartha, Stadt in Sachsen: Leinen- und Barchentweberei. 

Hartmannsdorf in Sachsen: Fabrikation von baumwollenen, ganz- und 
halbseidenen Handschuhen und Strumpfwaren, Färbereien, Bleicherei, Appretur- 
anstalten. 

Haspel oder Trommel wird eine Winde genannt, welche in grösseren 
Webereien dazu dient, die Kette vor dem Bäumen aufzunehmen und dieselbe 
zu spannen. 

Hausleinwand ist im Gegensatz zur Kaufleinwand eine solche, welche 
die Hausfrauen auf dem Lande aus selbstgesponnenem Garn für ihren Gebrauch 
bei Webern weben lassen. Auch versteht man darunter eine recht dichte feste 
Leinwand. 

Haute-lisse (franz.), auch haute-lice; (lat.: lichia alta; engl.: high-warp- 
tapestry) gewirkte Tapete mit Figuren u. s. w., deren Kette aus Wolle oder 
Seide lotrecht in den Stuhl gezogen wird (s. Bildwirkerei, Tapisserie). 

Hautelissestuhl, ein insbesondere zur Herstellung von Teppichen und 
Gobelins dienender Webstuhl mit wagerecht gespannter Kette, im Gegensatz zum 
Basselissestuhl. 

Havre, Hauptstadt des gleichnam. Arrond. im franz. Depart. Seine- 
Inferieure: Baumwollspinnerei, Färberei und Weberei. 

Hawick, Stadt in der schott. Grafschaft Roxburgh: Hauptsitz der schott. 
Strumpfwarenmanufaktur; bedeutende Fabrikation von wollenen Zeugen, be- 
sonders von Plaids und Decken. 

Hayti (St. Domingo), Baumwollsorte aus Westindien, weiss ins Gelbliche, 
oft matt, ziemlich kräftig im Faden. 

Hechingen, Stadt im preuss. B.eg.-Bez. Sigmaringen: Strickgarnfabrik, 
Buntweberei, Baumwollfärbereien und Trikotwebereien. 

Hedbav (tschechisch), s. Gota weppi. 

Hedebo, eine Art dänischer Weissstickerei, welche auf grobem weissem 
Leinen meistens im Plattstich ausgeführt und in Durchbrucharbeit gemustert ist. 

Heedebaumwolle, ein aus roher, grober und grauer Flachsheede be- 
reiteter Spinnstoff. 

Heedeleinen, Heeden, im deutschen Leinenhandel gewöhnliche Gewebe, 
welche aus dem Werg des Flachses und Hanfes gewebt werden. 

Heedewerg, die kurzen verworrenen Fasern, beim Hecheln von Flachs 
und Hanf, welche sich zwischen den Zähnen der Hechel ansammeln und zu 
Gespinsten, zum Verpacken u. s. w. verwendet werden. 

Heidelberg, Stadt im Grossherzogtum Baden: grosse Kunstwollfabrik. 

Heiden, Flecken im Schweiz. Kanton Appenzell- Ausserrhoden : Baum- 
wollindustrie, Weberei und Stickerei. 

Heidenheim, Oberamtsstadt in Württemberg: Fabrikation von Baumwoll- 
waren, Tuch, Strickgarn; E-ot- und Blaufärbereien, chemische und Naturbleichen; 



Heiliger Baum — Hermanstadt. 247 

bedeutende württ. Kattunmanufaktur mit etwa 800 Arbeitern. Frauenarbeits- 
und Webeschule. 

Heiliger Baum wird der Baum des Paradieses genannt, welcher als Kunst- 
form zunächst in Assyrien (s. d. u. Abb. 31) erscheint und das ganze Mittel- 
alter hindurch sowohl im Orient, als auch in Europa auf Stoffmustern zu ver- 
folgen ist (s. Baum als Stoffmuster). 

Heiliger Rock, der Rock, den Christus auf dem Wege zum Kreuze trug 
und von dem es bei Job. 19, 23 heisst, dass er ohne Kaht war. Wie bei 
anderen Reliquien, so streiten sich auch verschiedene Kirchen um den Besitz; 
in neuerer Zeit hat man nachzuweisen gesucht, dass die Reliquie in der Dom- 
kirche zu Trier die echte sei. Die sachverständige Untersuchung dieses Stückes 
hat ergeben, dass es sich um ein Bruchteil eines Byssusstofies handelt, welches 
in Seidengewebe des 8. Jahrb. gehüllt ist, die Yogelmuster enthalten. (Vgl- 
Abb. 8 auf Tafel II.) Letztere Stoffe wurden früher für Reste des Gewandes 
gehalten. (Vgl. Wilmowski, Der heilige Rock in Trier, 1889. Willems, 
La sainte robe de Treves et la relique d'Argenteuil. (Par. 1894.) 

Heiratswappen (franz.: armes d'alliance; engl.: arms of alliance), Doppel- 
-wappen von Eheleuten, kommt auf Stickereien seit dem 15. Jahrb. vor. 

Helenienne, früher ein schwerer, kleingemusterter einfarbiger Seidenstoff, 
der unter die Gattung der Armüren gehört. 

Hemdentuch ist ein Baumwollenstoff in Leinwandbindung. 

Henderson, Hauptort des gleichnam. County in Kordamerika: Baumwoll- 
und Wollfabriken. 

Henequen s. v. w. Agavefaser (s. d.). 

Hengelo, Gemeinde in der niederl. Prov. Oberyssel: Textilindustrie. 

Herat, Stadt im nordöstlichen Afghanistan, bis 1715 persisch^ auch später 
noch öfters (zuletzt 1856) von den Persern erobert, früher der Sitz einer weit 
und breit berühmten Teppichindustrie, w^elche im Jahre 1838 der Vernichtung 
anheimfiel. 

Heratimuster, nach gleichnamiger ehemals durch Teppicherzeugung be- 
rühmter Stadt genannt, kommt am meisten im Ferahanteppich (s. d.) vor und 
zeigt ein dichtes, scheinbar unregelmässig hingeworfenes Gemenge von Blüten 
und gekrümmten Lanzettblättern. Bei genauerer Betrachtung gewahrt man in 
dem Gewirre aus geraden Stäben gebildete Rautenfiguren, worin eine Rosette 
sitzt. (Vgl. Teppiche.) 

Herculeslitze, ein schmales Geflecht, dessen Dehnbarkeit in der Richtung 
der Länge dadurch abgemindert ist, dass man einige starke gestreckt gelassene 
Eäden (Mittelendfäden) eingeflochten hat. 

Herenthals, Stadt in der belg. Prov. Antwerpen: Spitzen- und Woll- 
stofffabrikation. 

Herford, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Minden: die Industrie erstreckt sich 
auf Fabrikation von Leinen und Wäsche, Kleidern (Herforder Konfektion mit 
bedeutendem Export); ferner bestehen 2 Spinnereien, 2 mechan. Webereien 
und mechan. Teppichwebereien. 

Hericourt, Hauptort im Arrond. Lure des franz. Depart. Haute-Saone: 
Baumwollspinnerei, Kattunfabriken und Strumpfwirkerei. 

Heris, Ortschaft in der Prov. Azerbeidschan im nordwestlichen Teil 
Persiens: in neuester Zeit wird hier auf Bestellung von Agenten europäischer 
Handelshäuser eine Art von Kamelhaarteppichen hergestellt, welche in den 
Massen, der Dichte und EjQÜpfung den gröberen Sorten der Ferahanteppiche 
gleicht; in den Mustern aber alte, sonst selten gebräuchliche Phantasieformen 
nachahmt. Im Handel fälschlich Iris genannt: ihr Grundton ist gewöhnlich 
braun, dunkler als die Naturfarbe der Kamelhaare. 

Herisau, Marktflecken und im Schweiz. Hauptort Kanton Appenzell- 
Austerroden : mehrere Fabriken für Baumwollindustrie , Musselinweberei, 
Stickerei, Bleicherei und Färberei. H. ist Mittelpunkt des Handels und der 
Industrie des Kantons. 

Hermanstadt, Hauptstadt des Grossfürstentums Siebenbürgen: die Indu- 



248 Hermelin — Hirschberg. 



strie erstreckt sich auf Fabrikation von Tuch, Kotzen und Wolldecken; mehrere 
Wollwebereien. 

Hermelin (lat. : hermoniae, armineae; franz.: hermine, ermine, erm; engl.: 
ermine), nur von fürstlichen Personen getragenes Pelzwerk aus dem Pell des- 
sibirischen weissen Hermelinwiesels ; in dasselbe werden in regelmässigen Ab- 
ständen die schwarzen Schwanz spitzen eingesetzt. Findet in der Weberei in 
Sammet- und Seidenstoffmustern seit dem Anfang des 18. Jahrh. häufig Nach- 
ahmung. 

Herrenhut, Flecken in der sächs. Kreishauptmannschaft Bautzen: die 
Arbeiten der Textilarbeiter finden grossen Absatz, besonders Leinwand, weib- 
liche Handarbeiten und Paramenten. Auch besteht eine Dampf- uiid Maschinen- 
bleicherei (Abraham Dürninger u. Co.). H. wurde 1722 von mährischen Aus- 
wanderern erbaut. 

Herrissons s. Werg- und Seidenspinnerei. 

Hersfeld, Kreisstadt im preuss. Peg.-Bez. Kassel : bedeutende Tuch- und 
Baumwollspinnerei, Färberei. 

Herve, Stadt in der belg. Prov. Lüttich: Wollspinnerei. 

Herzogenaurach, Stadt im bayr. Eeg.-Bez. Oberfranken: Wollspinnerei, 
Tuch-, Flanell-, Filz Schuhfabrik. 

Herzogenbuchsee, Dorf im Schweiz. Kanton Bern: Seidenweberei. 

Hesdin, Hauptort im Arrond. Montreuil des franz. Depart. Pas de Calais: 
Fabrikation von Strümpfen, Leinenweberei. 

Hessen, ein zum Deutschen Reich gehöriges Grossherzogtum. Textilindustrie 
besonders in den Kreisen Alsfeld, Lauterbach, Schotten, Griessen und im Odenwald. 

Hessians sind feine Jutestoffe. 

Hetaika, gefärbte russische Leinen von gelber und blauer Farbe. 

Hexamitum, in sechsfarbiger Musterung gefertigte Seidengewebe, deren 
Herstellung im 12. Jahrh. in Palermo von gleichzeitigen Schriftstellern ge- 
schildert wird. 

Hexenstich s. Nähen und Sticken. 

HiapU, chinesisches Sommerzeug, wozu man in China die gesponnenen 
Fasern der Urtica nivea und in England Chinagras verwendet. 

Hildburghausen, Kreisstadt im gleichnamigen Kreise: Wollspinnerei. 

Hilden, Stadt im preuss. !Reg.-Bez. Düsseldorf: Fabrikation von Sammet, 
Seide und Teppichen; auch Erzeugung von Druckstoffen. 

Hildesheim, Hauptstadt des gleichnamigen Beg.-Bez. : Drell- und Baum- 
wollwebereien, Wollwaren; Handel mit Wolle, G-arn und Leinwand. 

Hilo retorcido, im Handel nach Spanien das Garn von Pennes in 
Bretagne oder der Eil retors. 

Hilsenheim, Dorf im Kreis Schlettstadt : Weberei. 

Hilverzum, Ort in der niederl. Prov. Nordholland.- Kattunfabrik, Teppich- 
weberei. 

Himmelfahrt Christi, Himmelfahrt Maria, s. kirchliche Stoffe und 
Stickereien. 

Hinterstich oder Pückstich gehört zu den vier Grundsticharten in der 
Näherei, er wird hergestellt, indem man die Nadel in den Stoff einführt und 
6 Fäden weiter herausführt, dann legt man den Faden von links nach rechts^ 
führt die Nadel zwei Fäden hinter dem Ausgangspunkt ein, um sie sechs Fäden 
weiter vor demselben wieder herauszuziehen. 

Hirsch, nach Psalm 42, 2, Sinnbild der Seele und der Taufe, als welches 
er auf Geweben des 15. Jahrh. dargestellt wird. 

Hirschberg in Schlesien: Mittelpunkt der schles. Leinwandindus^ie,, 
welche seit Ende des 18. Jahrh. stark zurückgegangen ist. Namentlich war 
H. ehedem der Sitz der sogen. Schleierweberei, welche 1570 aus den Nieder- 
landen hierher verpflanzt, 1806 aber fast gänzlich vernichtet wurde. Heut be- 
stehen noch Kammgarnspinnereien. Bedeutende Spitzenindustrie, welche auch 
die umliegenden kleinen Ortschaften beschäftigt. 

Hirschberg a. d. Saale, Stadt im Fürstentum Reussj. L.: Baumwollweberei» 



Hirschfelde— Hohlstoffe. 249 



Hirschfelde, Flecken in der sächs. Kreishaiiptmannschaft Bautzen: grosse 
Flachsspinnerei, Lein- und "Wollweberei, Blaulärberei. 

Hirschhäute (Häute des Edel- und Damhirsches, auch des nordamerik. 
Wapitihirsches, der die grössten liefert), dienen gegerbt zu Beinkleidern, 
Handschuhen, Kissen und Bettdecken. 

Hlinsko, Stadt in Böhmen : bedeutende Möbelstoff-, Weisswaren- und 
Teppichfabriken (von Haas in Wien). 

Hoboken, Stadt im nordamerik. Staate Neujersey: bedeutende Seiden- 
fabriken. 

Hochflorsammet s. Sammet. 

Hochrenaissance s. Renaissance. 

Hochstickerei nennt man in der Weissstickerei das TJebersticken von 
stark unterlegten Formen mit geradem oder schrägem Plattstich, welche quer 
zu den Stichen der vorgestochenen Unterlage ausgeführt ist; sie findet bei 
Blüten und Blättern, besonders aber bei Buchstaben und Monogrammen die 
häufigste Anwendung. 

Hodbab (slovakisch) s. Grotaweppi. 

Hof, wend. Begnizi, Hauptstadt des gleichnam. bayr. Bezirkamts H. an 
der Saale: Mittelpunkt der oberfränkischen Woll- und Baumwollindustrie, sie 
nimmt in der Textilindustrie eine hervorragende Stelle in Bayern ein. Es 
bestehen etwa 2000 Betriebe und Gewerbe, darunter 3 mechan. Baumwoll-, 
1 Schafwollspinnerei (zusammen etwa 200000 Spindeln), 7 mechan. Webereien 
(1500 Stühle), 13 Fabriken für baumwollene und wollene Stoffe, 9 Appretur- 
anstalten. H. ist Sitz der 2. Sektion der Süddeutschen Textilberufsgenossen- 
schaft. 

Hof, Stadt in Mähren: Leinwandindustrie. 

Hohenelbe, Stadt in Böhmen: Flachsgarn- und Baumwollgarn Spinnerei, 
5 mechan. Webereien, Yerbandstofffabrik, 6 Kunstbleichen und 4 Färbereien. 
Fachschule für Weberei, 1873 gegründet. An H. anstossend das Dorf Ober- 
Hohenelbe mit Kunstbleiche, Flachsgarn- und Jutespinnerei. 

Hohenems oder Hohenembs, Marktflecken in Vorarlberg: Baumwoll- 
spinnereien, Webereien, Druckereien und Botfärbereien; Fabrikation von Ge- 
spinsten, Bändern und Stickereien. 

Hohenleuben,. Flecken im Fürstentum Beuss j. L. : Strumpfwaren- 
fabrikation und Weberei. 

Hohenlimburg oder Limburg, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Arnsberg: 
Webereien, Leinweberei und Tuchfabrikation. 

Hohenstadt in Mähren: Türkischrotfärberei und Baumwollspinnerei. 

Hohenstein-Ernstthal, Stadt im sächs. Erzgebirge: Jacquardwebereien 
(Waffeldecken u. s. w.), Strümpfe- und Trikotagenfabriken, Seiden- und Möbel- 
stoffweberei, Woll-, Baumwoll-, und Seidenfärberei; Strumpfstuhl- und Nadel- 
fabriken. 

Hohlnaht, Hohlsaum, Bandverzierung von Leinwand u. s. w., hervor- 
gebracht durch das Herausziehen mehrerer nebeneinander liegender Schussfäden 
aus dem Gewebe und Zusammenheften der freiliegenden Kettfäden, sodass sich 
Muster bilden. 

Hohlstoffe sind Doppelgewebe, welche durch regelmässiges Zusammen- 
weben zweier Zeuge entstehen, wobei durch die Art der Verbindung beider 
Stoffe die Musterung entsteht. Die Art und Weise der Technik, in neuerer 
Zeit sehr in Mode, ist älteren Ursprungs und schon in Stoffen aus Seide und 
Baumwolle des 16. und 17. Jahrhs. erkennbar (vgl. Abb. 116). 

Abbildung: 

116. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Stoff aus roter Seide und weisser und gelblicher Baumwolle als Hohlgewebe hergestellt, 
Muster aus Blütenpalmetten an vasenartigem Unterteil in Rautenfeldern aus Vögeln, 
Kronen und Zweiten. Italien 16. — 17. Jahrh. 



250 



Hoike — Hohlbeinteppiche. 



Hoike, kurzer Mantel von weiter, glockenförmiger Form, der entweder 
geschlossen war und dann über den Kopf geworfen werden musste, oder auf 
der rechten Schulter, oder wie in England vorn mit vielen Knöpfen zu schliessen 
war. Dieses Kleidungsstück, das mit Pelz, Seide oder "Wolle gefüttert, wurde 
im 14. Jahrh. von Mann und Frau getragen. 

Holbeck, Stadt in der engl. Grrafschaft York: bedeutende Tuch- 
fabrikation. 

Abb. 116. 




Holbeinstich, Modename für den aus dem 16. Jahrh. stammenden und 
in der Leinenstickerei ein- und doppelseitig ausgeführten Strichstich, abgeleitet 
von Gemälden der altdeutschen Schule, besonders Holbeins, auf welchen die 
Borten der Gewänder in dieser Technik dargestellt sind (s. Abb. 117). Der Ur- 
sprung der sogen. Holbeintechnik ist im Orient zu suchen, woher die Technik 
nach Europa überführt wurde (s. Leinenstickerei [vgl. auch die Abb. 25]). 

Abbildung: 

117. Originalaufnahme aus dem Kaiser Friedrich-Museum in Berlin: Borte, 
Stickerei auf Leinen im Strichstich in violettem Grarn, Muster abwechselnd aus Feldern 
mit Flächenmusterung und schreitenden Löwen. Arabisch 16. Jahrh. 

Abb. 117. 




Holbeinteppiche, moderne Bezeichnung für kleinere vorderasiatische 
Knüpfteppiche des 16. Jahrh., deren Musterung aus zwei quadratischen Stern- 
feldern mit reichen Borteneinfassungen besteht. Diese Originale kopierten die 
Maler der Frührenaissance für den Hintergrund, Boden oder Stufenbelag ihrer 
figürlichen Darstellungen und die besonders treue Wiedergabe eines solchen 



Holitz — Holland. 



251 



Teppichs im Bilde der Holbeiiischen Madonna zu Darmstadt (vergl. Abb. 118) 
gab dieser Gattung den Namen. Auf Grrund der Kekonstruktion solcher 
Teppichmuster nach Bildern der Meister des 16. Jahrh. veröffentlichte Julius 
L es sing das erste derartige Werk über „Alt o rientalis che Teppich- 
muster«. (Berlin 1877.) 

Abbild ung: 

118. Darstellung aus: Klassischer Bilderschatz, Jahrg. 1894, Bl. 725: Bild der 
Madonna von Hans Holbein, Original in Darmstadt. 

Holitz, Stadt in Böhmen: Weberei. 

Holland, im weiteren Sinne das Königreich der Niederlande, im engeren 

Abb. 118. 




die alte Grafschaft H. : die noch aus dem 14. Jahrh. stammende Seidenmanu- 
faktur stand bis zum Ende des 18. Jahrh. in Blüte ; ist aber durch Konkurrenz 
überflügelt und beschäftigt kaum noch 500 Stühle. Auf der Höhe steht die 
Seidenindustrie am Ende des 16. Jahrhs. Sie trägt in ihrer Technik und ihren 
Benennungen so unverkennbar die Züge derjenigen von Antwerpen, dass man 
sie bei einer grossen Auswanderung von Beformierten aus dieser Stadt für 
einen Abkömmling derselben wird halten dürfen. Amsterdam, Antwerpen, 
Harlem und Utrecht wurden die Hauptsitze dieser Industrie. Nach einer viel- 
versprechenden politischen und wirtschaftlichen Entwickelung sanken die ver- 
einigten Niederlande seit der Mitte des 17. Jahrhs. im wesentlichen auf den 
alten stadtwirtschaftlichen Standpunkt zurück. Der Handel wurde vor der 
Industrie in dem Grade bevorzugt, als die ostindische Compagnie nicht nur 



252 Hollandas — Honiton. 



massenhaft ostindische Stoffe einführen durfte, sondern sich sogar ihrer ursprüng- 
lichen Verpflichtung, rohe Seide in bestimmter Menge mitzubringen, im 
18. Jahrh. einfach entziehen konnte, weil dieser Artikel weniger gewinnbringend 
war, als der Import von Fabrikaten. Schon seit der Mitte des 17. Jahrhs. 
wird über den Verfall der Manufakturen geklagt; aber ein weiteres Wachstum 
ist doch noch unverkennbar, und namentlich die Einwanderung der französischen 
ßefugie's brachte einen bedeutenden Aufschwung. Seit 1730 aber sind sie in 
einen unaufhaltsamen Verfall geraten, und die mit dem Jahre 1782 eintretende 
wirtschaftliche Katastrophe der Niederlande hat sie vollends vernichtet. Spitzen- 
erzeugung seit dem 17. Jahrh. (Vgl. Spitzen.) 

Hollandas» Olandas, nennt man in Spanien und Portugal die feinen weiss- 
gebleichten niederländischen Leinen. 

HoIIandillas sind locker gewebte schlesische und böhmische Futterleinen. 

Holländische Languetten sind feine Leinenbänder. 

Holleschau, Stadt in Mähren: Tuch- und Leinenweberei; Handel mit 
Wolle. 

Holmgrens (engl.), s. v. w. Wollprobe. 

Holol, äusserst dünnes Gewebe, welches im Mittelalter in Almeria als 
berühmtes Fabrikat gilt. 

Holosericum, holoserica (lat.), (vom grch. holos = ganz und serikon = Seide), 
mittelalterliche Bezeichnung des ganz seidenen Stoffes, im Gregensatz zu sub- 
sericum = halbseiden. 

Holzgewebe, ein Grewebe, das aus zylindrischen Holzstäbchen (Holzdraht) 
mit einer Kette von Seide oder Baumwollzwirn gebildet ist, wobei die Ketten- 
fäden, einzeln oder zu mehreren angeordnet, in weiten Zwischenräumen stehen. 
Solche Gewebe werden mit der Hand, meist aber auf schmalen, kurzen Web- 
stühlen hergestellt. Zu den H., die ganz aus Holzdraht verfertigt sind, ge- 
hören die sogen. Siebplatten. Eine andere Art von H, bildet die sogen. 
Sparterie, die aus feinen, sehr dicht nebeneinander liegenden Holzstreifen be- 
steht und zur Verfertigung von Hüten dient. 

Holzwolle, ist gemahlenes Holz, welches zum Bestäuben von Papier- 
tapeten und als Verpackung, Verbandmittel (statt Charpie) und gefärbt zur 
Anfertigung von Matten und Flechtwerk verwendet wird. Sie wurde zuerst 
in Amerika hergestellt. 

Holzzeug (franz. : matiere de bois, päte de bois ; ital. : lignito ; engl. : 
wood pulp), gleichbedeutend mit Holzstoff, Holzgewebe. 

Homespunes (engl. d. h. zu Hause, mit der Hand gesponnen), ein meist 
in allen Tönen des Braun gefärbtes, aus Streichgarn ziemlich rauh erzeugtes, 
tuchartiges, zu Paletots verwendetes Gewebe, welches ursprünglich nur in der 
schottischen Hausindustrie gemacht wurde. 

Honate oder Onete ist eine seidenartige Pflanzenwolle von der Insel 
Mauritius, welche als Ersatz der Baumwolle gilt. 

Hondschoote, Hauptort im Arrond. Dünkirchen des franz. Depart. Nord: 
Leinwandindustrie. H. war vom 11. Jahrh. an eine wichtige Stadt mit Tuch- 
und Sergefabriken. 

Honey-Combs, ein auf englischen Maschinenspitzenstühlen gefertigter 
offener Spitzengrund, dessen Maschen die Form von Bienenzellen haben: es ist 
der Ausdruck für die sogen. Waffeldecken. 

Hong-chew Silks, ein für die Ausfuhr von Canton und Shanghai (China) 
nicht unwichtiger glatter, farbiger Seidenstoff. 

Hong-ki-poun, chinesische Taschentücher, welche in der Gegend von 
Canton gemacht werden. 

Hongrie (Points d') wurden halbseidene gemusterte Tapeten, eine S^rte 
der Bergames aus Pouen genannt. 

Honigwabenmuster s. Bienenzellenmuster. 

Honiton, Ort in der englischen Grafschaft Devonshire : erzeugt Klöppel- 
spitzen auf Brüsseler Grund und in Guipüreart. Das Muster besteht aus ziem- 
lich naturalistisch gezeichneten Blumen und Blättern. Die alte Honitonspitze, 



Horbury — Hyacinthe. 



253 



häufig in Seide, ist geklöppelt und, da sie von ausgewanderten Niederländern 
gefertigt wurde, den vlämisclien Spitzen nahe verwandt. 

Horbury, Stadt in der engl. Grafschaft York: Fabrikation von Woll- 
tüchern und Flanell; auch Garnspinnerei. 

HormÜZ-Syräf, im 7. und 8. Jahrh. eine vielbesuchte Stätte für Seiden- 
verkehr an der Westküste Indiens; beeinfl.usste als Hafenplatz s. Z. den ge- 
samten europäischen Seidenverkehr. 

Horstmar, Stadt im preuss. Eeg.-Bez. Münster : Seidenweberei im Hand- 
betrieb. 

Huckabacks nennt man in England einen starken Zwillich, den man zu 
Tischzeugen, Handtüchern u. dergl. verwendet. 

Hückeswagen, Stadt im preuss. E-eg.-Bez. Düsseldorf: Wollspinnerei 
und Tuchfabrikation. 

Huddersfield, Ort in der engl. Grafschaft York: Hauptsitz der Woll- 
industrie, insbesondere für Shawls, Velours, gemischte Gewebe, Seidenplüsche, 
leichte Tuche und feine Damenkleider ; auch 
Leinen- und Seidenwaren werden gefertigt. Abb. 119. 

Hüls, Flecken im preuss. Reg.-Bez. 
Düsseldorf: zwei Sammet- und Seiden- 
fabriken, Sammet- und Seidenweberei (Haus- 
industrie); Hadern, Frottierstoffweberei. 

Humpoletz, Stadt in Böhmen: 5 Tuch- 
fabriken ; czechische Webeschule. 

Humums, glatte, baumwollene, ost- 
indische Zeuge. 

Hund, in der Weberei Bezeichnung 
der Vorrichtung am Trommelstuhl, um eine 
Drehung der Trommel zu bewirken; am 
Jacquardstuhl zwei eiserne Haken, um — 
bei einem gestürzten Muster — das Prisma 
abwechselnd in der einen und in der ent- 
gegengesetzten Richtung zu drehen. 

Hund, laufender, s. Wogenband. 

Hungertuch s. Fastentuch. 

Hunia, ein dem Galina (s. d.) ähn- 
liches, grobes Tuch (Wollengewebe), welches 
besonders in Brunn aus groben, namentlich 
ungarischen Schur- und Gerberwollen er- 
zeugt wird. Die Hauptmasse der H.- 
Erzeugung dient zur Herstellung von Schuhen 
für die südslavische Bevölkerung. 

Hüsseren-Wesserling, Ort im Ober- 
elsass : grosse Baumwollspinnereien und 
-Webereien, sowie Kattundruckereien und 
Bleichereien. 

Hüttenheim, Dorf im Unterelsass : bedeutende Baumwollspinnerei und 
-Weberei (1200 Arbeiter). 

Huysdoek, ist der holländische Name geringer Sorten hessischer und 
westfälischer Hausleinen. 

Hyacinthe, bekannte Pflanzengattung der Liliaceen. Eine in vielen 
Spielarten gepflanzte Gattung ist die orientalische H. (H. orientalis) (Abb. 119), 
welche auch dort seit dem 16. Jahrh. vielfach Gegenstand der Flächenmusterung 
auf Geweben und Stickereien geworden ist. Mit den orientalischen Stoffen wurde 
diese Musterung auch nach Venedig und Spanien übertragen und wird im 
17. Jahrh. in Italien mit Tulpen allgemein. Im 18. Jahrh. kommen von Holland 
nach Frankreich und Italien die schönsten H. ihrer Art und finden weiterhin 
reichlich Verwendung für Flachmuster. (Vgl. Abb. 86 und Orientalische 
Stickereien.) 




254 Hydrophiler Verbandstoff — Indien. 

Abbildung: 

119. Darstellung aus: Lobelius platarum Sev Stirpium icones, Antwerpen 1581: 
Hyacinthus orientalis purpurae rubeus. 

Hydrophiler Verbandstoff, Verbandmull, locker gewebtes Baumwollzeug, 
dient an Stelle der Charpie zu Verbandzwecken. 



l. 

Ibischfasern, aus den Stengeln mehrerer Hibiskusarten, zu Stricken und 
Geweben verwendbar. 

Ibrisam, arabische Bezeichnung für Seide, worunter die mittelalterlichen 
Quellen entweder die einfache oder die gezwirnte E-ohseide verstehen ; auch für 
gehaspelte, wie für die aus den Abfällen gewonnenen Seidengarne scheint der 
Ausdruck gegolten zu haben. 

Iglau, Stadt in Mähren, bedeutende Tuchindustrie, zahlreiche Werkstätten, 
Spinnereien, Färbereien und Wollzeugwebereien; bedeutender Handel mit den 
Erzeugnissen. 

Igualada, Stadt in der span. Prov. Barcelona: Baumwollspinnerei, 
Fabrikation von Leinwand, Sammet und Wollstoffen. 

I. H. S. s. Christusmonogramm. 

Ilkeston, Stadt in der engl. Grafschaft Derby: Fabrikation von Seiden- 
waren, Strümpfen und Spitzen. 

Imitatgarn, aus Baumwolle bestehendes Garn, dessen Herstellung wie die 
des Streichgarnes erfolgt ; es wird das Spinngut gefärbt und vor dem Krempeln 
findet das Mischen und Färben der Sorten statt. Von dem I. ebenso wie vom 
Vigognegarn verlangt man das gekräuselte und moosige Aussehen, was dem 
Streichgarn eigen ist; es ist in dieser Beziehung stark abweichend von dem 
glatten Baumwollgarn. 

Imperial, 1. Veraltetes, sergenartiges Wollenzeug, eine Gattung von ge- 
köpertem Flanell. 2. Unter dem Namen Imperiales oder Toiles imperiales 
wurde in Flandern ein baumwollener, auf Taffetart gewebter Stoff, eine Gattung 
ganz feiner Gingans, bunt gestreift und bunt quadrilliert , gewebt. 3. Auch 
eine Gattung leichter ostindischer Zeuge von Baumwolle mit eingewebten Blumen, 
Zweigen und vergoldeten Tüpfelchen führte den Namen Imperiales. 

Imst, Hauptort in Tirol: 2 Baumwollwebereien, Druckerei und Färberei. 

Incompable, Serge, eine veraltete Art seidener Croises. 

India Goods, im engl. -asiatischen Handel die in Ostindien vorkommenden 
dort gewebten Baumwollzeuge. 

Indien erzeugt in heutiger Zeit einige moderne Stoffarten, die hinsichtlich 
ihrer Technik nicht ohne Interesse sind. Die reichen, mit edlen Metallfäden durch- 
wirkten Seidenstoffe Bengals werden in Benares, Ahmedabad und Delhi (Stickereien) 
erzeugt und kommen öfters unter der Bezeichnung „trinkhalls" auf den euro- 
päischen Märkten vor. Die bedruckten Gewebe „sari" (surah), „patolo", „ban- 
dannas" u. a. sind zuweilen von musterhafter Ausführung. In Lahore und Multan 
werden fassonierte Gewebe angefertigt. Die Tussahweberei hat in Ilai|>ore, 
Godavery und Sambalpore ihre industriellen Sitze. Nach Europa werden vor- 
zugsweise die Corahs, Surahs, Choppahs, Bomals und Tussores exportiert, nur 
wenig bestechende und einfache, taffetartige, aber sehr dauerhafte Gewebe, die 
übrigens in Europa durch Färben und Bedrucken weiter veredelt werden. 
(Vgl. Silbermann, die Seide, Dresden 1897, Bd. 1, S. 134.); über Seidenkultur 



Indien. 



255 



Indiens ebd. S. 263 fF., Gregeproduktion 419 fF., Mulinierindustrie 482.) lieber 
die Technik und Musterung moderner indischer Gewebe ist man genau unter- 
richtet durch das im Jahre 1877 vom South Kensington Museum in London 
unter Leitung von J. Forbes-Watson herausgegebene Sammelwerk indischer 
Gewebe, das 16 Bände umfasst, in welchem 854 Muster und Originalproben 
enthalten sind. Die schweren Seidenbrokate, meist auf Atlasgrund in Gold- 
und Silberfäden gewebt, zeigen dichte Muster aus stilisiertem Pflanzenwerk und 
kleinen Tieren, worunter einige fast noch an ältere orientalische Typen erinnern 
(vgl. Abb. 120 u. Abb. 10 u. 11 auf Tafel VII). Auch Streifenmuster und 
solche aus zierlichen Banken, ganz im Sinne allgemeiner orientalischer Flächen- 
musterung kommen darunter vor (vgl. Abb. 2 u. 4 auf Tafel VII). Einen 
anderen Charakter der mehr an Webereien der Türkei des 17.— 18. Jahrhs. 
erinnert, zeigt der moderne Brokat in Abb. 5 auf Tafel VII. Er stellt reihen- 

Abb. 120. 




weis versetzte Blütenstauden dar, deren hängende kleine Knospen in stilisierter 
Palmettenform auch wieder an mittelalterliche Formen erinnern, so dass man 
wohl annehmen kann, dass einige Muster sich durch Ueberlieferung von alters 
her erhalten haben, was auch von dem in Abb. 12 auf Tafel VII abgebildeten 
Brokat der Fall sein dürfte. Eine etwa dem Ende des 18. Jahrhs. angehörige 
Gruppe von leichteren gestreiften BrokatstofiPen ist vertreten in dem als Abb. 6 
auf Tafel VII dargestellten Gewebe, das im ganzen auch die Erhaltung älterer 
Muster bestätigt. lieber die Musterung ganz alter Seidengewebe Indiens ist 
man nicht völlig unterrichtet, da die Kunstformen des Landes frühzeitig von 
fremden Elementen beeinflusst wurden. Sind es nicht chinesische oder persische 
Muster, welch letztere jenen so verwandt wie möglich sind, so bringt schon im 
frühen Mittelalter der arabische Stil eine Gleichartigkeit in der Verzierungsart 
mit andern orientalischen Völkern hervor^ welche die genaue Bestimmung noch 
mehr erschweren. Wie Silbermann (Die Seide, Dresden 1897) berichtet, 
besass Indien nach zuverlässigen Quellen bereits in den frühesten Zeiten eine 
einheimische gelbe Maulbeerraupenrasse und ebenso wird auch von der Verar- 



256 



Indien, 



beitung wilder Kokons durch Spinnen zu Fäden und zu Greweben geschrieben, 
welche in Indien (Bengal) seit Urzeit im Betriebe gewesen sein soll, indessen 
ist. von Beschreibungen der Muster keine Eede. Das ganze Mittelalter hin- 
durch war Indien an dem Seidenhandel sehr beteiligt und löst darin des öfteren 
die Chinesen ab, besonders erlangt das südliche Indien im neuen Zeitalter 
Interesse für die Geschichte des Seidenhandels, so dass im 13. Jahrh. China 
als Vermittler für den Handel mit Europa vollständig ausgeschaltet ist. Die 
Blütezeit der mongolischen Dynastie in China (Ende 13. und Anfang 14. Jahrh.) 
war eine Periode des regsten kommerziellen Verkehrs zwischen China und 
Vorderindien; zu dieser Zeit ist wahrscheinlich auch die regelmässige Zucht 
des Maulbeerspinners nach Indien eingeführt worden. Die Seestädte der 
Malabarküste wurden zu Stapelplätzen chinesischer Rohseide und kostbarer 
Grewebe. Das damalige Calicut führte einen ausgedehnten Seidenhandel, einer- 

Abb. 121. 




seits mit China, andererseits mit Alexandrien und Byzanz. Die ersten Euro- 
päer, welche 1496 nach Calicut gelangten, fanden zu ihrem Erstaunen lucche- 
sische Damaste und Sammete vor. Kambaye betrieb lebhaften Handelsverkehr 
mit China und den Molukkeninseln. Aber neben der kommerziellen Grösse 
besass Kambaye auch Manufakturen für Taffete und andere reiche Seidenstoffe. 
Die Stickereien Indiens (vergl. orientalische Stickereien) haben in Technik 
und Musterung auch mit denen Persiens und anderer orientalischer Völker 
grosse Verwandtschaft, eine Ausnahme hiervon machen die sogen. Kashmirs (s. d.). 
Die Teppicherzeugung in Indien wird zuerst am Ende des 16. Jahrh. 
erwähnt, aus welcher Zeit Berichte erhalten sind, welche mitteilen, dass es 
mehreren Werkstätten gelungen sei, vorzügliche Imitationen persischer Teppiche 
zu erzielen, welche den ausländischen Erzeugnissen völlig ebenbürtig waren. Ob 
diese Notizen richtig sein mögen, ist nicht mit Sicherheit festgestellt; denn 
zwischen den dort genannten Teppichen und den heutigen Erzeugnissen, die kaum 
älter sein dürften als aus dem Anfang des 19. Jahrh., besteht eine grosse histo- 
rische Lücke. Es wurden Teppiche geknüpft in der Provinz Scind mit der Stadt 
Multan, woselbst auch solche aus Baumwollsammet gemacht w^erden. In Labore 
bestand eine der ehemaligen königlichen Teppichfabriken; heute verdankt die 



Indien — Indiennes. 



257 



Stadt den Eiif ihrer Teppiche den Webern in ihrem Gefangenhause, während 
in Kashmir und Amritsar die ältere Ueberlieferung von Muster und Farbe 
verloren gegangen ist , weil europäische Shawlmuster die alten Formen ver- 
drängt haben. Die jüngste Nachfrage nach indischen Teppichen in Europa 
stammt erst aus der grossen 1851er Ausstellung in London. In moderner Zeit 
liaben namentlich die indischen Gefangenhauswerkstätten zur Wiederbelebung 
der besseren Teppichgattungen beigetragen; indessen kam die Industrie erst 
wieder vollkommen zur Entfaltung, als grosse Pariser Häuser Kenner des 
orientalischen Teppichwesens nach 



Abb. 122. 



Indien sandten, um in den grösseren 
Gefangenhäusern die Herstellung von 
Kopien alter turkestanischer und persi- 
scher Teppiche zu überwachen. Der 
•erste offizielle Yersuch, diese in der 
Entwickelung begriffene Industrie zu 
unterstützen, ging im Jahre 1890 von 
der Regierung in Madras aus , indem 
die Anfertigung von Kopien sämtlicher 
alter Teppiche im Londoner „India 
Museum" verfügt und jedes dieser 
Muster in den indischen Teppich- 
h)ezirken umgesandt wurde. Die Her- 
stellung indischer Knüpfteppiche ge- 
schieht auf demselben primitiven Web- 
stuhl, wie bei den Nomadenstämmen 
kaukasischer Völker (Abb. 121). Zwei 
einfache Balken bilden den Halter für 
den Querbaum, von welchem die Kette 
herabhängt. An derselben sitzen die 
Arbeiter und knüpfen nach Zeichnung 
— oft auch aus dem Gedächtnis — 
das Muster aus farbigen kurzen Woll- 
fäden ein. Nach jeder vollständigen 
!Reihe solcher eingeknoteter Fäden wird 
ein Schussfaden mit. dem Kamme an- 
geschlagen. Auch der Zeugdruck 
(s. d.) wird in Indien schon in frühen 
Zeiten geübt, (s. Batik), ferner ist be- 
kannt die Musterung von Krepp stoffen 

durch Färben mit vorheriger Abbindung, wie sie in Japan (s. d.) gebräuchlich 
ist. In neuerer Zeit kommen aus Indien viele gedruckte Wandbekleidungen 
aus Kattun, welche mit typischen Mustern in Art von Teppichen oder gestickten 
Decken gefüllt sind (Abb. 122). 

Abbildungen : 

120. Darstellung aus: Das Kunsthandwerk ^ Jahrg. 1873. Blatt 18. Seiden- 
"brokat (sogen. Kinkob), Grund rot, Borteijmuster Gold: Symmetrisch geordnete Ranken 
und Rosetten ; dazwischen kleine Blüten , Vögel und Fische. Untere Abschlussborte 
mit Zackenmuster, die obere mit Palmetten. Darüber Ansatz des karierten Grund- 
stoffes. Indien 1873. 

121. Darstellung aus Porte folio of Indian art, Heft 3, Bl. 33: Indischer 
Knüpfteppichwebstuhl. 

122. Wandbekleidung aus Kattun, in vorwiegend Blau, Rot und Braun be- 
druckt mit Cypressen zwischen Blumenranken in Umrahmung von fein gemusterten 
Blütenrändern; dazwischen steigende Löwen und Pfauen, welche auf mittelalterliche 
Ueberlieferung schliessen lassen. Indien 19. Jahrh. 

Indiennes ist eine Bezeichnung für: 1. Feine, dichte, gedruckte Kattune, 
welche aus den französischen, deutschen und schweizer Zeugdruckereien kommen 

"Heiden, Handwörterbuch der Textilknnde. 17 




258 Indische Palmetten — Isolierteppich. 

und früher auch Zitze Messen; sie werden vielfältig gebraucht. Die I. von 
Orange in Provence und von Trojes in Champagne kommen oft unter dem 
Namen Toiles d'Orange, Orangeleinen vor. 2. In neuerer Zeit heisst auch I. 
ein leichter dünner Baumwollstoff mit eingewebten bunten Streifen, zuweilen 
zwischen den Streifen mit Mustern bedruckt, eine Art feiner Gingan, der zu 
Sommerkleidern für Frauen verwendet wird. 

Indische Palmetten, s. Palmwipfelmuster. 

Infantadowolle (wörtlich Prinzenwolle), spanische Merinowolle. 

Inful (lat. : infula; franz.: infule; engl.: infula), die von der Mitra (s. d.) 
herabhängenden Hückenbinden ; man braucht den Ausdruck daher auch f. M. 

Initialen s. Monogramm. 

Injira, kolumbische Baumwollsorte. 

Inlet ist die sächsische Bezeichnung für Bettleinwand, Federleinwand^ 
Federritten oder Bettziechen. 

Innendekoration hat in neuerer Zeit für die Textilkunst besondere Be- 
deutung dadurch gewonnen, dass man bestrebt ist, alle Teile der stofflichen 
Zutaten den Hauptgegenständen der Bäume stilistisch anzupassen. Es kommen 
dabei weniger technische Bücksichten in Betracht, als äusserliche, durch Stil, 
Form und Farbe gegebene Werte, wobei die Tätigkeit des Dekorateurs unter 
Leitung des Architekten beansprucht wird. 

Literatur: Luthmer, Werkbuch des Dekorateurs (Stuttgart 1896); ders. 
Malerische Innenräume aus Gregenwart und Vergangenheit (ebd. 1888). Hirth, Das 
deutsche Zimmer (München 1886); ders. Formenschatz 1879. Gurlitt, Im Bürger- 
hause (Dresden 1888). Dupont-Auberville, Sammlung von D. (deutsch, Stutt- 
gart 1881). Schwinghammer, Moderne D. (Ravensb. 1891—93). W. Schützl, 
Moderne Dekorationsmotive (I, Hamb. 1895). 

In ramo, im italienischen Warenhandel bezeichnet man damit die rohe, 
ungesponnene Baumwolle, wofür die Franzosen den Ausdruck en rame haben. 

Insignien s. Beichskleinodien. 

Irisch Leinen (spanisch: Irlandas), weissgarnige, fest und gedrungen ge- 
webte Leinen aus flachs enem Garn, welche seit vielen Jahren in Irland als- 
Nachahmung des sonst aus Sachsen und Schlesien häufig nach England und 
Amerika begehrten Dowlas verfertigt. Diese Ware ist so fein, dass sie die 
deutschen Dowlas fast gänzlich verdrängt hat, obgleich sie dieser an innerer 
Güte und Dauerhaftigkeit nicht gleichkommt. 

Irisdruck (Fondus), Bezeichnung für eine Art Zeugdruck, wodurch ver- 
schiedene Farben nebeneinander und so aufgedruckt werden, dass sie sich ab- 
schattieren, wie es bei den Farben des Begenbogens der Fall ist. 

Iris-Popleens sind leinwandartig gewebte Wollenzeuge in buntschillernden 
Farben, welche früher sehr beliebt waren. 

Irland, s. Allgemeines unter England. Berühmt sind die hier seit dem 
Anfange des 19. Jahrh. gefertigten Häkelarbeiten, welche in Nachahmung der 
Belief spitzen aus Venedig entstanden sind (s. Häkelarbeiten). 

Isabel, Name eines feinen Köperstoffes aus weichem Kammgarn, aus 
Bochlitz in Sachsen 1845 zuerst auf den Markt gebracht. 

Iseghem, Stadt in der belg. Provinz Westflandern: Leinen- und Woll- 
weberei. 

Iskalaton gilt im Mittelalter als berühmtes Seidengewebe von Almeria. 

Isle, Hauptort im Arrond. Avignon des franz. Depart. Yaucluse : Seiden- 
haspeleien und -Spinnereien, Wollspinnereien, Fabrikation von Wolldecken und 
Hüten. 

Isle de France nennt man eine in den Umgebungen von Paris von 
Tausenden von Familien geübte Spitzenindustrie, die unter Heinrich lY. (l58^ 
bis 1610) gegründet sein soll; inidessen ist es nicht klar, ob in den darüber 
erhaltenen Notizen nicht Posamenten gemeint sein können. 

Isolierteppich, grobes Gewebe aus tierischem Haar, insbesondere aus 
Wollabfällen und Kuhhaar. Es wird auf einer Unterlage von dickem Pack- 
papier mit heissem Teer oder Asphalt durch Aufpressen befestigt. In dieser 



Isp ahan — Italien . 



259 



Form benutzt man das Präparat im Hochbau als schalldämpfendes und wärme- 
schützendes Mittel in Fussböden. 

Ispahan, auch Isfahan (das alte Aspadana), Hauptstadt der pers. Prov. 
Irak-Adschemi : bedeutende Erzeugung von Filzteppichen. 

Ispahn gilt im Mittelalter als berühmtes Seidengewebe von Almeria. 

Issum^ Flecken im preuss. Peg.-Bez. Düsseldorf: Seidenweberei. 

Italian CUtwork kommt in England nach Jakob I. (1603 — 25) in In- 
ventarien als Bezeichnung für italienischen Durchbruch vor, womit bewiesen ist, 
dass England aus Italien Spitzen bezog. 

Italien, Land und Königreich im südl. Europa : die wichtigsten Industrie- 
zweige sind Spinnerei und Weberei. Unter den europäischen Staaten, welche 
die Seidenraupenzucht betreiben und Seidenkokons, sowie rohe und filierte 
(gesponnene) Seide erzeugen, steht I. obenan. Seit dem 16. Jahrh. ist die 

Abb. 123. 




Seidenzucht allmählich zu einem nationalen Gewerbe herangewachsen, das be- 
rufen ist, eine immer grössere Ausdehnung und in den wirtschaftlichen A^er- 
hältnissen Italiens eine bedeutende Polle zu gewinnen. Die Anfänge der Seiden- 
zucht Italiens fallen in das 9. Jahrh. zurück; durch Dandalo sind dann 1204 
griechische Rassen hinzugekommen. (Ygl. Silbermann, Die Seide, Dresden 1897. 
Bd. I, S. 223.) Im 15. Jahrh. werden schon vielfache Passen der grünen, gelben 
und weissen Kokons gezogen ; später Avandte man sich vorzugsweise der gelben 
Passe zu, welche auch im Laufe des 17. und 18. Jahrh. (ausser einigen Gegenden 
in Piemont und Ligurien) ausschliesslich kultiviert worden ist. Am bedeutendsten 



260 



Italien. 



ist die Seidenzuclit in der Lombardei, Piemont, Yenetien, den Marken und in 
Toskana. Die Zuckt der Seidenwürmer beschäftigt 571 222, die Seidenfabrikation 
172 356 Menschen, darunter 7io Frauen und Mädchen. Die Produktion von 
Pohseide, die in den 80er Jahren infolge der Seidenraupenkrankheit bis auf 
2\'2 Million kg jährlich gesunken war, ist 1896—99 wieder beträchtlich gestiegen 
(3,723 Millionen kg). 1899 zählte man 1 824 604 Spindeln. Die Seidenspinnerei 
hat ihren Hauptsitz in der Lombardei, namentlich in der Provinz Como, auch 
in Piemont. Die Seidenweberei ist am blühendsten in Como, Grenua, Caserta, 
Turin und Neapel; sie arbeitet fast nur für den Export. Im ganzen leidet dieser 
wichtigste Zweig neuerdings unter japanischer und chinesischer Konkurrenz. 
Das Seidengewerbe soll bereits im 8. Jahrh. in Pom geübt worden sein durch 
die zur Zeit des Bildersturmes in ßyzanz brotlos gewordenen griechischen 
Seidenweber. Sie gründeten hier hauptsächlich der Herstellung von kirch- 

Abb. 124. 




liehen Paramenten gewidmete Kunstwebereien. Aber die eigentliche Einfüh- 
rung der Seidenindustrie von Griechenland nach Italien vollzieht sich erst im 
Jahre 1146, als der Normannenkönig Poger I. von einem Kriegszuge grie- 
chische Seidenweber aus Korinth, Athen und Theben mit sich führte und zu 
Palermo ansiedelte. Dazu wird bemerkt, das s dort eine mit dem königlichen 
Palast verbundene Fabrikationsanstalt, vielleicht auch mit Anknüpfung an den 
Tiraz der sarazenischen Emire von Palermo, den die Normannenkönige beibe- 
halten hatten; aber die byzantinische Art der Weberei behielt die Oberhand. 
Seit dem 13. Jahrh. findet sich die Seidenindustrie in ober- und mittelitalie- 
nischen Städten, namentlich in Venedig und Genua, in Florenz und Lufcca, 
wobei es sich aber schwerlich um eine direkte TJebertragung von Palermo 
handelt, sondern um eine solche aus dem Orient selbst, und entstehen dann 
jene Muster, welche man mit der Bezeichnung „arabisch-italisch" versieht, um 
auszudrücken, dass dieselben in Italien, aber noch nicht frei von orientalischen 
Einflüssen erfunden wurden (Abb. 123) im Gegensatz zu den rein italienischen, 



Izarins — Jaconets. 261 



welche der späteren Zeit angehören (Abb. 124). Venedig war neben Amalfi 
schon Jahrhunderte vorher der Hauptstapeljolatz für die Seidenwaren des 
Ostens, die nach dem Abendlande gingen. Am bedeutendsten war im 13. 
Jahrh. die Seidenindustrie in Lucca, das eine berühmte Messe hatte, und dessen 
Kaufleute mit ihren Seidenwaren in alle Welt gingen. Parteikämpfe zwischen 
Guelfen und Ghibellinen veranlassten zu Anfang des 14. Jahrh. eine Menge 
Luccheser Bürger zur Auswanderung, darunter besonders viele, die dem Seiden- 
gewerbe angehörten. Die meisten gingen nach Venedig und nach Florenz. 
An beiden Orten bildeten sie eine eigene Kolonie und hoben die Seidenindustrie 
daselbst im Laufe des 14. — 15. Jahrh. auf ihren Höhepunkt, sodass die orien- 
talischen Waren überflüssig wurden: Italien versorgte mit seinen glatten und 
gemusterten Zeugen, seinen Sammeten und Brokaten fast den gesamten abend- 
ländischen Markt. Im 15. und 16. Jahrh. entstanden dann nach dem Vor- 
bilde der Manufakturen in Venedig, Genua u. s. w. solche in Neapel, Mailand 
und Turin. Zu Mitte des 15. Jahrh. tritt Frankreich als Konkurrent an die 
Seite Italiens (s. a. die einzelnen Städte). Für die Hanf- und Jute- 
industrie sind etwa 60 000 Spindeln und 750 mechanische Webstühle 
tätig, deren jährliche Produktion einen Wert von 70 — 80 Mill. Lires erreicht. 
Sie hatte seit 1885 erhebliche Fortschritte gemacht; ist aber in den letzten 
Jahren hinter den Fortschritten der Baumwollindustrie zurückgeblieben. Wolle 
verarbeiteten hauptsächlich in Piemont und in den Provinzen Mailand, Vicenza 
und Caserta (1894) 346 000 Spindeln, 10 300 Webstühle (wovon 6 500 mecha- 
nische) und 42 000 Arbeiter. Die Baumwollindustrie, deren Hauptsitze 
die Lombardei, Ligurien und Salerno sind, beschäftigt im ganzen (1897) 
1 900 000 Spindeln (gegen 500 000 im Jahre 1870) ; auch hier nimmt nur die 
Einfuhr von Rohstoffen zu, während einzelne Fabrikationszweige erhebliche 
Ausfuhrziffern aufweisen. (lieber Spitzenindustrie s. d. Artikel Spitzen, über 
weitere Techniken die betreffenden Artikel und diejenigen der Stilarten.) 

Abbildungen: 

123. Darstellung aus : Flachornamente, Verlag Engelhorn, Stuttgart, Blatt 102 : 
SeidenbrokatstofP aus dem Provinzialmuseum in Stralsund, Grund rot, Muster Gold: 
Reihenweis abwechselnd nach rechts und links gekehrte Darstellungen eines Hundes 
am stilisierten Blütenbaum : in der einen Reihe auf Halbmond , in der andern mit 
Spruchband. Lucca, arabisch-italisch 18. — 14. Jahrh. 

124. Darstellung aus demselben Werk^ Blatt 133 : Italienisches Seidenstoffmuster 
aus dem Ende des 14. Jahrhs. nach einer bemalten Figur in der Benediktiner- Abtei 
Comburg in Württemberg. 

Izarins sind baumwollene, ostindische Gewebe, welche ehedem die dänisch- 
asiatische Kompagnie lieferte. 



J. 

Jabots (franz.), die Spitzenbesätze der Brustöffuung des Manneshemdes, 
die aus der nicht völlig zugeknöpften Weste hervortreten mussten. Die Mode 
kam um 1650 auf; nach 1730 war das J. ein Spitzenbehang, der, an dem 
schmalen, das Halstuch vertretenden schwarzen Bändchen befestigt, die weite 
Oeffnung der Weste ausfüllte. In der modernen Frauenmode bezeichnet man 
mit J. einen mit Spitzen und dergl. besetzten Brustlatz. 

Jackmaschine, Spulenmaschine, eine veraltete Konstruktion der Baum- 
wollvorspinnmaschine. 

Jaconets sind feine Baumwollzeuge, eine xA.rt leichter Cambrik, mit festen 
runden Fäden, ein Gewebe, welches zwischen Hamau oder Cambrik und Musselin 



262 



Jacquardweberei — Japan. 



die Mitte hält, deshalb auch häufig unter dem Namen Bastard vorkommt. Ur- 
sprünglich lieferten es nur die englischen Manufakturen, während die Fabrikation 
jetzt allgemein geworden ist. Man hat einfache, glatte, weisse und auch farbig 
gestreifte in Weberei und Druckerei. 

Jacquardweberei, Jacquardstuhl u. s. w., s. Weberei. 

Jägerleinen, grünlicher Stoff aus L. für Jagdanzüge. 

JagOStoffe, moderne Leinenstoffe. 

Jahnsdorf in Sachsen: Strumpf- und Trikotwarenfabrikation. 

Jamaica, westindische Baumwollsorte. 

Jamavarteppiche, persische Bezeichnung für Teppiche mit Streifenmuster. 

Jamavas, veralteter, ostindischer, leichter Seidenstoff, taffetartig gewebt 
und mit broschierten und eingestickten Mustern. 

Jamdami, Jamdanis, Jamedanis, feine broschierte Musseline aus Bengalen, 
welche mit Blumen in Gold, Silber und farbiger Seide gemustert sind. 

Jamestown, Stadt im Staate Neu York: lebhafte Industrie, darunter 
Fabrikation von BaumwoU-, Woll- und Kammgarnwaren. 

Jamkhana, indischer Baumwollteppich, dessen Muster aus parallelen oder 
sich kreuzenden Streifen besteht. 

Janina, Stadt in der Türkei: besonders berühmt durch die daselbst auf 
Leinwand in roter Seide im Webstich hergestellten Stickereien (Abb. 125), 
welche dadurch eigenartig erscheinen, dass ihre geometrischen Muster in dichten 



Abb. 125. 



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Stichen und zwar so ausgeführt sind, dass in verschiedenen Teilen abwechselnd 
die Fadenlage umsetzt, wodurch die Fläche reizvoll schattiert ist. 

Abbildung: 
125. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Stickerei auf Leinen in roter Seide im Webstich in abwechselnder horizontaler und 
wagerechter Fadenlage: Eauten aus gezackten Balken enthalten Sterne, ßegleitborte 
und Franse. Janina 17. — 18. Jahrh. 

Jannequin oder Gennequin (franz.), ein grobes, baumwollenes Hand- 
gespinst in Smyrna. 

Japan, Liselreich in Ostasien: Seidenzucht und die Verarbeitung der 
Rohseide stehen obenan. Die Einführung der Seidenzucht in Japan wird in 
die zweite Hälfte (289) des dritten Jahrh. verlegt und koreanischen, sowie 
chinesischen Einwanderern zugeschrieben; ihre Befestigung und Ausbreitung 
findet gleichzeitig mit der des Buddhismus statt. Wie der Teebau, so hat auch 



Japan. 



263 



die Seidenzucht in Japan während der letzten 30 Jahre einen neuen Auf- 
schwung genommen. In Japan ist die Seidenzucht auf Hondo oder Honshiu, die 
grösste der Inseln beschränkt. Sie bildet hier die verbreitetste und wichtigste 
Hausindustrie, die in den meisten Fällen neben anderen landwirtschaftlichen Be- 
schäftigungen herläuft, in der Hegel jedoch Haupterwerbsquell der Bewohner ist; 
nur für fassonierte Stoffe kommen Jacquardmaschinen bereits stark in Anwendung. 
Die technische Unvollkommenheit der Werkzeuge, wie sie namentlich der dort 
noch gebräuchliche Zampelstuhl (vgl. die Abb. 126 auf einem Seidengewebe) mit 
sich bringt, wird jedoch aufgewogen durch die Hingabe, mit welcher die Weber 

Abb. 126. 




ihrem Handwerk obliegen und die ihnen ermöglicht, die Ausführung der 
schwersten und kompliziertesten Werke der Kunstweberei zu bewältigen. Die 
erste Stelle in der japanischen Seidenindustrie nimmt seit vielen Jahrhunderten 
Xioto ein; hier werden nach „Bavier, Japans Seidenzucht, Seidenhandel und 
8eidenindustrie, Zürich 1874" von etwa 18 000 Seidenwebern auf etwa 6 000 
Webstühlen gegen 6 000 Ballen von je 50 kg Rohseide jährlich verarbeitet. Den 
Wert der daraus gewonnenen Gewebe aller Art schätzt man auf 80 Mill. Mark. 
Nächst Kioto hat Kiriu, eine kleine Stadt in der Prov. Joshiu, bedeutendere 



264 



Japan. 



Seidenweberei. Unter den Erzeugnissen der japanisclien Seidenindustrie haben 
folgende ein besonderes Interesse, weil sie von den europäischen wesentlich ab- 
weichen und sich durch hervorragende Schönheit und Güte auszeichnen: 

Habutaye oder Kabe habutai, eigenartig geripptes Seidengewebe von weisser 
Farbe, gehört zu den prächtigsten ungemusterten Seidenstoffen, welche Japan auf- 
weisen kann. Es ist wellig gerieft, ein Mittelding zwischen Krepp und Eips. Kette 
und Einschlag sind viel dicker als bei glatten und geköperten Stoffen. Die Schuss- 
fäden sind eigenartig locker gedreht. Ein dünnerer Faden, aus zwei Haspelfäden be- 
stehend, umwindet in langgestreckter Spirale einen dickeren, der aus 6 Gregefäden 
zusammengesetzt ist. Dies bedingt nicht bloss die eigenartige wellige Rippung des- 
Stoffes, sondern auch seine grössere Fülle und Geschmeidigkeit. Nach Dicke und 
"Weichheit erinnert Habutai an Sammet, von dem er jedoch sonst durchaus abweicht. 
Dieses Gewebe war in Japan immer für Festkleider des Adels sehr beliebt; aucK 
pflegte der Hof oft Geschenke damit zu machen. 

Chirimen oder Krepp ist der beHebteste, rauhe, glanzlose Seidenstoff der Japaner^ 
den sie sowohl einfach als in verschiedener AVeise gemustert darstellen. "Weicht auch, 
wie das Aussehen, so die Anfertigung der verschiedenen Sorten ansehnlich voneinander 
ab, so findet sich doch bei allen ein gemeinsamer Zug. Er besteht darin, dass man 
zur Kette wie zum Schuss ziemlich gleich starke Fäden nimmt, von denen aber die 
Einschlagfäden auf der Zwirnmaschine noch besonders teils rechts, teils links gezwirnt 
wurden. Beim Einschlag dieser doppelt gedrehten Fäden wechselt man mit den beiden 
Sorten ab. Ist das Stück fertig, so kommt es in ein Bad, erleidet dabei ein starkes- 
Zusammenschrumpfen, namentUch in der Breite, wird darauf in Wasser ausgesüsst und 
vor völligem Trocknen über eine hölzerne Walze gerollt und gestreckt, dann an der 

Abb. 127. 



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Sonne vollends getrocknet. Solche Kreppseide, bei der die Anwendung einer sogen. 
Kreppmaschine unbekannt ist, kann nur im Stück gefärbt werden. Die einfache 
Chirimenweberei wird viel in Takajama betrieben. 

Mon-Chirimen ist ein Bildkrepp, der mit glänzenden Fäden aus Yama-ma'i-Seide 
gewebt wird, welche die Eigenschaften des höchsten Glanzes hat. Dieser feinste Kr^p- 
stoff findet dann Anwendung als Grundstoff für Stickereien , welche abgepasst zu den 
Fukusa's, d. s. Geschenktücher, dienen. (Abb. 127.) 

Kanoko, Kanoko-shibori oder Kanoko-sha-chirimen (Kanoko: a) ein junger 
Hirsch; b) gefleckt wie ein solcher. Shibori, gebunden, geknüjDft, sha , Seiden- 
gewebe oder Gaze mit einfacher Kette , Chirimen , Krepp) wird ein eigentümliches 
leichtes, hügel- und wellenförmig gekräuseltes Seidenfabrikat genannt^ das von den 



Japan. 



265 



japanischen Frauen als Haarschmuck,, aber auch zu Halsbinden verwendet wird, wobei 
man es in die Form einer Rolle bringt, die man an beiden Enden mit Quasten ver- 
sieht. In beiden Fällen bringt Kanoko die beste Wirkung hervor. Es ist fast immer 
prächtig rot oder violett gefärbt, mit grösseren oder kleineren, runden, w^eissen Flecken 
besät. Man fertigt es nur in Kioto wie folgt : Zwei Bahnen einer sehr leichten Xrepp- 
seide werden gesteift und aufeinandergeklebt. Nach dem Trocknen zeichnet man das 
Muster, gewöhnlich ein Netz gerader, rechtwinklig sich schneidender Linien, darauf 
und reibt dann den Stoff mit den Händen gründlich durch, um ihn wieder weich und 
geschmeidig zu machen. Hiernach erfolgt das Unterbinden. Man bedient sich dazu 
eines Stativs, an welchen ein zugespitzter Messinghaken befestigt ist. An diesen wird 
das Gewebe bei jeder Durchschnittsstelle zweier Linien der Zeichnung, der Reihe nach 
angehakt und etwas emporgezogen, sodann mit einem Hanffaden in mehreren Win- 
dungen fest unterbunden. Ist das Unterbinden beendet, so folgt das Baden, Färben^ 
Trocknen und Strecken des stark zusammengeschrumpften Stoffes. Hierbei lösen sich 
die Bindfäden auf und werden entfernt. Die unterbundenen Stellen liefern das weisse 
Muster auf dem türkisch roten, pfirsichblütfarbigen oder violetten Grunde. 

Die Obi oder Gürtel, mit welchen japanische Damen ihre langen Kleider 
(Kimono) um die Lenden befestigen, w^erden auf besonderen Webstühlen aus bester 
Seide verfertigt. Es sind verschiedenartige, glatte und gemusterte Gewebe von 16 bis 
24 cm Breite und 3 bis 47, m Länge, mit Rücksicht auf die langen Schleifen, in 
welche sie auf den Rücken gebunden werden. 

Gewänder aus Brokat, japanisch Nishiki, d. h. aus schwerem gemustertem, mit 
Gold und Silber durchwirktem Seidengewebe, den reichsten und kostbarsten, welche 
die Textilindustrie überhaupt liefert, gehörten immer zu den Zeremoniekleidern der 
chinesischen und japanischen Fürsten, sowie zur Ausstattung der reicheren Theater 
(vgl. Abb. 128 u. 7 u. 9 auf Tafel VI) und buddhistischen Tempel. Man unterscheidet 

Abb. 128. 




in Kioto Ito-nishiki, Goldfadenbrokat und Aya-nishiki d. h. Seidendamastbrokat oder 
mit Blumen durchwirkten Brokat. Bei den japanischen Brokaten hat namentlich die Ver- 
wendung des Gold- und Silberpapiers in hohem Grade das Interesse der europäischen 
Seidenfabrikanten wachgerufen. Dabei wird dieses Papier in schmale Streifen zer- 
schnitten und dient dann entweder zum LTmspinnen von Seidenfäden oder es wird für 
sich zu Fäden gedreht und eingewoben. Die Gewebe erhalten dadurch ganz das Aus- 
sehen, als seien sie mit echten Gold- und Silberfäden durchwirkt, zeichnen sich aber 
daneben durch grössere Geschmeidigkeit und Billigkeit aus. 

Tsudzu-re-no-nishiki, d. h. stückweise Brokatarbeit, wurde zuerst im Jahre 1875 
in Kioto nach einem eigentümlichen Verfahren dargestellt. Kette und Einschlag be- 



266 



Japan. 



standen aus starken, gezwirnten Seidenfäden und Goldpapierfäden. Dabei fehlte den 
"Webstühlen die Lade; es fand deshalb kein eigentliches Anschlagen statt, die Quer- 
fäden wurden vielmehr mit den Fingern eingelegt und mit Hilfe eines Kammes aus 
freier Hand beigeschoben, wie dies in alter Zeit allgemein geschah. Das auf Papier 
aufgezeichnete Muster lag unter der Kette. Die gefärbten Schussfäden werden danach 
gewählt, gehen nicht durch die ganze Bahn, sondern nur soweit, als man ihrer für 
die betreffende Figur bedarf; während daneben liegende Teile mit anderen Farben 
später oder früher ausgefüllt werden. Auf diese Weise wurden Tischdecken, auch 

Fukusa, d. h. Gewebe zum Einhüllen und Bedecken, z. ß. von Geschenken, 
feinen Lackwaren und anderen Gegenständen, dargestellt. — In der Darstellung von 



Fig. 129. 








Birödo oder Sammet ist man über das einfache, glatte oder gerippte Fabrikat 
nicht hinausgekommen. Die dazu dienende Vorrichtung entspricht unserem fri^eren 
Handwebstuhl für Sammet. Der Flor der Polkette umschlingt parallel laufende Kupfer- 
stäbe als Nadeln. Ist das Gewebe fertig, so werden die Noppen oder Maschen mittels 
eines Messers aufgeschnitten, das zwischen zwei Führern geht, und die Nadeln dann 
herausgezogen. Sammetbildtafeln werden hergestellt, indem man vor dem Heraus- 
nehmen der Kupferdrähte das Muster auf dem gefärbten Grunde aufmalt und je nach 
beabsichtigter Wirkung Teile der naturalistischen Darstellung aufschneidet. Ist der 



Japan. 



267 



Grund dann, wie dies in Abb. 129 der Fall ist, mit Goldpapier durchwirkt, so ergibt 
sich eine prächtige malerische Wirkung. 

Nui-mono oder Nui-haku, Stickerei, vornehmlich mit Seide auf 
Seiden- oder Wollstoffe, schliesst sich der Seidenweberei an. Es ist ein hoch- 
entwickelter Zweig des japanischen Kunstgewerbes, bei dem sich wiederum die 
vorherrschenden Züge des japanischen Arbeiters, die Freude und Befriedigung 
an dem mit grosser Sorgfalt, viel Geschick und bewundernswertem Geschmack 
hervorgerufenem Produkte ojffenbart. Durch eine vortreffliche Abwechselung 
und Verbindung von Plattstickerei mit Federstich, aufgenähten Kordeln u. dgl., 
und durch eine mustergültige Auswahl — Zusammenstellung und Abtönung der 
Farben — ruft man überraschende Wirkuns^en hervor und haucht den Blumen, 



Abb. 130. 




Vögeln, Schmetterlingen und anderen Gegenständen, welche man nachbildet, 
mit der Nadel gewissermassen Leben ein. Die Stickerei wird in den japani- 
schen Häusern von alten Zeiten her geübt; ist aber kein Erwerbszweig der 
weiblichen Bevölkerung geworden, sondern in ihren höchsten Leistungen schon 
seit langem Männerarbeit. Oft wird in geschickter Weise die Stickerei auf 
Seide mit dem Bemalen oder Bedrucken des Gewebes verbunden, wie sie denn 
auch bei den gemusterten Seidenstoffen, einschliesslich der Brokate, als ein 
weiteres Verzierungsmittel in Relief erscheint. (Vgl. J. J. Pein, Japan nach 
Peisen und Studien, Leipzig 1886.) Die Exaktheit in der japanischen Platt- 
stichstickerei wird dadurch erzielt, dass man statt des vorgezeichneten Musters 
dünne gestanzte Papierschablonen auflegt, die die genaue Einhaltung aller 
Umrisslinien und auch das bis zur hohen künstlerischen Wirkung sich steigernde 
Absetzen der Fäden innerhalb breiterer Flächen ermöglicht, wodurch den Einzel- 
formen eine Art Stilisierung gegeben ist. Ein ferneres Hilfsmittel der Japaner 
beim Sticken, Färben und Bemalen von Stoffen ist die Anwendung der in 



268 



Japanische Kunstformen. 



Papier geschnittenen Schablonen, deren reizvolle naturalistische Muster aus 
freier Hand eingeschnitten sind. (Abb. 130 u. 131.) 

Japanische Kunstformen haben ihren Ursprung, wie die ganze auf hoher 
Stufe stehende Kunstindustrie des Landes, in China. Japan hat viele Jahr- 
hunderte seinen Nachbar als mustergültiges Vorbild betrachtet, bis es schliesslich 
durch seinen entwickelten Natur- und Schönheitssinn einen selbständigen For- 
menkreis sich zu eigen gemacht hat, von dem vor allem das streng Konservative 
der Chinesen vollkommen abgestreift ist und sich zu einer feineren auf liebe- 
vollen Naturstudien beruhenden Richtung entwickelt hat. Man muss bei der 

Abb. 131. 




Betrachtung der Kunstformen in China und Japan von vornherein einen 
anderen Massstab als bei anderen Völkern anlegen, weil diese einer eigent- 
lichen Architektur entbehren, welche sonst der Kleinkunst vorangeht und dieser 
ihre Grundformen diktiert. "Was wir in China und Japan an alten Architek- 
turen sehen, sind Tempelbauten mit den schwersten ungefügigen Einzelheiten 
von massigen Tierfiguren, die als Säulenträger geschweifter Dächer dastehen: 
nirgends eine durchgehende gerade Linie, die dem Auge einen gleichmässigen 
Ruhepunkt gestattete. Und wie die Architektur, so zeigen auch viele kunst- 
gewerbliche Erzeugnisse für sich, dass die konstruktive Kunst in Japan viel 
weniger entwickelt ist, als die dekorative. In der lebensvollen, getreuen Nach- 
bildung gegebener Naturgegenstände^ insbesondere von Pflanzen, Vögeln, In- 
sekten und Meerestieren, sowie verschiedener Vierfüssler, in der Darstellung 
von "Wolken, Fels- und Wasserpartien hat der Japaner eine grosse Fertigl^eit. 
Scharf und bestimmt dem Muster entsprechend erscheint die Zeichnung in 
Ausdruck und Bewegung und fesselt dadurch, wie nicht minder durch die 
Leichtigkeit und Zartheit der vollendeten Ausführung den Beschauer (Abb. 
132). In der allgemeinen Flächendekoration treten Arabesken und andere Kurven- 
ornamente gegenüber den geradlinigen Verzierungselementen (vergl. Tafel VI) 



Japanisclie Kunstformen. 



269 



entschieden zurück. Von letzteren spielen namentlich der Mäander und das 
sogen. Henkelkreuz (Abb. 133) eine grosse Rolle. Wie bei uns, so wendet 
der Japaner den Mäander als Borte oder abschliessende Randverzierung an; 
aber auch als Füllung einer ganzen Mäche wird er gebraucht. Viele japanische 
Kunstformen lassen noch immer den chinesischen Ursprung erkennen. Päonie 
und Chrysanthemum (Abb. 134), Iris und Lotosblume, das schlanke 
Bambusrohr (Abb. 127) und krüppelhafte, bizarre Kiefern, blattlose 
blühende Zweige der Magnolie, be- 



Abb. 182. 



blätterte der wilden Kirschbäume 
(Abb. 135), die schlingende Grlycine 
mit ihren hängenden Blütentrauben, 
Vögel und Insekten im Fluge und in 
der Ruhe : diese und noch viele andere 
Naturformen verwendet der Japaner 
gleich dem Chinesen für seine Flächen- 
dekoration gern an, ihnen schliessen 
sich Glücks- und Fabeltiere, der Phö- 
nix, der Drache , das Einhorn , die 
Schildkröte an. Der Drache ist be- 
kanntlich das "Wappentier Japans, das 
auf gestickten Gewändern hoher Be- 
amten und Prinzen als Hauptdekora- 
tiousmotiv auftritt (vergl. Abb. 9 auf 
Tafel VI). Alle diese von China über- 
nommenen Formen fand der Japaner 
in der herrlichen Natur seines Landes 
wieder, die ihm von seinem westlichen 
Nachbar verzerrt und plump vorgeführt 
wurden. Viele derselben, namentlich 
aber die seinen Bergen fehlenden, ver- 
pflanzte er in seine Gärtchen und 
Tempelhaine. Was er hier so oft 
und mit so viel Wohlgefallen beschaut 
und bewundert, die mancherlei Erzeug- 
nisse der Natur seines Landes, sind 
seine Kunstformen. Dieser Natur sich 
zu erfreuen, still zu ihren Füssen 
sitzend sie in ihrem Leben und Treiben 
zu belauschen und das leichte und ge- 
fällige Bild warm und treu, wie es 
empfunden und aufgenommen wurde, 
mit geübter, sicherer Hand wieder- 
zugeben: dies ist das Geheimnis, das 
sich allmählich zur Grundlage der 
japanischen Kunst im Gewerbe ausbildete. (Näheres darüber in J. J. Rein, 
Japan nach Reisen und Studien, Leipzig 1886, Bd. II, S. 373 ff., woher viele 
der obigen Notizen entnommen sind.) 




Abbildungen : 

126. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart : 
Seidenbrokat, Grund hellblauer feiner Rips, Muster ^elb, weiss und mit Goldpapier: 
Reihenweis versetzte Darstellung eines japanischen Webstuhles , der sich in Tätigkeit 
befindet. Japan etwa 1740. 

127. Originalaufnahme aus dem Königl. Kunstgewerbemuseum in Berlin : Fu- 
kasa, Tuch zum Einwickeln von Geschenken , Stickerei in farbiger Seide und Malerei 
auf rötlich gefärbtem Kreppstoff: Darstellung von Sperlingen im ßambusfelde. 
Japan 1875. 

128. Originalaufnahme wie 126: Seidenbrokat von einem Theatergewande. 



270 



Japanische Kunstformen. 



Grund braun mit ausgesparten Zackenlinien in Groldpapier, Muster in flotter farbiger 
Seide broschiert: Wechselnde Kirschblüten und Blätter. Japan etwa 1680. 

129. Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Leipzig 1896. Blatt 61: Bild- 
tafel, Sammetweberei mit Goldpapiergrund , gemalt und durch Aufschneiden einzelner 

Abb. 133. 




Noppen schattiert: Darstellung von Lotosblumen und einem Paar von Reihern am 
Wasser. Japan 1880. 

130. Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Leipzig 1896. Blatt 58: Ge- 
schnittene japanische Schablonen für Zeugdruck: Farrenkrautblattwerk, 

131. Desgleichen: Weiden im Regen. 

Abb. 134. 




132. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Seidengewebe, Grund hellblau, Muster bunt ianziert : Reihen von Stauden aus Nelken 
und Gräserwerk ; dazwischen Schmetterlinge. Japan etwa 1780. 

133. Originalaufnahme wie vorher: Seidenbrokatgewebe, Grund dunkelgrün, 



Japanische Teppiclie — Japanische Webemuster. 271 

Muster Goldpapier: Zwischen Rautenfeldern, welche in schrägen Reihen abwechselnd 
mit dem Henkelkreuz und Rosetten gemustert sind, stehen reihenweis versetzte Kreise 
mit je einem Hund in Wolken. Japan etwa 1780. 

134 Originalaufnahme wie vorher: Seidenbrokat, Grund grün, Muster bunt: 

Abb. 135. 



Reihenweis abwechselnd versetzte Päonien- und Chrysanthemumblüten sind durch feine 
Ranken mit kleinen Blüten verbunden. Japan Anfang 19. Jahrh. 

135. Original aufnähme aus dem Königl. Kunstgewerbemuseum in Berlin : Fukusa, 
Tuch zum Einwickeln von Geschenken, Stickerei mit Malerei auf gefärbter Kreppseide: 
Darstellung eines blühenden Kirschbaumzweiges, der einen Birkenstamm streift, und 
Vögel. Japan 1880. 

Japanische Teppiche werden in minderwertiger Ausführung aus Baum- 
wolle geknüpft. 

Japanische Wappen erscheinen zahlreich in gewebten und gedruckten 
Stoffen als Musterung. (Vgl. Abb. 12 auf Tafel YI.) Sie bestehen aus rund- 
lich gelegten Blütenformen und Rosetten und gehören in dieser Ausführung 
den Familien der Daimios an. (Abb. 136 u. 137.) 

Abbildungen: 

136. Darstellung eines japanischen Daimiowappens in Form eines rundlich ge- 
legten Blütenstrausses, von einem Seidengewebe. Japan 18 — 19. Jahrh. 

137. Desgleichen aus blattartig gezacktem Kreis und Wolkenmuster. 

Japanische Webemuster nach historischer Folge zu bestimmen, 
erfordert mehr als irgend eine andere Gruppe älterer Stoffe ein ganz be- 
sonderes Studium. Die hier gegebenen Bezeichnungen der aus der reichen 
Sammlung japanischer Erzeugnisse des Königl. Landesgewerbe-Museums in 
Stuttgart stammenden Gewebe , welche der als Arzt des japanischen Kaisers 
in Tokio weilende Prof. Dr. Erwin Balz an Ort und Stelle gesammelt hat, 
sind nach dessen Aufzeichnungen wiedergegeben. (Vgl. die Abbildungen im 
Artikel Japan und Tafel VI.) 

Wenn nun auch bekanntlich die Japaner ihre ganze kunstindustrielle 



272 



Japanische Webemuster, 



Tätigkeit und damit die Kunstformen in den ältesten Zeiten von China über- 
nommen haben, so muss doch bei der Beurteilung ihrer Gewebemuster der 
früheren Epochen des Umstandes gedacht werden, dass ihnen die frühmittel- 
alterlichen StoflFe persischen Ursprunges nicht unbekannt geblieben sind. Auf 
Grund einer Eeihe — etwa um 1880 — in Japan veröffentlichten Bändchen 
mit farbigen Gewebemustern gelang es den eifrigen Forschungen des Direktors 
am Berliner Kunstgewerbemuseum Prof. Dr. Lessing — worauf an Ort und 
Stelle selbst auch andere Gelehrte geführt wurden — nachzuweisen, dass sich 
in altjapanischen Tempeln Originalstoffe der sassanidischen und frühbyzantini- 



Abb. 136. 



Abb. 137. 





sehen Periode befinden: ähnlich, wie sie in vielen rheinischen Kirchen auf- 
bewahrt werden, wohin dieselben während der Kreuzzüge als Hüllen der Ge- 
beine von Heiligen in grosser Anzahl gekommen sind. Solche Muster haben 
die Japaner in ihrer Anschauungsweise gezeichnet (vgl. Abb. 138) und mit 
Zeitbestimmungen veröffentlicht, die sich mit jenen decken, welche für den 
Ursprung der westasiatischen Muster des frühen Mittelalters mit Sicherheit 
nachzuweisen sind. Da nun viele der älteren japanischen Gewebe bezüglich 
ihrer allgemeinen Einteilung und auch sonst sehr viele verwandte Einzelheiten 
aufweisen, so bleibt die Frage offen, ob damalige Muster auch schon von China 
übernommen wurden, oder ob die Zeichnungen in dieser Gruppe von Stoffen 
auf selbständigen Eindrücken jener fremden Gewebe beruhen, welche sich in 
den Tempeln befinden. Dass man die mit Tierfiguren gefüllten Kreismuster, 
wie sie in Abb. 138 enthalten sind, nicht ohne weiteres nachbildete, liegt wohl 
in dem auch von den Buddhisten in früheren Zeiten befolgten Vorschriften, 
Menschen- und Tierfiguren von jeglicher Darstellung auszuschliessen ; um so 
mehr scheint man sich aber in den rein geometrisch behandelten Flächen nach 
westasiatischen Vorbildern gerichtet zu haben. Es sind augenscheinlich hier- 
nach jene Muster entstanden, welchen der strenge romanische Charakter nicht 
abzusprechen ist. (Vgl. Abb. 2, 4, 5, 6 auf Taf. VI.) Die spätere Datierung 
derselben durch Prof. Balz kann deshalb doch zu Kecht bestehen, da sich be- 
kanntlich gewisse Typen von Mustern in Japan und China Jahrhunderte lang 
und noch bis in unsere Tage hinein erhalten haben. Auf frühen chinesischen 
Ursprung ist auch das unter 1 auf Taf. VI abgebildete „Shippo" -Muster, so- 
wie das daselbst unter 3 wiedergegebene „Shokko "-Muster zurückzuführen. 
Diese bestimmten Bezeichnungen für gewisse Arten von Mustern, wie sie in 
Japan üblich sind, ist auch eine Bestätigung für ihre dauernde Erhaltung. 
Aelteren Ursprungs ist natürlich auch das oft wiederkehrende Drachenmuster, 



Japanische Webemuster. 



273 



in welchem das AYappentier auf rotem oder schwarzem Atlasgrimde in Hund- 
l)ildern oder hochaufgerichtet erscheint. Prof. Balz setzt es in die Zeit um 
1500. Diese und die beiden vorher bezeichneten geometrischen Muster können 
übrigens ebenso gut chinesisch wie japanisch sein und auch den der späteren 

Abb. 138. 




Zeit angehörenden Mustern (vgl. Abb. 139 u. 140) haftet noch der schwer- 
fällige Zug des Chinesischen an, worin auch westasiatische Elemente, besonders 



Abb. 139. 



Abb. 140. 




in den Palmettenformen, nicht zu verkennen sind. Ferner ist noch ganz im 
Sinne chinesischer Art und "Weise der Mustergebung das feste Einschliessen 
und Gliedern der Formen innerhalb ihrer einzelnen Flächen, das sie wie die 
Zeichnungen in Email cloisonne erscheinen lässt. (Abb. 141.) Ein freierer 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. \Q 



274 



Japanisclae Webemuster. 



Abb. 141. 



Abb. 142. 




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fe*m 




Abb. 143. 




Geist beherrscht erst die rormensprache der japanischen Stofiinuster am Ende 
des 17. Jahrhunderts, wenngleich auch die Zeichnungen früherer Epochen 
nebenher beibehalten werden. Besonders fallen dabei jene Gewebe auf, welche 



Japanische Webemuster. 275 



für Theatergewänder gearbeitet worden sind, deren Herstellung auch technische 
Fortschritte im Färben des Grundstoffes und in der Art der Broschierung er- 
kennen lassen, die nur dem Japaner eigen sind. (Vgl. Abb. 7 u. 9 auf 
Tafel YI.) Fast europäisch hingegen erscheint das auf derselben Tafel unter 
11 dargestellte Muster, dessen Farbengebung — blau auf weiss schattiert — 
fast den Eindruck eines Eokokomusters in Meissener Porzellan hervorruft. 
Künstlerische Verwertung lässt der Chinese und Japaner — letzterer direkt 
mit der Bezeichnung „Buchstabenmuster" — auch seinen Schriftzeichen zuteil 
werden, die hier noch einen breiteren Raum als bei den Arabern einzunehmen 
berechtigt sind, weil ihre einzeln abgeschlossenen Züge zugleich Bedeutung 
für Glück- und Segeussprüche ausdrücken. (Vgl. Abb. 142.) Im 19. Jahr- 
hundert bringen unter älteren beibehalteneu Typen von japanischen Stoff- 
mustern, wie das in Abb. 143 mit spitzovalen Feldern dargestellte , besonders 
die für die Obi's (d. h. Gürtel) gewebten Stoffe neue kleinere Muster aus 
Blättern und Blütenranken (Abb. 10 u. 13 auf Tafel VI), worin auch Abwechse- 
lung eintritt durch meisterhafte Stilisierung von Vogelgestalten. (Abb. 8 auf 
Tafel VI.) 

Abbildungen: 

138. Darstellung aus : Ethnologisches Notizblatt des Königl. Museums für Völker- 
kunde in Berlin. Bd. II, Heft 1, S. 11 : Sassanidisches Stoffmuster des 6. Jahrb., gezeichnet 
nach einem im japanischen Werke „Die Kokkwa" abgebildeten Originalstoff, welcher 
sich im Horynji, dem ältesten Tempel Japans, befindet. Die Darstellung des Musters 
gibt nach japanischer Anschauung in grossen Kreisen Abkürzungen des heiligen Baumes 
(Palmettenkrone und Keimblätter), dem ein Paar von Löwen zu den Seiten sitzt. 
Zwischen den Kreisen Steinböcke und Rosetten. 

139. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Seidengewebe, Grund blau (lose Bindung), Muster gelbbraun mit Goldpapierschattie- 
rungen: Reihenweis geordnete Ranken, welchen Palmettenblüten entsteigen. Japan 
um 1580. 

140. Originalaufnahme wie vorher: Seidenbrokat, Grund zinnoberroter Atlas, 
Muster Goldpapier: Wellig aufsteigenden Ranken erwachsen reihenweis wechselnde 
Palmetten- und Rosettenblüten. Japan um 1750. 

141. Originalaufnahme wie vorher : Seidenbrokat, Grund Goldpapier, Muster mit 
Hellblau und Braun ; Reihenweis nach rechts und links geschwungene Päonienblüten 
und fliegende Vögel. China (?) um 1800. 

142. Originalaufnahme wie vorher: Seidengewebe, Grund hellblauer Taffet, 
Muster (sogen. Buchstabenmuster) hell- und dunkelbraun: Reihenweis wechselnde und 
versetzte Schriftzüge. Japan (?) um 1810. 

143. Originalaufnahme wie vorher: Seidengewebe, Grund hellbraun, Muster: 
Bänder bilden spitzovale Felder, in welchen je eine dunkel- oder hellrote Blume in 
grüner Umrahmung. Japan um 1810. 



Abbildungen auf der Tafel VI: Webereien aus China und Japan: 

Originalaufnahmen aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 

1. Seidenbrokat, Grund tiefblau, sogen. „Shippo -Muster" in Grün, Gelb und 
Blau, mit ümrisslinien von Goldpapier: Vierpassfelder sind durch geschweifte Kreis- 
felder mit Rosetten verbunden, welche von geraden Bändern und Sechsecken quadratisch 
eingefasst werden; dazwischen Mäanderwerk. Japan um 1760. 

2. Seidenbrokat, Grund blau, Muster weiss und mit Goldpapier durchwirkt: 
Kreise, welche durch glatte Knäufe verbunden sind, enthalten runde Scheiben mit einem 
Paar von gegenständigen Drachen ; in den Zwickeln zwischen den Kreisen Rosetten. 
Japan um 1750. 

3. Seidenbrokat, Grund blau, sogen. „Shokko-Muster", Muster weiss, in Reihen 
bunt und mit Goldpapier durchwebt : Reihenweis versetzte wechselnde Rosetten sind 
durch schräge Bänder mit Sternen verbunden und stehen in sechseckigen Feldern mit 
dazwischen liegenden kleinen Quadraten ; eine Reihe der Sechsecke klein gemustert mit 
Rautenfeldern. Japan um 1800. 

4. Seidenbrokat, Grund hellblauer Atlas, Muster Goldpapier und braun: Reihen- 
weis versetzte rundliche Sechspassfelder, welche je drei verschlungene Kreise auf ge- 
fülltem Blütengrund enthalten. Japan um 1800. 

5. Seidenstoff, Grund hellblau, gerippt, Muster gelb : Bänder aus Schneckenlinien 



276 Japergonsi —Jenny. 



bilden spitzovale Felder, in welchen reihenweise abwechselnd je ein Kreis mit rundlich 
gelegtem Drachen und eine doppelseitige Blütenpalmette. Japan um 1750. 

6. Seidenbrokat, G-rund tiefblau, Muster Goldpapier: Kreise aus gemusterten 
Bändern sind durch kleinere runde Felder mit Rosetten verbunden und enthalten je 
in fester Umrahmung einen rundlich gelegten Drachen ; dazwischen geometrisches Füll- 
muster. Japan um 1730. 

7. Seidenstoff von einem Schauspielergewand, Grund hellblau und braunviolett 
gefärbt, Muster in flottliegenden Seidenfäden broschiert: auf einem Gehege aus geometrisch 
verschlungenem Gitterwerk zackige Blätter und längliche Blütenbüschel. Japan um 1750. 

8. Seidenbrokat, Grund blau, fein gerippt, Muster Goldpapier: Reihenweis ver- 
setzte und abwechselnd nach oben und unten gekehrte Reiher, welche als Rautenfelder 
stilisiert sind. Japan um 1780. 

9. Seidenstoff, Grund blau, Muster gelb : Reihenweis versetzte, sechseckige Felder 
mit Blattsternen, dazwischen in bunten flott liegenden Seidenfäden broschiert: rundlich 
gelegter Drache. Japan um 1750. 

10. Seidenbrokat, Grund blauer Atlas, Muster Goldpapier: Weinblätter und feine 
Rebenranken. Japan um 1800. 

11. Seidenbrokat, Grrund bläulich- weiss, fein gerippt, Muster blau und mit Gold- 
papier durchwirkt: Wellig aufsteigende feine Ranken, welchen in Reihen geordnete 
phantastische Blüten entsteigen ; dazwischen regelmässig abgesetzte Felder aus Gitter- 
werk. China (?) um 1800. 

12. Seidenstoff, Grund tiefblauer Atlas, Muster reihenweis in Bunt abwechselnd: 
Versetzte und abwechselnde rundliche wappenähnliche Blüten an Volutenranken auf 
einem Gehege aus schräg aneinander gereihten länglichen Rechtecken. Japan Mitte 
18. Jahrh. 

13. Seidenstoff, Grund schwarzer Atlas, Muster gelblich, rot und blau: Feine 
Ranken mit regelmässig verteiltem Blatt- und Blütenwerk sind zu Voluten aufgerollt. 
Japan um 1780. 

Japergonsi, im dänisch- ostindischen Handel feine, glatte Musseline mit 
goldenen Leisten; es ist eine Gattung der ostindischen Terindams. 

Japons, ostindische seidene Zeuge zu Kleidern, welche früher die dänisch- 
asiatische Gesellschaft lieferte. 

Japrak (Blattmuster), Bezeichnung für Smyrnateppiche in roter, grüner, 
blauer und orangefarbener Wolle, welche in England viel Abnehmer finden. 

Jaquenolle, ein ostindischer Musselin, sowohl glatt als gestreift. 

Jarretieres (franz.), Kniebänder von Zwirn. 

Jaroslawl, Jaroslaw, Hauptstadt des gleichnamigen Gouvernements in 
Russland: Mittelpunkt der sogen. Jaro slawischen Manufaktur, hat eine Baum- 
wollspinnerei (7 277 Arbeiter), Produktion 8 Mill. Rubel. 

Jaschmak, der Schleier der Türkinnen. 

Jaspierte Gewebe sind geflammte oder flammierte Stoffe (s. d.). 

Jastrow, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Marienwerder: Wollspinnerei und 
Tuchfabrikation. 

Jauer, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Liegnitz : Fabrikation von Buckskin, 
Teppichen, Handschuhen u. s. w. Auch das Jauersche Leinen geniesst eines 
bedeutenden Rufes. 

Java s. Batikfärberei. 

Jeannets, Jennets, sind ursprünglich dichte, englische, baumwollene 
Köperzeuge, teils weiss, teils gemustert und bunt gedruckt. Die böhmischen 
Fabriken führen eine gleiche Ware unter dem Namen Orientais. 

Jeans, den Jeannets ähnliche, einfach geköperte Baumwollzeuge, welche 
sich von den Denims dadurch unterscheiden, dass der Köper auf der rechten 
Seite ist, weshalb man sie häufig im Deutschen auch einfache Denims nennt. 

Jedwab (polnisch) s. Gotaweppi. 

Jegorgewsk, Stadt im russ. Gouvernement Rjasan: Baumwollspiiinerei 
(Produktion etwa 5 Mill. Rubel), Weberei und Färberei. 

Jellinge, Ort auf Jütland: fanden sich um das Jahr 950 in den Königs- 
gräbern u. a. kostbare, meist in köperartiger Bindung hergestellte Seidenstoffe 
mit Gold- und Silberfäden. 

Jenny, eine im Jahre 1767 in England von James Hargreaves erfundene 



Jesuitenzeug— Jüterbog. 277 



und nach seiner Tochter benannte Feinspinnmaschine für Baumwolle, jetzt durch 
die verbesserte Mulemaschine (Seifaktor) vollständig verdrängt, (s. Baumwoll- 
spinnerei.) 

Jesuitenzeug, ein schwarzes, rauhes, leinwandartig gewebtes Wollenzeug 
aus stark gedrehtem und beim AVeben stark geschlagenem Garn ; es ist etwas 
leichter als Alumnatzeug und wird zur Kleidung der Ordensgeistlichen, vor- 
nehmlich der Jesuiten gebraucht. Oesterreich und Frankreich liefern die Ware. 

Jircaza nannte man ganz feine baumwollene Zeuge zu Frauenkleidern, 
welche die englischen Manufakturen ehedem als Nachahmung eines ostindischen 
Grewebes dieses Namens lieferten. Es ist feiner Cambrik mit eingewirkten 
bunten Blumen. 

Jöhstadt, ehemals Josephstadt in Sachsen, dicht an der böhm. Grrenze: 
Königl. Klöppelschule. Spitzenklöppelei und Fabrikation von Weisswaren, 
Wäsche, Posamenten und Strumpfwaren. 

JÖnkÖping, Stadt in Schweden: Damast- und Drillichwebereien ; Dampf- 
färbereien. 

Jonzac, Hauptort im gleichnamigen iVrrond. des franz. Depart. Ch. In- 
ferieure: WoU-, Leinwand- und Hanfindustrie. 

Joree, Seidenraupe (Bombyx religiosa), welche in Assam auf dem heiligen 
Feigenbaume lebt und einen Kokon von sehr feinem, stark glänzendem Faden 
erzeugt. 

Jours werden in der Spitzennäherei die offenen Stiche zum Füllen der 
Blumen genannt. 

Jüchen, Flecken im preuss. ßeg.-Bez. Düsseldorf: Baumwollspinnerei, 
Weberei, Färberei und Kieiderfabriken. 

Judenstich kommt als Spitzenstich in altdeutschen Musterbüchern des 
16. Jahrh. vor. 

Jumel, ägyptische Baumwollsorte. 

Juncus effusus, die Binse : Ersatzmittel für Baumwolle. 

Jungbunzlau, Stadt in Böhmen: Wollspinnerei und Färberei; Baum- 
wollwarenfabriken. 

Jungle, eine Gattung ostindischer Nessel. 

Juponstoff, modernes Baumwollgewebe zu Futterzwecken. 

Jute, Dschut, Juthanf, Pahthanf, Gunni (franz.: jute, chamore de Gal- 
cutta; ital. : jute; engl.: jute, gunny), Gespinstfaser aus Calcuttahanf (s. d.). 
Sie wurde zuerst in Dundee 1832, in Deutschland (Yechelde, Braunschweig) 
1861 und etwa zehn Jahre später in Oesterreich zur Yerspinnung gebracht. 
Das System der Jutespinnerei lehnt sich an das des Flachses resp. des Hanfes 
an mit dem Prinzip der Trockenspinnerei. Die Jutefaser kommt in einem 
Zustande auf den europäischen Markt, welcher sofort deren Yerspinnung ge- 
stattet, also gereinigt, ohne feste Holzteile; die Entholzung und Böste der 
Faser erfolgt schon am Gewinnungsplatze. Die hauptsächlichsten Gewebe daraus 
sind: Baggins, ein ziemlich loses, grobes Gewebe; Tarpawlings, ein 
festeres, stärkeres, grobes Gewebe; Twilled-Sackings, ein Zwillich- oder 
Drillichgewebe von sehr grosser Festigkeit und Dauerhaftigkeit zum Yerpacken 
schwerer Güter; Hassians ist das feinste und schönste derartige Gewebe, 
verwendet zu Säcken für Salz, Zucker u. s. w. Die Jutefaser kann auch ge- 
färbt werden und findet in neuerer Zeit eine sich immer mehr ausbreitende 
Yerwendung zur Anfertigung von Möbel- und Yorhangstoffen. Ein Nachteil 
des Jutegewebes liegt in der Feuergefährlichkeit, indem die augenblickliche 
Berührung mit einem brennenden Körper genügt, um ein aus Jute gefertigtes 
Zeug sofort in Flammen zu setzen. Durch ein Imprägnieren mit einem Flammen- 
schutzmittel ist daher diesem Uebelstand abzuhelfen. 

Jüterbog, Stadt im preuss. Peg.-Bez. Potsdam: Bedeutende Spinnerei 
und Tuchfabrikation, Färberei; ansehnliche Flachsmärkte. 



278 Kabes— Kaipak. 



K. 

Kabes, Provinz in Arabien, von der im 11. Jahrh. das blübende Ge- 
deihen der Seidenzucht geschildert wird, und selbst Italien soll gleichzeitig 
dieselbe durch Vermittlung von K. erhalten haben. Ebenso wurde von den 
Arabern aus dieser Provinz die Seide nach Sizilien übertragen. 

Kabristan, Ort der Teppicherzeugung in Schirwan im Kaukasus. 

Kaffiehs, Kopfbedeckung aus Kleinasien. 

Kaftan (türk.), schlafrockähnliches baumwollenes oder seidenes, häufig 
mit kostbarem Pelzwerk gefüttertes Kleidungsstück der orientalischen Völker. 

Kairuan, Stadt in der marokk. Regentschaft Tunis: Teppicherzeugung. 

Kaiserslautern, Stadt im bayr. Eeg.-Bez. Pfalz : Die bedeutende Industrie 
erstreckt sich auf Kammgarnspinnerei (Aktiengesellschaft mit 61 000 Fein- und 
14000 Zwirnspindeln und 1500 Arbeitern); Baumwollspinnerei (Lampertsmühle 
mit 1650 Arbeitern). Im Jahre 1858 wurde hier eine grosse Seidenweberei 
gegründet, welche Atlasse und geblümte Zeuge anfertigte. 

Kakamusch, im Oesterreichischen ein veralteter, aus gewöhnlicher, zwei- 
schüssiger Wolle gewebter Plüsch. 

Kakeda, eine aus Japan in den Handel kommende Sorte feiner Seide. 

Kakemono, japanische Malerei auf Papier oder Grewebe, die zum An- 
hängen und Aufrollen bestimmt, also für Fenstervorhänge, Türverschlüsse usw. 
verwendbar sind. Die Bezeichnung bezieht sich nur auf das Format, das be- 
deutend höher als breit ist. 

Kalabrien (Landschaft am Fusse Italiens) ist schon im 11. Jahrh. im 
Besitz des Seidenbaues, welcher dahin durch Morgenländer eingeführt worden war. 

Kalander, Glander, eine Appreturmaschine, mittels deren Gewebe grössere 
Dichte, Glätte und Glanz erhalten. 

Kalasiris ist ein altägyptisches Gewand. 

Kalemkar ist ein persisches bedrucktes Kattunzeug. 

Kaliko oder Calicot (benannt nach der ostindischen Hafenstadt Calicut, 
woher der Stoff zuerst nach Europa gelangte), die feinen engl. Druckkattune 
oder sog. Druckperkaie, welche aus glatten, d. h. leinwandbindig gewebten 
Baumwollstoffen dichterer Art bestehen und zu Büchereinbänden benützt werden. 

Kaiisch, Stadt in E-ussland: Tuch-, Band- und Lederfabriken. 

Kalkirleinwand , Pauseleinwand, besteht aus einem sehr dünnfädigen 
und lockeren Baumwollgewebe, welches mit Stärkekleister, dem etwas Gummi 
zugesetzt ist, imprägniert und dann zwischen glatten V^alzen gepresst wird. 

Kalkutta, durch das engl. Calcutta entstandener unrichtiger Name der 
Hauptstadt Kalkatta des Britisch-Ostindischen Peichs. Wichtige Ausfuhrwaren 
sind : Jute bis zu '^j^ IVIill. t und Jutesäcke, rohe Baumwolle. In der Einfuhr 
stehen: Baumwollwaren, Garne, "WoUwaren, Kleider usw. in erster Peihe. — 
Ein bedeutender Industriezweig ist die Jutespinnerei. 

Kalmank, Kalamank, Calmang (franz. : calmande, satin turc), der alte 
Name für die in neuerer Zeit vorkommenden Lastings (s. d.). 

Kalmuk, Bezeichnung von locker aus Streichgarn in Köperbindung ge- 
webten AVollstoffen, welche dicht gewalkt, stark gerauht sind und langhaarig 
aussehen. Die K. werden vorzugsweise zu Winterkleidern verwendet und ge- 
hören in eine Kategorie mit den sog. Biberstoffen ; geringere K.-sorten werden 
aus starkem Baumwollgarn gewebt, aber genau so appretiert, wie die wollenen. 
Bei allen K.-sorten ist die Länge und Feinheit der Haare an den Geweben 
für die Qualität derselben entscheidend. 

Kalmükenteppiche werden jene gewirkten Teppiche genannt, welche von 
den unter russischer Herrschaft in Ostturkestan und im russischen Zentrafasien 
wohnenden Kalmüken erzeugt worden sind. 

Kalotaszeg, Landstrich in Siebenbürgen, dessen Bewohner sich durch 
malerische Tracht und kunstvolle Stickereiarbeiten auszeichnen. Hauptort ist 
Bänffy-Hunyad. 

Kaipak, die im Orient und von den Ungarn getragene Pelzmütze. 



Kambrik — Kammgarnspinnerei. 279 

Kambrik s. Cambrik. 

Kamelgarn, Kämelgarn (franz. : laine filee de Chevron oder fil de Turque, 
Caramanie ; engl. : Mobairgarn ; ital. : filo d'Angora oder filo di Capra) ; die 
gesponnenen Haare des Kamels, der Angoraziege und anderer asiatischer 
Ziegenarten, welche zu verschiedenartigen Textilzwecken Verwendung finden. 

Kamelhaar, das lange, wollige Haar vom Rücken, Hals und Bauch des 
gemeinen (einhöckerigen) und des zweihöckerigen Kamels. Es ist je nach dem 
Alter des Tieres von verschiedener Feinheit, von gelbgrauer bis braungrauer 
Färbung und wird nach der Feinheit sortiert und versponnen. Das Gewebe 
aus dem feinen, echten K.-garn liefert den echten Kamlottstoff, der sich durch 
grosse Leichtigkeit und Weichheit auszeichnet ; grobes K.-garn wird zu groben 
Decken, zu Stricken usw. verarbeitet. 

Kamelhaarteppiche werden ausser in Heris (s. d.) noch von verschiedenen 
AVanderstämmen türkischer Herkunft verfertigt, welche sich bis in die Provinz 
Zendjan und Hamadan südlich von Azerbeidschan verbreiten; sie heissen, nicht 
sehr langhaarig, in gewöhnlichster Art Chersek. 

Kamelott, Camelot (franz.), (lat.: camoca, camocatus; [im 16. Jahrh.] : 
engl. : camlet = Stoff aus Wolle und Seide) ist der Name für verschieden 
gewebte Stoffe aus Kamel- und Angoraziegenhaar. Der eigentliche K. ist ur- 
sprünglich Leinwandbindung aus Angoragarn, dann aber auch aus gewöhnlichem 
Kammgarn gewebt, hat in der Kette gezwirnte, im Einschlag einfache Fäden. 
Unter dem Namen Seiden-K. kommt ein leichter Gros de Naples vor, bei 
welchem in der Kette je zwei Fäden von verschiedener Farbe und mit schwacher 
Drehung zusammengezwirnt sind, während der Einschuss von einer dritten 
Farbe ist. Der halbseidene K. unterscheidet sich hiervon dadurch, dass der 
Einschuss statt aus Seide, aus gezwirntem Baumwollgarn besteht. 

Kamenz, Stadt im Königreich Sachsen: ein bedeutender Industriezweig 
ist Tuchfabrikation ; Dampffärberei. 

Kamisol (franz. vom mittellat. camisia, Hemd), ein über dem Hemd ge- 
tragenes Wams, Unterjacke. 

Kamka, im Mittelalter ein persisches oder griechisches Damastgewebe. 

Kamm, in der Weberei das Kietblatt. 

Kammertuch, Cambrick oder Cambric, eine niederländische Leinwand, 
die ursprünglich aus Camerich (Cambrai Cameracum) in den Handel kam; 
gegenwärtig heisst K. ein feiner Hemdenkattun und auch ein starkes, leinwand- 
artiges Gewebe aus Baumwolle, das unter dem Namen Baumwolltaffet zu Eegen- 
schirmen verwendet wird. 

Kammgarn ist ein Wollgarn, bei dessen Herstellung man durch Kämmen 
■die kurzen Haare ausscheidet und durch wiederholte Streckprozesse eine ge- 
streckte Lage der Haare und eine glatte Oberfläche des Fadens herbeiführt 
Tind das zu glatten Stoffen (Merino, Tibet, Kamlott^ Wollmusselin, Cheviot 
X18W.) verwendet wird. Das Streichgarn dagegen ist aus den kurzen und feinen, 
dabei stark gekräuselten, durch Kratzen oder Streichen unter Vermeidung des 
Streckens und Doublierens vorbereiteten Wollhaaren gesponnen und wird zu 
"tuchartigen Stoffen verwendet. 

Kammgarnspinnerei. Zum Zwecke des Yerspinnens muss die Kamm- 
^volle gleich der Streichwolle zunächst sortiert, dann z. T. durch Klopfen oder 
im Wolfe aufgelockert und gereinigt, jedenfalls aber immer der Wäsche mit 
Seife oder dergleichen unterworfen werden, um den Schweiss zu entfernen. 
Das Wolfen kann bei guten, reinen Wollen, namentlich bei den besseren Losen 
deutscher E,ückenwäsche, unterbleiben. Gefärbt pflegt K. nicht zu werden, 
ausgenommen in dem Falle, dass man meliertes Garn erzeugen will, wozu die 
Wermengung verschiedenfarbiger Wollen vor und bei dem Kämmen stattfinden 
muss. Hierbei kann man entweder die lose Wolle oder den Kammzug in 
Bobinenform färben. Im übrigen färbt man wieder entweder die Garne oder 
die aus denselben verfertigten Waren. Das Einfetten vor dem Kämmen ist 
namentlich für die groben, langen Kammwollen allgemein gebräuchlich. Die 
eingefettete Wolle spinnt sich nicht ganz so leicht, als gefettete. Es ist gut, 



280 Kammgarnstoff — Xanevasstickerei. 

wenn die "Wolle in einem etwas feuchten Raum aufbewahrt wird, wodurch sie 
sich besser auf den Maschinen bearbeiten lässt; die Feuchtigkeit macht sie 
geschmeidiger und ersetzt so einigermassen das Fett. 

Kammgarnstoff, ein aus Kammgarn hergestelltes Grewebe, das im Gregen- 
satz zu den tuchartigen Stoffen die Fadenbindung klar zum Ausdruck bringt 
und meist aus wertvollerem Fasermaterial erzeugt wird. 

Kämmlinge (franz. : dechet, engl. : noils). Bezeichnung der kurzen Woll- 
fasern, welche bei der Gewinnung des Kammgarns übrig bleiben und zu Streich- 
garn Verwendung finden. 

Kammwolle, die zu Kammgarn verwendete Schafwolle; weiterhin jedes. 
Gespinstmaterial, welches zur Herstellung von Kammgarn geeignet ist. Be- 
dingung hierzu ist, dass es lang und schlicht, d. h. möglichst wenig ge- 
kräuselt ist. 

Kammzug, Handelsbezeichnung für gekämmte Wolle, welche in eigenen 
Kämmereien hergestellt wird und als Halbfabrikat in Form von lockeren Bän- 
dern mit parallel liegenden Fäden an die Kammgarnspinnereien abgegeben wird 
und heute einen sehr bedeutenden Handelsartikel bildet; es erzeugen Frank- 
reich 60, Belgien 2, England 50, Deutschland 25 Mill. kg. 

Kanfu, Ort am Ostgestade des chinesischen Meeres, in welchem die 
Araber im Mittelalter einen Handelsverkehr mit Seide zustande brachten, der 
bedeutend war. Hier wurde 795 ein neuer Stapelplatz für überseeischen 
Seidenverkehr gegründet; 878 fällt er aber der Rachsucht chinesischer Rebellen, 
zum Opfer. 

Kanevas oder Canevas (franz.), (engl. : canvass, lat. : canevacium), weit- 
maschiges, offenes Gewebe aus Leinen, Halbleinen oder auch nur aus reiner 
Baumwolle; erstere dienen zur Anfertigung von Leibwäsche, letztere, welche 
gewöhnlich sehr stark appretiert und geglänzt sind, als Futterstoffe. Locker 
(gitterartig) gewebte Stoffe dieser Art dienen zur Anfertigung von Fliegen- 
gittern, ähnlich gearbeitete, aber mit dickeren Fäden, werden unter der Be- 
zeichnung Stramin als Grundstoff für Wollstickerei verwendet. 

Kanevasstickerei ist seit dem romanischen Zeitalter nachweisbar für 
kirchliche Ausstattungen ; sie wird allgemeiner im 16. Jahrb., als das Kissen und 
die Möbelbezüge aus Leder abgelöst werden durch gewebte und gestickte Stoffe ; 
auch Decken und Vorhänge entstehen in gleicher Technik. Die am meisten 
dafür in Anwendung kommende Stichart ist der Kreuzstich, dessen Art 
und Weise am ehesten dafür geboten erscheint, sobald man sich darin inner- 
halb der stilgemässen Flächenmusterung bewegt, da der offene, quadratisch ab- 
geteilte Grund das Abzählen der Fäden für das dem einzelnen Stich zustehende 
Viereck ohne Weiteres ermöglicht. Auch der halbe Kreuzstich — sogenannter 
petit-point-Stich — findet schon im 13. Jahrhundert auf feiner geteiltem 
Grundstoffe Aufnahme. — Die Musterung in der K. bewegt sich zunächst in 
geometrischen Figuren ; erst im Anfange des 16. Jahrhunderts, als noch spät- 
gotische Formen das Gebiet der Kunststickerei beherrschen, werden Tisch- 
decken in freierer Linienführung gemustert : Blütenranken, Tiere und figürliche 
Darstellungen in strenger Stilisierung sind in farbiger Wolle, auch mit etwas 
Seide, in breiten Flächen auf ausgefülltem Grunde ausgeführt, wobei der 
Flechtenstich abwechselnd auftritt. (Abb. 144.) Wie die Leinendecken mit. 
ähnlichen Mustern zu gleicher Zeit besonders in der Schweiz gebräuchlich 
waren , so sind auch diese Kanevasstickereien gleicher Herkunft. Gute vor- 
bildliche Straminarbeiten, wie man die K. noch zu bezeichnen pflegt, werden 
zur Zeit der Spätrenaissance bis zum Anfange des 18. Jahrhunderts im Süd- 
deutschen in farbiger Wolle, auf weissem oder rot ausgefülltem Grunde her- 
gestellt, deren Muster im Stile der Zeit aus Band- und gerolltem Blattwerk 
bestehen. (Abb. 145 u. 146.) Einen besonderen Reiz erhalten derartige Ar- 
beiten, wenn diese Musterung zwischen verschieden gefüllten Grundflächen in 
Seide und mit Anwendung von Goldfäden ausgeführt ist. (Abb. 147.) Im 
Bereiche der Technik und des gegebenen Materials liegen auch noch die etwas- 
später vorkommenden sogenannten geflammten Muster aus bunten, ineinander 



Kanevasstickerei. 



281 



Abb. 144. 




Abb; 145. 



Abb. 146. 





282 



Kanevasstickerei. 



Abb 147, 



greifenden Palmettenformen (Abb. 148) und Streifen; 
bald aber geht man im 18. Jahrb. davon aus, die 
Kanevas Stickerei für plastisch hervortretende Muster 
(Abb. 149) anzuwenden, was sich von bunt schattierten 
grossen Blumen und Erüchten bis zu landschaftlichen 
und figürlichen Darstellungen, im Stile der gewirkten 
Wandteppiche steigert, so dass Arbeiten entstehen, 
welche im 19. Jahrh. als Handfertigkeiten des Un- 

Abb. 148. 




geschmackes bezeichnet werden müssen, die auf dem 
weiten Gebiete der Flächenmusterung innerhalb häus- 
licher Kunstpflege viel Unheil angerichtet haben. Seit 
dem Ende des 18. Jahrhunderts wurden auch Grlas- 
perlen für die Kanevasstickerei verwendet. 

Abb. 149. 




Abbildungen: 

144. Darstellung nach einer Photographie im Kunst- 
handel: Tischdecke, Stickerei auf Segeltuch (Kanevas) in 
farbiger Wolle im Kreuz- und Flechtenstich : In Mitte Rund- 
bild in Umrahmung von stilisiertem Rankenwerk mit iSpät- 
gotischen Blüten ; d«,zwischen springende Tiere. Am Rande 
Darstellung der zwölf Monate. Schweiz 16. Jahrh. 

145. Originalaufnahme aus dem Königl. Landes- 
gewerbemuseum in Stuttgart : Stickerei auf Kanevas in farbiger Wolle im Kreuzstich 
in Bunt auf weissgefülltem Grunde: Reihenweis versetztes Muster aus gerolltem 
Blattwerk, das ineinander verbunden ist. Süddeutschland um 1700. 



Kante— Kardieren. 283 



146. Originalaufnahme wie vorher: Stickerei auf Kanevas in farbiger "Wolle im 
Kreuzstich in Bunt auf weissgefülltem Grunde : Muster aus volutenartig geschwungenen 
Bändern mit Blattwerk, welche dui'ch Knäufe verbunden sind und herzförmige Felder 
bilden. Süddeutschland um 1700. 

147. Darstellung aus : Heiden, Musteratlas, Leipzig 1896. Blatt 77 : Aufsteigende 
Borte, Stickerei auf Kanevas in violetter Seide und Gold im Kreuz- und petit-point- 
Stich: Pilasterartiger Aufbau aus gerolltem Blattwerk, das durch Knäufe verbunden 
und in den Grundflächen verschiedenartig gemustert ist. Süddeutschland Anfang 
18. Jahrh. 

148. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Stickerei auf Kanevas in farbiger Wolle im Kreuzstich- Ineinandergreifende Blüten- 
palmetten , deren innere Flächen flammig schattiert sind. Süddeutschland Anfang 
18. Jahrh. 

149. Originalaufnahme wie vorher: Stickerei auf Kanevas in farbiger Wolle im 
Kreuzstich: Darstellung einer Borte aus hängenden Quasten. Süddeutschland Anfang 
18. Jahrh. 

Kante, Rand, Saum, Besatz eines Kleidungsstückes, im Niederdeutschen 
namentlich für gehäkelte, geklöppelte u. dergl. Besätze gebräuchlich und daher 
auf Spitzen im allgemeinen übertragen ; auch im Holländischen und Ylämischen 
heisst die Spitze Kant. In der Weberei auch so viel wie Leiste = Webekante. 

Kanter s. v. w. Spulengestell. 

Kantille s. Bouillon. 

Kanton (Canton), Hauptstadt der chinesischen Südprovinz Kwang-tung, 
ist im 4. Jahrh. das Ziel persischer Seefahrer für überseeischen Seidenverkehr, 
der bis zum Jahre 795 dauert. K. ist heute Hauptsitz der chinesischen Seiden- 
w^eberei und -Stickerei, Baumwollweberei, -färberei und ihrer Nebengewerbe. 

Kan-tschen, Ort im Westen Chinas, der im Mittelalter durch Seiden- 
handel sehr bedeutend ist. 

Kapelle s. Capelle. 

Kappenleinwand, eine leicht gewebte dünne flächsene Leinwand, in 
welche die Tuchhändler ihre Ware einschlagen (Wandkappen), um sie vor 
Staub zu schützen. 

Kappnaht s. Uebernaht. 

Kapuze (mittellat. : caputium)^ eine am Mantel oder Schulterkragen be- 
festigte Haube, gab dem Orden der Kapuziner den Namen. 

Karadagh, Distrikt der persischen Provinz Azerbeidschan, deren Haupt- 
stadt Täbris (das alte Tauris) ist : Erzeugung von Knüpf- und Wirkteppichen 
gleichen Namens. Ihre Wolle ist unrein, vielfach mit Kamel- und Ziegen- 
haar, sowie anderen Fasern vermischt. In den Farben ist rosa charakteristisch, 
die Grrundfarbe ist die des Kamelhaares (s. Teppiche). 

Karamani, eine Art Kilimteppich, der in Karaman (Stadt in der Türkei) 
erzeugt wdrd. 

Karankas ist ein schwerer und weicher Seidenstoff' aus Ostindien, mit 
broschierten, goldenen, silbernen und bunten Blumen auf Atlasgrund ; derzeit 
wird er nur in der Levante und Amerika abgesetzt. 

Karbonisierverfahren wird angewandt, um mit Hilfe von Säuren wieder- 
gewonnene Fasern des Seidenshoddy, sowie der Kunstwolle zu erhalten, d. h. 
auch entkletten von den pflanzlichen Bestandteilen. Es wird also bei Seiden- 
shoddy alles , was nicht Seide ist, deshydratiert, d. h. in Kohle verwandelt 
und dadurch spröde gemacht, um dann leicht zerrieben und entfernt werden 
zu können. 

Kardendistel, Karden, Weberdisteln, sind die stachligen Blütenköpfe 
eines skabiosenartigen Gewächses (Dipsacus fullonum), welches im südlichen 
Europa einheimisch ist. Karden sind von der Grösse und Gestalt eines Hühner- 
eies und mit harten, in gekrümmte Borsten übergehenden Spreublättchen besetzt 
und kommen getrocknet im Handel vor. Die Tuchbereiter gebrauchen die 
Karden zum Bauhen oder Auflockern des gewalkten Tuches. 

Kardieren, von Karde (Kardendistel), eine dem Wollkrempeln ähnliche 
Einrichtung ; sie bewirkt ein w^eiteres Auflockern und Parallellegen der Fasern. 



284 Kardinaltuch — Kaschmir. 



Kardinaltuch, ein für die höhere katholische Geistlichkeit in Aachen 
(s. d.) hergestelltes rotes Tuch. 

Kardusgarn nennt man in einigen Gregenden einen starken Hanfzwirn. 

Kareien, kämm wollenen Zeugen dadurch eine glatte Oberfläche geben, 
dass man die Haare absengt. 

Karkassendraht, Haubendraht, ein mit ungezwirnter Seide besponuener 
und ganz bedeckter schwacher Draht. Durch das Bespinnen mit weisser Seide 
eignet er sich zum G-ebrauch für weiblichen Kopfputz ; man fertigt daraus 
die sogenannten eigentlichen Karkassen, welche als Unterlage der Hauben ge- 
braucht werden. 

Karrel Op Karrel, Karreldoek, Klaverdoek Karltuch, ist die zweite Haupt- 
gattung der holländischen Segelleinwand. 

Karrierte Stoffe sind verschiedenartige G-ewebe mit gewürfelten Mustern. 

Kars, Stadt in Kaukasien: Weberei grober wollener Zeuge, Herstellung 
von Teppichen und Filzen. 

Karschi, das alte Nachscheb, Stadt in Zentralasien: Fabrikation von 
Wollwaren und Teppichen; Handel mit Seidenstoffen. 

Karte, an der Jacquardmaschine ein an gewissen Stellen durchlöcherter 
Streifen Pappe, welcher das regelmässig abwechselnde Heben der Kettfäden 
bewirkt. 

Kartecken, der, im Mittelalter ein tuchartiger Stoff. 

Kas, eine wild wachsende Baumwollsorte in Nubien. 

Kasak — im engeren Sinne Karabak — heissen kaukasische Knüpf- 
teppiche, — sie haben im Grunde gewöhnlich mehrere grössere Felder, bei 
denen sich als Muster eine Figur wiederholt, die zwei mit dem Bücken an- 
einandergestellten runden Doppelhaken am meisten ähnlich sieht. 

Kaschan, Stadt in der pers. Prov. Irak-Adschemi: Erzeugung seidener 
Knüpfteppiche mit baumwollenem Einschlag. 

Kaschgar, Stadt in China : Bedeutende Fabrikation von Gold- und Silber- 
stoffen ; Leinen, Baumwolle, Teppiche und Seidenzeuge. 

Kaschkai, Provinz in Persien: Erzeugung von Knüpfteppichen, die im 
Handel Kirmanschah oder Schiraz , wohl auch Mekka genannt werden. Sie 
kommen in verschiedenen Qualitäten und Mustern vor und sind stets ganz in 
Wolle gearbeitet. Ausser der Charakteristik des einheitlichen Webstoffes und 
der phantastischen Zeichnung ist der seidenartige Glanz bemerkenswert; auch 
wird ihre echt persische Färbung gerühmt. Die verschiedenen Namen dieser 
Art von Teppichen sind, wie das vielfach der Fall ist, dem internationalen 
Handel zuzuschreiben: sie kommen von den Oertlichkeiten, über welche sie 
in das Ausland gehen, sind also nur Handelsbezeichnung. Bei den Kaschkai- 
teppichen ist dies um so erklärlicher, als das Produktionsgebiet ein sehr aus- 
gedehntes ist. Hinsichtlich der Bezeichnungen des K.-Teppichs ist zu er- 
wähnen, dass die Händler, schon nach dem Format derselben, diejenigen, weiche 
länger und schmäler sind, als Kirmanschah, wenn kürzer und breiter, als Schiraz 
bezeichnen. Bis zum Jahre 1850 hat man in Schiraz tatsächlich die schönsten 
persischen Teppiche geknüpft ; sie wurden schon zur Benaissancezeit für die 
Person des Herrschers oder als Geschenke für Würdenträger gefertigt. Noch 
heute gilt in Persien der K. -Teppich als eines der schönsten Erzeugnisse 
dortiger Teppichindustrie. Als typische Musterung der K.-Teppiche ist zu- 
nächst das Ascbkali-Muster zu nennen. Es besteht aus primitiv aufgefassten 
Pflanzen- und Tierbildern neben geometrischen Elementen und streng stilisierten 
Ranken. Die Einzelbilder sind vor allem die Cypresse (Selw), welche zwischen 
Bauten und Zacken steht; Bilder aus dem Tierreich, welche dazwischen vor- 
kommen, ist das Kamel (Schutur), der Vogel (Murgh), der Hund (Tazi)''und 
das Pferd (Esp.). Das Bortenmuster des Kaschkai-Teppichs besteht aus Acht- 
ecken, welche mit Haken gerändert sind. Ein zweites Muster dieser Gattung 
von persischen Knüpfteppichen ist das sogen. Palmwipfelmuster. (\^gl. Tafel 
Teppiche.) 

Kaschmir, Staat in Ostindien unter Britischer Oberhoheit : Die Industrie 



Kaschmiratlas — Kaukasische Teppiche. 285 

ist namentlich berühmt durch die Verfertigung der vorzüglichen Kaschmir- 
shawls (s. d.). Die Teppicherzeugung ist heruntergekommen durch eingeführte 
europäische Shawlmuster. 

Kaschmiratlas ist ein geschmeidiges und glänzendes Wollengewebe als 
Kleiderstoff: Kette und Schuss aus Kammwolle, wovon der Schuss feiner und 
schwächer gedreht und auf der Rechtseite flott liegt. 

Kaschmiret, ein tuchartiger geköperter Stoff, der in der Kette aus Florett- 
seide, im Einschlag aus Streichwolle besteht. 

Kaschmirmusselin, Wollenmusselin (franz. : mousseline de laine), ist aus 
feinem und schwach gedrehtem Kettengarn, wird locker gewebt und ist 
daher weich. 

Kaschmirshawls (franz. cachemire, engl, cashmere), werden teils aus den 
Haaren der feinhaarigen Kashmirziegen, teils aus dem Unterhaar der wilden 
Ziegen Tibets gewebt und farbig gestickt ; der Hauptmarkt dafür ist Amritsar 
(s. d.), von wo aus auch unechte in Mengen in den Handel kommen. Die 
Kaschmirwolle wird auch zu indischen Shawls verarbeitet. Kashmiratlas 
ist Wollenatlas, Kashmirmusseline = Mousseline de laine oder Wollen- 
musselin. (S. Shawls.) 

Kaschmirwolle (persische oder tibetanische Ziegenwolle), ist das feine, 
wollige Flaumenhaar der Ziegen von Kaschmir und Kaschmara ; sie kommt in 
weisser, grauer und bräunlicher Farbe in den Handel und ihr Name dient auch 
als Stoffbezeichnung. 

Kasemir, Kasimir, veraltete Bezeichnung für feine Schafwollgewebe von 
tuchartiger Beschaffenheit, welche geköpert und nicht gerauht sind, so dass 
der Köper sichtbar bleibt. Besteht die Kette aus Kammgarn und der Ein- 
schlag aus Streichgarn, so ist das Grewebe einfacher K. ; die Doppel- oder ge- 
strichenen K. sind ganz aus Streichwolle gewebt und wie Tuch gewalkt. Man 
variiert gegenwärtig die K. durch Einmischen von Baumwolle und Leinen und 
gibt diesen Geweben sehr verschiedene Bezeichnungen: z. B. Circassienne, 
Cassinet usw. Sie dienen hauptsächlich zur Anfertigung von Sommerkleidern. 

Kassel, Hauptort der preuss. Prov. Hessen-Nassau, Jutespinnerei und 
-Weberei. 

Kassinet s. Cassinet. 

Kastor s. Castortuch. 

Kaswin (Kazwi.n), Stadt in Persien: Brokat-, Sammet- und Baumwoll- 
webereien. 

Katscher, Stadt im preuss. E,eg. -Bezirk Oppeln : WoU-, Leinen- und 
Plüschweberei. 

Kattun (aus dem italienischen cotone, das vom arabischen Koton, d. i. 
Baumwolle, abstammt), leinwandbindig, aus ungefärbtem Baumwollgarn gewebt, 
welcher hauptsächlich für den Druck bestimmt ist, zum geringeren Teile weiss, 
als Shirting, Nessel und Futterleinw^and oder auch einfarbig als Futterkattun 
in den Handel kommt. Auch andere glatte, etwas steif und glänzend appre- 
tierte Baumwollzeuge, wie Kittay, Nanking, Perkai, nennt man bisweilen K. 
K. im engeren Sinne heissen in Frankreich Indienne, im englischen Kaliko. 
Durch ein besonderes Appreturverfahren, das Graufrieren, erhält man die 
moirierten, geköperten und klein gemusterten Futter- und Möbelkattune, sowie 
die mit verschiedenen Mustern versehenen, stark appretierten Buchbinderkattune. 
Feine K. mit fünf- oder mehrfarbigen Mustern auf weissem oder hellfarbigem 
Grrund wurden früher Zitze genannt. Die Kattunfabrikation ist einer der 
wichtigsten Industriezweige in England, Deutschland, Frankreich und der 
Schweiz. 

Katze, in der Weberei der Fadenführer am Scherrahmen. 

Kaufbeuren, Stadt im bayr. Eeg.-Bez. Schwaben: Baumwollspinnerei 
und Weberei (800 Arbeiter). 

Kaukasische Teppiche werden allgemein im Handel Daghestan genannt 
(s. d.), trotzdem auch ausserhalb dieser Provinz in den verschiedensten Gregen- 
den des Kaukasus Teppiche erzeugt werden, welche alle ihre eigene Benennung 



286 Kautschukgewebe — Kempten. 



haben. Es gibt ganz wollene und halbwollene K. Teppiche ; sie sind meist 
niedrig geknüpft und durch lebhaftes Farbenspiel ausgezeichnet. Bezüglich 
der Musterung bieten die K. ein sehr mannigfaltiges Bild, besonders gegen- 
über den persischen; trotzdem ist man imstande, bestimmte ornamentale 
Gruppen scharf von einander zu trennen. In der Regel kommen geometrische 
oder doch geometrisch stilisierte Pflanzenmotive vor, die dann in der buntesten 
AYeise abwechseln. Die E>aumteilung geschieht anstatt durch fortlaufende 
Ranken häufig durch vielseitige geometrische Felder, in und zwischen denen 
die kleinen Füllmotive zerstreut sind. Eine einfachere Art der Baumteilung 
zerlegt die Innenfläche entweder in ein Netz von Bauten oder in schmale 
Längsstreifen, in denen lose nebeneinander gereiht die Einzelmotive in reicher 
Abwechselung angebracht sind. Eine weitere Eigentümlichkeit der kaukasischen 
Teppiche ist die Neigung, Menschen- oder Tierfiguren anzubringen, und zwar 
nicht die historischen Tiere des persischen Teppichs (Löwen, Stiere u. dgl.) 
sondern einfache Haustiere, wie Pferde und Ziegen, natürlich in strenger geo- 
metrischer Stilisierung. Nach der geographischen Lage am nördlichen und 
südlichen Abhänge der Hauptkette des Kaukasus werden die K. Teppiche in 
jene von Ciskaukasien oder Daghestan und in jene von Transkaukasien ein- 
geteilt, welche in die grossen Abteilungen der Karabagh und Shirwan zer- 
fallen. Jede dieser Gattungen zerfällt wieder in mehrere Unterabteilungen, 
die nach den Erzeugungsorten benannt , deren Merkmale aber nicht immer 
genau festzustellen sind. Zu den Karabagh's gehören die aus Gendsche, 
Kasak und Lesghi, zu den Shirwans werden gezählt die aus Baku, Mogan, 
Tschetschen, Karbistan. Zu den Daghestans gehören: jene aus Derbent und 
Kuba. Die Sumakhteppiche (s. d.), auch zu der kaukasischen Hauptgruppe 
gehörig, sind broschierte Gewebe ; es sind dahin auch die Yerne's zu rechnen. 
Derselben Gattung gehören an die aus Schede und Sile. (Vgl. Tafel Teppiche.) 

Kautschukgewebe, s. Elastiks. 

Kaysersberg, Stadt im Elsass : Baumwollspinnereien und -Weberei. 

Kebes sind wollene Bettdecken aus Bumelien, welche teils in Plüsch oder 
ungeplüscht gewebt werden, 

Kedis, leinwandartige, einfache starke Baumwollstoffe aus dem Orient, 
welche zu Hemden, Unterfutter usw. gebraucht werden. 

Kegelstuhl, durch das Jacquardgetriebe verdrängter "Webstuhl zur Her- 
stellung von gemusterten Stoffen, bei dem die Kettenfäden durch Ziehen mit 
der Hand an den sogen. Kegelschnüren gehoben werden. 

Kelchtuch, Kelchdecke, Kelchpalla, ursprünglich nur der eine, beim 
Zusammenlegen nach innen kommende Zipfel des Corporale, darum filiola 
genannt; später aber (etwa von 1400 ab) ein selbständiges Leinentuch, auch 
Schweisstuch, das zur Bedeckung des Kelches und der Patene dient, welches 
anfangs nur am Band fingerbreit rot bestickt sein durfte. Nach 1560 wurde 
gestattet, das K. mit Seide in Farbe des Messgewandes zu überziehen. Kelch- 
tücher der Benaissancezeit haben in ihren verschiedenartigen Stickereien auf 
Leinen und Seide einen grossen Schatz beachtenswerter Muster aufzuweisen, 
welche der neueren Zeit auch für profane Zwecke viel Anregung gegeben 
haben. Yor allem ist die instruktive Einteilung des Mittelfeldes mit Ecken, 
mittleren Zwischenteilen auf verschiedenartig herumgeführten Borten für kleinere 
und grössere Tischdecken des gewöhnlichen Gebrauches jenen älteren Beispielen 
nachgeahmt. Auch die verschiedenartigsten Besatzborten in genähten oder ge- 
klöppelten Spitzen sind daher übernommen. 

Kelt, ein in Schottland aus schwarzer Wolle gewebter Friesstoff. 

Kemeas, ostindische seidene Taffete mit Blumen. 

Kempen in Bheinland, preuss. Stadt im Beg.-Bez. Düsseldorf: I^abri- 
kation von Seiden-, Sammet-, Woll- und Baumwollzeugen (3 Webereien). 

Kempten, Stadt im bayr. Beg.-Bez. Schwaben. In K. und der nächsten 
Umgebung besteht eine lebhafte Industrie, besonders mechan. Baumwollspinnerei 
und -Weberei (3 Aktiengesellschaften mit je 45 — 52 000 Spindeln und 1000 bis 
1200 Webstühlen), Zwirnerei, Bunt- und Leinenweberei. 



Kenari— Kettenstich. 287 



Kenari heissen in Persien, die zwei schmalen langen Laufteppiche, 
welche sich im dortigen Wohnraum an den Seitenwänden bis zum Eingange 
hinziehen. 

Kendal-COttons, grobe Wollenstoffe zu Matrosenjacken und zur Neger- 
kleidung, die zu Kendale in Westmoreland gemacht werden. Der Name Cottons 
scheint eine Yerstümmelmig von Coating zu sein. 

Kennet, grobes englisches Tuch, das in Wales gemacht wird. 

Rentings, eine Gattung dünn und durchsichtig gewebter schlesischer 
Flachsleinen, welche früher in Mengen nach England gingen, jetzt aber durch 
die irische Leinwand verdrängt worden sind. 

Kentucky Jeans, ein halbwollener geköperter Stoff, den Cassinets ähnlich 
aber gröber, der in England gewebt wird. 

Keper, Gewebe, s. Köper. 

Kerman oder Kirman, im Altertum Karmania, Stadt in Persien: man 
verfertigt Seidenstoffe, namentlich Atlas, Shawls aus Schafwolle und besonders 
aus Ziegenhaar, AVolldecken und Teppiche. 

Kermis sind ostindische Schnupftücher. 

Kerntuch, eine der besseren Sorten märkischer oder brandenburgischer 
Tuche, welches aus guter Kernwolle (Sommer- und Winterwolle durcheinander) 
mit rechts gedrehten Kett- und links gedrehten Einschlagfäden gewebt wird. 

Kersey (engl.) oder Kirsey, ein tuchartiger Stoff aus grober Wolle zu 
Mänteln. Da bei demselben der Wärmeschutz die Hauptsache ist, wird er lose 
gewebt, stark gerauht, aber nur wenig oder gar nicht geschert. Statt Wolle 
wird neuerdings auch anderes Material, besonders Kuhhaar benutzt. Der Name 
stammt von dem Ort K. in der Grafschaft Kent. 

Kersymire, im engl. Handel gedruckte Wollenstoffe. 

Kesmärk, Stadt in Ungarn: Kunstwebereischule; ferner Tuchweberei, 
Leinwandweberei und -handel, sowie Flachsbau. 

Kestenholz (franz.: Chätenois), Dorf in TJnterelsass : Fabrikation von 
Baumwoll-, Woll- und Seidenstoffen. 

Ketsches, leichte Wollfilze in der Krim, zur Verpackung der Wolle und 
als Zeltbekleidung. 

Kette ist das Fadensystem, welches auf dem Webstuhl mit dem Schuss 
zu einem Gewebe durch Kreuzung verbunden wird. 

Kettenbaum, hölzerner am Webstuhl, der den x\.ufzug oder die Kette für 
das herzustellende Gewebe enthält. 

Kettendruck ist eine Abart des Zeugdruckes, bei welchem die passend 
verdickten Farben mittels Maschinen auf die Ketten ein- oder mehrfarbig auf- 
gedruckt werden. Die bedruckte Kette wird mit weissem, farbigem oder auch 
bedrucktem Garn verwebt, wodurch solche Effekte erzielt werden, wie sie durch 
normale Buntweberei nicht oder nur schwer zu erreichen sind. Das Verfahren 
des K. ist in Seidenstoffen zur Mitte des 18. Jahrh. nachweisbar; eine aus- 
giebige Verwendung findet es in der Anfertigung Brüsseler Teppiche. 

Kettengaze s. Gaze. 

Kettengranit wird öfter als der Schussgranit angewendet und zu Lang- 
streifen^ wobei eine bedeutende Kettendichte vorhanden sein muss, da der Ein- 
schlag nicht sichtbar werden darf. Benützt man den K. als Grundbindung, so 
entsteht ein quer geripptes Gewebe. 

Kettenknötchenstich besteht aus einzeln gearbeiteten Kettenstichen, die 
eine dem gewundenen Knötchenstich ähnliche Wirkung hervorrufen; er dient 
gleich diesem zur Füllung kleiner Flächen, (s. Stickerei.) 

Kettenrips hat neben 1, 2, 3 oder 4 einfachen Fäden einen 2-, 3- oder 
4fachen Faden, welcher durch seine Stärke mehr als die einfachen Fäden 
heraustritt und eine E,ippe in der Warenlänge herstellt. Die Schussfäden 
haben einerlei Stärke. 

Kettenstich entsteht in der Stickerei durch Fadenschlingen, in welche 
hinein die Nadel zum nächsten Stich wieder an die Ausgangsstelle zurück- 
geführt und so ein Verketten der Schleifen gebildet wird (s. Stickerei). 



288 Kettwi^— Kiew. 



Kettwig, Stadt im preuss. Eeg.-Bez. Düsseldorf: Woll- und Kammgarn- 
spinnerei, ansehnliche Tuch- und Zanellafabrikation, sowie Färberei. 

Khabb-i-bulend, persische Bezeichnung für langhaarige Knüpfteppiche, 
wozu die Erzeugnisse aus der Gegend von Schiraz (Kaschkai), Hamadan, 
Zendjan, Khorassan und die zentralasiatischen gehören. 

Khabb-i-kutah heissen in Persien kurzhaarige Ejiüpfteppiche ; hierzu 
gehören diejenigen aus: Ferahan, Serabend, Kurdistan, Grherus, Khain und 
Biredschend; dann die turkmenischen (Tekke und Yomud), sowie die feinsten 
Khiva- und afghanischen Teppiche. Zu den bestgeschorenen gehören die 
Kurdistan-T. (Senne und Gherus), Kirman und Turkmenen. 

Khain, Distrikt in der persischen Provinz Khorassan: Erzeugung von 
Teppichen mit grellen, unangenehm wirkenden, vielfach unechten Farben, welche 
der Dauerhaftigkeit entbehren. Hier werden auch Filzteppiche gemacht, die 
zu den feinsten und teuersten Sorten gehören. 

Khaki (pers., d. h. staub- oder erdfarbig), der Stoff und die Farbe (ursprüng- 
lich nur diese) der in den Tropenländern benutzten graugelben Uniformen. 

Khali (Khalitsche), persische Bezeichnung für einen Teppich, welcher 
2 m lang und 3 m breit ist. Dazu gehören besonders die Bokhara und 
turkmenischen T., sowie alle über die genannten Grössen hinausreichenden T. 
Eine Grenze ist dabei durch die einfache Art der Technik gezogen, so dass 
die meisten persischen Teppiche zwar nach Belieben lang, aber nur mit grosser 
Schwierigkeit sehr breit gemacht werden können. 

Kharput, Stadt in der Türkei: Teppicherzeugung. 

Khersek, persische Bezeichnung für zottige und schwere Teppiche. 

Khi-lin (chinesisch), phantastische Tierfigur, welche den Leib vom Hirsch, 
den Schweif vom Ochsen und ein Hörn hat. 

Khiwa, Khiva, Khanat in Turkestan (Zentralasien): Erzeugung von 
Knüpfteppichen, welche sich im Muster an die Turkmenen anlehnen ; sie werden 
auch Afghanen genannt. 

Khorassan oder Chorasan, persische Gebirgslandschaft im östlichen Iran 
mit der Hauptstadt Meschhed: Ehemals Erzeugung sehr guter alter Teppiche 
mit Tierfiguren und ein dem Heratimuster verwandtem Grunddessin ; auch das 
Palmwipfelmuster (s. d.) ist darin vertreten. Die alten K.-Teppiche sind meist 
in Blau und Hellrot gehalten; der moderne Geschmack wendet sich entweder 
den hergebrachten geometrisch-vegetabilischen oder grossblumigen Mustern zu. 

Khotan, Stadt in der chinesischen Provinz Thianschau-nanlu (Ostkurdistan) 
am Khotanfluss, wohin im 4. Jahrb., als K. noch nicht zu China gehörte, durch 
eine chinesische Prinzessin die E,aupeneier des Maulbeerspinners überführt 
w^orden sind, deren Ausfuhr aus China bei Todesstrafe verboten war. Dieses 
Ereignis ist für die Entwicklung der Seidenkultur von Bedeutung, weil sich 
von K. aus die Seidenzucht allmählich über Zentralasien und von hier nach 
Europa verbreitete. Es wird angenommen, dass die beiden Perser, angeblich 
Mönche vom Orden des heil. Basileus, für Kaiser Justinian (s. Byzanz) im 
Jahre 552 die E-aupeneier aus K. brachten. 

KiangSU, im chines. Depart. Kiang-nin-fu (Nankin) : erzeugt broschierte 
und fassonierte Seidengewebe besonderer Art. 

Kichorkay ist die Bezeichnung für gewisse ostindische Baumwollzeuge, 
die aus Bengalen in den Handel gebracht werden. 

Kidderminster, Stadt in der englischen Grafschaft Worcester : Berühmte 
Teppichfabrikation. Diese Teppiche, die Kidderminsterkarpets oder kurz K. 
genannt, haben ähnlich dem Doppelflanell, zwei Ketten, die beim Kreuzen 
mit dem Schuss ihre Stelle austauschen. Die Kreuzung ist Leinwandbindung, 
so dass die Stellen, die auf der einen Seite des Gewebes die Effekte, Figuren 
u. s. w. zum Vorschein kommen lassen , auf der anderen Seite den Grund 
bilden. Doch werden jetzt in K. hauptsächlich Brüsseler Teppiche hergestellt. 

Kiew, Hauptstadt im gleichnamigen russischen Gouvernement : soll bereits 
im 6. und 7. Jahrh. ein Stapelplatz für orientalische und byzantinische Gewebe 
gewesen sein. 



Kilim— Kirchliche Stoffmuster. 289 

Kilim ist die allgemeine Bezeichnung für jene "Wand- oder Fussdecken, 
deren Herstellung in farbiger Wolle auf hoch- oder auch wagerechtstehender 
Kette die einfachste Art der "Wirkerei darstellt und deren Technik seit den 
ältesten Zeiten bei allen Völkern als der erste Anfang textiler Kunstfertigkeit 
eingetroffen wird. Am meisten verbreitet ist der K. bei den Nomadenvölkern 
des Orients, da er ihnen als Zeltbehang ein steter Begleiter sein muss; doch 
kommt er als einfaches Dekorationsstück auch im Südslawischen, in Serbien, 
Bulgarien, Ruthenen und Rumänien vor. Wie A. Riegl, „Altorientalische 
Teppiche'*, Leipzig 1891, mitteilt, wird uns aus dem Altertum von Zeugen 
^us der Wolle der kilikischen Ziegen berichtet, die man cilicia (Kilikia) nannte, 
und es wäre nicht unwahrscheinlich, dass hiernach der K. benannt ist. Die 
Musterung der gröberen Kilims, welche sich in Europa für Portieren u. dergl. 
grosser Beliebtheit erfreuen, besteht gewöhnlich aus bunten Streifen, welche 
zackig abgesetzte geometrische Felder enthalten, deren einzelne Teile durch 
schlitzartige Oeffnungen getrennt sind, weil die Farben nicht ineinander gezogen, 
sondern an bestimmten Kettfäden hin und her geführt werden, wodurch eine 
doppelseitige Arbeit entsteht. Die stärksten und festesten K.s sind die der 
turkmenischen Nomaden und die baumwollenen von Yed ; die feinsten kommen 
in Schuschter und Kurdistan vor. Letztere enthalten alle Arten von stilisierten 
Blumen- und anderen Mustern, welche an die schönsten antiken Wirkereien 
erinnern, die aus ägyptischen Grräbern kommen. Kis-kilims (Frauenarbeit 
oder Mädchenteppich) heissen Teppiche oben beschriebener Art, welche in 
•Syrien von den jungen Mädchen für ihre Aussteuer gewirkt werden, in die sie 
zur Erinnerung eigene Haare flechten. 

Kilimki s. v. w. Kilim (s. d.). 

Kilrnarnock, Stadt in der schottischen G-rafschaft Ayr : Teppichweberei, 
Fabrikation wollener Shawls. 

Kitnka (Kim-chä), unter diesem Namen kam aus China lange Zeit hin- 
durch ein damastartiges Gewebe in den Handel, das später sowohl in persischen 
und bagdadischen, wie alexandrinischen und griechischen Manufakturen mit 
vielem Geschick nachgeahmt wurde und sich im Abendlande grossen Verbrauchs 
erfreute. Als Camocato gelangte K. nach West-, als Kamka nach Osteuropa, 
namentlich Russland. Seiner Webart nach scheint dieser Stoff am ehesten mit 
Atlas verwandt gewesen zu sein. 

Kinik, türkische Baumwollsorte. 

Kinishem, Kinishemski, sind russische gewöhnliche Zwilliche ; gemustert 
sind sie die geringste Sorte der russischen Serviettenleinen. 

Kinkale, ostindische Seidenzeuge, eine Art leichter, mit Goldfäden, Lahn 
und Seide broschierter Atlas aus Surate, die in Asien sehr gesucht sind. 

Kinkob sind indische Gewebe mit reicher Verwendung von Metallfäden. 

Kioto, Stadt in Japan auf der Insel Honshiu oder Hondo : die erste 
Industriestadt in Japan, besonders durch Seidenindustrie. (Vgl. Japan.) 

Kio-tonan, eine Art chinesischer damaszierter Atlas. 

Kirchberg in Sachsen, Stadt im sächsischen Kreis Zwickau : Streichgarn- 
und Kunstwollspinnerei, Wollwäschereien, Walkereien, Fabrikation von Tuch 
und Wollzeug. 

Kirchen, Dorf im preuss. Reg.-Bez. Koblenz: Baumwoll- und Kunstwoll- 
spinnerei. 

Kirchenfahne s. Fahne. 

Kirchenspitzen werden nach ihrer Verwendung für den Altarbehang oder 
für die Gewandung des katholischen Geistlichen (meistens an der Alba) benannt. 
Es wurden in alter Zeit besonders solche in Nadel- und Klöppelarbeit ver- 
wandt, welche durch ihre gröbere Technik weithin sichtbare Muster enthielten. 

Kirchliche Stoffmuster sind aus älterer Zeit nur vereinzelt nachzuweisen. 
Erst gegen Ende des 13, Jahrh. kommen sarazenische Gewebe vor, auf 
welchen Darstellungen vorhanden sind, deren Inhalt man mit den Psalmen 
Davids, welche auch vom Islam übernommen wurden, in Uebereinstimmung zu 
bringen sucht. Oft wiederkehrend ist die Musterung in Gold und roter Seide 

Seiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 19 



290 



Kirchliche Stoffmuster. 



oder in Grrün auf rotem Grunde mit den Buchstaben Y und S (als Abkürzung- 
von Jesus Salvator), die in E-eihen abwechselnd um einen Pfau und um einen 

Abb. 150. 




Abb. 151, 




springenden Panther geschlungen sind. (Vgl. die Abb. auf Tafel III.) Etwas später 
entstanden sind die Stoffmuster mit dem zur Sonne schreienden Hirsch, das 



Kirchliche Stoffmuster. 



291 



sogen. Schwalbenmuster mit den im Neste liegenden Jungen (Abb. 150), und 
viele andere, welchen eine Bedeutung im biblischen Sinne nicht abgesprochen 
werden kann. Im 15. Jahrh. werden in Italien die Grewebemuster mit Dar- 
stellungen aus der christlichen Legende allgemeiner, selbst die Personen Christi 
(Abb. 151) und der Jungfrau Maria (Abb. 152) werden bildlich wiedergegeben. 
Hierher gehören auch die bekannten Stoffe gleicher Zeit mit der streifen- 
förmig angeordneten Wiedergabe der Verkündigung, sowie das in einigen 
Sammlungen vorhandene leichte Seidengewebe mit einem Muster aus reihen- 
weis wechselnden schwebenden Engelsfiguren, welche Opfergeräte oder die 
Leidenswerkzeuge Christi tragen. Noch im 16. Jahrh. werden, besonders in 
Florenz, die Aufsatzborten für Kasein und Chormäntel mit Darstellungen der 

Abb. 152. 










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äJ^ö ^"^^CL .Ä 



Himmelfahrt Maria, der Grrablegung Christi u. s. w. gewebt; dann aber ver- 
lieren sich kirchliche Muster in der Weberei vollständig, weil die Stickerei 
dafür sorgt; auch nimmt man Stoffe des gewöhnlichen Gebrauchs und zer- 
schneidet sie für Kirchen gewänder. Im 18. Jahrh. ist es Sitte, dass die Braut- 
kleider aus reich gemusterten Seidenstoffen der Kirche gestiftet werden und 
aus diesen fertigt man Chormäntel, Kasein und dazu gehörige Ornatstücke. 
Am Anfange des 19. Jahrh. entstehen am Rhein eigene Werkstätten, welche 
abgepasste Muster für die Zwecke der katholischen Kirche herstellen und aus 
solchen Heb erlief erungen hat sich in neuester Zeit, besonders in Krefeld und 
Köln eine eigene Industrie für Kirchenparamentik entwickelt. (S. Kirchen- 
werkstätten.) 

Abbildungen: 

150. Darstellung aus : Katalog der Gewebesammlung des Germanischen National- 
museuras in Nürnberg; ebd. 1896: Seidenbrokat, Grund rot, Muster Gold und etwas 



292 



KirchKche Wirk- und Stickmuster. 



Weiss , reihenweis geordnet : Junge Schwalben im Neste , denen die Alte einen auf 
einem Zweig sitzenden Schmetterling fangen will; dazwischen Eichenzweige und Wolken 
in Strahlen. Italien 15. Jahrh. 

151. Darstellung aus gleichem Werk: Seidenbrokat, Grrund rot, Muster Grold 
mit etwas Grün: Christus und die Jungfrau im Garten. Italien 15. Jahrh. 

152. Darstellung wie vorher : Seidenbrokat, Grund rot (verschossen), Muster Gold 
mit Weiss, Blau und Grün: Darstellung der Madonna mit dem Kinde, als Himmels- 
königin in strahlender Sonne und auf dem Monde stehend, in hochovalem Felde, das 
aus Aesten mit Granatapfelblüten werk gebildet wird. Italien 15. Jahrh. 

Kirchliche Wirk- und Stickmuster, welche nicht, wie diejenigen der 
Weberei, an eine mechanische Massenherstellung gebunden sindj nehmen natur- 
gemäss von frühester Zeit an das Interesse der beteiligten Kreise in Anspruch 
und werden nach besonderen Vorschriften in eigenen Klosterwerkstätten ge- 
arbeitet. Im Mittelalter hat für dergleichen die Leinen Stickerei besonderen 

Abb. 153. 




Vorzug, wobei zunächst der baumwollene Kanevasstoff oder das lose gewebte 
sogen. Segeltuch als Grundstoff gewählt ist. Stickereien auf Seide und Sammet, 
mit Benützung echter Perlen, goldenen Plättchen und Flittern kommen für 
einzelne Prachtstücke in Betracht (s. liturgische Grewänder). Im gotischen 
Zeitalter enthalten gestickte Kaselkreuze, -Stäbe und andere Aufsatzborten 
der grossen Chormäntel, die Mitra, Stola und Manipel, in farbiger Seide 
und Goldfäden einzelne biblische Figuren und Darstellungen aus dem Leben 



Kirchliche AVirk- und Stickmuster. 



293 



des Heilandes und der Maria. Kirchengewänder aus gewebten Sammet- und 
Seidenstoffen werden mit gewirkten und gestickten Borten aus den Kölner 
Werkstätten besetzt. — Die Zeit der Renaissance macht die dekorative 
Technik der Aufnäharbeit (s. d.) kirchlichen Zwecken dienstbar; aus Spanien 
und Italien sind uns die herrlichsten Antependien und Behänge erhalten, 
womit an hohen Festtagen Altäre und Säulen geschmückt wurden. Kasein, 
Levitenröcke und Chormäntel enthalten schwere Sammetborten , breite Auf- 
schläge und rechteckig abgepasste Felder (vgl. Tafel IX) , deren Zweck oft 
nur durch Symbole, kleine Kreuze oder Monogramme gekennzeichnet ist, 
weil die ganze Anlage dieser aus breiten ruhigen Flächen bestehenden Muster, 
vereint durch stimmungsvolle Farben, in vornehmer Pracht die ernste Be- 
stimmung der Gregenstände ohne weiteres darstellt. In hoher Blüte steht zur 
selben Zeit auch die Goldstickerei, welche zusammen mit der in farbiger Seide 



Abb. 154. 



Abb. 155. 





ausgeführten Plattstichstickerei geeignete Flächen des Altars köstlich belebt 
(vgl. Abb. 153), wobei die vornehme Stilisierung von Blatt- und Blütenformen 
den Eindruck des Granzen erhöht. Das sklavische Nachbilden kirchlicher 
Motive hört auf, die Kunstformen werden lebendiger und freier : veraltete Ele- 
mente weichen einer vornehmen Linienführung, wovon selbst das Kreuz der 
Kasel, früher als aufgesetztes Kruzifix behandelt, nicht unberührt bleibt. (Vgl. 
Abb. 154.) Das Figürliche tritt vollkommen zurück und weicht dem Orna- 
ment der Zeit. Selbst noch im 18. Jahrb., als das übrige Flachmuster schon 
nicht mehr strengen Pegeln der Stilgesetze folgt, erscheinen in kirchlichen 
Stickereien noch künstlerisch bedeutende Arbeiten, welche den "Werkstätten 
in Süddeutschland (Würzburg) entstammen. (Vgl- x\bb. 155.) Hier bewahrt 
die Handarbeit noch lange Zeit hindurch erlernte Kunstformen älterer Epochen, 
bis allmählich, wie alle übrigen Grebiete der Kunstindustrie, auch die kirch- 
liche Stickerei dem Ungeschmack anheimfällt. Für katholischen Kultus hat 



294 



Kirchliche "Wirk- und Stickmuster. 



mau seit den 50er Jahren, besonders am Rhein, Sorge getragen, Gewänder 
und Kirchenausstattung besseren Vorbildern zuzuführen, indem man alte Stoffe 
nachwebte und für die Stickerei von neuem "Werkstätten errichtete, die gleich- 
falls nach älteren Beispielen arbeiten. Den ersten Anstoss dazu gab der 
katholische Geistliche Dr. Franz Bock durch Schriften: „Geschichte der 
liturgischen Gewänder", „der Musterzeichner des Mittelalters", „die kirchliche 
Stickkunst ehemals und heute" und Herausgabe von Mustern, dem sich Pfarrer 
Versteyl anschloss. Bestimmte Regeln über den stilistischen Schmuck der 
evangelischen Kirche schrieb zuerst im Jahre 1867 der Pfarrer Lic. Mor. 
M eurer „Altar schmuck, Paramentik in der evangel. Kirche" nieder; im 
Jahre 1889 folgte diesem Schriftchen ein weiteres vom evangelischen Diakonus 
Wilhelm Johnsen in Hannover. Die Schrift von Meurer begleiten Muster- 




blätter von M. E. Beck in Herrnhut und diejenige von Johnsen Vorlagen 
aus der "Werkstatt St off regen in Hannover. Das Berliner Kunstgewerbe- 
museum veranstaltete im Jahre 1891 eine Ausstellung kirchlicher Stoffe und 
Stickereien beider Konfessionen (vgl. darüber ausführlichen Bericht mit Ab- 
bildungen im Kunstgewerbeblatt N. F. III) , welche die Tätigkeit der neu ge- 
gründeten Paramentenvereine trefflich veranschaulichte, sie zeigte auch für 
das evangelische Gotteshaus den Beginn einer neuen Epoche der Muster- 
gebung kirchlicher Stickereien nach alten Vorbildern. (Vgl. Abb. 156.) Lite- 
ratur: Bennhold, über die innere Ausschmückung evang. Kirchen. (Vortrag, 
Dessau 1894.) Hoefling, Sammlung von Initialen, Ornamenten, Paramenten 
u. s. w. aus dem Mittelalter, Bonn 1855. Oslander, Geschw., Ravensburg. 
Kunststikerei und Paramentenfabrik : Illustrierter Katalog. Versteyl, die 
kirchliche Leinwandstickerei, Düsseldorf 1878. 1880. 

Abbildungen: 

153. Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Leipzig 1896, Bl. 12. Hälfte eines 
Antependiums, Stickerei auf weissem Atlas in Gold und farbiger Seide im Plattstich: 
Rosengehege, durch Knäufe verbunden. Italien 16. Jahrh. Original im Kgl. Kunst- 
gewerbemuseum, Berlin. 

154. Darstellung wie vorher. Bl. 208. Kaselkreuz, Stickerei in Gold- und 
farbigen Seidenfäden auf rotem Seidengrunde in Art der Aufnäharbeit: Palmetten- 
formen aus stüisierten Blüten und Ranken. 

155. Darstellung wie vorher, ßl. 278. Entwurf für zwei Kaselhälft^ aus 
einer im Anfange des 18. Jahrh. bestandenen "Werkstatt zu Würzburg. Die Aus- 
führung ist in Gold und violett schattierter Seide gedacht. 

156. Darstellung aus: Kunstgewerbeblatt, Leipzig 1891. N. F. III, S. 116. 
Antependium im romanischen Stil, in farbiger Wolle gestickt : Im Halbkreis an- 
geordnete Symbole der vier Evangelisten mit dem Agnus Dei und dem Zeichen Christi 
als Mitte; ringsherum Borten aus romanischem Blattwerk mit Vögeln. Original nach 



Kirchenwerkstätten — Klosterleinwand. 295 

alten Vorbildern für die romanische Stiftskirche in Königslutter von dem Nieder- 
sächsischen Paramenten verein im Kloster St. Marienberg bei Helmstädt gestickt. 

Kirchenwerkstätten waren schon im Mittelalter auch für textile Kunst- 
fertigkeiten üblich und haben noch im 18. Jahrh. viel zur Hebung der Kunst- 
stickerei und Spitzennäherei u. dergl. beigetragen. Man hat seit neuerer Zeit 
wieder begonnen, auch solche für den evangelischen Kultus einzurichten. 
(Vgl. Kirchliche Wirk- und Stickmuster.) 

Kirkagatsch, Baumwollsorte aus Natolien. 

Kirman, Namen für persische Knüpfteppiche, welche dort erzeugt werden. 
Einst war K. der Mittelpunkt des Reichtums und Luxus, wovon schon Marco 
Polo zu berichten weiss ; nur seinen Ruf als Zentralpunkt für Textilerzeugnisse 
aus ausgezeichneter Wolle hat es noch bewahrt. Diese Wolle stammt von 
einer in der gebirgigen Umgegend lebenden weissen Ziegenart, deren Flaum- 
wolle, als die zarteste, für die Herstellung von Shawls und in besonderen Fällen 
auch der feinsten Teppiche verwendet wird. Die moderne Teppichindustrie 
ist entsprechend dem vorhandenen guten Material im allgemeinen nicht auf 
der Höhe der Vollkommenheit. Die Farben sind grell und unruhig. Um 
dieses etwas zu verdecken, gefallen sich die dortigen Teppichweber in der 
Erfindung von Mustern , welche dem europäischen Greschmack entsprechen 
sollen, die aber als eine Geschmacksverirrung bezeichnet werden können. Erst 
in allerneuster Zeit macht sich ein Fortschritt in der Farbentechnik be- 
merkbar. 

Kirmenschah werden Kaschkaiteppiche genannt, wenn sie länger und 
schmäler sind. 

Kissen (lat. : coussinus, franz. : coussin, engl. : cushion) entstehen im 
Mittelalter zunächst für kirchliche Zwecke, zum Auflegen des Missale, von 
Seide oder feinem Leder mit Fransen und Quasten, auf einer Seite weiss, auf 
der anderen violett, zum Knien (lat.: lectus) oder zum Sitzen auf den Sitz- 
brettern der Stühle, insbesondere der Chorstühle, sowie als Hücklehnen auf 
Ruhebetten u. dergl. Bemerkensv^^ert erscheinen an den Kissen der E/enaissance- 
zeit die Verbindung des oberen und unteren Bezuges durch Ziernähte, ge- 
klöppelte und genähte Spitzen mit eingefügten Knöpfen und Quästchen zur 
Vereinigung. (S. Ziemähte.) 

Kissmess sind ostindische Kattune. 

Kitay: 1. in Böhmen rohe ungebleichte feine Kattune; 2. chinesische 
Stoffe von Seide und Baumwolle, bunt gefärbt; 3. chinesischer E-olldamast. 

Kiteika, Kitaika, Kitaik, russischer Baumwollstoff, der als Futter für 
die Kaftans dient. Die K. -Fabrikation besteht in Russland einzig und allein 
in Kasan, wo sie viele Menschen beschäftigt. Der K. wird in drei Farben 
(blau, rot, grün) auch dort für China gewebt. 

Klarwerk s. v. w. reseau = Spitzengrund. 

Klöppel s. Klöppeln. 

Klöppelbrief, Klöppelkissen, s. Klöppeln. 

Klöppeln ist eine Art der Herstellung von Spitzen durch den „Klöppel", 
einem hölzernen Kegel mit einem Knopf an dem einen und einem breiten E,ande 
an dem anderen Ende. Er dient als Spule für das Garn. Das K. beruht nun 
auf bestimmten Handbewegungen, „Schlägen", durch welche nach feststehenden 
Hegeln die auf den Klöppel aufgewickelten Fäden verflochten werden. Die 
Arbeit geschieht auf einem Klöppelkissen, das die verschiedensten Formen an- 
genommen hat, nach der Aufwinde oder dem Klöppelbrief , auf welchem 
zur Befestigimg der Fäden und zur Bezeichnung der Kreuzungspunkte Nadeln 
stecken (s. Spitzen). 

Klöppelschnüre sind nach einem Zürcher Musterbuch im Jahre 1536 aus 
Venedig nachw^eisbar. 

Klöppelspitzen s. Spitzen bezw. Klöppeln. 

Klosterleinwand, Klostertuch, ist eine Gattung feiner westfälischer Leinen, 
die früher in grosser Menge nach Frankreich gingen und zur Kleidung der 



296 



Kloster-Merino — Knötchensticli. 



Abb. 157. 



Nonnen verwendet wurden. Jetzt wird sie meist als Bielefelder Leinwand ver- 
kauft, obwohl diese leichter und lockerer gewebt ist. Eine Art Mittelware der 
K. liefern auch Lauban und Friedersdorf. 

Kloster-Merino ist schwarzer Tuchstoff für die Kleidung barmherziger 
Schwestern. 

Knaps nennt man in England ein grobes blaues Wollenzeug für Matrosen- 
jacken. 

Knaufbildungen an den TJeberschneidungen von 
Bändern haben sich am Anfang des 16. Jahrhunderts, 
als das Stoffmuster die spitzovale Teilung annahm, zu 
einer vielseitigen Kunstform entwickelt. Am meisten 
haben die Flechtbänder (s. d.) (Abb. 157) Motive dazu 
hergegeben ; aber auch andere Formen , wie der Akan- 
thus (vgl. Abb. 158) und die Krone (Abb. 159) sind 
in Italien und Spanien dafür künstlerisch verwertet 
worden. 

Abbildungen:. 

157 — 159. Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Leip- 
zig 1896, Bl. 27 : Knaufbildungen aus Flechtband-, Akanthus- 
und Kronenmotiv, von italienischen und spanischen Greweben 
des 16. Jahrhunderts. 




Abb. 158. 



Abb. 159. 





Kneipp'sches Leinen, sogen. Gesundheitsleinen, das seinen Namen vom 
Pfarrer Kneipp hat, der es für Packungen des erkälteten Körpers einführte. 
Es ist ein in Taffetbindung hergestelltes Gewebe aus starken Fäden , welche 
die Feuchtigkeit gut aufnehmen und lange erhalten. 

Knieband (franz.: j arretiere; engl.: gart er), in alter Zeit getragen sowohl 
bei kurzen, wie bei langen engen Strumpfbeinkleidern. Im 14. Jahrhundert 
bei den Damen oft mit Seide gestickt, auch unter der Kniekehle gekreuzt 
und über dem Knie festgebunden ; im 15. Jahrhundert häufig mit Devisen 
versehen. 

Knopflochstich (franz. : point de boutonniere), wird zunächst angew^ndt^ 
um die Einschnitte für das Knopfloch in besonderer Art zu umsäumen, als- 
dann wendet man ihn an in der Technik genähter Peliefspitzen (point de Venise, 
point de France usw.). 

Knötchenstich wird verschieden ausgeführt, am einfachsten durch zwei 
nebeneinander und über die gleichen Stofffäden gelegte Steppstiche (s. Stickerei). 



Knotenverschlingungen — Konstantinopel. 297 

Knotenverschlingungen s. Flechtband und Knaufbildungeu. 

Knoterei (Nopperei), in der Tuchfabrikation alle diejenigen Arbeiten, 
welche zur Entfernung der im Gewebe vorhandenen Garnknoten und sonstigen 
Unreinlichkeiten dienen. 

Knüpfen persischer Teppiche s. Teppiche. 

Knüpfen von Spitzen s. Macramee. 

Kochen des Tuches (Heisswasser-Dekatur), eine in der Tuchfabrikation 
angewendete Art der Dekatur, bei welcher jedoch nicht ein direktes Kochen 
des T., sondern nur eine Behandlung desselben mit Wasser von 40 — 70^ R 
zur Ausführung kommt. 

Koische Gewänder s. Coae vestis. 

Kokosnussfaser, Coir, Coirhanf, ist der rotbraune Faserstoff, welcher 
die Schale der Nüsse (C. =: Palme = Cocos nucifera) äusserlich umhüllt; er 
wird gesponnen und zu Teppichen, Flechtwerk u. dgl. verarbeitet. 

Kollodiumseide s. künstliche Seide. 

Köln, Hauptstadt des gleichnamigen Reg. -Bez. der preuss. ßheinprovinz : 
in heutiger Zeit keine nennenswerte Textilindustrie. Im 14. Jahrhundert eine 
Werkstatt: „Fabrices capparum et clipeorum colonienses", welche Seidengewebe 
und Stickereien herstellte, worin man cyprische Goldfäden anwandte. Ferner 
bestand eine Seidenfärberei und Zeugdruckerei^ welche unter Aufsicht der Be- 
hörde arbeitete, (s. Zeugdruck.) Berühmt sind die Arbeiten der Borten- 
und Bildwirker, welchen sich Stickereien für Kirchengewänder anschliessen. 
(s. Stickerei und Wirkerei im IVüttel alter.) Das Städtische Kunstgewerbe- 
museum, gegründet 1887 (Direktor Dr. Otto von Falke), enthält eine Samm- 
lung von Stoffen, Stickereien und Spitzen aller Völker und Zeiten, von zu- 
sammen etwa. 4000 Stück. In den Kirchen St. Ursula, St. Gereon und St. 
Cunibert werden frühmittelalterliche sassanidische und byzantinische Seiden- 
gewebe aufbewahrt. Yon Bedeutung ist ferner die Stoffsammlung des Dom- 
herrn Prof. Dr. A. Schnütgen. 

Kölnische Fäden, veralteter Name für Leinengarn zu Strümpfen und 
Stoffen, welches aus Morlaix kam. 

Kölnische Seidengewänder, mittelalterliche Messgewänder rheinischer 
Herkunft, pflegen gröberen Stoffes zu sein, als die italienischen und zeichnen 
sich durch die Anwendung von Blau aus. 

Kölsch, ein blau und weiss gestreiftes , auch gedrucktes Zeug aus 
Schwaben. 

Kolter ist eine Steppdecke. 

Kongressstoff, baumwollenes oder wollenes, im Grunde leinwandbindiges, 
weitmaschiges Gewebe aus starkem Garn, das besonders als Grundstoff für 
Stickereien benützt wird und häufig durch durchbrochene, mit Hilfe von Dreher- 
bindungen erzeugte Streifen (ä jour = Streifen) verziert ist. 

Königinhof an der Elbe, Stadt in Böhmen: Baumwollwarenfabriken, 
Färbereien und Flachsgarnspinnerei; eine Webschule. 

Königsberg, Stadt in Böhmen: Baumwollspinnerei und -weberei. 

Königsberg, Stadt in Preussen: z. Zt. Friedrichs des Grossen Weberei 
von Seidenbändern. 

Konopeion, griech., ein dünnes Zeug zum Abhalten der Mücken. 

Konstantinopel, Hauptstadt des türk. Reiches : die Grossindustrie fehlt 
fast völlig, dagegen ist das Kleingewerbe hoch entwickelt. Zur Ausfuhr 
kommen Teppiche aus Kleinasien, Persien, Turkestan, Mohair (Angora), 
namentlich nach England, Frankreich, Oesterreich und Deutschland, Lammfelle 
und vor allem Schafwolle ; ferner Seide, Kokons und Stickereien, meist ein- 
heimischen Ursprungs. — In der Zeitperiode vom 7. — 11. Jahrhundert be- 
hauptete K. bezüglich des Handels die weltberühmte Rolle des Stapelplatzes 
für Seidengewebe und war der Platz für den bedeutendsten Seidenmarkt, im 
Austauschhandel des Abend- und Morgenlandes. K. betrieb einzig und allein 
den Welthandel zur Zeit, als die eindringenden Goten und Araber überall 
den Verkehr unmöglich machten. Aber man bedurfte trotzdem noch der Ein- 



298 Konstanz— Koptische Textilfande. 

fuhr orientalischer Produkte, welche vorzugsweise benützt wurden , um die 
Paläste auszuschmücken. Uebrigens ist K. auch während der Kreuzzüge Haupt- 
sitz der Seidenindustrie gewesen. 

Konstanz, Stadt am Bodensee ; Hauptzweige der Industrie sind : Leinen-, 
Baumwollweberei und -Druckerei, fertige Kleider, Stickereien usw. 

Köper, in der Wirkerei ein Pressmuster, das aus glatten und versetzt 
gegeneinander liegenden Einnadelfäden zusammengesetzt ist. 

Köperbindung s. Bindungen. 

Köpergewebe (Keper, Kieper), sind solche, bei welchen mehrere Kett- 
fäden abwechselnd über und unter dem Schussfaden liegen und ebenso mehr 
als zwei verschiedene Lagen des Schusses miteinander abwechseln (s. Bindungen). 
Eine Eingentümlichkeit und ein Kennzeichen des K. besteht darin, dass in jedem 
nachfolgenden Schuss stets der nächstfolgende Kettfaden des in vorhergegangenen 
Schusses gebundenen Kettfadens bindet. Durch diese fortgesetzte Bindung der 
Fäden werden im Gewebe erhabene und schräge Linien hervorgebracht. Man 
unterscheidet einseitigen (s. Levantine) und zweiseitigen (s. Batavia oder Kasemir) 
Köper. Die Bindungslinien, welche jeder K. verursacht, können in der Bich- 
tung von links nach rechts und umgekehrt angewendet werden. Unter dem 
Köpergewebe versteht man eine Anzahl der verschiedensten Stoffarten, welche 
alle auf G-rund der Köperbindung hergestellt werden. (Vgl. Abb. 2, 5 — 8 auf 
Tafel XV.) 

Köper-Nanking oder Nankinett ist dreibindiger Köper oder fünfbindiger 
x\.tlas von verschiedenen Farben, oft mit melierter Kette. 

Köprülü oder Yeles, Stadt in der Türkei: Handel und Fabrikation von 
Seiden und Wollgeweben. 

Koptische Textilfunde wurden zuerst im Anfange des 19. Jahrhunderts 
auf den Totenfeldern von Sakkarah und Akhmim in Oberägypten gemacht 
und von den Museen im Louvre, in Turin und in London übernommen, ohne 
dass man diesen vereinzelten Proben besonderes Interesse entgegengebracht 
hätte. Erst seitdem im Jahre 1881 der Wiener Kaufmann Theodor Graf, 
angeregt durch den berühmten Orientalisten Prof. Karabacek, die Forschungen 
danach systematisch fortsetzte und es diesem gelang, die für das K. K. Oester- 
reichische Museum für Kunst und Industrie in Wien erworbene grosse Samm- 
lung derartiger Textilien zusammenzubringen, welche dann Alois Biegl „die 
ägyptischen Textilfunde im K. K. e sterr eichi s chen Museum" 
(Wien 1889) beschrieb, hat sich die Aufmerksamkeit mehr und mehr jenen 
Denkmälern der Textilkunst zugewandt, welche ihre Geschichte des frühen 
Mittelalters in neue Bahnen lenkte. Die Kopten sind die christlichen Nach- 
kommen der alten Aegypter; der Name ist eine Verstümmelung aus Aegypti, 
die Araber nennen sie heute Kopt. Die Bestattung ihrer Toten erfolgte in voller 
Gewandung des Lebens. Die einbalsamierten Körper finden sich in bemalten 
Holzsärgen und sind bekleidet mit mehreren (gewöhnlich drei) jackenartigen, 
kurz- und langärmeligen Kitteln (Abb. 160), andere Mumien sind mit langen 
Böcken bestattet. Ebenso wie der Hauptanzug der Toten vollständig erhalten 
ist, finden sich auch alle Einzelheiten der Ausstattung der zu jener Zeit üblichen 
Tracht : genau wie sich die Sitte der alten Aegypter erhalten hatte, dem Toten 
auch andere Dinge mitzugeben, welche ihm im Leben lieb und wert waren. — 
Die Bohstoffe dieser Kostüme bestehen vorwiegend aus Leinen; Wolle 
kommt als Grundstoff und in der Musterung vor, Baumwolle findet sich in 
einigen gedruckten Mustern, dagegen ist die Seide, wenn auch an einigen Ge- 
wändern nur als Besatzstreifen, reichlich vertreten. Die Technik der Gewebe 
in den Leinenstoffen ist einfache Taffetbindung, die Wollenstoffe enthalten Bips- 
bindung und scheinen in den meisten Fällen auf einer Art von Wirkerei zu 
beruhen; seidene Gewebe sind in Taffet- und Atlasbindung hergestellt. 

Die Muster der Tuniken — die wollenen Kleider sind meistens ein- 
farbig — bestehen zunächst aus in farbiger Wolle eingewirkten oder aufgesetzten 
bortenartigen sogen. Spangen, welche von den Schultern her bis etwa zur 
Gurthöhe, seltener — wie in Abb. 160 — durchlaufen und in spitzovale oder 



Koptische Textilfunde. 



299 



Abb. 160. 




Abb. 161. 




blattförmige Felder endigen: eine Yerzierungsart , welche als Vorläufer der 
Stola des katholischen Priesterornates bezeichnet werden kann. Die gemusterte 
Halspasse ist durch runde Schulterstücke abgeschlossen. Solche „Lati clavi", 
wie man letztere zu bezeichnen pflegt, ursprünglich Abzeichen der alten 
römischen Senatoren und Ritter, wiederholen sich in runder und quadratischer 
Form auf dem Vorderteil der Gewänder. (Vgl. Abb. 3, 44, 111.) Die Technik 



300 



Koptische Textilfunde. 



Abb. 162. 




Abb. 163. 




Koptische Textilfuiide. 



301 



der Musterung auf dem leinenen GrundstoflP ist verschiedenartig. Die am 
meisten vertretene bezeichnet man gewöhnlich als eine gobeliaartige Wirkerei 
oder Stopfarbeit, wovon die eine Art so hergestellt ist, dass Grrund und ein 
verschiedenfarbiges Muster zugleich, eine zweite, in welcher zuerst der purpur- 
farbene gewirkte Wollengrund und später das Muster durch Einsticken weissen 
Grarnes entstand. (Vgl. Abb. 78.) In vielen Fällen ist der Leinengrund für 
derartige Musterungen so vorbereitet, dass die Schussfäden, an den Stellen, 
wo' nur Kettfäden zur Aufnahme der Wirkerei notwendig sind, beiseite ge- 
schoben wurden oder man hat den Haum für die Musterung ausgespart, d. h. 

Abb. 164. 





der Schuss ist mit Unterbrechung eingetragen. Unter den Grrundstoffen finden 
sich auch Grewebe mit losen Maschen oder Noppen, welche unseren modernen 
Frottierstoffen nicht unähnlich sind; dieselben kommen sowohl in Gewändern 
— wohl für den Winter berechnet — als auch in farbig gestickten Tüchern 
als Zwischenteile vor. (Abb. 164.) Die Muster jener zumeist angewandten 
Wirktechnik, in der übrigens auch grosse Behänge mit figürlichen Darstellungen 
gearbeitet w^urden, beruhen grösstenteils auf antiken griechisch-römischen Aus- 
läufern, seltener verraten sie den entfernten Charakter altägyptischer Ueber- 
lieferung, wie das in Abb. 160 wiedergegebene Gewand, oder klingen an streng 
orientalische Motive an. Die meisten der in grosser Zahl vorkommenden 



302 



Koptische Textilfunde. 



figürlichen Muster haben Bezug auf heidnisch-mythologische und christlich- 
biblische Darstellungen, welche von griechischen oder koptischen Inschriften 
begleitet sind. Rein ornamental sind gewöhnlich jene Muster gehalten, welche 
in der beschriebenen Art auf violettem Grunde ausgeführt sind. — Hier er- 
scheinen die verschiedenartigsten Flecht-, Blatt- und Blütenmuster, welche in 
ihrer ungezwungenen reizvollen Stilisierung gute Zeichenvorlagen abgeben. 
Bemerkenswert unter den vorkommenden Einzelheiten in den koptischen Muste- 
rungen ist ferner die öftere Wiederholung des Akanthusblattwerkes (Abb. 3, 
Abb. 6 auf Tafel I), das der antiken Urne entstammende Vasenmotiv (Abb. 44), 
das Weinblatt (Abb. 1 auf Tafel I) und zwischen rein ornamental behandeltem 
vegetabilischem Ornament die Darstellung verschiedener Tiergestalten als Sym- 
bole: wie der Löwe, der Leopard, der Hund, der Hase, der Hirsch, die Ente, 
der Papagei u. a. m. Yon Interesse ist die Musterung in jener Grruppe 
Wirkereien, welche fast genaue Kopien frühorientalischer und byzantinischer 
Seidengewebe darstellen. Einer fast noch an sassanidischen Ursprung erinnern- 
den Zeichnung begegnen wir in dem auf Tafel I, Abb. 2 dargestellten runden 
Felde, das in -Umrahmung eines Kreisbandes zwei Löwen an dem Baum zeigt. 
Deutlicher noch als laufendes Stoffmuster zeigt sich die in Abb. 4 auf Tafel I 
dargestellte Wirkerei, worin Kreisfelder mit Menschen- und Tierfiguren und 
Zwischenrosetten enthalten sind, welche genau den Typus von Mustern des 

YIII. — X. Jahrhunderts wiederzugeben 



Abb. 165. 




scheinen, wie denn auch die Beiter- 
figur und das Bosettenmuster in Abb. 3 
gleicher Tafel denselben Ursprung 
ohne weiteres erkennen lassen. Letz- 
teres Stück gewinnt durch die Dar- 
stellung der Beiterfigur noch beson- 
dere Bedeutung, dass dabei an eine 
solche des heil. Georg (s. d.) gedacht 
werden kann, wofür die auf die Schlange 
geführte Lanze . und der über dem 
Jüngling schwebende Engel eine Be- 
stätigung sein könnten. Solche Beiter- 
figuren haben auch als Bortenmusterung 
in Wirkerei Anwendung gefunden. 
(Ygi. Abb. 161 u. Abb. 7 auf Tafel L) 
Bein ornamentale laufende Gewebe- 
muster in Wirkerei zeigen die Abb. 
163 und Abb. 5 auf Tafel I. In 
ersterem ist zu beobachten das früh- 
zeitige Vorkommen der Flächenteilung in spitzovale Felder, mit der palmetten- 
artig angeordneten Füllung. 

Ausser den Wirktechniken finden sich unter den koptischen Textilien 
als Musterung der Leinenstoffe noch einige Arten von Durchzugarbeiten, welche 
der Stickerei verwandt sind. Sie wurden direkt in den farbigen Leinengrund 
hineingearbeitet und zwar so , dass die gemusterte Fläche aus Beihen farbiger 
Wollfäden gebildet ist, wobei die als Xoppen einzeln dastehenden Maschen den 
Eindruck eines ungeschnittenen Teppichflors hervorrufen (vgl. Abb. 111 u. 164), 
aber auch bei dem Gedanken an den L^rsprung der Technik die Wirkung 
einer antiken Mosaikmusterung dieser am nächsten stellen, wofür dann die 
Darstellung des gewappneten Kriegers in Abb. 111 eine Bestätigung finden 
würde. Nahe verwandt den Durchzugarbeiten ist das eigentliche Gebiet/der 
Stickerei, die hier in einfacheren Arten erscheint. Weitgehendere Techniken, 
wie die der sogen, ä jour- Stickerei, Arten von Aufnäharbeit, Leinenstickereien 
in sogen. Holbeintechnik (Abb. 25 u. 117), welche auch in den koptischen 
Grabfunden vorkommen , gehören der arabischen Periode des 13. — 15. Jahr- 
hunderts an, man kann sie, ebenso wie einige Arten der hier vertretenen 
W^irkereien, nicht mehr als ortsangehörige Techniken bezeichnen. Andere 



Koptische Textilfunde. 



30B 



Abb. 166. 




Abb. 167. 




Arten koptischer Handfertigkeiten sind aber die zu den Mützen verfertigten 
Netzarbeiten (Abb. 69. 165) , welche in phrjgischer Form getragen wurden 
und denen verwandte filetartige Stickereien. Vorgefundene Werkzeuge be- 
weisen, dass solche Netzwerke mit einfachen Holznadeln hergestellt wurden. 



304 



Koptische Textilfunde. 



Schliesslich gehören auch Fransen und kunstvoll gearbeitete Quasten zu den 
Funden, welche aus koptischen Grräbern stammen. 

Das Wichtigste unter den koptischen Textilien bilden die Seiden- 
gewebe. Wie sehr die Seide zu jener Zeit an Ort und Stelle geschätzt 
wurde , geht daraus hervor , dass man gewebte Stoffe aus diesem Material in 
Streifen zerschnitt und sie an Gewändern hervorragender Personen zu Be- 
sätzen verwendete. Nicht immer ist von den Seidenstoffen mit Sicherheit an- 
zugeben, ob man es mit Erzeugnissen eigener Industrie oder mit solchen aus 
Persien und Byzanz eingeführten Waren zu tun hat. Dass den Kopten die 
Technik der Erzeugung von Greweben aus der Seide, welche ihnen als Boh- 
material auch von dort her zugegangen sein wird, nicht unbekannt war, ist 
durch Originale mit eigenartiger Musterung festgestellt ; aber von einer Massen- 
produktion konnte keine Bede sein, weil die Seide zu teuer und deshalb auch 
nur gewissen höheren Ständen erlaubt war. Wir sahen daher auch in den 
Wirkereien und einigen Stickereien Muster der Seidengewebe in geringerem 

Material nachgebildet, und zu 



Abb. 168. 




gewebten Stoffen die Seide mit 
AVoUe oder Baumwolle vermischt. 
Die sparsame Verwendung von 
Seide beweist auch das Vor- 
handensein von abgepasst ge- 
webten Grewandaufsätzen, die für 
Leinengewänder besonderer Art 
benutzt wurden. Das in Abb. 166 
dargestellte Bundfeld aus dem 
germanischen Museum in Nürn- 
berg ist z. B. an anderen Stellen 
als Endigung einer Spange er- 
halten. In der Musterung des- 
selben fallen die indisch-persi- 
schen Palmwipfelblüten an dem 
baumartigen Mittelstamm auf, 
während die Bandborte mit dem 
Wellenband und den kelchartigen 
Blüten vollständig auf Byzanz 
hinweisen. Merkwürdig erscheint 
das Vorkommen von Seiden- 
geweben hier mit den typischen 
Darstellungen der sassanidischen 
und byzantinischen Beiterfiguren 
(Abb. 167), bei denen die ägyp- 
tische Herstellung in koptischer 
n wird man es bei 



Periode noch zweifelhaft erscheinen möchte 
einfacheren Geweben und Mustern, wie die in Abb. 8 u. 9 auf Tafel I dar- 
gestellten Stücke, mit koptischen Arbeiten zu tun haben: in letzterer ist die 
herzförmige Blütenbildung von Interesse. Dieselbe kehrt auch auf koptischen 
Wirkereien (Abb. 160 und Abb. 5 u. 7 auf Tafel I) häufig wieder und ent- 
stammt den Bandeinfassungen orientalischer und byzantinischer Kreismuster. 
(Vgl. Abb. 1 u. 3 auf Tafel IL) Abweichend in der Musterung von den er- 
wähnten Typen koptischer Formen ist das unter Abb. 113 als griechisch- 
römisches (?) Original dargestellte Seidengewebe, das auch diesen Funden ent- 
stammt, (lieber bedruckte Stoffe dieser Funde s. unter Zeugdruck.) / 

Die Sitte des Altertums, Verstorbene in voller Gewandung zu bestatten, 
scheint sich bei den Kopten lange erhalten zu haben, so dass uns aus späteren 
Perioden, als der arabische Einfluss sich aller Kunstformen des Orients be- 
mächtigt hatte, noch überaus wertvolle Stoffe erhalten sind. Der in Abb. 168 
dargestellte Stoff ist für ein tunikartiges koptisches Gewand zerschnitten und 
gehört als arabisches Fabrikat, das in Alexandrien hergestellt sein wird, dem 



Koptische Textilfunde. 



305 



11. — 12. Jahrh. an. Der gleichen Periode entstammen die in Mengen daher 
kommenden seidenen sogen. Schlitzwirkereien (s. d.). Späterer Herkunft sind 
auch die bunt gestreiften und karierten Seidenstoffe (Abb. 169). Merk- 
würdig erscheint hier das Vorkommen chinesischer Gewebe mit Drachenmustern 

Abb. 169. 




in farbiger Seide und Goldpapier; wie weit man darin und noch mit anderen 
Textilien, deren Herkunft den dortigen Funden zugeschrieben wird, den Angaben 
der Händler trauen darf, dazu müssen die Ergebnisse langjähriger Forschungen 
abgewartet werden. (Literatur : s. unter „"Weberei" : Geschichtliches.) 

Abbildungen: 

160. Originalaufnahme aus dem Königl. Kunstgewerbemuseum in Berlin : Leinen- 
gewand mit gewirkten Mustern in farbiger Wolle ; durchgehende Spangen- und Aermel- 
borten aus spitzovalen Blütenformen, welche sich auch wiederholen in der als hängen- 
der Schmuck dargestellten Halsmusterung, die in Form und Anordnung an ägyptischen 
Perlen-Behang erinnert. Koptisch 5. — 7. Jahrh. 

161. Originalaufnahme aus dem Kaiser Friedrich-Museum in Berlin : Bruchstück 
von dem Vorderteil eines gestreiften Leinengewandes, an dem die Halsborte und schmale 
heruntergeführte Spangen in Wirkerei aus farbiger Wolle erhalten sind; abwechselnde 
Darstellung einer E,eiterfigur und eines Mannes im Kampf mit einem Löwen , in Art 
der antiken Muster auf byzantinischen Seidengeweben. Die Spangen enthalten Rosetten 
und längliche Felder mit Quadraten. Koptisch 5. — 7. Jahrh. 

162. Originalaufnahme aus dem Kunstgewerbemuseum in Leipzig: Rundes Auf- 
satzstück eines Gewandes, Wirkerei auf Leinwand in purpurvioletter Wolle und weissem 
Garn: In Mitte kniender Zirkuskämpfer in antiker Tracht, im äusseren breiten Rande 
Darstellung gebändigter Löwen. Koptisch 5. — 7. Jahrh. 

163. Originalaufnahme aus dem König]. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Quadratisches Aufsatzstück eines Gewandes , Wirkerei in farbiger Wolle : Auf rotem 
Grunde abgesetztes Stück aus einem laufenden Flächenmuster, das besteht aus weissen 
Bändern mit bunten Ranken, welche durch kleine aufgesetzte runde Kreise mit Kreuzen 
verbunden sind und spitzovale Felder büden, darin Blüten- und Fruchtformen in 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 20 



306 Koptische Textilfunde. 



palmettenartiger Anordnung. In der Randborte in Gelb auf Violett kleine Blüten- 
formen, welche an das altägyptische Henkelkreuz erinnern. Koptisch 5. — 7. Jahrh. 

164. Originalaufnahme aus dem Kunstgewerbemuseum in Leipzig : Teil eines 
Tuches , Stickerei auf Leinengrund — welcher mit Noppen durchwirkt ist — in farbiger 
Wolle. Quadratisches Mittelfeld mit Tupfen, in Einrahmung einer Eck- und Abschluss- 
borte, letztere mit Zackenmusterung. Fransenendigung. Koptisch 5. — 7. Jahrh. 

165. Originalaufnahme aus dem Königl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Teil einer phrygischen Mütze, Netzarbeit in gelblichem Grarn , Musterung aus Streifen 
mit Spitzbogenstellungen, in welchen je ein Kreuz. Koptisch 5. — 7. Jahrh. * 

166. Darstellung aus : Katalog der Gewebesammlung des Germanischen National- 
museums in Nürnberg, ebd. 1896. S. 56 : Rundes Aufsatzstück in violetter und gelb- 
licher Seide gewebt, Muster mit Darstellung eines Baumes, welchem Blüten in Art der 
indischen oder persischen Palmwipfel entsteigen. Die Randborte enthält wellige- 
Bänder und Palmetten. Koptisch 5. — 7. Jahrh. Gleiche Felder sind als Endigung^ 
von Spangen ganzer Gewandbesätze erhalten im Kaiser Friedrich-Museum und im 
Königl. Kunstgewerbemuseum zu Berlin. 

167. Originalaufnahme aus dem Kaiser Friedrich-Museum in Berlin : Rundes 
Aufsatzstück eines Gewandes, in roter und gelblicher Seide gewebt mit symmetrischer 
Darstellung zweier gegeneinander gekehrten Reiter in antiker Tracht auf geschirrten 
Rossen und mit Pfeil und Bogen, auf einen Löwen schiessend. Randborte mit spitz- 
ovalen Blutenformen^ welche auch in den vier aufgesetzten Halbkreisen enthalten sind.. 
Das Muster stammt von sassanidischen Seidenstoffen des 6. Jahrhunderts und scheint 
dem loseren Gewebe und dem dazu verwendeten Material nach eine koptische Nach- 
ahmung eines solchen Originales zu sein. Die abgeschlossenen Ränder der äusseren 
Kante weisen auf ein abgepasst gewebtes Feld hin, wie solche auch in Wirkerei als- 
Aufsatzstücke von Gewändern dort kopiert wurden. 

168. Originalaufnahme aus dem Kaiser Friedrich-Museum in Berlin : Seiden- 
gewebe, das zu einem koptischen Gewände zerschnitten worden ist, Grund rot (ver- 
schossen), symmetrisches Muster blau mit weiss: Gewürfelte Bänder mit aufgesetzten 
runden Scheiben, welche in arabischen Schriftzügen den Namenszug eines Sultans- 
tragen, bilden spitzovale Felder, in welchen je zwei gegeneinander gekehrte steigende 
Löwen in Umrahmung aneinander gereihter Kreise mit Halbmond und Spruch in 
arabischer Schrift. Alexandrien (?) 11. — 12. Jahrh. Aus einem koptischen Grabe. 

169. Originalaufnahme aus dem Kaiser Friedrich-Museum in Berlin: Seiden- 
gewebe, Grund rot, Muster aus klein gemusterten bunten Streifen. Orient 13. (?) Jahrh . 
Aus einem koptischen Grabe. 

Abbildungen auf Tafel I: Wirkereien und Webereien des 
5.-7. Jahrhunderts aus koptischen Gräbern. 

(Originalaufnahmen aus dem Kaiser Friedrich-Museum in Berlin.) 

1. Borte, Wirkerei auf Leinwand in farbiger Wolle: Darstellung einer wellig- 
gelegten Weinranke mit Blattwerk und Reben. 

2. Rundes Aufsatzstück eines Gewandes, Wirkerei auf Leinen in farbiger Wolle : 
Darstellung eines stilisierten Baumes , unter welchem zueinander gekehrt ein Paar 
von Löwen. Das Kreisband mit welliger Ranke. Die Muster erinnern an sassanidisch& 
Vorläufer. 

3. Länglich rechteckiges Aufsatzstück, Wirkerei in roter Wolle und weissem 
Garn: Darstellung zweier Kreise, in einem derselben zwei Reiter in antiker Tracht,, 
welche je mit einer Lanze nach der am Boden liegenden Schlange stechen (heiliger 
Georg ?) , darüber schwebender Engel , daneben das Kreuz ; im zweiten Kreise 
Rosette. Zwischen den Kreisen, deren Ränder durch wellige Bänder gefüllt sind^ 
halbe Zwickelrosetten und kleines rundes Feld mit Kreuz, Dem Ganzen liegt ein 
laufendes Stoffmuster orientalischen oder byzantinischen Ursprungs zugrunde. 

4. Wirkerei in roter Wolle und weissem Garn mit Darstellung eines laufenden 
Stoffmusters orientalischen oder byzantinischen Ursprungs : Reihenweis geordnete 
Kreise mit Darstellung eines stilisierten Baumes, an welchem Menschen- und Tier- 
figuren abwechseln ; dazwischen kleine und grössere Zwickelrosetten. 

5. Rundes Aufsatzstück eines Gewandes, Wirkerei auf Leinen in farbiger Wolle 
und weissem Garn: Darstellung eines laufenden Stoffmusters mit herzförmigen und 
spitzovalen gefüllten Blütenformen in Rautenfeldern aus Kreuzen und spatenförmigen 
Blättern. Rand mit Blattranke. 

6. Borte eines Tuches, Wirkerei in Violett und Weiss auf einem Leinenstoff,, 
der mit Noppen durchwirkt ist: Darstellung von springenden Hirschen in Umrahmung 
einer kreisförmig gelegten Akanthusranke. 



Korallen — Kratzau. 307 



7. Borte, Wirkerei in farbiger Wolle: Darstellung von Reiterfiguren in antiker 
Tracht, mit spitzer Mütze in der Rechten, auf geschirrten Rossen. Oberer und unterer 
Abschlussrand mit spitzovalen Blütenformen. 

8. Gewebe aus Seide und Wolle in Schwarz und Rotviolett: Bänder mit antikem 
Flechtmuster sind durch kleine Kreise mit Palmetten verbunden und bilden Rauten- 
felder, in deren jedem eine pinienzapfenartige (?) Blüte an geradem Schaft mit aus- 
wachsenden Blättern und Beeren , als Abkürzung des im frühen Mittelalter im Orient 
und in Byzanz gebräuchlichen Baummotivs. 

9. Seidenstoff, festes Gewebe, Grund roter Atlas, symmetrisches Muster weiss, 
in Köperbindung : Doppelranken aus Blattwerk , durch kleine Kreise mit Sternen ver- 
bunden, bilden Rautenfelder, in welchen je eine herzförmige Blütenform, die an 
byzantinischen Ursprung erinnert. 

Korallen finden in den wertvollen mittelalterlichen deutschen Kirchen- 
stickereien oft Verwendung und werden in Verbindung mit Perlen aufgenäht. 
Auch in Japan ist die K. ein beliebtes Stickmaterial. 

Korandecken, d. s. Tücher zum Einhüllen des türkischen Grebetbuches, 
kommen in Mengen auf den europäischen Markt und werden als Kunst- 
stickereien sehr geschätzt. Sie erinnern an die sogen. Hardanger Arbeiten 
(s. d.) ; sind aber viel feiner in der Ausführung, wozu das Material namentlich 
beiträgt. Die Stickerei in geometrischer Zeichnung, aus Sternen und ver- 
schieden durchbrochenen Feldern ist in weisser Seide im Plattstich auf Leinen 
ausgeführt. Der rechteckigen oder ganz quadratischen Mitte ist oft die Ein- 
teilung der Gebetnische (s. Gebetteppich) mit dem spitzen Bogenfelde gegeben. 

Korathes, Korotes, grobe und starke Kattune aus Surate und Pondichery. 

Kord (engl. : cord), eine Art Sammet (s. d.). 

Korde (franz.) oder Kordel, Schnur, Bindfaden ; in der Musterweberei die 
Zugschnur am Jacquardstuhl (s. Weberei). 

Kordonnierte Seide, Kordonnet, ein zu gestrickten, gehäkelten Arbeiten 
usw. verwendetes, scharf gedrehtes, daher rundes und glattes, schnurähnliches 
Seidengezwirn, das in der Stärke der groben Nähseide oder der gewöhnlichen 
Strickseide vorkommt, beide Arten jedoch in der Schönheit des Aussehens 
übertrifft. 

Korinth, Stadt in der griech. Monarchie Argolis und Korinth, ist im 
11. Jahrhundert als byzantinische Seidenmanufaktur sehr berühmt; in neuer 
Zeit Erzeugung von Knüpfteppichen. 

Kortrijk, franz. : Courtrai, Stadt in der belg. Provinz AFestflandern : be- 
rühmt durch die Fabrikation von Leinwand, Spitzen, Zwirn, Tafel- und Baum- 
wollzeugen. In der Umgegend wird der feinste niederländische Flachs gezogen. 

Kostromä, Stadt in Russland: Spinnerei und Weberei ; Handel mit Lein- 
wand und Flachs. 

Kotzen, s. v. w. grobes Deckenzeug (s. Decken). Li Franken s. v. w. 
grober zottiger Bauernrock. Das böhmische Kozig, Pelzrock, Koza, Pelzwerk, 
das sächsische Kutte, Kittel, franz. cotte, engl, coat, hängen damit zusammen. 

Kötzer, in der Spinnerei das birnenförmig aufgewundene Garn. 

Kou-jong, feiner geköperter W^ollenstoff aus China, der weich und 
seidenartig im Griff ist, aus welchem Tücher von etwa 2 m Länge getragen 
werden. 

Kraftstuhl (Maschinenwebstuhl) , durch AVasser- und Dampf kraft ge- 
triebener W^ebstuhl. 

Krain, Herzogtum und Kronland der österreichisch-ungarischen Monarchie: 
Die Leinenweberei und Anfertigung grober Spitzen ist weit verbreitet. Ferner 
werden hergestellt: Wollzeuge, Flanelle, grobe Tücher und AVollwaren. 

Krämpeln s. Krempeln. 

Krappitz, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Oppeln: Smyrna- und Perser- 
Teppichfabrik. 

Krasch, russische Bezeichnung für gewebte Tafelzeuge. 

Kratzau, Stadt in Böhmen : Grosse Tuch- und Schafwollfabriken, Baum- 
wollspinnereien, Webereien, Rotgarnfärbereien, Makospinnerei. 



308 Krausbouillon — Krefeld. 



Krausbouillon, soviel w. Kantillen (s. d.). 

Krawatte (franz. : cravate), Halstuch, Halsbinde für Herren, angeblich so 
genannt nach den Kroaten, die unter Ludwig XIY in Frankreich ein Fremden- 
regiment bildeten und eine eigenartige, in Frankreich dann nachgeahmte Hals- 
bedeckung trugen, (s. a. Cravate.) 

Krefeld, Stadt im preuss. Reg. -Bez. Düsseldorf: Sitz der deutschen 
Seiden- und Sammetindustrie. Es bestanden hier 1900: 26 Sammetfabriken, 
84 Seidenstofffabriken, 7 Betriebe, die sowohl Seide als auch Sammet her- 
stellen, und 39 Färbereien. In der Sammetindustrie waren 846 Hand- und 
2076 mechanische Stühle in Betrieb. In der Stoffweberei waren 1900: 5834 
Hand- und 7151 Kraftstühle, in Stoff- und Sammetband 483 Hand- und 427 
Kraftstühle, zusammen 16 817 Webstühle im Betrieb. Der Gresamtwert der ver- 
kauften eigenen Fabrikate betrug 82 232 939 M., wovon auf Sammet 24 943 044 M., 
auf Seide 57 289 895 M. entfallen. Hergestellt werden in K. reinseidene und 
gemischte Stoffe, bedruckte Zeuge, Fassonnets auf Jacquards, glatte und ge- 
musterte Sammete und Plüsche, alle Gattungen Bänder, sowie Möbel- und 
Kirchenstoffe. 

Geschichtliches: Im 15. Jahrhundert wird die Leinenweberei als ein 
landwirtschaftliches Nebengewerbe geübt, deren Produkte meistens nach Haarlem 
gingen und dort als holländische Ware verkauft wurden. In der zweiten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts hatte dieses Gewerbe einen bedeutenden Auf- 
schwung genommen durch die Einwanderung einiger mennonitischer Familien 
aus den Niederlanden. Eine derselben — die Familie von der Leyen — be- 
gründete die Seidenindustrie. 1668 erwarb Heinrich v. d. L. das Krefelder 
Bürgerrecht, er betrieb anfangs ein Kaufmannsgeschäft, welches mit holländischen 
Manufaktur war en^ wie Leinwand, Seidenband und Tressen handelte. Mit diesem 
Handel verband sich bald nach holländischem Vorbild die eigene Fabrikation^, 
namentlich von Sammet- und Seidenband, Tressen, Borten und anderen Posa- 
mentierartikeln, von schwarzem glattem Stücksammet und von Zwirn- und Näh- 
seide. Die Seide zu den Geweben bezog man meist in gezwirntem Zustande 
aus Italien, zur Nähseide, die man selbst zwirnte, besonders asiatische Seiden 
von der holländisch-indischen Kompagnie. Eine eigene Färberei wurde in K. 
zuerst 1724 eingerichtet; vorher hatte man in den Kölner Färbereien oder in 
Holland oder Frankfurt färben lassen. Die Leinenfabrikation und der Zwischen- 
handel mit fremden Waren traten nun mehr und mehr zurück; denn schon in 
den Jahren von 1720 — 1731 haben sich aus den verschiedenen teilweise mit- 
einander zusammenhängenden Unternehmungen der einzelnen Familienmitglieder 
drei besondere Geschäfte herausgebildet: Peter v. d. L.^ vorzugsweise Fabrik 
von Nähseide mit grosser Zwirnerei ; Johann v. d. L. zusammen mit seinem 
Schwager Peter Jentges, namentlich für Sammet und Sammetband; Friedrich 
und Heinrich v. d. Leyen, namentlich für seidene Bänder und Tücher. Die 
Färberei in Leyenthal blieb noch längere Zeit gemeinschaftliches Eigentum 
der Brüder. Die Fabrikanten wurden angesehene Leute; als König Friedrich 
Wilhelm I. 1738 auf seiner Heise an den Niederrhein Krefeld besuchte, war 
er bei ihnen zu Gaste. Die Stadt hatte sich 1740 in der Einwohnerzahl seit 
25 Jahren mehr als verdoppelt; die Fabrikation beschränkte sich schon nicht 
mehr allein auf die Stadt und ihr Gebiet, sondern auch in der Umgegend, im 
Kölnischen, in Mors und in Xanten wurde bereits für Krefeld gearbeitet. Der 
Betrieb war in der Hauptsache ein hausindustrieller; nur die Zwirnerei, 
Färberei und Appretur fanden in grösseren geschlossenen Bäumen statt. Der 
Verfall der Seidenindastrie in Holland brachte der Krefelder einen grossen 
Vorteil. Ganz im Gegensatz zu Preussen beruhte hier die Industrie, /ohne 
staatliche Unterstützung, auf privaten Unternehmungen und verfügte über aus- 
gedehnte Verbindungen im Auslande, besonders in Holland und Polen. Während 
der Regierung Friedrichs des Grossen gewann das Geschäft der Brüder 
Friedrich und Heinrich v. d. Leyen eine alle anderen weit überragende Be- 
deutung. Beide Inhaber, von denen der eine 1778, der andere 1782 starb, 
sind als die eigentlichen Begründer des Weltrufes der Krefelder Industrie 



Krempeln — Krepon. 309 



anzusehen. Sie verfertigten nicht nur Seiclenzeuge, sondern bemächtigten sich 
auch der seidenen Halstücher und Schnupftücher nach Mailänder und ostindischer 
Art. Daneben wurde auch die Anfertigung seidener Strümpfe begonnen. 
Neben den verschiedenen Unternehmungen aus dem Familienverbande der 
V. d. Leyen gab es noch seit etwa 1750 zwei andere Firmen^ die sich zunächst 
nur mit der Herstellung von Sammet und Sammetband beschäftigten : die von 
Lingen & Comp., begründet durch den früheren Nadelmacher Gerhard Lingen 
in Gemeinschaft mit einem früheren Buchhalter Johannes v. d. Leyen, seit 
Ende der fünfziger Jahre des 18. Jahrhunderts in den Händen der Gebrüder 
von Beckerath, und die von Preyers & Comp., begründet durch Paulus Preyers. 
Des öfteren wurde der Versuch gemacht, das Privileg der v. d. Leyen zu 
durchbrechen, aber ohne Erfolg; sie haben hier bis zum vorläufigen Ende der 
preussischen Herrschaft das Monopol behauptet. (Vgl. aus Acta Borussica : 
.,Die preussische Seidenindustrie im 18. Jahrhundert" usw. Berlin 1892, 
Bd. III, S. 81 £f. und 262 ff.) 

Die hier bestehende Preussische höhere Fachschule für Textil- 
industrie (Direktor Lembke) teilt sich in die höhere Webe schule und 
in die Färberei- und Appreturschule, mit ersterer ist verbunden eine 
Musterzeichenschule, Nähschule und Stickschule. Die Webeschule bildet 
Fabrikanten, Fabrikdirektoren, Musterzeichner, Ein- und Verkäufer vor ; ebenso 
wird die Hand- und Maschinenstickerei, Weiss- und Krawattennäherei gelehrt. 
Beim Unterricht wird vorwiegend die Seiden-, Halbseiden- und Sammetindustrie 
(Konfektions-, Schirm-, Möbelstoffe, Tücher, Decken, Bänder und sonstige Be- 
satzartikel) berücksichtigt. Der Kursus dauert 1^2 Jahr. Das Schulgeld 
(Vollschüler) beträgt für Deutsche 200 Mk. , für Ausländer 1000 Mk. pro 
Jahr. Die Färberei- und Appreturschule verfolgt den Zweck, Studieren- 
den der Chemie eine möglichst vollständige Ausbildung zu gewähren und 
Chemiker, Färber, Bleicher, Zeugdrucker und Appreteure für ihren Beruf 
auszubilden. Der vollständige Kursus dauert 2 Jahre. Das Schulgeld für 
ordentliche Schüler beträgt die gleiche Summe wie in der Webeschule. 

Die Königl. Gewebesammlung in Krefeld (Conservator Paul 
Schulze) ist im Gebäude der vorhergenannten Fachschule aufgestellt. Sie 
enthält etwa 8000 Nummern von Geweben, Stickereien, Spitzen, Teppichen 
und Posamenten aller Zeiten und Völker. Moderne Textilerzeugnisse von 
besonderem Wert sind daran angeschlossen. Ein Teil der Sammlung ist in 
geschichtlicher Folge unter Glas und Pahmen aufgestellt und für Interessenten 
zugänglich. 

Der Verein zur Förderung der Textilindustrie in Krefeld 
(Vorsitzender: Kaufmann Arthur Leysner, Geschäftsführer: Conservator 
Paul Schulze) hat den Zweck, Fabrikanten und Musterzeichner bezüglich 
der Neuheiten auf dem Gebiete der Textilindustrie auf dem Laufenden zu er- 
halten. Es liegen hierzu französische Abonnements von allen Neuheiten auf, 
ferner werden jährlich moderne Anschaffungen von Originalstoffen und Vor- 
lagen gemacht, welche an die Mitglieder (jährlicher Beitrag 50 Mark) ver- 
liehen werden. 

Krempeln, Krämpeln (Streichen, Kratzen, Kardieren, Kardätschen) der 
Wolle stimmt im wesentlichen mit dem K. der Baumwolle überein (s. Baum- 
wollspinnerei), doch spielt das K. besonders bei der Verarbeitung der Streich- 
wolle noch eine wichtigere Solle als bei der Verarbeitung der Baumwolle, 
Heede, .Täte und der Kammwolle. In der eigentlichen Streichgarnspinnerei 
findet ein Strecken und Doppeln gar nicht und ein besonderes Vorspinnen 
nur selten statt und durch das Krempeln allein muss die nötige Gleichförmig- 
keit des der Feinspinnmaschine vorzulegenden Garnes erreicht werden. Man 
kratzt deshalb die Wolle mehreremal hintereinander, meist auf einem Satz von 
drei, zuweilen auch von zwei oder vier Maschinen (s. Streichgarnspinnerei), 
meist unter Benutzung des Kreuzungsverfahrens (s. Kreuzung). 

Krempelwolf s. Wollspinnerei. 

Krepon s. Crepon. 



310 Krepp — Kreuzstich. 



Krepp (franz. : crepe, vom lat. crispus = kraus), Kreppflor, ist ein 
leichter, durchsichtiger und gekreppter Seidenstoff, sowohl weiss und schwarz 
als buntfarbiger , wovon der schwarze besonders zu Trauerkleidern starke 
Verwendung findet. Er wird aus der feinsten Seide verfertigt : zum Einschlag 
nimmt man einen dreifach doublierten und stark gedrehten Faden, der nach 
dem Zwirnen nicht stärker als der einfache Kettfaden sein darf und der des- 
halb auf der grossen Zwirnmühle (Moulinage) mit eigens dazu eingerichteten 
Scheiben so gezwirnt wird, dass die eine Hälfte rechts, die andere links ge- 
dreht ist. Bei dem Weben werden die Eäden der Kette und des Einschlags 
so auseinander gehalten, dass sie, wie bei dem Flor oder der Graze^ netzförmige 
x^ugen und kleine durchsichtige Quadrate bilden. Es gibt mehrere Arten 
doppelten und einfachen K.'s, die sich sowohl im Gewebe selbst und in der 
Qualität, als auch in der Länge und Breite unterscheiden. Bezüglich der Breite 
hat man 18 Sorten, die von 2 zu 2 steigen, indem sie von Nr. 2, als der 
schmälsten, anfangen und bis Nr. 36, als der breitesten, hinaufgehen. Der 
Bologneser, welcher schwarz Crespo, weiss Yelo heisst, wird von der aller- 
feinsten Seide wie gewöhnlicher Flor sehr dünn und locker gewebt, aber nicht 
durch heisses Wasser gekreppt, sondern auf eine ganz besondere Art zubereitet. 
Eine besondere Sorte der Kreppstoffe sind die ganzseidenen Etamine mit Krepp- 
gaze, welche man auch Etamines facon de Crepon nennt. (Ygl. unter Japan 
den Artikel „Chirimen".) 

Kreppbilder, Bilder die auf weisser Seide mit feinen seidenen, aus Krepp 
gezogenen schwarzen Fäden gestickt werden und Kupferstichen ähnlich sind. 

Kreszentin oder Chappe, s. Seide. 

Kreuz (lat. : crux, franz. : croix, engl. : cross), als Symbol des Opfertodes 
Christi und somit des Inbegriffs des Christentums seit dem frühesten Mittel- 
alter auf kirchlichen Stoffen und Stickereien angewandt. In der romanischen 
und gotischen Periode kommt das K. selten allein zur Anwendung, sondern 
im Zusammenhange mit der Darstellung der KreuzigungChristi, besonders 
auf Kasein und Antependien. Erst die Renaissance verziert die Bückseite der 
Kasel wieder mit dem Kreuz allein, zu welcher Zeit es als kirchliche Kunst- 
form in trefflicher Ausführung erscheint. (Vgl. kirchliche Wirk- und Stick- 
muster und Abb. 154.) 

Kreuzfach, die Kreuzung der Kettenfäden beim gazeartigen Grewebe. 

Kreuz- oder gebrochener Köper (Serge brise), allgemein bekannt unter 
dem Namen vierbindiger Atlas, trotzdem er nicht zu letzteren, sondern unter 
die Abarten der Köper gehört. Die Eigentümlichkeit der Ware besteht darin, 
dass ein Teil des Rapportes entgegengesetzte Richtung einnimmt, so dass, wenn 
der erste Teil von links nach recbts laufend, der zweite Teil von rechts nach links 
laufend seine Bindestellen hat. Die Kreuzköper wendet man meistens in Mode- 
artikeln oder halbwollenen Kleiderstoffen, Kammwollstoffen (Shawls) u. dergl. an. 

Kreuznaht s. Nähen. 

Kreuzsteppstich kommt in der Weissstickerei auf sehr klaren Geweben 
zur Verwendung. Er bildet auf der Kehrseite eine dichte Kreuznaht und 
gleichzeitig eine Art Untergrund, welcher der Figur einen matten Ton verleiht. 
In der Ausführung hat der K. Aehnlichkeit mit dem Steppstich; auch findet 
er in Abwechselung mit der Durchbrucharbeit und Spitzenstickerei Verwendung. 

Kreuzstich, in der Stickerei, am häufigsten auf Leinen, aus zwei schrägen 
Stichen bestehend, welche quer übereinander gelegt, ein Kreuz bilden. Grestattet 
der Grundstoff das Zählen der Gewebefäden, so wird der Kreuzstich direkt 
auf demselben ausgeführt; bei dichten Stoffen bedient man sich einer Unter- 
lage aus Kanevas, dessen Fäden nach Vollendung der Stickerei ausgezogen 
werden. Man kennt einen einfachen oder einseitigen und einen doppelseitigen 
Kreuzstich, und in letzterem hat die moderne Technik nach der Herkunft ge- 
eigneter Vorbilder verschiedenartige Sticharten im Kreuzstich benannt, die 
z. T. auch Abarten des Flechten-, Kästchen- und Zopfstiches sind (s. Leinen- 
stickerei). Eine ausgedehnte Verwendung findet der Kreuzstich auch in der 
sog. Kanevasstickerei (s. d.). 



Kreuztüllgewebe — Kulieren. 311 



Kreuztüllgewebe, gazeartiger Stoff aus feinen Baumwoll- und Seiden- 
fäden, nach der Hauptstadt des franz. Depart. Correge, TuUe, benannt (s. Tüll). 

Kreuzung. Beim Uebertragen der Wolle von EJrempel zu Krempel wird 
in der Streicligarnspinnerei das Erzeugnis der ersten Krempel (in Pelz- [oder 
Vlies-] oder Bandform) der nächsten Krempel entweder so vorgelegt, dass die 
Haare, welche sich nahezu gleichlaufend zur Längsrichtung der Watte einge- 
lagert haben, wieder in der Längsrichtung der Maschine verlaufen oder senk- 
recht dazu : Uebertragung ohne und mit Kreuzung. In letzterem Falle erzielt 
man ein rauheres Garn, aber innige Mischung, und man arbeitet deshalb für 
Farbe- (Melangen) und Kunstwollmischungen mit Kreuzung, für Herstellung 
glatter G-arne (Halbkammgarn) aber ohne Ej^euzung. (Vgl. Müller, Handbuch 
der Spinnerei, Leipzig 1892.) 

Kreuzzuchtwolle s. Crossbredwolle. 

Krimmer s. Astrachan. 

Krimpen s. Dekatieren. 

Krimpkraft (Krumpkraft, Krümpkraft, Krümmkraft, Krumpfkraft) nennt 
man die Eigenschaft der G-ewebe, beim Trocknen .,einzugehen" — zu schrumpfen. 
Es ist dies keine Kraft, sondern nur eine Eigenschaft, die besser durch .,Krumpf- 
fähigkeit" auszudrücken wäre. 

Kristiania, Hauptstadt von Norwegen, bewahrt im Industriemuseum die 
älteste, ziemlich genau datierbare Bildwirkerei mittelalterlich europäischen 
Ursprungs, welche im 12. Jahrh. in Korwegen hergestellt ist (s. Norwegen). 

Krone (lat. : corona, franz. : couronne, engl. : crown) erscheint als Stoff- 
muster selten in heraldischer Bedeutung, sondern scheint sich vom x4.nfange 
des 16. Jahrh. ab lediglich als künstlerische Knaufbildung einzuführen, (siehe 
Knauf bil düngen.) 

Kronenleinwand, Kronentücher (Lienzos de tres Coronas), gewebte Hanf- 
stoffe aus Westfalen, welche mit drei Kronen gestempelt unter dem Namen 
Löwentlinnen in den Handel kommen. 

Krullhaar oder Krollhaar, gekräuseltes Bosshaar, das als feineres Polster- 
material für Sitzmöbel verwendet wird. 

Krumau (KJrummau), Stadt in Böhmen: Flachsspinnerei, Fabrikation von 
Tuch und Kaschmir. 

Krüseler, auch Hülle, eine Frauenhaube, die in der Mitte des 15. Jahrh. 
in Mode kam. Sie rahmte das Gesicht durch eine Menge eng gefalteter Striche 
von weissem, überaus feinem Leinen ein; auch war manchmal der untere Band 
der kapuzenartigen Haube mit solchen Strichen versehen. 

Kuba, Stadt in Bussland: Seiden- imd Teppichwebereien. (Hauptort der 
Teppicherzeugung in Daghestan.) 

Kuchen, Dorf im Oberamt Geislingen des württ. Donaukreises : Baum- 
wollspinnerei und -Weberei. 

Kufische Schrift, die von der Stadt Kufa (Provinz Irak Arabi), wo die 
meisten Abschreiber waren, so benannte arabische Schrift, erscheint im Mittel- 
alter auf Geweben nicht nur als Bezeichnung des Ortes der Herstellung oder 
'des Zweckes, sondern auch lediglich als Ornament, weil die Technik der Weberei 
durch den gewünschten symmetrischen Umschlag die Bedeutung des Schrift- 
zeichens aufhebt. Schon der Araber macht auf diese Weise im 13. Jahrh. 
seine Koransprüche dem Flachmuster nutzbar (s. arabischer Stil). Diese 
Schriftborten übernimmt dann Spanien und Italien mit der Technik und den 
Mustern der Seidenweberei vom Orient, so dass Nachklänge in den europäischen 
Stoffen des 14. — 15. Jahrh. mit Spruchbändern und gotischen Minuskeln damit 
in Zusammenhang gebracht werden können. In der Musterung der Knüpf- 
teppiche des Orients lassen sich ähnliche Ueberlieferungen kufischer Schrift 
durch die Technik verfolgen, welche im 16. Jahrh. zur Ausbildung eines breiten 
arabischen Bandmusters führen. 

Kula, Stadt in der türkischen Provinz A'idin : Erzeugung von Knüpf- 
teppichen, welche im Handel als Smyrna-T. gelten. 

Kulieren s. Wirkmaschine. 



312 ' Kulierplüsch — Kunstwolle. 



KulierplÜSCh s. Wirkwaren. 

Kuniatstuch, grobes Wollentucli aus Siebenbürgen. 

Kunstleinen, leinwandartige Stoffe, zu deren Herstellung Leinenlumpen, 
abgenutztes Tauwerk usw. zerfasert werden und das Produkt nach Art der 
Baumwolle gekrempelt und versponnen wird. 

Künstliche Seide zu erzeugen bat in neuerer Zeit viele Techniker und 
Chemiker beschäftigt. Frühere Versuche, eine Faser herzustellen, die den 
Eigenschaften der Seide ähnlich war, schlugen fehl. (Vgl. Silbermann, Die 
Seide usw. Dresden 1897. Bd. II. S. 115 ff.) Noch im Jahre 1879 erregte 
die sog. Similiseide in Lyon grosses Aufsehen, entpuppte sich aber als Betrug. 
Ein gutes Ersatzmittel für die echte S. ist in der wilden S. gegeben; auch 
wurde versucht, die Ramie (Chinagras) ihres Glanzes halber als Surrogat der 
S. zu verwenden, ebenso versuchte man aus der Bastfaser des Maulbeerbaumes 
ein der Seide gleichkommendes Rohmaterial herzustellen. Als Grundstoff für 
das Surrogat der künstlichen S. wählte man die durch Behandlung mit Salpeter- 
schwefelsäure aus der Zellulose (Baumwolle oder Holzstoff) gewonnene Nitro- 
zellulose, die sog. Schiessbaumwolle oder das Pyroxylin in verschiedenen Stufen 
der Nitrierung. Nach Silbermann kannte man 1897 folgende Arten der künst- 
lichen Seide: ein im Jahre 1885 von Graf de Chardonnet erfundenes 
Verfahren, das seither neue Vervollkommnungen erfahren hat; ein im März 
1889 als Patent angemeldetes Verfahren von Du Vivier; das im November 
gleichen Jahres angemeldete Verfahren von Dr. Lehner in Augsburg und 
endlich die neuesten Verfahren vonCadoreh und Langhans. — Künstliche 
Seide wird auch aus gefärbten oder metallglänzenden Kollodiumfäden her- 
gestellt. 

Kunststickereifachschulen, Anstalten zur Ausbildung in der Weiss- und 
Buntstickerei für das weibliche Geschlecht. In Preussen liegt die Leitung der- 
selben, welche mit den Webe- und sonstigen Schulen für Textilindustrie ver- 
bunden sind, in Händen der Kgl. Zentralstelle (s. Berlin, S. 82); ferner besteht 
eine Abteilung an der Kunsthandarbeitsschule des Lettevereins zu Berlin und eine 
mit der Königl. Zeichenakademie zu Hanau verbundene Fachschule für Kunst- 
stickerei mit zweijährigem Unterrichtsgang. Sachsen besitzt zwei vom Staate 
beaufsichtigte Privatinstitute für Kunststickerei, die Fachschule des Frauen- 
erwerbvereins zu Dresden (seit 1877) und eine Abteilung an der höheren Fach- 
und weiblichen Gewerbeschule, sowie Handarbeitslehrerinnenseminar zu Leipzig 
(seit 1875). Besondere Sorgfalt hat man in Oesterreich diesem Unterricht zu- 
gewendet. Dort besteht die Fachschule für Kunststickerei zu Wien (1874), 
die Kunststickerei zu Laibach (1891) und die mit der k. k. Staatsgewerbe- 
schule verbundene Fachschule für Kunststickerei zu Triest. 

Kunstwolle, Lumpenwolle (franz. : laine artificielle, engl. : Shoddy, Mungo), 
Ersatzstoff für Naturwolle, der durch das Zerfasern wollener Lumpen, sowie 
von Garnabfällen aus Spinnerei und Weberei oder auch von Tuchlumpen ge- 
wonnen wird (im letzteren Fall Mungo genannt). Die K. wird meist mit natür- 
licher Wolle gemischt, als Einschlag zu wohlfeilen Tuchen von feinem Aus- 
sehen, aber geringerer Haltbarkeit gearbeitet. Die Verarbeitung der Lumpen 
geschieht in der Weise, dass man dieselben zuerst wäscht, dann sortiert und 
jene, welche neben Wolle auch noch Baumwolle enthalten, dem sog. Karboni- 
sieren unterwirft, d. h. mit Dämpfen von Salzsäuren behandelt, wodurch die 
Baumwolle zerstört wird. Die sortierten und genügend gereinigten Lumpen 
werden auf dem Wolf, einer mit Stahlspitzen besetzten Trommel, welche in 
einem ebenfalls mit Stahlspitzen besetzten Gehäuse rasch umläuft, zerrissen. 
Die sich ergebenden Fasern werden mit Hilfe von Krempelmaschinen gfleich 
gerichtet, so dass man eine lockere Watte erhält, die dann zu Bändern gestreckt 
wird, welche immer länger und dünner ausgezogen werden, bis man endlich 
spinnbare Fäden bekommt, die zu Geweben verarbeitet werden. Die sog. 
Schneiderlumpen, d. h. Abfälle von neuen Tuchen, sind für den Zweig der 
K.-Fabrikation das beste Material und werden die aus demselben dargestellten 
Fabrikate gewöhnlich als Mungo bezeichnet. Die K.-Garne werden in vielen 



Kurdistan — Lachorias. 313 



Fällen mit neuen Wollfäden zu billigerer Ware versponnen. Manche Grewebe^ 
der eigentliche Shoddy, bestehen aber nur aus K. und haben daher auch nur 
eine geringe Festigkeit und Haltbarkeit. Die K. -Industrie ist zwar ein Ge- 
werbe, durch welches grosse Mengen von Abfällen, welche sonst wertlos wären, 
wieder in brauchbare Waren übergeführt werden, und man hat es soweit ge- 
bracht, solche Waren derart herzurichten, dass sie vom Nichtkenner für feine 
Schafwollstoffe gehalten werden; sie wird aber leider auch vielfach missbraucht, 
indem ein grosser Teil angeblich neuer Schafwollgewebe eine sehr beträchtliche 
Beimengung von K, enthält und hierdurch bei schönem Aussehen an innerem 
Wert verliert. 

Kurdistan, umfasst das Gebiet der Kurden, die türkischen Provinzen 
Diabekr, Erzerum, z. T. Bagdad, sowie die persischen Provinzen Kurdistan 
oder Ardilan mit der Hauptstadt Kirmanschah. Die Wanderstämme der Kurden 
erzeugen die besten Teppiche, welche bei der grossen Ausdehnung des Gebietes 
unter verschiedenen Bezeichnungen in den Handel kommen. 

Kurdistan-Kilims sind die feinsten glatten Teppiche, welche Persien jetzt 
produziert. Dieselben sind nicht geknüpft, sondern in feiner Schlitz Wirkerei 
hergestellt; sie zeigen entweder ein Heratimuster und Palmwipfel, oft haben 
sie auch im Innern ein ovales Medaillon (s. Kilim). 

Kurk ist die teuerste (Flaum-) Wolle in persischen Teppichen: das sind 
die kleinen feinen unteren Haare, welche eine besondere Ziegenart (bei Kirman) 
im Frühjahr verliert. Mit K. gewebte Teppiche gehören zu den grössten 
Seltenheiten und werden nur auf Bestellung hergestellt, da K. viel teurer als 
Seide zu stehen kommt. Bei den Nomadenvölkern werden daraus Teppiche 
für die Aussteuer gemacht; auch sind die berühmten Kirmaner Shawls daraus; 
gefertigt. 

Kurvenstil ist die allgemeine Bezeichnung im Bereiche der Kunstformen 
des französischen Barockstils, welche von Daniel Marot (1650 — 1712), Jean 
Berain (1638-1711), Charles Boulle (1647— 173?!) ausgebildet wurden und sich 
aus volutenartig geschlungenen Bandornamenten zusammensetzen. Für das' 
Flachmuster sind namentlich die Entwürfe von Marot von Bedeutung ge- 
worden und als Bandaufnäharbeit verwendet. (Vgl. Abb. 35.) 

Kusir, Nähseide (s. Seide). 

Kutil, modernes festes Gewebe aus grober Baumwolle. 

Kutte, der weite, bis auf die Füsse herabreichende, um die Hüften durch 
einen Strick oder Gürtel zusammengehaltene Hock der Mönche, der am Nacken 
mit einer Kapuze versehen ist. 



L. 

Lace, im Englischen „die Spitze", dessen Abstammung wohl im italie- 
nischen „laccio oder lacetto" zu suchen ist: dort ist es die Bezeichnung 
für eine Yerschlingung aus Fäden oder wie es in alten Musterbüchern wörtlich 
übersetzt wird „geschlungenes oder verstricktes Werk", womit also die innere 
Zeichnung gemeint war. In England versteht man unter L. im allgemeinen 
eine geklöppelte Spitze, in welchem Sinne die Ableitung des Wortes auch 
mit der Bedeutung für Litze, Tresse, Borte usw. im Zusammenhange stehen 
kann, so dass man von einer point lace, oder von einer Spitze mit eingenähter 
geklöppelter Litze spricht, (s. Litzenspitze.) 

Lacerna, ein IJebergewand der ßömer, leichter als die Toga (s. d.), wurde 
über beide Schultern gelegt und vorn mit einem Knopf geschlossen. 

Lacet (franz.), Schnürband, Schnürsenkel. 

Lachorias sind ostindische Baumwollzeuge von Patna, welche im ost- 
indischen Handel vorkommen. 



314 Lacieren — Lambrequins. 



Lacieren (franz.), einschnüren, zuschnüren, mit Band durchflechten. 

Lacis (franz.), netzförmiges G-ewebe, Netzarbeit. 

Lacovries, baumwollene ostind. Gewebe, welche die Dänen früher brachten. 

Lade, in der Weberei der den Weberkamm einschliessende Rahmen mit 
dem L a d e n b a u m , dem unteren schweren Querholze, dem Ladenstock oder 
oberen Querholze, welches auf den Balken des Webstuhlgestelies ruht, und dem 
Ladendeckel, ebenfalls einem Querholze, welches den Weberkamm festhält. 
Die L. dient dazu, um den Einschlagfaden, der quer durch die Kette gelegt 
wird, anzuschlagen, d. h. den zuletzt eingetragenen Schussfaden glatt an das 
Gewebe zu drücken. Es gibt je nach der Art des herzustellenden Gewebes 
verschiedene Arten von L. : die Handlade, Schnelllade, Broschierlade, Wippchen- 
lade, Wechsellade, Lanzierlade. In der Flachsspinnerei nennt man L. den un- 
beweglichen Teil der Handbreche. 

Ladik, eine Art von Smyrna-Kuüpfteppichen. 

Ladines, ein veralteter geköperter Wollenstoff, der buntgestreift oder 
getupft gewebt wird und durch die Heissmange (Glossing maschine) eine glänzende 
Appretur erhielt. 

Lady-Coating, der feinste, leichteste Fries, eine Art Tuchgewebe. 

Laguary, kolumbische Baumwollsorte. 

Lahn (franz. la lame, engl, finsel, ital. lame) heisst der dünne, geplättete 
Metalldraht, der entweder über Seide gesponnen oder allein zu Spitzen, Zeugen, 
Borten und dergl. verarbeitet wird. Es gibt Goldlahn, Silberlahn, leonischen 
oder unechten Lahn. Er ist auf kleinen BöUchen von einer halben oder ganzen 
Unze im Gewicht. Man bezieht ihn von Augsburg, Berlin, Wien, Nürnberg 
und Freiberg. Lahnbänder (Lahn und Seide zusammengewebt) werden noch 
in Annaberg gefertigt und für gewisse Yolkstrachten gebraucht. Lahnzeuge 
für Maskeraden- und Theateranzüge webt man in Chemnitz. Die Fabrikation 
von Lahntressen wird in Freiberg betrieben, sie unterscheidet sich in 
Ga Ionen, Gaze und Korallenarbeit. Lahnarbeit in echter Ware 
wird in vielen Städten Deutschlands, namentlich Nürnberg und Leipzig, ge- 
macht; höchst bedeutend ist die Fabrikation aber in Moskau (Bussland). 

Lahnborten, die aus Lahn hergestellten Gold- und Silberborten. 

Lahore oder Lahaur, Hauptstadt in der indobritischen Gouverneurs chaft 
Pandschab : Fabrikation von Baumwollstoffen, Flanellen, Seidenstoffen, Gold- 
und Silberlitzen. In früherer Zeit Fabrikation von Teppichen : Ende der 80er 
Jahre sind solche aus dem 16. Jahrhundert entdeckt, welche im Jeyporemuseum 
untergebracht wurden, (s. Indien.) 

Laibach, Stadt im österreichischen Kronlande Krain: Baumwollspinnerei, 
Tuchfabrikation. Fachschule für Kunststickerei, Spitzenindustrie. 

Lamas, 1. flanellähnliche Stoffe aus Streichwolle, schlicht gewebt, doch 
zuweilen auch geköpert und gemustert; sie haben eine schwache Haardecke, 
durch welche das Gewebe sichtbar ist , sind einfarbig oder bunt, gestreift, 
kariert oder geflammt und dienen als Futter für AVinterkleider, zu Mänteln usw. 
Mitunter gibt man den Namen auch besseren Stoffen, die gewöhnlich Napoli- 
taine heissen. 2. in Italien glatte, reiche und halbreiche Stoffe. Der Aufzug 
ist von Organsinseide, der Einschuss von Tramseide, das Gold und Siber echt. 
Die ganz reichen nennt man tutta lama, die halbreichen mezza lama. Sie 
w^erden zu Neapel, Messina und Venedig gewebt. 

Lambrecht, Stadt des bayer. Beg.-Bez. Pfalz : Bedeutende Tuchfabrikation, 
Watte und Wollfilz. Seit 1900 höhere Webschule. 

Lambrequins sind ausgezackte Behänge für Bortenabschlüsse über 
Fenstern, Türen und dergl., sowie an Decken- und anderen Behangsto^en. 
Ihre Entstehung wird mit der Entwickelung des Zackenmusters zusammen- 
hängen, das wiederum durch die genähte und geklöppelte Spitze eine Aus- 
bildung erhielt. Allmählich sind die Bogenfelder auch als Musterung für ge- 
webte und gestickte Stoffe als abgepasste Streifen allgemein geworden , ohne 
dass man sie ausschneidet. (Vgl. die Abb. 38, 39, 41 u. 3 auf Tafel IX.) 
Eine besondere Art von lambrequinartigen Feldern in glatten Borten ist ge- 



Lametta — Lanciert. 



315 



Abb. 170. 




bildet durch das IJmsclilagen des arabischen Spitzbogens, dessen Motiv auf 
persischen und indischen Teppichen und Decken oft wiederkehrt. (Vgl- 
Abb. 170.) 

Abbildung: 

170. Darstellung aus: Heiden, Musteratlas, Leipzig 1896, Blatt 17. Borte in 
farbigem Zeugdruck mit gefüllten Lambrequinfeldern. Indien 19. Jahrh. 



Lametta, feine Metallfäden, die durch Ziehen von versilberten Kupfer- 
stangen hergestellt und mit denen Stoffe zu Gewändern durchwebt werden. 

Laminieren, soviel wie zwischen Walzen strecken, z. B. die für den 
Spinnprozess vorzubereitende Baumwolle auf dem Laminierstuhl oder der 
Streckmaschine. 

Lamm Gottes, s, Agnus Dei. 

Lampas, ursprünglich ostind. gemalte Seidenstoffe , welche durch die 
Holländer nach Europa kamen, und jetzt noch zuweilen über Kopenhagen in 
den Handel gebracht werden. Gegenwärtig versteht man unter dem Namen 
Lampas reich gemusterte Seidenstoffe zu Möbeln und Tapeten, Kirchenornaten 
und dergleichen. 

Lampendocht, s. Docht. 

Lamskin, streichwollnes Plüschgewebe, Nachahmung von kurzem Lammfell. 

Lanark, Stadt in Südschottland : Baumwollspinnerei und Strumpfwirkerei. 

Lanas churras, s. Wolle. 

Lana SUCida nennt man auf allen italienischen Handelsplätzen jede un- 
gewaschene und unreine Schafwolle, besonders aber die aus der Levante, 
Berberei, Morea, Dalmatien usw. kommenden Sorten. 

Lancashire oder Lancaster, engl. Grafschaft: bedeutendstes textiles 
Industriegebiet Englands (s. d.). Schon unter Heinrich VIII (1509 — 47) be- 
ginnt hier die Verarbeitung der Baumwolle, welche durch protestantische 
Flüchtlinge von Italien dahin gebracht wird. 

Lanciert, (franz.) lanziert, heissen gemusterte Gewebe, welche ausser 
dem Grundschuss noch einen Figurenschuss haben , dessen Fäden aber nicht, 
wie bei den broschierten Stoffen, nur in der Breite der Figur, sondern in der 
ganzen Breite des Gewebes hinlaufen und auf der unrechten Seite öfters flott 
liegen. 



316 Laiicut — Lappets-Musseline. 



Lancut, Stadt in Galizien: rachwerkstätten für Weberei; Tuchfabriken, 
Leinwandbleicherei; Handel mit Flachs. 

Landeck in Westpreussen, Stadt im preuss. E,eg.-Bez. Marienwerder: 
Tuchweberei und Wollspinnerei. 

Landserge, buntgefärbte geköperte Wollenstofife, welche ehedem in Hof 
und in Weiden in der Oberpfalz verfertigt und von den Landleuten getragen 
wurden. 

Landtücher, diese Bezeichnung gibt man sowohl im allgemeinen den aus 
inländischer Wolle, als auch besonders den in den Landstädten verfertigten wollenen 
Tüchern. 

Langenberg, Stadt im preuss. E,eg.-Bez. Düsseldorf: Bedeutende Seiden- 
und Halbseidenstoff- sowie Seidenbandfabrikation; Färbereien. 

Langenbielau, Dorf im preuss. Reg.-Bez. Breslau: Bedeutende mechan. 
Webereien für Baumwoll- und Leinenwaren (Firma Christ. Dierog mit 3000 
Arbeitern), grosse Grarnfärbereien und -Bleichen. 

Langensalza, Stadt im preuss. Beg.-Bez. Erfurt : Kammgarnspinnerei, 
Baumwollweberei, Nessel-, Strickgarn- und Tuchfabrikation. Um 1670 wurden 
hier Halbseidenmanufakturen gegründet; die Baschmacher Formfeist und 
Schreiber kamen im Jahre 1668 von ihren Wanderungen aus der Schweiz 
zurück und verwerteten ihre Kunst in L. durch Herstellung von geblümten 
Taffeten, Atlassen und anderen Seidenzeugen, mit baumwollenem oder leinenem 
Einschlag. Schüler und Nachkommen errichteten im 18. Jahrhundert weitere 
Manufakturen und so kam das Gewerbe zu immer höherer Blüte. Im Jahre 
1720 war hier die Zahl der Seidenwirker so gross, dass sie von Kurfürst 
August III ein Innungsstatut erhielten. Gottlieb Gräser führte daselbst auch 
die Fabrikation reinseidener Gewebe ein. 

Langenthai, Marktflecken des Schweiz. Kantons Bern : Fabrikation von 
Leinen-, Woll- und Halbwollwaren. 

Langnau im Emmental, Dorf im Schweiz. Kanton Bern: Gerbereien, 
Bleichen, Tuchfabriken und Leinenindustrie. 

Languenane oder Bourriere, eine aus dem besten und reinsten Flachs 
gewebte französische Leinwand, die ihrer Güte und Dauer wegen sehr gesucht 
wird. Vorzüglich schön macht man sie im Departement der Nordküsten, zu 
Dinan, St. Brieux und den umliegenden Dörfern. 

Languetten- oder Schlingenstich, eine in der Weissstickerei übliche 
Stichart (s. Stickerei). 

Langwaren nannte man früher alle die Gewebe, welche im Kleinhandel 
nach der Elle gemessen wurden. 

Lanilla de Colores ist eine Handelsbezeichnung an der Westküste von 
Südamerika für eine Gattung mittelfeiner englischer Sergen von hartem 
Kammgarn. 

Lanipendium (lat.), Baum in den Nonnenklöstern für die Wollenspinne- 
reien und die wollenen Gewänder der Nonnen. 

Lannoy, eine Gattung Tripp (s. d.), die in der Gegend bei Byssel ge- 
webt wird. 

Laon, Stadt im franz. Depart. Aisne : Fabrikation von Leinwand, Strumpf- 
waren, Wolldecken, Tuch. 

Lapisdruck, in der Zeugdruckerei eine Methode zur Erzielung von 
bunten Mustern auf Küpengrund, die darin besteht, dass man auf weisse Baum- 
wolle eine Beservage, die eine Beize (Tonerde = Eisenbeize) enthält, auf- 
druckt, dann mit Indigo färbt und schliesslich mit einem Beizenfarbstoff, der 
dann nur an den bedruckten Stellen fixiert wird; die Erzeugnisse hassen 
Lapisartikel. 

Lappets-Musseline nennt man auf beiden Seiten rechts broschierte oder 
figurierte Musseline, meistenteils mit erhabenen Streifen, zwischen welchen die 
runden durchbrochenen Muster sich befinden ; die Kette ist Muletwist und der 
Einschlag Weftgarn. Sie werden auf einem eigenen dazu erfundenen Stuhle 
gewebt, den man Lappet-Stuhl nennt. 



Lappingmaschine — Leggen. 317 



Lappingmaschine, soviel wie Doubliermaschine. 

Las pointas, Bezeichnung der Spitzen von le Puy durch die spanischen 
Bewohner. 

LastingS sind ^ollatlasse, d. h. nach Atlasart dichtgewebte Zeuge aus 
hartem Kammgarn, die meist nur in schwarz und andern dunkeln Farben vor- 
kommen und als Möbelstoffe, zu Schuhen, Halsbinden und Kleiderstoffen dienen. 
Häufig ist der Stoff ein gemischter, mit Kette von Baumwollzwirn, und heisst 
dann zuweilen Paramatta. 

Latisclavus (lat.), breiter Purpurstreifen an den Grewändern des frühen 
Mittelalters. (Vgl. Koptische Textilfunde.) 

Lauban, Stadt im preuss. Peg.-Bez. Liegnitz : Leinen- und Baumwoll- 
weberei, Grarnbleiche, Kattundruckerei und Färberei. 

Lauenburg in Pommern: Mechan. "Webereien und Wollspinnerei. 

Laufen, Stadt im Schweiz. Kanton Bern: Leinwand- und Grarnweberei, 
Seidenindustrie. 

Laufenburg, Stadt des bad. Kreises Waldshut: Baumwollweberei, Seiden- 
zwirnerei und Seidenstoffweberei. 

Laufender Hund, s. Wogenbaud. 

Lauffäden der Gimpenspitzeu werden aus ganz feiner Seide oder anderen 
feinen Fäden gebildet; sie treten gegenüber den starken Schnüren zurück: 
s. Kissfäden. 

Laufmasche, ein in Wirkware bisweilen als Fehler entstehendes, bis- 
weilen aber auch zur Musterbildung absichtlich hergestelltes breites Platinen- 
maschenstäbchen. 

Laval, Stadt des franz. Depart. Mayenne : Sehr bedeutend sind Fabri- 
kation von Leinwand, Zwillich, Kattun und andern Baumwollwaren. 

Lavalsche Leinen, Toiles de Laval, ist der allgemeine Name verschie- 
dener Sorten franz. Flachsleinwand, welche im Depart. der Mayenne und im 
LTmkreis von mehreren Meilen verfertigt werden und die ihren Namen von der 
Stadt Laval, wohin sie die Weber zum Verkauf bringen, erhalten haben, weil 
sie von dort aus appretiert und sortiert weiter verschickt werden. 

Lavoro di maglio (ital.), s. v. w. Maschenarbeit. 

Lawn, ist die englische Benennung der schlesischen Schleierleinwand. 
— Die Bezeichnung L. wird gegenwärtig in England und Schottland auch 
für baumwollene Stoffe ähnlicher Art wie die leinenen gebraucht, (s. a. 
Linon.) 

Lea (engl.), Grebinde von Grarn. 

Lebensbaum, heiliger Baum, s. Baum als Stoffmuster. 

Lecco, Hauptort der ital. Provinz Como : Seidenbau, Seiden- und Baum- 
wollfabriken. 

Leck, Dorf des preuss. Peg.-Bez. Schleswig: Wollspinnerei, Tuchfabrik 
mit Färberei und Walkerei. 

Lectoure, Stadt des franz. Depart. Grers : Wollspinnerei, Fabriken für 
Wollzeuge und grobes Tuch. 

Lederleinwand, s. Creas und Coram. 

Ledertuch, ein nach Wachstuchart mit Leinölfirnis unter Zusatz von 
Erdfarbe überzogener Baumwollstoff, häufig Barchent, welchem man durch 
Pressen zwischen gravierten Walzen die dem Saffian oder andern feinen Leder- 
arten eigentümlichen Narben gibt. Es wird zu Tischdecken, zum Beziehen von 
Stühlen, Sofas u. dgl. verwendet. 

Leeds, Stadt in der engl. Grafschaft York: Unter den Industriezweigen 
sind Flachsspinnerei, die Anfertigung von Kleidungsstücken, vor allem die von 
Mützen und Damenkonfektion, und die Grerberei hervorzuheben. Schon im 
17. Jahrh. Sitz der Wollmanufaktur. 

Leek, Stadt in der englischen Grafschaft Stafford: Seidenspinnerei; 
Fabrikation von Borten. 

Leggen, die in einzelnen Webereidistrikten vorhandenen amtlichen An- 
stalten zur Kontrolle der Leinenwaren nach Länge und Breite der Stücke so- 



318 



Lehrte — Leinendamast. 



wie nacli Qualität; sie wurden in den Provinzen Westpreussen, Hannover und 
Hessen 1875 aufgehoben. 

Lehrte, Stadt im preuss. E,eg.-Bez. Lüneburg: zwei Wollgarnspinnereien. 

Leichentuch, (lat. pallium emortuale; franz.: drap mortuaire ; palle 
funeraire; engl: funeral pall); zur Bedeckung eines Leichnams oder Sarges 
dienendes Tuch. Schon seit dem frühen Mittelalter gebräuchlich : Viele 
derartigen Tücher kommen als Hülle vollständig bekleideter Toten in koptischen 
Grräbern des 5. — 7. Jahrh. vor. Seidene gewebte Sargdecken sind auch im 
Orient üblich und mit Koransprüchen gemustert; sie kommen aus der Türkei 
(Skutari) in rot und Aveissem Atlasgewebe. 

Leichlingen, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Düsseldorf: Rotfärberei, Woll- 
spinnereien, median. Webereien und Färbereien, Hausindustrie in Plüsch- 
weberei. 

Leiden oder Leyden, Stadt in der niederländ. Provinz Südholland: Be- 
trächtlichen Erwerbszweig bildeten im 18. Jahrh. die Tuchfabriken. Nach 
einer Zeit des tiefsten Verfalls (besonders seit der franz. Herrschaft) hat L. 
sich in den letzten 50 Jahren wieder erholt, es fabriziert Tuche, Kattun, 
Decken und treibt Wollhandel. 

Lein, (lat.: linum usitatissimus ; franz.: lin; ital. : lino ; engl.: linum). 
Die L. -Pflanze wird seit alter Zeit in verschiedenen Arten gepflanzt und teils 
ihrer G-espinstfasern , teils ihrer ölreichen Samen 
wegen gebaut. Die Gespinstfasern, welche als ^]j\^ ^rj^ 

Halbpro duckt den Namen Plachs (s. d.) führen, 
sind von Bedeutung zur Anfertigung von Leinen- 
garn, aus Avelchem die Leinwand erzeugt wird. _.^.,«?^ 

\^ Jf' n 

Abbildung: 

171. Darstellung aus : Buch der Erfindungen, 
Leipzig und Berlin 1879. Bd. 6: Leinpflanze. 

Leinendamast, (franz.: linge damassee; engl.: 
linnen-damask) ; wird in den besten Arten aus 
feinsten Leinengespinsten, auch mit Seide, in ge- 
wöhnlicheren Sorten mit Vermischung von Baum- 
wolle gewebt. Das Gewebe selbst ist wie jeder 
andere Damast durchweg ein fünf- bis achtbindiger, 
in den feinsten Sorten zwölfbindiger Köper oder 
Atlas. Leinendamast zeigt von allen D. die grösste 
Mannigfaltigkeit mit Bücksicht auf Muster, Fein- 
heit und Breite ; er wird gegenwärtig fast nur noch 
abgepasst, d. h. nach bestimmtem Mass mit Ein- 
fassung, Mittelstück und Ecken gearbeitet und zu 
Tafeltüchern, Servietten und Handtüchern ver- 
wendet. Derselbe ist ganz weiss, indem das Muster 
auf der einen Seite glänzend in mattem Grunde, 
auf der anderen matt in glänzendem Grunde er- 
scheint, oder weiss und gelblich (naturfarbig), in- 
dem die Figur auf der einen Seite hell in dunk- 
lerem Grunde, auf der anderen dunkel in hellerem 
Grunde erscheint. Der älteste Leinendamast wird 
in Nachahmung des italienischen Seidendamastes 
im 16. Jahrhundert in Deutschland (Augsburg) ^ 

erzeugt , die Musterung ist anfangs geometrisch : schachbrettartig , mit Sternen 
oder aus sogen, versetzten Steinmustern , die auch in ältesten sizilianischen 
Seidendamastgeweben erscheinen. (Vgl. Abb. 55.) Im 17. Jahrhundert wird 
Sachsen in der Leinendamastweberei berühmt, ihre Musterung folgt dem Stile 
der Zeit (Abb. 172), woselbst das geknickte Band vorherrschend ist; später 
aber das Blumenmuster bevorzugt. (Abb. 173.) Böhmen und Schlesien werden 




Leinendamast. 



319 



im 18. Jahrh. für Leinendamastw-eberei bedeutend; aus Schlesien und Sachsen 
kommen in vielen Beispielen die sogen. Friedensdecken (Abb. 174), welche 



Abb. 172. 




zur Erinnerung an die Friedenschlüsse von Breslau (1742), von Dresden (1745) 
und von Hubertsburg (1763) gewebt worden sind. — Vgl. E. Kumsch, 
Leinendamastmuster des 17. und 18. Jahrh. Dresden 1891. 

Abb. 173. 




Abbildungen: 

172. Darstellung aus Kumsch, Leinendamastmuster, Bl. VI: Borte eines Leinen- 
damasttuches mit Ornament aus Band- und Blattwerk. Sachsen Anf. 18. Jahrh. 

173. Darstellung wie vorher^ Blatt VI: Teil einer Leinendamastdecke, rot und 
weiss mit Rand aus Früchten und Blumen, in Mitte Blumenkorb. Sachsen Mitte 
18. Jahrh. 

174. Darstellung aus der Zeitschrift : „Sammler-Daheim", 1902, Nr. 20: Leinen- 
damasttischdecke , zur Erinnerung an den Frieden von Hubertsburg gewebt. Rand 



320 



Leinengarn. 



Abb. 174. 




mit Jagdscenen, in Mitte Darstellung der Herrscher mit dem Alliancewappen und dem 
Schloss Hubertsburg. Sachsen 1763. 

Leinengarn. Der aus der Faser des Machses gesponnene Faden wird 
Flachsgarn, häufiger Leinengarn genannt; bei den daraus gefertigten 
Geweben hingegen greift die Bezeichnung Leinen ausschliesslich Platz. 
"Während in alter Zeit die Anfertigung des L. aus Flachs vornehmlich Gegen- 
stand der Hausindustrie war und der Flachs durch Handarbeit zu Garn ver- 
sponnen wurde , ist dieser Industriezweig gegenwärtig ganz in den Hinter- 
grund getreten und wird L. sowie Gewebe aus demselben jetzt meistens unter 
Anwendung von Maschinen hergestellt. Die Handspinnerei auf dem E,ade wird 
in den Webereidistrikten z. Z. noch gewerbsmässig von den armen Familien 
betrieben und die Garne werden entweder durch Aufkäufer gesammelt und 
den AYebereien übermittelt, oder, wie namentlich in Böhmen, an bestimmten 
Plätzen (Trautenau) zu Markte gebracht. Die Yerspinnung des Flachses auf 
Maschinen nahm schon im Anfange des 19. Jahrh. in England ihren Anfang, 
indessen hat man erst seit etwa 50 Jahren damit befriedigende Erfolge erzielt, 
wozu die Engländer in der Ausbildung der dazu erforderlichen Hilfsmittel 
am meisten beigetragen haben. Es bestehen zwischen Maschinen- und Hand- 
gespinst wesentliche Unterschiede, indem jede der beiden Arten ihre be- 
sonderen Vorzüge und Mängel hat, welche für die Verwendung massgebend 
sind. Nicht durch die Preisverschiedenheit hat ersteres das letzte verdrängt, 
sondern durch die grössere Gleichmässigkeit des Fadens. Derselbe ist beim 
Maschinengarn immer gleichmässig voll und gerundet, das Handgarn dagegen 
häufig stellenweise dünner oder dicker, kantig und nicht frei von Knötchen. 
Dagegen ist es weit glatter als jenes, was durch hervorstehende feine Härchen 
rauh und wollig erscheint. Hiernach besonders unterscheiden sich beide Arten 
von Garnen. Das fadengleiche Maschinengarn wird überall dort angewendet, 



Leinengewebe. 321 



wo auf seine Eigenschaft etwas ankommt, oder bei Zwirn, glatten Bändern 
und Leinen. Die Gewebe daraus entbehren aber des eigentümlichen Leinen- 
glanzes, sie erscheinen nach der Bleiche rauh und reiben sich beim Tragen 
noch wolliger, unterliegen daher auch schneller der Abnützung. Wenn also 
der Leinenglanz (d. i. der sogen. Spiegel) zur G-eltung kommen soll, ist das 
Handgarn nicht zu verdrängen. Es kann sich überhaupt um so eher gegen 
die Maschine behaupten, je besser gesponnen wird. — Die Leinengarne werden 
je nach ihrer Bestimmung, ob sie zum Verweben oder zu Zwirnen dienen 
sollen, schon beim Spinnen verschieden fest gedreht. Das Kettgarn erhält 
mehr Drehung als das mehr lockere Schussgarn ; das zu Zwirn bestimmte wird 
ebenfalls weniger fest gesponnen. — Leinenzwirn entsteht durch Zusammen- 
drehen von 2, 3 oder 4 einzelnen Garnfäden zu einem ganzen; und zwar ge- 
schieht diese Drehung entgegengesetzt derjenigen, unter welcher das Garn 
entstand. Das Zwirnen erfolgt auf Zwirnrädern oder zusammengesetzten Zwirn- 
maschinen, die in der Konstruktion Aehnlichkeit mit einer Waterspinnmaschiue 
haben. Berühmt sind die belgischen Zwirne , die zu den vorzüglich feinen 
Spitzen dienen. Von solcher Ware wird das Kilo bis zu 1700 Mark bezahlt. 
Englische und schottische Zwirne sind besonders fest und von schönem Aus- 
sehen. Auch Frankreich liefert gute Sorten, u. a. den Liller Glanzzwirn. In 
Böhmen, Mähren, Sachsen werden gleichfalls gute Zwirne gefertigt. — (S. a. 
Garn und Garnsorten.) 

Leinengewebe , Leinwand oder Linnen (franz. : toile ; engl. : linen) sind 
aus Flachs, Hanf oder Heede hergestellt; ihre Bindung ist typisch für die 
glatten Gewebe. Die Kette ist in zwei gleiche Abteilungen geordnet, welche 
die Fäden 1, 3, 5 bezw. 2, 4, 6 enthalten und werden diese beim Weben ab- 
wechselnd nach oben und unten gezogen, so dass nur zwei Tritte am Web- 
stuhl nötig sind. Nach dem verwendeten Material unterscheidet man Flachs- 
leinen (aus reinem gehechelten Flachs), Hanfleinen (aus reinem Hanf oder mit 
hänfener Kette und Einschlag von Flachsgarn), Heede- oder Wergleinen, halb- 
flächsene oder Halbheedeleinen, Halblaken (mit Kette von Flachsgarn und Ein- 
schlag von Heedegarn), halbbaumwollene L. oder Halbleinen (mit Kette von 
Baumwollgarn und Einschlag von Flachsgarn oder umgekehrt). Die stärkste 
der zahlreichen Leinensorten ist das Segeltuch, das in besseren Qualitäten 
aus reinem Hanfgarn, in geringeren aus unreinem, Knoten enthaltenem Werg 
hergestellt wird. Dann schliessen sich an die verschiedenen Arten der Sack- 
und Pack-L. — Zu den guten, dicht gearbeiteten Sorten der L. sind zu 
rechnen: Das Hausleinen, die böhmischen und schlesischen Creas. Zu den 
leichteren Sorten gehören die böhmischen und schlesischen Schockleinen, 
die sogen. Futterleinen, welche stark appretiert und entweder ungebleicht 
oder schwarzgrau u. s. w. gefärbt und marmoriert sind; im ersteren Falle 
heissen sie Franzleinen, im letzteren Moorleinen; das Steifleinen, sehr 
lose gewebt und durch starke Appretur steif gemacht. — Ausser dem weissen 
Leinen gibt es bunte und farbige Sorten, welche entweder aus gefärbtem Garn 
streifig oder kariert gewebt oder in Stücke gefärbt , oder wie Kattun ge- 
druckt sind. Andere Gewebe aus Leinengarn sind Damast, Drell, Batist, 
Linon und Gazen. Ein neuer Artikel in der Leinenbranche ist Leinenplüsch, 
der sich durch Haltbarkeit auszeichnet. Um das Leinen auf seine Echtheit 
zu prüfen, wird ein Streifen des Gewebes an einer Ecke ausgefasert, einen 
Augenblick in eine Lösung von Fuchsin in gewöhnlichen Spiritus getaucht, 
dann so lange mit Wasser übergössen , bis dasselbe ungetärbt abläuft. Noch 
feucht wird die Probe 1 — 2 Min. in eine Salmiaklösung getaucht; sobald die- 
selbe an der Luft trocken geworden ist, werden etwaige Baumwollfäden weiss 
erscheinen, während die Flachsfäden die Farbe behalten haben. — 

Die Herstellung von Leinengeweben ist uralt, schon im alten 
Aegypten und anderen Ländern des Morgenlandes wurden im Altertum Ge- 
wänder daraus getragen, deren feinste aus dem sogen. Byssus (s. d.) be- 
standen. Auch die alten Griechen und Bömer trugen leinene Kleider. Wie 
die aus koptischen Textilfunden (s. d.) stammenden Leinengewebe zeigen, 

Heiden, Handwörterbuch der Textilkunde. 21 



322 Leinenindustrie — Leinenstickerei. 

waren solche schon im frühen Mittelalter bunt gewürfelt und kariert. In 
späterer Zeit ist die Verwendung der Leinwand zu Kleiderstoffen zurück- 
gegangen und vielfach durch baumwollene Stoffe ersetzt. 

Die Leinenindustrie war im 15. und 16. Jahrh. nirgends so entwickelt 
als in Deutschland; indessen schädigte der dr eis sigj ährige Krieg und die 
späteren Kriege dieselbe aufs schwerste. Die lange Friedenszeit von 1815 ab 
Hess zwar die Leinenweberei in Westfalen, Schlesien, der Lausitz, in Württem- 
berg neu aufblühen ; aber die inzwischen erstarkte ausländische Konkurrenz 
machte sich doch stärker als zuvor geltend, zumal da man in England, Frank- 
reich und Belgien sowohl in der Spinnerei , als auch in der Weberei früher 
zum Maschinenbetriebe gelangte. 

An der Spitze der Leinenindustrie steht Grossbritannien, vor allem 
Irland. Hauptsitze der Spinnerei von Leinengarnen sind Leeds , Breadford, 
Dundee, Belfast, Huddersfield , Manchester; die Weberei hat auch in Irland 
ihren Hauptsitz. Die Bleichereien gelten als mustergiltig. 

In Frankreich ist das Depart. Nord der Hauptsitz der seit 1834 er- 
richteten mechanischen Flachsspinnerei ; doch werden die Garne, die sich zum 
Teil durch besondere Feinheit auszeichnen, meist in Irland verbraucht. Die 
Dauphine fertigt vorwiegend Hanfleinwand; besseres Flachsleinen liefern die 
nordöstlichen Provinzen, die übrige Weberei meist Mittelware für den in- 
ländischen Bedarf. 

In Deutschland vermag die Spinnerei den einheimischen Bedarf nicht 
ganz zu decken, doch ist dies mit jedem Jahre besser geworden: 1893 betrug 
die Ausfuhr von Leinengarnen 2,473, von Leinen- und Seilerwaren 30,021; 
1901 : 4,9 bez. 22,82 Mill. Mark. 

Oesterreich hat in Böhmen, Oesterreich-Schlesien und Mähren zahl- 
reiche Spinnereien, in denen meist gröbere Nummern gesponnen werden. Dort 
ist auch die Weberei konzentriert, die zum grossen Teil noch Hausindustrie 
ist. Mehr und mehr vollzieht sich auch hier der Ueb ergang zum Fabrik- 
betrieb. 

Belgien verfügt mit 250000 Spindeln über eine Flachsspinnerei, die 
im Verhältnis zur Bevölkerung die aller anderen Länder übertrifft. Auch die 
billigeren Artikel der Weberei können sich auf dem Wollmarkte neben den 
englischen und deutschen gut behaupten. 

Die Schweiz ist in ihrer Leinenindustrie nicht auf der Höhe des 
16. und 17. Jahrh. (St. Gallen und Appenzell) geblieben. Nur in den feinsten 
Geweben, den Batisten, Taschentüchern u. drgl. findet noch jetzt eine Aus- 
fuhr statt. 

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben der L. noch keine 
besondere Aufmerksamkeit zugewendet. In Italien, Spanien, unter den 
slav. Völkerschaften, besonders in Bussland, in den skandinavi- 
schen Ländern, wie in den Donaustaaten werden Leinengewebe, teils 
in Fabriken, teils auf Handstühlen hergestellt, der eigene Bedarf aber nicht 
gedeckt. 

Leinenschlagspitze oder Formenschlagspitze ist eine vervollkommnete 
geklöppelte Flechtenspitze, sie stellt durch leinenartige Bindung breitere Flächen 
her; das einfachere Flechten wird dabei fast nur für die Verbindungen an- 
gewendet. 

Leinenstickerei bezeichnet im weiteren Sinne jede auf einem leinenen 
Grundstoff gefertigte Stickerei, welche seit den ältesten Zeiten zur Musterung 
von Kleidern und anderen textilen Gegenständen gebräuchlich ist. Zunächst 
ersetzte die Leinwand nur andere Unterlagen und es wurden die Muster pbenso 
wie auf Seide und Wolle in farbigem Material ausgeführt, das mit Bücksicht 
auf die Waschbarkeit kaum einer besonderen Auswahl bedurfte, da die Farben 
der älteren Zeiten sich grosser Haltbarkeit erfreuten (Abb. 96 und 97). So 
finden sich noch aus dem 15. Jahrh. namentlich viele kirchliche Leinenstickereien, 
Antependien, Kelchtücher u. dgl., welche in bunter Seide im Plattstich mit 
Apostelfiguren, gotischem Rankenwerk und Blüten bestickt sind. Aus etwas 



Leinenstickerei. 



323 



späterer Zeit sind ferner Leinendecken (schweizer Arbeiten) für kirchliche 
Zwecke erhalten, deren kostbarste in Seide und Gold (Abb. 100), die meisten 
in bräunlichem und weissem Garn im Stielstich gearbeitet wurden. Diese Art 
der Leinenstickerei mit Mustern in beliebiger, freier Linienführung findet in 
Sticharten und in der Yerzierungsweise die gleiche Entwickelung wie die übrige 
Kunststickerei. Eine besondere Art der L., und diese wird in engerem Sinne 
darunter verstanden, ist jene, welche in der Mustergebung den quadratisch teil- 
baren Grund berücksichtigt und dementsprechend auf Sticharten beschränkt ist, 
welche sich dem Netzfach anpassen lassen. Die am meisten dafür in An- 
wendung kommende Technik ist die des Kreuzstiches , dem sich viele andere 
Sticharten und Ziernähte in einfacher und doppelseitiger Ausführung anschliessen. 
Dieser eigentlichen Leinenstickerei, bei welcher der Grund die Ausführung und 
Wirkung des Musters wesentlich beeinflusst, gingen in älterer Zeit die ver- 
wandten Arbeiten auf offenen Geweben, den sog. Kanevas-Stramin- oder 

Abb. 175. 









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Segeltuchstoffen voraus, welche in Material, Technik und Musterung ihren 
eigenen Entwickelungsgang genommen haben; bezüglich der Mustergebung ent- 
halten schliesslich etwas Gleichartiges noch die in Weiss und Bunt ausgeführten 
Eiletarbeiten. (Vgl. hierüber die betreffenden Artikel im Einzelnen.) 

Die Leinenstickerei auf abgezählten Fäden hat im 16. Jahrh. 
in Italien und Deutschland eine w-eite Verbreitung gefunden, wozu besonders 
dafür erschienene Stickmusterbücher (s. d.) beitrugen. Für unsere Zeit wurde 
das Gebiet der „altdeutschen Leinenstickerei" neu belebt am Ende der 1870er 
Jahre durch die Veröffentlichung älterer Muster, wie sie sich auf Mustertüchern, 
Tisch- und Bettzeug erhalten haben ; altitalienische Leinenstickereimuster 
schlössen sich daran an. 

Der Ursprung der L. ist im Orient zu suchen, woselbst sie in gleicher 
Art wie in Italien und Deutschland schon früher von den x^rabern geübt wurde : 
Beispiele davon im Kreuzstich (Abb. 175), im Webstich (Abb. 176) und mit 
Durchb rucharbeit in farbiger Seide (Abb. 177), wie sie im 16. Jahrh. in Spanien 
erscheint, fanden sich in koptischen Gräbern der späteren arabischen Periode. 
Auch Mustertücher für Leinenstickerei (Abb. 178) entstammen diesen Funden; 
zahlreiqh vertreten sind darin die Borten im sogen. Holbeinstich, Kästchen- 



324 



Leinenstickerei. 



Uebrigens bedinoi schon der Grebraucb der 



oder Strichstich (Abb. 25 u. 117) 

vielen Kopftücher, Shawls u. dgl. im Orient eine bei weitem grössere Aus- 
bildung der Leinenstickerei, wozu auch das Tragen von leichteren Leinen- und 
Baumwollengewändern Yeranlassung gibt. Die grösste Vielseitigkeit ist nanient- 



Abb. 176. 









lieh in den überaus zahlreich vorkommenden gestickten Shawls und Festüchern 
wahrzunehmen, welche auch auf Baumwolle gearbeitet werden. Diese der 
neueren Zeit angehörigen Stücke enthalten in farbiger Seide, Groldfäden und 
-lahn die reizvollsten Blumen- und Flächenmuster (Abb. 179), welche sich genau 
dem quadratischen Fadensystem des Grrundstoffes anpassen. Einfarbige Leinen- 

Abb. 177. 




Stickereien in roter und blauer Seide ausgeführt, oft so , dass die ausgesparte 
weisse Leinwand das Muster bildet, kommen aus Fez in Marokko (Abb. 180); 
dieselben haben den Weg über die griechischen Inseln genommen, sind dort 
und in Italien nachgebildet worden und gaben zur vielseitigen Ausbildung- 
weitere Anregung, wobei auch die Technik des einfachen Kreuzstiches abgelöst 
wurde durch den AVebstich (Abb. 181), der als deckende Flächenfüllung in der 
Türkei (Janina; vgl. Abb. 125) in reichen Mustern vertreten ist. Italien 



Leinenstickerei. 



325 



Abb. 178. 




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Abb. 179. 




Abb. 180. 



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326 



Leinenstickerei. 



bevorzugt im 16. Jahrb. in vornehm stilisierten geknickten Rankenmustern 

(Abb. 182) eine Stichart, welche filetartig durchbrochen erscheint (Abb. 183). 

Etwas anders gestaltet sich die Leinenstickerei in Deutschland und in 

den slawischen Ländern. Zunächst wird der AYaschbarkeit des Materials da- 

Abb. 181. 




Abb. 182. 




Abb. 1S3. 




durch mehr Kechnuug getragen, dass statt der Seide blaues und rotes Grarn 
zur Stickerei Verwendung findet. Aber auch der gegebenen klaren weissen 
Grundfläche ist dadurch mehr künstlerische Wirkung zugedacht, dass die streng 
stilisierten Muster derartig darauf verteilt sind, um die Leinwand dabei mit 



Leinenstickerei. 



327 



zur Geltung kommen zu lassen. ' Vor allem hat man darin jegliche Kurven- 
bildung vermieden, die doch der taffetartige Grund schwer hergibt (Abb. 184). 
Literatur: Lessing, Muster altdeutscher Leinenstickerei, Bd. 1 — 3, 
Berlin 1878—90; Lipperheide, Muster altitalien. L., Bd. 1 u. 2, ebd. 1881 
und 83; Originalstickmuster der Renaissance, herausgegeben v. k. k. Oesterr. 
Museum, Wien 1874; Hans Sibmacher, Stick- und Spitzenmusterbuch nach 
der Ausgabe vom Jahre 1597, herausgegeben wie vorher, AYien 1866; der- 
selbe, nach der Ausgabe vom Jahre 1604, herausgegeben von Dr. Georgens, 
Berl. 1874; Cocheris, Patrons de broderie et de lingerie (Paris 1872), hat 
vier der ältesten französischen Bücher veröffentlicht; Drahan, Stickmuster, 

Abb. 184. 




Wien 1873; Lay und Pischbach, Südslawische Ornamente, Budapest 1878 
und 1879; Fischbach, Vorlagen für Stickerei und Häkelei, Göppingen; Lay, 
Ornamente südslawischer nationaler Haus- und Kunstindustrie, Wien 1875 — 85 ; 
Teschendorff, Kreuzstichmuster für Leinenstickerei, Berlin 1879, 84 u.v.a. 



Abbildungen: 

175. Originalaufnahme aus dem Kunstgewerbemuseum in Leipzig: Borte eines 
Leinentuches mit Stickerei in farbigem Garn in Kreuzstich : arabisches Palmettenmuster. 
Aus einem Koptischen Grabe des 15. Jahrhunderts. 

176. Originalaufnabme aus dem Kaiser Friedrich-Museum in Berlin: Stickerei 
auf Leinen im Webstich in rotem Garn : Darstellung reihenweis versetzter Doppel- 
enten. Aus einem Koptischen Grabe des 15. Jahrhunderts. Arabisch. 

177. Originalaufnabme wie vorher: Borte eines Leinentuches mit Stickerei in 



328 Leinwand- oder Taffetbindung — Lennep. 

weisser und blauer Seide; dazwischen Durchbruch: geometrische Felder. Herkunft 
wie vorher. 

178. Originalaufnahme wie vorher : Mustertuch für Leinenstickerei in blauem 
Garn im Webstich. Herkunft wie vorher. 

179. Originalaufnahme aus dem Kgl. Landesgewerbemuseum in Stuttgart: 
Endigung eines Turbantuches, Stickerei auf loser Baumwolle in farbiger Seide und 
Gold: Streng stilisiertes Rosenmuster. Türkei 19. Jahrhundert. 

180. Originalaufnahme wie vorher: Borte, Stickerei auf Leinen in blauer Seide 
im Zopfstich ; stilisiertes Rankenmuster mit Palmetten, welches durch den ausgesparten 
Grund gebildet ist. Marokko 18. Jahrhundert. 

181. Originalaufnahme wie vorher i Borte eines Leinentuches mit Stickerei in 
rotem Gain im AYebstich : Streng stilisierte , zackig geformte Blattformen und FüU- 
werk zwischen Begleiträndern. Schmale Franse in roter und weisser Seide. Griechische 
luseln 17. — 18. Jahrhundert. 

182. Originalaufnahme wie vorher: Leinenborte, in roter Seide gestickt: Eckig 
gelegte Ranke mit Palmettenbäumchen. Italien 16. Jahrhundert. 

183. Originalaufnahme wie vorher: Leinenborte, in roter Seide gestickt: Eckig 
gelegte, schräg umbiegende stilisierte Blütenzweige. Italien 16. — 17. Jahrhundert. 

184. Originalaufnahme aus dem Kgl. Kunstgewerbemuseum in Berlin : Borte aus 
Leinwand, in farbigem Garn gestickt: Rautenfelder und Bäumchen aus Xelken. Slawisch 
18.— 19. Jahrhundert. 

Leinwand- oder Taffetbindung, s. Bindungen. 

Leinwandtapeten, s. Flocktapeten. 

Leipnik, Stadt in Mähren : Tuch- und Flanellweberei ; Handel mit Flachs 
und Leinwand. 

Leipzig, Stadt im Königreicli Sachsen: Bedeutende Textilindustrie in 
Kammgarnspinnerei, Baumwollspinnerei, "Wollkämmerei; mechanische Jute-, 
Leinen- und Segeltuchweberei; sächsische Wollgarnfabrik usw. Aus älterer 
Zeit sind nachweisbar die Zünfte der Tuchmacher und Färber; aus dem Jahre 
1557 bewahrt das Kunstgewerbemuseum in L. einen Wandteppich, der daselbst 
gewirkt ist. (Abgebildet im Artikel Wandteppiche.) Im Anfange des 17. Jahrhs. 
bestanden 5 Werkstätten für Spitzenklöppelei. Am Anfange des 18. Jahrhs. 
wurde in L. von Arel und Böttcher die erste grosse Seidenmanufaktur errichtet. 
(S. weiteres unter Sachsen.) 

Das Kunstgewerbemuseum (im Grassi-Museum), gegr. 1873 (Direk- 
tion: Dr. Richard Graul) enthält eine umfangreiche Stoffsammlung, worin 
sich mittelalterliche (koptische) Textilien, Gew^ebe, Stickereien und Spitzen der 
anderen Epochen bis zur Neuzeit in besonderem Ausstellungssaal befinden. 

Leisnig, Stadt der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig: Wollspinnerei 
und Tuchfabriken. 

Leith, Hafenstadt in der schott. Grafschaft Mid-Lothian: Die Industrie 
erstreckt sich auf Herstellung von Segeltuch, Tauwerk usw.; Waren der Ein- 
fuhr sind: Wollgarn, Flachs, Leinengarn, Wollwaren. Zur Ausfuhr kommen 
Erzeugnisse der Baumwoll- und Leinenindustrie, Wollgarn_, Jutewaren u. a. 

Leitomischl, Stadt in Böhmen: Leinenweberei, Tuch- und Schuhfabri- 
kation. 

Le Mans, Stadt des franz. Depart. Sarthe: Die Einwohner fertigen 
Segeltuch, Hanfleinwand, ausserdem Wachstuch, Musselin, Spitzen, Strumpfe 
waren ; ferner bestehen Leinwandbleichen. 

Lemineas sind dunkelblaue Gewebe von Baumwolle mit weissen Dessins, 
die hier und da in Schwaben und in der Schweiz, besonders zu Kaufbeuren 
verfertigt werden. 

Lengefeld, Stadt der sächs. Kreishauptmannschaft Chemnitz : Baumwoll-, 
Chenille- und Lamaweberei. / 

Lengenfeld, Stadt in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau : Streich- 
garnspinnerei^ Färberei, Weissstickerei, Fabrikation von Tuch, Weisswareji 
•und Flanell. 

Lennep, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Düsseldorf: Kammgarn- und Streich- 
garnspinnereien, bedeutende Tuch-, Jacken- und Filzfabriken. L. ist Sitz der 
5. Sektion der Rheinisch-Westfälischen Textilberufsgenossenschaft. 



Lenzb urg — Levantin. 



329 



Lenzburg, Stadt im Schweiz. Kanton Aargau: BaumwoU- und Seiden- 
industrie, Bleichen, Färberei, Appretur, Litzenweberei. 

Leobschütz, Stadt im preuss. Reg.-Bez. Oppeln: Fabrikation und Haus- 
industrie in AYollwaren. 

Leonidion, Stadt in Griechenland: Teppicherzeugung. 

Leonische Blumen sind aus Folie, unechtem Gold- und Silberblech 
(Lahn) sog. leonischem Gold gefertigt. 

Leonische Waren oder lyonische "Waren auch als Bouillon und Cantillen 
bezeichnet, Fabrikate aus versilberten oder vergoldeten Kupferdrähten und sog. 
,,Platten", d. h. bandartig platt gewalzten Drähten. Es werden Borten, Draht- 
flittern, Frise oder Krausgespinst daraus gefertigt. Das letztere ist eine Art 
Borte, die dadurch entsteht, dass man einen Seidenfaden zuerst mit einem 

Abb. 185. 




L^ 



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^^y^J^lbBte.. 



anderen feineren Seidenfaden in weit auseinander liegenden Windungen, dann 
aber in entgegengesetzter Richtung mit Lahn überspinnt. Der Name L.-W. 
kommt von der spanischen Stadt Leon oder von der franz. Stadt Lyon, wo- 
selbst solche Waren in grossen Mengen hergestellt werden. 

Lesghier, Kaukasisches Yolk, meist in Daghestan, Mohammedaner, den 
Bussen ganz unterworfen: erzeugen Teppiche, die unter dem Namen Lesghi 
in den Handel kommen. Man rechnet dieselben zu der kaukasischen Sorte 
und innerhalb derselben zur Art der Karabaghs. 

Leutkirch, Stadt im württemb. Donaukreis : Leinwand- und Strumpf- 
webereien. 

Leuze, Stadt in der belg. Provinz Hennegau: Leinenweberei, Strumpf- 
wirkerei, Kammgarnspinnerei. 

Levantin, ein glatt geköperter Seidenstoff, eine Art seidener Serge. 
Man hat auch gestreiften, bei welchem die Verbindung der Fäden in dem 



330 Levantische Tücher — Ligature. 



Köper nur zur Hälfte bearbeitet wird. Er dient vornehmlich zu Damenkleidern 
und Mänteln, zu Unterfutter in Herrenkleidern usw. 

Levantische Tücher. Unter diesen Namen begreift man die aus den 
deutschen, niederländischen und französischen Tuchmanufakturen nach der 
Levante, nach Griechenland und nach Aegypten gehenden verschiedenen Tuch- 
sorten, als : Serails, Mahouts, Saglies, Cherins, Draps de dames usw. 

Levieren (franz.), in der Weberei den Kegelstuhl vorrichten. 

Levroux, Stadt des franz. Depart. Indre : Wollspinnerei, Tuchfabrikation, 
Handel mit Wolle. 

Lezajsk, Stadt in Galizien: Tuchweberei, Wollfärberei. 

Liage (franz.), eine eigene Zeugkette, welche dazu dient, in broschierten 
oder lanzierten Stoffen die Schussfäden zu binden. 

Libellenmuster, im Jahre 1900 für die Weltausstellung in Paris ge- 
webt, das im Stile der Empirezeit entworfen ist. 

Abbildung: 

185. Sammetbrokat , Grund weiss, Muster tief liegend in Blau und etwas 
Gold auf geschnittener Fläche : Perlschnüre sind durch Posetten verbunden und bilden 
breite, spitzovale Felder, in welchen je eine Libelle dargestellt. Frankreich 1900. 

Liber (franz.), s. Bast. 

Liberty, eine Art Tussahseide aus Indien, welche in Europa bedruckt wird. 

Librets sind grobe, flächsene Leinen, welche von den Landleuten in der 
Gegend Damiate in Aegypten verfertigt und nach den türkischen Provinzen, 
nach Marseille und Livorno verschickt werden ; sie sind teils halbweiss gebleicht, 
teils hellblau gefärbt. Ihren Namen haben sie von den Franken erhalten, da 
man sie viereckig in Buchform zusammengeschlagen zum Yerkauf bringt. 

Librillo (span.), s. Bast. 

Libro (ital.), s. Bast. 

Lichterveide, Dorf in der belg. Provinz Westflandern: Wollweberei und 
Spitzenklöppelei. 

Lieben, Dorf in Böhmen: Mechan. Webereien, Spinnereien und Spitzen- 
weberei. 

Liebenau, Stadt in Böhmen: Leinen- und Baumwollwebereien, Woll- 
weberei mit Färberei und Druckerei. 

Liebenzeil, Stadt in AVürttemberg : Wollspinnerei, Kettenfabrikation. 

Liek oder Leik, das Tauwerk, womit die Kanten der Segel besäumt 
werden, um sie haltbarer zu machen. Nach den Kanten, an denen das L. sitzt, 
wird es Ober-, Seiten- oder Unterliek genannt. 

Lien^OS, Lienzos, im spanischen Handel die Leinen. Der Spanier nennt 
z. B. Liengos de Breslao verschiedene Sorten roher, weisser, glatter und ge- 
streifter, schlesischer Leinwand, die von Breslau nach Cadiz gehen. So wird 
auch in Macao das chinesische Grastuch von Mä unter dem Namen Lienzo 
verkauft. Im spanischen Amerika pflegt man auch überhaupt alle Schnittwaren 
Lienzos zu nennen. 

Lier (franz. Lierre), Stadt der belg. Provinz Antwerpen: Seiden- und 
Spitzenfabrikation. 

Liestal, Stadt des Schweiz. Kantons Basel-Land: Florettspinnerei, Seiden- 
weberei, AVollwarenfabrikation. 

Ligature, Legature, Legatine, ein dichter und fester Stoff aus Wolle und 
Leinen, oder aus Floretseide und Leinen, zuweilen auch aus Baumwolle und 
Seide, mit erhabenen und broschierten, grossen Blumen, Mustern und Gittern, 
welcher früher häufig zum Ueberziehen der Möbel, zu Tapeten und Vorhängen 
gebraucht wurde. — Ligature, galons ä livree, nennt man auch eine Art 
Borten oder Tressen, auf deren rechte Seite nur Gold und Silber eingewebt 
ist, die aber auf der unrechten Seite aus Seide bestehen, sie werden auf ver- 
schiedene Art, glatt, gemustert, matt, mit Lahn, ausgebogen usw. gemacht und 
zu Livreen, Möbelbeschlägen u. dgl. verwendet. 



Ligtdoek— Lilie. 



331 



Ligtdoek, eine leichte und schmale Sorte der holländischen Segellein- 
wand, welche zu Bramsegeln und andern kleinen Segeln verbraucht wird. 

Lilailas nannte man in Spanien und Portugal eine Sorte weissgebleichter 
Haueleinwand, welche aus Thüringen und Hessen, über Bremen dorthin ver- 
sandt wurde. 

Lilie (lat. : lilia, flor-decilium; franz. und engl.: fleur de lis), Pflanzen- 
gattung aus der Familie der Liliaceen, mit 45 bekannten, in den gemässigten 
Kegionen der nördlichen Erdhälfte verbreiteten Arten (Abb. 186 u. 187); vom 
13. Jahrh. an ornamental verwendet, wozu wohl ihre i^utzbarmachung als Wappen 
beigetragen hat, als welches sie zuerst von König Ludwig YII von Frankreich 
1137 — 1180 benutzt worden ist. Unter seinem Nachfolger Philipp II (1180 
— 1223) begann man bereits, die Krönungsgewänder, Kreuze und Kirchen- 
geräte mit Lilien zu bestreuen, dieselben auch im Wappenschilde in willkür- 
licher Zahl zu führen, bis König Karl YI 1380—1422 die Zahl der Lilien 



Abb. 186. 



Abb. 187. 





auf drei beschränkte. Seit dieser Zeit führte das französische Wappen drei 
blaue Lilien in Grold. In der Symbolik ist die weisse L. das Sinnbild der 
Unschuld und Heinheit der Seele. In diesem Sinne trägt auf den Darstellungen 
der Verkündigung (s. d.) der Erzengel Grabriel gewöhnlich einen weissen Lilien- 
stengel, oder neben der Jungfrau steht ein Gefäss mit weissen Lilien. Auf 
Geweben und Stickereien erscheint die L. weniger in Bedeutung als Wappen, 
wie als Ornament, in letzter Beziehung namentlich im gotischen Zeitalter 
(Abb. 99), welche Weise auch die Renaissance übernimmt (Abb. 190), worin 
die L. schliesslich zur blütenförmigen Palmette geworden ist (Abb. 188). Als 
halb naturalistische Kunstform ist die L. oft in den älteren Stickereien ange- 
wendet, wobei die aufgelegten breiteren Blattflächen im gegebenen Beispiel 
(Abb. 189) durch Malerei gefüllt sind. 

Abbildungen: 
186/187. Darstellung zweier Lilien aus: Lobelius, plantarum sev stirpium icones. 
Antwerpen