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Full text of "Monatsschrift des Vereines zur Befo?rderung des Gartenbaues in den Ko?nigl. Preussischen Staaten und der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins."

Monatsschrift 

des 

YereifleszurBefflerüiäfisEarteQliaiies 

in den 

Königl. Preuss. Staaten 

und der 

Kesßllsclall äer GarteDfreiäe Berlins. 



Redakteur: 

Dr. L. Wittmack, 



BERLIN. 

Eigenthmn des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den Königl. 

In Kommission bei Wiegandt, Hempel & Pa 



Monatsschrift 

Vereines zur Beförderung des Gartenbaues 

in den Köiiigl. Prenssiselien Staaten 

Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. 

Redakteur: 

Dr. L. Wittmack, 



Berlin' 


Vii^i^^^: 


Adresse d. Schatzmeisters, Rentier Sonntagt 


Preis de 
deren K. 


Rabatt bei Smaliger Insertion 
Annahme in dfr Expedition 


; 13 Mark. Annoncen 
es Vereins zur Beförder 
5 pCt., bei 6maliger 1( 
1 der Zeitung: Berlin N. 


pro gespaltene PetitzeUe oder 

) pCt, bei 12m3]iger 20 pCt. 
iMvalidenst:-. 42, ' 


No. 


1. Berlin, im Januar 


1881. 



All unsere Leser! 

Mit dem verbindlichsten Dank für das lebhafte, ungeschwächte 
Interesse, das unsere verehrten Leser der Monatsschrift bisher ge- 
schenkt haben, verbinden wir die ganz ergebenste Bitte, diese 
Theilnahme uns auch im neuen Jahre erhalten und zu einer immer 
weiteren Verbreitung unserer Zeitschrift freundlichst beitragen zu 
wollen. Die überaus grosse Menge des uns zufliesseuden Materials 
hoffen wir durch engeren Druck von jetzt ab besser bewältigen zu 
können und sehen wir dankbar ferneren Beiträgen, die wir aber bitte», 
stets mögliehst kurz zu fassen, entgegen. Durch Mannigfall 
des gebotenen Stoffes und gute Abbildungen hoffen wir, 
unsere Zeitschrift stets noch lieber und werther zu mache 
bitten wir, den abgedruckten Protokollen rege Aufmerksamkeit 
schenken zu wollen, da in ihnen oft viele praktische Fragen behandelt 
werden. 

Die Redaktion. 



640. Yersammliiiig des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues in den königl. Preuss. Staaten. 

Verhandelt Berlin, den 24. November 1880. 
I. Zu wirklichen Mitgliedern wurden vorgeschlagen: 

1. Herr Obergärtner Jörns in Falkenberg bei Berlin. 

2. „ Ober-Hofgärtner Bayer in Herrenhausen b. Hannover. 

3. „ Obergärtner Held in Steglitz. 

4. „ Lehrer Traut wein I. in Pankow bei Berlin. 

5. ,, Obergärtner Schmidt in Pankow. 

n. Ausgestellte Pflanzen. Ein für den Monat November 
äusserst reicher Blüthenflor schmückte die Sitzungsräume und durfte 
man das gewiss als ein Zeichen dafür ansehen, dass die Anregung 
des Vereins, auf Zucht von Winterblühern hinzustreben, bereits 
einigen Erfolg gehabt. 

Von den Herren Metz & Co. (Obergärtner Held) war ein 
grosses Sortiment verschiedener Chrysanthemum, namentlich Chr. 
indicum L., Chr. sinense Sab., Chr. matricarioides Paxt. und 
Chr. japonicum Thnb.*) ausgestellt. Es waren folgende Sorten: 
1. Grossblumige Chrysanthemum, Chrysanthemum sinense Sab. var. 
giganteum Hort.: Mad. Tezier, weiss, sehr gross, Meteore, bronze- 
farben. 2. Kleinblumige, Pyrethrum (Chrysanthemum) matricarioi- 
des Paxt.: Kleber, gelb, Oracle, weiss, Prosperite, weiss, Sir Richard 
Walace, weiss mit rosa, Adonis, mattrosa, Amarantine, rosa, Mont 
d'or, gelb. 3. Japanische, Chysanthemum japonicum Thnb.: Abbe 
Lageze, mattrosa, J. Delaun, bronzefarben, M. Lemoine, rosa, Bou- 
quet fait, mattrosa, Fleure parfait, rosa, La Frisure, mattrosa, federig 
geschlitzt, L'amie du coeur, rosa, Nuits d'automme, kirschroth, Reine 
des Beautes, karmin. 

Herr Held bemerkte, dass diese Pflanzen im vorigen Jahre sehr 
fcchwach gewesen, sich aber bei verhältnissmässig geringer Pflege 
üppig entwickelt hätten. 

Ferner von denselben ein Amorphophallus Rivieri in Blüthe. 
Im vorigen Jahr blühte dieser erst Ausgangs Januar (siehe Monats- 
schrift 1880 S. 187 u. S. 408 Taf. VII.). Die Knolle machte im 
Frühjahr ihren neuen Trieb (das einzige Blatt), wurde ausgepflanzt 
und blüht nun schon im November. — Einen ähnlichen Fall des 
früheren Blühens haben wir in diesem Jahre bei den Camellien, 
die so reichlich schon im November in Blüthe stehen, während sie 
meist erst viel später blühen. 

Herr Brandt meint, dass die andauernde schöne Witterung in 
der zweiten Hälfte des August und im September viel zur Reife 
des Holzes der Camellien beigetragen, 

Herr Bluth, als Gast anwesend, glaubte dagegen, das man sich 
früher nicht so viel Mühe gegeben, wie jetzt; wir würden durch 

~ 1 noch möglich, die Arten 



Fleiss und Aufmerksamkeit es vielleicht dahin bringen, die Game 1- 
lien noch immer früher zum Blühen anzuregen und vielleicht schliess- 
lich wieder auf den März zurückzukommen. 

Von Berrn R. Brandt -Charlottenburg war eine in herrlichster 
Blüthe stehende Poinsettia pulcherrima Graham var. roseo 



wieder aufgefundene, 1834 durch James Mc'Nab in Europa und 
zwar in den botanischen Garten von Edinburgh eingeführte, im Bo- 
tanical Magazine Taf. 3493 (1836) sehr gut abgebildete Poinsettia 
pulcherrima bei uns fast vergessen gewesen, der Blumen-Ausschuss 
empfahl im vorigen Winter, sie doch wieder mehr zu berücksichti- 
gen, und Herrn Brandt gebührt nun das Verdienst, sie zuerst, und 
zwar in der niedrigen, besonders schön blühenden Varietät rosea 
carminata vorgeführt zu haben. Die Schönheit dieser Euphor- 
biacee liegt bekanntlich nicht in den ßlüthen selbst, sondern in 
den grossen, prachtvoll scharlachrothen Deckblättern, die wie ein 
Kranz den unscheinbaren Blüthenstand umgeben. Die Kultur ist 
nach Herrn Brandt nicht schwierig. Die Pflanzen wurden im Som- 
mer ausgepflanzt und vom August aa im kalten Kasten gehalten. 
Als Erde nehme man alte Mistbeet-Erde, ja keine Haide-Erde. Die 
Vermehrung ist sehr einfach, da man die Stecklingspflanzen aus 
Augen ziehen kann. Kultur entweder im Topf oder besser im freien 
Lande. Ein Händler hatte für das Exemplar bereits 12 Mark 
geboten. Ausserdem hatte Herr Brandt noch den hübschen Se- 
necio speciosus Willd. aus China in Blüthe ausgestellt. 

Von Herrn Drawiel - Lichtenberg wurde Hippeastrum re- 
bus tum als eine alte, aber immer noch nicht genügend gewürdigte 
Blüthenpflanze für die Wintermonate vorgezeigt. Sie wird vom 
Publikum ausserordentlich gern gekauft, und kann Herr Drawiel 
gar nicht allen Anfragen genügen. 

Die Preisrichter sprachen dem Sortiment Chrysanthemum 
und dem Amorphophallus Rivieri der Herren Metz & Co. den 
Monatspreis zu. 

Herr Wen dt zeigte als abschreckendes Beispiel 3 Rosenstöcke, 
die angeblich Treibrosen nach englischer Art sein sollten und die 
er von einer sonst renommirten Handlung bei Hamburg bezogen 
hatte. Es waren einfache, kahle Stämmchen, einjährige Veredelun- 
gen von Gloire de Dijon und kosteten pro Stück 15 Mark! 

in. Hierauf beschloss die Versammlung auf Antrag des Herrn 
Wittmack einstimmig, Se. Exoell. den Herrn Minister für Land- 
wirthschaft, Domainen und Forsten zu bitten, 

bei Feststellung der 30 durch freie Wahl der betr. Minister 
in den lt. Kgl. Verordnung vom 17. November 1880 ein- 
zusetzenden Volkswirthschaftsrath zur Berufung vorzuschla- 
genden Mitglieder, von denen mindestens 15 dem Handwer- 
ker- und dem Arbeiterstande angehören müssen, auch auf 
Vertreter des Gartenbaues Rücksicht nehmen zu wollen. 



IV. Erster Gegenstand der Tages-Ordnung war die Frage: 
Ist es möglich, die niedrig veredelten Treibrosen, die bis 
jetzt grösstentheils aus Frankreich bezogen wurden, in der- 
selben Qualität und Quantität in Deutschland zu ziehen? 

Eine lange und interessante Debatte, aus der wir hier nur das 
Wichtigste hervorheben können, schloss sich an diese Frage, welche 
Herr Wen dt einleitete. 

Herr Wendt benoerkte: Die Rosenkultur ist in Deutschland 
schon so weit vorgeschritten, dass wir eines Imports vom Auslande 
her nicht mehr bedürfen; im Gegentheil, es werden schon so viele 
gezogen, dass diese kaum alle abgesetzt werden. Herr L. Späth liefert 
ganz vorzügliche Rosen, ebenso mehrere Dresdener Firmen,und wenn 
die Züchter erst dadurch ermuthigt werden, dass sie alle Jahre aus- 
verkaufen, so werden sie sich der Zucht noch weit mehr hingeben. 

Herr Drawiel ist anderer Ansicht als Herr Wendt und sagt: 
So lange ich nicht aus Deutschland ebenso schöne Rosen und we- 
nigstens zu eben denselben Preisen beziehen kann, werde ich sie aus 
Frankreich kommen lassen. Zum Beweise der Verschiedenheit legte 
derselbe 2jährige Veredelungen von Gebr. Schnltheiss - Nauheim 
und Rohrdanz-Lübeck einerseits, sowie von Leveque-Paris an- 
dererseits vor. Letztere waren entschieden besser, der Stamm etwa 
Vs bis Va m und darüber lang, gut gewachsen und dabei der Preis 
loco Berlin nur ^1% Pf. pro Stück, eVstere dagegen nur 10 bis 20 
cm hoch, bei einem Preise von 68 Pf. pro Stück. Allerdings waren 
die französischen Rosen auf de la Grifferaye veredelt, die deut- 
schen auf Rosa canina, doch das ist Herrn Drawiel gleich. 

Wir finden, bemerkte Herr Drawiel weiter, in Deutschland 
auch nicht so viele Sorten und von den einzelnen Sorten nicht so 
viele Exemplare. Herr Spaeth würde z. ß. nicht im Stande sein, 
von Marie Baumann, Mrs. Bosanquet etc. je 200 Stück zu 
liefern. Aus Frankreich erhält man selbst ziemlich neue Sorten zu 
billigen Preisen, so z. B. Marie Scuppenheim, die erst im 
3. Jahre im Handel ist, zu 80 Pf. 

Herr Drawiel verliest einen Artikel des Herrn Fisser aus 
Nr. 19 1880 der Deutschen Gärtner - Zeitung und bemerkt dem 
gegenüber, dass er noch keinen Nachtheil durch den Bezug der Rosen 
aus Frankreich gehabt habe. Sobald er sie aus Deutschland ebenso 
Rut erhalte, wolle er sie gern im Inlande kaufen. Herrn Spaeth 's 
Hochstämme seien sehr gut, um diese handele es sich hier aber nicht. 

Herr Wendt: Wenn unsere Züchter erst wissen, was verlangt 
wird, werden sie auch die betr. Sorten und in der nothigen Zahl 
ziehen. Dass die deutschen Rosen so schlecht, ist nicht immer 
der Fall. 

Herr v. St. Paul-Illaire: Wir können Herrn Drawiel nur 
dankbar sein, dass er uns die verschiedenen Qualitäten vorgeführt; 
denn alle die deutschen Rosenzüchter, welche auf Absatz für Berlin 
rechnen, werden nun wissen, was für eine Qualität sie anzustreben 



Herr Fried r. Schultze- Charlottenburg: Wenn ich gewusst 
hätte, dass Herr Drawiel Rosenstämme mitbringen würde, so 
hätte ich auch deutsche und französische Exemplare zur Stelle ge- 
bracht, um gerade das Gegen theil daran zu demonstriren. Herrn 
Spaeth's Rosen, die ich voriges Jahr bezog, waren noch schöner 
als die französischen, die ich bis dahin hatte kommen lassen; in 
diesem Jahre hatte ich Dresdener, die den französischen gleich 
kommen. Bei den französischen Rosen habe ich auch durch den 
langen Transport, mitunter selbst durch Frost grosse Verluste ge- 
habt; meist wächst nur die Hälfte ganz gut. In Deutschland hat 
man billigere Bezugsquellen und billigeren Transport. Ich bezahle 
pro Stück 27 bis 36 Pf. und habe den Vortheil, dass fast jedes 
Exemplar im Topfe wächst. Allerdings muss man sehr vorsichtig 
in der Wahl der Bezugsquellen sein; ich habe auch schlechte und 
theuere Exemplare erhalten, z. B. aus Köln. 

Herr Brandt: Hochstämme würde ich Niemandem rathen aus 
Frankreich zu beziehen, schon aus dem einen Grande, w^eil sie sich 
nicht niederlegen lassen; niedrig veredelte Rosen aus Frankreich 
aber sind in der That üppiger. Der Wuchs der Rosen in Frank- 
reich ist ein kräftigerer, die Franzosen behandeln die Rosenstöcke 
auch besser; wenn das Auge angefangen hat zu treiben, so pinziren 
sie dasselbe bereits, um recht viele andere Augen künstlich zu 
erzielen. 

Herr Perring: Der Gegenstand ist bereits in der letzten 
Sitzung des Blumen- und Gemüse - Ausschusses zur Sprache ge- 
kommen. Der Verfasser des Artikels in Nr. 19 der Deutschen 
Gärtner - Zeitung hat nicht so sehr von Treibrosen gesprochen, son- 
dern von Hochstämmen, und in dieser Beziehung muss man ihm 
Recht geben. Die Anzucht niedrig veredelter Rosen für Treiberei 
ist bei uns noch neu, wir haben wenigstens erst seit einem Jahre 
nennenswerthe Fortschritte darin gemacht. Wenn aber alle Diejeni- 
gen, die Rosen treiben, nach wie vor ihre Bestellungen in Frank- 
reich machen, so können unsere Züchter nicht vorwärts kommen. 
Um letztere zu fördern, müsste man mehrere Jahre vorher die be- 
treffenden Sorten bei ihnen bestellen. In vielen Baumschulen Hessen 
sich statt gewöhnlicher Sträucher mit weit grösserem Vortheile Rosen 
züchten, wenn aber den Besitzern kein Muth durch Bestellungen ge- 
macht wird, werden sich manche nicht darauf einlassen. Dass einige 
Firmen bereits Tüchtiges leisten, ist schon bewiesen. Die Franzosen 
sind uns um viele Jahre voraus, die Rosenzucht wird bei ihnen von 
Spezialisten betrieben, aber selbst diese Spezialisten ziehen nicht alle 
Rosen selbst, sondern kaufen viel. Herr Leveque z. B. ist zwar 
Züchter, aber auch grosser Händler. Wir haben für Rosen noch 
nicht solche Geschäfte, die das, was ihnen fehlt, von anderen be- 
sorgen, man sagt lieber einfach: „Nicht vorräthig." Auf dem Ge- 
biete der Topfpflanzengärtnerei ist das bei uns schon weit besser. 

Herr Spaeth: Die Rosen, die Herr Drawiel vorlegt, könnten 
ein ganz falsches Licht über die deutsche Rosenzucht verbreiten. 



Es wäre leicht, gerade entgegengesetzt aus Frankreich mittelmässige 
und aus Deutschland gute Exemplare vorzuführen. Die Triomphe 
de Jodoigne, die Herr Drawiel aus Frankreich vorgeführt, sind 
3jährige Veredelungen, die doch sonst Niemand zur Treibkultur gern 
kauft; vielleicht hat Herr Drawiel sie nur mitgebracht, weil sie 
stärker sind. Die anderen Sorten aus Deutschland sind kleine Steck- 
^^eist nicht, 
sollte, auch in Deutschland solche Rosen 
ziehen. Meines Erachtens muss die Frage der Tages - Ordnung 
mit „Ja" beantwortet werden. 

Ich habe verschiedene deutsche Rosenschulen, in Köstritz, 
Trier etc., besucht, bin auch in Frankreich gewesen und bin zu der 
Ueberzeugung gekommen, dass wir in einigen Jahren die franzö- 
sische Konkurrenz bezüglich der Rosen aus dem Felde geschlagen 
haben werden. Ich gebe zu, dass wir in Bezug auf Spezialitäten in 
Rosenkulturen den Franzosen in einzelnen Sachen noch nicht gleich 
sind. Das betrifft namentlich die Kenntniss von den Eigenthüm- 
lichkeiten der einzelnen Sorten in Beziehung zur Unterlage. Bei uns 
wird auf Rosa canina veredelt und die Handelsgärtner verlangen 
solche, bestellen auch in Frankreich dieselben; Herr Drawiel hat 
dagegen auf de la Grifferaye veredelte. Bei vielen Sorten macht 
die Unterlage einen grossen Unterschied. Weisse und hell blühende 
Sorten wachsen meist viel stärker auf Grifferaye, andere wieder 
auf der Manetti-Rose, die in Frankreich viel benutzt wird, Ca- 
pitain Christi dagegen nur auf R. canina. Das ist den deut- 
schen Gärtnern noch nicht so bekannt, es wird aber nicht lange 
mehr so bleiben, denn gerade in Baumschulen sind in Deutschland 
so grosse Fortschritte gemacht, wie wohl kaum in einem anderen 
Zweige der deutschen Gärtnerei. Die Konkurrenz der französischen 
Obstbäume haben wir schon fast ganz verloren, während vor 20 und 
selbst vor 10 Jahren noch ausserordentlich viele Exemplare einge- 
führt wurden; die der Rosen und der jungen Gehölze zum Treiben 
wird auch bald besiegt werden, üebrigens werden in den nächsten 
Jahren die französischen Hochstämme fehlen, denn in ganz Nord- 
Frankreich bis Angers sind sämmtliche Hochstämme im letzten 
Winter erfroren und Herr Leveque hat 40,000 Stück in den ver- 
schiedensten Gegenden kaufen müssen (ä Stück 2 Frcs.), welche er 
hofft mit 4 bis 5 Frcs. wieder zu verkaufen. Dieser Mangel wird 
in den nächsten Jahren noch nicht gedeckt sein, denn auch die 
Wildlinge in den Wäldern sind erfroren, und da man in Frankreich 
nicht Ijähiige, sondern 3jährige Unterlagen verwendet, so w^erden 
dieselben noch mehrere Jahre fehlen. 

Herr Drawiel bemerkt, dass er nie über 5 pCt. Ausfall bei 
den französischen Rosen gehabt habe und seit 1851 von allen Züch- 
tern, Paillet, Jamain, Leveque, Verdier etc., gut bedient sei. 

Herr Held: Wir stehen in Bezug auf hochstämmige Rosen in 
unseren Rosenschulen meist noch auf dem Standpunkt wie vor 8 Jahren. 

Herr Perring: Wir können wohl kaum Gründe anführen, wes- 



halb es in Deutschland nicht möglich sein sollte, Treibrosen zu ziehen. 
Herr Drawiel ist der grösste Rosenzüchter in Berlin, er mag da- 
her seinen grossen Bedarf an einzelnen Sorten nicht in Deutschland 
gedeckt finden, Andere werden vielleicht eher befriedigt. Bis vor 
wenigen Jahren hatten wir in Berlin nur 3 Sorten Rosen zum Trei- 
ben, erst als die Hamburger Gärtner die vielen schönen Rosen lie- 
ferten, ist man auch hier zu neuen Sorten geschritten. Sehr wün- 
schenswerth wäre es, wenn eine Liste der besten zum Treiben ge- 
eigneten Sorten aufgestellt würde. 

Der Direktor schliesst die Debatte, nachdem Herr Drawiel 
noch über die Rosen Grossherzogin Mathilde und Niphetos gespro- 
chen und konstatirt, dass sich die grosse Majorität für Bejahung 
der Frage, nur wenige Stimmen für Verneinung ausgesprochen 
hätten. Selbst wenn aber die Frage z. Th. jetzt noch verneint wer- 
den müsste, so sei doch mit allen Kräften dahin zu streben, dass 
sie es künftig nicht mehr werde. 

V. Die zweite Frage der Tages-Ordnung: 

Sind auf Wasser getriebene Hyacinthenzwiebeln wieder be- 
benutzbar? 
wurde im Allgemeinen verneint. Herr Spaeth bemerkte aber, dass 
sie zur Erzielung von Brutzwiebeln benutzt werden könnten, da be- 
kanntlich getriebene Zwiebeln sehr viel Brut bilden. 

VI. Eine lange und eingehende Debatte erhob sich über Punkt 3 : 
Die Berner Reblaus- Konvention. 

An derselben betheiligten sich ausser dem Direktor die Herren 
Spaeth, Held, Fr. Schnitze, Perring, Bolle und Wittmack. 
Allseitig wurde die grosse Schädigung des Exportgeschäfts, nament- 
lich seitdem Oesterreich die Konvention, und zwar streng ihrem 
Wortlaut nach befolgt, hervorgehoben und beschlossen: 

1. Eine Kommission zu berufen und eine abermalige Petition*) 
nebst einer Denkschrift über die bisher hervorgetretenen, 
dem Gartenbau verderblichen Folgen der Konvention an das 
Reichsamt des Innern zu richten. 

2. event. Delegirte der sämmtlichen deutschen Gartenbau- Vereine 
zu einer bei Gelegenheit der Winter- Ausstellung am 16. Ja- , 
nuar 1881 abzuhaltenden Versammlung einzuladen, um ge- 
meinsame Schritte in der Sache zu besprechen. 

VII. Herr Wittmack legte die vortrefflichen Abbildungen 
Icones selectae des Arboretum Segrezianum, welche Herr 
Lavalle, Präsident der Soeiete centrale d'horticulture de France, dem 
Verein freundlichst zum Geschenk gemacht, vor und theilte ferner 



*) Der Verein hat bereits am 16. Juni 1880 eine Petition wegen Abän- 
derung der Konvention an das Reichsamt des Innern, sowie abschriftlich an 
das Ministerium für Landwirthscttaft etc. abgesendet und unterm 16. Juli 
vom Reichsamt des Innern die Antwort erhalten, dass die gestellten Anträge 
bei geeigneter Gelegenheit zur Erwägung gelangen werden. 



mit, dass der Gartenbau für Hamburg, Altona und Umgegend einen 
Theil des Pariser Weltausstellungspalastes für ein Ausstellungsgebäude 
angekauft habe, und vielleicht schon im Oktober 1881 darin die erste 
Ausstellung zu halten gedenke, legte sodann Birnen vor, die durch 
den Pilz Fusicladium pyrinum geschwärzt worden, und machte 
darauf aufmerksam, dass Frau Professor Koch aus den hinter- 
lassenen Papieren ihres Mannes eine neue Schrift, die sie Herrn 
de Jonge van Ellemeet gewidmet, „Nachklänge orientalischer 
Wanderungen, Posthume Blätter von Dr. Karl Koch, etc.« heraus- 
gegeben habe. Der Preis für das 13 Bogen starke Buch, das be- 
sonders die interessanten Bergvölker des Kaukasus behandelt, ist im 
Buchhandel 4,50 Mk., bei direkter Bestellung bei der Verfasserin oder 
den Herren Bolle, Hüttig oder Wittmac k nur 3,50 Mk. 

Der vorgerückten Zeit wegen mussten die übrigen Gegenstände 
von der Tages-Ordnung abgesetzt werden. 



Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde 
Berlins. 

Verhandelt Berlin, den 19. November 1880. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung damit, dass er durch den 
Schriftführer das Protokoll der Sitzung vom 5. d. Mts. verlesen lässt. 

Darauf fährt derselbe in seinen Mittheilungen über die Baum- 
schulen und Gärtnereien in denjenigen Theilen Frankreichs fort, 
welche er im vergangenen Sommer besucht. Da im Einverständniss 
mit dem Herrn Referenten diese Schilderungen im Zusammenhange 
in einer der nächsten Nummern des Vereins- Organs werden ver- 
öffentlicht werden, dürfte es zu weit führen, diese in das Protokoll 
ausführlich aufzunehmen. 

Zum zweiten Punkte der Tagesordnung übergehend: 

„Wie schützt man die Pflanzen des freien Landes vor dem 
Erfrieren?" 
so darf diese Frage gewissermassen als Fortsetzung der Verhandlung 
vom 4. Juni d. Js. gelten, in welcher Herr Wredow die Debatte 
„über die Ursache des Erfrierens der Pflanzen und über den Winter- 
schutz derselben im Freien" einleitete. Da schon damals erwähnt 
wurde, dass durch das plötzliche Aufthauen die Pflanzen erfrören, 



und dass trockene und kalte Nord- und Ost -Winde zum Erfrieren 
der Pflanzen beitragen, so ist das Hauptaugenmerk darauf zu rich- 
ten, den Abschluss der Sonnenstrahlen und der Winde herbeizuführen, 
und dazu eignet sich am besten Stroh, Kiefernreisig und andere^ 
Schutzmaterial; auch durch den Anstrich der Bäume mit Kalk wird 
einem Erfrieren derselben vorgebeugt, da die weisse Farbe die Son- 
nenstrahlen nicht so leicht einwirken lässt. 

Herr Baumeister Fritze theilt mit, dass er an den JLand- 
strassen in Dänemark die Bäume mit zu Schaum geschlagener 
schwarzer Seife bestrichen, angetroffen habe, eine Massregel, die 
aber wohl mehr auf Abhaltung und Vertilgung schädlicher Insekten, 
als auf einen Schutz der Bäume vor dem Erfrieren zurückzuführen 
sein dürfte. 

Der Ansicht entgegen, dass viele Gewächse nie durch den 
Winter gebracht werden würden, wenn man nicht den Boden be- 
deckte, erwähnt Herr Neumann, dass er die Erfahrung gemacht, 
dass Maiblumen, mit Dünger gedeckt, erfroren seien, während Mai- 
blumen, die nicht gedeckt, nicht erfroren seien. 

Bei Bäumen dürfte also ein Anstrich mit Kalkmilch, die mit 
Blut, Kuhdung und Anderem angesetzt ist, anzurathen sein, einmal, 
um die Bäume vor dem Erfrieren zu schützen und dann, um die In- 
sekten von ihnen fern zu halten. 

Herr Wredow will vor Allem die Pflanzen gegen die Früh- 
jahrsfröste geschützt wissen, da diese oft am verheerendsten wirken. 
Die Deckung der hochstämmigen Rosen anlangend, räth derselbe, 
die Kosen in Stroh einzuwickeln, welchem Verfahren er vor dem 
Untergraben den Vorzug giebt, indem er durch die Einhüllung in 
Stroh dem Austreiben der Rosen vorbeugt, was sich bei letzterem 
Verfahren nicht ermöglichen lässt. 

Herr Gu de kann sich der Ansicht des Herrn Wredow nicht 
unbedingt anschliessen, da ein Bekannter ihm mitgetheilt, dass seine 
Rosen unter der Strohumhüllung erfroren seien. 

Herr Baumeister Fritze, in dessen Garten Herr Wredow die 
Rosen im vorigen Winter in oben angegebener Weise gegen den 
Frost geschützt hat, bekundet, dass er den Verlust keiner einzigen 
Rose zu beklagen gehabt; doch fügt Herr Wredow hinzu, dass man 
bei dieser Deckung nicht zu spärlich mit dem Material umzugehen, 
die Arbeit auch gut auszuführen habe. Für die Theerosen hält 
Herr Wredow aber auch diese Decke nicht für hinreichend. 

Herr ßrettschneider hat dadurch, dass er Rosen nicht vor 
Eintritt des Frostes deckt, sondern erst dann, wenn derselbe einge- 
treten und oft schon eine ziemliche Höhe erreicht hat, nie Misserfolge 
aufzuweisen gehabt. 

Nach der Mittheilung des Herrn Hofgärtners Hoff mann hat 
ein alter bewährter Gärtner die besten Resultate dadurch erzielt, 
dass er seine Rosen mit trockenem Sande gedeckt; Rosen mit Laub 
zu decken räth er darum nicht, weil unter diesem Deckmaterial 
das Ungeziefer sich vermehre. Herr Garten-Direktor Gaerdt deckt 



die Rosen mit Tannenreisig und hat hiermit gute Erfolge erzielt. 

Hiermit wird, da Niemand sich mehr zum Worte gemeldet, 
dieser Gegenstand verlassen. 

Herr Neumann macht auf die Eckeisen zu Mistbeet-Fenstern, 
wie sie von Herrn Hugo Roll in Schöneberg pro Stück: mit 15 Pfg. 
zu beziehen sind, umsomehr aufmerksam, als er dieselben schon 
längere Zeit in seiner Gärtnerei als höchst praktisch erprobt habe. 



Der inzwischen erschienene Vorsitzende Herr Spaeth prokla- 
mirte darauf die zu Mitgliedern angemeldeten: 

1. Herrn Gutsbesitzer Richnow, 

2. Herrn Kunst- und Landschafts-Gärtner Janicki, 

3. Herrn Friedhofsgärtner Götz, 

4. Herrn Hofgärtner Hoff mann 

als wirkliche Mitglieder der Gesellschaft und nahm die Anmeldung: 

1. des Herrn Kunstgärtners Wen dt durch seinen der Gesell- 
schaft bereits als Mitglied angehörenden Bruder, den Land- 
schaftsgärtner Wen dt, 

2. des Herrn Rentiers Ei c hier durch Herrn Obergärtner 
Krüger, 

3. des Herrn Gärtnerei -Besitzers Borchmann zu Weissensee 
durch Herrn Kunst- und Handelsgärtner Kaeding 



n:; 



Bevor derselbe zu den für heute anstehenden Wahlen überging, 
verlas er das Schreiben des Königlichen Kammerherrn, Herrn 
von Normann, worin er der Gesellschaft der Gartenfreunde den 
Dank Ihrer Kaiserlichen Königlichen Hoheit der Frau Kronprinzessin 
für die Höchstderselben zum Geburtstage dargebrachten Glückwünsche 
übermittelt. 

Es lautet wie folgt: 

„Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit, die Frau Kron- 
prinzessin hat mit Vergnügen die freundliche Zuschrift em- 
pfangen, mit welcher der Vorstand seine guten Wünsche 
zum 21. November ausgedrückt hat. — Ihre Kaiserliche 
Hoheit beauftragen mich, für die Höchst-Ihnen bezeigte theil- 
nehmende Gesinnung aufrichtig zu danken. 
Berlin, den 26. November 1880. 

(gez.) von Norn 
Königl. " 

Gleichzeitig macht der Vorsitzende auf die von dem verehrten 
Professor Dr. C. Koch nach dessen Tode erschienenen Nachklänge 



aus den orientalischen Reisen schon ihres belletristischen Werthes 
wegen aufmerksam und bemerkt, dass der Preis für ein im Buch- 
handel bezogenes Exemplar auf 4 Mk. 50 Pf., von der verwittweten 
Frau Professor Koch bezogen, auf 3 Mk. 50 Pfg. zu stehen kommt. 
Ein Exemplar wurde für die Bibliothek bestellt. 
Einige Hefte des Bulletin d'arboriculture et de floriculture, 
sowie das zweite Heft des Deutschen Gartens circulirten unter den 
erschienenen Mitgliedern. 

Zu Punkt 1 der Tagesordnung „Die Neuwahl von vier Vor- 
stands- Mitgliedern" hatte Herr Gude schon vorher gebeten, von 
seiner eventuellen Wiederwahl als stellvertretender Vorsitzender ab- 
zustehen und für den Fall, dass die Gesellschaft ihn im Vorstande 
vertreten sehen wollte, die Wahl als stellvertretender Bibliothekar 
auf ihn zu richten. 

Für einen geeigneten Stellvertreter des Vorsitzenden schlägt der- 
selbe Herrn Lackner vor. 

Die Wahl für die einzelnen Vorstands-Mitglieder wurde darauf 
durch Stimmzettel vorgenommen und ergab das Scrutinium, 

dass Herr Lackner fast einstimmig zum stellvertretenden 

Vorsitzenden, 
Herr Hofgärtner Hoffmann zum stellvertretenden Schrift- 
führer, 
Herr Wen dt zum stellvertretenden Schatzmeister und 
Herr Gude zum stellvertretenden Bibliothekar 
gewählt wurde. 

In die Kassen-Kommission wurde Herr Garteninspektor Wredow 
und die Herren Brettschneider und Grass gewählt. 

Herr Hoffmann dankte einmal für die Aufnahme als wirk- 
liches Mitglied der Gesellschaft und dann für das Vertrauen, welches 
ihm als neu eingetretenes Mitglied durch seine Wahl in den Vorstand 
entgegengebracht; wie er früher schon als Gast, so viel in seinen 
Kräften stand, sich der Gesellschaft nützlich zu machen gesucht, so 
würde er es sich jetzt als Mitglied um so mehr angelegen sein 
lassen, für die Hebung des Vereins einzutreten. 

Herr Lackner, welcher verhindert war, heute zu erscheinen, 
und Herr Wendt, der krankheitshalber das Bett hüten muss, werden 
von der Wahl in Kenntniss gesetzt werden. 

Herr Gude nahm die seinen Wünschen entsprechende Wahl an. 
Zu No. 3 der Tagesordnung übergehend: 

„Diskussion der Frage: „Welche Zeiten sind die geeignet- 
sten zum Verpflanzen der Gewächse des freien Landes und 
der Pflanzen des Gewächshauses" 
bittet Herr Bluth, mit dem letzten Theile der Frage zuerst an- 
fangen zu dürfen und beklagt es bitter, dass in grossen Privat- 
gärtnereien, sowie in Institutsgärten sehr häufig die Pflanzen, des 
Gewächshauses zu spät verpflanzt würden, nach den Fr ühjahrsf rösten, 
also 15.— 20. Mai brächte man die Pflanzen ins Freie, im Juni finge 
man an, sie zu verpflanzen und entferne bei dieser Verpflanzung 



nur gar zu häufig nicht nur die faulen, sondern auch die gesunden 
Wurzeln. Welche Resultate mit so bebandelten Pflanzen zu erzielen, 
das zu beurtheilen überlasse er dem Gärtner. Er für sein Theil gehe 
mit dem Verpflanzen der vorberegten Pflanzen spätestens im Mai vor. 

Herr Jaenieke verpflanzt die Treibhauspflanzen mit dem Augen- 
blicke, wo sie zu wachsen anfangen, also im Januar, Februar. 

Herr Gnde pflichtet dieser Ansicht zum Theil bei und erwähnt, 
dass er seine Gloxinien schon jetzt verpflanze. Für das Verpflanzen 
der Neuholländer hält er Anfang Mai für den geeignetsten Zeitpunkt. 

Herr Spaeth räth, die Maranten frei in warmen Kästen in 
Zeiträumen von 14 — 14 Tagen zu verpflanzen, wodurch dieselben 
immer im Triebe blieben, mit den Dracaenen lasse sich indessen in 
dieser Weise nicht verfahren. 

In England verpflanzt man so oft wie möglich und jedesmal in 
grössere Töpfe. 

Herr Gartenbau- Direktor Gaerdt erzielt dadurch, dass er die zu 
treibenden Hyacinthen dreimal im Jahre verpflanzt und mit Guano 
giesst, vortreffliche Glocken. 

Herr Wredow^ ist der Ansicht, dass Warmhauspflanzen zu jeder 
Zeit, jedoch mit Schonung der Wurzeln verpflanzt werden können, 
die feineren Neuholländer-Pflauzen verpflanze man am besten, wenn 
sie zu wachsen anfangen, Camellien und Azaleen dann, wenn sie 
abgeblüht sind. 

Herr Spaeth wendet sich dem ersten Theile der Frage zu und 
kommt auf das Verpflanzen der Freilandpflanzen der Bäume und 
Sträucher. 

In hohen trockenen Lagen ist bekanntlich die Herbstpflanzung 
am Platze, während die Frühjahrspflanzung für niedrigere feuchtere 
Lagen die geeignete ist. Hartholzige Bäume und Sträucher', wie 
Eichen und Weissbuchen, lassen sich am besten im Frühjahr kurz 
vor Beginn des Triebes verpflanzen, während Coniferen kurz vor der 
Zeit, wo sie neue Wurzeln treiben wollen (also August, September, 
April und Mai), verpflanzt werden. Booth verpflanzt Coniferen 
noch im Oktober und zwar mit Erfolg, was aber doch nicht anzu- 
rathen, da zuweilen die Kälte früher eintritt und die Bäume dann 
keine Wurzeln mehr bilden. 

Herr Wredow pflichtet dem bei und bemerkt, dass er im Jahre 
1872 während des ganzen Winters und nicht ohne Erfolg verpflanzt 
habe. Bei allen Anpflanzungen komme es aber darauf an , dass 
beim P Ganzen nicht mit dem Wasser gegeizt würde; in dieser Hin- 
sicht weist er auf die Bepflanzung des Dönhopfsplatzes mit Rüstern 
hin, die mit vollem Laube im Mai verpflanzt wurden. Auch Herr 
Jaenieke hat im Mai 1876 Anlagen ausgeführt, zu denen Sträucher 
mit 6 bis 7 zölligen Trieben verwandt wurden, allerdings wurde bei 
diesen Anlagen das Wasser nicht geschont, wie auch seiner Zeit 
der von dem berühmten Garten -Direktor Meyer im Monat Juni 
angelegte kleine Thiergarten Zeugniss dafür ablegt, dass, wo der 
Kostenpunkt nicht in Betracht kommt und wo sonst mit gehöriger 



13 



Sorgfalt verpflanzt wird, zu jeder Zeit Anpflanzungen 
werden können. 

Herr Hofgärtner Hoff mann räth, jüngere Obstbäume im Früh- 
jahre, ältere im Herbste zu verpflanzen, Pflaumen und Mandeln 
jedoch nur im Herbste. Derselbe macht hierbei auf die Anpflan- 
zungen in der Krupp' sehen Villa Bredeney bei Altenessen aufmerk- 
sam, wo die Bäume und Sträucher mit Frostballen verpflanzt sind. 

Herr Grass geisselt das unsinnige Verfahren beim Verschneiden 
der Bäume und gedenkt hierbei einer wohlbekannten Anlage auf 
der Schönhauser Allee, die unter dem Messer eines Gärtners der 
alten Schule im wahren Sinne des Wortes verstümmelt worden ist. 



für die 

Blumen- und Pflanzen-Ausstellung 

der 

Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins 

im April 1881 
! Besten des unter dem Allerhöchsten Protektorate Ihrer Majestät der 
Kaiserin von Deutschland, Königin von Preussen, stehenden 
Vaterländischen Frauenvereins. 

L In Aussicht stehende Preise. 



Die von Sr. Majestät dem Kaiser von Deutschland und König 
von Preussen bewilligte goldene Medaille. Diese Medaille soll für 
die nach dem Urtheil der Preisrichter ausgezeichnetste Leistung der 
Ausstellung, seien es Gruppen, neue Einführungen oder Kulturen, 
vertheilt werden. 

B. Ehrenpreis Ihrer Majestät der Kaiserin von Deutschland und 

Königin von Preussen. 

Dieser Ehrenpreis ist für die beste Leistung in eigenen Kul- 
turen bestimmt. 

C. Preise des Kgl. Ministeriums für Landwirthschaft, Domalnen 

und Forsten. 

1. Für eine Kollektion von 50 Stück in mindestens 25 Arten und 
Varietäten solcher Dekorations-Blattpflanzen, die sich vorzugs- 
weise für Zimmerkultur eignen, als Palmen, Dracaenen u. dgl: 
Eine silberne Medaille. 

2. für eine Gruppe blühender Nelken: Eine silberne Medaille. 

3. Für eine Sammlung von Laubholzarten in Töpfen, welche bei 
uns im Freien ausdauern, in mindestens 50 Sorten: Eine sil- 
berne Medaille. 

4. Für eine Sammlung von hochstämmigen Obstbäumen (Aepfel, 



Birnen, Kirschen und Pflaumen) in mindestens 12 verschiedenen 
Sorten: Eine bronzene Medaille. 

Für eine Gruppe bei uns im Freien ausdauernder, selbst ge- 
zogener Coniferen in mindestens 25 Exemplaren und 12 Sorten: 
Eine bronzene Medaille. 

Für getriebenes und gut konservirtes durchwintertes Gemüse: 
Eine bronzene Medaille. 

II. Preise der Gesellschaft. 



Anforderungen den auf den englischen Ausstellungen vertretenen 
Rosen gleichkommen: 300 Mark. 

Für eine Gruppe blühender Rosen in mindestens 50 Exemplaren 
und 12 Sorten: I. Preis eine goldene Medaille. II. Preis eine 
grosse silberne Medaille. III. Preis eine kleine silberne Medaille. 
Für Camellien und Azaleen in allen Entwickelungsstufen vom 
bewurzelten Stecklinge an bis zur blühenden Pflanze. Unter 
den blühenden Exemplaren müssen mindestens 25 blühende Ca- 
mellien und ebenso viel Azaleen in den verschiedensten Sorten 
vertreten sein: Ein Kunstgegenstand im Werthe von 100 Mark. 

Dieser Preis ist nicht anderweitig zu vergeben. 
Für eine gemischte Gruppe blühender Handelspflanzen eigener 
Kultur: I. Preis eine goldene Medaille. II. Preis eine grosse 
silberne Medaille. 

i'ür eine Gruppe blühender neuholländischer Pflanzen mit be- 
sonderer Berücksichtigung von Metrosideros, Diosma, Chorizema, 
Correa, Acacia, Eriostemon und Crowea: Eine goldene Medaille. 

Dieser Preis ist nicht anderweitig zu vergeben. 
Für ein Sortiment blühender Hyacinthen: I. Preis eine goldene 
Medaille. II. Preis eine grosse silberne Medaille. 
Für eine Gruppe Cacteen und Succulentenpflanzen: Eine grosse 
silberne Medaille. 

Für eine Gruppe Citrus: Eine grosse silberne Medaille. 
Für eine Gruppe von Blattpflanzen des Warmhauses in minde- 
stens 100 Exemplaren: Eine goldene Medaille. 

Dieser Preis ist nicht anderweitig zu vergeben. 
Für eine Blattpflanzen-Gruppe : I. Preis eine grosse silberne Me- 
daille. II. Preis eine kleine silberne Medaille. 
Für eine Gruppe von Cycadeen in mindestens 50 Arten: Eine 
goldene Medaille. 

Dieser Preis ist nicht anderweitig zu vergeben. 
Für blühende Gardenien: Eine grosse silberne Medaille. 
Für eine Sammlung blühender Freilandstauden in 25 Exem- 
plaren und 12 Sorten: I. Preis eine grosse silberne Medaille. 
II. Preis eine bronzene Medaille. 



14. Für ein Sortiment blühender Tulpen: I. Preis eine grosse sil- 
berne Medaille. IL Preis eine kleine silberne Medaille. 

15. Für ein Sortiment blühender Amaryllis in mindestens 12 Exem- 
plaren: Eine grosse silberne Medaille. 

16. Für blühende, selbstgezogene Azaleen in mindestens 15 Sorten: 
I. Preis ein silberner Pokal. II. Preis eine grosse silberne Me- 
daille. III. Preis eine kleine silberne Medaille. 

17. Für blühende Camellien in mindestens 6 Sorten: I. Preis eine 
grosse silberne Medaille. II. Preis eine kleine silberne Medaille. 

18. Für blühende Rhododendron oder Freiland-Äzaleen in verschie- 
denen Farben:' I. Preis eine grosse silberne Medaille. II. Preis 
eine kleine silberne Medaille. 

19. Für blühende Orchideen in mehreren Sorten: 100 Mark. 

Dieser Preis ist nicht anderweitig zu vergeben. 

20. Für Eriken in mindestens 25 Exemplaren und 6 Sorten: 
I. Preis eine grosse silberne Medaille. II. Preis eine kleine sil- 
berne Medaille. 

21. Für eine Aufstellung von mindestens 100 blühenden Primulaceen 
in 25 Sorten: Ein Kunstgegenstand im Werthe von 100 Mark. 

Dieser Preis ist nicht anderweitig zu vergeben. 

22. Für blühende Cyclamen in verschiedenen Varietäten: I. Preis 
eine grosse silberne Medaille und 30 Mark. II. Preis eine kleine 
silberne Medaille. 

23. Für blühende Primula chinensis, gefüllte, in 12 Exemplaren und 
3 Sorten: Eine grosse silberne Medaille. 

24. Für blühende Primula in 5 Spezies, mit Ausnahme von Pri- 
mula chinensis: Eine grosse silberne Medaille. 

25. Für blühende Cinerarien in mindestens 20 Varietäten: I. Preis 
eine grosse silberne Medaille. II. Preis eine kleine silberne Me- 
daiUe. 

26. Für getriebene, im Freien ausdauernde Sträucher in 50 ver- 
schiedenen Arten und Abarten, als Paeonia arborea, Clematis, 
Amvgdalus, Syringen, Viburnum, Prunus, Spiraeen, Robinien etc. : 
Ein 'Kunstgegenstand im Werthe von 100 Mark. 

Dieser Preis ist nicht anderweitig zu vergeben. 

27. Für blühende, getriebene Sträucher, Deutzia, Syringa, Prunus, 
Weigela-Arten u. a. m.: I, Preis eine grosse silberne Medaille 
und 30 Mark. II. Preis eine bronzene Medaille. 

28. Für blühende Clematis in mindestens 3 Sorten: Eine grosse sil- 
berne Medaille und 20 Mark. 

29. Für ein Sortiment Farne in mindestens 15 Sorten: Eine grosse 
silberne Medaille. 

30. Für nur in Zimmern gezogene Blatt-, blühende oder Dekora- 
tionspflanzen, mit Ausschluss von Hyacinthen, Tulpen, Crocus, 
in einem oder mehreren Exemplaren: I. Preis eine kleine sil- 
berne Medaille. IL Preis eine bronzene Medaille. 

31. Für hervorragende neue Einführungen: 150 Mark. 

Diesej Preis ist nicht anderweitig zu vergeben. 



32. Für eine neue Einführung, welche Handelspflanze zu werden 
verspricht , die indessen so weit entwickelt sein muss, dass ihr 
Charakter und ihre Haupteigenschaften deutlich erkennbar sind : 
Eine grosse silberne Medaille. 

33. Für die beste neue Züchtung: Eine grosse silberne Medaille. 

34. Für reich blühende Schaupflanzen: I. Preis eine grosse silberne 
Medaille und 25 Mark. II. Preis eine kleine silberne Medaille. 

35. Für nicht blühende Schaupflanzen: I. Preis eine grosse silberne 
Medaille und 25 Mark. II. Preis eine kleine silberne Medaille. 

36. Für einen für das Wohnzimmer geeigneten, geschmackvoll de- 
korirten Blumentisch von nicht über 1 m Durchmesser: L Preis 
eine grosse silberne Medaille. II. Preis eine bronzene Medaille. 

37. Für Bindereien: I. Preis eine grosse silberne Medaille. II. Preis 
eine bronzene Medaille. 

38. Für eine geschmackvolle Zusammenstellung abgeschnittener Blu- 
men: I. Preis eine kleine silberne Medaille. II. Preis eine bron- 
zene Medaille. 

39. Für einen deutschen Blumenstrauss : Eine grosse silberne Medaille. 

40. Für Form- Obstbäume: Eine grosse silberne Medaille. 

41. Für getriebenes Obst: I. Preis eine grosse silberne Medaille. 
II. Preis eine bronzene Medaille. 

42. Für Gartengeräthschaften : I. Preis eine kleine silberne Medaille. 
II. Preis eine bronzene Medaille. 

43. Für den besten Entwurf zur landschaftlichen Verschönerung des 
Dennewitzplatzes nebst Bepflanzungsplan und unter der Bedin- 
gung der unentgeltlichen Ueberlassung des Planes an die Ge- 
sellschaft: Eine grosse silberne Medaille und 50 Mark. 



Späth. Brettschneider, v. Fürich. Kletschke. Wendt. Wiehle. Wredow. 

Genehmigt in der Sitzung vom 22. Oktober 1880. 

Der Vorstand 

der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. 

Fürich. Kletschke. Bluth. 

Schriftführer. Biblkthekar. 

l. Lackner. 

irtr. Schatzmeister. Stell veitr. Schriftführer. 



Plantago Bismarekii Ndrin. n. sp. 

Gustav Niederleiii. 

(Mit Tafel I.) 

Suffrutex lignosus robustus plerumque pulvinaris ad 30 eim 
altus in collium applanatorum rupium fissuris radicans. Inferne parce 
sed longe raraosus, ramis subnudis, glabris, nigrescentibus, superne 




^ 17 



densius ramosis densissime foliosis, cum foliis incano-sericeis, deorsum 
paullatim subfuscescentibus, glabrescentibus. 

Folia alterna, sessilia lineari-subulata, erecta, rigidiuscula obsolete 
3-nervia, subtus subcanaliculata (basi dilatata coriaceo-squamaeformi 
diutius persistente et utrinque supra praesertim dense lanuginosa) 
apice obtusa vel (plerumque novella) truncata; longitudine 1V3-7 ctm, 
latitudine 1 mm, ad basim 3-4 mm aequantia. 

Spicae ovatae, longe pedunculatae 4 — (vel pluri?) — florae. 
Pedunculus teres, sericeus, 4-6 ctm longus. 

Bractea cymbiformis carinata, ovata, acuminata, tenuis, sericea. 

Flores hermaphroditi sessiles. 

Sepala in exemplis fructus vetustos tantum praebentibus con- 
cava, oblonga vel elliptica, apice rotundata (vel acuminata?), sericea, 
4-5 mm longa. 

GoroUa urceolata - turgida, fauce constricta, 4 fida; Laciniae 
göjlatatae, ovatae, apice rotundatae, basi concavae, faucem versus 
pltiscae, 3-4 mm longae, 2 mm latae. 

Capsula ovata brunnea membranacea, glabra, prope basin 
circumscissa. 3-5 mm longa, 2-locularis, loculi monospermi. 

Semina brunnea elliptica alata, dorso convexa, media facie 
interiore plana septo affixa. 

Species a Decaisneo sectioni VII. „Leucopsyllium", a Barneoud 
sectioni VIII. „Gnaphaloides" juxta Plantago sericeam Rz. et Pav. 
collocanda quae habitu multo minus robusto, basibus persistentibus 
foliorum multo minus rigidis etc. statim dignoscitur. 

Auf den Gipfelflächen kahler Hügel und Berge der baum- 
und strauchlosen Pampas Südargentiniens, den heftigsten Andes- 
stürmen und patagonischen Steppenwinden ausgesetzt, welche letztere 
anstatt Regen, Sand- und Salzstaubmassen mit sich führen, wurzelt 
dies eigenthümliche Holzgewächs in Spalten des Gesteins und spreizt 
dann seine starken, dichtbeblätterten Zweige nach allen Seiten zu 
einem eleganten silberweissen, seidenglänzenden Polster aus. 

Der Autor entdeckte diesen Plantago im April v. J, bei Gaminga 
(südwärts von Azul, Prov, Buenos - Ayres) und Puan, (Indianer- 
festung, westlich der Sierra Curumalan und Ventana) und zwar 
während des patagonischen Winterfeldzuges des gegenwärtigen 
Präsidenten, General Roca, den er alsMitglied einer wissenschaftlichen 
Commission zur Erforschung des nunmehr eroberten, etwa die Grösse 
Deutschlands besitzenden Indianer - Territoriums der Pehuenches 
(Fichtenleute), Ranqueles (Röhrichtsleute), Huiliches (Südleute) und 
der Horden der Gaziken Pinzen und Catriel begleitete. 

Das Habitusbild der Pflanze*), welche Sr. Durchlaucht dem 
Fürsten Otto von Bismarck, dem Kanzler des kaiserlich deutschen 
Reichs, aus patriotischer Dankbarkeit als Weihnachtsgabe gewidmet 

*) Exemplare z. Zt. im Universita 
(Argentin. Eepublik), im Herbarium der 
in Berlin, Dr. P. G. 
der Naturforschenden GesellscLaft 2 



ist, findet sich in dem auf argentinische Staatskosten in der Ver- 
öffentlichung begriffenen Reisewerke: „Informe cientifico sobre la 
espedicion del General Roca al Rio Negro 1879". — Die Widmung 
an den Fürsten Reichskanzler dürfte um so angemessener sein, als 
die Devise des Bismarck' sehen Wappens auf das „Wegeblatt", be- 
kanntlich eine Plantago-Art, Bezug nimmt. — Bei dem polster- 
artigen Wuchs und der silbergrauen Seidenbehaarung der langen, 
zierlichen Blätter, wird Plantago Bismarckii voraussichtlich für 
unsere Gärten, namentlich auf Alpenpartieen , eine willkommene 
Bereicherung abgeben. 



Zur Pflege der Eucharis amazonica. 

Vom 
Königl. Gartenbau-Direktor Gaerdt. 

Amaryllideae: Eucharis amazonica Planch. et Lind. Eucha- 
ris Candida Planch. et Lind. Flore des serres t. 788. Eucharis 
grandiflora Planch. et Lind. Flore des serres t. 957. Alle drei 
genannte Arten dieser Gattung haben ihre Heimat in den vereinigten 
Staaten Kolumbiens. Der verdiente Sammler Triana fand E. gran- 
diflora in der Provinz Choco. Um die Einführung dieser werthvollen 
Pflanzen in Europa hat Herr Linden in Brüssel sich besonders ver- 
dient gemacht. 

Es liegt unserer Aufgabe fern, die Unterscheidungskennzeichen 
dieser drei Spezies, die sie, den wissenschaftlichen Diagnosen nach, 
von einander trennen, hier irgendwie einer Erörterung unterziehen 
zu wollen. Ja, es sei uns gestattet, anführen zu dürfen, dass dem 
Blumenfreunde, dem bestimmte Ziele verfolgenden Kultivateur alle 
diffizile Unterscheidungsmerkmale hier ziemlich gleichgültig sein 
können, und zwar aus dem sehr einfachen Grunde, weil er die 
Sache von einem anderen Standpunkte aus, mit anderen Augen, ohne 
Zuziehung der wissenschaftlichen Charaktere, rein von dem nütz- 
lichen oder ästhetischen Standpunkte betrachtet. Von diesem Ge- 
sichtspunkte aus angesehen und bemessen erscheinen uns alle drei 
Spezies mit einander sehr nahe verwandt und gleichwerthig zu sein. 
Wahrscheinlicher Weise ist es auch nur eme Art mit Spielarten in 
eigenthfimlichen Formenabweichungen. In der Kultur haben wohl 
noch an keinem Orte alle drei Eucharis neben einander in Blüthe 
gestanden, wonach alle scharfen Unterschiede festzustellen gewesen 
wären. 

Gleichviel, ob die Wissenschaft bei drei verschiedenen Arten be- 
harrt, oder die Praxis alle in eine vereinigt, in einem Punkte herrscht 
sicherlich volle Uebereiostimmung, und zwar in dem, dass alle bis 
jetzt bekannte Eucharis nicht nur zu den schönsten Repräsentanten 
der Amaryllideen gehören, sondern deren Blumen zu den edelsten 
Formen aller Pflanzen zu zählen sind. 

Die Eucharis-Art, welche unsere Aufmerksamkeit fesselt, die, 



um welche es sich hier handelt, ist allgemein bekannt unter „Eucha- 
ris amazonica". Die Blätter derselben sind elliptisch, nach dem 
Grunde zu in einem Blattstiel verschmälert. Die bis 11 cm im 
Durchmesser haltenden, weissen, duftenden, narzissenähnlichen Blu- 
men stehen auf 60 bis 70 cm hohen, blattlosen Schäften, meist in 
fünfblumigen (selten mehr oder weniger) Dolden. Zur Blüthezeit 
sind die Blumen etwas nickend, sie erschliessen sich auch nicht alle 
zugleich, sondern nach und nach, eine nicht unwesentliche, ange- 
nehme Eigenschaft, durch welche Freude und Genuss daran erheb- 
lich verlängert und der Werth der Blume erhöht wird. 

Als Gardeners' Chronicle in den Nummern vom 2. Dezember 
und 16. Dezember 1876 die sensationellen Mittheilungen brachte, 
dass eine Pflanze (viele in einem Topfe vereinigte Exemplare) 214 
Blumen trugen, ferner dass zwei Exemplare des Herrn Speath auf 
142 Blüthenstielen 852 Blumen erscheinen Hessen, erregte dies all- 
gemeine Bewunderung. Seitdem es auch hier gelungen ist, Exem- 
plare zu ziehen, deren jedes bis jetzt schon 18 bis 20 Blüthenschäfte 
trug und 90 bis 100 Blumen darauf sich entwickelten, zweifle ich 
keinen Augenblick an der Erreichung solcher ausserordentlichen 
Kulturresultate. 

In Folge rationeller Kulturen, andererseits durch leicht zu ver- 
schaffendes Blumenmaterial von nah und fern, steigern sich die An- 
forderungen und Ansprüche an jede einzelne Pflanze und Blüthe; 
sie soll neben der von der Natur angehauchten Schönheit auch mer- 
kantilischen Werth für den Materialismrs haben. Entspricht diesen 
xVnforderungen auch unsere Eucharis? „Vollständig!" glauben wir 
sagen zu dürfen. — Vor allen Dingen ist ein reich bevölkertes, mit 
einer grossen Anzahl von Blättern und Blumen prangendes Exemplar 
eine Zierde im Zimmer wie im Blumenschauhause. Ferner sind die 
grossen, weissen, duftenden Blumen von langer Dauer im abge- 
schnittenen Zustande, nicht empfindlich beim Transport, zwei höchst 
beachtenswerthe Eigenschaften für den Handel und für die Blumen- 
binderei. Wie bereits erwähnt, blühen stärkere Exemplare mehrere 
Male im Jahre. In der Wiener Obst- und Garten- Zeitung vom Jahre 
1878 S. 381 wird angeführt, dass E; amazonica jährlich vier- bis 
fünfmal blühe. Als Zimmerpflanze wird sie in Regel's Gartenflora 
Bd. 27 S. 244 empfohlen. Und es ist noch gar nicht erwiesen, dass 
sie sich in dieser sehr schätzenswerthen Beziehung nicht würdig zur 
Seite stellt der dankbaren Valota purpurea. Von grosser Wichtig- 
keit ist, dass der Hauptflor an und für sich in die Winterzeit fällt 
und es unterliegt keinem Zweifel, dass durch Kulturmanipulationen 
noch Vieles zu erreichen sein wird. 

Die Kultur der Eucharis erhält eine feste Grundlage, nachdem 
wir uns mit den Eigenthümlichkeiten ihrer Lebensweise ver- 
traut gemacht haben und sie beachten. Sie gedeiht nicht nur 
vorzüglich in einem gesellschaftlichen Beisammensein, sondern, wenn 
ich meinen Wahrnehmungen Ausdruck geben darf, sie liebt sogar 
ein inniges, eng verbundenes Familienleben. Aus diesem triftigen 



Grunde lasse man ihr alle ihre Kinder und Kindeskinder bis in das 
wer weiss wie vielste Glied und trenne sie nur zu Zwecken der 
Vervielfältigung oder nachdem die Exemplare zu grosse Dimensionen 
angenommen haben und sich aus diesem Grunde Trennung noth- 
w endig macht, aber nicht in der Absicht, um einen reicheren Blu- 
menflor zu erreichen, denn in diesem Falle würde man weniger zum 
Ziele gelangen. Auch sei hierbei des wichtigen Umstandes gedacht, 
dass die jungen Zwiebelchen sich in der That am Mutterstocke viel 
rascher entwickeln und eher das Stadium der Blühbarkeit erreichen, 
als bei zu früher Lostrennung und Ueberlassung der Selbstständig- 
keit. Während Zwiebelchen vom gleichen Alter, am Mutterstock 
verblieben, schon nach 3 Jahren bluhbar werden, bedürfen die zu 
früh getrennten mindestens 4 bis 5 Jahre zu ihrer vollständigen 
Etablirung und Erlangung der Blühbarkeit. Es bestätigen diese 
Thatsachen aber auch, dass die Zwiebeln der Eucharis eine gewisse 
Stärke erreichen müssen, um Blumen zu erzeugen, und man also 
bei der Anzucht nicht Ansprüche machen darf, die ausser dem Be- 
reiche der Möglichkeit liegen. 

Bei der Kultur hat man sich vor allen Dingen mit den Lebens- 
bedingungen der Pflanzen, in dem vorliegenden Falle mit den für 
Eucharis nothwendigen bekannt zu machen, um gesunde, lebensfähige 
Exemplare zu erziehen, denn nur von solchen sind Blumen in reichem 
Maasse zu erwarten. 

Bei allen Pflanzenkulturen erachtet es die Technik als einen 
Hauptfaktor, die Temperaturverhältnisse des Heimathlandes so viel 
wie möglich nachzuahmen. Wir werden dabei darauf hingewiesen, 
diese je nach der Wachsthumsperiode oder Euhezeit der Pflanze in 
ihrem Vaterlande steigen und sinken zu lassen. 

Die allgemeinen klimatischen Verhältnisse des Vaterlandes unserer 
Eucharis weisen uns zunächst darauf hin, dass wir eine tropische 
Pflanze vor uns haben, und dem entsprechend ist ihr im grösseren 
Theil des Jahres ein Platz im Warmhause bei 10 bis 15 Gr. R. 
Wärme zu geben. Ueber die speziellen Standorte und die Ortsver- 
hältnisse im Vaterlande, ob Eucharis in geschlossenem ürwalde, an 
den Ufern der Bäche, in lichten Hainen oder auf sonnigen Wiesen- 
fluren ihren Standort hat, ob sie ihre W'urzeln in Moor-, Lehm- oder 
leichten Boden bettet, darüber fehlen die Nachrichten. Bei der 
Pflege ist es zunächst dem praktischen Blicke überlassen, in diesen 
Beziehungen die den Lebensbedingungen angemessenen Wege einzu- 
schlagen. 

Unter Erwägung der ersten Grundbedingungen beginnt die Pflege 
entweder mit importirten Exemplaren oder den vom Mutterstocke 
getrennten Zwiebeln, in beiden Fällen aber zunächst mit dem Ein- 
pflanzen in ein für das Gedeihen derselben nothwendiges Erdreich. 
_ Wer mit der Pflege vieler der tropischen Amaryllideen nur 
emigermaassen betraut ist, dem ist bekannt, dass sie mehr oder 
weniger einen humusreichen Boden lieben. Auf Grund derartiger 
Ertahrungen verwendet man auch für Eucharis ein diesen Erfahrun- 



21 — 



gen entsprechendes Erdgemisch. Mit dem besten Erfolge gedeihen 
die Eucharis in einem Gemisch, bestehend ans Lauberde, vorzugs- 
weise von Buchen, in halb verrottetem Zustande, aus der vermittelst 
eines Siebes die feineren, vererdeten Bestandtheile entfernt sind, 
Haideerde und verrotteten Einderexkrementen zu gleichen Theilen, 
denen ein Sechstel der Gesammtmasse grobkörniger Sand beigefügt 
wird. Zu empfehlen ist, die Zusammenstellung längere Zeit vor dem 
Gebrauch zu machen und das Gemisch öfter umzusetzen, damit eine 
gleichmässige Verbindung erfolgt. Bei der Operation des Verpflan- 
zens soll die Erde weder zu nass noch zu trocken sein. 

Nächst der Erde bilden die Töpfe ein nothwendiges Bedürfniss. 
Neue Töpfe sollten vor dem Gebrauch ca. 12 Stunden gewässert 
werden, um etwaige in der Topfmasse vorhandene schädliche, jedoch 
leicht lösliche Salze möglichst zu beseitigen. Schon im Gebrauch 
gewesene Töpfe müssen von innen und aussen durch Waschen ge- 
reinigt werden. 

Alle Gefässe erhalten vor der Benutzung eine möglichst hohe, 
dem inneren Räume angemessene Drainage von durchlässigem Ma- 
terial; am vortheilhaftesten dienen dazu zerkleinerte Ziegelstein- 
stücke, damit bei dem "später erfolgenden starken Giessen alles über- 
flüssige Wasser raschen Abfluss findet und sich nicht in den unter- 
sten Erdschichten festsetzen kann. 

Hat man es mit dem Versetzen in Kultur befindlicher Exem- 
plare zu thun, so ist es zweckmässig, die Töpfe zuvor etwas aus- 
trocknen zu lassen, weil zu nasse Erde sich schwieriger von den 
Wurzeln löst und oftmals diese mit sich reisst. Beim' Ein- wie 
beim Umpflanzen schone man möglichst die dicken, fleischigen Wur- 
zeln und vermeide uEter allen Umständen das Beschneiden der letz- 
teren, es sei die Aufgabe nur, sämmtliche alte, ausgenutzte, zwi- 
schen den Wurzeln vorhandene Erde möglichst zu entfernen, damit 
die Wurzeln des frischen, nahrungsreichen Materials unbehinderter 
sich bemächtigen können. 

Der geeignetste Zeitpunkt zum Verpflanzen der in Kultur be- 
findlichen Exemplare ist, sobald ein neuer Kreislauf des Wachsens 
beginnt, in dem Moment, wo neue Blätter erscheinen, zugleich auch 
neue Wurzeln aus dem Rande des Zwiebelbodens hervorbrechen. 
Bald nach diesen Verjüngungen und Lebenszeichen pflegen auch in 
der Regel die Blüthenschäfte zu erscheinen. 

Die Erfahrungen haben gelehrt, dass nächst der Erde und dem 
zweckmässigen, zur geeigneten Zeit stattfindenden Verpflanzen auch 
der Standort, den man der Eucharis anweist, von Wichtigkeit ist. 
Ein heller Platz, nicht allzu fern vom Glase, sagt ihr ganz besonders 
zu. An einem solchen Orte bleiben die Blätter kürzer, gedrungener. 

Während der Wachsthumsporiode erfordern die gesunden Exem- 
plare reichliche Bewässerung. Es bestehen die Wasserzuführungen 
nicht allein in dem Begiessen des in den Gefässen vorhandenen Erd- 



reichs, sondern es gehört dazu auch das tägliche üeberspritzen der 
Blätter; letzteres ist ans mehrfachen Gründen eine unumgängliche 
Nothwendigkeit. Ueber die Anwendung des Giessens sowohl wie 
des Spritzens lassen sich ganz bestimmte Regeln oder Maasse nicht 
feststellen, da hierbei sowohl die Temperaturverhältnisse, der Feuch- 
tigkeitsgrad des Glashauses und die Witterungsverhältnisse in Be- 
tracht zu ziehen sind. Nächst dieser Gewährung von reinem Wasser 
tritt auch noch das Erforderniss ein, zur besseren Ernährung und 
Ausbildung der Pflanzen Dünger anzuwenden, und zwar in flüssi- 
ger Form. 

Die unbestreitbar vortheilhaftesten Dungmittel für Gewächse, 
wie Eucharis, sind sicherlich die in Wasser aufgelösten Rinder- 
exkremente. Man gebe sie in sehr verdünnter Weise. Ein Dung- 
guss, bestehend aus 1 kg Exkremente und ca. 15 1 W^asser ist 
nützlich, nie zu konzentrirt und schädlich. Eine derartig verdünnte 
Lösung kann bei lebhafter Vegetation wöchentlich einmal zur An- 
wendung kommen. 

Nachdem die Blätter ausgewachsen sind, eine gewisse Härte 
und Widerstandsfähigkeit erlangt haben, ist die Anwendung des 
flüssigen Düngers ganz einzustellen, auch das Begiessen des Erd- 
reichs zu moderiren, dagegen das sanfte Bespritzen fortwährend an- 
zuwenden. Es darf jedoch auch das Begiessen nicht so weit ein- 
gestellt weiden, dass die Blätter massenhaft welken und absterben. 
Die möglichste Frischerhaltung der Blätter in reicher Anzahl ist bei 
der Eucharis von grossem Nutzen. Ein gänzliches Absterben aller 
Blätter, wie es bei der Amaryllis formosissima und anderen Arten 
zu geschehen pflegt, ist nachtheilig für Eucharis. 

Zur Erhaltung des frischen Blattgrüns ist es nothwendig, sie in 
allen Stadien, selbstredend während des Sommers, zu beschatten. 

Mit Eintritt der Ruhezeit, welche sich zu erkennen giebt durch 
Nachlassen in dem Erscheinen frischer, nener Blätter, macht sich 
auch ein Wechsel in der nunmehr erforderlichen Temperatur, eine 
üeberführung der Exemplare in ein kühleres, luftigeres Glashaus 
nothwendig. 

Die Ruhezeit, der kühlere, luftigere Aufenthaltsort, dienen ge- 
wissermaassen als Mittel, die Blüthezeit nach einem gewissen Zeit- 
punkte hin zu dirigiren. Je länger man diese Ruheperiode inne zu 
halten sucht, je später tritt die Blüthezeit ein. 

Während der Ruheperiode in den Spätsommertagen, wo die 
Temperatur überall einen hohen Grad erreicht, ist es rathsam, die 
Eucharis ganz im Freien an einem gegen nachtheilige Einwirkungen 
geschützten Ort zu plaziren, doch so, dass ihr Luft in reicher Fülle, 
jedoch keine Zufluft zuströmen kann. Diese Aufgabe wird voll- 
ständig gelöst, wenn zu diesem Zweck ein abgetragenes Mistbeet, 
d. h. ein solches, welches bereits zum Anbau von Frühgemüsen, 
Stecklingspflanzen etc. gedient hatte, zur Verfügung steht. Um 



aber auch gegen Regengüsse, sengende Sonnenstrahlen geschützt zu 
sein, wird solches mit einem einfachen, circa 60 cm hohen, festen 
Lattengestell versehen und mit Feastern bedeckt. Unter diesem 
Glasdache streift fortwährend die Luft hin; die Fenster schützen 
gegen Regengüsse und dienen zugleich als Unterlage für die Be- 
schattung. Hier verweilen die Eucharis, so lange es die Witterung 
nur irgend gestattet, bis zu der Zeit, wo der Einzug der Pflanzen 
in die Winterräume überhaupt beginnt. 

Das Begiessen während des Aufenthalts im Freien findet nur 
so weit statt, um das Austrocknen des Erdreichs und die damit in 
Verbindung stehenden Folgen zu vermeiden, andererseits wird das 
Bespritzen der Blätter regelmässig bei heisser, trockener Witterung 
fortgesetzt. In's Glashaus zurückgebracht, konservirt man sie bis 
Ende Oktober bei einer Temperatur von ca. 10 Grad. Von da ab 
wärmer gestellt, erscheinen bald die Blüthenschäfte , Blumen und 
jungen Blätter, womit der Kreislauf der Kulturmanipulationen von 
Neuem beginnt. 

Noch bleibt mir anzuführen übrig, dass starke Exemplare nicht 
alljährlich verpflanzt zu werden brauchen, wenn man, so weit es 
eben thunlich ist, die obere Erdschicht so tief wie möglich entfernt, 
durch nene ergänzt und reichlich mit flüssigem Dünger nachhilft. 

Wie bereits darauf hingewiesen, erscheinen bei der Eucharis 
Blüthenschäfte und Blumen auch zu anderen Zeiten, als wie im 
Dezember und Januar. Ist man im Besitz starker Exemplare, so 
hat man auch zum Oefteren die Freude, die wahrhaft schönen Blu- 
men derselben in einem und demselben Gefässe zu sehen. 

Zu den Kulturen der Eucharis ist noch mitzutheilen, dass man 
sie auch in niedrige Warmhäuser auf eigens dazu hergerichtete 
Beete auspflanzt. So empfehlenswerth diese Methode einerseits, na- 
mentlich für Zwecke einer möglichst raschen Vervielfältigung ist, so 
hat sie doch auch andererseits ihre Schattenseiten. Früher oder später 
tritt das Bedürfniss des Verpflanzens heran, damit aber auch zugleich 
ein Zertrennen der Stauden und nicht unwesentliche Beschädigungen 
der Wurzeln. Dadurch wird das Blühen zeitweise beträchtlich gestört. 

Jedoch die zuletzt angeführten Umstände sind es nicht allein, 
es treten auch noch andere bedenkliche hinzu. 

Wir können hierbei nicht unterlassen, zu erwähnen, dass auch 
die Eucharis, wie fast alle Warmhauspflanzen, dem Befallen von 
schädlichen Insekten ausgesetzt sind. Auf der Unterseite der Blät- 
ter, wenn diese dem regelmässigen Bespritzen weniger zugänglich 
sind, finden sich gern zwei arge Feinde, die Kaffeelaus (Coccos ado- 
nidum) und der Blasenfuss (Thrips haemorrhoidalis) ein und richten 
gewaltige Zerstörungen an. Das Reinigen und Waschen der im 
freien Grunde stehenden Exemplare ist schwierig, ja zuweilen wohl 
kaum ausführbar. Bei den in Gefässen gepflegten Eucharis kann 
zu allen Zeiten das Reinigen der Blätter stattfinden. 



Jede der Knlturmethoden , die in Gefässen wie die in freiem 
Grunde, hat ihr Gutes. Die freie Landkultur im Warmhause ist 
schätzenswerth zur Vervielfältigung der Eucharis. Die Freiland- 
kultur ist ferner angewandt bei erkrankten und kleinen Zwiebeln. 
Für solche richtet man im April ein warmes Mitbeet ein, bringt 
darauf eine ca. 20 cm hohe Erdschicht, bestehend aus verrottetem 
Baumlaub und Dungerde. Nach dem Einsetzen hält man die Fen- 
ster ziemlich geschlossen; bei mildem Wetter ist Luftzutritt noth- 
wendig. Durch öfteres sanftes Ueberspritzen erhalten die Pflanzen 
genügende Feuchtigkeit; durch Beschatten werden die Blätter gegen 
das Verbrennen geschützt. Die Erhaltung der Bodenwärme ist durch 
erneuerte Kastenumsätze von erwärmtem Mist zu beschaffen. Alle 
diese Mühen finden reichen Lohn in dem Gedeihen der Pfleglinge. 
Gegen Ende September pflanzt man sie in Töpfe und lässt ihnen 
die vorgeschriebene weitere Behandlung angedeiben. 

Die Vorzüge der Topfkulturen bestehen hauptsächlich darin, 
dass die gesunden, starken Exemplare in dem engen Räume des 6e- 
fässes während der Blüthezeit mehrfach verwendet werden können, 
die Blätter auf bequeme Weise zu reinigen sind und ein der Vege- 
tations- und Euheperiode entsprechender Wechsel des Standortes 
wie der Temperaturverhältnisse leichter zu bewerkstelligen ist, als 
die Exemplare, im Warmhause ausgepflanzt, an ihre Stand- 
mden bleiben. 

Vervielfältigung vollzieht sich, ohne jedes besondere Hinzu- 
thun, durch die Erzeugung von Brutzwiebeln. Allerdings würde es 
in einem grösseren Maassstabe geschehen können, wenn die Samen- 
zucht leicht von statten ginge. Bisher ist es mir aber noch nicht 
geglückt, reifen Samen an den Kulturpflanzen zu gewinnen. 

Ueber Gewächshäuser. 



Dr. Tschaplowitz. 

Es ist eine allgemein bekannte Erscheinung, dass in Palmen- 
häusern, Treibhäusern, wie überhaupt in warmen Häusern aller Art, 
recht häufig Pflanzen eigentlich unerklärlicher Weise zu Grunde 
gehen, oder nicht zur vollen Entwickelung ihrer Organe gebracht, 
oder bis zur Vollendung ihrer natürlichen Lebensdauer erhalten 
werden können. Diese Erscheinung ist Gegenstand einer neuerdings 
oft gehörten Klage. Besonders PaJmen, Cocos- und Areca- Arten, 
die Dumpalme und andere, aber auch niedrigere Pflanzen erreichen 
oft nur ein kurzes Lebensalter, um dann zu versieehen; „ihre Kul- 
tur ist schwierig«, heisst es. Von neuen Einführungen fällt gewöhn- 



— 25 — 

lieh eine grosse Zahl zum Opfer; ich hörte Botaniker und Reisende 
ein Palmenhaus als ein Pflanzengrab bezeichnen. Durch Göppert's 
Anregung wurde dieser Frage in der letzten Zeit mehrlache Auf- 
merksamkeit zu Theil. Dass ein schliessliches Verkümmern oder 
Eingehen einer Pflanze in chemischen Mischung s- resp. Ent- 
mischungsverhältnissen des Bodens seine Ursache finden lassen 
kann, ist "keineswegs ausgeschlossen. Es können, wenn eine Pflanze 
längere Zeit in einem selbst grossen Kübel verbleibt, durch das 
Giessen die löslichen chemischen Nährstoffe ausgewaschen und so 
der Boden entkräftet werden. Redner erlaubt sich, auf einen hier- 
auf bezüglichen Aufsatz im Septemberheft 1877 der Zeitschrift des 
Gartenbau^ Vereins von demselben hinzuweisen, in welchem er einen 
Vorschlag zur Remedur dieses Uebelstandes machte. 

Wenn man jedoch mit unbefangenem Blicke die Verhältnisse 
betrachtet, unter welchen Pflanzen bei uns in den betreffenden Häu- 
sern kultivirt werden, und diese Verhältnisse mit denjenigen ver- 
gleicht, unter welchen die in der freien Natur aufwachsenden sich 
entfalten dürfen, so springen sofort bedeutende Unterschiede in die 
Augen, welche angesichts der Wichtigkeit des Gegenstandes und des 
wissenschaftlichen sowohl als des praktischen Interesses uns zur nä- 
heren Prüfung derselben herausfordern. Wenn nun diese Unter- 
schiede bei im Pflanzenleben mit Nothwendigkeit mitwir- 
kenden Faktoren auftreten, so ist es erlaubt, zu schliessen, dass sie 
je nach dem Grade ihrer Grösse das Pflanzenleben direkt benach- 
theiligen werden, dergestalt, dass unter dem konsequenten Herrschen 
solcher Unterschiede Pflanzen wohl einem frühen Tode anheimfallen 
können. Mit einem Worte, dass in diesen Unterschieden üebelstände 
begründet sind. Und wenn selbst nicht abzusehen sein sollte, wie 
eine Abstellung derselben und eine bessere Anpassung dieser Ver- 
hältnisse an die Natur zu ermöglichen sei, so müssen dieselben doch 
wenigstens diskutirt, und es muss doch mindestens versucht wer- 
den, ihre schädliche Einwirkung kennen zu lernen, und sie, wenn 
nicht anders möglich, wenigstens auf das geringste Maass zu be- 
schränken. Man müsste es wunderbar finden, dass solchen ein- 
mal richtig erkannten Uebelständen — wenn man sich der grossen 
Fortschritte der heutigen Technik und der sehr grossen Summen, 
welche unsere Warmhäuser kosten, erinnert — nicht mit wenigstens 
einigem Erfolge sollte entgegen gearbeitet werden können. 

Da sind zunächst die Luftfeuchtigkeitsverhältnisse, welche 
in der freien Natur bedeutend von den in den Warmhäusern herr- 
schenden abweichen. Dürfte nicht vielleicht eine mehrere Berück- 
sichtigung der natürlichen Verhältnisse bei der Kultur prophylak- 
tisch gegen manchen Misserfolg wirken? Oft schon haben wir es 
doch erlebt, dass, was die Menge der atmosphärischen Feuchtigkeit 
anlangt, eine Vergrösserung derselben eine prekäre Kultur gelingen 
Hess. Warum sollte dies nicht auch bei anderen Pflanzen, denen 



weniger an einer wassergesättigten Luft, sondern mehr an einem 
rechtzeitigen Wechsel zwischen feuchter und trockener Luft 
liegt, stattfinden. Der Vorschlag, in Warmhäusern Hygrometer auf- 
zustellen, ist schon öfter gemacht worden, aber kaum irgend durch- 
gehend (mit Ausnahme grosser, gut geleiteter Gärten etwa) ange- 
nommen worden. Auch müsste die Anwendung, d. h. die Befolgung 
der aus den Zahlenangaben hervorgehenden Rathschläge, eifie genauere 
sein, als dies etwa bei dem Thermometer stattfindet; denn obgleich 
die Physik lehrt, dass auf der ganzen Erde, mit Ausnahme der 
ozeanischen Klimate und vielleicht der lokal beschränkten wasser- 
reichen Moore, Sümpfe und der Bruchgegenden des Binnenlandes, der 
Wassergehalt der Atmosphäre ziemlich regelmässig mit der Tageszeit 
wechselt, derart, dass das Maximum Morgens oder Abends (Nachts), 
das Minimum aber gegen Mittag oder am frühen Nachmittag ein- 
tritt, habe ich doch noch nicht gehört, dass in der Pflanzenkultur 
Sorge für einen Wechsel der atmosphärischen Feuchtigkeit in ähn- 
lichem Sinne getroffen worden wäre. Und doch liegt meiner Mei- 
nung nach gerade in diesem Wechsel, in dieser Periodizität der 
nützliche Einfluss des Wasserdampfes auf viele Pflanzen. 

Der Wasserdampf der Luft hemmt die Verdunstung der Pflan- 
zen, ein Abwechseln desselben mit trockener Luft würde also, na- 
mentlich wenn es regelmässig geschieht, regulirend auf die Ver- 
dunstung wirken; wie wichtig dies aber für die Pflanzen werden 
kann, ist schon öfter dargethan w^orden, (Getreidelagern). Auch 
könnte zum Beweise dessen eigentlich ja schon der eben erwähnte 
umstand genügen, dass überall, wo Pflanzen im Freien wachsen, im 
Allgemeinen ein gewisser, mehr oder weniger regelmässig stattfin- 
dender Wechsel der Luftfeuchtigkeit (und somit der Verdunstung) 
eintritt, mag auch die Differenz zwischen Maximum und Minimum 
pro Tag in ozeanischen, warmen Klimaten nur eine geringe 
sein. In unseren Warmhäusern einen ähnlichen Wechsel eintreten 
zu lassen, mag freilich amständlich, ja oft nicht gut möglich 
sein. Es wird zwar in den Warmhäusern gelüftet, d, h. die 
feuchte Luft des Hauses gegen die trocknere der Atmosphäre 
vertauscht, aber leider ist daselbst meist mit einer Lüftung eine 
Temperaturerniedrigung verknüpft, welche nicht verfehlen kann 
(durch die Konsequenz, mit welcher dies Verfahren Tag für 
Tag exerzirt wird), von nachtheiligem Einfluss zu sein; denn in der 
Natur tritt im Allgemeinen eine Abnahme der atmosphäri- 
schen Feuchtigkeit gerade zur Zeit der Temperaturstei- 
gerung ein. In ozeanischen Klimaten treten beide Maxima, das 
der Feuchtigkeit und das der Temperatur, ziemlich gleichzeitig gegen 
Mittag oder kurz nach Mittag auf, wonach also Pflanzen jener Kli- 
mate anders zu behandeln wären, als die den mehr kontinentalen 
Gegenden entstammenden. 

In weit höherem Grade jedoch glaube ich die ungünstigen 



Wärmeverhältnisse, welche oft oder zumeist in unsern Häusern 
herrschen, für die Verluste an Pflanzenleben und Misserfolge in der 
Kultur verantwortlieh machen zu dürfen, und möchte mir erlauben, 
die Aufmerksatnkeit einer geehrten Versammlung für diesen Punkt 
ganz besonders mir zu erbitten. 

Es ist hier ebenfalls nicht sowohl die Menge der in den Häu- 
sern aufgewendeten Wärme (obwohl dieselbe gewöhnlich auch in 
einem argen Missverhältniss zu den Kosten nämlich, welche sie ver- 
ursacht, steht), als die Art und Weise der üebermittelung dersel- 
ben an die Pflanzen, bei welcher sich der Natur gegenüber nicht un- 
bedeutende Unterschiede bemerklich machen. 

Wenn irgend die Kultur diejenigen Verhältnisse, unter welchen 
die Pflanzen in der freien Natur auf ihren natürlichen Standorten 
aufwachsen, nachahmen will, und das ist doch wohl ihre Haupt- 
aufgabe, sobald es sich nicht um Nutzpflanzen handelt, so ist, nach- 
dem die ungefähre Menge der Wärme, d. h. die Höhe der mittleren 
Temperatur festgesetzt ist, in erster Linie in der Darreichung der 
Wärme an die Pflanzen nothwendig, der in der Natur statthabenden 
Temperaturfolge, also dem Gange der Temperatur 
während einer bestimmten Zeit, kurz der Periodizität 
derselben, Rechnung zu tragen. 

Alles im Pflanzenleben ist periodisch, d. h. an bestimmte Zeit- 
momente unserer klimatischen Perioden gebunden ; erst entwickelt die 
Pflanze ihre vegetativen Organe, alsdann die Blüthe, hernach die Frucht; 
die Temperatur zur Zeit der Fruchtbildung ist im Allgemeinen eine 
höhere, als die der vorhergehenden Perioden; ähnlich, nur mit einem 
früher eintretenden Maximum, steigt und fällt das Licht, welches 
die Pflanze geniesst, und selbst weder die chemischen Bodenbestand- 
theile, noch die Kohlensäure der Atmosphäre sind derselben durchaus 
gleichmässig zugänglich, sondern auch hier ist eine gewisse Periodizität 
bemerklich. Bezüglich der Bodennährstoffe erinnere ich blos an die 
zwei Hauptregenzeiten des Sommers unseres Klimas, welchen eine 
vermehrte Wasser- und somit Nährstotizufuhr (für die Wurzeln) 
und damit ein erhöhtes Wachsthum folgen muss (unsere zweite Ra- 
genzeit ruft den sog. Johannistrieb hervor). Den Nährstoff Kohlen- 
säure aber nimmt die Pflanze blos am Tage auf. Auch die che- 
mische Kraft macht sich demnach gerade so wie die äusseren Kräfte, 
Licht und Wärme (Elektrizität und Magnetismus), in stetem und zwar 
der Hauptsache nach regelmässigem Wechsel geltend. Die 
Kräfte aber sind es, welche durch ihre Einwirkung auf den in 
der Pflanze vorhandenen Stoff derselben Gestalt, Form und Farbe 
geben, dieselbe, so zu sagen, gross ziehen. Grund genug, ihnen 
immer und immer wieder unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden. 
Auch kann ja hier ebenfalls, zum Beweise der Nothwendigkeit des 
Wärmewechsels, auf die Natur verwiesen werden. 
(Fortsetzung folgt.) 



Vegetations-Charakter der Samoa -Inseln. 

^'ach eigenen Beobachtungen zusammengestellt 



Fern im Süden, in der Mitte jenes ungeheuren Wasserbeckens, 
welches als Grosser Ozean die Weltgestade Amerika's vom Ostrande 
der Alten W'elt scheidet, steigen die lieblichen Eilande der Samoa- 
Gruppe in einer üppigen Vegetationsfülle aus den blauen Fluthen 
empor, wie sie nur die Tropensonne in Verbindung mit der ewigen 
Feuchtigkeit des Meeres zu erzeugen vermag. Von den unheimlich 
arbeitenden vulkanischen Kräften, welche die Inseln vor unberechen- 
baren Zeiten aus unergründlichen Tiefen bis zu 3000 Fuss über den 
Spiegel der See emporgehoben, ist heutzutage nicht das Geringste 
zu spüren, und eine friedliche Vegetation bedeckt die steilen Ge- 
birgszüge bis auf die äussersten Gipfel, oft sogar in die erloschenen 
Krater hinabsteigend, auf deren Grunde zuweilen kleine, smaragd- 
grün schillernde Bergseen die Stelle des einst dampfenden Schlundes 
einnehmen. Das wilde Lavageröll, das die ins Meer sich wälzenden 
glühenden Ströme zurückliessen , ist jetzt mit dem zarten Grün 
der Selaginellen übersponnen, und Kletterfarne umranken die schwar- 
zen Blöcke, auf denen das bekannte Vogelnestfarn, Aspleniam Nidus, 
mit Vorliebe nistet. Gewaltige Baumriesen zersprengten sie mit 
der Kraft ihrer Wurzeln und wölben ihre schattigen Kronen über 
sie hin; nur auf Sawai trotzen noch stellenweise wüste Lavafelder 
dem Zahne der Zeit und weisen jeden schüchternen Annäherungs- 
versuch der alles Schroffe und Harte mildernden Vegetation zurück. 

In jüngter Zeit erregten die Samoa -Inseln durch die übertrie- 
benen Hoffnungen, welche Viele auf diese sogenannte „erste deutsche 
Colonie" bauten, allgemeines Interesse in Deutschland, und wurden 
so viel in den Zeitungen besprochen, dass ich mir hier jede Bemer- 
kung über ihre kommerziellen Verhältnisse ersparen kann und es 
in den nachfolgenden Zeilen nur versuchen will, eine allgemeine 
Skizze der Vegetation zu entwerfen. 

Wer die üeppigkeit der Tropen nur aus den Palmenhäusern 
seiner nordischen Heimath kennt, wünscht oft mit heissem Sehnen 
das grossartige Original za schauen, dessen schwächliche Copie ihn 
im Geiste nach dem Lande versetzt, wo die Palmen rauschen und 
die Orchideen im feuchten W'al lesdunkel ihre wundervolle Blüthen- 
pracht entfalten. An den bunten Sommerschmuck unserer Wiesen 
gewöhnt, überträgt seine Phantasie die einheimischen Verhältnisse 
auf die Tropenwelt un.i lässt ihn das Resultat seines Sammeleifers 
m übertriebenem Reichthum erscheinen. Darin wird ihm die Ge- 
genwart wohl schmerzliche Enttäuschungen bereiten. Gewiss ist die 



das gemässigte Klima bei weitem ergiebiger, üeppigkeit und Man- 
nigfaltigkeit gehen leider selten Hand in Hand. Das dürre, wasser- 
leehzende Süd -Afrika ist beispielsweise trotz seines öden, grauen 
Dornbusches und der waldlosen Höhenzüge bedeutend artenreicher, 
als die mit dem verschwenderischsten Reichthum der Tropen über- 
schütteten Samoa-Iuseln. 

Dieser umstand wird hauptsächlich durch die Abwesenheit der 
niedrigen Krautflora bedingt, welche bei uns die Vegetation so man- 
nigfaltig gestaltet; die überschüssige Vegetationskraft lässt kein 
niedriges Wachsthum zu. Alles strebt wetteifernd nach oben, um 
dem Sonnenglanze ungehindert seine Flächen darbieten zu können, 
was selbst für viele Vertreter der Schattenflora Geltung hat. So 
wird in den bebauten Küstenstrichen der Kräuterteppich vorwiegend 
durch kleine blaublühende Commelynen, einige Compositen und Pa- 
pilionaceen zusammengesetzt, denen sich rankende Convolvulaceen 
und Cucurbitaceen zugesellen. Mit allen Diesen verbinden sich 
prachtvolle Malvaceen und Solanaceen, von denen ich nur den bren- 
nendscharfen Chili -Pfeffer hervorhebe. Zwei beliebte Zierpflanzen 
der europäischen Gärten erscheinen hier in überreicher Fülle als 
lästiges Unkraut: die allbekannte Mirabilis Jalappa und die reizende 
Mimosa pudica, welche als Sinnpflanze eine besondere Anziehung 
auf den Besucher des Warmhauses ausübt, während sie auf üpolu 
wegen ihres wuchernden Umsichgreifens in den Gärten möglichst 
vertilgt wird. Tiefer im Innern der Inseln treffen wir eine reiche 
Auswahl niedlicher Piperaceen (Peperomia); mannigfaltige Cordylinen 
und Strelitzien vereinigen sich mit den graziösen Vertretern aus 
der Gattung Theophrasta, und zwischen ihnen sind schönbelaubte 
Croton- Arten in einzelnen Exemplaren eingestreut. Je geringer - 
aber die Arteuzahl aller dieser Phanerogamen erscheint, um so un- 
erschöpflicher wird die Menge der Farnkräuter, welche den we- 
sentlichsten Bestandtheil des Unterholzes ausmachen und nur zu- 
weilen an lichten Stellen die kleinen weissen Sterne einer kriechenden 
Rubiacee unter sich dulden, 

Die Form der Scitamineen, an deren Spitze die saftstrotzende 
Banane als Symbol vegetativer Üeppigkeit steht, kann als typisch 
für die Samoa- Inseln gelten, obgleich ihre Mannigfaltigkeit nicht 
gross ist. Durch sie werden wir an das pflanzengeographische Reich 
der Scitamineen erinnert, welches in Ost- Indien seine grösste For- 
menfülle erreicht. Die Gattungen Amomum, Zingiber (Ingwer), 
sowie Curcuma (Gelbwurz) und Alpinia sind mit der verwandten 
Canna hier am häufigsten, doch mehr in den lichten Küstenwal- 
dungen vorkommend, während die Strelitzien tief ins Gebirge hin- 
eingehen. 

Wenn man den grossen Reichthum an Malvaceen näher kennen 
gelernt hat, fühlt man sich unwillkürlich versucht, den wichtigsten 
Vertreter derselben, die Baumwolle, als Hauptculturpflanze dieser 
Inselgruppe zu empfehlen. Nur auf die Küstenflora beschränkt, er- 



scheinen ihre zahlreichen Spezies dem eben ankommenden Forscher 
noch bedeutender, als später beim weiteren Eindringen in die Hügel- 
landschaften des Inneren. Bäume und Sträucher finden sich unter 
ihnen mit den zarteren Krautformen vereinigt. Von den erstereu 
nenne ich hier nur die prachtvollen Gestalten des Paritium tiliaceum 
und der Hernandia peltata. Schon vom Meere aus gesehen, erhält 
der schmale Küstensaum der Ebene durch ihre herrlichen gelben 
Blüthen in Gemeinschaft mit dem weissen Schmuck der Barring- 
tonia (Myrtacee) ein buntes, farbenprächtiges Ansehen, welches im 
Juli und August durch die in rothe Farbengluth getauchten Gruppen 
von Erythrina indica zum höchsten Eifekt gesteigert wird. Knorrige 
Calophyllum inophyllum strecken dazwischen ihre mit Farnen be- 
deckten Aeste ins Meer hinaus ; saftig grüne Mangroven, unter deren 
sonderbaren Wurzelstelzen Schaaren von bunten Krabben sich tum- 
meln, umräumen die sumpfigen Flussniederungen, und vereinzelte 
Pandanus erheben ihie schraubenförmig gedrehten Gestalten an den 
der Sonne ausgesetzten sandigen Uferstellen. Das niedrige Gebüsch 
endlich wird hauptsächlich durch prachtvolle Hibiscus -Arten mit 
handgrossen, feuerrothen Blüthen, einigen Clerodendron , Vitex tri- 
folium, sowie verschiedenen Cassien und Indigofera gebildet, wäh- 
rend strauchartige Leguminosen die Lücken füllen. 

Trotz der geringen Höhe der Berge üpolus, die 3000 Fass nicht 
übersteigen, ist der Unterschied zwischen der Flora des Küsten- 
saumes und der Gebirgsvegetation ein sehr auffallender; eine Eigen- 
thümlichkeit, welche wohl mehr durch die zunehmende Feuchtigkeit 
des Berglandes als durch die Erhebung selbst erklärt wird. Sobald 
wir den bewohnten Küstenstrich und den dichten Gürtel der Ba- 
nanenpflanzungen, sowie die ausgedehnten, aber nicht allzubreiten 
Streifen der Kokospalmen und Brotfruchtbäume verlassen haben, 
nimmt der Wald sofort einen anderen Charakter an, indem das un- 
durchdringliche, von Dioscoreen und anderen Lianen durchzogene 
Gebüsch dem stillen, ernsten Hochwalde Platz macht. In den Wal- 
dungen dss Küstensaumes traten die verschiedenen Gestalten der 
Kieinhovia hospita, Thespesia populnea, Inocarpus edulis und Brous- 
sonetia, sowie einige Tiliaceen als charakteristisches Element der 
Gehölzvegetation in den Vordergrund, während sie auf der Höhe 
grösseren und stärkeren Bäumen weichen. Die wenigen Farne, 
welche nur auf die Niederung beschränkt sind, verschwinden gänz- 
lich; andere Arten treten mehr und mehr zurück, wogegen eine 
grosse Anzahl" neuer Spezies die Oberhand gewinnen. Auch Canna 
indica, Manihot palmata (Tapioca) und Carica Papaya vertragen 
den Schatten des Urwaldes nicht; andere Pflanzen, wie Tacca pin- 
natifida, Ingwer und Curcuma werden spärlicher, und dafür findet 
sich neben den erwähnten Cordylinen und Strelitzien die zierliche 
Kentia exorrhiza ein. Gewaltige Schlingbäume aus der Familie der 
Mimoseen, Entada scandens, überspannen die mächtigen Baumriesen, 
indem ihre schenkeldicken Stämme zu grotesken Schleifen und Win- 
dungen gedreht erscheinen. Als massive Brücken schlingen sie sich 



von Baum zu Baum: eiu höchst sonderbarer Anblick, der die An- 
schauung des Europäers, unter Schlingpflanzen nur schwache, bieg- 
same Ranken zu verstehen, mit einem Schlage umstösst. 

(Schluss folgt.) 

Protokoll des Preisrichter -Kollegiums. 

Verhandelt Berlin, den 16. Januar 1881. 
Ausser Konkurrenz erklärten sich 

1. Die Königlichen Hofgärtner zu Potsdam, 

2. Herr J. C. Schmidt, Berlin, 

3. Herr C. Lackner, Steglitz bei Berlin. 

I. Ehi-enpreise. 

1 . Die goldene Medaille Sr. Majestät des Kaisers und Königs für die 
Gesammtleistung Herrn Gust. A. Schultz, Eckartsberg, 

2. Eine Porzellan -Vase Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin für 
die Gesammtleitung Herrn C. F. Chone, Berlin, 

3. Eine grosse silberne Medaille des Gartenbau -Vereins für Hamburg, 
Altona und Umgegend für Prunus sinensis Herrn Allardt, 
Schöneberg, 

4. Eine kleine silberne Medaille des Gartenbau -Vereins für Hamburg, 
Altona und Umgegend für Begonia Schmidtii Herren Haage 
u. Schmidt, Erfurt, 

5. Eine kleine silberne Medaille der Gesellschaft der Gartenfreunde 
Berlins für Ananas der Gräfl. v. Arnim 'sehen Garten Verwaltung 
zu Planitz bei Zwickau (Obergärtner Schwarzbach), 

6. Eine kleine silberne Medaille der Gesellschaft der Gartenfreunde 
Berlins für Cyclamen Herrn Rössel, Berlin, 

7. Das Buch „Die Rose" von der Verlagsbuchhandlung Paul Parey 
in Berlin für Rosen in Töpfen Herrn F. Gude, Hasenhaide. 

II. Staatspreise. 

1. Eine grosse silberne Staatsmedaille für Leistungen im Gartenbau 
für eine gemischte Gruppe Herren Credner & Co., Salpeterhütte, 

2. Eine desgl. für getriebene Gemüse und Ananas der Gräflich 
Schaf fgotschen Gartenverwaltung (Garten-Inspektor Hampel), 

3. Eine silberne Staatsmedaille für die Gesammtleistung Herrn 
Allardt, Schöneberg, 

4. Eine silberne Staatsmedaille für abgeschnittene Blumen HeiTen 
Credner & Co., Salpeterhütte bei Weissenfeis, 

5. Eine silberne Staatsmedaille für eine Gruppe Herrn Gutzeit, 
Berlin, 

6. Eine silberne Staatsmedaille für Eucharis amazonica Herrn 
J. L. Schmidt, Erfurt, 

7. Eine silberne Staatsmedaille für Veilchen in Töpfen Herrn 
Setting, Berlin, 



32 — 



8. Eine bronzene Staatsmedaille für Veilchen in Töpfen Herren 
Rathke & Sohn, Praust, 

9. Eine bronzene Staatsmedaille für Hyazinthen Herrn F. Goetze, 
Berlin, vor dem Stralauer Thor, 

10. Eine bronzene Staatsmedaille für Veilchen Herrn Becker, 
Lockstedt, 

11. Eine bronzene Staatsmedaille für Spargel Herrn Paul Neu- 
kirch, Pankow, 

12. Eine bronzene Staatsmedaille für Veilchen Herrn Wiedemann, 
Potsdam. 

m. Yereinspreise. 

1. Eine goldene Vereinsmedaille für Cyclamen Herrn Friedr. S. 
Schnitze, Charlottenburg, 

2. Eme goldene Vereinsmedaille für abgeschnittene Rosen Herrn 
Spie SS in Hamburg, 

3. Eine grosse silberne Vereinsmedaille für Rosen Herrn Brandt, 
Charlottenburg, 

4. Eine grosse silberne Vereinsmedaille für Centropogon Lucianus 
Herrn F. Bluth, Berlin. 

5. Eine grosse silberne Vereinsmedaille und 75 Mark für Cyclamen 
Herrn Wie hie, Schöneberg, 

6. Eine grosse silberne Vereinsmedaille und 30 Mark für Rosen 
Herrn W. Wen dt, Hasenhaide 9, 

7. Eine grosse silberne Vereinsmedaille für Blumen-Arrangements 
Herrn R. Torlee, Berlin, 

8. Eine grosse silberne Vereinsmedaille für Blumen -Arrangements 
Herrn A. Thiel, Berlin, 

9. Eine grosse silberne Vereinsmedaille für Azalea „Deutsche Perle" 
Herrn Rose in Mainz, 

10. Eine kleine silberne Vereinsmedaille für Nelken Herrn 0. Neu- 
mann, Schöneberg, 

11. Eine kleine silberne Vereinsmedaille und 30 Mark für Camellien 
Herrn Pabst, Hamburg, 

12. Eine kleine silberne Vereinsmedaille für Ballgarnituren Herrn 
Pres sei, Hannover, 

13. Eine kleine silberne Vereinsmedaille für abgeschnittene Blätter 
Herrn Garteninspektor Roth, Muskau. 

14. Eine kleine silberne Vereinsmedaille für Gartenpläne Herrn 
Hoppe, Pankow, 

15. Eine kleine silberne Vereinsmedaille für imprägnirte «-etrockuete 
Blumen Herrn B. Herrmann, Berlin, " 

16. Eine kleine silberne Vereinsmedaille für Veilchenblumen Herrn 
W. Weiss, Lockstedt, 

17. Eine kleine silberne Vereinsmedaille für Cykaswedel Herrn 
Lehmann, Dresden, 

18. Eine bronzene Vereinsmedaille für Cinerarien Herrn Kamoss, 
Charlottenburg, 



33 



19. Eine bronzeue Vereinsmedaille für Cykaswedel Herrn Kohlheim, 
Guben, 

20. Eine bronzene Vereinsmedaille für div. Blumen und Spargel 
Herrn H. Krätschmer, Langensalza, 

21. Eine bronzene Vereinsmedaille für Champignons Herrn F 
Teubler, Britz, 

22. Eine bronzene Vereinsmedaille für Champignonbrut Herrn 
Becker, Hamburg, 

23. Eine bronzene Vereinsmedaille für gepresste Blumen Frau 
Dora Zeppitz, Hannover, 

24. Eine bronzene Vereinsmedaille für Farnwedel und Primeln Herrn 
Denker, Hamburg, 

25. Zwanzig Mark für Nelken Herrn Janicki, Berlin, 

26. Zwanzig Mark für getriebenen Fheder Herrn W. W^endt, Berlin, 

27. Fünfzehn Mark für Deutzien Herrn F. Gude, Berlin, 

28. Fünfundzwanzig Mark für Helleborus Herrn Perring, Berlin, 

29. Dreissig Mark für Glematis Frau Lorberg (Obergärtner Brett- 
schneider), Berlin, 

30. Einhundert Mark für eine gemischte Gruppe Herrn Gredener 
& Co., Salpeterhütte, 

31. Siebenzig Mark für eine gemischte Gruppe Herrn F. Blut h, Berlin, 

32. Dreissig Mark für eine gemischte Gruppe Herrn O. Neumann, 
Schöneberg, 

33. Dreissig Mark für eine gemischte GruppeHrn. Weck mann, Berlin, 

34. Dreissig Mark für eine gemischte Gruppe Herrn R. Brandt! 
Gharlottenburg, 

35. Zwanzig Mark für eine gemischte Gruppe Herrn F. Gude, BerUn, 
36 Zwanzig Mark für eine gemischte Gruppe Herrn Wendt, Berlin' 

37. Vierzig Mark für die Gesammtleistung Herrn Metz & Co 
(Obergärtner Held), Steglitz, 

38. Dreissig Mark für Eriken Herrn Bluth, Berlin, 

39. Zwanzig Mark für eine gemischte Gruppe Herrn Rössel, Berlin, 

40. Zwanzig Mark für diverse Leistungen Hrn. K amoss, Charlottenb. 

41. Fünfzehn Mark für Spargel Herrn Weber, Lichtenberg. 
Zum Schluss kann das Preisrichter - CoUegium es sich nichf 

versagen, dem Ordner, Herrn Perring, für seine überaus grosso 
Mühewaltung und für das höchst geschmackvolle Arrangement seinen 
ganz besonderen Dank auch an dieser Stelle auszusprechen. 

gez. A. Drawiel, Jul. Beyrodt, G. L. W. Mathieu, 

Gustav Schmidt, Carl Lackner, L. Kuntze, Gaerdt, 

Emil Liebig, Julius Rüppel, F. W. Spiess. 



Die erste deutsche Winterausstellung 

veranstaltet vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
in Berlin vom 15. bis 17. Januar 1881 

im Königlichen landwirthschaftlichen Museum. 
Von L. Wittmack. 

(Abends bei elektrisclier Beleuchtung). 

„Ich hab's gewagt!" So kann triumphirend der Verein zur Be- 
förderung des Gartenbaues ausrufen, nachdem sein erster Versuch, 
eine Winter- Ausstellung zu veranstalten, in glänzendster Weise ge- 
lungen ist. — Er war in der That ein kühnes Unternehmen, mitten 
im Winter, wo vielleicht starker Frost den Blumen auf ihrer Reise 
zur Ausstellung ein grimmes „Halt" entgegen dröhnen konnte, an 
ein Blumen-Tournier zu denken, aber es galt zu zeigen, was Deutsch- 
lands Gärtner gegenüber ausländischer Konkurrenz zu leisten ver- 
mögen und trotzdem, dass wirklich strenge Kälte (bis 16o R. Nachts) 
kurz vor der Ausstellung eintrat, haben die Pfleger der Kinder 
Floras, da sie den ernsten Willen hatten, es durchgesetzt, selbst 
die zartesten Pflanzen zur Schau zu stellen. Von allen Seiten, vom 
Norden, Süden, Osten und Westen des deutschen Vaterlandes waren 
Einsendungen erfolgt, allen voran stand natürlich Berlin und Um- 
gegend. Herr üniversitätsgärtner Perring hatte das schwierige 
Amt des Ordners übernommen, und der Dank aller Aussteller wie 
des ganzen Vereins wird ihm bewiesen haben, wie glücklich er seine 
Aufgabe gelöst. — Die Einsendungen übertrafen an Zahl weitaus 
alle Erwartungen, so dass der grosse 44 m lange und 22 m breite, 
im reinsten italienischen Renaissance-Style gehaltene Lichthof des 
vom Herrn Königlichen Baurath Tiede errichteten neuen landwirth- 
schaftlichen Museum vollständig gefüllt war. 

Deutschlands Gärtnerkunst hat einen ihrer schönsten Triumphe 
gefeiert, sie hat bewiesen, dass es möglich ist, die Pflanzen des 
Auslandes auch bei uns in gleicher Schönheit zu ziehen, und wenn 
auch — um Das gleich voraus zu schicken — die Hauptaufgabe, 
schöne getriebene Rosen in Töpfen zu zeigen, nicht gelöst wurde, 
so lag Das theils daran, dass in Berlin einige Rosen zu früh ge- 
kommen, andere noch nicht weit genug ausgebildet war^n; die ab- 
geschnittenen Rosen des Herrn Spiess-Hamburg aber, die mit einer 
goldenen Medaille gekrönt wurden, zeigten, dass man in Hamburg 
bereits nahe am Ziele ist. 

Berlin's Bewohner aber haben durch den so überaus zahlreichen 
Besuch der Ausstellung, die auf allgemeines Verlangen noch 
um einen Tag verlängert wurde, aufs Neue ihre Liebe zu den 
Blumen bekundet. Gefesselt durch die treffliche elektrische Beleuch- 
tung von den Herren Siemens und Halske wogte das Publicum 
bis 10 Uhr Abends in den Räumen und ward nicht müde des Be- 
wunderns. Da der Beinertrag zum Besten der vom Verein zur 
Beförderung des Gartenbaues in Gemeinschaft mit den übrigen 



deutschen Gartenbauvereinen begründeten Kaiser Wilhelm- und 
Augusta-Jubelstiftung für deutsche Gärtner bestimmt war, so hatte 
Berlin zugleich Gelegenheit, seinen so oft bewährten Wohlthätig- 
keitssinn zu bekunden. 

Doch nun zur Beschreibung dieser denkwürdigen Ausstellung 
selbst. Den rechteckigen Centralhof des Museums umsäumte eine 
Wand von dunklen Tannen, von denen sich die hellleuchtenden in 
dunklem Moos an der Erde gebetteten oder umrahmt von Decora- 
tionspflanzen auf Tischen placirten Blumen vortrefflich abhoben. Das 
Westende des Saales schloss ein grosses Bassin mit geschmackvollen 
Fontänen, einer Venus und zwei Knaben, ab, die von Herrn 
Castner & Comp., Berlin freundlichst zur Verfügung gestellt 
waren; die Mitte des ganzen Saales nahm ein grosses, ziemlich 
kreisrundes Beet ein, während links und rechts zwei geschmack- 
volle, ziemlich rechtwinklige Beete den übrigen Raum deckten. Das 
westliche dieser Beete, vor der Fontäne, hatte Herr Hoflieferant 
Gustav Adolf Schultz ganz allein in Anspruch genommen. — Eine 
herrliche gemischte Gruppe aus Azaleen, Camellien, Flieder etc., 
nahm die Mitte ein, links eine Gruppe herrlicher Pandanus Veitf-hii, 
die sich auch als Zimmerblattpflanzen gut eignen, rechts die Haupt- 
force des Herrn Schultz: getriebener weisser Flieder, so schön, 
dass er dem besten Pariser gleichzustellen. Ausser der gewöhn- 
lichen im Dunkeln getriebenen Sorte Syringa vulgaris Charles X., 
die bekanntlich eigentlich roth ist und sich nur bei Abwesenheit 
des Lichtes weiss färbt, sah man hier auch die neuere wohl- 
riechendere Syringa vulgaris virginalis, eine von Natur weisse 
Sorte, die deshalb am Lichte getrieben werden kann und darum 
auch ihre Blätter schön grün färbt, während bekanntlich die des 
Charles X. etiolirt, blassgelb sind. Nach den Mittheilungen des 
Herrn Schultz ist sie aber für den Handelsgärtner zum Treiben 
nicht so vortheilhaft. 

Zwei Gruppen Hyacinthen, sowie Tulpen und Scilla sibirica 
vervollständigten das Arrangement, du? sich des allgemeinsten Bei* 
falls erfreute und dem Aussteller die goldene Medaille Sr. Maj. 
des Kaisers eintrug. 

Den Preis Ihrer Maj. der Kaiserin erhieu. /azu ^- ^' Ghone, 
der den vordersten Theil des runden Mittelbeets dictr. /^j^-j^i^ingange 
mit einer gemischten Gruppe aus blühenden Magnoliei., Prunus, 
Flieder, Amaryllis etc. malerisch besetzt hatte. Zu beiden Seiten 
erhoben sich seine Pyramiden aus Maiblumen, während nach hmten 
z\vei Gruppen GamelMen sein Arrangement abschlössen. In der 
Mitte des ganzen Beetes prangte eine höchst geschmackvolle Blatt- 
pflanzeugruppe von Herren Metz & Co., ihr zunächst blühende 
Gardenia floribunda von denselben Ausstellern, w^ährend am entgegen- 
gesetzten Ende des Beetes eine Leistung ersten Ranges von 
Herrn Credner & Co. in Salpeterhütte bei Weissenfeis a. Saale 
ihren Platz gefunden und verdientermaasscn auch mit der grossen 
silbernen Staats - Medaille für Leistungen im. Gartenbau gekrönt 



wurde. Ernteten schon im Allgemeinen viele Aussteller wegen der vor- 
züglichen Verpackung ihrer Pflanzen behufs des Transports bei der 
strengen Kälte die vollste Anerkennung, so gebührt Herrn Credner 
& Co. doch unbedingt der erste Preis in dieser Beziehung. Einen 
ganzen Waggon voll blühender Pflanzen hatte gedachte Firma ein- 
gesandt; Alles war in Kisten verpackt, jede Kiste innen mit Stroh- 
decken ausgeschlagen, diese innen mit Packpapier verkleidet, in 
jede Kiste eine Kruke mit heissem Sand gehängt, dann ein alter 
Teppich zwischen Kiste und Deckel eingeklemmt und so konnten 
dann selbst die zartesten Pflanzen einen 12 Stunden währenden 
Transport, bis auf 2 Sciadocalyx Luciani, ohne jegliche Beschädigung 
durchmachen. Nicht weniger als 200 blühende Pflanzen umfasste 
die von gedachter Firma ausgestellte Gruppe, die aus Centropogon 
Lucianum, Pelargonium zonale Cte. deRampon, Kaiserle vkoyen, Agera- 
tum suffruticosum, Ginerarien, Primula sinensis grandiflora, Libonia 
floribunda, Hyacinthen, Tulpen, Maiblumen etc. etc. bestand. 
Hochstämmige Fuchsien: Fuchsia magnificens floribunda flankirten 
die Seiten, während links und rechts andere Schaupflanzen den 
Uebergang vermittelten. Unter diesen waren besonders schön Pelar- 
gonium zonale Aug. Villaumo, eine Begonia incarnata und vor allen 
Dingen eine herrliche Poinsettia pulchorrima, die mit ihren leuchtend 
rothen ßrakteen Aller Augen entzückte. 

Während so Herr Ghone und Herr Gredner & Co. nebst 
Herren Metz die Längenachse des ganzen Beetes ausfüllten, gewährte 
dasselbe zu den Seiten noch 2 wundervollen Gruppen von Gyclamen 
Raum, die eine aus im Mai 1880 gesäeten Pflanzen in Riesen-Exemplaren 
von Herrn Schult ze, Gharlottenburg (goldene Medaille), die andere 
von dem durch seine vortreffliche Cyclamenkultur berühmten Herrn 
Wie hie, Schöneberg (grosse silberne Medaille und 75Mark.V LebnJt 
fesselten den Kenner die Clematis patens, v^n Frau Baumschul- 
besitzer Lorberg (Geschäftsführer Herr- Brettschneider), in den 
Sorten Albert Victor, The Queen, Lady Londesborough, Stella, 
die emzigen Clematis der Ausstellung, während die schön gezeichnete 
Maranta olmflora des Hejm Consuls Schmidt (Oberg Eggebrecht) 
ganz besonders dio Damenwelt anzog. Ihr zur Seite hatte Herr 
Eggebrecht '^Ine Gruppe von Centropogon nebst Echeveria retusa 
aufgestellt^-Tiie Herren Haage & Schmidt, Erfurt, dagegen die neue, 
— S^tu'dufch kleine weissliche, aber äusserst zahlreiche Blüthen aus- 
zeichnende Begonia Schmidtii und eine Kreuzung zwischen dieser 
und B. Froebelii. Ganz besonders geschmackvoll war ein Blumen- 
korb neuen Musters mit erhöhtem hinteren Rande, der auch auf 
diesem Mittelbeet Platz gefunden hatte, von der weltberühmten 
Firma J. C, Schmidt, Berlin, U. d. Linden 3a. arrangirt Ihm zur 
Seite stand ein Farn: Nephrodium molle corymbiflora von 
Haage & Schmidt, Erfurt, das durch seine monströsen Blätter fast 
an Moospetersilie erinnerte. — Aus dem fernen Osten, von Danzig 
hatte Herr A. Bauer blühende Rosen: Hermosa, Anna Alexieff 



Homer etc. gesendet, Her 
ferten gefüllte Primeln, 
schöne Rose Niphetos. 

Das östliche Beet enthielt malerische Gruppen von Zwiebel- 
blumen des Herrn Gutzeit, von Nelken des Herrn Janicki und 
Herrn Otto Neumann, (Allegatiere, Zuave, Irma, Norma, Ossian, 
I^'avorite), und von Herrn Wen dt (Niel, Safrano, L. Odier, Gloire 
de Dijon, Anna Alexieff, Ajax) und von Herrn Gude. Eine ganz 
besondere Leistung waren die einjährigen und zweijährigen Cent ro- 
pogon Lucianus des Herrn Bluth und hat Herr Bluth mit 
dieser Pflanze in Berlin einen neuen Winterblüher eingeführt, der 
nicht genug zu empfehlen ist. Ausserdem hatte Herr Bluth eine 
Gruppe Eriken (E. gracilis vernalis und autumnalis, E. nitida. 
E. hiemalis, E. laxa pendula), sowie schöne Gamellien ausgestellt; 
Herr R. Rössel dagegen eine gemischte Gruppe aus Dianella, 
Kalmien, Echeveria retusa und Primeln; Herr Otto Neumann 
Imantophyllum etc ; HerrWendt eine desgl. aus Flieder, Deutzien, 
Eriken, Primeln und Cyclamen. Sehr hübsch machten sich die 
It^zteren auf etwas erhöhten Ständern zwischen dem weissen Flieder. 

Auf demselben Beet prangten endlich noch vortrefTliche Ga- 
mellien (Chandleri elegans), als frühblühende kräftige Blumen nächst 
alba plena sehr beliebt, von Herrn F. W. Pabst Hamburg. Herr 
Gude hatte Hclleborus niger, hübsch mit Selaginella garnirt zur 
Umsäumung seiner Rosen benutzt, was einen sehr guten Effect 

Betrachten wir nunmehr die auf Tischen, Etageren etc. ausge- 
stellten, im Umkreise des Saales postirten Pflanzen, so haben wir 
zunächst der unmittelbar am Bassin arrangirten Gruppe des Herrn 
C. Lackner -Steglitz zu gedenken (ausser Concurrenz), die u. A. 
blühende Gitrus sinensis — wohl zum ersten Male im Winter — 
dunkelrot'^'i Aeikoii 'l^ Grenadier), Flieder, Deutzien etc. enthielt, 
ferner d%^Ft)ekoralionen um die b'tf>Ji Ihrer Maj. des Kaisers und 
der Kaiserin von dem Gärtner des Vereiri^ten Königl. landw. Lehr- 
institul s und'Musemns, Herrn Schultz, dem llß Herren Prof. Kny 
ur-<'i ,^rtof. 0|th die Pflanzen ihrer Gewächshäuser 'Jazu freundlichst 
zujr Verfügur5>- gestellt hatten, Avährend die Kränze für b'yde Büsten 
voÄi Herrn 'Jluntze (in Firma J. G. Schmidt, Berlin) gespw.det 
wa'ren. (Frali Kuntze hatte auch die Ehre, Ihrer Maj. der Kaiserin 
!Hn en Strausft Deutscher Blumen, die in Gegenwart der Kaiserin ge- 
scl mitten wafen, zu überreichen.) 

\ An der | Nordseite des Saales prangte die Specialität des Herrn 
Al'lardt, Scliöneberg: getriebene Prunus triloba und sinensis in wohl 
nie gesehenerfschönheit, desgl. Deutzien, Imantophyllum miniatum etc. 
von demselllen: ihnen folgte die reiche Sammlung des Herrn 
R. Brandt, J Charlottenburg, enthaltend fruchttragende Citrus, Ama- 
lyllis, BeQor|ia discolor rex, Nelken, Cyclamen, Arbutus Unedo, 
Habrothan mijis elegans, Azalea Apollo und vor allen 12 Theerosen: 
Mad. r.harh-J;. Floriföre, Eugonie Pernet. Rubens etc. Im Anschluss 



hieran hatte Herr H. Hildmann seine beliebten Liliputaner, 
kleine Cacteen und Echeverien ausgestellt, Herr J. Fritz Haase, 
Pankow einen Aufsatz mit lebenden Primeln, Peperomien etc., 
Herr Prof. Munter eine von ihm gemachte neue Erfindung, einen 
Hyacinthenhalter für auf Wasser getriebene flyacinthen, nebst 
einer Hyacinthe, die er im Keller bei ß^, aber in warmem Wasser, 
das durch eine Petroleumlampe constant auf 1 5<> R. erwärmt wurde, 
gezogen, Herr Polenz, Mariendorf 2 fruchttragende Cactus, Herr 
J. C. Schmidt, Erfurt, 12 Cylamen (Universum). 

Im Mittelfeld der nördlichen Wand hatte Herr Hoftapezier 
Fischer den Hintergrund durch eine geschmackvolle Dekoration, 
in deren Mittelfeld ein Riesenschild mit dem Reichsadler, abge- 
schlossen, während die beiden Säulen, die den Eingang zum hinteren 
Korridor flankirten, von 2 mächtigen Cupressus funebris, die Herr 
Kuntze (J. C Schmidt) freundlichst zur Verfügung gestellt, be- 
deckt waren. Weiter nach Osten schreitend finden wir an der 
nördlichen Wand ein Sortiment Nelken von Herrn W. Ohme in 
Prohlitz bei Dresden, die um so mehr Beachtung verdienen, als sie 
aus im Mai 1880 ausgesäeten Samen stammten und jetzt schon 
in Blüthe waren; wenn sie auch noch nicht gerade Sorten ersten 
Ranges enthielten, so verdient doch diese Methode der Zucht- 
wahl aus Samen rege Aufmunterung. Herr Protzen, Stralau 
(Obergärtner Schröter) hatte getriebene Iris pumila, Saxifraga 
(Berchemia) thyrsoides Lindl., 2 grosse Kronenbäume von 
Viburnum Tinus, getriebene Sträucher und Maiblumen, sowie sehr 
schöne dunkle Gyclamen ausgestellt, Herr Banquier Gut er bock 
(Obergärtner Maser) Charlottenburg eine gemischte Gruppe, be- 
stehend aus grossen Abutilon, Salvia coccinea, Yucca quodricolor etc. 
eingeliefert, Herr Weckmann eine desgl. aus Azaleen, Rosen, 
Echeveria retusa und einer Rochea falcata, bei der es gelungen 
war, die Blüthe bis jetzt zurückzuh alten.^ JlimT.riH^hii "f-h Herr 
Gude mit einer reichen SammliHMv:'*'"**'*]^T,'^''"i'rC^^ Epacris, 
Gyclamen, darunter ein n<^-"^ Bouvardia Wrela^c J. ^^^^ 
wie durch BlattzeipK^'-^^t^«^^^' ^^"^ ^'^ '"""^^f £s\^^^ 
Aphelandra Ro^-^^""^ ^^^ besonders empfePlens^ |^^ 

^" i-Vestseit^e des Saales finden wir die rei^mmirttit^n 



Veilchen in Töpfen, theif mit aDg^- 

inn-Wildpark bei Potsdam r^it äusserst 

r Weiss - Lockstedt bei Hamburg, 

, Herr Robert Fett ir^g " Pankow 

uil- Lübeck Herr A. Rathke:& 

. upn Veilchen, einem Sämling, 

von Viola rust^ca (?) mit 

Zukunft bevorstf^hen dürfte. 

im Jahre 1876, aus Samen 

!^ ioiir reichlicF "^^ treibt 

Von lc*0 mittleren 

\fitte Januar über 



4000 Blumen gepflückt und dabei blühen die anfangs Winter ge- 
triebenen Veilchen bereits Ende Februar abermals reichlich. Ein 
tiefdunkles Blau und ein starker Duft sind weitere Vorzüge dieses 
Veilchens. — Ausserdem hatten an der Westseite Platz gefunden: 
die Maiblumen des Herrn A. Rathke, die Hyacinthen, xMaiblumen 
und Tulpen des Herrn Götze-Stralau, die Amarylhs des Herrn 
König in Görtzig (A. hybrida Emma Lobeck, Helene König, mul- 
ticolor, alba floribunda, Non plus ultra etc.) die leider auf dem 
Transport -etwas gelitten hatten. — Endlich gedenken wir noch 
der schönen im Januar ganz besonders beachtenswerthen Leistung in 
Cineraen seitens des Herrn Kamos, Carlottenburg, der ausserdem 
Primeln eingesandt, sowie einer ganz vorzüghchen weissen Azalee 
Deutsche Perle« (Neuheit 1878) von Herrn Rose in Gonsenhemi 
"i Mainz. 

Abgeschnittene Blumen, Bindegrün etc. Als grösster 
Einsender ^on abgeschnittenen Blumen muss wieder Herr Credner 
u. Co., Salpeterhütte bei Weissenfeis, bezeichnet werden. Die ge- 
wöhnlichsten Sommerblumen: Nemophila insignis, Iberis, Scabiosa, 
Heliotrop, Libonia, Nelken etc. sah man hier vereint mit Bouvardien, 
Poirinsettien (der Weihnachtsblume der Mexikaner), ferner ^eu- 
hoUändem etc. — Nicht weniger Aufmerksamkeit erregt aber eine 
einzige Pflanze: Eucharis amalsonica von Herrn J. Ch. Schmidt, 
Erfurt, über deren Kultur Herr Gartenbau-Direktor Gaerdt gerade 
in diesem Heft unserer Zeitschrift (S. 18) eine so sorgfältige Anleitung 
gegeben. 

Eint 

lieferte u. a. Herr L. _ , , 

dem Transport von Husum her etwas gelitten, umgeben von anderen 
abgeschnittenen Blüthen Herr Vollst edt daselbst. Eine ^ehr statt- 
liche Zahl abgeschnittener Blumen hatte Herr Garteninspektor Roth 
in Mnskau gesandt, darunter Ageratum mexicanum Snowflake, 
Begonia camea, Schizostylis coccinea, Habrothamnus corymbiflorus etc. , 
daneben BindegrQn, z. B. Asparagus decumbens, Melaleuca foliosa 
Hort die als Ersatz der Myrte dienen könnte, M. ericifolia, Evo- 
nymus etc. — Auch Herr Bluth hatte ein hübsches Sortiment von 
Bindegrün zusammengestellt, Herr üniversitätsgärtuer Perring 
brachte eine Kollektion von Helleborus- Bastarden, Herr Knapper 
ein Tussilugo fragrans und Chrysanthemum smense, Herr Hugo 
Krätschmer, Langensalza, ein Sortiment Schnittblumen, Herr 
Gustav Wiesner in Deutsch -Krawara bei Ratibor ein desgl. in 
Kissenform. Den höchsten Preis für abgeschnittene Blumen, die 
goldene Medaille, erhielten aber die Rosen des Herrn F. W. Spiess, 
Lockstedt bei Hamburg; sie waren von einer ausserordentlichen 
Schönheit und bestanden aus weit schwieriger zu treibenden Sorten 
als etwa Mrs. Bosanquet etc. Besonders schön war die la France, 
ebenso die Theerosen und die Cramoisi superieur. :, c. i_ ,. • 

Cykaswedel von fast noch nie gesehener Länge und Schönheit 
^^Allten Herr Edmund Lehmann, Dresden, und Herr Ernst 



-- 40 ~ 

Kohlheim, Guben aus, letzterer auch Camellien - Blumen und 
Bindegrün, Alternantheren etc. — Vorzüglich war das Farnkraut 
Adiantum tenerrum des Herrn J. D. Dencker, Eimsbüttel bei 
Hamburg, der mit der Kultur dieses Farns eine Spezialität betreibt; 
auch seine selbst gezogene Primula sinensis fimbriata fl. pl. „Dora" 
war recht hübsch (in Hamburg wird diese Primel als die schönste 
angesehen). 

Blumen -Arrangements, die erst in letzter Stunde zugelassen 
waren und nur aus deutschen Blumen bestehen durften, wenn sie 
zur Konkurrenz bestimmt sein sollten, hatten Herr Thiele, sowie 
Herr Torlee, Berlin, in bekannter Vollkommenheit hergestellt; bei 
ersterem erregte besonders eine Neuheit: ein zusammengeknüpftes 
Tuch, aus dem Blumen herausschauen, Aufmerksamkeit, bei letzterem 
die äusserst leichten Ballgarnituren. Von letzteren hatte auch Herr 
Herrn. Fr essel- Hannover hübsche Arrangements in weissen Ka- 
mellien gefertigt. 

Schliesslich seien von Bluman die getrockneten gepressten Blumen 
(Edelweiss etc.) genannt, welche Frau Dora Zeppitz, Hannover, 
zu hübschen Guirlanden und Vignetten auf Cartons zusammengestellt, 
während Herr B. Herrmann, Berlin, dieselben zum Schmuck von 
Photographiealbums etc. verwendet hatte. 

Getriebene Gemüse u. dergl. Ausser Konkurrenz hatten 
hier die Königl. Hofgärten zu Potsdam ausgestellt und zwar Herr 
Hofgärtner Buttmann „Sanssouci- Treibbohnen" und „Münchener 
Monatserd beeren" von besonderer Grösse, sowie eine hübsch mit 
blühenden Erdbeeren verzierte mächtige Schale Champignons in allen 
Stadien der Entwickelung und in natürlicher Lagerstätte, Herr Ober- 
gärtner Franz dagegen schöne Gurken „Carters Modell." Herr 
Garteninspektor Hampel in Koppitz, Oberschlesien (Gräfl. Schaff- 
gotsch'e Gartenverwaltung), der uns erst vor einiger Zeit über 
seine Gurken- und Bohnentreiberei berichtet (Monatsschrift 1880, 
8. 344, Tafel VI), führte hier so vortreffliche Leistungen seiner Kultur 
vor, dass ihm dafür die grosse silberne Staatsmedaille für Leistungen 
im Gartenbau zuerkannt wurde. 

Von den Gurken sind folgende Sorten zu nennen: Blue Gown, 
Cucumis semperfructiferus, Königin von England, Climax, Findling, 
Rollisons Telegraph und Hampels Treibhausgurke ca. ^ m lang. 
Ausserdem hatte Herr Hampel Schneidebohnen, Kohlrabi, Radies- 
chen, Endivien, Spargel etc. und vor allen Dingen schöne Ananas 
ausgestellt. Darunter auch eine in Blüthe, um zu zeigen, dass er 
zu allen Zeiten des Jahres reife Früchte erzielen kann. (Letztere 
wurde dem Museum zum Geschenk gemacht.) Spargel war in ganz 
vorzüglicher Qualität von Herrn C. Weber, Lichtenberg bei Berlin 
und Herrn Paul Neukirch in Heinersdorf bei Berlin (letzterer 
Darmstädter Spargel) eingesandt, Champignons ausser den erwähnten 
von Herrn Hofgärtner Butt mann noch von Herrn F. Teubler in 
Britz und Champignonbrut, die nach einjähriger Benutzung und darauf 
folgender zweijähriger Ruhe doch in diesem Jahre wieder reichlich 



Pilze erzeugt, nebst einer genanen Beschreibung vom PrinzL Ober- 
gärtner Herrn Schotte- Pfingstberg bei Potsdam; endlich noch 
Champignonbrut von Herrn Becker, Hamburg, und ganz vorzügliche 
Ananas von der Gräfl. v. Arnimschen Gartenverwaltung zu Planitz 
bei Zwickau (Obergärtner Schwarzbach). Herr Töpfermeister 
A. Leye-Berlin lieferte ein nothwendiges Kiichenrequisit, einen 
Petersilientopf und damit kommen wir zu dem letzten Gegenstande 
unserer Betrachtuns^en : 

Den Geräthen und sog. diversen Gegenständen. Hier 
war besonders die renommirte Firma Hugo A lisch- Berlia mit 
Spritzen etc. vertreten, Herr Hilmer mit eleganten und einfachen 
Blumentischen und Blumenkörben, darunter die modernsten mit 
den riese.jhohen Henkeln, ferner Herr F. W. Grossmann-Berlin, 
bchultzendorferstr. 3a, mit Schiffen und anderen Behältern zur 
Aufnahme von Blumen, Herr Th. Hütt, Friedrichsberg bei Berlin 0., 
mit guten und billigen Mistbeetfenstern, Herr Carl Schmidt mit 
Metallbuchstaben und Wappen, Herr Plumpe -Berlin mit dem Handeis- 
Adressbuch der deutschen Gärtner, das 700 deutsche Städte mit über 
7000 Firmen umfasst, und endlich, um das Ganze zu besiegeln, Herr 
Jul. Johann sen Nachfolger, Berlin, mit Kautschukstempeln von 
E. Neu mann in ßadwarnitz bei M.-Ostrau. — Ueber die Haupt-Er- 
gebnisse der Ausstellung soll in nächster Nummer berichtet werden. 



üfieTi?; 



1 während ' 
hinzufüge] 



„„ jrhe blichen Kosten für ^.„ ^.. 

Gunsten der Kaiser Wilhelm- und Äognsta-Melstiftüng far 
Besten der Ertrag der Ausstellung bestimml ' 

Neue Begonien - Kreuzungen 

R. Brandt. 

Die neuen Kreuzungen von Begonia discolor R. B. und Begonia 
Rex wurden vom Verein zur Beförderung des Gartenbaues von 
Louis van Houtte, Gent, bezogen und mir zur Probe-Kultur über- 
geben. Es waren folgende Sorten: 

6 Abel Carriere, 

3 Marguerite Bruant, 

1 E. Andre, 

1 Lucienne Bruant, 

3 W. E. Gumbleton, 

4 Comtesse Gabriele de Clermont Fonnerre, 

5 Mme. Svahn. 

Diese Begonienvarietäten empfehlen sich sowohl durch ihren üppi- 
gen aufsteigenden Wuchs wie durch schönes Colorit ihrer Blätter, wovon 
einige, wenn sie im Freien stehen, durch die Sonne sich rosa färben. 

Die männlichen rosa Blümchen öffnen sich leider schwer; wenn 
-ie abgefallen sind, blühen die weiblichen Blumen, welche blasser 



sind, auch die Vermehrung der Pflanze ist wie bei der Begonia Rex 
durch Triebe und Blätter. Sie gedeiht sowohl in Lauberde wie in 
Haide- und Mistbeeterde zu gleichen Theilen. 

Sie eignet sich zur Decoration von Blumenhäusern reep. Tischen 
wie zu Gruppen im Halbschatten. 

Diese Begonien- Varietät ist eine gute Handelspflanze und ver- 
dient ganz besondere Beachtung. R. Brandt. 

Notiz über Sommer -Veredelung 



Da in unserem Klima die Vermehrung von Aesculus rubicunda 
durch Oculiren nicht recht glückte, so versuchte ich es im vorigen 
Jahre mit dem Veredeln im April, und benutzte ich dazu frisch 
geschnittene Eeiser, deren Augen schon den Beginn der neuen 
Lebensthätigkeit zeigten. Der Erfolg war ein ganz zufriedenstellen- 
der, indem circa 60 Prozent wuchsen. Von meinem Kollegen Herrn 
Obergärtner Arndt wurde mir mitgetheilt, dass in der Baumschule 
des Herrn Br etschneider in Altenburg die Kastanien um Johanni 
veredelt würden, und sehr gut anwüchsen. 

Gegen Ende Juni, sobald die Triebe reif waren, wurden nun 
einige hundert Kastanien theils kopulirt und sattelgeschäftet, die 
meisten aber gepelzt. Die Blätter wurden selbstverständlich bis auf 
ein circa 3 cm langes Stück Blattstiel weggeschnitten. Die Edel- 
reiser wuchsen beinahe alle gut an und trieben meist in 2 bis 
3 Wochen aus. Auf den Schnittflächen bei den gepelzten Unter- 
lagen bilden sich in reichem Maasse Adventivknospen, welche ent- 
fernt werden müssen. Selbst in ganz altes 3 — 4 cm starkes Holz 
gepelzt, wachsen die Edelreiser sehr gut an und treiben ungemein 
kräftig. 

Im vorigen und auch noch in diesem Jahre machte ich Ver- 
suche mit der Sommer- Veredelung anderer Gehölze, von denen fol- 
gende als vollständig gelungen anzusehen sind: 

Alle Ahorn - Spielarten auf Acer Negundo fol. var. ; alle 
Linden, unter anderen Tilia argentea, hybrida superba, da- 
systyla, americana pendula (letztere hochstämmig) etc.; 

Syringa vulgaris, chinensis und persica, die beiden letz- 
ten hochstämmig auf Ligustrum vulgare erectum; Salix 
caprea pendula, Anfang August dieses Jahres auf Salix Ba- 
taviae veredelt, ist ganz vorzüglich gewachsen und hat noch 
bis 75 cm lange Zweige getrieben; 

Sorbus Aria, intermedia, latifoiia, graeca und torminalis 
auf S. Aucuparia; 

Cytisus purpureus auf C. Laburnum. 
Verschiedene Eichensorten, Anfang August veredelt, stehen 
noch frisch wie damals, haben aber nicht ausgetrieben; dasselbe 



war im vorigen Jahre mit Blutbuchen der Fall, welche erst im 
folgenden Frühjahre austrieben. 

Anfang Juli auf Ribes aureum veredelte Stachelbeeren trieben 
theilweis aus, der grössere Theil vertrocknete. Anfang August ver- 
edelte stehen noch frisch und grün, haben aber nicht mehr getrie- 
ben. Die Versuche lassen sich selbstredend noch weiter ausdehnen, 
was auch weiterhin geschehen soll. 



Wandergärtner. 

Der Wandergärtner Herr ßukow hat, wie der Königl. Hof- 
garten-Direktor Jühlke in der Sitzung des Teltower landw. Ver- 
eins am 14. Dezember 1880 mittheilte, in diesem Herbst an 25 ver- 
schiedenen Stellen in der Provinz Brandenburg, Pommern etc. die 
Obstbäume, sowohl Formbäume wie Hochstämme, geschnitten, dabei 
auch Anleitung zum rationellen Schnitt gegeben und nach dem ein- 
stimmigen Urtheil der Herren Besitzer sich seiner Aufgabe in ganz 
vorzüglicher Weise entledigt. Um nun im nächsten Frühjahr recht 
bald beginnen und alle Reflektanten befriedigen zu können , wird 
gebeten, dass diejenigen, welche den Wandergärtner wünschen, sich 
baldigst beim Königl. Hofgarten-Direktor Herrn Jühlke in Potsdam 
melden. Honorar 5 Mark pro Tag incl. freie Station und Erstat- 
tung der Reisekosten. 



Neuheiten von Haage & Schmidt in Erfurt. 

Neuheiten von Samen eigener Züchtung und Einführung für f88l. 



Besonla smara^dlna splendens, Haage & Schmidt. 2|. 



hortic. Vin. T. 274. Während \ _ „_ 

Blätter mit hellgrünen Streifen und Flecken durchsetzt sind, _ 

Grundfarbe bei splendens noch dunkler, fast schwarzes Sammtcolorit und 
die Streifen und Flecken dagegen siiberweiss glänzend, ausserordentlich 
auffallend und effectvoll. 1000 Samen 12 M ; 100 Samen 1 M. 50 Pf. 
tromns patalos nanus, Sturm. Eine ganz neue Form dieses sehr 
geschätzten Ziergrases, die sich keineswegs blos durch ihren niedrigen 
kaum halb so hohen Wuchs von der Species unterscheidet, sondern weit 
mehr noch durch ihre viel zierlicheren dünneren und kürzeren Blüthen- 
ährchen, (wie man aus der Vergleichuag mit Bromus patulus so- 
gleich ersehen wird.) Die Sorte ist schon seit einigen Jahren 
erprobt und bleibt aus Samen constabt; sie stellt eine werthvolle Be- 
reicherung des Sortimentes der zu Massenculturen geeigneten Ziergräser 
dar; wir haben von dem Züchter die ganze Edition erworben. 10 Port. 
5 M.; 1 Portion 60 Pf. 




Ives. Nordamerika. 04 Bildet 
einen dichten 20 bis 30 cm 

tea Busch, aus welchem die 
Blüthenstengel bis zu fcO oder 
80 cm Höhe hervorragen; die 
in dichten kopfartigen Rispen 
sitzenden weissen Blüthen 
erscheinen nicht nur an den 
Spitzen der Hauptsteagel, son- 
dern auch noch an zahlreichen 
kleineren Nebenstengeln. Die 
Pflanze ist zwar eine gute 



ersten Sommer 2 



■ beliebt - 



aber ist weit leichter zu zieJien als die empfindlicheren australischen 
Immortellen wie Helipterura, Wairzia etc. ; sie nimmt mit jedem Boden 
vorlieb unl wächst ebenso üppig wie Ilelichrysum compositum oder Am- 
mobium üeberall, wo nur irgend immortellenartige Blumen gebraucht 
werden, wird man dieselbe als eiac sehr werthvolle Acquisition begrüssen. 
10 Port. 8 M.; 1 Port. 1 M. 
letzla braslllensis, Rgl. et Schm. 4 <::> Gartenflora 1880 T. 1005: 
neue kBoilenartige Gesneriacee, die wir jetzt 



. Wuchs 




Bflaubung ähnelt die Pflanze sehr den 1 

, die Form der Blüth-n ist aber so auf- 
fallend von denen alier an- 
deren bis jetzt bekannten 
Arteu verschieden, dass für 



sie einzureihen. Die Form 

kleinen Abbildung hinläng- 
lich ersichthch; die Färbung 
ist ein lichtes Grün als 
Grundfarbe, auf welchem die 
purpurbraune Tigerung sich 
■ - • • ' ■ giebt ; ■ • 



r Punkti- 



empfehlen; 10 Port. 8 M.: 1 
Mes»rrhif,» calttornirn, 

bitacee aus Californien, ehe: 



Port. 1 M : Kdo.Ii 
Torr. 2i0 Neue sehr 1 



scharf abhebt; 



mit einem schmaleri hellgrünen 
Saum umgeben sind. Zeitig 
ausge-äet, gelangen die Pflan- 
zen noch im Sommer zur 
i^lüthe. Höchst interessante 
Neuheit von eigenthü.nlich. r 
Schönheit,allen Liebhabern von 
Gesneriaceen zur Cultur zu 



aber von viel grüsserea Üimensioneo; die eiozeln 
8 bis 10 m Länge; die 

bedeckten, ins Silbergraue 
i Blättersind 



die sterilen ganz 
in lockeren Tiauben, 
fruchtbaren etwas 
sr, einzeln sitzend ; 
langru 



Früchte sind dicht 
Stacl.elnbesetztundähneln 
denen von Echinocystis lo- 
bata, wogegen die Samen 

ren bekannten Cucurbita- 
ceetkernen verschieden 
sind; sie haben die unge- 
fähre Form und Grösse 
grosser dicker Puffbohnen: 
die Pflanze ist durch ihre 
lange knollige Wurzel pe- 




Samen gezogen die blühbare Grösse. Die Samen keimei 

und sicher wie Kürbiskerne: 10 Sannen 5 M.: 1 Samen 60 Pf. 

^"■o'^* P""^"^*"?"*^* Srandillora striata coceinea. Haage 

Schmidt. 0/u den drei schönen neuen grossblumigeo gestreiften Sortei 



in diesem Jahre eine neue grossbl 
■ ' klei' 



scharlachrothe : 



o.cxit, Y,«ix.ciavi xctiLcic iinr. jiiemt 11 ßiumen nie ganz oün( 
unsere neue Sorte grosse schön geformte Bhunen von leucLtend 
rother Grundfarbe mit regelmässigen weissen Streifen: 10^» Samt 
Rhyacbocarpa glom«>rata, Ndn. 4 Ziei liehe 



Cucurbitacee aus Süd - Bra- 
silien; die stark verzweigte 
und dicht belaubte Pflanze 
rankt 4 bis 5 m hoch und 
ist daher besonders gut ge- 
eignet zur raschen Beklei 

von Festons; die kleinen 



1 Lauben und Gitter- 



bei den meisten Gattungen 
dieser Familie unansehnlich, 
wogegen die tief fünftheilig 
eingeschnittenen Blätter, 1 



haselnussgrossen Früchte 
von sehr hübschem Effect 
sind. Die Pflanze ist wahr- 
scheinlich durchihrekoollen- 
artige Wurzel perennirend, 
wird aber als einjährige cul- 
tivirt; 100 Samen 8 M., Port. 
von 5 Samen 60 Pf. 




Photographie der Ausstellung, 

^ 7.^^^^^^ Hofphotographen Sr. Majestät des Kaisers, Herrn RÜOkwardt. 
Berlin SW., Dessauerstrasse 4, ist ein schönes Erinnerungsblatt an unsere 
Winter-Ausstellung, eine grosse sehr gelungene Photographie (24" X I8V2") 
angefertigt worden, welche, falls sich mindestens 50 Abnehmer finden, zum 
Preise von 5 mark pro Stück (bei weniger Abnehmern zu 8V2 Mark) zu haben 
ist. Anmeldungen dazu nimmt das General-Sekretariat, Berlin N., Invaliden- 
Beförderung des Gartenbaues. 



Literatur. 

Dr Ed^ Lucas Der Obstbau an Staats- und Gemeindestrassen. Für 
Strassenbaubeamte, Ortsvorsteher und Baumwärter Mit 41 in den Text 
gecbnickten AbbUdungCD. Stuttgart 1881. Eugen ülmer. 8. 7G S. 

Bezensionen. 

M-f ^""r^^^^ ^^i^^t^:, Erster Unterricht im gärtnerischen Planzeichnen. 
Mit 4 Tafeln m Farbendruck nebst erläuterndem Text. Berlin Verlaff von 
Wiegandt, Hempel & Parey, 1880. ' ^ 

Bei dem in neuerer Zeit immer reger werdenden Streben jüngerer Gärt- 
ner zur Erreichung einiger Fertigkeit im Zeichnen von Gartenplänen ist da 
diesen jungen Leuten zur Wahrnehmung eines Unterrichts nur wenig Gele- 
Ähl^ '^^'^ ^'''■'^' das vorliegende Werkchen zum Selbstunterri'cht zu 
empfehlen, da es m leicht fasslicher Darstellung den im Allgemeinen an 
ä^«^f ^ i?r g««^^"*^°, Anforderungen entspricht.^ Ohne von einem hoheS 
Standpunkte aus aufgefasst zu sein, stellt es in der beüebten, rein mecha 
nischen Manier die Art und Weise des Zeichnens von seinen Anfäneen bis 
We'L '^^'' """"^ ^^ ^^'^^^ hierdurch am besten verstanden 

Diese Darstellung der Sache verhindert aber nicht, lässt es vielmehr als 
f^ThpirAwTq ^^if,^«^^?' d^«« ^e ^ölhg unrichtige DarsteUung im 
I, Theü Absatz 3 - Allgememe Bemerkungen - „die Pläne werden aus 
der \ogelperspeküve gesehen gezeichnet", berichtigt werde. Die sog. Vogel- 
perspeküve ist eine wirkhche Perspektive oder Centralprojektion, d. h^^sie 
lasst uns die Gegenstände immer nur von einem Standpunkte aus eesehpri 
betrachten, giebt also dem Beschauer immer nur ein Bild vorderem W 
sichtbaren Körperflächen, während sie die dahinter Hegenden TheTe deS 
Auge entzieht, und diese somit im Bilde nicht gezeichnet werden könneS^ 
Die Gartenplane sollen aber ein Gesammtbild der ganzen Anlaae in allen 
Ihren TheUen im Grundriss geben, stellen also die Kö^er senfit auf die 
B^Zflr^-^'^^^'T^T W-""^''^^ .^u^^' ^^^'^' Öarstellungsweisr S e 
f Stte|Sremp?etn.^^^^^ Benchtigung möchten wir^dem Herrn 

Berlin, im Dezember 1880. Hampel. 

Anna Fränckel, Die dankbarsten Zimmerpflanzen, oder nraktisphp 
"^'r^T^I.^'™^ ^^^^^ if ^^ bürgerHche Wohnräume passendsten Blumen 

hat zunächst für solche Blumenliebhaber geschrieben denen weder Garten 
welch^etf'r ' Yr ""l^T'- "^^^ ^^^^'^^^^ zu'eborsteL'n "so^ntrS 
welche emfacha^ das Wohnzimmer und dessen Fensterplätze angewiesen 
^t^fZnK^^ V"-'^ ^^^^^i ^""^^ ^"" ^^' Zimmergärtnerei erforderlichen 
allgemeinen Kenntmssen, während im zweiten Theü eine zweckmässige Zu- 
sammenstellung nach Standorten der Pflanzen erfolgt. Er beschreib? diese 



hängenden Gruppen (I. die Pflanzen des warmen Zim- 
mers, II. Pflanzen der kühlen Räume in je 5 Gruppen) und ermöglicht da- 
durch selbst dem Unkundigen nicht nur eine leichte Orientirung, sondern 
bringt ihm auch rasch wirkliche Kenntnisse von den Zimmerpflanzen bei, 
wie das bei dem bisher üblichen Auseinanderreissen des Stoffes nach dem 
Alphabet unmögüch war. 

Regel, E., Descriptiones plantarum novarum et minus cognitarum. Fasci- 
culus VII. Petropoli, 1879. (Enthält: A. Die Beschreibung diverser im Pe- 
tersburger bot. Garten kultivirter Pflanzen, B. der dort kultiviiten central-asia- 
tischen, C. turkestanischer getrockneter Pflanzen. Unter letzteren sind für uns 
besonders wichtig die von Regel bearbeiteten Salicineen und anderen Gehölze, 
sowie die Monocotyledonen. Wir ersehen u. A. auf pag. 186, dass Populus 
Bolleana Lauche (nicht Bolliana, wie Regel schreibt) bereits von Bunge als 
Populus alba ß pyramidalis in reliq. Lehm. N. 10305 erwähnt worden ist. In- 
teressant ist ein neuer Crocus, Cr. Korolkowi, sowie die Uebersicht über die 
in Asien wachsenden Tulpen. L. Wittmack. 

Wiesner, Jul., Prof. Dr., Ueber die Bedeutung der technischen Rohstofl- 
lehre (technische Waarenkunde) als selbstständiger Disziplio und über deren 
Behandlung als Lehrgegenstand an technischen Hochschulen. Sep.-Abdr. aus 
Dingler's polyt. Journ. 1880 Bd. 237 S. 319ff. (8. 21 S.) — Eine sehr beach- 
tenswerthe Schrift, in der einmal die hohe Bedeutung der auch noch heut von 
vielen strengen Botanikern verächtlich angesehenen technologischen Botanik 
nachgewiesen wird. 



Unentgeltlich abzugebende Sämereien 

für die Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. 
(Meldungen bis zum 15. Febr, beim General-Sekretariat.) 
I. 



(Nummern genügen.) 

Bohnen. Weisskohl. 

Niedrige od, Krup. Kaiser Wilhelm- 19. Dunkelrother Berliner. 
Schneide. 20. Frühester Zuckerhut 

21. Erfurter kleiner. 

Blätterkohl. 

Weisse de. 22. Dippe's feingekrauster grüner. 



weisse Perl. 

Erbsen. "' Üöhnibe. 



Wiener frühe blaue. 



Pahl. Buxbaum oder de Gräce. 25. Holländische kurze. 

„ Laxton's prolific. 



L-axton s pr< 
Dippe's frü] 
„ Ruhm von Cassel. 
. Zucker- oder Mark- Dr. Mc Lean. 
. do. fijiight's Marrow. 
Ourken. 



14. Rollison's Telegraph. 
15 Berliner Aal. 



27. Braunschweiger lange, 

Radies. 

28. Scharlachr. v. Dreienbrunnen. 

Zwiebeln, 

29. Gelbe runde Zittauer Riesen 

Salat. 

30. Pariser Zucker. 



' ^**^- ^ „ 31. Perpignaner Dauer. 

Blnmenkohl. 32. Kaiser- Treib. 

16. Erfurter Zwerg. Salatrübe. 

17. BerUner früher. 33. Lange schwarzrothe, 

Wirsing. Rettig. 

18. ülmer früher. Kl. D. H. 34. Schwarzer runder Erfurter. 



59. Godetiarubic Lady Albermarie. 

60. Iberis umbellata DÜnetti. K. 

61. Linaria maroccana H. 
Zwerg-Bouquet. „ 62. Matricaria capensis fl. pl. 

x__.Li_ „g ^ eximia grandiflora. pl. 



Deutsche Ki 

„ Zwerg-Bou 

ninen, granatroth 



45. do. dunkelblau. 65. Petunia hybr. Inimitable 

46. do. fleischfarben. 66. , n 

47. Campanula macrostyla. 67. 



eförderung des Gartenbaues. S. 2. (Aufn: 



Reblaus-Convention.) — Versammlung der 
S. 8. (Schutz der Pflanzen des freien Landes vor dem Frfrieen) — 
Desgl. am 3. Dezbr. 1880. S. 10. (Neue Mitglieder. Dankschreiben I K. K. 
Hoheit der Frau Kronprinzessin. Neuwahl von Vorstandsmitgüedem Ge- 
eignetsteZeitzumVerpÜanzen.)- Programm für dieBlumen- U.Pflanzen- 
Ausstellung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins im 
April 1881. S. 13. - G. Niederlein, Plantago Bismarckii Ndrin n sp 
S. 16, Tf I. - Gaerdt, Zur Pflege der EScharis amazonica S is' 
- Dr. Tschaplowitz, Ueber Gewächshäuser. S. 24. - E. Betche Vege- 
tations-Character der Samoa-Inseln. — S. 28. L. Wittmack Die' erste 
deutsche Winteraussteliung in Berlin vom 15. bis 17. Januar 1881. 
. b. 34. — R Brandt, Neue Begonienkreuzungen. S. 41. — R. Müller 
Noüz über Sommerveredelung. S^ 42, - Wandergärtner. S. 43. - Neuheiten 
von Haage & Schmidt^ Erfurt. S. 43. - Photographie der Ausstellung. 
S . 46. - Literatur und Recensionen. S. 46. - Abzugeb ende Samen. S 47 

Tages - Ordnung 

ir die nächste Versammlung des Vereics zur Beförderung des Garteobaues 

am Mittwoch, den 26. Januar 1881, Abends 6 Uhr, 

im grossen Auditorium des Ver. landw. Lehr-Instituts und Museums, 

Invalidenstrasse 42, 2 Treppen, 

Umgang durch das westliche Gitter, dann an der Rückseite des Gebäudes 
durch Portal II. 
1 Herr Direktor emer. 0. Hüttig: üeber afrikanische Weinreben. 
2. Herr Lubatsch: Warum werden auf den neuen Chausseen des 

Kreises Teltow keine Obstbäume gepflanzt? 
' """" ^'J^t""^ ?.?^^«= ^"1^"^ d«^ Orangen in Florida. 

. r_„^.„u.„ T^.-..,.._ ^ j^.g Ergebnisse der Wmter- 



5. Verschiedenes. 



Monatsschrift 

des 

Vereines zur Beförderung des Gartenbaues 

in den KSnigl. Preussisehen Staaten 

Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. 



Redaktenr: 

Dr. L. Wittmack, 



Berlin N, Invalidenstr. 



Berlin, im Februar 



641. Versammlung des Yereins zur Beförderung des 
Gartenbaues in den königl. Preuss. Staaten. 

Verhandelt Berlin, den 29. Dezember 1880. 

I. In Abwesenheit des Direktors und seiner Stellvertreter hatte 
Herr Rentier Sonntag den Vorsitz übernommen. 

II. Ausgestellte Pflanzen waren auch diesmal in besonderer Schön- 
heit vorhanden. 

Herr A. Drawiel führte eine Remontant-Rose AnnaAlexieff 
im Hochstamme mit 6 Blüthen (z. Th. auch Knospen) vor. Sie 
wird namentlich in Russland zur Frühtreiberei benutzt und kann 
auch bei uns dazu empfohlen werden. Sie treibt sich gut, 
wird im Stiel nicht zu lang, verblasst aber beim späteren Treiben 
in der Farbe und wird dann nicht so gern gekauft. Sie 
wurde am 15. Oktober in's Haus gestellt und bei 12—20" R. ge- 
trieben. Die Theerosen sind früher erblüht als Herr Drawiel 
gewünscht, hatten aber nicht so viel Blumen und warfen manche ab. 
. Herr Wendt hatte, weil auf der Tagesordnung das Treiben des 
Flieders stand, solchen getriebenen Flieder ausgestellt. Das Treiben 
des Flieders ist sehr einfach, man stellt die Pflanzen (roth blühende 
Sorten) in's Finstere, bespritzt fleissig und erhält dann, wenn über- 



— 50 — 

haupt Knospen vorhanden waren, die Blumen leicht und zwar von 
weisser Farbe. Ausserdem führte Herr Wen dt eine hochstämmige 
Rose, Mrs. Bosanquet, mit drei Knospen vor, und bemerkte, dass 
auch bei ihm viele der Rosen, die er für die Ausstellung am 16. 
Januar 1881 bestimmt, zu früh gekommen. Vorigen Winter stellte 
er Mrs. Bosanquet am 8. Januar zuerst aus, diesmal schon am 
29. Dezember. Ausserdem haben bereits geblüht: Saffrano und 
Elisabeth Vigneron. — Um zu beweisen, dass man auch in 
Deutschland gute Rosen ziehen könne, legte Herr Wendt ein 
von ihm selbst gezogenes wurzeleehtes Exemplar vor, Herr Drawie 1 
bemerkte aber, dass er in der vorigen Sitzung sich nur auf veredelte 
Rosen bezogen habe. 

Herr Schröder zeigte aus dem Privatgarten des Herrn Protzen 
eine niedrig veredelte Rose, mit vielen ßlüthenknospen bedeckt, vor, 
die er unter dem jetzt fast berüchtigten Namen Beauty of Glazen- 
wood erhalten, die sich aber als American Banner erwies. 

Die Preisrichter: Herr C. Lackner, C. Matthieu und 0. Neu- 
mann sprachen bei der Schönheit der vorgeführten Pflanzen zwei 
Preise zu: Herrn Wendt für Syringa vulgaris und Herrn Drawie 1 
für die Rose Anna Alexieff. 

Herr 0, Neumann erinnerte daran, dass er in der Februar- 
sitzung d. J. (Monatsschrift 1880, S. 168) die Vermuthung aus- 
gesprochen, man könne die Sojabohne vielleicht wie die Lupine 
halbreif aufziehen und nachreifen lassen. Ein Versuch hat dies 
glänzend bewährt. Wirwerden darübereinen besonderen Artikel bringen 
und die bei der Diskussion gemachten Bemerkungen daran schliessen. 

IlL Betreffs der näheren Modalitäten der Ausstellung am 16. 
Januar theilte Herr Wittmack mit, dass Se. Maj. der Kaiser eine 
goldene Medaille, das königliche Ministerium für Landwirthschaft etc. 
bei der Wichtigkeit der Ausstellung zwei grosse silberne Staats- 
medaillen, fünf kleine dergl. und fünf bronzene bewilligt habe. 

Die nähere Art der Ausführung der Ausstellung wurde nach 
längerer Debatte einem besonderen Ausschuss, bestehend aus dem 
Ordner Herrn Perring und den Herren Brandt, Duda, Gaerdt, 
Haack und J. Kuntze übertragen. Falls Entree erhoben wird, soll 
auf Antrag des Herrn Wittmack der Reinertrag der Kaiser 
Wilhelm- und Augusta-Jubelstiftung zufliessen. 

IV. Hierauf beschlosa die Versammlung, den in der letzten 
Sitzung gefassten Beschluss betreffs einer Delegirten- Versammlung 
wegen der Reblaus-Konvention wieder aufzuheben, da bereits äusserst 
zahlreich Petitionen bei der Reichsregierung eingegangen seien, und 
sowohl die preussische wie die Reichsregierung sich warm für eine 
Aenderung im Interesse der deutschen Gärtnerei verwenden. 

V. Herr P erring beantwortete hierauf die Frage: Ist es mög- 
lich, die getriebenen weissen Fliederblüthen, die meist aus Frankreich 
bezogen werden, in gleicher Schönheit und gleicher Menge 
in Deutschland zu erzielen? in längerer Ausführung mit „Ja!« 
Es wird darüber ein besonderer Artikel erscheinen. 



Entsprechend der Wichtigkeit des Gegenstandes erhob sich über 

selben eine äusserst lebhafte Debatte, die namentlich deshalb 
sehr animirt wurde, weil von zwei Seiten den Berliner Handels- 
gärtnern ein gewisser Mangel am rechtzeitigen Erkennen dessen, was 
für sie am vortheilhaftesten und rentabelsten sei, und ein zu kon- 
servatives Festhalten am Althergebrachten vorgeworfen wurde. Die 
Herren Drawiel, Lackner und Wendt vertheidigten die Berliner 
Handelsgärtner. Ein Handelsgärtner fange gewöhnlich klein an und 
könne daher sich nicht auf kostspielige Versuche einlassen. Herr 
Lackner erinnerte daran, dass man schon vor langen Jahren in 
Berlin weissen Flieder getrieben habe, dass aber Niemand ihn habe 
kaufen wollen. Erst jetzt, wo sich ein so grosser Geschmack bei 
Anfertigung der Bouquets entwickelt, kommt er zur Geltung. 

Herr Haack bemerkte u. a: von den Berliner Handelsgärtnern 
ziehen zu viele Ein und dasselbe. Wohl 20 und mehr ziehen vor- 
zugsweise Primeln, Camellienund Azaleen, und wieder Primeln 
Camellien und Azaleen. Dann ist es kein Wunder, wenn über 
schlechte Preise geklagt wird; gerade durch unsere Winterausstellung 
wollen wir zeigen, dass auch andere Blumen dankbar sind. 

Herr Perring stimmte dem bei. Weisse Primeln und weisse 
Camellien sind jetzt mitunter kaum los zu werden. Das liegt theils 
an der üeberproduktion, theils allerdings auch an dem Import vom 
Auslande. Eine Zeit lang war das allgemeine Loosungsw^ort : „Massen- 
production". Wenn aber alle Gärtner in Berlin nur weisse Primeln 
und weisse Camellien ziehen, so geht das nicht. Die grösseren 
Handelsgärtner müssen auch andere Dinge versuchen. Nelken sind 
z. B. jetzt ein äusserst gesuchter Artikel; die neulich von Herrn 
Brandt vorgeführte Poinsettia pulcherrima kann es gleichfalls 
werden. Man muss dem Publikum eine grössere Mannichfaltigkeit 
bieten. Ein Uebelstand ist es allerdings in Berlin, dass die Gärtner 
meist nicht direkt mit dem Publikum, ja nicht einmal mit dem 
Blumenhändler, sondern mit einem Engros - Blumenhändler resp. 
Zwischenhändler verkehren. 

Herr Drawiel bedauerte, dass diese Blumenhändler meist keine 
Gärtner wären. 

Herr Wendt wies daraufhin, dass in Berlin sehr viele intelligente 
Gärtner seien, die keine Kosten scheuten und doch mitunter Fiasko 
machten. 

Herr Drawiel stellt den Antrag, dass der Versuchsansschuss 
eine Anzahl Flieder -Varietäten zum Treiben beschaffe, darunter auch 
namentlich die von Herrn Lackner auf die Autorität des Herrn 
L. Vilmorin hin empfohlene Varietät Syringa vulg. virginalis. 
Herr Bouche empfahl Versuche mit dem Trockenhalten zu machen. 

VI. Herr Perring legte im Auftrage des Herrn A. Thiel 
als warnendes Beispiel Helleborus foetidus vor, welcher von 
A. Härtung, Handelsgärtner in Achselstedt bei Erfurt, als eine 
der schönsten Zierden für's freie Land, zur Topfkultur und zum 
Treiben a 100 für 12 Mark angepriesen war. Bekanntlich sind 



die Blüthen von H. foetidus grün und nichts weniger als schön. 
(Hätte Herr Härtung die schöne weisse Christblume H. mg er em- 
pfohlen, so würde ihm Jeder beigestimmt haben. Red.) 

VII Herr Brettschneider berichtete, dass in der Lorberg - 
sehen Gärtnerei kurz vor Weihnachten eine schöne Wellingtonia 
anscheinend von kunstgerechter Hand abgeschnitten sei und bat, ihm 
bei Ermittelung des Thäters behülflich zu sein. 

VIII. Herr Hüttig verschob seinen Vortrag über afrikanische 
Weinreben bei der überaus vorgerückten Zeit auf die nächste Sitzung. 

IX. Der Etat pro 1881, welcher in Einnahme mit 11,500 Mark, 
in Ausgabe mit 11,050 M. abschliesst, wurde von der Versammlung 
genehmigt. 

X. Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen: 

1. Herr Obergärtner Jörns in Falkenberg bei Berlin. 

2. „ Obergärtner Schmidt in Pankow bei Berlin. 

3. „ Lehrer Traut wein l. in Pankow bei Berlin. 

4. „ Obergärtner Held in Steglitz (Metz 'sehe Baum- 

schulen). 

5. „ Ober-Hofgärtner Bayer in Herrenhausen b. Hannover. 



(gez.) Wittn 



Versammlung der OeseUschaft der Oartenfreunde 
Berlins. 

Verhandelt Berlin, den 17. Dezember 1880. 

Nach Verlesung des Protokolls der vorigen Sitzung erbittet sich 
Herr Garten -Inspektor Bouche das Wort. Er pflichtet dem, was 



Thymeläen, 

Gentianeen, sowie mehrere aus der Familie der Proteaceen; über- 
haupt empfiehlt derselbe ein Verpflanzen, sobald die Wurzeln der 
Pflanzen die Topfwandungen berühren. 

Herr Wiehle hält das späte Verpflanzen der Cyclamen nicht 
für gut, weil dieselben alsdann in Folge mangelhafter Wurzelbildung 
schwer durch den Winter zu bringen seien. 

Eine Offerte von Herz er & Kaiser in Chemnitz, welchen es 
gelungen ist, aus Samen 4—500 Sorten Dracaenen zu erzielen, 
welche die englischen weit übertreffen sollen, wird zur aUgemeinen 
Kenntniss gebracht, sowie der Katalog von Haage & Schmidt in 
Erfurt zur Ansicht ausgelegt. 



Den ersten Punkt der Tages- Ordnung anlangend „das Schneiden 
respektive Ausästen älterer Bäume", hatte Herr Hoff mann, welcher 
den Bericht übernommen, sein Ausbleiben entschuldigt. Man be- 
schränkte sich daher, in kurzen Umrissen eine Parallele zwischen 
dem Früher und Jetzt zu ziehen. Die Gärtner der Vergangenheit 
liebten es, beim Verpflanzen älterer Bäume die Hauptäste herunter 
zu schneiden und leider dadurch die Bäume zu verstümmeln (wie 
auch bei den in Alleen stehenden), um sie ihrer Ansicht nach hier- 
durch zu verjüngen. Die Neuzeit beschränkt sich mit Recht nur 
auf das sogen. Ausdünnen, d. h. ein Entfernen einzelner Zweige. 
Denn sofern man die Hauptäste schont, wird, ganz abgesehen von 
der Beibehaltung der natürlichen Form, der verpflanzte Baum in 
kürzerer Zeit sicherer anwachsen, als im umgekehrten Falle, wenn 
die stärkeren, besseren Aeste entfernt werden. Sehr häufig findet 
man, dass die Spitzen stärkerer Bäume zu trocknen anfangen, führt 
diese Beobachtung auf das zu alt werden der Bäume zurück und 
sucht durch Entfernen der alten Aeste den Baum wieder zu ver- 
jüngen, obgleich meistentbeils der Mangel an Nahrung, plötzlich starkes 
Sinken des Grundwassers etc. hier den Grund des Siechthums bildet. 

Herr Spaeth schneidet die Sträucher in den Anlagen erst im 
zweiten Jahre, wodurch er viel stärkere Triebe bekommt. 

Herr Garten-Inspektor Bouche führt Beispiele vor, an denen er 
zeigt, wie verheerend die Anlage des Schifffahrts- Kanals auf den 
Wuchs der Bäume eingewirkt habe und welch' trübe Erfahrungen 
durch das Niederlegen der Wälder aller Orten in Bezug auf klima- 
tische Verhältnisse gemacht sind. 

Herr Brettschneider und Herr Bluth pflichten der Ansicht 
des Herrn Bouche bei, weise q auf die Gefahr hin, welche der Stadt 
Berlin durch das Niederlegen des Spreewaldes erwachsen und stellt 
Ersterer den Antrag, mit allen Mitteln dahin zu streben: dass diese 
der Allgemeinheit drohenden Gefahren, gegenüber dem Nutzen Ein- 
zelner, durch rechtzeitige Verordnungen der Staatsregierung ver- 
mieden werden möchten. 

Für die Frühjahrs -Ausstellung wurden im Verhoflen der Ge- 
nehmigung des Kriegs-Ministeriums die Tage vom 9. bis 14. April 
ins Auge gefasst und die Herren Hofgärtner Hoff mann und Link 
zu Ordnern derselben gewählt. 

Herr T\en dt hatte schön und reich blühenden Flieder, Syringa 
vulgaris var. Charles X, welchen er vor sechs Wochen eingestellt 
und bei 18» R. getrieben, zur Stelle gebracht, wofür ihm der Dank 
der Gesellschaft durch den Vorsitzenden ausgesprochen wurde. 



Verhandelt Berlin, den 7. Januar 1881. 

Bevor der Vorsitzende das Protokoll der letzten Sitzung verlesen 
Hess, hielt er es für angezeigt, den Erschienenen auch seinerseits 
ein glückliches Neujahr zuzurufen und in diesen Wunsch gleichzeitig 



54 



den Wunsch einzuflechten, dass anch für die Gesellschaft der Garten- 
freunde das Jahr 1881 ein erfolgreiches sein und ein jedes Mitglied 
dahin streben möge, nach Kräften an der Förderung der Vereins- 
zwecke zu arbeiten. 

Hierauf veranlasste der Vorsitzende den Schriftführer, das Pro- 
tokoll der Sitzung vom 17. Dezember vor. Js. zu verlesen, welches 
unbeanstandet angenommen wurde. 

Die in der letzten Monatssitzung des vergangenen Jahres ge- 
wählten stellvertretenden Vorstands -Mitglieder hatten die auf sie 
gefallene Wahl angenommen und setzt sich somit der Vorstand aus : 
Herrn Spaeth, Vorsitzender, Herrn Lackner, stell- 
vertretender Vorsitzender, Herrn v. Fürich, Schatzmeister, 
Herrn Wen dt, stellvertr. Schatzmeister, Herrn Kletschke, 
Schriftführer, Herrn Hofgärtner floffmann als Stellvertreter, 
sowie Herrn Bluth als Bibliothekar und Herrn Gude als 
dessen Stellvertreter, 

Herr Spaeth ersuchte die Erschienenen, sich von ihren Plätzen 
zu erheben, um ihnen die nachstehenden Allerhöchsten und Höchsten 
Dankschreiben zu verlesen, womit Ihre Majestät die Kaiserin und 
Königin, sowie Se. k. k. Hoheit der Kronprinz des Deutschen Reiches 
und von Preussen die Glückwünsche der Gesellschaft zum neuen 
Jahre erwiedert hatten. 

„Ich danke der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins für 
die Mir zum neuen Jahre dargebrachten Glückwünsche, indem 
Ich sie Meiner dauernden Theilnahme und steten Anerkennung 
versichere. 

Berlin, den 4. Januar 1881. 

(gez.) Augusta. 



„Ich danke dem Vorstande bestens für seinen freundlichen 
Neujahrsgruss und werde nicht aufhören, der von ihm vertretenen 
Gesellschaft Mein lebhaftes Interesse zu bewahren. 
Berlin, den 6. Januar 1881. 

(gez.) Friedrich Wilhelm. 
An den Vorstand 
der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins." 

Der Schatzmeister berichtete darauf über den Stand der Kasse 
und übergab Kassenbuch nebst Belägen der Kassen - Revisions- 
Kommission. 

Herr Hofgärtner Hoff mann hatte einen schriftlichen Antrag 
auf Abänderung der Grundbestimmungen eingebracht. Da dieser 
Antrag indess nicht näher bezeichnet war, glaubte die Versammlung 
sich nach den Grundbestimmungen nicht berechtigt, hierüber in 
Verhandlung zu treten, sondern ging zur Tagesordnung über. 



55 



Der Antrag des Herrn Bluth, die zweite Sitzung im Monat 
ausschliesslich Vorträgen und Berichten aus der neuesten Garten- 
literatur zu widmen, wurde dem Vorstande zur Erwägung gegeben. 

Der Antrag des Herrn Gude, bezüglich der Druckkosten insofern 
Ersparnisse eintreten zu lassen, als nur in Ausnahmefällen zu den 
zweiten Sitzungen gedruckte Einladungen ergehen sollen, wird in 
nähere Berücksichtigung gezogen werden, jedoch wurde 



zweiten Sitzungen gedruckte Einladungei 

" ■ ■ " , je 

gegeben, dass ohne vorher ergangene Einladungen die Sitzungen oft 
sehr massig besucht sein würden. 

Ein schon in früheren Sitzungen laut gewordener Wunsch, die 
vom Verein zur Beförderung des Garteubaues beabsichtigte Blumen- 
Ausstellung durch Prämien zu unterstützen, wurde von der heutigen 
Versammlung insofern erfüllt, dass die Gesellschaft der Gartenfreunde 
eine goldene, drei grosse silberne und fünf kleine silberne Medaillen 
zu Prämien hergiebt, an diesen Beschluss aber die Bedingung knüpft, 
dass von den Preisrichtern nur für den Fall auf die Medaillen 
unserer Gesellschaft gerücksichtigt werden kann, wenn für wirklich 
preiswerthe Leistungen keine Medaillen mehr vorhanden sein sollten. 

Der Generalsekretär des Vereins zur Beförderung des Garten- 
baues, Herr Professor Dr. Wittmack, dankte der Gesellschaft für 
diese Bewilligung und bittet die Herren Gärtner recht dringend, die 
mehrerwähnte Ausstellung reichlich zu beschicken. 

Als Mitglieder waren: 

1) Herr Buchdruckereibesitzer Erdmann von Herrn Kropp, 

2) Herr Kunst- und Handelsgärtner Petersdorf in Lichten- 
berg von Herrn Papenfuss 

angemeldet. 

Ausgestellt hatte Herr Wieble einige Cyclamen, welche aus 
Samen gezogen waren, der ihm vom Verein überkommen. Dem Aus- 
steller wurde der Dank der Gesellschaft zu Theil. 

Die Sitzung schloss Herr Spaeth mit einem höchst interessanten 
Vortrage über den Schnitt der Formobstbäume, bei welcher Gelegen- 
heit von mehreren Seiten auf den Wander gärtner aufmerksam gemacht 
wurde, der in einigen Ortschaften um Berlin namentlich im ver- 
gangenen Jahre eine recht erfreuliche Thätigkeit entwickelt habe. 

Einladungen zum Abonnement auf die österreichisch-ungarischen 
Blätter für Geflügel- und Kaninchenzucht und Offerten der Firma 
Herz jr. auf wasserdichte, chemisch präparirte, unverstockliche 
Deckenstoffe und Pläne zirkulirten unter den Erschienenen. 



Da der Schriftführer das ! 
zur Stelle, eröffnete der Vorsitz. 
Sammlung das Schreiben des H 
mit, worin derselbe wie nachstehend dei 



den Neujahrsgruss der Gesellschaft der 

„Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit, die Frau Kron- 
prinzessin hat die frenndliche Zuschrift, mit welcher der 
Vorstand Höcbstdieselbe bei Antritt des neuen Jahres begrüsste, 
mit Vergnügen empfangen und beauftragt mich, in Höchst- 
Ihrem Namen für dies Zeichen theilnehmender und anhänglicher 
Gesinnungen bestens zu danken." 

Berlin, den 12. Januar 1881. 

(gez.) von Normann, kgl. Kammerherr. 



Ein Bescheid des Reichsamtes des Innern auf die im Dezember 
V. Js. eingebrachte Vorstellung wegen Milderung der den Pflanzen- 
Exporthandel erschwerenden Bestimmungen der internationalen Reb- 
lauskonvention wurde mit Freuden aufgenommen, sowie nicht minder 
die Mittheilung des Herrn Vorsitzenden, dass Herr Schmidt von 
der Firma Haage & Schmidt, Erfurt, in das Landes-Oekonomie- 
KoUegium berufen worden sei. 

Nach Erledigung dieser geschäftlichen Angelegenheiten hielt 
Herr Blut h seinen Vortrag: üeber die Ausstellung des Vereins 
zur Beförderung des Gartenbaues am 15.— 16. Januar. 

Referent bezeichnet diese Ausstellung in jeder Beziehung als 
eme höchst gelungene und glaubt dies Gelingen daraus herzuleiten, 
dass die anfänglieh in beschränktem Maasstabe beabsichtigte Aus- 
stellung aus ihrem engen Rahmen herausgetreten sei. 

Was die Rosen- und Fliedertreiberei anlange, die eigentlich 
mit den Impuls zu dieser Ausstellung gegeben, so sei es mit 
Freuden anzuerkennen, dass hierin für den ersten Versuch ganz 
Erkleckliches geleistet. 

Darauf geht Referent zu den einzelnen Gruppen über, und hebt 
aus ihnen diejenigen Pflanzen hervor, welche sich zu gärtnerischen 
Zwecken ausgezeichnet verwenden lassen und schliesst seinen Bericht 
mit dem Wunsche, dass es der Berliner Handelsgärtnerei gelingen 
möge, zu immer grösseren Erfolgen zu gelangen. 

In gleich anziehender Weise berichtet Herr Grass über die aus- 
gestellten Gemüse und Früchte, als: Gurken, Ananas, Erdbeeren u. A. 
Rücksicbtlich einzelner Gemüse: ob diese als frisch gezogene gelten 
dürften, hält Referent sein Urtheil zurück. 

Den von Herrn Hofgärtner Butt mann ausgestellten Champignons 
redet Herr Grass in vollstem Maasse das Wort. 

Gelegentlich der diese Ausstellung betreffenden, s. Zt. veröffent- 
lichten umfangreichen Berichte sehen wir von den weiteren Aus- 



führungen der Herren Bluth und Grass ab, und genügt es zu 
erwähnen, dass die Gesellschaft der Gartenfreunde auch der vollen 
üeberzengung lebt: die Berliner Gärtner haben es durchaus nicht 
nöthig, sich mit ihren Leistungen zu verstecken. 

Unangenehm berührte es, dass die Namen der Aussteller und 
der ausgestellten Pflanzen zum grossen Theil in den Zeitungen 
unrichtig gebracht waren. Um dieses bei der nächsten Ausstellung 
zu umgehen, sollen den Reportern gleich bei Aufstellung der Gruppen 
die Namen der Aussteller, sowie der von ihnen ausgestellten 
Pflanzen übermiitelt werden. 

Herr G. A. Schultz hatte eine reich blähende Hoibrengkia 
formosa, welche bei näherer Besichtigung als Staphylea colchica 
erkannt wurde, ausgestellt, wofür ihm neben dem Dank der Gesell- 
schaft der Monatspreis zuerkannt wurde. 



Verzeichniss 

der Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Garten- 



Protektor. 

Majestät der Kaiser und König. 



2. Stellvertreter: Kgi. Gartenl 
Schatzmeister: Rentier W. So 
General-Sekretär: Prof. Dr. L. Witti 



A. Ehrenmitglieder. 



Staatsminister a. D., Excellenz, Berlin, 



Hey der, Geh. Ober-Regierungs-Ratb, Berlin 

Hooker, J, D., Direktor der Royal Bot. Gardens in Kew, London. 

Jühlke, Kgl. Hofgarten Direktor, Potsdam, 

Dr. Karsten, Professor, Schaffhausen. 

Dr. Munter, Prof., Direktor des botanischen Gartens, Greifswald. 



Nowikoff, Präsident der Kaiserl. Reichs- Gartenbau-Gesellschaft, Wirkl. 

Staatsrath und Kammerherr, Moskau, 
Dr. med. Philippi, Prof., Valdivia in Chili. 
Rumin, Vicepräsident der Kaiserl. Reichs- Gartenbau-Gesellschaft, Wirkl. 

Staatsrath und Kammerherr, Moskau. 
Frau V. Strantz, Wirkl. Geh. RSthin, ExceUenz, Berlin. 
V. Thile-Winkler, Oberstlieutenant, Miechowitz. 
Vilmorin, Henry (Firma: Vilmorin, Andrieux & Co.), Paris. 

B. Korrespondirende Mitglieder. 



9. Dr. Loew, Ober-Hof gerichts-Kanzleirath, Mannheim. 

10. Dr. Lucas, Garten-Direktor, Reutlingen. 

11. Lucas, Rentier, Paris. 

12. Dr. Masters, Maxwell, Redakteur des Gardeners Chronicle, London. 

13. Morren, Ed., Prof., Lüttich. 

14. Baron Ferd. von Müller, Government-Botanist, Melbourne. 

15. Otto, Eduard, Redakteur der Hamburger Garten - Zeitung, Hamburg, 

Schröderstift. 

n! Dr! Regel, Ed.,' Direktor des botanischen Gartens, Wirkl. Geh. Staats- 
rath, Excellenz, F 



18. Sargent, Prof., Cambridge. 

19. Schomburgk, Richard, Direktor des botanischen Gartens in Adelaide. 

20. Schübeier, Prof., Chiistiania. 

21. Siebenfreund, Gutsbesitzer, Tyrnau, Ungarn, 

22. Dr. Sorauer, Paul, Dirigent der pflanzenphysiologischen Versuchsstation 

des Kgl. pomol. Instituts in Proskau. 

23. R. StoU, Direktor des Kgl. pomol. Instituts in Proskau bei Oppeln. 

24. ThiseltonDyer, Prof., Assistent-Director Kew Gardens, London. 



C. Hiesige wirkliche Mitgüeder. 

Abraham, Stadt- Obergärtner, NO, Landsberger Allee 160. 
Ahlemeyer, Georg, Stadtrath, Charlottenburg, Berlinerstr. 11 
Albernethy, Gutsbesitzer, Wilhelminenhof bei Köpenick. 
Allardt, Kunst- und Handelsgärtner, Schöneberg bei Berlin. 



8. Barrenstein, Rentier, Charlottenburg, Leibnitzstr. 89. 

9. Baumannn, R,, Banquier, W., Behrenstr. 24. 

10. Beermann, Fabrikbesitzer, SO, vor dem Schlesischen Thor. 

11. Berend-Beeren, Rittergutsbesitzer, Kleinbeeren bei Grossbeeren. 

12. Ben da, 0., Restaurateur, N, am Viehhof, Brunnenstr. 

13. Bergemann, Kunst- und Obergärtner, Charlottenburg, 

14. Bergmann, Geh. Kommerzienrath, SW, Krausenstr. 39 

15. Bergmann, Kaufmann, W, Potsdamerstr. 72a. 



Berlin, landw. Central - Verein für den Regier. - B 
Oekonomierath Frhr. Dr. v. C ans t ein, SW, G: 
Bernau, Tapezier und Dekorateur, VV, Wilhelmsstr. 88. 
Bernhardt, A., Kaufmann, W, Steglitzerstr. 68. 
Beust, C, Köni^l. Obergärtner, Thiergartonmüble bei Charlott 
Bleichröder, J., Banquier, W, Vossstr. 8. 
Blume, Rentier, SW, Königin- Augustastr. 6. 
Boehden, E., Maler, Mariendorf bei Berlin. 
Boese, W. A., Kaufmann, NW, Mittelsü-. 4. 
Böhm, Kgl. Hof-Baumeister, N, Stallstr. 5b. 
Böhm seu., Fabrikbesitzer, Fredersdorf bei Neuenhagen a. d. ' 
Dr. Bolle, C, W, Leipzigerplatz 14. 
Borchert, Kommerzieoratb, SW, Askanischer Platz 3. 
Borsig, verw. Frau Geh. Kommerzienrath, NW, Moabit 85. 
Bouche, D., Kunst- und Handelsgärtner, 0, Blumenstr. 70. 
Brandt, R, Gärtnereibesitzer, Charlotten bürg, Schlossstr. 19. 
Brasch, Königl. Hofgärtner, Sanssouci bei Potsdam. 

Justizratb a. D., SW, Kommandantenstr. 81. 
illevuestr. 16. 
Schöneberger Ufer 24. 

.x.KaLserl. TeleeranhfiT ' 

Bucka 



bergärtner, W, Bellevuestr. 16. 
E., Kauf 



Bussmann, Kgl. Obergärtner, NW, Louisenstr. , 
Butt mann, Königl. Hofgärtner, Sanssouci bei Potsdam. 
Chone, Gärfnereibesitzer, 0, Frankfurter- Allee 134. 
Dr. Cohn, W., Fabrikbesitzer, Martioiquefelde bei Moabit. 
Conrad, Geh. Kommerzienrath, W, Vossstr. 19. 
Crass, Kunst- und Handelsgärtuer, S, Ritterstr. 98. 
Curio, Kunst- und Handelsgärtner, Weissensee bei Berlin. 
Darso, Königl. Kreis -Boniteur, N, Müllerstr. 15. 
V. Decker, R., Rittmeister a. D, W, Vossstr. 26. 
Dellschau, Kommerzienrath, C, Am Königsgraben 4—6. 
Demmler, Kunst- und Handelsgärtner, SO, Dresdnerstr. 1 
'^ ■ ■ Gärtnereibesitzer, Lichtenberg bei Berlin. 



Duda, Obergärtner, Charlottenburg, Floragarten. 
Ebers, Kunst- und Handelsgärtner, S, Hasenhaide 37. 



Dr. Eichler, Prof., Direktor des Kgl. bot. Gartens, W, Potsdamerstr. 75a. 
Eisholz, Königl. Obergärtner, W, Leipzigerstr. 5. 
Dr. Ewaldt, MitgUed der Akademie, W, Matthäikirchstr. 28. 
Fintelmann, A., Stadt-Obergärtner, SO, Städtische Baumschulen v, d. 

Schlesischen Thor. 
Fintelmann, H., Kgl. Garten-Inspektor, Potsdam, CharlotteaBtr. 81. 
Fintelmann, G., Königl. Obergärtaer, Potsdam, Marlygarten. 
Fonrobert, Fabrikant, W., Königin- Augustastr. 41. 
Friebel, L., Gärtnereibesitzer, 0, Boxhageneratr. 7. 
Friedrich, Kunst- und Obergärtner, NO, Malchow bei Berlin. 
Fritze, Zimmermeister, SW, Alte Jakobsstr. 126. 
Gaerdt, Königl. Gartenbau-Direktor, NW, Moabit 86. 
Gambcke, J., Kaufmann, SO, Kaiser-Franz-Grenadierplatz 5. 




73. Giessler, Königl. Hofgärtner, Glienicke b 

74. Göhrcn, C, Samenhändler, NO, ' ^" 

75. Güterbock, G., Banquier, W, Victoriastr. 33. 

76. Gude, F., Gärtnereibesitzer, Hasenhaide 8 a. 

77. Gutzeit, Kunst- und H^ndelsgärtner, 0, v. d. Stralauer Thor. 

78. Haack, Kunst- und Obergärtner, W, Thiergartenstr. 32. 
"" " e, Kunst- und Handelsgärtner, Charlottenburg, 

ukoh'l. H., Kaufmann, C, Alte Schützenstr. 3. 

, A., Kommerzienrath, SO, Schlesischestr, 2 

■' , C, Alte Leipzigerstr. 1, 
Apothekenbesitzer, SW, Grossbeerenstr. 17. 
Kunst- und Obergärtner, Steglitz bei Berlin. 
■ ' " ' Sw, Kochstr. 5. 

SW, Friedrichstr. 226. 
d. Heydtstr. 15. 



Hoffmann, J., Rentier, SO, Köpnickerstr. 131. 
Hoffmann, M., GSrtnereibesitzer, SO, Köpenickerstr. 131. 
Hranitzky, Rentier, W, Leipzigerstr. 105. 

Hüttig, 0., Garten-Direktor emer., Cbarlottenburg, Berlinerstr. 12. 
Jacobsthal. Prof., Charlottenburg, Marcbstr. 5, 
Dr. Jagor, Rentier, W, Siegmundshof 4/5, 
Janicki, Kunst- uud Haadelsgärtaer, W, Genthineratr. 22, 
Jawer, Baumschulbesitzer, Schönhausen bei Berlin (Flora). 
Jörns, Obergärtner, Falkenberg bei Berüo. 
Kauffmann, Kommerzienrath, C, Neue Grünstr. 18. 
V. Kaufmann, L., Banquier, W, Thiergartenstr, 13. 
Kaumann, Apothekenbesitzer, S, Ritterstr. 23. 
Kelch, Rittergutsbesitzer, Bollensdorf bei Neuenhagen a, d. Ostb. 
Killisch von Hörn, Rittergutsbesitzer, W, Kronenstr. 29. 
Kindermanu, Königl. Hofgärtner, Babelsberg bei Potsdam. 
Kläber, Kunst- und Obergärtner, Alsen bei Zehlendorf. 
Klar, Joseph, Samenhändler, N, Linienstr. 199. 
Kleinwächttr, Baumschulbesitzer, Wildpark bei Potsdam, 
Kletschke, Kanzleirath, SO, Waldemarstr, 57. 
" "• ' ■-"''• ^en 19, 

Königgrätzerstr. 108. 
Dr. Kny, Prof,, W, Keithstr, 8. 

Körner, Kunst- und Landschaft^gärtner, SW, Neuenburgerstr, 9, 
Dr, Kränzlin, Gymnasiallehrer, SW, Beilealliancestr, 27, 
Kropp, Samenhändler, SW, Belleallianceplatz 17, 
Krüger, Königl. Obergärtner, W, WUheimstr. 65. 
Krug, Stadtrath, W, Bellevuestr. 2, 
Kühnemann, Fritz, Kommerzienrath, NW, Tieckstr. 17, 
Kühn, R., Verlags-Buchhändler, W, Leipzigerstr. 14. 
Dr. Kuhn, M., Oberlehrer, NW, Louisenstr. 67, 
Kunkel, Kunst- und Handelsgärtner, W, Potsdamerstr. 119. 
Kuntze, „ W, Unter den Linden 3. 

Kunz, Stadtrath, W, Bendlerstr. 10. 
Dr. Kurtz, W, Königin- Augustastr. 50. 

Kurtz, Königl. Obergärtner, Charlottenburg, im Steuergebäude. 
Lackner, C, Gärtnereibesitzer, Steglitz bei Berlin W. 
Landau,^ J., G^h. j:ommerzienrath, W, Wilhelmstr, 71, 

Potsdam. 



Dr. Liebe, Prof., S, Ritterstr. 35. 

Lorberg, Frau, BaumschuIbesitzeriD, N, Schönhauser Allee 152, 

Ludicke, A., Kunst- und Handelsgärtner, SW, BellealUancestr. 84. 

Lud icke, R., „ w, Schöneberg, Haaptstr. 45. 

L üb ach, „ w, Kurfürstenstr. 127. 

Dr. Magnus, Prof., W, Bellevuestr. 8. 

Manso, Kunst- und Handelsgärtner, W, Leipzigerstr 21/22 

Wirkl. Geh. Ob.-Reg -Rath und Ministerial-Direktor, W, Kor- 
aff, Stadtrath, C, Rosentlialerstr. 47._ 

Mathieu,'L.;' 
Mathieu, K., 

, Stadt-Obergärtner, Ösdorf bei Berlin. 
Banquier, W, Jägerstr. 53. 






, L., Buchdruckereibesitzer, C, Königsgraben 15. 
hoff, A., Rentier, W, Wilhelmstr. 86. 
Is, Carl, Landwirth, SW, Königgrätzerstr. 56 b. 
Amtmann, 0, Hellersdorf bei Berlin. 
, Rittergutsbesitzer, C, Hohensteinweg 6. 
T'-itier, W, V. d. Heydtstr. 9. 

igl. Garten-Direktor. Charlottenburg, 

,,„ ^, Kunst- und Handelsgärtner, Pankow 1 

lo9. Nietner, Th., Königl. Hofgärtner, Neuer Garten bei Potj 

160. Noodt, Königl. Oekouomierath, SW, Gneisenaustr. 109/1 H 

161. Oetting, W., Kaufmann, Köpenick. 

162. Oppen, Kaufmann, NW, Dorotheenstr. 45. 

163. Dr. Orth, Prof, W, Wilhelmstr. 43. 

164. Paetow, Rentier, SW, Halleaches Ufer 21 

165. Parey, Verl ^ 

166. Pawlitzky ^„_^^, ^,.., __, 

\tl' ^^^^^^S, Königl. Universitätsgärtner, NW, Universitätsgarten. 
;«^ I- f oiiinier-Esche, Geh. Ober-Finanzratb, W, Hohenzollernatr. 16. 
H^- Jotsdam, Gartenbau-Verein (Adr.: Kirchhofs-Inspektor Eichler), 
170. Prins- Reichenheim, Rittergutsbesitzerin, W, Rauchstr. 10. 

ni' PuhlL..__, _„, , 

173- Qiiipj, Kapferschmiedemeister, SW, ._. 

C, Rosenthalerstr. 40. 
,^^ ^ ^^, , — -nd Obergärtner, 0, Friedrichsfelde bei Berlin. 

176. Rathke, Apothekenbesitzer, S, Alexandriaenstr. 41. 

177. Reichenheim, Frau Kommerzienrath, W, Thiergartenstr. 19. 
]l°- Reinecke, J., Kunstgärtner, SO, Brit^erstr. 10. 

179. Richter, J., Banquier, W, Vossstr. 16 

,oA «.. - p, Stadt -Garteninspektor, N, Humboldthain, Direktorial- 



75.' Ra 



gebäude. 
bin. Fahr 



Fabrikbesitzer, NO, Landsbergerstr. 109. 

xa^. oaxxc, Ed., Kaufinann, N, Borsigstr. 8. 

183. Seh äff er, B., Rentier, NW, Alsenstr. 5 

184. Scharlock, Kunst- und Handelsgärtner, C, Neue Grünstr. 38. 

185. Schenk, Kunst- und Obergärtner, SW, Friedrichstr. 214. 

186. Schmidt, Geh. Rechnungsrath, W, Köthenerstr 45. 

187. Schmidt, G., Hofüeferant, W, Friedrichstr. 177. 

188. Schmidt, Kunst- und Obergärtner, Pankow bei Berlin (?iUa Dellachau) 

189. Scholz, Staatssekretär im Reichs-Schatzamt, W, HohenzoUernstr 2 

190. Schotte, Prinzl. Obergärtaer, Potsdam (Pfingatberg). 



Geh. Medizinalrath, N, 
:. L., Stadtverordneter und Kaufmann, S, Dresdnerstr. 35. 
A., Hoflieferant, 0, Eckartsberg v. d. Frankfuiter Thor. 
"., Kunst- u. Handelsgärtner, Charlottenburg, Bismarckstr. 109. 
!, Baumschulbesit. er, Charlottenburg, Leibnitzstr. 74. 



Prof., W, Matthäikirchstr. 28. 

201. Schwarzburg, Kunst- u. Handelsgärtner, W, Schöneberg, Hauptstr. 

202. Seile, E., Königl. Hofgärtner, Sanssouci bei Potsdam. 

203. Sentgar, Fabrikbesitzer, SO, Treptow bei Berlin. 

204. Siecke, A., Amtsvorsteher, 0, Stralau bei Berün. 

205. Sonntag, Rentier, S, Alexandrinenstr. 51. 

206. Späth. Baumschulbesitzer, SO, Köpenickerstr. 154. 

207. V. St. Paul-Jllaire, Hofmarschall a. D., W, Karlsbad 24. 

208. Streichenberg, Rentier, W, Landgrafenstr. 9. 

209. Strenger, Kunst- und Landschaftsgärtner, W, Bernburgerstr. 7. 

210. Dr. Sulzer, Wirkl. Geh. Rath, Exce.lenz, W, Margarethenstr. 7. 

211. Tannhäuser, Kaufmann, W, Eichhornstr. 12. 

212. Thiele, Kunst- und Handelsgärtner, Plötzensee bei Berlin. 

213. Thi ■ ■ 

214. Traut wein I.. Lehrer, Pankow, Pestalozzistift. 

215. V. Treakow, Rittergutsbesit; 

216. Vogel, Geh. Justizrath a. B 

217. Dr. Voss, pract. Arzt, SW, Alte Jakobsstr. 167. 

218. Walter, Königl. Hofgärtner, Charlottenhof bei Potsdam. 

219. Weber, Kunst- und Obergärtner, Spindlersfeld bei Köpenick. 

220. Dr. Weise, prakt. Arzt, NW, Thurmstr. 44. 



, Kunst- und Handelsgärtner, 
Wittmac k, Prof., Kustos, N., Invalidenstr. 42. 

NO, Landsbergerstr. 46/47 



228. Wunderlich, Rentier, 

229. Weygold, Rentier, Schönhausen bei Berlin. 

230. Zaller, Gutsbesitzer, NW, U. d. Linden 61. 

231. Zech, Kunst- und Handelsgärtner, 0, Koppenstr. 76 

D. Auswärtige wirkliche Mitglieder. 



Becker, Garten-Inspektor, Miechowitz i. Oberschi. 

235. V. Sehr, Königl. Kammerherr, Schmoldow bei Gutzkow i. Poi 

236. Benary, Kommerzienrath, Erfurt. 

237. Bergfeidt, G., Obergärtner, Braunschweig (Bahnhof, Schmidt'si 

238. Bertram, Kunst- und Handelsgärtner, Stendal. 

239. Bethke, L., Banquier, Halle a. S: 

240. Blancke, J., Fabrikbesitzer, Merseburg. 

241. Dr. Blankenhorn, Präsident des deutschen Weinbauvereins, 

242. Bleyer, Garten-Inspektor, Branitz bei Cottbus. 

243. V. Bockum-Dolffs, Regier.-Rath a. D., Voelinghausen bei S< 

244. Boesenberg, Obergärtner, Blankenese bei Altena. 

245. Dr. Bornem4nn, Eisenach. 

246. Borack, Pastor, Burgliebenau bei Merseburg. 

247. Brauns, Fr., Kunst- und Handelsgärtner, Hannover. 



V. Byern, Frhr., Pärchen bei Genthin. 

Dr. Caspary, Prof., Königsberg i. Pr. 

Dr. Chrysander, Fr., Bergedorf bei Hamburg. 

Claussen, Hofgärtner, Brühl. 

ifmann, Darmstadt. 



V. Croy, Herzog, Durch 1., Dülmen, 

Credner, Kunst- und Handelsgärtner, Salpeterhütte bei Weissenfels. 

Danzig, Gartenbau- Verein (Adr.: Handelsgärtner A. Lenz, Langgarten 27 ) 

Däumichen, C, Rentier, Frankfurt a. 0. 

Dencker, Kunst- und Handelsgärtner, Eimsbüttel bei Hamburff, 

Gärtnerstrasse 46. 
Dessau, Herzogl. Hofmarschall-Amt (Adr.: Garten- Inspektor Gieleu). 
Dippe, Kunst- und Handelsgärtner, Quedlinburg. 
Dreher, Fr., Hofgärtner, Krauchenwies bei Sigmaringen. 
Eberhardt, Kunst- und Handelsgärtner, Genthin. 
Ei Chi er, Hofgärtner, Wernigerode a. H. 
Engelmann, Kunst- und Handelsgärtner, Zerbst. 
Erlangen, botanischer Garten (Adr.: Prof. Dr. M. Rees). 
zu Eulenburg, Frau Gräfin, Liebenberg bei Löwenberg i. M. 
Ferle, K., Lehrer, Friedeberg i. Nrn. 
Forkert, Kunst- und Obergärtner, Prötzel bei Straussberg. 
Fox, Garten-Lispektor, Neudeck bei Oppeln. 

Frankfurt a. 0., Gartenbau-Verein (Adr.: Bibliothekar Lehmann, Park 6.) 
Galle, Kunst- und Obergärtner, Ober-Glauchau bei Trebnitz p. Breslau 
Gärtner, Amtsvorsteher und Baumschulbesitzer, Fl. Zechlin i. M. 
Gireoud, Garten-Direktor, Sagan. 



ki, Grab- 

V. Graevenitz, Geh. Reg.-Rath, Landrath, Frehne bei Meyenberg, 

Ostpriegnitz. 
Grasshoff, Ober-Amtmann, Quedlinburg. 
Greifswald, botanischer Garten. 
Greifewald, landw. Verein für Neu - Vorpommern und Rügen (Adr.: Prof. 

Dr. Munter). 
Dr. Grönland, Dahme bei ükro. 
Gruson, Kommerzienratb, Buckau-Magdeburg. 
Grube, Garten-Direktor a. D., Godesberg &JR. 
Guben, Gartenbau- Verein (Adr.: Konditor L Groth). 
Haage, Franz Anton, Kunst- und Handelsgärtner, Erfurt. 
Haage & Schmidt, „ Erfurt. 

Hafner, Baumschulbesitzer, Radekow bei Tantow i. Pomm. 
Hagen, Graf, Kammerherr, Möckem bei Burg p. Magdeburg. 
HaUe a. S., Gartenbau- Verein (Adr.: Fabrikbesitzer Nebert). 



Hamburg, Gesellschaft zur Beförderung der Künste.' 



naiuuurg, ueseiiscnatt zur öetörüerung < 

Hamburg, Gartenbau-Verein für Hamburg, Altena und Umgegend (Adr. 



Hampel, Garten-Inspektor, Koppitz bei Grottkau. 

Hannover, Gärtner -Verein (Adr.: Kunst- und Handelsgärtner C. Pe 

in Linden). 
Harms, Kunst- und Handelsgärtner, Eimsbüttel bei Hamburg. 
Heinemann, J. C, Hoflieferant, Erfurt. 
Herrmann, Restaurateur, Freienwalde a. 0. 



Hör 11, F. Obergärtner, Döblingen lei Wien (Villa Rothschild). 

V. Hövei, Rittergutsbesi'zer, Mesenberg bei Gransee. 

Janke, Stadtgärtner, Aachen. 

Jena, botanischer Garten. 

Jen de, Oberkaplan, Neuzelle. 

Johannes, Rittergutsbesitzer, Karlshof bei Neu-Lewin a./0. 

Karstedt, Kaufmann, Seelow. 

Kassel, Gartenbau-Verein. 

Kerckow, Th., Kaufmann, Nauen. 

Kersten, Edm., Obergärtner, Königsbruck in Sachsen. 

Kiesewetter, Baum?chulbesitzer, Genthin. 

Kierski, Kreis-Obergärtnor, Kyritz. 

Kittel, Obergärtner, Eckertsdorf hn Möhlden per Glatz. 

Klett, Garten-Direktor, Schwerin in Meckl. 

V. Klitzing, Ritterschaf tsrath, Dieckow bei Berlinchen. 

Knobbe, Rentier, Meitzendorf bei Magdeburg. 

Königsberg i. Nrn., Gartenbau-Verein (Adr.: Pastor Wellmann, Rörchen) 

Königsberg i. P-, do. (Adr.: Particulier Unger, ffinter- 

Tragheim 43/44.) 
Koopmann, Kaiserl. russ. Garten-Direktor, Margala bei Taschkent. 
V. Koschützki u. Larisch, Rittergutsbes., Rybna b. Friedrichshütte. 
Kuntze, J J., Kunst- und Handelsgärtner, Altenburg. 
Landsberg a. W., Gartenbau-Verein (Adr.: Gymnasial-Lel.rer Laese) 
Larass, J., Garten- Ingenieur, Bromberg (Bleichfelde). 
Lauche, Obergärtner, Abtnauendorf bei Leipzig. 

Leidner, Kunst- und Handelsgiirtcer, Magdeburg, Kl. Diesdorferstr. 2 a. 
Liebig, Kunst- und Handelsgärtner, Dresden. 
' ■ ' ' Kunstgärtner, Bärfelde bei Neudamm. 



Loh de. F., Garten-Ingenieur, St. Petersburg, 
Lüdersdorff, Geh. Reg.-Rath a. D., Baden-üa 
Lubatsch, Kunst- und Handelsgärtner, Zossen. 



macK, Gutsbesitzer, Althof bei Ragüit i. Ostpr. 

Marburg, botanischer Garten (Adr.: Prof. Wigand). 

Massias, Obergärtner, Reuthen bei Spremberg. 

Mette, Kunst- und Handelsgärtner, Quedlinburg. 

Möhrin g, „ Arnstadt i. Thür. 

Moiske, B., Fabrikbesitzer, Frankfurt a. 0. 

Müller, R., Baumschulbesitzer, Elbing, Neustädter Feld. 

Müller, R., Kunst- und Obergärtner, Praust bei Danzig. 

Münden, botanischer Garten der Forst- Akademie (Adr.: Gartenmeister 

Zabel). 
Münster in Westph., Gartenbau-Verein (Adr. Bibliothekar Kersten). - 
Naumann, Rentier, Crossen a. 0., Villa Ludwigshof. 
Negendank, Kunst- und Handelsgärtner, Wittenberg. 
Neumann, Hofgärtner, Arolsen. 
Neumarkt i. Schles., Obst- und Gartenbau- Verein (Adr.: Steuer-Inspektor 

Bernkopf). 
Nickel, Mühlenbesitzer, Matschdorf bei Frankfurt a. 0. 
Niepraschk, Königl. Gartenbau- Direktor, Köln. 
Ohlendorff, Fr. H., Baumschulbesitzer, Ham bei Hamburg 
Ohrt, Hofgärlner, Oldenburg, Grosshzgth. Oldenburg. 
Pauckert, Apothekenbesitzer, Treuenbrietzen. 
Perleberg, Gartenbau- Verein. 

Petras, Kunst- nnd Handelsgärtner, Stolpe bei Angermünde. 
Petzold, Garten-Direktor, Bunzlau. 

V. Pfuel, Ritterschaftsratb, Jahnsfelde bei Trebnitz per Lebus. 
Platz & Sohn, Gärtnereibesitzer. Erfurt. 



. Puttlitz, Frhr., Wolfshagen 1 



3o9. V. Quilifeldt, Kreisdeputirter, Hohenziethen bei Soldin 

360. Ranniüger, Kommerzienrath, Altenburg. 

361. Rathko, F., Baumschulbesitzer, Praast bei Danzig. 

362. V. Ratibor, Herzog, Durchl., Räuden bei Ratibor 

363. Ratibor, Gartenbau- Verein. 

364. Reich, Stadtgärtner, Herrenkru? bei Magdeburg. 

365. Riemschneider, Kunst- und Handelsgärtner, Altona 

366. Ritter, Obergärtner, Schloss Engers am Rh. 

367. Rohland & Rösemann, Kunst- und Hs^i.delsgärtQer, Hettstedt. 

368. Kosenow Kunstgärtner, Kerstenbruch bei Neu-Lewin a. Ostbabu, 

369. Roth er, Direktor, Reisen bei Posen 

370. Roth, Garten-Inspektor, Muakau. 

371. Rudolstadt, Gartenbau-Verein (Adr.: Präsident 0. Mohr) 

372. Runtzler, Garten- Direktor, Hardenberg bei Nörten. 

373. Sältzer, Frau Baumeister, Eisenach. 

374. Salefsky, Kunst- und Handelsgärtner, Rastenburg i. Ostpr. 
.^7^ . fi.l„..w..c.f.,.„ Fürst, Coesfeld. ^ 

aL ,. 

Isgärtner, Celle i. Hannover. 

^.^. y. UV.. iauicuuun, vjrai, kjappau oei Glogau. 

Sn l' |chlagenteuffel Rittergutsbesitzer Ptiglitz bei Stralsund. 

380. V. Schlippenbach, Graf, -Arendsee bei Prenziau. 

381. Schhttgen, Kommerzienrath, Malimitz i. Schles. 

382. Dr. Schmidtmann, Bünde bei Herford. 
Leipzig, 



'Fr'aa' 



Rittergutsbesitzer, Ostrometzko bei Forde 
Schönburg-Glauchau, Graf Clemens, Gusow bei Seelow. 
V. Schöning, Frau Landrath, SaUentin bei Pöglitz i. Pomm. 
V. Schöning, Majoratsherr, Lübtow bei Pyritz. 
Schondorf, Garten-Inspektor, Oliva bei Danzig. 
Schrader, Kunstgärtner, Vechelde bei Braunsnhwpio- 
Schrefeldt, Garten-Inspektor, Muskau 



Angern bei Mahlwinkel. 
Qthal b 



393. Schütz, Amtsrath, Grünthal bei Biesenthal. 

394. Schwanecke, Kunst- und Handelsgärtner, Oachersleben. 

395. V. Sczaniecki, K., Rittergutsbesitzer, Miedzychod bei Schrin 
«oc „ ^"»^-.rr-Thoss, Frhr., Schollwitz bei Hohenfriedberg. 

J. F., Künste und Handelsgärtner, Striesen bei Dresdi 



i-Inspekto 
if, Baruth 



400. Spiess, Kunst- und Handelsgärtner, Lockstedt bei Hamburg 

401. Stachow, Gutsbesitzer, Zabelsdorf bei Grünhof-Stettin 

402. Stein, Garten-Inspektor, Breslau. 

403. Stendal, Verschönerungs-Verein. 

404. Stettin, Gartenbau'Verein (Adr.: Oberlehrer A. G. Linke Grünhof-StetHnl 

405. Sthamer, Fabrikbesitzer, Zittau i. Sachs. 
4C6. Strauss, Garten-Direktor, Cöln. 

407. V. Sydow, Rittergutsbesitzer, Bärfelde bei Neudamm 

408. Tänzer, Ed., Fabrikant, Leipzig. 
Uwaroffka (Smolensk-Moskauer 

ulbesitzer, Bernau. 

snhorst bei Hamburg. 
V. NVillamowitz-Möllendorf, Graf, Gadow bei Lanz per Wittenberge. 
V. Witte, Ritterschafts-Direktor, Falkenwalde bei Bärwalde i. Nm 
Wittmaack, Ferd., Kauftnann, Hamburg, St. Pauli, Langereihe 25. 
Wittstock, Land- und Gartenbau-Verein (Adr.: Gymnasial - Lehrer Fr. 



Verzeichuiss der Behörden, Vereine, Gesellschaften, 
Redaktionen etc., mit denen der Verein im Tauschverhältniss steht. 

1. Berlin, K. Landes-Oekonomie CoUegium. 

2. „ L. Simion'sche Buchhandlung (Verein z. Bef. des Gewerbefleisses). 

3. „ Gesellschaft der Gartenfreunde. 

4. „ Redaktion des „Deutschen Garten". 

5. „ botanischer Verein der Prov. Brandenburg. 

6. „ Redaktion der Zeitschrift „Isis". 

7. „ botanischer Garten. 

8. Bonn, Redaktion der Monatsschrift des Gartenbau-Vereins. 

9. „ naturhistorischer Verein für die Rheinlande und Weatphalen. 

10. „ landw. Verein für Rheinpreussen. 

11. Braunschweig, landw. Centralverein. 

12. Breslau, schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur. 

13. Brunn, K. K. landw. Gesellschaft. 

14. Cannstadt bei Stuttgart. Redaktion des Deutschen Garten-Magazina 

15. CarlsTuhe, Centralstelle für Landwiithschaft. 

16. „ Gartenbau-Verein für das Grossherzogthum Baden. 

17. Danzig, Gesellschaft der Naturforscher (Adr. Dr. Conwentz). 

18. Dresden, ökonomische Gesellschaft für das Kgr. Sachsen. 

19. Dürkheim, Pollichia (botacischer Verein). 

20. Erfurt, Vorstand des Verbandes deutscher Gärtner-Vereine. 

21. Frauendorf, Redaktion der Frauendorfer Blätter. 

22. Graz, K. K. lacdw. Gesellschaft. 

23. „ K. K. steietmärkischer Gartenbau-Vere^" 

24. Halle, Leopoldinisch-Garolinische Akademie. 



Hannover, Gartenbau-Verein für die Prov. Hannover. 
Heimannstadt, naturwissenschaftlicher Verein für Siebenbürgen. 
Kassel, landw. Centralverein (Adr.: Geh. Reg.-Rath Wendelstadt). 

„ „ Verein für Naturkunde. 

Klostemeuburg, Redaktion des Obstgartens (Dr. R. St oll). 
Königsberg i. Pr., physikalisch-ökonomische Gesellschaft. 
Leipzig, Verlag von Biedermaon's Cerjtralblatt für Agricultur - Chemi 
Leipzig, Botanisches Centralblatt. 
München, landw. Verein in Bayern. 

K. Akademie der Wissenschaften. 
Prag, Lotos, naturhistorische Gesellschaft. 
Red • ■■ ' "■ 

. Eis., Redaktion der botanischen Zeitung. 
Stuttgart, Centralstelle für Landwirthachaft. 

„ Redaktion der illustrirten Gatten-Zeitung. 
„ Redaktion der Monatsschrift für Obstbau u. Pomologie (0. Müller). 
Wien, K. K. Gartenbau-Gesellschaft. 

' igisch-botanische Gesellschaft. 

. des Österreich, landw. Wochenblattes. 
„ Redaktion der Zeitschrift „Flora". 
Zürich (Neumünster bei Zürich), Redaktion der Zeitschrift des Schweiz. 
Gartenbau -Vereins. 

Angers, Societe d'horticulture. 

Bordeaux, Societe d'horticulture. 

Bourg, Soc. d'horticulture de I'Ain. 

Boston, Society ot Natural History. 

Bne-Comte Robert, Redaktion des Journal des Roses. 



RedakS 



53. Cherbourg, Societe des sciences naturelles. 

54. Columbus, Ohio, State Board of agricultare. 

55. Florenz, R. Societa Toscana di Orticultnra. 

56. Gent, Redaktion der Revue de l'horticulture beige et etrangere. 

57. „ Redaktion des Bulletin d'arboriculture et de floriculture. 

58. „ Redaktion der Illustration horticole. 

59. Haarlem, Nederlandsche Maatschappij ter Bevordering van Nijverheid. 

60. Kopenhagen, Redaktiou der Dansk liavetidende. 

61. Leiden, Redaktion der Sieboldia. 

62. London, Royal Horlicultural Society, South Kensington. 

63. „ Linnean Society. 

64. „ Redaktion des Florist and Pomologist. 

65. „ Redaktion des Journal of horticulture. 

66. St. Louis, Academy of Science. 

67. Lyon, Societe d'horticulture du Rh6ne. 

68. Lüttich, Federation des Societes d'horticulture de Belgique. 

69. Moskau, Societe des Naturalistes. 

70. New-York, Lyceum of Natural History. 

71. „ State Agricultural Society. 

72. Paris, Societe centrale d'horticultiire de France. 

73. Philadelphia, Academy of Natural Sciences. 
■74. „ American Philosophical Society. 

75. Salem, Essex Institute. 

76. Washington, Smithsonian Institution. 
^^- „ Department of Agriculture. 



NamentUches Verzeiclmiss 

der Mitglieder der Gesellscliaft der Gartenfreunde Berlin's 

am 1. Januar 1881. 

Wirkliche Mitglieder. 

a Gärtner. 

1. Allardt, Kunst- und Handelsgärtner, Schöneberg bei Berlin, Botanische- 

gartenstrasse 2. 

2. Bacher, Kunst- und Handelsgärtner, Pankow bei Berlin, Berlinerstr 12. 

3. Bading, Kunst und Handelsgärtner, Weissensee bei Berlin. 

4. Bauch, Kunst- und Handelegärtner, Berlin O., Boxhagenerstrasse 

(Mosisch'scbes Haus). 
6. Bergemann, Kunst- und Obergärtner, Charlottenburg, Leibnitzstr. 74. 

6. Bluth, Kunst- und Handelsgärtner (Bibliothekar), S , Cottbuaerdamm 75. 

7. Buss, Kunst- und Handelsgärtner, Tempdhof bei Berlin, Dorfstr. 35 

8. Brettschneider, Kunst- u. Obergärtner, Berlin N., Schönhauser Allee 150. 

9. Bleyer, Garten-Inspector, Branitz bei Cottbus. 

10. Borchmann, Gärtnereibesitzer, Weissensee bei Berlin. 

11. Chone, Gättnereibesitzer, Berlin 0., Frankfurter- Allee 134 
12 Giemen, Gartenkünstler, Treptow bei Bylin. 

»3. Grass, Kunst- und Handelsgärtner, Beriin S., Schinkestr. 3. 

14. Crenzieu, Samenhändler und Grärtner, Schönebere bei Berlin, Botaniache- 

gartenstr. 8/9. 

15. Curio, Kunst- und Handelsgärtncr, Weissensee bei Beriin. 

16. Demmler, Kunst- und Handelsgärtner und Samenhändler, Berlin S.O., 

Dresdenerstr. 17. 

17. D ra wie Ijun, Kunst- und Handelsgärtner, Lichtenberg bei Berlin, Dorfstr. 

18. D r i e s e , Kunst- und Handelsgärtner, Gross-Camin bei Vietz an der Ostba 

19. Draheim, Kunst- und Handelsgärtner, SW., Alexandiinenatr 106, 



slsgärtner, SW., Alexandiinenatr 
,nd*^isgärtner. Bei' 



Ostbahn. 



Gärtnri 



lax, Kunst- und Haudelsgärlner, Berlin S., Haseahaide 10. 
Kuns.- und Lat dschaftsgärtner, Berlin W., Bülowstr. 69. 
cht, Kunst- und Obergärtner, Berlin 0., Schillingstr. 10/11. 
um, Garten-Ingenieur, W, Unter den Linden 11. 
r Obergärtner, Berlii 



, Köpnickerstr. 



2iS. üruDe, Kunst- und Handelsgärtner, Quedlinburg. 

29. Gude sen., Kuns*- und Handelbgäitner, (Bibliothekar-Stellvertreter) Berlin 

S., Hasen; a-de 8 a. 

30. Goehren, Samerhändler, C, Alexanderstr. 30. 

31. Goetze, Friedhofsgärtner, NO., Friedenstr. 82 (Petri-Kirchhof). 

32. HaberiLann, Königlicher Obergärteer, Berlin N., Monbijouplatz 6/9. 

33. Härder, Kun&t- und Handelsgärtner, Berlin N., Schönhauser-Ällee 7. 

34. Heinrich, Kunst- und Obergärtner, Schioss Filehne. 

35. Hessel, Prinzlicher Hofgättner, B rlin W., Wilhelmstr. 72. 

36. Hildmann, Kunst- und Handelsgärtn-r, Berlin N., Schulstr. 44. 

37. Hoewing, Kunst- nnd Handelsgärtner, Schöneberg bei Berlin, Hauptstr. 21. 

38. H offmann, M., Gärtnereibesitzer, Berlin S. , Köpnicke.str. 131. 

39. Hornemann, Kunst- und Obergärtner, Berlin W., Leipzigerplatz 11. 

40. Huhn, Kunst- und Handilsgärtner, W, Lützowstr. 90. 

41. Hintze, „ S., Am Urban (Erziehungs-Anstalt). 

42. Hoffmann, Hofgärtner Sr. Kgl. Hoheit des Prinzen Albrecht v. Preusseu, 

(Schriftführer-Steilvertreter) W., Wilhelmstr. 102. 

43. Hoser, Peter, Kunst- und Handelsgärtner, Wai-schau. 

44. Jaenicke, Kunst-, Handels- und Landschaftsgärtner, Berlin N.W., 

Moabit, Gerhardtst'. 1. 

45. Jawer, Kunst-, Handels- und Landschaftsgärtner, Sohönhauaen bei Berlin. 

46. Janicki, Kunst- und Landschaftsgärtner, W., Genthinerstr. 22. 

47. Kaeding, Kunst- uud Hand lagäitner, Schöneberg bei Burlin, Hauptstr. 24. 

48. Kaufmann, Kunst- und Landschaftsgärtner, Berlin S., Fiirstenstr. 10. 

49. Kempien, Kunst- und Handelsgärturr, Berlin S W., Hafenplatz 2. 
50 Kie3ewette% Kun&t- und Ilandelsgärtner, Genthin. 

51. . Kluge, Kunst- und Obergärtner, Berlin N,, Wörtherstr. 2. 

n, Kunst- und Handelsgärtner, Berlin N, Schönhauser Allee 98. 



53. Kr gel, Kunst- und Obeigärtner, W., Hopfengarten an der Frobenst. 
" ^' opp, Kunst- und Handtlsgärtner und " '" " - - - 
Belle-Allianceplatz 17 



Kropp, Kunst- und Handtlsgärtner und Samenhändler, Berlin S W., 
"' ■' 'llianceplatz 17. 

Kunst- und Obergärtner im Königlichen Justizministerium, 

haftsgärtner, Berlin S.W., Belle- 



Königl. Hoflieferant, Berlin W., 

irdes, Kunst- und Handelsgärtner, Königl. Hoflieferant, Berlin W., 

Potsdamerstr. 22 a. ' 
•eutziger, Kunst- und Handelsgärtner, Lichtenberg b. Berlin, Dotfstr. 28. 
rause, Kunst- und Handelsgärtner, Neusalz an der Oder, 
lehler, Kunst- und Obergärtner, Tempelhof bei Berlin. 
ickner, Kunst- und Handelsgärtner, Steglitz bei Berlin, Albrechtstr. 50 

(Vorsitzender-Stellvertreter), 
luche, Königl. Garten-Inspektor, Wildpark bei Potsdam, 
mphul, Kunst- und Handelsgärtner, Berlin S., Grimmstr. 39. 
iuz, Kunst- und Handelsgärtner, Neuendorf bei Potsdam 
mpre cht, Gärtnereibes., Stadtv., Berlin 0., Frankfurter-Allee 116/1 18. 



Lii dicke, R, Gärtnereibesitzer, Schöneberg bei Berlin, Hauptstr. 45. 
Loock, Kunst- u. Handelsgärtner, Specialität: geteocknete Blumen nnd 

Gräser; Inhaber einer Bouquet- und Kranzfabrik, Berlin N.W., 

Friedrichstrasse lO!. 
Manso, Kunstgärtner, Berlin \V., Leipzigerstr. 20/22. 
M a r t e n s , Kunst- u. Handelsgärtner, Lichterfelde bei Berlin, 
Meissner, Kunst- und Obergärtner, Goerbitsch bei Reppei 
Mosisch, Kunst- und Handelsgärtner, Baumschulenbesitz« 



, Baumschulenbesitzer, Samen- und Pflanzenhandlung, Berlin N., 



Maechtig, Städtischer Garten-Direktor, Berlin N., Humboldtshain. 
Maecker, Kunst- und Obergärtner, SO., Schlesischeatr. 23.- 
Mewes, Kunstgärtner und Samenhändler, Berlin 0., Grosse Frank- 

furterstr. 123. 
Müller, Kirnst- und Handelsgärtner, Berlin S., Kommandantenstr 48. 
Neiss, Kunst- imd Handelsgärtner, Friedrichsberg bei Berlin, Fränk- 

Neumann, Kunst- und Handelsgärtner, Schöneberg bei Berlin, Co- 



Kunst- und Handelsgärtner imd Samenhändlei* Berlin SW., 
Lüidenstrasse 98. 

Niemetz, Kunst- und Handelsgärtner, Berlin S., Hasenhaide 35b. 

Niemetz, Kunst- und Handelsgärtner, Rixdorf bei Berlin, BerUnerstr. 40. 

Nitze, Gartenkünstler, Berlm C, Breitestr. 16. 

Ostwaldt, Kunst- und Handelsgärtner, Berlin 0., Boxhagenerstrasse 
(Ostwaldt'sches Haus). 

Papenfuss, Kunst- und Obergärtner, Berlin 0., Frankfurter-Allee 72. 

Potsdam, Gartenbau-Verein, (Adr.: Kirchhofs-Inspector Eichler, Potsd.) 

Rathke, Kunst- imd Obergärtner, Berlin 0., Frankfurter-Allee 134. 

Reineke, Kunstgärtner, Berlin S., Britzerstr. lÖ. 

Roennenkamp, Städtischer Garten-Inspektor, Berlin N., Humboldts- 
hain (Direktorialgebäude). 

Roettger, Kunst- und Handelsgärtner, Berlin W., Potsdamerstr. 2. 

Repke, Kimst- u. Obergärtner, Fürstenwalde, Lebuserstr., Villa Pietsch. 

Sarre, Kunst- und Handelsgärtner, Schöneberg bei Berlin, Hauptstr. 

Schneider, Kunst- imd Handelsgärtner, Berlin C., Linienstr. 69. 

Schröter, Kirnst- und Handelsgärtner, Schöneberg bei Berlin, Grune- 
waldstrasse — Schröter'sches Haus — (12). 

Schützler, Kunst- und Handelsgärtner, Berlin C., Rosenthalerstr. 42. 

Schult ze, Fr., Kunst- und Handelsgärtner, Charlottenbiu-g, Bismarck- 

Schultz, Gust. Ad., Kunst- und Handelsgärtnereibesitzer, Königl. Hof- 
lieferant, Berlin 0., Weidenweg, Eckartsberg (Schultz'sches Haus). 
Sello, KönigHcher Hofgärtner, Potsdam, Neues Palais. 
Sitzen stock, Kunst- und Handelsgärtner, Berlin S., Bärwaldstr. 
Spaeth, Baumschulenbesitzer, Vorsitzt^nler, S.O., Köpnickerstr. 154. 
Speck, Kunst- und Handelsgäitner, Schöneberg bei Berlin, Colonnen- 

Strenger, Landschaftsgärtner, Berlin S.W., Bemburgerstr. 7. 
Sasse. Kunst- imd Handelsgärtner, Berlin W., Stpglitzerstr. 3/5. 
Simmack, Kunst- imd Handelsgärtner, Stotthoff bei Lübbenau. 
St^inhPrg, „ SW , Ritterstr. 51. 

Kunst- und Handelsgärtner, Berlin W., Mauerstr. 27. 
, Kunst- u. Handelsgärtner, Berlin W., Kurfürstenstr. 116/117. 
Kunst- und Handelsgärtner und Samenhändler, Berlin W., 
Potsdamerstr. 134 b. 



Tempe 
Thiele 



113. Topp, Kmist-jmd Obergärtner, Rittergut Schmerwitz bei Wiesenburg, 

Kreis Zauch-Belzig. ^ 

114. Trappe, Kunst- und Handelsgärtner, Angermünde. 

115. Ulrich, Kirnst- und Handelsgärtner, Warschau. 

116. Wahls dorf , Kunstgärtnereibesitzer, Berlin 0., Grosse Frankfurterstr 26 

117. Weber, Kunst- imd Handelsgärtner, Lichtenberg bei Berlm, Dorfstr. 21a. 

118. ;j eckmann Gärtnereibesitzer, BerUn S., Schinkestr. 3. 

,in w^'"^f^^' ^V^^^-}^^ Handelsgärtner, Berlin S., Bergmannstr. 48/50. 

120. Wendt Kunst- und Handelsgärtner, S., Hasenhaide 9a (Schatzmeister- 

Stellvertreter). 

121. Wendt, Kirnst- und Landschaftsgärtner, Berlin S., ürbanstr 80 

122. Wendt, Kunst- und Obergärtner, S., Hasenhaide 9a 

123. Wiehle, Kunst- und Handelsgärtner, Schöneberg bei Berlin, Mühlenstr 23 
imd Handelsgärtner (Blumenzwiebelzüchter), Ber- 



, Cottbuse 



„, . , , - ^ :en-Inspektor, Berlin S., Sebastianstr. 7. 
Wei ekelt, Kunst- und Obergärtner, Demmm i Pomm 
Witz lau, Kunst- und Obergärtner, Berlin W., Thiergarfcenstr 
Zimmermann, Kunst- und Obergärtner, Berlin W., Königgrätzei 
Zabel, Ferdinand, Kunst- xmd Handelsgärtner, Libau in Kurh 



- ^ Musikalienhändler, Berlin L., ^^^^^^^vx. .i,. 

Bergmann, Kgl. Kommerzienrath, Berlin SW., Krausenstr. 39 

Biesel, Fabrikbesitzer, Beriin N., Felirbellinerstr. 45. 

Bohrloch, Luxuspapierfabrikant, Berlin N., Felirbellinerstr. 88. 

Beer mann, Ligenieur, Berlm S.O., Vor dem Schlesischen Thore 1. 

Cohn, Banqmer, Berlm N.W., Unter den Linden 54. 

p e mm l er, Luxuspapierfabrikant, Berlin S., Brandenburestr. 45. 

Drosdowsky, Fabrikbesitzer, Berlin N., Kesselstr. 38. 

Dunkel, Amtsvorsteher, Tempelhof b. Berlin, Dorfstr 24 

Ehrlich, Kastellan im Königl. Kriegs-Ministerium, W., Wilhelmstr 81 

(Leipzigerstr, 5). 
Eichler, Rentier, SW, Ritterstr 31 
Erdmann, Buchdruckereibesitzer, W., Behrenstr 7 
Fritze, Zimmermeister, Stadtverordneter, Berlin S.W., AlteJakobstr. 126. 
^ T7,-. -' "^, Kaufmann und Weingrosshändler,BerlinS.,AIexandrinenstr. 44 

Professor an der hiesigen Universität und Gustos des 
jvuiugi. jierbariums, Berlin S.W., Friedrichstr. 227 

Heymann, Banquier, Berlin N.W., Unter den Linden 59. 

Holfmann, Kanzleirath im Königl. Ministerium der öffentlichen Ar- 
beiten, \V.,Potsdamerstr. 45. 

Hoffmann, Rentier, SO., Köpenickerstr. 131. 

Haber, Fabrikbesitzer, Berlin 0., Alexanderstr. 14 

Haupt, Rentier, Berhn W^, Potsdamerstr. 39a. 

Jansa, Gutsbesitzer, Rixdorf bei Beriin, Beriinerstr. 67 

Karchow, Rathsmaurermeister, Beriin C., W^allstr. 21. 

Kletschke, Kanzleirath im Königl. Ministerium des Innern. Berlin S. . 
Waldemarstr. 57 (Schriftführer). 

Koppen, Rentier, BerUn S.O., Mariannenstr. 47 

Krefeldt, Maurermeister, Berlin S.W., Möckemstr. 82/83. 

Krop, Renüer, Berlin S.O., Wienerstr. 10. 

Kaul, Gas-Inspektor, Schöneberg b. Beriin, am Wege nach Tempelhof. 

Lehmann, Rentier, Beriin S.O., Lausitzerstr. 40. 

Lewent, Buchdruckereibesitzer, Berlin N.O., Landsbergerstr. 32. 

Luning, Fabrikbesitzer, Braunschweig. 

M«^vw«i^ Kaufmann, Ritterguts- xmd Fabrikbesitzer, Berün W., 



33 Mewes, Rentier, Berlin 0., Grosse Frankfiirterstr. 123. 
34' Nitsche, Königl. Hoflieferant, Berlin W., Leipzigerstr. - 
35. Nicolai, Steindrucker, SO , Waldemarstr^ 57. 



imd Fabrikbesitzer, Berlin S.W., Dorotheenstr. 45. 
an, Medailleur, Berlin C, Neue Friedrichstr. 56. 
Rentier, Berlin S.W., Hallesches Ufer 21. 
br Poselger, Chemiker, Berlin N., Schönhauser-Allee 1^3. 
Paetel, Gutsbesitzer und Stadtverordneter, Berlin W., Carlsbacl 16. 
Richnow, Gutsbesitzer, Tempelhof bei Berlin 
Schultze, Rentier, Berlin 0., Andreasstr. 65. 

Schulze, Stuben- und Uekorationsmaler, Berlin S.O., Skalitzerstr. 45. 
Schleinitz, Thonwaarenfabrikant, Weissensee bei Berlin. 
Graf Reinhard zu Stolberg -Wernigerode, Gross -Camin bei Vietz 

an der Ostbahn. 
Dr Thomas Prediger an derNikolaikirche, Berlin C, Friedrichsgracht 57. 
Wilke Gutsbesitzer, Horstenstein bei Marienfelde an der Dresdener Balm. 
Winde, Rentier und Direktor, Charlottenburg, Spreestr; 1. 
w^'dner, Fabrikant, Berlin S.W., Gneisenaustr. 5. 

phU. Wittmack, General - Sekretair des Vereins z 
' , Custos des Königl. landwirthschaftlic 

i der Universität, Berlin N., Invaüdenstr. 42/46. 



8rr^ 



Dr. pl 
Gs 



Ueber Oewächshäuser. 

Vortrag, gehalten in 

von Dr. Tschaplowitz. 
Hierzu Tafel II. 
(Fortsetzung.) 

Bevor wir jedoch auf eine nähere Betrachtung der Periodizität 
der Wärme eingehen, ist es um der besseren Verständigung willen, 
sowie des besseren Verständnisses der Natur der Wärme überhaupt 
wegen nothwendig, einigen allgemeineren Punkten unsere Aufmerk- 
samkeit zu widmen. 

Wenn die Innenwärme lebender Pflanzen und Pflanzen- 
t heile mittelst des Thermometers, Thermoscops oder anderer geeig- 
neter Instrumente bestimmt wird, so erhebt sich dieselbe, soviel bis 
jetzt beobachtet werden konnte, nur zur Zeit einzelner Epochen — 
zur Keimzeit, Blüthezeit, Fruchtreife — über die Temperatur der in 
nächster Umgebung angebrachten Thermometer. Die in genannten 
Epochen auftretende Wärme wird als Eigenwärme der Pflanze, ent- 
standen durch Oxydationsvorgänge, also als Athmungswärme auf- 
gefasst. Im Allgemeinen aber findet — geringe Abweichungen, welche 
in der physikalischen Natur feuchter Pflanzensubstanz begründet sind, 
ausgeschlossen — gewöhnlich ziemliche Uebereinstimmung mit der 
äusseren Temperatur statt, d. h. ein in irgend eine Pfl^ze oder 
einen geeigneten Pflanzentheil gestecktes Thermometer zeigt nahezu 
dieselbe Temperatur als ein dicht daneben in gleicher Höhe und 
gleicher Sonne oder gleicher Beschattung befindliches (höchstens 
einen oder einige Centimeter weit entferntes) Instrument. Natürliclj 



— 72 



ist bei derartigen Beobachtungen die Lnftströmnng abzuschliessen. 
Dicke und saftreiche Organe folgen dieser Temperatur langsam und 
nicht bis zum Maximum. Die von mir 1877 auf dem Terrain des 
königl. pomolog. Institutes zu Proskau angestellten zahlreichen Be- 
obachtungen und Temperaturbestimmungen, welche ich im laufenden 
Sommer fortsetzte, bestätigen das Angegebene ebenfalls. Diese in 
Pflanzen, besonders freilich den niederen — ich wählte vorzugsweise 
Helianthus annuus — gefundenen Temperaturen stimmen nun zwar 
überein mit den Temperaturen daneben, also in niedrigen Luft- 
schichten, befindlicher Instrumente, nicht aber mit dem, was wir im 
Allgemeinen als Lufttemperatur bezeichnen, sondern sie übersteigen 
die letztere meist beträchtlich. Die Lufttemperatur wird gewöhnlich, 
wie in den meteorologischen Stationen, an im Schatten oder hoch 
über dem Boden angebrachten Instrumenten abgelesen. Jene höhere 
Temperatur rührt zumeist daher, dass die von der Sonne kommende 
Wärme die Luft durchdringt, ohne^ie zu erwärmen, bis sie einen besser 

i Licht- 
strahlen (letzterein dunkle Wärmestrahlen verwandelt) reflektirt, undso- 
mit in diesen untersten Luftschichten doppelte Strahlung stattfindet, und 
dass endlich die Luft in diesen Schichten mehr stagnirt und auch 
reicher an Wasserdampf ist, als die höheren Schichten. Die Unter- 
schiede zwischen diesen Insolationstemperaturen und den Luft- 
temperaturen betrugen bei meinen Beobachtungen im Sommer 
zwischen 0,1 m und 0,5 m Höhe über dem bewachsenen Boden am 
hohen Tage meist über 5" C. und. zwischen 0,i m und der Luft- 
temperatur oft mehr als 10^ C! Um soviel wird also ein nicht zu 
dicker Ptianzenstengel unten mehr erwärmt als oben! Wie hoch mag 
erst die Insolationstemperatur in den einzelnen Organen tropischer 
Pflanzen zu steigen vermögen ! W^enn man bedenkt, dass die 
Temperatur (der oberen Schicht) des heissen Wüstensandes auf 50 
bis 70" C. zu steigen vermag, und mit diesen Temperaturen beob- 
achtet worden ist, so ist man wohl berechtigt, bis nahe 40" C. als 
Insolationstemperatur, selbst über bewachsenem (und mehr oder 
weniger beschattetem) und bewässertem Boden, in heissen und wärmeren 
Ländern Mittags zu veranschlagen : habe ich doch in Oberschlesien 
bei meinen Beobachtungen 33 und 34*^ C in 0,i m Höhe öfter wahr- 
genommen (s. Monatsschrift 1877, S. 112). Je höher man am Stengel 
hinaufgeht, um so geringer wird die Insolationswärme, bis sie nach 
und nach sich der Luftwärme anschliesst. Die Insolationstemperatur 
beherrscht in wärmeren Zonen wahrscheinlich höhere Schichten als in 
unserem Klima. 

Von der Insolation ist die Bodentemperatur (und somit auch meist 
die der ^flanzenwurzeln) in den oberen Schichten abhängig, von 
der sich im Allgemeinen sagen lässt, dass sie Morgens bis spät 
Vormittags kälter, Abends und Nachts höher ist, als die der Luft. 
Wenn längere Zeit kein Sonnenschein herrscht, so theilt die die 
Pflanze berührende Luft ihre niedere Temperatur — dieselbe ist 



jedoch trotz allerdem immer noch höher als die in hohen Luftschichten 
herrschende — durch Leitung mit. Diese Art der Mittheilung geht 
viel langsamer vor sich, und zwar um so langsamer, je unbewegter 
die wärmende Luftschicht ist. Die Pflanze empfängt alsdann dem- 
nach nicht nur weniger Wärme, sondern wird sich auch weiter ent- 
fernt von den Wendepunkten, dem Maximum, allerdings auch dem 
Minimum des Tages halten. Die Luftwärme ist demnach nicht nur, 
was die Höhe der Temperatur, sondern besonders, was die Schnelligkeit 
der Mittheilung anlangt, von geringerem Werthe als die Insolations- 
temperatur. Die Pflanzen der freien Natur stehen also unter den 
Einflüssen beider Arten von Wärme, der geleiteten und der 
strahlenden Wärme. In Gewächshäusern diesem Verhältniss Rech- 
nung zu tragen, dürfte freilich schwierig, vielleicht unmöglich sein, 
und es müsste sonach, um den Ausfall an Intensität, der durch den 
Mangel an strahlender Wärme hervorgerufen wird, zu decken, eine 
(zeitweise) Erhöhung der Luftwärme eintreten. Indessen lässt sich 
doch vielleicht Einiges aus dem, was wir über die Strahlung und 
Absorption der Wärme wissen, verwerthen. So ist z. B. bekannt, 
dass Metalle, und besonders wenn sie glatte glänzende Oberflächen, 
haben, schlechte Strahler sind; auch die Dichte derselben hat Ein- 
fluss auf das Ausstrahlungsvermögen. Die Heizröhren der Häuser 
dürften deswegen vielleicht besser ihren Zweck erfüllen, wenn sie aus 
Thon gefertigt wären, denn Thon gehört zu den guten Wärme- 
strahlern, oder wenn sie wenigstens mit einem rauhen nicht glänzen- 
den Anstrich versehen würden: auch dürfte jede andere Form ein 
günstigeres Ergebniss liefern, als die allgemein gebrauchte cylindrische. 
Auf jeden Fall ist die Heizfläche derselben sehr gering. 

Bevor wir zur Betrachtung der Periodizität der Wärmeeinwirkung 
auf die Pflanzen schreiten, gestatte ich mir, noch daran zu erinnern, 
dass wir bislang keinen Maassstab, keinen sicheren Anhalt für das 
den Pflanzen zu verabfolgende Maass von Wärme besitzen, und dass 
die einzige gebräuchliche Richtschnur, das Einhalten gewisser Mittel- 
temperaturen in vielen Fällen sehr vom Ziele abweichende Resultate 
geben muss. 

Machen wir uns zunächst klar, was eigentlich als feststehende 
Erfahrung angesehen werden kann. 

Wir wissen erstens, dass die Pflanze im Allgemeinen 
der Wärme von bestimmter Temperatur bedarf, zweitens, 
dass dieser Temperaturgrad zur richtigen Zeit eintreten, 
und drittens, dass die Herrschaft desselben sich über eine 
genügend lange Zeit erstrecken muss. Eine nähere Aus- 
führung dieses glaube ich an dieser Stelle gegenüber dem erfahrenen 
Praktiker mir ersparen zu dürfen. 

Versucht man nnn, einen richtigen Ausdruck, welcher" allen drei 
genannten Faktoren Rechnung zu tragen vermag, zu finden, so kann 
man kaum anders, als die betreffenden Zeitmomente — Jahreszeiten, 
Monate, Tage etc. oder die Epochen des Pflanzenlebens — , etw^a 
Keimzeit, Blüthenansatz etc. (eigentlich ist ja jeder Tag eine Epoche 



im Pflanzenleben) mit dem betreffenden zugehörigen Temperatur- 
bedarf zu notiren und die Dauer dieser Einwirkung ebenfalls zu 
bemerken. Es empfiehlt sich hierzu als sehr bequem und über- 
sichtlich die graphische Methode, die Temperaturen als Funktionen 
der Zeit auf ein Ordinatensystem aufzutragen, wie dies zu verschie- 
denen anderen Zwecken schon vielfach geschehen ist. (Göppert, 
üeber die Wärmeentwicklung in den Pflanzen. Dove, die Ver- 
breitung der Wärme auf der Oberfläche der Erde. Fritsch, Ther- 
mische Konstanten etc. etc.) 

Es spricht jedoch hierbei noch ein wichtiges Moment mit, dessen 
Nichtbeachtung jeden Nachweis über den Nutzeffekt der Wärme 
illusorisch macht. Ohne allzuweit abzuschweifen, sei hier nur ge- 
stattet anzuführen, dass nur dann, wenn alle übrigen bedingenden, 
d. h. nothwendig mitwirkenden Faktoren in überragender Menge der 
Pflanze zur Verfügung stehen, von einer Messung des Wärmeeinflusses 
und also auch von einer Feststellung der nothwenigen Temperaturen 
die Rede sein kann. 

Sehen wir uns nun für die im Interesse unserer in den Warm- 
häusern internirten Pfleglinge die betreffenden Temperatur- Notizen 
aus den Vaterländern derselben oder aus den Ländern, wo sie am 
besten gedeihen, an, so müssen wir eingestehen, dass die im All- 
gemeinen geübte Praxis nicht sehr mit den Verhältnissen in der 
freien Natur übereinstimmt. Es werden gewöhnlich nach alther- 
kömmlichen Regeln gewisse Mitteltemperaturen festgehalten und den 
Temperaturschwankungen viel zu wenig Rechnung getragen, ja die- 
selben geradezu möglichst vermieden. So giebt Hartwig (Gewächs- 
häuser und Mistbeete von J. Hartwig) für das Warmhaus „nicht 
unter 10" R.", für das Orchideenhaus die Durehschnittstemperatur 
von 14" R., für das Victoriahaus die von etwa 20" R. an. Diese 
Praxis mag auch bei vielen dem Seeklima entstammenden Gewächsen 
ganz angebracht sein, indessen wird sie anderen (wahrscheinlich 
gerade den „schwierig zu kultivireuden") nicht zusagen. 
(Fortsetzung folgt.) 



Yegetations-Charakter der Samoa-InselB. 

Nach eigenen Beobachtungen zusammengestellt 
E. Betche. 

(Schluss.) 
Je höher wir die Berge hinaufsteigen, um so mehr nimmt die 
Feuchtigkeit zu, und auf der Höhe des Gebirgskammes, wo die 
Seewinde ihren Wassergehalt niederschlagen, ist die Luft durch 
diesen Naturprozess in gleicher Weise mit Dampf gesättigt, wie es 
in den belgischen Warmhäusern durch beständiges Nasshalten der 
Heizungsröhren erzielt wird. Schwere Tropfen hängen an den zarten 



75 



Laubkronen der Farne, nnd das die Bäume überziehende Mooskleid 
gleicht einem getränkten Schwamm: Alles trieft von Feuchtigkeit, 
wie die th augetränkten Felder in unserer deutschen Heimath an 
einem kühlen Sommermorgen. Hier bat das Reich der Farne die 
Obergewalt. Gigantische Angiopteris und Marattia wölben ihre 
mächtigen Wedel über dem , schmalen Pfade, den die Eingeborenen 
von der Nordseite her nach der Südküste durch die Berge bahnten, 
und neben ihnen wiegen graciöse Alsophila-, Cyathea- und dick- 
stämmige Balantium -Arten ihre zarten Fiederkronen auf den bis zu 
40 Fuss aufsteigenden Stämmen. Darunter bilden feingefiederte 
Microlepia, Hypolepis und Pteris ein ununterbrochenes Dickicht, mit 
zahlreichen Lomaria und Asplenium gemischt, auch die überaus 
zierlichen Trichomanes und Lindsaea finden hier einen geeigneten 
Boden zu ihrer Entwicklung. 

Aber nicht am Boden ist die grösste Zahl der Farne zu suchen, 
sondern auf den Stämmen und hoch in den Kronen der Bäume. Die 
nie versiegende Feuchtigkeit der Atmosphäre macht ihnen den 
schlammigen Grund entbehrlich; und selbst diejenigen Arten, welche 
die mütterliche Erde nicht gänzlich missen wollen, streben wenigstens 
mit kletternden Rhizomen so hoch als möglich an den Stämmen 
empor, einen auffallenden Gegensatz zu anderen Gattungen bildend, 
welche ihre zierlichen Kronen auf schlanken Schäften in freier Luft 
wiegen. Die unter der Last des Alters zusammengebrochenen 
Stämme bieten somit dem Forscher das reichste Material für seine 
Zwecke; ein einziges Exemplar derselben verschafft dem aufmerk- 
samen Sammler oft Dutzende von Farnspecies. In dem dichten 
Mooskleide des mit Freycinetien und schlitzblättrigen Philodendron 
bekleideten Stammes sind die winzig kleinen Hymenophyllum ver- 
steckt, so klein und zierlich, dass sie beim flüchtigen Hinblicken 
kaum vom Moose zu unterscheiden sind, üeberaas zarte Tricho- 
manes, Lindsaea und Lastraea mit fadenförmigen Rhizomen ranken 
daneben empor; kletternde Asplenium-, Aspidium- und Achrostichum- 
Arten bedecken den unteren Stammtheil, während wir höher hinauf 
den zahlreichen Polypodium, Phymatodes und Nephrolepis begegnen. 
Damit ist aber das Register keineswegs erschöpft. Als ständige 
Bewohner treffen wir auf den halbvermoderten Rindenauswüchsen 
der ehemals so imponirenden Stämme auch die mannigfaltigsten Species 
aus den Gattungen Xephrodium, Antrophyum und Davallia nebst 
dem sonderbaren, durch' seinen Namen schon hinreichend bezeichneten 
Oleandra neriiformis. Zierliche, grasartige Büschel, die sich bei 
genauerer Betrachtung als Monogramme- Species erweisen, hängen 
senkrecht von den Aesten hernieder, fast immer von bandförmigen 
Vittaria- Arten begleitet. Die dunkleren, randständigen Fructifi- 
cationsstreifen der letzteren verleihen ihnen ein äusserst elegantes 
Aussehen und liefern ein trefiliches Beispiel, wie die Verzierungs- 
flora der Tropen als Muster für die künstlerischen Decoiationen 
vieler Gewerbe zu verwertheu ist. Hoch in den Kronen der Bäume, 
nur an den zahlreichen gestürzten Stämmen für den Sammler zugäng- 



76 — 



lieh, baueen kleine, wunderbar gestaltete Farne anderer Gattungen, 
von denen noch manche namenlos ihrer Taufe harren. Selbst die 
zahlreichen Schlingpflanzen, die sich festonartig in eleganten Bogen 
von Baum zu Baum spannen oder schleierartig herniederhängen, sind 
wieder so dicht mit Orchideen und Farnen besetzt, dass ihre oft nur 
bindfadenstarken Ranken überaus zierlichen Guirlanden gleichen, 
welche die Natur selbst mit künstlerischer Hand gewoben hat. 

Leider fehlt den Gebirgen Upolus ein wesentlicher Reiz, welcher 
in der übergrossen Fülle der Vegetation verloren geht. Ich meine 
der freie Bli. k von der Höhe über Berg und Thal, über die dichte 
Waldung hinweg bis an die Küste, wo die Fluthen des Oceans den 
Horizont einschliessen und eine unbegrenzte Verbindung mit den 
Gestaden beider Hemisphären eröffnen. Denn von den Gipfeln der 
Berge hat man nirgends einen freieren Rundblick als anderswo tief 
im Walde, wo der Wanderer durch die dichten Laubkronen hindurch 
kaum den Stand der Sonne zu ermitteln vermag, um seine Tageszeit 
darnach zu bestimmen. Die landschaftliche Schönheit des Gebirges 
ist vielmehr in seinen wildromantischen Schluchten zu suchen, wo 
uns schäumende Kaskaden entgegenbrausen, während an ihren Aus- 
gäDgen idyllisch schöne Flussthäler die Aufmerksamkeit fesseln, da 
die schlanken, saftgrünen Bambusgebüsche einen lebhaften Kontrast 
zu den breiten Laubkronen der Urwaldsriesen bilden. Von diesen 
erregen besonders die kolossalen Banyanen (Ficus prolixa) unser 
Interesse. Als schwache Pflänzchen steigen sie ursprünglich an 
anderen Bäumen empor, sich dicht an das erkorene Opfer an- 
schmiegend. Allmälig schwillt der unscheinbare Schwächling zu 
einem bedeutenden Umfanee an; aus dem hilflosen Begleiter, weicher 
seinen Gastfreund zu Anfang um Unterstützung anflehte, wird ein 
lästiger Aufdringling, der schliesslich seinem Beschützer die Nahrung 
raubt und dessen ganze Lebenskraft für sich in Anspruch nimmt. 
Die Seitenauswüchse des Schmarotzers legen sich um den Stamm 
des Baumes, um nach ihrer Berührung zu einem geschlossenen Ringe 
zu verwachsen und neue Ausläufer zu treiben. So umfassen sie den 
Stamm wie mit eisernen Klammern und überziehen ihn mit der 
Zeit als eine un regelmässig gebildete, gitterförmig durchbrochene 
Röhre. Aber selbst wenn der Baum im Innern dieser erstickenden 
Umarmung schon längst zu Staub zerfallen ist, grünt der Mörder 
ruhig weiter. Die knorrigen Aeste senden schlanke Luftwurzeln 
in die dichte Humusdecke des Bodens, welche dort Stand fassen und 
zu starken Stämmen heranwachsen. Jeder derselben beginnt den eben 
genannten Prozess aufs Neue; seine Seitenäste treiben wiederum 
Luftwurzeln in den feuchten Grund, die ihrerseits das alte Spiel 
fortsetzen. So entstehen im Laufe der Jahrhunderte jene gewaltigen 
Riesen, deren Stamm- und Wurzelgewirr oft einen Drirchmesser von 
80 Fuss besitzt und sieh 60 Fuss hoch zu einer mächtigen Krone 
verzweigt, die in ihren Dimensionen vollständig der riesigen Unter- 
lage entspricht. Denkt man sich dieses riesige Naturwerk nun dicht 
mit epiphytischen Orchideen und Farnen bedeckt und von Schling- 



pflanzen durch webt, so hat man das anschaulichste Bild von der 
üeppigkeit der Tropenvegetation vor sich, denn nur wenige ßaum- 
gestalten vermögen die Grossartigkeit desselben zu erreichen, keine 
einzige aber wird jemals diesen Reichthum übertreffen. 

Karl von Scherzer führt als Haupteindruck der Vegetation 
Centralamerika's den Umstand an, dass bei uns die Blüthenpracht 
unter dem Auge, in den Tropen über demselben zu suchen sei. Für 
die Samoa- Inseln hat dieser Ausspruch keine Gültigkeit; Blüthen- 
pracht ist hier nur in den Küstenstrichen zu finden, denn die Dämmerung 
des Urwaldes scbliesst die fröhlichen Kinder des Lichtes fast gänz- 
lich aus, und an schönblühenden Schmarotzern ist keine übergrosse 
Auswahl vorhanden. Die prachtvollen Orchideen und Lianen, die 
den amerikanischen Tropen hauptsächlich ihren Farbenreichthum 
gewähren, sind von der Natur hier stiefmütterlich behandelt und nur 
wenige Erdorchideen von grosser Schönheit vermögen Ersatz für die 
geringe Zahl ihrer epiphytischen Verwandten zu gewähren, welche 
nur kleine, grünliche Blüthen entwickeln. Doch, fehlt auch den 
samoanischen Bergen der liebliche Blumenschmuck, so entschädigen 
die Schönheiten des in ungezähmter Kraft prangenden Urwaldes jeden 
Naturfreund für diesen Mangel. 



Die Kultur oder Zucht der Balsamiue. 

Von Joseph Klar-BerUn. 

Die Balsamiue, Impatieus Balsamina L., eine in ihrer Urform 
aus Ostindien stammende Pflanze, ist ein Sommergewächs, das sich 
bei uns, wie allbekannt, seit langer Zeit eingebürgert hat, und nament- 
lich auf dem Berliner Markt eine wichtige Rolle als Topfpflanze spielt. 
Die Blumen selbst finden hingegen für Bouquets Verwendung, theils 
in Gesellschaft der Rosen und nach der Rosenzeit als Vertreter der 
ersteren, so lange es überhaupt Balsaminen giebt. Die Schaufenster 
der Berliner Blumenhändler können dies bestätigen. — Selbstredend 
verstehe ich hierunter die gefüllten Blumen, da die einfachen nicht 
mehr in den Gärten geduldet werden, und es sich auch nicht ver- 
lohnen würde, sie zu verwenden. Wohl selten sind Blumen so 
wandelbar, oder besser so abhängig von der Witterung, dem Stand- 
orte, der Behandlung etc., wie gerade die Balsamine. Es werden 
namentlich zwei Formen kultivirt und zwar: eine hohe Rosen- 
Balsamine und eine niedrige ßalsamine und hiervon nur die reinen 
Farben, die aus granatroth, weiss, blassgelb, chamois und rosa be- 
stehen. Die gefüllten Camellien-Balsamiuen oder auch punktirten 
Rosen-Balsaminen finden keinen Anklang im Handel, wohl aber in 
Privatgärten. Den Samen, der, was namentlich die gefüllten betrifft, 
hier schwerer reift, beziehe ich aus dem südlichen Europa, da hiesige 
Ernten nie sicher zu erwarten sind. Er bringt aber auch dann nur 
überwiegend recht gefüllte Exemplare, wenn der von gefüllten Blumen 
entnommene Samen einige Jahre alt geworden. Das Alter des 



Samens kann sich nach meiner Erfahrung bis anf sieben Jahre er- 
strecken; doch kann ich das genaue Alter, bis zu welchem er auf- 
geht, leider heute noch nicht angeben. Frischer Samen bringt auch, 
aber seltener gefüllte Blumen. Es ist daher nicht leicht, gute ge- 
füllte Balsaminen zu haben, da man in Samenhandlungen nicht 
immer auf Wunsch ältere Waare hiervon bekommt. 

Will man sich die Aussaat selbst bauen, so darf man von den 
gelblich gewordenen Kapseln nur die stärksten Exemplare nehmen, 
will man nicht Gefahr laufen, gemischte Waare zu erhalten. Die 
best gefüllten Pflanzen bringen aber bei uns nur sehr wenig Samen, 
wie oben bereits erwähnt. 

Um nun den ganzen Sommer hindurch Balsaminen in Blüthe 
zu haben, ist es erforderlich, mindestens drei Aussaaten zu machen, 
die vom März bis Mai sich gleichmässig vertheilen. Die Aussaat 
selbst geschieht bekanntlich in Mistbeeten oder, wenn nicht anders, 
im Glashause; die jungen Pflänzchen in letzteren müssen jedoch 
baldigst Luft bekommen, sollen sie nicht zu lang werden. Nach 7—8 
Tagen gehen die Körnchen auf und hat man Sorge zu tragen, dass 
die Pflanzen, falls sie sehr nahe an den Scheiben stehen, nicht an- 
frieren, da bekanntlich die Balsaminen sehr empfindlich sind. Man 
ist eventuell genöthigt, die Saat sofort zu ergänzen. Die niedrige 
Art ist speciell dann zu empfehlen, sobald man die Pflanzen als 
solche verkaufen will, während die hohe Sorte zum Pflücken sich 
besser eignet, da sie ergiebiger ist. Behufs Toplkulturund Verkauf pflanze 
ich die Sämlinge, sobald sie sich gegenseitig berühren, in 2" Töpfe, 
bei anfänglich geschlossener Luft in gute humusreiche Mistbeeterde und 
fuge etwas verrotteten Lehm und scharfen Sand bei; sind sie durch- 
gewurzelt,so verpflanze ich sie in 4—5'' Töpfe und bringe sie aber- 
mals auf einen Kasten, wo sie alsbald Knospen zeigen werden und 
für den Markt bald darauf zu verwertlien sind. Anders verhält es 
sM-h m Privatgärten; da thut man besser daran, die Balsamine drei- 
mal zu verpflanzen und der Erde Kuhdung zuzufügen, der ein merk- 
liches Wachsthum veranlasst. Man kann diesen auch im weichen 
Zustande im Innern des Topfes anbringen, welche Arbeit aber nicht 
sehr angenehm. Auf die Weise behandelt, können die Pflanzen, 
natürlich die hohen Sorten, selbst bis über 2 m hoch werden und 
fast eben solchen Durchmesser erreichen. Das öftere Verpflanzen 
liebt die Balsamine und kann man sie bei jedesmaliger Vornahme 
dieser Arbeit etwas tiefer pflanzen, da sie gern Luftwurzeln macht 
und sich durch dieselben nur noch mehr im Topfe befestigt, zugleich 
ein Beweis, dass sie durch Stecklinge vermehrt werden kann. Bei 
einer Gelegenheit nahm ich ein mir zu lang gewordenes Exemplar, 
schnitt es halb durch, brachte dieses in geschlossene Luft und nach 
einiger Zeit hatte die Pflanze Wurzeln gemacht und blühte wie vor- 
her weiter. Dem Handelsgärtner wird natürlich vorher erwähnte 
Arbeit mcht bezahlt, sondern er ist zufrieden, wenn er die Blumen 
eminal verpflanzt hat; viele Handelsgärtner säen auch die Balsaminen 
im Kasten aus, lassen sie, bis sie blühen, stehen und pflanzen sie 



dann in Töpfe. Mit dem Giessen bin ich sehr vorsichtig, bei heiterem 
Wetter kann man es nicht genug thuD, während, wenn es trübe ist, 
die Pflanzen gleich schlecht werden und verfaulen, was übrigens im 
freien Lande auch stattfindet. Es veranlasst mich Letzteres zu der 
Vermuthung, dass wohl eine Art Krankheit diesen Exemplaren 
voraufgehen muss, denn während die in Töpfen kultivirten sich mit 
dem behelfen müssen, was ihnen geboten wird, haben die im freien 
Lande befindlichen Balsaminen mehr Wahl in der Nahrung und 
dennoch lassen sie auf einmal ihre Blätter hängen, man berührt den 
Stamm und sie brechen ab. An der Wunde des Stammes bemerkt 
man schwarze Streifen, die ins Bräunliche übergeiien, als ob sie der 
Blitzschlag getroffen. Vielleicht erfahre ich hierüber bei Gelegenheit 
etwas Näheres; ich halte es für eine Saftaohäufung und Stockung 
des Saftes in den Zellen der Pflanzen, die diese dann tödten. 

Wo die Balsamine im Freien ihren Platz angewiesen erhält, da 
ist der Boden zuvor zu verbessern und die Lage so einzurichten, 
dass sie möglichst den ganzen Tag von der Sonne beschienen wird. 
In Betreff der Eingangs erwähnten Wandlung dieser Pflanzen 
besteht diese darin, dass, wenn man die schönsten gefüllten Balsa- 
minen im heissen Sommer hat und dann kältere oder trübe Regen- 
tage eintreten, sie im Blühen nachlassen oder anfangen, einfach zu 
blühen; öfters auch blühen dann gefüllte und einfache an einem 
Stamme. Tritt hingegen wieder heisses klares Wetter ein, so zeigen 
sich sofort gefüllte Blumen, so wie die ersteren waren. Pflanzt 
man dieselben unter Bäume, also im Schatten, so werden auch hier 
die Blumen einfach, die Pflanzen gehen resp. „spillern" in die Höhe 
und mau hat die vollständige Urform vor sich. Von drei aus einer 
und derselben Kapsel gemachten Aussaaten brachte bei einem Ge- 
schäftsfreunde von mir die erste Saat prachtvoll gefüllte, während 
die zweite und letzte nur einfache Blumen repräsentirten. Grund 
hiervon war, dass der Hochsommer trübe, regnerisch imd kalt war. 

Viele der verehrten Herren Leser werden die Achsel zucken, 
etwas über die „Balsamine" zu lesen, da ihnen bereits Alles hierüber 
bekannt ist; doch möchte ich mir die Frage erlauben, ob sich nicht 
fast sämmtliche Sachen auf gärtnerischem Gebiete wiederholen und 
zum Theil nur Ergänzungen von früheren sind, wobei aber doch 
durch erneute Besprechung Manches geklärt wird. 



Biota (Thuya) orientalis L. in Central- Asien. 

Vom 
Kaiserl. Garten-Direktor Koopmann in Margelau (Turkestan). 

Der morgenländische Lebensbaum ist neben verschiedenen Wach- 
holder-Arten (Juniperus kokanica, J. Sabina, J. Pseudosabina) in den 
Beigen Central- Asiens so reichlich vertreten, dass er mit diesen für 
alle technischen Arbeiten das beste und brauchbarste Holz liefert. 



Es wird denn auch in den Bergen von Seiten der Kirgisen eine 
wahrhafte Verwüstung angerichtet durch Fällen der schönsten Bäume, 
welche keinen Eigenthümer haben. Die zugänglichsten Stellen in 
den Gebirgen sind daher bald ganz verödet und das nackte Gestein 
tritt auch dort zu Tage, wo früher die schönsten Lebensbaum-Natur- 
bestände Schluchten und Hügel schmückten. Dass auch Bäche und 
Flüsse durch solche Verwüstungen ihren Wasserreichthum in bedeu- 
tendem Maasse verloren haben, ersieht man aus den breiten Fluss- 
thälern, in welchen jetzt schmale Wasserstreifen dahin rieseln, um 
die weiten Felder, auf welche das Wasser künstlich geleitet wird, 
nur zum geringen Theil zu bewässern. Es wird ein Jahrhundert 
vergehen können, bevor die russische Regierung durch energisches 
Eingreifen gegen die Handlungsweise der Halbwilden und durch 
neue Anpflanzungen in grösstem Maassstabe den angerichteten Schaden 
wieder heben wird. 

Nur selten findet man jetzt eine Biota von schönem und ge- 
sundem Wuchs, um so mehr aber erstaunt man, wenn man zufällig 
einen vom Gesetz der Eingeborenen seit Jahrhunderten geschützten 
Baum antrifft; einen solchen „heiligen" Baum entdeckte ich unweit 
der Alabasterberge, ca. 22 km von der Stadt Margelan, in einem 
ssartischen Dorfe; derselbe stand in einem heiligen Hain (Masar der 
Eingeborenen). Nachdem ich die Erlaubniss erhalten einzutreten 
und durch das übliche kleine Geschenk den Führer liebenswürdig 
gemacht, unternahm ich mit seiner Hülfe, Krone und Stamm des 
heiligen Baumriesen zu messen, welches zu folgendem Resultat 
führte-. Der Stamm hatte 60 cm über dem Erdboden einen Umfang 
von 4,64 m, die Höhe des Stammes bis zur Verzweigung betrug 
1,85 m, die fast cylinderförraige, breite, vollständig dicht belaubte 
Krone hatte einen Durchmesser von 11,5 m, und die Gesammthöhe 
des Baumes betrug 12,6 m. Nach den Aussagen des Führers soll 
es der grösste und schönste Lebensbaum (Artscha der Eingeborenen) 
in weitem Umkreise sein und 1000 (?) Jahre zählen. 

In der Vereins- Versammlung vom 30. Juni v. J. bemerkte Herr 
Bolle zu Obigem: 

Biota (Thuya) orientalis zeichnet sich bei uns durch die merk- 
würdige Ungleichartigkeit in der Härte verschiedener Racen oder 
Individuen aus, und das hat eine gewisse Wichtigkeit, als gerade zur 
Verschönerung unserer Städte, und namentlich der Kirchhöfe viel 
B. orientalis verwendet wird. — Thuya occidentalis wird seltener 
aaf Kirchhöfen verwendet als T. orientalis, weil man letztere auf 
dem Markt im Topf kaufen kann. — Die weite Verbreitung der 
letzteren Spezies in Asien und ihre daraus folgende Einführung aus 
verschiedenen Himmelsstrichen mag Ursache der Verschiedenartigkeit 
m der Härte sein, und erscheint es wünschenswerth, aus solchen 
Gegenden, die einen strengen Winter haben, Samen kommen zu 
lassen. Die erste Einführung erfolgte Anfang des vorigen Jahrhun- 
derts aus dem südlichen China durch Jesuiten. Im botanischen 



81 — 



Garten befinden sich nahe dem Palraenhanse einige Exemplare als 
var. australis, welche hinsichtlich der Härte nichts zn wünschen 
übrig lassen. 

Herr Bonche fügte hinzu: Als ich dereinst meine jetzige Stel- 
lung im botanischen Garten antrat, fand ich mehrere Varietäten vor, 
Thuya orientalis, T. australis, T. supremidalis und T. cupressioides, 
die aus italienischem Samen gezogen sein sollten. 

Von ihrem Samen wiederum stammen nun die jetzt vorhan- 
denen Exemplare. Dieselben sind wieder unter sich verschieden, 
einige haben viel feinere Zweige, bei anderen stehen diese in senk- 
rechten Reihen, bei noch anderen unregelmässig. 



Zur Anzucht hochstämmiger Stachelbeeren und 
Johannisbeeren. 



Die Vortheile der Hochstammform für Stachelbeeren und Johannis- 
beeren und die Anzucht derselben sind auch im verflossenen Jahre 
in mehreren gärtnerischen Fachschriften Gegenstand von Abhandlun- 
gen gewesen. Der Grund, warum diese Form nicht allgemeiner 
angepflanzt wird, liegt wohl mit an dem immer noch hohen Preise 
derselben ; dieser selbst begründet sich wiederum durch die alt her- 
gebrachte umständliche Art der Anzucht im Gewächshause, auf 
welche Art die in Eede stehenden Hochstämme auch nicht in so 
genügender Menge produzirt werden können, als bei allgemeiner 
Anpflanzung nöthig sein würde. Die Besitzer von kleineren Han- 
delsgärtnereien sind meist von vornherein vom Betreiben dieser 
immerhin lohnenden Kultur ausgeschlossen. Wir sind daher seit 
Jahren bemüht, eine weniger umständliche Vermehrungsart, und 
zwar im freien Lande, zu finden. Ich erinnere mich, vor einer Reihe 
von Jahren in der Kgi. Landesbaumschule hübsche, auf Ribes aureum 
veredelte hochstämmige Stachelbeeren gesehen zu haben, von welchen 
mir, wenn ich nicht sehr irre, Herr Inspektor Wrede sagte, dass 
sie im Freien veredelt worden seien; welche Veredelungsart dabei 
in Anwendung gekommen war, ist mir nicht erinnerlich. Den hier 
seit mehreren Jahren angestellten Versuchen liegt das Okuliren auf 
Ribes aureum zu Grunde. Die Versuche dürfen als gelungen be- 
zeichnet werden, wenn auch noch immer ein gewisser Prozentsatz 
nicht gewachsener Augen vorhanden war. Schon bei der Ausstellung 
des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in der Flora zu Char- 
lottenburg waren aus der hiesigen Baumschule einige im Freien ge- 
zogene hochstämmige Stachelbeeren ausgestellt, welche im Sommer 
des vorhergegangenen Jahres okulirt worden waren. Die Unterlagen 
werden aus Steckholz gezogen. Man sucht zu dem Zwecke nur die 



kräftigsten Steckhölzer von mindestens 5 bis 6 mm Stärke aus. 
Diese werden in recht kräftigen, gut gedüngten, 40 bis 50 cm tief 
rigolten Boden gesteckt, und zwar am besten in der Weise, dass 
die Reihen regelmässig abwechselnd einmal 45 bis 50 cm, das an- 
dere Mal 75 bis 80 cm Abstand von einander erhalten. In den 
Eeihen werden die Steckhölzer 20 bis 25 cm von einander entfernt 
gehalten vnd möglichst tief gesteckt. Es ist daher zu empfehlen, 
die Eeihen vorher mit einem Rillenzieher, sog. Schwanenhals, auf- 
zureissen und zu vertiefen, so dass das oberste Auge in der so ge- 
bildeten Rinne etwas unter dem Niveau des umgebenden Erdbodens 
zu stehen kommt. Im Laufe des Sommers ist nun nichts weiter zu 
thun, als das Land rein von Unkraut und locker zu halten, sowie 
die aus der Erde kommenden Triebe zu entfernen. Der aus dem 
obersten Auge sich entwickelnde Trieb, w^elchen man ungehindert 
wachsen lässt, wird im ersten Jahre die Höhe von 1 m er- 
reichen. Dies ist gerade die richtige Höhe, da, wenn die Kro- 
nen zu weit von der Erde entfernt sind, die Früchte der Ein- 
wirkung der von der Erde zurückgestrahlten Sonnenwärme ver- 
lustig gehen, spät reifen und weniger süss werden. Im folgenden 
Frühjahr werden die Seitenzweige auf 3 bis 4 Augen gespornt; die 
Spitze lässt man ungeschnitten wachsen. Die am Stamme zahlreich 
erscheinenden Triebe werden zum Theil gleich unterdrückt, zum 
Theil später auf eine Länge von 3 bis 4 cm eingekneipt. 

Ende Juli kann dann das Okuliren vorgenommen werden. Dass 
man dazu die kräftigsten Reiser und die am besten ausgebildeten 
Augen wählt, ist selbstverständlich. Die Augen müssen mit Holz 
einf?esetzt werden, da das Auslösen der Augen sehr schwierig aus- 
zuführen ist, indem sich dabei die obere Rindenbastschicht za leicht 
der unteren Rinde trennt und dann der Erfolg vollständig in 
~" gestellt wird. Die geeignetste Stelle, das Auge einzusetzen, 
r höchste Punkt des vorjährigen Holzes, und setzt man am 
besten zwei Augen einander gegenüberstehend ein. 

Im nächsten Frühjahr werden die okulirten Ribesstämmcheu 
ganz wie okulirte Rosenstämmchen behandelt. Sie werden 4 bis 
5 cm über dem Auge abgeschnitten und, sobald die Augen zu trei- 
ben beginnen, mit Pfählen versehen, nachdem die im vorigen Jahre 
gespornten Seitenzweige am Stamm weggeschnitten worden sind. Die 
Edeltriebe sind bei 5 bis 6 cm Länge einzukneipen und anzuheften. 
Die weiteren Arbeiten im Laufe des Sommers sind: das Entfernen 
der wilden Triebe, das Anbinden der Edeltriebe nach Bedürfniss und 
das Wegschneiden des über der Veredelung stehen gebliebenen Zapfens 
im August. Das Reinigen und Auflockern des Bodens ist wohl selbst- 
verständlich. Bis zum Herbst werden sich bei den meisten Stämm- 
chen schon recht hübsche Kronen gebildet haben. Dieses Resultat 
erreicht man jedoch in der angegebenen Zeit nur, wenn man in 
Auswahl der Steckhölzer und der Bearbeitung des Bodens so wie 
oben gesagt verfährt, sonst dauert es ein Jahr länger und ist dann 
auch anzurathen, alle im ersten Jahr schwach getriebenen Pflanzen 



Frage g 



noch einmal bis auf ein Auge zurück zu schneiden und wie im 
ersten Jahr zu behandeln. 

Das Okuliren sowie das Veredeln überhaupt wende ich nur zur 
Erziehung hochstämmiger Stachelbeeren an, obgleich es ebenso gut 
für Johannisbeeren anwendbar ist. Die hochstämmigen Johannis- 
beeren erziehe ich wurzelecht; vermöge des steifen, aufrechten 
Wuchses ist dies nicht schwer. Was oben über die Erziehung von 
Ribes aureum zu Unterlagen gesagt wurde, kann ebenso gut für die 
Anzucht der wurzeleehten hochstämmigen Johannisbeeren gelten, von 
denen man ebenfalls nur recht kräftige Steckhölzer wählen soll. Die 
stark wachsenden Sorten, wie Prinz Albert, Versaillaise, rothe und 
weisse Kirsch - Johannisbeere etc., werden, so behandelt, schon in 
zwei Sommern die Höhe von 0,90 bis 1 m erreichen, so dass sie 
im folgenden Frühjahr in gewünschter Höhe auf Kröne geschnitten 
werden können. Bei Johannisbeeren möchte ich, aus oben ange- 
führten Gründen, noch mehr als bei Stachelbeeren abrathen, die 
Stämmchen zu hoch zu ziehen, da diese schon an und für sich 
mehr Säure haben und die Früchte, zu weit vom Boden entfernt, 
sehr spät reifen und nicht süss werden. 



Aus 

Bei W. Barron & Sons in Borrowash wurden im Herbst 
1879 gegen 30,000 Coniferenstecklinge gemacht, darunter allein 
12,000 von Cupressus Lawsoniana erecta viridis. Alle diese Stecklinge 
werden theils kalt, theils in -einem Mistbeetkasten, theils in sog. 
Hand lights behandelt. Diese stellen Gewächshäuser im Kleinen dar. 
Sie sind ungefähr 1 m lang und )^ m breit. Es ungefähr gehen 900 
bis 1300 Stecklinge, je nach Grösse, hinein. Die Stecklinge stehen 
in braunem Flusssande, unter welchem eine 5 cm dicke Erdschicht 
sich befindet. Das Ganze ruht auf einer 30 cm starken Drainage- 
schicht Die Stecklinge bleiben 1 bis 2 Jahre stehen, je nachdem 
sie sich bewurzeln. 

Während Retinospora plumosa, R. pl. aurea, Cupressus Lawso- 
niana erecta vir. fast gar keinen Ausfall geben, lassen Retin. obtusa 
und Varietäten, sowie Chamaecyparis Nutkaensis viel zu wünschen 
übrig. An einem Platze aber, wie hier, wo ein bedeutender Bestand 
vorhanden und es sich nur um die jährliche Anzucht handelt, um 
den Bestand auf einer bestimmten Höhe zu erhalten, ist diese Art 
der Vermehrung, weil sie sehr mühelos und wenig kostspielig ist, 
jedenfalls zu empfehlen. 

Im November vermehrt man dort harte Heiden, Ardisien etc., 
sowie Escallonien, Raphiolepis, Osmanthus und vorzüglich Evonymus 
in grossen Mengen. Ferner Elaeagnus jap. - Varietäten. Dieselben 
erweisen sich etwas hartnäckig in der Bewurzelung. Bei anfangs 
kalter, später warmer Behandlung wurde im Frühjahr eine grosse 
Anzahl zum Bewurzeln gebracht. 



Aucuben werden zu Tausenden vermehrt, theils im Mistbeet, 
theils im freien Grunde. 

Im Dezember wird mit der Vermehrung von Hex begonnen. 
Früher hatte man hier die Stecklinge kalt gesteckt, ganz neuerdings 
zieht man mit Recht die warme Behandlung vor, weil alsdann auch 
die aurea - Formen mit Erfolg durch Stecklinge vermehrt werden 
können, die man bis jetzt zu okuliren oder mit den besseren Hex 
zusammen im Winter zu veredeln pflegte. In Schottland werden in 
obigen und ähnlichen Fällen Flachsschäben als Fermentstoff benutzt; 
leider kann man solche in Borrowash in der Nähe nicht haben und 
nimmt an ihrer Stelle Hopfen, welchen man in grossen Quantitäten 
von den benachbarten Brauereien beziehen kann. Als Dungmittel 
benutzt man Hopfen bei den Rhododendronkulturen. In Melbourne, 
einem Orte einige Meilen von Borrowash, wird Hopfen auch mit Er- 
folg als Dünger beim Gemüsebau verwendet. 

In Bezug auf Anzucht von Hex im kalten Kasten ist noch zu be- 
merken, dass nur Ilex arg. elegantissima stets ein gutes Resultat liefert. 

Während im Winter 1878—79 erst Anfang März mit der Ver- 
edelung von Rhododendron begonnen ward^ wurden dieselben 1879—80 
schon um Neujahr in die Hand genommen, um von der Möglich- 
keit, zwei Triebe in einem Jahr zu erlangen, Gebrauch zu machen. 
Die meist übliche Veredelungsmethode für Rhododendron ist der sog. 
Sattelpfropfen. 

Coniferen werden hier jährHch in grossen Mengen veredelt. Die 
grössere Anzahl wird im August gemacht. Die Stöcke werden di- 
rekt aus dem Freien genommen. . Die Veredelungen werden in 
einen kalten Kasten gebracht und verbleiben dort bis zum Früh- 
jahr. Der geringere Theil wird im Winter im Vermehrungshause 
gemacht. Die Unterlagen werden theils vorher angetrieben, theils 
direkt dem freien Grunde entnommen und verarbeitet. 

Am meisten pflegt man von der Cupressus Laws. lutea zu vermehren. 
Diese ist eine sehr hübsche, goldige Varietät, die auch in Deutsch- 
land, z. B. am Rhein, aushalten dürfte. Den für englische Verhält- 
nisse ungemein strengen Winter 1879—80 hat sie ohne Beschädi- 
gung überstanden. 

Olearia Haastii Hook. 

Dieses kleine zur Familie der Compositen (Trib. Asteroideae) 
gehörige Gehölz stammt aus Neuseeland, ist in England bei 
Veitch & Sons, Ghelsea London, denen wir die Abbildung ver- 
danken, hart und verdient wegen seiner weissen wohlriechenden 
Blumen, die im August und September reichlich erscheinen, warme 
Empfehlung. Den ersten Hinweis auf dasselbe erhielt die Gartenwelt 
durch M. Masters in Gard. Chron. 1872 S. 1195, wo sich auch 
Abbildungen der Pflanze mit Analysen finden, die dann in Rev. de 
rhort. beige 1877 Nov. reproduzirt, aber noch von einer farbigen 
Abbildung begleitet wurden. 



Hooker beschreibt die Pflanze (Handbook New-Zealand Flora 
S. 126, 1864) folgendermaassen: Ein kleiner strauchartiger Baum, 
Zweige steif, Doldentrauben behaart, Blätter ''k-Vh Zoll (2— SVs cm) 




lang, länglich oder oval, oder lineal läoglich-stumpf, sehr lederartig, 
ganzrandig, netzaderig, oberseits glänzend, unten weiss und weich, 
von dicht angedrücktem weissen Flaum, nicht glänzend, flach: Adern 
sehr undeutlich, im rechten Winkel von der Mittel rippe abstehend. 
Blüthenköpfchen in ziemlich lockeren, gestielten Doldentraubeu, Va Zoll 



(1 cm) lang, Vs Zoll (8 mm) im Durchmesser, 10—15 blüthig. 
Blüthenhülle cylindrisch, Schuppen dicht dachig, länglich stumpf, 
die inneren nahezu so lang als die Blüthen, Rand- und Strahlen- 
blüthenwenige, breit, Pappus weiss, ungleich, Achänen locker behaart. 
— Middle Island, Neuseeland, in 4000-4500 Fuss Höhe. 

Ich erhielt, schreibt Hook er, diese Pflanze zuerst vom verstor- 
benen Herrn Veitch vom Exeter, welcher sie aus Samen erzogen, 
die aus Neuseeland unter dem Manuskript-Namen Eurybia parviflora 
eingesandt waren. Trotz Masters Empfehlung 1872 und trotz der 
der Rev. de l'hort. beige 1877 scheint die Pflanze auch heute noch 
wenig verbreitet. 

Kultur: Ed. Pynaert kultivirt die Olearia Haastii seit 1875 
im freien Lande in einem alten Lager von Lauberde, was ihr gut 
zu gefallen scheint. Ihr kräftiger Wuchs ist benierkenswerth und 
lässt sie sich leicht durch Ableger vermehren (marcottage). 

NB. Olearia ist mit Aster sehr nahe verwandt, unterscheidet 
sich aber durch den meist strauehigen Stengel, die nicht zusammen- 
gedrückten Achäuen, die niemals mit krautigen Anhängseln versehenen 
Hüllblätter des Blüthenköpfchens. Beschrieben sind 85 Spezies, davon 
63 in Australien, 22 in Neuseeland und den benachbarten Inseln. 
(Benth. & Hook. Gen. pl. II 276.) 



Zur Statistik des Gartenbaues in Guben. ____ 

Aus der im Jahre 1878 aufgestellten Statistik der landwirth- 
schaftlichen Bodenbenutzung und des Ernteergebnisses entnimmt das 
Gubener Tageblatt u. A. Folgendes; 

Von dem Areal der städtischen Feldmark waren im Jahre 1878 
bestellt: Körner-Ertrag 

ha a ^ kg * 

Hirse 5 87 392 

Erbsen 11 74 392 

Bohnen 4 33 350 

Kartoffeln 906 41 4700 

Runkelrüben 25 53 3200 

Steckrüben 51 6 1958 

Kohl — 51 - 

Sonstiges Gemüse 12 — 

Gartenmässig angebaute Pflanzen 178 73 — 
Die Zahl der vorhandenen Apfelbäume wurde geschätzt auf 
Apfelbäume 2300 Stück mit 10 500 kg Aepfeln, 
Birnbäume 1500 „ „ 1,460 „ Birnen, 
Pflaumenbäume4500 „ „ 5,750 „ Pflaumen, 

Kirschbäume 4500 „ „ 12,800 „ Kirschen, 
Wallnussbänme 200 „ „ 750 „ Wallnüssen. 

Der Ertrag an Tafeltrauben zum Verkauf wurde auf 510 kg 
angenommen, der gekelterte Wein auf 1^/^ hl pro ha. 



Der Ertrag der Wiesen an Heu wurde mit 2836 kg pro ha be- 
rechnet. 

Der Gubener Gartenbau- und Winzer- Verein liess es sich, wie 
bisher, angelegen sein, durch versuchsweisen Anbau neuer Blumen-, 
Obst- und Gemüsesorten belebend und zur Nachahmung anregend 
auf Mitglieder und ausserhalb des Verein« stehende Gartenbau- 
treibende zu wirken. Einen sicheren Beweis für den Erfolg dieser 
Bestrebungen lieferte die von dem Verein in den Räumen des 
Schützenhauses vom 21. bis 23. September 1878 veranstaltete Blu- 
men-, Obst- und Gemüse- Ausstellung, deren Gegenstände den un- 
getheilten Beifall des besuchenden Publikums gefunden haben. 

Auf die Vereinsthätig'ceit im Speziellen kann hier nicht näher 
eingegangen werden; wir wollen nur noch erwähnen, ^dass dem 
Gartenbau- Verein und — . da dieser bereits ein Exemplar aus eigenen 
Mitteln angeschafft hatte — auf Vorschlag desselben dem Winzer- 
verein von Sr. Excell. dem Herrn Minister für Landwirthschaft. 
Domänen und Forsten das Lau che "sehe Werk „Deutsche Pomologie" 
im Werthe von 100 Mark zum Geschenk gemacht wurde. 

Die Verpachtung der Obstnutzung an den städtischen Obst- 
Alleen brachte eieen Ertrag von 465,50 Mk. gegen 311 Mk. pro 18 77 

Die Obst-Ernte des Jahres 1878 durfte als eine mittlere be- 
trachtet werden ; der Ertrag der PHaumen war so gross, wie er seit 
Menschengedenken nicht gewesen ist. 

Von dem Garten- und Obstbau schädlichen Insekteu ist der 
Kohlweissling in geringerem Maasse aufgetreten, dagegen ist die dem 
Apfelbaum verderbliche Blutlaus, welche sich als schimmelartiges 
Gebilde namentlich über junge Bäume verbreitet, im Zunehmen be- 
griffen; die angeprieseneu Mittel haben der weiteren Verbreitung 
keinen Einhalt gebieten können. Nicht geringe Sorge verursachte 
ferner dem Gärtner die Zunahme des Erbsenkäfers, und glaubt man, 
dass nur noch die ungünstige Witterung die weitere Verbreitung 
verhindern möge. 

Der Merkwürdigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass die 
bisher nur im Hochgebirge mögliche Kultur des Edelweiss hierselbst 
trefflich gelungen ist. 

Aufruf 

zu Gunsten der durch Hochwasser geschädigten Gärtner Bremens. 

Die enormen Niederschläge in den letzten Wochen des vergan- 
genen Jahres brachten unserer Weser und deren Nebentiüssen einen 
hohen Wasserstand, dass die durchweichten Schutzdämme, %n welchen 
der Sturm das Wasser stellenweise über die Deichkappe spülte , fast 
allerorts nur infolge übermenschlicher Anstrengungen Stand halten 
konnten. Die in nördlicher RichtuDg von der Stadt 2 — 3 Stunden 
entfernten Wummedeiche zeigten sich am meisten beschädigt: hier 
wurden durch hunderte von Mannschaften am Tage und während 



laDgen Nächten Faschinen und Sandsäcke auf Sandsäcke gehäuft 
doch von den unbändigen Wellen im Augenblick wieder fortgespült. 

Am 30. Dezember v. J. Vormittags 10 Uhr trat die gefürchtete 
^atastropbe ein. Allen aufgewandten Mühen spottend, brachen die 
Johlten sieh Bahn über den Deich, diesen unter sich fortreissend 
und mit donnerndem Getöse stürzten sie in die dahinter liegenden, 
bislang geschützten Niederungen und drangen im Zeitraum von 10 
bis 12 btunden bis in die nördlichen und östlichen Vorstädte von 
bremen, Keller und Souterrains mit Wasser füllend. Einige besonders 
niedrig gelegene Strassen erhielten Wasser in Höhe von 2—3 m und 
w-aren die zum Theil sehr ärmlichen Bewohner von allem Verkehr 
abgeschnitten, bis die dorthin geschafften Böte endlich die Verbindung 
wieder aufnehmen konnten. 

Um ein weiteres Bild der Ueberschwemmung zu geben, möge 
erwaünt sein, dass über die überschwemmten Felder hinweg Dampf- 
bote den Verkehr nach Lilienthal u. s. w. vermittelten, da die Chaus- 
seen zum grösseren Theil gleichfalls unter Wasser standen, sowie 
dass unser Bürgerpark mit Fahrzeugen aller Art kreuz und quer 
durchschiift wurde. Der sich hierauf einstellende strenge Frost hat 
jedoch auch diese Verbindungen unterbrochen. Mehr als das Wasser 
ruinirt an Baum und Strauch nunmehr das Eis, welches bei dem 
langsamen Fallen des Wassers die eingefrorenen Zweige mit sich 
herabzieht und was nicht biegt, vollständig abbricht. 

Em trauriges Bild der Zerstörung bietet jetzt der durch Bremens 
Gememsinn entstandene Bürgerpark, und es werden enorme Summen 
wieder aufgebracht werden müssen, um den noch ganz unberechen- 
baren Schaden auszugleichen. 

In dem überschwemmtem Gebiete, das eine Ausdehnung von 
einigen Quadratmeilen hat, liegt aber auch das meiste Gemüseland 
der klemeren Bürger und leidet deren Land unter dem scharfen 
Moorwasser nicht minder. 

Insbesondere aber sind es die dazwischen liegenden Gärtnereien 
und Baumschulen, welche unzweifelhaft am meisten von der Wasser- 
A A^ i^^^®° ^^^^^- ^^^^®^ ^st ^^r ga°ze Pflanzenbestand ruinirt 
und die Gewächshäuser, zum Theil auch die Wohnhäuser durch das 
Wasser zerstört. Bei dem schnellen Andringen des Wassers konnte 
nur das allernöthigste Hausgeräth gerettet werden. Den schwer 
betroöenen, die zum Theil lediglich auf den Ertrag ihrer über- 
schwemmten Grundstücke angewiesen sind, wird es erst nach langer 
Zeit, vielleicht erst nach Jahren möglich sein, ihre Geschäfte in bis- 
heriger Weise wieder zu betreiben. 

Ein rascher Abfluss des Wassers steht bei den hiesigen niedrigen 
ßodenverkältnissen nicht zu erwarten. Bis d- ' " 

worden ist, wird das Frühjahr herangenaht - 
das überschwemmte Gebiet freigepumpt wci 
werden nun den Gärtnern ihre Gärtnereien 

und sie dadurch in ihrem Erwerbe in der ai,ci=.uiiL.ixu.u:u »,ci.« 
geschädigt und theilweise der bitteren Noth preisgegeben werden. 



Zur Abwendung dieser Noth und um den bedrängten Kollegen 
die Wiederaufnahme ihres Betriebes zu erleichtern, richtet der 
Verein selbstständiger Gärtner zu Bremen zu Gunsten der geschä- 
digten Gärtner einen Aufruf an edeldenkende Kollegen und Garten- 
freunde und bittet um pekuniäre i ' 

letztere nun in Zuwendung von S 
lingen und dergleichen bestehen. 

In fester üeberzeugung, dass Mancher nach Kräften dazu bei- 
tragen wird, die Noth der ohne Schuld Heimgesuchten zu lindern, 
tragen wir diese Bitte unsern auswärtigen Kollegen und Garten- 
freunden zur geneigten Berücksichtigung vor. 

Zur Empfangnahme von Gaben, über welche Quittung erfolgen 
wird, sind gerne Namens des Vorstandes des Vereins selbstständiger 
Gärtner bereit 

der Vorsitzende: Herrn. Schmidt, Kunst- und Handels- 
gärtner, Schillerstrasse 26, 
der Korrespondent: Jul. Weber 
Meinkenstrasse 23. 



, Kunst- und Handelsgärtne; 



Drohende Absperrmaassregeln Eusslands wegen der 
Reblaus und der Blutlaus. 

Nachdem in der Krim an Reben, die ein hoher Beamter des Ministeriums 
der ReichsdomäneD, Herr Rajewsky, aus Bordeaux bezogen hatte, die Reb- 
laus mit Sicherheit aufgefunden ist und zwar von dem Sekretär der entomo- 
logischen Gesellschaft, Herrn Porkchinsky, geht die russische Regierung 
mit dem Plane um, Absperrmaasregeln an der Grenze zu ergreifen, um 
weitere Emschleppungen zu verhindern. Sie hat den Entwurf zu diesen 
Bestimmungen, die leider denen der Berner Konvention sehr ähnlich sein 



Begutachtung vorgelegt und 

die Einfuhr von Reben, ni< 

verbieten vorschlagen wird. ~ Wie"wir'vernehm'e~n," 

auch in dem Sinne ausgesprochen. Leider sol' ' 

aufgetretenen Blutlaus ein Verbot der Einfuhr v 

schwerlich abzuwenden sein. 

Kaum glaublich erscheint es, dass, wie Gard. Chr. vom 29. Januar 1881 
S. 142 meldet, seitens Russlands eine zwölf Monate lange Quarantäne an der 
Grenze in Aussicht genommen sein sollte! Und doch war es Ernst! 

Seitens des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues sind sofort beim 
Reichsanit des Innern alle Schritte gethan, um die Handelswege nach Russland 
oäen zu halten. Würde Ru.«sland auch noch gesperrt, so würde der gesammte 
Pflanzen -Export Norddeutschlands, besonders der Ostpreussens sowie der 
von Berlin, Lübeck und Hamburg vollständig lahm gelegt. — Wie wir weiter 
vernommen, steht im Februar oder März d J. eine Revision der inter- 
nationalen Berner Reblaus-Konvention (der Russland übrigens nicht bei- 
getreten) in Aussicht; das deutsche Reich wird aus allen Kräften dabei auf 
Erleichterungen des Fflanzen-Transporfes hinwirken; ob das aber gelingen 
wird, ist eine andere Frage, da u. A. in Ungarn seitens einer Kommission 
von Fachmännern, welche die zahlreichen Phylloxeraheerde daselbst inspizirt 
'l'*» strengsten Forderungen gestellt sein sollen. Wenn wirklich ' ' ' ' 
" ' eicht werden sollte, dann bliebe schlitoaüuii 
Qichts anderes übrig, als die Ausfiihrungs- 



Torfgrus oder Sägespähne. Herr Brandt hält Torfgrus als Ein- 
fütterungsmaterial besser als Sägespähne und Lohe; Herr Perring da- 
gegen sieht Sägespähne, so lange sie frisch sind, für sehr gut an, da sie sich 

Poinsettia pulcherrima. Herr Brandt bemerkte, dass an der Ton 
ihm in (icr Norembersitzung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 
ausgestellten Poinsettia (vielleicht in Folge des Gaslichtes) die unteren Brak- 
teen ihre rothe Farbe wieder in Grün umgewandelt und dabei fleckig geworden. 



fitung" bringt in ihrer Nummer Juli- 
ireiDung ües Wintergartens im Park des Kgl. 
uusLscuiosses i^aaKenin Belgien, wonach dieser Park in seiner gross- 
artigen und stilgerechten Anlage schon seit Jahren unter den grossen Pracht- 
gärten Buropa's eine hervorragende Stelle einnimmt; er ist seit 5 Jahren 
durf h emen Bau geschmückt, der sich neben der 150 m langen und 72 m 
breiten Orangerie erhebt, einen Flächenraum von 32C0 qm bedeckend, und mit 
einem Glasdache von 5800 qm, mit einer 120 m langen Fa9ade, deren Seiten- 
flügel je 15 m Breite haben, versehen. Der Mittelpunkt dieses als „Wintergarten" 
zu verwendenden grossen Treibhauses nimmt eine von 36 dorischen Säulen 
(von je 1 m Durchmesser) getragene Rotu. de ein, deren Durchmesser f" 



. der Königskrone bedeckten Laterne 30 m 
beträgt, eine Höhe, welche iür die darin angebrachten beiden Riesenpalmen, 
eine 13 m hohe Sabal umbraculifera und eine 19 m hohe Latania borbonica, 
vollkommen ausreicht. Den Boden dieser Rotunde deckt eine Mosaik- 
pflasteruDg, die beiden Seitenflügel bi den einen „Urwald" von Palmen und 
ßaumfarnen des kalten und temperiiten Hauses. Zwischen den sich vom 
smaragdgrünen Rasen erhebenden Baumgruppen erscheinen hin und wie j er 
Aussichtspunkte auf Solitärpflanzen, die durch Art und Tracht sich aus- 
zeichnen. Auch ist diesen Gruppen die unlängst vom König angekaufte 
Palmen- Sammlung des Herzogs von Aremberg einverleibt, sowie hier die 
beiden SpringbruDnen angebracht sind, welche von einer im Park l 



Maschine gespeist werden. Die in dieser Weise geschmückte Rotunde ist 
von einer Glasgallerie umgeben, welche mit Palmen, Farnen und anderen 
Blattpflanzengruppen besetzt ist; die Felsenparüe ist in den lonenhallen 
angebracht, an welche sich Schlingpflanzen bis zum Dachraum empor- 
schlängeln. 

Die für die Warmwasserheizung eingerichtete Röhre nleitung, welche das 
Ingenier -Bureau in Gent gelegt hat, bewährte sich trotz ihres einen Kubik- 
raum von 45,000 m fassenden Umfanges während des letzten strengen Winters 
vortrefflich; bei einer oft bis auf 25^^ C. gesteigerten Kälte - ■ • * 



3ngung stets 13^ Wärme erhalten. Die innere Einrichtung ist zuerst von 
mr. Wills aus den königl. Gärten zu Kensington geleitet worden; in neuester 
Zeit ist die Direktion der königl. Gärten und Glashäuser zu Laaken dem 
früheren Chefgärtner des botanischen Gartens zu Haag, L. Ingereist, 
übertragen worden; er war s. Z. aus der Gärtner-Lehranstalt zu Gent her- 
vorgegangen. — Der Wintergarten zu Laaken ist gegenwärtig das grösste 
derartige Gebäude der Erde, jedenfalls ein Glanzpunkt für den belgischen 
Gartenbau und seines von königlicher Aegide getragenen Ruhmes. 0. H. 

Die „Wiener lUustr. Gartenzeitung" schreibt: „Würmer aus Garfen- 
töpfen z.u vertreiben benutzt man zum Uebergiessen einen Absud von 
frischen Walhiussblättem , den man so lange bedeckt stehen lässt, bis er 
erkaltet. Derselbe dient zugleich als Dünger und hält auch andere Lisekten 
ab, namentlich Blattläuse. Auch soll es schon genügen, wenn man die grünen 
Wallnussblätter 24 Stunden im Wasser der Giesskanne hegen lässt." Den 
Regenwurm vertreibt man aus Blumentöpfen, Kübeln u s. w. durch Begiessen 
mit Wasser, das nait der zerriebenen Frucht der Ross-Kastanie vermengt ist, 
vom Gartenland durch Begiessen mit Jauche oder Russwasser 

(Rhein. Gartenschrift.) 0. H. 



Konvention 

Import zu erschweren. In de: 

dieser Gegenstand eingehend berathen werden. 



Vermischtes. 

(Aus den Sitzungen der technischen Ausschüsse des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues.) 

örangenkulturen. Ganz vortreffliche Orangenbäume finden sich im 
bchlossgarten zu Phihppsruhe bei Hanau und scheint es, dass das Röhren- 
wasser, welches man dort verwendet, durchaus keinen nachtheiligen Einfluss 
^"l: T ^^^^*^^ Orangenbäume wurden von einem MifgUede des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues in drei Jahren dadurch geheilt, dass er sie auf 
warmen Dung stellte. Das viele Beschneiden ist schädlich. Die Erde für 
Orangen darf nicht zu leicht sein, sie muss aus Laub- und Moorerde be- 
stehen. - In Versaiihs werden alle hervortretenden Triebe an den Orangen 
abgeschnitten, weil man runde Kronen haben will; in Folge dessen tragen 
aber auch die Baume wenig Früchte. Ein Orangenzüchter in Paris, der 
Dur Bluthen verkauft, soll die besten Exemplare daselbst jbesitzen. Sein 
Lrrundstuck, das nur % ha ümfasst, steht ganz voll von schönen alten Bäumen, 
die im Winter nach und nach in eisernen Häusern abgetrieben, nachher aber 
ausserordentlich gepflegt werden. 

Neue Kartoffelsorten. Die Champion - Kartoffel , von Louis 
Schiebler & Sohn in Celle eingeführt, hat überall Beifall gefunden, zumal 
sie selbst m feuchtem Boden gedeiht; eine noch neuere Sorte von demselben: 
Magnum bonum, eine Nierenkartoffel bedarf noch weiterer Prüfung. — Die 
frühe Rosenkartoffel ist im Herbst sehr gut als Speisekartoffel und auch 
wieder zu Ostern, in der Zwischenzeit soll sie nicht so schmackhaft und 



Für die Brennereien hat s. 

wegen ihrer frühen Reife die Campagne 4—6 Wochen früher beginnen 
kann. - Die „Schneeflocke" godeiht selbst auf schwerem Boden an emigen 
Orten vortrefflich. - Wie s hr der Boden von Einfluss, erhellt daraus, 
dass in einem Garten zu Pankow bei Berlin diese sowie die Rosenkartoffel 
P°5.«^i% wurden, während sie in einem anderen Garten daselbst von vor- 
trefflicher Qualität waren und doch war der Boden in ersterem leichter als 
in letzterem, allerdings etwas kiesig. 
_„.u^J?:?.Mf."/'^^/,..^.'^^.?^^^gw^*^<^£? der Kartoffeln. In Proskau ^ 



I Herrn Dr. Grahl, der auf dem dortigen 
ö "' j"u"T""""^ 6'=6'^" J^'J"" ouiteii joiartoffeln anbaute, alle auf gemergeltem 
bandboden kultivirten Kartoffeln pockig (schorfig). Ob Kloakendun« das 
Pockigwerden befördert, scheint noch nicht sicher ausgemacht: vom Strassen- 
duEg ist bei Berlin kein übler Einfluss bemerkt worden. 
_ Amerikanische Aepfel werden gegenwärtig in Berlin viel verkauft: 
m Hamburg hat man fast ausschliesslich solche. Es sind besonders Baldwins 
Pepping und Greening. Das Fleisch ist sehr zart und wohlschmeckend. 

Chinesische Primeln Herr Brandt führte in der Sitzung der ver- 
einigten Ausschüsse für Blumen- und Gemüsezucht am 2. Dezember 1880 
eine schone gefüllte Primel vor, die schon seit zwei Monaten blühte und aus 
Samen von einfachen gefallen war. Die Primeln von Carter & Co in London 
smd sehr schon, leider will aber das Berliner Pubhkum resp. die f 
diese theuren Sorten nicht höher be2ahlen als die einh( 
ist, dass im letzten Herbst ein Berliner Samenhändler 

Samen von Primula sinensis kermesina splendens nach „ 

hatte. Nach Herrn Brandt erhalten die Primeln eine weit lebhaftere Blüthen" 
färbe, wenn man sie in einem ausgetragenen Mistbeetkasten im freien Grunde 
hinstellt. Auch hat Torf nach dem übereinstimmenden ürtheil vieler 
Zuchter Einfluss auf die Lebhaftigkeit der Farbe und ist es daher gut, die 
Primekrde mit Torfgrus zu mischen, oder die Töpfe in Torfgnis ein- 
zufüttern. Feinen Neuholländern ist Torfgrus nachtheilig. 






92 



Zerstörung des Mehlthaus. Graf Du Boysso: 

des Mehlthaues auf Rosen Salzwasser mit Erfolg aii„ , . 

dieselben Morgens und Abends damit spritzte und zwar 2—3 g auf 
bezw 30 g auf eme gewöhnliche Giesskanne mit Wasser; nach vier T 
war der Mehlthau von den Rosenblättem, oben und unten bespritzt, 
schwunden. (Pom. Monatshefte.) 

Literatur. 

„ J^S: Heinemann, Die Kultur des Champignon (Agari 
F. C. Heinemann's Gartenbibliothek No. 6 c " " ' " "^ 
Mit drei Holzschnitten. 

E. Marchai, Organisation des ecoles de l 



iseignement. Bruxelles 1880. 8^ 11 S 
- Derselbe. Notice i 



.^v-xocxMc. x^uuoe sur les neaeracees recoltees par Jid. Andre, dans 
■ mT^"% Grenade, l'Equateur et le Perou. Bruxelles 1880. 8% 10 S 
-xi:*. ° . *°^™®^^,^^*.'.üeber die Ursachen der Unfruchtbarkeit 



die Mittel, diese zu heben. Vortrag, gehalten am 6. De- 
Hambi^rg TSSL^S 1*"«^^^"^"'^^^° ^''' Hamburg, Altona und Umgegend 



Treichel, Botanische Notizen II., mitgetheilt in der General- Ver- 
„ ^- naturforschenden Gesellschaft in Danzig zu Neustadt \V/Pr 



15 T'"" 



t-Abdruck aus den Schritten der Gesellschi 



: e n s 1 n e n. 



Lavalle ^ ^ _..„„.„ _.^^,„ 

rum et fruticum'in hortis SegrecianTs'cöU^cWum7Description'etfigures 
T R^?S/7Tf,"^'T'^*'^? ou critique de Farboretum de Segrez. Paris, 
w- ^^''■^ ^* ^^- Livraison I. 1880. kl. foüo. 6 Tafehi u. 20 S. Text 
We^ welfTpf !f ? vorliegender erster Lieferung mit grosser Freude ein 
Werk, welches darlegt, dass Liebhaberei zu den Pflanzen auch in unseren 
pSpS- nt r^^"^- ^^^f e°schaft vereinigt gefunden wird. Der Verfasser ist 
fn w! i ■ f^^^==osischen Gartenbau-Gesellschaft und Besitzer eines Schlosses 
P?n ASn..;^' Boissy-sous-Saint Yon (Seine et Oise), in dessen Nähe derselbe 
iTchst^bpr^S f^^^^Pl ^*' '^^ ^^^^ d^°^ i°^ ^o^'g«^ J^^re uns freund- 
np,,?r, ?i^"'"^^*^''/^*?^'^g ^^ ^«^ reichhaltigsten der Erde zählt. Von den 
vnrlW^tii^^^Av^ ? Jfritischen Arten dieses Arboretums erhalten wir in 
ZÄ.^"..''Ä!."1^-*-^^^^^^^^ -d einen mit lateinischen 

stuhrhcherer Beschreibung versehenen Text, 






, Arboretum Segrezianum. Icones 



!»^„^V- ,^^^«ag^"s longipes. V. Crataegus cuneata. VI. Jamesia ameri- 
P.t Z^^^^"''*?^ ^^ <^^^^«^ Stelle dem Verfasser für das werthvolle 



Geschenk, das er damit < 



Beförderung des Gartenbaues ge- 



„r,^ v„ j ^^ ^^^J- ^ Heinemann, Die Clematis. Eintheilune Pfleee 
letft ScÄ ^U ?-T'"'- ¥* einem beschreibenden Verzeichniss^e der bis 

freZ^}!^^^ S^P^ Taschen-Lexikon für Gärtner und Garten- 

und 7?» /^*^^tend die richtige Benennung einer grossen Anzahl von Nutz- 

120 uW"^^^ deren Synonyme, Vaterland etc., Leipzig, Moritz Ruhl. 

liöü. ~ uies kleine Werk, das sich wegen seüies Formats leicht io der 



Tasche tragen lasst, sollte ein steter Begleiter des Gärtners und GartenUeb- 
habers sein und würde ihm beim Etiquittiren sehr nützen. Es ist alpha- 
betisch geordnet, bei jeder Pflanze die Famiüe, das Vaterland, oft auch das 
Jahr der Einführung angegeben, sowie ob die Pflanze im Warmhaus Kalt- 
haus oder im Freien überwintern kann. — Die grosse Mühe, die solche Schrift 
verursacht, erklart wohl den etwas hohen Preis (1 M. 50 Pf., geb. 2 M) 
den wir im Interesse der allgemeinen Verbreitung gern etwas niedriger 
gesehen hätten. Dass nicht alle Zierpflanzen auf so engem Raum aufgeführt 
werden konnten, Yersteht sich von selbst. 

E. de Puydt. Les Orchidees, Histoire Iconoffra^^Ti «fn n^^ 

Revue descriptive des especes cultivees e- " 

UDd50Chromolithographien,348SeitenTe^„. ^. ^„..o ..^^^^,, 
1880. Wer Vieles bringt, wird Jedem etwas bringen. Organo'graphie, Classi- 
hcirung, geographische Verbreitung, Sammlungen, Kultur, etc. einer so unge- 
heuren Famihe wie die der Orchideen in so engem Rahmen abzuhandeln ist 
eine Aufgabe, deren Lösbarkeit jedem, der sich mit diesen Pflanzen beschäftigt 
hat, nothwendig problematisch erscheinen muss. 

Der Zweck des Buches ist der Hauptsache nach der, das blumenziehende 
Publikum für die Kultur der Orchideen zu interessiren und es über die 
wichtigsten botanischen Thatsachen zu unterrichten. Sicher ist dies ein ver- 
dienstlich Werk. Es ist ein Buch „pour les gens du monde" — für wohl- 
habende Blumenfreunde, botanische und gärtnerische Dilettanten, für welche 
der Garten und das Gewächshaus den Mittelpunkt der täglichen Beschäftigung 
oder das Refugium nach des Tages Last und Hitze bilden, und von diesem 
Standpunkte aus, aber auch von diesem aUein, können wir das Werk als 
eine Bereicherung der gärtnerischen Litteratur begrüssen. 

Hervorzuheben ist femer, dass der Autor dem alten Aberglauben ent- 
gegentritt, als bedürften die Orchideen einer exceptionell hohen Temperatur 
und als sei die Kultur der Orchideen das Non plus ultra der Schwierigkeiten. 
Feuchte Luft, gute Ventilation, Drainage, Licht so viel als möglich (aber ohne 
direkten Sonnenbrand), diese Grundzüge der modernen rationellen Orchideen- 
..-1-^ ■ 1 . . Kernpunkt des ganzen Theiles über die Kultur. Aber eben 
"cht oft genug wiederholt werden, wenn anders der 
erfüllt werden soll, dass die Kenntniss dieser 
iter den Blumen Allgemeingut wenigstens aller 
Gebildeten werde. Eine Liste von c. 160 Arten, meistens Schönheiten ersten 
Ranges, welche ausserdem den doppelten Vorzug der leichten Kultur und 
der Billigkeit habeu, schliesst diesen ersten Theii des Buches 

Der zweite Theü enthält eine alphabetische Aulzählung der in den eu- 
ropäischen Sammlungen vorkommenden Gattungen, ihrer besonders wichtigen 
und werthvollen Arten, der geographischen Verbreitung, sowie Notizen über 
I Kultur dieser Arten. Zur besseren Illustrirung dieses Theiles dienen 
,i„„;„i,„ jjieist brillante Holzschnitte und 50 chromolithographische Tafeln, 
^"^na sich leider weniger sagen last. Indessen wird der Liebhaber, 
i Werkes bedient, und eine lang kultivirte Lieblingspflanze nach 
dieselben wohl mit grösserer Befriedigung betrachten, 
taniJier, der an Lindleys Sertum und ähnliche Werke gewöhnt ist. 
fällt hier noch ins Gewicht der sehr massige Preis — 30 Frs. 
— und unsere Ausstellungen treffen nur einen Theil der Tafeln, z. B. Cypri- 
ped. Lowii und Sedeni, Ada aurantia, (zu gross gerathen), die Aerides-Tarfeln, 
Vanda Lowii (völlig verunglückt), Aurellia africana. Die Sprache ist leicht, 
und selbst Jemand, der nicht tagtäghch französisch spricht oder Hest, wird 
sich bald hinemlesen. Wir halten diese Bemerkung um so weniger für über- 
flüssig, als eine deutsche Bearbeitung dieses Buches nicht existirt. Der ganzen 
Tendenz entsprechend sind speciell systematische Fragen grundsätzlich fort- 



die Lmdleyscüen Gattungen gehalten, für ein Gartenbuch sicherlich ein Vorzug, 
ungern haben wir eine Wort-Erklärung der Namen vermisst, die sich oft mit 
2 Worten geben lässt. Uns selbst sind Fragen nach der genaueren Bedeutung 



mancher Namen so oft vorgelegt, dass wir behaupten, ein Buch, welches für 
gebildete Laien und Damen geschrieben sei, müsse derartige Notizen entbalten. 
Die Ausstattung des Werkes ist eine sehr opulente. Die Holzschnitte z. 
Th. speciell für das Werk angefertigt, z. Th. aus Gard. ehren, entlehnt sind 
sehr gut. Wenn man, wie schon gesagt, von den Tafeln nicht Gleiches rühmen 
kann, so liegt das an der unglücklic' en Idee, unter allen umständen Habitus- 
bilder geben zu wollen, auch, wenn die Kleinheit der Tafel dies verbot. Or- 
cLideen mit ihren eigenthümlichen Mischfarben und ihren oft so schwer zu 
beschreibenden Nuancen vertragen weniger als andere Pflanzen eine Ver- 
kleinerung. Es empfiehlt sich, einzelne Blüthen genau darzustellen und ein 
bedeutend verkleinertes Habitusbild hinzuzufügen, wenn dies schlechterdings 
...,, . „.. T... _. i._ r.-.x _-_.._. ..__ .. .,.„_ Darstellung 

r hoffen, dass es sein Publicuin finde und dass es dazu beitragen möge, 
wieder eine Zeit in der Hortikultur herbeizuführen, wie ältere Gärtner sie 
kennen; wo nicht eine Massenkultur von Modepflanzen, sondern ein liebe- 
volles Pflegen von Lieblingspflanzen den Gärten einen besonderen Reiz gab. 
Aber selbst wenn rein praktische Interessen massgebend sind, auch dann 
hat das Buch seine Bedeutung. Es scheint für uns die Zeit nahe zu sein, 
wo einige Arten von Orchideen in erhöhtem Masse das Interesse des Publi- 
cums erregen und wo alle Notizen über Kultur dieser Pflanzen für den Gärtner 
von Fach Werth und Bedeutung gewinnen. Fingerzeige dafür enthält es viele 
und wenn es seine meisten Leser in den Kreisen der besser situirten Privat- 
leute suchen muss, so findet doch auch der Gärtner manches, was ihn angeht. 
Kränzlin. 

Ausstellungen. 

Frankfurt a. M., Allgemeine Pflanzen-, Blumen-, Gemüse- und Obst- 
Ausstellung vom 1. Mai bis 1. October er. 

„Frankfurt a. M., 25. Januar 188L 

In Verbindung mit der Allgemeinen Deutschen Patent- xmd Musterschutz- 
Ausstellung beabsichtigt die Gartenbau -Gesellschaft, wie Ihnen bekannt, 
eine allgemeine Gartenbau- Ausstellung zu veranstalten. 

Der Beweggrund, welcher die GartenV-au- Gesellschaft veranlasste, eine 
solche Ausstellung ins Werk zu setzen, war nicht etwa der, ein Unternehmen 
anzubahnen, woraus ihr materielle Vorthe^le erwachsen könnten, da sie ja 
■ " Id nicht erhebt, sondern 

„ ^ ,. , Felde, wo auf den ver- 

schiedensten Gebieten der Industrie und der Wissenschaft ein edler Wett- 
streit um die Palme des Fortschrittes stattfindet, zu zeigen, dass die Garten- 
kunst in dem Bestreben nach Vervollkommnung nicht zurückgeblieben ist. 

Um dieses zu erreichen, muss die Betheiligung eine allgemeine werden 
und wenden wir uns an Sie mit der Bitte, uns zur Erreichung dieser Aufgabe 
dadurch behilflich zu sein, dass Sie in Ihrer GeseUschaft dabin wirken, damit 
sich Ihre Mit^eder möglichst lebhaft bei der Ausstellung betheiligen. 

TA. j.- ._.-_.L 1, .--..x g^^^ jj^j. gjjjgjj lokalen Charakter hat, sondern 

)auer und durch drei temporäre Ausstellungen 

jedem Produzenten Gelegenheit bietet, seine Erzeugnisse zur Anschauung zu 

' * '■■ " ■ ' " ' -y eine passendere Gelegenheit finden, die 

r^.u-.^ ^ Anschauung zu bringe] 



jedem Pr 
bringen, 



Programm zu Händen eines Interessenten noch nicht gels 
Q, so stellen wir Programm auf Wunsch Jedermann gratis zur Verfügt 
Zu Gegendiensten ' ' ' " • i .^ , , . . 



Personal-Nachrichten. 

vue de laSoc. d'Industrie et d'Agriculture a ^ ^ ^^ 

Am 2. Januar 1880 waren es 50 Jahre, (iass d. r Inspektor'desTotanischen 
Gartens zu Buitenzorg auf Jaya in holländisch Ostindien thätig war Diese 
Gelegenheit ergriff der (inzwischen verstorbene) Direktor Scheffer, um dem 
verdienten Manne eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu erweisen In 
Gegenwart zahlreicher hochgestellter Personen überreichte er ihm ein Album 
mit den Porträts fast sämmtlicher lebender Botaniker nebst einem künst- 
lerischen Diplom etc. Aus der Anrede des Herrn v. Kürderen, Präsidenten 
der ältesten asiatischen wissenschaftlichen Gesellschaft, Societe des arts et 
des Sciences de Batavia, entnehmen wir, dass Teysmann aus der Provinz 
Geldern stammend, zugleich mit dem neu ernannten General -Gouverneur 
Johann van der Bosch vor 50 Jahren den holländisch-ostindischen Boden 
betrat und im nächsten Jahre schon Inspektor (Hortulanus) des botanischen 
Gartens wurde, der nächst Miquel ihm seine heutige Grossartigkeit verdankt 
und der 38 Jahre von ihm geleitet wurde. Interessant ist, dass nach diesem 
Bericht Teysmann schou 1856 auf Sumatra jene riesige Aroidee (Cono- 
phallus gigus, C. titanum) entdeckte, welche Beccari als seinen Pimd neuer- 
dings für sich in Anspruch genommon. Teysmann erforschte die Flora 
und Fauna des ganzen ostindisc hen Archipels, ging auch nach Neu-Caledonien, 
pflegte den ersten Chinarindenbaum, den de Vriese 1852 aus Paris geschickt, 
und erzog, da derselbe alsbald zu Grunde ging, aus einem Steckling desselben 
einen neuen, von dem viel Tausende von Ablegern gemacht wurden. Er 
führte lue Oelpalme, den Maniok, viele gute Kaffeesorten ein, die westindische 
Ananas, jetzt als Ananas von Buitenzorg bekannt, beförderte den Anbau von 
Baumwolle, Zimmt, Kampher, Guttapercha, Kautschuk, Cacao etc, er lehrte 
zuerst in niederländisch Indien die künstliche Befruchtung der VanUIe und 
besiegte das Vorurtheil, dass Gewürznelken und Muskatnüsse nur auf den 
Molukken gedeihen könnten. Im Jahre 1859 erhielt er den Titel: Inspecteur 
honoraire des Cultures, den er noch trägt. — Ihm zu Ehren wurde die 
Palmen- Gattting Teysmannia mit u. a. bis jetzt nur einer Art- T altifrons 
Miq. aufgestellt. 



Berichtigungen. 

Bei der EUe, mit welcher wegen der Winterausstellung das Januarheft 
fertig gestellt werden musste, liaben sich leider mehrere Druckfehler ein- 
geschhchen, die wir zu berichtigen bitten: 

Januarheft S. 32 No. 3 ües: Eine grosse silberne Verein smedaüle und 
7d Mark für Rosen Herrn Brandt, anstatt eine grosse silberne Vereinsmedaille 

S 31 ZI. 1 von unten lies: Fetting, Pankow, anstatt Setting, Berlin 

S. 42 ZI. 13 von unten Ües: Alle Ahorn-Spielarten, auch Acer Negundo 

S. 4 ZI. 4 von unten lies: Madame Maurice Kuppenheim, statt 
Marie Scuppenheim. 

S. 6 ZI. 15 von oben lies: Triomp 
de Jodoignes. 



f Position, statt Triomphe 



Briefkasten der Redaktiou. 



Kulturen von Moünia coerulea, dem blauen 
emacht? Und in welcher Weise? 

L. Wittmack. 



Sechstes Terzeichniss 

denkma 

5 „ — „ 

IHM. -Ff. 
der frühere Betrag 1844 „ 84 Pf. 



1955 M. 84 Pf. 

o— o- -linsendungea (an Herrn Baums. 

Berlin SO., Köpnickerstr. 



Um weitere gütige Einsendungen (an Herrn Baumschulbesitzer Spaetl 
■ "^ "■ lickerstr. 154) bittet Das Comite. 



InltaUs 641. Versammlung des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues. S. 49. (Treiben Ton Rosen und Flieder. Sojabohne. Winter- 
auss^Uung. Helleborus foetidus.) — Versammlung der Gesellschaft 
der Gartenfreunde Berlins am 17. Dezember 1880. S. 52. (Zeit 



var. Charles X.) Desgl. am 7. Januar 1881. S. 53. 

Ihrer Maj, der Kaiserin-Königin und Sr. K. K. Hoheit des ] 

die Neujahrs- Gratulation der Gesellschaft, Vereinsangelegenheiten. Schnitt 

der Formobstbäume.) — Desgl. am 7. Februar. S. 55. (Dankschreiben 



K. K. Hoheit der Frau ] 
Export erschwerenden Bes 
Rosen- und Fhedertreiberei, Winterausstellung des Vereins zur Beförderung 

Beförderung des Gartenbaues pro 1881. S. 57. — Verzeichniss der 



(Forts.) S. 71. — E.Betche, Vegetations-Charakter der Samoa-Inseln 
(Schluss). S. 74. - Joseph Klar, Die Kultur oder Zucht der Bal- 
samine. S. 77. — Koopmann, Biota orientalis L, in Central-Asien. 
S. 79. — R Müller, Zur Anzucht hochstämmiger Stachel- und 
Johannisbeeren. S. 81. — Aus England. S. 83. — Olearia Haastii 
Hook (mit AbbUdung) S. 84. — Zur Statistik des Gartenbaues in 
Guben. S. 86. — Aufruf zu Gunsten der durch Hochwasser ge- 
schädigten Gärtner Bremens. S. 87. - Drohende Absperrmass- 
regeln Russlands wegen der Reblaus und Blutlaus. S. 89. — Ver- 
mischtes. S. 90. — Literatur. S. 92. — Rezensiooen. S. 92. — Aus- 
stellungen. S. 94. — Personal-Nachrichten. S. 95. — Berichtigungen. S. 95. 
Briefkasten der Redaktion. S. 95. — Sechstes Verzeichniss der gezahlten 
Beiträge zum Grabdenkmal Ton Professor K. Koch. S. 96. — 



8e 42, 2 Treppen, 

Eingang durch das westliche Gitter, dann an der Rückseite des Gebäudes 
durch Portal II. 

1) HerrGaerdt: Die Ergebnisse der Winter-Ausstellung des Vereins. 

2) Warum sind bei uns heizbare Kästen so wenig Terbreitet? 

3) Bericht über die versuchsweise kultmrten Neuheiten. 

4) Die drohenden Absperr-Maassregeln Russlands wegen der Reblaus. 

Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues und die Gesellschaft der 
Gartenfreunde Berlins haben nach eingeholter Genehmigung beschlossen, 

: c-_ Königl. Hoheit dem Prinzen Wilhelm und der Prinzessin 

Gelegenheit Hochihrer Vermählung eine sinnige 



Monatsschrift 

Vereines zur Beförderung des Gartenbaues 

in dfii Kiiiiigl. Preiissisclien Staaten 

Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. 

Eedaktenr: 

Dr. L. Wittmack, 



Adresse d. 
Berlin N., 


Ver. z. Bef. d. Gart: Adresse seines Schatzmeisters, Rentier Sonntag: 


Preis der Monatsschrift pro Jahrgang 13 Mark. 

deren Timm 30 Pf. , für Mitgüeder des Vereins : 

Hälfte. Rabatt bei Smaliger Insertion 5 pCt., bei 

Annahme in der Expedition der Zeitung 




No. 3. 


Beiliu, im März 




1881. 



642. Tersainmluiig des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues in den Königl. Preuss, Staaten. 

Verhandelt Berlin, den 26. Januar 1881. 

I. Das Protokoll der letzten Sitzung hatte aiisgelegen und 
wurden Bemerkungen über die Abfassung desselben nicht gemacht. 

II. Herr Drawiel bemerkte zu dem ProtQkoll der November- 
sitzung (Monatsschr. 1881 S. 4 und 6), dass die erwähnten Rosen 
Madame Marie Kuppenheim (nicht Skuppenheim) und Triomphe 
de l'Exposition (nicht Tr. de Jodoigne) wären. Seine Rosen 
seien auch nicht, wie Herr Spaeth meinte, dreijährige Veredelungen 
gewesen, sondern zweijährige. 

Einen Antrag, dass das Protokoll stets erst in der nächsten 
Sitzung verlesen werden möge, zog Herr Drawael zurück, weil das 
Protokoll immer in der nächsten Sitzung zur Ansicht ausliegt. 

III. Zu wirklichen Mitgliedern wurden vorgeschlagen: 

1. Herr Weinbergsbesitzer Leube in Berlin; 

2. ,, Kunst- und Handelsgärtner Gutzeit in Berlin; 

3. „ „ „ n Janicki in Berlin; 

4. „ Credner, Handelsgärtner in Salpeterhütte bei 

AVeissenfels; 



5. Herr Kunst- und Handelsgartner Spiess ia Lockstedt 

bei Hamburg; 

6. „ Kunst- und Handelsgärtner Dencker in Eimsbüttel 

bei Hamburg; 

7. „ Obergärtner F. Hörn in Döblingen bei Wien; 

8. „ Kunst- und Handelsgärtner Neukircb in Pankow 

bei Berlin. 
IV. Orangenkultur. Herr Dr. Bolle hielt hierauf einen Vor- 
trag über die Orangenkultur in Florida, die dort immer mehr 
Ausdehnung gewinnt und sich schon auf 3000 acres (a 40 arc) er- 
streckt. Man rechnet auf 1 acre 100 Bäume, yoQ jedem Baum 100 
Früchte und für jedes Dutzend 1 Dollar; als Reingewinn würden 
sich dann ca. 500 Dollars pro acre ergeben. (Der Vortrag wird 
besonders abgedruckt werden.) 

In der Diskussion bemerkte Herr Brandt, dass er die ratio- 
nellste Orangenkultur in Cannes im Jardin des Hesperides gesehen 
habe. Die Veredelung erfolgt nur durch Okulation und zwar an 
zwei gegenüberstehenden Augen. In den ersten Jahren verwendet 
man viel Sorgfalt auf die Ausoildung des Holzes und verfährt ähnlich 
wie_ wir beim Apfelbaum. Im ersten Jahre lässt man die Edelreiser 
ruhig wachsen, im zweiten Jahre werden die Bäume gebunden und 
legt man einen kleinen Tonnenreifen in die Mitte der Krone (vor- 
ausgesetzt, dass beide Augen gleichmässig gewachsen sind), um da- 
durch einen regelmässigen Wuchs zu erzielen; auch an dreijährigen 
Bäumen sieht man dies noch. Im dritten Jahre erwartet man den 
ersten guten Ertrag, Die älteren Bäume sind so gezogen, dass man 
hineinsteigen kann. Die Temperatur sinkt öfter im Winter auf 
— 3oR,, doch schadet der Frost selten, da es gewöhnlich dann 
trockenes TVetter ist. — Den guten Erfolg befördert namentlich auch 
die gute Bewässerung, die auch schon deshalb nöthig ist, weil oft 
fast sechs Monate lang kein Regen fällt. — In Cannes zieht man 
besonders Apfelsinen, in Mentone mehr Citronen. Die meisten 
Gärten sind mit Mauern umfriedigt und nicht zugänglich, nur der 
Jardin des Hesperides ist offen. Die Früchte werden übrigens an 
Ort und Stelle sehr hoch bezahlt. 

Herr Bolle fügt hinzu, dass Citronen weichlicher seien als 
Apfelsinen; Herr Lackner bestätigt dies und nennt als weichste 
Art die Limette. Eine neuerdings aus Japan eingeführte strauch- 
artige Species Citrus japonica soll noch härter als Apfelsinen sein 
und schon im mittleren Frankreich, Südengland und vielleicht auch 
im südlichen Deutschland aushalten. Diese Species scheint noch 
selten, die Früchte sind auch nur klein und roh nicht geniessbar, 
aber sehr aromatisch und werden von den Japanern in Zucker ein- 
gemacht. 

Herr Brandt glaubt diese Species in einer ihm als Chinois 
ubergebenen Sorte zu besitzen, sie blüht gerade jetzt und bringt 
kleme ungeniessbare Früchte. — Herr Bolle und Herr Lackner 
übernehmen es, die Pflanze zu bestimmen. 



Nach Herrn Lackner ist auch Citrus tripartita (Litnonia 
tripartita) sehr hart. Herr Bolle besitzt diese seit acht Jahren, 
sie bildet aber einen dornigen Busch, der kein hübsches Ansehen 
hat. Das Exemplar steht im Freien und hält unter leichter Kohr- 
decke gut aus; es ist noch nicht sehr gewachsen (erst 1 m hoch), 
vielleicht weil es auf trockenem Boden steht und wenig begossen 
wird. In Japan soll diese Art zu Hecken dienen. 
» V. Herr Hüttig hielt einen Vortrag über neu entdeckte ein- 

jährige und staudenartige Weinreben aus Afrika, der besonders ab- 
gedruckt werden wird. 

Herr Bolle bemerkt, dass man aus Abyssiuien schon mehrere 
krautartige Weinstöcke, die Knollen tragen, kenne. — Im All- 
gepoeinen bezweifelte man, gleich Herrn Hüttig, dass jene Reben 
bei uns sich würden im Freien kultiviren lassen. 

VI. Herr Lubatsch aus Zossen referirte hierauf über die Frage: 
„Warum werden an den neuen Chausseen des Kreises Teltow 
keine Obstbäume gepflanzt?" 

Redner weist darauf hin, dass der Kreis Teltow sehr arm an 
Obst sei und dass es deshalb wfinschenswerth erscheine, gerade jetzt, 
wo viele Chausseen im Bau resp. in Neubepflanzung, Obstbäume zu 
pflanzen. Trotzdem geschehe das nicht, sondern man nehme Wild- 
bäume. Der Boden sei auf etwa zwei Drittel der Chausseen für 
Obstbäume ganz gut geeignet. Leider sind viele Chausseen mit 
Pappeln bepflanzt, die auf 3—6 Ruthen hin das Ackerland mit ihren 
Wurzeln durchziehen. Der Verband der Xotte- Niederung ist jetzt 
gezwungen worden, eine Strecke, die mit 25~-30jährigen Pappeln be- 
standen, abzuholzen. Der Ertrag aus dem Holz ist aber gering, pro 
Baum noch nicht zehn Mark. Viel mehr Nutzen hätte man von Obst- 
bäumen, von denen ein einziger oft im Jahr zehn Mark Pacht giebt, 
ungerechnet den Holzwerth. Wenn in den pomologischen Zeitschriften 
immer wieder empfohlen wird, mehr Obst anzupflanzen, so muss es 
Einen doppelt mit Wehrauth erfüllen, dass es hier nicht geschieht. 

Herr Spaeth bemerkte dem entgegen, dass die allersorgfältig- 
sten Erwägungen bezüglich der genannten Chausseen stattgefunden 
hätten ; er selbst habe ja wiederholt für Anpflanzung von Obstbäumen 
plaidirt und die Erträge zusammengestellt, aber hier läge die Sache 
anders. In erster Reihe war bei der Wahl der Bäume die Nähe 
der Stadt Berlin entscheidend. Es lässt sich nicht läugnen, dass 
Berlins Umgebung zum Theil verhältnissmässig baumarm und daher 
eintönig ist, es muss daher auf Vermehrung stattlicher schöner 
Laubbäume Bedacht genommen werden. Niemand wird aber be- 
haupten wollen, dass Obstbäume jemals eine schöne Allee geben, 
am allerwenigsten in unserem Boden; die Obstpflanznngen an der 
Prenzlauer und Königs -Wusterhausener Allee sind ein Beispiel dafür. 

Es sind deshalb aus ästhetischen Rücksichten, um unsere Mark 
etwas zu verschönern, W'ildbäume gewählt worden. Was den Ertrag 
betriflft, so kann man auch behaupten, dass die schnellwüchsigen 
Holzarten eine gute Rente geben, wie z. B. kalifornischer Ahorn 



und Pappeln, deren letzterer Holz sehr gesucht. — Pappeln sind 
übrigens nur da angepflanzt, wo der Boden sehr schlecht, nament- 
lich im Untergrunde kieshaltig war. 

Herr Wredow räth, in verkehrsreichen Gegenden Wildbäume 
an die Strassen zu pflanzen; bei Stargard in Pommern sei früher 
eine Obst-Chaussee gewesen, der vermehrte Verkehr habe aber zu 
vielen Beschädigungen Anlass gegeben und die Gutsbesitzer haben 
jetzt mehr Ertrag an den Wildbäumen. Es kommt hinzu, dass die 
Obstpächter selber beim Einernten die Bäume oft ruiniren. Dagegen 
bleiben Wildbäume meist unbeschädigt und haben vom ästhetischen 
Standpunkte, den er als Landschaftsgärtner besonders betone, nament- 
lich in der Nähe grosser Städte eine viel höhere Bedeutung. 

Herr Lubatsch: Es sind manche Chausseestrecken mit Pappeln 
bepflanzt worden, wo ebensogut Akazien, die doch ein viel werth- 
volleres Holz liefern, hätten stehen können; im Uebrigen aber würde 
gerade die Bepflanzung mit Obstbäumen an den Chausseen auch die 
Bauern, die in unserer Gegend noch nicht viel Sinn für Obstbau 
haben, veranlassen, sich Obstbäume zu ziehen. Die alten Staats- 
Chausseen sind mit schönen Sauerkirschbäumen bepflanzt, der Ver- 
kehr hat sie nicht beschädigt und jedes Jahr ist rege Nachfrage 
nach den Kirschen. In der Niederlausitz sind nicht nur die Chaus- 
seen, sondern auch die Feldwege mit Obstbäumen besetzt. 

Herr Drawiel hält eine Allee von Aepfelbäumen und Kirschen 
für schöner als eine solche von Rüstern, Pappeln, Ahorn, Eschen etc., 
die Rüstern verunzieren die Strassen durch ihre früh abfallenden 
Früchte, die anderen erhalten bald schmutziges Laub. Redner er- 
innert an die schönen Obstalleen im Anhaltischen. 

Herr P erring und mehrere der folgenden Redner stimmen 
Herrn Spaeth bezüglich der unmittelbarsten Umgebung grösserer 
Städte bei, aber in 5— 6 Meilen Entfernung von Berlin (Zossen ist 
fünf Meilen entfernt) müsse man, wie überhaupt auf dem platten 
Lande, Obstbäume pflanzen, wo es nur irgend möglich. Hauptsache 
sei aber, dass die Obstpflanzungen unter der Pflege sachverständiger 
Männer, Kreisgärtner, tüchtiger Baumwärter etc., stehen. 

Herr Spaeth bemerkt, dass er ja auch nicht prinzipiell gegen 
Obstpflanzungen sei, aber nur da, wo sie hingehören, nicht in der 
Nähe grösser Städte. Es bleiben übrigens selbst dort noch genug 
Wege übrig, z. B. alle Feldwege, welche von den Gutsbesitzern mit 
Obstbäumen bestellt werden könnten. — In Luckau habe man eine 
schöne Allee von Zierbäumen, die vom Bahnhof zu Ukro in die Stadt 
führe, umgehauen und mit schlechten Obstbäumen besetzt; das sei 
verkehrt. 

Auch Herr Lubatsch giebt zu, dass in nächster Nähe der 
grossen Städte keine Obstpflanzungen gemacht werden dürfen, aber 
5—6 Meilen von Berlin verkehre kein Spaziergänger, keine Equipage 



Nachdem noch die Herren H. Fintelmann und Wredow für 
Wildbäume, die Herren Perring, Haack und Drawiel für Obst- 
bäume plaidirt haben, wird beschlossen: 

„eine Eingabe an den Kreisausschuss für den Kreis Teltow zu 
machen, in welcher gebeten wird, diejenigen Theile der Chausseen, 
welche sich nicht in unmittelbarer Nähe von Berlin und anderer 
grösserer Ortschaften befinden, thunlichst mit Obstbäumen zu be- 
pflanzen." 

Die vereinigten Ausschüsse für Gehölz- und Obstzucht werden 
mit dem Entwurf dazu betraut. 

Herr Spaeth konstatirt noch, dass es eine falsche Ansicht sei, 
wenn man annehme, dass die deutschen Baumschulen so viel Obst- 
bäume gar nicht liefern könnten, als gebraucht würden, wenn alle 
Chausseen mit solchen bepflanzt werden sollten. Im Augenblick 
würde es allerdings an Aepfel- und Birnbäumen fehlen, doch nur 
weil diese an vielen Orten, namentlich Südwestdeutschland, im 
vorigen Winter erfroren sind. Wenn weiter in vielen gärtnerischen 
Zeitschriften behauptet sei, die vom Pomologeuverein empfohlenen 
Sorten seien in den Baumschulen gar nicht alle zu haben,* so sei 
auch dies nicht richtig. Alle guten Baumschulen hätten wohl alle 
belr. Sorten, es könnte sich das höchstens auf zwei Sorten beziehen, 
die anfänglich empfohlen, in Trier aber 1874 wieder gestrichen sind. 
Der Direktor, Excell Sulz er bemerkt, dass in den Regieruugs- 
kreisen ganz Deutschlands die lebhafteste Sympathie für den Obstbau 
herrsche, speziell für die Bepflanzung von öffentlichen Wegen mit 
Obstbäumen, auch in den Kreisen schlummere die Angelegenheit 
nicht. Die Rücksicht auf die Nähe grosser Städte sowie auch die 
auf die Bodenverhältnisse verbiete aber an manchen Orten den Obtbau. 
An Anregung von Seiten der Regierung habe es schon seit 
hundert und fünfzig Jahren nicht gefehlt. Friedrich I. verordnete, 
dass jedes Brautpaar vor der Verheirathung entweder einen Obst- 
oder zwei Wildbäume pflanzen solle. Aus Mangel an Bäumen wurde 
es schliesslich mit Geld abgelöst, da aber später die Eintreibung 
dieses Geldes oft auf Schwierigkeiten stiess und die Frage dem 
Könige Friedrich Wilhelm I. vorgelegt wurde, bemerkte er am Rande 
des betreffenden Schriftstückes: „Ich will lieber, dass meine Unter- 
thanen heirathen, %ls dass sie Obstbäume pflanzen." 

VII. Herr Drawiel legte kranke Nelken vor, die mit aschgrauen 
bis schwärzlichen Pusteln massenhaft besetzt waren und so beschädigt 
wurden, dass er in einer Woche 12—1500 Blumen, die sich nicht 
entwickelt hatten, abschneiden musste. (Als Ursache ergab die 
Untersuchung einen Pilz: Depazea Dianthi). 

Herr Lu bat seh empfahl die Pflanzen zu spritzen und wenn 
sie noch nass sind, mit gepulvertem gebrannten ungelöschten Kalk, 
der recht frisch aus dem Ofen entnommen, zu bestreuen und so zwei 
Tage stehen zu lassen. — Herr Brandt rieth zu Sehwefelblüthe, 
am besten sei ein Bespritzen mit einem Gemisch von Schwefelblüthe 
und Spiritus, 



— 102 — 

Herr Perring legte im Auftrage des Herrn Obergärtner Dada 
ein Blatt von einer Phönix ans der Flora vor, das stark mit einem 
auf Palmen häufigen Pilz, den Herr Prof. Magnus als Graphiola 
phoenicis Corda bestimmte, bedeckt war. 

Schliesslich wurde die eben eingetroffene grosse Photographie 

der Winterausstellung*) vorgezeigt, eine Besprechung der Ausstellung 

aber wegen vorgerückter Zeit auf die nächste Sitzung verschoben. 

VIII. Als wirkliches Mitglied wurde aufgenommen: 

der Gartenbau -Verein in Königsberg i. Pr. 

a. u. 8. 

(gez.) Bolle. (gez.) Wittmack. 



Versammlung der OeseUscliaft der Gartenfreunde 
Berlins. 

Verhandelt Berlin, den 4. Februar 1880. 

Nach Eröffnung der ziemlich zahlreich besuchten Sitzung Hess 
der Vorsitzende zunächst die Protokolle der vorigen Sitzungen ver- 
lesen. — In die Tagesordnung eintretend, wurde der bereits in früheren 
Sitzungen abgelehnte Antrag des Herrn Hofgärtners Hoffmann auf 
Aendernng der Grundbestimmungen noch einmal in Berathung ge- 
zogen und die Wiedereiubringung eines bereits früher abgelehnten 
Antrages damit motivirt: 

„In Anbetracht dessen, dass die Druckexemplare der qu. 
Grundbestim muugen vergriffen und daher noth wendig zu einem 
Neudruck geschritten werden müsse, die von Herrn Hoff mann 
beantragten Aenderungen auch fast ausschliesslich redaktioneller 
Mtur wären, endlich die in den Händen der Mitglieder befind- 
lichen Grundbestimmungen die im vorigen Jahre an diesen vor- 
genommenen Aenderungen nicht enthielten, es wohl angezeigt 
&ein möchte, dem Neudrucke die Aenderung der betreffenden 
Paragraphen vorangehen zu lassen." 

Die .Mehrzahl der Erschienenen hielt sich indessen strikte an 
den A\ ortlaut des § 32 der Grundbestimmungen, welcher Paragraph 
Anträge auf Abänderungen nur in der ersten Januarsitzung zulässt 
und lehnte den Hoff mann 'sehen Antrag wiederum ab. Der Kosten- 
ersparniss halber schlug Herr Grass vor, mit dem Neudruck der 
Grund bestimmungen erst im nächsten Jahre vorzugehen 

Hierauf erstattete Herr ßrettschneider Namens der Kassen- 
Kevisions- Kommission Bericht über den Befand der Kasse, welche 

*) Diese Photographie, 64X48 cm gross, die das herrUche Ausstellungs- 
gebaude mit dem Blumenschmuck vortrefflich wiedergiebt und als Darstellung 
der ersten deutschen W mter-Ausstellung einen dauernden Werth hat, zugleich 
emen üubschen Zmimerschmuck bildet, ist zum Preise von 5 Mark 75 Pf, zu 
haben. Anmeldungen werden baldigst beim General-Sekretär erbeten. 



einen Bestand von 3305 M. nachweist und zollte dem Herrn Schatz- 
meister für Wartung seines Ehrenamtes die vollste Anerkennung. 

Beziehungsweise Bedenken, welche hier gegen einzelne, beziehent- 
lich der Ausstellung gemachte Ausgaben erhoben, sollen thunlichst 
berücksichtigt, desgl. auch in der nächsten Sitzung über den Antrag 
Grass: „Absetzung der Zeitschriften Gardeners Chronicle und Bo- 
tanical Magazine von dem Bibliothekfonds" berathen werden. 

Der Vorsitzende ertheilte darauf dem Schatzmeister für die 
Rechnung des verflossenen Jahres Decharge. 

In der nach diesen geschäftlichen Verhandlungen eingetretenen 
Pause beschäftigte man sich mit den ausgestellten Pflanzen. Herr 
Lackner hatte ein schönes, reich blühendes Exemplar einer Loni- 
cera fuchsioidis ausgestellt. Hierzu bemerkt Aussteller, dass sie sich 
leicht kultiviren lasse, fast unaufhörlich und reichlich blühe. Die 
Loniceren warm zu stellen, hält Herr Lackner nicht für gerathen; 
neben der Lonicera fuchsioides verdiene auch Lonicera punicea ihres 
Blüthenreichthums wegen kultivirt zu werden. 

Herr Neu mann hatte einen Citrus longiflora blühend und mit 
Früchten, sowie eine Amaryllis regina ausgestellt, welche letztere 
bei 6—80 R. ihre Knospen vollständig entwickelt hatte. 

Der Vorsitende dankte den Ausstellern in seinem und im Namen 
der Gesellschaft und wurde sowohl Herrn Lackner als Herrn 
Neumann der Monatspreis bewilligt. 

Da die Zeit schon weit vorgerückt war, verlegte Herr Bluth 
seinen Vortrag über im Winter blühende Topfpflanzen auf eine spätere 
Sitzung und wandte sich Herr Wen dt seinen Mittheilungen über den 
Schutz gegen späte Nachtfröste zu. — So schützt letzterer beispiels- 
weise seinen Goldlack dadurch, dass er an der Stelle, wo der Gold- 
lack steht, schon im Herbste Pfähle einschlägt, um zu jeder Zeit 
darüber Stellagen aus Bohnenstangen herrichten zu können. Nament- 
lich geschehe dies in den Monaten Februar und März, um so die 
dem Froste event. ausgesetzten Goldlackpflanzen vor der direkten 
Einwirkung der Sonnenstrahlen zu schützen. Hat man Bohnen- 
stangen in hinreichender Menge , bedarf es weiter keines Materials, 
andernfalls reicht eine leichte Decke von Stroh, Tannenzweigen u. s. w. 
hin, da es vor Allem darauf ankommt, dass die so zu schützenden 
Pflanzen hohl stehen. Bei den Violen wendet Herr Wendt als Decke 
ausgeschüttetes Stroh an. Misslicher sei es schon, sich gegen die 
Frühjahrsfröste zu söhützen, indess habe er auch hiergegen ein 
Mittel erprobt, das, den Weinbauern nachgeahmt, er habe empfehlen 
können, um so mehr, als er durch Anwendung desselben im Mai 
vorigen Jahres freie Rosen und Obstbäume gegen den damals viel 
vernichtenden Frost mit gutem Erfolge geschützt. 

Wenn die Temperatur gegen Abend bedeutend abnimmt und 
Frost eintritt, lässt Referent Holz und anderes Brennmaterial zu 
Haufen in die Kähe der zu schützenden Pflanzen zusammentragen, 
anzünden und sorgt nun dafür, dass durch Aufschütten von Torf, 
Strauchwerk und anderem Qualm gebenden Material ein sogenanntes 



Schmauchfeuer ähnlich dem auf Ziegeleien beim Brennen von Steinen 
unterhalten wird. Durch die Rauchwolken wird der Wirkung des 
Frostes Abbruch gethan. Wie viel dergl. Bivouak- oder Schmauch- 
feuer anzuzünden, richte sich je nach dem ßaumo, welchen die zu 
schützenden Pflanzen einnähmen, Hauptbedingung sei es aber, mit 
dem Material nicht zu geizen und in der Arbeit nicht lässig zu sein. 

Eine Betheiligung der Gesellschaft der Gartenfreunde mit dem 
Gartenbauvereine an einer etwaigen gärtnerischen Dekoration gelegent- 
lich des bevorstehenden feierlichen Einzuges Sr. Kgl. Hoheit des 
Prinzen Wilhelm von Preussen und Sr. Erlauchten Braut wird durch 
Gesellschaftsbeschluss genehmigt. 

Als Mitglieder hatten sich anmelden lassen: 

Herr Kunst- und Handelsgärtner Petersdorf und 
Herr Kunst- und Landschaftsgärtner Howe. 

Ueber Gewächshäuser. 

Vortrag, 

gehalten im Verein zur Beförderung des Gartenbaues am 29. Oktober 1880 

von Dr. Tschaplowitz. 



Die Periodizität in der Temperatur 
der Wärme de 



eine doppelte und zwar 
sseren Medien, Luft 
Igliche, monatliche und 



und Boden, welche sich wiede 

jährliche sondcit und zweitens eine Periodizität in der Lrwär- 

frei<'Ji Nntur aus den äu^-orcn Linwirkun.:en der Wärme hervorgeht. 
Was zunä<'hst den jälnii<'|jen Temporaturuang in warmen und 
tropischen r.ändei'n nnhnul, so entneiimo ich Dowe's „Verbreitung 
der Wiirmo auf der K idob^TlIridio" f()Ii;etule (<la<elhst auch graphisch 
d;iru.->Trllt(n; Zahlen in riojaunur'schen Graden bis zu 40° nörd- 
licht-r Brdtu: 

T.n F.-br ^L^ 2 AprL Mai J.mi Juli Ang. Sept Okt. Xov Dezbr 

Aequator 21,1" K. 21,7 22 21,4 20,7 20,9 21. 2 21 

10'' Br. 20' 21 22 21,8 21,9 21,2 20,.5 

20'' „ 17 19 21,6 22,1 21.7 19,8 18 

30" „ 12 14 I8,.5 20,« 2'» 15 12.4 



1 3,4 



7,8 5 
ichshäusern eir; 



Verdeicht man diese Zahlen mit <lcn i.i Gc 
gehaitent-n Temprnitumn. so sind di.i rntorschiode 
der-e.talt, d;i.^.. sich ai-<-irhts dci>.lluMi w.-ni- in 
lie>.^e. Ai;oin dir.M> imui,'v\>rL.-n Worthe sind herc.'hnote Miltol- 
zahlen und schlicssen zunächst Land- und Seeklima ein, so (Ws 
man, um für kontiueuTalc Klimato zutreffende Zahlen zu erhalten, 
die Ausbiegungeu der Kurve 
weit zu berücksichtigen, dai 



erhalb der W.^ndekieise jährlich 



zwei Sommer eintreten. Zweimal im Jahre steht die Sonne im 
Zenith jedes Ortes jener Zone. Die zwei Zeitpunkte stehen einander 
um so näher, je näher die Orte dem Wendekreise liegen und fallen 
auf der nördlichen Halbkugel in unsere warme Jahreszeit, also in 
dasselbe Kalenderjahr; auf der südlichen Halbkugel treten sie ein, 
wenn wir Winter" haben (und folglich in verschi denen Kalender- 
jahren); und so kommt es, dass, da zwei Kulminationen der Wärme- ' 
Kurve in immer kürzer währenden Zeiträumen (vom Aequator an 
gerechnet) auf einander folgen, sich zuletzt die Wärmemengen addiren, 
dergestalt, dass in der Nähe des 20. Breitegrades in der That eine 
höhere Sommer -Temperatur, d. h. Juli- und August- Temperatur 
herrscht, als selbst unter dem Aequator. Im Mittel zeigt der Aequator 
nach den oben angegebenen Do we' sehen Tabellen die höchsten 
Jahrestemperaturen im April (ersten Sommer) und November (zwei- 
ten Sommer) und zwar mit resp. 21,9° R. und 20,9^ R., zwischen 
diesen Zeitpunkten sinkt sie auf 20,3" R., während die Temperatur 
des 20. Breitegrades im Juli und August in Folge der oben an- 
gegebenen Verhältnisse (und wohl auch in Folge des längeren Tages) 
sich auf 22,1° R. berechnet. 

Die die monatlichen Temperaturschwankungen beschreibende 
Kurve ist gewöhnlich nur eine aufsteigende — vor dem Solstitium, 
oder eine absteigende — nach dem Solstitium, mit Ausnahme der 
Solstitialmonate. In tropischen Breiten bewirkt das soeben be- 
sprochene Veihältuiss, dass vier Monaten eine zweischenkliche Tem- 
peratur-Kurve zukommt, wie die Mitttelzahlen, welche für den 10. 
und 20. Breitegrad augegeben sind, auch zeigen. Im üebrigen 
ergieht sich die Monatskurve aus der Jahreskurve. Die diesen Zeit- 
räumen entsprechenden periodischen Temperaturschwankungen des 
Bodens und somit der Wurzeln charakterisiren sich dadurch, dass ihr 
Maximum um so später eintritt, je tiefer die betreffende Bodenschicht 
liegt; so tritt in Deutschland bei zwei Fuss Tiefe das Maximum etwa 
im August, bei vier Fuss Tiefe etwa erst im September und Oktober 
ein, etc. Es ist deswegen im Allgemeinen in der kalten Jahreszeit 
im Boden wärmer als über demselben. Ueber die Bodentemperaturen 
heisser Länder stehen mir nur wenig Angaben zu Gebote. Die obere 
Schicht des Wüstensandes kann bis 50, ja bis 70° C. annehmen und 
Gossen beobachtete in der (algerischen) Wüste in der obersten 
Schicht 40° R., in 0,1 m Tiefe ai)er schon Mos 20° R. und 2 m tief 
15° R. An der Küste von Malabar, in Trevandrum stehen die 
Monatsmitteltemperatureu in 3—12 engl. Fuss Tiefe Jahr aus Jahr 
ein um einige Grade höher als die Lufttemperatur (wohl keine In- 
solationstemperatur!). Der bewachsene und bewässerte Boden, der 
Sahara-Oasen z. B , wird freilich eine niedrigere Temperatur zeigen, 
indessen glaube ich doch, dass in oberen Schichten 30° R. vor- 
kommen kann 

Ganz andere Ansichten über die Wärmebedürfnisse der Pflanzen 
drängen sich uns jedoch auf, wenn wir auch die tägliche P.erio- 
dizität betrachten und namentlich kommt in besonderen Fällen, wie 



Z.B. beiWarrühauspflanzenkultur,wiemir scheinen will, ihr eine grössere 
Bedeutung zu, als man gewöhnlich annimmt. Die von mir in Proskau 
notirten Beobachtungen, von welchen die eines mittleren ruhigen 
Augusttages in fünf Kurven dargestellt sind*), nämlich zwei für in 
verschiedener Tiefe des Bodens gelegene Stellen und dagegen 0,1, 0,5 
und 1,0 m Höhe über demselben, stellen Verhältnisse dar, wie sie 
in warmen Monaten an möglichst windstillen Tagen bei uns statt- 
finden (s. Monatsschr. 1877, S. 106 ff.); ähnlich lassen sich dieselben 
in heissen Ländern denken. Wenden wir uns z. B. nach den Heimath- 
ländern einiger Palmen, etwa dem nördlichen Afrika, so sind dort 
(im kontinentalen Klima) tägliche Temperaturschwankungen von 
20 ja 30*^ R. häufig. Wir wissen, dass in der Sahara Nachts nicht 
selten das Wasser in den Schläuchen gefriert (auch in Bengalen 
kann, wenn die Bodenwärme abgeschlossen wird. Nachts Wasser in 
Eis verwandelt werden). Barth beobachtete im Innern Afrikas bei 
Minimaltemperaturen von 7 und 8** R. an denselben Tagen die Maxima 
von 30 und 40*^ R. Von der Dattelpalme wird angegeben, sie ertrage 
eine Temperaturschwankung von — 2 bis -}- 41" R. Temperaturen 
Ton 0° sind Morgens (in unserem Winter entsprechenden Monaten) 
in Nord-Afrika nicht selten. Von Fezzan wird angegeben, dass als 
niedrige Temperaturen -- 3 ja -i'' R. öfter auftreten, Maximum im 
Schatten an entsprechenden Tagen 20° R. Für Aegypten werden in 
der warmen Jahreszeit angegeben im Delta Min. 15'^ C, Maxim. 30 
ja 35 und selbst 40" C, in Mittel- und Oberägypten Min. 20 bis 
25" C, Maxim. 40 nnd selbst 60" C! Ebenso werden, zufolge der 
starken Insolation, die täglichen Schwankungen der oberen Boden- 
schichten, überhaupt der Schichten, in welchen Pdanzen wachsen, nicht 
unbedeutend sein. Diesem entsprechend müssten die Temperaturen 
der Kübel und Töpfe unserer Warmhauspöanzen regulirt werden. 
Liegen auch hierüber wenig direkte Beobachtungen aus tropischen 
und subtropischen Gegenden vor, so darf man doch rücksichtlich der 
starken Absorptions- und Ausstrahlungsfähigkeit des Bodens, der hohen 
Insolationstemperatur etc. auf Amplituden von wohl 15 bis 20" Weite 
in den oberen Schichten schliessen. Die von mir im Juli und August 
im pomologischen Institut zu Proskau beobachteten Schwankungen 
betrugen in 1 dm Tiefe gegen 9" C, in 2 dm Tiefe nahe 3—4" C, 
während eine dünne oberste Schicht (von vielleicht 0,05 m Dicke) 
fast nahezu der hochsteigenden Insolationstemperatur der untersten 
Luftschicht folgte. Besonders wichtig hierbei aber ist, dass die 
Maxima spät Nachmittags und Abends eintreten, während die Minima 
Vormittags und in grösserer Tiefe wahrscheinlich erst Mittags statt- 
haben. 

Alle diese Thatsachen können verwerthet werden, wenn man sich 
Schlüsse zu bilden sucht über die in tropischen etc. Ländern ein- 
tretenden Temperaturschwankungen der verschiedenen Bodenschichten, 
und habe ich, um ein Beispiel zu geben, auf der (dem Februarheft) 

*) Siehe Tat U. im Febr.-Heft d. J. 



beigefügten Tafel für die Tiefen von 1 dm und 2 m die muthmaass- 
lichen Temperaturen in Kurven dargestellt. 

Diese in der Natur statthabenden Verhältnisse, nämlich der 
periodische Gang der Insolationswärme, der Luftwärme und der 
Bodenwärme ^ bewirken nun, dass sich täglich die einzelnen Glie- 
der der Pfl'anzc nacheinander in einer bestimmten Reihen- 
folge erwärmen und wieder abkühlen, da jedes der Organe je nach 
seiner horizontalen Höhe über dem Boden zu einer anderen Zeit 
beginnt, die ihm eigene Temperatur-Amplitude zu durcheilen, und dass 
die den verschiedenen Organen oder besser ausgedruckt, jeder Horizontal- 
Region der Pflanze zugeführte Wärme sowohl ihrer Menge, als auch 
ihrer Intensität nach zu demselben Zeitpunkt sehr verschieden gross 
ist. Wie dies beispielsweise in unserem Klima und im August ge- 
schieht, ist aus meiner oben zitirten Arbeit zu ersehen, sicher findet 
Aehnliches überall statt, gemildert in ozeanischen, gesteigert in kon- 
tinentalen, besonders aber in gleichzeitig tropischen und kontinentalen 
Klimaten. Die Kurven S. 1 1 1 1, c. und noch mehr die denselben folgenden 
Tabellen lehren, dass die grösste Wärmesumme (im Sinne Bous- 
singault's durch Addition der Thermometergrade erhalten), sowie 
auch die höchste Intensität den untersten Stengelgliedern zu Gute 
kommt, in Höhe etwa eines Dezimeters; über diesen folgen Luft- 
schichten (resp, Regionen am Stengel, Stamm etc.) von sehr geringer 
Dicke, weiche um so kälter sind, je höher sie liegen; wärmer als 
diese sind die W^urzeln wenigstens der Summe der Thermometer- 
grade nach, welche eine weniger auf- oder abwärts gebogene Kurve 
darstellen, sie erreichen jedoch nicht die Höhe der Temperatur der 
äusseren Organe. Die unterste Stengelregion erreicht ihr Maximum 
schon Mittags, die höher gelegenen später, die Wurzeln Nachmittags, 
Abends und Nachts. Die Kurve namentlich der tiefer liegenden 
steigt und fällt also nahezu umgekehrt, wie die der oberirdischen 
Organe. Im Allgemeinen lässt sich also über die Reihenfolge der 
Erwärmung der einzelnen Organe oder Regionen der Pflanze sagen, 
dass dieselbe täglich von oben nach unten stattfindet und dass ihre 
Temperaturschwankung um so grösser ist, je näher sie der Boden- 
obertiäche liegen. Auch die Intensität ist wohl im Allgemeinen hier 
am höchsten. 

(Schluss folgt.) 



lieber das Treiben des Flieders (Syringa) 
und die Anzucht der dazu nöthigen Exemplare. 
In der Dezembersitzung (29. Dezember 1880) des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues erstattete Herr üniversitätsgärtner 
Per ring ein Referat über die Frage: 

„Ist es möglich, die getriebenen weissen Fliederblüthen, 
die meist aus Frankreich bezogen werden, in gleicher 
Schönheit und gleicher Menge in Deutschland zu erzielen?" 



Derselbe bemerkte: Bei einem . 
nereien am heutigen Tage habe ich bei den Herren G. A. Schultz 
und bei Herrn Chone sehr schönen weissen Flieder in grosser Menge 
gesehen und Herr Wen dt hat uns heute Abend eben solchen vor- 
geführt. Das ist ein erfreulicher Fortschritt unserer Kulturen. Der 
Bedarf scheint aber noch nicht völlig gedeckt zu sein* und es wird 
noch immer französischer Flieder importirt, obwohl andererseits 
auch wieder die erfreuliche Thatsache zu verzeichnen ist, dass bereits 
von Berlin wieder nach Hamburg, Leipzig etc. Flieder exportirt 
wird. In dem ersten Jahre, wo man in Berlin anfing, Flieder zu 
treiben, wurden die Pflanzen mit Töpfen aus Paris bezogen, was 
sehr kostspielig wurde; jetzt wird er schon ohne Töpfe eingeführt, 
aber der grösste Fortschritt fehlt noch, die Anzucht und Ver- 
breitung der geeigneten Sorten in Deutschland, Das muss natürlich 
hauptsächlich in den Baumschulen geschehen. — In Paris werden 
bekanntlich vielfach grössere Fliederbüsche, alte Ueberständer, nach- 
dem sie ausgeputzt und ihnen nur die Blüthenknospen belassen sind, 
einfach in einem Erdhause in den Boden eingeschlagen, das Haus 
zugedeckt und nun bei grosser Hitze und grosser Feuchtigkeit getrieben, 
wie in einem russischen Dampf bade. Die Herren J. C. Schmidt- 
Erfurt scheinen jetzt dasselbe Verfahren angewendet zu haben. 
Sie empfehlen 10,000 weisse getriebene Fliederblüthen zu Weihnachten 
und Neujahr, während sie früher Syringa vulgaris Sträucher zum 
Treiben zu kaufen suchten. Es ist das ein sehr erfreuliches unter- 
nehmen und es handelt sich nur darum, genügend Stämme vorzu- 
bereiten. In mancher Hinsicht ist es zweckmässiger, Topfflieder zu 
ziehen, da dieser dem Blumenhändler für seinen Laden eine hübsche 
Zierde bildet und ihm Gelegenheit bietet, die Rispen abzuschneiden, 
während die Pflanze selbst dem Gärtner zurückgegeben wird. Solche 
Sträucher lassen sich mehrere Jahre hintereinander treiben, wenn 
sie nur während des Sommers gut kultivirt werden. 

Herr Kuntze (in Firma J. C. Schmidt, Berlin) berichtete auf 
eine Anfrage, dass seine Schwäger J. C. Schmidt in Erfurt aller- 
dings eine sehr grosse Anzahl blau blühender Syringa vulgaris von 
4—6 m Höhe dicht neben einander eingeschlagen und im Dunkeln 
angetrieben hätten. Die Blumen hatten sich zu der Zeit, als er 
sie gesehen, aber noch nicht ganz weiss gefärbt. Eigentlich wollten 
die Herren J. C. Schmidt- Erfurt den Flieder in eigens dazu ein- 
gerichteten Kellereien treiben, die sie mittelst des Dampfes von zwei 
Dampfkesseln, die zum Betrieb ihrer Fabrik dienen, heizen wollten, 
doch sollen diese Kellereien etwas zu dumpfig gewesen sein; Proben 
des darin gezogenen Flieder habe er nicht gesehen. 

Was den Import des Flieders betriflt, so meint Herr Kuntze, 
derselbe werde sich wohl eine Zeitlang noch erhalten. Er selbst habe 
wie die Herren Chone und G. A. Schultz Fliedersträucher von 
Leveque und Jamain kommen lassen, der erste Satz habe beiihm 
z. Th. gar keine, z. Th. nur 3—4 Rispen gebracht, die jetzigen späteren 
kommen bedeutend schöner. Jedenfalls wäre es wünschenswerth, 



wenn man die Pflanzen selbst hier heranziehen könnte, man erspart 
allein schon pro Stück 50 Pfg. Fracht. In Paris werden die Flieder 
in reichem Lehmboden gezogen, was auch bei uns geschehen müssto. 
Die Qualität der Blumen lasse sich bei uns in gleicher Schönheit 
erreichen wie in Paris, er habe seine vorjährigen Exemplare weiter 
kultivirt und Blumen erzielt, die gerade so schön wie die Pariser. 
Die Anzucht von Fliedersträuchern in 3— 4 ra Höhe empfiehlt der- 
selbe den Handelsgärtnern sehr, weniger die von kleinen Topf- 
exemplaren; am besten ist die Sorte Charles X. 

Herr ßrettschneider bemerkte: Charles X. ist in unseren 
Baumschulen seit 20—25 Jahren verbreitet und nur durch Ver- 
edelung vermehrt worden. Die Sträucher, welche aber augenblicklicli 
davon bei uns zu haben sind, sind für Topfexemplare nicht geeignet, 
sie sind zu hoch und kahl; das mag wohl der Grund mit sein, 
warum man sie aus Frankreich bezieht. Leider hat auch die Lieb- 
haberei des Publikums für Syringen- Varietäten bei uns gegen früher 
abgenommen, selbst manche Gärtner kennen Charles X. nicht. Ausser- 
dem haben die Franzosen seit mehreren Jahren die besten Unter- 
lagen ausprobirt; Syringa vulgaris macht zu viel Ausläufer, Syringa 
Josikaea und Ligustrum vulgare, die beide ein reiches Wurzel- 
vermögen im kleinen Räume zeigen, sind geeigneter. 

Herr Haack erinnerte daran, dass er, nachdem er in Paris bei 
Laurent die Fliedertreiberei in Töpfen und in frei ausgepflanzten 
resp. eingeschlagenen Exemplaren gesehen, bereits vor 20 Jahren 
diese Treiberei hier empfohlen habe, erst jetzt sei endlich ein Anfang 
gemacht. — Herr Lackner entgegnete darauf, dass man schon früher 
hier weissen Flieder gehabt, dass aber Niemand ihn verwendet habe 
und die Kultur desshalb wieder aufgegeben wurde, jetzt durch die Fort- 
schritte in der Blumenbinderei sei erstwieder Bedarf nach solchem Flieder. 

Zu den Bemerkungen über englisclie Treibrosen 

im Januarheft der Monatsschrift (S. 3) 
von Fr. Harms, Eimsbüttel bei Hamburg. 

Die Mittheilungen über „angebliche Treibrosen nach eng- 
lischer Art", wie Herr Wendt sie aus einer renommirten Handlung 
bei Hamburg bezog und als abschreckendes Beispiel in der Ver- 
sammlung des Vereins zur Beförderung des Garteubaues am 24. Novbr. 
V. J. vorzeigte, veranlassen mich zu nachstehenden Bemerkungen. 

Vorausgesetzt, dass der Thatbestand genau so ist, wie er durch 
den betreibenden Bericht unserer Vereinsschrift (Januar 1881, S. 3) 
mitgetheilt wird, dass nämlich Herr Wendt einjährige Veredelungen 
von Gloire de Dijon pro Stück mit 15 Mark*) bezahlt hat, so liegt 



tHerrWe 



hiermit konstatiien, dass die Rosen nicht von Herrn l 



110 



unbedingt eine TJebervortheilung von Seiten des betreffenden Rosen- 
lieferanten gegen Herrn Wendt vor und wäre es, da Herr Wendt 
nun einmal die Gegend seiner Bezugsquelle ziemlich genau bezeich- 
net, in diesem Falle vielleicht angezeigt gewesen, auch gleichzeitig 
den Kamen des Verkäufers, mindestens aber die Anfangsbuchstaben 
desselben und sein Domizil zu nennen, da sonst andere reellere 
Geschäfte in dieser Gegend, die den Lesern vielleicht nur dem Namen 
nach bekannt sind, Gefahr laufen, mit in den Verdacht der Unreellität 
zu gerathen, ganz besonders aber meine Firma, da seit Jahren ich 
fast der Einzige bin, der in der Nähe Hamburgs „neueste Rosen" 
verkauft und meine Firma in dieser Hinsicht in hiesiger Gegend 
die einzige ist, die sich eines Renomme's rühmen darf. — Wissen 
nun meine werthen Abnehmer und die meisten Konkurrenten auch, 
dass die ersten Vermehrungen der im Winter von den englischen und 
französischen Neuheitenzüchtern in den Handel gegebenen Rosen im 
darauffolgenden Frühjahre schon von mir zu 2,50 Mark bis höchstens 
5 Mark pro Stück verkauft werden, so giebt es doch auch ausser- 
ordentlich viele Vereinsmitgljeder, denen aus früheren Berliner oder 
anderen Ausstellungen oder anderweitig meine Firma bekannt ge- 
worden ist, die aber keine Rosen und besonders keine allerneueste 
Rosen von mir beziehen und deshalb keine Ursache haben, meinen 
oder einen anderen Rosenkatalog zu studiren, und diesen Leuten 
möchte nach Bekanntwerden vorstehenden Falles jegliche Lust ver- 
gehen, falls sie ja einmal eine Anwandlung zum Bezug von neuesten 
Rosen verspürten, sich dieserhalb an meine oder eine andere Firma 
in hiesiger Gegend zu wenden. 

Etwas anders liegt die Sache freilich für wirkliche Rosenkenner 
und ganz besonders für Rosengärtner, wie Herrn Wendt und seine 
ehrenwerthen Herren Kollegen dieser Branche, die eines weitver- 
breiteten Rufes geniessen. Von solchen Rosenzüchtern, die also ihre 
Sammlungen durch gute Neuheiten des Auslandes zu bereichern 
resp. zu verbessern suchen, darf man verlangen oder wenigstens vor- 
aussetzen, dass sie in ihrem Fache au fait sind, dass sie also wissen, 
wo und zu welchem ungefähren Preise man Rosenneuheiten kauft. 
Hier handelt es sich also um eine englische Sorte und solche werden 
von den betreffenden englischen Firmen, wenn sie sie zum ersten Mal 
in den Handel geben (wenn sie also noch keine andere Firma liefern 
kann), stets zu 5 s bis höchstens 10 s 5 d (also 5 Mark bis 
10,50 Mark) pro Stück verkauft. — War die betreffende Rose also 
schon in Deutschland zu kaufen und hier wohl gar vermehrt, so 
war sie doch jedenfalls keine allenieueste mehr und folglich auch 
im Preise schon heruntergegangen. Nun fragt es sich freilich, unter 
welcher Bezeichnung, speziell unter welchem Namen sie Herrn Wendt 
verkauft ist. Unter dem Namen irgend einer existirenden Neuheit 
hätte Herr Wendt sie nicht zu viel höherem Preise, als andere 
Züchter sie liefern, acceptiren sollen. Andererseits kann ich mir 
auch kaum denken, dass ein so routinirter Geschäftsmann wie Herr 
Wendt sie ohne Namen gekauft hätte, nur weil sie doppelt so 



111 



theuer war, als die schönsten, neuesten und theuersten Sorten der 
reellen Firmen. Wäre diess aber dennoch der Fall, dass Herr 
Wen dt sie um einen für Rosen sonst aussergewöhnlich hohen Preis 
erworben hätte (wie so Mancher dem Charlatan für ein fast werth- 
loses Geheimmittel einen horrenden Preis bezahlt), ohne sich zu ver- 
gewissern, dass er wirklich eine werthvolle , ' den Anpreisungen ent- 
sprechende Rose erwirbt, die ihm andere g^erade für Neuheiten als 
erste und beste Bezugsquellen bekannte Firmen nicht zu liefern im 
Stande sind, so möchte das für die Rosen verausgabte Geld dennoch 
nicht weggeworfen sein, da nicht allein Herr Wendt, sondern auch 
mancher andere Rosenliebhaber veranlasst wird, beim Ankauf solcher 
nur von einer Seite empfohlenen, aussergewönlich theuren Rosen 
vorsichtig zu sein oder lieber von der Erwerbung derselben ganz 
abzustehen, bis man von ersten Autoritäten ein ähnliches Urtheil 
über dieselben gehört. — Aehnlich erging es vor mehreren Jahren 
hiesigen Gärtnern, besonders aber vielen anderen Privatleuten. Die- 
selben Hessen sich durch einen hausirenden, hier, wie in vielen 
anderen Städten (auch wohl Berlin) für kurze Zeit Lager haltenden 
frechen Schwindler auf das Gröblichste betrügen. Er verkaufte ihnen 
zu hohem Preise Sämereien, Zwiebeln, Obstbäume etc. nach Ab- 
bildungen, die Pflanzen darstellten, wie sie nie existirten; für Obst- 
sorten hatte er einige besonders schöne Schaufrüchte aus Frankreich 
als Lockvögel ausgelegt. Besonders aber führte er Rosenbilder bei 
sich, deren Farbenschattirungeu und Zusammenstellungen die kühn- 
sten Erwartungen bei Weitem noch übertrafen. Und nach diesen 
Abbildungen verkaufte er die allergewöhnlichsten Rosen, meistens 
einmal blühende Sorten; ebenso schlechte und noch schlechtere 
Sachen lieferte er von den anderen Artikeln. Ich hörte über die 
näheren Details seines ungemein flotten Geschäftes leider erat 
sehr spät, ging aber dann sogleich zu ihm und erkundigte mich 
nach seinen neuen Rosen. Hier pries er mir ca. 24 Sorten an, die 
er nur allein besässe und die alle den ausliegenden fabelhaften 
Abbildungen entsprechen sollten. Wie ich ihm indessen meine 
Adresse nannte und ihm unter Anderem bemerkte, dass, wenn er nur 
einige von den abgebildeten Rosen besässe, er sie an Mr. Verdi er in 
Paris für viele Tausend Francs verkaufen könne, dass viele Rosen, die 
er für Moosrosen ausgäbe, entschieden keine seien, noch viel weniger 
aber die abgebildeten, dass solche Rosen unbedingt seinen Lands- 
leuten, den Franzosen, und durch diese auch mir bekannt geworden 
sein würden etc. etc., suchte er sich dadurch aus der Schlinge, die 
er zu fühlen begann, zu ziehen, dass er mit grösster Frechheit zwölf 
Pflanzen unentgeltlich vorläufig zu meiner Verfügung stellte. Die- 
selben könne ich im Geschäfte niederpflanzen und würde er dann 
im nächsten Sommer, wenn dieselben geblüht, den Preis dafür per- 
sönlich von mir einkassiren, Hess sie inzwischen auch für meinen 
Gehülfen einpacken. Als ich trotzdem bei meinen Behauptungen 
beharrte und diese in Käufer Gegenwart aussprach, wurde er un- 
angenehm und stellte dieselben als aus Gesehäftsneid entspringend 



-- 112 — 



dar. Um keinen Auftritt herbeizuführen, musste ich vorläufig mit 
meinen Kosen das Feld räumen. Als ich nach zwei Tagen die Sache 
weiter verfolgen wollte, war der Vogel ausgeflogen, um an anderem 
Orte das Geschäft in ähnlicher Weise wieder zu beginnen. Ich war 
wenigstens nicht auf den Leim gegangen. Die Rosen schenkte ich 
einem meiner Arbeiter, da ich sie nicht im eigenen Garten pflanzen 
wollte. Es war das gewöhnlichste Zeug. 

In anderer Art, vielleicht ähnlich wie Herr Wendt, erwarb ein 
hiesiger Geschäftsfreund 12 oder 24 Exemplare von der alten Thee- 
rose „Goubault", in Amerika unter dem Namen „Bon Silene" oder 
„Bon Seline". Dieselbe wird dort ungemein viel zum Winterschnitt 
gezogen. Wäre diesem sonst so tüchtigen, praktischen Rosengärtner 
bekannt gewesen, dass die beiden Rosen synonym sind, so würde er 
sie jedeLfalls aus deutscher Quelle um V20 des jetzt verausgabten 
Preises bezogen haben. 

AufforderuDg zu Beobachtungen über die Blüthezeit. 

Herr Prof. Magnus liat in der Februarsitzung d. J. des Vereins 
zur Beförderung des Gartenbaues angeregt, nach dem Vorgange des 
Herrn Professor Hoff mann in Giessen und anderer Männer an ver- 
schiedenen Orten, namentlich bei Berlin, Beobachtungen über die 
Blüthezeit der Pflanzen zu machen. Um die Sache nicht von Anfang 
an zu kompliziren, empfiehlt es sich, nur das Erscheinen der ersten 
Blüthe der im April blühenden Pflanzen zu notiren und zwar nach 
Hoffmann's Vorschlag von folgenden: 

Muscari botryoides, 1. Blüthe in Giessen 3. April (Mittel 
Salix daphnoides „ 8. „vieler Jahre) 

Ribes Grossularia, Stachelbeere „ 12. „ 

„ rubrum, Johannisbeere „ 14. „ 

Prunus avium*), Süsskirsche „ 12. „ 

„ spinosa, Schlehe „ 20. „ 

Pirus communis*), Birnbaum „ 23. „ 

Prunus Padus, Traubenkirsche „ 24. „ 

Pirus Malus*), Apfelbaum „ 28. „ 

Wünschenswerth ist dabei zugleich die Angabe der täglichen 



verehrten Leser freundlichst", derartige Beobachtungen bereits in 
diesem Jahre machen und uns die Notizen behufs Veröffentlichung 
zusenden zu wollen. Selbstverständlich wnirden die Beobachtungen 
alle Jahre zu wiederholen sein. 

Will man weiter gehen, so notire man ii' 

Febr. (16j oder März Corylus Avellar.,., das Stäuben, 
März (17) Scilla sibirica, erste Blüthe. 
„ (17) Galanthus nivalis, „ 
„ (17) Leucojum vernum, „ 
*) Angabe der Sorte wäre erwünscht. 



- 11 



April (10) Aesculus Hippocastanum , Entfalten der ersten 
Blätter (Biattoberfläche sichtbar), 

„ (26) FagTis sylvatica, erster Baum grün, 

Mai (4) Syringa vulgaris, erste Bluthe, 

„ (5) Narcissus poeticus, „ 

„ (7) Aesculus Hippocastanum, „ 

„ (8) Crataegus oxyacantha, „ 

„ (14) Sarothamnus Scoparius, „ 

T) 05) Cytisus Laburnuin, • „ 

„ (16) Cydonia vulgaris, 

y, (17) Sorbtts aucuparia, „ 

„ (27) Sambueus nigra, „ 

„ (29) Seeale cereale, „ 

Juni (14) Vitis vinifera, „ 

„ (21) Eibes rubrum, erste Frucht reif, 

„ (22) Tilia platyphyllos, erste Blüthe, 

Juli (1) Lilium candidum, „ 

„ (31) Sorbus aucuparia, erste Frucht reif, 

Aug. (11) Sambueus nigra, „ 

„ (11) Aster amellus, erste Blüthe, 

Sept. (17) Aesculus Hippocastanum, erste Frucht reif, 
Oktb. (10) „ „ allgemeine Laubverfärbung, 

„ (14) Fagus sylvatica, desgl., d. h. über die Hälfte der 

„ (14) Betula alba, „ Blätter verfärbt. 

Die eingeklammerten Daten sind die betreffenden mittleren 
Tage für Giessen. 

L. Wittmack. 

Rosen in Amerika. 

Von Karl Mathieu. 

Es wird vielen Liebhabern und besonders den praktischen 
Gärtnern in Bezug auf abgeschnittene Rosen nicht uninteressant sein, 
zu hören, in welchen Massen dieselben in Amerika eine lohnende 
Kultur erfahren, und nehme ich zu dem Zweck einen Bericht des 
Mr. Meehan in Gardners' Monthly und Horticulturist, einer Phila- 
delphia Wochenschrift, zum Gegenstand, um einen Maasstab für 
dortige und hiesige Verhältnisse den Herren Kollegen zu geben. 

Von den Rosen, welche in New -York, Boston und Philadelphia, 
den drei grössten Städten Nordamerika's, wegen des Schnittes ganz 
besonders gezogen und getrieben werden, sind es folgende Thee- 
sorten: Safrano, hier auch sehr beliebt, Bon Silene (Goubault der 
Franzosen), Isabella Sprunt (ein Dimorphismus der Safrano, kein 
Sämling derselben, sport der Engländer, accident der Franzosen), 
Cornelia Cook, eigentlich C. Koch die richtige Schreibweise, ein 
Sämling von Devoniensis, von Koch in Baltimore gezogen, Douglas, 
Perle des jardins. Niphetos, Marechal Niel; und General Jacque- 
minot Remoni-Rose. Rosen, wie la France und Sr. de la Malmaison, 



die bei uns so beliebt sind, finden dort nicht jene frenndlicbe Auf- 
DahD3e, sei es, dass sie die Mühen des Züchters nicht mögen bezahlt 
gemacht haben, sei es, dass sie aus einem anderen Grunde nur einen 
kurzen Vertrieb auf dem Blumenmarkt haben. Ganz besonders sind 
es von obigen Bösen: Safrano dunkelsafran , Isabella Sprunt hell- 
schwefelgelb und Bon Silene dunkelfleischfarben, ohne welche der 
Handel nicht bestehen kann, und welche bei jeder Gelegenheit, sei 
es Freude oder Trauer, benutzt werden. In Philadelphia werden 
nicht weniger als 15,Cr00 dieser drei Sorten täglich gebraucht, in 
Boston und New -York ist der Verbrauch jedenfalls auf das Doppelte 
zu rechnen, so dass in diesen drei Städten ca. 70,000 täglich ver- 
braucht werden, welche Summe sich noch steigern Hesse, wenn es 
möglich wäre, eine genaue Berechnung während der Zeit anzustellen. 
Keine Eosen, ausser General Jacqueminot vielleicht, ändern so ihre 
Preise als diese drei und selten sind die Preise länger als zwei bis 
drei Tage bestehend. 

Die nachstehende Tabelle soll ein annäherndes Bild derselben 
geben, soweit eben möglich: 

Preis pro 100 Stück: 

November, die erste Hälfte . . Doli, 1,50 cts. 

„ die zweite Hälfte . , „ 2,50 „ 

Dezember, die erste Hälfte . . „ 5 — „ 

„ die zweite Hälfte . . 8— 12 - l 

Januar Doli, 6— „ 

Februar ^ 3 

März (wenn Osterfeiertage , höher) l 3 — " 
t^^^ - « « • « 3- l 

^^\ „ 2- „ 

Juni 2 — 

Juli, erste Hälfte ...'..', l 1,50 " 

y, zweite Hälfte " l'_ " 

August i_ " 

September ... i 

Oktober .' ; ; l 1— l 

Kontrakte für die Zeit vom November bis Mai werden zu drei 
Dollars das Hundert gemacht. Die Boston-Züchter haben dagegen 
eme Art des Kontraktes, ungefähr wie folgt: Pro November 2 Dol- 
lars, Dezember 5, Januar 5, Februar 4, März 3, April 3. Die 
meisten Safrano, Bon Süene und Isabella Sprunt werden in Boston 
gezogen. Die meisten Bon Silene werden dort erzeugt man kann 
sagen, von vier Bon Silene -Blüthen sind drei aus Boston, weshalb 
sie auch die Boston -Rose (Boston bud) heisst. In Philadelphia, 
Slla°'rrant°'' ^^"^ ""^'^ Theerosen fragt, dagegen Safrano und 
Marechal Niel wird besonders im Gebiete von New -York und 
Boston gezogen. Der Hauptzüchter derselben, sowohl in Bezug auf 
massen als m guter Eigenschaft, ist in Long Island, und seine Waare 
ist so ausgezeichnet, dass sie nach ihm benannt wird, und höhere 



116 



Preise erzielt, als die der anderen Züchter. Diese beiden Städte 
verbrauchen täglich gegen 10,000 ßosen M. Niel; ebenso sind seit 
2—3 Jahren sehr viel in Philadelphia gezogen, und wenn die Lieb- 
haberei anhält, so wird Philadelphia Boston und New -York nichts 
nachgeben im Verbrauch dieser Rose. 

In der Regel wird M. Niel mit General Jacqueminot, dem 
Veilchen Marie Louise und Myrsiphyllum asparagoides (Medeola 
asparag.) verbunden, zu den schönsten und theuersten Sträussen 
verwendet, ein Strauss von M. Niel Rosen und Myrsiphyllum während 
der Zeit der Opern - Darstellungen ist 10—20 Dollars werth. Die 
Blumen im Einzelverkauf und im Kleinhandel kosten 20 — 50 cents, 
im Grossen 10—20 Dollars pro Hundert, der geringste Preis ist 
5 Dollars. In Philadelphia wurden zu einem Vereinsballe nicht 
weniger als 20,000 Theerosen gebraucht, ausserdem noch G. Jacque- 
minot und andere Sorten, ebenso in New -York bei Gelegenheit einer 
Ausschmückung 5000. Eine gute M. Niel Pflanze bringt 1000 bis 
1500 Blumen während der Blüthezeit hervor, auch wohl gelegentlich 
2000. üebrigens wird die M. Niel R. dunkler und die ßlüthe grösser, 
wenn dieselbe auf die Banksia-Rose veredelt wird. 

In Bezug auf G. Jacqueminot will ich hier noch bemerken, dass 
ein Züchter derselben in einer Blüthezeit für 12,000 Dollars nur 
in dieser Sorte verkaufte. 

Zum Schluss führe noch ein Beispiel einer Rosen-Züchterei an, 
nämlich die der Herren Dingec & Conard in West-Grove, Chester 
County, Philadelphia, welche die grösste Gärtnerei in der Art wohl 
in der Welt ist. Diese Firma besitzt 46 Häuser, das kleinste davon 
ist 100 Fuss lang, sämmtlich der Kultur der Rose gewidmet. Im 
letzten Jahre (1879—80) erhielt sie 50 grosse Frachtkisten mit 
Flugschriften und Preis -Verzeichnissen gefüllt zur Versendung, welche 
ein Porto von 2700 Dollars erforderten. 

Die gUrtnerischen Arbeiten bei dem Denkmal der 
Königin Luise 

im Thiergarten zu Berlin. 

(Aus Mangel an Raum verspätet.) 
Es dürfte manchen Besucher dieser Stätte interessiren , Ge- 
naueres über die so reich ausgestatteten Anlagen zu erfahren. 
Mitten in Hochwaldbäumen hat man durch Beseitigung verschiede- 
ner grosser Bäume einen weiten, freien Raum geschaffen, wobei 
allerdings die herrliche Blutbuche (Fagus sylvatica var. fol. rubra), 
ein Unicum unseres Thiergartens, zum Opfer gefallen ist. Nahe an 
der Südostgrenze des Platzes hat das Marmor-Standbild auf einer 
kleinen, erst dazu geschaffenen Erhöhung, zunächst umgeben von 
einer achteckigen Granitumfassung, seine Aufstellung erhalten. Wie 
in einer geräumigen Nische stehend, hebt sich die weisse Statue 
von dem dunkelgrünen Laube in lebensfrischen Rüstern, Ulmen, 
(ülmus campestris) ab. Vor diesen, die Stämme verdeckend, zieht 



»- 116 



sich ein dichter Kranz von ernsthelaubten Lebensbäumen (Thuja öcci- 
dentalis) hin, vor letzteren wieder ein Ring von niedrigeren, 2 bis 
3 Fuss hohen Ehododendron ponticum, Buxus sempervirens, Prunus 
lauro-cerasus, mit ihren saftgrünen Blättern. Den Abschluss bildet 
ein Kranz niedriger Rosen mit schmaler Graseinfassung, die gegen- 
wärtig in ihrem schönsten ßlüthenschmuck prangen. Dieser Rosen- 
kranz setzt sich seitwärts bis zu den Aufgangsstufen fort. Unter- 
brochen wird er auf beiden Seiten durch eine Rosette von der dun- 
kelblauen kleinen Lobelia, eingefasst von weiss blühenden Blumen 
derselben Art. Der Gesammtblick wird noch ganz besonders durch 
einige grössere (etwa 10 bis 12 Fuss hohe) Thujopsis (glauca?) mit 
ihren wie in tiefer Trauer herabhängenden, schwankenden, blau- 
grünen Zweigen und durch die vor dem Ganzen im Halbkreise auf- 
gestellten 10 Granatbäume (Punica granatum) mit ihrem lichten, 
gelblich-grünen Laubschmuck effektvoll erhöht. Nach vorn breitet 
sich die nach und nach niedriger werdende Einfassung seitwärts aus 
und gestattet dadurch Raum zur wechselvollen Anpflanzung ver- 
schiedener Sträucher und Staudengewächse, ausserhalb die blassroth 
blühende Deutzia, Taxus, Rhododendron, Prunus lauro-cerasus, Spi- 
raea prunifolia, Erythrina, Acer Negando var. jaspidea, dessen 
glashelle Blätter lebhaft hervorleuchten. Zu ihnen gesellen sich die 
lieblich eingestreuten Schierlingstannen, Pinus canadensis, mit ihren 
feinen Nadeln. Die niedrige Diervilla canadensis mit ihren grünlich- 
gelben Blüthen macht gewissermaassen den Schluss zur Seite der 
Stufen in Gesellschaft der fein gefiederten, kleinen Wiesenraute, 
Thalictrum minus, die sonst am Waldrande oder Ackerrain unbe- 
bemerkt und unbeachtet wächst. Der Beobachter wird dadurch zu 
der Wahrnehmung geleitet, dass auch das an sich unscheinbarste 
Pflänzchen in der Hand des kunstgeübten Gärtners seine Geltung 
erlangt. Den Fuss des Sockels umgeben ebenfalls niedrige Rosen, 
eingefasst von Funkia undulata. Zu beiden Seiten des Aufstiegs 
macht sich noch ein Kreis mit verschiedenen Krautpflanzen, als 
Hanf, Mais, Phlox etc., eingefasst von den breiten, ovalen, meer- 
grünen Funkia alba und coerulea, bemerkbar. 

Wenden wir unsern Blick von den Granitstufen aus dem 
grösseren, dem Denkmal gegenüber liegenden Abschnitte des grossen 
Ovals zu, so überschauen wir in demselben eine grossartige, in 
schwungvollen, kühnen Bogen hineingezeichnete Arabeske. Dieselbe 
ist eingefasst von Sinngrün (Vinca minor), und innerhalb der Linien 
bedecken den Boden zunächst zahlreiche Pelargonium zonale mit 
ihren fleischfarbenen Blüthen. Weiterhin folgen dann wieder nie- 
drige, reich blühende Rosen, zur Abwechselung reichlich untermischt 
mit dem helllaubigen deutschen Straussfarn (Struthiopteris germa- 
nica), wodurch die Eintönigkeit wirkungsvoll unterbrochen wird. 
Der innere Raum der Arabeske prangt im schönsten Rasengrün, 
Dem Beschauer zunächst präsentiren sich darin zwei grosse Kreise 
voll üppig blühender Petunia hybrida von bläulich-rother Farbe. 
Einen besonders reizvollen Schlusspunkt bildet am Ende eine pracht- 



^ 117 ^ 



volle Abies Nordmanniana von etwa 15 Fuss Höhe mit ihren weit- 
gestreckten, wagerechteu Aesten. Die oberen Aeste tragen, stolz 
aufgerichtet, 12 bis 15 grosse, hellbraune Zapfen, gleich aufgesteckten 
Kerzen. Den Schluss bilden, verständnissvoll unter einander grup- 
pirt, Sträucher oben genannter Arten. Auch der Seitenraum ist in 
ähnlicher Weise dekorirt, wozu sich noch die höhere Stechpalme 
(Hex aquifolium) und die niedrige Sabina oificinalis etc. gesellen. 
Den Fernblick hemmen hohe Waldbäume, als: Eichen, Buchen, Ul- 
men, von denen heraus 7 grosse Silberpappeln (Populus alba) und 
seitwärts ein ebenbürtiger, rauhfrüchtiger Ahorn (Acer dasycarpum) 
ihren hellen Laubschmuck präsentiren, als wären sie schon vor vielen 
Jahren zu gegenwärtiger Bestimmung gepflanzt. 

Welch' ein Kontrast macht sich nun bemerkbar, wenn wir über 
die kleine Brücke zu dem Denkmal Friedrich Wilhelm's III. 
schreiten. Wie bescheiden eng umgrenzt ist der Raum, auf welchem 
dieses Denkmal seine Aufstellung gefunden hat, und wie trist und 
öde ist Alles um und neben demselben. Während uns vorhin allent- 
halben freundlicher Blüthenschmuck entgegen lächelte, herrscht hier 
meist stumpfes Grün vor, ausgenommen zwei kleine Fleckchen 
mit hochroth blühendem Pelargonium zonale und zwei kleine Pünktchen 
blauer Lobelien, dem dem Denkmal gegenüber. Im Rücken des 
Monuments neigen die düster belaubten Aeste der Hochwaldbäume 
überhangend bis in die Nähe des Denkmals heran. Eine Wand 
dicht stehender Lebensbäume (Thuja occideutalis), durchwebt mit 
wildem Wein (Ampelopsis quiiiquefolia), bildet die undurchdringliche 
Einhegung des Ganzen. Hin und wieder machen sich einzelne Stech- 
palmen (Ilex aquifolium) dabei bemerkbar, und selbst die innerhalb 
dieser hohen ümgrepzung stehenden Gewächse sehen zur Zeit recht 
kümmerlich aus. Die Hoteyastauden sind verblüht und die eingestellten 
kleinen Fuchsien bekunden noch wenig Lust, ihre hängenden, freund- 
lichen Blüthen zu entfalten. Die in den Ampeln herabhängenden 
Gewächse zeigen auch nur ihr einfaches Grün. Die vordere kreisförmige 
Umgrenzung von japanischer Quitte (Cydonia japon.) hat ihren reichen 
Flor grosser, purpurrother Blüthen schon in den ersten Frühlingstagen 
gespendet und steht nun derselben entkleidet. Die aus denselben 
hervorragenden hochstämmigen Fuchsien haben alle nur kleine Kronen 
mit wenigen Blüthen. Auf dem Rasenstück innerhalb, dem Denkmal 
gegenüber, sind, ausser den obengenannten Pelargonien und Lobelien, 
noch 6 Stauden Statice limonium, welche mit ihren schmalen Blättern 
den kahlen Boden nicht bedecken und nur wenige Blüthenstengel 
treiben. Fast am meisten zurück sind die sechs Kreise neben dem 
Denkmal, bei welchen schwer zu entscheiden ist, was darauf erstehen 
werde. Die einsame kleine Pflanze des Wunderbaums (Ricinus 
communis) scheint recht trübselig auf die dürftige Umgebung herab- 
zuschauen, als fühle sie sich nicht so recht heimisch in derselben. 

Wir scheiden von dieser hehren Stätte mit der Hoffnung, dass 
uns zu dem nun herannahenden Geburtstage des verblichenen Herr- 
schers ein freundlicheres Bild seiner Umgebung erfreuen werde. 
(Ist inzwischen geschehen.) (Voss. Ztg. y. 21. Juli i880. M.-A.) 



^ 118 ^ 



Botanischer Verein der Provinz Brandenburg. 

Sitzung vom 28. Januar 1881. Vors.: Herr Kny. 

Herr Ascherson besprach in Hinblick anf die Säkularfeier 
der Gebnrt Adalbert von Chamisso's die Verdienste, welche sich 
der Dichter auf dem Gebiete der Botanik, der er nach Amt und 
Beruf angehörte, erworben hat Besonders hob er seine Forschungen 
im Gebiete der märkischen Flora und seine Studien über die Wasser- 
pflanzen hervor. 

Herr Magnus erwähnte rühmend einer Arbeit Chamisso's, in 
der er die ümwandlungstheorie des Algologen Agardh vom Stand- 
punkt der exakten Beobachtung kritisirt. 

Ferner zeigte Herr Ascherson eine Anzahl Abbildungen vor, 
Prof. E. V. Purkyne in Weisswasser (Böhmen) zur Ansicht 
hatte. Dieselben stellen theils eine erst vor wenigen 
Jahren in Serbien, Bosnien und Montenegro neu entdeckte Fichte, 
Pinus Omorika Panc, dar, deren nächste Verwandte in Ostasien 
und im westlichen Nordamerika vorkommen, theils erläutern sie die 
Anatomie der Nadelhölzer, namentlich die der Kiefernadeln, welche 
ausgezeichnete Merkmale zur Unterscheidung der Arten bietet, worüber 
Herr v. Purkyne ein ausführliches Werk vorbereitet. Die saubere 
und korrekte Ausführung dieser anatomischen Zeichnungen durch 
Eleven der Forstakademie in Weisswasser fand allgemeine An- 
erkennung. 

Herr Magnus zeigte knollige Anschwellungen an den Wurzeln 
älterer Himbeersträucher vor, die ihm Herr Schlossgärtner Freschke 
in Lübb'eDau übersandt hatte. Dieselben sind zwar äusserlich den 
an den Wnrzeln einer anderen einheimischen Eosacee, Spiraea Fili- 
pendula vorkommenden nicht unähnlich, haben aber einen ganz ver- 
schiedenen anatomischen Bau. Während letztere grösstentheils aus 
Parenchym bestehen, sind die Knollen der Himbeerwurzeln holzig, 
und zeigen im Innern eine radiale Struktur, während gegen die 
Oberfläche hin die Zöge der Holzfasern einen unregelmässig ver- 
bogenen Verlauf nehmen, wodurch ein gewebeartiges Geflecht von 
bedeutender Festigkeit entsteht. Vortragender hat weder von thie- 
rischen noch pflanzlichen Parasiten in den Knollen etwas gefunden, 
lässt es aber dahingestellt, ob ihr Ursprung nicht doch ein patho- 
logischer ist. 

Herr Zopf hielt einen eingehenden Vortrag über die Entwickelung 
der Spaltpilze. Es stehen sich auf diesem Gebiete bekanntlich zwei 
Ansichten gegenüber. Die Vertreter der einen Richtung, Billroth, 
Naegeli, Cienkowski, b etrachten die verschiedenen äusserlich 
sehr verschiedenartigen Formen, die Körnchen (Micrococcus) , Stäb- 
chen (Bacteiium, Bacillus), Fäden (Leptothrix), Spiralen (Spirillum, 
Spirochaete) etc. als genetisch verbundene Eutwickelungszustände 
einer Art, während Cohn die Selbstständigkeit derselben behauptet. 
Die Untersuchungen des Vortragenden veranlassen ihn, sich mit 
Entschiedenheit der ersteren Meinung anzuschliessen. Er schilderte 



ausführlich, wie bei der Spaltpilzgaltung Cladothrix, welche im 
Wasser sehr gemein ist, alle die erwähnten Formen im Laufe der 
Entwiekelung nach einander und zum Theil aus einander hervor- 
gehen. Aehnliche Ergebnisse lieferte die üotersuchung der im 
Schlamm schmutziger Gewässer, z. B. der Panke, vorkommenden 
Beggiatoa alba, deren Zellen stark lichtbrechende Körnchen von 
krystallisirtem Schwefel enthalten und die die Entwiekelung von 
Schwefelwasserstoff aus derartigen Gewässern veranlasst. Mehrere 
der erwähnten Formgenera konstatirte Vortragender auch bei Ver- 
folgung der Entwiekelung von Crenothrix polyspora, einer Pflanze, 
deren Auftreten in den Tiefbrunnen der Tegeler Wasserwerke vor 
einiger Zeit ein so unliebsames Aufsehen erregte, und welche Vor- 
tragender im Auftrage der städtischen Behörde untersucht hat. 

Herr Zopf fasst die Gattungen Crenothrix, Beggiatoa und 
Cladothrix, die in ihrer Entwiekelung wesentlich übereinstimmen, als 
Familie Crenotricheae zusammen. 

Notiz über die Grössenverhältnisse 

der beiden Aroideen 

Amorphophallus Rivieri Durieu u. A. eampanulatus Bl. 

Von LakowitZ, Assistent am botanischen Garten zu Breslau. 

Im April- und Septemberheft des Jahrganges 1880 dieser Zeit- 
schrift kamen die Wachsthums- und Grössenverhältnisse der inter- 
essanten Aroidee Amorphophallus Rivieri Durieu zur Besprechung. 
Da diese Pflanze in mehreren selten schönen Exemplaren auch im 
botanischen Garten zu Breslau zu üppiger Entwiekelung während 
der Winter 1878/79 und 1879/80 gelangte, so sei es gestattet, an 
dieser Stelle über die Grössenverhältnisse des schönsten Exemplars 
kurz zu referiren, wie auch mit wenigen Worten das Wachsthum 
des im Breslauer Garten zum ersten Male kultivirten Amorph, eam- 
panulatus Bl. zu schildern.*) 

Das im Septemberheft als grösstes beschriebene Exemplar von 
A. Rivieri, welches im Gewächshause zu Proskau gezogen war, hatte 
eine Gesammtlänge von 88 cm, welche von den im Breslauer 
Garten kultivirten bedeutend übertroffen wurde. Es hatte hier 
die grösste Knolle bei einem horizontalen Durchmesser von 
30 cm und einem vertikalen von 20 cm ein Gewicht von 7 kg. 
Sie begann Ende Januar nach fast viermonatlicher Ruhe einen 
Blüthenstand zu treiben, dessen Wachsthum Mitte Februar beendet 
war. Die während dieser Zeit erlangten Dimensionen waren folgende : 
die Länge des Stiels betrug vom Grunde bis zur Ansatzstelle der 
Spatha 1,04 m bei einem Durchmesser von 4 cm an der Basis; 
der Spadix sammt dem sterilen Appendix erreichte eine Höhe von 

*) Der Unterzeichnete sah im März d. J., wo er den bot. Garten zu Breslau 
freundHcber Führung des 
weniger als 5 Amorphopl 
die ßiüthen derselben Knolle ^ 



0,94 m, sodass die Gesaramtlänge des Blüthen-Exemplares von dem 
Gmnde des Stiels bis zur Spitze des Kolbens nicht weniger als 1,98 m 
maass. — Das bekannte dreitheilige Blatt, welches während des 
Sommers im Freien kultivirt wird, hat bescheidenere Dimensionen 
aufzuweisen. Es erreicht im Garten zu Breslau als Gesammtlänge 
nie mehr als 1,45 m, wovon 1 m auf die Stiellänge kommt. Im 
Warmhause kultivirt gelangt dasselbe jeduch entschieden zu kräf- 
tigerer Entfaltung, wie ein Vergleich mit dem hier noch zu er- 
wähnenden Blatt von Amorph, campanalatus zeigen wird, — Der 
Breslauer botanische Garten war in der glücklichen Lage, im Februar 
des verflossenen Jahres Knollen des von Blume in „Rumphia" vor- 
trefflich abgebildeten Amorph, campanulatus Bl. zur Kultur zu er- 
halten durch die Güte des Herrn Dr. Schadenberg aus Breslau, 
welcher diese Exemplare von den Philippinen selbst mit in die 
Heimath brachte. Die grösste dieser Knollen hatte bei einem Um- 
fang von 1,1 m ein Gewicht von 13 kg. Nach acht Wochen begann 
diese einen Blüthenstand zu treiben, der nur geringe Grösse erlangt, 
aber durch die groteske Form des sterilen Kolbentheiles ganz be- 
sonders auffällt. Auf einem nur 7 cm langen Stiel erhebt sich die 
in einen langen spitzen Zipfel auslaufende, nicht gar zu umfangreiche 
tütenförmige Spatha (30 cm Durchmesser), von ähnlicher Färbung 
wie bei A. Ri\aeri. Aus derselben ragt der bis 18 cm dicke, 20 cm 
lange, an der Spitze mehr oder weniger stark abgestutzte äusserst 
faltenreiche, purpurn gefärbte, an einzelnen Steilen stahlblau glän- 
zende Appendix hervor, welcher an der Basis bauchig herabhängend 
die männlichen Blüthen fast vollkommen verdeckt. Im Jugendstadium 
nrnschliesst die Spatha fest das sterile noch gelblich -weiss gefärbte 
Kolbenstück, welches mit seinem breiten ungestaltigen Ende hervor- 
ragt, so dass bei der auch noch gelblichen Färbung der Spatha das 
Ganze mehr einem Pilze (wofür es von den Besuchern des Gartens 
oft gebalten wurde) als einer phanerogamischen Pflanze ähnlich sieht. 
Die ganze Inflorescenz erlangt eine Höhe von 50 cm. Vier Tage, 
nachdem sich die Spatha, den Spadix freigebend, öffnet, tritt die 
Pollenstäubung ein, worauf schon am fünften Tage die Pflanze schnell 
zu welken beginnt. 

Um so grössere Dimensionen zeigt indessen das Blatt dieser 
Spezies. Ein Exemplar wurde im Freien kultivirt, erlangte aber 
nur wenig bedeutendere Grösse als das Blatt von Am. Rivieri. Das 
grösste im Warmhaus kultivirte Exemplar, welches Anfang Juli zu 
treiben begann, erreichte dagegen innerhalb 20 Tagen eine Gesammt- 
höhe von 3,1 m. Der Stiel allein maass 2,20 m bis zur Theilung, 
jeder der drei Blattäste 1,57 m. 

Anfangs waren diese steil aufgerichtet, jedoch schon nach 
wenigen Tagen breiteten sie sich mit ihrer Lamina ein schirmförmiges 
Laubdacb bildend aus, so dass die Gesammthöhe, die vor der Aus- 
breitung 3,77 m maass, auf 3,1 m herabsank. Der Blattstiel hatte 
an der Basis einen Umfang von 30 cm, eine Dicke von 10 cm, 
unterhalb der Theilung noch eine Stärke von 6,5 cm. Die Färbung des 



121 



Stiels und die Zertheilung der Lamina sind dieselben wie bei Am. 
Rivieri. Bei den relativ kolossalen Dimensionen und der eigen- 
thümlichen Laubform ist der Gesammteindruck weniger der eines 
monokotylen Laubblattes als der eines dikotylen kleinen Baumes. 
^Vegen des hellen, frischen Grüns, sowie der zierlich geschlitzten 
Laubfläche eignet sieh diese Pflanze ausserordentlich zur Dekorations- 
pflanze, besonders schön als Gipfelabschluss pyramidenartig gruppirter 



Einige Pfirsich Sorten für nörclliclies Klima, 

nebst einigen kurzen Kulturbemerkungen 
von R. Müller in Praust bei Danzig. 

Als ich mich noch in milderen Klimaten unseres deutschen 
Vaterlandes oder in der Schweiz und in Belgien aufhielt, hegte ich 
mit vielen Anderen die vorgefasste Meinung, dass die Kultur des 
Pfirsichbaumes im Norden nur für reiche Leute in Pfirsichhäusern 
oder an Talutmauern möglich sei. Seit ich nun selbst hier im 
Norden weile, habe ich meine Ansicht dahin geändert, dass sich hier 
in jedem grossen oder kleinen Garten, in dem sonnige Mauern oder 
Wände zur Verfügung stehen, Pfirsichspaliere mit Erfolg ziehen 
lassen. Die richtige Auswahl der Sorten ist natürlich eine Haupt- 
bedingung. Im Frühjahr 1877 wurde hier ein neues Sortiment von 
Pfirsichbäumen an einer gegen Süden gelegenen Mauer meist in jungen 
ein- bis zweijährigen Herzstämmen (Palmetten) angepflanzt. Einige 
der angepflanzten Sorten haben schon öfters getragen und will ich 
hier die empfehlen swerthesten unter ihnen namhaft machen. Ich ordne 
sie nach der Reifzeit und beginne demnach, als der frühesten, mit: 

Precoce de Halle. Wir erhielten diese aus Nordamerika 
stammende Sorte aus Frankreich. Ich halte dieselbe mit Haie's early 
als synonym und daher die in einigen Katalogen vorkommende 
techreib weise: Precoce de Haie für die richtige. Die Früchte reiften 
vom 15. bis 20. August, während sie in wärmerem Klima schou 
Mitte bis Ende Juli reifen sollen. Sie waren gross, breit-rund, auf 
der Sonnenseite dunkelrosa und von vorzüglichem Geschmacke. 

Precoce de Savoie reifte vom 25. bis 31. August. Die Frucht 
ist der der vorigen ähnlich, nur etwas höher gebaut und ebenfalls 
sehr gut. 

Pourpree hätive brachte ihre Früchte Mitte September zur 
Reife; sie sind gross, etwas hochgebaut und auf der Sonnenseite 
stark purpurroth gefärbt; eine vorzügliche Sorte für unser Klima. 

Grosse Mignonne hätive, Anfang bis Mitte September reifend, 
als vorzüglich bekannt und der früheren Reifzeit wegen der Grosse 
Mignonne vorzuziehen. 

Willermotz. Die mittelgrossen auf der Sonnenseite schön 
roth gefärbten Früchte sind sehr saftreich und wohlschmeckend und 
reiften hier Mitte September. 



— 122 - 

Doppelte Montagne reifte in dem Zeitraum vom 10. bis 20. 
September. Die Früchte sind mittelgross, rundlich und auf der 
Sonnenseite leicht geröthet. Sie ist für unser Klima mit eine der 
besten Sorten, reich tragend und ziemlich winterhart. In Holland 
wird sie seit vielen Jahren in grossen Massen hauptsächlich zum 
Export nach dem Norden vermehrt. 

Madame Gau jard*) ist eine späte Sorte und reifte von Anfang 
bis Mitte Oktober. Sie ist eine der empfehlenswerthesten in Bezug auf 
Güte der Frucht und von unübertroifener Tragbarkeit. Unser Spalier, 
welches im ErOhjahr 1877 als einjähriger Herzstamra gepflanzt wurde, 
hat vom ersten Jahre an getragen. Im ersten Jahre brachte es drei, 
im zweiten fünf, im dritten elf und im letztverflossenen über 30 
Früchte. Sie reiften sämmtlich gut aus, sind ziemlich gross, rund- 
lich, auf der Sonnenseite purpurroth gefärbt und von Yorzüglichem 
Geschmack. Der Baum selbst ist in den vier Jahren gegen andere, 
welche noch nicht trugen, nur schwach, aber ziemlich regelmässig 
gewachsen, dabei aber gesund. Wegen der etwas späten Reifzeit 
möchte ich rathen, diese Sorte an die wärmste Stelle zu pflanzen. 
Der Baum soll wenig empfindlich sein, worüber ich nicht urtheilen 
kann, da wir mit unserem Mutterstamme doch keine derartigen 
Versuche anstellen können. 

lieber andere neue und ältere Sorten, welche bisher noch nicht 
getragen haben, behalte ich mir vor, später zu berichten. 

Ich will nun noch einige Worte über die zweckmässigste Form 
und den geeignetsten Winterschutz der Pfirsichspaliere für unser 
Klima beifügen. Wenn mir auch bejahrte und anerkannt tüchtige 
hier einheimische Gärtner öfters sagten, dass man hier nicht auf die 
Form sehen könne, und dass sie in früheren Jahren Pfirsiche Wasch- 
körbe voll gepflückt hätten, ohne viel an den Spalierbäumen zu 
schneiden und zu pinciren und Alles, was gewachsen wäre, angeheftet 
hätten, so ziehe ich doch die Form des einfachen Herzstammes 
(Palmette) jeder anderen vor und suche selbst die als Fächerspalier 
oder sogenannter Pfauenschwanz gezogenen holländischen Spaliere 
nach und nach in Palmetten umzuformen. Zur Schönheit der Pal- 
metten gehört allerdings, dass die Arme möglichst gleichmässig 
erzogen sind und bei den einzelnen Etagen soviel wie möglich an 
genau gegenüber liegenden Punkten entspringen. Da aber in unserem 
rauhen Klima leichter als in milderen Gegenden Verluste von Armen 
und Zweigen vorkommen, so muss man mit unteren passend stehenden 
Trieben oder Zweigen sich oft helfen, so gut es geht, dass alle 
Lücken ausgefüllt werden. 

Um die Etagen auf beiden Seiten in gleicher Höhe zu be- 
kommen, stutze man im Mai den Verlängerungstrieb des Stammes, 
sobald er die nöthige Länge erreicht hat, dicht über der Stelle, an 
welcher die nächste Etage gebildet werden soll, womöglich über 



einem vorderen, wenn dies nicht geht, auch über einem hinteren 
Auge ein. Der aus diesem Auge sich entwickelnde Trieb hat an 
seiner Basis zwei seith'che sich gegenüberstehende Augen, aus welchen 
später die zur Bildung der Arme der neuen Etage nöthigen Triebe 
sich entwickeln sollen. Den Mitteltrieb schneidet man dann im 
kommenden Frühjahre 5—10 cm über seiner Basis auf ein nach 
vorn stehendes Auge, aus welchem die Verlängerung des Stammes 
sich bilden soll. Die an der Basis befindlichen seitlichen Augen 
werden dann in den meisten fällen ziemlich gleichmässig austreiben. 
Manchmal macht freilich die Natur unsere schönsten Berechnungen 
zu Schanden. In wärmeren Gegenden kann man die beiden Augen 
gleich im ersten Sommer zum Austreiben bringen, indem man den 
durch das Einstutzen im Mai hervorgerufenen Verlängerungstrieb, 
sobald er 10 cm lang geworden ist, 6-8 cm über seinem Ursprung 
wieder einstuzt. In unseren kurzen Sommern würden diese Triebe 
oftmals nicht ausreifen. 

Der Pfirsichbaum bedarf im Korden eines guten Winterschutzes, 
lü weniger rauhen Gegenden genügt ein dichtes Verhängen der 
Pfirsichspaliere mit Fichten- (Rothtannen-) Zweigen. Hier habe ich 
die Pfirsichspaliere stets auf folgende Weise gut überwintert. Der 
Stamm und die unteren starken Aeste werden mit Wachholder- 
zweigen oder in Ermangelung derselben mit feinen Dornen von wilden 
Rosen umgeben, um die Rinde gegen Mäusefrass zu schätzen. Die 
Arme und Zweige werden vom Geländer losgeschnitten und, soweit 
f-ie noch dünn und biegsam sind, nach der Mitte zu zusammen- 
gebogen und an dem Geländer festgebunden, damit die Spaliere einen 
geringeren Raum einnehmen. Der Raum zwischen Mauer und Spalier 
wird mit weichem Krummstroh oder auch schlechtem Heu ausgestopft, 
ebenso die Zwischearäume zwischen den Zweigen, wobei man sich 
natürlich sehr in Acht nimmt, die kleinen Zweige und Knospen zu 
beschädigen. Hierauf wird von unten an Richtstroh gegen den 
Spalierbaum gestellt und durch dünne biegsame Stangen und Weiden 
fest gegen dasselbe gezogen. Nach oben zu wird dann weiter Richt- 
stroh übergedeckt, so dass es etwas über das untere übergreift und 
Regen und andere Feuchtigkeit nicht in dasselbe einziehen kann. 
Hat man gutes Teicbrohr, so kann man solches anstatt Richtstroh 
nehmen, wodurch die Arbeit erleichtert und vereinfacht wird. 



lieber Champignon- (Agaricus campestris) Zucht 

Von Joseph Klar- Berlin. 
Die Winterausstellung des Vereins zur Beförderung des Garten- 
baues veranlasst mich, über das Thema' der Champignons in Kürze 
Einiges mitzutheilen. Wenn behauptet wird, dass wir Deutsche 
diese Pilze weniger essen, so glaube ich doch dies wohl in Abrede 
stellen zu müssen und behaupten zu dürfen, dass wir meiner Ansicht 
nach am Platze nur zu wenig produziren. 



Ein sehr einfaches Verfahren, um das ganze Jahr hindurch diesen 
Leckerbissen zu haben, ist folgendes: Man lässt guten Pferdedünger 
anfahren und bringt ihn auf einen Haufen, lässt ihn so lange liegen, 
bis er anfängt zu brennen resp. sich zu erhitzen; alsdann wird 
dieser Dünger mit der Forke ordentlich forkenweis umgeschüttelt 
und auf einen anderen Haufen gebracht und dieselbe Arbeit so lange 
wiederholt, bis der Dung nicht mehr dampft resp. brennt, bei welcher 
Gelegenheit der Mist schwärzlich braun geworden. — Will ich nun 
im Herbst mit der Zucht anfangen, so mache ich mir einen Bretter- 
verschlag hinten im Gange meines Kalthauses in Form eines kleinen 
Beetes, das nur 18 — 20 cm hoch zu sein braucht, fülle denselben 
so ähnlich an, wie ich einen Mistbeetkasten mache und trete auch 
so an, dass die Düngerlage ungefähr 15 cm hoch zu liegen kommt, 
und decke das Beet mit Brettern derartig zu, dass der Gang wieder 
hergestellt ist und die ganze Anlage dunkel zu liegen kommt Nach 
einigen Tagen revidire ich die Anlage und überzeuge mich, ob der 
Dung sich wieder erhitzt hat oder nicht, im letzteren Falle beginne 
mit dem Legen der Brut, die ich mir entweder in loser Form aus 
meinen ausgekarrten Mistbeeten reservirt habe oder in einer 
Samenhandlung kaufe, die wohl mit Ausnahme weniger Handlungen 
diesen Artikel führen, namentlich in Backsteinform. Die Brut in 
letzterer Beschaftenheit wird extra von Gärtnern fabrizirt und dann 
verkauft. Ich lege jetzt die Stückchen Brut in Grösse einer Kar- 
toffel in das bereit gehaltene Beet, indem ich den Dung ein wenig 
zurückmache, das Stückchen Brut einfüge und sacht mit der Hand 
andrücke und zwar im Verbände von 25—30 cm auseinander. Eine 
Lage guter Mistbeeterde, die zuvor recht fein gesiebt worden ist 
und nur 3 cm hoch sein darf, schliesst das ganze Beet, nun fertig 
gestellt, ab, indem ich die Bretter wieder darauf decke. Man ver- 
meide möglichst das Giessen dieses Beetes, da sich sonst sofort ein 
schwarzer Pilz, dessen Namen mir entfallen, zeigt und in vielen Fällen 
ganze Strecken ähnlicher Anlagen verdirbt. Sollte man aber ge- 
zwungen sein, dennoch zu giessen, so wähle man lauwarmes Wasser, 
das abgestanden ist und brause fein das Beet an; höchstens ein bis 
zweimal, bevor die Champignons kommen. 

Nach 4—5 Wochen kann man schon sich eines weissen Feldes 
dieser Frucht erfreuen und die ersten bereits verkaufen. Ich habe 
auf diese Weise einen Platz ausgenützt, an den mancher Gärtner gar 
nicht denkt. Der Gang bleibt ja doch hinten im Hause bestehen, 
kommt nur höher zu liegen; ich aber habe mit wenigen Mitteln mir eine 
Einnahme geschafft oder meiner Herrschaft eine unerwartete Freude 
bereitet. Unter der Stellage, wo ich meine Petersilienkästen habe, 
die mir das Brennholz einbringen müssen, ziehe ich ebenfalls Champig- 
nons und füge zu diesem Behufe der Erde etwas Brut bei, natürlich 
ist diese Anlage nur dem Zufall anheim gegeben. Ebenso im ^ebruar, 
sobald ich Mistbeete mache, lege ich auch hier Brut auf die Mistlage, 
durch die Hitze aber, die im Kasten vorhanden, bleiben die^ Sporen 
zurück und kommen erst, sobald der Kasten abgetragen, im Sommer, 



-- 125 -- 

Zu gleicher Zeit aber süche ich mir den wärmsten Keller aus 
und verfahre wie Eingangs erwähnt. Sobald ferner die Blattpflanzen- 
gruppen im Freien Dünger erhalten, behufs Erwärmung derselben, 
nutze ich auch diesen noch aus. indem ich ihm meine Champignon- 
brut beimenge. Hier habe icb gleich das Schöne mit dem Nütz- 
lichen verbunden, da ich eine dekorative Gruppe geschaffen, auf 
deren Beet ungestört und ungesehen unter den Blättern die herr- 
lichsten Früchte gedeihen, welche mir, bis es friert, die Küche 
regaliren. Im August übe ich ein gleiches Verfahren wieder 
im Keller, so dass ich während des ganzen Jahres mit wenig 
Mühe und Kosten schmackhaftes Gemüse habe. In der grössten 
Hitze aber sind die Champignons madig und dienen als Er- 
kennungszeichen hierfür, sobald die Made noch nicht sichtbar, 
kleine hellbraune Punkte, die man beim Durchbrechen und Schneiden 
der Pilze sofort sieht. In Paris und Dresden haben sich bereits 
Spezial-Kultivateure etablirt, die meines Erachtens ein ganz gates 
Geschäft machen. Ich bin der Ueberzeugung, dass Champignon noch 
ein Artikel ist, mit dem viel Geld zu verdienen; hatte doch mein ver- 
storbener Vater vor 40 Jahren, wenn ich mich recht besinne, mit 
diesem Geschäfte wirklich reüssirt, indem die ersten Köche von hier 
durch ihn mit Champignons versorgt wurden, und konnte er nie so viel 
liefern, wie verlangt wurden. Unbewohnbare, also zu tief gelegene 
Keller sollten von Gärtnern hier in Berlin zu Champignon -Anlagen 
ausgenützt werden; man kann ja mehrere Schichten übereinander 
anlegen, um den hohen Raum auszunützen. Ich bin der Ueber- 
zeugung, dass es sich rentirte und dann brauchten wir keine 
Waare aus Paris mehr, da bekanntlich die Herren Franzosen die 
meiste Waare auf den deutschen Markt bringen. Vielleicht dient 
diese Anregung dazu, die Agaricus campestris wirklich hier wie 
Pilze aus der Erde wachsen zu sehen. 



Die Champion-Kartoffel. 

Von 

R. Brandt 

Sieben Champion- Kartoffeln von Herrn Schiebler & Sohn in 
Celle habe ich von unserm Verein zum Probeanbau erhalten. Herr 
Professor Wittmack sagte mir, diese Kartoffel besässe die grösste 
Widerstandskraft gegen die Krankheit, deshalb legte ich sie in tief 
gelegenes Land. Bei dem vielen Regen, den wir während des vergange- 
nen Sommers gehabt haben, standen die Pflanzen zeitweise unter Wasser, 
und die Folge davon war, dass die Blätter fast alle schwarzfleckig 
wurden und Schimmel sich bildete, der viele Blätter, auch Stengel, ganz 
zerstörte. Dies war ungefähr Ende Juli. Um diese Zeit zog ich 
eine Staude heraus, um zu sehen, wie weit die Knollenbildung vor- 
geschritten wäre, und ich fand ganz unbedeutenden Ansatz, das 
Kraut war über 1 m hoch und hatte sich gelegt. 



Schon wollte ich diese Kartoffeln ganz entfernen und auf den 
Düngerhaufen werfen lassen, weil dieselben trostlos aussahen, doch 
ich liess sie stehen. Am 18. Oktober habe ich dieselben ausge- 
hoben und sammelte auch die kleinste Knolle. Die Stauden in dei 
Mitte, welche unter grossem Druck gestanden hatten, hatten seh 
wenig, stellenweise gar nicht, dagegen die an den Seiten sehr reich 
lieh angesetzt. Die 7 gelegten Kartoffeln, nach ihren Äugen zer 
schnitten, ergaben 35 Stauden und wogen 1 Pfd., sie lieferten 18)^ Pfd. 
gute Kartoffeln, alle gesund, also ungefähr 1)^ Mal so viel, als man 
bei einer guten Mittel-Ernte annimmt. 

Es ist eine weisse Esskartoffel, dünnschalig und von feinem Ge- 
schmack; sie platzte, war aber nicht mehlig zu nennen. 

Das Resultat des Probeanbaues ist, dass diese Kartoffel ihres 
guten Ertrages und ihrer Widerstandsfähigkeit gegeij Feuchtigkeit 
wegen zum Anbau sehr zu empfehlen ist. 



Die Anzucht von Bhododendron 
ponticum, maximum, Cawtabiense etc. aus Samen. 

Von R. Müller in Praust bei Danzig. 

Gewöhnlich säet man die Samen dieser Rhododendron im Februar 
in sandige Haideerde bei nur leichter Bedeckung in Schalen aus uad 
stellt diese in ein Warmhaus oder auch in das Vermehrungshaus 
möglichst nahe unter das Glas. Bei der dort herrschenden Wärme 
werden die Samen meist bald keimen. Nun geht aber die Noth 
und Sorge an. Obgleich diese Pflanzen dem natürlichen Standorte 
gemäss Feuchtigkeit lieben, so sind die jungen Pflänzchen doch sehr 
empfindlich gegen die Feuchtigkeit in den warmen Gewächshäusern, 
da sich dort sehr leicht ein Fadenpilz einfindet, welcher die Pflänz- 
chen vernichtet. Trocken dürfen dieselben ebensowenig gehalten 
werden. Es bleibt daher nur übrig, die Pflänzchen so klein wie 
möglich zu pikiren und das nach vier bis fünf Wochen zu wieder- 
holen, worauf sie dann in einen massig warmen Kasten gestellt 
werden und etwas Luft erhalten können. Bis dahin geht aber immer 
noch ein Theil Pflänzchen zu Grunde; sie werden^ wohl auch im 
Hause von der rothen Spinne (Trips) befallen, was ihrem weiteren 
Wachsthum sehr hinderlich ist. 

Um nun mit weniger Mühe und Verlust gute gesunde Sämlinge 
von Rhododendron zu erziehen, habe ich die Aussaaten schon einige 
Mal in kalte Kästen in das freie Beet gemacht und bin immer 
mit dem Ergebnisse sehr zufrieden gewesen. 

Dass die Samen dieser Rhododendron keines sehr hohen Grades 
von Wärme zur Keimung bedürfen, geht schon aus deren natürlichen 
Standorten hervor. Eine stark wärmende Unterlage ist daher nicht 
nöthig. Eine dünne Lage von Laub und trockenem Abraum genügt. 
Besonders ist darauf zu sehen, dass keine Maulwürfe in den Kasten 



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eindringen können, was man durch Belegen des Bodens mit Brettern, 
Ziegeln, groben Schlacken oder auch Dornen erreichen kann. In 
einer früheren Stellung, wo wir sehr mit Maulwurfsgrillen (Werren) 
und einer Unzahl von Regenwürmern zu kämpfen hatten, wurde 
der Kasten auf circa 10 cm hohe Füsse gestellt und vollständig mit 
einem Bretterboden versehen, so dass zwischen diesem und dem 
Erdboden ein leerer Raum blieb und das Eindringen von Ungeziefer 
aus der Erde ganz unmöglich gemacht wurde*). Auf den Bretter- 
boden wurde eine 2—3 cm hohe Schicht zerschlagener Topfscherben 
gelegt. Des Weiteren ist die Herrichtung des Kastens mit Erde in 
beiden Fällen dieselbe. Auf die Scherben resp. im anderen Falle 
auf das Laub etc. kommt eine 5 — 6 cm hohe Lage grober Haide- 
oder Torferdebrocken, darauf ca. 10 cm feinere, jedoch nicht gesiebte 
Haide- oder Torferde und zuletzt eine 2—3 cm hohe Schicht gesiebter 
mit scharfem Sande vermengter Haideerde. Dieselbe wird gut ver- 
ebnet, mit einem Brettchen leicht angedrückt und einige Stunden vor 
der Aussaat mit der Brause gut angegossen. Der Samen darf nicht 
zu dick ausgestreut werden; 10 g reichen, wenn der Samen frisch 
und keimfähig ist, für zwei Mistbeetfenster aus. Nachdem nur ganz 
dünn mit gesiebter Haideerde bestreut worden ist, wird die Erde 
leicht angedrückt und überbraust. Der Kasten wird dann mit 
Fenstern und Strohmatten oder Deckladen fest zugedeckt und bleibt 
einige Tage geschlossen. Die Zeit der Aussaat ist je nach der 
Witterung Mitte bis Ende März. 

Nach 3—4 Tagen wird der Kasten aufgedeckt, bei Sonnenschein 
aber, sobald er sich auf 18—20« R. erwärmt hat, beschattet; die 
Erde wird immer gleichmässig feucht gehalten. Nach 12—14 Tagen 
wird schon ein Theil der Samen gekeimt haben. Ist dies bei dem 
grössten Theile der Fall, so ist es nöthig, etwas zu lüften, doch so, 
dass der Wind nicht direkt in den Kasten stösst. Nach und nach 
wird weniger Schatten und mehr Luft gegeben; später entfernt man 
während der Nacht die Fenster ganz, sobald keine Nachtfröste oder 
starke Regengüsse zu befürchten sind. Wenn die verwendete Erde 
nicht zur Moosbildung geneigt ist, so brauchen die Pflänzchen, sofern 
sie nicht zu dicht stehen, gar nicht pikirt zu werden und können 
von Mitte oder Ende Mai an ganz ohne Fenster bleiben, bedürfen 
aber den Sommer über ziemlich viel Feuchtigkeit und in der heissen 
Tageszeit etwas Schatten. Dass das sich zeigende Unkraut immer 
schon, so lange es klein ist, entfernt werden muss, bedarf wohl kaum 
der Erwähnung. Macht sich das Pikiren nöthig, so ist dies nun, 
wo die Pflänzchen schon so stark sind, dass sie sich mit den Fingern 
fassen lassen und schon kleine Erdbällchen halten, leicht auszuführen. 
Das Pikiren kann entweder wieder in einen kalten Kasten in das 
freie Beet oder in Pikirkästen (sogen. Handkästen) geschehen, so 
dass die Pflänzchen 3— 4 cm von einander entfernt zu stehen kommen. 



Nachdem sie einige Zeit unter Fenster und geschlossen gehalten 
worden sind, erfahren sie nach und nach dieselbe Behandlung wie 
die nicht pikirten Sämlinge. 

Im Winter sind die Rhododendron - Sämlinge gegen Frost, aber 
auch gegen Nässe zu schützen; im Frühjahre werden sie auf Haide- 
oder Moorerdebeete, bei einer Entfernung von 10 cm nach allen 
Seiten hin, ausgepflanzt und im Sommer gleichmässig feucht gehalten. 
Bis zum Herbste werden die Pflanzen dann schon recht kräftig 
geworden sein. In Nord- und Mitteldeutschland bedürfen die Rho- 
dodendron immer einer schützenden Decke. Im folgenden Frühjahre 
ist ea dann nöthig, aus den nun zweijährigen Sämlingen eine Pflanze 
um die andere mit Ballen auszustechen und sie auf andere Beete 
bei einer Entfernung von 18—20 cm zu pflanzen. Im Herbste sind 
dann die meisten Pflanzen schon so stark geworden, dass sie zu 
Unterlagen für bessere Varietäten und Hybriden dienen können. 
Viele andere, welche sich von Anfang an buschig bauten, können 
zum späteren Blühen in Töpfen weiter kultivirt werden und be- 
dürfen eines nochmaligen Verpflanzens auf andere Beete bei ca. 30 cm 
Entfernung. Pflanzt man nach Beendigung des ersten Triebes im 
dritten Sommer die buschigsten Pflanzen in Töpfe, so werden sich 
die Endknospen, anstatt noch einmal auszutreiben, meist in Blüthen- 
knospen verwandeln, so dass diese Pflanzen im Frühjahre blühend 
als Marktpflanzen verwerthet werden können. Pflanzen, welche keine 
Neigung zeigen, buschig zu werden, müssen, wenn sie nicht zu 
Unterlagen gebraucht werden sollen, gestutzt werden. 

Die Anzucht der Azalea pontica und mollis, auch Kalmia lati- 
folia ist ganz dieselbe. 

Ein neuer afrikanischer Weinstock. 

Nachdem der fossile Weinstock Vitis teutonica in den Braun- 
kohlenlagern von Salzhausen gefunden wurde, dürfen wir an- 
nehmen, dass der Weinbau in Deutschland schon sehr alt sei; wir 
wissen aber, dass in Südamerika unter dem 34.o südlicher Breite bei 
Mendoza in der argentinischen Republik Weinbau getrieben wird, 
der den italienischen ähnliche Trauben und einen Wein liefert, der 
— nach Aussage von dortigen Weinbauern! — dem besten Burgunder 
gleichgestellt wird; wir wissen auch aus den alten Baudenkmälern 
Aegyptens, dass dort vor 6000 Jahren schon Wein gebaut und ge- 
trunken wurde, dass Madeira, die Azoren und die kanarischen Inseln 
unter dem SO." n. Br. von der Westküste Afrika's einen stets gern 
getrunkenen, das Kap der guten Hofljaung einen vielbesprochenen 
Wein liefern, dass aber im tropischen Afrika Wein gebaut werden 
könne, dürfte ziemlich neu sein ; bisher hielt man das für unmöglich, 
denn wo die mittlere Jahrestemperatur + 17" R. übersteigt, da 
gedeiht unser Weinstock nur ausnahmsweise als Schlingpflanze, 
giebt aber keine geniessbaren Früchte und möchte noch daran zu 
erionero sein, dass die grösste Wärme der Erde nicht unter dem 



Aequator, sondern zwischen dem 18. und 30. Breitengrade herrscht, 
dass also die oben genannten kanarischen Inseln unter dem 30."' u. 
B. hart an der Grenze der heissesten Tropen liegen, allerdings unter 
dem Eiiifluss der Meeresluft. 

Nun hat, wie verschiedene ausländische Zeitungen berichten, 
ein französischer Botaniker, Mr. Lecard, in Sudan, ungefähr unter 
dem IS."^ n. B. an der Südgrenze der Sahara, eine Schlingpflanze 
mit Trauben entdeckt, die denen unseres Weinstocks in Aussehen und 
Inhalt ziemlich nahe stehen sollen. Er hat darüber eine Broschüre 
geschrieben und in St. Louis in Senegambien erscheinen lassen, aus 
der Folgendes nicht ohne Interesse sein dürfte. 

Mr. Lecard erhielt 1879 von der französischen Regierung den 
Auftrag, den Niger zu besuchen, um die dortige Pflanzenwelt zu 
studiren. Er fand auf seiner Reise am 3. Juni 1880 in einem Walde 
in Sudan eine wildwachsende Pflanze, die seine besondere Aufmerk- 
samkeit erregte. Die Triebe waren eben über dem Erdboden er- 
schienen ind glichen denen einer krautartigen Päonie im zeitigen 
Frühjahr. Die Blätter waren noch zu wenig ausgebildet, als dass 
sie zur Bestimmung der Pflanze hätten benützt werden können ; aber 
am Rande des Waldes fand sich eine mehr entwickelte Pflanze der- 
selben Art und diese zeigte verschiedene Merkmale des Weinstocks; 
sie war ein Meter hoch und der Stengel zeigte sich entschieden als 
kletternd; er hatte bereits grosse Blätter, war mit Ranken oder 
Gabeln versehen und hatte einige noch nicht ofi"ene Blüthentrauben. 
Elf Tage nach dieser Entdeckung, am 14. Juni, kam Mr. Lecard 
von einem Ausfluge zurück und suchte jene krautartigen Waldpflanzen 
wieder auf. Diese waren inzwischen zw^ei Meter lang geworden, 
waren also jeden Tag beinahe 15 cm gewachsen. Die unterdess 
weit vorgeschrittenen Früchte hatten den Geschmack unserer unreifen 
Weintrauben ; er wartete ihre Reife ab und versichert nun, dass die 
Beeren genau denselben Geschmack und dieselben chemischen Eigen- 
schaften wie die südfranzösischen Tranben besitzen. 

Bei weiterer Beobachtung und Untersuchung unterschied Mr. 
Lecard fünf Arten dieses Weinstocks und gab ihnen die Namen 
Vitis Durandi, Lecarti, Chantinii, Faidherbii und Hardyi. 

Die erste Art, Vitis Durandi, kommt am zahlreichsten vor. 
Millionen (?) von Exemplaren mit mehrjährigen Knollen fanden sich 
stets mit einem Stengel versehen, welcher in überraschender Weise 
dem des europäischen Weinstoeks gleicht. Die Antilopen und Affen 
lieben sie sehr; nur einige wenige Pflanzen unter den Millionen 
hatten ßlüthen, aber stets nur auf Trieben, die wieder herangewachsen 
waren, nachdem die Thiere die Stengel abgefressen hatten. Es war 
für Mr. Lecard schwer, sich von dieser Art Trauben zu verschaffen, 
weil die Thiere sie mit so grosser Begierde aufsuchten und ver- 
zehrten, dass sie nie zur Reife gelangten. Die Früchte schienen 
auch in jeder Beziehung denen anderer Arten nachzustehen, die von 
den Eingeborenen, wenn nicht angebaut, doch geerntet und zu einem 
erfrischenden Getränk benützt werden. 



Vitis Lecardi schien von allen Arten die fruchtbarste zu sein. 
Sie ist einjährig und trägt 30—40 und mehr Trauben an jedem 
Stengel. Diese Trauben sind sehr gross, oft 30 cm lang und wiegen 
jede ein, selbst zwei Kilo. Die Beeren sind kugelrund und von 
schwarzvioletter Farbe. Ihr sehr süsses Fleisch hat keinen Nach- 
geschmack und erinnert beim Genuss an die besten französischen 
Traubensorten. 

Vitis Chantinii wächst weniger schnell als die vorige Art, 
ist aber ebenfalls ausserordentlich fruchtbar. Sie klettert an den 
Bäumen in die Höhe, mit denen sie wirkliche Lauben bildet. Mr. 
Lecart zählte an einem einzigen Stengel 57 Trauben, von denen 
mehrere 25—30 cm lang waren; sie haben hellviolette, ziemlich 
weiche, sehr saftige und süsse Beeren. 

Vitis Faidherbii hat Trauben mit hellvioletten, festen und 
sehr saftigen Beeren, die sich ausgezeichnet zum Pressen und keltern 
eignen dürften. 

Vitis Hardyi hat sehr grosse Trauben mit noch festerem 
Fleisch als die vorige Art. 

Als Kuriosum mag hier gleichzeitig mitgetheilt werden, dass 
Mr. Lecard behauptet, diese Weinstöcke von Sudan müssten eine 
Traubenernte von wenigstens 1000 kg pro ha nicht nur im tropischen 
Afrika, sondern auch im südlichen Frankreich geben, wo sie 
wahrscheinlich von der Reblaus verschont bleiben würden. Im Süden, 
so berechnet Mr. Lecard, tragen diese Pflanzen reife Früchte 50 
Tage nach dem Erscheinen der ersten Triebe über dem Erdboden, 
was, bei einer Durchschnittsteraperatur von täglich 30,2« im Juni 
und 27" im Juli, in summa 1443,12° Wärme ausmacht; daraus 
folgt, dass die Sudantraube im südlichen Frankreich znr Reife 
kommen werde. Hier würden nach seiner Meinung 100 Tage oder 
drei Monate mit einer Durchschnittstemperatur von 15,7 » pro Tag 
oder 1570« Wärme ausreichend sein. 

„Sicher ist", so schliesst Mr. Lecard seine Broschüre, „die 
Möglichkeit, den einjährigen Sudanweinstock zu akklimatisiren, und 
weil die grösste Wärme während der Blüthe nöthig ist« (was unsere 
Treibgärtner jedenfalls bestreiten werden, denn sie geben dem Wein- 
stock beim Treiben während der Blüthezeit stets 3—4 " weniger als 
vor- und nachher), „wird ein sicheres Resultat gewonnen werden; 
denn Juni und Juli sind in Europa gewöhnlich die wärmsten Monate 
des Jahres und die Wärme der Monate August und September 
selbst Oktober, dürfte zur vollständigen Reife der Trauben mehr als 
hinreichend sein." 

Wenn Mr. Lecard diese vielversprechenden Angaben möglicher- 
weise nur gemacht hat*), um für den Verjcauf von Samen, namentlich 



*) Er forderte, wie später uns zugekommene Zeitschriften berichten, eine 
Belohnung von 500,000 Frcs. Die Behauptung derselben Blätter, Mr. Lecard 
habe die Möglichkeit eines Anbaues seines afrikanischen Weiiistocks in 
isibinen behauptet, erweist sich durch obigen Auszug aus seiner Brochüre 
als — ungenau, 



der einjährigen Vitis Lecardi, ein gutes, ein lohnendes Geschäft ein- 
zurichten, so ist ihm persönlich solches Attentat auf die Leicht- 
gläubigkeit der Europäer schwer zu beweisen, denn er ist den Ein- 
wirkungen des Klima's erlegen; er starb am Ende des vorigen Jahres 
0. H. 
Anm. der Red.: Dass auch die Fachmäi 
an eine ^ Einführung dieser Reben denken , 
Lavallee: „Les vignes du Soudan". 



Berichte über die zum Versuch kultivirteii Samen, 
Pflanzen und Knollen. 

I. Von R. Brandt, Charlottenburg. 
Von den Palmen- Samen aus Java ist nichts aufgegangen. 
Gloxinia crassifolia grandiflora nana compacta Heinemann. Die 
Blumen der Samenpflanzen entwickelten sich erst gegen den Herbst und 
haben bis gegen Weihnachten geblüht, die Blumen waren gross, kompakt 
die Farben lebhaft und deshalb ist diese Gloxinie zu empfehlen. 

""'""'" "'""■ "■" " " .flpl. Heinem Die Blätter " " 

■ er Fi 
1 ist, kan: 

H. gut. 



schön habnenkammförmig gesäumt, die Blumen klein, von weisser Farbe, 
fast einfach und nicht gefüllt, und da die Pflanze sehr z ' '.•••-. 



tagonibraun, 

la quadricolor, „ 

IV wenige Pflanzen hatten aufrecht stehende- 

gross, von schönem Bau und einer prächtig 



welche sich im vergangenen Sommer ( 
i schönem Bau. 

t-Nelke Prince d 'Orange hat 



C, Andre, vertrocknet ; 



len sind unbedeutend 

Von einem Pfund Champion-Kartoffeln (Schiebler) habe ich einen 
Ertrag von I8V2 Pfund erzielt. Ihr Hauptvorzug besteht darin, dass sie der 
Kartotfelkrankheit mehr als jede andere widersteht. Die Champion-Kartoffel 
ist ausserordentlich reichtragend und nicht nur eine gute Tafelsorte, sondern 
auch für Destülationszwecke ihres hohen Stärkegehaltes f22 %) wegen als 
einträglich zu bezeichnen. 

II. Von C. Schenk, Berlin. 

Erbse, Duchess of Edinburgh, und Duke of Edinburgh, beide von 
Carter, sind ausgezeichn< * '"'"' ' '^- ^--^ 

Bohne, Busch-, M 

Flageole 

Die Winter-Levkoyen von J Klar waren sehr schöne Herbstpflanzen. 

Die Stiefmütterchen, neue grossblumige von Heinemann, sind schön 

Von Myosoti - - 



m. Von R. SchuHze, Pankow. 

Öie vorjährigen Erfolge meiner Versuchskulturen kann ich nur dürftig 
nennen, Die Sommerblumen wurden durch die Spätfröste vernichtet oder 
doch so in ihrer Entwickelung geschädigt, dass wenig Gutes dabei heraus- 
gekommen ist. 

Calendula off. Meteor macht hübsche Blumen, aber nur die ersten 
sind so zu nennen, die nachfolgenden stehen auf sparrigen Stielen, sind 
kleiner, weniger gefüllt und schlechter gezeichnet. Rechnet man die gerade 
nicht ansehnliche Belaubung der Pflanze hinzu, so muss man wohlannehmen, 
dass sie sich bald zu ihrer Stammmutter in die Hausgärten auf dem Lande 
flüchten wird. 

Viola tricolor alba pura bringt grosse und wohlgeformte Blumen, 
die aber vom reinen Weiss noch weit enttemt sind, ein gelblicher Grund 
macht sich roch sehr breit. 

Xeranthemum, ein rothes und ein weisses, sind jedenfalls an- 
genehme Neuheiten für den Liebhaber; als Immortellen für den Handel 
dürften sie indess wohl den gefärbten nachstehen. 

Gilia tricolor ist recht unscheinbar. 

Unter den Astern habe ich nichts Hervorragendes bemerkt. 

Von den Erbsensorten, welche ich erhalten, hat mu: am Besten 
eine Carte r'sche gefallen. Sie wird höchstens 1 m hoch, ist voll tragend, 
vollerbsig und wohlschmeckend. üeber die anderen Sorten bescheide 
ich mich für diesmal meiner Meinung, weil bei ihrer Kultur manche Miss- 
stände eintrafen. Ich werde es mit denselben in diesem Jahre noch einmal 
versuchen. 

Die beiden Erbsen Telegraph und Sangsters langschotige früheste 
Maierbse gehören zu den Besten. Die erste zeichnet sich durch ihre vielen, 
grossen und vollen Hülsen und durch ihren Wohlgeschmack aus; die zweite 
halte ich für die früheste überhaupt. 

Einiges von der Ernte erlaube ich mir beizulegen, vielleicht finden sich 
Liebhaber dazu. 



Unentgeltlich abzugebende Sämereien 

für die Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 
aus den Royal Botanical Gardens Kew bei London. 

Meldungen bis zum 15. Mai 1881 beim General -Sekretariat. 

Von jeder Probe sind nur kleine Quantitäten abzugeben. 

1. Acaena myriophylla Lindl. Rosaceae. Chile, Peru. 

2. Ageratum coelestinum Sims. Compositae. Mexiko. 

3. Alisma grandiflorum Chm, Alismaceae. Südamerika. 

4. Amicia zygomeris D. C. Leguminosae. Mexiko. 

5. Anemone cylindrica A. Gray. Ranunculaceae. 

6. „ multifida Poir. Nordamerika. 

7. „ virginiana L. „ 

8. Anoda hastata Cav. !Malvaceae. Mexiko, Westindien. 

9. , Wrightü A. Gray. 

10. Anticlea glauca Eth. 

11. Aquilegia chrysantha A. Gray. Ranunculaceae. 



13. Aster concolor L. Compositae. Nordamerika, 

14. „ corymbosus Ait, „ „ 

15. „ longifolius Lam. „ „ 

16. „ macrophyllus L. „ „ 
n. „ ShorUi Riddel. 

18 „ Simplex WiUd. „ 

19. Andibeetia grandiflora Bth. Labiatae. Kalifen 



22. Brodiaea congesta J 

23. Calliopsis Atkinsoni 

24. „ tirctoria D. C ^ 



33. Collinsia bicolor Benth. Scrophularineae. 

34. Collinsia corymbosa Herder. Scrophulariü 

35. CoUomia coccinea Lehm. Polemoniaceae. Chile. 

36. „ grandiflora Dougl. „ N.-W.-Amerika. 

37. Coreopsis auriculata L. Compositae. Nordamerika. 

38. „ lanceolata L. „ „ 

39. „ verticillata L. 

40. Corydaüs glauca Pursh. var. rosea. Papaveraceaf». Kanada. 

41. Cuphea silenoides Nees. Lythrarieae. Mexiko. 

42. Datura quercifolia H. B. Solanaceae. Mexiko. 
Delphinium decorum Fisch. Ranunculaceae. Kaliformen. 
^ -'• canadense D. C Le -— tsj-.^^o™«^-i,o 

marylandicum D. C. 

Compositae. Nordamerika, Mexiko. 

48. Elodeä virginica. Hypericineae. Nordamerika. 

49. Erigeron glabellum Nutt. Compositae. Nordamerika. 
50 Eschscholtzia califormca Cham. Papayeraceae. Kalifornien. 

51. „ crocea Benth. 

52. Eucharidium coccinnum Onagrariea« 

53. Festuca tenella Willd. Gramineae. ] 

54. Gaillardia picta Don. Compositae. Mexiko. 

55. Gaura biennis L. Onagrarieae. Nordamerika. 

56. „ parviflora Hook. Onagrarieae. N.-W.-Ameuka. 

57. Gentiana Andrewsii Grisel. Gentianeae. Nordamerika. 

58 Geum strictum Ait. Rosaceae. Nordamerika, Sibirien, Schweden. 
59! Giüa achilleaefolia Benth. Polemoniaceae. Kalifornien. 

60. „ ciliata Benth. „ 

61. „ laciniata R. et P. „ Peru, Chiü. 

62. „ linifolia Benth. „ 
63. 



68. Hedysarum boreale Nutt Leguminosae. Nordamerika. 

69. Helenium pumilum Willd. Compositae. „ 

70. Heliopsis laevis Pers. Compositae, „ 

71. Heuchera americana L. Saxifrageae. „ 

72. „ cylindracea Dougl. „ „ 

73. „ bispida Pursh. „ „ 

74. micrantha Dougl. „ „ 

75. „ pilosissima Fisch. „ N.-Kahfomien. 

76. ,', Richardsonii R. Br. Nordamerika, 

77 Hypericum pyramidatum. Hypericineae. Nordamerika. 

78. Iris yersicolor Ait. L. Iridaceae. 

79. „ Tii^ica L. » » 



Nutt. 

81. Lactuca elongata Whlbrg, Compositae. Nordamerika. 

82. Lasthenia glabrata Ldl. „ Kalifornien. 

83. Leucopsidium arkansanum D. C. Compositae. 

84. Liatris gracilis Pursh. Compositae. Georgien. 

85. Lilium Washingtoniana. Liliaceae. 

86. Limiianthes Douglasii R. Br. Geraniaceae. N.-\V.-Amerika. 

87. Loasa prostrata Gill. Loaseae. Chile. 

88. Lobelia inflata L. Campanulaceae. Nordamerika, 
syphilitica L. 



lagrarieae. Mexiko. 



Nordamerika. 

Nordamerika. 



93. Lophospermum scandens Don, Scrophularineae. Mexiko. 

94. Malvastrum Munroannm A. Gray. Malvaceae. 



Dougl. Scrophularineae. Kalifornien. 

96. Mitella Brewerii A. Gray. Saxifrageae. 

97. „ diphylla L. Saxifrageae. Nordamerika, 

98. Modiola caroliniana Don. Malvaceae. Nordamerika. 

99. Mühlenbergia Willdenowii Srin. Gramineae. „ 

100. Oenothera biennis L. Onagrarieae. , 

101. „ Bistorta Nutt. 

102. „ cruciata Nutt. ,, ', 

103. „ Drummondii Hook. „ 

104. „ quadrivulnera Dougl. „ 

105. „ rosea act. Ouagrieae. Mexico. 

106. Peltandra virginica Rafin. Aroideae. ., 

107. Pentstemon campanulatus Willd. Scrophularineae. Norda 

108. „ digitalis Nutt. 

109. „ gracilis Nutt. „ ' 



112. Phacelia Franklinii A. Gray. Hydrophyliaceae. 

113. „ loasfolia. 

114. „ tanacetifolia Bentb. 

115. Potentilla arguta Pur-h. Rosaceae. 

116. „ ontopoda Dougl, „ 

117. Psoralea orbicularis Lindl. Leguminosae. Kalif* 

118. Rhexia virginica L. Melastomaceae. 
119 Rudbeckia fulgida Ait. Compositae 

120. „ laciniata L. 

121. Salvia lyrata L Labiatae. 

122. „ tiliaefoüa Vahl. ,. Nördliches Spanien, 

123. Silene antirrhiua L Caryopbylleae, 

124. Silphium trifoliatum L Compositae. 



125. Sisyrinchium 

128. Solidago patula Mühlbrg. Composits 

129, „ sempervirens L. „ 
1.30. Sparga^ium eurycarpum. AlLsmacea 



133. Teucrium 

134. TLa'ictrm 

135. Verbena ] 



139, Viola Beckwithii. 



:: peTr 






146. Ximenia encelioiiles Cav. Olacineae. 

147. Yucca haccata. Liliaceae. Amerika. 

148. „ iilamentosa Tar. bracteata. Lilia( 

149. Zygadenus paniculatus. Melanthaceae. 



Zur rationellen Ernährung der Obstbäume. 



Erscheinung, dass neuerdings allenthalben die 
Frage der Ernährung der Obstbäume in der gärtnerischen Literatur sowohl 
wie auch in fachgenossenschaftlichen Vereinen und Gesellschaften verhandelt 
und besprochen winl. Auch vorliegendes Journal hat schon oft in richtiger 
Würdigung der Bedeutung dieses Gegenstandes Referate und Originalarbeiten 
über denselben gebracht. Der \ erfasset Dieses begrüsst mit Freuden 
jegliche praktische Erfahrung, denn die auf diesem Gebiete aus leicht erkenn- 
baren Gründen langsam fortschreitende \Yissenschaft bedarf vor allen Dingen 
sehr vieler Versuche, welche ja bei Obstbäumen gerade weit mehr wie bei 
anderen Gewächsen eine lange Zeitdauer in Anspruch neh 



nun- aber von Seite praktischer Pomologen besonde: 

Düngem 
recht vielfach angestellt, aber gewöhnlich, besonders bei Misserfolgen nicht 



e praktische 
bekannten Düngern — Stalldünger, Kompost, Jauche, Asche, Russ, Blut t 



den sogenannten „künstlichen Düngemitteln*' 
weiter bekannt gemacht worden 



ganz richtig gedeutet, vermögen sie, wenn 

Versuchsansteller oft nicht einmal Nutzen 

Und dennoch vermöchten alle derartigen Versuche der Praxis 

-. Ttr: i.-rj. xr.^i. — _.. i)j^-jjgeji . Jern auch aus einem 

- Chemiker Schlüsse zu ziehen, 

;rn Vortheil und Ge 

So wird beispielsweise Stalldünger, 

ipfoh!en. Wenn nun irgend ein praktischer Obstproduzent unter Anwendung 

jses Düngers keinen günstigen Erfolg eintreten gesehen hat, so ' ' ' 

doch die Wissenschaft zu fördern und indirekt der Praxis zu 

■ Versuchsansteller diesen seinen Versuch unter Angabe der 

ä (der ungefr " ' ^•- . . . . ^ , 

Zeit der Anwendung ( 

Es wäre also wünschenswerth, dass recht viel praktische Pomologen 
jegliche an Obstbäumen früher oder neuerdings vorgenommene Düngung 
mit Stoffen welcher Art auch inamer — Stalldünger oder künstliche Dünger — 
mit den bemerklichen Resultaten, auch den event. negativen publiziren, 
oder vii Ueicht durch gefällige Vermittelung der Redaktion dem Unterzeichneten 
übermitteln. Derselbe ist gern bereit, die sich etwa ergebenden Schluss- 
folgerungen zu ziehen und dieselben, inklusive der etwaigen Nutzanwendung 
für die Praxis bekannt zu geben. 

Bei Beschreibung derartiger Düngungen ist es erwünscht, folgender 
Rubriken zu gedenken: 1) Boden (Art desselben, wa n und wie ist derselbe 
früher gedüngt worden); 2) Zeit der Dür.gung: 3) Dünger (welcher Dünger 



wie der Dünger 



Bäume ; 6) Regen - und Tenaperatu 

dieselben bemerklich vom gewöhi- 

Düngung (Belaubung, Triebe, Früchte). 

Auf Grund derartiger Veröffentlichungen dürfte es leichter möglich sein 
die Besonderheiten in den Ansprüchen der Obstbäume an ihre Nahrung auf- 
zufinden und darauf eine rationelle Düngungsmethode zu gründen. 

Proskau, Königl. pomolog. Institut, im Januar 1881. 

Dr F. Tsehaplowitz. 

Vermischtes. 

üeber den landw. Obstbau in der Provinz Brandenburg 
äussert sich der Jahresbericht über den Zustand der Landeskultur 
in der Mark Brandenburg für das Jahr 1879, erstattet durch das 
Haupt • Direktorium des landw. Provinzial - Vereins für die Mark 
Brandenburg und die Nieder-Lausitz (8. 1880. 104 S.) in folgender 
trauriger Weise: 

Es ist bedauernswerth, dass bei den Landwirthen der Obstbau 
noch immer nicht die ihm gebührende Theilnahme findet, obgleich 
derselbe wohl geeignet ist, die Rentabilität der Landgüter zu heben; 
aber allerdings ist es dabei nöthig, etwas aus dem gewöhnlichen 
Schlendrian herauszutreten, und daher die vielfach verbreitete förm- 
liche Antipathie gegen die Obstkultur. 

Meist werden die vorhandenen Obstbäume schlecht behandelt, 
falsch geschnitten und schlecht gedüngt; was aber noch schlimmer 
ist, man hat von Anfang an falsche, für die klimatischen und Boden- 
verhältnisse unpassende Sorten gewählt, und dann verlangt man von 
diesen unglücklichen Gebilden dauernd reiche Erträge und behauptet 
steif und fest, die Obstkultur sei ein national-ökonomischer Fehler. 

Die Ernte war denn auch im Allgemeinen nur mittelmässig zu 
nennen. In einzelnen Distrikten, z. B, Ostpriegnitz , Barnim und 
Oderbruch, gab es Aepfel und Birnen in grosser Menge, Steinobst 
dagegen, besonders Pflaumen und süsse Kirschen, waren weniger 
gerathen. Saure Kirschen lohnten dort, wo sie nicht in der Blüthe 
erfroren waren, reichlich. In der Gegend von Woldenberg ist der 
Kirschsaft Handelsartikel. Auf einer hydraulischen und zwei Schrau- 
benpressen sind ca. 6000 Ctr. Kirschen verarbeitet worden. 

Der Wein, welcher in dieser Provinz nur in der Gegend von 
Crossen und Guben gebaut wird, ist nicht zur Reife gekommen, 
was für einen zahlreichen Bruchtheil dieser Gegend einen bedeuten- 
den Verlust herbeigeführt hat. — 

Ueber den Waldbau in der Provinz Brandenburg äussert sich 
dieselbe Quelle: 

Der Waldbau könnte bei dem Privatbesitzer wesentlich geför- 
dert werden, wenn die Kgl. Oberförstereien grössere Quantitäten von 
Kiefern - Sämlingen ziehen würden. Zwar wäre es zuviel verlangt, 
wenn die Oberförster genöthigt wären, dieselben unentgeltlich her- 
zugeben, aber auch die Abgabe zum Selbstkostenpi^eis stockt, weil 
lange nicht so viel gezogen wird, als der grossen Nachfrage ent- 
spricht. 



=^ 137 ^ 

Hoffen wir, dass die Zeit nicht mehr fern ist, in welcher wir 
erkennen lernen, welchen unsäglichen Schaden wir uns durch rück- 
sichtslose Auftheilung der Gemeindeländereien und Waldungen zu- 
gefügt haben und wir uns den französischen Zuständen wiederum 
nähern, nach denen die Gemeinden gesetzlich gezwungen werden 
können, den Flugsand mit Kiefern zu decken. Unsere Wald- 
genossenschafts-Gesetzgebung hat in keiner Weise den gehofften Er- 
folg gehabt, es ist zu bezweifeln, ob derselbe jemals eintreten wird. 

Gardeners^ Monthly, Dezember 1879, hat eine kolorirte Abbil- 
dung von Viburnum plicatum Miq. (in K. Koch's Dendrologie als 
V. tomentosum Thbg.). Das ist ein herrlicher Strauch, der mit 
seinen grossen, weissen, gefüllten Blumen und seiner dunkelgrünen 
Belaubung einen wunderbaren Effekt erzielt ; unser gefüllter Schnee- 
ball ist ein ordinärer Strauch gegen jenen! Der 1 bis 1,5 m hohe 
Strauch stammt wahrscheinlich aus Japan, wo er seit undenklichen 
Zeiten in den Gärten angepflanzt wurde; schon Commodore Perry's 
Arbeit über japanische Kulturpflanzen bringt eine Zeichnung von 
ihm, und Kämpfer, der 1710 über japanische Kulturpflanzen 
schrieb, macht besonders auf ihn aufmerksam; Thunberg schrieb 
Ende des vorigen Jahrhunderts über japanische Pflanzen und hält 
unser Viburnum für nahe verwandt mit dem amerikanischen V. den- 
tatum. In Kord-Amerika ist unser Strauch allgemein verbreitet und 
vollkommen hart; er wurde dort vor etwa 50 Jahren von Alfred 
Cape in Philadelphia von England eingeführt. In Stockholm 
wurde seine Kultur im Freien versucht, missglückte aber. Unsere 
grossen Baumschulen haben den Strauch nicht; Haage & Schmidt 
in Erfurt geben ihn für 2 Mark das Stück ab. 0. H. 

In der Gartenflora (August - Septemberheft 1880) erzählt Dr. 
E. Regel gelegentlich einer kurzen Besprechung des traurigen Zu- 
standes der Ringstrassen- Alleen in Wien Folgendes: „Haben wir doch 
selbst die traurige Erfahrung in dem letzten Winter (dem mildesten 
Winter, den St. Petersburg seit langer Zeit hatte) machen müssen, 
indem wir 30,000 Apfelbäume und alle Apfelwildlinge in unseren 
Baumschulen einbüssten. Nicht die — 15 Gr. R. nicht übersteigen- 
den Minima waren der Grund des Absterbens dieser Bäume, denn 
sie halten sonst — 30 Gr. R. aus, sondern der Umstand, dass wir 
im Winter wiederholtes Thauwetter und darauf schneelose Fröste 
hatten. Der ganze obere Theil der Bäume war im Frühjahr grün 
und scheinbar gesund, die Wurzeln aber waren in Folge des in den 
Boden eingedrungenen und bei den Kahlfrösten zu Eis erstarrten 
Wassers gänzlich erfroren. 

Aehnliches mag in Wien zum Erfrieren der Bäume mitgewirkt 
haben. Bei guter Drainirung würde der Schade weniger bedeutend 
gewesen sein, sofern nämlich nicht, wie bei uns, tiefer gehender 
Frost zuvor eine für Wasser nicht durchlassende Schicht gebildet 
hatte.* 0, H. 



Aepfel bei den Indianern. Der europäische Apfelbaum hat 
sich in Südamerika von Valdivia bis Orsondo verbreitet, ist selbst 
über die Anden nach dem nordwestlichen Patagonien und von da 
ostwärts gekommen. Er ist in der That so allgemein geworden, 
dass die Indianer in den fernen Gegenden der argentinischen Flüsse 
Rio negro und Rio colorado „Manzaneros" oder „Apfel-Indianer" 
genannt werden. Sie und ihre Verwandten in den Provinzen Val- 
divia und Orsono leben weit mehr von Aepfeln als irgend ein 
europäisches Volk, denn die Aepfel liefern ihnen sowohl Nahrung 
als Wein. 

In Nordamerika war 1879 ein üeberfluss an Aepfeln, die 
Ernte soll alle vorhergehenden übertreffen. Bis zum 30. Juni 1880 
betrugen die Verschiffungen von Boston nach England 173,379 
Fässer (barreis) im Werthe von über 70,000 Pfund Sterling (ca. 
1,400,000 Mark). 

Ein schädlicher Getreidekäfer in der Ebene von Troja. 
Unterm 12. October sandte der Consul der Vereinigten Staaten in 
den Dardanellen, Herr Frank Calvert dem Referenten zwei Käfer 
zu, die er als sehr schädlich bezeichnete. Er schrieb: Diese In- 
sekten verursachen grosse Zerstörungen au der Weizenernte in der 
Ebene von Troja, indem sie die Körner in der Aehre, wenn sie 
noch in der Milchreife sind, aussaugen. Ich fürchte, die Anisoplia 
austriaca Herb., die so grosse Verwüstungen im südlichen Russland 
angerichtet hat, ist auch zu uns gekommen. Die Thiere sind so 
zahlreich, dass ich die A ehren vollständig damit bedeckt gesehen 
habe. Der Erdrusch wird dadurch sehr vermindert, selbst bis zur 
halben Durchschnittsernte. 

Die Vergleicbung mit echter Anisoplia austriaca unter freund- 
licher Hülfe der Herren Dr. Dewitz und Dr. Stein ergab die 
völlige Identität beider Käfer. Anisoplia austriaca Herb, kommt 
übrigens im ganzen Orient, bis Persien, vor und ist wohl nur jetzt 
erst so beachtet worden, weil sie sich (aus vorläufig nicht bekannten 
Gründen) plötzlich sehr vermehrt hat, wie das periodisch bekanntlich 
bei manchen Thieren eintritt. L. Wittmack. 



Züchtung später Getreide-Varietäten. Um das frühe 
Schossen und das dadurch oft bedingte Erfrieren des Roggens 
zu vermindern, empfiehlt Graf zur Lippe entweder 1) Roggen 
auf reichem Boden in 50 X 40 cm Abstand zu bauen und diesen 
„gemästeten", daher spät sich entwickelnden Roggen zu säen, oder 
besser 2) auf dem Felde die spät schossenden Halme (nicht aber 
etwa Nebenhalme) zu markiren, besonders zu ernten und zur Saat 
zu benutzen, resp. als Zuchtmaterial erst weiter unter gewöhnlichem 
Roggen auf einer besonderen Stelle dos Feldes (nicht an eigens vor- 
bereiteten Plätzen) zu vermehren. 



- Die Ehre, der Prinzessin Augusta Victoria den ersten Willkommens- 
gruss nach ihrer Ankunft im Schlosse Bellevuo am 25. Februar darzubieten, ist 
dem Gartenbau zu Theil geworden. Der Verein zur Beför Jerung des Gartenbaues 
und die Gesellschaft der Gartenfreunde hatten gemeinsam die Ausschmückung 
der Empfangsräume im Schloss Believue, soweit sie nicht durch die Königl 
liofgarten-Direction erfolgt, übernommen. Ausserdem hatten sie das WolÄ- 
zimmer der Prinzessin und die Familientafel dekorirt. Die schönsten Blumen- 
nnil Blattpflanzen aus dem Königl. botanischen Garten und aus den Gärten 
der Frau Geh Kommerzien - Rath Borsig ( Gartenbau - Direktor Gaerdt), 
der Frau Ritterguts - Besitzer Keichenheim ( OberKärtner Haack), des 
Ivommerzien-Rath Heckmann ( Obergärtnor Maecker), der Herren Julius 
im'l Martin Hoffmann, des Hoflieferanten G. A. Schultz etc., haben dabei 
verwenrlurg gefunden. Die Haupt- Arrangements lieferte Herr Kuntze in 
r^'^ i\ p<^b»"'l<^' darunter ausser vielen Bouquets 3 Blumenkörbe für 
die Tafel, deren mittelster fast ganz aus Orchideen gebildet ist, welche 
besonders Frau Borsig und Frau Reichenheim spendeteft, Herr Haack 
dekorirte u. A. sehr geschmackvoll einen Blumentisch, Herr Maecker brachte 
em sehr schönes Arrangement vor einem Spieg«d, während Herr Hoffmann 
Maiblumen und Herr G. A. Schultz eine grosse Zahl Hyacinthen sandte, 
von denen die im Wohnzimmer der Prinzessin in den schleswig-holsteinischen 
A. Thiel hervorgevangen. Es bestand aus cur weissen Blumen und zwar 
Orchideen Gardenien, Rosen, Kamellien, Flieder, Maiglöckchen, Orange- 
bluthen, Myrthen und feineu Farn, auch das bescheidene Schneeglökchen 
lehlte nicht. Die Manschette in prunkloser, aber höchst geschmackvoller 
Ausiuhrung war aus weissem Atlas gefertigt und mit echten Points geschmückt, 
eine gefällige, lang abfallende Schleife schloss das Bouquet ab. 

y T ^l^^ hegt in Guben vielfach die Ansicht, als ob der dortige Gartenbau- 
\erein die Vorzüge des Warraschken-Apfels nicht anerkenne und ihn 
(lieserhalb durch fremd eingeführte Sorten verdrängen wolle. Dies ist einfach 
ein Irrthum. Die Warraschke ist jedenfalls zum Rohgenuss ein ganz vorzüglicher 
Apfel, aber vor October zu .iiesem Zwecke von schon verwöhnteren Gaumen 
mclit behebt, ebenso ist die Frucht, durch die grosse Tragbarkeit des Baumes 
und die wenige Sorgfalt, die man ihm durch Düngung und Beschneiden widmet 
zu wirthschaftlichen Zwecken, wo der Apfel geschält werden soll zu klein' 
um behebt zu sein, auch zu unscheinbar, um als Paradefrucht auf der Tafel 
zu dienen. Dieserhalb ist die Einführung und Kultivirung auch anderer 
berühmter Früchte wohl gerechtfertigt. Diese gerühmten Sorten gedeihen 
hier oft nicht, weü besonders der Boden hier sehr leicht oder das Klima 
denselben nicht zusagt, darum darf man sich aber nicht blos auf die schon 
seit lange eingeführten Sorten beschränken, man würde mit der Kultur nicht 
nur nicht fortschreiten oder stehen bleiben, sondern zurückgehen Es ist < 
dieserhalb nothwendig, trotz des oben angeführten Vorwurfs auch fernerhin 
neue als gut bekannte oder auch nur als solch 
zuführen und zu probiren. Aber freihch sollen 
sondern nur Einzelne, die sich für dag Probiren interessiren 

Der (iie_ neu eingeführte Sorte bilden lässt 
vorzüglich lautet, mögen neue Sorten weiter 
erden, so Jacge aber bio dies geschehen, möge man nur die 
rten Sorten weiter anbauen. Die Guben er Warraschke 
i Pomologen bis I8b9 keinen guten Klang, denn bis dahin wurde 
von da ab aber in den meisten Katalogen nur als Wirthschafts- 
rt, weil diese Frucht ihr eigenthümliches Arom auf besserem 
verliert. Um so mehr freut es uns, mittheilen zu können 
^nen und zwar in Tiflis desto besser gedeiht, von wo aus sie 
irg gesandt wird ; unsere Händler macheri wir hierauf aufmerk 



rraschke heisst es im Ausstellungsbericht über die von Herrn 
i Wiadikaukas in der Nähe von Tiflis gezogene Frucht (Monats- 
i. 185) Gubener Warraschke „vorzüglich". (Gub. Ztg.) 



— Abgebildete Pflanzen. „The Florist and Pomologist" vom Septbr. 
1880 bringt die Abbildung der Camellia japonica Manara und des Rho- 
dodendron Boule de Neige. Erstere 



i und ist eine Sorte ersten Ranges, die wegen ihrer schönen 
karmoisinrothen Farbe mit weissen Streifchen und ihrer vorzüglichen Form 
mit den rundlichen, etwas zugespitzten Blättern ganz besondere Beachtung 

Das Rhododendron Boule de Ne 
Catesbaei mit der Azalea liliiflora * 
Pariser Weltausstellung 1879 verdientes Aufsehen; es war dort durch 500 
mit Blüthen bedeckte Pflanzen vertieten Herr Carriere beschreibt es in 
der „Reviie horticole" als eine kleine frühblühende Pflanze, dicht nüt Blättern 
und Blüthen bedeckt, die wirklich den Namen „Schneeball" verdient und die 
wohl als Einfassung von Blumenbeeten benützt werden sollte. Aber die 
Pflanze leidet, wenn sie nicht geschützt wird, leicht vom Frühüngslrost, 



[ sie selbst einen strengen Winter gut aushält. Herr Oudin 
oenchtet, dass die Sorte leicht und reichlich Knospen bildet; selbst emjäürige 
Pfropfreiser setzen solche an und Regenwetter schadet ihrer Entwickehmg 



— „Steuer auf Rosen" beginnt das „Journal des Roses" vom August v. J. 
eine kurze Notitz, in der Hauptsache der „Revue d'horticulture beige" ent- 
nommen, wonach das berühmte Rosenthal, welches in Rumelien in der Nähe 
von Kazanlik hegt, einen Ozean von Blumen zeigt, welcher die schönste 
Ernte für den Staatsschatz verspricht. Bekannthch ist das Thal von Kazanlik 
ausschliesslich der Kultur der Rose geweiht, von der die beliebte Rosen- 
Essenz gewonnen wird. — Der AnbMck, welchen im Monat Mai dieser wahre 
Rosenwald bietet, ist einzig in seiner Art; bis zum Gipfel der angrenzenden 
Hügel erbhckt man nichts, als Rosen in allen Farben. Das ist ein Paradies 
von Blumen, welche die herrlichsten Wohlgerüche verbr. iten, mit denen die 
Luft bis acht Meilen in der Runde angelüllt ist. — Es sind hauptsächlich 
Russen und Engländer, welche die Ernte jeden Jahres ankaufen und von den 
ersten Tagen des Mai an sieht man sie und viele andere Touristen das reiche 
Thal in der ganzen Länge des Balkan durchreisen. Die Steuer, welche die 
Rosen gewöhnüch in einem Jahre abwerfen, beträgt im Durchschnitt 2 (zwei) 
Millionen Francs, 0. Hg. 

Ausstellungen. 

— Der K. K. Steiermärkische Gartenbau-Verein zu Graz beab- 
sichtigt, sofern die Betheihgung eine ausreichende, im Laufe dieses Sommers, 
zur Zeit des Rosenflors, eine internationale Rosen-AussteUung zu 
veranstalten und erbittet bezügliche Meldungen sofort unter der Adresse: 
An die Direktion des K K. Steiermärkiscben Gartenbau -Vereins, z. H. des 
Herrn Grafen Heinrich Attems, Schloss Leechwald bei Graz, Steiermaik 
(Oesterreich). 

— Berlin, Gesellschaft der Gartenfreunde. Blumen- und Pflanzen- 
Ausstellung vom 9—13. April er. zum Besten des unter dem Allerhöchsten 
Protektorat« Ihrer Majestät der Kaiserin von Deutschland, Königin von 
Preussen stehenden „Vaterländischen Frauen -Vereins", in der Reitbahn des 
KöDighchen Kriegs -Ministeriums. Anmeldungen sind bis zum 30. März er. 
zu richten an den Ordner. Herrn Hofgärtner Hoff mann, Wilhelmstr. 102. 

Zu den bereits mitgetheilten im Programm aufgeführten Preisen ist nach- 
träglich von Herrn Garten -Inspektor Wredow noch ein Geldpreis von 75 M. 
ausgesetzt, Dieser Preis soll Demjenigen zuerkannt ' "' 

besten_ Entwurf (Zeichnung) zur Umwandlung des "^ 

ickplatz nebst dem dazu gehörigen Bepflanzungsplan, Verzeic 
aller zu verwendenden Gehölze, Stauden etc. ausstellt. 
BelassuDg des Entwurfs, Bepflanzxmgsplans etc. an die G 
eser Au^abe als Bedingung beigelügt. 



141 



— Greifswal J, Gartenbau -Verein für Neuvorpommern und Rügen, 
Ausstellung Ton Pflanzen, abgeschnittenen Blumen, Sämereien, Gemüsen, 
Obstsorten, Garten -Utensilim, Garten-Meubles und sonstigen zum Garten- 
betriebe gehörigen Gegenständen in den Tagen vom 15. bis 18. Juli er 
Anmeldungen sind bis 1. Juli an Professor Dr. Munter in Greifswald zu 
richten, von dem Programme und Anmeldebogen zu beziehen sind Es 
kommen goldene, silberne und bronzene Medaillen zur Vettheilung und ist 

ir , ^ angekaufter oder etwa freiwillig gespendeter Ausstellung-j- 

* "?ht genommen. 

Literatur. 

— W. Vatke, Plantas in itenere africano ab J. M. Hildebrandt 
coUectas determinare pergit. Sep. Ab. Lincaea XLUI S. 83-112. 

— Zeitschriftdes schweizerischen Gartenbau-Vereins. Ulustrirter 
Monatsbericht für praktische Gärtnerei. Unter Mitwirkung von Fachmännern 
und Pflanzenfreunden redigirt von G. L. Meyer, Zürich 1881. 1 Band 
1. Heft. 8». 32 S. — Wir begrüssen freudig dies neue Unternehmen, desgl 
eine alte, für uns persönlich aber noch neue Kollegin: 

— J. A. Bentzien, Dansk Havetidende. El Maanedsskrift for 
Gartner-forenmgen „Hortulania" Forbandlingar etc. 34. Aargang 1. u 2 Heft 
Kopenhagen 1881. 

— Der Geflügelhof. Wochenschrift für Geflü^elliebhaber, Züchter 
und Händler, zugleich Organ für bezügliche Akklimatisations - Bestrebungen, 
unter Mitwirkung der hervorragendsten Fachkenner herausgegeben von Dr 
Karl Russ. Erster Jahrgang 1881. Louis Gerschel's Verlagshandlung in 

— 0. Lämmerhirt, Ueber die Ursachen der Unfruchtbarkeit der Obst- 
bäume und die Mittel, diese zu heben. — Vortrag am 6. Dezember 1880 im 
Gartenbau -Verein für Hamburg, Altona und Umgegend. Hamburg 1881. 

— Dr. Ign. Urban. Enumeratio specierum varietatum, fonnarum 
quae in catalogis seminum omnium hortorum botanicorum per annos 1850— 
1879 descriptae aut ampliums tractatae sunt. BeroUni 1881. 8». 70 S. 
Eine höchst willkommene Arbeit, die dem Verfasser sicherlich ausser- 
ordentlich viel Mühe gemacht hat. 

— Bericht über die d 
botanisch - zoologischen 
18. Mai 1880. 80. 109 S. 

— M. A. Lavallee. Les vignes du Soudan. Paris 1881. 

— Rapport annuel presente par I 
generale du 30. Janvier 1881 sur les 
chambre syndicale des horticulte 
1881. 80. 35 i 

— Dr. H. r 
dem japanischen Lackbaum, aus Abhandlungen d'er Senckenbergischen Ge- 
sellschaft. Xn. Heft 1 und 2.) Mit 2 Tafeln. Frankfurt a/M., Christian 
Winter, 1881. 40. 18. S. 

— Danzig in naturwissenschaftlicher und medizinischer Be- 
ziehung. Gewidmet den Mitgliedern und Theilnehmern der 53. Versamm- 
lung deutscher Naturforscher und Aerzte. Danzig 18?0 8<^. 288 S. 

— Dr. C. O. Harz, Beiträge zur Systematik der Gramineen. (Separat- 
abdruck aus Flora.) 8". 30 S. 

— Ed. Morren. Correspondance botanique. Liste des jardins. 
des chaires, des musees, des revues et des societes de botanique du monde! 
8 ed. Octobre 1880. Liege ä la Boverie No. 1. 8". 169 S. — Dieses jetzt 
in. 8, Auflage vorliegende Adressbuch sämmtb'cher Botaniker; botanischer 
Gärten und botanischer Gesellschaften etc. der Erde unseres verehrten 
Freundes und Kollegen Ed. Morren ist abermals bedeutend yermehrt und 
kann auch den Handelsgärtnern sehr empfohlen werden. 



pendant l'annee 1880. Gand 



Seyler, Botanische Mittheilungen. (Kulturversuche i 
ckbaur •" - , ^ . , . . 



bergig 



ßez ensioneu. 



Die Rose, ihre Geschichte, Arten, Kultur und A^er- 
Verzeichniss von 5000 beschriebenen Gartenrosen, 
im Text, 2 Gartenplänen und 12 Farbendrucktafeln 
Maria Endeil. Berlin, Verlag von Wiegandt 
^ . .^ . . .- aul Parey) 1880. 4^", Preis cart. 30 Mark, geb. mit 

Goldschnitt 35 Mark. — Unter den neuesten Erscheinungen gärtnerischer 
Literatur in Bezug auf die Geschichte und Kultur der Rose nimmt das 
kürzlich bei Wiegandt, Hempel & Parey von Th. Nietner erschienene 
Werk wohl mit den ersten Rang ein, was den gediegenen iLhalt und die 
äussere Ausstattung anbetrifft. Der Verfasser hat. da er ausser seinen eigenen 
Erfahrungen die besten Quellen benutzte, ein die Kultur der Rose umfassendes 
VV erk vollendet, welches nicht nur dem Liebhaber und Laien sowie dem jungen 
Gärtner zu;. i Leitfaden dienen und empfohlen werden kann, sondern selbst 
den praktischen Gärtner resp. Rosenzüchter zufrieden stellen wird; es 
werden freihch an manchen Stellen (z. P. Treiberei und Anzucht in Töpfen) 
die Ansichten der Fachmänner auseinander gehen; dies ist indessen nicht 
zu vermeiden, wo es sich um besondere Kulturen handelt, und sind der- 
gleichen Werke auch selten für den gewiegten Fachmann geschrieben; die 
Hauptsache ist, dass nach angegebenem Kultur- Verfahren der Zweck er- 
reicht wird, und dies glauben wir bestätigen zu können. Kurz eine Ueber- 
sicht des Inhalts: Der Verfasser beginnt mir; der Geschichte der Rose vom 
Alterthum an bis in die neueste Zeit, darauf folgt die Terminologie unfl 
Physiologie derselben. Die Eintheilung in die botanischen Gruppen nach 
Koch's Dendrologie, durch Holzschn.tte veranschaulicht, die Kultur und 
Verwendung der Rose im Garten, ihre Veredelung, Schnitt und verschiedene 
Art der Vermehrung. Die Anzucht und Kultur in Töpfen. Die Treiberei 
in Kästen und Häusern , sowohl in Töpfen als im freien Lande. Die noth- 
wendigen Arbeiten während des Jahres. Die Feinde der Rose, sowohl des 
Thier- wie des Pflanzenreichs. Eine wichtige Liste, nicht al:er bekannten 
Garten-Rosen, wie der Verfasser schreibt (wir können ihm manche nicht 
aufgeführte Rose, nennen), aber eine Liste der bekannten und kultivirten 
neueren Sorten und der meisten alten, längst wieder aufgegebenen, und 
fast nur noch in botanischen Gärten, ötfentlichen Anlagen, sowie vielleicht 
in den Sammlungen ■ der Liebhaber befindlichen Rosen, und schliesslich die 
Liste der verschiedenen Zwecken dienenden Rosen, welche aus der den 
Fachgenossen bekannten Schneider'schen Abstimmung hervorgegangen ist. 
In Bezug auf die Rosen -Liste, welche besonders zu G Mark zu haben 



lii:': 



den Namen auch im Buche 

der neueren und fettgedruckten, von den wenig bekannten und alten ganz 
abgesehen. Dies Verzeichniss , welches jedem Gärtner und Rosenfreund, der 
des Französischen und Englischen nicht mächtig ist, doch als Gegensatz zu 
den leider oft verhunzten englischen und französischen Namen vieler oft so 
schlecht redigirten Kataloge dienen muss und soll, muss auch daher ohne 
den geringsten Fehler s in und den Interessenten den richtigeü Namen 
liefern, df-nn wer 6 Mark extra für diese Liste riskirt, wird auch dieselbe 
als Richtschnur benutzen und sich bei streitigen Fällen darauf berufen und 
nicht eine Li.ste voll Fehler nur zum 

Nachfolgend einige der gröbsten Fehler: 
wechselt, z. B. A Monton statt A. Mouton, 
statt Suftren, Comte de Semby statt Con 
A AUeon, Archidac statt Archiduc, Beaute 



mit dem englischen Namen statt Beauty, englisch also Beauty of GlazenwooJ, 
of Waltham, of the prairies, und nicht Beaute. Css« de Seringe statt 
Cs-se. de Serenyc, Empereur de Marocce statt Empereur du Marocce, Fortune's 
statt Fortune's (englischer Reisender f 1880), centifeuilles roses statt centi- 
folia rosea (französisch centfeuilles rose^ etc. etc. und -weshalb das englische 
Mr- und M^s- vor dem Eigennamen ausschreiben, es ist unenglisch und ein 
■ Germanismus, der Engländer schreibt M^^ Bosanquet u s. w., sowohl brief- 
lich als im Verzeichnisse und spricht Mississ aus Tind nicht Mistriss, wie 

In Bezug auf die äussere Ausstattung sind 12 farbige sehr gute Ab- 
bildungon verschiedener Arten und Sorten der Rose, sowie viele Holzschnitte 
bei den einzelnen Abschnitten beigegeben. Dio farbigen Abbildungen hätten 
besser in natürlicher Grösse (Raum war genug da), sowie in grösserer Anzald 
und besserer Auswahl unter den Koryphäen der Rose erfolgen können, um 
das Werk zu einer Zierde der Bibliothek zu machen. Das sehr gute Jamal n 
und Forney'sche Werk „Les Roses" giebt 60 farbige Tafeln (leider viele 
Rosen vmerkennbar) und kostet nur 30 Franken; indessen wollen wir nicht 
untersuchen, ob unter diesen Umständen die hiesigen Verleger ihre Rechnung; 
machen würden. Wir schliessen übrigens von Herzen mit dem Ausspruch 
des Verfassers: „Möge das Buch Gutes wirken im Dienste der Rose." 

Karl Mathieu, Charlottenburg. 

— Die in Leipzig im Verlag von Oskar Lein er erscheinende laudwirth- 
schaftliche Zeitschrift: „Biedermann's Zentralblatt für Agrikultur-Chemie 
und rationellen Landwirthschaftsbetrieb (jährlich 12 Hefte von je 4V2 Bogen 
in gr. 8", Preis 20 Mark) beginnt mit dem neuen Jahre ihren 10. Jahrgang 
und wird erfreulicher Weise auch nach des verdieustvollen Begründers und 
vieljährigen Herausgebers derselben, Dr. R. Biedermann's frühem Tode 
unverändert fortgesetzt. Die Redaktion ist wieder in sehr tüchtige Hände 
gelegt und zwar in die des Dr. Fleischer, Dirigenten der Moor-\^ersuchs- 
station zu Bremen, Die bewährten Mitarbeiter, Dr. Kellner-Hohenheim, Dr. 
Moritz -Geisenbeim, Dr. Sachsse-Leipzig, Prof Dr. Tollens- Göttingen 
sind gleichfalls dem Blatte treu geblieben, neu hinzutraten die Mitarbeiter 
Dr. Borgmann-Wiesbaden, Dr. König-Bremen und A. Thomas-Mückerr. 
„Biedermann's Zentralblatt" ist ein in Fachkreisen mit Beifall aufgenommen' s 
fortlaufendes Repertorium aller für die landwirthschaftliche Praxis, nament- 
lich die auf grösseren Gütern mit Vortheil zu verwerthenden Resultate der 
' ""■ ' (agrikulturchemischen, pflanzen- und thierphysio- 



logischen u. a ) Forschungen. In Würdigung des grossen Nutzens e 
Blattes für die landwirthschaftliche Praxis wie für die rationelle üildung der 
Landwirthe, hat die kgl. preussische Regierung in ein-m offiziellen Zirkular 
„Biedermanns Zentralblatt" allen landwirthschaftlicheu Vereinen Preussens an- 
gelegentlichst empfotden und ihrem Beispiele sind die Regierungen Württem- 
bergs, Badens, Braunschweigs, Hessens und Mecklenburgs gefolgt. Neuer lings 
hat nochmals die kgl. württembergische Zentralstelle für Landwirthschaft das 
„Biedermann'sche Zentralblatt" warm empfohlen; wir schliessen uns allen diesen 
Empfehlungen an und machen die landwirthschaftüchen Vereine und jeden 
"" a Landwlrth auf diese Zeitschrift hierdurch besonders aufmerksam. 



gebildeten '. 



L irgend welch* 



esammelt über das etwaige Erfrier 



Sämereien irgena weicner Art und weicüei' 

2) Existirt ein Werk vielleicht über obige Frage und in welchem Verlage? 
Bitte gefl. an gleicher Stelle um freundliche Auskunft. 

3) Wäre es wirklich nicht an der Zeit, dass beide Gart 
der zur Beförderung des Gartenbaues in den Königl. 
Staaten sowie der der Gartenfreur '- "-'^ 
einen Verein bildeten, da doch beide \ 



Inhalt: 642. Versammlung des Vereins zur Be: 
Gartenbaues. S. 97. (Orangenkultur. Obstbäume an 
Depazea Dianthi auf Nelken. Graphiola phoenicis Corda auf Phoenix). — 
Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins am 

4. Februar 1880. S. 102. (Aenderung der Grundbestimmungen. Lonicera 
fuchsioides. Citrus longiflora. Amaryllis regina. Schutz der Pflanzen gegen 
späte Nachtfröste.) — Dr. Tschaplowitz, Ueber Gewächshäuser. (Fort- 
setzung) S. 104. - Ueber das Treiben des Flieders (Syringa). S. 107. 

— Fr. Harms, Zu den Bemerkungen über englische Treibrosen. S, 109. 

- Aufforderung zu Beobachtungen über die ßlüthezeit der 
Pflanzen. S. 112. — Karl Mathieu, Rosen in Amerika. S. 113. — 
Die gärtnerischen Arbeiten bei dem Denkmal der Königin 
Luise im Thiergarten zu Berlin. S. 115. - Sitzung des bota- 
nischen Vereins der Provinz Brandenburg am 28. Januar 1881. 

5. 118. — Lakcwitz, üeber die Grössenverhältnisse der beiden Aroideen 
Amorphophallus Rivieri Durieu und A. campanulatus Bl. S. 119. — 
R. Müller, Einige Pfirsichsorten für nördliches Klima. S, 121. — Joseph 
Klar, Ueber Chanpignonzucht. S. 123. — R. Brandt, Die Champion- 
Kartoffel. S. 125. - R. Müller, Die Anzucht von Rhododendron ponticum, 
maximum, Cawtabiense etc. aus Samen. S. 126. — Ein neuer afrika- 
nischer Weinstock. S. 128. - Berichte über! die zum Versuch 
kultivirten Samen, Pflanzen und Knollen. S. 131. - Unentgeltlich 
abzugebende Sämereien. S. 132. — Dr. Tschaplowitz, Zur rationellen 
Ernährung der Obstbäume. S. 135. — Vermischtes. S. 136. — Ausstellungen 
S. 140 — Literatur. S. 141. — Rezensionen. S. 142. — Sprecbsaal. S. 143. 

Tages ■ Ordnung 

für die nächste Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 

am Mittwoch, den 30. März 1881, Abends 6 Uhr, 

im grossen Auditorium der Königl. landwirthschaftUchen Hochschule, 

Invalidenstrasse 42, 2 Treppen, 

Eingang durch das westliche Gitter, dann an der Rückseite des Gebäudes 
durch Portal H. 
ilungen i 

Die Veranstaltung einer gemeinschaftUchen grösseren Gartenbau- 
Beschlussfassung über eine im Januar 1882 abzuhaltende Winter- 
ausstellung. 



Freier Eintritt 

in die 
AussteUung der GeseUschaft der Gartenfreunde a 

in der Reitbahn des Kgl. Kriegsministeriums, Wilhe 

Laut einer Anzeige der Gesellschaft der Gartenfreunde 
jhedera des Vereins mr BeRrdi - - - 

karte,_wie in früheren Jahren, 

verehrten Vereinsmitglie 



»itgliedera des Vereins mr BeRrdening des «arte 
hren, freier Eintritt 
besten Kräften bei dieser Ausstellung betheiFigen zTwölien, 



, wie in iruiieren janren, ireier limtritt in obige Ausstellung gewährt. 
Zugleich ersuchen wir unsere verehrten Vereinsmitglieder, sich i 
"" «^jaften bei dieser Ausstellung betheiligen zu wollen. 

Vorstand des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues. 



Zur Abwendung dieser Noth und um den bedrängten Kollegen 
die Wiederaufaahme ihres Betriebes zu erleichtern, richtet der 
Verein selbstständiger Gärtner zu Bremen zu Gunsten der geschä- 
digten Gärtner einen Aufruf an edeldenkende Kollegen und Garten- 
freunde und bittet um pekuniäre und materielle Unterstützung, möge 
letztere nun in Zuwendung von Sämereien oder von Pflanzen, Steck- 
lingen und dergleichen bestehen. 

In fester üeberzeugung , dass Mancher nach Kräften dazu bei- 
tragen wird, die Noth der ohne Schuld Heimgesuchten zu lindern, 
tragen wir diese Bitte unsern auswärtigen Kollegen und Garten- 
freunden zur geneigten Berücksichtigung vor. 

Zur Empfangnahme von Gaben, über welche Quittung erfolgen 
wird, sind gerne Namens des Vorstandes des Vereins selbstständiger 
Gärtner bereit 

der Vorsitzende: Herrn. Schmidt, Kunst- und Handels- 
gärtner, Schillerstrasse 26, 
der Korrespondent: Jul. Weber, Kunst- und Handelsgärtner, 
Meinkenstrasse 23. 



Drohende Absperrmaassregeln Busslands wegen der 
Keblaus und der Blutlaus. 

Nachdem in der Krim an Reben, die ein hoher Beamter des Ministeriums 
der Eeichsdomänen, Herr Rajewsky, aus Bordeaux bezogen hatte, die Reb- 
" "■ ' erheit aufgefunden ist und zwar von dem S 



logischen Gesellschaft, Herrn Porkchiusky, geht die russische Regierung 
mit dem Plane um, Absperrmaasregein an der Grenze zu ergreifen, um 
"Weitere EinschL ppimg* n zu verhindern. Sie hat den Entwurf zu diesen 
Bestimmungen, die leider denen der Bemer Konvention sehr ähnlich sein 
sollen, glücklicherweise vorher der russischen Gartenbau-Gesellschaft zur 
Begutachtung vorgelegt und so steht zu hoffen, dass die betr. Kommission nur 
die Einfuhr von Reben, nicht aber von bewurzelten anderen Pflanzen zu 
verbieten vorschlagen wird. — Wie wir vernehmen, hat die Kommission sich 
auch in dem Sinne ausgesprochen. Leider soll aber wegen der gleichzeitig 
aufgetretenen Blutlaus ein Verbot der Einfuhr von Apfel- und Birnbäumen etc. 
schwerlich abzuwenden sein. 

Kaum glaublich erscheint es, dass, wie Gard. Chr. vom 29. Januar 1881 
S. 142 meldet, seitens Russlands eine zwölf Monate lange Quarantäne an der 
Grenze in Aussicht genommen sein sollte! Und doch war es Ernst! 

Seitens des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues sind sofort beim 
ßeichsamt des Innern alle Schritte gethao, um die Uandelswege nach Russland 
offen zu halten. Würde Russland auch noch gesperrt, so würde dei 
Pflanzen -Export Norddeutschlands, besonders der Ostpreussens, 
von Berlin, Lübeck und Hamburg vollständig lahm gelegt. — Wie wir weiter 
vernommen, steht im Februar oder März d J. eine Revision der inter- 
nationalen Berner Reblaus-Konvention (der Russland übrigens nicht bei- 
getreten) in Aussicht; das deutsche Reich wird aus allen Kräften dabei auf 
Erleichterungen des Pflanzen-Transportes hinwirken; ob das aber gelingen 
wird, ist eine andere Fra^e, da u. A. in Ungarn seitens einer Kommission 
von Fachmännern, welche die zahlreichen Phyiloxeraheerde daselbst inspizirt, 
die strengsten Forderungen gestellt sein sollen. Wenn wirklich nichts 
Günstiges für unsern Export erreicht werden sollte, dann bUebe schliesslich 
auch für das deutsche Reich nichts anderes übrig, als die Ausführungs- 



bestimmungen zur Konvention zu erlassen und dadurch den massenhaften 
Import zu erschweren. In der Vereinsversammlung am 23. Februar wird 
dieser Gegenstand eingehend berathen werden. 



(Aus den Sitzungen der technischen Ausschüsse des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues.) 
Orangenkulturen. Ganz vortreffliche Orangenbäume finden sich im 
Schlossgarten zu Philippsruhe bei Hanau und scheint es, dass das Röhren- 
■wass er, welches man dort verwendet, durchaus keinen nachtheiligen Einfluss 
übt. — Kranke Orangenbäume wurden von einem Mitgliede des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues in drei Jahren dadureh geheilt, dass er sie auf 
warmen Dung stellte. Das viele Beschneiden ist schädlich. Die Erde für 
Orangen darf nicht zu leicht sein, sie muss aus Laub- und Moorerde be- 
stehen. — In Versailles werden alle hervortretenden Triebe an den Orangen 
abgeschnitten, weil man runde Kronen haben will; in Folge dessen tragen 
aber^auch die Bäume wenig Früchte. Ein Orangenzüchter in Paris, der 
soll die besten Exemplare daselbst jbesitzen. Sein 



Vs ba umfasst, steht ganz 
und nach in eisernen Hau 



abgetrieben, nachher aber 
gepflegt werden. 

■toff eis orten. Die Champion -Kartoffel, von Louis 
r & Sohn in Celle eingeführt, hat überall Beifall gefunden, zumal 
in feuchtem Boden gedeiht: eine noch neuere Sorte von demselben: 
3onum, eine Nierenkartofl'el bedarf noch weiterer PrüfuD 
Rosenkartofi'el ist im Herbst sehr gut als Speisekartoffel 



Magnum bonum, eine Nierenkartoffel bedarf noch weiterer Prüfung, 
frühe Rosenkartoö'el ist im Herbst sehr gut als Speisekartoffel und aucü 
Zwischenzeit soll sie nicht so schmackhaft und 



Brennereien hat sie den grossen Vo 
Reife die Campagne 4—6 Wochen früher be^n: 



Die „Schneeflocke" gedeiht selbst auf schwerem Boden 



Orten vortrefflich. — Wie sehr der Boden von Einfluss, erhellt 



einem Garten zu Pankow bei Berlin diese sowie die Rosenkartoffel 
ganz seifig wurden, während sie in einem anderen Garten daselbst von vor- 
trefflicher Qualität waren und doch war der Boden in ersterem leichter als 
in letzterem, allerdings etwas kiesig. 

Pockig- oder Schorfigwerden der Kartoffeln. In Proskau wurden 
nach mündlichen Mittheilungen des Herrn Dr. Grahl, der auf dem dortigen 



Versnchsfelde gegen 1000 Sorten Kartoffeln anbaute, alle auf gemergelte 
duLg ist bei Berlin kein übler Einfluss bemerkt worden. 



Sandboden kultivirten Kartoffeln pockig (schorfig). Ob Kloakendung 

Pockigwerden befördert, scheint noch nicht s' ' 



t ausschliesslich solche. Es sind besonders Baldwins 
Pepping und Greening. Das Fleisch ist sehr zart und wohlschmeckend. 

Chinesische Primeln. Herr Brandt führte in der Sitzung der ver- 
einigten Ausschüsse für Blumen- und Gemüsezucht am 2. Dezember 1880 
eine schöne gefüllte Primel vor, die schon seit zwei Monaten blühte und aus 
Samen von einfachen gefallen war. Die Primeln von Carter & Co. in London 
sind sehr schön, leider will aber das Berliner Publikum resp. die Blumenhändler 
diese theuren Sorten nicht höher bezahlen als die einheimischen. Interessant 
ist, dass im letzten Herbst ein Berliner Samenhändler (Herr J. Klar) V* kg 
Samen von Primula sinensis kermesina splendens nach England zu schicken 
hatte. Nach Herrn Brandt erhalten die Primeln eine weit lebhaftere Blüthen- 
färbe, wenn man sie in einem ausgetragenen Mistbeetkasten im freien Grunde 
hipstellt. Auch hat Torf nach dem übereinstimmenden Urtheil vieler 
Züchter Einfluss auf die Lebhaftigkeit der Farbe und ist es daher gut, die 
Primelt-rde mit Torfgrus zu mischen, oder die Töpfe in Torfgrus ein- 
zufüttern. Feinen Neuholländem ist Torfgrus nachtheilig. 



fütterungsmaterial besser als Sägespähne und 
gegen sieht Sägespähne, so lange sie frisch sind, 
rascher erwärmen. 

Poinsettia pulcherrima. Herr Brandt bemerkte, dass an der von 
ihm in der Novembersitzung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 
ausgestellten Poinsettia (vielleicht in Folge des Gaslichtes) die unteren Brak- 
teen ihre rothe Farbe wieder in Grün umgewandelt und dabei fleckig geworden, 

II. 

Die „Wiener Illustrirte Gartenzeitung« bringt in ihrer Nummer Juli- 
September 1880 eine Beschreibung des Wintergartens im Park des Kgl. 
Lustschlosses Laaken in Belgien, wonach dieser Park in seiner gross- 
artigen und stilgerechten Anlage schon seit Jahren unter den grossen Pracht- 
gärten Europa's eine hervorragende Stelle einnimmt: er ist seit 5 Jahren 
durch einen Bau geschmückt, der sich neben der 150 m langen und 72 m 
breiten Orangerie erhebt, einen Flächenraum von 32< qm, bedeckend, und mit 
einem Glasdache von 5800 qm, mit einer 120 m langen Fa^ade, deren Seiten- 
flügel je 15 m Breite haben, versehen. Der Mittelpunkt dieses als „Wintergarten" 
zu verwendenden grossen Treibhauses nimmt eine von 36 dorischen Säulen 
(von je 1 m Durchmesser) getragene Rotuude ein, deren Durchmesser 58 und 
die Höhe einschliesslich der von der Königskrone bedeckten Laterne 30 m 
darin angebrachten beiden Riesenpalmen, 
i und eine 19 m hohe Latai ■ - ■ • 
vollkommen ausreicht. Den Boden dieser Rotimde deckt 
inflügel bi:den einen , 
temperirten Hauses. Zwischen den sich vom 
smaragdgi-ünen Rasen erhebenden Baumgruppen erscheinen hin und wieder 
Aussichtsiiunkte auf Solitärpflanzen, die durch Art und Tracht sich aus- 
__•„, A , '^^die^sen Gruppen die unlängst vom König angekaufte 

.findlichen 
Weise geschmückte Rotunde ist 
von einer ijriasgaiierie umgeoen, weicüe mit Palmen, Farnen und anderen 
Blattpflanzengruppen besetzt ist; die Felsenpartie ist in den Innenhallen 
angebracht, an welche sich Schlingpflanzen bis zum Dachraum empor- 

Die für die W^armwasserheizung eingerichtete Röhrenleitung, welche das 
Irigenier-Bureau in Gent gelegt hat, bewährte sich trotz ilires einen Kubik- 
raum von 45,000 m fassenden Umfanges während des letzten strengen Winters 
vortrefflich; bei einer oft bis auf 25" C. gesteigerten Kälte wurden ohne An- 
strengung stets 13" Wärme erhalten. Die innere Einrichtung ist zuerst von 
Mr. Wills aus den königl. Gärten zu Kensington geleitet worden; in neuester 
Zeit ist die Direktion der königl. Gärten und Glashäuser zu Laaken dem 
früheren Chefgärtner des botanischen Gartens zu Haag, L. Ingereist, 
übertragen worden; er war s. Z. aus der Gärtner- Lehranstalt zu Gent her- 



vorgegangen. — Der Wintergarten zu Laaken ist gegenwärtig das grösste 
derartige Gebäude der Erde, jedenfalls ein Glanzpimkt für den belgischen 
Gartenbau und seines von königlicher Aegide getragenen Ruhmes. 0. H. 

.bsud von 
5t, bis er 



königlicher Aegide getragenen 1 
■ Illustr. Gartenzeit 

zum Uebefgiessen einen Absud i 
lange bedeckt i ' ' 



1 genügen, wenn man die grünen 
_ Giesskanne liegen lässt" Den 
, 3 Blumentöpfen, Kübeln u. s. w, durch Begiessen 

Wasser, das mit der zerriebenen Frucht der Ross-Kastanie vermengt ist, 
a Gartenland durch Begiessen mit Jauche oder Russwasser. 

-■ " ■ -t.) 0. H. 



Graf Du Boy SS on hat zur Zerstörung 
5ser mit Erfolg angewendet, indem er 
_ mit spritzte und zwar 2—3 g auf 1 L 
bezw. 30 g auf eine gewöhnliche Giesskanne mit Wasser; nach vier Tagen 
war der Mehlthau von den Rosenblättem, oben und unten bespritzt, ver- 
schwunden. (Pom. Monatshefte.) 

Literatur. 

F. C. He 

F. C. Heinemann's Gartenbibliothek No. 
Mit drei Holzschnitten. 

E. Marchai, Organisation des ecoles de botanique destinees specialem 
ä Tenseignement. Bruxelles 1880. 8», US. 

— Derselbe. Notice sur les hederacees recoltees par Ed. Andre, di 
la Nouvelle Grenade, l'Equateur et le Perou. Bruxelles 1880. S% 10 S. 

Otto Lämmerhirt, Ueber die Ursachen der Unfruchtbarkeit 
Obstbäume uq.I die Mittel, diese zu heben. Vortrag, gehalten am 6. ] 
cember 1880 im Garten bau- Verein für Hamburg, Altona und Umeege 
Hamburg 1881. 8. 19 S. 

am 18. Mai !880. (Separat-Abdruck 
5. Bd. 1. Heft) 8. 15 S. 



Rezeiisioiieu. 

Lavallee, Alphonse, Arboretum Segrezianum. Icones selectae arbo- 
ram et fruticum in hortis Segrecianis coUectorum. Description et figures 
des especes nouvelles rares ou critique de l'arboretum de Segrez Paris, 
J. B. Baüliere et fils. Livraison I. 1880. kl. folio. 6 Tafeln u. 20 S. Text. 
— Wir begrüssen m vorliegender erster Liefenmg mit grosser Freude ein 
Werk, welches darlegt, dass Liebhaberei zu den Pflanzen auch in unseren 
Tagen mit strenger Wissenschaft vereinigt gefunden wird. Der Verfasser ist 
Präsident der französischen Gartenbau-Gesellschaft und Besitzer eines Schlosses 
zu Segrez bei Boissy-sous-Saint Yon (Seine et Oise), in dessen Nähe derselbe 
em Arboretum angelegt hat, das nach dem im vorigen Jahre uns freund- 
lichst übermittelten Katalog zu den reichhaltigsten der Erde zählt. Von den 
neuen, selteneren oder kritischen Arten dieses Arboretums erhalten wir in 
vorliegendem Werke meisterhafte Kupfer tafeln und einen mit lateinischen 
Diagnosen und französischer ausführlicherer Beschreibung versehenen Text, 
die beide das Werk zu einer ganz hervorragenden Leistung stempeln. Die 
I. Lieferung enthält: Tafel 1. und 2. Juglans Sieboldiana. 3 Ostryopsis Da- 
vidiana. 4. Elaeagnus longipes. V. Crataegus cuneata. VI. Jamesia ameri- 
cana. Wir danken auch an dieser Stelle dem Verfasser für das werthTolIe 
Geschenk, das er damit dem Verein zur Beförderung des Gartenbaues ge- 

X Hartwig und F. C. Heinemann, Die Clematis. Eintheilung, Pflege 
und Verwendung der Clematis. Mit einem beschreibenden Verzeichnisse der bis 
jetzt gezüchteten Hybriden, nach „The Clematis as a garden flower" von 
Thomas Moore und George Jackmann. Erfurt. Selbstverlag von F. C. Heine- 
mann. 8. 102 S. 7 Holzschnitte. — Die.se Schrift ist allen sich für Clematis 
Interessirenden - und deren ist ja jetzt Gottlob eine grosse Zahl - aufs 
TVärmste zu empfehlen. Nach einer gescblchtlichen Einleitung folgt die Kultur 
und dann ein äusserst sorgfältiges Verzeichuiss der zahlreichen Formen. 

Peters, Eugen. Taschen-Lexikon für Gärtner und Garten- 
freunde. Enthaltend die richtige Benennung einer grossen Anzahl von Nutz- 
end Zierpflanzen, deren Synonyme, Vaterland et<;., Leipzig, Moritz RuM. 
12» 113 S. — Dies kleine Werk, das sich wegen seines Formats leicht in der 



Monatsschrift 

Vereines zur Beförderung des Gartenbaues 

iD den Riinigl. Preussisclicn Staaten 

Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. 



Redakteur: 

Dr. L. Wittmack, 



Adresse d. Ver. z. Bef. d. 
iJtrliii N., Iiivalideiisti 


Gart.: Adresse seines Schatzmeisters, Rentier S onntag: 
^ 42. li«rli« S., AIexandri,,e«str. 51. ^ 


Preis der Monatsschrift prc 
deren Kaum 30 Pf. , für JJ 


;.^J^brgang^^l3^^Mark. 

T Wrtion's pCu"bei 
Expedition der Zeitun; 


Annoncen 
zur Beförder 


T;^\St 


1 Petitzeila oder 
Anbaues nur die 
maliger 20 pCt. 


No. 


4. 


BerUn, im 


April 




188L~ 



643. Versammlung des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues in den Königl. Preuss. Staaten. 

Verhandelt Berlin, den 23. Februar 1881. 
Zu wirklichen Mitgliedern wurden vorgeschlagen: 

1) Herr v. Graevenitz, Kgl. Geh. Reg.-Kath 

des Kreises Ost-Priegnitz, Frehne bei Meyenburg; 

2) Kunst- und Handelsgärtner Grothe in Berlin. 
Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden 

Einwendungen dagegen nicht erhoben. 

Der erste Stellvertreter des Direktors macht der Versammlung 
die MittheiluDg, dass der Direktor, Excell. Sulzer, tief gebeugt 
durch den vor wenigen Wochen erfolgten Tod seiner Gattin, selbst 
erkrankt sei, sich jedoch gottlob wieder in der Besserung befinde 
und erhoben sich die Versammelten von ihren Sitzen, um der Hoff- 
nung auf baldige Genesung Ausdruck zu geben. 

I. Ausgestellte PHanzen: Herr Brandt hatte das neue Coty- 
iedon macrantha in Blüthe ausgestellt, das sich durch sehr breite 
eirunde Blätter und scharlachrothe glockenförmige Blumen auszeichnet; 
Herr Gude eine Anzahl getriebener Rosen deutscher Zucht (von 
Herrn Späth) in solcher Schönheit, dass die Preisrichter, die Herren 
10 



— 146 — 

Lackner, Drawiel und Wendt, mit Genehmigung des Vorstandes 
die grosse silberne Vereinsmedaille dafür zuerkannten. Die schönsten 
waren: Louise Odier mit 32 Blüthen und Knospen, zwei Jules 
Margottin ä 10 resp. 12 Knospen, Anna Alexieff 11 und 13 

11. Herr Gaerdt besprach die Ergebnisse der ersten Winter- 
ausstellung des Vereins und wird hierüber einen besonderen Artikel 
veröffentlichen. 

lU. In der Diskussion bemerkte Herr Per ring, dass, wenn 
auch im Allgemeinen die Veilchentreiberei leider in Berlin zurück- 
gegangen sei, doch thatsächlich ein nahe Berlin Wohnender, Herr 
Fettin g in Pankow den höchsten Preis für Veilchen in Töpfen auf 
der Ausstellung erzielt habe. Die abgeschnittenen Veilchen waren 
von ausserhalb (Hamburg) am ToUkommensten gewesen. — Herr 
Gude wies auf die Remontantnelken als wichtige Pflanzen für die 
Bindereien im Winter hin. — Herr Bolle empfahl sie für Herren 
im Knopfloch zu tragen. — Herr Wendt dagegen machte auf die 
Fortschritte in der Eosentreiberei aufmerksam, die namentlich heute 
Abend durch Herrn Gude in glänzendster Weise vorgeführt seien. 
Es sei wohl kaum zu bezweifeln, dass, wenn alle Rosen des Herrn 
Gude so reichlich blühen, wie die ausgestellten, die Treiberei auch 
rentabel sei. Durch das heutige Beispiel werde sich gewiss Mancher 
veranlasst sehen, auch die Rosentreiberei zu versuchen. 

IV. Herr Drawiel beklagt, dass die Nelken so sehr von dem 
in der Januarsitzung erwähnten Pilze Depazea Dianthi leiden. 
Salzwasser sowie Kalkwasser mindern zwar diese Krankheit, heben 
sie aber doch nicht auf und Tausende gehen dabei zu Grunde. — 
Herr Gaerdt vermuthet, dass die Luft in dem Nelkenhause vielleicht 
zu feucht sei, die Nelke will trockene Luft. 

V. Herr Haack warnte davor, im nächsten Jahre schon wieder 
eine Winterausstellung zu veranstalten und meinte, der Ausstellungen 
und der Vereine von Gärtnern würden es gar zu viele. Bezüglich 
der letzten Ausstellung fand er, dass das Gemüse verhältnissmässig 
zu wenig vorhanden gewesen und machte er namentlich den deutschen 
Gärtnern den Vorwurf, dass sie die Champignonzucht nach Pariser 
Methode noch gar nicht ausführten. Ausserdem wünschte er eine 
Motivirung des Urtheils seitens der Preisrichter und überhaupt 
mehr Kritik. 

Herr Drawiel ist im Gegentheil für Veranstaltung einer aber- 
maligen Winterausstellung im Jahre 1882, da wir nicht auf halbem 
W^ege stehen bleiben dürfen. Die hiesigen Gemüsezüchter werden 
nie mit dem billigen vom Süden importirten Gemüse konkurriren 
können, sie müssen aber such-n, gerade dann Gemüse zu haben, 
wenn das auswärtige fehlt und das Gemüse aus dem freien 
Lande noch nicht entwickelt ist. Die Champignonzucht nach 
Pariser Art wurde hier schon vor zwanzig Jahren in Schönhausen 
versucht, rentirte sich aber nicht, weil das Publikum nicht so 
viel Champignons verlangte und die auf alte billige Art unter den 



147 



Stellagen in den Gewächshäusern erzogenenen den Bedarf deckten, 
Allmälig scheint allerdings beim Publikum das Verlangen nach 
Champignons zu wachsen. 

VI. Herr Gude bemerkt bezüglich seiner ausgestellten , niedrig 
veredelten Eosen, dass er besonders habe zeigen wollen, wie auch 
deutsche Baumschulen — in diesem Falle die des Herrn Späth, 
Berlin — Rosen zu Treibereizwecken gut aufzuziehen wissen. Es kommt 
nur noch auf die Sorten an; die bis jetzt bei uns getriebenen Anna 
Alexieff, Jules Margottin, Triomphe de TExposition etc. 
lassen sich in Vollkommenheit und mit Vortheil nicht zu Mitte 
Januar herstellen, wir müssen nach anderen Sorten, namentlich. 
Theerosen, suchen. Uebrigens wird Mitte Januar der Markt sehr 
mit ausländischen Sorten überschwemmt, was jetzt im Februar nicht 
mehr so der Fall. Die Hamburger Züchter haben andere Sorten 
als wir und wenn wir erst wissen, was sich bei uns gut treiben 
lässt, werden wir auch den Hamburgern ebenbürtig zur Seite stehen. 

Herr Haack bedauert, dass die Rosenkultur seit 20 und 30 
Jahren bei uns wenig w^eiter gekommen, ja, dass überhaupt ohne 
die Franzosen die Rose ein bescheidenes Dornröschen geblieben sein 
wurde. Man verlangte bei uns früher keine Kultur, keine eigene 
Züchtung, man prämiirte schon den, der eine freirde Züchtung 
zuerst einführte. Warum züchtet man nicht selber neue Sorten? 
Warum vernachlässigt man andererseits die wurzelechten Rosen, die 
doch viel schöner aussehen, als die niedrig veredelten. Andererseits 
besteht der Verein aber nicht blos aus Rosen Züchtern; die Noth 
unter den Gemüsegärtnern z. B. ist weit grösser als unter den 
Rosengärtnern. — Die Fruchttreiberei ist gar nicht fortgeschritten, 
die erwähnte Champignonzucht nie wirklich ia Pariser Weise mit 
staifelförmigen Beeten bis zur Decke des betreffenden Raumes hinauf 
und das ganze Jahr hindurch ausgeführt; daher bei uns auch der 
Ertrag nur ein geringer. — Auch der Saraenbau liegt sehr im Argen 
und die grossen Berliner Samenhandlungen lassen fast all' ihren. 
Bedarf von auswärts kommen. 

Herr Perring muss dem Vorredner in mancher Hinsicht bei- 
pflichten; wenn aber der Gemüsebau auf unseren Ausstellungen so 
schwach vertreten, so liegt das an den Gemüsegärtnern selbst, die 
bei Aufstellung des Programms ihr Interesse nicht wahrnehmen. 
Die auswärtige Konkurrenz, die jetzt die Blumengärtner betroffen, 
besteht für die Gemüsegärtner schon seit 10—20 Jahren, sie haben 
nichts dagegen gethan, sondern sich in ihr Schicksal gefunden. — 
Bezüglich der Preisrichter habe er gegen eine kurze Motivirung des 
Unheils nichts, im Allgemeinen sei ja aber das Urtheil selbst die 
beste Kritik. Er schlage vor, im nächsten Winter bei den einzelnen 
Monatsversammlungen mehr und höhere Preise auszusetzen und 
keine grössere Winterausstellung zu veranstalten, da doch nicht Alles 
auf einmal blühe. 

Herr Lackner bestreitet die Richtigkeit der Bemerkungen des 
Herrn Haack. Die Gärtnerei Berlin's hat entschieden in den letzten 
10* 



10 — 20 Jahren Fortschritte gemacht. Abgesehen von der Rosen- 
treiberei, bei der wir noch nicht am Ziele sind, hat die Kultur der 
Maiblumen und ganz besonders die der Cyclaraen, aber auch 
die des Gemüses, wenn man unseren meist armen Boden in Betracht 
zieht, sich wesentlich vervollkommnet. — Ob Samenzucht für Berlin 
am Platze, ist eine Frage, die den einzelnen Gärtnern überlassen 
werden muss; im Allgemeinen hat bekanntlich jede Stadt ihre 
Spezialitäten. Die Frage, ob wir im nächsten Jahre eine Ausstellung 
machen sollen, scheint dem Redner gar nicht zweifelhaft, nur wünscht 
er nicht eine so allgemein gehaltene wie die letzte. 

Herr Drawiel entgegnet Herrn Haack, dass er, der jährlich 
10 — 12,000 Rosen unter Händen habe, auch wurzelechte ziehe, z. B. 
l'Exposition (einmal mit 35 Knospen), J. Margottin, Louise 
Odier, Persian Yellow (einmal mit 84 Knospen), Geant des 
Batailles etc. Auch aus Samen habe er Rosen gezogen, aber bei 
uns liefern die Topfrosen meist keinen Samen, mit Ausnahme viel- 
leicht von Louise Odier, General Jacqueminot und de la 
Reine, ausserdem ist der Grund und Boden bei Berlin zu theuer, 
um Tausende von Rosensämlingen zu pflanzen und schliesslich einige 
wenige Gute auszuwählen. 

Herr Haack bemerkt, dass er ja durchaus nicht den Fort- 
schritt leugnen wolle, im Gegentheil von den Erfolgen unserer 
Gärtnerei überrascht sei, dass er aber nur auf einige schwache 
Punkte habe hinweisen wollen. Die Cyclamen-Kultur habe sich 
erst gehoben, seitdem Jeder sich seinen Samen selber ziehe. 

VIL Herr Wredow weist- darauf hin, dass früher die höchsten 
Preise von den Privatgärtnern errungen seien, dass aber auf der 
Winterausstellung gerade die Handelsgärtner die Lorbeern davon 
getragen. Die Klage, dass die Gärtnerei zurückgehe, ist daher im 
Allgemeinen ungerechtfertigt, aber gerade hinsichtlich der Privat- 
gärtnerei ist sie aufrecht zu erhalten. Die grossen Privatgärtner 
verschwinden immer mehr und den noch vorhandenen werden die 
Mittel gekürzt. 

Vm. Herr Professor Magnus legte vor: 1) Geyler, H. Th.: 
„Ueber Kulturversuche mit dem japanischen Lackbaum (Rhus verni- 
cifera DG.) im botanischen Garten zu Frankfurt a. M." (Separat- 
Abdruck aus den Verhandlungen der Senkenbergischen Gesellschaft 
1881), in welchem Herr Geyler über die äusserst günstigen Resul- 
tate berichtet, welche dieser Baum ergeben. Den Samen hat der- 
selbe von Herrn Prof. Rein aus den nördlichen Theilen Nippon's 
erhalten. Die Bäumchen ertrugen in Frankfurt — 19" C., wuchsen 
jedes Jahr sehr kräftig und da die Versuche mit mehreren hundert 
Exemplaren an verschiedenen Orten bei Frankfurt a. M. gemacht 
wurden, so kann man nicht ganz hoffnungslos vielleicht auch die 
Kultur dieses so nützlichen und zugleich so dekorativen Baumes bei 
Berlin in Angriff nehmen. Auch Herr Prof. de Bary scheint die 
Hoffiaung auf die Möglichkeit seiner Kultur in Deutschland zu theilen, 
er macht in seiner eben in der Botanischen Zeitung 1881 No. 7 



erschienenen, äusserst anerkennenden Rezension über Lauche's 
Dendrologie gerade darauf aufmerksam, dass Herr Lauche diesen 
Baum hätte mit aufnehmen sollen.*) 

Herr Bolle bemerkt, dass ß. v. sogar bei Chorin, also nörd- 
licher als Berlin ausgehalten. R. suceedanea od. juglandae- 
folia, die von den südlicher gelegenen Lieu-Kieu-Inseln stammt, ist 
bei ihm gleich im ersten Winter bis auf die Wurzeln erfroren. 

Herr Magnus fügte hinzu, dass ein Theil der Versuchspflanzen 
Herrn Geyler von Chorin zugeschickt sei und dass R. suc- 
eedanea auch in Frankfurt a. M. sich nicht widerstandsfähig er- 

2) H. Hoff mann, Vergleichende phänologische Karte von 
Mittel-Europa, in Petermann's Mittheilungen aus Justus Perthes' 
geograph. Anstalt, 27. Band (1881), Heft I., S. 19 mit Tafel II. — 
Auf dieser Karte ist der Vergleich des Klima's im April für Mittel- 
Europa, ermittelt nach der Zeit des Aufblühens der Pflanzen, 
anschaulich dargestellt. Hoff mann hat eine Anzahl von Pflanzen 
eine Reihe von Jahren auf ihre Blüthezeit beobachtet, resp. die An- 
gaben anderer Beobachter benutzt und nun auf der Karte diejenigen 
Orte, welche mit seinem Wohnsitze Giessen gleiche Blüthezeit für 
die im April blühenden Pflanzen haben, weiss bezeichnet, diejenigen, 
wo die Blüthezeit im April später auftritt, grün, mit nach der 
Grösse der Verspätung desto intensiver gehaltenen Kuancen und 
diejenigen, an denen das Aufblühen früher als in Giessen erfolgt, 
roth, in verschiedenen, nach dem Grade der Verfrühung desto 
intensiveren Tönen. Interessant ist es, dass Berlin auf der Karte 
wie eine weisse Oase in dem grün gefärbten Norden erscheint, da 
die Pflanzen bei Berlin um dieselbe Zeit aufblühen wie in Giessen. 
Ob vielleicht die beträchtliche Wärme, welche der Koloss geheizter 
Häuser entwickelt, dazu beitragen mag? Jedenfalls tritt die Blüthe- 
zeit der Sträucher im April bei Berlin (sechs Tage) früher ein als 
in Potsdam, wobei allerdings nicht zu übersehen ist, dass für Berlin 
nur wenige Beobachtungen und zwar von Alexander Braun und 
dem Vertu sser selbst vorliegen, die benutzt werden konnten. 

Es ist in der That sehr zu bedauern, dass es bisher für Berlin 
genauen derartigen Aufzeichnungen fehlt und legt das uns den 



*) Dies ist übrigens auch geschehen. S. 428 ist Rhus Vernix L. Firniss- 
baum mit dorn Synonym R. vernicifera D. C. beschrieben und dabei gesagt, 
da«8 er in Nord.leutschland nur unter guter Decke aushält. Herr Lauche 

hohe Pflanzen vollständig erfroren sind. In Karlsruhe hat R. v. den Winter 
1879/80 ohQfi Schutz und vollkommen freistehend ohne jede Beschädigung 
- ■ ' (R^g,rs Gartenflora 1881 S. 29). Auch in Baden-Baden (1879) 
)tamächen Garten zu Würzburg (1880) sahen wir ihn gesund. 



160 



entrückt sind, die beste Gelegenheit zu derartigen Beobachtungen 
und der General- Sekretär würde gewiss gern die Notizen in der 
Monatsschrift veröifentlichen. Es würde so allmälig ein wesentlicher 
Beitrag für unsere pfianzengeographische Kenntniss erlangt werden. 
Professor Hoff mann hat sich seit vielen Jahren mit diesen Studien 
beschäftigt, der neu gegründete Verein Irmiscbia wird auf Anregung 
des Professor Töpfer jetzt für Thüringen die Blüthezeiten feststellen, 
M. Staub hat für Ungarn bereits werthvolle Mittheilungen in ver- 
schiedenen Jahrgängen der Jahrbücher der ungarischen Zentralstelle 
für Mechanik und Erdmagnetismus gebracht. Auch für die Gärt- 
nerei haben diese Aufzeichnungen praktischen Werth; es wird sich 
ergeben, welche Pflanzen -Varietäten sich besonders für die Treiberei 
eignen, welche den Frübjahrsfrösten widerstehen etc. Es müssen 
selbstverständlich viele Jahre die Beobachtungen fortgesetzt werden, 
um dann ein Mittel ziehen zu können; auch sind die Morgen- 
temperaturen täglich mit zu notiren, da häufig bedeutende, den 
Ausschlag gebende Temperaturdifferenzen an ganz nahen Orten statt- 
haben können, was namentlich für die Nachbarschaft eines so grossen 
geheizten Häusercomplexes bei den verschiedenen Windrichtungen 
gilt. Man kann sich aber vorläufig auf wenige Pflanzen beschränken 
und empfieht Hoffraann für April folgende: Muscari botryoides, 
Salix daphnoides, Ribes grossularia, Ribes rubrum, 

Päd US, Pirus malus. Die tägliche Morgentemperatur ist auch 
dabei, wie eben ausgeführt, zu notiren.*) 

Herr B'olle unterstützte Herrn Magnus' Vorschlag; bei Berlin 
treten allerdings oft Unterschiede von zwei Monaten auf. Daphne 
Mezereum blüht bei uns oft schon in der ersten Woche des Februar, 
oft erst Ende März, Jasminum nudiflorum manchmal im Januar, 
manchmal im April. Viele derartige Angaben finden sich in 
Dietrich's Garten schritten, in den Verhandlungen des botanischen 
Vereins der Provioz Brandenburg etc., auch nach Herrn Bouchö in 
der Hausbibliothek für Gärtner und Liebhaber der Gärtnerei (zwölf 
Bände, Berlin 1837—41). 

Herr Bouche macht darauf aufmerksam, dass auch die Quali- 
tät des Bodens mit anzuführen sei, Humusboden bleibt wärmer als 
Sandboden. Die Wiesen enthalten z. B. viele Erdorchideen; bringt 
man diese auf Sandboden, so erfrieren sie regelmässig. Auf schwerem 
Boden, z. B. in Schöneberg bei Berlin, blühen manche Pflanzen 
vierzehn Tage bis drei Wochen später als auf Sandboden, wie ihn 
der nahe bei Schöneberg belegene botanische Garten besitzt. Auf 
das Erblühen hat auch die Witterung im Frühjahr einen grossen 
EinHuss; ist das Frühjahr sehr warm und tritt eine gewisse Ruhe 
in der Vegetation ein, so blühen manche Pflanzen im Herbst noch 

H.i. *^ ^i' KedaktioQ i^t gera bereit, »^ie eingesandten Notizen zu Teröfifent- 
üchen. \efgi. die Aufforderung im Märzhelt d. J. S. 112. D. R. 



IX. Herr Wittmack. besprach die drohenden Absperr maassregeln 
Russlands wegen der Reblaus und der Blutlaus und theilte mit, dass 
das Reichsamt des Innern aus allen Kräften bemüht sei, ein Einfuhr- 
verbot von Pflanzen nach Russland abzuwenden. — Sehr wichtig 
erscheint die von Herrn Blume mitgetheilte Thatsache, dass die 
Blutlaus schon vor 30 Jahren von ihm bei Sarepta namentlich auf 
kleinfrüchtigen Apfelbäumen gefunden sei, von eine] erst neuerlichen 
Einschleppung in Russland also keine Rede sein kann. — Der Obst- 
und Gehölzausscbuss wurde mit Berathung weiterer Schritte in dieser 
wichtigen Angelegenheit betraut.*) 

X. Die Frage, warum bei uns heizbare Kästen so wenig ver- 
breitet, beantwortete Herr Drawiel dahin, dass man bei uns den 
Dünger noch verhältnissmässig billig habe und Kasten mit Heizröhren 
viel kostspieliger sein würden. Wegen der vorgerückten Zeit wurde 
dieser Gegenstand abgebrochen und soll noch einmal auf die Tages- 
ordnung gesetzt werden. 

Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen: 

1. Herr Weinbergsbesitzer Leube in Berlin; 

2. „ Kunst- nnd Handelsgärtner Gutzeit in Berlin; 

3. y, „ „ „ Janicki in Berlin; 

4. „ V „ y> Credner, Salpeterhütte 

bei Weissenf eis; 

5. Herr Kunst- und Handelsgärtner Spiess in Lockstedt 

bei Hamburg; 

6. „ Kunst- und Handelsgärtner Den ck er in Eimsbüttel 

bei Hamburg; 

7. „ Kunst- und Handelsgärtner Neukirch in Pankow 

bei Berlin. 

8. ^ Obergärtner F. Hörn in Döblingen bei Wien; 



II. Winter-Ausstellung 
des Yereins zur Beförderung des Gartenbaues 



für die vom Verein zur Beförderung des Gartenbaue 
prenssischen Staaten im Januar 1882 zu veranstaltende i 
Ausstellung solcher blühender Pflanzen, welche gute 



Aus zuverlässiger Quelle erfahren wir, dass Dank den Bemühungen 
Icher Personen in Petersburg wahrscheinlich Alles beim Alten bleiben 



blumen liefern oder als Marktpflanzen zu verwerthen sind, desgl. 
abgeschnittener frischer Blumen, bunter Blätter, Farnwedel etc. 
für Bouquets. 

Zweck der Ausstellung. 

Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues in den preussischen 
Staaten blickt jetzt mit hoher Befriedigung zurück auf seine im 
Januar stattgefundene erste Winterausstellung, er darf dieselbe, wie 
allseitig anerkannt ist, als einen grossen Erfolg bezeichnen, denn die 
deutsche, und durch die lokalen Verhältnisse bedingt, voran die 
Berliner Gärtnerei, hat mit derselben den Beweis '^ihrer grossen 
Leistungsfähigkeit in zweifelloser Weise dargethan. 

Wenn auch das grosse Ziel, das sich der Verein mit diesen 
Winteransstellungen gesteckt und welches bereits in dem vorjährigen 
Programm bezeichnet ist — nämlich eino Hebung unserer Kulturen 
in der Weise, dass dadurch der gefürchteten durch die Blamen- 
importation von dem Süden her bewirkten Konkurrenz entgegen- 
getreten werde — wenn auch dieses grosse Ziel aus leicht erklärlichen 
Gründen nicht mit einem Male erreicht werden konnte, so ist doch 
mit Genugthuung das Resultat dieser ersten Winterausstellung als 
ein erster und recht erfreulicher Schritt auf dem Wege zu diesem 
Ziele zu bezeichnen. 

Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues glaubt daher, mit 
Zuversicht und muthig auf diesem Wege fortschreiten und unver- 
drossen an der Erfüllung dieser seiner Aufgabe arbeiten zu sollen; 
er hat daher beschlossen, der vorgenannten ersten im Januar 1882 
eine zweite Winteraussstellung folgen zu lassen; er hat aber 
geglaubt, von der Tendenz der vorigen Ausstellung bei der nächsten 
insofern abweichen zu sollen, als die kommende Ausstellung sich 
ausschliesslich auf solche Pflanzengattungen beschränken soll, die sich 
speziell dazu eignen, der südländischen Konkurrenz entgegen zu 
arbeiten, resp. deren Kultur zu heben man ganz besonders für nöthig 
erachtet, dagegen alle diejenigen von der Ausstellung auszuschliessen, 
welche bereits bei uns eine grosse Verbreitung haben und Markt- 
artikel sind. Es wird also ganz vorzugsweise auf frühgetriebene 
Rosen, auf Gehölzgattungen, die sieb zum Frühtreiben eignen, ohne 
bisher allgemein bekannt und verbreitet zu sein; auf ebensolche 
Stauden u. s. f. Rücksicht zu nehmen sein, wohingegen unsere mit 
Recht berühmten Maiblumen-, Hyazinthen-, Tulpen- und ähnlichen 
Kulturen, sofern nicht etwa ganz besonders schöne Neuheiten geboten 
werden können, ausgeschlossen sein sollen. 

Der Verein zur Beförderung des Gartenbaues richtet daher an 
alle Gärtner Deutschlands wiederum die dringendste Bitte, dnrch 
recht umfassende Vorbereitungen für diese Kultur und durch Vor- 
führung derselben auf der demnächstigen Winterausstellung ihn 
unterstützen zu wollen und so den Beweis von den ruhmvollen 
Fortschritten der deutschen Gärtnerei auf diesem Gebiete zu führen. 



Allgemeine Bedingungen. 

Die Ausstellung soll sich nur auf die oben angeführten Ge- 
genstände (blühende Pflanzen, abgeschnittene Blumen etc.) 
erstrecken, alle übrigen Gartenprodukte, wie auch Geräth- 
schaften sind davon ausgeschlossen. 

Die Beiheiligung an der Ausstellung; steht sowohl Mitglie- 
dern des Vereins wie auch Kichtmitgliedern frei. 
Alle ausgestellten Pflanzen und abgeschnittenen frischen Blu- 
men etc. müssen vom Aussteller selbst gezogen, d. h. min- 
destens zur Blüthe gebracht sein. Bei der Preiszusprechung 
ist die geographische Lage des Ortes, an welchem der Aus- 
steller wohnt, in Betracht zu ziehen. 

Zum Ordner ist Herr Gärtnereibesitzer Carl Lackner in 
Steglitz bei Berlin W ernannt; das Lokal der Ausstellung 
wird später bekannt gemacht werden. 
Alle auszustellenden Gegenstände müssen spätestens bis 3 Tage 
vor der Ausstellung bei dem Ordner, unter Angabe des 
erforderlichen Raumes angemeldet werden. 
Die Einlieferung der Ausstellungs - Gegenstände muss am 
Tage vor der Ausstellung bis Nachmittags 4 Uhr erfolgen. 
Abgeschnittene Blumen, Blätter etc. können noch am Er- 
öfiiiungstage der Ausstellung bis Morgens 9 Uhr eingeliefert 

Jeder Aussteller hat an den Ordner ein doppeltes Ver- 
zeichniss seiner Ausstellungs-Gegenstände einzureichen und 
kann seine Urma sofort an dieselben anbringen. 

Die Preisvertheilung findet durch 7 vom Vorstand später zu 
ernennende Spezial-Sachverständige statt, von denen schon 
5 beschlusstähig sind. 



10. Kein Aussteller darf zugleich Preisrichter sein. 



Preise. 

I. Staats- und Ehrenpreise, 
üeber die in Aussicht stehenden Staats- und sonstigen Ehr 
preise wird später Näheres bekannt gemacht werden. 



1. Für eine reichhaltige Aufstellung ver- 
schiedener blühender, bis jetzt noch 
gar nicht oder wenig verbreiteter 
Topfpflanzen, Gehölze, Standen etc. . 

1. Preis 

2. Preis 

2. Für blühende Rosen in mindestens 
12 Exemplaren und 6 Sorten .... 

1. Preis 

2. Preis 
(in 12 Exemplaren und 3 Sorten) 

3. Preis 
(in 6 Exemplaren und 3 Sorten) 

3. Für eine Kollektion bisher wenig 
verbreiteter blühender Gehölze und 
Sträacber, die sich besonders gut zur 
Binderei eignen, in 12 Exemplaren, 
in mindestens 6 borten 1. Preis 

2. Preis 

4. Für eine Kollektion blühender Nelken 
in 12 Exemplaren, in 6 Sorten . . . 

1. Preis 

2. Preis 

5. Für eine Kollektion blühender neuester 
Veilchen, 12 Exemplare in 6 Sorten | 

6. Für eine blühende Luculia gratissima 

7. Für blühende Eucharis amazonica . . 

8. Für Gardenien I 

9. Für frisch getriebenes Gemüse: I 

a) Bohnen, Gurken etc 1 — ll n 

b) Für Erdbeeren in Töpfen und 12 i 
Exempl. (nicht Monatserdbeeren) | — |l u 

Die etwa ausfallenden Geldpreise stehen 
2Ö0 Mark zur Verfügung der Preisrichter. 

Der Vorstand des Vereins 



Die 

Ausstellnng von holländischen Zwiebelgewächsen 

der Herren Zooclier & Voorhelm Schneevogt 
aus Kozenhagen bei Harlem 

in der Flora zu Charlottenburg vom 25. März bis 13. April 1881. 

Zum fünften Male seit 1875 bat die Firma Zoocher & Voor- 
helm Schneevogt in der Flora den Frühling durch eine Aus- 
stellung von Zwiebelgewächsen eingeläutet. Klingen auch die Glocken 
der Hyazinthen nicht unserem Ohre vernehmbar, so erzeugen sie 
doch andere Schwingungen, die nicht minder den Menschen fesseln, 
Schwingungen des Aethers, die Auge und Geruchssinn erfreuen und 
die noch kräftiger wirken als Töne es vermöchten. Und doch auch 
Töne werden uns hier offenbar, freilich keine Glockentöne, aber 
Farben töne von der wunderbarsten Harmonie! Eine Hyazinthen-, 
Tulpen- und Crocus- Ausstellung ist nur zu leicht der Gefahr aus- 
gesetzt, steif zu erscheinen; die Einsender aber haben ihre 5000 
Zwiebelgewächse sorgfältigst in harmonischen Farben zusammen- 
gestellt und es erreicht, dass die Umschau in dem linken Annex des 
grossen Palmenhauses der Flora ein entzückendes Bild färben-, 
formen- und duftreicher Blüthen gewährt. 

Schon ehe wir den Annex betreten, leuchtet uns im Vorder- 
grunde des Palmenhauses ein Landwehrkreuz aus Hyazinthen — ein 
Winterteppichbeet im vollsten Sinne des Wortes — entgegen! Die 
fast schwarze La nuit und die dunkelblaue grossblumige Mimosa 
bilden in wechselnden Reihen, im Verein mit der grossglockigen 
reinweissen Belle Blanchisseuse dieses Beet. Von dort aus 
uns in den halbkreisförmigen Annex selbst begebend, finden wir 
zunächst eine grosse Anzahl Hyazinthen je zu mehreren in einen 
Topf gepflanzt. Der Effekt, den diese Blumen machen, ist ein ausser- 
ordentlicher. Nicht minder aber fesseln die einzelnen Exemplare, 
die fast sämmtlich von einer Schönheit, wie man sie selten findet. 

Wir notitten ]) von gefüllten besonders zwei: Grootvorst, eine 
sehr schöne Blume mit rosa Anflug, die sich besonders durch die 
Regelmässigkeit der Füllung auszeichnet (nicht zu verwechseln mit 
der helivioletten Grootvorst); Madame de Stael weiss mit blass- 
röthlicher Mitte, die im Gegensatz zu den meisten gefüllten sich durch 
ihren starken Geruch, der noch dazu von dem der übrigen Hyazin- 
then durch das an Muskatblüthe Erinnernde abweicht, hervorhebt, 

2) Von einfachen: a. rot he: Incomparable, dunkelziegelroth; 
Linnaeus, ähnlich; Lord Macaulay, prachtvoll rosa, sehr grossblumig; 
Miss Mghtingale, ähnlich: Pelissier, lebhaft roth, grossblumig; Queen 
Victoria Alexandrina, sehr dunkelroth, gut geformt; b. weisse: La 
Grandesse, als die beste rein weisse im Katalog bezeichnet und in 
der That dieser Charakteristik entsprechend ,. Biüthentraube ausser- 
ordentlich dicht mit Blumen besetzt und daher sehr effektvoll; 
Snowball, ähnlich gebaut; Madame van der Hoop, ebenfalls sehr 



156 



schön, grossglockig. In Beziehung auf Grösse der Glocken wurden 
aber alle vorstehenden übertroffen von Mammouth, bei der die 
untersten Blumen 4'j,>— 5 cm Durchmesser hatten; c. blaue: Czar 
Peter, hell porzellanblau, vortrefflich, sehr stark, an einem Exemplar 
maass die Blöthe incl. des Blüthenstiels, der fast wie gebändert 
erschien, 27 cm in der Höhe, die Traube selbst 11 cm im grössten 
Durchmesser. Doch das wurde noch überboten von der dunkel 
porzellanblauen Pieneman, deren ßlüthenstand incl. Stiel 40 cm maass, 
während die einzelnen Glocken 4—5 cm Durchmesser hatten. Weiter 
sind hervorzuheben Lord Palmerston, hellblau mit weissem Auge, 
Wilhelm I., dunkelblau, Kockok (Kuckuk) und Slam, beide tief 
schwarzblau, aber wie alle schwarzen weniger grossblumig. 

Unter den neueren und neuesten Hyazinthen ist vor allen 
Dingender schönen Kaiserin Augusta zu gedenken, einfach, leb- 
haft rosa mit einem etwas dunkleren Mittelstreifen und mit sehr 
dicht stehenden Einzelblüthen, ferner Madame van Tuyll, mit 
Glocken wie die blaue Baron van Tuyll, einfach, sehr blassrosa 
mit dunkelrothem Mittelstreif, nicht so schön wie die vorige, Sir 
William M ausfiel d, einfach, hell violett, treibt meist zwei Blüthen- 
stiele und ist daher nicht so angenehm; Prinz Karl, einfach, sehr 
schön blasfchamois, eine äusserst selten gesehene Farbe; Prinzessin 
Augusta Victoria, einfach, weiss. 

Die Tulpen und Crocus waren ebenfalls in bekannter Schön- 
heit und in reichen Sortimenten vertreten; unter den Crocus fiel 
der bereits in der Monatsschrift 1877, Seite 190, erwähnte Minister 
Eulen bürg wieder ganz besonders auf, sowohl durch Grösse der 
Blumen, Höhe des Stiels, dunkele Blumenfarbe, wie besonders durch 
die feinen weissen Streifen, die bei dieser Sorte sehr stark hervor- 
treten. Nicht minder schön und in Bezug auf Reichblüthigkeit 
diesen wohl noch übertreffend, ist Jean Glatt, violett, ohne weisse 
Streifen. 

Wie früher, so hatten auch diesmal die Herren Zoocher und 
Voorhelm Schneevogt auf einer besonderen Terrasse kleine, etwa 
dreijährige Zwiebeln auf Wasser ausgestellt, um zu zeigen, welch' 
krältige Blumen aus solchen entstehen können, wenn nur die 
Zwiebeln kräftig sind. Ganz besonders zeichnete sich auch hier die 
„Kaiserin Augusta" aus. 

Keu war uns, von den gedachten Herren auch Scilla araoena 
auf Wasser getrieben vorgeführt zu sehen. Die Befestigungs weise 
Hesse sich aber wohl noch etwas geschmackvoller herstellen, vielleicht 
dadurch, dass man anstatt drei Zwiebeln auf einer Vase, nur eine 
auf ganz enge kleine Nipptischvasen setzt. Es müsste das eine 
hübsche Zierde für einen Damenschreibtisch oder dergl. abgeben. 

Ganz besonders interessant war für die meisten Besucher die 
Vorführung der Verraehrungsarten der Plyazinthenzwiebeln durch 
Brutzwiebeln. Um Alles recht deutlich zu zeigen, waren die 
Multerzwiebeln auf Gläser mit der Spitze nach unten gesetzt. 
anstatt dass in Wirklichkeit natürlich umgekehrt verfahren wird! 



Man hat nun im Speziellen zur Erzeugung von Brut in Holland 
zweierlei Methoden. Die eine besteht darin, dass man den Zwiebel- 
boden als flachen Kegel ausschneidet, dann bilden sich an der trichter- 
förmigen Querschnittfläche der übrigen Zwiebel an jedem Ringe 
(d. h. jedem durchschnittenen schuppenförmigen Blatt) eine Anzahl 
kleiner Brutzwiebeln, während der Zwiebelboden, d. b. der verkürzte 
Stamm, unter Umständen auch noch eine oder einige neue Zwiebeln 
hervorwachsen lässt. Auf diese Weise erhält man eine grosse Zahl 
Brutzwiebeln, aber diese sind klein und müssen längere Jahre kul- 
tivirt werden, ehe sie die normale Grösse erreichen. Bei der anderen 
Methode erhält man weniger, aber grössere Brutzwiebeln, die eher 
blühbar werden. Man schneidet zu dem Zweck die Mutterzwiebel 
über Kreuz ein oder auch noch öfter, dann entstehen an den Schnitt- 
flächen in ziemlicher Anzahl neue Zwiebelchen und bei den aus- 
gestellten Exemplaren waren einige dieser letzteren, obwohl sie noch 
an der Mutterzwiebel hafteten, schon mit kleinen Blüthentrauben 
geschmückt. 

Wir hoffen bald Gelegenheit zu haben, auf der Ausstellung der 
Gesellschaft der Gartenfreunde die Berliner Hyazinthen -Kultur mit 
der holländischen vergleichen zu können und sollte es uns freuen, 
wenn ähnliche Resultate erzielt worden wären, wie seitens der 
Herren Z. & S. In einem Punkte sind wir Deutschen, wie es scheint, 
den Holländern voraus: in der F-ühtreiberei der Hyazinthen. In 
Holland ist es nämlich nach den Mittheilungen der Herren Aus- 
steller nicht Sitte, sich zu Weihnachten Geschenke zu machen, 
sondern es geschieht dies schon am 6. Dezember, dem Tage des 
heiligen Nikolaus; da diese Zeit aber für getriebene Hyanzinthen 
noch zu früh ist, andererseits zu Ende Dezember kein Bedarf dafür 
ist, so fällt der Sporn zur Frühtreiberei dort ziemlich weg. — Er- 
wähnenswerth erscheint es noch, dass in Holland ein Chemiker 
versucht hat, aus den Hyazinthen ein Parfüm zu extrahiren; es ist 
ihm das zwar gelungen, aber die Kosten waren so bedeutend, dass 
das Geschäft sich als nicht rentabel herausstellte. Wenn man 
gesehen hat, wie viel Tausend, ja Millionen von Blüthen auf den 
grossen Hyazinthenfeldern bei Haarlem und weiter südlich, längs 
der ganzen Küste abgeschnitten werden und unbenutzt vertrocknen 
oder verfaulen, so muss in Einem der Wunsch nach einer zweck- 
mässigeren Verwendung sehr lebhaft werden und hoffentlich gelingt 
es über kurz oder lang doch, das Parfüm auf billige Weise zu 
gewinnen. 

Wir scheiden von der Ausstellung der H,erren Z. & S. mit 
vollster Befriedigung und wir denken, dass auch diese Herren von 
Berlin mit einem ähnlichen Gefühle Abschied nehmen. An Anerkennung 
hat es ihnen wahrlich nicht gefehlt. Nachdem ihnen bereits vor der 
Ausstellung das Prädikat Königlicher Hoflieferanten zu Theil ge- 
worden, hatten sie auch die Ehre, dass Se. Majestät der Kaiser, die 
Kaiserin, die Kronprinzlichen Herrschaften und viele Fürstlichkeiten 
sowie hochgestellte Personen, ausserdem auch ein zahlreiches Publikum 



158 



den herrlichen Hyazinthenscbmuck in Augenschein nahm. Zugleich 
traf noch für die Firma die erfrenliche Nachricht ein, dass sie in 
Hietzing bei Wien für ihre Zwiebelgewächse sech3 Vermeilmedaillen 
erhalten. 

Der Direktion der Flora aber wünschen wir Glück zu dem 
Gedanken, solche Ausstellungen hier zu veranstalten — es ist zwar 
streng genommen kein Gedanke mehr, es ist eine liebe Gewohnheit 
geworden! — Andererseits mochten wir auch dem Obergärtner der 
Flora, Herrn Dada, unser Compliment machen für die Sorgfalt, 
die er auf die Kultur der Pflanzen des Palraenhauses über Winter 
verwendet hat. Die neben der Wasserheiznng thätige Dampfheizung 
hat alle Pflanzen sorgfältig vor den Schädigungen des Winters be- 
wahrt. Zur Ausstellung aber hatte Herr Duda die Flora festlich 
geschmückt durch Anbringung zahlreicher Blumenarrangements, sowie 
ganz besonders durch die in schönster Blütbenpracht sich zeigenden 
Camellien im nördlichen Annex des Palmenhauses. 



Die Ausstellung 
der Gesellschaft der Oartenfreunde Berlins 

Wiederum veranstaltete die Gesellschaft der Gartenfreunde in den 
lieb gewonnenen Räumen der Reitbahn des Kriegsministeriums ein 
Frühlingsblumen-Tournier, obwohl draussen bei dem scharfen Winde, 
der grossen Trockenheit und den täglichen Nachtfrösten es noch wenig 
frühlingsmässig aussah. Die Ordner, die Herren Hofgärtner Hoff- 
mann und Link, hatten im Allgemeinen das frühere Arrangement 
beibehalten, im Hintergrund aber anstatt eines einfachen Podiums 
zwei geschmackvolle Grotten errichtet, und vor demselben ein ge- 
schmackvolles Blattpflanzenarrangement aus dem Garten Sr. K H 
des Prinzen Albrecht (Hofgärtner Hoffmannj aufgestellt, während 
vor demselben u. A. prächtige Azalea pontica aus dem Garten des 
Kgl. Kriegsministeriums (Obergärtner Elsholtz) und in den Ecken 
des Saales, gleich beim Eingange harte Dekorationspflanzen eben 
daher Platz gefunden. — Den ersten Preis, die goldene Medaille 
Sr. Maj. des Kaisers erwarb sich Herr Kommerzienrath August 
Heckmann (Obergärtner Maecker) durch zwei prachtvolle ßlatt- 
pflanzengruppen und ein Sortiment schöner Caladien. Unter 
den Blattpflanzen fesselten ganz besonders die schönen Exemplare 
der Phytelephas macrocärpa, der Palme, welche die sogenannten 
Steinnüsse, das vegetabilische Elfenbein, das so sehr viel zu 
Knöpfen etc. verarbeitet wird, liefert und war es interessant, neben 
den Pflanzen auch die Nüsse selbst im keimenden und im Ruhe- 
zustande zu sehen. Staunen muss man, wenn man erwägt, wie 
der zarte Keim im Stande ist, das steinharte Endosperm der Nuss 
(verhärtete Cellulose) aufzulösen, es ist das fast noch Staunens- 



werther als das Fleischfressen der Dionaea etc., und es wundert 
uns, dass noch Niemand die Bezeichnung „Stein fressende Pflanze" 
aufzustellen gewagt hat. Im Uebrigen setzt sich die Sammlung aus 
diversen anderen Palmen, prachtvollen Cibotium princeps, Phyllo- 
taenium Lindeni, einem mächtigen Philodendron pinnatifidum, Phor- 
raium Colensoi, Änthurium magnificum, Ananassa Porteana, Aletris 
fragrans, Curculigo recurvata fol. var., Maranta Massangeana etc. 
zusammen. Beziiglich des bunten Curculigo vernahmen wir von 
Herrn Späth, dass diese Varietät um das Jahr 1862 oder 1863 
von Ackermann, als derselbe im Dienste van Houtte's reiste, 
in Luango in der Nähe eines — Kuhstalles aufgefunden wurde, eine 
Thatsache, die gewiss noch nicht genug bekannt. Maranta Massangeana 
verdient nach Herrn Mäcker nicht allein als schönst gezeichnete 
aller Maranten Beachtung, sondern auch ganz besonders deshalb, 
weil sie ihre Blätter in der Kälte nicht rollt und sich sogar zu 
Bouquets und Arrangements deshalb verwenden lässt. — Ausserdem 
hatte Herr Mäcker noch zwei schöne Correa speciosa ausgestellt. 

Den zweiten Preis, den I. M. der Kaiserin, erwarb sich Herr 
G. Ebers mit einem auserlesenen Sortiment Azaleen, das malerisch 
die Mitte des ganzen Raumes einnahm; als schönste Exemplare 
notirten wir: Souvenir du Prince Albert, Donna Maria Anna, Reine 
de Portugal, A. Borsig, Kunigunde Emmel etc. — Auch die Herren 
Weckmann & Sohn hatten husche Azaleen, desgl. Deutzien, gefüllte 
Prunus und gefüllte Primeln etc. ausgestellt, ähnlich Herr Niemetz. 
Herr Otto Neumann erhielt für vorzügliche Sammlungen von Markt- 
pflanzen und von Nelken eine goldene Medaille; weiter verdienen unter 
den Blumen ganz besonders hervorgehoben zu werden die herrlichen 
Cyclamen des Herrn Wiehle-Schöneberg, des bekannten Meisters auf 
diesem Gebiet. Es waren hauptsächlich C. persicum giganteum, 
C. p. splendens einfach und gefüllt und ein besonders grossblüthiger 
Sämling des ersteren C. p. roseum superbum. Ausserdem verdienen 
die Eriken und die Primeln desselben Ausstellers Erwähnung; nicht 
blos Primula sinensis, sondern auch Primula acaulis waren in vielen 
Varietäten, z. B. P. acaulis lilacina, einfach und gefüllt, lutea alba 
und purpurea desgl. vertreten. 

Die so beliebt gewordene Primula sinensis compacta grandiflora 
war von ihrem Züchter selbst, A. Schmerbitz - Potsdam, einge- 
sandt (die Blumen hatten 4— 5cm Durchmesser), Primula chinensis 
magnifica (gefüllt dunkelrosa) von A. E. Tubbenthal in Königsberg 
(Neumark). Cinerarien waren in der prachtvollen neueren korn- 
blumenblauen Farbe, die zuerst von Vilmorin, Andrieux & Co., 
Paris, gezogen wurde, von G. Ebers unter dem Namen „Kaiser 
Wilhelm Kornblume" eingeliefert, andere Cinerarien von C. Schumann 
und Kamoss. Nelken waren nur durch einen Aussteller: Herrn 
Otto Neumann vertreten, allerdings in sehr schönen Exemplaren. 
Veilchen fehlten fast ganz. Ebenso fiel uns auf, dass nur ein 
Hyazinthenzüchter seine Schätze vorgeführt: Herr G. A. Schultz; 
wahrscheinlich war es für beide Blumen schon etwas zu spät. Da 



wir nicht dieselben Sorten Hyazinthen zum Vergleich mit den seitens 
der Herren Zoocher & Voorhelm Schneevogt kürzlich in der 
Flora ausgestellten fanden, so ist ein Urlheil über die Berliner im 
Gegensatz zu der Holländer Treiberei nicht möglich. Sehr schön 
waren die Amaryllis vom Konsul Schmidt (Obergärtner Egge- 
brecht), besonders Herrn Eggebrecht's Kreuzung, A. John- 
soni X Hippeastrum robustum, Blumen 5 cm Durchmesser; auch dessen 
Lachenalien und ganz besonders die riesise Schaupflanze Chorizema 
ilicifolia fanden allgemeine Beachtung. Frau Jordan- Berlin hatte 
eine schöne Amaryllis (wohl ein Bastard, nicht wie das Etiquett 
besagte A. robustum) im Zimmer zur Blüthe gebracht. — Pontische 
Azaleen hatte die Gärtnerei des Kriegsministeriums (Obergärtner 
Elsholtz) in herrlichen Exemplaren eingeliefert, wie dieselbe denn 
auch wie gewöhnlich ausserordentlich reiches Material zur Dekoration 
des Lokales hergegeben. Selten um diese Zeit sieht man Calla 
aethiopica so schon wie auf der Ausstellung von E. Weise. — Herr 
Gude hatte Calmia glauca, Herr G. Ebers sehr schöne Ismene 
nutans gesandt. Beizend nahmen sich die Clematis aus der Besitzung 
des Hofmarschall v. Saint-Paul-lllaire zu Fischbach in Schlesien 
aus; besonders Jackmanni, Sir Garnet Wolesley, schön blau, Miss 
Batemann, weisslich. — ßosen zeigten sich verhältnissraässig viel, 
hochstämmige nur von Herrn Wen dt, niedrig veredelte von dem- 
selben, sowie von A. Janicki. Ersterer hatte auch ein Beet erst im 
Februar und März d. J. veredelter schon blühbarer Rosen ausgestellt, 
letzterer führte besonders die Sorten: Mrs. Bosanquet, Senateur 
Vaisse, Madame Plantier, Amazone etc. vor. — Die schönsten 
Marechal Kiel (abgeschnitten) hatte Herr Buntzel-Mederschön- 
weide ausgestellt. 

Von härteren Dekorationspflanzen nennen wir die hochstämmigen 
Camellien der Gärtnerei des Justizministeriums (Oberg. Kröo-er) 
die Aucuben mit Früchten von E. Mosisch, die zwei grossen A^-ave 
americana des Geheim rath Spinola (Obergärtner Koch), die Palmen 
und Lorbeern etc. von W. Härder und besonders die Lorbeern 
und Buchsbaum von Vincke in Brügge (Belgien). 

Eine höchst interessante Kollektion bunfblättriger oder eigen- 
thümlnh gefärbter Gehölze hatte Herr Späth in juagen Veredelungen 
Torgefuhrt und bewies auch diese Sammlung wieder die Reichhaltig- 
keit der Späth 'sehen Baumschule, die ausserdem durch Allee- und 
Formbäurae gut repräsentirt war; sehr gute Formbäumo hatte auch 
die Lorberg'sche Baumschule geliefert, Coniferen und vor Allem die 
Spezialität: hochstämmige Stachelbeeren E. Mosisch; letztere auch 

Ein hübsches Sortiment konservirten Obstes sandte der Chaussee- 
aufseher C. Kniep in Duderstadt (Hannover) und erbrachte dadurch 
wieder den Beweis, wie viel in Hannover für Hebung des Obstbaues 
an Chausseen gethan wird. 

Ein Teppichbeet beim Eintritt in den Saal war von Herrn 
Kuhrs ausgeführt, Arrangements aus abgeschnittenen Blumen etc. 



!, Harry Friedrichs, 
.. .chaper, Wendt etc. Das Grossartigste und Neueste ia 
Trockenbouquets waren die bleichen „Makart-Bouqnets" von J. C. 
Schmidt in Erfurt, bestehend aus Gynerium argenteum - Rispen 
und gebleichten Phoenix-Blättern etc. Sie machten sich in der That 
in den stilvollen Vasen und auf den kostbaren Untersätzen sehr schön. 
Das Bouquet kostete 25 Mark, die Vase 75, der säulenartige 
Untersatz 150 Mark. Uebrigens werden Makart - Bouquets von 
9—50 Mark geliefert. Originell war auch ein Füllhorn, genau 
in der Form eines Jagdhorns aus Immortellen, mit lebenden Blumen 
von der herrschaftlichen Gärtnerei in Ober-Stensch. Frau Dora 
Zeppitz- Hannover hatte wiederum die von der Winterausstellung 
her in guter Erinnerung stehenden Briefbogen etc. mit gepressten 
Blumen in natürlicher Farbe zur Schau gestellt, ebenso ihr Kon- 
kurrent Herr Hermann, Berlin, mit gefärbten Blumen. Das 
Schönste, was in Arrangements aus künstlichen Blumen wohl 
geleistet werden kann, war in einem Blumenkorbe von Frl. Helene 
Herbst erreicht. Hübsch war auch ein Fensterschirm von Frau 
Lerche, darstellend die Kronprinzlichen Herrschaften, umrankt von 
gepressten Blumen. 

An technischen Dingen nennen wir die Splauer Blumentöpfe, 
über die in dieser Nummer ein besonderer Artikel erscheint und die 
auch hier viel Beifall fanden, die eleganten Blumenkörbe neuester 
Fa(jon mit Riesenhenkel vom Korbmacher Hillmer, der eine Spe- 
zialität daraus macht, die Fontainen etc. aus der Bronzegiesserei 
von R. Weidner, die Gartenmesser und sonstigen Gartengeräthe 
von Nitsche, vormals Heyne, Carl Göhler, W. Hanisch, 
P. Schirapff und P. Schröder, die Heizungsanlagen und eisernen 
Mistbeetrahmen von Mulick & Co., die hölzernen Mistbeetrahmen 
von Th. Hütt und J. Strauss etc. 



Hydrosme Hüdebrandtii Engl. 

Fam. Araceae, Subfam. Lasioideae. 
- (Mit Tafel UL) 

Professor Engler in Kiel, der beste Kenner der Aroideen, be- 
schreibt diese Pflanze folgendermaasen : 

„H. Hilde brandtii Engl.*) folio maximo bimetrali, laminae 
segmentis I. bidichotomis, segmentis III. pinnatisectis, extimis lau- 
ceolatis acutis basi costulis decurrentibus et inter se coajunctis; 
pedunculo brevi; spatha maxima fere metrali, ima quinta 
parte convoluta deinde aperta, pallide carnea ubique violaceo- 
punctata, intus in fundo atroviolacea; spadice spathae circ. Vi 
aequante, inflorescentia feminea quam mascula 1%^ plo lon- 
giore, brevissime cylindroidea, violascente, mascula breviter 

•) Botanische Jahrbücher von Engler Bd. L Heft 2. S 187. 



cyliDdroidea flava; appendice elongata subclavata, basi 
attenuata, pallidä, quam spadix floriger 4j^ plo longiore; ovariisovoi- 
deis Dnilocularibus, uniovulatis, stylo ovario aequilougo basi 
anDQlatim incrassato, stigmate latiusculo obliquö; baccis ovoi- 
deis, stylum dejicientibus, monospermis. 

Folii petiolus 2 m altus; laminae segmenta extima 4-5 cm 
loDga, 1,2—1,6 dm lata. Pedunculus pauUum ultra 1 dm longus, 

2 cm crassus. Spatha 8—9 dm longa, supra 2—2,5 dm lata. Spa 
dieis sessilis inflorescentia feminea 3,5 cm longa, 3 cm crassa, 
mascula 2 cm longa, 3 cm crassa, appendix 2,5 dm longa, supra 

3 cm crassa. Ovarium 2—2,5 mm longum, uniloculare; Ovulum 
aoatropum sessile; Stylus 2,5 mm longus. Stamina dense congesta 
(bina-quaterna florem formantia?); filamenta 0,5 mm, theeae 1,5mm 
longae. Baccae (immaturae) 6 mm longae, monospermae. Semen 
ovoideum exalbuminosum. 

Madagascar (J. M. Hildebrandt n. 3161). 

Diese Pflanze ist, abgesehen von ihrer Grösse, die freilich die- 
jenige des gewaltigen Amorphophallus Titanum noch lange nicht 
erreicht, auch dadurch interessant, dass sie die Merkmale der Gat- 
tungen Hydrosme und Corynophallus vereinigt. Corynophallus unter- 
scheidet sich von Hydrosme hauptsächlich durch den langen Griffel 
und den birnenförmigen, runzligen Appendix des Kolbens. Ob die 
männlichen Blüthen nur aus einem Staubblatt oder aus 2-4 be- 
stehen, ist an den getrockneten Exemplaren noch schwerer als bei 
den lebenden zu unterscheiden ; indessen stehen bei einer in Alkohol 
aufbewahrten Inflorescenz von Amorphophallus Rivieri Durieu die 
Staubblätter am oberen Theil der männlichen Inflorescenz auch 
scheinbar ungeordnet, während an der Grenze zwischen männlicher 
und weiblicher Inflorescenz sich ein Paar ZwitterblQthen finden, in 
welchen 3 Staubblätter ein Pistill umschliessen. Bei Amorpho- 
phallus ist die Zahl der Fruchtknotenfächer wechselnd; wenn daher 
bei einzelnen Arten von Hydrosme, wie H. Fontanesii und H. 
Schweinfurthii, 2 Fächer vorkommen, so dürfte darin kein Grund 
zur generischen Trennung vorliegen. Ebenso finden wir bei Amor- 
phophallus die Länge der Griffel wechselnd. Demnach vereinige ich 
jetzt die beiden Gattungen Hydrosme und Corynophallus.« 

Unsere Hauptabbildung ist zum grössten Theil nach einer farbigen 
lebensgrossen Skizze, die der Entdecker Johann Maria Hilde- 
brandt, korrespondirendes Mitglied des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues, am Fundorte angefertigt hatte, die Blätter nach 
denri Leben gezeichnet. V^on den übersandten Knollen begannen 
einige schon unterwegs zu treiben und eine dieser kam im vorigen 
Sommer im Berliner botanischen Garten zur Blüthe (siehe Monats- 
schrift 1880 S. 481, wo die Pflanze irrthümlich als Arisaema Hilde- 
brandtii aufgeführt ist). Das Exemplar konnte aber nicht als ein 
mustergültiges betrachtet werden, da es durch das zu frühe Aus 
treiben zu sehr geschwächt war. Augenblicklich entwickelt sich bei 
mehreren je ein schön hellgrünes Blatt, welches in der Jugend in seinen 



einzelnen Theilen zusammengefaltet ist. Das grösste davon hat gegen- 
wärtig einen Durchmesser von 1,42 m, sein Stiel eine Höhe von 0,80 m, 
unten eine Dicke von 0,04 m und oben eine solche von 0,03 m; nach 
den Angaben Hildebrandt's kann der Blattstiel bis 2 m hoch werden. 
Im Uebrigen ist das Blatt dreitheilig, jeder Abschnitt aber wieder- 
holt gabslig getbeilt und schliesslich die letzten Abschnitte fieder- 
spaltig eingeschnitten, so dass sich die von Engler in seiner 
Monographie der Araceae (Suites au Prodromus II. pag. 22 No. 5) 
vermuthete Vereinigung von cymöser und racemöser Verzweigung 
bei Dracontioninae und Amorphophalleae, die allerdings genau nur 
an Samenpflanzen studirt werden kann, auch bei unserer Hydrosme 
zu zeigen scheint. — Die riesige Blüthenscheide erreicht eine Länge 
von 0,75 m, aber da sie ziemlich geschlossen bleibt, nur einen Durch- 
messer von 0,19 m. Sie ist bleich fleischfarben oder purpurbräunlich 
mit zahlreichen blauvioletten Flecken, innen am Grunde dunkel- 
violett, der Kolben erreicht nur ca. Vs der Länge der Scheide. 

Von den übersandten Knollen sind noch einige käuflich zu haben 
und wolle man sich deshalb an Herrn Rektor Rensch, Berlin SW, 
Nostitzstrasse 14, den Vertreter Hildebrandt's, wenden. 

Erklärung der Tafel IIL: 
Fig. 1. Blüthenscheide der Hydrosme Hildebrandtii in Va Naturgrösse. 

„ 2. Blüthenkolben „ „ „ 

y, 3. Segment eines Blattes „ % 

„ 4. Das dreizählige Blatt in der Entwickelung 

begriffen, ca. „ 720 „ 

„ 5. Dasselbe ausgewachsen » » » w 



Die Splauer (Kultur-) Blumentöpfe. 

(Hierzu Tafel IV.) 

Das Splauer Thonwerk bei Schmiedeberg, Regierungsbezirk 
Merseburg, dessen Besitzer unser Mitglied, Herr Dr. Wilhelm 
Cohn in Martiniquefelde bei Berlin ist (Vertreter G. Bössenroth, 
Berlin C, Unterwasserstrasse 9), hat den glücklichen Gedanken 
erfasst, das Kunstgewerbe auch auf einfache Blumentöpfe auszu- 
dehnen. Niemand wird leugnen, dass unsere gewöhnlichen rothen 
Blumentöpfe eigentlich recht unschön sind und namentlich bei Ge- 
wächsen, die wir in unseren Zimmern ziehen, die wir zum Schmuck 
ans Fenster stellen, auffallend zu der übrigen Einrichtung des 
Zimmers, ja zu der Pflanze selbst kontrastiren. Der Wohlhabende 
kann sich hier helfen, indem er die rohen Töpfe in feine Porzellan- 
oder gar Majolikatöpfe stellt und sie so den Blicken . verbirgt ; der 
weniger Bemittelte aber vermag das nicht und selbst dem Reicheren 
wird die Sache oft zu kostspielig und zu viel Raum beanspruchend, 
wenn er, wie das meist der Fall, eine grössere Zahl von Zimmer- 
pflanzen besitzt. Nicht viel anders stellt sich die Sache bei fest- 
lichen Gelegenheiten. Wer zu einem Geburtstage oder dergl. einen 



164 



Blumenstock überbringen will, der fühlt nur zu wohl das Unschöne 
des reihen Topfes, er sucht letzteren wohlweislich durch eine Papier- 
hülle zu verbergen und die Industrie der Luxuspapiere, die ja nament- 
lich in Berlin ihren Sitz hat, liefert bekanntlich seit längerer Zeit 
zum Theil ausserordentlich geschmackvolle Topfhüllen. Aber wie 
lange währen solche Enveloppen? Kaum einige Tage, dann sind sie 
nass und schmutzig geworden und müssen entfernt werden. 

Ganz anders bei den Splauer Blumentöpfen. Es sind diese 
Töpfe aus einem feinen porösen Thon gefertigt und mit farbigen 
stilvollen einfachen Mustern oder auch mit Reliefs versehen, so dass 
sie einen sehr ästhetischen Anblick gewähren. Die Farben sind 
den Farben des Bodens entsprechend gelb, röthlich, braun und 
schwarz und soll dadurch verhütet werden, was so oft bei den bunt- 
färbigen Majolikatöpfen vorkommt, dass der Eindruck, den die Blume 
macht, ganz gegen den des Topfes zurücktritt. Bei jenen scheint es 
oft, dass die Blumen nur der Töpfe wegen da, hier sind aber die Töpfe 
in der That für die Blumen bestimmt. Denn bei der Porosität des 
verwandten Thones können die Pflanzen in den Töpfen selbst kultivirt 
werden. Was die einfachen Muster auf den Töpfen betrifft, so 
können diese natürlich vertauscht werden, so dass jede Grösse mit 
dem gewünschten Muster auf Bestellung geliefert werden kann. 
Der Preis ist zugleich ein so niedriger, dass Jeder, der sich seine 
Fenster, seinen Blumentisch oder seine Veranda etc. mit Pflanzen 
schmücken will, ihn zahlen kann. Er beträgt pro Satz von vier 
Stück incl. vier Untersätzen für 

Konische Töpfe (s. Tafel IV, Figur 120-123*) Mark 1,75. 

Vasentöpfe „ „ 124—127) „ 2,~. 

Vasentöpfe mit Relief „ 128—131) „ 2,30. 

Die einzelnen Töpfe haben folgende Grössen: 

A. 8 cm Höhe, 9 cm Durchmesser 

B. 11 „ 12 

C. 13 „ 14,5 

D. 15,5 „18 

Der Preis der Töpfe stellt sich nach obiger Liste bei 

Konus Vase Vase mit Relief 

A. 25 Pf. 30 Pf. 35 Pf. 

B- 35 « 40 „ 50 „ 

C. 45 „ 50 „ 60 „ 

D- 70 „ 80 „ 85 „ 

Es sind dies die Preise für den Verkauf im Einzelnen ab 
Berlin. Selbstverständlich wird grösseren Konsumenten ein ent- 
sprechender Rabatt gewährt und stellen sich die Preise bei direkten 



; uie aiit der Tafel angegebenen Nummern sind die Fabriknummem, 
nach denen auch direct bestellt werden kann 



Bezügen grösserer Quantitäten von der Fabrik ganz wesentlich 
billiger. Indessen, mögen diese Preise auch bei bedeutender Er- 
mässigung für den Handelsgärtner immer noch zu hoch sein, um 
Tausende von Blumen darin zu kultiviren, für den Privatmann sind 
sie wohl gewiss erschwinglich und wir glauben, dass diese Töpfe 
sich bald einbürgern werden. Wenn alle Handelsgärtner, namentlich 
auch die den Markt besuchenden, sich eine Anzahl solcher Töpfe halten, 
80 ist es ein Leichtes, eine Pflanze, die von ihnen gekauft wird, 
aus dem gewöhnlichen Topfe herauszunehmen und in einen Splauer 
Topf zu setzen; das Publikum wird gern den kleinen Aufschlag für 
den Topf zahlen und nun die Pflanze in diesem, für billiges Geld 
erhaltenen geschmackvollen Topf weiter kultiviren. 

Ausser den Töpfen hat die Fabrik auch geschmackvolle Jar- 
dinieren in ähnlichen stilvollen Mustern herstellen lassen (s. Tafel IV, 
Figur 132), die von Mark 2,50 an zu haben sind und somit als 
Ersatz der theuren Majolika- Schalen dienen können; ferner ist be- 
sonders aufmerksam zu machen auf äusserst gefällige grössere 
viereckige Gefässe in gelbem Thon mit Relief Verzierungen und 
Löwenfüssen (Figur 133—135), von denen die kleinsten (135) sich 
zur Aufnahme von Solitärpflanzen (Yucca, Palmen etc.) vortrefflich 
eignen und bei ihrem billigen Preise, von Mark 3,50 an, sicherlich 
bald sehr beliebt werden dürften. 

Endlich werden auch Beeteinfassungen in gelbem Thon 
(Fig. 136), das Hundert zu 12 Mark, sowie mit farbigen Ornamenten 
(Fig. 137), zu 20 Mark, gefertigt, wie denn auch grössere Garten- 
ornamente in gedachter Fabrik ausgeführt werden. 

Aus allem Angeführten wird man erkennen, dass das Splauer 
Thonwerk, das übrigens als Verblendsteinfabrik bereits einen guten 
Ruf erworben hat, aufs Eifrigste bestrebt ist, den Geschmack auch 
in den einfachsten Dingen zu heben und wünschen wir ihm aus 
vollem Herzen Glück zu seinem Beginnen. Wir können noch hinzu- 
fügen, dass von Seiten der berufensten Vertreter des Kunstgewerbes, 
namentlich des Herrn Professor Julius Lessing, den Splauer 
Töpfen der grösste . Beifall gezollt ist und zweifeln wir nicht, dass 
die Gärtner und Pflanzenfreunde nach eigener Anschauung diesem 
ürtheil beipflichten werden, wie dies auch bereits in der Ver- 
sammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues am 30. März 
d. J. geschehen ist. 

Wie schon eingangs erwähnt, sind Anfragen und grössere Be- 
stellungen an den Vertreter, Herrn Bössenroth, Berlin C, Unter- 
wasserstrasse 9, oder direkt an die Fabrik: Splauer Thonwerk bei 
Schmiedeberg, Regierungsbezirk Merseburg, zu richten. Eine ISieder- 
lage für den Detailverkauf befindet sich in Berlin, Markgrafen - 
Strasse 30, bei Herrn H, F. Erleke. 



lieber Gfewächshäuser. 

Vortrag, 

gehalten im Verein zur Beförderung des Gartenbaues am 29. Oktober 1880 

von Dr. Tschaplowitz. 

(Vergleiche hierzu Tafel n. im Februar-Heft.) 

(Schlußs.) 

Unter Berücksichtigung aller dieser Verhältnisse habe ich ver- 
sucht, ähnliche Temperatnrkurven, welche die Wärmegrade in zwei 
verschiedenen Höhenregionen von 5 dm und 2 m Höhe einer nord- 
afrikanischen, mehr dem kontineatalen als dem Küstenklima an- 
gehörigen Pflanze zu den verschiedenen Tagesstunden annähernd 
bezeichnen sollen, neben den oben erwähnten für die Bodentemperatur 
zu konstruiren. Weniger gestützt auf meteorologisch-mathematische 
Formeln, als mehr auf die Notizen der mir momentan zugänglichen 
meteorologischen und physikalischen Literatur, sollen sie mehr dazu 
dienen, das Vorangegangene zu illustriren, als thatsächlichen Ver- 
hältnissen genau zu entsprechen. Die breite aus Punkten bestehende 
Kurve soll gleichzeitig die in weitem Spielraum schwankende atmo- 
sphärische Wassermenge veranschaulichen. Die Skala ist alsdann so 
zu verstehen, dass der für 1 ** C. geltende Raum 2 Prozent der 
relativen Feuchtigkeit gleichkommt. Die Kurven erhielten eine 
gewisse Breite, weil sie für ein sehr grosses Gebiet würden gelten 
können und um, falls sie vielleicht Versuchen zu Grunde gelegt 
würden, einen gewissen Spielraum zu gestatten. Nichts destoweniger 
werden sie auffällig erscheinen, denn die Schwankungen sind, um- 
gekehrt als bei uns, im Vergleich zu denen der Jahresperiode sehr 
bedeutend. „Die Nächte« sagt Klöden in seiner physikalischen 
Geographie „sind die Winter der Tropen". Es ist nicht anzunehmen, 
dass so starke und ungleichzeitig in verschiedenen Organen statt- 
habende Schwankungen der Pflanze gleichgültig sind und wenn auch 
die Dicke des Stammes und die Härte und Lockerheit der Rinde den 
Stamm der Bäume mehr oder weniger schützt, so werden doch die 
Blätter und alle zarteren Organe jene Temperaturschwankungen 
auszuhalten haben. Aber noch weniger ist anzunehmen, dass die 
Schwankungen den Pflanzen stets nachtheilig sein werden, sondern 
den in jenen Gegenden gut gedeihenden oder überhaupt vorkommen- 
den Pflanzen sind sie gewiss ebenso zuträglich, als den im Seeklima 
wachsenden Pflanzen gleichmässigere Temperatur unerlässlich ist. Der 
tiefen Nachttemperatur würde in der Pflanze ein relativer Ruhezustand 
in ihren Lebensfunktionen entsprechen, der Stoffumsatz, sowie die 
Bewegung der Stoffe dürfte alsdann einem Ruhezustand näher stehen, 
bis vielleicht neue Mengen von Wasser und Nährstoffen aus dem 
weitverzweigten Wurzelsystem, welches um diese Stunden gerade 
die meiste Wärme geniesst, herbeigeschafft sind. 

Wie ganz anders stellen sich nun die thatsächlichen Verhältnisse 
in unsern Warmhäusern. Es erwächst dem Kultivateur kein Vor- 
wurf daraus, dass uns keine Insolationswärme zur Verfügung steht, 
(abgesehen etwa von Treibhäusern;, und die Berücksichtigung der 



167 



andern von nair berührten Verhältnisse ist zwar sehr wünschens- 
werth, aber auch sehr schwierig, und vielleicht ganz unmöglich. 
Anstatt dass die Pflanze, wie dies in der freien Natur stattfindet, 
nach Anbruch des Tages zuerst am Gipfel sich wieder neu zu er- 
wärmen beginnt und die Erwärmung nach unten fortschreitet, 
müssen sich in den Häusern die Pflanzen, den Gesetzen der Be- 
wegung der erwärmten Luft folgend, von unten nach oben erwärmen. 
Anstatt einen gewissen Temperaturgang einzuhalten, wird überhaupt 
meist jede Schwankung vermieden, und nur gewisse Mitteltempera- 
turen werden ununterbrochen zu erhalten gesucht. Anstatt dass 
dicht über dem Boden die grösste Wärmeintensität und zwar zur 
Mittagszeit herrscht, ist es Tag um Tag stets gleichmässig der 
der Gipfel, die Krone, welcher die meiste Wärme zugeführt wird. 
Anstatt, dass die Wurzeln sich von oben nach unten erwärmen, 
tritt in den Häusern, wo überhaupt Bodenwärme gegeben wird, die 
Wärme von anteu nach oben steigend zu denselben. Wer vermag 
zu sagen, welchen Unterschied dies im Chemismus und in der 
physikalischen Arbeit, welche im Innern der Pflanze geleistet wird, 
ausmacht? 

Meist ist eine Annäherung an natürliche Verhältnisse auch 
schon deshalb schwierig, weil Pflanzen aus sehr verschiedenen 
Klimaten in einem Raum vereinigt sind, wobei auch in Bezug auf 
die Luftfeuchtigkeit sie leider alle gleichmässig behandelt werden 

Wenn es gelingt, die wichtigen Wärme- und Feuchtigkeit^- Ver- 
hältnisse der Heimathläuder unserer Warmhauspflanzen in diesen 
Häusern herzustellen, dürfte alsdann nicht die schöne Perspektive 
unsern Augen sich eröönen, dass wir die Bezeichnungen der Häuser 
von dem Lande, dem sie entsprechen sollen, hernehmen könnten? 
Ein „Afrikanische Oasen" oder „Nildelta" oder „Tropisches Amerika" 
etc. benanntes Haus würde dem Laien wohl zumeist, und wer weiss, 
ob nicht auch manchem Gelehrten, anziehender erscheinen und in 
dieser Pflanzenanordnung vielleicht mehr Befriedigung gewähren, als 
die Häuser in ihrer heutigen Zusammengewürfeltheit. Freilich wird oft 
der Fachsystematiker vorziehen, beispielsweise möglichst viel Orchi- 
deen in einem Räume, dem Orchideenhaus, beisammen zu haben, 
und in Bezug auf viele Pflanzen wird eine derartige Aufstellung 
wohl nie umgangen werden können, aber schon der Kultivateur, sei 
er es nun von Berufswegen oder aus Neigung, wird in der den 
Klimaten mehr entsprechenden Anordnung manche Erleichterung, 
und besonders aber der Pflanzengeograph und Reisende darin sogar 
Gewinn finden. 

Sehen wir uns nun nach den Mitteln und Einrichtangen um, 
welche angewendet werden, um den Anforderungen der Warrahaus- 
pflanzen an Wärme und Wassergas zu genügen. Zur Lüftung dienen 
gewöhnlich im Giebel, auf dem First, überhaupt an höchster Stelle 
angebrachte Fenster. Hier befindet sich die wärmste und auch die 
wasserreichste Luft, welche beim Oeffnen mit grosser Geschwindig- 



keit enteilen wird, um der seitlich unten zufliessenden kälteren Luft 
Eintritt zu gestatten. Wenn nun bei Pflanzen aus kontinentalen 
Klimaten eine Verminderung der Luftfeuchtigkeit mit einer Ab- 
kühlung nicht zusammen treffen soll, dürfte es sich wohl empfehlen, 
um den Uebergang zu mildern, die Lüftungsfenster tiefer anzubrin- 
gen, oder gar in umgekehrter Weise (natürlich langsam) die Luft 
unten aus- und dafür neue atmosphärische Luft oben eintreten lassen. 
Es würde dies die Gipfel kühler halten, warme Luft nach unten 
drücken und eine Temperaturerniedrigung der tieferen Schichten 
mehr verhindern, welche Umstände sich den in der freien Natur 
herrschenden schon mehr annähern würden. Dass es möglich ist, 
eine derartige Luftzirkulation hervorzurufen, braucht wohl hier nicht 
erörtert zu werden; mit den meisten grösseren Heizeinrichtungen 
stehen hohe Schornsteine in Verbindung, durch welche sich die 
Luft aus jedem Theil des Hauses nach Belieben absaugen lassen 
würde. 

Einige Hygrometer und Thermometer, in verschiedener Höhe 
und an verschiedenen Stellen angebracht, dürften vor allen Dingen 
zu empfehlen sein. 

Die jetzt gebräuchlichen Heiznngseinrichtungen sind zumeist 
Wasserheizungen, d. h. derartig eingerichtet, dass in Röhren oder 
Metallgefässen anderer Form eingeschlossenes, heisses Wasser seine 
Wärme durch die Metallwände hindurch abgiebt. Die die Röhren 
oder Metallwände zunächst berührende Luftschicht erwärmt sich 
und steigt, während eine andere kühlere von unten kommt und 
an ihre Stelle tritt, in die Höhe. Oben kühlt sie sich an den 
kälteren Gegenständen der Decke, des Daches ab und sinkt nun 
wieder, seitwärts vom aufsteigenden Luftstrom nach unten. Diese 
Zirkulation wird aber bald eine sehr langsame. Die Wirkung, d. h. 
der Heizeflfekt ist im Vergleich zu den Kosten ein sehr massiger, 
wovon wir die Ursache in der langsamen Wärmeausgabe warmer 
Metallwände (sie strahlen wenig) und in der grossen Wärme- Ver- 
schwendung der Heizwasserkessel oder, wenn Dampfheizung als 
Wärmequelle fungirt, der Dampfkessel zu suchen haben. Wie gross 
ist nicht die Wärmemenge, welche das dieselbe umgebende Mauer- 
werk absorbirt, und welche, da sie ausserhalb der Häuser liegen 
müssen, fast nutzlos verloren geht. Nichts kann doch, sollte man 
meinen, einfacher und wirkungsvoller sein, da ja auch gleichzeitig 
die Luft mit Feuchtigkeit zu speisen ist, als eine einfache Kanal- 
heizung (NB. ich sage nicht, dass der Kanal ein schlechter aus 
Ziegeln oder anderem zu Rissen und Sprüngen geneigtem Material 
erbauter sein soll), welche so eingerichtet ist, dass auf dem Kanal 
innerhalb des Hauses ein grosses Gefäss — Kasten — Trog aus 
Metall mit Wasser steht, von welchem Reservoir aus breite Rinnen 
von Metall in leichter Senkung im Hause zirkuliren. Die Rinnen 
und der Heisswasserkasten sind mit Klappdeckeln versehen, um nach 
Bedarf geöffnet oder geschlossen werden zu können, um entweder 
mehr V\asserdampf oder nehr Wärme ausgeben zu lassen. Diese 



breiteren Rinnen könnten sich verzweigen, dünne Rohre aussenden, 
zum Theil mit Thonplatten rücksichtlich der Strahlung derselben 
belegt werden etc. etc. Von ähnlichem Erfolge denke ich mir eine 
Heizeinrichtung, bei welcher der Heizwasserkasten, wie ich ihn im 
Auge habe, einige Heizröhren enthält oder der Feuerungsraum, wie 
die Feuerbüchsen von Wasser umgeben ist. Die Feuerung darf 
natürlich nur von aussen zugänglich sein. Es fragt sich nur, aus 
welchem Material die Seitenwände unseres Kanals zu bilden wären, 
vielleicht dürfte es am besten sein, denselben in die Erde zu ver- 
senTcen und auf Ausnutzung der dem Boden hierdurch mitgetheilten 
Bodenwärme zu denken, 

Vorschläge zu Verbesserungen und Verbesserungen selbst kom- 
men nur langsam und schrittweise, aber stets erst, nachdem vor- 
handene üebelstände klar erkannt und anerkannt sind. Die 
gärtnerische Technik steht schon auf einer hohen Stufe, aber das 
rasch vorwärts schreitende Jahrhundert stellt immer höhere An- 
forderungen und so wird sie auch diesen wichtigen Hülfsmitteln 
ihre Aufmerksamkeit und ihre verbessernde Hand nicht versagen 



Eine R 

„Das überlasse ich Anderen, gerade diese Schwierigkeiten be- 
stimmen mich am meisten!"*) Dies die Antwort des verstorbenen 
J'^ürsten Pü ekler -Muskau an Professor Dr. Koch, als Letzterer 
angesichts der trostlosen Gegend von Branitz, wo eine Oasis in der 
Wüste geschaffen werden sollte, dem Fürsten bezüglich der Acquisition 
eines günstigeren Terrains vorstellig wurde, sowie auf die hierorts 
vorhandenen Schwierigkeiten an Zeit und Kosten aufmerksam zu 
machen sich erlaubte. Für seinen Schaffensdrang fand der Fürst in 
Branitz ein geeignetes Feld, da eben Alles zu schaffen war. Petzold 
schreibt hierüber:**) „Geschaffen musste in der ebenen, tannenlosen 
Umgebung Alles werden, und das Genie des Fürsten hat auch Alles 
geschaffen — es ist in Branitz eine Aufgabe in der Landschafts - 
gärtnerei gelöst, welche vielleicht noch nirgend in dieser Weise 
gelöst worden ist.'' Man stelle sich ein sandiges, fast ganz ebenes, 
weites Terrain vor, das bei 1 m Tiefe bereits Grundwasser zeigt, 
einen Boden, der kaum die bescheidene Kiefer zu ernähren im Stande 
ist, dem Landmann kaum den nöthigsten Bedarf an Getreide etc., und 
auch dies nur streckenweise, anzubauen gestattet — und man wird 
sagen müssen, dass in der That hier eher Material zu einer Wüste, 
als zur Anlage eines blumengeschmückten, kühlen Parkes vorhanden 



Prof. Dr. K. Koch. Stuttgatt 1875 



war. So wenig es unsere Aufgabe sein kann, uns hier in Details 
zu verlieren, so sehr die Skizze nur dem Verweilen bei einer flüch- 
tigen Erinnerung gleicht, kann das bestimmende Moment dieser 
Zeilen allein darin gesucht werden, in Folgendem nachzuweisen: 
Branitz sei viel zu wenig gekannt, werde vor Allem nicht objektiv 
genug beurtheiJt*) und verdiene gerade von uns Landschaftsgärtnern 
besondere Aufmerksamkeit, besonderes Studium. In einem lebhaft 
bewegten Terrain mit natürlich dekorativem Hintergründe, auf er- 
giebigem Boden, am fliessenden Wasser eine landschaftliche Anlage 
nach den Regeln der Kunst zu bilden, ist ja meist eine weit 
schwierigere, wenn schon dankbarere Aufgabe, als es gemeiniglich der 
Laie, ja mancher Fachmann dafür hält. Liegen die Schwierigkeiten 
hier weniger in dem rein äusserlichen Material, so ist es die taktvolle 
Disposition, aus verschiedengearteten Gliedern ein organisches Ganze, 
das in völliger üebereinstimmung, Verbindung mit seiner Umgebung 
sei, herzustellen, die stete Beobachtung, die Kunst nicht durchblicken 
zu lassen, vielmehr überall der Natur gerecht zu werden. Denn erst, 
wenn Knnst wieder Natur geworden, nützt sie etwas, d. h. dann 
ist's eben die richtige Knnst. Fürst Fückler sagt:**; „Dies ist 
aber gerade des Verständigen Bestreben und Triumph, dass man 
glaube: Alles, was man sieht, müsse so und nicht anders sein, 
und sei auch von jeher nicht viel anders gewesen. Und weiterhin: 
Der höchste Grad der landschaftlichen Gartenkunst ist nur da erreicht, 
wo sie wieder freie Natur, jedoch in ihrer edelsten Form, zu sein 
scheint." Das beste Beispiel hierfür ist Muskau! Liegen indess auch 
äussere Schwierigkeiten derart vor, dass es an Anhaltspunkten 
motivirter Landschaft fehlt, sofern Boden und Lage des Ortes sowie 
der Umgebung nur ein trauriges Einerlei bieten, eine umfangreiche 
Bearbeitung des Bodens nicht zulassen, ohne dabei auf die grössten 
Schwierigkeiten zu stossen, ja schon z. B. das Auswerfen grösserer 
Baumlöcher als ein Wagniss erscheint, so zeugt das Vorhaben, etwas 
Tüchtiges auf solchem Terrain leisten zu wollen, von grossem Muth, 
grosser Fachkenntniss, so verdient eine solche zur Ausführung ge- 
langte That umsomehr unsere Bewunderung. Eine solche That ist 
Branitz! Und wenn der Fürst selbst in seiner bescheidenen Weise 

*) Wir fühlen uns veranlasst, hier eine Erklärung Schinkel's zu citiren, 
welche er gelegentUch der Veröffentlichung seiner Entwürfe ahgiebt: Das 
ürtheil über ein Bauwerk von bedeutendem Umfange erhält erst dann einen 
f. sten Grund, wenn man die üeber^icht der Bedingungen hat, aus welchem 
die mneren und äusseren Formen hervorgegangen sind. — Am fertio'en Werk 
halten sich \iele berufen, nach dunklem und einseitigem Gefühl das Einzelne 
ändern zu können, weil Unwissenheit und Mangel an Fähigkeit ein vielfach 
und verschiedenartig Gegebenes auf Einheit zu bringen, sie gegen die Zer- 
störung blind macht, w^elche djpse Aenderung in den Zusammenhang des 
Ganzen bringen würde — ein W^ort, das zunächst zwar bezüglich baulicher 
Monument« s» ine Anwendung erleidet, das aber rächt minder jeder grösseren 
Kunfct -Schöpfung, mitliia auch landschaftüchen Anlagen, der Kriük als ein 



^^"^^Andt 



i Fürstea 
S. 154. 



sich mit Bezug hierauf zu äussern pflegte, dass die Anlage ein 
Capriccio^ eine lehrreiche Studie gewesen sei, ist Branitz heut für 
uns eine Komposition, die in fester Form weit den Rahmen einer 
willkürlichen Phantasie überschreitet. 

Vergegenwärtigt man sich den Entwickelungsgang der Anlage 
vom Jahre 1845, wo die nächste Umgebung des Schlosses, ja das 
Schloss selbst, eher einem verkommenen Landgute, als einem fürst- 
lichen Besitz ähnlich sah , wo der damalige sogenannte Park nur 
aus wenig alten, zumeist Obstbäumen bestand, an Stelle eines saftigen 
Rasengrundes ein flaches sandiges Ackerstück lag, wo einzelne Bauern- 
gehöfte in nächster Nähe den herrschaftlichen Besitz umgaben, die 
Landstrasse von Cottbus nach Muskau wie eine endlose Pappelschnur 
die Szenerie belebte, so wird man sich leicht ein Bild von der 
Trostlosigkeit dieser Gegend machen können, die eigentlich ironice 
dictum „keine" war. 

Der Fürst begann mit Anlage breiterer und engerer Wasser- 
flächen um das Schloss herum, die ausgeworfene Erde zur Terrassirung, 
zur Koupirung des Terrains verwendend. Es wurde zunächst an 
der in der Axe des Schlosses, nach der Stadt Ci^ttbus zu liegenden 
Aussicht gearbeitet. Hier galt es, höhere Bäume zu pflanzen, rechts und 
links grössere Baum- und Strauchpartien anzulegen, -Bäche zu 
graben, die mit den im Hintergrunde anzubringenden grösseren 
Wasserflächen in Verbindung treten sollten. Das aus letzteren ge- 
wonnene Erdraaterial wurde zu höheren Wällen aufgeschichtet, einzelne 
Tumuli, ja ein Berg aufgekarrt, der als höchster Aussichtspunkt 
über die weitere Umgebung bestimmt war. Das Schloss selbst 
umgab eine Terrasse, welche in fortwährendem Blumenschmuck 
prangend, dem äusserlich sonst einfachen Gebäude ein eigenartig 
reiches Gepräge aufdrückte, erhöht durch angrenzende Blumen- 
parterres und kleinere Inselgruppen, die in dem eigenthümlichen Reiz 
der in bunten Farben schillernden, blüthenreichen Pflanzen im Verein 
mit dazwischen aufgestellten Statuen, ein wechselvolles Bild darboten. 
(Fortsetzung folgt.) 



Rangliste der edelsten Rosen von Fr. Schneider II, 

Von Karl Mathieu. 

Verursacht durch die endlose und jährlich immer grösser 
werdende Anzahl der Rosensorten, rief der Verfasser der Rangliste 
der edelsten Rosen, Herr Fr. Schneider IL, die bekannte Ab- 
stimmung über Rosen unter den Kennern derselben vor zw^ei Jahren 
ins Leben, ähnlich wie es vorher in Frankreich und England ge- 
schehen, damit einerseits der Laie und Liebhaber in den Stand 
gesetzt würde, sich nur die in jeder Beziehung für uns in Deutsch- 
land wirklich guten und zu empfehlenden Sorten anznschaffen, und 
andererseits der praktische Gärtner und Rosenzüchter den besten 
Anhalt erhielte, nur diese Auswahl für seine Abnehmer und Kunden 



in grösserer Anzahl heranzuziehen, die grosse Menge der mittel- 
mässigen und anch fragwürdigen Sorten dagegen entweder fallen zu 
lassen oder nur in wenigen Exemplaren zn knltiviren, zu Nutz und 
Frommen der etwaigen Sammler und sonstigen Liebhaber. Wir 
können dem Herrn Schneider nur sehr dankbar sein, aus dem 
Namenwust der Preisverzeichnisse diese Sichtung mit grosser Mühe 
und ünverdrossenheit vorgenommen zu haben. Die Franzosen 
besitzen bereits seit 1878 eine ähnliche Abstimmung, ebenso die 
Engländer, und ist Deutschland nun ebenfalls im Stande, die für 
seine Verhältnisse geeignetsten und ausgewählten Sorten in ca. 250 
ßemontant-, 98 Thee-, 22 Bourbon- etc. Rosen, im Ganzen gegen 
430 Spielarten zu kultiviren, immerhin noch eine ziemlich grosse 
Anzahl. 

Ein nicht hoch genug zu schätzender Vorzug dieser Rangliste 
besteht in der fehlerfreien Schreibweise der Namen; wir fanden 
darin kaum ein halbes Dutzend nennenswerther Fehler, welche sich 
der Setzer, weniger der Autor zu Schulden kommen Hess, ein 
Zeugniss, welches wir leider fast keinem Preisverzeichnisse und 
selbst den grössten Werken über Rosenkultur, auch dem neuesten 
von Nietner nicht, ertheilen können, denn in den deutschen Kata- 
loe;en und" Listen sind die französischen und englischen Namen mehr 
oder weniger fehlerhaft aufgeführt, je nachdem der Verfasser einen 
höheren oder niedrigeren Standpunkt in sprachlicher Beziehung ein- 
nimmt. Durch Sehn ei der 's Liste wird endlich, wenigstens in den 
beliebtesten und ausgezeichnetsten Sorten, dem Kauderwälsch der 
Aufschriften so mancher Stand- und Stammhölzer ein Ende gemacht, 
d. h. wenn die Interessanten die Lust und Liebe haben dies zu 
thun, und die Namen richtig abschreiben wollen. Der Verfasser 
hat sich nicht allein auf die Abstimmungen für Deutschland in 
seinem Werke begnügt, er theilt ausserdem zugleich einige Proben 
der Abstimmungen für England, Frankreich, Italien, Belgien und 
Amerika mit, wodurch der deutsche Kenner ein Urtheil zur Ver- 
gleiehung dortiger Verhältnisse und Anforderungen erhält; es kommt 
dabei vor, dass eine Rose, die hier beliebt und geschätzt wird, dort 
das Gegentheil findet und umgekehrt. 

Was dre Orthographie anbetrifit, so bemerkten wir bereits die 
durchweg richtige und zuverlässige Schreibart der Liste, einige sehr 
wenige Druckfehler ausgenommen, welche sich in der allgemeinen 
Liste befinden, dagegen in den einzelnen im Ganzen nicht vor- 
kommen. Die allgemeine Liste reicht von Seite 23—24. Seite 28 
No. 218 steht VioUetes statt Violettes; S. 31 No. 44 Hyppolyte 
statt Hippolyte, No. 69 Nyphetos statt Niphetos, aus dem 
griechischen vt^fibg, der (fallende) Schnee, No. 83 Georges statt 
George; Seite 33 VIII,2 bei Panache d' Angers und 5, Perle de 
Panaches, muss es beide Male feminini generis sein (la rose), also 
Panachee und Panachees; statt tricolor de Flandre (la) tricolore 
de Flandre, als Nationalfahne oder Kokarde der Belgier und Fran- 
zosen. Siehe übrigens Katalog von L. v. Houtte. Mistress wird 



im Englischen vor Namen nie ausgeschrieben, Mrs. genügt. In 
Bezug auf die Ansicht des Verfassers, die Mme., Mlle., Mr. etc. vor 
den Eigennamen wegzulassen, können wir uns keineswegs derselben 
anschliessen. Für Eigennamen, bei denen auch der Vorname steht, 
wie z. ß. Marie Finger, Marie Cirodde, Annie Wood, Eugenie Verdier, 
Alexis Lep^re, Gabriel Tournier etc. pflichten wir der Ansicht des 
Verfassers zur Abkürzung der Namen bei, ein Irrthum kann über- 
haupt bei männlichen Namen nicht stattfinden, ebenso wird bei den 
weiblichen wie Mlle. Marie Rady, Mlle. Marie v. Houtte, Mile. Eugenie 
Verdier etc. wohl schwerlich je eine Taufe auf Mme. Marie Rady, 
Mme. Marie v. Houtte, Mme. Eug. Verdier etc. für einen zukünftigen 
Namen einer neuen Rose stattfinden, es raüsste denn ein Fräulein 
einen Vetter gleichen Namens heirathen, was zwar auch schon vor- 
gekommen ist. Dagegen muss bei Eigennamen ohne Vornamen, wie 
Mme. Boll, Mme. Creyton, Mme. Bonnaire, Mr. Fillion, Mr. Noman etc. 
stets die Geschlechtsbezeichnung bleiben, es darf also keine Ab- 
kürzung in ßoU, Creyton, Bonnaire, Fillion etc. stattfinden, man 
wüsste nie, ob es Mme. oder Mr. Noman etc. ist. Selbstverständ- 
lich können die Namen der Rosen, die auf Frauennamen getauft 
sind, wie Mme. Victor Verdier, Mme. Louis Leveque, Mme. Scipion 
Cochet, Mme. George Schwartz etc. nie abgekürzt werden. 

Dass wohl Jeder die Ansichten des Verfassers in Bezug auf 
Rosenkataloge und Rosenschwindel der Franzosen unterschreibt, 
darüber ist wohl Keiner im Zweifel, der jährlich das Vergnügen hat, 
aus den Lobhudeleien der neuen französischen Rosen zu 25—30 
Francs herauszufinden, was er wohl für sein schweres Geld nachher 
zum Wegwerfen bekommen könnte; denn von* 25 Sorten sind m 
der Regel 4—6 zu gebrauchen als wirkhch gute nnd neue und 
sich von den älteren Sorten wesentlich unterscheidende, die anderen 
kommen unter die Ausrangirten und können wir daher nur in den 
Wunsch des Verfassers mit einstimmen, dass die deutschen Züchter 
endhch anfangen mögen, sich von Frankreich zu befreien und selbst 
zu züchten, keine Mühe und Anstrengung sich verdriessen zu lassen, 
Ausgezeichnetes zu leisten wie die Engländer, welche wenige Sorten 
züchten, aber nur gute, obgleich in dieser Beziehung, d. h. zur 
Erziehung der Samen überhaupt, die Verhältnisse in England nicht 
besser, sondern ungünstiger sind, als in dem mehr sonnenreichen 
Deutschland. Also unter Glas mit der künstlichen Befruchtung, 
deutsche Züchter, wie Bennet in England, wenn es anders nicht 
gehen sollte (es geht aber auch ohne Glas, wie wir selbst vor zehn 
Jahren thaten, ohne zwar von den 6 — 700 Sämhngen der Jacque- 
minot, J. Margottin, Paxton etc. Besonderes erzielt zu haben) und 
ein Preisrichter -Ausschuss der besten Kenner wird die Resultate 
der Züchtung würdig oder unwürdig der Verbreitung erachten, wie 
dies in England geschieht. Bereits sind für die beste deutsche 
Züchtung eine grosse goldene Medaille und für die beste folgende 
Leistung eine grosse silberne Medaille laut Konkurrenz-Ausschreiben 
Seite 87 der Rangliste vom landwirthschaftlichen Gentralverein 



des Reg.-Bez. Potsdam ausgesetzt. Zur Gründung eines deutschen 
Rosistenvereins, welcher die Hebung der deutschen Rosenkultur 
bezweckt, wünschen wir dem Verfasser besten Erfolg, und möchten 
hermit jeden Freund und Züchter der Rosen auffordern, bis zum 
Oiktober 1881 Herrn Schneider seine Adresse und seinen Beitritt 
mitzutheilen, sowie in seinem Kreise zu diesem Zwecke zu wirken, 
damit Herr Schneider einen Ueberbhck erhält, ob es möglich ist, 
diesen Verein in Deutschland, wie in England die National Rose- 
Society, zu gründen und lebensfähig zu erhalten; damit würde 
dann auch ein Rosenjournal als Vereinsorgan ins Leben treten. 

Zum Schluss empfehlen wir nochmals diese Rangliste nebst 
Anhang jedem Freund der Rose , besonders noch den Herren 
Kollegen und Gartenbesitzern, ihres vielfachen Werthes und des 
wohl zu beherzigenden Anhanges wegen, um so mehr, als sie für 
den Preis von drei Mark wohl Jedem zugänglich erscheint. 



Begründung eines Vereins deutscher Rosisten.*) 

leiten, sowohl aus dem Norden, wie aus dem Süc 



i in zahlreichen Zuschriften, 
de Wunsch nach Bildung 



laut geworden. Es i»t an mich das Erst 

zur Gründung einer solchen Gesellschaft zur ergreif« 

holten Andrängen im Laufe dieses Jahres, aus den i 



Bitten bin ich berechtigt zu schUpbsen, dass die Be- 
gei^eruDg für emen deutschen Rosistenverein kein Strohfeuer ist, das leicht 
aufflammt, um ebenso schnell zu erlöschen, sondern der ernste, feste, 
wohlüberlegte, von edlem Patriotismus, Gemeinsinn und hoher Liebe zur 
Blumenzucht getragene Wunsch und Wille aller deutschen Rosisten ist. 

Gern mache ich mich daher zum Herold solcher Manifestationen Ich 
verkenne zwar keineswegs die Grösse und Bedeutung der mir gewordenen 
Aufgabe, noch bin ich im Zweifel über die Schwierigkeiten, einen solchen 
Verem zu konstituiren, lebensfähig zu erhalten; allein einer so glühenden 
Begeisterung gegenüber, die aus allen Briefen so ergreifend spricht, muss 
jede Reserve, jedes Bedenken, jedes Zagen schwinden. 

Meine werthen Mitarbeiter an der Rosen -Rangliste führen verschiedene 
Argumente m's Feld, ihren Antrag zu motiviren. Am wenigsten glücklich 
scheint mir der Hinweis auf Frankrrich und auf die Vereine zu Lyon, Toulouse 
•v"^"S^ ^"^,^'^^^ ^^^ gewählt zu sein. Die genannten Vereine haben für 
Ihre Wirksamkeit den denkbar günstigsten Boden. Frankreichs Rosenkultur 
ist über ein halbes Jahrhundert alt, hat eine Ausdehnung und eine Bedeutung, 
A^^r. „t^^^f^^^^P- Korrespondenten schweriich hinreichend bekannt sein 
durfte. Wer Brie -Comte- Robert mit seinen weiten Rosenfeldem gesehen, 
der wird mir zugeben, dass wir denn doch so günstige Vorbedingungen in 
Deutschland noch nirgend treffen. ^ ^ e 6 



Wittatock herausgegebenen Bangliste der edelsten Eosen a^ 



Den Hinweis auf England aber, den lasse ich voll und ganz gelten, 
denn ich würde ihn selbst gegeben haben. 

Vor fünf Jahren trat in England eine Anzahl ausgezeichneter Rosenkenner, 
Züchter, Gärtner, Liebhaber aus allen Ständen zur Bildung eines „National- 
Rosenvereins" (National Rose Society) zusammen. Ihr Aufruf wirkte 
geradezu zündend, denn die Elite der englichen Rosisten folgte sofort mit 
„flammender Begeisterung" diesem Rufe. lu kürzester Frist trat der durch 
freiwillige Zeichnungen reich fundirte, durch weise Statuten festgefügte Verein 
mit einer Zahl von 327 Mitgliedern in's Leben. 1878 schlössen sich ihm bereits 
acht neugebildete Zweigvereine an, deren 24 Lokal-Sekretäre die Verbindung 
mit dem Zentral -Verein unterhalt' n. Schon im ersten Jahre seines Bestehens 
war es dem jungen Verein möglich, 8000 Mark (4000 Mark waren ihm von 
alten, gutsituirten Gartenbau -Gesellschaften, 1000 Mark von Gönnern über- 
wiesen worden) als Prämien auf zwei grossen Rosen- Ausstellungen aussetzen 
zu können. Hebung der nationalen Rosenkultur, Anzucbt englischer Sämlings- 
rosen, Veranstaltung von Rosen- Ausstellungen etc., das sind die Grund- 
principien der Vereins -Thätigkeit. Welche grossartige Bedeutung der Verein 
gewonnen hat, erhellt am besten aus folgender Thatsache: l880 wurden 23 
Rpsen- Ausstellungen in den grösseren Städten Englands abgehalten. Für 
seine segensreiche, fruchtbringende Thätigkeit spricht das Entstehen von 
30 neuen werth vollen englischen Varietäten. Seinem regen Eifer ist es zu- 
zuschreiben, dass der Sinn für Blumenzucht, mit seinem veredelnden Einfluss 
auf Herz und Gemüth, immer tiefere Wurzeln im englichen Volke fasst, wie 
der hochverdiente Präsident des Vereins, Reverend Keynold Hole, in 
seinem Werke über Rosen so warm und überzeugend schildert. 

und was den Engländern, denen wir ja so gern Kälte, Engherzigkeit, 
Krämersinn vorwerfen, so glänzend gelungen ist, das sollte uns Deutschen, 
die wir uns doch Begeisterung für alles Gutes und Schöne, üneigennützigkeit 
und Gemeinsinn und andere edle Vorzüge zuschreiben, unerreichbar sein? 
Haben wix unter unseren Rosisten nicht Männer wie Harms, Nietner, 
Lebl, Lambert & Reiter, v. Gremp, Schwab, Graf Attems, W^essel- 
höft, Jacobs, V. Kalkstein, Finger, Deegen, Schultheiss, Pfitzer, 
Wen dt, Riedel, KöUe, Niepraschk und viele Andere, die die Rangüste 
nennt, die den Leitern des englischen Vereins an Sachkeuntniss, Erfahrung 
und Begeisterung völlig ebenbürtig sind? 

Nun wohlan, an's Werk! So fordere 
meiner Mitarbeiter 
Züchter und Pfleger der Rose 



nd beitreten zu w^ollen 
Damit ich im Laufe dieses bommers eine konstituirende Versammlung 
einberufen kann, bitte ich um folgende Benachrichtigui.gen: l. Beitritts- 
Erklärung. 2. Vorschlag einer Stadt, in welcher der erste Kongress statt- 
finden soll. Erfurt ist zunächst genannt worden, auch Potsdam, Charlottenburg, 
Dresden und Hamburg. Ob mit der ersten Versammlung auch zugleich eine 
Rosen - Ausstellung verbunden werden soll? 4. Ob die ganze Angelegen- 
heit einstweilen in meiner Hand liegen soll, oder ob Rosisten hinzugezogen 
werden sollen ? Im Falle letzteres stattfinden soll, bitte ich um Angabe 

Vorläufiges Prograi 

L Züchtung deutscher Rosen-V 

2. Förderung der heimischen Rosenkultur. 

3. Veranstaltung von Rosen -Ausstellungen in bestimmten Zeiträumen, 
und zwar abwechselnd im Norden und Süden Deutschlands. 

4. Abhaltung von Kongressen deutscher Rosisten, die mit Ausstellungen 
zu verbinden sind. 



Zwecke, 



Journals oder eines Jahrbuches, das die Inter- 
deutschen Rosenhandels vertritt und belehrende und 



anregende Aufsätze über Zucht, Kultur, Sortenwahl etc. 
litte alle Rosisten, die Redaktionen der Garten -Zeitunj 



Ich bitte alle Rosisten, die Redaktionen der Garten -Zeitungen, deren 
freundliches Entgegenkommen ich stets zu schätzen gewusst, und alle Lieb- 
haber, in ihren Kreisen nach Kräften für die Bildung obigen Vereins thätig 

Fr. Schneider fl. in Wittstock. 

E^ i n 1 a cl «LH g". 

Unter Bezugnahme auf vorstehend veröflfenl lichten Aufruf gestatten sich 
die Unterzeichneten, an die deutschen Rosisten das Ersuchen zu richten, 
sich bei Wahl eines Versammlungs- bezw. Ausstellungsortes für Erfort ent- 
scheiden zu wollen. Wir geben die Zusicherung, dass wir mit allen Kräften 
bemüht sein werden, sowohl die Versammlung, 
Ausstellung in jeder nur möglichen Weise 



Ernst Benary. 

Fp. Ad. 

Ferd. Jühlke Nachf. 



Berichtigung 
der Statistik des Gartenbaues in Guben. 

Wir erhalten folgendes Schreiben: 

Geehrte Redaktion! 

„Aus Veranlassung eines Abdruckes der dem Gubener Tageblatt 
entnommenen „Statistik der landwirtbschaftlichen Bodenbenatzung 
der Gubener Feldmark von 1878« im Februarheft der Monatsschrift 
Seite 86 von 1881 sieht sich der Gartenbau -Verein zu Guben zu 
einer Berichtigung genöthigt. 

Als hier im Tageblatt die beregte Statistik erschien, war man 
freilich über die Angaben erstaunt und forschte dem Urheber nach. 
Dieser, ein erst neu eingetretener höherer städtischer Beamter, hatte 
einen alten Weinbergsbesitzer, der längere Jahre schon Stadt- 
verordneter und vereideter Landtaxator, zu Rathe gezogen, und 
letzterer hat die Angaben gemacht, die wir als der Wahrheit nicht 
im Entferntesten nahe kommend, hier berichtigen wollen. 

Was den alten Herrn dazu veranlasst, ob wirklicher Glaube, 
oder, wie man es nicht nur hier, sondern überall findet, die Furcht 
vor neuen Steuern, welche ja nach den Erfahrungen, die man täglich 
macht, nicht ganz unbegründet, die Veranlassung war, ist nicht 
erörtert worden, um den betreffenden Beamten, der sich inzwischen 
von der Unrichtigkeit überzeugt hatte, nicht zu kränken, da er selbst 
ja vollkommen schuldlos war. Auch schadeten die falschen Angaben 



Da nun aber diese Statistik durch die Monatsschrift eine Weiter- 
verbreitung gefunden, sehen wir uns genötliigt, eine Berichtigon^ 
eintreten zu hissen. Freilich kann auch diese keinen Anspruch auf 
vollkommene Richtigkeit machen, da uns jede amtliche Hilfe fehlt, 
aber wir gelangen wenigstens zu einem der Wahrheit nicht zu fern 
stehenden Resultat. 

Die auf Seite 86 im Februarheft raitgetheilte Statistik von 1878 
giebt im Ganzen 13,000 Obstbäume an, als: Aepfel, Birnen, Süss- 
kirschen, Pflaumen, Wallnussbäurae, dazu einen Gesammt-Obstertrag 
von 31,770 kg. Bei Kirschen heisst es: Kirschbäume 4500 Stück 
und 12,800 kg Kirschen. Dagegen wird aber vom Juli bis August 
1879 amtlich als exportirt nachgewiesen: Kirschen, lediglich Süss- 
kirschen, durch die Niederschlesich-Märkiscbe Eisenbahn nach Berlin 
15,092 kg, nach Cottbus 29,540 kg; ausserdem werden durch die 
Händler als Passagiergut per Bahn fast die gleiche Menge mit- 
genommen. Rechnen wir rund 60,000 kg reine Süsskirschen- Ausfuhr, 
so dürfte diese Summe noch bedeutend unter der Wirklichkeit sein. 
Dazu kommt aber noch, dass eine Stadt von 25,000 Einwohnern 
doch selbst ein bedeutendes Quantum verbraucht, welches mit täglich 
1000 kg, d. h. auf 25 Personen 1 kg, doch wohl nicht zu hoch 
veranschlagt ist. Für den Monat ergiebt das 30,000 kg und macht 
mit den obigen 60,000 zusammen 90,000 kg. Dazu die auf den 
umliegenden Städten und Dörfern vertriebenen mit etwa 10,000 kg 
veranschlagt, ergiebt rund 100,000 kg pio Monat Die Kirscben- 
ernte dauert aber sechs Wochen, demnach für die ganze Zeit 
150,000 kg allein Süsskirschen. Die Birnenernte ist nicht genauer 
anzugeben, bei den Aepfeln aber lässt sich eher etwas durch 
Zahlen beweisen. Zur Zeit, als der Apfelweingenuss im Flor war, 
also vor etwa 15 Jahren, bereitete jeder Einwohner wenigstens den 
Apfelwein, den das Haus verbrauchte, selbst. Aber es gab auch 
Apfelweinfabrikanten, die für den Verkauf kelterten; unter diesen 
sind wenigstens drei bekannt, die jährlich bis 20,000 Quart und 
viele, die 1000—5000 Quart pressten. Da hier gegen zwölf Pressen 
für Geld und zur Zeit der Ernte monatelang Tag und Nacht 
arbeiteten, jeder Presssatz aber 6—12 Sa(k Aepfel enthält und 
jeder Satz etwa 3—4 Stunden bedarf, um zu Most verarbeitet zu 
werden, so dürften die Pressen pro Monat (bei zwölf täglichen 
Arbeitsstunden) 7440 Sack, jeder ä ca. 40 kg, d. h. 297,600 kg Aepfel 
verarbeitet haben, dazu noch das, was hier verbraucht, was man auf 
ca. 1000 kg schätzen kann. 

Pflaum en entziehen sich ebenfalls der Berechnung, wenn uns nicht 
die Eisenbahnverwaltung mit ihren Frachtlisten zu Hilfe kommt. Da- 
gegen lassen sich die Wallnüsse einigermaassen schätzen, da man die 
Bäume zählen kann, indem sie nur an den Wegen stehen. Die mit Obst 
bepflanzten Berge sind von mehr als 50 Wegen durchzogen, manche wohl 
von 1 km Länge. In einigen sind die Wallnussbäume gezählt worden 
und fand man darin 50 bis 100 Stück, meistens 70—80. Nehmen 
wir die geringste Zahl also 50 Stück, so ergiebt dies für 50 Weg© 
12 



— 178 — 

2500 Bäume anstatt der 200 der Tageblatt-Statistik. Rechnet man 
den Ertrag im Durchschnitt auf 50 Schock, das Schock zu ^ kg, 
so würden ca. 60,000 kg Wallnüsse geerntet werden. Freilich ist 
dies etwas hoch gerechnet, aber wir sind bei der Baumzahl schon 
sehr nachsichtig verfahren und lassen wir noch 10,000 ab, um runde 
Summen zu erhalten, so blieben immerhin noch 50,000 kg Nüsse 
und nicht 750 kg, wie der angeführte Bericht sagt. 

Es bliebe uns nun noch zu beweisen übrig, dass die in der 
Statistik angegebene Zahl der Obstbäume eine der Wirklichkeit in 
keiner Weise entsprechende ist. Da uns keine genaue Messung der 
dem Obstbau gewidmeten Fläche bekannt ist, so müssen wir freilich 
aufs Gerathewohl schätzen. Als „Gärten« sind zur Steuer veranlagt 
2155 Morgen, hierunter sind jedoch nur die alten Weinberge verstanden, 
die neu angelegten Obstplantagen, deren Terrain entschieden grösser^ 
wenn nicht doppelt so gross ist werden noch als „Feld" bezeichnet. 
Um nun von der Wahrheit nicht zu entfernt zu bleiben, nehmen wir für 
beide zusammen vom Stadtgebiet (8316 ha ä 4 Mrg. = 33,264 Morgen) 
die runde Zahl von 5000 Morgen, also ca. den sechsten Theil. Eine 
genaue Trennung der Obstanlagen der Stadt von denen der das 
Obstterrain begrenzenden, daran und darin liegenden Dörfer Germers- 
dorf, Mückenberg und Besitz lässt sich nicht gut durchführen, dem- 
nach kann bei obiger Schätzung auch etwas auf diese fallen, muss 
aber hier als zu Guben gehörig mitgerechnet werden. Es sind nun 
von uns auf verschiedenen Böden und Lagen die Bäume gezählt 
worden. Da ergab sich, dass der Morgen mit 10 bis zu 100 trag- 
baren Bäumen aller Art bestanden ist. Würden wir nun auch nur 
die Hälfte, nämlich 50 Bäume pro Morgen annehmen, so würde dies, 
anstatt 13,000 Bäume, wie die Statistik annimmt, 250,000 tragbare 
Obstbäume ergeben. 

Ferner können wir noch mittheilen, dass in diesem Jahr der 
Verein allein 1000 Pfirsichbäume bestellt hat. Diese Obstart, sowie 
auch die Aprikose und die saure Kirsche, die ja auch ziemlich reich 
angebaut werden, sind bei der Statistik gar nicht in Erwägung 
gezogen und sie liefern doch mitunter ein gar nicht zu verachtendes 
Ernteergebniss. So kostete z. B. von Pfirsichen der Berliner Scheffel 
1879 etwa zwei Mark; saure Kirschen wurden 1866, da die 
Bahn gerade während der Kirschenzeit nur für Truppentransporte 
benützt werden konnte, der Handel mit Obst aber ganz darnieder 
lag, das Pfund mit nur 3 Pfg. bezahlt. 

Dies zur annähernden Richtigstellung der Statistik. Weshalb 
die Monatsschrift diese Statistik veröffentlichte und sich nicht an 
das Mitglied des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues in den 
Königl. Preussischen Staaten, dessen Organ sie ist, den Gartenbau- 
Verein zu Guben wandte, wenn sie etwas aus Guben bringen wollte, 
bleibt uns noch ein Räthsel; auch wünschten wir gern zu erfahren, 
durch wessen Hand ihr das Tageblatt zugegangen, um daraus zu 
ersehen, ob damit ein böser Zweck verbunden war. 

Soeben kommen uns noch die Angaben eines Obstweinpressen- 



Besitzers zu und zwar vom Jahre 1878, desselben Jahres, in welchem 
nach der Statistik im Ganzen 31,770 kg Obst hier geerntet sein 
sollen. Dieselben besagen, dass im genannten Jahr auf zwei Pressen 
20 Satz saure Kirschen, ä Satz 350 1 Saft gepresst wurden, wozu 
etwa 8000 kg saure Kirschen nöthig sind Ferner wurden auf diesen 
beiden Pressen im selben Jahr 141 Satz Aepfel (ä 250 1 Most) ge- 
presst. Rechnen wir nur das Gewicht dos Mostes, ohne die Rück- 
stände zu berücksichtigen, die gewiss ein Drittel des Ganzen be- 
tragen, so erhalten wir, wenn wir 1 1 Most nur zu 1 kg annehmen, 
36,150 kg Aepfel, die hier verarbeitet wurden. Ausserdem wurden 
noch 13 Satz ä 150 1 Wein gepresst, wozu mindestens 1950 kg Wein- 
trauben nöthig. Zusammengenommen würden diese beiden Pressen 
also schon ca. 45,000 kg Obst erfordert haben und ähnlich würde 
es sich für die übrigen zehn Pressen gestalten. 

Nun, erklärt wurde schon, wie es kam, dass solche falsche 
Angaben gemacht wurden. Wir hoffen, dass unsere Berichtigung im 
Vereinsorgan Aufnahme finden und somit der Obstbau Guben's in 
ein besseres Licht gestellt werden wird. 

Nachschrift der Redaktion. Das Gubener Tageblatt wurde 
uns s. Z. per Kreuzband, ohne Angabe des Absenders, zugestellt. 
Wir glaubten darin eine liebenswürdige Aufmerksamkeit unseres 
Mitgliedes, des Gartenbau-Vereins in Guben, zu erblicken und 
nahmen natürlich keinen Anstand, die ganz offiziellen (noch dazu 
blau angestrichenen) Zahlen abzudrucken. Mit Vergnügen haben 
wir nun aber obige Berichtigung aufgenommen, da sie ja geeignet 
ist, die hohe Bedeutung von Guben's Obstbau aufs Beste zu illustriren. 
Man sieht aber aus dem Ganzen wieder, wie sehr die gärtnerische 
Statistik noch im Argen liegt, und wollen wir hoffen, dass endlich 
auch einmal bei uns darin Wandel geschafft werde. 



Prioritätsnanien in der Familie der Pomaceen. 

melanchier asiatica K. Koch (1869) Dendrologie I. p. 180. 

„ Botryapium Seringe (1825) in DC Prodromus II. p.632 

„ ovalis » » » » y» 

rotundifolia K. Koch 1. c. p. 178. 
„ sanguinea Seringe „ 633. 

otoneaster aestivalis Wg. (1874) Linnaea Bd. 38 p. 202. 



crenulata „ „ » 

spathulata „ „ „ 

3 apiifolia Spach (1834) Bist. nat. II. p. 6 

Azarolus Willd. (1809) Enumerat plant. 

berberifolia Wg. 1. c. p. 125. 

cocciuea Willd. „ 523. 

Grus Galli „ »522. 

cuneata Wg. y, 141. 



Mespiluselliptica K.Koch 


. c. p 


140 




monogyna Willd. 




524 




nigra 




524 




pcntagyna K. Koch 




154 




pinnatifida „ 




154 


(Crataegus Bunge). 


punctata Willd. 




524 




rivularis Wg. 




137 




„ sangüinea Spach. 




62 




tomentosa Wg 




129 




Phalacros cordatus 




165 




Pirus Ringo 




37 




Sorbus alriifolia 




58 




„ arbutifolia K. Koch 




185 








196 




" gracilis Wg. 




74 




„ lanata K. Koch 




196 




„ sambncifolia Wg. 




73 




„ trilobata 




69 




Berlin, im Februar 188 




Th. Wenzi 


Anmerk. d. Red.: Ein 


Artiicel über die Blflthezeit der 



schiedenen Poaaaceen desselben Verfassers musste leider aus Mangel 
an Raum für die Mai-Numraer zurückbleiben. Wir bitten unsere 
verehrten Leser, behufs des Vergleichs inzwischen auch Notizen über 
die Blüthezeit derselben machen zu wollen. 

Neue Kartoffelsorten. 

Vom Rittergutsbesitzer A. Busch in Gr.-Massow, Kreis Lauenburg i. Pomm. 
(Hierzu 2 Abbildungen.) 
Die letzten Jahre mit ihren überaus häufigen und starken 
Kiederschlägen haben in vielen Gegenden die Kartoffelernte in hohem 
Maasse geschädigt, und wiederum bewiesen, wie ausserordentlich 
verschieden die Widerstandfähigkeit gegen Krankheit und Fäulniss 
bei den verschiedenen Sorten ist, und welchen EinHuss dieselbe auf 
den Ertrag auszuüben vermag. Meine langjährigen Erfahiungen bei 
einem Massenanbau von über 200 verschiedenen Sorten haben nun 
die bisher festgehaltene Ansiebt, dass rothsi-halige Kartoffeln die 
widerstandsfähigsten und ertragreichsten seien, widerlegt, und stelle 
ich heute die Behauptung auf, dass Sorten mit sogenannter schmutzig 
weisser resp. gelblicher Schale sich in den letzten Jahren vorzugs- 
weise bewährt haben, dass aber die Farbe des Fleisches keinen 
wesentlichen Einfluss ausübt. Von den mancherlei empfehlenswerthen 
Sorten nenne ich heute drei neuere, welche überall, wohin ich sie 
schickte, dass grösste Aufsehen erregten, und zwar für die ver- 
schiedensten wirthschaftlichen Gebrauchszwecke; eine Sorte für 
Brennereien und Stärkefabriken, eine feine Tafelkartoffel, endlich 
eine durch kolossale Ergiebigkeit sich auszeichnende Wirthschafts- 
oder Futterkartuffel. 



I. Champion. 
Nachdem im Herbst 1879 alle grösseren landwirthschaftlichen 
Blätter die Kunde gebracht hatten, dass dem Züchter dieser bewähr- 
ten Sorte, Mr. John Nicoli durch schottische Farmer ein Ehren- 
geschenk übermittelt sei, verschafite ich mir ein grösseres Quantum 
davon durch das Haus Button and Son in Reading, von welchem 




der Champion. 

an über 150 Landwirthe ver- 
dortigen Geschäfts- 
. Ersterer liefert* 
schöner gesunde 

Knollen im Herbste ab; ich selbst erzielte von neun Zentner zirka 
300 Zentner Ernte, Die Kartoffel ist rund in fast allen Exemplaren 
bis zur Faustgrösse, und in den grösseren Exemplaren wird sie 
etwas cylindrisch eckig. Die Schale wird hellgelb im Lehm und 



Sand, schmutzig grau in Humus-, Garten- und lehmigem feuchten 



Sandboden, das Fleisch ist hellgelb 




Versuchsanban, 



kocht leicht und mehlig und 
hatte im Jähre 1880, 
wo Daberkartöifeln mit 
18— 19 Prozent Stärke- 
gehaltfürsehr gutgelten, 
einen Stärkegehalt von 
22 Prozent (1,114 spez. 
Gewicht). Bei ihrer voll- 
kommenen Gesundheit 
neben obigen Eigen- 
schaften ist sie als ganz 
vorzügliche Kartoflel für 
Stärkefabriken, Brenne- 
reien, und als Speise- 
kartoflfel für Gegenden 
mit schwerem Boden 



Krautbildung das Auf- 
kommen] edenünkrautes 
verhindert. Das land- 
u. forstwirthschaftliche 
Vereinsblatt für Lüne- 
burg theilt folgenden 
vorgenommen wurde, mit: 



? 


Name 

des 

Local -Vereins 


Champion 


Morgens. 

Rosen- 
Kartoffel 


Daber'sche 


nnenvon: 




IJ^Jiroal-.-^- 


orf 


16 
11 

8 
8 


240 

s 

800 
540 
400 
20 
400 
000 

640 

160 

600 


13,364 


5,538. 
9,120 


8086 
12,695 








1M60 
13,200 
6,120 
8,600 

ii 

15,840 
5,920 
5,040 


5'322 


10,500 
11,040 
4,800 

7,610 
11,040 




Dablenburg '. 

Tostedt . . 
Celle . 




6,0ü0 
3,900 

7;200 

igi 

3:720 
8,760 
13,440 
4,U00 
2,640 










Lehrte . . . 
Lüchow . . 





Aus den vorstehenden 17 Anbau -Versuchen ergiebt sich nun für 
e vier Kartoffeisorten pro Morgen eine Durchschnittsernte von 



1) Champion . . . 11,970 Pfd. 

2) Rosen kartoff ein . 8,786 „ 

3) Daber'sche . . 6,786 „ 

4) Schneeflocke . . 7,148 „ 

II. Magnum bonum. 
Diese seit vier Jahren von dem berühmten englischen Saat- 
geschäft Sntton and Sons in den Handel und durch mich nach 
Deutschland gebrachte Kartoffel hat sich bisher ebenfalls vollständig 
bewährt als durchaus gesund und reichlohnend. Es ist eine glatte 
hellgelb bis schmutzigweiss aussehende Nierenkartoffel, an einem Ende 
etwas spitzer, an dem anderen stumpfer, mit ganz flachen Augen, 
schneeweissera Fleische, welches vollständig mehlig kocht, und einen 
ganz vorzüglichen Wohlgeschmack hat. Dabei ist diese Kartoffel 
sehr ergiebig, ihre zahlreichen mittelgrossen Kartoffeln sitzen dicht 
um den Stock. Das Kraut wächst mächtig in die Höhe, ist dunkel- 
grün mit violetter Blüthe und verhindert durch seioe sofortige sehr 
üppige Entwickelung das Entstehen von Unkräutern. Die sechste 
internationale Kartoffelausstellung in London erklärte am 22. Septem - 
ber 1880 diese Magnum bonum und die Champion für die beiden 
besten existirenden Kartoffeln. 

III. Imperator. 

Der als ausgezeichneter Züchter bekannte Handelsgärtner Richter 
hat uns mit dieser Sorte eine Wirthschafts- und Futter kartoffel ersten 
Ranges geliefert, welche aus Kreuzung von Early Rose mit Pater- 
son's berühmter Victoria, wie viele andere seiner Züchtungen ent- 
standen ist. Bei den ausserordentlich verschiedenen Ernteergebnissen 
je nach Bodenqualität, Düngung, Kulturzu&tand des Landes und 
Bearbeitung der Kartoffel während der Vegetation will ich mich 
jeder Angabe des Ertrages dieser wunderbaren Kartoffel enthalten, 
und nur erwähnen, dass Herr Rittergutsbesitzer Rimpau in Cuarau 
auf den Dämmen von derselben pro Morgen 3076 Pfund, auf ge 
mergeltem Höhensande 2706 Pfund Stärke geerntet hat, und mein 
Nachbar, Herr Fliessbach, der dieselben im vorigen Jahre von 
mir bezog, mir im Herbste ein Kistchen voll davon schickte, \^ eiche 
2—3 Pfund Gewicht das Stück hatten. Auch bei dieser Kartoffel 
trifft dasselbe zu wie bei der Champion, dass die mittleren Kartoffeln 
rund sind, die grösseren länglich eckig werden. Sie hat sich eben- 
falls auf schwerem Boden vollkommen gesund erhalten, hat weisse 
Hautfarbe, weisses Fleisch und giebt auf allen Bodenklassen verhält- 
nissmässig hohe Erträge. Ein recht weites Pflanzen ist bei dem ausser- 
ordentlichen Knollenansatz und der mächtigen Krautentwickelung 
namentlich auf den besseren Bodenklassen empfehlenswerth. Im- 
perator ist eine deutsche Züchtung ersten Ranges. 

Selbstverständlich sind alle drei Sorten in vorzüglichster Qualität 
bei vollster Garantie der Echtheit durch mich zu beziehen. 



Preise: 

Champion, schottische, echt garantlrt, und direkt aus erster 
Hand bezogen, 1 Zentner 25 Mark, 10 Zentner 200 Mark franko 
Lauenburg in Pom. und Gransee an der Nordbahn. 

Champion, englische Marktwaare, 1 Zentner 12 M., 10 Zentner 
100 Mark franko Damburg und Stettin von meinen Lagerkellern. 

Magnum bonum, 1 Zentner 18 Mark, 10 Zentner 150 Mark 
franko Lauen bürg i. Pom. 

Imperator, 1 Zentner 20 Mark, 10 Zentner 150 Mark franko 
Lauenburg in Pommern und Gransee an der Nordbahn. 

Gr. -Mass ow bei Zewitz i. Pom. 



Der Horburger Eiesenspargel. 

Im Juni 1877 erhielt ich durch den Verein zur Beförderung 
des Gartenbaues in den Königlich Preussischen Staaten von Herrn 
Obrecht in Horburg (Elsass) 125 Stück Spargelpflanzen, welche 
trotz des späten Pflanzens mit geringem Äusfaü gut gewachsen sind. 

Nachdem nun die Spargelpflanzen nach Obrecht'scher Anweisung 
gepflanzt und drei Jahre kultivirt wurden, ist derselbe im vierten Jahre 
gestochen worden und hat ein überaus erfreuliches, lohnendes Re- 
sultat geliefert. Beispielsweise fähre ich an, dass fünf Stiele ein 
Pfund (500 gr) wogen. Nach diesem Resultat kann ich den Spargel 
empfehlen und da ich denselben noch rein in der Sorte habe, so 
bin ich erbötig, Pflanzen käuflich abzugeben, 100 einjährige Pflanzen 
zu fünf Mark. 

Lichtenberg A. Drawiel, 

bei Berlin 0. Kunst- und Handelsgärtner. 

Die internationale Reblauskonvention. 

In der Reichstagssitzung vom 6. April d. J. ist die gegen die 
Reblauskonvention eingegangene Petition des Prof. Dr. v. Ahles 
zur Berathung gekommen und, dem Antrage der Kommission gemäss, 
nachdem noch die Herren Abgeordneten Ackermann, v. ßehr- 
Schmoldow und der Herr Regierungskommissar Weymann sich 
dafür ausgesprochen, dem Herrn Reichskanzler zur Kenntnissnahme 
überwiesen worden. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: 

„Der hohe Reichstag wolle sobald nur möglich dahin wirken, 
dass die internationale Reblauskonvention vom 17. September 
1878 so abgeändert werde, dass die Ein- und Ausfuhr von 
Pflanzen mit Erdballen — ausgenommen Reben — unter den 
gleichen Bedingungen gestattet werde, wie solche bei Pflanzen 
ohne Erdballen bereits vorgeschrieben sind." 



Die ßosentreiberei in St. Petersburg. 

Von F. Lohde, Garten-Ingenieur in Riga. 

Die Rose ist zu allen Jahreszeiten in St. Petersburg eine beliebte 
und gesuchte Handelspflanze, mit deren Kultur s^ich hier vorzugs- 
weise die Handelsgärtnereien befassen. Auch in den Kaiserlichen 
und in Privatgärtnereien wird die Rosenkultur und namentlich die 
Treiberei mit vielem Erfolg gehandhabt. Der Bedarf an abgeschnittenen 
Rosen und an Rosen in Töpfen ist namentlich im Winter ein be- 
deutender, und erzielt die abgeschnittene Blume stets einen höheren 
Preis als die der Camellie, welche man zur Bliithenproduktion meist 
im freien Grunde der Gewächshäuser kultivirt. Abgeschnittene 
Blumen aus Frankreich werden hier nur selten bezogen, und zwar 
fast nur zu festlichen Gelegenheiten seitens der französischen Ge- 
sellschaft. Der Import aus dem Süden ist somit kein bemerkbarer 
und durch die grosse Entfernung fast aufgehoben. Für eine ab- 
geschnittene Rose wird im AVinter je früher oder je später ein Rubel bis 
herab zu 25 Kopeken bezahlt. Aber auch im Sommer erzielt sie oft den 
Preis von 35 Kopeken pro Stück. Die Topfrosen bewahren aber 
stets je nach Anzahl ihrer Knospen, weniger in Berücksichtigung 
der Sorte, den Preis von 2—5 Rubel pro Stück. Den Konsum 
befördert hauptsächlich die schöne Sitte der gegenseitigen Beschenkung 
mit blühenden Pflanzen während des Osterfestes. Ausserdem ver- 
anlasst die Länge des AYinters, sich mit Blumenschmuck im Zimmer 
zu umgeben. 

Wenn wie in Berlin so auch hier die Kultnr säramtlicher 
Winterblüher verfolgt wird, so lassen doch einige Kulturen derselben 
in St. Petersburg so Manches zu wünschen übrig. Die Primula 
«hinensis fl. pl. z. B. scheint hier nicht recht gedeihen zu wollen. 
Sie verlängt zu ihrer Entwickelung Sonne, welche die kurzen Tage 
im Winter ihr nicht gewähren können. Mit der Kultur der Erica- 
ceae ferner befasst man sich nicht gern, Erica hiemalis und gracilis 
werden meist ans dem Auslande bezogen. Dagegen wiederum ist 
Olea fragrans recht beliebt und weit verbreitet; Maiglöckchen und 
alle Arten von Blumenzwiebeln werden in grossen Massen getrieben. 
Treibveilchen werden nur in sehr geringem Maasstabe kultivirt. 

Das Verdienst, die Rosenkultur und ganz besonders das Treiben 
der Rosen eingeführt zu haben, gebührt dem Herrn Hofgärtner 
Fr eundlich in Zarskoje-Sselo, welcher bereits seit Dezennien die 
Spezialkultur von Rosen betreibt und wohl alljährlich 12—16,000 
Stück getriebener Rosen in Töpfen in den Handel bringt. Der 
Pächter dieser Erzeugnisse ist der Blumenhändler Herr Eilers, 
welcher in seiner jetzt neu eingerichteten Gärtnerei auf Kamini- 
Ostrow in grossartigem Maassstabe auch die Rosenzucht betreiben 
will. Ausserdem befassen sich hauptsächlich mit dem Treiben der 
Rosen die Handelsgärtnereien der Herren Stegmann-Kamini-Ostrow, 
Gradtke und Rempen -Zarskoje-Sselo. Es ist zu bemerken, dass 



das von Jahr zu Jahr steigende Angebot von blühenden Rosen auch 
die Nachfrage in gleicher Progression zunehmen lässt. 

Das Kulturverfahren bei der Rosentreiberei sei im Folgenden 
kurz erläutert. Als Wildling dient vorzugsweise, fast i 
Rosa canina (der Handelsgärtner Herr Daugull ir 
wendet mit vielem Erfolg als Wildling Rosa 
zwar zwei- oder mehrjährige Sämlinge, welche den Winter selbst 
an geschützten Orten unter sehr starker Bedeckung nicht immer 
aushalten. Eine Sommerveredelung findet nicht statt, denn selten 
kommt bei der Okulation das Auge zum Treiben oder das aus- 
treibende Auge bringt den Trieb nicht zum Ausreifen. Man 
beginnt daher schon im Winter mit der Veredelung, womöglich 
schon im November, und setzt diese bis ins späte Frühjahr fort. 
Man pfropft auf den Wurzelhals, meist in die Rinde. Der Wildling, 
im Herbst aus dem freien Lande genommen und in einem frost- 
freien Keller eingeschlagen, mit möglichst gutem Wurzelvermögen, 
wird gänzlich von Erde befreit, gereinigt, bis zum Wurzelhals 
zurückgeschnitten und durch die feucht-warme Luft des Warm- 
hauses zum Treiben angeregt. Die Erde, welche man in St. Peters- 
burg und Umgegend zu fast allen Topfkulturen mit vielem Erfolg 
verwendet, ist die hier so vorzügliche Rasenerde. Der Rasen, welcher 
hierzu meist aus Niederungen genommen wird, die durch an- 
geschwemmten Humus und. durch Viehweide stark gedüngt werden 
und oft gar keine Bodenkultur gehabt haben, giebt, in Stücken von 
10—15 cm Stärke abgeschält, nach Verrottung derselben eine für 
die meisten Pflanzenkulturen sehr brauchbare, nahrhafte Erde. Mit 
Ausnahme der die Haideerde liebenden Pflanzen und der parasitischen 
Orchideen werden hier alle Kulturen in dieser Erde oder in deren 
Mischungen betrieben. Die Häuser, in welche die Veredelungen zur 
Aufsteilung behufs des Antreibens gelangen, sind in Bezug auf den 
Winkel des einseitigen nach Süden und Osten geneigten Glasdaches ver- 
schiedentlich konstruirt. Zum Frühtreiben wird ein steilerer Winkel, 
meist 36'' angewendet. Einige von den früh veredelten Rosen treiben 
sofort kräftige Blüthen und sind dann schon marktfähig. Die 
übrigen werden, wenn Nachtfröste nicht mehr zu befürchten sind, 
ins freie Land ausgepflanzt, bis über die Veredelungsstelle, damit 
das Edelreis auch Wurzeln schlage. Bereits im August beginnt ihre 
Vorbereitung zum Treiben, um vom November ab schon blühende 
Rosen haben zu können. 

Mit Vorliebe werden folgende Sorten benutzt: Bourbonrosen: 
haupsächlich Mistress Bosanquet, weniger Louise Odier, Reine de l'Isle 
Bourbon. Roses remontantes: Anna Alexieff, la Reine, Souvenir 
de la reine d'Angleterre, Elisabeth Vigneron, la France, Duchesse 
de Norfolk, Mme Eugene Petit, Geant des Batailles, Hermosa, John 
Hopper, Triomphe de Texposition, Jules Margottin. Thea: Devonien- 
sis, Gloire de Dijon, Souvenir de la Malmaison, Marechal Niel. 

Bei der Wahl der Sorten aus der Gruppe der Theerosen verfährt 
man übrigens ganz unumschränkt. Als Regel der Auswahl der Sorten 



zum Fröhtreiben gilt, die dicht gefüllten zu vermeiden, welche sich 
beim Treiben unvollkommen öffnen, wenn nicht gar die Blüthen 
ganz in der Knospe stecken bleiben. Die Rosen werden in an- 
gemessene Töpfe (gewöhnlich 20 cm hoch) gesetzt und bis zum 
Topfrande in die Erde gebracht und zwar in hohe Kästen, welche 
volle Sonne haben, jedoch vor Eegeu und Thau durch Auflegen der 
Fenster geschützt sind. Ausser einem einmaligen Durchgiessen beim 
Einpflanzen wird 2 — 3 Wochen lang kein Wasser verabfolgt. Nach 
dem auf diese Weise angestrebten möglichst vollkommenen Ausreifen 
der Triebe und der frischen Bevvurzelung überlässt man durch 
Entfernen der Fenster die Rosen allen Witterungseinflüssen des 
Spätherbstes. Einige Grade Frust befördern den Abschluss der 
Vegetationsperiode. Je nach dem Wuchs und Blüthenansatz werden 
tue einzelnen Sorten beschnitten und in wohlgereinigten Töpfen 
;iuf den mit dem Glasdach in gleichem Winkel aufsteigenden Stellagen 
plazirt. Letztere sind ca. 1,4 m von der Glasfläche entfernt, so 
dass die Spitzen der Triebe bei ihrer höchsten Ausbildung noch 
ca. 20—30 cm von derselben entfernt bleiben. Die Temperatur des 
Hauses hält man zuerst auf 8o E., steigt dann bei allmäliger Ent- 
wicklung der Triebe auf 10-12", höchstens 14*^; Nachts 2—3° niedriger. 
Fleissiges Lüften ist selbstverständlich; bei dem Einfluss der Sonnen- 
strahlen lässt man höchstens die Temperatur auf 22— 24» steigen, 
beim Lüften nicht unter 18^ fallen. So lange noch keine Blätter 
erscheinen, wird täglich zwei Mal massig gespritzt. Später, beim 
Hervorbrechen der Triebe in den Monaten Dezember und Januar, ist 
das Spritzen ganz zu unterlassen, und genügt, die Umgebung gleich- 
massig feucht zu erhalten. Allerdings sind die schon im Dezember 
blühenden Eostn nicht reichblüthige Exemplare, welche wie die im April 
fähig sind, 10—25 Blumen zu bringen, sie produziren deren dann nur 
höchstens fönf. Nach der Sonnenwende zum Treiben aufgestellte 
Kosen lassen immer einen besseren Erfolg erwarten. 

Um einen reichen Ansatz von Blüthenknospen zu erzielen, giebt 
das Zurückschneiden nach der ersten Blüthe bei Sorten, welche 
nicht zu den Theae gehören, ein günstiges Resultat, indem die sich 
entwickelnden Triebe, wenn sie gehörig im Herbst ausreifen, den 
reii-hlichsten Ansatz von Blüthenknospen machen. Es zeigt sich, 
dass die frühzeitig in den Wintermonaten wie oben angegeben ver- 
edelten und angetriebenen Exemplare nach erfahrenem Sommerschnitt 
bei angegebener Behandlung zum Treiben die geeignetsten sind und 
durch reichlichen Blüthenansatz lohnen. Da die Kultur der Hybriden 
von Rosa chinensis Jacq. im freien Grunde hier selbst hei der 
richtigen Wahl eines geeigneten Wildlings durch das Klima sehr in 
Frage gestellt wird, die zweite Blüthe bei den Remontant-Rosen fast 
nie erscheint, so giebt die beschriebene Behandlung eine künstliche 
Verlängerung der Vegetationsperiode, so dass die Wahl der sich 
zum Treiben eignenden Sorten erleichtert wird, wie auch in der That 
von Jahr zu Jahr Versuche die Zahl dieser Sorten immer mehr 
vergrössern. Bei der Anlage von Eosenpartien in den von mir in 



verschiedenen Gegenden der russischen Ostseeprovinzen ausgeführten 
Parkanlagen habe ich die anf Hochstämme von R canina L. veredelten 
mannigfaltigen ßosensorten in Aobetracht dessen, dass der Wildling 
den langen und strengen Winter selbst in geschützten Lagen und 
unter sorgfältiger Bedeckung nicht immer erträgt, in Körbe oder der 
besseren Haltbarkeit wegen in auch an den Seiten stark durch- 
löcherte Töpfe gepflanzt und mit diesen in die Erde gesenkt. Im 
Herbst werden dieselben, indem die aus dem Korb oder aus dem 
Topf herauslaufenden Wurzeln sorgfältig zusammengenommen werden, 
in einen Irostfreien Keller zu ihrer Ueberwinterung gebracht und 
die losen Wurzeln in den Sand eingeschlagen. 

So behandelte Exemplare, ohne Berücksichtigung der Sorten, 
haben bei einem leichten Antreiben im Winter bis ins späte Früh- 
jahr einen reichlichen und vollkommenen Blüthenflor entwickelt, 
wobei zn bemerken ist, dass die im Freien nicht zur Entwickelung 
gelangte zweite Blöthe nun bei der Kultur im Hause im Oktober 
6(hon zur Entfaltung kommt und sich sowohl bei den Remontanten 
wie bei den Theerosen ein ununterbrochener Flor den Winter hin- 
durch bis zum Frühjahr erzielen lässt. 

Weitere Berichte 

über die im Jahre 1880 zum Tersiich kultivirten 

Samen, Pflanzen und Knollen. 



t, sehr zu empfehlen. 
IS, noch nicht geblüht. 

es texana, eine aiifp:ewärmte alte Pflanze, 
• dergleichen, gut zum Herbstschnitt, 
ähnlich C, Pentagonia, nichts Besonderes, 
ariirte noch etwas. 



aypsopliila cerastioides, nictits werth. 



pacta, Zwerg -Var. der alten G., gu 

uiantDus i)iuQ]a'ius, jocn nicht geblüht 
Iberis ßibraltarica, nicht aufgegangen. 
Salat, Eroberer, sehr zu empfehlen. 

Sill>erkopf do. 

Pariser Zucker- do. 
„ Kaiser Trt^ib , scheint der alte kleine Montr6e-S. in sein, gut, 

„ mit Endivien-Geschmack, gut für Vi-h-Geschmack. 
Ulm er Wir s ig, pul und früh, alte bekannte Sorte. 
Rosenkohl, miitelhoher, selir gut. 
Erbse, Carters Strafagem pea, gut 

Giaiit emerald, sehr spät und von zu zärt'ichem Wüchse. 

, Dr. Mac Lean, niedrig, ziemlich Irüh, reirhtragend, ii\i.t. 

,, Ruhm von Cassel, au -gezeichnete Erbse in jeder B. Ziehung. 

„ Dippe';s frülieste, ebenso. 

„ B.iltnoral Castle, miitflfrüh, rpichtragend, put. 

,, Laxton's FjU basket, Schnabel-Erbse, niedr., früh, reichtr., sehr gu 

„ Carter's little wonder, reichtragend, gut. 

Balsamine, Camellien-, Ueischfarben , gut. 



Austeilung im Königl, 



Ausstellungen. 

lyerische Gartenbau -Gpselhcliaft: Allo;pmeine Blumen- 
Glaspalaste zu München vom 30. April bis 8. Mai. 
^uanuiLcnburg. Gartenbau -Verein: 16. Ausstellung von Pflanznn, 
n, Olist, Gemüsen, Garten -lostrumenten, Plänen etc. vom 7.— 11. Rlai 
m Flora -Etablissement. Anmeldungen sind an die Ordner Herren 
, Cbarlottenburg, Flora, und Maser, Hardeuberg-Str. No. 1 zu richten. 
. Gartenbau- Ausstellung, veranstaltet 



Mai bis Oktober a. c. 

— Kaufbeuren. Blumen- Ausstellung verbunden mit Ausstellung von 
Gemüsen, Gartengeräthen etc. vom 5. bis 9. Juni 1881. 

— Colberg in Pommern. 25. August bis 7. September: Al'getneine 
Provinzial- Gartenbau- und Gewen e-Ausstellung, umfassend zugleich iand- 
wirthschaftliche Maschicen, Geflügel-, Fisch- und Bienenzucht. 

— Karlsruhe. September 1881: Land-^s-Ausstellung der Gartenbau- 
Vereine lür das Grossheizogthum Baden Näheres später. 

— Kiel. Bei Veranlassung des 25jährigen Jubiläums des Gartenbai 



Oktober 1881 findet hier eine allgemeine 

— Bremen. Sommer 1882: Allg< meine Gartenbau - Ausstellung zur 
Feier des 25jährigen Bestehens des Bremer Gartenbau -V^ereins. 

forstwirthschafi liehe Ausstellung 
ung umfasst die landwirthschatt- 

_._ . ,, Geldpreise, Ehrenpreise, 

Medaillen und Diplome. Die Anmeldung der auszustellenden Gegenstände, 
zu welcher Anmeidebogen kostenfrei vom Ausstellungs-Bureau in Hannover, 
Friederikenplatz No. 3 zu beziehen sind, muss spätetens bis zum 1. Juüi d. J. 






Personal-Nachrichten. 

in Reutlingen am L^April d. J — ür. Lucas trat am I. I 
Hofgärtner Richter im Luisium bei Dessau in die Lehre. 

Von vielen Seiten veranlasst, hatten es melir.re Herren 
seine zahlreichen Freunde, Bekannte und Verehrer einzu'aden, dem Jubil: 
die Glückwünsche zu diesem Feste darzubringen und ihm ia dankbarer A 
erkennung seiner vielen und grossen Verdienst«; ein passendes Andenken : 



t ein schönes Album mit den Photographien seiner Gönner, 
Freunde und Bekannten nebst Autograph derselben als die passendste und 
gewiss auch dem Herrn Lucas selbst willk' mmenste Gabe gewählt worden 
Bei Uebergabe desselben stellte das Comite an Herrn Dr. Lucas das An- 
suchen, eine Selbstbiographie zu schreiben, welche dann sofort zum Drucke 
befördert werden soll. 

Sollten noch andere, dem Comite nicht bekannte Freunde und Gönner 
des Jutdlars übergangen worden sein und keine Aufforderung r™ '^= ' - 



^ f Johan 
bürg in Baden 1 
gestorben. 

— t Jean Francois Drege ist am 3. Februar d. J, im hohen Alter 
von 87 Jahren in Altena (Holstein) gestorben. Drege reiste in früheren Jahren 
längere Zeit als Sammler von Naturalien in Mexiko und sind mehrere schöne 
Pflanzen von ihm eingeführt worden, z. B. auch die nach ihm benannte 
Begonia Dregei. (Hamb. Garten- u. Blumen-Ztg. 



• Am 3. Januar d. J. verschied nach längerem Leiden im 53. Leben- 
jahre Herr Eduard Abel, der mit grosser Umsicht in Hernais ein Handels- 
Gärtnerei-Etablissement und eine Samen-Handlung mit grossem Fleisse und 
Umsicht leitete. (Wiener Gartenztg.) 

— Prof. Dr A, B. Frank in Leipzig ist zum Docenten für Pflanzen- 
Physiologie an der landw Hochschule in Berlin ernannt. 

— Prof Strassburger, Jena, hat die Professur der Botanik an der 
Universität Bonn übernommen. An seine Stelle tritt Prof Stahl von Strassburg. 

— Der Fürstlich HohenzoUern'sche Hofkiärtner Dreher in Krauchenwies 
wurde zum Fürstlichen Garten -Inspektor ernannt; derselbe hat vor seinem 
Eintritt in Fürstliche Dienste durch die geschmackvolle Anlage des Dult- 
Platzes in München eine gelungene Probe seiner Kunst abgelegt. 

(Wiener iU. Gartenztg.) 

Rezensionen. 

-- Prof Dr. A. B. Frank. Die Krankheiten der Pflanzen. Ein 
Handbuch iür Land- und Forstwirthe, Gärtner, Gartenfreunde und Botaniker. 
Verlag von Eduard Trewendt. Breslau 1880. gr. 8". 844 S. 149 Holzschnitte. 
Preis 18 M. Der Verfasser bezeichntt es in der Vorrede als Aufgabe des 
vorhegenden trefflichen Werkes, ein möolichst vollständiges Handbuch der 
Pflai zenpatholooie zu sein, nicht bloss Iür den Bofanikrr, sondern auch für 
alle diejenigen, welche sich praktisch mit der Kultur der Pflanzen beschäftigen. 
Es foll zugleich s-ich nicht bloss auf die sogenannten Kulturpflanzen be- 
schränken, sondern das ganze Pflanzenreich gleichmässig in Bett acht ziehen 
und ferner alle Krankheitsgebiete gleichmässig behandeln, nicht also z. B. 
die durch parasitische Pilze verursachten Pflanzenkrankheiten allein oder in 
irgend b' vorzugter Weise zum Gegenstand machen. Dem Praktiker erscheint 
(S vielleicht auf den ersten Blick nicht nothwendig, dass auch Krankheiten 
wild wachsender Pflanzen, ja sogar zum Theil ausländischer Nutzpflanzen 
mit berücksichtigt sind, aber mit Recht bemerkt der Verfasser, dass schon 
mehrfach Krankheiten an wild wachsenden Pflanzen auf nahe verwandte 
Kulturpflanzen übergegangen sind, was kür ftig auch noch weiter geschehen 
kann, dass ferner viele ansteckende Krankheiten auf wilden und Kulturpflanzen 
zugleich vorkommen, dass aber endlich die Zahl der Kulturpflanzen beständig 
zunimmt und manche Pflanze, die jetzt noch als wild wachsend gilt, in 
r Zeit in Kultur genommen werden kann (Beispiel ■ »'• • -.^ ^ ^ 



%e; 



Verfasser, seit längeren Jahren mit dem Studium der Pflanzen- 
krankheiten beschäftigt, hat selbstverständlich die neuesten Forschungen mit 
berücksichtigt, und da mit jedem Jahre namentlich auf dem Gebiete der 
durch Pilze veranlassten Krankheiten viel Neues hinzukommt, so hat sein 
Buch einen Vorzug vor allen früheren durch die Reichhaltitjkeit des Materials 
Dabei ist er aber als Sachkenner kritisch zu Werke gegangen, hat Vieles 
nachuntersucht und auch eine gross') Anzahl eigener interessanter For- 
schungen in Wort und Bild mitgetheilt. Nach jeder Eichtung hin wird man 
demnach das Franksche Werk als eine wahie Scliatzkammer betrachten 
können und wir möchten allen Praktikern, die sich von den wissenschaftlich 
ündeten Ursachen der Pflanzenkrankheiten eine genaue Kenntnis» ver- 
"" wollen, driijgend rathen, sich das Werk zuzulegen, es sollte 
darum auch in keiner gärtnerischen Bibliothek fehlen; dem Botaniker ist 
es geradezu unentbehrlich. Dadurch, dass der Verfasser auch die Bildungs-, 
Abweichungen, di*» sogenannten Monstrositäten mit berücksichtigt hat, ist 
der Umfang des Werkes sehr angeschwollen, aber gerade für den Gärtner, 



ergründ« 



besprochen, ebenso (iie Folgen unpassender Vored< lung, die Verstümmelung 
dt>r Sa-ren, die Verletzungen der Wurzeln, des Stammes und (ier Zweige, 
niimmifliiBs fltf R Wimdenheilung, durch Wundkork, durch Callua, 
hrlich besprochen ist, durch üeberwallung. 
ch Einflüsse der anorganischen Natur her- 
ur, Boden, Witterung): beim Kapitel Boden 

"Verunstaltungen der Pflanzen durch zu gute Ernährung etc. 

besprochen, die aber wohl oft auch auf unbekannten Ursachen beruhen 

4 Abschnitt: Krankheiten, durch andere Pflanzen veranlasst. 1. Theil. Para- 
sitische Pilze (umfasst nahezu 300 Seiten), 2. andere schädliche Pflanzen. 

5 Abschnitt: Krankheiten, welche durch Thiere hervorgebracht werden 
(Würmer, Milben, Insekten, Wild etc.). 

Das Register ist ein ausführliches und kann man bei Pilzen, da auch 
die Namen der Nährpflanzen mit aufgenommen sind, ziemhch leicht an- 
Dähernd finden, welcher Pilz wohl der Erkrankung der betr. Pflanze zu 
Grunde liegen mag, Dass einzelne Krankheiten noch nicht mit aufgenommen, 
erklärt sich wohl daraus, dass das Manuskript längst fertig gestellt war, ehe 
es im Druck erschien. Wir vermis-en z. B. eini(3,e Pilze auf Lupinen, welche 
allerdings der Lupine selbst nicht so schaden, um so mehr aber den Schafen, 
die sie fressen; sie sind freilich noch wenig bekannt. Im Register fthlt 
Rheum; bei den Polygoneen S. 464 ist Aecidium rumicis (das auch auf Rheum 
vorkommt) nicht gei.amt, während es S. 458 bei Puccinia arundinacea als 
dessen Aecidium aufgeführt ist. Die Anguillulen hätte Verfasser wohl etwas 
ausführlicher und mit Benutzung der neuesten Literatur behandeln können. 
Doch das sind Kleinigkeit! n, die den hohen Werih 'les Buches nicht beein- 
trächtigen; wir glauben, der Verfasser hat sich ein wirkliches Verdienst 
erworben und möchten sein Werk nochmals auf's Wärmste empfehlen, 

— Landwirthschaftliches Verkehrsblatt. Illustrirtes Organ für 
gegenseitige Aufklärung und Förderung der praktischen Landwirthe und der 
Vertreter der Landwirthschafts -Wissenschaft, wie deren Grund- und Hilfs- 
diziplinen. Vorherrschender Zweck: Sprechsaal für Frage und Antwort im 
grossen Style. Herausgegeben und redigirt von Dr. Albert Weh Ier in 
Leipzig. Erscheint monatlich zweimal. Preis pro Quartal 1 M. — 60 Kr. Oe. W. 
Inserate pro Petitzeile 3 i Pf. 

Die uns vorliegende Nummer der seit I.Januar erscheinenden Fachzeit- 
schrift weist ein Proi^ramm auf, das von Landwirthen volle Beachtung verdient. 
Der gediegene Inhalt, welcher in seiner Hauptbache, dem Sprechsaal, aus 
Original -Artikeln der hervorragendsten Fachmänner der Gegenwart besteht, 
deren es als Mitarbeiter über hundert uamentiich anführt und ausserdem 
allen Anforderungen, die man an ein derartiges Fachblatt stellt, auch in Bezug 
auf äussere Ausstattung Rechnung trägt, bürgen für einen gedeihlichen Fort- 
bestand desselben. Einen besonderen Reiz verleiht dem Blatte ein auf der 
Titelseite jeder Nummer erscheinendes, wirklich künstlerisch ausgeführtes 
Portrait nebst der Lebensskizze eii ' "" ' ' '^ '" ■— •-^>- -^-'*- 

und verwandter Gebiete zählendei 
mählich in den Besitz einer sonst i 

ischaftlichen Koryp ^ ^ 

Verkehrsblatt", das in Fachkreisen den grössten Beifall findet, 

Lesern auf das Angelegentlichste. Zu beziehen ist es durch alle Buchhand 

lungen, Postanstalten, Landbriefträger und direkt durch die Expedition. 



Inlialtt G43. Versammlung des Vereins zur Beförderunp; des 
Gartenbaues in den Königl. Preuss. Staaten. S. 145. (Ausgestellte 
Pflapzen. Winter- Aufstellung. Depazea Dianthi als Nelkenschädlii g. 
Niediig veredelte Rosen, ausgestellt von Gude. Ro^enkultur. Frucht- 
treiberei etc. Kulturversuclie mit Rliu? Yemicifera D. C. Hoffinan^'s 
veigleichende pliänolo^ische Karte von Mittel - Europa. Blüthczeit der 
Pflanzen. Absperrmaassregeln Russlands ■we:=;en der Reblaus und der 
Blutlaus. Heizbare Kästen. - IJ. Winter Ausstellung des Vereins 
zur Bef. des Gartenbaues im Januar 18e2 (Programm). S. 151. — Die 

Zoclier & Voorhelm Schnee vogt in der Flora zu Charlotten bürg. 
S. 1.^5. — Die Ausstellurg der Gesellschaft der Gartenfreunde 
Berlins vom 9.-13. April. S. 158. - Hydrosme llildebrandtii Engl. 
(Tafel m.) S. 161 - Die Splau«^r (Kultur-) Blumentöpfe. (Tafel IV.) 
S. 163. Dr. Tschaplowitz, üeber Gewächshäuser. (Schluss) S. 166. 

— M. Hoffma in, Park Branitz. S. 169. — Karl Mathieu, Rangliste 
der edeUten Rosen von Fr. Schneider II. S. 171. — Aufruf zur Be- 
gründunj? eines Vereins deutscher Rosisten. S. 174. — Berichti- 
gung der Statistik des Gartenbaues in Guben. S. 176. - Tb.Wenzig, 
Prioritätsnamen der Pomaceen. S. 1'9. — A. Busch, Neue Kartoffel- 
sorten. S. 180. — A. Drawiel, Ilorburger Riesenspargel. S. 183. — 

Reblauspetition. S. 184. - F ' ' ' " 

bürg. S. 185. - Weitere Beri 

Versuch kultivirten Samen, Pflanzen und Knollen. S. 188. - 

Ausstellungen S. 169. — Persot al-Naf Lrichten S. 189.- Rezensionen. S 190. 

Tages - OrdnunpT 

für die nächste Versammlung des Vereit s zur Beförderung iles Gartenbaues 

am Mittwoch, den 27. April 1881, Abends 6 Uhr, 

im grossen Auditorium der Königl. Jandwirthscbafthchen Hochschule, 

Inyalidenstrasse 42, 2 Treppen, 

Eingang durch das -westliche Gitter, dann an der Rückseite des Gebäudes 
durch Portal II. 

1. Dr G. Bolle: üeber eine bisher verkannte Eigenschaft der 
Eothtanne. 

2. Herr Heinrich Fintelmann: üeber Kirchhofs - Anlagen in 
Nordamerika. 

3. üeber Heck eis Theorie der gefüllten Blumen. 

4. üeber heizbare Kästen. 

Berichtigungen 

zum Mitglieder -Verzeichniss des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 
im Februarheft d. Js. 

— S. 64 No. 321>. F. Loh de. Garten-Ingenieur nicht Petersburg, sondern 
Riga, per Adresse Herr C. Beythien 

— S. 66 No. 33. Der Redakteur des Botanischen Zentralblattes, Herr 
Dr. ühlworm, hat seinen Wohnsitz von Leipzig nach Cassel, I 
höher Allee 4G, verlegt. 

— Dr. Kränzlin wohnt jetzt Gross-Lichterfelde bei 1 



Monatsschrift 

Vereines zur Beförderung des Gartenbaues 

in den Küiiigl. Preussiselieii Stnatwi 

Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. 



Redakteur : 

Dr. L. Wittmack, 



llelun 


i d. Ver. z. Bef. d. Gart: Adresse seines Schatzmeisters, Rentier Sonntag: 
N., Invalideiistr. 42. Berlin S., Alexandrineiistr. 51. 


Preis der Monatsschrift pro Jahrgang 13 Mark. 
Jeren Raum 30 Pf. , für Mitglieder des Vereins zv 
Hälfte. Rabatt bei 3maUger Insertion 5 pCt., bei < 
Annakne in der Expedition der Zeitung: 


Annoncen pro gespalten. 
rr Beförderung des Garfc 
ßmaUger 10 pCt., bei 12 
Berit N, InvaHdenstr. ■ 


! Petitzeile oder 
IrnJ/er 2TpCt 


No. 


5. 


BerUn, im 


Mai 


1881. 



644. Versaninüuiig des Yereins zur Beförderung des 
Gartenbaues in den EönigL Preuss. Staaten. 

Verhandelt Berlin, den 30. März 1881. 
Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden 
EinwenduDgen dagegen nicht erhoben. 

Zu wirklichen Mitgliedern wurden vorgeschlagen: 

1) die Herren Zocher & Voorhelm Schneevogt, Kunst- 
und Handelsgärtner, Rozenhagen bei Haarlem; 

2) Herr ßaumschulbesitzer J. Kuntze in Charlottenburg 
(Robertos Park); 

3) Herr Kunst- und Handelsgärtner Bock in Berlin. 

Vor Eintritt in die Tagesordnung dankte der Vorsitzende Excell. 
Sulz er in bewegten Worten für die in der letzten Sitzung ihm be- 
wiesene Theilnahme; die Versammelten erhoben sich auf Anregung 
des Herrn Bolle von ihren Plätzen, um ihrer Freude über die 
Wiederherstellung des Direktors Ausdruck zu geben. 

I. Hierauf hielt Herr 0. Hüttig den angekündigten Vortrag, 
betreffend Geschichte des Weinstocks, welcher besonders abgedruckt 
werden wird. (Siehe S. 212.) 



Im Anschluss daran zeigte Herr Wittmack Weintraubenkerne 
aus einem ägyptischen Grabe vor. 

II. Herr Gaerdt als Mitglied des Kuratoriums berichtete hier- 
auf über das Examen in der Königlichen Gärtnerlehranstalt, welches 
sehr erfreuliche Resultate aufgewiesen und sowohl den Lehrern wie den 
Schülern alle Ehre mache. Zu bedauern sei nur, das für die grosso 
Zahl der jungen Gärtner nicht genug Stellen vorhanden sein würden; 
in Potsdam seien 34 Zöglinge im neuen Kursus, in Proskau haben 
sich sogar 50 gemeidet. Anstatt, dass der Staat resp. die Hofgarten- 
Verwaltung Stellen eingehen Hesse, wäre es wünschenswerth, sie im 
Gegentheil zu vermehren. 

III. Für das 25jährige Jubiläum des schleswig-holstein- 
schen Gartenbau -Vereins wurden eine grosse silberne, eine kleine 
silberne und eine bronzene Medaille als Ehrenpreise bestimmt. 

IV. Herr Wen dt stellte ein junges, kaum zwei Monate altes, 
etwa Vs m hohes Rosenstöckchen „Madame Falcot" aus, das 
bereits eine prächtige Blüthe trug. Als Unterlage war R. canina 
verwendet und Anfang Februar das Edelreis im Geisfussschnitt darauf 
gepfropft. Herr Wen dt hat gegen 2000 Rosen auf diese Weise 
veredelt und von diesen haben bereits mehrere noch früher geblüht, 
andere stehen in Knospen. Diese einfache Methode ist bisher bei 
uns wenig geübt wordeo, Herr Wen dt will sie möglichst ausdehnen, 
da es seine Absicht ist, von jetzt ab nicht blos als Rosen-Kultivateur 
und Rosentreiber, sondern auch als Rosenzüchter aufzutreten. 

V. Ein Hauptgegenstand der Tagesordnung war die Beschluss- 
fassung über die Betheiligung an einer im Jahre 1883 zu ver- 
anstaltenden grösseren Gartenbau -Ausstellung in Berlin. 
Da das offizielle Schreiben des Vorsitzenden der zu diesem Zweck 
am 14. März auf Veranlassung der Gesellschaft der Gartenfreunde 
zusammengetretenen Versammlung von Vorstandsmitgliedern der 
Gartenbauyereine von Berlin und Umgegend und sonstigen, sich für 
die Sache interessirenden Personen noch nicht an den Verein gelangt 
war, so konnte eine nähere Berathung nicht eintreten. Im All- 
gemeinen zeigte sich aber die grösste Bereitwilligkeit, die Sache zu 
fördern. Gemäss dem Vorschlage der betreffenden Versammlung, 
auf je 50 Mitglieder eines Vereins einen Delegirten zur näheren 
Festsetzung der Angelegenheit zu ernennen, wobei jedes angefangene 
Fünfzig für voll gerechnet werden soll, wurden neun Delegirte per 
Akklamation ernannt und zwar die Herren: 

Bolle, Brandt, H. Fintelmann, Gaerdt, Haack, 
Hampel, C. Matthieu, Neide, Perring. 
Zugleich wurde mehrseitig der Wunsch ausgesprochen, diese 
grosse Ausstellung bis zur allgemeinen deutschen Ausstellung in 
Berlin zu vertagen und mit letzterer zu verbinden. 

VI. Sodann beschloss die Versammlung, im Januar 1882 
abermals eine Winteransstellung abzuhalten, und wurde das von 
Herrn Lackuer entworfene, im Ausschuss für Blumen- und Gemüse- 



zueilt bereits diskutirte Programm mit einigen Zusätzen angenommen 
(s. Monatsschrift Aprilheft S. 151). 

VII. Vorgelegt wurden vom Generalsekretär folgende Schriften: 

1) Virchow, Beiträge zur Landeskunde der Troas. Aus 
den Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissen- 
schaften 1879 Berlin (1880), in welcher auch die in Troja 
(Hissarlik) gefundenen Samen, die s. Z. im landwirth- 
schaftlichen Museum bestimmt wurden, besprochen sind. 

2) Thaer, die Unkräuter der Felder und Gärten, mit Ab- 
bildungen derselben und Mittel zur Vertilgung. Berlin, 
Paul Parey, 5 Mark. 

3) Koch, K., Nachklänge orientalischer Wanderungen; Preis 
im Buchhandel Mark 4,50, bei der Herausgeberin, Frau 
Professor Koch, Kurfürstenstrasse 75 und beim General- 
sekretär Mark 3,50. 

Ganz besonderes Interesse erregten die im Auftrage unseres 
Mitgliedes Herrn Dr. Cohn, Martiniquefelde, vorgeführten Splauer 
Kultur-Blumentöpfe aus der Thonwaaren - Fabrik Splau bei 
Schmiedeberg, Regierungsbezirk Merseburg, Vertreter G. Bössen- 
roth, Berlin C, Unterwasserstrasse 9, Der Zweck dieser Fabrikation 
ist, für billiges Geld geschmackvolle, stilgerechte Töpfe zu liefern, 
in welchen sich zugleich die Pflanzen auch kultiviren lassen. Sie 
sollen also die geschmacklosen rothen Thontöpfe namentlich vor den 
Fenstern und auf den Blumentischen verdrängen. Sie bestehen aus 
einem feinen, aber sehr porösen Thon, mit farbigen, unschädlichen, 
stilvollen Ornamenten. Ausser den Töpfen waren auch Jardinieren, 
in dieser Weise dekorirt, desgleichen hübsche grosse Töpfe mit 
Löwenfüssen für Solitärpflanzen, sowie hübsche Beeteinfassungen 
ausgestellt*) 

Seitens der Kunstverständigen hat diese Idee des Herrn Dr. 
Cohn allgemeine Anerkennung gefunden, namentlich Seitens des 
Herrn Professor Lessing. 

Herr Gaerdt erklärte sich bereit, auch praktische Versuche 
damit anzustellen, die um so eher auf günstige Resultate schliessen 
lassen, als der Thon trotz seiner Feinheit sehr porös sein soll. 

Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen: 

1) Herr Geheimer Regierungs-Rath vonGraevenitz, Land- 
rath des Kreises Ost-Priegnitz, auf Frehne bei Mevenburg: 

2) Herr Kunst- und Handelsgärtner Grothe in Berlin. 



(gez.) Bolle. (gez.) Wittmack. 

ielie fleu Artikel liiorüber iu Monatsschriit 1S81, Aprilliel't ; 



Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde 
Berlins. 

Verliandelt Berlin, den 18. Februar 1880. 

Nach Verlesung des Protokolls der vorigen Sitzung trat man 
in die Tagesordnung. 

Da Herr Bluth leider schon seit längerer Zeit krankheitshalber 
an dem Besuche der Sitzungen verhindert ist, musste dessen Vortrag 
„über im Winter blühende Topfpflanzen" von der heutigen Tages- 
ordnung abgesetzt werden und entwickelte demnächst Herr Hofgärtner 
Hoff mann in einem längeren Vortrage, auf den später zurück- 
gekommen werden soll, seine Ansichten über unser Ausstellungs- 

Die Herren Hof gärtner Hoff mann und Link erklärten sich in 
der heutigen Sitzung zur Annahme der Wahl als Ordner der im 
April statthabenden Pflanzen- und Blumenausstellung, zu welcher 
der Herr Kriegsminister die Reitbahn im Kriegsrainisterium der 
Gesellschaft der Gartenfreunde gütigst zur Disposition gestellt, bereit, 
hielten es aber für angezeigt, auf den voraussichtlichen Mangel an 
Dekorationspflanzen aufmerksam zu machen, der sich bereits^ in 
früheren Ausstellungen geltend gemacht und ersuchten den Vor- 
sitzenden, sich mit der Direktion des botanischen Gartens dieserhalb 
in Verbindung zu setzen, oder sich dem Herrn Kriegsminister bittend 
zu nahen, um dem störenden Mangel an Dekorationspflanzen durch 
Hergabe dergleichen aus den Gewächshäusern des Kriegsministeriums 
vorzubeugen. Der Vorschlag, sich dieserhalb eventuell an den Herrn 
Kriegsminister zu wenden, fand um so mehr Anklang, als ja bereits 
frühere Anträge bei der Direktion des botanischen Gartens unberück- 
sichtigt geblieben waren und der Herr Kriegsminister schon seit 
vielen Jahren sein lebhaftes Interesse an dem Wohlgelingen unserer 
Ausstellnngen bekundet. 

Eine Ofl'erte des Herrn Werner in Hamburg auf Cocosnuss- 
faser kam zur Verlesung. Dieser Abfall soll sich ganz vorzüglich 
zum Einfüttern von To[)fpflanzen, zur Pflanzenvermehrung durch 
Stecklingszucht und zur Orchideenkultur eignen. Obgleich der Preis 
für diesen Abfall sich bei grösseren Bestellungen bedeutend billiger 
stellt, als bei Bezügen im Kleinen und obgleich die guten Eigen- 
schaften des mehrerwähnten Materials in keiner Weise bezweifelt 
wurden, fanden sich doch nicht genügend Theilnehmer, um eine 
Wagenladung zu beziehen. 

Ferner war eine Offerte auf Madagaskar -Bindebast im Preise 
von 75 Pf. pro % kg eingegangen und hatte Herr Samenhändler 
Thiele (Potsdamerstr.) mehrere Gläser kaltflüssigen Baumwachses 
ausgestellt, wie solcher von Herrn Apotheker Müller in Frei- 
stadt i. Schles. zusammengestellt wird. Da mit diesem Baumwachse 



schon in verschiedenen Gärtnereien gearbeitet wird und derselbe als 
praktisch anerkannt ist, wurden diese Gläser mit Wachs den sich 
dafür interessirenden Gärtnern etc. überwiesen, um damit Versuche 
anzustellen und s. Z. über die Erfolge zu berichten. 

Von dem Programm der Gartenbau- Ausstellung zu Frankfurt a.M., 
welche in verschiedenen Zeiträumen und zwar vom 1.— 15. Mai, 
15. Juni bis 15. Juli und vom 15. September bis auf Weiteres 
stattfindet, wurde Kenntniss genommen, ebenso von dem Programm 
der Colberger Ausstellung. 

Der Preiskourant des Herrn Flotow (Kommandantenstrasse), 
betreffend die Hü bn er 'sehen Deckfarben, welche haltbarer als OeU 
farbe sein und sich dem Verderben des Holzes widerstandsfähiger 
zeigen sollen, zirkulirte bei den Erschienenen. 

Anlangend den Beschluss in der vorigen Sitzung, demzufolge 
die Gesellschaft der Gartenfreunde sich mit dem Verein zur ße- 
lörderung des Gartenbaues in den Preussischen Staaten an den 
Dekorationen bei den Einzugsfeierlichkeiten Sr. Königlichen Hoheit 
des Prinzen Wilhelm von Preussen und seiner erlauchten Braut 
betheiligen wird, theilt Herr Späth mit, dass die Herren Hof- 
lieferanten Kuntze und G. A. Schultz, Herr Garten -Direktor 
Gaerdt und die Obergärtner Haack und Mäcker von den beider- 
seitigen Vereinen gewählt worden seien, um die Tafel im Schlosse 
Bellevue mit Blumen und Bouquets zu dekoriren und dass diejenigen, 
welche auch ihrerseits an diesen Arrangements sich bethätigen 
wollen, ihre Anerbietungen den vorbenannten Herren mittheilen 
mögen. Bezüglich der von der Stadt getroffenen Vorbereitungen 
zum würdigen Empfange des Prinzlichen Paares kann Herr Grass 
die Frage nicht unberührt lassen , warum die städtischen Behörden 
sich nicht gemüssigt gesehen, die in Berlin steuernden Gärtner bei 
den gärtnerischen Dekorationen heranzuziehen, sondern dieselben 
von ausserhalb zu beziehen? Welche Gründe den Magistrat hierbei 
geleitet haben, konnte nicht angegeben werden. 

Der Antrag des Herrn Grass, die englischen Journale eingehen 
zu lassen und an deren Stelle deutsche Zeitschriften für die Biblio- 
thek zu beschaffen, wird bei Ablauf des Jahres- Abonnements zur 
Ausführung gebracht werden. 

Das Hauptverzeichniss der Dahlien -Sammlung, Gladiolen etc. 
des Herrn Max Deegen jr. 11. zu Köstritz war zur Ansicht der 
Erschienenen ausgelegt. 



Verhandelt Berlin, den 4. März 1881. 

Nach Eröffnung der Sitzung liess der Vorsitzende das Protokoll 
der letzten Sitzung verlesen. Hierzu bemerkt Herr Späth, dass 
sich der Cocosnuss-Faserabfall zu Dungzwecken, wie in dem Pro- 



tokoll vom 18. Februar angegeben, wohl schwerlich verwenden 
lassen dürfte. 

Als ein vorzüglich geeigneter Raupenleim wird der aus der 
Polborn'sehen Fabrik hierselbst bezogene empfohlen und zwar um 
deshalb, weil er seine Klebkraft sehr lange behalte und sich auch 
im Preise bedeutend billiger stelle, als der Bruraata-Leim des 
Herrn Lehrer Becker aus Jüterbogk. Um den jungen Bäumen 
nicht zu schaden, räth Herr Garten-Inspektor Bouche, diesen Leim 
nicht unmittelbar auf die Rinde aufzutragen, sondern die Bäume mit 
Papierstreifen zu versehen, die zuvor mit dem Leime bestrichen sind. 
Herr Garten-Inspektor Wredow will dieser Vorsichtsmassregel nicht 
das Wort reden, da er schon längere Zeit den aus der Huth und 
Richter'schen Fabrik bezogenen Leim ohne Papierstreifen bei 
jungen Obstbäumen verwandt und dabei keinen Verlust zu beklagen 
gehabt habe. 

Ein ünterstützungsgesuch einer Wittwe Eich 1er wird auf Antrag 
des Herrn Garten -Inspektor Wredow ad acta gelegt, da die Stadt 
Berlin für ihre Armen, wenn sie der Unterstützung für würdig und 
bedürftig befunden werden, hinlänglich sorge. 

Auf einen Apparat zur Verbesserung der Luft unter dem 
Namen „Aeolus", welcher von den Herren Bach & Riedel in der 
Wilhelmstrasse 32 ausgestellt ist, wird von dem Vorsitzenden auf- 
merksam gemacht. 

Dieser theilt auch mit, dass der Herr Minister für Landwirth- 
schaft, Domainen und Forsten die der Gesellschaft zu der im vorigen 
Jahre stattgehabten Ausstellung gewährte, in derselben aber bei der 
Preisvertheilung im vollen Betrage nicht zur Ausgabe gelangte 
Staatsbeihilfe von 1000 Mark habe anweisen lassen. 

Hierauf wurde zur Wahl der Preisrichter geschritten und wurden 
als solche gewählt: 

Herr Garten-Direktor Neide, 
Gaerdt, 
„ „ Inspektor Bouche, 

Wredow, 
„ Kunst- und Handelsgärtner Lackner (Steglitz), 
Schaper (Potsdam), 
„ „ „ Obergärtner Hornemann. 

In die Commission zum Ankauf der Verloosungspflanzen für die 
nichtgärtnerischen Mitglieder des Vereins wurden gewählt: 
Herr Rentier Haupt, 
„ Fabrikbesitzer Weiduer, 
„ Kunst- und Handelsgärtner Weckmann, 
„ „ „ Obergärtner Krüger. 



199 



Die Gewählten nahmen, soweit sie in der Sitzuug anwesend 
waren, die Wahl an und werden die nicht Anwesenden von der auf 
sie entfallenden Wahl benachrichtigt werden. 

Herr Garten-Inspektor Wredo w trug darauf an, den Mitgliedern 
der hiesigen und der in der Nähe Berlin's, sowie in Potsdam, 
Eberswalde etc. bestehenden Gartenbau- Vereine für ihre Person 
durch Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte den freien Eintritt in unsere 
Ausstellung zu gewähren. Der Antrag stiess auf keinen Widerspruch 
und wurde zum Beschluss erhoben. 

Die Anfrage des Herrn Grass, ob Gärtnergehilfen auch am 
Sonntag Zutritt zum botanischen Garten hätten, beantwortet Herr 
Garten -Inspektor Bouche dahin, dass die Verwaltung — wenn 
angänglich — dergleichen Gesuche nicht zurückzuweisen pflege. 

Letzterer macht auf einige Pflanzen aufmerksam, die sich 
namentlich zum Winterflor eignen, z. B. Gardenia citriodora, Cono- 
clinium ianthinum und C. astrorubens. 

Eine Frage des Herrn Späth: Ist man im Stande grosse 
Bäume dadurch zu tödten, dass man ein Loch in den Stamm bohrt 
und dieses mit Quecksilber füllt? wird von Herrn Weidner bejaht. 
Nach Herrn Wredow's Erfahrungen führt dieses Verfahren zwar 
zum Tode der Bäume, tödtet dieselben indess nicht rasch. Als Mittel, 
Bäumen rasch den Garaus zu machen, wird von einigen Seiten die 
xVnwendung heissen Wassers, im Winter kalten Wassers, auch 
laulichten Spülwassers zu jeder Jahreszeit, welches man um die 
Stämme giesst, angerathen. 

Zum Schlüsse brachte Herr Gude im Einverständnisse und auf 
Ansuchen des Herrn Prof. Dr. Wittmack einen Antrag auf Ver- 
schmelzung der beiden hiesigen Vereine, des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues in den Preussischen Staaten und der Gesellschaft 
der Gartenfreunde Berlin's ein. Wenngleich der Antragsteller hierbei 
von Herrn Wendt and Herrn Garten-Inspektor Wredow unterstützt 
wird, so wurden auch Stimmen gegen eine solche Verschmelzung 
laut. Um Licht in diese Sache zu bringen, wird der Antrag in der 
nächsten Sitzung auf der Tagesordnung erscheinen. 

Die Herren Kunst- und Handelsgärtner Petersdorf und Kunst- 
und Landschaftsgärtner Howe, welche in der Sitzung vom 4. Februar 
ihren Wunsch, der Gesellschaft als Mitglieder beizutreten, zu erkennen 
gegeben, wurden als wirkliche Mitglieder proklamirt und von der 
Anmeldung des Herrn Landschaftsgärtners Lanz durch Herrn 
Garten- Inspektor Wredow und des Herrn Obergärtners Hintze im 
zoologischen Garten durch seinen der Gesellschaft als Mitglied an- 
gehörenden Bruder, Obergärtner Hintze im Erziehungshaüse am 
ürban, sowie des Herrn Obergärtners Serrek bei Herrn Baumeister 
ßöckmann am Kurfürstendamm wurde Notiz genommen. 



Blüthenkalender der Pomaceen 

für Berlin und Potsdam. 
Zusammengestellt von Th. Wenzig. 

(Anf Grund gesammelter Blüthenzweige in der an schönen 
Exemplaren von Gehölzen so ausserordentlich reichen Königlichen 
Landesbaumschule in Alt-Geltow bei Werder, sowie dem Königlichen 
botanischen Garten zu Berlin und der Pfaueninsel bei Potsdam.) 

Die frühere oder spätere Blüthezeit im Jahre wird bedingt durch 
die mehr oder weniger sonnige Lage und durch die grössere oder 
geringere Wärme des Frühjahrs. In Alt-Geltow und auf der Pfauen- 
insel blühen die Bäume und Sträucher meist acht Tage später als 
in dem botanischen Garten zu Berlin wegen der Nähe der grossen 
Wasserbecken an ersteren beiden Orten. 



Cydonia vulgaris Pers. 
„ „ Doppelblüth. 

„ japonica Pers. . . . 

Piruscommun. L. var. Bour- 

„ commiin. L. var, 

towiana Wg. .... 
„ amygdaliformis Villars 

„ elaeagnifolia Pallas . 

„ saUcifoüaL 

„ Malus L, fructu nigro 
hört 

„ Malus L. tatarica 1 

n Ringo Wg 

„ „ Kaido Wg. (P. 
spectabilisXP.RiDgo 
Wg.) 

„ Ringofloribunda V.Sieb 

„ Ringo, Toriugo v.Sieb, 
(P.rivul., Dougl./?Wg.) 

,, spectabilis Alton, 

l prunifolifi Willd! 

„ cerasifera Regel 
„ Pollveria L. (P. coe 
XSorbusAriaKKochj 



,11£S' 



24. Mai 

12. „ 



29. Apr 
4. Ma 



118738. Mai Pfauen- 
inselb.Potsd. 
. Mai Pfauen- 
insel b.Potsd. 



9.MaiPfauen- 
1872 IS.Mai Pfauen- 





'tr 


..,..«.,0.. 


Andere Orte. 


PirusalpinaWlld.(Sorb.Aria 
















1873 




1872 


3. Mai ^ 






Sorbus Aria CraBtz . . . . . 










1867 


31. Mai Berlin, 












186818. „ „ 


„ „ ß, edulis Wg. . 












Friedr.-Hain. 


„ „ y, graeca „ . . 


1874 


4." Juni 






i 


„ torminalis Crantz 










1871 29.Mai im We- 


„ Chamaemespilus „ 


1871 


15. Mai 






ser-Gebiet. 


„ p,sudeticaWg. 
(S. Hostü hört.) . °. 


1872 


'• " 












1872 i 4. „ 




. hyl>ridaL 






! 


!i. Mai Boitzen- 
burg. 


;; scand^rS^''!"': 


1872 


13. ., 


1872 


l ;; 






1873 


6-13. „ 


1872 






*) ;: spuria „::::: 










1873:29. Mai Berlin, 
Friedr.-Hain. 


„ domesticaL 










1870l8.Maib.Trier. 
1871 25. Mai in der 

I872I15. Mai Berlin, 


„ americana Willd. . 


1874 


4. Juni 
















Thiergarten- 












1 Baumschu'e. 


„ arbutifolia L 


1872 
1873 


23. Mai 

27. .. 


1872 


3. „ 


1 


, arbutifoUaL/Smela- 


1873 


16. Juni 








nocarpa Michaiix . . 


1879 




1872 






Mespilus germanica L.... 




23! Mai 


1878 






, grandifloraSmith . 


1872 


15. „ 






1872 18. Juni 

1 Pfaueninsel, 


„ uniflora Münchh. . 






1872 


28. ., 




., elliptioaAiton . . . 


1873 


6 Juni 


1880 1. ...um 




„^,naiiorTorr, 


1872 


27; Mai 






etGray 


1873 








" s:säa w^"" • 


1873 




1872 1 IH. M.i 




1872 




! 






1873 


\i l 






„ pirifoUaAiton 


1872 








„ latifoliaPoiret 


1872 






1S72 13. Juni Berlin, 




1873 






Frie.lr.-Hain. 


„ coccinea L 


1875 


18' Mai 


1872 4. .. 


1,S72 15. Mai Berlin, 


„/?,viridisTetGr. 


1873 


0. Juni 






„£,mollis„ „ 




19-27. Ma 






(snbvmosaSchrader) 










„ coccinea, flabellata 


1872 


23. ., 






Bosc 


1873 


JUi 






„ rotundifolia 






!S7:!24. -2t> Mai 


Mönch. 








Berlin, Fried- 


„ satguinea Palhis . 


1872 






rich-Hain. 




1873 


19-23;; 













- B^... 












' 






__'"'"■ 


















lasii T. et Gr. 
succulenta 










1873 


24. Mai BerUn, 
Frie^ir.-Hain. 




Schrader . . . 




n. Mai 


1872 


17. Mai 
























" Loddiges . . '. 


IST?, 


16. ,, 


1872 


14. „ 








CrusGalliL 


1872 1 13. „ 




4. Juni 


1872 


8 Juni Plauen- 






1873 


IG. Juni 








insel. 










1872 










" 'Wg. 






1873 


13'. ',' 








„ «y, linearis 






1872 


4.' ]] 








Wg. 






1872 










„ L. ., pruni- 


1872 


27. Mai 


1872 


28! Mai 








foliaT.etOr. 




9. Juni 












, f,FontanesianaWg. 


1872 
1873 


31. Mai 
9. Juni 












, Azarolus L 


1873 
1874 


16. „ 
18. „ 












. tanacetifoliaPoiret 






1872 


4. Juni 








1873 












„ nigra W. et K. . . 


1879 


10. ;; 


1872 
1875 


3-14. Mai 

26. „ 






„ pentagynaW.etK. 


l^l 


?J;5lt 










„ r, Celsiana 


1872 


5. „ 










Wg 


1873 












„ trigynaht. 














Berol. (amur. Wg.) 




30. Mai 










„ pinnatifida Bunge 


1879 


6. Juni 


1873 


IL Juni 






;: "^rsvtr 






1872 


14. Mai 






1873 


30. Mai 










„ laciniata Wall- 
roth 




13. „ 
S.Juni 






1870 


28. Mai Berlin, 
Thiergarten. 


^ " " BgiW*'.°''' 


1S73 










„ Oxyacantha L. . . 


1872 


13. Mai 










„ „^.integrifolia 












28. Mai Berlin, 












Thiergarten. 


„flore pleno albo 




3. Juni 










„ splendens . . 


1872 


15-23. Mai 










„ punicea .... 


1873 


3. Juni 










**) „ „ tlore rubre . . 




13. Mai 










Phalacros cordatus Wg . . 


1873 


5. Juli 










Raphiolepis indica Lindl. . 


1872 
1872 


25. Mai 










japonica v. Siebold 














et Zuccarini .... 


1872 
1879 


aar 

25. Juni 










Amelanchier asiatica von 




1. Mai 










Siebold et Z. . , . 


1880 



















Andere Orte. 


„ Botryapium L. ge- 


! 






1871 


13, Mai Berlin, 


nnina. 




1875 


15 Mai 


1872 




., Botr. fusca 


ISTL 24. April 








Thie^rgarten. 


" •■ JSlS: 




11 


15. Mai 






„ ovalisWilldenow . 


187] 4-8 Mai 










„ sangiiinea Fursb . 


1872 23. April 










„ alnifolia Niittall . 


1875 13: " 


1872 
1873 
1875 


15. „ 






.. rotundifoliaLmk. . 


1873! 12: ;; 










Cotoneaster vulg. Lindley. . 


1876 ; 17. „ 






1873 


7.MaiStriegau 


„ nigra Wahlberg . 


1872 23. „ 

1873 12. „ 


1872 








^' fc.i3^!iiS 


















18. Juni 




1 








Pfaueninsel. 


acuminata Lindley 




















1874 


18, Juli BerUn, 












Späth. 


„ tomentosa Lindley 


1872 ' 23 „ 












27. „ 










., nummularia Fischer 














et Meyer 


1873 


17-27. Ma 










i "SiFkiüI 


1873 


16. „ 
19. „ 










:: Tn"?owi- 


1873 


23. ;; 










folia Wg. . 




3-13. „ 






187:. 


8_JuniPfauen- 


„ J, buxifolia 




23. Mai 










„ Fyracantha Spach 


1872 
1873 


31. ., 
13-16,Jun 






1872 


s! Juni Pfauen- 
insel. 



Die Beschreibung der aDgeführteii Arten siehe in meiner Arbeit 
über die Pomaceen: Monatsschrift des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues in den Königlich Preussischen Staaten, Jahrgang 1874, 
S. 487, 535 und Jahrgang 1875, S. 22, 12H, 177, 227, 273. 



Beitrag zur Blüthezeit der Gewächse 

Dr. H. Poselger- Berlin. 

Im Aprilheft der Monatsschrift werden Mittheilungen über die 
Blüthezeit der Gewächse, namentlich für Berlin, gewünscht und ich 
gebe in beifolgender Tabelle gern die Notizen, welche ich mir über 
diesen Punkt seit dem Jahre 1865 gemacht habe. Ich bemerke 
dabei, dass ich nicht das Erscheinen der allerersten Blüthe eines 
jeden Gewächses notirt habe, da einzelne Blumen zuweilen sehr 
frühzeitig zum Vorschein kommen, sondern dass ich meine Notizen 
erst gemacht habe, sobald eine grössere Anzahl Blüthen erschienen 
waren, so dass man in der That sagen konnte: der Baum etc. 
steht in Blüthe. 

Die Beobachtungen von 1865—72 wurden in einem kleinen 
Garten in der Kronenstrasse gemacht, die von 1873—81 in einem 
bedeutend grösseren Garten auf der Schönhauser Allee, nicht weit 
vom Thore. Daraus ergiebt sich schon, dass diese beiden Serien 
von Beobachtungen nicht an denselben Pflanzen-Individuen gemacht 
werden konnten und es ist manchmal ganz erstaunlich, wie sehr 
die einzelnen Individuen von einander abweichen. Am auffallendsten 
zeigt sich dies bei Juglans regia; der Baum in der Kronenstrasse 
blühte durchschnittlich am 9. Mai, der in der Schönhauser Allee 
am 26. Mai, also ein Unterschied von 17 Tagen. 

Einen ähnlichen Unterschied habe ich beobachtet bei zwei 
prächtigen alten Linden, welche zu beiden Seiten des Brandenburg- 
Denkmals auf dem Leipziger Platz stehen; von diesen belaubt sich, 
blüht und entblättert sich die eine stets früher als die andere und 
zwar um etwa 8—9 Tage. — Die gelbblühenden Croeus erscheinen 
immer zuerst, die anderen Varietäten 8—10 Tage später. 

Aus der Tabelle ergiebt sich ferner, dass diejenigen Gewächse, 
deren Blüthen am frühesten im Jahre erscheinen, auch am meisten 
von den verschiedenen Wintertemperaturen der einzelnen Jahre 
beeinflusst werden, am auffallendsten die Haselsträucher, welche im 
Jahre 1873 am 18. Januar und im Jahre 1875 am 5. April blühten, 
was einen Unterschied von 77 Tagen ausmacht. — Im Allgemeinen 
scheint die jedesmalige Jahrestemperatur auf die Blüthezeit der 
^ erschiedenen Gewächse einen sehr verschiedenen Einfluss auszuüben, 
denn es folgt durchaus nicht, dass von zwei Gewächsen in jedem 
Jahre dasjenige auch früher blühen müsse, als das andere, dessen 
mittlere Blüthezeit im Allgemeinen früher fällt; es mag hierbei auch 
wohl der Feuchtigkeitszustand der Luft von grosssem Einfluss sein. 
— Auch die Dauer der Blüthezeit ist in den verschiedenen Jahren 
von grosser Verschiedenheit und kann je nach der Temperatur von 
etwa acht Tagen bis gegen vier Wochen zu variiren. 



llütheukalencler für Berlin 



1868 1869 1870 1871 1872 1873 1874 1875 1876 1877 1878 1879 1880 1881 Mittel. 



Corylus Avellana . . 
Crocus, gelb blühend . 

ScUla sibirica 

Aprikosen 

Pflaumen, Reine Claude 
Birnen, Beurre blanc . 

Prunus Padus 

Amygdalus nana .... 

Kirschen 

Aepfel 

Kastanien, 
AesculusHippocastan. 
Maiblume, Convallaria 

Viburnum Lantana . . 

Späte Tulpen 

Flieder, Syringa vul- 

&n.;;- 

Goldregen, Cytisus La- 

burnum 

Himbeeren 

Erste Rose, Gloire de 

Jasmin, Philadelphus . 
Linden, Tilia europaea 



3U/6 30/6 15/6 26/6 26/6 



Die ReblaiiskonTention 

zum zweiten Male vor dem Reichstage. 
In der Sitzung des Reichstages vom 7. Mai d. J. kam der für 
die deutsche Exportgärtnerei höchst wichtige Antrag der Herren 
Abgeordneten Ackermann, von Behr-Schmoldow (Mitglied des 
Vereins zur Beförderung des Gartenbaues) und Dr. Buhl zur Be- 
rathung. Derselbe geht dahin: 

1) den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, auf Beseitigung der 
Härten, welche durch die internationale Konveution, Maassregeln 
gegen die Reblaus betreffend, vom 17. September 1878 für den 
Pflanzenhandel geschaffen sind, und zwar vorläufig im Wege 
von Verwaltungsvorschriften, Bedacht zu nehmen, unter der 
Voraussetzung und insoweit die deutscherseits gestellten Anträge 
auf Aenderung der Konvention die Zustimmung der an der 
letzteren sonst betheiligten Staaten finden werden; 

2) auch zu solchen Zwecken im Voraus mit einer Abänderung 
der bezeichneten Konvention in dem Sinne sich einverstanden 
zu erklären, dass von dem Erforderniss der Wurzelreinheit der 
zur Einfuhr bestimmten Pflanzen abgesehen und mit dem 
für derartige Sendungen allgemein üblichen Verpackungs- 
zustande sich begnügt werde, wenn ausser den in der Konvention 
bereits vorgeschriebenen Ausweisen unverdächtigen Ursprungs 
eine behördliche Bescheinigung des Inhalts beigebracht werde, 
dass in der Pflanzschule oder sonstigen Gartenanlage, aus 
welcher die betreffende Sendung herrührt, weder Reben ent- 
halten sind, noch Rebenhandel getrieben wird. 

Wir geben nachstehend die Reden nach dem stenographischen 
Bericht wieder und danken den Rednern für ihre Unterstützung der 
gärtnerischen Interessen. Ganz besonders danken wir Herrn Kammer- 
herrn von Behr, der auf die Hauptsache hingewiesen hat, dass 
nämlich bei den Verhandlungen über die Aenderung der Berner 
Konvention auch Handelsgärtner hinzugezogen werden möchten. — 
Das ist's eben, was unser Verein überhaupt bei allen gesetz- 
geberischen Fragen, welche die Gärtnerei berühren, wünscht und 
weshalb er u. A. petitionirte , dass auch in den Volkswirthschafts- 
rath ein Gärtner ernannt werde. Leider ist seine Petition bis jetzt 
ohne Erfolg geblieben, wohl aber Herr Schmidt, Erfurt, in das 
Landesökonomie-Kollegium berufen worden. 

Abgeordneter Ackermann: Meine Herren, in der Reichstags- 
sitzung vom 6. April d. J. ist bei Berathung über eine Petition 
einer Gesellschaft deutscher Gärtner, welche die Abänderung der 
internationalen Reblauskonvention im Interesse des deutschen Pflanzen- 
handels verlangten, vom Regierungstische aus anerkannt worden, 
dass die Bestimmung der Konvention, nach welcher Pflanzen nur 
ein- und ausgeführt werden dürfen, wenn ihre Wurzeln frei von Erde 
gelassen sind, den deutschen Pflanzenexporthandel schwer schädigt, 
ja, weil viele Pflanzen ohne solche Erdumhüllung gar nicht versendet 
werden können, ganz unmöglich macht. Von derselben Stelle aus 



207 



ist mitgetheilt worden, dass nach dem Vorgehen der Schweiz bereits 
Frankreich, Holland und Luxemburg der Abänderung der Konvention 
zugestimmt haben, dass die deutsche Reichsregierung dasselbe Ziel 
verfolge, dass es aber Deutschland inmittelst bei dem zeitherigen 
Rechtszustande gelassen, nach welchem die Einführung der Rebe 
zwar verboten, die Einfuhr aller anderer PHanzen nach Art und 
Beschaffenheit und Ursprung jedoch unbehindert sei und dass die 
Abänderung der Konvention zur Zeit nur noch nicht zu ermöglichen 
gewesen sei, insbesondere darum, weil es an einer Erklärung von 
Oesterreich fehle. Es ist damals schon von mir und von anderen 
Rednern darauf aufmerksam gemacht worden, dass der jetzige 
Zustand unhaltbar ist. Dermalen hat die deutsche Gärtnerei eine 
schwere Konkurrenz auszuhalten, dieselbe wird ihr von Frankreich 
und Holland gemacht, weil Deutschland die von jenen Staaten 
kommenden Pflanzen hereinlässt, auch wenn die Wurzeln nicht mit 
Erde umhüllt sind, während die deutsche Gärtnerei ihre Pflanzen 
nach der österreichischen Grenze hin nicht ausführen kann, weil 
Oesterreich solche Pflanzen, welche an den Wurzeln eine Erd- 
umhüllung tragen, nicht hereinlässt. Der Herr Regierungskommissar 
hat in jener Sitzung selbst angeregt, dass, wenn auch eine Ab- 
änderung der Reblauskonvention ohne Zustimmung des Bundesraths 
und Reichstags nicht zu ermöglichen sei, doch im Interesse der 
deutschen Gärtnerei die Härten schneller beseitigt werden könnten, 
falls der Reichstag sich entschliesse , im Voraus zu erklären, dass 
er mit einer Abänderung der Konvention in der damals schon 
besprochenen Weise, also in der Weise, wie sie jetzt in dem gedruckt 
Ihnen vorliegenden Antrage fixirt ist, einverstanden sei. Wenn der 
Reichstag im Voraus eine solche Zustimmung giebt, wird die Reichs- 
regierung in die Lage versetzt, sofort nach dem internationalen 
Abschlusa der geplanten Abänderung im Verwaltungswege mit den 
uöthigen Maassregeln vorzugehen und die Gärtnerei von der Last 
zu erlösen, von welcher sie jetzt gedrückt wird. Es war mir nicht 
möglich, in der Sitzung vom 6. April nach den vom Regierungs- 
tische gegebenen Andeutungen sofort einen Antrag einzubringen, 
weil diese Sitzung die letzte vor den Osterferien war, und nach der 
Geschäftslage des Hauses es bedenklich erschien, mit einem Antrage 
an jenem Tage hervorzutreten. Ich bringe daher nunmehr in üeber- 
einstimmung mit den Herren Abgeordneten von Behr-Schmoldow 
und Dr. Buhl diesen Antrag bei dem hohen Hause ein. Derselbe 
bezweckt nichts weiter, als der deutschen Reichsregierung die 
Ermächtigung zu geben, dass sie, sowie im internationalen Wege 
die geplanten Abänderungen festgestellt sind, ohne Weiteres zur 
Ausführung vorschreiten und die Versendung unserer Pflanzen wieder 
frei machen kann. Es wäre, wenn Sie den Antrag ablehnen, damit 
ausgesprochen, dass, wenn eine Abänderung der Konvention auch 
zu Stande kommt, die deutsche Gärtnerei die Lasten immerhin noch 
bis dahin tragen müsste, wo der Reichstag wieder zusammenkommt. 
Wenn nicht während der jetzigen Session noch eine solche Ab- 



änderung unter den betheiligten Staaten zu Staude kommt, so müsste 
solchen Falls die Ausführung der für die Gärtnerei günstigen 
Maassregeln auf ein ganzes Jahr, nämlich bis zum Jahre 1882, wo 
der Reichstag wieder einberufen wird, sistirt werden. Die baldige 
Abänderung der Konvention ist aber um so sicherer zu hoffen, als 
nach den jüngsten Nachrichten der Zeitungen Oesterreich jetzt einen 
anderen Standpunkt einnimmt, indem nunmehr auch dieser Staat 
geneigt ist, auf die projekirten Abänderungen einzugehen und jetzt 
schon in einzelnen Fällen Dispensationen gegeben haben soll. Ich 
glaube darum, reine Herren, Sie erweisen der deutschen Gärtnerei 
einen grossen Dienst und schädigen dabei keinerlei andere Inter- 
essen, wenn Sie unsern Antrag annehmen und damit den deutschen 
Pflanzen und Blumen wieder die volle Freizügigkeit geben für die 
ganze Welt. 

Präsident: Das Wort hat der Herr Abgeordnete Lipke. 

Abgeordneter Lipke: Meine Herren, ich ergreife das Wort nur, 
um zu konstatiren, dass gerade aus meinem Wahlkreise], aus 
Thüringen, die lebhaftesten Klagen erhoben worden sind über die 
Misstände, die sich in Folge der internationalen Konvention heraus- 
gestellt haben. Gerade dort sind die grössten Produzenten der 
Gärtnerei; Sie kennen ja, was Erfurt und Umgegend leistet. Es 
hat sich herausgestellt, dass durch die Vorschriften, die zur Verhütung 
der Reblaus erlassen worden sind, der Handel mit solchen Pflanzen, 
die es nicht vertragen können, verschickt zu werden, ohne dass die 
Wurzeln mit Erde umhüllt sind, sehr gelitten hat. Ich bitte daher 
auch meine Freunde, für diesen Antrag zu stimmen, damit die 
verbündeten Regierungen Veranlassung nehmen, eine Aenderung 
derjenigen Bestimmungen zu der internationalen Konvention herbei- 
zuführen, welche den Handel mit Pflanzen, die gar nicht von der 
Phylloxera betroffen werden können — denn das ist wissenschaftlich 
festgestellt, dass diese selbst nur an der Rebe sich hält — diesen 
grossen Handel, der zum Lebensunterhalt so Vieler dient, auf das 
Höchste schädigen. Die Annahme des Antrags wird es ermöglichen, 
auf administrativem Wege die Bestimmung zu treffen, dass für solche 
Pflanzen, die nicht von der Phylloxera getroffen werden, die Ver- 
packung mit Erde gestattet wird. 

Präsident: Das Wort hat der Herr Abgeordnete Dr. Delbrück. 

Abgeordneter Dr. Delbrück: Meine Herren, ich erlaube mir 
nur in formeller Beziehung ein Bedenken anzuregen, welches mir 
in diesem Augenblick gekommen ist. Ich bekenne, dass ich eben 
jetzt erst den Antrag gelesen habe. Er geht dahin, dass der Reichs- 
tag beschiiessen soll: 

2) im Voraus mit einer Abänderung der Reblauskonvention 
in einem gewissen Sinne sich einverstanden zu erklären. 
Die Reblauskonvention ist vom Reichstag genehmigt und ist insoweit 
ein Gesetz. Wenn der Reichstag sich nach dem Antrage im Voraus 
mit der Abänderung eines Gesetzes einverstanden erklärt, so fragt 
es sich, was ist damit gemeint? Soll der Antrag blos heissen: der 



209 — 



Reichstag wünscht eine Aenderung der Konvention in einem 
bestimmten Sinne, — so würde ich dagegen nicht das mindeste 
einzuwenden haben in formeller Beziehung, denn alsdann bleibt dem 
Reichstag unverkürzt das Recht, wenn ihm demnächst eine veränderte 
Konvention vorgelegt wird, frei zu befinden, ob er sie annehmen 
will oder nicht. Soll er sich aber im Voraus einverstanden erklären 
mit gewissen Bestimmungen, so könnte das dahin verstanden werden, 
dass nachher die Frage, ob diese Bestimmung anzunehmen oder 
abzulehnen ist, für den Reichstag keine freie mehr ist. Diese 
letztere Auffassung würde ich nicht für richtig und nicht für zu- 
lässig halten. Ich würde daher den Herren Antragstellern anheim- 
geben, ob sie nicht vielleicht, wenn ihre Absicht, wie ich annehme, 
keine andere gewesen ist, durch eine kleine Fassungsänderung in 
Nr. 2 das von mir hervorgehobene Bedenken erledigen wollen. 

Präsident: Das Wort hat der Herr Bevollmächtigte zum 
Bundesrath, Staatssekretär des Innern Staatsminister v. Bötticher. 

Bevollmächtigter zum Bundesrath Staatssekretär des Innern 
Staatsminister von Bötticher: Meine Herren, es ist ganz richtig, 
was der Herr Abgeordnete Delbrück soeben ausgeführt hat, dass 
die Fassung der No. 2 des Antrages die Deutung zulässt oder 
wenigstens möglich macht, als ob der Reichstag schon jetzt sich in 
Bezug auf sein Votum, welches über eine erst abzuschliessende 
Konvention demnächst von ihm extrahirt werden wird, binden solle, 
aber ich glaube, man wird sich bei dieser Fassung des Antrags 
auch ohne Aenderung beruhigen können, wenn ich die Erklärung, 
zu der ich mich für ermächtigt halte, abgebe, dass diese Auffassung 
nicht diejenige ist, welche bei der Reichsregieiung dem Antrag ent- 
gegengebracht worden ist. Wir nehmen an, dass die Konvention 
unter allen Umständen dem Reichstag vorgelegt werden muss und 
dass, wenn sie vorgelegt wird, der Reichstag in seiner Entschliessung 
vollständig frei ist, so dass auch, wenn das Votum des künftigen 
Reichstags dahin gehen sollte, dass eine Aenderung der jetzt 
bestehenden Konvention in dem Sinne, wie ihn die Antragsteller 
beabsichtigen, nicht zweckmässig sei, der Reichstag durch den jetzt 
über den Antrag zu fassenden ßeschluss nicht gebunden sein würde. 

Ich kann, da ich einmal das Wort habe, was den Gegenstand 
selbst anbelangt, nur auf die früheren Erklärungen, die vom Bundes- 
rathstische aus gegeben sind, zurückverweisen. Die Reichsregierung 
hat bereits Schritte gethan, um schon jetzt diejenigen Maassregeln 
auch bei den übrigen Staaten, an welche wir angrenzen, zur Annahme 
zu bringen, welche nothwendig sind, um die Missstände der gegen- 
wärtig geltenden Konvention zu beseitigen und namentlich wieder- 
hole ich, dass mit der kaiserlich österreichischen Regierung in 
Verbindung getreten ist, um dort die Einfuhr von Pflanzen, die keine 
Erdballen an sich tragen, zur Zulassung zu bringen. Es ist mir 
sehr erfreulich gewesen, heute von dem Herrn Abg. Acker- 
mann zu hören, was offiziell bisher bei uns noch nicht bekannt 
geworden ist, dass die kaiserliche österreichisch-ungarische Regierung 



geneigt ist, ein solches Verfahren zuzulassen, resp. sich bei neuen 
Verhandlungen zu einer Abänderung der bezüglich der Pflanzen- 
einfuhr geltenden Vorschriften zu verstehen. Man darf daraus die 
Hoffnung schöpfen, dass im Sinne der Herren Antragsteller die neue 
Konvention zu Stande kommen wird und ich wiederhole, dass sie, 
wenn sie abgeschlossen ist, jedenfalls dem Reichstag vorgelegt und 
seiner freien Beschlussfassung unterbreitet werden wird. 

Präsident: Das Wort hat der Herr Abg. v. Behr-Schmoldow. 

Abgeordneter v. Behr-Schmoldow: Meine Herren, ich wollte 
mir nur die Bitte auszusprechen erlauben, dass bei den Verhandlungen 
über die Aenderung der Konvention auch von den Handelsgärtnern 
einige zugezogen werden, die hauptsächlich bei dem Exporthandel 
mit Pflanzen betheiligt sind. Ich bedauere mein Bedauern aus- 
sprechen zu müssen, dass man keinen einzigen Sachverständigen 
aus Gärtnerkreisen damals gehört hat, als diese Konvention ab- 
geschlossen worden ist. 

Meine Herren, dieser Konvention sehen Sie es Zeile für Zeile 
an, dass nur Reblausfanatiker sie so gewünscht haben. Wären 
Gärtner dabei gewesen, so meine ich, hätte man unmöglich der- 
gleichen Bestimmungen trefl'en können, wie wir sie da finden, ich 
habe von den Potsdamer Gärtnern noch Material zugestellt bekommen, 
welches dies recht klar stellt. 

Die Reblaus — ich bedauere darauf noch kommen zu müssen 
— hat sehr viel verschiedene Formen. Es wäre der Gedanke 
möglich, dass Sie vielleicht die Reblaus, die an der Wurzel 
haftet, ausschliessen können von Deutschland durch die bisherigen 
Maassregeln, obgleich es mir sehr zweifelhaft ist. Wenn ein minimes 
Stückchen Erde an der Wurzel der Pflanzen klebt, welche ja jetzt 
versandt werden dürfen, so bleibt die noch viel minimere Reblaus 
unter dieser Decke sitzen und kein Zöllner findet sie! Aber wie ist 
es mit den anderen Formen der Reblaus? Es giebt Formen, die 
meilenweit vom Winde getragen werden, wie wollen Sie die von 
unseren Grenzen abhalten ? Dann haben wir eine Form, die vielleicht 
noch die allergefährlichste sein könnte, — doch meine Kenntnisse 
sind hier etwas unsicher, Herr Kollege Virchow ist nicht hier, au 
den man sich gleich wenden könnte, — meine Herren, aber soviel 
ich davon verstehe, geht die Reblaus auch eine Verwandlung ein in 
die sogenannte Gallen laus, die sich heftet an die Unterseite der 
Weinblätter. Nun, meine Herren, wie viele Waggons mit Weintrauben 
gehen über unsere Grenzen, an welchen noch die Blätter sitzen, an 
denen noch viele Milliarden von Rebläusen sitzen können. 

Der Export mit Topfpflanzen soll verboten werden. Gerade 
das schädigt unsere fleissigen deutschen Gärtner hervorragend. Nun, 
in was für Erde werden denn diese Topfpflanzen gepflanzt? Wenn 
die Herren von der Berner Konvention sich orientirt und gehört 
hätten, was das für Pflanzen sind, so sind das fast durchweg in 
Haideerde gepflanzte Exemplare, in denen wahrhaftig keine Reblaus 
zu entdecken sein wird. 



Dann ist jetzt vorgeschlagen worden, man solle den Versandt 
gestatten, wenn nur obrigkeitlich attestirt wird, dass innerhalb 100 
oder 300 Meter Distanz keine Rebe wächst. Meine Herren, wem 
sollen Sie znmuthen, so ein Attest auszustellen, wie lässt sich das 
ausführen, wenn wir denken, dass in den Zentren unserer Gärtnerei, 
also Erfurt, Berlin, Potsdam, Dresden und wie sie alle heissen, die 
Anlagen da nebeneinander stehen? Wie gesagt, ich möchte heute 
nicht weiter hierauf eingehen, nur dringend bitten, diesen Antrag, 
so schwach und zart er auch gefasst sei, anzunehmen. Es wird 
dann doch wenigstens möglich sein, den diesjährigen Herbstexport 
unseren Gärtnern noch zu sichern, was sonst wohl nicht möglich 
wäre — und ein halbes Jahr ist für den Gärtner sehr viel. Dieser 
Herbstexport könnte nicht eintreten, wenn erst der nächste Reichs- 
nächsten Frühjahr eine Aenderung der Konvention zu 



In diesem Sinne bitte ich also, unseren sehr zarten Antrag 
anzunehmen, die Reichsregierung aber bitte ich, sich mit den Export- 
gärtnern in Einvernehmen zu setzen, sobald sie an eine Aenderung 
der Konvention in dem von mir oben angedeuteten Sinne herantritt. 

Nachdem der Antragsteller die Worte „im Voraus" gestricheu. 
wurde der Antrag angenommen, und wir dürfen somit hoffnungsvoll 
in die Zukunft blicken. 

Die 

Ausstellung des Charlottenburger Gartenbau- Vereins 

in der Flora zu Charlottenburg vom 8.— II. Mai 1881. 

Im Allgemeinen war die Ausstellung zwar mit guten Exemplaren, 
aber nur von verhältnissmässig wenigen Ausstellern beschickt. 

Unter den Gruppen zeichneten sich die Marktpflanzen des 
Herrn Kamoss, die Blattpflanzen des Herrn Paech, dem bekannten 
Spezialisten für Zimmerpalmen, die grosse Kaisergruppe der Flora 
(Übergärtner Duda, unter theilweiser Benutzung von Material aus 
dem Königlichen Schlossgarten zu Charlottenburg), die prächtige 
gemischte Gruppe des Herrn Banquier Güterbock (Obergärtner 
Maser), desgleichen die des Herrn Dr. Werner Siemens (Ober- 
gärtner Heidschmidt) und besonders auch die des Königlichen 
Schlossgartens zu Oharlottenburg (Hofgärtner Nietner) aus. 

Hervorragend waren die Hortensien aus dem Charlottenburger 
Schlossgarten, bei denen wir ßlüthenstände von 27— 30cm Durchmesser 
maassen, ebenso die Hortensien aus dem Garten des Herrn Kom- 
merzienrath 0. Dellschau (Obergärtner Schmidt, Pankow). Auch 
diese hatten einen Durchmesser von 25—26 cm; die einzelnen 
Blumen waren noch grösser als die Charlottenburger und hatten 
4 cm Durchmesser, ausserdem waren sie fast noch schöner gefärbt und 
bestanden alle nur aus einjährigen Pflanzen. Diese grossblumige 
Varietät geht in Berlin unter dem Namen Bading'sche Hortensie, 
so nach dem ersten Einführer derselben, Herrn Bading, genannt. 



Sodann nennen wir das ganz ausgezeichnete Azale en Sortiment 
des Herrn 0. Dellschau, das bereits früher verdiente Aufmerksam- 
keit erregte; darunter: Imperatrice des Indes, Empereur du Bresil, 
Jean Vervaene, Bonle de Neige, Königin Olga, orbiculata plena, 
Gisela, Louise Pynaert; für Bindereien eignet sich nach Herrn Ober- 
gärtner Schmidt ganz besonders die Azalea „Bignonia" fl. pl. wegen 
ihres leuchtenden Roths und wegen der tiefen Blumenkrone. — 
Auch die Azaleen aus dem Schlossgarrten zu Charlottenburg waren 
sehr schön. Schau-Azaleen in prächtigen Hochstämmen etc. lieferte 
Herr Allardt, Schöneberg. 

Cinerarien waren in besonderer Güte von Herrn Kamoss, 
FrauBanquier Reichenheim, Berlin (Obergärtner Wetzl äff), und 
Kommerzienrath 0. Dellschau ausgestellt. 

Rosen (Louise Odier) nur von Herrn Specht, Schöneberg, 
Coleus in neueren Sorten von Herrn 0. Dellschau, darunter 
Ernst Benary, Arthur W. Sutton (ähnlich wie Duchess of Edinburgh), 
Godeffroy Leboeuf und Conrad Rosenthal ; letztere ist grün und gelb 
gefärbt und soll sich gut im Freien halten. Sehr hübsch machten 
sich auch die Iberis sempervirens L. von demselben, und verdient 
diese schöne weisse perennirende Blume besondere Beachtung, da sie 
sehr gut im Freien aushält. 

Die einzige Neuheit, aber auch eine sehr bemerkenswerthe, 
war das Odier-Pelargonium „Kaiserin Augusta" vom Kunst- 
und Handelsgärtner J. E. Lehmann, Dresden, Kamenzerstrasse 15, 
das sich durch kompakten Bau, schöne Färbung, sowie frühes und 
reiches Blühen auszeichnet. (Der Verein zur Beförderung des 
Gartenbaues hat diese Sorte, wie die anderen Züchtungen des Herrn 
Lehmann, der aus der Pelargonienkultur eine Spezialität macht, 
zum versuchsweisen Anbau bestellt.) 

Gehölzveredelungen in Töpfen lieferte Herr C. Schnitze, Char- 



Sieboldi, Q. 

Crataegus foL arg., getriebene Gemüse Herr Banquier Friedländer 
(Obergärtner ürban) und Herr Kommerzienrath 0. Dellschan 
(Obergärtner Schmidt), Blumenarrangements Herr Huhn und 
Frau Wendt, Drahtarbeiten (Ampeln etc.), W. Griselow, Se- 
bastianstrasse 62, Korbflechterarbeiten, W. Hilmer, Leipziger- 
strasse 101, Messer und Gartengeräthe Herrn. Brandes und Anton 
Bretzel, sowie Carl Thormann und besonders Hugo Alisch. 



Einige Mittheilungen 
über die Geschichte des WeiHstocks 



Es ist eigenthümlich, dass wir die Heimath unserer verbreitet- 
sten, nützlichsten und beliebtesten Kulturpflanzen nicht kennen. 
Vielleicht ist das ein Beweis für das ausserordentliche Alter der 



Kultur solcher Pflanzen, wie der Reis, der Weizen, der Weinstock 
und verschiedene andere. Den Letzteren, den Weinstock, findet man 
im westlichen Asien noch heute wild wachsend, aber sein eigentliches 
Vaterland hat noch Niemand mit absoluter Sicherheit nennen können. 

Unsere Kultur- Historiker behaupten, dass der Weinstock zu- 
erst in Indien kultivirt worden sei, aber es ist bewiesen, dass die 
Aegypter schon vor 6000 Jahren nicht nur den Weinstock zogen, 
sondern auch Wein kelterten und tranken, bewiesen durch die 
Hieroglyphen an den Wänden des Grabmals über Phtah-hotep, 
des Herrschers, der ungefähr 4000 Jahre v. Chr. in Memphis gelebt 
hat, bewiesen durch die kaum jüngeren Kulturbilder, welche die 
Felsengräber von Beni Hassan uns zeigen. An beiden Monu- 
menten sehen wir in beinahe leibhafter Darstellung (en bas-relief) 
die ganze Kultur des Weinstocks, das Schneiden der Trauben, das 
Keltern derselben — die Trauben werden theils durch die Füsse 
ausgetreten, theils auf mechanischem Wege, und mit Hilfe eines Hebels 
ausgepresst — und einen Aufseher, der, berauscht, die Bastonnade 
empfängt, weil er nicht treu bei seiner Pflicht ausgehalten hat. 

Die Aegypter, so erzählt G. Delchevalerie in „Plllustration 
horticole«, pflanzten den Weinstock im Viereck oder auch am Fusse 
grosser Bäume, an denen er frei in die Höhe wuchs. Der berühmte 
Aegyptologe Jean Fran^ois Champollion-Frigeac (lebte 1791 
bis 1831) hat dagegen einen Gartenplan der alten Aegypter gezeichnet 
und herausgegeben, auf dem man mitten unter den verschiedensten 
Spezial-Kulturen auch die dem Weinstock vorbehaltenen Beete sieht, 
auf denen er niedrig und in Form kleiner Bögen gezogen worden ist. 

Nach einer in Aegypten oft gehörten üeberlieferung war es eine 
Ziege, durch welche man auf den Gedanken kam, den Weinstock 
zu beschneiden. Nachdem ein solches Thier nämlich eine Weinrebe 
abgefressen, bemerkte man im nächsten Jahr, dass diese mehr und 
grössere Trauben angesetzt hatte als andere, und diese Beobachtung 
ist bei der Prüfung der Schnittmethoden sicher von grossem Nutzen 
gewesen. 

Die Felsengräber von Beni Hassan, welche aus dem 18. 
Jahrhundert, aber nach Herodot (2, 2) und Diodorus (Sikulus 1. 10, 20) 
aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. herstammen, zeigen uns heute noch 
Wandmalereien mit Darstellungen der Rebenkultur, nämlich die 
Weinlese, das Abbeeren u. s. w. Auch hier sehen wir zwei Arten 
von Pressen, von denen die eine durch Handkraft, die andere 
mechanisch in Bewegung gesetzt worden ist. — Die aegyptische 
Kommission bei der Wiener Welt -Ausstellung hatte den Leichensaal 
von Beni Hassan zur Darstellung gebracht, und sah man dort eine 
zwischen 2 Palmen aufgestellte Weinpresse mit freihängenden Stricken, 
an welche die Männer sich anklammerten, um die Trauben unter 
und mit ihren Füssen zu zerstampfen. Eine andere Presse hatte 
den Zweck, die in einen Sack geschütteten, zerstampften Weintrauben 
vermittelst eines Hebels auszuwinden (auszuwringen;, der entweder 
durch Menschenhände oder durch die Kraft einer Maschine iu 



Bewegung gesetzt wurde. Diese Wandgemälde zeigten auch, neben 
den erklärenden Legenden der Hieroglyphen, das Einfüllen des 
Weines in Flaschen, in grosse irdene Krüge, deren Transport in den 
Keller und endlich die Fabrikation des eingekochten, abgedampften 
Weines. Unter den Gefässen zeichnete man, um das Alter des Weins 
zu konstatiren, das Jahr der Ernte ein — konservirte man doch 
solchen Wein 100 Jahre und länger. 

Die Yorzüglichsten Weine, welche im Alterthum durch die 
aegyptische Sonne gezeitigt wurden, waren: der Wein von Plin- 
tine, wo nach Hellanicus der erste Weinberg angelegt worden war; 
der von Tebais (in Ober-Aegypten), für welchen Athenäus, der 
griechische Grammatiker, noch im 2. Jahrhundert n. Chr. Lobreden 
hielt; der Täniotische (Bandwurm-) Wein, welchen man stark 
mit Wasser verdünnte und der die Farbe des Honigs vom Hymettus 
annahm; der Koptische Wein, er war so leicht, dass man ihn 
den Fieberkranken geben konnte; der Wein des Antyllns, der 
bouquetreichste und edelste von Allen; endlich der AVein von 
Mareotis (in Unter- Aegypten), der in der Umgegend von Alexandrien 
gebaut wurde und der, nach Athenäus, einer vortrefflichen Traube 
entstammte und ein vorzügliches Bouquet entwickelte. 

Bei einem glänzenden Fest in AJexandrien im Jahre 284 v. Chr. 
bei Gelegenheit der Thronbesteigung von Ptolemäus-Philadelphus 
figurirte in dem Festzuge ein Prachtwagen, überragt von einer Kelter, 
die von 60 Satyrn oder Waldgöttern bedient wurde, deren Lied, 
von der Weinpresse, mit Flötenbegleitung, aber kaum zu Gehör kam. 
Zahlreiche Kinder schenkten dabei Wein in Strömen aus und trugen 
bei dieser Zeremonie Vasen von Gold, Silber und Emaille in den 
verschiedensten Farben. 

Wein wurde in Aegypten stets im Grossen gebaut, bis zur 
Eroberung durch die Khalifen (Ende des 7. Jahrhunderts n. Chr.), 
also bis zur Einführung der Lehre des Muhamed, der das Weintrinken 
verbot, ganz einfach deshalb, weil es im warmen Klima dem 
Menschen schadet. 

Von Aegypten wurde der Weinstock in Griechenland, Italien 
(Rom) und im übrigen mittleren Europa eingeführt. 

Zur Zeit des Strabo (1. Jahrhandert v. Chr.) trieb Bordeaux 
schon Weinbau und der Wein von Marseille, durch die Phokäer 
von ihrer ionischen Kolonie in Klein -Asien eingeführt, war vom 
besten Ruf. 

Im Jahre 92 n. Chr. verordnete der römische Kaiser Domitian 
(81—97) wegen eingetretener Theuerung die Ausrottung aller Wein- 
stöcke und der Befehl wurde mit grösster Strenge ausgeführt. 

Im Jahre 282 setzte Kaiser Valerius Probus das unbillige 
Verbot ausser Kraft und die römischen Legionen wurden mit der 
Wiederbepflanzung der verödeten Weinberge beschäftigt — auch in 
Ungarn, dem Vaterland des Probus, wo sie, aufgebracht über die 
ungewohnte Frohnarbeit, ihn in demselben Jahre erschlugen. — Die 
Bretagner erhielten auch die Aufforderung, den Weinstock auf ihren 



Ländereien wieder aufpflanzen nnd diese Kultur verbreitete sich seit- 
dem überall da, wo das Klima die Reife der Traube gestattet. 

Der Kaiser Julianus Apostata (361—363) hatte Worte des 
Lobes für den Wein, welcher in der Gegend von Lutetia (Paris) 
gebaut wurde. Der Dichter Ausonius Decimus Magnus rühmt in 
demselben Jahrhundert auch den Weinbau an der Mosel, von wo 
derselbe sich in Luxemburg und bis ins belgische Brabant aus- 
breitete. Dies wird auch bestätigt durch eine von J. v. d. Meulen 
veröffentlichte Notiz, die uns mit zu Scharbeck gefundenen Medaillen 
bekannt macht, nach denen hier schon zu Ende des zweiten und 
Anfangs des dritten Jahrhunderts Weinberge vorhanden waren. In 
den Sevennen baute man im sechsten und siebenten Jahrhundert 
Wein im Grossen. In Belgien erinnert man sich noch des Wein- 
gartens von Gent, der 939 von Arnold dem Aelteren den Mönchen 
von St. Pierre geschenkt wurde, auch desjenigen von Forest (1233), 
von Vlierbeck (1291) und des von Louvain (1312). 

Die Originale oder den Ursprung unserer Gutedelsorten werden 
wir in der Umgebung von Konstantinopel zu suchen haben, obwohl 
sie im Laufe der Zeit durch europäisches Klima und europäische 
Kultur unzweifelhaft verbessert worden sind. Die Stadt Fontainebleau 
bat in ihren Kulturen ä la Thomery des Pariser Gutedel (Chasselas 
dore de Fontainebleau) eine Quelle ganz bedeutenden Wohlstandes 
gefunden. 

Diese Kulturen werden unter Franz I. (1515 — 1547) ein- 
gerichtet worden sein und zwar durch Winzer und Reben, die dieser 
Monarch von Gabors kommen Hess, wie ein Schreiben beweist, 
welches in den Archiven dieser Stadt gefunden wurde und welches 
in den Sitzungsberichten der Societe nationale et centrale d'horti- 
culture de France wiedergegeben ist und das ungefähr so lautet: 

„Im Jahre 1531 Mitte Juni waren von unserem König und 
Sonverain Herrn Franz I drei Sendschreiben an den Herrn Senescnall 
geschickt worden und wünschte der Herr, dass man ihm einen Winzer 
von Gabors schicken möchte, damit er einen eingezäunten Weinberg 
zu Fontainebleau bepflanze und pflege, und die Herren Rathsherren, 
nachdem sie die meisten Winzer der Stadt um sich versammelt, 
hatten beschlossen, den Jean de Rival, mit dem Beinamen Prinz- 
Winzer von Gabors, im November dahin zu schicken. Während 
zweier Jahre hat nun dieser Jean de Rival, genannt der Prinz, eine 
grosse Anzahl von Weinstöcken in Gabors zusammengebracht und 
in Fontainebleau gepflanzt und gepflegt. Jean de Rival, nachdem 
er nach Gabors zurückgekehrt, machte für den König eine zweite 
Reise und brachte ihm noch mehr Pflanzen, aber auch 20 Stückfass 
Wein auf 30 Mauleseln mit. Wahrheitsgetreu bescheinigt von L. Brun, 
V. d. Steuerdirektor in Gabors." 

Seit jener Zeit hat der Pariser Gutedel bekanntlich mehrere 
Abarten gegeben, die ausgezeichnete Tafeltrauben liefern und die 
überall verbreitet sind. 

In Belgien, um noch einmal hierher zurückzukehren, ist der 



216 



W einbau von keiner grossen Bedeutung und ist es niemals gewesen. 
Die meisten noch vorhandenen Weinberge befinden sich am linken 
Ufer der Maas zwischen Namur und Lüttich; sie geben einen im 
Lande gern getrunkenen Wein, der aber keinen Vergleich aushäit 
mit den Burgunder- und Bordeaux -Weinen, welche Frankreich, oder 
mit den Rheinweinen, welche Deutschland produzirt. 

Wir müssen noch einmal auf den Weinstock aus Sudan (März- 
heft) zurückkommen; Carriere, nach der „Revue horticole", hofft 
nämlich, dass die französischen Arbeiter, Dank dem Herrn Lecard, 
bald wirklichen Wein zu billigem Preise werden trinken können. 
Der Same wird bei Herrn Ch antin, Horticulteure , 32 Avenue de 
Chatillon, in Paris käuflich zu haben sein. 

Dagegen beweist M. A. Lavalle, Schatzmeister der Societe 
nationale d'Agriculture de France, in der schon im Märzheft er- 
wähnten Broschüre, dass der Anbau dieses Weinstocks von Sudan 
unmöglich sei. Die Arten mit Wurzelknollen, sagt er, können in 
Frankreich nicht gedeihen, denn hier fehlt die Wärme der Ruhezeit 
und die Feuchtigkeit während der Wachsthumsperiode; die Knollen 
würden hier über Winter einfach erfrieren. Der Vergleich mit 
anderen Pflanzen, wie der Georgine, die wir über Winter trocken 
und frostfrei aufbewahren, hinkt, denn letztere stammt aus der 
Hochebene von Mexiko, die ein dem unsrigen ähnliches Klima 
besitzt. Die Knollen des Weinstocks von Sudan als Unterlage zum 
Pfropfen unseres Weinstocks zu benützen, ist einfach Nonsens, denn 
sie erfrieren und das Edelreis würde sich bewurzeln, ist also in 
solchem Fall einfach ein Steckling. — Selbst in Algerien würde eine 
erfolgreiche Kultur nicht möglich sein, denn die einer Scheindolde 
entspringenden Beeren reifen ungleich, müssten also zu verschiedenen 
Zeiten geerntet werden. Aehnliches gelte von M. Lecard 's ein- 
jähriger Spezies der Vitis, deren Kultur in Frankreich und anderen 
Ländern eben so wenig gelingen werde, wie die vieler anderer 
Annuellen aus dem tropischen Afrika, üebrigens dürften M. Lecard's 
Vitis -Arten meist denen der Gattung Cissus zu vergleichen sein. 
Von Ampelideen, namentlich Vitis, aus dem tropischen Afrika ver- 
zeichnet übrigens schon Dr. Well witsch im Journal of the Linnean 
Society, London (3) ungefähr 40, die Flora of tropical Africa von 
Oliver selbst 48 Spezies. 

Aehnlich dem Weinstock von Sudan soll der von Madagaskar 
sein, indem er ebenfalls dem Wurzelknollen entsprosst, der, wie die 
„France coloniale" erzählt, von den dortigen Einwohnern gern 
gegessen wird, während die Traube säuerlich schmeckt. 

Einen weiteren Ersatz für die von der Reblaus zerstörte oder 
bedrohte Vitis vinifera, unseren Weinstock, stellen die Herren 
Vilmorin, Andrieux & Co. in Paris in Aussicht, indem sie Samen 
des asiatischen Weinstocks anbieten, der ihnen von Herrn Ermens, 
Direktor der landwirthschaftlichen und Weinkulturen des Maha- 
radscha von Kaschmir geliefert wird. Diese Art Weinstock, der 
ohne jede Kultur an Bäumen 60—70 m hoch emporwächst, soll 
auch geeignete Unterlagen für unsere alten Rebsorten abgeben und 



ist bei genanntem Handelshause in drei Arten vorräthig, deren 
Tranben eine Art Rheinwein, einen Schaumwein und die dritte Sorte 
einen rothen, sonst aber weniger guten Wein liefern sollen. Die 
Samen kosten die 100 Korn Francs 2,5, die 1000 Korn Francs 20,0. 
Die drei Spezies sind nach Lavalle: Vitis (Ampelopsis) aconitifolia 
Bunge, humulifolia Bunge und heterophylla Thunb. 

Park Branitz. 

Eine Eeise - Erinnerung von M. Hoff mann. 
(Fortsetzung.) 
Auf der Südseite des Schlosses galt es hinwiederum, die Aus- 
sicht von hier aus auf die einzehien Wirthschaftsgebände des Besitz- 
thumes zu verstecken, und wenn irgend wo, so war der Fürst gerade 
dieser Hinsicht ein Meister. Er verstand es sich der Architektur 
soweit zu bedienen, wie es der Reiz des Interessanten erfordert, 
iem er Oekonomiehof und dergl. vermittelst einer ziemlich um- 
fangreichen Pergola vom Schlosshofe geschickt abzusondern verstand. 



angekauft und hiermit eme gleich schwierige Aufgabe erledigt, wie 
solche seiner Zeit in Muskau ausgeführt worden war. Der Plan 
zum Ganzen lag fertig vor den Augen und Gedanken des Fürsten, 
und man muss staunen, mit welcher Consequenz dieser Plan auf 
ein gegen 1000 Morgen umfassendes Gebiet ausgearbeitet, systematisch 
zur Durchführung gebracht worden. Wohl gesteht der Fürst in einem 
Briefe an den damaligen Garten - Inspektor Petzold*) u. A.: ich 
frage mich oft, ob mein Branitzer Beginnen nicht an die fixe Idee 
grenzt?" Aber war das nicht bittere Ironie, leicht 



erklärlich daher, dass der Schöpfer der Anlagen, als er dies schrieb 
im üppigen Rheinthale weilte, als es es erleben musste, wie daheim 
der Sturm höhere, kaum angewachsene Bäume wieder entwurzelte, 



als er sah, wie leicht die Dürre des Sommers den Rasen verbrannte, 
die Pflanzungen ausdorrte. So konnte er im Hinblick auf seine 
Branitzer Schöpfung wohl mit einem gewissen Rechte diese vor- 
übergehende Meinung hegen, welche Laien sich nicht scheuten, 
ungehindert auszusprechen, deren Idee wir aber die Entstehung eines 
seltenen Kunstproduktes verdanken. 

Andernorts**) schreibt der Fürst : so viel ist gewiss, dass, wenn 
es mir hier gelingt eine ästhetische Natur hervorzuzaubern, dies 
mein Meisterstück sein wird, wie auch mein letztes Stück, welches 
zur Aufführung kommt." Muskau mit Branitz vergleichen zu wollen 
geht schon darum nicht an, weil Muskau als ein .fertiges Bild vor 
unserm Auge, als ein abgerundetes Ganze dasteht, weil andrerseits 
hier die Natur in ihrem Bodenwurf unendlich Mannigfaltiges, das 



*) Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Biograph. Skizze v. Garten 
Direktor E. Petzold, S. 27. Brief aus Coblenz, den 19. Juni 1857. 

Desgleichen: Brief aus Branitz, den 11. April 1847 an den Super 



218 



Wasser, im üppigen Bette dahin strömend, ein natürliches Gefälle 
besitzt, die Umgebnng, als eine höchst malerische, auch entsprechend 
grossartige Perspektive gestattet, das Bodenmaterial endlich selbst 
mit wenigen Ausnahmen sich der Kultur weit ergiebiger erweist. 
Von dem Allen ist bei Branitz nicht die Rede, vornehmlich deshalb 
nicht, weil dem Fürsten eine Vollendung seines letzten Stückes nicht 
vergönnt war. Wohl war es sein letztes Werk, das zur Aufführung 
gekommen, das aber auch ohne Anwendung der ultima lima, an- 
gesichts der hier überwundenen grossen Schwierigkeiten ein echtes 
Meisterstück genannt zu werden verdient; es wurde hier in der That 
eine ästhetische Natur hervorgezaubert. Oder würde etwa ein Fach- 
kenner von der grossartigen nördlich von der Front des Schlosses 
liegenden Aussicht nicht entzückt sein? Wirken die im Mittelgrund 
dieses Bildes stehenden einzelnen hohen Bäume, deren Spiegelbild 
der rings umher sich weit ausdehnende Easengrand bildet, nicht 
erhaben, trägt jene öffentliche Strasse, welche hier und da in die 
freie Landschaft hervortritt, um sich im nächsten Moment wieder in 
den Gebüsch-Parthien zu verlieren, nicht zu erhöhter Belebung der 
Szenerie bei, wirken die zu beiden Seiten die Aussicht einrahmen- 
den Gebüsch - Gruppen nicht höchst malerisch, ist endlich das am 
Horizont sich sanft erhebende Terrain, besäumt von Waldrändern, 
deren kühne Contouren durch grössere oder geringere Abstände 
unter sich so herrliche abtönende Lichter, so verschiedentlich ge- 
stalteten Horizontal - Linien hervorzurufen im Stande sind, nicht 
künstlerisch so geschickt berechnet? Wie treffend der Fürst diesen 
letzteren Effekt von vornherein beurtheilte, einen Effekt, den er auf 
dem denkbar einfachsten Wege erreichte, geht aus einem Briefe an 
Petzold hervor*) worin er sagt: er habe durch einen Aushau von 
500 Klafter den gleichförmigen (bez. Höhe und Farbe) Kiefernwald 
zu so interessantem Aussehen verholten." Und welch' meisterhafte 
Leistung spricht sich nicht in der Führung des Baches aus, der, 
rechts im Bilde, von der Höhe her bis zum Schlosse sich hinzieht? 
Treten wir einige wenig Schritte abseits vom Schlosse nach rechts 
gewendet, so gewahren wir einen Durchblick, der das ganze grosse 
vorherige Bild in diagonaler Richtung durchschneidend, einen un- 
widerstehlichen Zauber auf Kenner wie Laien ausübt. Das ist das 
Werk einer Meisterhand, wie wir es sonst weit und breit vergebens 
buchen, da ist das Ideal zur Wirklichkeit gebannt. Auf der den 
Wirthschaftshof zugewendeten Fa<jade des Schlosses ist die bisher 
denselben abschliessenden Pergola zu einem Säulenhof, einer Art 
mpluvmm in grösseren Verhältnissen erweitert und damit nur einer 
langst gehegten Idee des verstorbenen Fürsten in gelungenster 
\Veise Rechnung getragen. Wie mächtig wirkt nun das Bild der 
dahinter sich weit ausdehnenden sogenannten Königswiese, welche 
wir an der ehemaligen Waldschenke vorüber, in wenigen Minuten 
erreichen. Indess die Giebelwände angrenzender Wirthschaftsgebäude 
m ihrer ma lerischen Wirkung die Staffage einerseits zur Landschaft 
*) Aus \otbeDaiiiiter biogr. Skizze S. 26. Brief aus Branitz, ti. Januar iSbö. 



— 219 



liefern, treten Gebüsche, Baumgruppen, Rasenteppich in grossen um- 
fassenden Parthieen als Hauptgegenstand des Bildes auf. Ueber 
den grünen Wiesenplan hinweg erheben sich, nach dem Schlosse zu 
gesehen, hier und da einzelne Theile des Hauptgebäudes hervor, 
wohl ahnen lassend , welch' gemüthvoller Herrschaftssitz sich 
dahinter ausbreitet. Wie geschickt sind hier die Horizont- Linien 
der Baumumrisse durch dazwischen stehen gebliebene einzelne 
Pyramiden - Pappeln der ehemaligen Landstrasse unterbrochen 
und steigen so im Verein mit den sie umgebenden, dicht 
beschatteten, rund gewölbten Baumkronen mächtiger Eichen, 
Rüstern, kanadischer Pappeln, die malerische Wirkung des Ganzen. 
Wahrlich, nicht umsonst trägt diese Wiese die ehrenvolle Bezeich- 
nung; denn eine Königin fand es wohl der Mühe lohnend, hierhin 
des Oefteren zu lustwandeln, um die Erhabenheit der Natur ungestört 
geniessen zu können. Entgegen diesem Bilde schweift unser Blick 
nach links gewendet über eine endlose Fläche dahin, das Auge am 
Horizont auf dem Saum des sich fernhin ziehenden Laub- und Nadel- 
holz-Waldes ruhend. Hier haben u. A. die neuesten Arbeiten des 
jetzigen Standesherrn von Branitz das schwierige Werk des Nach- 
bildners zu vervollkommnen gesucht, und wir können der Vorsicht 
wie auch der Energie gegenüber, mit welcher dies geschieht, nur 
das Wort reden. Hier haben Axt und Säge zunächst ihre Aufgabe 
gethan und noch zu thun, und es wäre wohl zu wünschen, dass 
man in dieser Beziehung allgemeiner dem Grundsatze huldigte: die 
begonnene Anlage, wofern sie im rechten Sinne erhalten werden 
soll, auch weiter auszuschmücken. Muskau ist in erster Linie ein 
solch beredtes Beispiel und Branitz eifert dem würdig nach. Die 
lyrischen Stossseufzer elegisch gestimmter Seelen*) kommen insofern 
nicht in Betracht, da wir, offen gesagt, schon die Druckerschwärze 
bezüglich einer Wiedergabe derartiger Ergüsse für zu schade halten, 
andrerseits aber behaupten, dass durch derartig geübte Kritik der 
Geschmack des Publikums nicht geläutert, sondern geradezu irre 
geleitet werde. Jedenfalls darf der Fachmann sich durch dergleichen 
Geschwätz nicht beirren lassen und erachten wir es für billig, den 
Standtpunkt des Fürsten auch in dieser Beziehung feststellen zu 
können. (Scbluss folgt.) 

Ueber Zwillingsfrüchte. 

ZusammeD, einer Doppelkirsche gleich, 

Zum Schein getrennt, doch in der Trennung eins, 

Zwei holde Beeren, einem Stiel € " ' 

(Hekna zu Hennia im „ 

Maxwell Masters gebührt das Verdienst, in 
spielen so überaus reichen „Vegetable teratology" S. 46 die Botaniker 
darauf aufmerksam gemacht zu haben, dass bereits Shakespeare 
*)"^iehe der Hausireund, Jahrgang 78/79, Band 22. 



ist, das 



_ 220 — 



Ikirschen gekannt hat, und wenn auch nicht zu bezweifeln 
5S, so lange Kirschen genossen werden, derartige Zwillings- 
früchte beobachtet sind, so dürfte doch jene angeführte Stelle mit 
einer der ältesten Beläge für diese Abnormität sein. Bei keiner 
anderen Frucht findet man Verwachsungen mehrerer einzelner Früchte 
so häufig, wie bei den Kirschen und bei keiner anderen lässt sich 
so leicht nachweisen, dass meist die Doppel- oder Dreizahl durch 
das Auftreten von mehreren Fruchtknoten in einer Blüthe bedingt 



mehrerer dicht nebeneinander stehender Blüthen veranlasst werden 
kann. Masters bemerkt am angeführten Orte, dass auch bei 
Pfirsichen, Johannisbeeren, Kürbissen, Melonen und „vielen anderen 
Früchten" (auch Bohnen) Doppelfrüchte beobachtet seien, indess 
dürften diese doch seltener auftreten. Seringe hat bei Melonen 
sogar drei Früchte vereinigt gesehen (Bull. bot. Band ?, Taf. IIL**) 
Figur 4—6 cit. nach Masters 1. c). Ich war noch nicht so glücklich 
und sah von Melonen und Bohnen nur je eine Doppelfrucht, glaube 
aber, dass diese immerhin ein gewisses Interesse in Anspruch nehmen 
dürften. 

I. Eine Zwillingsmelone. 

Die abgebildete Zwillingsmelone wurde mir von dem durch seine 

grossartigen Melonenkulturen bekannten Kunst- und Handelsgärtner 

Herrn Gustav Ebers, Berlin, Hasenhaide 10, im September 1877 

Der Stiel war völlig einfach und lieferte durchaus kein 




ne. Vs D- G- Figiir 5: Dieselbe im Durchschnittt. 

>- etwa eine Verwachsung zweier Blüthen statt- 
et also anzunehmen, dass zwei Fruchtknoten in 
u ! ijiuiii.j vuiuaüden waren. Im Uebrigen bedarf unsere Zwillings- 

*) Bei einer gefüllten Prunus Petzoldi K. Koch (als FruHus triloba er- 
en) fand ich fast alle Blüthen mit 2— 3 Pistillen; Aehnliches beobachteten 
Her und Prollius bei einem gefüllten Süsskirschenbaum (Deutsche 
tnerzeitung 1881, S. 99). 
**) Die Nummer des Ban-ies ist bei Masters nicht genannt. L. W. 



melone keiner weitläufigen Erklärung, da die Abbildung Alles 
erkennen lässt. Man sieht, dass beide Früchte vollkommen aus- 
gebildet sind und die Verwachsungsstelle, die etwa zwei Drittel der 
ganzen Länge einnimmt, äusserlich durch eine tiefe Furche (Fig. 4) 
kenntlich ist. Bemerkenswerth ist aber die Thatsache, dass, wie 
mir Herr Ebers jun. mittheilte, die Samen dieser Zwillingsmelone 
zum Theil wieder Zwillingsmelonen gebracht haben; es wäre also 
vielleicht möglich, diese Monstrosität zu fixiren. Die abgebildete 
Doppelfrucht hatte eine Breite von 27 cm, eine Höhe von I8V2 cm 
und eine Dicke von 13 cm; das Gewicht betrug 3% kg. 

II. Eine Zwillingsbolme. 

Der Rendant der landwirthschaftlichen Hochschule in Berlin, 
Herr Lieut. a. D. E. Müller, überbrachte für das Museum der Hoch- 
schule im Sommer 1880 eine halbreife Zwillingsbohne, Phaseolus 
vulgaris, aus dem Garten des Fabrikanten Krakow in Finster- 
walde, von der beifolgend die Abbildung. Auch hier zeigen der 
einfache Stiel und der einfache Kelch, 
dass es sich um eine Verdoppelung 
des Fruchtknotens in einer Blüthe 
handelt. Die beiden Früchte sind bis 
auf zwei Drittel ihrer Länge ver- 
wachsen und haben bis etwa zur Mitte 
nur die Breite einer normalen Bohne, 
ein durchgehender Kiel aber zeigt 
deutlich, dass eine Verwachsung an 
der Bauchnaht stattgefunden. Im 
oberen Drittel sind die beiden Früchte 
frei, indess einander sehr genähert 
und nur die Griffel sind deutlich 
getrennt. Die eine Bohne (in Fig. 6 
rechts und in Fig. 7 links) erscheint 
aufgeblasen und viereckig, so dass es 
fast den Anschein hat, als bestände 
sie wieder aus zwei, indess ist dieses 
Ansehen nur durch eine tiefe Ein- 
faltung der Rückennaht veranlasst. 
Diese Frucht enthält zwei Samen, die ^ 
andere nur einen. 







Fignr 7 : Dieselbe v 



ScWesische Gesellschaft für vaterläHdisclie Kultur. 

Sitziing der bot. Sektion am 18. Dez. 1880. 

(Professor Dr. Göppert: üeber fossile Coniferen.) 

Herr Geheimrath Professor Dr. Göppert trug eine Revision 

seiner Arbeiten über die Stamme der Coniferen, besonders der 

Araucariten, vor, unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Des- 



222 



cendenztheorie und unter Vorlage der für seine Monographie der 
paläozoischen Conifereu bestimmten Zeichnungen, die ca. 36 Tafeln 
Gr. Q. einnehmen werden. Sie umfassen alle bis jetzt bekaunteu 
Coniferen dieses geognostischen Alters, schliessen sich an die bereits 
früher von dem Vortragenden bekannt gemachten, hier wieder neu 
untersuchten Arten an, unter Hinzufügung der neuen seit den ersten 
Bearbeitungen in den Jahren 1843, 1850 und 1864 entdeckten Arten. 
Die ersten Tafeln handeln von der äusseren und inneren Beschaffen- 
heit der lebenden Araucarien, worauf die fossilen nach ihrem 
geognostischen Alter folgen, das hier womöglich noch von grösserer 
wissenschaftlicher Bedeutung ist, als die botanischen sich auf 
Strukturverhältnisse gründenden Unterschiede. Die Reihe eröffnen die 
Arten des oberen Devon, Culm, Carbon und Perm. Formationen 
auf 32 Tafeln mit besonderer Berücksichtigung des Versteinerungs- 
Prozesses. Aporoxylon Unger. angeblich eine Conifere ohne Tüpfel, 
stellt sich bei genauer Untersuchung als damit wohl versehen heraus, 
kommt also unter die Araucariten, deren überhaupt 29 aufgeführt 
werden, selbstverständlich mit starker Reservation, bei vielen kaum 
durch Struktur, sondern nur durch das verschiedene Vorkommen von 
einander zu unterscheidenden Arten. Schliesslich folgen die Illustra- 
tionen der noch zu den Araucariten zu rechnenden Pitys, Protopitys, 
sowie die eine von den beiden in der paläozoischen Periode bis jetzt ge- 
fundenen Pinites: P.Conwentzianus. In gedrängtem historischem üeber- 
blicke wurden die Motive auseinandergesetzt, warum der Verfasser 
den Gattungsnamen Araucarites beibehielt, weil er durch die in der 
Paläontologie gebräuchliche Endigung die Unsicherheit der Ab- 
am besten bezeichnet, in der wir uns bei Fehlen 



zur Vollständigkeit gehörenden Vegetations- und Fruchtorgane be- 
fanden und daher der von G. Kraus eingeführte Araucariosylon 
(Araucarienholz) um so weniger passe, als in der Jetztwelt die 
Damara- Arten mit den Araucarien denselben inneren Bau theilen, 
man also ohne jene Organe mit diesem neuen Namen auch nicht 
weiter käme als bisher, sondern die ohnehin grosse Zahl der 
Synonymen nur vermehre, und um Namen handele es sich nur, denn 
in den generischen Daten nehme Kraus keine Veränderung vor. 
Auf ähnliche Weise verfahre Kraus bei Pinites, wo er unter andern 
eine neue Gattung, Cedroxylon, mit 25 Arten gründe, von denen 
er gleich von vornherein 12 als unsicher hinstelle, worauf ich hier 
nicht näher eingehe, sondern auf die diesfallsige grösstentheils bereits 
gedruckte Abhandlung in dem botanischen Zentralblatt von Dr. Uhl- 
worm verweise, in welchem sie als eine Art Prodromus des oben 
genannten grösseren Werkes erscheinen wird. Ebenso muss ich hier 
übergehen die Schlüsse, welche aus sämmtlichen diesfallsigen Unter- 
suchungen in Verbindung mit den anderweitigen Arten der paläo- 
zoischen Flora überhaupt folgen mit Ausnahme derjenigen, welche das 
wahrhaft plötzliche Auftreten der Lepidodendreae, Calamariae, Sigilla- 
riae, Medullosae, Farne, betreffen, die ohne alle und jede Entwickelungs- 
oder Uebergangsstufe, und zwar in einer die Glieder der späteren 



Formation und der Jetztwelt sogar überragenden Vollkommenheit zum 
Vorschein kommen. Wir sind nun fast an der Grenze der Ablage- 
rungen angelangt, in denen man durch fortdauernde Variationen Neu- 
bildungen von Landpflanzen noch aufzufinden vermag. 

Nur Graphit und älteste Thonschiefer bleiben noch übrig, welche 
letzteren neuerdings wieder von Ostindien her als die Fundstätte des 
Diamants angegeben werden, an dessen Bildung auf nassem Wege 
ich durchaus nicht zweiHe und meine, 1864 schon bewiesen zu haben. 
Jene vollkommeneren eben genannten Bürger der ältesten Landflora 
begreife ich jetzt unter dem Namen der kombinirten Organismen. 
Sie füllen die grosse Lücke aus, welche jetzt zwischen den krypto- 
gamischen Gefässpflauzen und den Gymnospermen vorhanden ist, 
erlöschen am Ende der paläozoischen Periode, wie überhaupt der 
schöpferische Trieb zu absoluter Neubildung nur noch bis in die 
Trias hinein reicht, von wo an sich die gesammte spätere Vegetation 
nur noch in den Typen der Gegenwart bewegt. In dem grossartigen 
Rahmen vom Anfange der Vegetation bis zur Kreideformation er- 
blicken wir überhaupt etwa nur 9 — 10 zu Zellen- und Gefäss-Krypto- 
gamen, Monocotyledonen und Gymnospermen gehörende Familien, 
jedoch mit welchselnde Zahl von Gattungen und Arten, am mannig- 
faltigsten in dem Carbon, welche die Gebiete jener Flora ausmachen. 
Diese Einförmigkeit verliert sich erst in der Kreide, in deren mittleren 
Lagen auch urplötzlich ohne Vorstufen die Dicotyledonen zum Vor- 
schein kommen und von da in immer steigender Progression bis in 
das Miocen der Tertiärformation mit in etwa 112 Familien vertheilten 
480 bis 490 Gattungen und mindestens 2000 Arten ihr Maximum 
erlangen. Ein äusserst buntes Gemisch von mit unserer Vegetation 
aller Zonen und Regionen verwandten, ja sogar identisch erscheinenden 
Arten, da eine nicht geringe Zahl von Tertiärpflanzen unter andern 
zum Beweise für Unveränderlichkeit von Artentypen in unsere jetzige 
Flora übergegangen sind. Für alle diese Arten, also etwa 2000 
Tertiär- und 500 Kreidepflanzen, deren Zahl sich gewiss bald ausser- 
ordentlich vermehren wird, ist der phylogenetische Zusammenhang 
bis zu ihren Urformen noch zu erforschen, über die Kreide hinaus 
für ihre dicotyledone Flora noch Alles, abgesehen von den paläo- 
zoischen vom Culm bis Perm erst zu ermitteln, wie sich aus der 
Monotonie aller darauf folgenden älteren Floren herausstellt, d. h. 
eben nach Maassgabe der Ermittelungen über die erforschten Ge- 
biete (ich gefalle mir nicht in grundlosen Negationen) für jetzt 
anzunehmen ist. 

Ob man die Verhältnisse der fossilen Flora schon einer Betrachtung 
auf vorliegende Weise unterzogen hat, ist mir unbekannt. Den 
Meisten gilt dies schon als ein überwundener Standpunkt oder die 
fossile Flora für viel zu unvollständig, um in Angelegenheiten der 
Descendenztheorie gehört zu werden. Ich meine aber, dass, un- 
o-eachtet der tiefsten Hochachtung für den Gründer derselben, den 
auch ich als einen der ersten Naturforscher unserer Tage verehre, 
unsere noch so junge, kaum 60 Jahre alte Wissenschaft mit einer 



224 



so reichen Literatur, wie sie nur wenige andere in solcher Kürze 
der Zeit aufzuweisen haben, mit ihren 6000 fast nach allen Rich- 
tungen nach Vorgang der jetzigen Flora untersuchten Arten, doch 
wohl einige Berücksichtigung beanspruchen darf. Auch ich stimme 
für das allmälige Fortschreiten von dem Einfachen zum Zusammen- 
gesetzten, von dem Auftreten von Zellenpflanzen bis zu Dicotyledonen, 
halte aber die Nachweisung des phylogenetischen Zusammenhanges 
der einzelnen Floren für die eine der Aufgaben, zu deren Lösung der 
Wissenschaft noch viel zu thun übrig bleibt. Schliesslich besprach 
der Vortragende noch das von ihm herausgegebene Arboretum fossile, 
bestehend in Dünnschliffen von paläozoischen Hölzern, besorgt von 
Voigt & Hochgesang in Göttingen, dessen näherer Inhalt in einer 
der nächsten Sitzungen noch erörtert werden soll. 



Erklärung. 

Die Herren Dr. Ed. und Friedrich Lucas empfehlen in ihrer 
„Anleitung zum Gemüsebau" eine „Schwedische Methode des 
Spargelbaues von Hofgärtner Ahlsen", die in der Hauptsache 
ganz derjenigen gleicht, welche ich erdacht, welche in den Jahren 
1862 u. ff. im Garten des Königlich schwedischen landwirthschaft- 
üchen Instituts Alnarp bei Malmoe nach vergleichenden Versuchen 
mit anderen, weil die biUigste in der Anlage und den frühesten 
Ertrag gebend, als die beste festgestellt, die ich von 1866 ab auf 
den Gütern des Herrn J. Sinclair, Gunnared bei Gothenburg, im 
Grossen, später an verschiedenen Orten in Deutschland in mehr oder 
minder grossem Maasstabe angewendet, und die ich ganz ent- 
scMeden als die meinige erklären muss, nachdem ich sie 1871 
im Oktoberheft von „Göteborgs och Bohusläns Hushällnings-Sälsskaps 
Quartalskrift", 1878 in No. 38 u. ff. meines „Deutschen Garten", 
Berlin bei Friedrich Schulze, 1879 in No. 61 der „Deutschen land- 
wirthschaftlichen Presse", Berlin bei P. Parey, in der von mir 
besorgten Ausgabe von „Wredow's Gartenfreund", Berlin 1881 bei 
Siegfried Cronbach, und in der „Kreuzzeitung" vom 3. April 1881 
mehr oder weniger ausführlich beschrieben habe. 

Gharlottenburg, O. Hüttig, 
Anfwig Mai 1881. Direktor em. des Gartenbaues. 
Landschaftsgärtner. 

Zur Frage der Sämlingszucht. 

(Aus meiner Praxis.) 

Von L. Groth in Guben. 
Als ich vor nunmehr länger als 25 Jahren ein Grundstück 
kaufte, einen Weinberg von circa 1 Morgen Grösse, ohne auch nur 
eine Idee vom Gartenbau zu haben, war mein erster Gedanke, eine 
Baumschule darauf anzulegen. Die Bäume wollte ich nicht ziehen, 
um solche zu verkaufen, sondern nur um sie zu haben und mich 



am Wachsthum derselben zu erfreaen. Dass diese veredelt werden 
müssten, um Früchte zu bringen, war mir schon bekannt, denn 
Jugend-Freunde, die in einem Winkel ihres elterlichen Gartens eine 
kleine Baumschule von ein Dutzend Stämmehen besassen, hatten 
mir dies Geheimniss schon verrathen. 

Zur Ausführung dieser Idee war mir ein Mitglied des Gartenbau- 
Vereins, dem ich inzwischen mich angeschlossen, Herr Apotheker 
Ulrich, insofern behülflich, als er mir 25 junge 1jährige Apfel- 
bäume schenkte. Diese wurden nun in Reihen ä 5 Stück gebracht 
und auf's Beste gepflegt. Da mir aber jegliche Kenntniss fehlte, 
so hatte ich die Bäumchen in die brennende Sonne, gerade auf die 
trockenste Stelle des Grundstücks gesetzt und wuchsen sie, obgleich 
sie sämmtlich am Leben blieben, doch nur sehr sparsam. 

Inzwischen suchte ich nun das Veredeln von einem Winzer zu 
erlernen und pfropfte (hier zur Zeit die Haupt-Veredelungsart) 
alles, was nur irgend einen Finger stark war, ob Baum oder Strauch, 
ob Pfirsich, Aprikose, Apfel oder Birne, und zu jeder Jahreszeit, 
selbstverständlich ohne jeglichen Erfolg. Mein Winzer, der die 
Quälerei nicht länger mit ansehen konnte, gab mir nun Aufschluss, 
und siehe da, ein Bäumchen wuchs. Nun war die Freude gross 
und jetzt wurde mir auch klar, dass der Platz, wo die Baumschule 
angelegt war, der angeeignetste sei. Aber wohin mit den Pflanzen 
— auf einem Sandhügel? Ich brachte nun die Bäumchen am Fusse 
des Berges unter, drei davon, ein veredeltes und zwei Wildlinge, 
brachte ich in gehöriger Entfernung auf ihren heutigen Standpunkt, 
da sie während der Zeit so erstarkt waren, dass sie als Setzbäume 
gelten konnten. 

Später, zehn Jahre nach dem ersten Versuch, erhielt ich circa 
300 Bäumchen aus der aufgelösten Vereins-Baumschule. Auch diese 
wurden möglichst am Fusse des mittlerweile durch Ankauf um das 
Doppelte vergrösserten Weinberges untergebracht. Auch Kernsaaten, 
die ich gemacht, waren so weit erstarkt, dass sie ausgepflanzt 
werden mussten und kamen sie ebenfalls an diese Stelle. Nun hatte 
ich schon einen kleinen Wald von Obstbäumen, in welchem ich 
schon stellenweise im Schatten, ohne, wie bei den Palmen, gestraft 
zu werden, wandeln konnte. 

Verkauft wurde indessen nichts, denn ich hätte mich doch von 
keinem der Bäumchen trennen können. Dagegen wurde die Baum- 
schule noch durch Ankauf von 100 Stück einjährigen Birnwildlingen 
vermehrt, denen das Terrain noch besser zusagte. Veredelt wurde 
Alles und wuchs auch Alles so, dass es eine Lust war. Mit der 
Zeit wurde ich auch verständiger. Die Bäume konnten auf zwei 
Fuss Entfernung nicht länger stehen bleiben, somit wurde nun der 
ganze Berg mit Obstbäumen bepflanzt und dadurch der Obstbaum- 
wald etwas gelichtet. Es erhielten nun allerdings die Kernsaateu 
Luft, aber sie suchten sich auch Platz zu machen. Da blieb mir 
denn nichts übrig, als an Bekannte auch Bäume zu verkaufen. Es 
wurde mir zwar schwer, die schönen kostbaren Sorten fortzugeben, 



- 226 - 

von denen ich wenigstens doch gern erst einmal eine Frucht gesehen 
hätte; doch es half nichts, Luft mnsste geschafft werden. 

Die über den ganzen Berg vertheilten nengesetzten Obstbäume 
eigener Zucht waren sämmtlich vertrocknet und ich erkannte bald, 
dass hier kein Rezept nütze. Es war zu trocken, der Boden viel zu 
leicht; viel Dünger war eher schädlich als nützlich, weil keine 
Feuchtigkeit vorhanden und dabei brannte die Sonne Monate lang 
ohne einen Tropfen Regen und somit auch ohne Giesswasser. Regnete 
es dann schliesslich wirklich einmal, so lief das Wasser den Berg 
hinunter, aber am Abhänge blieb Alles trocken. So kam ich denn 
auf den Gedanken, da einzelne zufällig aufgegangene Bäumchen sich 
ganz munter hielten, sogar recht rasch wuchsen, überall dort, wo 
ich einen Baum haben wollte, Kerne direkt an Ort und Stelle 
zu legen. Und diese Methode hat sich denn auch bewährt. Es 
werden im Herbst auf die betreffende Stelle etwa fünf Samenkerne 
gelegt, etwas Erde darübergestreut und drei Stöcke herum in die 
Erde gesteckt, damit die Arbeiter im nächsten Frühjahr wissen, 
dass zwischen diesen Stöcken nicht gegraben werden darf. Das von 
diesen Samen aufgegangene und sich am kräftigsten zeigende Bäum- 
chen bleibt dann stehen, sobald der Standort zu eng wird, die 
anderen vier werden je nach dem Raum entfernt und konnte nun 
das Bäumchen, sobald es genügend erstarkt, veredelt werden. 

So waren nun ca. 15 Jahre verflossen seit Anlage der ersten 
Baumschule und immer war es mir noch nicht gelungen, den ver- 
hältnissmässig kahlen Weinberg etwas grüner zu färben, denn auch 
der Weinstock wollte nicht mehr gedeihen trotz aller Düngung. 

Die Rebensorte, eine Bordeauxrebe, mochte schon seit Jahr- 
hunderten dort angepflanzt und immer wieder erneut sein. Ich 
schliesse dies daraus, dass ich am Fusse des Berges bei 8 Fuss 
Tiefe noch schwarze Streifen im Sande fand, die augenscheinlich 
von Rebenwurzeln herrührten, die dort vermodert waren. Jetzt 
gedeiht der VVein übrigens auch gut, nachdem ich andere Rebsorten 
gefunden, die kräftiger wachsen. 

Also 15 Jahre waren dahii 
(unveredelter) Birnbaum Blüthenkn^ 
Anfang September, zu einer Zeit, wo gerade die Frühbirnen hier 
zu Ende, die Herbstbirnen aber noch ungeniessbar sind. Sie war 
von Bergamottenform und hatte einen etwas muskirtcn Geschmack, 
nicht fein, aber brauchbar zum Kochen, und wie sich später heraus- 
stellte, jährlich und reich tragend. 

Wieder zehn Jahre später (1879) trugen sechs unveredelte 
Apfelbäume, davon der erste eine Frucht ähnlich dem Jungfemapfel, 
aber etwas grösser, was aber vielleicht nur der Fall, weil es die 
erste Frucht von einem jungen kräftigen Baume war. No. 2, einer 
der drei Bäume, die als Anfang zu meiner Pomologie dienten, hatte 
schon öfter und ungemein reich getragen, aber die Fracht war klein 
und nur im Nothfall brauchbar. No. 3, wieder einer von den dreien, 



hatte auch schon früher eine unvollkommene Frucht geliefert, trug 
aber diesmal reichlich. Die Frucht, von mittlerer Grosse, mehr breit 
als hoch, zeigte eine prächtige Färbung. Die im August herab- 
gefallenen Früchte waren fast vom Baum geniessbar, angeschlagene 
Früchte hielten sich kaum länger als 14 Tage; dagegen dauerten 
die mit besonderer Behutsamkeit gepflückten und vor dem geringsten 
Fall behüteten vom September bis Februar. Im Oktober entwickelten 
sie ein so starkes Aroma, dass sie die daneben liegenden Graven- 
steiner darin übertrafen. Die Sorte ist vorzüglich, scheint auch 
reichtragend. Ich nannte sie zu Ehren des Herrn Stadtrath Ullrich, 
der mir den Baum vor 25 Jahren schenkte, nach seiner Tochter 
Valli's Rosenapfel. No. 4 war eine kleine gelbe Reinette mit 
rothen Bäckchen wie aus Wachs bossirt; sie dauerte bis März und 
hatte den Geschmack der Winter -Goldparmaine. No. 5 war eine 
Reinette mit langem dünnen Stiel, von mittlerer Grösse, da aber 
nur drei Aepfel geerntet wurden, so kann ich noch nichts weiter 
darüber sagen, als dass der Apfel brauchbar. No. 6: Baum gross 
und stark im Verhältniss zu den anderen zu gleicher Zeit gepflanz- 
ten, Frucht gross; der Kelch sitzt eigenthümlich tief in einem ge- 
falteten Trichter. Die Farbe ist eine Goldbronze mit rother Backe, 
dabei netzartig berostet, sehr schön. Früchte oft zikadirt, als Back- 
apfel vorzüglich, im Oktober genossen fast widerlich süss, dagegen 
hat sich im Februar der Geschmack derart umgebildet, dass man 
eine Melone zu essen vermeint. Ich nannte den Apfel Groth's 
Melonenapfel und macht das melonenartige, ganz eigenthümliche, 
dem Apfel sonst nicht eigene Aroma, sowie die Farbe und Gestalt 
ihn mir recht werthvoU. 

Ich habe mich bei der Beschreibung dieser Früchte lange auf- 
gehalten, wollte aber damit zeigen, wie viel kostbares Obst dadurch 
verloren geht, dass man nicht erst die Frucht abwartet, ehe man 
veredelt. Es lässt sich aus dem Ebengesagten schliessen, dass man 
wohl sehr oft die Anlagen zu den schönsten Früchten fortschneidet, 
iim die Stämmchen mit einer minderschönen Sorte zu veredeln. 
Oder sollte es eine Eigenthümlichkeit unserer Bäume und unseres 
Bodens sein, gute Sorten hervorzubringen? Die Sfisskirschen 
weisen allerdings auf letzteren Umstand hin; denn unter 40 un- 
veredelten Stämmchen waren mehrere vorzügliche und gegen zwölf 
brauchbare Sorten, wogegen anderswo aus Samen meist nur Vogel- 
kirschen gezogen wurden, wie mir der sei. Oberdieck vor Jahren 
berichtete, als ich ihm hierüber schrieb. 

Der Zweck dieser Abhandlung ist der, darauf aufmerksam zu 
machen, dass man an Stellen, wo es schwierig ist, zu ackern, 



durch Kernsaaten an Ort und Stelle zu bepflanzen. Sollten, 
nachdem die Bäume Früchte gezeitigt haben, diese nicht genügen, so 
kann man die Bäume immer noch in der Krone veredeln. Die 
Apfelsamen müssen dabei mehr am Fusse des Berges, falls die Anlage 



ein Berg ist, ausgesät werden. Birnen mit ihren sehr langen Pfahl- 
wurzeln können in die höheren Lagen gebracht werden. 

Es wird oft gewünscht, dass nur die vom Pomologen -Verein 
empfohlenen 50 Sorten Aepfel und 50 Sorten Birnen angebaut 
werden sollten. Das wäre nun freilich für den Pomologen recht gut, 
er wäre mit seinem Studium in einer Woche zu Ende, und in einem 
Monat ein Meister in der Pomologie. Die Vortheile, die diese 
Maassregel auf mehreren Gebieten der Obstbenutzung bringen würde, 
erkenne ich wohl und könnten sie mir auch gefallen. Indess wer 
würde sich dazu verstehen, wenn er mein Verfahren angewendet 
und nun endlich nach langen Jahren sein Grundstück mit Bäumen 
besetzt hätte, die eine lange Dauer und reiche Erträge versprechen, 
der leichteren Erlernung der Pomologie zu Liebe diese abzuschneiden 
und mit den angeordneten Sorten umzupfropfen? Wir wissen ausser- 
dem auch, dass die einzelnen Obstsorten keine Ewigkeit ausdauern, 
sondern durch neue Sorten, wir wollen annehmen in 100 Jahren, 
ersetzt werden müssen. Was dann? Nun einfach — dann lassen wir 
uns von den klugen Belgiern, die bis dahin ein paar Tausend Sorten 
neue bessere Birnen gezogen haben, wieder 50 Sorten schicken und 
50 Sorten aus Amerika, das bis dahin Alles durch Massen und 
durch Schönheit der Früchte überflügelt haben wird. 

Ich rathe, machen wir es auch wie Belgier und Franzosen; 
lasse man viele Wildlinge tragen und wenn sie schöne Früchte 
liefern, so veredle man weiter davon. Man wird dann zwar unendlich 
viele Sorten erhalten, aber man wird dann nicht zurückbleiben, wie 
es unbedingt geschehen wird, wenn man bei 50 Sorten stehen 
bleiben wollte. 

Sollte es sich jedoch zeigen, dass an anderen Orten die Samen 
sich nicht zur Erzeugung guter neuer Sorten eignen, so dürften 
dieselben hier wohl zu bekommen sein, wenn auch nicht gleich, so 
doch nach einer guten Obsternte. 



Der ländliclie Obstibau in Norddeutschland.'') 

Wieder ist die Zeit da, wo für den Landmann die meist nur 
auf Haus und Hof sich beschränkende Winterthätigkeit beginnt und 
derselbe in Folge der langen Abende Zeit hat die Erfolge seiner 
Arbeit zu übersehen, etwaige Verbesserungen im Betriebe seiner 
Wirthschaft ins Auge zu fassen, mit einem Wort zu prüfen, ob 
durch die bisherige Bestellung seine Ländereien in jeder Hinsicht 
bis zu ihrer vollen Ertragsfähigkeit ausgenutzt werden. 

Geht mau hierbei vom Standpunkte des Landwirths aus, so 
wird sich häufig, namentlich auf als Muster- Wirthschaften bekannten 
Gütern, ob dieselben nun gross oder klein, Nichts oder wenig finden, 

*) Aus Mangel an Raum verspätet. D. Red. 



229 



wie durch Anbau anderer ökonomischer Früchte ein höherer Ertrag 
erzielt werden könnte. 

Unser Standpunkt ist hierbei jedoch derjenige des Volkswirths, 
der durch Hervorrufung neuer Nahrungsquellen den höheren Wohl- 
stand einer ganzen Gegend ins Auge fasst. — Durchwandern wir 
nun unsere nähere und weitere Umgegend, so wird sich dem sach- 
verständigen Manne auch bei nur oberflächlicher Betrachtung die 
feste Ueberzeugung aufdrängen, dass unsere norddeutschen Ebenen, 
trotz der manchmal hohen Bodenrente, die sie abwerfen, noch be- 
deutend ertragsfähiger gemacht werden könnten, wenn dem so 
überaus wichtigen Obstbau im Grossen mehr Aufmerksamkeit zu- 
gewendet würde. 

Durch bedeutende Fachleute ist ja längst bewiesen, dass die 
manchmal so grosse Trockenheit und Unfruchtbarkeit einer Gegend 
nur dem Mangel an Feuchtigkeit, hervorgerufen durch umfangreiche 
Abforstungen und Ueberhandnehmen der zu landwirthschaftlichen 
Zwecken dienenden Bodenflächen, zugeschrieben werden muss. 

Diesem Uebelstande sucht man namentlich auch in der Provinz 
Hannover durch Beforstung grosser Haideflächen, deren Boden für 
andere Kulturen zu gering, in sehr lobenswerther Weise und manch- 
mal mit sehr grossen Unkosten abzuhelfen. — Diese Verbesserungen 
anzuwenden ist jedoch nur der Regierung und wenigen reichen 
Grundbesitzern möglich, da kleinere Bodenbesitzer wie auch gute 
Ackerwirthe vor den sich erst nach langen Jahren bezahlt machen- 
den Ausgaben einer neuen Waldanlage meist zurückschrecken. 

Hier ist es nun der Obstbau auf dem Lande und in den Vor- 
städten, der erstens durch grössere Ausdehnung den Forst und dessen 
gute Einwirkung auf die Umgegend ersetzen und zweitens den Wohl- 
stand einer Gegend bedeutend heben kann. 

Was nun den Obstbau auf dem Lande in solcher Ausdehnung 
anbetrifft, so muss darin noch unendlich mehr geschehen als bisher. 
Und doch ist gerade dies die Aufgabe auch der kleineren Grund- 
besitzer, denn wenn Jeder derselben das Seine durch Anpflanzen 
von passenden Obstsorten dazu beiträgt, so werden bald die Nach- 
barn, durch gute Beispiele und sichtbare Erfolge veranlasst, ähnliche 
Anpflanzungen machen und so kann sich bald die ganze Gemarkung 
eines Dorfes mit einem grossen Obstgarten vergleichen lassen, dessen 
nutzbringende Seite nicht lange auf sich warten lassen wird. 

Der Platz nun, den wir dabei im Auge haben, ist sehr ausge- 
dehnt. Der einzelne Grundbesitzer wird zuerst in seinem Garten 
Bäume haben wollen. Denselben Wunsch hatten aber auch die Vor- 
fahren des Besitzers und so finden sich denn auch die meisten 
unserer ländlichen Obstanlagen hinter dem Hause, entweder nur aus 
wenigen auf das Gemüseland gesetzten Bäumen bestehend oder auch 
in einem sogenannten Baumhof vereinigt, dessen Grund zugleich als 
Weide oder dergleichen dient. 

Derartige Anlagen datiren aber meist schon von mehreren 
Generationen her und haben häufig ein zu hohes Alter erreicht, als 



dass sie noch, da den Bäumen meist gar keine neue Nahrung zu- 
geführt wird, ihren Platz vollkommen ausnutzten. — Sterben nun 
Bäume ab, so werden sie entfernt, ein Loch an dieselbe Stelle ge- 
macht, und ein junger Baum, häufig noch dazu derselben Obstsorte, 
soll nun in dem von seinen Vorgängern schon gänzlich ausgesogenen 
Boden wachsen und — auch recht bald Früchte tragen. Dies Alles 
hat seinen Grund in der trotz allen Schreibens und dergl. bei den 
Laien noch immer verbreiteten irrigen Annahme, dass ein Obstbaum 
gar keiner weiteren Pflege und Nahrung bedürfe und man denselben 
sich selbst überlassen könne, wie etwa einen Waldbaum, der den 
Boden, da er keine Frucht liefert, lange nicht in dem Maasse ent- 
kräftet und ausserdem durch das abfallende Laub wieder Nahrung 
erhält, während der Obstbaum von dem etwa dem Gemüseland oder 
Acker zugeführten Dünger in Folge der tieferen Lage seiner Wur- 
zeln nur wenig oder nichts profitirt. — Jeder Bauer weiss jetzt 
sehr genau, dass er trotz genügender Düngung einen Acker nicht 
stets wieder mit z. B. Hafer bestellen kann, sondern dass er nach 
den Halm- erst wieder Hackfrüchte bauen muss. 

Sind derartige alte Baumhöfe lange Zeiten mit Obstbäumen be- 
standen gewesen, so ist es durchaus nöthig, dass diese Flächen erst 
für einen langen Zeitraum von Jahren anderen Kulturen dienen und 
für Anlage eines Baumgartens ein bisher noch nicht mit Obstbäumen 
bestandenes, passend gelegenes Grundstück gewählt werde. 

Ganz ähnlich liegt die Sache, wenn im Gemüsegarten alte un- 
fruchtbare abgängig gewordene Bäume stehen. — Sind die meisten 
Bäume einer derartigen Anpflanzung jedoch noch in gutem Ertrage 
und ist es nöthig, einzelne alte Stämme durch neu zu pflanzende 
zu ersetzen, so muss, wenn derselbe Platz gewählt werden muss, 
wenigstens eine gründliche Erneuerung des Bodens in ausreichendem 
Maasse stattfinden und wo bisher ein Kernobstbaum gestanden, möge 
ein Steinobstbaum seinen Platz finden. — Die Pflanzlöcher müssen 
dann im Herbste in einer Tiefe von 90—120 cm und einem Durch- 
messer von 3,5 — 4,5 m ausgeworfen werden und kann man in die- 
selben Abfuhrdünger oder 8—10 Eimer verdünnter Jauche schütten, 
auch die ausgeworfene Erde mit flüssigem Dünger übergiessen. — 
Alle diese Dungstoffe verlieren im Laufe des Winters ihre sonst zu 
scharfe Wirkung auf die Baum wurzeln. — Ein dann in die so vor- 
bereiteten Löcher im Frühjahr gesetzter Baum wird durch freudigen 
kräftigen Wuchs die gehabte Mühe bald lohnen. 

Ein weiterer Platz, wo Obstbäume stehen sollten und ja auch 
in manchen Gemeinden schon stehen, ist an allen Strassen und 
Landwegen. — Diese Anlagen sind zwar meist Eigenthum der Ge- 
meinde oder grösserer Grundbesitzer, aber auch für den Bauern 
giebt es auf seinen Ländereien noch Wege genug, die er nutzbar 
machen kann und die, da sie nicht so unmittelbar an die grossen 
Verkehrsstrassen grenzen, dem Diebstahl und dergleichen weniger 
ausgesetzt sind. 

(Schluss folgt.) 



Vermischtes. 

Da in neuester Zeit so vielfach über das Edel weiss geschrie- 
ben ist, so dürfte es Manchem willkommen sein, über dessen An- 
zucht belehrt zu werden. Am besten sind aus dem Samen erzogene 
Pflanzen, da abgetrennte Stücke älterer nicht so kräftig gedeihen. 
Der Samen muss sogleich wieder ausgesäet werden; man bediene 
sich dazu 10 bis 11 cm hoher, 18 cm breiter Töpfe, deren Boden 
zum besseren Abzüge des Wassers 2.5 cm hoch mit groben Toif- 
brocken belegt wird, alsdann fülle man die Töpfe mit einer aus 
2 Tbl. Laub-Erde, 2 Tbl. brauner Torfmoor-Erde (sog. Haide-Erde) 
und 1 Tbl. Sand bestehenden Erdraischung, die ziemlich fest ange- 
drückt wird. Sind die Saattöpfe so zubereitet, so ebene man die 
Oberfläche, streue den Samen darauf, bedecke ihn schwach mit zer- 
riebenem Moos, am besten Torfmoos, und überbrause die Erde. Am 
besten ist es, um das Keimen zu begünstigen, die Saattöpfe an 
einer schattigen Stelle des Gartens bis zum Rande einzusenken und 
den Winter hindurch ruhig dort stehen zu lassen, indem der Same 
am besten keimt, wenn er mit Schnee bedeckt war; gegen den Früh- 
ling hin erscheinen dann die jungen weissen Pflänzchen in Menge, 
die im zweiten Jahre, nachdem sie verpflanzt wurden, reichlich 
blühen. Samen dürfte wohl bei Haage& Schmidt in Erfurt zu 
haben sein. (Voss. Ztg.) 

In der „Gartenflora" (August - September - Heft 1880) erfahren 
wir Einiges über die Leiden eines Gärtners und Pflanzen- 
sammlers in Australien. Herr W^ de Niedmann, bisher Gehülfe 
des Direktors des botanischen Gartens in Brisbane, theilt der Garten- 
flora mit, dass er im September 1879 sich einer Expedition nach 
dem Never-never-Gebiet im nordwestlichen Queensland angeschlossen 
hatte. Dabei ward er vom Fieber befallen und musste mehr denn 
2 Monate zwischen den schwarzen Eingeborenen verbleiben. Die 
Pflanzenausbeute war im Allgemeinen unbedeutend, da diese Reise 
durch dürre Steppen, weite Ebenen und durch kahle, von Pflanzen- 
wuchs fast ganz entblösste Gebirge ging. Dagegen gab es dort viel 
Kupfer, Eisen, Zinn, Blei, Silber und Gold. 

Diese letzte Reise war eine der abenteuerlichsten, die überhaupt 
gemacht werden können. Von Brisbane aus war Herr de Nied- 
mann nach Fort Douglas gegangen und hatte sich da behufs Er- 
forschung des Innern einer anderen Gesellschaft angeschlossen, welche 
das Budgers Creek Woolger untersuchen wollte, um dort später 
einen regelmässigen Betrieb auf Gold anzulegen. Die Reise dahin, 
1200 engl. Meilen (ä 1609,29 m), wurde zu Pferde zurückgelegt, 
und Herr de Niedmann hatte eine reiche Ausbeute an Samen, 
namentlich von schönen Macrozamien und anderen Seltenheiten bei 
sich. Im Goldgebiet ward derselbe heftig fieberkrank und seine 
Gefährten, die da fürchteten, dass ihre Lebensmittel ausgingen, Hessen 
ihn bei den Schwarzen erbärmlicherweise im Stich. Als er nach 



8 Wochen sich so weit erholt hatte, dass er nach dem 400 engl 
Meilen entfernten nächsten Küstenpunkt an der Carpentaria-Bai auf- 
brechen konnte, durch eine weglose, kahle, steinige Gegend, wo doch 
einigemal Flüsse zu passiren waren, war er ganz mittellos, denn die 
Schwarzen hatten ihm alle seine Vorräthe geraubt, das Gewehr zer- 
brochen, und nichts als ein altes, zerbrochenes Messer war ihm ge- 
blieben. So, ohne alle Mittel, selbst ohne ein Gefäss, um Wasser 
m die wasserlosen Wüsten mit sich zu nehmen, das er sich dann 
aus Baumrinde fertigte, ohne alle Lebensmittel und ohne Kompass, 
ging er zu Fuss, die Direktion nach der Sonne nehmend, seinem 
Ziele zu. Anfangs bis 12 Meilen, später vor Ermattung kaum 2 bis 
3 Meilen zurücklegend, nährte er sich von Eiern der Vögel, deren 
Nester aufzufinden ihm gelang, und von wild wachsenden Beeren 
lind Früchten, und nach den Spuren der Känguruhs die Furthen der 
i^lusse aufsuchend. Zum Tode ermattet, so dass er kaum noch 
kriechen konnte, fanden ihn, nachdem er ungefähr zwei Drittel der 
Entfernung zur Küste zurückgelegt hatte, die Hunde von vorbei- 
kommenden Kolonisten, welche Letztere ihn nun verpflegten und mit 
Mitteln zur Erreichung der Küste versahen. Er war so ermattet 
dass er nicht mehr sprechen konnte, als er aufgefunden ward, und 
die Früchte dieser beschwerlichen Reise, seine Sammlangen, waren 
natürlich ganz verloren gegangen. 0. H 



Die Reblaus in Panama. Auf den Blättern eines wild wach- 
senden Weins, Vitis caribaea D. C, einer Form von Vitis indica 
L., fand L. Collot Gallen mit Rebläusen erfüllt, ganz wie die nord- 
amerikanischen und europäischen. In einer einzigen Galle sass ein 
Weibchen mit ca. 50 Jungen oder Eiern. — Ob die Wurzeln An- 
schwellungen zeigten, ist nicht gesagt. (Comptes rendus t. 88 p. 72.) 



„Tidn. för Trodlare«, Stockholm, November 1880, beginnt eine 
Abhandlung über den Gartenbau inAegypten nach Dechevallerie, 
Chef des Vizekönigl. Gartens in Ghezireh, wonach z. B. Pfirsich-' 
bäume das ganze Jahr hindurch grün sind, indem vorjähriges Laub 
erst abfällt, wenn junges sich bildet; importirte Obstbäume und 
Sträucher blühen wohl, tragen aber keine Früchte; die akklimatisirten 
Bäume (dort aus Samen gezogen ?) blühen sehr früh, so dass ihre 
Blumen schon weit vorgeschritten sind, wenn die heissen Winde ein- 
treten. Der Weinstock giebt dreimal im Jahr reife Trauben, die 
ersten im Juni und Juli, die zweiten Ende September, die dritten 
im Januar ; die letzteren sind jedoch weniger saftreich als die ersten, 
halten sich aber bis zum Frühjahr. Der Weinstock wird wie in 
Europa beschnitten, von Vielen, wie in Italien, an Bäumen gezogen. 
Lnsere Gutedelsorten sollen von der ägyptischen Sorte Eineb tahaush 
herstammen, 0. H. 



Die „Wiener illustr. Garten- Zeitung", Juli 1880, berichtet über 
die 1870 gegründete Krankenkasse der Firma E. Benary in Erfurt, 
in welcher jeder dauernd angestellte männliche Arbeiter der Firma 
je nach dem Wochenlohn (8—12 Mk.) einen wöchentlichen Beitrag 
von 5, 10 oder 15 Pf. zu leisten hat, wogegen er 4, 6 oder 8)^ Mk. 
Krankengeld beanspruchen darf. Nach 26 AVochen Krankheitsdauer 
wird die Aushülfe auf die Hälfte reduzirt, nach 1 Jahr ganz ein- 
gestellt. Je nach der Dauer der Mitgliedschaft ist auch ein Todten- 
geld zu zahlen. Die Einrichtung hat bereits sehr erfolgreich ge- 
wirkt. 0. H. 



„The Garden", in London erscheinead, brachte das Porträt und 
die Biographie von Jean Jules Linden, des Besitzers vom gröss- 
ten Geschält für den Import tropischer Pflanzen auf dem Kontinent. 
L. wurde am 3. Januar 1817 in Luxemburg geboren und im dor- 
tigen Athenäum erzogen. Er interessirte sich früh für die botani- 
schen Schätze u. a. jener Gegend, wurde 1835, also im Alter von 
18 Jahren, mit dem Zeichner Funk und dem Zoologen Ghiesbreght 
von der belgischen Regierung zur Erforschung des Landes nach Bra- 
silien, 1837 nach Kuba, Mexiko, Guatemala u. s. w., 1841, diesmal 
mit seinem Halbbruder Schlim, nach Venezuela, Caracas, den Kor- 
dilleren u. s. w. geschickt, und kam jedesmal mit reichen Schätzen 
zurück. Die Zahl der gesammelten Orchideen war so gross, dass 
Lindley sie in einer besonderen Zeitschrift „Orchidaceae Linde- 
nianae" beschrieb. 1845 gründete L. sein Etablissement in Luxem- 
burg für die Einführung tropischer Pflanzen, das erste der Art auf 
dem Kontinent, für welches Funk und Schlim, später Wallis und 
Roezl die Tropen bereisten, verlegte dasselbe 1855 nach Brüssel, 
wo er 10 Jahre hindurch die Direktion des zoologischen Gartens 
führte. 1853 bis 1867 war L. Konsul von Rolumbia, 1867 General- 
konsul seines Geburtslandes Luxemburg, 1851 Ritter, 1864 Offizier, 
1867 Kommandeur des Ordens Leopold's L, ausserdem Ritter zahl- 
reicher Orden Europas und anderer Länder. Er führte über 2000 
neue Pflauzenarten ein und erhielt dafür auf allen Ausstellungen die 
ersten Preise. 1869 kaufte L. das Etablissement des Ambr. Ver- 
chaffelt in Gent, welehe^^ jetzt 43 bedeutende Gewächshäuser und 
in Paris, Rue de la Paix, eine Agentur besitzt. Das unter Andre 's 
Redaktion erscheinende Journal „l'Illustration horticole" bespricht 
stet's L.'s neueste Einführungen. 0. H. 



Das Kryptogamen-Herbarium des berühmten Prof. Schimper 
Strassburg, sowie die Zeichnungen (zu den Moosen etc.), Notizen 
id Präparate sind von der Baronin Burdett-Couts erworben und 
im Herbarium in Kew geschenkt. — „Gehet hin und thuet des- 
eichen", rufen wir den wohlhabenden Deutschen zu, und möchten 
ir zugleich fragen: War denn unter ihnen nicht Einer zu finden, 
3r das Herbarium dem deutschen Reiche erhalten konnte? 



- Die Frequenz der Königlichen Lehranstalt für Obst- und Weinbau zu 
Geisenheim a. Rh. ist in erfreulicher Zunahme begriffen. Der Weinbau- 
Cursus dieses Jahres (1.-26. Februar) wurde von 18, der Obstbau - Cursus 
(7.— 31. März) Ton 40, der Baumwärter-Cursus, welcher in derselben Zeit ab- 
gehalten -wurde, von 20 Theilnehmern besucht. Das neue Schuliahr eröffnete 
die Anstalt mit 43 Schülern. ^ 

— Dr. R. Schomburgk, Director des botanischen Gartens in Adelaide, 
Neu-HoUand, schreibt uns u. A. : „Eigentbümlich, dass, trotzdem die Cacteen 
bei uns im Freien sehr gut gedeihen und mit Blüthen bedeckt sind, sie 

?lbst wenn die Blüthen befruchtet wurden", eine 

— ""'-^ ''. Cacteen (450 Spezies 

Gart- -- -- • " 

In , rillustration horticole" lesen wir: „die Produktio 
in Australien, besonders in Neu -Süd -Wales, 
deutende Ausdehnung gewonnen. 1840 hat ein A_ 
von Sfr Wüliam Mac Arthur einige Reben vom Rhein gep 
die erste Einführung. 1875, 1876 und 1877 ergab Neu-Si 
einen Ertrag von durchschnittlich 36 320 hl pro i 

von guter Qualität zu sein; die Namen unserer ucatcu curopaiscuen oorcen 
tragend, haben sie jedenfalls einige gute Eigenschaften geerbt und sind 
ausserdem auf den letzten internationalen Ausstellungen nach Verdienst 
gewürdigt worden." — „Kalifornien hat jetzt 24 280 ha Land mit 45 JMillionen 
Wemstöcken im Werth von 3 Millionen Dollars bepflanzt, deren viele, nament- 
!,.>, ^,„ „.„!,., u__ r,^ _._-. ---opäischen Sorten gepfropft sind." 

mg, „dass M. Letroublon, Gärtner 



, ^ T- A ° — o- — ^^opfen von Kartoffeln »cx^uuul 

hat. Im April hat er den Keim der frühen Rosenkartoflfel (Early Rose) auf 
die Knollen der Chardon gepfropft, nachdem er bei dieser sämmtliche Augen 
entfernt hatte. In gewöhnlichen guten Boden gepflanzt, gaben die gepfropften 
KartoffelD im September eine Ernte von zwölf mittelgrossen Knollen, zu- 
sammen 2,02 kg wiegend, auf den laufenden Fuss." 

Nack „Country GenÜeman" giebt es in New -York, nur in der Nähe 
von City -Hall, ungefähr 500 Blumenzüchter, deren Besitzthum mit Gewächs- 
häusern, Pflanzen etc. einen Werth von 35 Millionen Mark darstellt In den 
Vereinigten Staaten von Nord -Amerika dürfte das gesammte Eigenthum der 
Gärtner auf ungefähr 1 200 Mülionen Mark zu schätzen sein. 

M. J. van Hütte giebt in der „Revue d'horticole beige" folgende Ziffern, 
welche die hohe Bedeutung der Zucht von wohlriechenden Blumen beweisen 
dürften: „der Süden Frankreichs, an den Ufern des Mittelländischen Meeres, 
hefert jährUch 40 000 kg Rosen, 50 000 kg Blumen des Jasmin, 20 000 kg 
Akazien- und 50 000 Orange - Blüthen. Nizza allein zieht 25 000 kg wohl- 
riechende Veilchen. Die Quintessenz aUer dieser Blumen wird für Oele, 



und Parfümerien jeder Art verwendet." — In der Türkei 
hat die Kultur der Rose schon lange eine grosse Bedeutung gehabt. Der 
Ertrag von Rosenöl war vor dem russisch -türkischen Kriege 3000 £ jährüch, 
gmg aber wegen der angestellten Verwüstungen und wegen Mangel an 
iirbeitskräften auf 1000 £ zurück, doch stieg der Preis von 500 auf 1500 Frcs. 
pro Liter. 0. H. 

— Zur Mehrung des Weins dient neuerdings (1881) in Paris, nach der 
.Voss.Ztg", die Blüthe des Bassiabaumes, Bassia latifolia Willd. mit dem 
vaterländischen Namen Mahwa. Die Blüthen werden m Ostmdiec, vornehmlich 
m Bombai imd Guzerate, zur Destillation geistiger Getränke benutzt, weshalb 
die Baume, deren jeder, nach Leunis' „Synopsis der Pflanzenkunde", 
100-150 kg solcher Blüthen liefern kann, in Wäldern kultivirt werden. Die 
Branntwem - Brennereien befinden sich oft mitten in diesen Wäldern und 
jedes Dorf hat seinen Laden zum Verkauf dieses Spiritus, der frisch, wegen 
aer Menge brenzlichen Oels, welches er enthält, für die Gesundheit sehr 



schädlich ist, sich aber mit dem Alter verbessert. Der Baum gehört ; 
Familie der Sapoteae R. Br. und wächst zu ansehnlicher Grösse; er hat brt 
glänzende Blätter. Nach Poirson treibt er zahlreiche dicht besetzte Blüthi 
sprösslinge. Sobald die eigentUche Blüthe vorüber, werden die Blüth 
kelche und Blättchen fleischig und lüllr- --^ --'■* ""-"- ««<^^- =- = 
leicht einzusammeln, haben getrocknet 

wie mittelmässige Korinthen. Bin Baum k _. _. 

Blüthenreste liefern, die jetzt in Paris zur Weinbereitung benutzt werden, 
und sind dort innerhalb zweier Monate 250 000 kg eingeführt worden. Man 
wird versuchen, den Baum in Algerien anzupflanzen. 0, H. 

- Im Schlossgarten von Schünhausen befinden sich neben anderen 
interessanten Denkwürdigkeiten auch zwei historische Baume, deren 
Vorhandensein nur Wenigen bekannt sein dürfte. An einem Seitenwege, der 
rechts vom Schloss abgeht, steht eine Eiche, deren weitverzweigte Aeste in 
Sommerszeit ein schützendes Laubdach gewähren. Sie würde nicht besonders 
auflfallen, wenn nicht ein kleines, an ihrem Fusse befindliches Gusseisen- 
schild anzeigte , dass sie von historischer Bedeutung ist. An diesem Schilde 
stehen die Worte: „Georgen - Eiche. Zum Andenken gepflanzt 
Auguste den 27. Mai 1826." Und i" 
3 Eiche sich zu stolzer ] 



sie eine gleichaltrige Schwester der Ersten ist. Auch hier giebt uns ein 
gleiches Schild Aufschluss über ihre Entstehung. Die einfache Inschrift 
lautet hier: „Den 26. Juü 1827, am Geburtstage der Prinzessin Auguste 
zu Solms-Braunsfels und am Tage ihrer Vermählung mit dem Prinzen 
Albert zu Schwarzburg-Rudolstadt, gepflanzt vom Prinzen Georg 
von Cumberland." Keiner von denen, deren Namen uns diese Worte 
zeigen, weilt mehr unter den Lebenden. Prinz Georg von Cumberland, 
der nachmalige unglücküche König Georg von Hannover, hat hier viel- 
leicht die schönsten Stunden seines Lebens gesehen, wahrlich gesehen, da 
ihn damals das Geschick des Augenlichtes noch nicht beraubt hatte. An 
seinem achten Geburtstag, den 27. Mai 1826 wurde ihm zum Andenken die 
Eiche gepflanzt und ein Jahr später pflanzte er selbst den andern Baum. 

- Melica coerulea, blaues Perlgras, 
Ritterguts Carwe bei Neu-Ruppi.n nach sta: - ,,w 

die einen torf haltigen Untergrund besitzen, in solchem Maasse, dass diese 
schliesslich die Vegetation ausmachte. Von dem Rindvieh 
nahrungsreich, erzeugte es aber — wenn es 



■ gern 

LS 



Bethauung als schönes Heu gew 

öblut bei den Kühen, eine Krankheit, die nur durch grosse 

„„.. ....... ..„..^ Gaben von Eisenvitriol beseitigt werden konnte. Die früher 

sehr bemoosten, armen Wiesen geben durch die Bemergelung und das 
■ " i Erscheinen von Melica coerulea vorzüghche Erträge. 

Abdruck 
-Herrn Joseph Klar, Berlin. Veranlasst durch eine Ab- 
minen-Kultur im Februarheft der Monatsschrift des Ver- 
eins zur' Beförderung des Gartenbaues in den K. Preussischen Staaten er- 
laube ich mir Ihnen mitzutheilen, dass mein verstorbener Lehrprinzipal, der 
Gräfl Hofgärtner C. Ku nicke in Wernigerode, Samen eines vorzüglichen 
Jahrganges von Balsaminen zehn Jahre lang zur Aussaat mit^Erfolg 



^ üglicher Achtung 

Oranienbaum i. Anhalt, 2. April 1881. 



AusBtellungei 



bei der nicht weniger als 287 Konkurrenzen ausgeschrieben sind. Empfehlei 
werth scheint uns , dass bei denjenigen Konkurrenzen, an denen sich Tor- 
aussichtlich auch Liebhaber betheiligen, stets zweimal die Preise ausgeworien 
sind, erstens für Liebhaber und zweitens für Gärtner. 

— Frankfurt am Main. Vom 1. Mai bis 1. Oktober findet hier eine 
Pflanzen-, Blumen-, Gemüse- und Obst -Ausstellung statt. In 

z, damit wird die Gartenbau - Gesellschaft alles zur Austelluug 
bringen, was irgend mit dem Garten wesen in Beziehung steht. 

— Chemnitz. Erzgebirgischer Gartenbau - Verein: Ausstellung von 
Pflanzen, Blumen, Früchten, Gemüsen, Garten - Geräthschaften etc. Tom 
12.-21. August 1881 im Garten des Stadtrath Kunze in Chemnitz. 

Varel. Mitte September 1881 veranstaltet der hiesige Gartenbau- 
eine grössere Ausstellui "' -..-.. 
und Garten- Industrie -Gegenstän« 



Personal-Nachrichten. 

— Am 1. April wiirde im Pomologischen Institut in Reutlingen das 
50jährige Gärtnerjubiläum des Direktors desselben, Herrn Dr. Ed. 
Lucas festlich begangen. Am Vorabend brachte ihm der Reutlinger Lieder- 
kranz, als seinem Earenmitgliede, ein Ständchen mit Fackelzug und damit 
zugleich die Glückwünsche seiner Mitbürger. Der Festtag selbst wurde 
schon früh durch Böllerschüsse begrüsst. Im Laufe des Nachmittags trafen 
Herr Garteninspektor Kolb von München und Herr Verlagsbuchhändler 
B. Ulm er von Stuttgart ein, welche als Abgesandte eines zu diesem Zwecke 
gebildeten Festkomite's Herrn Dr. Lucas ein prachtvolles Album zu über- 
bringen hatten. 

Dasselbe, ein Meisterwerk des Stuttgarter Kunstgewerbi 
grün Saffian gebunden mit Silberschnitt und rejchem Silberd 
Zeichnungen des Malers Julius Schnori 



1 Handarbeit, ist von W. Kraushaar in Stuttgart, 
Wappen, Eckbeschl%e und Schloss aus der galvanoplastischen Anstalt von 
A. Schwerdt daselbst, und dürfen die Arbeiten als wirkl 



betrachtet werden. Das Album ist für mehr als 500 Photographien « 
und enthält bereits über 300 Photographien aus dem Kreise ( 
und Verehrer des Jubilars aus fast allen Ländern Europa's 
" ' Icher ebenfalls sehr schön . - - • . 



ausg. 
d Wie 



reiche Gäste, Freunde und Be 

und Gehilfen, deren jeder als Festzeichen eine Schleife in seinen LändeV 



trug, ein buntes Bild, das deutlich erkennen liess, wie weit der Ruf 
des Instituts gedrungen ist. Nachdem die beiden prachtvollen Statuen der 
Pomona und Flora, die man vorher erst im Garten, von Koniferen umgeben, 
am Eingang des Muttergartens aufgestellt hatte (ein Geschenk des Herrn 
Bildhauers Barth in Mainz), bewundert worden waren, begann die Feier 
im Saale, welche theils einen ernsten und würdigen, aber dann auch einen 
heiteren und sehr unterhaltenden Verlauf nahm. 



Es liefen auch circa 40 Telegramme und über 50 Gratulationsschreiben 
hier ein, unter denen eines von der Bayrischen Gartenbaugesellschaft in 
München im Auftrag von SOG Mitgliedern. Besonders wurde ich erfreut durch 



r ntg!i< 

Gartenbauvereins in Guben, und durch die telegraphische Anzeige derselbei 
ehrenvollen Auszeichnung des Gartenbauvereins in Riga. Die K. Garten 



„^x ^ Pomologen Belgiens, a 

pomol. herausgeben (Burvenich, Pynaert, Rodigaz, _ 
schönes Tableau, ein vierblättriges Kleeblatt darstellend, mit ihren 4 Bildern, 
u. 8. w. Eine eifrige Förderin der Pomologie hatte einen sehr schöcen Tisch- 
Folgende" Vereine sendeten Glückwunschschreiben oder Tekj, 

Der Thüringer Gartenbau verein in Gotha, die Pomologische Sektion des 
Gartenbauvereins in Riga (durch Herrn Goegginger), der Verein zur Beförde- 
ßung des Gartenbaues in den K. Preussischen Staaten in Berlin (durch Herrn 
Professor Dr. Wittmack), der Gartenbauverein in Riga (durch Herrn Baron 
von Hübner), die Obstbaumschule in Landshut durch deren Vorstand Hof- 
gärtner Grill, die Bayrische Gartenbaugesellschaft in München (durch Herrn 
Hofgarten - Direktor von Effner), der Oesterreichische Pomologenverein in 
Graz (durch Herrn Grafen Attems), der Steyerische Gartenbau -Verein iu 
Graz (durch denselben), der Obstbauverein in Hechingen (durch den Fabrikant 
Gsell), der Gartenbauverein für Hamburg, Altena und Umgegend (duich die 
Vorstände), der Fränkische Gartenbauverein in Würzburg (durch Herrn Notar 
SeufiEert, I. Vorstand), der Kunstgärtner -Verein Hortenr^- •- »'-— ^"- -" — 
Verein für Pomologie und Gartenbau in Meiningen, die 
Siebenbürgisch- Sächsischen LandwirthschaftL" ' 
der Gartenbauverein in Guben, die Obst-, V 

K. Mährisch-Schlesischen Ackerbaugesellschaf „ . v tr 

von Bellrupt), das freie deutsche Hochstift in Frankfurt a. M. durch Herrn 
Dr 0. Volger, den hochverdienten Obmann desselben. 

Ich behalte mir vor, am Schluss meiner Selbstbiographie über diese ehren- 
vollen Auszeichnungen, sovrie über eine Anzahl Sinnspriiche aus dem Album 
noch besondere Mittheilung zu machen und sage nur noch auch hier allen 
denen, welche mich bei meinem 50jährigen Gärtnerjubiläum durch ihre 
freundschaftüche Theilnahme erfreuten, den herzlichsten Dank! 

Da das Album noch für eine Anzahl Photographien Raum enthalt, so 
würde ich es mit grossem Dank erkennen, wenn Gönner und Freunde, welche 
vieUeicht von diesem Jubiläum keine Nachricht erhielten, mir ihre Photo- 
graphie (in Visitenkartenformat) nebst einem Autograph noch 
zuzusenden die Güte haben würden. Dr. Ed. Luc 

(Pomolog. & 

— Herr Dr phü. F. W. Klatt, Lehrer der Naturwissenschaften in 
Hamburg ist zum ordentiichen Mitgliede der KaiserUch Leopoldinischen- 
Caroünischen Deutschen Akademie der Naturforseher ernannt worden. 



Literatur. 

— Bericht über die Verwaltung der naturhistorischen und 
archäologischen Sammlungen des Westpreussischen Provinzial- 
Museums für das Jahr 1880. 4P. 9 S. 

— Friedrich Schneider H. Rangliste der edelsten Rosen. 2. Auflage 
Paul Parey, Berlin 1881. 4P. 93 S. Preis 3 Mark. 

— Th. Wenzig. Neue Beobachtungen in der Familie der Pomaceen 
(Separatabdruck aus ,4iinneae" XLm. Band, 11. Heft.) 8*^. 16 S. 

— Index seminum in horto botanico Reg. Berolinensi anno 188U 
coUectorum. 4^, -20 S. 

— Prof. Dr. 0. Drude. Üeber die im botanischen Garten zu Dresden 
1880 angestellten Wachsthums - Beobachtungen am Blatt der V'-*— '" -"-=" 
Lindl. (Separatabdiuck aus den Sitzungs-Berichten c^ 
Gesellschaft ,Jsis" zu Dresden. Heft HI. und IV. 



1880) 8». 



- M. Treub et J. P. A. Mellink. Notice sur le developpemeot du 
sac ambryoonaire dans quelques Angiospermes. (Bxtrait des arcbives Neer- 
landaises I. XV.) 4'J. 6 S. mit 2 lithographirten Tafeln. 

- OmLandbrugets Kulturplanter og dertil hörende Froavl. Udgivet 
af foreniüg til Kulturplantemes Forbedring No. 2. ßeretning of Virksomheden 
i Aarane 1879/1880 ved E. Rostrup, Foreningens secretär. Kjobeahavn. 
Th. Linds Boghandel 1881. 8«. 131 S. 

- Jahresbericht über die Thätigkeit des Gartenbau -Vereins 
zu PotsdatQ für den Zeitraum vom 1. Januar 1880 bis dahin 1881. 
Potsdam 1881. 8». 35 S. 

- Dr. H. Th. Geyle 
mit Rhus vernicifera D. 



phytohisi 
dem Dan 



krochemie. — Eine Anleitung zu 
Gebrauch für Studirende. — Aus 
y des Verfassers übersetzt von Carl Müller. 
— Theodor Fischer, Cassel 1880. kl. 40. 83 S. 

Dieses Buch wird sich in kurzer Zeit gewiss überall Freunde erwerben ; 
es ist, wie der Herr üebersetzer sehr richtig bemerkt, nicht bloss für Studi- 
rende, wie der Verfasser bescheiden auf dem Titelblatt sagt, sondern auch 
für geübtere Botaniker vortrefflich geeignet ■ - -- • 
^ ^ " ^ald ei " ö ,^ -. , 

D'aTBuch"zerfäTir 
die Mel 

umgekehrt die Stoffe des Pflänzenleibes (Cellulose, Holzstoff, Stärke 
aufgeführt und angegeben, mittelst welcher Reagcntien man sie erkeuceu 
kann; angehängt ist dem ersten Abschnitt noch ein Kapitel über Einlege- 
medien und Verkittungsmassen. — Auffallecd war uns, dass Verfasser den 
zum Verkitten in Deutschland so vielfach gebrauchten Maskenlack No. 3 
von Beseler &Co. in Berün S.-W., Schützenstrasse 66, nicht kennt; der üeber- 
setzer kennt ihn doch gewiss sehr genau und hätte ihm wohl ein gutes 
Zeugniss ausstellen können. 

— Prof. Dr A Thaer. Die landwirthschaftlichen Unkräuter. 
Farbige Abbildung, Beschreibung und Vertilgungsmittel deiselben. 24 Chromo- 
lithographien nebst Text. Paul Parey, Berlin 1881. gr. 8". 32 S. Dies Werk 
ist einmal wegen seiner meist vorzüglich ausgeführten farbigen Abbildungen 
der Unkräuter (in natürlicher Grösse) und zweitens wegen der genau ange- 
gebenen Vertilgungsmittel, welche den Haupttheil des Textes bilden, dem 
Landwirthe wie dem Gärtner zu empfehlen. Eine Beschreibung ( 



)ekannten Pflanzen ist nicht beigefügt , sondern dafür auf Garcke's 
Deutschland, 13. Auflage, bezüglich der Samen auf Nobbe's 
„Handbuch der Samenkunde" und des Referenten „Gras- und Kleesamen" 
verwiesen. Tafel IV. B. Fig 9 und 10 sind die Samen von Agrostemma 
Githago nicht genau genug gezeichnet; Tafel IX. Chrysanthemum segetum und 
Tafel X. Senecio vemalis erscheinen uns ein wenig zu dunkelgelb. Bei den 
Mitteln gegen den Hederich hätte vielleich das von Clement empfohlene 
Mittel: flaches Stürzen der Stoppel im Herbst und tieferes Pflügen nach 

einigen Wochen, wenn der Hederich a " - ~ ^-^ 

Im üebrigen aber beweist 
welch tüchtigem Landwirth ^ 

L. Wittir 



H. Geitner. De 

im Maasstabe voi 

Hempel & Parey (Paul Parey)^ Preis i 

Der Verfasser hat in demselbeu 



trefflich ausgeführten 



vollständig zuverlässig bezeichnet werden kann. In dem Text wird 
zunächst eine kurze Geschichte des Thiergartens gegeben und dann nament- 
lich auf die grossartigen Veränderungen unter Lenne, sowie unter dem 
jetzigen, so überaus für das Gedeihen des Thiergartens thätigen Garten- 
Director Neide hmgewiesen. Hätten wir noch einen Wunsch hinzuzufügen, 
so wäre es der, dass der Verfasser uns Einiges über die statistischen Ver- 
hältnisse, die Unterhaltungskosten, das Personal und wo mögUch auch über 
die Zahl der Bäume, der Bänke etc. angegeben hätte. Bei einer 2. Auflage 
würde ein solcher Anhang gewiss Allen willkommen sein 

— August Fahldi---, _- , 

Anleitung zur Erziehung sämmtlicher Blumen und Gemüse, Obstbaumzucht, 
Weinbau und Fruchtsträucher; Kultur der Topfpflanzen in Gewächshäusern, 
Mistbeeten und Wohnzimmern; Vermehrung durch Stecklinge, Senker, Ab- 
leger etc., femer vollständige Anleitung zur Gemüse- und Blumei 
Quedlinburg und Leipzig. Ernst' sehe Buchhandlung 1881. 8. 304 

Das Buch enthält leider sehr viele Druckfehler — um nicht £ 
zu sagen und kann daher bezüglich des richtigen Schreibens der Namen 
nicht als zuverlässig gelten. Die Kulturangaben sind das Beste an dem Werke, 
meist aber Wredow's Gartenfreund entnommen. 

— Dr. Eduard Brinckmeier, die Kalthaus- und Warmhauspflanzen. 
Praktische Anweisung zur Anzucht, Vermehrung und Veredlung derselben. 
Quedlinburg und Leipzig. Ernst' sehe Buchhandlung. 8. 380 S. Preis ;) 
Mark 1880. 

; übersichtlichen Einleitung führt der Verfasser v 

l giebt dann für 

gleich einen Begriff über die Ansprüche der verschiedenen Familien. Leider 
sind bei der dann folgenden speziellen alphabetisch geordneten Beschreibung 
meist nur die Gattungsnamen genannt. Gut sind die Kulturangaben bei 
Cycadeen, Orchideen, Palmen etc. die deutlich erkennen lassen, dass hier 
langjährige Erfahnmg die Feder führte. Druckfehler sind leider nicht selten. 

— Baron von Ehrenkreutz, das Ganze der Angellischerei uud ihrer 
Geheimnisse. Mit Abbildungen. 13. Aufl. Quedlinburg und Leipzig 1881 



Preis 2,50 M. 



Obwohl den Gärtnern selten Müsse bleibt Fische mit der Angel zu fa 
so woUen wir doch hiermit auf ein Buch aufmerksana gemacht habe 
welchem Angler, denen nach den sogenannten Geheimnissen der Ang-^l 
verlangt, sich Raths erholen könnnen. 



Siebentes Yerzeichniss 



Geh. Med.Rath Göppert, 

Gartens in Breslau 

Obergärtner Tittelbach in Poretsche 

^ussland) ......... 



[nKaltt 644. Versammlung des Vereins zur Beförderung des 
Garteubaues in den König!. Preuss. Staaten. S. 193. (Examen iu 
der Gärtnerlehranstalt. 25jähriges Jubiläum des schleswig-holsteinischen 
Gartenbau - Vereins. Rose: Madame Falcot. Grössere Gartenbau- 
Ausstellung im Jahre 1883 zu Berlin. Winter -Ausstellung im Jahre 1882. 
Ausgelegte Schriften. Splauer Kultur - Blum ' 



keiten und Betheiligung daran durch Bluiriendekorationen.) 

4. März 1881. S. 197. (Polborn'scher Raupenleim. Apparat zur Verbesserung 
der Luft. Wahl der Preisrichter für die Frühjahrsausstellung. Tödtung 
von grossen Bäumen durch Quecksilber. V. rschmelzung des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbau's umi der Gesellschaft der Gartenfreunde) — 
Th. Wenzig, Blüthen-Kalender der Pomaceen. S. 200. ~ Dr. H. 
Poselger, Beitrag zur Blüthezeit der Gewächse. S. 204. - Die 
Reblauskonvention zum zweiten Male vor dem Reichstage. S. 206. — 
Die Ausstellung des Charlottenburger Gartenbau- Vereins in 
der Flora, S. 211. — 0. Hüttig, Einige Mittheilungen über die Ge- 
schichte des Weinstocks. S. 212. - M. Hofmann, Park B^a^itz 
(Fortsetzung). S. 217. - L. Wittmack, üeber Zwillingsfrüchte. S 
219 (Mit 4 Holzschnitten.) — Sitzung der schles. Gesellschaft für 
vaterländische Kultur am 18. December 1880 S. 221. - 0. Hüttig, 
Erklärung. S. 224, — L. Groth. Zur Frage der Sämlingszucht. 

5. 224. — H. WarnecKen, Der ländliche Obstbau in Norddeutsch- 
land. S. 228. — Vermischtes. S. 231. - 
sonal-Nachrichten. S. 236. — Literatur. 
— Siebentes Verzeichniss der gezahlten Beiträge zum Grabdenkmal 
Professor K. Koch. S. 289. 



riie nächste Versammlung des Vereins zxir Beförderung des ( 

am Mittwoch, den 25. Mai 1881, Abends 6 Uhr, 
Palmenhause des botanischen Gartens. 

der Wichtigkeit der Verhandlungen wird um zahlreiches Erscheinen 

gebeten.) 

1. Vortrag des Herrn Dr. Bolle: Ueber eine bisher verkannte Eigen - 



i Beschlussfassung über die Betheiligung an einer grösseren 
haftUchen Gartenbau-AussteUung in Berlin 1888. 
Neuwahl der technischen Ausschüsse und des Ausschusses zur Vor- 
bereitung der Vorstandswahl. 

Beschlussfassung über die Offerte der Verlagshaadlung Paul 
Parey, Berlin, die in deren Verlage befindliche gärtnerische 
Monatsschrift „Deutscher Garten" zum Vereinsorgane zu 
machen, indem der Verein seine Zustimmung dazu giebt, 
dass seine bisherige Monatsschrift mit dem „Deutschen 
Garten" verschmolzen erscheint. — Während der Dauer 
des (vorläufig auf ein Jahr: 1882) zu schliessenden Vertrages 
ist der jeweilige Generalsekretär des Vereins ver- 
antwortlicher Redakteur des „Deutschen Garten" und 
der Verein lässt das Verlagsrecht seiner bisherigen Moniits- 
schrift ruhen. (Erste BeraÖiung.) 
. Verschiedenes. 



Monatsschrift) 

Vereines zur Beförderung des Gartenbaues 

in <l«ii Kiiiiigl. PrciKüisdien Staaten 

Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. 



Redakteur: 

Dr. L. Wittiiiack, 



Adresse d 
Uerlitt S 


. Ver. z. Bef. d. Gart. : Adresse seines Schatzmeisters, Rentier S o d 
., Invalidenstr. 42. Berliu S., Alexandrinenstr. 51. 


.ntag: 


deren Raum 30 Pf. , für MitgUeder des Vereins zc 

Hälfte. Rabatt bei Smaliger Insertion 5 pCt., bei i 

Annalune in der Expedition der Zeitung: 




20 pCt. 


No. (» 


BerUn, im Juni 1881. 



645. Versammlung des Yereins zur Beförderung des 
Gartenbaues in den Königl. Preuss. Staaten. 

Verhandelt Berlin, den 30. März 1881. 

Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden 
Einwendungen dagegen nicht erhoben. 

Zum wirklichen Mitgliede wurde vorgeschlagen: 
Herr Kunst- und Handelsgärtner Rölke, Berlin. 

I. Ausgestellte Pflanzen: 1. Die diesmalige Versammlung 
zeigte eine grosse Reichhaltigkeit an schönen Blüthenpflanzen. Ganz 
hervorragend war die Leistung des Herrn A. Drawiei, Lichtenberg, 
der einen herrlichen Rosenflor, tneils in Hochstämmen, theils in 
niedrig veredelten, theils in abgeschnittenen Blumen zur Schau ge- 
stellt. Das Preisrichteramt, bestehend aus den Herren Gaerdt, 
C. Mathieu und Brasch, erachtete die Einsendung für so ver- 
dienstvoll, dass es ihr anstatt des Monatspreises eine grosse silberne 
Vereinsmedaille, deren Verausgabung die Versammlung genehmigte, 
zuerkannte. Herr Drawiei betonte bei Erläuterung seiner Pro- 
dukte, dass es französische Rosen seien, und er, so lange er mit 
deutschen nicht solche Resultate erziele, bei dem Bezüge aus 
Frankreich bleiben werde. (Siehe die Namen der Rosen in diesem 
Heft unter Vermischtem, S. 283.) 



— 242 — 



2. Den Monatspreis erhielt Herr Brandt, Charlottenburg, für 

cana flore pleno. Die letztere wurde von Herrn Brandt in einem 
Privatgarten in Nizza aufgefunden und gebührt Herrn Brandt, der 
von seinen Reisen schon so manche hübsche Pflanze (u. A. Choisya 
ternata) in Berlin eingeführt, auch für diese volle Anerkennung, 
wenngleich die Pflanze bis jetzt noch nicht als ein williger Blüher 
bezeichnet werden kann. 

3. Herr Schmidt, Obergärtner bei Herrn Kommerzien-Rath 
Dellschau, hatte eine Probe seiner Bohnentreiberei: holländische 
Schwert -Stauden - Schneidebohnen eingeliefert, die ebenfalls 
sehr gut waren. Der Same war von Herrn J. Klar, Berlin, be- 
zogen ; die Bohnen wurden erst im Topf, dann im Mistbeet erzogen. 

4. Herr Hofgärtner Walther, Charlotten bürg, führte einen 
mächtigen Amorphophallus Rivieri vor, an dem sich sehr gut 
demonstriren Hess, dass die Blüthen proterogynisch sind, d. h., dass 
die Narben (der weiblichen Blüthen) schon empfänglich werden, bevor 
die Staubgefässe (der männlichen Blüthen) an demselben Blüthen- 
kolben stäuben. Die Pflanze ist daher auf Befruchtung mit dem 
Staube eines anderen Exemplars angewiesen, und der aasartige 
Geruch, den die Blüthe aushaucht, scheint schon darauf hinzuweisen, 
dass Aasfliegen die Ueberträger des Pollens sind; Delpino hat das 
auch (Ulteri osserv. sulla dicogamia p. 238 cit. nach Müller's 
„Blumen und Insekten" p. 73) beobachtet, ebenso wie bei Arum 
Dracunculus, während Arum maculatum durch winzige Mücken 
befruchtet wird, Alocasia odora und Anthurium etc. nach 
Delpino vielleicht durch Schnecken. 

II. Vor der Tagesordnung trat die Versammlung in die Be- 
rathung wegen Betheiligung an einer grösseren gemeinsamen 
Blumen-Ausstellung 1883 in Berlin. Da das betr. Schreiben der 
Gesellschaft der Gartenfreunde erst kurz vor Beginn der Sitzung 
eingegangen war und der Gegenstand somit nicht hatte auf die 
Tagesordnung gesetzt werden können, so wurde festgesetzt, dass die 
heutige Berathung resp. Beschlussfassung nur eine provisorische 
sein solle und erst in der nächsten Sitzung definitive Beschlüsse zu 
fassen wären. 

Im Allgemeinen brachte man der Sache die lebhaftesten Sym- 
pathien entgegen, dem Wunsch aber, im Jahre 1882 gar keine 
Ausstellung abzuhalten, konnte man nicht beitreten, da bereits der 
Beschluss vorliegt, im Januar 1882 abermals eine Winter-Ausstellung 
zu veranstalten. (Siehe das Programm im Aprilheft S. 151.) 

III. Herr Schotte legte blühende Zweige von Cupressus 
Lawsoniana Murr, vor, die von einem ca. 6 m hohen Baum auf 
dem nördlichen Ausläufer des Pfingstberges bei Potsdam stammten. 
Die purpurrothen Staubkölbchen der männlichen Kätzchen geben 
dem Baum ein sehr hübsches Ansehen. Alljährlich liefert derselbe 
ca. 1 kg keimfähigen Samen. Femer zeigte derselbe Cupressus 
Nootkatensis Lamb. (Thujopsis borealis Fisch.) mit Früchten. 



243 



Herr Lackner bemerkte hierzu, dass bei Herrn Baumschulbesitzer 
Mosisch in Treptow bei Berlin SW. sich mehrere ausserordentlich 
hohe Thujopsis borealis befinden, die jedes Jahr keimfälligen Samen 
tragen. Der Same reift im ersten Jahr, muss gleich gesäet werden 
und geht auch alsbald auf. 

Herr von St. Paul-Illaire wies darauf hin, dass einzelne 
Exemplare von C. Laws. fast alljährlich leiden, andere nicht; es wäre 
wünschenswerth, nur letztere zu vermehren. Derselbe bemerkte, 
dass durch die starke östliche Luftströmung im laufenden Frühjahr 
in ganz Norddeutschland und Holland die Couiferen ausserordentlich 
gelitten haben; nach Herrn Dressler bei uns besonders Thuja gigantea 
(Heyderia decurrens) und Thujopsis borealis auf der Windseite. 

IV. Hierauf hielt Herr H. Fintelmann einen sehr interessanten 
Vortrag über nordamerikanische Kirchhofsanlagen. Dem Wunsche 
des Redners, eine Petition an die Gemeindeverwaltungen grösserer 
Städte zu erlassen, damit mehr (lärtner als Kirchhofs- Inspektoren 
angestellt würden, glaubte die Versammlung nicht direkt beistimmen 
zu können, es erschien ihr aber zweckmässig, darauf hinzuwirken, 
dass diejenigen städtischen Verwaltungen, denen tüchtige gärtnerische 
Kräfte zur Verfügung stehen, dieselben auch für die gärtnerische 
Ausschmückung der Kirchhöfe benutzen. Ein Hinderniss bietet in 
grösseren Städten allerdings der Umstand, dass meist jede Kirche 
ihren eigenen Kirchhof hat. • 

Als wirkliche Mitglieder wurden aufgenommen: 

1) die Herren Zocher & Voorhelm Schneevogt, Kunst- 
und Handelsgärtner, Rozenhagen bei Haarlem; 

2) Herr Baumschulbesitzer J. Kuntze in Charlottenburg; 

3) Herr Kunst- und Handelsgärtner Bock in Berlin. 
Nach einer längeren Reihe kleinerer Mittheilangen wurde die 

SitzuDg geschlossen. 

(gez.) Sulzer. (gez.) Wittmack. 

Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde 
BerUns. 

Verhandelt Berlin, den 18. März 1880. 

Der Vorsitzende eröfinete die Sitzung, Hess das Protokoll der 
vorigen Sitzung verlesen und machte auf die im Juni in Hannover, 
sowie auf die in Colberg stattfindende Ausstellung aufmerksam. 

Herr Hofgärtner Ho ff mann theilt mit, dass ein Chaussee- 
aufseher und Pomoiog, Herr Kniep aus Duderstadt beabsichtige, 
ein Sortiment von Aepfeln in hundert Sorten auszustellen, dass 
derselbe indessen gebeten, die Uebersendungskosten auf den Vereins- 
fonds zu übernehmen und ihm — wenn eben seine Kollektion mit 
16* 



einem Preise bedacht werden sollte — statt der Medaille 



Wunsches des Herrn Kniep aber von dem Beschlüsse der Preis- 
richter abhängig gemacht. 

Zum zweiten Punkte der Tagesordnung übergehend, „Bericht 
über die Versammlung der Vorstandsmitglieder der hiesigen, sowie 
der in der Tmgegend von Berlin tagenden Gartenbau-Vereine vom 
14. März d. J. zur Herstellung einer gemeinsamen Ausstellung", 
theilt Herr Späth mit, dass von den zu dieser Versammlung 
geladenen Vereinen Mitglieder des hiesigen Garteubau -Vereines, der 
Gesellschaft der Gartenfreunde, des Vereins „Versuchsgarten", des 
Charlottenburger und des Pankow-Schönhausener Gartenbau -Vereines 
erschienen, indessen Mitglieder des ebenfalls eingeladenen Potsdamer 
und des Weissenseeer Gartenbau-Vereines vermisst worden seien. 
Der Vorsitzende lässt demnächst das Protokoll der Sitzung vom 
14. März verlesen und über die in derselben fast einstimmig 
angenommenen Resolutionen abstimmen. 

Obgleich der § 1 der Grundbestimmungen, wonach jährlich 
mindestens eine grössere öffentliche Ausstellung veranstaltet werden 
soll, bei Diesem oder Jenem Bedenken erregte, so fand man doch 
einen geeigneten, die Grundbestimmungen durchaus nicht verletzenden 
Ausweg, um die Resolutionen vom 14. März auch in der Gesellschaft 
der Gartenfreunde anzunehmen. 

Die vorerwähnten Resolutionen lauten wörtlich: 

1. Wir sprechen den Wunsch aus, dass die Gartenbau -Vereine 
von Berlin und Umgegend, einschliesslich Potsdam, gemeinsam eine 
grosse Gartenbau -Ausstellung veranstalten. 

2. Wir wünschen, dass dieselbe eine Frühjahrs-Äusstellung sei; 

3. dass diese im Jahre 1883 stattfinde; 

4. dass die Beiträge zu den Kosten und Prämien von den 
Vereinen gezahlt und letztere zu dem Zwecke ersucht werden, fest- 
zustellen, wieviel sie jährlich für Ausstellungszwecke verausgabt 
haben und wie wieviel sie eventuell zu einem Garantiefonds zeichnen 
würden; 

5. Wir bitten die genannten Vereine, im Jahre 1882 gar keine 
Blumen- und Pflanzen-Ausstellung zu veranstalten. 

Die Punkte ad 1 bis 4 fanden keinen Widerspruch, nur bemerkt 
Herr Gude, dass er es als selbstverständlich betrachte, dass die 
Einnahmen aus der projectirten Ausstellung nicht wohlthätigen, 
sondern Vereinszwecken zu Gute kommen. 

Ueber Punkt 5 machen sich von verschiedenen Seiten Bedenken 
geltend, weil eben der Gartenbau -Verein bereits beschlossen, eine 
Winter -Ausstellung — wenn auch in kleinerem Maassstabe — zu 
veranstalten. Obgleich mehrere Stimmen dahin gerichtet waren, 
den Gartenbau -Verein zu ersuchen, von dem nach Herrn Professor 
Dr. Wittmack noch nicht unumstösslichen Beschlüsse abzustehen, 
hielten es die anwesenden, auch dem Gartenbau -Vereine angehörenden 



Mitglieder nicht für angezeigt, in irgend einer Weise auf Aendenuig 
des für den Winter geplanten Unternehmens hinzuwirken. 

Herr Gude bittet, über Punkt 5 heute nur in der Gesellschaft 
der Gartenfreunde abzustimmen. 

Als Delegirte, welche in die demnächst einzuberufende Ver- 
sammlung zu entsenden sind, wurden — nach der Bestimmung, 
dass für je fünfzig Mitglieder ein Delegirter zu wählen ist — Seitens, 
der Gesellschaft der Gartenfreunde die Herren Späth, Laekner 
Hofgärtner Hoffmann und Gärten-Inspektor Wredow, als etwaige 
Stellvertreter die Herren Gude und Grass, gewählt. 

Darauf ging man zu dem Antrag des Herrn Gude bezüglich 
der Verschmelzung der Berliner Gartenbau -Vereine über. Antrag- 
steller wurde unterstützt von den Herren Professor Dr. Wi 
Garten-Inspektor Wredow, Hofgärtner Hoffmann, gegen ( 
sprachen die Herren Beermann, Mosi seh, Grass, Lackn^., ^. ... 
Nach längerem Für und Wider gab die Ansicht des Vorsitzenden 
den Ausschlag, in späteren Berathungen einen Weg " ausfindig zu 
machen, auf dem eine noch engere Verbindung als die augenblick- 
liche zwischen beiden Vereinen, wie z. B. durch Bildung eines 
Central-Organs, einer Central-Kasse etc. zu ermöglichen sei, ohne dass 
darum eine Verschmelzung geboten wäre. 



Verhandelt Berlin, den 22. April 1881. 

Der Vorsitzende theilte vor Beginn der Sitzung mit, dass er, 
abweichend von dem bisherigen Verfahren, das Protokoll der vorigen 
Sitzung erst vor Schluss der heutigen verlesen lassen werde, da die 
Schriftführer verhindert seien, den Verhandlungen von Anfang an 
beizuwohnen. 

An Korrespondenzen sind eingegangen: 

1. der Antrag des Herrn Geheimen Kommerzienraths A, Heck- 
mann auf Beitritt zu unserer Gesellschaft als Mitglied; 

2. ein Schreiben des Charlottenburger Gartenbau -Vereins, wo- 
nach derselbe am 8.— 11. Mai er. in der Flora zu Charlottenburg 
seine 16. Ausstellung veranstaltet und zu deren Beschickung einladet. 

3. der Jahresbericht über die Thätigkeit des Gartenbau -Vereins 
zu Potsdam pro 1. Januar 1880 bis dahin 1881: 

4. ein Aufruf zur Begründung eines Vereines Deutscher Rosisten ; 

5. das Programm des Erzgebirgischen Gartenbau- Vereines zu 
Chemnitz zu der vom 12. und 21. August er. zu veranstaltenden 
Ausstellung; endlich 

6. mehrere auf die Einladungen zu unserer letzten Ausstellung 
bezügliche Dankschreiben. 

Nach Mittheilung dieser Schriftstücke ersuchte der. Vorsitzende 
Herrn Bluth, seinen Vortrag über im Winter blühende Topfflanzen 



Es ist dem Herrn General- Sekretär Professor Dr. Wittmack 
aBheimgestellt, diesen Vortrag in separate in das Vereinsorgau auf- 
nehmen zu lassen. Der V^orsitzende dankte Herrn Bluth für seine 
nicht uninteressanten Mittheilungen und Hess darauf durch den in- 
zwischen eingetretenen Schriftführer das Protokull der Sitzung vom 
18. März er., sowie das Protokoll der Preisrichter vom 9. April 
verlesen. Gegen ersteres waren keine Ausstellungen zu erheben, 
an das zweite knüpften sich weitere Betrachtungen über die Aus- 
stellungen und wurde hier und da auf Mängel aufmerksam gemacht, 
die für spätere Ausstellungen, sowohl von den Ordnern, als von den 
Ausstellern nach Kräften werden abgestellt werden. 

Dem Herrn Kniep zu Duderstadt, welcher ein ziemlich um- 
fangreiches Sortiment gut konservirten Obstes ausgestellt hatte, wurde 
neben der ihm vom Preisrichter-Kollegium zuerkannten grossen sil- 
bernen Medaille eine Remuneration von 30 Mark zur Deckung seiner 
Unkosten für Transport bewilligt. 

Ausgestellt hatte Herr Bluth drei schöne Erica persoluta, pani- 
culata und tubifiora; dem Aussteller wurde durch den Vorsitzenden 
der Dank der Gesellschaft abgestattet und seiner Leistung der Monats- 
preis zuerkannt. 

Schliesslich führte Herr Riesenberg, Dresdenerstr., die von 
Herrn Hermann Apel in Arnstadt construirte, demselben patentirte 
Maschine zur Tödtung von animalischen Parasiten auf Pflanzen vor. 



Verhandelt Berlin, den 6. Mai 1881. 

Mit der Verlesung des Protokolls der vorigen Sitzung durch 
den Schriftführer trat der Vorsitzende in die Tages -Ordnung und 
glaubte sein eigenes Urtheil bezüglich der letzten Ausstellung dahin 
abgeben zu können, dass diese um vieles besser gewesen, als die 
des Vorjahres, ein Urtheil, in welchem er durch die dem Vereine 
von hochgestellten Personen und von Fachkennern zugegangenen 
Zuschriften bestärkt würde. Weniger günstig sprach sich der Schatz- 
meister über die pekuniären Ergebnisse der Ausstellung aus, da die 
(liesjährigen Einnahmen gegen die des Jahres 1 880 zurückgeblieben. 
Derselbe beantragt, um späteren Weiterungen vorzubeugen, eine 
Commission zu ernennen, die sich so bald wie möglich der Revision 
der auf die Ausstellung bezüglichen Einnahmen und Ausgaben unter- 
ziehe. Der Antrag wurde genehmigt und die Herren Brettschneider, 
Wiehle und Wredow in die betreffende Commission gewählt. Herr 
Holgärtner Hoff mann geht darauf zu seinem Vortrage über „die 
Stellung des Vereins in seinem öffentlichen Hervortreten gegenüber 
der Tagespresse" über. 

Herr Referent liest aus mehreren Zeitungen, die sich mit unserer 
Ausstellung beschäftigt haben, Artikel vor, deren Inhalt dem Vereine 
eher geschadet als genützt habe, denn nicht allein waren viele ganz 



oberfläehlii'h und lau gehalten, sondern sie stellten auch falsche That- 
sachen auf, in Bezug deren der Verein bei den betreflFenden Redak- 
tionen wohl auf Richtigstellung hinwirken könnte. Es wurde hin 
und her dabattirt, wie man für die Folge auf die hiesige Presse 
einwirken könne, uni wenigstens Berichte, deren Inhalt sachlich und 
botanisch richtig gehalten, lesen zu können. Späteren Comnoissions- 
Berathungen wird es überlassen bleiben, ob ein bereits vor der dies- 
jährigen Ausstellung gemachter Vorschlag, den hiesigen Zeitungen 
am Abend vor Beginn derselben kurze gedruckte Mittheilongen über 
die Namen der Aussteller und die Namen der ausgestellten PÖanzen 
zugehen zu lassen, geeignet erscheinen möchte, um Vorkommnissen, 
wie sie von Herrn Hoff mann geschildert, die Spitze abzubrechen. 
Als Mitglieder wurden angemeldet: 

Herr Geheimer Kommerzienrath Heckmann, 
„ Kaufmann und Fabrikbesitzer Heckmann, Schlesische 

Strasse 18—19, 
„ Fonds-Makler und Agent Maurer, Markgrafenstr. 
„ Bildhauer Castan, Kronprinzen-Ufer, 

Kunstgärtner Irmler, Nieder-Schönweide und 
l Kaufmann Augustin, Potsdamerstr. 141. 
Der erste diesjährige Ausflug wird nach Werder unternommen 
werden, wozu die Mitglieder durch Karten werden eingeladen werden. 



Park Branitz. 

Eine Reise - Erinnerung von M. 
(Schluss.) 
So schreibt Fürst Pückler gelegentlich einer ähnlichen, die 
Durchforstung von Muskau betreffenden Situation, an den damaligen 
Garten-Inspektor Petzold u. A. Folgendes:*) „Wahr ist nur, dass mir 
sehr häufig von vielen Personen erzählt wurde, der Muskauer Park 
werde jetzt ganz forstmässig in Schläge eingetheilt, sehe ganz kahl 
aus, selbst die Tagelöhner schlügen Bäume nach Belieben nieder 
und dergl., worauf ich wenig geachtet und selten darauf geantwortet 
habe. Wenn dies aber geschehen, war es immer in dem Sinne, dass 
ich Sie in Ihrem Wirken, das ich gesehen, gelobt und daher über- 
zeugt wäre, dass Sie ohne Grund in Muskau nichts unternehmen 
könnten, Reformen seien aber bei landschaftlichen Kunst^nlagen 
nach 30 Jahren stets nöthig, und thäten Sie des Guten darin wirklich 
zu viel, so würde sich dies bald ausgleichen. Dass man also über 
Sie schreit, ist richtig, aber Jeder, der Reformen oder neue, ausser- 
gewöhnliche Schöpfungen unternimmt, muss sich dies gefallen lassen. 
Als ich in Muskau begann, hielt ' ' . ^' ' ' ' "• i^id 

äusserten es auch zu meiner n - hen 

nur daraus, wie wenig im Allgeu aits- 

*) Biographische Skizze. S. 50, l-. 



gäitnerei bisher Gemeingut geworden ist, wie nöthig es daher 
erachtet werden muss, dies Verständniss mehr und mehr anzubahnen, 
und zwar auf dem Wege rein sachgemässer Kritik, wenn anders nach 
dieser Eichtung hin dem Landschafter Seitens des Liebhabers mehr 
Spielraum gestattet werden soll, wenn der Fachmann auch vornehmlicli 
von Seinesgleichen richtig verstanden sein will. Oder bieten etwa 
unsere öffentlichen grossen Anlagen in unserer nächsten Umgebung 
nicht den besten Bew^eis hierfür? Würden hier nicht Axt und Säge 
wahre W'under vollbringen können, so die nöthigen Bedingungen 
beiderseits vorhanden w^ären? Der Fürst spricht sich bezüglich dessen 
dahingehend aus:*) „Es ist also eine leitende, geschickte Hand 
Werken dieser Art fortwährend nöthig. Fehlt diese zu lange, so 
zerfallen sie nicht nur, sie werden auch etwas ganz Anderes; ist sie 
aber gegenwärtig, so kann sie auch ohne Aufhören im Detail noch 
neue Schönheiten hinzufügen , ohne die bestehenden zu verlieren oder 
aufzuopfern. Das Hauptwerkzeug, dessen wir uns zum Schaffen 
bedienen, unser Pinsel und Meissel, ist der Spaten; das Haupt- 
werkzeug des Erhaltens und Fortschreitens aber ist die Axt 
Sie darf keinen Winter ruhen, oder es geht uns mit den Bäumen, 
wie dem Zauberlehrling mit den Wasserträgern — sie wachsen uns 
über den Kopf. Die Axt ist aber eben so nöthig, um den Pflanzungen 
die an jedem Orte verlangte Höhe zu erhalten, als auch die zu ihrer 
Schönheit nöthige Dichtigkeit zu erlangen, sie luftig zu bewahren, 
und vor dem ünterdrücktwerden zu sichern. Da Abhauen überdies 
die schnellste und leichteste Arbeit ist, im Winter aber nicht viel 
andere vorkommt, so hat man immer alle mögliche Zeit dazu übrig, 
wenn man nur nie ein Jahr dabei versäumt." Wird nicht hier und 
da, die Hand aufs Herz, mit den Anlagen verfahren, als gelte es 
gleichsam nur ein altes Gemäuer auszubessern, die Stellen, an denen 
der Putz heruntergefallen ist, von Neuem zu berappen? Ja, hält mau 
es maassgebenderseits nicht für eine grössere Ehre, von Ersparnissen 
reden zu können, wo man sich des Umgekehrten rühmen sollte, 
d. h. Geldmittel flüssig gemacht zu haben, damit nicht die Kunst 
des materiellen Elementes entbehre? Wie reimt sich überhaupt das 
Prinzip der Sparsamkeit mit dem der Kunst? Entweder nur das 
Eine oder das Andere geschieht, und wer sich unterfangen will, 
beide Begriffe zu verschmelzen, der trage auch das Verantwortliche 
einer solchen Missgeburt. Ein Segen für die Kunst liegt nicht darin, von 
einer gedeihlichen Entwickelung derselben kann da jedenfalls nicht 
die Rede sein. Dass die Durchforstung trotzdem noch ihre grossen 
Schwierigkeiten habe, erhellt am besten der Umstand, dass, als der 
Fürst den damaligen Garten-Inspektor Petzold zu dem Zweck nach 
Branitz kommen liess, um gleiche Lichtungen wie in Muskau hier 
mit der Axt vorzunehmen, obwohl an Ort und Stelle diese An- 
gelegenheit besprochen worden, der Fürst auch die Nothwendigkeit 
dieser Operation einsah, er sich doch nachher nicht zur Ausführung 

*) Andeutungen über Landschaltsgärtnerei. S. 142, 143. 



entschliessen konnte, weil er glaubte, das Bild dadurch zu zerstören 
und das Heranwachsen des jungen Unterholzes nicht mehr zu 
erleben. Eine Regel aufstellen, nach welcher man hauen könnte, 
giebt es eben nicht; die Thätigkeit der Axt ist, wie Petzold 
treffend bemerkt, in unserem Sinne nur eine praktische Anwendung 
des Gesetzes der Schönheit und lässt sich hierauf wohl das Goethe'sche 
Wort anwenden: „Wenn ihrs nicht fühlt, ihr werdet's nie erjagen!'* 
Der Fachmann, so er anders ein Mann rechter Art ist, weiss wohl, 
welcherlei Schwierigkeit mit dem Heranwachsen von Baum- und 
Gehölzpflanzungen es auf sich hat, wie lange es dauert, ehe ein 
Baum denjenigen Grad der Ausbildung erreicht, welcher ihn in seiner 
eigentlichen Schönheit erscheinen lässt, er vermag die Wirkung 
eines solchen Gebildes in landschaftlicher Beziehung wohl zu 
beurtheilen, er ist gleichfalls dazu berufen, aus sanitären Gründen 
die ^Nützlichkeit einer solchen Pflanze zu betonen; das liegt einfach 
in dem rechten Verständniss seiner Aufgabe. Um so mehr sollte in 
dieser Beziehung seinem Urtheil Vertrauen geschenkt werden, dafern 
er sich für Beseitigung dieses oder jenes Baumes, der oder jener 
Gebüschpartie verwendet. Einer herangewachsenen Anlage gegenüber 
ist letzteres die nicht minder wesentliche Aufgabe des Landschafters. 
Abgesehen davon, dass eine sogenannte Regenerirung der Strauch- 
partien in vielen Fällen wenig, theils gar nicht, oder falls es 
ges< hiebt, vielfach in unzweckmässiger Weise ausgeführt wird, arten 
r.lle Gebüschgruppen dahin aus, dass sie den ihnen zuvor bei Beginn 
der Anlage angewiesenen Raum mit zunehmendem Alter bei weitem 
überschreiten, dass, in vielen Fällen anfangs nur zur Deckung 
bestimmt, ihr Entfernen späterhin geradezu unerlässlich wird. Ein 
Vergleich einer landschaftlichen Anlage mit derjenigen einer Bau- 
lichkeit in Parallele stellen zu wollen, ist, schon rein äusserlich 
angesehen, so z. B. bezüglich der Kosten in Entstehung als Unter- 
haltung ein Unding. Der Landschafter hat stets zu arbeiten, zu 
korrigiren, zu beobachten, zu vergleichen; das Bild ist von vorn- 
herein nicht fix und fertig, es bleibt im Laufe der Zeit nie dasselbe. 
Wohl giebt es gewisse Grenzen, innerhalb deren das Bild gedacht 
worden und sich bewegen soll, doch diese, um sie aufrecht zu 
erhalten, verlangen Zeit und Mühe und verursachen somit Kosten, 
die zum Theil bei weiterem Fortbestehen in erhöhtem Maasse 
anzuwenden sind. 

Wir freuen uns, in Branitz gerade dies bewahrheitet zu sehen, 
und drückt sich damit am besten der Dank aus, der, wie Petzold 
mit vollem Recht schreibt:*) „dem Fürsten Hermann v. Pückler- 
Muskau, als dem Begründer unserer deutschen Gartenkunst, von uns 
Gärtnern dargebracht zu werden gebührt." Wohl sind es volle zehn 
Jahre her, da der Fürst seine künstlerische Hand vom Pfluge gleiteu 
Hess, und wenn wir daher heut dieses sein letztes Werk anschauen, 
geschieht dies nicht ohne der sorglichen Hand zu gedenken, welche 



I Biographische Skizze. S. 



das Vergangene hocli in Ehren hält, als deren wichtigste Lebens- 
aufgabe es erscheint, das Prinzip des Begründers in air diesen 
Einzelheiten voll und ganz aufrecht zu erhalten. Schon Koch 
schreibt:*) „Doch es waltet ein guter Genius über dem AVerke 
CBranitz). Der schaffende Geist, die Genialität ist auf seinen Nach- 
folger, Heinrich Graf von Pückler, übergegangen. Der Graf 
schreitet rüstig fort, im Geiste des Oheims zu verschönern und die 
umliegende Landschaft immermehr in den Bereich des Parkes zu 
ziehen." 

Hoffen wir, dass au-^h in dieser Hinsicht anderweit, d. h. in 
unseren grösseren Anlagen ein derartiges Fortschreiten sich mehr 
und mehr Geltung verschaffe. Und wenn diese Zeilen auch nur in 
Etwas dazu beitrügen, die Aufmerksamkeit auf diesen so wunden 
Punkt unserer Kunst zu lenken, wäre die Absicht des Verfassers 
dieser Zeilen reichlich belohnt, würde auch der Fachmann der Ent- 
stehung sowie dem Bestand ein objektiveres und damit gerechteres 
ürtheil entgegenbringen, als man es, zumal von Fachleuten, speziell 
auch über Branitz, heute leider, wenn auch nur sehr sparsam, zu 
hören pflegt. 



Der ländliche Obstbau in Norddeutschland. 

(Fortsetzung.) 

Vor Allem aber möge man bei uns anfangen, wie dies in Süd- 
deutschland schon weit verbreitet ist, auch die Aecker selbst mit 
Obstbäumen zu besetzen. Hier bietet sich nun dem mit dieser Art 
der Anlage und Ausnützung des Bodens noch Fremden die meiste 
Gelegenheit zum Widerstände. 

„Ich sollte in meinen schönen Weizenacker Obstbäume pflanzen*, 
ruft der entrüstete Bauer, „da würde ja der Ertrag des Landes in 
Folge des vielen Schattens und der Nahrung, die der Baum der 
Erde entzieht, noch geringer werden als jetzt!" — „Nein, und 
nochmal nein, biederer Landmann, Du irrst!" — Wenn die Pflan- 
zungen nur sacbgemäss ausgeführt werden, so wird der Ertrag des 
Ackers sich sogar ganz bedeutend erhöhen, ganz abgesehen von der 
grossen landschaftlichen Verschönerung und der Verbesserung, welclie 
die Atmosphäre durch das Vorhandensein der die Feuchtigkeit zu- 
rückhaltenden Bäume erfährt. — Um die Pflanzung ihrem Zwecke 
entsprechend herzustellen und nicht durch einen aus Unwissenheit miss- 
rathenen Versuch mehr abzuschrecken als zu fördern, müssen einige 
Punkte berücksichtigt werden. — Die Bäume sollen, um die Be- 
stellung der Aecker nicht zu hindern, in geraden Linien gepflanzt 
werden. — Die Reihen der Bäume müssen wenigstens 400 bis 500 
S( hritte von einander entfernt stehen, hierdurch fällt der Vorwurf 



Vorlesung über Dendrologie. Vn. Abschnitt, S. 132. 



des vielen Schattens weg. Der Abstand von den einzelnen Stämmen 
betrage als Geringstes 10 — 15 m (35-52). Will man recht bald 
Ertrag haben, so kann man auch zwis.'heu je zwei Kernobststäramen 
eine Zwetsche oder PHaume setzen, die, wenn die Kernobstbäume 
in vollem Ertrag stehen, ihr Lebensziel meist erreicht haben, jeden- 
falls aber dann wieder zu entfernen sind. 

War der Boden bis dahin noch nicht mit Obstbäumen bestan- 
dea, also sogenannte jungfräuliche Erde, und man will keine grossen 
Unkosten haben, so werfe mau nur im Herbste die Pilaozlöcher in 
einer Tiefe von 60—90 cm und einem Durchmesser von 90 bis 
120 cm aus, damit durch die Witterungs-Einflüsse der Boden sich 
etwas verbessere; dies kann noch wesentlich durch das Eingiessen 
von einigen Kannen Jauche im Herbste vermehrt werden. 

Im Frühjahr beim Pflanzen möge man der wieder eingeworfenen, 
von Steinen und dergleichen pereinigten Erde in 30 cm Tiefe eine 
Düngung verabreichen. Befindet sich vor 60—90 cm Tiefe schon 
eine Steinschicht, der sogenannte Ortstein, so muss dieselbe natür- 
lich entlernt werden. 

Was nun noch den Verlust anbetrifft, den der Acker durch 
Entziehung von Nährstoffen durch die Obstbäume erleiden soll, so 
ist dies ein Irrthum, indem der Baum vermöge seines ganzen Organis- 
mus und seiner tiefer gehenden W^urzeln aus dem Boden ganz 
andere, den Halm- und Hackfrüchten unzugängige Nahrungsstoffe 
anzieht. — Dass sein Schatten nicht zu grossen Nachtheil hat, kann 
man leicht an Chausseen beobachten, deren Bäume benachbarte 
Aecker überschatten und unter denen das Korn und dergleichen 
noch reiche Erträge liefert. 

In Süddeutschland sind die mit guten Obstbäumen bestandenen 
Aecker um die Hälfte und mehr höher im Preise als die ohne Obst- 
bäume, da jeder Landmann dort weiss, wieviel mehr ein Kornfeld 
mit Obstbäumen einbringt, als ein anderes. — Es ist sogar vor- 
gekommen, dass für einen württembergischen Morgen Landes mit 
gesunden Obstbäumen bestanden 1500 Gulden (über 2500 Mark) 
bezahlt sind, während ein daneben liegendes gleich grosses Stück 
gleicher Güte ohne Bäume ."00 Gulden einbrachte. 

Dass es hier im Norden nun auch besonders dem Sturme 
exponirte Hochebenen giebt, ist richtig, jedoch auch dafür ist Rath, 
indem unser deutscher Poraologenverein viele Obstsorten empfohlen 
hat. die auch für hohe rauhe Lagen passen und deren Früchte fest 
am Baume sitzen. 

Was nun den bei offener Lage befürchteten Diebstahl anbelangt, 
so wird derselbe stets da, wo das Obst in Folge von nur geringem 
Anbau theuer ist, am ersten auftreten. — Es ist aber grade Zweck 
der grösseren Verbreitung des Obstbaues, dieses zugleich ebenso feine 
als gesunde Nahrungsmittel auch dem armen Manne erreichbar zu 
machen, damit dessen Begehrlichkeit auf keine zu harte Probe ge- 
stellt wird und arme Kinder nicht durch Entwenden von Obst dem 
Diebeshandwerk entgegen geführt werden. — Die Ansprüche, die 



auch die ländlichen Bewohner an ihre Nahrung stellen, haben sich, 
namentlich was den Verbranch von Obst anbelangt, seit fünfzig 
Jahren fast verdreifacht. So haben jetzt schon viele Bauern eigene 
Obstkeller, die sie mit dem Bedarfe für die eigene Familie füllen, 
wogegen in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts der Land- 
mann ausser wenig ordinairem Kochobste fast alles Obst in die 
Städte brachte. Sobald sich nur die Obstanpflanzungen weiter aus- 
dehnen und dies bekannt wird, werden sich im Herbst von selbst 
Händler emstellen, die das Obst, sowie es jetzt schon an den 
Chausseen geschieht, im Grossen ankaufen und es weniger obst- 
reichen Gegenden zuführen. Aber ausser dem Obste zum Rohessen 
und zum Verkaufe wird dann auch bei uns die Obstbenutzung auf 
alle Arten erfolgen. Sei dies nun zum Dörren, Backen oder zur 
Musbereitung, für Obstgelee oder zur Gewinnung des in Süddeutsch- 
land so beliebten Obstweines, der auch bei uns dem so schädlichen 
Branntweintrinken bald ein Ziel setzen könnte. 

Wenn der Landmann dann eine reiche Einnahme für den Ver- 
kauf seines Obstes, das er auf den bisher nur dem Kornbau dienen- 
den Aeckern oder an ganz unbenutzten Feldwegen geerntet, erzielt 
hat, wird er bald einsehen, dass sich ihm eine Einnahmequelle 
eröffnet, an die er bisher nie geglaubt und die ihn in den Stand 
setzt, seine sämmtlichen, manchmal ziemlich hohen Abgaben aller 
Art davon zu bestreiten. — Auf einen Gegenstand müssen wir zum 
Schlüsse noch aufmerksam machen, dessen Nichtbeachtung die ganze 
Anlage in Frage stellen könnte; es ist dies die rechte Sorten- 
auswahl. — Dieselbe muss sich richten: 1) Nach der Höhenlage 
und Bodenbesehaffenheit und deren mehr oder weniger hohem Feuchtig- 
keitsgrade. 2) Nach der Lage des Ortes, da in der Nähe grosser 
Städte guter Absatz für zarteres Sommer- und Tafelobst ist, bei 
weiterem Transporte dagegen härtere und Wirthschaftssorten den 
Vorzug verdienen. 3) Nach den in einer Gegend am meisten ver- 
langten Obstsorten. 

So möge der Landmanu diese winterliche Ruhe benutzen, um 
zu überlegen, wo er auf seinen Ländereien einen Anfang mit der 
Obstzucht machen will. - Möge er noch diesen Winter die Vor- 
bereitungen treffen und möge das neue Jahr Zeuge sein von vielen 
neuen Obstanpflanzungen zum Nutzen und Segen des Pflanzers und 
seiner Familie. 

Es sind kürzlich in Bremer Zeitungen viele kleinere Artikel 
über Obstkultur geschrieben worden. — Leider fehlte meist der 
rsame des Verfassers, so dass ein Landmann, der den gegebenen 
Rathschlägen hätte folgen und den oder jenen Wink vom Schreiber 
wünschte, nicht wusste wohin sich wenden. 

Wir haben es uns nun zur Aufgabe gemacht, auf mündliche 
und schriftliche Anfragen über passende Sorten für die verschiedenen 
Boden und Lagen und alles sonst Nöthige unsern Rath zu ertheilen 
und hoffen wir, dass sich kein Landmann, ob nah, ob fern, der Mühe 
entzieht, davon zu seinem Nutz und Frommen Gebrauch zu machen; 



— 253 — 

natürlich nur dann, wenn er Niemanden hat, der ihm iu seit 
Nähe mit sachverständigem Rathe zur Seite steht. 

Wir ersuchen zum Schluss alle ländlichen Zeitungen und Loc; 
blätter, diesen Zeilen einen Raum in ihren Spalten /u ^^>nllell, dan 
dieselben weite Verbreitung finden. 

H. B. Warnecke.u 
Ubstbaumschuleubesitzer in Burgdamn 
Bremeu, Mitglied des deutschen Pomc 
Gartenbauvereioi 



Clioisya teriiata Kuntli, ein neuer Blüthenstraucli. 



(Hierzu Tafel V.) 

Lit. et Syn. Choisya ternata Kunth in Humboldt, Bonpland 
et Kunth Nov. Gen. et Sp. VI. 4, tab. 513. — De Candolle Pro- 
dromus L, 724. — Benth. et Hook. Gen. plant. I., 297. — Revue 
horticole 1869, 322, mit farbiger Abbildung. — Gard. Chron. n. ser. 
Nin., 626 und 693. — Juliana ternata la Llave et Lesarza 



Vaterland: Gemässigte Theile Mexiko's. 

Gattungs-Charakter: (vergl. besonders BenthametHooker I.e.) 
Blüthen zwitterig, Kelchblätter 5, abfallend, dachig; Blumenblätter 5, 
kurz genagelt, ausgebreitet, länglich, dachig: Staubgefässe 10, au 
der Basis einer Scheibe (Diskus) eingefügt, die 5 den Kelchblättern 
gegenüber stehenden etw^as länger; Staubfäden breit pfriemen förmig, 
Diskus säulenförmig, dick, aufrecht, behaart; Ovarium ölappig, 
dem oberen Ende des Diskus aufgesetzt, behaart, stumpf, die Lappen 
an der Basis mit dem dicken säulenförmigen Griffel verbunden, 
Narbe kopfförmig, 51appig; Ovula in jedem Fache zwei, meist hängend 
anatrop übereinander gestellt; Kapsel Slächerig, 5schnäbelig, Sfurchig, 
öklappig (nach L. et L.); Samen . . .? Mexiko. — Benannt zu 
Ehren des Botanikers Professor Choisy in Genf. * 1799, f 1859. 

Spezies-Charakter: Choisya ternata H. ß. K. (einzige 
bis jetzt bekannte Spezies), Strauch mit stark nelkenartigem Geruch 
(nach Bentham et Hooker). Blätter gegenständig, gestielt, 3blätterig, 
Blättchen sitzend, gegliedert, lanzettlich oder umgekehrt länglich, 
eiförmig, vielfach wechselnd, stumpf, ganzrandig, lederartig, glatt, 
dunkelgrün, oberseits etwas glänzend, durchscheinend punktirt, die 
beiden seitlichen oft zu einander symmetrisch. — Blüthen gegen 
die Spitze der Zweige in achselständigen fast ebensträussigen 
Rispen, deren letzte Auszweigungen meist Dichasien (oder Tri- 
chasien), d. h. zweigabelige (oder dreigabelige) ßlüthenstände mit 
verkürzter Hauptachse bilden. Oefter wächst die verkürzte 
Achse durch und bildet dann den Laubtrieb. Blüthenstielchen 



— 254 — 

aus der Achsel eines Deckblattes eütspringend mit zwei Vorblätteru. 
Blüthen ansehnlich, zahlreich, elfenbeinweiss, durchscheinend punktirt. 
Staubfäden weiss, Antheren gelb, Staubgetasse bei der Bestäubung 
sich zur Narbe neigend und so eine Art Krone bildend. 

Wir verdanken Herrn Kunst- und Handelsgärtner R. Brandt, 
Charlottenburg, die Einführung dieser schönen, durch ihre Blumen 
und Bliithenknospen an die verwandten Orangen erinnernde Pflanze 
für Berlin. Derselbe sah sie vielfach in Paris an Stelle von wirk- 
lichen Orangen und hat dieselbe nunmehr in zahlreichen Exemplaren 
erzogen. Die erste Kunde von dem Strauche erhielt die Gärtner- 
welt durch die Revue horticole 1869, S. 332, wo Houllet auf ein 
im Museum zu Paris blühendes Exemplar, das durch eine hübsche 
Abbildung illustrirt wurde, aufmerksam machte. Dieses Exemplar 
war ] 866 von Hahn, Mitglied der wissenschaftlichen Kommission 
für Mexiko, geschickt worden und scheinen alle vorhandenen von 
diesem abzustammen. Bisher wurde sie stets als KalthauspHanze 
kultivirt, der Umstand aber, dass sie aus den gemässigten Gegenden 
Mexiko s stammt, erklärt wohl, dass sie nach den neuesten Berichten 
in England schon mehrfach im Freien, gegen eine Mauer gepflanzt, 
ohne Decke ausgehalten hat, so in Kew bei E G. Hender- 
son & Sons (Gard. Chr. n. ser. Xlll., 626) und bei H. N. Ellacombe, 
Bitton Vicarage (1. c. 693). 

Obwohl bei uns Choisya ternata noch nicht als früher Treib- 
strauch gelten kann, da er erst zum März seine frühen Blüthen 
entfaltet, so wird er doch sicher sich bald einer grossen Verbreitung 
zu erfreuen haben, denn die elfenbeinweissen, wohlriechenden, fast 
wie Orangen duftenden Blumen mit ihrer Krone von gelben Staub- 
beuteln geben mit den dunkelgrünen glänzenden Blättern einen 
angenehmen Kontrast. 

üeber die Kultur macht Herr R. Brandt uns folgende Mit- 
theilungen: Die Kultur der Choisya ternata ist vollständig analog 
der Azalea mdica ; während letztere aber zu ihrem Gedeihen Haide- 
erde erfordert, verlangt die Choisya eine kräftige bündige Kompost- 
oder Rasenerde; man gebe ihr durchaus keine Haideerde, denn in 
ihr wird das Laub gelb. 

Da die Choisya keinen Samen ansetzt, auch wenn man sie 
befruchtet, so kann dieselbe nur durch Stecklinge, welche leicht 
wachsen, vermehrt werden. Zur Vermehrung verwendet man halb- 
reifes Holz, welches keine Knospen hat, und steckt dasselbe bei 
massiger Bodenwärme an die kälteste Stelle der Vermehrung. 
Nachdem die Stecklinge sich bewurzelt haben, pflanzt man dieselben 
m kleine Töpfchen, verwendet dazu halb Kompost, halb Lauberde 
und bringt dieselben auf einen lauwarmen Kasten mit ca. 18-20° R. 
Bodenwärme, wo sie sich schnell bewurzeln werden. Später pflanzt 
man diese jungen Exemplare entweder gleich auf einen kalten 
Kaste» in gute Komposterde, wobei man sie allmälig an die freie 
Luft gewöhnt oder sie werden noch einmal in grössere Töpfe ver- 
pflanzt und nachdem sie abgehärtet sind, in ein mit Komposterde 



präparirtcs freies Beet bei 20 cm Pflanzweite im Verbände aus- 
gepflanzt, während des Sommers feucht gehalten und nicht beschattet, 
im Monat August werden sie in Töpfe gepllanzt und an der kältesten 
Stelle im Kalthause oder mit jungen Azaleen oder Camellien in 
einem Erdkasten überwintert. Ende Mai werden sie dann auf einem 
Sandbeet eingelocht und bilden daselbst ihre Knospen aus. 

Die Choisya wächst buschig, schnell und üppig, aber wild, d. b. 
unregelmässig. Daher ist es unbedingt nothwendig, kleine Stämrachen 
von ca. 18—20 cm Höhe, und daran kleine Krönchen zu ziehen; 
gut ist es, die so zurückgeschnittenen jungen Pflanzen mit Stäbchen 
zu unterstützen. Ihre Blüthezeit fällt in die Monate März und April, 
sie lässt sich nur wenig treiben, vor Mitte Februar würde es 
sich nicht empfehlen, sie warm zu stellen. Die Choisya ternata 
ist wegen ihrer rein weissen Blumen mit höchst feinem pikant 
orangeartigem Geruch sehr zu empfehlen. Die reichlichen trugdolden- 
artig aufrecht stehenden Blüthen über den dunkelgrünen, dreizähligen 
Blättern gewähren einen recht freundlichen Anblick. 

Wer jemals versucht hat, beim Blumenarrangement Orange- 
blumen zu verwenden, der wird ihre Hinfälligkeit sehr bedauert 
haben; dafür bietet die Choisya einen würdigen Ersatz, da dieselbe 
verarbeitet von grosser Dauer und gleicher Wirkung ist; auch ist 
es jedenfalls leichter, eine Choisya gut zu kultiviren, als einen 
Orangenbaum. 

Einiges über die Anzucht neuer Rosen aus Samen. 

Von Joseph Klar- Berlin. 

Wie ich jüngst in der Rangliste der edelsten Rosen von Herrn 
Fr. Schneider, Wittstock, las, hat der landw. Provinzial -Verein 
für die Mark Brandenburg einen Preis für die beste Rose deutscher 



dem wir nächst England die meisten Neuheiten von Rosen zu 
verdanken haben, entspann sich häufig, wie dies unter Kollegen 
vorkommt, Streit über Fachsachen, so auch namentlich über 
Rosen etc. etc., bei welcher Gelegenheit die Franzosen sich nicht 
wenig auf ihre Rosen einbildeten, überhaupt auf ihre Kulturen, 
während ich ihnen nur zu häufig entgegenhielt, dass sie wohl 
Baumschul-, nicht aber Pflanzengärtner seien. Ersteres bedingt 
bekanntlich das Klima und der Boden. Wenn aber Jemand, der in 
Montreux nahe Paris bei Alexis Lepere vielleicht die Pfirsichkultur 
und deren Schnitt wirklich „capirt" hat, so dass- er also, wie man 
zu sagen beliebt, thatsächlich längere Jahre als „premier gargon" 
bei seinem Chef fungirte, in Norddeutschland seine Praxis in gleicher 
Weise treiben will, so kann er nur bei Zeiten einen Kirchhof einrichten 
für all' die Lieben, die er schliesslich durch das viele Pinziren etc. 
zu Tode martert, trotzdem er dort, wie erwähnt, „premier garQou" 



256 



(wörtlich: erster Knabe) war. Doch dies gehört eigentlich nicht 
hierher, da ich nur von der Neuzüchtung der Rose in Deutschland 
sprechen und über dieselbe eine kleine Erfahrung mittheilen wollte. 

Nachdem ich s. Z. meinen Platz in Paris quittirt hatte und 
„deutsche Worte, deutsche Lieder" meine Ohren wieder erfreuten 
und ich über Alles Gehörte, Gesehene und Gelernte nachdacht •, da 
fiel mir die „Rose" wieder ein. Ich wollte den Versuch machen, 
neue Rosen zu ziehen, trotzdem in meiner Stellung als Gehülfe bei 
meinem Vater mir die Umstände nicht recht günstig waren. Im 
Herbste, bei Gelegenheit des Deckens dieser „Königin der Blumen", 
wie sie mit Recht genannt wird, entnahm ich von den Stämmen die 
vielfach daran haftenden Früchte (Hagebutten), zerquetschte die- 
selben und machte mir eine Erdmischung, bestehend aus guter 
Haideerde, verrottetem Lehm und scharfem Sand und säete hierin 
die Rosensamen, die ich möglichst gleichmässig in den Schalen ver- 
theilte, mit Erde bedeckte und ziemlich stark andrückte. Diese 
Schalen setzte ich in ein Kalthaus, das, nebenbei gesagt, auch das 
Warmhaus vertreten musste, also bei einer Temperatur von ca. 60 
zwischen die Neuholländer, denn einen anderen Platz durfte ich 
mir wegen Mangels an Raum nicht aneignen, umsoweniger, da es ja 
nur Privatspielerei war. Hier standen sie während des Winters 
und wurden von Zeit zu Zeit je nach Bedürfniss angefeuchtet. 
Mitte Februar, also nach drei Monaten, sah ich zu meiner grössten 
Freude, wie die Rosen aufgingen und wohl vier Wochen später 
waren sämmtliche Pflänzchen heraus (Mitte März). Leider konnte 
und durfte ich wegen Mangels an Zeit diesen meinen Lieblingen 
nicht die ihnen gebührende Aufmerksamkeit schenken, also sie nicht 
verpflanzen etc., so dass sie aus einer Ecke in die andere gestossen 
und ich schon gleichgiltiger gegen sie wurde. Ende Mai nun sah ich 
zu meiner üeberraschung, dass einige Pflanzen in den verschiedeneu 
Schalen, die sich jetzt bereits im Freien befanden, Knospen angesetzt 
hatten und anfangs Juni traten diese in Blüthe. Die Blumen au 
und für sich waren selbstredend nur klein, denn die Pflänzchen 
waren äusserst schwach, wie sie eben sein können, wenn sie noch 
als Sämlinge in einer Schale sich befinden. Was die Farben 
betrifl"t, so wichen sie bedeutend von denen der Mutter- 
sorten ab. Letztere waren selbstverständlich namentlich solche 
gewesen, welche viel und gern bei uns Samen tragen, z. B. Gloire 
de Dijon, Souvenir de la Malmaigon, General Jacqueminot. Die Blumen 
der Sämlinge Dr. Arnold etc. hatten die Grösse einer Cramoisi 
superieur und variirten von dem dunkelstem Roth bis in's matteste 
Rosa, und in's Weisse und Gelbe. 

Hätte ich nun: diesen Rosen meine besondere Aufmerksamkeit 
widmen können und sie in wirkliche Kultur genommen, so bin ich 
der Ueberzeugung , dass sich doch einige Pflanzen gefunden hätten, 
die etwas wirklich Neues und auch Gutes repräsentirt haben würden, 
trotzdem ich keine künstliche Befruchtung vorgenommen hatte. 
Was später aus meinen Zöglingen wurde, weiss ich leider nicht, die 



257 



Gärtnerei löste sich gleich darauf auf und ich hatte nur die Genug- 
thuung, einen kleinen Fortschritt in meinen Erfahrungen gemacht 
zu haben, den ich heute noch nicht bereue. Grössere Flächen Landes 
gehören selbstredend hierzu, um als Spezialität neue Sorten zu 
züchten und dies ist unter Umständen nicht leicht, da die Rosen- 
Kollektionen bereits in's Unendliche gehen ; ja, ich glaube fast, dass 
bei den Remontantrosen es schwer halten wird, bessere Neue zu 
erzeugen, hingegen möchte ich eher zu der Thea rathen, um diese 
Kollektion zu vergrössern, wie der bekannte Bennett bereits durch 
Kreuzung von Remontant- und Theerosen recht gute Resultate 
erzielte und so rothe Theerosen erhielt. Ob diese Bennetfschen 
Rosen sich bewähren werden in den Gärten und namentlich in 
den Treibereien, darüber sind die Ansichten meines Wissens noch 

Es wäre zu wünschen, dass man bei diesen Neuzüchtungeu. 
bevor eine PHuuze prämiirt wird, recht streng in's Gericht 
ginge, damit wir keine Synonyme bekommen. Eine hellblaue Rose 
aber wird wohl stets ein 'Traum bleiben — ich selbst würde gern 
für eine solche eine Prämie auswerfen helfen, ebenso für eine blaue 
Georgine. Die Samen der edlen Rosen aber müchtr, ich nochmals 
rathen abzunehmen und ähnliche Versuche zn veranstalten, wie ich; 
wenn man sich auch nicht speziell mit Rosenzucht befasst oder 
befassen kann, so hat man doch schliesslich immerhin edle Rosen 
ohne grosse Muhe gewonnen. Vorstehendes sollte nur ein kleiner 
Wink und zugleich eine Anregung sein zur Betheiligung an der 
Züchtung einer neuen Rose und möchte ich die Zeit nicht zu weit 
hinausgeschoben wissen, in w^elcher ein deutscher intelligenter 
Haudelsgärtner uns etwas Neues auf diesem Gebiete vorführt — 
in Gestalt einer „Deutschen Kaiser- Rose". 



Landrosen. 

Vom Forstmeister Geschwind in Stadt Karpfen in Ungarn. 
Das Entstehen der mehrmals blühenden Hybriden, der so- 
genannten Remontantrosen, im Jahre 1837, gab das Signal zur 
Vernachlässigung einiger Rosengruppen, welche, bis dahin hoch- 
geschätzt, nach und nach den erstgenannten Rosen weichen mussten; 
so zwar, dass die Landrosen, und solche sind hier gemeint, kaum 
nur noch in wenigen Exemplaren in den Gärten angetroffen werden. 
Hier und dort eine Moosrose, die Rosa alba und Centifolie in ihren 
Urformen und, wenn es hoch geht, die Persian Yellow; das ist 
Alles, was man von Landrosen in Gärten erblickt. Auch in den 
Katalogen der Handelsgärtner ist in diesem Genre Ebbe eingetreten, 
so zwar dass der Sortensammler und Rosenfreund von Fach nicht 
selten grosse Mühe hat, sein Rosarium aus den Gärten der Rosisten 
zu kompletiren, eben deshalb, weil, Alles in Allem, Dieser gar keine, 



Jener nur wenige, im günstigsten Falle wohl nicht mehr als circa 
50 Varietäten der Landrose führt. 

Bedauerlich ist es geradezu, dass selbst berühmte reichhaltige 
Sammlungen, welche vor 20 — 30 Jahren noch gegen 1000 Varietäten 
der Landrosen einschlössen (ich nenne nur jene von James Boot h 
und Söhne in Flottbeck bei Hamburg, die Sammlung im herzog- 
lichen ScLlossgarten in Eisenberg u. A.), theils stark reduzirt, theils 
gänzlich aufgelassen wurden, während doch die Landrose, welche 
sich in Betreff des Bodens und Klima's überall höchst anspruchslos 
zeigt und, einmal gepflanzt und angewachsen (NB. im wurzelechteu 
Zustande) keiner besonderen Pflege bedarf, ja, sich selbst überlassen, 
sogar misshandelt, zu einem hohen Busche heranwächst und das 
Auge des Blumenfreundes alljährlich mit einer Fülle von Blüthea 
erfreut — sich überaus dankbar gegen die geringste ihr zugewendete 
Aufmerksamkeit seitens ihrer Pfleger zeigt und selbst Stümper in 
der Rosenkultur hier ein reiches lohnendes Feld für ihre Bemühungeu 
finden. Ich wage es sogar, gestützt auf meine mehr als SOjährigeu 
Beobachtungen und Erfahrungen, die Behauptung aufzustellen, dass 
seit jener Zeit, als wir anßngen, die Landrosen bei Seite zu schieben 
und den Herbstrosen allein unsere volle Aufmerksamkeit zuzuwenden, 
wir weder umfangreiche Rosenbüsche in den Gärten gewahren, noch 
vom Rosendufte allzusehr belästigt werden. Jenes „Blüthenmeer 
der Rose", das uns Alle so sehr entzückte, ist nur noch im Buche 
des Dichters zu finden ; was Farbenmannigfaltigkeit betrifft, so bleiben 
die hochgehaltenen Remontantrosen weit hinter den Landrosen zurück, 
und Bau und Haltung der Landrose wird — das muss mir wohl 
jeder unparteiische Rosenfreund zugestehen — von keiner Remontant- 
rose übertroffen! 

Es kann durchaus nicht geleugnet werden, dass es manche 
reichblähende Remontanten giebt, und dass eine geschickte Hand 
das Ihrige dazu beitragen kann, i:m auch an Rosensträuchern dieser 
Abtheilung viele Blüthen gleichzeitig hervorzulocken. Diese 
Kunst verstehen die Engländer, wie man in dortigen Ausstellungs- 
lokalen oft genug sehen kann, meisterhaft. In Deutschland pfuscht 
man w^ohl auch an Remontantrosen mit dem Messer herum, ohne 
indess jene Erfolge aufweisen zu können, während die Landrosen 
ohne alles Zuthun unsererseits ihren Reichthum an herrlichen Blüthen 
auf ein Mal präsentiren und zu blühen wochenlang fortfahren, wo- 
gegen an Remontantrosensträuchern sich zwar viele Blüthen nach 
und nach, bis zum Schneefalle, entwickeln, eine solche Fülle von 
Rosen aber, dass sich die Zweige unter der Last der Blüthen zur 
Erde neigen, sah ich selbst an jenen Remoutantrosenbäumchen , die 
sich der allerzärtlichsten Sorgfalt erfreuten — nie! 

In einigen Katalogen begegnen wir der Bemerkung, dass sich 
die Landrosen, wegen der kurzen Dauer ihres Flores, neben der 
grossen Zahl der Herbstrosen nicht mehr halten können; darauf 
muss ich entgegnen, dass diese Ansieht Vorurtheil, vielleicht auch 
nur Modesache ist und dass die Rose, als Blumenkönigin, unsere 



Dichter nie so begeistert haben würde, wie es thatsächlich der Fall, 
wenn die Letzteren nur die moilernen Remontantrosen vor Augen 
gehabt hätten. 

Der angebende Rosenfreund wird sieher die Frage aufwerfen: 
„Welche sind denn eigentlich die Landrosen?" Dem entgegnen 
wir: Die Rosen dieser Klasse, Sommer-, auch Landrosen genannt, 
blühen sämmtlich nur einmal im Jahre, und zwar von Ende Mai 
hu Anfang Juli, und halten in der Regel nicht allzustrenge Winter 
unbedeckt im Freien aus, weshalb sie richtiger Freiland rose u 
heissen sollten, obzwar es unter denselben auch einige Gruppen giebt, 
die empfindlicher gegen unseren nordischen Winter sind, als die 
anderen. Im engeren Sinne würden wir zu den Landrosen nur die 
Centifolien, die R. alba, lutea und pimpinellifolia, ferner die einmal 
blühenden Moos- und Damaszenerrosen, vor allen aber die Rosa 
gallica mit ihren Hybriden zählen; nach dem angenommenen 
Arrangement aber gehören zu den Landrosen auch die Kletterrosen 
aus den Gruppen der R. alpina, arvensis, sempervirens, raultiflora 
und rubifolia, wenngleich mit Unrecht, denn viele dieser Rosen sind 
nichts weniger als frosthart. 

(Fortsetzung folgt.) 



Liciiala grandis Weiidl. 

(Mit AbbUduag.) 

Syn.: Pritchardia grandis hört. Bull., Teyssmannia Bullauia, 
Regel, Gartenflora 1876, S. 160. 

Die beifolgende Abbildung, welche wir Herrn L. Linden in 
Gent verdanken*), stellt eine der schönsten bekannten Palmen dar. 
Sie erschien zuerst auf der internationalen Brüsseler Gartenbau - 
Ausstellung 1876 als Pritchardia grandis, wo William Bull, 
London, sie vorführte und damit ein ausserordentliches Aufsehen 
erregte, dann in Gent und in Versailles 1878, hier ausgestellt von 
Herrn Wills, der sie von Bull erhalten hatte, und vor Kurzem 
stand sie nach „The Garden '^ bei Herrn Wills in Blüthe. Nach 
Lucien Linden, der sie bei Wills wiedergesehen (vorder Blüthe), 
gehört sie wegen ihrer Tracht und wegen der Stacheln nicht zu 
Pritchardia, sondern zu Licuala und das ist auch die Ansicht des 
ersten Palmenkenners, Herrn Wendland in Herrenhausen. Regel 
hielt sie für eine Teyssmannia und schlug dafür 1. c. den Namen 
Teyssmannia Bulliana vor. Leider fehlt es noch an einer botanischen 
Beschreibung, der ganze Habitus ist aber ein so eigenthümlicher, 
dass man die Pflanze so zu sagen auch ohne Beschreibung sofort 
wiedererkennt. W'ie wir schon in Monatsschrift 1876, S. 526, sagten, 
sind die Blattstiele verhältnissmässig kurz und steif, die Blätter 



312). 



260 



kreisrund, breit schirmförmig, dunkelgrün und eigenthümlich mit 
dem Rande nach unten gebogen, so dass die ganze Blattfläche 
gewölbt erscheint. Während William Bull 1876 für die beiden 
einzigen Exemplare 7000 Francs forderte, ist es jetzt möglich, bei 
L. Linden in Gent junge Pflanzen mit drei Blättern' für 



Figur 8: Licuala grandis WendL 

100 Francs zu erhalten. Licuala grandis stammt nach Bull 
von den Salomon-Inseln, nach Linden von Neubritannien. Sie muss 
im sehr feuchten Warmhause kultivirt werden und verlangt, wie die 
meisten Licuala und Pritchardia, eine nahrhafte Erde, bestehend aus 
Haideerde, alter Mistbeeterde und guter Gartenerde, etwa zu gleichen 
Theilen. Gute Drainage, reichliches Bewässern und schattiger 
ötandort smd nothwendig, letzteres deshalb, weil alle Palmen von 
raschem Wuchs, wie Linden hemerkt, gelb werden, wenn sie zu 
sehr dem Lichte ausgesetzt sind. 



261 



Neuer patentirter Rasenmäher 

von W. KraussÄ Co. in Wien. 

(Mit Abbildung ) 

In neuester Zeit hat die bereits durch ihre diversen landwirth- 
schaftlich - technischen Spezialitäten vortheilhalt bekannte Firma 
Kr an SS & Co. in Wien (Währin^. Herrengasse 74—76) einen 
neuen Patent-Rasenmäher auf den Miukt ^ehnicht, äon wir in 
beistehender Zeichnung vorführen und nachfolgond kurz hrsrhr.Mhon 
möchten. 

Offenbar hat der neue 
Rasenmäher seinen Ur- 
sprung dem von dersell)eii 
Firma seit Jahren mit dciü 
besten Erfolg eingeführte n 
Hand-Heckenschneid.- 
Apparat zu verdank- 
denn gleichwie bei 1» " 
terem beruht die Leistii 
auf dem Prinzip eii 
vervielfältigten Scheer^ 
Systems, ähnlich wie i 
den landwirthschaftl. :M; 
maschinen. Die Schir 
Vorrichtung besteht ;i: 
zwei, aus bestem Stahl 



scharf spitzigen Zähnen ver- 
sehen sind, die unter be- 
beschleunigter rechts- und 
linksseitiger Bewegung, 
dicht am Boden vorgreifend, 
alle Halme und Blätter der 
Gräser und Kräuter voll- 
kommen abschneiden, wo- 
bei das Gras, über die 
Messer hinweg, nach rück- 
wärts abgelagert wird. . „ . 
die Bewegung der Scheerenplatten durch die als Handhaben dienenden 
verlängerten Schenkel und ist (in vollkommen aufrechter Stellung; 
der linken Hand die Führung der Maschine, sowie deren Vorwärts- 
bewegung überwiesen, während die Rechte im ruhigen Tempo 
die Schnittbewegung besorgt. Hierbei muss nun, entsprechend 
der Anzahl der arbeitenden kleinen Messer- oder Scheerenplatten 
eine 40 bis BOfache Schnittäusserung als selbstverständlich zu 
betrachten sein, und beruht auch darauf die Vielleistung dieses 
Rasenmähers. 




— 262 — 

Besonders zu bemerken ist aasserdem noch, dass die Handhabung 
dieses Mähers eine überaus einfache und leichte ist, so dass selbst 
Frauen und Kinder an kleinen Rasenpartien, Rändern etc. ihre 
Kunst sehen lassen und ihre Arbeitslust bethätigen können. Wesent- 
lich aber ist noch zu betonen, dass sich auch der Minderbemittelte 
m seinem Gärtchen mit dieser Maschine den Rasen in schönster 
Form und Reinheit erhalten kann, denn der Preis dieses neuen 
Ras3nschneiders, in vier verschiedenen Grössen, stellt sich für No. 1 auf 
nur 6 fl., No. 2 8 fl., No. 3 9 fl. und Nr. 4 mit 400 mm Schnitt- 
lange 10 fl., Avas nur bei der rationell betriebenen Massenfabrikation 
der Firma Krauss & Co. möglich ist. Schliesslich heben wir noch 
hervor, dass dieser patentirte Rasenmäher gleichzeitig auch zum 
Massenschnitt von Grüngewächsen, zum Niederschneidea von Unkraut 
auf Grabland, zum Abernten von Gemüsesämereien und kleinen 
Getreideparzellen etc. benutzt werden kann und ergiebt sich sonach 
dessen Brauchbarkeit während der ganzen Gartensaison. Der Preis 
muss als sehr niedrig bezeichnet werden und wird die event. Ver- 
breitung sehr fördern. 

Ein uns übersandtes Exemplar mittlerer Grösse arbeitete ziemlich 
befriedigend, nach kurzer üebung sogar ziemlich gut; doch fehlt 
der Maschine eine Walze hinter dea Messern und ist diese durch 
zwei seitliche Holzräder vertreten. Wir halten das für nicht so gut 
Die Maschine ist, wenigstens in dem uns übersandten Exemplar, 
etwas zu leicht und springt daher sehr oft über den Rasen weg. 
Das ist aber ein üebelstand, dem leicht abzuhelfen ist. Angenehm 
wäre es auch, wenn der Bewegungsmechanismus durch Räder etc. 
wie bei den Rasenmähern mit Spiralraessern hergestellt würde, aber 
die Maschine würde dann bedeutend schwerer und vor Allem 
bedeutend theurer werden. Gerade ihr billiger Preis macht sie für 
kleine Hausgärten sehr geeignet. — Wir möchten bei dieser Gelegen- 
heit daran erinnern, dass, als das landwirthschaftliche Museum 1867 
englische und amerikanische Rasenscheermaschinen in Berlin einführte, 
alle Welt sagte, sie eigneten sich wohl für Hamburg und England 
überhaupt für Gegenden mit feuchtem Klima, aber nicht für das 
Binnenland, das Gras sei hier weit härter. Thatsächlich aber war 
es nur das Ungewohnte, welches sich der schnellen Einführung 
damals entgegenstellte und so ist es auch jetzt vielleicht gegenüber 
diesem viel einfacheren Krauss 'sehen Mäher. Dadurch mögen sich 
aber die Fabrikanten nicht abhalten lassen. Wie wir hören, ist der 
Apparat inzwischen schon wieder verbessert worden. 



Der Milchsaft der Pflanzen und sein Nutzen. 



von L. Wittmack.') 

„Alles was auf Milch Bezug hat, Alles was die Cerealien 
angeht," sagt Alexander v. Humboldt**), „regt eine Theilnahme 
in uns an, die nicht einzig nur auf dem Werth der Kenntnis^ 
natürlicher Dinge beruht, sondern sich einer anderen Reihe von 
Vorstellungen und Gefühlen ansehJiesst. Wir mögen uns nicht lei(5ht 
denken, wie das Menschengeschlecht ohne mehlige Substanzen, ohne 
den Nahrungssaft bestehen könnte, den die Mutterbrust enthält, 
und welcher der lange dauernden Schwäche des Kindes angepasst 
ist. Der Starkem ehlstoft" der Cerealien, ein Gegenstand religiöser 
Verehrung bei sehr vielen alten und neueren Völkern, ist in den 
Pflanzensamen verbreitet und wird nicht minder in Wurzeln angetroffen ; 
die zur Speise dienende Milch zeigt sich uns ausschliesslich als ein 
Erzeugniss thierischer Bildung. So sind die Eindrücke beschaffen, 
welche wir von frühester Jugend an empfangen haben und dies ist 
auch die Quelle des Erstaunens, das uns der Anblick des soeben 
beschriebenen Baumes erregt (es ist hier der Milch liefernde Kuh- 
baum, Galactodendron utile Kth. in Venezuela gemeint). Es sind 
hier keine prachtvollen Schatten der Wälder, kein majestätischer 
Lauf der Ströme und keine in ewigen Winter gehüllte Berge, die 
uns mächtig ergreifen. Einige Tropfen eines Pflanzensaftes erinnern 
uns lebhaft an die Allmacht und Fruchtbarkeit der Natur. Am 
dürren Abhang eines Felsens wächst ein Baum, dessen Blätter dürr 
und zäh sind. Seine dicken holzigen Wurzeln haben Mühe, in das 
Gestein einzudringen. Mehrere Monate des Jahres befeuchtet kein 
erquickender Regen sein Laub. Die Aeste scheinen abgestorben und 
vertrocknet; bohrt man aber den Stamm an, so entfliesst ihm eine 
milde und nährende Milch. Bei Sonnenaufi<ang ist diese vegetabilische 
Quelle am reichsten. Es kommen alsdann vou allen Seiten her 
Neger und Eingeborene, mit grossen Näpfen versehen, um die Milch 
zu sammeln, welche gelb wird und sich auf der Oberdäche ver- 
dichtet. Die Einen leeren ihre Näpfe nnter dem Baume selbst, 
Andere bringen das Gesammelte ihren Kindern. Man glaubt den 
Haushalt eines Hirten zu sehen, der die Milch seiner Heerde ver- 
theilt." Und vorher sagt Humboldt: „Ich gestehe, dass unter der 
grossen Zahl merkwürdiger Erscheinungen, die mir auf meinen 
Reisen vorgekommen sind, nur wenige einen so lebhaften Eindruck 
auf mich machten, wie der Anblick des Kuhbaums.* 

Mit keinen gewichtigeren Worten als mit diesen Humboldt'schen 
vermöchte ich auf die merkwürdige Erscheinung des Milchsaftes 
der Pflanzen einleitend aufmerksam zu machen. Freilich in einer 



so der thierischen Milch sich nähernden Form tritt nns der vegeta- 
bilische Milchsaft nur noch zweimal: in dem Milchbaura Guiana's, 
dem sogenannten „Hya-Hya", Tabernaemontana utilis Arn (Apo- 
cynaceae! und dem Milchstrauch auf Ceylon, Asclepias (Gymnema) 
lactifera L. entgegen, aber wir kennen viele Pflanzen, in denen 
der Milchsaft mehr oder weniger in anderer Hinsicht von Bedeutung 
ist, theils in guter, tbeils in böser Beziehung. 

Auffallend ist die Erscheinung, dass nur wenige bestimmte 
Pflanzenfamilien oder nur Gruppen solcher Familien Milchsaft führen, 
während nahe Verwandte desselben entbehren; indess stellt sich 
häufig heraus, dass in den Fällen ähnliche Organe vorhanden sind, 
welche nur mit anderen Stoffen, namentlich Gerbstoff, Harz oder 
Gummiharz oder eiweisshaltigeu Stoffen erfüllt sind. 

Nach dem anatomischen Bau lassen sich die Behälter des 
eigentlichen Milchsaftes, die sogenannten Milchröhren, früher 
Milchgefässe genannt, nach de Bary in zwei Gruppen theilen: 
gegliederte und ungegliederte. Die gegliederten sind aus vielen 
übereinander stehenden Zellen, deren Querwände durchbrochen wurden, 
entstanden und zeigen daher noch oft Einschnürungen Sie verlaufen 
meist der Länge nach im Stengel und Blatt, da aber auch Quer- 
reihen sich mit Milchsaft füllen und beide Eeihenarteu vielfach 
mit einander verschmelzen, so bilden die geglied'?rten Milchröhren 
naeistens ein reichmascliiges Netz. Die ungegliederten sind je aus 
einer einzigen Zelle, die fortwährend sich verlängert, hervorgegangen; 
sie sind lang gestreckt und oft verzweigt, aber nicht znsammen- 
tretend und daher keine Netze bildend. Jede Art ist bestimmten 
Familien eigen und zwar a) die gegliederten: 1. den Cichoriacee:', 
jener grossen Abtheilung der Compositen, zu denen unser Salat, 
die Cichorie, die Endivie, die Schwarzwurz, der Löwenzahn etc. 
gehören; 2. den Campanulaceen ; 3. den Lobeliaceen, wozu also 
unsere Lobelia Erynus gehörig; 4. den Papayaceen, einer kleinen 
tropischen Familie, welche ihren Hauptrepräsentanten in dem neuer- 
dings viel genannten Melonenbaum, Carica Papaya L. besitzt: 5. vielen 
Papaveraceen, vor Allem dem Mohn selbst und dem Schöllkraut 
(nicht aber Glaucium, Macleya, Sanguinaria); 6. manchen Aroideen 
und 7. manchen Musaceen; b) die ungegliederten dagegen: 1. den 
Euphorbiaceen, z. B. den allbekannten Wolfsmilcharten, Euphorbia, 
der Maniokpflanze, Jatropha Manihot, dem Croton, Poinseltia, dem 
iiordbrasilianischen Kautschuckbaum, Hevea brasiliensis etc.; 2 den 
1 rticaceen im weiteren Sinne (einschliesslich Artocarpeen und 
Moreen), also dem Feigenbaum, Ficus Carica, dem Gummibaum, 
Ficus elastica etc., dem Maulbeerbaum, der Castilloa elastica Cerv , 
dem Kautschuckbaum aus Mexiko, sowie ferner dem bereits erwähnten 
Kuhbaum, Galactodendron utile Ktb. und dem giftigen üpasbaum 
oder javanischen Giftbaura, Antiaris toxicaria Leschen, nicht minder 
auch unserer Gunnera scabra K. et P , dieser beliebten Blattpflanze 
aus Peru und Chili; 3. den Apocynaceae, wozu unser Immer- 
grün, Viuca minor, ferner auch der Oleander. Nerium Oleander, 



die herrliche Allamanda grandiflora P. und andere Arten, der schon 
genannte Milchbaum von Demarara oder Guiana, Tabernaemontana 
utilis Arn., endlich eine grössere Anzahl Kautschuck liefernder 
Gehölze gehören, so z. B. Urceola elastica Roxb., Indien, Chavannesia 
esculenta, eine neu entdeckte Kautschuckpflanze in Hinterindien 
(Burma), Vahea madagascariensis Boj. und V. senegalensis DC. fil., 
Hancornia speciosa Gomes, ein brasilianischer Baum, der theils des 
Kautschucks, theils seiner wohlschmeckenden Früchte (Mangaiba) 
wegen dort kultivirt wird, endlich einige der stärksten Giftpflanzen, 
wie der Krähenaugenbaum , Strychnos nux vomica L , aus dessen 
Samen das Strychnin gewonnen wird, ein zweiter javanischer üpas- 
stranch, Strychnos Tieute Losch., der berühmte westindische Pfeil- 
giftstrauch: Curare, von Strychnos toxifera Schomb., sowie Tanghinia 
madagascariensis Pet. Th., von der ein Same im Stande sein soll, 
10—16 Menschen zu tödten; 4. den mit den Apocynaceae nahe 
verwandten Asclepiadaceae, zu denen die bekannte Asclepias Cor- 
n uti DC, der erwähnte ceylonische Milchstrauch, Asclepias lactifera, 
endlich die Porzellanblume, Hoya carnosa ß. Br. aus Ostindien, 
sowie Periploca graeca L., ein ja auch bei uns im Freien aushaltendes 
Gehölz und die merkwürdigen Aaspflanzen, Stapelia variegata L. 
und andere Arten vom Kap, desgleichen Stephanotis floribunda, 
Ceropegia etc. gehören. 

Ausser Milchröhren könnte man, wenn man den Milchsaft in 
weiterem Sinne auffasst, auch noch Milchschläuche unterscheiden, 
obwohl dieser Ausdruck bisher nicht üblich war. Es ist aber nicht 
einzusehen, warum man nur von Harz- und Gummiharz-Schläuchen 
reden soll, da viele dieser Schläuche entschieden genau solchen 
Milchsaft enthalten, wie die Milchröhren. Unter „Schläuchen« ver- 
steht man mit de Bary nicht zu Röhren verbundene, in unserem 
Falle gewöhnlich etwas lang gestreckte Zellen, die einzeln oder meist 
reihenweise übereinander gestellt die Gewebe durchziehen. Solche 
Schläuche kommen vor bei den Convolvulaceen, z. B. C. Scam- 
monium, den Sapotaceen, zu denen Isonandra Gutta, der Gutta- 
perchabaum gehört, ferner bei den Cynareen, der Klette, Distel etc. 
(ausgenommen die Gattung Cynara), ferner bei Acerineen, sowie im 
weiteren Sinne bei Cinchona, Allium, Sambucus, Aloe. 

Lage der Milchsaftröhren. Wo finden sich nun diese 
Milchsaftbehälter? — Im Allgemeinen kann man darauf antworten: 
Im Bast, also ziemlich dicht unter der Rinde. Die meisten Milch- 
röhren durchziehen den Stengel oder das Blatt, indem sie den 
Basttheil der Gefässbündel , speziell die Siebröhren des Weichbastes 
aussen umgeben und kann man sie daher als Begleiter, ja stellen- 
weise selbst als Vertreter der Siebröhren ansehen. In einzelnen 
Fällen, z. B. bei Cichoriaceen und bei Papaver finden sich ausserdem 
andere kleinere Röhren, welche in dem Siebtheil der Gefässbündel 
selbst verlaufen. 

In den Blättern senden die meisten Milchröhren Zweige aus, 
welche die Gefässbündelbahnen verlassen und sich nach allen 



— 266 — 

Richtungen zwischen die Zellen des Parenchyms einschieben und theils 
im Innern dieses, theils an der Innenfläche der Epidermis blind 
eodigen. Auch in der Rinde des Stengels selbst, theils mehr nach 
innen, theils dicht unter der Oberhaut verlaufen bei vielen Dicotyle- 
donen, namentlich den succulenten Euphorbien, Milchröhren. 

Oftmals treten von den im Basttheil verlaufenden Haupt- 
röhren auch Zweige in das Mark, und zwar meist von den 
Knoten aus. Bei Ficus findet man sie über das ganze Mark zer- 
streut, bei Euphorbia nur in der Peripherie des Markes. Bei den 
Papayaceen finden sich merkwürdiger Weise die Milchröhren durch 
das ganze, hier sehr weiche und saftige Holz vertheilt und bilden 
zahlreiche Anastomosen (Verbindungen). Im Allgemeinen bilden 
die Milchröhren bei den meisten Gewächsen ein zusammenhängendes 
System, meist einen gitterwerkartigen Hohlzylinder. 

Die Wand der Milchgefässe ist oft dünn und weich, bei älteren 
Stämmen aber auch verdickt, mitunter gestreift (einige Euphorbia- 
Arten, Nerium Oleander). Selten sieht man verdünnte Stellen auf 
derselben, sogenannte Tüpfel, noch seltener bemerkt man Löcher, 
durch welche der Milchsaft in die ihm benacübarten Organe gelangen 
könnte, bei Carica Papaya und allen Papayaceen, sowie bei Aroideen 
glaubt man aber bestimmt Einmündungen m die grossen Spiral- und 
Xetzgefässe, welche hier vo'i ihnen begleitet werden, bemerkt zu 
haben. Das Vorhandensein od-u- Fehlen von Mikhbebältern und deren 
Verlauf kann oft zur systematischen Unterscheidung von Pflanzen 
derselben Familie benutzt werden. Am schlagendsten hat Engler 
dies bei den Aroideen nachgewiesen und gerade seine Eintheilung 
der Aroideen mit darauf begründet. Bei den Abtheilungen der 
Pothoideae und Monsteroideae fehlen die Milchsaftgefässe ganz, bei 
anderen bilden die Milchsaftzellen gerade Reihen oder Röhren zu 
beiden Seiten des Basttbeils der Gefässbündel (Lasia, Dracontium, 
Arne rphophallus, Philodendron, Eichardia, Dieffenbachia, Arum etc.), 
bei noch anderen sind sie sowohl in der Peripherie als auch in der 
Mitte des Basttheils und bilden häufig Ausstülpungen und Anasta- 
mosen (Colocasia, Caladium, Xanthosoma, Syngonium). Einige haben 
auch in der Wuizel Milchgefässe, so Xanthosoma und Syngonium. 
Bei nach anderen, z. B. vielen Anthurien und Monsteroideen werden 
die Milchgefässe durch Gerbstoffzellen vertreten - kurz, man hat 
es durch Beachtung dieser Punkte in der Hand, selbst nicht blühende 
Aroideen schon ziemlich sicher, wenigstens der Unterabtheilung, oder 
gar der Gattung nach, bestimmen zu können. 

Was den Inhalt der Milchröhren anbetrifft, so ist derselbe 
meist nur äusserlich, physikalisch, der thierischen Milch ähnlich. 
Wie die Milch der Thiere der Hauptsache nach aus Wasser 
besteht, in welchem Zucker, Eiweissstoffe und Salze aufgelöst, 
die zahlreichen Fettkügelchen aber nur fein vertheilt sind, ist 
es bei den Milchsäften der Pflanzen auch eine wässerige klare 
Fhlcsigkeit, in der zahlreiche kleine Körper von je nach den Pflanzen 
verschieflener chemischer Zusammensetzung fein vertheilt, suspendirt 



sind. Da die kleinen Körperchen das Licht nach allen Seiten zurück- 
werfen, so entstellt für das Auge die weisse Farbe, die in ähnlicher 
Weise auch bei der thierischen Milch, beim Seifenschaum, beim 
Schnee etc. auftritt. In einigen wenigen Fällen ist der Milchsaft 
der Pflanzen orangeroth (Chelidoniura, Schöllkraut) oder auch gelb 
(Argemone). 

Die klare wässerige Flüssigkeit ist aber eben so wenig wie bei 
der thierischen Milch reines Wasser, sondern enthält verschieden- 
artige Körper, theils in wirklicher Lösung, theils in stark gequollenem 
Zustande, namentlich Zucker, Eiweissstoffe, zuweilen Pektinkörper 
(z. B. Lactuca), Gerbstoff (Aroideen, Masa, Cichoriaceen, Euphorbia 
Lathyris), Morphin und andere wichtige Bestandtheile der offizinellen 
Milchsäfte, sowie endlich wohl den grössten Theil der Salze, die 
beim Verbrennen als Asche zurückbleiben. A. de Bary hat 
gefunden, dass besonders viel apfelsaure Salze, namentlich apfel- 
saurer Kalk wenigstens im Milchsaft mancher Euphorbien (E. La- 
thyris, E. lesinifera) vorkommen. 

Bekannt ist, dass die pflanzlichen Milchsäfte an der Luft bald 
gerinnen und sich meistens die koagulirten festeren Theile als eine 
Haut oder als Klumpen von der darunter stehenden klaren Flüssig- 
keit abheben. Die einzelnen in der Flüssigkeit suspendirten 
Körperchen sind oft unmessbar klein, bei der Feige, wo sie grösser 
sind, etwa 0,003 mm im Durchmesser (nach de Bary). Che-nisch 
betrachtet bestehen sie in einigen Fällen aus Harz, in anderen aus 
Kautschuck, mitunter auch ar.s Fett oder Wachs. Ausserdem finden 
sich öfter Stärkekörner im Milchsaft, bei den strauchigen und suc- 
culenten Euphorbien der Tropen sogar ganz eigenthümliche , wie 
Oberschenkelknochen gestaltete, aber abgeplattete, während bei 
unseren einheimischen krautartigen Euphorbien nur zylindrische 
oder spindelförmige Stärkekörner vorkommen. Ob die mit dem 
Namen Kautschuck bezeichnete Substanz bei den verschiedenen 
Pflanzen eine gleichartige oder verschiedene, ja ob die einzelnen 
sogenannten Kautschuck-Körnchen oder Kügelchen aus einer gleich- 
artigen Masse oder aus einem Gemenge verschiedener Stoffe be- 
stehen, ist Alles noch nicht genau bekannt. 
(Fortsetzung folgt.) 



Nordamerikanisclie Kirchhöfe. 

Die Erzeugnisse des Gartenbaues dienen nicht nur bei der 
Ernährung des Menschengeschlechtes, der Gartenbau dient nicht 
nur der Wissenschaft; er dient nicht nur dazu, unser Leben zu 
veredeln, das Innere und die Umgebungen unserer Wohnstätten und 
Städte zu verschönern, er schmückt nicht nur die Feste nationalen 
Ruhmes und die Feste nnd Schaustellungen, welche andere Künste 
und Gewerbe feiern — der Gartenbau verschönt und veredelt auch 



die Feste der Freude und der Trauer im Familienkreise, vom Geburts- 
und Tauffeste bis zum letzten ernsten Moment des Lebens, bis zum 
Tode; ja noch über denselben hinaus, indem er die Stätte, wo wir 
ausruhen, schmückt und verschönt und unser Andenken unter den 
Nachgebliebenen erhält. 

Wir verdanken unserem Landsmann Adolf Strauch die Be- 
schreibung der Einrichtungen grösserer nordamerikanischer Kirch- 
hofsanlagen, wie sich solche zu Bostou, New -York, Philadelphia, 
VVashmgton und Cincinnati im Staate Ohio befinden. Namentlich 
giebt uns Herr Strauch von der Kirchhofsanlage von Spring-grove, 
dessen Direktor er ist, nicht nur eine eingehende Beschreibung', 
sondern auch eine grosse Zahl photographischer Darstellungen. 
■ * f^i^^ Charakteristische dieser grossartigen Kirchhofsanlagen 
ist tolgendes: Sie hegen mehrere englische Meilen von den grossen 
Städten entfernt denen sie zum Begräbnissplatze dienen; speziell 
J^pnng-grove hegt drei englische Meilen von Cincinnati entfernt. 

Im Jahre 1844 war Spring-grove bei der Gründung 166 Acres 
gross und ist seitdem durch Zuwendungen und Schenkungen bedeutend 
yergrossert. Von Cincinnati nach Spring-grove führt eine Allee von 
100 J^uss Breite. Beim Ankauf war der Grund und Boden meist mit 
natürlichem Walde bedeckt. Dieser bestand je nach den verschiedenen 
Bodenverhältnissen aus verschiedenen Gehölzen. In dem niedriger 
gelegenen oder südliehen Theile herrschten Ulmen, Eschen und 
Bergahorn vor. Der mittlere Theil war vorzugsweise mit Tulpen- 
baumen und Zuckerahorn bestanden, während der westHche Theil 
vorzugsweise Buchen und Kornelkirschbäume aufwies. Im nörd- 
lichen Theile herrschten besonders Bestände von alten nordamerika- 
nischen Eichen vor. Bei der Umwandlung für den Zweck eines 
grossartigen Begräbniseplatzes liess man diese Baumbestände der 
Hauptsache nach unberührt und schmückte nur besonders hervor- 
ragende Plätze und die eigentlichen Begräbnissstätten mit fremd- 
^- f'^'A*^" Gehölzen. Auf diese Weise wurde eine bedeutende 
Einfachheit und Ruhe der ganzen Szenerie bewirkt. Der Blumen- 
schmuck wurde nur an besonderen Oertlichkeiten und in der Nähe 
der \^ege zur Anwendung gebracht. Von den Wegen leete man 
nu-ht zu viel, jedoch in auskömmlicher Breite an. Sie führen in 
nicht zu vielen Biegungen zu den Hauptbegräbnissplätzen und zu den 
Hauptaussichtspunkten der ganzen Anlage, die im grossen landschaft- 
lichen Stile ausgeführt ist. Die künstlichen Wasserflächen mit 
malerischen Uferbildungen dehnen sich von der östlichen nach der 
westlichen Grenze aus und nehmen im Ganzen ca. .5 Acres ein. 
An den steil abfallenden Ufern sind eine grosse Menge von Rhodo- 
dendron angepflanzt worden und gewähren zur Blüthezeit einen 
geradezu entzückenden Anblick. 

In neuerer Zeit sind eine grosse Anzahl von immergrünen 
Gehölzen zur Verwendung gekommen, die besonders den eigentlichen 
Begräbnissplätzen zur Zierde gereichen. Unter diesen sind hervor- 



Strobus 



Araucaria imbricata 

Biota aurea 

„ orientalis „ sylvestris 

„ pyramidalis Taxus baccata 

Cupressus Lawsoniana „ Duvastoni 




„ hiberaica 
Tsuga canadensis 
Thuja gigantea 

„ occidentalis 
„ Warreana 

Thujopsis borealis 
„ dolubrata und 

Wellingtonia gigautea 



ragendei 



„ Douglasii 

„ lasiocarpa 

„ Pichta 

„ Pinsapo und „ Cembra 

„ Sitchensis „ Pumilio 

Einzelne Seevorsprünge sind mit 
Monumenten \'ersehen und wirken durch Spiegelung im Wasser 
höchst malerisch. 

Man hat darauf Bedacht genommen, dass auf keinem ßegräbniss- 
platze zu viel Denkmäler vereinigt sind und befindet sieh für jede 
F amilie nur ein Denkmal in der Mitte des ihr zugehörenden Platzes. 
Grabkreuze werden gar nicht angebracht. Die Kirche und die 
Wohnungen der Beamten dienen ebenfalls als geeignete Ansichts- 
Objekte; ebenso hat man auf Fernsichten nach benachbarten Orten 
Rücksicht genommen. Die Grabdenkmäler dienen zum Schmucke 
der Parkszeuerien und sind dieselben meist aus Granit, Porphyr 
und sehr hartem Sandstein hergestellt, indem andere Gesteinarten 
dem Witterungswechsel zu wenig Widerstand leisten. Interessant 
ist der Umstand, dass man Sachverständige nach Europa geschickt 
hat, um die Grabmonumente von England, I'rankreich, Deutschland, 
Italien, Spanien und Griechenland jahrelang zu studiren und Skizzeu 
davon anzufertigen, die den in Spring- grove zu errichtenden Denk- 
mälern zu Vorbildern dienen. 

Was nun die finanzit-lle Seite anlangt, so hat man folgende 
Sätze festgestellt: 

Für das Ausheben und Zuschütten eines Grabes 

von 4 Fuss Länge 2 Sh. 50 d. 

Für das etc. eines Grabes unter 5 Fuss Länge 3 „ — „ 
„ „ „ „ „ von 5 Fuss und aufwärts 4 " „ — „ 



Gewölbe befindlich . . von 3 Sh. 50 d. bis 4 „ 50 „ 

Für das etc. eines Familiengewölbes wird je nach der Zeit 

bezahlt, die dafür erforderlich, von 2 Dollars aufwärts. 

Vergleicht man nach dieser nur ganz allgemein gehaltenen 

Skizze nordamerikanischer Kirchhofsanlagen bei grösseren Städten 

diese Schöpfungen mit solchen, wie dieselben bei uns bestehen und 

in häufigen Fällen neu angelegt werden, so fällt der Vergleich 

unbestritten zum Vortheile der nordamerikanischen Kirchhöfe aus. 



— 270 — 

Während man bei um in Stadt und Land, ganz besonders aber in 
den Dörfern, fortfährt, die Todten in geradezu gesundheitsgefähr- 
licher Nähe der Lebenden zu beerdigen, giebt uns die Schilderung 
der Einrichtung dieser nordamerikauischen Kirchhöfe einen Finger- 
zeig, dass man die Beerdiguugsplätze fern von den Städten und 
bewohnten Plätzen anzulegen habe! 

In landschaflsgärtnerischer Beziehung lernen wir aus diesen 
Andeutuugeu, wie die Kirchhöfe bei den Grossstädten Nordamerika's 
nicht nur ihrem eigentlichen Zwecke dienen, sondern wie diese 
Kirchhöfe auch dazu geschaffen werden, der Landschaft zum Schmucke 
zu gereichen, dem Publikum als angemessene Erholungsplätze, als 
Stätten reinen Naturgenusses, und als Orte der freundlichen und 
ehrenden Erinnerung an liebe und hochverdiente Todte, und endlich 
als Orte der ernsten Einkehr in unser eigenes Selbst zu dienen 
t urwahr eme Aufgabe für die Landschaftsgärtnerei, wie dieselbe 
kaum dankbarer und veredelnder gedacht werden kann! Mit einem 
Worte, wir sehen, wie bei der heutigen Bevölkerungsziffer es durch- 
aus geboten ist, dass aus dem beengenden Kirchhofe ein durch 
Menschenhand verschönerter Begräbnissplatz werde! Die Art der 
Bestattung der Todten dient uns ja in vielen Fällen als Beurtheilungs- 
maassstab für den Kulturzustand längst untergegangener Völker des 
Alterthums. Sollte dieser Maassstab nicht auch einst an uns gelegt 
werden können? 

Es lässt sich ja nicht leugnen, dass die Bestattung lieber und 
hochverdienter Todter in unmittelbarster Nähe der Kirche und der 
^ achgeborenen, so auch dass die oft persönlich ausgeführte Pflege 
der Grabstätten von Seiten der Nachkommen, unendlich viel 
rührende und erbauende Momente habe; und doch gebietet es die 
Nothwendigkeit und der Schutz der Gesundheit des lebenden 
Geschlechtes, dass man den Todten möglichst entfernt von den 
Lebenden die Stätte der Liebe, Verehrung und Erinnerung bereite! 

Sobald wir uns daran gewöhnen, die Begräbnissplätze überhaupt 
und besonders diejenigen der grösseren Städte, mit Berücksichtigung 
des sanitären und ästhetischen Standpunktes zu wählen, so dürfte 
es auch an der Zeit sein, die Anlage, Einrichtung und Pflege 
solcher Plätze wirklich kundigen und sachverständigen Händen 
anzuvertrauen. 

Für einen Theil unserer auf gärtnerischen Lehranstalten vor- 
gebildeten Berufsgenossen würden aus der Verwirlilichung dieser Idee 
Stätten einer durchaus fachgemässeu späteren Thätigkeit entstehen. 

tnterstellt man solchen Beamten ausserdem die öffentlichen 
Gartenanlagen und Anpflanzungen in und bei den Städten grösserer 
Ausdehnung, sowie die Bepflanzung der öffentlichen Wege und 
Strassen, so ist der Wirkungskreis derartiger Beamten, sowohl in 
Bezug auf das lebende Geschlecht, als auf das der Todten, ein 
durchaus ehrenvoller und auerkennenswerther. 



— 271 — 

Kurze Bemerkung 

zu Herrn Dr. Poselger's Blüthenkalender für Berlin 
von Prof P. Magnus. 
Herr Dr. Poselger theilt im Maihefte dieser Zeitschrift (1881, 
S. 204) seine sehr dankeuswerthen vieljährigen Beobachtungen über 
die Zeit der Blöthe vieler unserer Holzgattungen und Stauden mit Die 
Beobachtungen wurden von 1865-1872 in einem Garten iu der 
Kronenstrasse, also mitten in der Stadt, angestellt, während sie von 
1873—1881 auf der Schönhauser Allee, nicht weit vom Thore, also 
doch schon im peripherischen Theile der Stadt, und ausserdem in 
einem bedeutend grösseren Garten, gemacht wurden. 

Herr Dr. Poselger giebt nun für ein sehr interessantes 
Kesultat semer Beobachtungen, dass nämlich Juglans regia in der 
Kronenstrasse durchsehe ittlich am 9. Mai, in der Schönhauser Allee 
durchschnittlich am 26. Mai, also 17 Tage später blühte, eine Er- 
klärung, die mir nicht nothwendig aus den B. obaehtungen zu folgen 
scheint. Er erklärt es nämlich aus individueller Anlage der 
beobachteten Bäume, er fasst es als Abweichung einzelner Individuen 
auf. Ich habe schon in meinem in der Februarsitzung d. J. gehaltenen 
Vortrag (Monaisschr. S. 149) darauf hingewiesen, dass ich die auf- 
fallend frühere Eniwickelung, die die im April aufblühenden Pflanzen 
m Berlin gegen die Umgebung nach Hoffmann's phytophänologischer 
Karte zeigen, auf die von der gewaltigen geheizten Häusermasse 
ausstrahlende Wärme schiebe, und habe hervorgehoben, dass in der 
Umgebung Berlin's in Folge der Temperaturdifferenzen bedeutende 
Verschiedenheiten in der Entwicklung der Aprilblüthen eintreten 
könnten. In dieser Weise nun möchte ich die Biobachtungen des 
Herrn Dr. Poselger auch an dem Nussbaume erklären. 

In der That ist es bekannt, dass im Winter die Temperatur im 
Innern Berlin's stets ein Grad und mehr wärmer als in der Gm- 
gegend ist, und steigert sich diese Differenz noch bedeutend bei grösserer 
Kälte. Es ist nun klar, dass dieser ungleiche Empfang oder 
ungleiche Abgabe von Wärme seine Wirkung auf die Entwicklung 
der Pflanzen äussern muss, und gilt das namentlich von der Zeit, in 
der die Pflanzenzelle wieder zum Leben erwacht. Es ist daher ganz 
klar, dass bei der früheren Blüthe des Nussbaumes in der Kronen- 
strasse dieses Moment jedenfalls sehr wesentlich mitsprechen muss 
Dass nun auch in einem kleinen Garten im Innern der Stadt und 
und in einem bedeutend grösseren Garten im peripherischen Theile 
derselben solche Temperaturdifferenzen statthaben, ist offenbar. 
Diese meine Auffassung unterstützen auch Beobachtungen des Herrn 
Dr. Poselger an anderen Pflanzenarten, soweit sich dieselben ver- 
gleichen lassen. 

Vergleicht mau die in den Jahren 1865—1872 (Kronenstrasse) 
beim Flieder angestellten Beobachtungen mit den 1873-1881 
(Schönhauser Thor) gemachten, so ergiebt sich Folgendes wenn ich 
die Tage vom 1. Mai an zähle: 



die Daichschuittszalil 
vom 1. Mai an 

18b5— 79 in der Kronenstrasse durchschnittlich am 15. Mai, 
1873-80 V. d. Schönhauser Thor „ „ 21. „ 

Es versteht sich von selbst, dass dieser Ausgangspunkt am 1. Mai 
ganz willkürlich und künstlich gewählt ist. Aber ich behaupte, 
dass für perennirende Gewächse genau ebenso willkürlich und künst- 
lich jeder andere Termin, wie z. B. der 1. Januar, gewählt ist. 
Nur für einjährige Pflanzen dürfte der Tag der Aussaat als natür- 
licher Ausgangspunkt gelten. Mir kommt es hier nur darauf an, 
die Eelativität der Daten zu zeigen und da ist mir zur Bechnung 
der 1. Mai am bequemsten. Es ist übrigens ganz gleichgiltig, 
welchen Ausgangspunkt ich wähle. Wenn ich z. B. den 1. Januar 
nehme, so muss ich für jedes Jahr 



31 -f 28 + 31 



120 Tage 



Januar Februar März April 

hinzuzählen, also z. B. für sieben Jahre 7 X 120 hinzufügen, und 
wenn ich, um das Durch schnittsdatum zu erhalten, die Summe 
wieder durch 7 dividire, muss ich also 120 zu derselben hinzufügen, 
und das Datum dann vom 1. Januar, also 120 Tage früher berechnen, 
was naturlich dasselbe wie bei der einfachen Berechnung vom 
1. Mai an ergiebt. Als Durchschnittsdatum der 15 Jahre erhalte ich, 
107 + 174 __ 



15 



18"/X5, 



es Herr Dr. Poseige r berechnet hatte. 

Ebenso zeigt sich für das Maiblümchen, Convallaria majalis 



1866 18 


1874 


20 




1867 23 


1875 


17 




1868 13 


1876 


23 




1869 9 


1877 


28 




1870 20 


1878 






_ _ 


1879 


24 




1872 7 


1880 


1 




•«V7==l 




■^%^1 


7%, also 


105 + 143 


248 _ 










16%5 





Ebenso bei der Rosskastanie. Aesculus Hii 



1874 


13 


1875 


Ifi 


1876 


18 


1877 


32 


1878 


6 


1879 


26 


1880 


5 




^*^ 


rf = " 


Vu 


US Labura 


um: 



165 + 222 



15 



22% = 97%,als 
15, also fast 26. 



Die auderen von Herrn Dr. Foselger mitgetheilten Beob- 
achtungen lassen sich nach dieser Richtung hin nicht verwerthen, 
theiis, weil die Arten nicht in dem Garten der Kronenstrasse 
beobachtet wurden, theiis, weil sie sich wahrscheinlich auf verschiedene 
Sorten der Kulturpflanzen in den beiden Gärten beziehen, was z B. 
von der Kirsche gelten möchte, die durchschnittlich später in der 
Kronenstrasse als vor dem Schönhauser Thore blühte. Auch die 
Beobachtungen an der Linde, als Tilia europaea von Dr. Poselger 
bezeichnet, bei der sich leicht lür 1865—1872 in der Kronenstrasse 
eine bedeutend frühere Blüthezeit als für 1873-1880 vor dem 
Schönhauser Thor berechnen Hesse, kann ich hier nicht verwerthen, 
da Tilia europaea L. mindestens zwei gut unterschiedene Arten mit 
etwas verschiedener Blüthezeit, nämlich T. ulmifolia Scop. (T. parvi- 
folia Ehrh.) und T. platyphyllos Scop. (T. gratidifolia Ehrh.) umfasst, 
von denen die letztere, wenigstens bei Berlin, durchschnittlich etwas 
früher blüht. 

Ich denke, durch diese Berechnungen an den Beobachtungen des 
Herrn Dr. Poselger es wahrscheinlich gemacht zu haben, dass in 
der That viele Pflanzenarten im Frühjahr bei Berlin sich eher im 
Innern, als an der Peripherie, entfalten, was aus der Wärme des 
Häusermeeres resultirt, und dass auch hierauf wenigstens z. Th. die 
frühere Entwickeking des Nussbaumes in der Kronenstrasse fällt. 



274 



Ich möchte bei dieser Gelegenheit recht dringend die Auf- 
forderung wiederholen, dass sich möglichst viele Gärtner an diesen 
Beobachtungen betheiligen. Man kann schon hieraus entnehmen, 
dass die verschieden gelegenen Gärten interessante Verschiedenheiten 
darbieten werden. Ich möchte auch die Bitte wiederholen, dass 
soviel wie möglicli, w^enigstens während der ganzen Zeit dieser 
Beobachtungen, die Morgentemperaturen eines jeden Tages notirt 
werden, da durch diese Angabe die Beobachtungen noch weit 
Schätzenswerther für Wissenschaft und Praxis werden. Die Beob- 
achtungen des meteorologischen Institutes beschäftigen sich nicht mit 
diesen künstlichen lokalen Temperaturunterschieden, auf die es zur 
Erklärung der Verschiedenheiten der Blüthezeit gerade ankommt. 

Auch das andere von Dr. Po seiger für individuelle Neigung 
zu früherer Belaubung gewählte Beispiel ist kein glückliches. Herr 
Sanitätsrath Dr. Paasch hatte bereits denselben Fall in der Sitzung 
der naturforschenden Freunde vom 16. April 1878 (Sitzungsberichte 
der Gesellschaft, 1878, S. 109) behandelt, und ebenfalls die allgemeine 
frühere Belaubung der einen Linde beobachtet, abgesehen von der 
früheren ßelaubung einzelner Zweige. Aber es ist dagegen zu 
bemerken, dass die Linde auf dem Leipziger Platze rechts vom 
Brandenburg-Denkmal eine Sommerlinde Tilia platyphyllos Scop. 
ist, während alle anderen Linden auf dem Leipziger Platze Winter- 
linden Tilia intermedia DC. und ulmifolia Scop. sind. Es ist nun 
wahrscheinlich, dass die frühere Belaubung dieser einzigen Sommer- 
linde eine Eigenthümlichkeit der Art (nicht blos dieses Individuums) 
ist, umsomehr, als im Allgemeinen, wie schon erwähnt, die 
Sommerlinde etwas früher blüht. Auch das gelb blühende Crocus 
gilt allgemein als eine eigene Art Crocus Intens Lam. 

Ich will damit keineswegs leugnen, dass solche individuelle 
Neigung zu früherer Entfaltung oft auftritt. Ich habe es oben für 
die verschiedenen Sorten unserer Obstbäume selbst in Anspruch 
genommen. Ich selbst habe wiederholt Mittheilnngen gemacht in 
den Sitzungen des botanischen Vereins für die Provinz Brandenburg 
über einen früh blühenden Ribes alpinum in Nikolskoi bei Potsdam, 
den ich durch die freundliche Mittheilung des Herrn Hofgärtner 
Reuter kennen gelernt hatte. Derselbe machte mich aufmerksam 
auf einen Baum von Aesculus Hippocastanum in einer Allee bei 
Potsdam, der regelmässig jedes Jahr sieh früher belaubt und früher 
blüht, als die benachbarten Bäume derselben Art. Auf einer diesen 
März unternommenen Reise in Sicilien konnte ich oft beobachten, 
dass einzelne Feigenbäume und einzelne Weinstöcke sieh früher 
belaubten, als die anderen, und versicherten mir an drei verschiedenen 
Orten die anwesenden Bauern, dass der ausgetriebene Feigenbaum 
zur selben Sorte wie die noch rahenden gehörte und nicht zu der 
Sorte mit dunkelblauen Früchten, die eher reift. Bei den Weinstöcken 
traf ich nie Bauern an. 

^Da daler Neigung zu früherer Entfaltung oft auftritt, sowohl 
bei Sorten als bei einzelnen Individuen, so muss man um so sorg- 



fältiger genau die Sorten angeben, au denen die Beobachtungen 
angestellt sind, und die Umstände, unter denen die beobachteten 
Pflanzen gedeihen. So werden sich dann aber um so sicherere 
Schlüsse für Wissenschaft und Praxis ziehen lasssen. 



Auswahl von Obstsorten, 

Anbau in den Gegenden der JS'iederelbe besonders eigoea. 



Fran^ols Luche in Ki Fiottbek 

(üebei-sandt vom Gartenbau -Verein für Hamburg, Altona imtl rmgegend.) 

Das allgemeine Interesse, welches sich an der zunehmenden 
Entwieicelung der Obstbaumzucht kund giebt, und verschiedentliche 
an mich gerichtete Aufforderungen um einen Entwurf über den 
Stand des Obstbaues in der Umgegend von Hamburg, waren mir 
die Veranlassung, eine für unsere klimatischen Verhältnisse passende 
Auswahl von den vorhandenen Obstsorten in engeren Rahmen zu 
fassen. 

Wenn wir die alten Obstbaumanlagen der Umgegend Hamburgs 
einer genaueren Beachtung würdigen, um zu einem Urtheil über den 
relativen Werth der Obstsorten zu gelangen, so begegnen wir meisten- 
theils solchen, die seit 2—3 Jahrhunderten bekannt und verbreitet 
wurden, von denen aber manche dem Abste^-ben nahe sind oder doch 
wenig oder gar keinen Nutzen gewähren. Die Ursachen hiervon sind 
nicht allemal mangelhafte Pflege des Baumes oder ungeeigneter 
Boden, sondern auch Altersschwäche der Specimen selber, deren 
allmäliges Ausarten und Absterben durch die Ungunst der Witterung 
herbeigeführt wurde. 

Die jetzige Obstsorten-Züchtung war in den genannten früheren 
Zeiten unbekannt und blieb der Natur überlassen. So entstanden 
neue Varietäten im Wald und an Zäunen und sonstigen Oertlich- 
keiten; sie wurden wenig oder gar nicht verbreitet, und daher 
stammen auch alle unsere einheimischen Lokalsorten, welche wir 
noch immer gemäss ihrem Werthe beibehalten und schätzen müssen. 

Die Obstkultur der neuen Zeit hingegen ist umfassender ge- 
worden. Seit Anfang dieses Jahrhunderts ist vieles Gute aus Nähe 
und Ferne eingeführt und verbreitet worden. Aus der nun so ge- 
wonnenen Menge lässt sich immerhin so viel herausfinden, um damit 
unsere alten und dem Siechthum verfallenden Specimen zu ersetzen. 

Einen lehrreichen Fingerzeig für eine Auswahl hat uns insonder- 
heit auch der Winter von 1879|80 gegeben, indem dessen harter 
Frost, je nachdem er die Spezimen schädigte oder verschonte, uns 
zeigte, welche von ihnen unsere klimatischen Verhältnisse ertragen 
können oder nicht. 



Bei einer, deu rauhen Verhältnissen des Klimas Re<'-hnuug 
tragenden Auswahl von Obstbäumen, die Chancen auf entsprechende 
Erträge gewähren, stüsst man aber, wie ich nebenbei bemerken 
muss, noch auf lokale Schwierigkeiten, die in der verschiedeaen 
Beschaffenheit des Bodens liegen. Denselben hier nach dem Be- 
dürfniss der einzelnen Sorten zu analysiren, ist nicht meine Absicht; 
nur auf 2 schädlich wirkende Faktoren desselben möchte ich hin- 
weisen, es sind: die weilende Nässe und der eisenhaltige oder 
oxydirte Untergrund, auf welchem eine hoffnungsvolle Obstkultur 
unmöglich ist. 

Es wird demnach für die nachfolgende Auswahl \on Obstsorten 
ein Bodiu vorausgesetzt, in dem der Baum sich normal entwickeln 
kann und wo die nachtheiligeu Wirkungen eines Frostes nicht zugleich 
aus der schlechten Beschaffenheit des Bodens selbst hergeleitet 
werden können. 

In der nun folgenden Zusammenstellung sind die Sorten, je 
nachdem ihre Producte Schutz, Wärme und den Staudort des Baumes 
bedingen, geordnet, und um jeglichem Missverständniss in der Be^ 
uennung vorzubeugen, habe ich die Namen und Nummern dem weit- 
verbreiteten „Illustrirten Handbuch der Obstkunde von F. Jahn, 
E. Lucas und F. Oberdiek" entlehnt. 

Kernobst. I. Aepfel. 

Abtheilunga umfasst hochstämmige Krouenbäume in 20 Sorten. 
Diese können theils wegen ihrer Ausdehnung, welche sie erlangen, 
theils wegen der mittleren Grösse ihrer Früchte eine rauhere Lage 
ertragen, wie solche in den Parkanlagen oder sonstigen ähnlichen 
exponirten Lagen des allgemeinen Obstbaustandes der Umgegend zu 
finden sind. 

Weisser Astrakan No. 28, Champagner- Reinette No. 47, Mar- 
morirter Sommer-Pepping No. 54, Grosse Casseler Reinette No. 66 
Königlicher Kuizstiel No. 68, Wellington No. 78, Alantapfel No, 109,' 
Grüner v. Rhode-Island No. 117, Langtons Sondersgleichen No. 141, 
Apfel V. Hawthornden No. 172, Sturmer Pepping No. 233, Grüner 
Stettiner No. 252, Gelber Herbst-Stettiner No. 258, Weisser Sommer- 
CalviU No. 359, Doppelter Holländer No. 282, Sommer- Kronapfel 
No. 379, Grüner Fürstenapfel No. 456, Herrnhauser weisser Herböt- 
strichapfel No. 465, Rokbury Eusset No. 620 (Hl. H.), Kleine graue 
Reinette oder Lederapfel (Joh. Metzger). 

Abtheilung b, wird hauptsächlich die meisten grosse Früchte 
tragenden Sorten umfassen, welche ebenfalls Kronenbäume von be- 
deutendem Umfange bilden, weshalb für sie auch eine geschützte 
Lage erforderlich ist, um dem Abwerfen der Früchte durch die 
Septemberstürme vorzubeugen, sowie die vollkommene Entwickelung 
der grossen Früchte zu befördern. Ich nenne 25 Sorten. Rother 
Herbst-Calvill No. 5, Gravensteiner No. 8, Rother Eckapfel No. 11, 
Frmzenapfel No. 13, Rother Astrakan No. 24, Dauz. Kantapfel No 25 
tharlamowsky No. 32, Gelber Richard No. 34, Kaiser Alexander 



No. 39, Winter Goldparmäne Xn. (i7, Echter Winter- Streifling Xo. 72, 
Boiken No. 90, Goldzmg-Apfpl No 116, Goldcjelbe Sommer Reinette 
No. 120, Golden Noble No. 173, Flandr. Rambour No. 210, Gold- 
Reinette Blenheim No. 241, Rother Stettiner No. 261, Lothringer 
Rambour No. 305, Land.sberger Reinette No. 328, Harberts Reinette 
No. 344, Apfel v. St. Germain No. 474, Gloria mundi No. 620, 
Schöner v. Boskoop (Oberdiek), Nelson Codlin (Rob. Ho2;g). 

Abtheilung .-. Die 2ö Sorten, welche diese Abtheilung umfasst, 
sind von massigem Wacisthiim, werden für kleine Räumlichkeiten, 
sogenannte Vorgärten, für geräumige Gemüseanlagen etc , wo über- 
haupt Kronenbäume anzubringen möglich ist, bestimmt. Muskat- 
Reinette No. 57, Sommer-Gewürz- Apfel No, S'i , Cludius-Herbst- 
Apfel No. 92, Reinette v. Breda x\o. 121. Charlachrothe Parmäne 
No. 142, Parkers Pepping No. 154, Downtons Pepping No. 221, 
Baumanns Reinette No. 226, Keswicker Küchenapfel No. 269, Lon- 
don Pepping No. 324, Sommer-Pfirsich-Apfel No 372, Williams- 
favorite No. 374, Wagener- Apfel No 382, Neuer engl. Pigeon 
No. 387, Cox's Orange-Reinette No 624, Gestreifter Imperial (Diel), 
Baldwin (Rob. Hogg), Cornish aroraatix, King of the Pipping, 
Manningtons Parmän% Oslin, Jeflfrey's Seedling, Cox's Pomona, Lord 
Suffield, Reinette grise de Versailles. 

Abtheilung d. Als Pyramiden -Apfelbäume (auf Johannis- 
stämme Unterlage veredelt) sich am besten eignende Sorten. 

Wenn ich auch nicht für die Apfelpyramidenform sehr ein- 
genommen bin, so lässt sich dennoch unter rationellem Schnitt und 
Pincier in dieser Form des Baumes ein gutes Resultat erzielen, 
wenn man bei der Auswahl hauptsächlich diejenige Sorte berück- 
sichtigt, welche sich ganz besonders für diese Form eignet. Nach 
raeineii Erfahrungen sind dies folgende 25 Sorten, wovon 20 aus 
dem obigen Verzeichniss. 

Grosse Casseler Reinette No. 66, Königl. Kurzstiel No. 88, 
Langtons Sondersgleichen No. 141, Danziger Kantapfel No. 25, Char- 
lamowsky No. 32, Winter-Goldparmäne No. 67, Sommer- Gewürz- 
Apfel No. 68, Cludius Herbst, 92, Parkers Pepping, 154, Downtons 
Pepping, 221, Baumanns Reinette, 226, London Pepping, 324, 
Wagener-Apfel, 382, Cox's Orange Reinette, 624, Gestreifter Imperial 
(Diel), Baldwin (Rob. Hogg), Manningtons Parmäne H. H. 220. 
Jeftreys Seedling, 613. Cox's Pomona Lord Suffield ut.d folgende 
5 noch nicht genannte Sorten: Duke of Devonshire, Douce d'Amerique, 
.lacquin, Kentish Fill-Basket, Aliens Everlasting. 

Abtheilung e. Als am Spalier gezogene Aepfelbäume erwähne 
ich nur 5 Sorten, weil solche sehr bekannt und beliebt sind: sie 
vertragen aber unsere ungünstigen klimatischen Verhältnisse nur 
dann, wenn man für warmen, nicht zu nassen Untergrund und 
gute Schutzmauer sorgt Weisser Winter- Calvill No. 1, Pariser 
Rambour- Reinette No. 44, Edel-Reinette No. 31, Graue franz. 
Reinette, 429, Esopus Spitzenburgh, 241. Diese 80 auserlesenen 
Apfelsorten, welche für die Umgegend von Hamburg als solche 



bezeichnet werden können, welche gegen Brand, Frost und Krebs- 
schäden sich bewährt haben, und deren Ertragsfähigiveit gemäss den 
obigen Abtheilungen als lohnend anzusehen ist, dürften jedoch nicht 
als ausschliesslich vollständiges Sortiment zu betrachten sein. Es 
werden manche werthvolle Sorten, die kennen zu lernen ich nicht 
Gelegenheit hatte, für mich verborgen geblieben sein. 

Meine ausgedehnte Berufsthätigkeit als Obstbaumzftchter gab 
mir schon oft da, wo ich die Ehre hatte, dieselbe auszuüben, Gelegen- 
heit, in Gärten und Obstbaumanlagen auf manche gute Obstsorten 
zu stossen, deren specieller Werth und Name den Eigenthümern 
unbekannt war. In solcher Veranlassung traf ich z. B. diesen Herbst 
(auf dem Grindel) einen Birnbaum des Herbst- Sylvester von 
ganz unerwarteter Grösse, dessen Ertrag nach Aussage des Besitzers 
stets lohnend gewesen ist, was auch durch den Zustand des Baumes 
bestätigt wurde. 

Auf diese und manche andere Weise wird gewiss jeder auf- 
merksame und sich für Obstbaumzucht interessirende Beobachter auf 
Vorkommnisse geführt, die der Erreichung des Eingangs angedeuteten 
Zwecks, woran ja im Allgemeinen und ganz besonders den Obst- 
liebhabern viel liegt, förderlich sein können. 

Diesem Apfel- Sortiment werde ich nächstens ein Sortiment 
Birnen folgen lassen. 



ren Zweck und ^Nutzen. 

unserere Garten- und Obstbau-Vereine. 

Jedes Jahr finden im Herbst iir vielen Städten unseres Vater- 
landes Obstausstellungen statt und hat sich deren Zahl gewiss gegen 
früher bedeutend vermehrt. Leider wird trotzdem die Wichtigkeit 
dieser Ausstellungen noch viel zu wenig anerkannt, namentlich auch 
vom obstbautreibenden Publikum. Vor Allem aber lässt auf den 
Ausstellungen die Zusammenstellung der einzelnen Sortimente meist 
sehr viel zu wünschen übrig. ,,Es ist Hauptsache, nur recht viele 
Sorten auszustellen'', denken Viele und tragen Alles zusammen, um 
nur das grösste Sortiment zu haben, ganz gleich, ob dabei die 
Haltte aus vollkommen werthlosen Sorten besteht. Andere wieder 
prunken mit an Zwergbäumen erzogenen enorm grossen Früchten 
und stellen so häufig ein Sortiment aus, das, ganz abgesehen von 
der Güte, nur grossfrüchtige Sorten enthält. Diesem Obste steht 
nun z. B. eine Anzahl sehr gut entwickelter und bewährter Sorten 
von Hochstämmen stammend, in den Augen des Publikums weit 
nach, und doch ist gerade das Gegentheil der Fall, denn eine nor.r.al 
ausgebildete Frucht ist viel werthvoller, als ein durch enorme 
Düngung erzielter Obstriese; letzterer darf sich nur mit seines 
Gleichen messen. — Weitere Sortimente wieder zeichneu sich durch 
bodenlose Unordnung sowohl in der Nomenklatur wie auch im Auf- 
stellen aus, oder die Namen fehlen gänzlich. 



— 279 



Nun kommt das grosse Publikum, sieht Alles an, bleibt erstaunt 
vor den nie erblickten Apfel- und Birnkolossen stehen und nimmt 
Im günstigen Falle als einzigen Nutzen das Bewusstsein mit heim 
— schönes Obst gesehen zu haben. Der Obstliebhaber, der sich 
sehr viel von der Ausstellung versprach, um seine namenlosen 
Sorten nach anderen zu bestimmen, die ihm bekannten Sorten mit 
den hier ausgestellten Sorten zu vergleichen, mit einem Wort, seine 
pomologischen Kenntnisse zu bereichern, sieht sich in seinen Er- 
wartungen getäuscht; denn dort erblickt er die passende Frucht, 
die der seinen ähnlich — aber ohne Namen. Er sucht ein normales 
Exemplar der und der Sorte von einem Hochstamm und findet — 
die zum Vergleich nicht passende Riesenfrucht eines Zwergbauraes. 

So bieten die bisherigen Obstausstellungen wohl den Besuchern 
einen hübschen Anblick dar, veranlassen auch neue Anbauversuche. 
Derjenige jedoch, der dort Belehrung und zwar gründliche haben 
will, welche Sorten er in seinem Boden, in der und der Lage, zu 
dem und dem Zwecke wählen soll, d. h. welche dafür nach bis- 
herigen Beobachtungen als die besten erkannt sind, sucht vergeblich 
Aufklärung. Dort liegen zwar schöne Obstsorten, dabei steht der 
Name, vielleicht sogar die betreffende Nummer des Illustrirten 
Handbuches der Obstkunde, aber was nützt dies dem hier Belehrung 
suchenden Laien? Derselbe soll, ohne erst viel herumzufragen, an 
den ausgestellten Sortimenten und den dort beiliegenden Notizen 
sich Orientiren können über den Standort des Baumes, für welche 
Lage und Boden derselbe passt, wann die Frucht reift, wozu sie 
verwendbar etc. Dann würde er sofort erfahren, dass die kolossalen 
Früchte diese Grösse meist nur auf Kosten ihres Geschmacks 
erlangen, wenn es nicht überhaupt Kochobst ist. 

Hier nun muss Wandel geschaffen werden. Es sollten auf unseren 
Obstausstellungen bestimmte Aufgaben etwa wie folgt gestellt werden : 

1) Sortimente, die eine beschränkt- Anzahl solcher Sorten ent- 
halten, die für den betreffenden Ausstellungsort, d. h. dessen Klima, 
Lage, Boden und sonstige Verhältnisse sich am besten eignen. 
Diese könnten dann wieder getrennt werden nach Tafel- und Wirth- 
schaftssorten, ob von Hochstamm oder Zwerg. 

2) Sortimente, die das Obst nach der Reifezeit geordnet ent- 
halten, z. B. die drei besten Birnen- oder Apfelsorten für August; 
die sechs besten Birnen- oder Apfelsorten für September und so fort 
bis April -Mai. Auch diese könnten wieder wie oben eingetheilt 
sein. (In Belgien' ging man uns darin auf Anregung des Herrn 
van Hülle mit gutem Beispiel voran.) 

3) Grosse Sortimente, die am besten von pomologischen Instituten 
ausgestellt werden und worin man alle guten Sorten zu jedem 
Zwecke vorfindet. 

4) Sortimente von Tafel- und Wirthschaftsobst in bestimmten 
Zahlen und solche für Obstliebhaber und Laien, die alle das bringen 
können, was ihnen ihr Garten bietet, worunter dann auch Sorten 
zum Bestimmen sein dürfen. 



280 



Für die Aufgaben 1 und 2 müssten je zwei Preise ausgesetzt sein, 
ein Ehrenpreis (möglichst Staats-) und ein erster Preis, um die Aus- 
steller durch die Höhe dieser Preise auf die Wichtigkeit der Ziele 
hinzuweisen und ihren Eifer aufs Höchste anzuspornen, die gestellten 
Aulgaben mit Sachkenntuiss auszuführen. Es dürfte dann aber nur 
dem ein Preis zuerkannt werden, der die Aufgabe auch wirklich 
erfüllt, und wenn dies nicht der Fall, sollte kein Preis ertheilt werden. 

Für die dritte Aufgabe müsste ein Ehrendiplom oder erster 
Preis ausgesetzt sein, aber nicht, wie dies bisher stets geschah, 
der höchste Ehren-, meist sogar Staatspreis. Das spornt nur in 
falscher Richtung au, nämlich nur immer recht viele Sorten zu 
haben, die schliesslich dem Lokalobstbau doch nicht so viel Nut^.en 
schaffen, wie wenige, aber erprobte. 

Für Nr. 4 des Programms mögen dann je etwa zwei Preise für 
die besten Leistungen sein, das macht dem Liebhaber, der sein mit 
so viel Sorgfalt gepflegtes Obst anerkannt sieht, grosse Freude 
und wirkt ermuthigeud 

In allen Mustersortimenten sollen aber bei jeder Sorte Eti- 
quetten beiliegeu, die wie folgende Probe (Fig. 10) ausgefüllt wären. 



Kaiser Alexander *tt 

; Beauty of Queen, Belle d'Orleans, President Napoleon etc. 
.-Nvbr. — Fracht: sehr gross. 



Sehr schöner, im Kolorit kaum erreichter, daher 
für den Markt sehr gesuchter Rambour. Baum 
niclit empfinr^lich in etwas geschützter Lage: 
auch für trockenen Boden. — Sohr früh tragbar: 
als Zwerg sehr zu empfahlen. 



Stellt man diese Etiquetten aus einfachen Pappkarten her, so 
kann man dieselben Jahre lang benutzen, wie wir es schon auf 
zwölf Ausstellungen in drei Jahren thaten. Die Etiquetten sind am 
besten nicht unter 11 cm breit und 8 cm hoch, damit nicht so 
kleine Schrift von Nöthen. Es geschieht Ja von manchen Seiten 
schon viel in Hinsicht auf Benennung des Obstes. Auf dem letzten 
Pomologen-Kongress in Würzbarg Oktober 18S0 z. B. lagen bei vielen 
Sortimenten Verzeichnisse der Obstsorten, wogegen die Früchte nur 
Nummern hatten. Diese Verzeichnisse waren von der kaiserlichen 
Obst- und Weinbauschule in Geisenheim sehr mustergültig ausgefüllt, 
nur musste Jeder erst das Verzeichniss haben, ehe er über einen 
der bei diesen Sortimenten beiliegenden Namen das Nähere erfahren 
konnte. Ein Fachmann wird nun ruhig wurten, bis das Verzeichniss 



von einem andern Besucher ans der Hand gelegt ist, doch behaupten 
wir, dass dies viele Laien, die kein so reges Interesse haben, dann 
ganz abhält, den Namen nachzusehen, was, wenn alles Nähere gleich 
auf einer Etiquette stände, nicht der Fall wäre 

Wenn nun auf einem Pomologen-Kongresse, mit Ausnahme von 
wenigen, alle Sortimente in Bezug auf Etiquettirung viel zu wÜQschen 
übrig Hessen, was soll man dann von den gewöhnlichen Obst- 
austellungen erwarten? Es ist daher unsere Bitte an alle Garten- und 
Obstbau -Vereine, vor allen natürlich an den deutschen und öster- 
reichischen Pomologen -Verein: Möge künftig keine Obstausstellung 
wieder arrangirt werden, ohne bei Aufstellung des Programms und 
dergl. folgende Punkte in Berathung zu ziehen: 

1. Müssen Preisaufgaben gestellt werden, die mit Rücksicht 
auf die Obstverhältnisse des Platzes nicht blosse Schaustellungen 
fordern, sondern wenigstens theilweise belehrend und zum Auf- 
schwung des Obstbaues der dortigen Gegend wirken. 

2. Müssen die Hauptpreise für solche Obstsortimente bestimmt 
werden, die nicht etwa die meisten Sorten zählen, sondern ihr Ziel 
in der besten Auswahl der für die Lage, Klima und Boden 
passenden Sorten sehen. 

3. Dürfen diejenigen Sortimente nicht in irgendwelcher Weise durch 
das Preisgericht ausgezeichnet werden, welche, wenn auch aus noch 
so schönem Obst bestehend, viele falsch benannte Sorten enthalten. 

4. Das Preisgericht muss wenigstens mehrere allseitig anerkannte 
gute Pomologen zählen nebst einigen der eifrigsten Kenner der 
Lokalsorten und Verhältnisse, aber keine Gönner und Obstliebhaber 
enthalten, die aus Höflichkeitsrneksichten und dergl gewählt sind. 
Zur Berufung obengenannter Fachleute dürfen keine Kosten gescheut 
werden; es ist dies ein ganz anderes Ding, als wenn man ebenso 
für Blumen und dergl. handeln wollte. Denn wenn auch von Blumen- 
und dergl. Zuchten Tausende leben, so bleibt deren Vorhandensein 
doch stets Luxus. Die Wichtigkeit der Verbreitung des 
Obstbaues ist dagegen von grosser wirthschaftlicher 
Bedeutung, denn gutes Obst ist Nahrung des ganzen Volkes. 

Wir würden nun die Vorstände unserer Vereine auf die Aus- 
stellung des nächsten Pomologen -Kongresses als Muster verweisen: 
leider findet derselbe aber erst 1883 in Hamburg statt Wir hegen 
daher die Hoffnung, dass schon vorher tüchtige Vereine zu Nutz und 
Segen ihrer Gegend Ausstellungs-Programrae zusammenstellen, die bei 
den Ausstellern gründliche pomologische Kenntnisse nölhig machen. 

Wir halten solche Musterausstellungen, wobei namentlich die vom 
deutschen Pomologen -Verein zum allgemeinen Anbau empfohlenen 
und von W. Lamhe so brillant abgebildeten Obstsorten in erster 
Linie zu berücksichtigen wären, für unendlich wichtig. Das Publikum 
mu«s diese Sorten in natura sehen, die Verzeichnisse und Obst- 
abbildungen sind ihm nur selten zugängig und erregen auch sein 
Interesse nicht in dem Maasse, wie das Obst selb->t. 



Vermischtes. 

— Wir erhalten you unserem Mitarbeiter Herrn 0. Hüttig folgende 
Berichtigung: Das Maihelt dieser Blätter S. 233 brachte eine kurze, schon 
Ende vorigen Jnhres Terfasste Biographie J. J. IJnden's mit der Schluss- 
hemorkung: „das unter Andrejs Redaktion erscheinende Journal „Plllustration 
horticole" bespricht stets L.'s neueste Einführungen." Seit Anfang dieses 
Jahres aber erscheint die lUustation horticole unter der Redaktion von Luci e n 
Linden, Directeur des Etablissements J. Linden. 0. H. 

- Die Hundswuth-Bacterie. Eiust hiess es „kein Gedanke ohne 
Phosphor". In der Neuzeit giebt es schon bald keine Krankheit ohne Bacterie. 
In einer der letzten Sitzungen der französischen Akademie der Wissenschaften 
hat der berühmte Naturforscher Pasteur ein neues und höchst merkwürdiges 
Ergebniss seiner Arbeiten über die Beziehungen gewisser vernichtender Krank- 
heiten zur Entwicklung von kleinsten Organismen : Bacterien, bekannt gegeben. 
Ein Kind war an den Symptomen der Hundswuth gestorben Vier Stunden 
nach dem Tode wurde mit einer Pincette aus dem Munde ein Stückchen der 
Schleimhaut genommen und in etwas Wasser gelegt. Mit dieser Flüssigkeit 
wurden an zwei Kaninchen Einspritzungen unter die Haut derselben gemacht. 
Nach sechsunddreissig Stunden waren die Thiere todt. Die Versuche, an 
denen sich die Herren Chamberland und Roux betheiligten, wurden fortgesetzt 
und verschiedenartig variirt. Sie ergaben stets dasselbe Resultat, ob nun die 
Emimpfungen noch aus den Speicheldrüsen des an der Wuthkrankheit ver- 
storlenen Kmdes, ob aus dem Blute der durch die Inokulation mit dem 
Speichel getödteten Kaninchen genommen waren. In di-m Blute der so 
getödteten Thiere fand man nun ungeheuere Mengen von mikroskopischen 
Organismen, die in der Form vollständig ähnlich sind jenen Bacterien, die 
man in dem Blute der am Milzbrand verstorbenen Menschen und Thiere oder 
im Blute der der sogenannten Hühnerpest erlegenen Hühner festgestellt hat 
Diese neuen Bacterien stellen ungemein kurze Stäbchen dar, -iie gegen 
(he Mitte zu schwächer erscheinen und sich etwa wie eine 8 einbiegen. Der 
Durchmesser der Hälfte eines solchen Achter-Körperchens übersteigt häufig 
nicht den fünfhundertsten Theil eines Millimeters. Es wurden nun von 

■ Methode, die er bei der Erforschung der Milzbrand- und 

_ angewendet hatte, diese neuen Bacterien 

züchtet. Zu diesem Zw.ck wird in eine Fleischsuppe ein mit 
orfölltes Bluttröpfchen gethan, in welcher Nährflüssigkeit sich < 
sehr rasch vermehren. Wenn man weiter ein Tröpfchen aus dieser "mit liac- 
terien erfüllten Flüssigkeit in eine frische Fleischbrühe giebt, so entwickelt 
sich in der letzteren eine neue Zucht der Bacterie und so fort. Impft man 
nun aus einer dieser Fleischbrühen eine noch so geringe Quantität dem 
Kaninchen ein, so stirbt dasselbe genau unter den gleichen Erscheinungen, 
unter welchen die mit dem Speichel des der Wuth erlegenen Kindes und 
dann die mit dem Blute aus den so verstorbenen Tbieren eingeimpiten Ka- 
ninchen geendet hatten. Auf diese W^eise st. Ute Pasteur den Beweis her, 
va in dem Speichel allein, oder in dem Blute 
d ausschliesslich in dieser Bacterie zu suchen 

Artikel im Deutschen Handelsblatt vom 25. März: „Die ParfümL-rie-Industrie 
j™ Departement der Seealpen" entnehmen wir folgende Bemerkungen : Neben 
der üelmdustrie nimmt im Departement der Seealpen die hier zu besprechende 
Industrie die erste Stelle ein; sie kann mit Recht als ein Monopol jenes De- 
partements bezeichnet werden. Denn die Levante tritt als Konkurrentin nur 
auf, soweit Rosenöl, Sicilien nur. 



Orangen- und B' rgamottfrüchten gei 



; Eng'and endlich 
l- und PfeffermÜDzessen 
mit dem Departement der Seealpei 
- °-^-'-^ ' " • — • ■ ■- der 



Erzeugnisse, 



und Cagnes, bei Grasse, An- 
i geschlossenen Gärten oder 
durchschnittlich recht lohnende Er- 
r?chiedenen Pflanzen werden im Departement 
^Wonnen; zahlreiche dort wachsende wohl- 
riechende Pflanzen harren noch der Berücksichtigung durch die Parfümerie- 



Wohlgerüche gewonnen; 
mzen harren noch der Berücksichtigung < 
Vornehmlich ausgebeutet werden jetzt: Veilchen, Narzisse, 



bittere Orangen, Kirschlorbeer, Jasmin, Tuberose, 
Spikp-. Thymian, Rosmarin, Majoran, Minze, MjTte, Absinin, AKazie 
nesia). Einige dieser Pflanz^D^ insbesondere Lavendel, Spike, Ros- 

"'hymian, wachsen in den höheren Regionen der Seealpen :' 



1 Zustande und werden häufig mittelst tragbarer Apparate 
j__i:ii-_i. T^ T^- , , , . rj^^ liYTe des parfums 

dchtigsten wohlriecher 
Orangenblüthen 2 000 000 kg 2 000 000 Frs. 



Veilchen .... 80000 



Tuberosen . . . 20 000 „ 80 000 „ 

Nach einer amtlichen Schätzung neuesten Datums beschäftigte dieser 

shtige und interessante Erwerbszweig im Departement der Seealpen 854 

beiter in 80 Fabriken; nach Rimmel finden innerhalb und ausserhalb der 

Fabriken gegen 15 000 Menschen beim Pflückeo, Sortiren und Zubereiten der 



Blumen Beschäftigung Verarbeitet wurden im Jährte 1879 im ganzen De- 
partement 3 681000 kg Blumen etc. (darunter allein 2 310 000 kg Orangen- 
blüthen) zum "NVerthe nach den Durchschnittspreisen von insgesammf 2 717 200 



; Parfümerie- Industrie ab, welche einen nicht unerheblichen Faktor 
<les franz ösischen Nationalwohlstandes bildet. Es wurden nämlich nach dem 
Tableau general du commerce de la France für 1879 ausgeführt: 

alkoholische Parfümerien 657 398 1, Werth 2 136 544 Frs., 
nichtalkoholische „ 552 125 kg, „ 1656 375 „ 

andere Sorten „ 1019 497 „ „ 4 077 992 „ 



Die Halbfabrikate der Seealpen w rden vorzugsweise 
die Stadt Paris selbst zählte im Jahre IS-jg nach amt 
255 Parfümeriefabrikanten und 1854 Parfümeriearbeiter, wovon 976 n 
und 878 weibliche. Diese Arbeiter bezogen zusammen an Lohn etwa 2 200 000 
Franken In d( r Umgegend der Hauptstadt lebten ausserdem 46 Fabrikanten 
mit 1415 männlichen nnd 797 weiblichen Arbeitern. Unsere Quelle enthält 
noch Näheres darüber, wie die Industrie der Seealpen den Riechstoff gewinnt: 

- Die Rosen des Herrn Drawi^I^ Tn der Versamml^^gTeä Vereins 
zur Beförderung des Gartenbaues am 27. April d. J. stellte Herr A. Drawiel, 
Lichtenberg bei Berlin 0., einen Rosenflor zur Schau, der selbst jeder grossen 
Ausstellung zur schönsten Zierde gereicht haben würde und der auch ver- 
r ganz besonderen Auszeichnung: 



Von abgeschnit- 
. die Madame Charles, 



Adrienne Christofle, Kaiserin Augusta (weiss von Fr. Harms, Hamburg, in 
den Handel gebracht) und Madame Falcot vortrefflich. Unter den Remon- 
tantrosen ragten hervor: Reinhold Holes, Triomphe de Paris, Annie Wood, 
sowie Alfred Colomb, Marie Baumann , Baron Chaurand, Lord Beaconsfield, 
Fischer Holmes, Jean Liabaut, Baronne Menard etc. Als besonders gute 
Treibrosen empfiehlt Herr Drawiel: Triomphe de Paris. Anrin Wood, Lord 
Beaconsfield, Fischer Holmes und Reinhold Holes. 

- Die gelben Crocus und die Sperlinge. Geh. Med -Rath Professor 
Dr. Göppert, Direktor des botanischen Gartens zu Br* slau, schreibt uns: 
Schon seit Jahren beobachtete ich die stete Destruktion meiner gelben Crocus- 
blüthen. Endlich fand ich eir " 

" , die ich überhaupt 



Sperlingen -\ 



;her Virtuosität s 
Körner beraubten. Die gelben Crocus entfalten sich kaum, so gelallen sie 
sich, sie nicht zu fressec, sondern nur zu zerhacken, denn die Bruchstücke 
liegen um die Blüthen herum Alle anders gefärbten Crocus berühren sie 
nur wenig, die gelben suchen sie sich ganz allein heraus zu ge.lachtem Zer- 
störuDgswerke. (Beweis für Sinn für Farben.) — Herr Gartenbau -Direktor 
Gaerdt, Berlin, bestätigt uns diese Beobachtung. Er hatte früher vor der 
Borsig'schen Villa in Moabit ein Beet mit gelben Crocus, hat das aber ganz 
aufgeben müssen, weil die Sperlinge fast nichts daran übrig Hessen. — Auch 
Herr Stadtobergärtner A. Fintelmann hat dieselbe Bemerkung gemacht. Vor 
sechs Jahren hatte er auf dem Schillerplatze in Berlin blaue, weisse und 
gelbe Crocus zusammen -gruppirt. Die Sperlinge zupften aber alle gelben 
heraus und schliesslich war Herr Fintelmnnn diesen Vögeln noch dankbar: 
denn er fand, dass Blau und Weiss allein viel hübscher aussah als mit Gelb 
untermischt. Vielleicht hatten die Sperlinge das sich auch gesagt! Nicht zu 
vergessen ist übrigens, dass nach Herrn Dr. Poselger (Maiheft 1881 S 204i 
die gelben Crocus immer zuerst trsch einen. 

— Zwillingsgurke. In Folge unseres Aufsatzes im Maiheft d. J. über 
Zwilhngsfrüchte sandten die Herr n Credner & Co., Salpeterhütte bei 
Weissenfeis uns eine Zwillingsgurke, bei der die beiden Früchte vollständig 
verwachsen waren, aber durch eine tiefe Furche in der oberen Hälfte deutlich 
die Verwachsungsstelle andeuteten. Die Spitzen allein sind frei geblieben. 
Beide Früchte sid ungefähr gleich lang, 25 cm., die eine ist 6, die andere 
6V2 cm. dick Der Stiel war leider sehr kurz abgeschnitten, so dass sich 
rieht genau ermitteln lässt, ob sie aus einer Blüthe hervorgegangen; der 
Umstand aber, dass sie im unteren Drittel am vollständigsten verwachsen 
sind, indem hier die Trennungsfurche nur ganz seicht, spricht dafür. L. W. 

— Abnorme Frühjahrswittrrung. Herr Garten-Inspektor Scharrer 
■ Tiflis s^chreibt uiis unterm 18/30 März d. J: "" " ■ 

" "■' ' ' '" • ^ ^ Lesern d 

I 2. Mai V. J. weder durchdringenden 
Regen noch ausreicl; enden Schntf' " ' ' ^ ^ "^- ■ 

wenigen Nachlrösten, keine Kälte; 
schnell, dagegen bleiben die Blatt- und so: 

fallend zurück. Am 1 Januar 1881 blühten i ___, 

in der ersten Woche des Januar: Chimonanthus fragrans, Viola semperflorens, 
Cyclamen Coum , Eriobotrya japonica; in der letzten Woche: Primula 
acaulis, Viburnum Tinus, Taxus baccata, Thuja, Junip. ms pboenicea, Buxus, 
Cephalotaxus Fortunei; erste Woche Februar: Senecio orientalis, Mahonia 
nepalethis, Lonicera odoratissima, Iris reticulata, Crocus vernus Narzissus, 
Scilla bifolia: zweite Woche Februar: Galantheus, Fritillaria tidipifolia; am 
24 Februar: Mandelblüthe, Ulmus, Fraxinus; am 6 März: alle Hyazinthen, 
Narzissen: am 10 März: Aprikosen, Pflaumen; am 15. März: Populus pyra- 
midalis, erste Birnblüthe, Cupressus sempervirens 

— „Lebl's Gartenzeitung" empfiehlt zur Vertilgung der Schnecken 
ein düiines Brett von der Grösse eines halben Papierbogens, das mit altem 
Schmer oder Talg zu bestreichen und hohl auf den Boden zu legen ist. Das 
Brett wird in verhältnissmässig kurzer Zeit mit Schneck*-n bedeckt .sein, 
welche man dann sammelt und vertilgt. 



Dasselbe Blatt beantwortet die Frage, welches die früheste Pfirsich- 
sorte sei, mit dem Hinweis auf den grossen pekuniären Nutzen, welche 
eine solche in Amerika und andern Ländern abwirft und berichtet, 
dass in England die Sorte Early Beatrice bisher als die früheste 

kanischen Sorte Ams|den an Frühreife noch übertroffen und ist von 
der Gartenbau-Gesellschhaft Jaspar (Missour) aufs Wärmste empfohlen 
worden. Ihre Frucht ist mittelgross, ein wenig grösser als die der Frecoce 
de Halle, rund, ein wenig platt und auf der Sonnenseite dunkelroth; das 
Fleisch ist grünlichweiss, zart, saitig, schmelzecd, mild und köstlich, der Baum 
wächst kräftig, hat grosse Blumen und ist sehr tragbar. Im Jahre 1874 reifte 
" -13. Juli, Early Beatrice in gleicher Lage den 11.— 22. Juli 



Early (Precoce de) Halle anfangs Augus 
Unter der Ueberschrilt „Pommier heteromorphe" 
gewöhnlicher Gestalt) bringt E. A. Carriere in der „Revue : 



Abhandlung über einen Baum, der gleichzeitig Aepfel und Birnen (birnförmige 
Aepfel) trägt, den er in Deville, einige Kilonaeter westlich vou Reuen, selbst 

beide Formen zuweilen an einem Blüthenzweige, wie eine der Abbildimgen 
zeigt, die der Abhandlung eingefügt sind. E. Carriere glaubt, dass sich ein solcher 
Zweig mit beiden Formen durch Pfropfen zur Bildung eines ganzen Baumes 
werde verwenden lassen, wie auch, da'ss die aussergewöhnliche Gestalt auch 
nach der Fortpflanzung durch Samen sich einigermassen treu bleiben werde. 

Ed. Pynaert giebt im „Bulletin d'Arboriculture" die Abbildung einer 
prachtvollen rothen Gutedelsorte Chasselas rose mit ihren Schwcbtersortea 
de Negrepont, de Fallous und superieur und empfiehlt sie als ausserordentlich 
schön, gut, tragbar und frühreifend (unter Glas oder im Kalthause, an Talut- 
mauern im August bis Srptember). 

„The Garden" bespricht einen der schönsten Blüthensträucher , Chio- 
nanthus virginica L., der in unseren Gärten noch viel zu wenig beachtet 
ist, trotzdem er mit seiner harmonischen Gestalt, mit weissen Blüthen zuweilen 
wie übersäet, auf Rasen als Einzrlpflanze vor dunklem Hintergrund, den 
herrlichsten Eindruck hervorbringt. Der Strauch gedeiht gut auf nicht zu 
trockenem, humusreichem Boden in emigermassen geschützter Lage: er lässt 
sich leicht durch Samen und Veredlung auf Eschen vermehren, ist aber leider 
nicht in allen unseren bessern Baumschule rj vorräthig. 

- Joan Sigism. Eis " " - 

Schultze 1666 giebt im I. 
in No. 5 eine Anweisung zu 

die wir hier wörtlich wiedergeben: „Wenn der Früüting heran naüet, s 
hawet von emem We;denbaum einen starken ast ab, durchbohret denselben, 
dass ein loch sechs zoll weit vor dem andern stehe: in solche löcher stechet 
Scbnittlinge von fruchtbaren Obstbeumen, also dass sie dieselben eben auss- 
füllen, und unten ein wenig hervorragen. Ehe man aber die SchLittün^e 
hineinsticht, schabet man mit einem messer das eusserste heutlein der rinde 
weg, an dem dicken ende, ohngefehr so weit, als sie unten herfür ragen sollen: 
und also grebet man den weidenast mit seinen obstzweigen in ein fettes 
erdreich ein, bis auf den frühling folgendes jahrs. Alsdann nehmet ihn 
wieder berauss, durchschneidet ihn behende zwischen den löchern, setzet 
ein jedes stück mit seinem bewurzelten zweiglein absonderlich wieder ins 
erdreich, und erwartet der fruchte in folgenden jähren. Wiewol diese art 
der Vermehrung anjetzo wenig breuchlich. Durch Einbohren kan man auch 
eine weinrebe auff einen kirschstamm ziehen, welches kunststücklein drunten 
im X. cap. des 10. Buchs gewiesen werden sol." 0. H. 

Ausstellungen. 

— Wh: erhalten vom Vorstande der Vereinigten Berliner Kaufleute und 
Industriellen folgendes Schreiben: „Berlin den 7. Juni 1881. An den Vor- 
stand des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues, Hi«r. Tn einer Ver- 

vom 28. Januar er. hatte Herr Kommerzienrath 



Gestaltung einer demnächstigen 
Ausstellung in Berlin referirt und es resultirte aus der anschliessenden Dis- 
kussion der Beschluss, eine Kommission zu berufen, die sich mit der Klärung 
der Frage, ob namentlich eine deutscbnationale oder eine internationale Welt- 
ausstellung mehr den Interessen des Handels und der Industrie entspräche, 
beschäftige und dann in einer grösseren Versammlung, ^vo; " ^ ' 

gruppen einzuladen sind, Vortrag halte. Dieser"" " '" 

bat in mehreren Sitzungen ihre Aufgabe erfüllt, und erlauben wir uns nun- 
mehr Ihren geschätzten Verein zur Betheiligung an einer am 17. Juni er. 
Abi-'nds 71/2 Uhr stattfindenden Versammlung ergebenst einzuladen und zu 
diesem Zwecke 6 Karten für Ilire Deputirttn beizuschliessen. Belieben Sie 
davon den besten Gebrauch im Interesse der so hoch wichtigen Angelegenheit 
zu machen." Es sind in Folge dieser Einladung die Herren Gaerdt, Neide, 
Perring, Brandt, Haack und Wittmack mit der Vertretung unseres 
Vereins betraut worden. 

— Greifswald. Wir machen nochmals auf die grosse Ausstellung zu 
Greifswald vom 15. — 18. Juli aufmerksam. 

Gartenbau - Verein für Hamburg, Altona und Umgend, 
^ fom 14.— 18. September 1881 in der neuerrichteten Aus- 
stellungshalle und im Freien auf der Moorweide vor dem Dammthor in 
Hamburg. Schrifthche Anmeldungen werden bis zum 1. September er. an 
den ersten Sekretär, Herrn Wm. Schabert, Bohnenstrasse 14, entgegen- 
genommen, von welchem auch Ausstellungsprogramme zu beziehen sind. 

Das vorlit^gende reichhaltige Programm umfasst 295 Konkurrenz- 
Nummern, für welche als Prämien ausgesetzt sind: a) Medaillen: 14 grosse 
goldene, 13 kleine gokkne, 328 grosse silberne, 311 kleine silberne, 57 bronze. 
b) Geldpreise im Betrage von 13,120 Mark. Ferner steht zu erwarten, dass 
noch einige Staatspreise zur Verfügung gestellt werden. 

— Lütt ich, Grosse Ausstellung der Societe Royale d'horticole vom 
24,-28. Juli er. von Producten des Gartenbaues. 



Personal-Nachrichten. 

t Dr. Olof Eneroth, Schwedens erster, vielleicht einziger Pomolog, 
n ÜDsala am 21. Mai d. J. in einem Alter von 56 Jahren. 

5 Dagblaii" war der Verstorbene, Sohn des Wirthschafts- 



Inspektors 0. Eneroth und dessen Frau Eva Grönland, am 15. April 1825 
■ ' '^ ■ - -« , . , . o, ,. , , ^ "43 Student 

verschiedenen grösseren Gartenanlagen mitwirkte 



Gemeinde Brannkyrka bei Stockholm gel 
in Upsala, wo er 1849 sein Examen als Kandidat der Philosophie ; 



Wegen schwacher Gesundheit reiste er 1852 im südlichen Frankreich, 

und Brasilien und, in die Hejmath zurückgekehrt, wurde er 1853 Gärtner 

Eleve, als welcher er bei verschiedenen grösseren 



und 1854 zum Doctor philosophiae promovirt wurde. Zum Zweck weiterer 
Studien in der Pflanzenkultur und Landschaftsgärtnerei bereiste er 1855 Nord- 
Deutschlund und nahm dann Aufträge in dieser Kunst zur Ausführung an 
1856 wurde er als Lehrer und Sekretär an das Lt^hrinstitut des schwedischen 
Gartenbau-Vereins berufen, bereiste in deü folgenden Jahren theils Schweden, 
theils Deutschland, Holland, Belgien, Dänemark und Norwegen, hauptsächlich 
um sich im Gartenbau und in der Pomologie weitet auszubilden, wonach er eine 
wirkhch grossartige Thätigkeit entwickelte, um den Gartenbau, besonders 
aber den Obstbau in Schweden zu heben, zu welchem Zwecke er auch 
zahlreiche mehr oder minder populäre Schriften erscheinen liess. Ihm ver- 
danken die Schullehrer-Seminare die Einführung des Gartenbaues als Lehr- 
gegenstand. Bekannt sind sein pomologisches Hauptwerk „Svensk Pomona" 
und seine vergleichenden Untersuchungen über die Ausdauer der verschieden- 
sten Obstsorten unter nördlichen Breitegraden, über die auch in diesen 
Blättern (September 1880) eingehend berichtet worden ist. 

Eneroth hatte viel und oft mit den ungünstigsten Verhältnissen zu 
kämpfen, arbeitete aber trotzdem mit unerschütterlicher Energie für sein 
des schwedischen Gartenbaues, b's er von einem vieljährigen 



Literatur. 

— Dr. Ernst Wein, Die Sojabohne als f'eidfruclit. Zusammenstellung 
der vorliegenden Kultur- und Düogungsversuche für den praklitcheu Land- 
wirth. Berlin, Paul Parey, 1881. 8«, ÖO S 

— Dr. Wehnen, Lehrer an der laudwiithscliaftlicben Schule Marienberg 
zu Helmstedt. Bau, Leben und Nahrungsstotte di r Kulturptlanzeu. Berlin, 
Paul Parey, 1881. 8", 93 S. Mit 31 Uoizsclmitten. 

— Th. Nietner, Gärtnerisches Skizzenbuch, lieft VI. Berlin, Paul 
Parey, 1881. 9 Tafeln mit 6 Seiten Text. 



Berlin 1881. Heft L S^*, 80 S. mit 49 Holzschnit 
rungen ä 2 Mark. 

Im Anschluss an die deutsche Poraologie, 

Beifalls zu erfreuen hat, erhalten wir in vorstehendem Werke ein Handbuch 
des Obstbaues, das voraussichtlich ähnlichen Erfolg haben dürfte, wie die 
Pomologie selbst. Abweichend von allen bislierigen Arbeiten über Obstbau 
wird hier zunächst die Anatomie, Morphologie und Physiologie der Pflanzen 
überhaupt behandelt und daraus sollen daim die nöthigea Manipulationen 
beim Schnitt etc. abgeleitet werden. Den Obstbau auf wissenschaftliche 
Grundlage zurückzuführen, ist sonach die Hauptaufgabe mit, die der Ver- 
fasser sich gestellt hat; dass er sie gut durchführen wird, sind wir wohl sicher, 
in den nächsten Lieferungen zu erfahren. — Eine Bemerkung können wir 
unserem verehrten Freunde nicht ersparen: Wir glauben, er hat bei der 
Anatomie etwas zu viel gegeben, die Zellfolge im Scheitel von Equisetum 
arvense gehört z. B. wohl schwerlich hierher; aber besser etwas zu viel als 
zu wenig. Wir empfehlen das Buch allen Interessenten bestens. L. W. 

— Carl St oll, Der Friedrichshain bei Berün, seine landschaftlichen 
Schönheiten und seine Bedeutung für das Studium der Botanik. Berlin, 
Nicolai'sche Verlagsbuchhandlung (R. Stricker) 1881. 8. 55 S. und 1 Plan. 

Der Verfasser, Rektor einer hiesigen Gemeindeschule, hat sich die lobens- 
werthe Aufgabe gestellt, den von manchen Berlinern viel zu wenig gekannten 
Priedrichshain in ein besseres Licht zu stellen, und zugleich auf die zahl- 
reichen botanisch wichtigen Pflanzen in ihm aufmerksam zu machen. Dies 
ist ihm denn auch im Allgemeinen gut gelungen und wollen wir wünschen, 
dass die kleine Schrift zahlreiche Leser linde. — S. 7 wird gesagt, die Blut- 
buche stamme aus Süd-Tyrol, nach Duroi wurde sie aber in Thüringen in 
einem Walde gefunden. (Siehe K. Koch Dendrologie II., 2. S. 18.) — Druck- 
fehler sind leider mehrere vorhanden: S. 6 Cydonia umbillicata statt umbili- 
cata, S. 8 Tropaeolon statt Tropaeolum. S. 8 wird die Feuerlilie LiUum 
croceum gecannt. S. 9 wird erwähnt, Ailanthus glandulosa diene in China 
gegen Lungenröhren- Schwindsucht (?) S. 10 wird richtig bemerkt, dass 
Gleditschia triacanthos aus Nordamerika stamme und dann gleich darauf er- 
zählt, aus ihr solle die Kreuzeskrone Christi gemacht sein. Das scheint uns 
schon aus pädagogischen Gründen nicht statthaft. — S. 12 steht Hyppophae 
statt Hippophae etc. 

Nach diesen Bemerkungen möchten wir aber lobend hervorheben, dass 
das Verzeichniss der im Friedrichshain vorkommenden Gehölze (zum Theil 
nach Jahn: die Holzgewächse des Friedrichshain) (' - - 

Zusammenstellung ist; die Hauptcharaktere, namentlich die deri 



angegeben und erleichtern so das Erkennen. Neu ist die Liste der in 
der botanischen Abtheilucg kultiviiten Pflanzen und der Blüthenkalender, 
Es wäre gewiss gut, wenn auch ältere Schüler das Buch in die Hand be- 
kämen und könnte es da vielen Nutzen stiften. L. Wittmack. 



Achtes Verzeicliiiiss 

u Bei« 

it, At 

StaatsrathRadde, Ex 

Ferdinand Kegeljan, Namur 20 „ — „ 

Federation des societes d'Horticulture de Belgique . . 40 „ — „ 
" " " ~ 1985 „ 84 „ 

2090 M. 84 Pf. 

päth, 
rstr. 1541 bittet Das Comiti 

"645. Ver 



•Sammlung des Vereins zur Beförderun 
den Königl. Preuss. Staaten. S. 241. (Ausp 



Pflanzen. Ülumen - Ausstellung 1883 in Berlin Blühende Zweige von 
Cupressus Lawsouiana. Nordamerikauische Kirchhofs -'Anlagen.) — Ver- 
sammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins am 18. März 
1880. S. 243. (Sortiment von Aepfeln von Kniep in Duderstadt. Blumen- 
Ausstellung 1883 in Berlin. Verschmelzung der Berliner Garte üb au- Vereine.) 
— Desgl. am 22. April 1880. S. 245. (Vortrag des Herrn Bluth über im Winter 
blühende Topfpflanzen. Prämiirung des Kniep'schen Aepfelsortiments. Aus- 
gestellte Pflanzen, ApeFsche Maschine zur Tödtung von animalischen T 



Kllr 



Mai 1881. S. 246. (Frühjal 
ann, Park Branitz (Schluss). S. 247. — H. Wa 
ä Obstbau in Norddeuts chland(Schlus8).S. 250. -\ 
■ " ' ■ r Blüthenstrauch. (Mit TafeH 



, Einiges üb 

S. 255. - Geschwind, Landrosen. S. 257, - L. Wittmack, Licuala 
grandis Wendl. (Mit Abbüdung.) S. 259. - W. Krauss' & Co., Neuer 
patentirter Rasenmäher. (Mit Abbildung.) S. 261. — L. Wittmack, 
Der Milchsaft der Pflanzen und sein Nutzen. S. 263. - H. Fintel- 
mann, Nordamerikanische Kirchhöfe. S. 267. - P. Magnus, Kurze 
Bemerkung zu Herrn Dr. Poselger's Blüthenkalender für Berlin. 
S. 271. — Franvois Luche, Auswahl verschiedener Obstsorten. 
S. 275. -H. B. Warnecken, Obst-Ausstellungen, deren Zweck und 
Nutzen. S. 278. — Vermischtes. S. 282. — Ausstellungen. S. 285. — Persoual- 
Nachrichten. S. 286. — Literatur. S. 287. Rezensionen. S. 287. - Achtes Ver- 
zeichniss der gezahlten Beiträge zum Grabdenkmal von Prof. K, Koch. S. 288. 

Tages - Ordnung 

für die Jahres -Versammlung des Vereits zur Beförderung des Gartenbaues 

am Sonntag, den 26. Juni 1881, Vormittags präcise iOVs Uhr, 



len mit der Verlagshandlung ] 
behufs Vereinigung der Mon: 
" ' gebeud* 



(Der Entwurf zu diesem Vertrage, wie ihn der ernannte Ausschuss 
festgestellt hat, liegt für die Mitglieder des Vereins diesem Hefte bei ( 

3. Neuwahl des Vorstandes. 

4. Verschiedenes. 

i recht zahlreiche Einsendungen von Pflanzen wird gebeten. Der Vorstand. 

EikläruDg der Analysen auf Tafel V. Choisya ternata Kunth: 



Monatsschrift 

des 

Vereines zur Beförderung des Gartenbaues 

in (l«n Köiiigl. Prenssisclien Staaten 

Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. 

Redakteur : 

Dr. L. Wittmack, 

Adresse d. Ver. z. Bef. d. Gart. : Adresse seines Schatzmeisters, Rentier Sonntag: 



Berlin N., 


, InT^iidenstr «V Berl 


lii. S., Ale^ 


tandrinen! 


Str. 51. 


Preis der Monatsschrift pro Jahrgang 13 Mark. 

deren Raum 30 Pf. , ftir Mitglieder des Vereins = 

Hälfte. Rabatt bei 3maliger Insertion 5 pCt., bei 

Annahme in der Expedition der Zeitung 


!ur Beförderu 


lct.'\ei\2maHger2oV' 


No. 7. 


BerUn, im Jiüi 




1881. 



646. Tersammlung des Tereins zur Beförderimg des 
Gartenbaues in den Königl. Preuss. Staaten. 

Verhandelt Berlin, den 25. Mai 1881. 
Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden 



Herr Dr. med. Sulz er, Berlin. 

II. Ausgestellte Pflanzen waren auch diesmal wieder in grosser 
Zahl und in so vorzüglichen Exemplaren vorhanden, dass zwei grosse 
silberne Vereinsmedaillen von den Preisrichtern, den Herreu Dressler, 
Gaerdt und J. Hoff mann vertheilt wurden. Die eine wurde den 
Orangen des Herrn R. Brandt, Charlottenburg (Obergärtner Baselt), 
die andere den gefüllten Ranunkeln (Ranunculus • asiaticus L.) und 
den Anemonen- (A. coronaria) Varietäten der Herren Metz & Co. 
in Berlin und Steglitz (Obergärtner Held) zugesprochen. 

Herr Brandt bemerkt, dass er die Orangen vor drei Jahren 
aus Italien mitgebracht und augenblicklich nur Apfelsinen, Mandarinen 
und die sogenannten Chinois blühend vorführe. Die Schwierigkeit 
bei den eingeführten Orangenvarietäten liegt in der Erziehung gerader 
Stämme; es gilt, aus Landballeü Topf ballen zu erzielen, erstere 



haben aber meist Pflanzen gebildet, die nach einer Seite gewachsen 
sind. Ausserdem muss man sehr vorsichtig mit dem Giessen sein. 
Die Mandarinen blühen verhältnissmässig schwieriger als die Pome- 
ranzen und man muss, um sie zur Blüthe zu bringen, sie pinziren 
wie die Obstbäume. Die Mandarilien haben ziemlich schmale lanzett- 
liche Blätter, die Sorte Chinois ist in der Blattform dieser ziemlich 
ähnlich, doch sind die Blätter kürzer und erinnern etwas an Citrus 
myrtifolia, allein ein mitgebrachter Zweig von letzterer zeigte deutlich, 
dass Chinois nicht C. myrtifolia ist. Die Früchte sind klein und 
werden unreif in Zucker eingemacht. 

Unter den Ranunkeln der Herren Metz & Co. ragten durch 
besondere Schönheit hervor: alle Turbansorten, Turban rouge, Turban 
d'or, ferner Merveilleux, Don Friederici, Perle blanche; unter den 
Anemonen: Bleu aimable, Sir Robert Peel, Dorinde etc. 

^ Herr Bouche entdeckte unter den Ranunkeln auch eine gefüllte 
grüne, also eine sogenannte Vergrünung. lieber die ganz aus- 
gezeichnete Sammlung blühender Pflanzen, die der botanische Garten 
ausser Konkurrenz ausgestellt hatte, wird Herr Bouche besonders 
berichten. 

III. Erster Gegenstand der Tagesordnung war die zweite Be- 
rathung, betreff"end die Betheiligung an einer gemeinsamen grösseren 
Ausstellung in Berlin 1883. Die Versammlung erklärte sich ihrem 
früheren Beschluss entsprechend im Allgemeinen für die Sache, 
lehnte aber das Ersuchen, im Jahre 1882 gar keine Ausstellung zu 
veranstalten, ab, da das Programm der Winterausstellung im Jahre 
1882 bereits ausgegeben und diese Winterausstellung auch einen 
ganz anderen Zweck verfolge. Man berieth dann über die den De- 
legirten des Vereins zu ertheilenden Informationen und über die der 
Gesellschaft der Gartenfreunde zu ertheilende Antwort auf das 
Schreiben vom 27. April er. betreffs der bereitstehenden Etatsmittel 
und des Garantiefonds. 

IV. Hierauf fand die statutenmässige Wahl eines Ausschusses 
für die Vorbereitung der Neuwahl des Vorstandes und der fünf 
technischen Ausschüsse pro 1881/82 statt und wurden gewählt: 

a. in den Ausschuss znr Vorbereitung der Neuwahl des 
Vorstandes: 

1. Herr Apothekenbesitzer August in. 

2. „ üniversitätsgärter Perring. 

3. „ Kaufmann Brebeck. 

4. „ Rittergutsbesitzer J. Hoffmann. 

5. „ Kgl. Oekonomierath Noodt. 

b. in den Ausschuss für Erziehung von Blumen und für 
Treiberei: 

1. Herr Kunst- und Handelsgärtner Brandt. 

2. » Gartenbau-Direktor Gaerdt. 

3. „ Kgl. Obergärtner Gustav Fintelmann. 

4. „ Kunst- und Obergärtner Haack. 

5. r> Gärtnereibesitzer Lackner. 



Herr Kunst- und Handelsgärtner C. Mathii 

„ Universitätsgärtner Per ring. 
I Ausschuss für Geliölzkunde und bil( 

Gartenkunst: 
Herr Dr. C. Bolle. 

„ Kgl. Garten-Inspektor Bouch.'". 

„ Stadt-Obergärtner Axel Fi ntelmanu. 

„ Oberlehrer ^Dr. M. Kuhn. 

„ Hofmarschall a. D. von St Paul- 111 

„ KgJ. Garten-Direktor X.'ido. 

„ Stadt-Garten-lnspektor luMiiieiikainj), 

Herr Garteubau-Direktor ( 1 a e r d t. 

„ Garten-Inspektor Heinrich Fiiitt-lma 

„ Stadt-Übergärtner Uampel. 

„ Garten-Inspektor Lauche. 

„ Kunst- und Handelsgärtner G. Mathie 

„ Lehrer R. Schnitze. 

„ Baumschulbesitzer Späth, 
in den Ausschuss für Gemüsezucht: 
Herr Kunst- und Handelsgärtner DrawieL 

„ Samenhändler G Öhren 

„ Kunst- und Handelsgärtner Carl Gras 

„ Samenhändler Josef Klar. 

„ Obergärtner Schenk. 

„ Kunst- und Handelsgärtner Neukircl 

„ Lehrer R. Schnitze. 



für Rev 



Kass 






Bibliothek et 
Herr Apothekenbesitzer August in. 

y, Rittergutsbesitzer Behrend-Boeren. 

„ Kaufmann Brebeck, 

„ Oberlehrer Dr. Kuhn. 

„ Fabrikbesitzer Protzen. 
V. Dritter Gegenstand der Tagesordnung war die erste Berathung 
über die Offerte der Verlagsbuchhandlung Paul Parey, betreffend 
die Vereinigung der bisherigen „Monatsschrift" des Vereins mit dem 
im Verlage von P. Parey erscheinenden „Deutschen Garten" in der 
Weise, dass der jeweilige Generalsekretär des Vereins der ver- 
antwortliche Redakteur dieser Zeitschrift werde. Ein Antrag des 
Herrn Dressler, über die ganze Vorlage zur Tagesordnung über- 
zugehen, ward abgelehnt und erhob sich dann eine eingehende 
Debatte über diesen Gegenstand. Während von einigen Seiten, 
namentlich den Herren Julius Hoffmann, Perring, A. Fintel- 
mann u. A. keine Vorzüge vor der jetzigen Einrichtung in dem 
Vertragsentwurf gefunden werden konnten und namentlich davon 
abgerathen wurde, das eigene Verlagsrecht ruhen zu lassen, wurden 
vom Vorstande und von anderen Mtgliedern, so von den Herren 
19* 



V. St.-Paul und Eichler die Vortheile einer solchen Vereinigung 
hervorgehoben. Man werde mit denselben Mitteln (5 Mark pro 
Mitglied) ein reicher ausgestattetes Blatt erhalten, das auch vermöge 
des buchhändlerischen Betriebes eine viel weitere Verbreitung finden 
werde. Es fehle in Deutschland an gediegenen Gartenzeitschriften, 
die sich den englischen, belgischen und französischen an die Seite 
stellen könnten und da der Verleger durch seine ganze Stellung 
dafür Bürgschaft biete, dass er das, was er unternehme, auch gross- 
artig durchführe, ausserdem die Bedingungen günstig seien, so wäre 
der Vertrag nicht von der Hand zu weisen. Das Haupthinderniss 
erblickten aber auch die Freunde der Sache in der Annahme des 
Titels „Deutscher Garten"; es könne nach aussen dadurch leicht 
der Schein erweckt werden, als habe die „Monatsschrift" vor dem 
„Deutschen Garten" weichen müssen, während es doch gerade um- 
gekehrt sei. In jedem Falle müsse, wenn der Verleger nicht den 
Namen „Monatsschrift" , der vielleicht künftig nicht recht geeignet, 
annehmen wolle, ein dritter Titel gewählt werden. Diesen Stand- 
punkt vertrat besonders Herr Professor A. W. Eichler und es 
wurde beschlossen, einen Ausschuss, bestehend aus den Herren 
A. W. Eichler, J. Hoffmann, Gaerdt, Perring und v. St. Paul- 
Illaire mit der Prüfung der Sache und eventuellen Ausarbeitung 
eines neuen Vertragsentwurfs zu betrauen. 

Bei dieser Gelegenheit kamen auch die Protokolle über die 
Vereinsversammlungen zur Sprache. Während von mehreren Seiten 
über die zu grosse Zahl und zu grosse Länge derselben geklagt 
wurde, wollte man von anderer Seite in ihnen gerade das Band 
finden, welches die auswärtigen Mitglieder und auch diejenigen 
hiesigen, welche nicht in der Lage sind, die Versammlungen besuchen 
zu können, an den Verein fesselt. Immerhin wäre eine grössere 
Kürze derselben erwünscht. 

VI. Herr Wittmack führte noch einen neuen sehr einfachen 
und billigen Rasenmäher von Krauss & Co. in Wien (Währing, 
Herrengasse 74—76) vor. Derselbe ist nach dem Prinzip der land- 
wirthschaftlichen Grasmähmaschinen, welches auch bei der seit 
mehreren Jahren von genannter Firma gelieferten Heckenscheere 
benutzt ist, konstruirt (s. Monatsschrift Juniheft, S. 261). Das 
vorliegende Exemplar erscheint allerdings etwas zu leicht, kostet 
aber auch nur 16 Mark. Die Idee scheint eine gesunde und da die 
Firma auch stärkere Exemplare liefert, so dürften Versuche mit 
diesen wohl zu empfehlen sein. Für kleine Hausgärten, in denen 
sich die Anschaffung einer theuren englischen oder amerikanischen 
Rasenscheerm aschine nicht lohnt, möchte der Krauss'sche Rasen- 
mäher wohl zu empfehlen sein. Redner erinnerte hierbei daran, 
dass, als das landwirthschaftliche Museum 1869 die jetzt so ver- 
breiteten englischen und amerikanischen Rasenscheermaschinen hier 
eingeführt hatte, von allen Seiten erwidert sei, solche Maschinen 
eigneten sich nur für Gegenden mit feuchtem Klima, wie England, 
Hamburg u. s. w-, im kontinentalen Deutschland sei das Gras zu 



— 293 — 

hart ; ähnlich würde man vielleicht jetzt bezüglich des neuen Rasen- 
mähers sprechen, in Wirklichkeit sei aber wohl blos die Neuheit 
und der Mangel an Uebung Ursache des Zweifels an dessen Brauch- 
barkeit. 

VII. Als wirkliches Mitglied wurde aufgenommen: 
Herr Kunst- und Handelsgärtner Rölcke, Berlin. 

Die weiteren Gegenstände der Tagesordnung mussten wegen 
vorgerückter Zeit zurückgelegt werden. 

(gez.) Sulzer. (gez.) Wittmack. 



Jahresbericht 

für das 

Verwaltungsjahr 1880 81 des Vereins znr Beförderung des Clartenbanes, 

Von den am 30. Juni 1880 vorhandenen 437 Mitgliedern des 
Vereins hat derselbe durch den Tod 10, durch freiwilliges Aus- 
scheiden 27 verloren, dagegen 23 neu eingetretene Mitglieder gewonnen 
und es beträgt daher die Zahl der wirklichen Mitglieder heute bei 
Beginn des neuen Vereinsjahres 423 (am 30. Juni 1875: 379), von 
denen 23 ü hiesige, 187 auswärtige und darunter im Ganzen 200 
Berufsgärtner (1875: 149) sind. Es ist diese Vermehrung der Zahl 
der Berufsgärtner gewiss der beste Beweis dafür, dass das Streben 
nach Fortbildung unter den Fachmännern immer mehr zunimmt, 
andrerseits aber auch dafür, dass der früher öfter unserm Verein 
gemachte Vorwurf, er theoretisire zu viel, hinfällig geworden. An- 
dererseits wäre es aber sehr zu wünschen, dass von den zahlreichen 
Gartenliebhabern, namentlich Berlins, noch immer mehr sich uns 
anschlössen, damit die Privatgärtnerei, die einst so herrliche Früchte 
gezeitigt, und die stets in dem Verein eine feste Stütze finden wird, 
durch gegenseitige Annäherung und gegenseitigen Wetteifer zu neuen 
Thaten angespornt werde. 

Als neues Ehrenmitglied erlaubt sich der Vorstand Ihnen heute 
Herrn Staatsrath Dr. Regel, Exe. in Petersburg, der bisher korres- 
pondirendes Mitglied war, vorzuschlagen. 

Durch ihn vermehrt sich die Zahl der Ehrenmitglieder von 19 
auf 20, während die der korrespondirenden Mitglieder dadurch von 
22 auf 21 sinkt. 

Wie im Vorjahre haben wir auch diesmal mit grossem Danke 
auf die thatkräftige Unterstützung, die uns Se. Excellenz der Herr 
Minister für Landwirthschaft, Domänen nnd Forsten hat zu Theil 
werden lassen, hinzuweisen. Das uns für die Bibliothek in dem 
Gebäude der landwirthschaftUchen Hochschule, Invalidenstr. 42, ein- 
geräumte grosse Zimmer gestattete, dieselbe in zweckmässiger und 



— 294 — 

ansprechender Weise aufzustellen, und zugleich in demselben Raum 
auch die Versammlungen der Ausschüsse abzuhalten, während für 
die monatlichen Vereinsversammluugen, sowie für den gärtnerischen 
Hülfsunterricht das grosse Auditorium zur Verfügung gestellt ward. 
Endlich aber gewährte Se. Escellenz uns für unsere Winter- 
Ausstellung den für derartige Zwepke so vorzüglich geeigneten 
Lichthof der landwirthschaftlichen Hochschule und gab so der Aus- 
stellung von vornherein einen stattlichen Rahmen. 

Die stätutenmässigen Monatsversammlungen erfreuten sich eines 
regelmässigen Besuches von Seiten einer grösseren Zahl von Vereins- 
mitgliedern, doch wäre zu wünschen, dass immer noch mehr Per- 
sonen, Liebhaber und Gärtner, sich an denselben betheiligen möchten. 
Die in den Versammlungen besprochenen Gegenstände betrafen, ausser 
geschäftlichen Dingen, ganz besonders, und mehr wie vordem, die 
praktischen Seiten der Gärtnerei, sie gaben oft zu ausserordentlich 
regen Debatten Veranlassung und dürften auch nach auswärts hin 
mannigfach angeregt haben. 

Grössere Vorträge wurden in den Versammlungen gehalten von 
den Herren: 

Direktor 0. Hüttig: Ueber Eneroth's Sveusk Pomona (Monats- 
schrift 1880, S. 427). 
Gartenbau-Direktor Ga er dt: Ueber die internationale Gartenbau- 
Ausstellung in Brüssel 1880 (M. 1880, S. 444). 
Dr. T seh aplo Witz: Ueber Gewächshäuser (M. 1881, S. 24). 
J. Klar: Anlage und Unterhaltung des Rasens (M. 1880, S. 503). 
W. Wendt und A. Drawiel: Ueber französische und deutsche 

Rosen für die Treiberei (M. 1881, S. 4). 
Professor A. Orth: Uebor die Düogungsversuche zu Runkel- 
rüben, ausgeführt auf dem Versuchsstück des Vereins in 
der Kgl. Gärtuerlehranstalt zu Potsdam (M. 1880. S. 509). 
W. Perri^ng: Ueber die Anzucht des Flieders zu Treibzwecken 

(M. 1881, S. 50 und 107). 
Direktor 0. Hüttig: Ueber einen neuen afrikanischen Wein- 
stock (M. 1881, S. 128). 
Dr. C. Bolle: Ueber Kultur der Orangen in Florida. 
Direktor 0. Hüttig: Einige Mittheilungen über die Geschichte 

des Weinstocks (M. 1881, S. 212). 
Professor P. Magnus: Ueber die phytophänologisehe Karte von 
Hoffmann und: über Aufzeichnung der Blüthenzeiten (M. 
1881, S. 112). 
Garten- Inspektor 11. F intelmann: Ueber Kirchhofsanlagen in 

Sehr erfreulich ist die Thatsache, dass zu den Monatsversamm- 
lungen weit reichlicher als in den letzten Jahren Pflanzen eingeliefert 

sich mehrmals veranlasst suhefi, anstatt des gewöhnlichen Mouats- 
preises eine grosse silberne Medaille zu beantragen, die dann auch stets 
vom Verein gewährt wurde. Auf diese Weise wurden ausgezeichnet : 



die Rosen des Herrn Gnde; 

„ „ „ A. Drawiel; 
" Citrus „ » R- Brandt; 
„ Anemonen und Ranunkeln der Herren Metz & Co. 

Ganz besonderer Dank gebührt aber dem Kgl. botanischen 
Garten, der während der Sommermonate bei Gelegenheit der Vereins- 
versammlungen im Palmenhause ohne Konkurrenz stets eine reiche 
Fülle schön blühender Gewächse ausstellte und namentlich das Ziel 
dabei verfolgte, auf ältere, mit Unrecht in Vergessenheit gekommene 
Zierpflanzen wieder aufmerksam zu machen. Sowohl dem Direktor 
des botanischen Gartens, Herrn Professor E. W. Eichler, wie dem 
Kgl. Garten -Inspektor, Herrn C. Bouche, sei dieser Dank hiermit 
öffentlich dargebracht. 

Die Sitzungen der technischen Ausschüsse erfreuten sich meist 
eines regelmässigen Besuchs; sie gelten manchen Mitgliedern so zu 
sagen noch mehr als die Monatsversammlungen, da in ihnen in zwang- 
loser Weise lebhafteste Unterhaltungen über gärtnerische Kulturen 
gepflogen werden. Manches aus den Sitzungen dieser Ausschüsse 
ist in die Monatsschrift übergegangen und würde das noch mehr 
geschehen sein, wenn nicht der Raum gemangelt hätte. 

Die gärtnerischen Versuche auf dem in der Kgl. Gärtnerlehr- 
anstalt zu Potsdam dem Verein seitens des Kuratoriums bereitwilligst 
überwiesenen Felde sind auch im abgelaufenen Jahre fortgesetzt 
worden. In der Oktobersitzung 1880 hatten die Mitglieder des Ver- 
eins Gelegenheit, sich von der auffallend verschiedenen Wirkung der 
einzelnen Düngmittel bei Runkelrüben zu überzeugen und haben wir 
auch diesmal Herrn Kgl. Garten-Inspektor Lauche sowie Herrn 
Professor Orth für ihre unermüdliche Opferwilligkeit bei diesen 
Versuchen im vollsten Maasse zu danken. — Im laufenden Sommer 
werden diese Versuche mit Gartenbohnen fortgesetzt. Ausser den 
Düngungsversuchen hat der Ausschuss für das Versuchswesen den 
Ankauf einer grösseren Zahl von Neuheiten angeordnet und diese 
an Specialisten vertheilt, ebenso von denjenigen Neuheiten, die sich 
im Jahre 1880 bei seinen Parallelkulturen bewährt haben, grössere 
Mengen an Liebhaber abgegeben, sowie von guten älteren Sorten 
Samen vertheilt. Im Ganzen wurden im letzten Frühjahr an 1400 
Samen-Portionen abgegeben. Ausserdem wurden zahlreiche Proben, 
die wir von unsern verehrten Ehren- und correspondirenden Mit- 
gliedern, Herren Sir J. D. Hooker, Professor Thy seiton Dyer, beide 
in Kew, Baron Ferd. von Müller, Melbourne, Direktor Schomburgk- 
Adelaide, sowie von unserm auf Reisen befindlichen Mitgliede, Herrn 
Dr. W. Landau aus Ostindien und endlich von Herrn v. Nooten 
in Buitenzorg empfingen, vertheilt. Abermals ist hierbei der Wunsch 
auszusprechen, dass die Empfänger doch fleissiger als bisher über 
die Resultate mit den erhaltenen Samen — auch wenn dieselben 
keine günstigen sein sollten — berichten möchten. Nur nach Er- 
probung an verschiedenen Orten und unter verschiedenen Verhält- 
nissen lässt sich bezüglich der Neuheiten ein endgültiges ürtheil 



feststellen. Die Mitglieder des Ausschusses für das gärtnerische 
Versuchswesen selbst haben in ungeschminkter Weise ihr ürtheil 
über die vom Verein oft zu theueren Preisen angekauften Neuheiten 
abgegeben (vergleiche z. B. Monatsschrift 1881, S. 131 und S. 189) 
und wird dadurch der Hauptzweck, den der Verein hierbei verfolgt, 
auf das Gute unter den Neuheiten aufmerks'^m zu machen, vor 
Unbedeutendem aber zu warnen, sicherlich erreicht werden. 

Die Bibliothek ist im abgelaufenen Jahre verhältnissmässig 
bedeutend vergrössert worden, der Besuch erlitt aber durch die 
internationale Fischerei - Ausstellung, die in demselben Gebäude 
stattfand, manche Störungen; es wurden im Ganzen an 61 Personen 
192 Bände, abgesehen von den Zeitschriften etc., welche die Mit- 
glieder dAr technischen Ausschüsse entnahmen, verliehen. 

Die Monatsschrift des Vereins wurde unter den früheren Be- 
dingungen hergestellt und vertrieben. Sie wurde in 825 Exemplaren 
gedruckt und hiervon an die Mitglieder des Vereins 511, an die 
Gesellschaft der Gartenfreunde 179, an den Buchhandel ca 50 
Exemplare abgesetzt. Der Umstand, dass es mit denselben Mitteln 
wie sie die Herstellung einer eigenen Zeitung erfordert, möglich 
sein wird, ein reicher ausgestattetes, aber im buchhändlerischen 
Verlage erscheinendes und daher eher in weitere Kreise zu ver- 
breitendes Journal den Mitgliedern zu liefern, hat den Vorstand 
veranlasst, eine ihm gemachte Offerte behufs Vereinigung der Monats- 
schrift mit emer im Verlage von P. Parey erscheinenden Zeitschrift 
dem Verein in der Versammlung am 25. Mai d. J. zur Beschlnss- 
tassung zu unterbreiten. Die zur Prüfung der Angelegenheit ein- 
gesetzte Kommission hat sich im Prinzip damit einverstanden erklärt, 
aber vorgeschlagen, für die neue Zeitschrift einen ganz neuen Namen 
„Gartenzeitung" zu wählen, ausserdem hat sie einige weitere 
Aenderungen m dem Entwurf zu dem Vertrage vorj^enommen und 
liegt der so umgewandelte Vertrag, dem der Verlagsbuchhändler 
P. Parey zustimmt, heute gedruckt, behufs der definitiven Beschluss- 
lassung Ihnen vor. Der Vorstand hofft, dass es gelingen werde, 
diese Zeitschrift zu einer allgemein verbreiteten zu machen und so 
auch in die fernsten Kreise die Ergebnisse unserer auf die Förderung 
tnUa^"^^^^ ^^ ^^°^^° deutschen Reiche gerichteten Bemühungen 
Während diese Umänderung unseres Organs von hervorragender 
Bedeutung für die Zukunft ist, haben wir als die wichtigste That 
im abgelaufenen Jahre die Veranstaltung der ersten Winter- 
Ausstellung hervorzuheben. Wie ein rother Faden zog sich durch 
alle \ ersammlnngen des abgelaufenen V.reinsjahres der Gedanke an 
diese Ausstellung: ja, wir dürfen wohl behaupten: Ganz Deutschland 
schaute auf uns! Kühn war allerdings der Gedanke, mitten im Winter, 
unter Eis und bchnee eine Blumen-Ausstellung zu veranstalten, aber 
üer Erfolg hat uns belohnt. Die Ausstellung vom lö.— 17. Januar 
1881 wird unauslöschlich in den Annalen des deutschen Gartenbaues 
dastehen und dankbar wenden wir uns nochmals zu den Ausstellern 



297 



von nah und fern, die durch ihre reichen Einsendungen bewiesen 
haben, was Deutschland in Bezug auf Blumentreiberei zu leisten 
vermag; dankbar wenden wir uns aber auch zu dem Ordner, Herrn 
Universitätsgärtner Perring, der es verstanden, die verschiedensten 
Objekte so anmuthig zu gruppiren, dankbar endlich zu den Herren 
Siemens & Halske, die in uneigennützigster Weise auf den Ersatz 
der Kosten für die elektrische Beleuchtung zu Gunsten der Kaiser 
Wilhelm- und An gusta -Jubelstiftung für deutsche Gärtner verzichteten. 

Der Verein hat geglaubt, auf dem betretenen Wege fortfahren 
zu sollen, da noch viele Fragen in Bezug auf Treiberei zu lösen 
übrig geblieben und hat beschlossen, im Januar 1882 eine zweite 
Winterausstellung zu veranstalten, die aber weniger dekorativ gehalten 
werden und nur wirklich neue Treibkulturen, sowohl von älteren, 
wie neuerdings erst eingeführten Pflanzen, nicht schon Bekanntes 
bringen soll. Wir geben uns der Hoffnung hin, dass auch zu dieser 
Ausstellung aus allen Theilen Deutschlands beigesteuert und so der 
Zweck, Deutschlands Treibkulturen zu immer grösserer Blüthe zu 
bringen, erreicht werde. 

Die Beziehungen zu anderen Vereinen haben sich fast unverändert 
erhalten, neue Verbindungen wurden mit dem schleswig-holsteinischen 
Vereine, dem Verein in Dänemark und in der Schweiz angeknüpft. 
Der enge freundschaftliche Verkehr mit der Gesellschaft der Garten- 
freunde, die seit 1880 unsere Monatsschrift auch zu ihrem Organe 
gemacht hat und hoffentlich bei der neuen „Gartenzeitung" dasselbe 
Verhältniss wieder eintreten lassen wird, ist vom fördersamsten 
Einfluss u. A. auch bei der Winter -Ausstellung gewesen, und der 
Verein hat daher freudig dem von der Gesellschaft der Gartenfreunde 
angeregten Plane zur Veranstaltung einer grösseren Gartenbau- 
Ausstellung im Jahre 1883 in Berlin unter gemeinsamer Betheiligung 
aller Vereine in und um Berlin und Potsdam beitreten können. 

Gemeinsam mit der Gesellschaft der Gartenfreunde Berlin's 
betheiligte sich auch der Verein bei den Hochzeitsfeierlichkeiten 
Ihrer Kgl. Hoheiten des Prinzen Wilhelm und der Prinzessin Augusta 
Viktoria, indem beide es übernahmen, die Zimmer und die Familien- 
tafel im Schloss Bellevue geschmackvoll zu dekoriren und so gleich 
bei der Ankunft dem hohen Paare die lebhaftesten Sympathie- 
Bezeugungen der Vertreter des Gartenbaues entgegen zu bringen. 
Allen den Herren, die hierbei mitwirkten, sei nochmals der herzlichste 
Dank gesagt. 

Auch der Hülfsunterricht für jüngere Gärtner ist im Jahre 
1880|81 in Gemeinschaft mit der Gesellschaft der Gartenfreunde, wie 
im Vorjahre ertheilt worden. Es nahmen an dem Unterricht im 
Ganzen 102 Zuhörer Theil, die zur Deckung der unvermeidlichen 
Kosten je eine Mark beisteuerten. AH' den Herren, welche den 
Unterricht mit so grosser Freundlichkeit unentgeltlich übernahmen, 
sei hiermit der herzlichste Dank ausgesprochen. Ganz besonders 
gebührt derselbe Herrn Kgl. Garten -Direktor Neide und Herrn 
Stadtobergärtner Hampel, welcher erstere während des grössten 



298 — 



Theils, letzterer während des ganzen Winters den Vorgerückteren, 
resp. den Anfängern Anleitung zum gärtnerischen Zeichnen gaben. 

Der Vereins-Delegirte im Kuratorium der Königlichen Gärtner- 
lehranstalt zu Potsdam^ Herr Gartenbau -Direktor Gaerdt, hat der 
Prüfung der Schüler derselben beigewohnt und in seinem Berichte 
abermals ausserordentlich Günstiges über die Leistungen der Eleven, 
die selbstverständlich in erster Reihe durch die Leistungen der 
Lehrer bedingt sind, mittheilen können. Verschiedentlich sind die 
äusserst sehenswerthen Anlagen, sowie die Kulturen des Vereins 
daselbst von Mitgliedern besichtigt worden und einstimmig ist da^ 
Urtheil dahingehend, dass schw^erlich an irgend einer ähnlichen 
Anstalt mit verhältnissmässig nicht bedeutenden Mitteln so viel 
geleistet wird. 

Gemeinschaftliche Ausflüge wurden 
wenige unternommen, darunter einer m 
reichen Werder, wo die Versammlung 
von der ganzen Bevölkerung aufgenomi 
sich von dem Fleiss und der Intelligenz der dortigen Obstzüchter 
überzeugen konnte. 

Das von dem Kgl. Hofgarten-Direktor Jühlke in Gemeinschaft 
mit mehreren Gutsbesitzern seitens des Klubs der Landwirthe zu Berlin 
und des Teltower landwirthsch. Vereins in's Leben gerufene Institut 
der Wandergärtner hat auch im abgelaufenen Jahre fortbestanden 
und ist von dem Verein, dessen General- Sekretär zugleich Schrift- 
führer des betreffenden Komite's ist, nach besten Kräften gefördert 
worden. Die Anmeldungen seitens der Gutsbesitzer und sonstigen 
Personen mehren sich, zu bedauern bleibt nur, dass der betreffende 
Wandergärtner bis jetzt nicht das ganze Jahr beschäftigt werden 
konnte und daher mehrmals ein Wechsel in der Person eintreten 
musste. Immermehr drängt sich die Ueberzeugung auf, dass der 
Wandergärtner in einem Kreise sesshaft gemacht werden muss, wenn 
er dauernd nützen soll und in richtiger Erkenntniss dessen haben 
auch mehrere Kreise der Mark Brandenburg bereits einen Kreis- 
gärtner angestellt, so der Kreis Ost-Priegnitz und der Kreis Neu- 
Ruppin. Möchten diesen guten Beispielen bald ähnliche folgen, dann 
wird dem Stellenmangel für tüchtige jüngere Gärtner bald etwas 
abgeholfen werden können. 

Mehr als früher hatte der Verein Veranlassung, den Schutz der 
Behörden gegenüber den gefährdeten Interessen der Gärtnerei in 
Anspruch zu nehmen. Wiederholt wandte er sich mit Petitionen 
und Denkschriften an das hohe Eeichsamt des Innern und an den 
Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten, um die durch 
strikte Ausführungen der Berner Konvention vom 17. September 1878 
betreffs Abwehr der Reblaus namentlich seitens Oesterreich-Ungarns 
dem deutschen gärtnerisclien Exporthandel drohenden Gefahren ab- 
zuwenden. Er hat dies gethan, z. Th. lange bevor' von Seiten anderer 
Vereine und Privater Pfttitinnftn an At^n Rainlictao- ordinfron or v,of 



den Reichstag ergingen, 
Mitglieder persönlich zu wirken 



299 



gesucht und wenn die Reichsregierung sich den Vorstellungen nicht 
verschluss, sondern im Gegen theil nach allen Kräften Unterstützung 
zusagte, so dürfte dies wohl zum Theil mit den ruhigen, sachlichen 
Auseinandersetzungen des Vereins zu verdanken sein. Dank der 
energischen Vertretung der Sache von Mitgliedern des Reichstages, 
u. A. unseres Mitgliedes Herrn Kammerherrn von Behr, wurde 
denn auch bekanntlich die Reichsregierung seitens des Reichstages 
ersucht, namentlich auf Abänderung des Artikels III. der Berner 
Konvention, wonach die zu exportirenden Pflanzen frei von Erde 
sein sollen, hinzuwirken. 

Der drohenden Gefahr, dass seitens Russlands ähnliche, viel- 
leicht noch schlimmere Maassregeln zur Abwehr der Reblaus ergriffen 
werden möchten, suchte der Verein, unterstützt von einem in 
dieser Angelegenheit sehr thätigen auswärtigen Mitgliede durch 
Vorstellungen mehr privater Natur in Petersburg und beim Reichs- 
amt des Innern vorzubeugen. Diesen Vorstellungen, vor allem aber 
dem gesunden Sinn der Kaiserlich russischen Gartenbaugesellschaft 
und namentlich mehreren unserer Freunde in der von letzterer ein- 
gesetzten Kommission ist es zu danken, dass Gottlob das Uebel 
abgewendet ist. 

Weiter suchte der Verein bei Gelegenheit der Errichtung des 
preussischen Volkswirthschaftsrathes dahin zu wirken, dass ent- 
sprechend der Bedeutung der Gärtnerei als Gewerbe auch ein Ver- 
treter des Gärtnerstandes in diese Körperschaft seitens Sr. Exe. des 
Herrn Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten ernannt 
würde. Bei der geringen Zahl von Personen, welche der Herr 
Minister zu ernennen hatte, konnte der Wunsch leider nicht erfüllt 
werden ; wir geben aber die Hoffnung nicht auf, dass es später doch 
gelingen möchte, die gärtnerischen Interessen sowohl -im preussischen 
wie eventuell im künftigen deutschen Volkswirthschaftsrath wenigstens 
durch eine Person vertreten zu sehen. Inzwischen hat Se. Exe. der 
Herr Minister für Landwirthschaft, Domänen und Forsten durch 
Ernennung des Herrn Schmidt, Erfurt (in Firma: Haage & Schmidt) 
in das preuss. Landes-Oekonomie-KoUegium den obigen Wünschender 
Gärtnerwelt, soweit es angänglich war, bereits zu entsprechen gesucht. 

lieber die finanzielle Lage des Vereins ist Folgendes zu berichten: 
die Einnahme des Kalenderjahres 1880 betrug 12 670,36 Mark, 

die Ausgabe 10 667,85 „ 

mithin verblieb ein Baarbestand von 2 002,51 Mark. 

Dieser hohe Bestand erklärt sich daraus, dass die in den Etat 
des Kalenderjahres 1880 eingesetzte Ausheilung erst im Januar 1881 
stattfand, er ist durch letztere ziemlich erschöpft worden. 

Das Gesammtvermögen des Vereins belief sich am Schluss des 
Jahres auf 8 756,51 Mark. Das Vermögen der Kaiser Wilhelm- 
und Augusta-Jubelstiftung ist von 2 123,30 Mark in den letzten 
Monaten auf 2 773,30 gestiegen, leider nicht früh genug, um schon 
in diesem Jahre eine Vertheilung der Zinsen des in 4procentigen 
Konsols angelegten Kapitals vornehmen zu können, da nach einem 



Abkommen mit den übrigen stimmberechtigten Vereinen und Inter- 
essenten diese erst erfolgen soll, wenn der Zinsertrag sich auf 
100 Mark beläuft. Im Jahre 1882 wird dieser Zeitpunkt gekommen 
sein. Dringend wünschenswerth erscheint es aber, dass von allen 
Seiten Deutschlands die Gärtnerwelt mit zur Vergrösserung des 
Kapitals beitrage und dürfte es u. A. sich namentlich empfehlen, 
wenn der Ertrag von Ausstellungen, wie dies der Verein bei seiner 
Winteraustellung gethan, zum Besten der Stiftung bestimmt würde. 
Was an dem Verein liegt, so wird er es sich aus allen Kräften 
angelegen sein lassen, die Mittel dieser zur Unterstützung hülfs- 
bedürftiger Gärtner des gesammten deutschen Reiches oder deren 
Hinterbliebenen und zur Unterstützung angehender, durch Talent 
und Tüchtigkeit hervorragender deutscher Gärtner, denen die zu 
ihrer Fortbildung erforderlichen Geldmittel fehlen, bestimmten 
Stiftung zu vergrössern. Möchte gleiches Streben an allen Orten 
sich kundgeben! 

Mit grosser Freude hat auch der Verein die Wiederherstellung 
der Einigkeit in dem Pomologen -Verein, dessen Führerschaft ihm in 
früheren Jahren übertragen war, begrüsst, ingleichen nimmt er den 
regsten Antheil an dem Entstehen neuer und an dem Aufblühen 
älterer Bruder -Vereine. 

Ueberblicken wir nun noch einmal die Resultate unseres eigenen 
Vereinslebens im abgelaufenen Jahre, so dürfen wir wohl mit einem 
recht befriedigenden Gefühl auf dasselbe zurückschauen: Viel Arbeit 
hafs gegeben, aber der Verein hat sie freudig übernommen und 
glücklich vollbracht; stets ist er eingedenk gewesen seines hohen 
Zieles: der allgemeinen Förderung des Gartenbaues in allen seinen 
Zweigen. Möge das kommende Jahr ein gleich erfolgreiches sein 
und mögen wir nach Ablauf desselben dann in würdiger Weise den 
Tag des sechszigjährigen Bestehens unseres Vereins feiern können! 



Der Milchsaft der Pflanzen und sein Nutzen. 

Vortrag, 
erein ^%^;^^;;^|yj^l^^"g,^"°^ l^ragegmä am 3. Januar 1881 
(Fortsetzung.) 
lieber die speziellere chemische Zusammensetzung der Milch- 
säfte weiss man wenig. Weiss und Wiesner*} fanden im Milchsaft 
einheimischer Euphorbien bei 

Euphorbia Cyparissias E. platyphyllos 
Wasser 72,13 77,22 

Harz 15,72 8,12 

Gummi 3,64 2,15 

Kautschuck 2,73 0,73 

ausserdem noch ätherisches Oel, Ei weiss, eine gelbbraune extraktive 



Phanerogamen 



Substanz, Zucker, Stärkemehl, fettes Oel, Weinsäure, Apfelsäure, 
ein Chroraogen (Farbstoff, der sich an der Luft erst färbt) und 
Mineralbestandtheile. Die Menge des Milchsaftes ist hier so gering, 
dass man von E. Cyparissias einige Tausend Exemplare braucht, 
um nur einige Gramm Milch zu gewinnen. 

Weit reichlicher und gehaltvoller findet sich der Milchsaft 
gewöhnlich in den tropischen Pflanzen, wie ja überhaupt meist Alles 
in den Tropen üppiger ist 

Eine ältere Analyse von Farad ay ergab für einen Kautschuck 
liefernden Euphorbiaceen-Milcbsaft, wahrscheinlich Hevea guyanensis 
Aubl., der in verschlossenen Flaschen nach England geschickt war 
und Rahm-Konsistenz hatte: 

Wasser mit einer organischen Säure 56,37 

Kautschuck 31,70 

Eiweiss (gelöst) 1,90 

Bittere, sehr stickstoffreiche Substanz, mit etwas Wachs 7,13 
In Alkohol unlösliche, in Wasser lösliche Körper (Gummi?) 2,90 
Der Milchsaft des Kuhbaumes Galactodendron utile enthält nach 
Heintz*): Boussingault**) berechnet nach 

einem untersuchten eingedickten Saft für frischen : 

Wasser 57,3 Wasser 58,0 

Eiweiss 0,4 Kasein, Albumin (Eiweisstoff) 1,7 

Wachs (C. 35, H. 66, 0. 3) 5,8 Wachs und verseifbare Stoffe 35,2 
Harz (C. 35. H. 58, 0. 2,) 31,4 Zucker und analoge Stoffe . 2,8 
Gummi und Zucker . . 4,7 Erde, Alkalien, Phosphate . 0,5 

Asche 0,4 Unbestimmte Stoffe . . . 1,8 

Die Milch des Kuhbaumes ist also mehr mit Sahne zu ver- 
gleichen, diese enthält 34 pCt. Butterfett, 4 pCt. Zucker und 
58 pCt. Wasser. Im Allgemeinen scheinen 56—58 pCt. Wasser 
in dem Milchsaft tropischer Pflanzen enthalten zu sein, während 
30-35 pCt. bald als Kautschuck, bald als Wachs, Fett oder Harze 
angetroffen werden, und Eiweiss in den meisten Fällen nur in geringer 
Menge auftritt. Wir werden später sehen, wie wichtig dennoch 
diese Eiweisssubstanz ist. ,, , , , 

Nachdem so Form und Lage, wie auch Inhalt der Milchröhren 
charakterisirt sind, wenden wir uns zum zweiten Theile unserer 
Aufgabe, zur Besprechung des Nutzens des Milchsaftes. Derselbe 
kann von zwei Gesichtspunkten aus betrachtet werden, einmal hin- 
sichtlich des Nutzens für den Menschen und zweitens in seiner 
Bedeutung für die Pflanze selbst. 

Was den Nutzen für den Menschen anbetrifft, so stehen offenbar 
diejenigen Milchsäfte, die reichlich Kautschuck, oder wie man im 
gewöhnlichen Leben sagt, Gummi elasticum, sowie die, welche 
Guttapercha enthalten, oben an. Die grosse Bedeutung dieser Stoffe 
für die raannichfachsten Zwecke der Industrie und der Wissenschaft 
ist allbekannt und täglich fast vermehrt sich noch die Anwendung 



derselben. Der berühmte französische Gelehrte Charles Marie 
de la Condamine (1701-1774), der 1736-1745 in Peru Meridian- 
messungen machte, um die Yermuthete Abplattung der Erde nach 
den Polen zu zu bestimmen; derselbe, der 1738 den Baum, welcher 
die Chinarinde liefert (Cinchona), mit Gewissheit ermittelte, der 
ausserdem für die Kuh pocken- Impfung lebhaft eintrat, war es, 
welcher zuerst (1751) in Europa die Aufmerksamkeit auf das 
Kautschuck lenkte und zwar speziell auf die noch heut als beste 
bekannte Sorte, das Para - Kautschuck. Obwohl bereits damals 
Versuche zur Herstellung von Instrumenten aus Gummi gemacht 
wurden*), fand die Sache doch keinen weiteren Eingang und bis 
zum Anfang dieses Jahrhunderts verwandte man das Gummi elasticum 
fast nur zum Auswischen von Bleistiftstrichen, worauf zuerst der 
bekannte Seefahrer Magelhan (f 1521) — dessen Urenkel nebenbei 
bemerkt Erfinder der künstlichen Mineralwässer wurde — hin- 
gewiesen hatte. Thomas Hancock nahm 1820 ein Patent in 
England auf die Herstellung von Zugbändern aus Rohgummi**). 
Charles Macintosh löste zuerst Gummi in Benzin auf und nahm 
1823 ein Patent auf Herstellung wasserdichter Stoffe, die nach ihm 
bekanntlich kurzweg „Macintosh" genannt werden. Goodyear in 
New- York aber machte die wichtige Erfindung des Vulkanisirens, 
indem er Gummi mit Schwefel mischte und der Hitze aussetzte, 
wodurch bekanntlich dem Gummi eine bei allen Temperaturen sich 
gleich bleibende Elastizität und Zähigkeit zu Theil wird. Er erwarb 
damit ein ungeheures Vermögen; ebenso Hancock, der sich später 
mit Macintosh zur Firma Charles Macintosh & Co. verband und 
auf ein dem Goodyear'schen ähnliches Verfahren in England ein 
Patent nahm. 

Der Bedarf an Kautschuck und Guttapercha ist jetzt so gewachsen, 
dass die Einfuhr in Grossbritannien und Iriand sich in zehn Jahren 



Guttapercha 21577 „ „ 163 574 

, ^ ,. , . 180269 Ctr., Werth 1 700234 Lstr. - 34004680 M. 

Aehnhch ist das Verhältniss der Einfuhr im deutschen Reich. 
Diese betrug 1867 von Kautschuck 21 735 Ctr. und Guttapercha 
2 139 Ctr., znsamm 33 g^^ ^tr., 1876 von Kautschuck und 
Guttapercha 45 100 Ctr. im Werth von 9 020 000 M. Dagegen 
ist sie 18/8 wieder etwas zurückgegangen und betrug bei Kaut- 
schuck und Guttapercha 41 900 Ctr., im Werthe von 7 960000 M 

•u 1- ""^^ ^^^ ^^^^ ™®^^ gestiegen als die Menge und das 
bat sicherlich seinen Grund in der immer schwierigeren Eriangung 

*) Böhmer, Techn 
**) Franz Clauth, 



Kantschuckbäume zusammenhängt*). Die englische 
Regierung hat, um dem Bedarf künftig besser genügen zu können, 
neuerdings angefangen, amerikanische Kautschuckbäume etc. in 
Indien anzupflanzen und nach den neuesten Berichten sind ziemlich 
gute Resultate zu erwarten. Der Verein zur Beförderung des 
Gewerbefleisses in Preussen dagegen hatte 1877 eine Preisaufgabe 
zur Herstellung von künstlichem Kautschuck ausgesetzt, die aber 
trotz ihrer Wiederholung und trotzdem, dass Herr Dr. Werner 
Siemens aus eigenen Mitteln noch eine namhafte Summe hinzu- 
fügte, bis jetzt nicht gelöst und deshalb in der Dezembersitzung 
1880 zurückgezogen ist. 

Die Zahl der Kautschuck liefernden Gewächse ist nicht gerade 
klein; Bernardin führt über 100 Arten auf, die aber zum Theil 
mit einander identisch sein dürften, Wiesner ca. 35; für den Handel 
kommen aber verhältnissmässig nur wenige in Betracht und diese 
gehören fast alle zu nur drei Familien : Euphorbiaceen, Apocynaceen 
und ürticaceen (incl. Artocarpaceae, Feigenbäume). James Collins 
hat in seinem „Report on the Caoutchouc of commerce", London 1872, 
eine gute Uebersichtskarte über die Vertheilung dieser Pflanzen, 
soweit sie für Kautschuck (nicht Guttapercha) in Betracht kommen, 
gegeben. Die zu den Euphorbiaceen gehörigen Kautschuckpflanzen 
wachsen besonders in Guiana und im nördlichen Brasilien, also an 
der Nordostküste Südamerika's, die zu den Apocynaceen gehörigen 
dagegen an der Südostküste, etwas südlicher in Brasilien, sowie im 
ganzen tropischen Afrika und Hinterindien nebst den Sunda-Inseln : 
die zu den Ürticaceen gezählten endlich in Mittelamerika, der West- 
küste Südamerika's, sowie in Ostindien, besonders in Assam, Burma, 
einem Theil der Sunda-Inseln und dem tropischen Neuholland. 

Nach den Erdtheilen unterscheidet man auch im Allgemeinen 
namentlich im Handel die Sorten: amerikanisches, asiatisches und 
afrikanisches Kautschuck. Das beste Gummi elasticum, das Para- 
Kautschuck, stammt von der Euphorbiaceae Hevea brasiliensis 
Müll, argov., das von Guiana und vielleicht auch das vom Rio negro 
von Hevea guianensis Aubl., bekannter als Siphonia elastica Pers., die 
gewöhnlich in den Lehrbüchern allein als Stammpflanze südamerika- 
nischen Kautschucks angegeben ist, während H. brasiliensis, die 
viel wichtiger ist, gar nicht genannt wird. In Brasilien waren 1865 
bereits 10—11 000 Indianer mit der Gewinnung des Para-Kautschucks 
beschäftigt und 1000 tons oder 20 000 Centner davon wurden nach 
England eingeführt. Im Jahre 1879 aber betrug die Einfuhr von 
Paragummi 4 651 tons oder 93 020 Centner. 

Das Ceara-Gummi, auch Ceara Scrap genannt, stammt von 
einer, mit der vorigen, noch mehr aber mit dem Maniok (Tapioka) 
verwandten Pflanze: Manihot Glaziovii Müll, arg., das Pernambuko- 

jr Zonen auf der Pariser Welt- 



Kautschuck von Haucornia speciosa (Apocynaceae). Das central- 
amerikanische Gummi und das von der Westküste Südamerika's 
kommt von der mit dem Feigenbaum verwandten Artocarpaceae 
Castilloa elastica Cerv. 

Dagegen stammt fast alles afrikanische Gummi von Landolphia- 
Arten, das westafrikanische wohl meist von L. owariensis ßeauv. 
und L. fiorida Benth., das ostafrikanische wahrscheinlich von L. elastica 
Vatke et Hildebrandt; auf Madagaskar soll auch von Vahea gummi- 
fera Lam. und V. madagascariensis Boj. Kautschuck gewonnen 
werden, während V. senegalensis DG. mit zur Gewinnung des west- 
afrikanischen Gummi verwendet wird. Sowohl Landolphia wie Vahea 
sind Sträucher, letztere meist kletternd, während die amerikanischen 
Kautschuckpflanzen meist Bäume bilden. 

Ebenso sind auch die asiatischen Kautschuckpflanzen Bäume 
und hier ist es besonders der bei uns als beliebteste Blattpflanze 
kultivirte Gummibaum, Ficus elastica Roxb., der das Material liefert. 
Alle anderen Ficusarten kommen weit weniger in Betracht. Interessant 
ist zu lesen, wie Roxburgh unseren Gummibaum entdeckte. Ein 
Herr R. Smith aus Silhet sandte ihm einen Korb mit Honig. Dieser 
Korb war innen, wie Smith schrieb, mit dem Safte eines Baumes 
gedichtet, der auf den Bergen nordwärts von Silhet wüchse. Rox- 
burgh forschte nun weiter nach und beschrieb den Baum als Ficus 
elastica. Das Hauptgybiet seiner Verbreitung ist in Assam, wo die 
grosse Feuchtigkeit das Gedeihen sehr fördert. Hier ist neuerdings 
auch besonders der Paragummibaum, Hevea brasiliensis, dessen 
Produkt höher im Preise steht, eingeführt worden. Man hofft sogar, 
dass durch die Kultur der Milchsaft noch reicher an Kautschuck 
werde, ähnlich wie die kultivirten Chinabäume, die Vanille und der 
Cacao gehaltreicher als die betreöenden wildwachsenden Pflanzen 
sind. Ausser von Ficus elastica wird in Ostindien noch von ürceola 
elastica, einer Apocynaceae, Kautschuck gewonnen, weniger von 
F. indica L. und F. religiosa, die em viel geringeres Produkt liefern. 
Noch wäre von den vielen Pflanzen zu erwähnen eine Willughbeia sp. 
aus dem westlichen Ostindien, eine Apocynaceae, sowie endlich 
Lobelia Cautschuc Humb. in Keugranada (vergl. Wiesner, Rohstoff'e). 

Die Gewinnung des Kautschucks ist bekannt. Es werden Ein- 
schnitte gemacht, je nach den Ländern in verschiedener Form, der 
ausfliessende Saft in Brasilien auf flaschenförmige oder anders 
gestaltete Thonformen oder mit Lehm bestrichene Holzformen auf- 
getragen und im Rauch verbrennender Fruchtschalen (von Attalea 
funifera, der Piassawa-Palme, besonders) getrocknet, dann eine zweite 
Schicht aufgetragen, wieder geräuchert und so fort. Die Thonformen 
werden entweder zerschlagen oder das Gummi aufgeschnitten und 
die Formen herausgenommen. In Ostindien witd die Milch von 
Ficus elastica,die circa 30 pCt. Kautschuck enthält, nicht geräuchert; 
dies ostindische Gummi kommt in Platten als sogenanntes Speck- 
gummi in den Handel. 

W-eniger verbreitet aIs das Kautschuck ist die von Laien oft 



mit ihm verwechselte Schwester, die Guttapercha. Sie hat iür 
Vaterland mit dem ostindischen Kautschuck gemeinsam, wächst aber 
nur in dem sudlichen Theil von Hinterindien, auf Malacca und 
Cochinchina, sowie auf Borneo, Sumatra und wird jetzt auch auf 
Java und in holländisch Guiana kultivirt. Das Verbreitungsgebiet 
ist also viel beschränkter. Der Baum, der sie hauptsächlich liefirt, 
ist auch einer ganz anderen Familie, der der Sapotaceen, zugehörig, 
es ist hauptsächlich Isonandra Gutta Hook. Der Milchsat setzt 
hier keine wässerige Flüssigkeit ab, sondern erstarrt zu einer gleich- 
massigen porösen Masse. Sie ist als Handelswaare gelblich roth, 
hat manche Aehnlichkeit mit dem Kautschuck, unterscheidet 
sich aber wesentlich dadurch, dass sie in warmem asser von 60 
bis ♦)5" weich und formbar wie Wachs wird und beim Erkalten ihre 
frühere Härte wieder erlangt, während Kautschuck, das durch Hitze 
erweicht ist, nie wieder erhärtet, was übrigens bei Guttapercha 
auch nicht eintritt, wenn sie bis zum Schmelzen erhitzt ist. iN'och 
ein wesentlicher Punkt unterscheidet sie vom Kautschuck, sie ist 
absolut undurchdringlich für Wasser, auch auf die Länge der Zeit, 
und wird sie daher zur Isolirung der unterirdischen und Bekleidung 
der unterseeischen Telegraphenleitungen benutzt. Ohne sie wäre 
daher der blitzschnelle Verkehr mit fernen jenseits des Meeres 
gelegenen Orten nicht möglich. 

Ein toiF, der zwischen Kautschuck und Guttapercha die Mitte 
halten soll, ist die sogenannte Ballata, ebenfalls wie Guttapercha 
von einer Sapotaceae und zwar Sapota Mülleri Belkrode, dem wegen 
seines harten Holzes berühmten Bollytree oder Bullytree aus Guiana. 
Sie lässt sich ähnlich bearbeiten wie Guttapercha. 
(Schluas folgt.) 



Landrose n. 

Vom Forstmeister Geschwind in Stadt Karpfen in Ungarn. 
(Fortsetzung.) 

Es sei mir gestattet, dem Laien die einzelnen Gruppen der 
Landrosen hier vorzuführen und die besten Varietäten näher zu 
bezeichnen, wobei ich von der Ansicht ausgehe, dass ein Sortiment 
von 100 der vorzüglichsten Sorten genügen dürfte, den Anforderungen 
eines jeden Gartenbesitzers zu entsprechen. 

L Rosa alba, Liun. Die weisse Rose (Rose blanche). 
Viele hierher gehörende Varietäten bilden, hochveredelt, schöne 
Stämmchen, aber auch wurzelechte Büsche nehmen sich, um roth- 
blühende Rosen- und sonstige Strauchgruppen gepflanzt, des Kontrastes 
wegen sehr schön aus. Kräftig wachsende Varietäten kann man in 
nördlichen rauhen Gegenden als Wandbekleidung, gleich Kletter- 
rosen, benutzen. Ich empfehle zur Anpflanzung folgende Varietäten ; 

1. Etoile de la Malmaison ; fleischfarben, im Verblühen weiss, gross. 

2. Feücite Parmentier; fleischrosa, Rand weiss, mittelgross. 

20 



3. Madame Legras (L. St. Germain) ; reinweiss, sehr gross. 

4. Maiden's blush (Jnngfenirose) ; weisslieh rosa, mittelgross. 

5. Sophie de Marsilly; blassrosa, im Centrum rosa, gross. 
II. Eosa Centifolia, Linn. Die Centifolien-Rose. 

Bekannte schöngebaute, köstlich riechende Rose, die hoch- 
veredelt sich sehr schön ausbaut und reich blüht; gewöhnlich aber 
in Strauchform in unseren Gärten zu finden ist 

1. Communis (gewöhnliche Centifolie) ; rosa, gross. 

2. Cristata (erscheint oft als Moosrose angeführt) ; rosa, sehr gross. 

3. Unica (weisse Centifolie, White Provence, ünique); weiss, gross. 

4. ünique Panachee; weiss, blassroth gestreift, gross. 

5. Vilmorin; prächtig fleischfarben, gross. 



Calypso; blassrosa, Rand blässer, gross. 

2. La Ville de Bruxelles; rosa, Rand blässer, gross. 

3. Leda; blassrosa mit fleischroth, mittelgross. 

4. Madame Hardy; reinweiss, gross. Wird fälschlich häufig 
unter den Varietäten der Rosa alba angeführt. 

5. Madame Soetmans; fleischfarben, j - - - 
Erscheint gleichfalls oft unter den 

IV. Rosa gallica, Linn. Die fra 
de Provins) 
>se, wel 
ungefäl 
bewundernswerthe Stammr. 
Blüthen, fast in allen bei der Rose 
Fülle bringt. 

1. Alex. Laquement; violett, panaschirt und marbrirt mit Rosa. 

2. Belle des Jardins; purpur mit violettkarmin, weiss gestreift, gross. 

3. ßoule de Nanteuil (Comte de Nanteuil); karmoisinpurpur, sehr gr. 

4. Ciceron; violett panaschirt mit ponceau. 

5. CommandantBeaucepaire; rosa, mit purpur und violett panaschirt, 
mit weiss marbrirt und punktirt, gross. 

6. Donna Sol; rothparpur mit weiss punktirt und gefleckt, mittelgr. 

7. Duc d'Enghien; Kolorit veränderlich in kirschroth und violett, 
in diesen Farben auch dunkler gestreift. 

8. Esther; rosa, dunkelroth gestreift. 

9. Fanny Bias (Fanny Parisot); blassrosa, gross, prachtvoll. 

10. Feu brillant; hell karmoisin, sehr gross. 

11. Narcisse de Salvandy; roth, weiss eingefasst. 

12. Nero; karmoisinroth mit violettblaa marbrirt, mittelgross. 

13. OeiUet flamand; weiss, rosa und rosalilla gestreift. 

14. Oeillet parfait: reinweiss, mit rosakarmoisin und purpur gestreift. 

15. Perle des Panachees; weiss, deutlich rosafarben gestreift, mittelgr. 

16. Perou de Gossart; schwarzsammtig kirschroth, Modellform. 

17. Pucelle de Perghem ; rubinroth, weisslieh umrandet, sehr schön. 



18. Seguier; purpurschieferfarben-amarautb, roth und violett punktirt. 

19. Tricolore deFlandre; weiss und karmoisin, lilla und amaranth 
gestreift. 

20. Triomphe de Düsseldorf; rosalilla, gross. 

V. Rosa hybrida. Die einmal blühende Hybride. 
Ich habe, da sich die Charaktere der versrhiedenen Landrosen 
immer mehr verwischen und in einander übergehen, eine genaue 
wissenschaftliche Eintheilung daher nicht mehr durchgeführt werden 
kann, die vier Gruppen, nämlich: die französische Hybride (R. 
Provence), die chinesische Hybride (Bengale hybride), die 
Noisette- Hybride (Hybride de Noisette) und die Bourbon- 
Hybride (Hybride des lies de Bourbon) in eine einzige zusammen 
gezogen. Die hierher gehörenden Hybriden sind etwas weichlicher 
als ihre Mutter, die französische Rose, welcher sie übrigens in vielen 
Fällen sehr ähneln und gleiche Behandlung mit ihr fordern. Sie 
sind hoch wie niedrig gezogen gleich schön und unter ihnen findet 
man die kräftigsten Säulenrosen, die schönstgefärbten Blüthen. Sie 
passen zu allen Zwecken und überdauern mit geringen Ausnahmen 
gewöhnliche deutsche Winter ohne Schutz. 

1. Boule de Neige; rein weiss, mittelgross, erscheint oft zwischen 
den Rosa alba -Varietäten. 

2. Chenedole; cochenillenfarbig, sehr gross. 

3. Coupe d'Hebe; hochrosa, gross, schön. 

4. De CandoUe; sammtig blauviolett, purpur mit Scharlachsch immer. 

5. Frederic IL; purpurviolett, gross, imponirend. 

6. Georg IV.; karmoisin mit dunkelpurpur, feurig; gross. 

7. General Lamarque; dunkelkarmoisin-purpursammtig, mittelgross. 

8. Great Western ;karmoisinscharlach mit violettpurpur. Sehr gross. 

9. Königin von Sachsen; feurig rosakarmin, gross, schön. 

10. Lady Hamilton; blauviolett, sammtartig, schön. 

11. Lady Stuart; silberrosa, gross, schön gebaut. 

12. Las Casas; karmin mit karmoisinpurpur, mittelgross, brillant. 

13. La Vaquerie; sammtig dunkel violettpurpur, gross. 

14. L'Obscurite; sammtig dunkelpurpur, gross. 

15. Madame Piantier (Alexandra Feodorowna) ; rein weiss, mittelgross, 
fast die schönste weisse Rose, die unter den albas mit ver- 
zeichnet erscheint; enorm reichblühend. 

16. Malton (Fulgens); brillantkarmoison, mittelgross, leidet vom Frost. 

17. Miaulis; violettpurpurn, dann schieferfarben, mittelgross. 

18. Nubienne; dunkelsammtpurpur mit blauviolett. 

19. Pourpre cendre; violettpurpurn mit aschgrau, prachtvoll. 

20. Prince of Wales; zart fleischfarben, gross, büsch Iblüthig. 

VL Rosa muscosa, Mill. Die Moosrose 

Gehört ihrem Ursprünge nach zu den Centifolien, mit denen sie 

auch die meisten Eigenschaften gemein hat und gleiche Behandlung 

erfordert. Die moosähnliche Masse, welche die BInmenknospen, oft 

auch Zweige und Blätter umgiebt, ist ein hinlängliches Unter- 



1. Baron de Wassenaer; lebhaft lillaroth, mittelgross, büschelbluthig. 



gut bemoost. 

4. Etüa; brillant purpnrkarmoisin, gross. 

5. Gracieuse ; dunkelpuipur-karmoisinscharl., dunkel violett schattirt. 

6. Eugene Verdier; zinnoberroth, sehr gross. 

7. Jenny Lind; rosa, klein, überaus bemoost. 

8. Princesse Adelaide; hellrosa, mittelgross, grosse Dolden. 

9. Robert Fortune; fleischfarben, violett gestreift, mittelgross. 
10. Unique de Provence; reinweiss, gross, gut bemoost. 

y\l. Rosa spinosissima, Linn. (R. pimpinellifolia). 
Die pimpinellblättrige Rose. 

Zartblättrige, dichtbuschige, niedrigwachsende, harte Rose. Die 
Varietäten sind nicht sehr zahlreich und vollkommen geeignet zur 
Bepflanzung von Felsengruppen. Auch Hochstämme dieser Rose 
sind schön und blühen enorm reich. Die BlQthen aller Varietäten 



3. Jaune double des Anglais; gelb. 

4. Marbre d'Enghien; gelblichweiss, roth 

5. Picturata; karmin, weiss bemalt und gestreift, fast die 
schönste Sorte. 

Vm. Rosa sulphurea, Ait. Die schwefelgelbgefüllte Rose. 
Ganz harte, graugrünbelaubte Rose mit Blüthen von herrlichstem 
Gelb; leider bei uns nie vollkommen aufblühend. 

1. Sulphurea plena oder Double Yellow. Prächtiges Gelb. Sehr 
gross, die Blüthen leider platzend. Die Varietät Minor oder 
Pompon jaune ist aus den Gärten verschwunden, obwohl sie 
besser aufblühte. 
IX. Rosa lutea, Willd. Die gelbe Rose, Kapuziner-Rose 
(Rosa Eglanteria, Rose Capucine). 
Ganz harte Rose, deren Varietäten schön gelb blühen. 

1. Bicolor; einfach, innen leuchtend kupferroth, aussen gelb. 
Einzige, herrliche Farbe unter den Rosen. Blüht oft gestreift, 
oft mit leuchtend gelben rothgefleckten Blumen. 

2. Double Yellow (Lutea plena); hellgelb, mittelgross. 

3. Harrisonii; lichtgelb, mittelgross, reich und frühblühend. 

4. Persian yellow; hochgelb, gross, die schönste ihrer Art. 
unter den sehr kräftig wachsenden Rosen mit kletterndem, 

zuweilen hängendem Habitus und langen peitschenförmigen Trieben 
werden folgende den Landrosen beigezählt: 

5. Rosa alpina, Linne. Die Alpen- oder Boursault-Rose. 
Ist die härteste der Kletterrosen, wenn auch nicht die schönst- 



3. Gracilis; kirschroth, mittelgross. 

4. Inermis; blassrosa, stachellos, die härteste. 

5. Old red Boursault; die alte Boursanltrose, kirschroth, gross, 
doch nur halb gefüllt. 

XI. Bosa arvensis, Sehr. Die Ayrshire-Rose (R. capreolata). 

Ausserordentlich schnell wachsende, harte Kletterrose mit 
schlanken Trieben. 

1. Dundee Rambler; Blüthen weiss, mittelgross, sehr dankbar 

blühend. 

Miller's Climber (Rubra plena); rosenfarben, gross, halbgefüllt. 

Ruga; fleischfarben, mittelgross, ist weichlich. 

"^plendeus (Myrrh. scented); blass fleischfarben. 



öplei 

Virginalis Superbissima; reinweiss. 

" Rosa multiflora, Thunb. ^' 



Kletterrosen, welche eine geschützte Lage oder Reisigdecke 
beanspruchen, um harte Winter schadlos zu überdauern. 

1. De la Grifferaie; hochrosa, dann blassrosa, ziemlich hart. 

2. Grevillei; rosa in verschiedenen Nuancen, zart, 

3. Laure Davoust; rosa, Öeischroth und weiss wechselnd; klein. 

4. Tricolor; Lillazirtes Rosa mit Weiss berandet. 

5. Russeliana; dunkellackroth, Ulla, oft weiss, wechselnd, die härteste. 
XIII. Rosa rubifolia, Brown. Die Prairie- (Michigan-) Rose 

Die brombeerblättrige Rose verlangt Schutz durch Nadelreisig 
und wächst bis 15 m hoch; ist daher zur Wandbekleidang ver- 
wendbar. 

1. Baltimore belle; weiss, fleischfarben schattirt. 

2. Beauty of the Prairies; rosenroth, weiss gestreift. 

3. Milledgeville of the Prairies; brillantkarmin. 

4. Pride of Whashington; rosa mit lilla. 

5. Queen of the Prairie; brillantrosa. 

XIV. Rosa sempervirens, Linn. Die Immergrün-Rose. 
In reichen Büscheln blühende Rose, die hochklettert und bis 
160 R. Kälte aushält. 

1. Adelaide (Leopoldine) d'Orleans; gelblich weiss, herrlich. 

2. ßanksiaeflora ; gelblichweiss, herrlich. 

3. Felicite Perpetuee; fleischfarben, in weiss übergehend. 

4. Myrianthe Renoncule; blass pfirsichroth. 

5. Spectabilis; blassrosa. 

Für Freunde kleiner und sehr kleiner, sogenannter Mioiatur- 
oder Pompon-Rosen, gebe ich hier noch ein Verzeichniss von solchen 
ganz harten Rosen, die als Einfassungspflanzon um Rosengruppen 
dienen können. 

XV. Die Pompon-Rose. 

1. Pompon blanc oder Bazard (R. alba); rosa, Rand blässer. 

2. Pompon carmin (Noisetthybride) ; karmin. 

3. LaSenlisienne (Noisetthybr.);weis8rosa,mitpfirsichfarbig schattirt. 

4. Pompon St. Fran^ois (R. gallica); hellroth. 

5 Duc de Nemours (R gallica); lillarosa, blassrosa gefleckt. 



310 



6. Pompon (de Meaux; Moosroose); blassrosa, Centnim röther. 

7. Pompou d'ÄDgers (Moosrose); röthlich-purpurn. 

8. Parviflora (R. parviflora, Ehrh., Burgunder-Röschen); dunkelroth, 
sehr klein. 

\). Rosa pulchella, Willd. (Pompon de Meaux, »Dijon, Champagner- 
Röschen); hellrosa, sehr klein. 
10. Pompou de Bourgogne ä fleurs blanches (White Burgundy); weiss 

blühendes Dijon-Rösehen , weiss, im Centrum rosa, sehr klein. 

Nebst diesen fünfzehn Gruppen mit ihren 110 Varietäten, welche 
theilweise bekannt und in den verschiedenen handelsgärtnischen 
Verzeichnissen auch zu finden sind, gab oder giebt es noch einige 
theils seltene, theils schon ausgestorbene oder blos verschollene 
Landrosenarten und Varietäten, die ich der Vollständigkeit wegen 
dennoch hier anführen muss; und zwar: 
XVI. Rosa rubiginosa, L. Die Rost-, Wein- oder Zaunrose. 

Diese ganz harte Art lieferte einige gefüllte und halbgefüllte, 

zumeist nur in Rosa blühende Varietäten, als: Celestial, Chinensis, 

Maidens Blush, Scarlett, Süperbe u. A., die alle unter gewöhnlicher 

Behandlung gedeihen, jedoch von keiner erheblichen Schönheit sind. 

XVII. Rosa cinnamomea, L. Die Zimmt-, Mai- oder 

Pfingst-Rose. 

Die gefüllte Varietät ist eine alte Bewohnerin unserer Gärten, 
obzwar jetzt fast nur noch hier und dort auf dem Lande anzu- 
treffen. Die gestreift blühende Sorte ist verschollen. Diese Rose 
ist ganz hart, ohne besondere Schönheit und es empfiehlt sie nur 
ihr so zeitiges Blühen im Jahre, da sie, neben der Pimpinellrose, 
im Mai blüht. 

XVm. Rosa villosa, Linn. Die Haar- oder Pelzrose. 

Liefert die unter dem Namen Rosenäpfel bekannten, zum Ein- 
maiihen beliebten Früchte. Die gefällten Varietäten sind nicht 
zahlreich, z. B., Ismenie, La Pomifera ä fleurs doubles, Subalba, La 
Vestale panachee, Miss Lawrence. Sie gedeihen in jedem Boden 
und in jeder Lage. 

XIX. Rosa turbinata, Ait. Die Frankfurter Rose, 
Kreisel- oder Tapeten-Rose. 

Man kultivirt nachstehende Varietäten: Valeria, La belle Rosine, 
La Rose ßabot, L'Ancelin, La Belle Victorine, L'Hermance, doch nur 
in Privatgärten. 

XX. Rosa canina, Linn. Die Hunds-Rose. 

Bekannte Wildrose, zu Unterlagen für Hochstämme die aller- 
beste. Gefüllte Varietäten sind: La Quitterie, L'Agathe toujours-vert, 
Emmeline, la petite Duchesse, Le Rosier des collines ä fleurs doubles. 
Werden nur noch in grösseren Sammlungen in Frankreich und 
England gesehen. 

XXI. Rosa rugosa, Linn. Die runzelige Rose. 

Die einfachblühende Form dieser Rose wurde unter dem Namen 
„Rosa Regeliana'' neuerdings von Japan eingeführt und die gefüllt 
blühende Varietät, unter der Bezeichnung: „Kaiserin des Nordens" 



wegen ihrer Härte hochgepriesen. In der That ist sie die härteste 
aller Landrosen, während deren Hybride: „Triomphe de Yeddo" 
unbedeckt bis /um Boden abfriert. 

XXII. Kosa Manettii, Hortul. Die Manetti-Rose. 

Eine halbgefüllte, fleischfarben-blühende Hybride dei Alpenrose, 
die mit Unrecht als Unterlage für hochstämmige Veredelungen 
benutzt wird, aber, wie die Erfahrung lehrte, strenge Winter (z. B. 
jenen von 1879 auf 1880) unbedeckt nicht überdauert. 



Auswahl von Obstsorten, 

I Anbau in den Gegenden der Niederelbe besonders eignen. 



Wir haben 75 Birnensorten, die sich als hochstämmige Kronen- 
bäume verwenden lassen, aufzuweisen. Hierunter haben gewisse 
Sorten sich eben nur in dieser Form als ertragsfähig erwiesen, 
während andere sich auch in der Pyramiden-, Spalier- und Zwerg- 
form, auf Quittenunterlage veredelt, bewährt haben. Diese sind in 
dem nachfolgenden Verzeichniss durch einen dem Namen beigefügten 
* kenntlich gemacht worden. 

Abtheilung a enthält 25 Sorten, welche als hochstämmige 
Kronenbäume den starken Frost von 1879/80 ohne wesentlichen 
Schaden ausgehalten haben und geeignet sind, die exponirten Lagen 



garter Gaisshirtenbirne 12, Muskirte Pomeranzenbirne 13, Römische 
Schmalzbirne 16, Leipziger Rettigbirne 17, Gute Graue 18, *Punk- 
tirter Sommerdorn 23, Deutsche Xational-Beigamotte 32, *Capiaumont 
35, Grüne Pfundbirne 36, Rothe Dechantsbirne 48, Grüne Tafel- 
birne 90, Grosse Rietbirne 114, *Broncirte Herbstbirne 152, Colomas 
Herbst - Butterbirne 210, Doppelte Philipp 206, Zimmetfarbige 
Schmalzbirne 209, Lübecker Sommer-Bergamotte 369, Grosser Sep- 
tember- Birn 375, Eyewood 411, Athorps Crassanne 479, Doppelte 
Bergamotte 558, Knight's Monarch 612, Desire. Cornelis. 

Äbtheilung b enthält 25, meistens grosse Frucht tragende 
Sorten, welche als hochstämmige Kronenbäume verwendbar sind, für 
die aber eine geschützte Lage erforderlich ist, um das Abwerfen der 
Früchte durch die Septemberstürme zu verhindern und die voll- 
kommene Entwicklung und Reife der Früchte zu befördern. 

*Amanlis Butterbirne Nr. 24, Holländische Feigenbirne 35, 
Prinzessin Marianne 31, Köstliche von Charneux 41,*Bosc's Flaschen- 



birne 49, Marie Louise 59, *Blumenbachs Butterbirne 60, Grumkower 
Butterbirne 62, HellmauD's Melonenbirne 65, *eerzogin von Angou- 
leme 66, *Diel 's Butterbirne 70, Chaumontel 75, *Hofrathsbirne 227 
*Pastorenbirne 240, Baronsbirne 256, *Gellerts Butterbirne '■298, 
*Neue Poiteau 303, Colmar von Mons 327. Wildling von Hery 493 
*General Tottieben 502, *Monchal]ard 673, *Clapps Favorite, *An- 
denken an den Kongress, *Grosse Louise. 

Abtheilunge enthält diejenigen Sorten, welche früh und leicht 
tragend, sieb noch als hochstämmige Kronenbäume verwenden lassen, 
aber bei geringerer Ausdehnung der Krone weniger Raum bedürfen, 
deshalb sich auch besonders empfehlen. 

*Frühe Schweizer Bergamotte Nr. 20, ^Holzfarbige Butterbirne 
33, Seckelbirne 47, Herbst-Sylvester .^;9, Napoleons Butterbirne 58. 
^orellenbirne 69, Comperette 139, *Zephirin Gregoire 160, *Winter 
menns 168, *Grüner Sommerdorn 186, *Williams Christbirne 191 
Esperens Herrenbirne 198, *Esperine 229. *Spoelberg 231, *Pfirsich- 
birne 271, Josephme von Mecheln 328, *Esperens Bergamotten birne 
-Ul, *Gute Louise von Avranches 383, *Giffards Butterbirne 443 
rSf®'"^^^^'^*^"^^^ ^^^' *Thomson 486, *Birne von Tongres 493^ 
Mdme. Treyve 544, *Rother Sommerdorn 545, *Rostizers Birne 539. 
Abtheilung d enthält eine kleine Anzahl guter Birnensorten, 
welche m unserer Gegend als freistehende Pyramidenbäume kultivirt 
werden, insofern sie das Spalier entbehren können, die aber Schutz 
und warmen Boden erfordern. Es sind folgende 15 Sorten: 
^ Leckerbissen von Angers 213, Clairgeaus Butterbirne 241, Die 
hchwesterbirne 310, Hochleine Butterbirne 400, Bacheliers Butterbirne 
401, Vereins - Dechantsbirne 408, Six's Butterbirne 425, Stevens 
benessee 465, Graslin's Butterbirne 647, Madme. Verte — , Winter- 
Dechantsbirne 77, Köstliche von Lövenjoua 225, Winter Nelis 252, 
Dechantsbirne von AleuQon 433, Oliviers de Serres. 

Abtheilung e umfasst nur gute und beste Birnsorten. die aus- 
schliesslich Spaherwand und warmen Boden erfordern, wenn der 
Baum vor Frostschaden bewahrt werden und die Früchte die völlige 
Ausbildung und Reife erlangen sollen. 

Weisse Herbst - Butterbirne 31, Graue Herbst - Butterbirne 38 
Crassanne 61, Regentin 71, Hardenpont Winter - Butterbirne 73, 
Liegels Wmter-Butterbirne 74, Späte Hardenpont 76, Neue Crassanne 
221, Graue Vi inter-Butterbirne 512, Lüitzets Butterbirne 661 

Die Mannichfaltigkeit der neueren Form, in welche der Birn- 
baum sieb ziehen und leiten lässt, gestattet seine Anpflanzung in 
den verschiedensten räumlichen Verhältnissen. Die überraschenden 
Resultate welche das auf Quittenunterlage veredelte, sogenannte 
Zwergobstbäumchen liefert, lassen dieses insonderheit für die Garten- 
anJagen innerhalb der Stadt als geeignet erscheinen, um so mehr 
als der Birnbaum überhaupt unter schädlichen Niederschlägen aus 
aer Atmosphäre weniger leidet als zum Beispsiel der Apfelbaum. 



lieber Hyazin thenhalter. 

Von Prof. Munter in Greifswaid. 

Wie den Besuchern der Winterausstellung des Vereins zur 
Beförderung des Gartenbaues erinnerlich, hatte Herr Prof. Munter 
als etwas ganz Neues, eine eigene Idee von ihm, einen Hyazinthen- 
halter aus Blech für auf Wasser in Gläsern getriebene Hyazinthen 
ausgestellt. Derselbe schreibt uns darüber, nachdem wir ihm einige 
Bedenken geäussert, die M'ährend der Ausstellung von Einzelnen 
geltend gemacht wurden: 

Es ist richtig, dass zur Stütze einer gut kultivirten Topfhyazinthe 
ein Stöck^'hen genügt: dasselbe aber bei hinreichend starker 
Entwicklung des Stengels gar nicht nöthig ist. Ganz anders liegt 
aber die Frage für den Zimmerkultivateur, den Züchter, dem ein 
Gewächshaus oder auch nur ein Düngertreibbeet gänzlich abgeht, 
der seine Freude daran hat, eine Reihe blühender Hyazinthen während 
der Frost- und Eistage in seinem Stübchen zu sehen. Ein Solcher 
züchtet entweder in Töpfen oder auf Wassergläsern. Erblüht da die 
Hyazinthe im Topf, so wählt man als billigste und praktische Stütze 
ein Holzstäbchen und bindet man den Blüthenschaft, der etwa 
vergeilter erwachsen ist, mit Raffiabast an. Züchtet man aber auf 
Wassergläsern, dann möchte ich das Kunststück ausgeführt sehen, 
wie man da ein Holzstäbchen anbrächte? Zwei meiner Bekannten 
hatten, wie ich jetzt erst erfuhr, sich bereits im vorigen Winter 
eine Stütze aus Draht hergestellt, die sie aber nach Ansicht 
meiner Konstruktion für sehr primitiv hielten und aufgaben. Es 
bleibt eben nichts übrig, um das umbiegen. Einknicken, ja Heraus- 
fallen der Zwiebeln ans den Gläsern zur Nachtzeit, wo sich die 
Blüthentrauben vom Fenster nach dem Zimmer hinein umzubiegen 
pflegen, zu verhüten, als einen Halfer beizugeben. Derselbe muss sein: 

1) So billig als möglich; denn bei 30—40 Gläsern kostet 
es doch genug, wenn auch das Stück bei Herrn Klempner Wendt- 
Greifswald für nur 30 Pf. abgegeben wird. Die Gläser kosten schon bei 
30 Stüc'c Zwiebeln 6 Mark , dazu die Halter mit 9 Mark und die 
Zwiebeln (durchschnittlich 40 Pf.) 12 M., macht in Summa 27 Mark, 
für Viele ein kostspieliges Vergnügen. Deshalb muss der Halter, 
der doch nur ein Nothbehelf ist, sehr billig sein. 

2) Derselbe muss auch haltbar sein, damit man ihn Jahre 
lang, so wie die Gläser benutzen kann. Es bleibt nur starker 
Eisendraht (Jackirt) übrig. 

3) Der Halter muss gefällige Form haben, damit die Kultur- 
pflanze allein zur Geltung kommt und nicht das Nebensächliche 
prävalirt. 

unter diesen Bedingungen und Voraussetzungen ging ich an die 
Konstruktion und wurde kräftig durch den jungen Klempnermeister 
Herrn Wen dt unterstützt. Dass die allerletzte Konstruktion, die Ihnen 
nnlackirt im Modell vorlag, von allen die Beste ist, glaube ich doch 
annehmen zu müssen, obschon mir der untere Ring bei dem Probe- 



314 



exemplar zu eng erschien. Leider Hess sich der Einsendung halber 
das Terbesserte Exenaplar nicht mehr schaffen und war ich froh, 
dass das unvollkommenere Modell in rohem Zustande fortkam. Für 
Herren, die in grossartigen Dimensionen zu wirthschaften ver- 
mögen, passte das kleine Noth- und Hülfsmittel freilich nicht. Sollten 
da kunstvollere und also theurere Hülfsmittel in Anwendung kommen, 
so könnten ja freilich Millionäre sich ganz andere Vorrichtungen 
herstellen lassen. Für uns ärmere Beamte und andere Blumen- 
liebhaber, denen Ueberfluss an Geldmangel als Erbtheil geworden ist, 
muss Alles sehr — sehr billig, einfach und doch zweckentsprechend 
sein. Jedes Charnier kostet 10 - 20 Pf. mehr! Ein Blechring zur 
obersten Stütze genügt, dieser kostet 2—3 Pfennige! 

Was nun meine Bemerkung betrifft, dass ich meine Hyazinthen 
bei Kellertemperatur in warmem Wasser tbeilweise (so auch dio 
eingesandte) kultivirte, so Latte das Manöver einen theoretischen und 
praktischen Zweck. Ich wollte mir die Frage beantworten: wie 
wirkt durch Dünger erwärmter Boden auf eine in kalter freier Luft 
(d. h. also im Garten) kultivirte Pflanze? Die Antwort lautet: sie 
fördert^ die Wurzelbildung in hervorragender Weise. Kommt dann 
gute Nahrung hinzu, so müssen die Blumen, Stengel und Blätter' 
sich in eminenter Weise entwickeln. Ein praktischer Nebenzweck 
wurde wieder für den Kultivateur beabsichtigt, dem Dfingertreibbeete, 
Warm- oder Kalthäuser nicht zur Verfügung stehen. Da leistet 
mein Wassei kästen Alles, was man wünschen kann. Der Dünger 
für ein Treibbeet kostet hier eben so viel, als der Verbrauch von 
Petroleum. Aussaaten kann ich sehr früh bewerkstelligen und 
habe für Lilium speciosum im vorigen Jahre Erfolge von höchster 
Bedeutung erzielt, an elf Zwiebeln 65 Blumen in vollster Grösse 
und Schönheit. Aber hierüber möchte ich ausführlicher in einem 
kleineu Memoire schreiben und Abbildung beigeben, falls Sie Platz 
haben für kleine Zimmer - Blumenzüchter!*) Hier in der Provinz 
giebt es viele soh^her Züchter, daher auch unser Programm für die 
Sommerausstellung dergleichen kleine Leute in's Auge fasst. Ich 
glaube, Hebung der Zimmerkultur ist ein Mittel zur Förderung und 
Hebung der Handelsgärtnereien! 



Lapageria roseaetalba und TabernaemontanaCamassa. 

Von Karl Mathieu. 

Vielfach sieht man jetzt in den Berliner Blumenläden während 
der Wmtermonate abgeschnittene Blumen der Euchaiis, Gardenia, 
Stephanotis, Lapageria etc., welche von Hamburg uns nebst den 
Kosen gesandt werden; zur Nacheiferung in der Anzucht derselben 
^ebe ich daher vorläufig eine Abhandlung über die hübsche Lapageria 
■ rosea aus der englischen Gartenschrift „The Garden" vom 23. Anril 



nglischen Gartenschrift „The Garden" vom 23. April 



— 315 — 



d. J. nebst einer Notiz derselben Zeitschrift über eine gleichfalls 
zum Schnitt geeignete Pflanze des Warmhauses, der Tabernaemontana 
Camassa, zu beliebiger Benutzung für die Herron Fachgenossen. 

Die Wirkung der Lapageria rosea und alba unter einander 
gemischt, ist reizend, da die eine der anderea hilft, ihre gegenseitigen 
Vorzüge zu zeigen. Die beste Lage für die Lapageria ist die 
schattige Wand eines Kalthauses, woselbst sie, in geeigneten Beeten 
gezogen und mit gehöriger Bodenfeuchtigkeit während der Zeit ihres 
Wachsthums versehen, ausgezeichnet gedeiht. Die Hauptsache, um 
einen Erfolg in der Kultur derselben zu erringen, ist guter Abzug, 
welcher dadurch erlangt wird, dass man ein Loch von circa 3 Fuss 
Tiefe ausgräbt und 9 Zoll bis 1 Fuss tief mit zerschlagenen Ziegeln, 
Topischerben etc. ausfüllt. Um die Zwischenräume rein und offen 
zu halten, ist es gut, die Sei icht der Scherben mit einer Lage 
irischen Mooses oder mit einer dünnen Rasenschicht von Haideerde 
zu bedecken, worauf die eigentliche Erde für die Pflanze kommt, 
bestehend in grob gebrochener Haideerde und scharfem Sand in 
hinreichender Menge, um das Sauerwerden dieser Erde zu vermeiden. 
In einem auf diese Art zubereiteten Boden, und nachdem man beim 
Verpflanzen die Wurzeln sorgfältig ausgebreitet und der Erde einen 
durchdringenden Guss gegeben, wird die Lapageria kräftig treiben. 
Um die Pflanze zu veranlassen, kiäftig zu wachsen, ist es nöthig, 
sie täglich wenigstens einmal tüchtig zu überspritzen, wodurch die 
jungen Triebe genöthigt werden, aus jedem Gelenk, sowie aas der 
Wurzel auszutreiben. Da Schnecken und Asseln den jungen Trieben 
sehr nachstellen, so müssen dieselben sorgfältig überw^acht und 
geschützt werden, was am besten durch Glascylinder geschieht, 
welche man über die Pflänzlinge stülpt; dieselben verhindern den 
Zutritt des Lichtes nicht, können leicht angewandt und, sobald die 
Triebe abgehärtet und die Gefahr vorüber, weggenommen werden. 
Die beste Zeit, die Lapageria auszupflanzen, ist Frühlingsanfang. 
Weil sie die Feuchtigkeit liebt, muss sie während der Sommer- und 
Herbstmonate gut mit Wasser versehen werden, bis ihre Blüthezeit 
vorüber ist. Um ihr eine gewisse Ruhezeit zu gönnen, muss sie 
etwas trocken während dos Winters gehalten werden, wodurch sie 
gekräftigt und veranlasst wird, mit neuer Kraft im Frühling zu 
treiben. Behufs der Vermehrung wird sie durch Ableger fort- 

nzt, indem man die einzelnen Gelenke am Boden nieder- 
weiche nach einem Jahre bewurzelt von der Mutterpflanze 
abgenommen, in Töpfe oder in der angegebenen Weise iu's freie 
Land gepflanzt werden. 

Was der Lapageria mehr als alles Andere schadet, das ist 
trockene Luft, welche Schildläuse und die schwurze Fliege erzeugt, 
die die Pflanze in kurzer Zeit verunstalten und krank machen. 
Nichts hält diese Pest besser ab, als tüchtiges Ueberspritzen ; sollten 
sie aber dennoch erscheinen, so ist Nikotinseife (also Tabakslauge 
und Seifenwasser), welche m Stärke von 4 Loth auf eine Gallone 
(4 Kannen, Liter) Wasser dieselben zerstört, ohne die Blätter zu 



gepflJ 
hakt. 



verderben, 7U gebrauchen, welches Mittel aber nur angewandt wird, 
sobald die Blätter die gehörige Festigkeit der Gewebe besitzen und 
ausgereift sind. Am schönsten machen sich die Lapagerien, wenn die 
Triebe mit den Blumen auf natürliche Weise von den Haupttrieben an 
den Sparren oder am Gitterwerk herabhängen, wo die hübschen glocken- 
förmigen Blumen zu ihrem grössten Vortheil gesehen werden. Ob- 
gleich nicht winterhart, hält diese Pflanze doch gewisse Kältegrade 
aus, und gedeiht gut in grossen Kalthäusern für Kamellien, da der 
Schatten und die Bodenbedingungen, welche für letztere gelten, auch 
von den Lapagerien verlangt wird. Ihr Vaterland ist Chili. 

Tabernaemontana Camassa. Eine der nützlichsten Pflanzen 
zur Kultur für Warmhäuser ist Tabernaemontana Camassa, ein 
Strauch aus Afrika, welcher fast das ganze Jahr hindurch eine Menge 
gardenienartige Blumen trägt, und fehlte ihm nicht der Geruch, so 



Die Blätter, welche von mittlerer Grösse und leuchtendem Grün 
sind, gereichen der Pflanze zum grössten Vortheil. Der Umstand, 
dass die Pflanze so fruchtbar ist und so ununterbrochen blüht, 
genügt, sie als Schnittblume zu empfehlen, indem eine starke Pflanze 
für massige Ansprüche hinreichend ist. In Mr. Williams Gärtnerei 
Upper HoUoway, London, wird sie viel gezogen und werden Blumen 
unarfhörlich als Sträusse und als Blumen für's Knopfloch geschnitterj. 
Die Pflanzen stehen in einem warmen und feuchten Hause, welches 
ihnen sehr gut bekommt. 



Ponte hartrain, 

das Schloss der Gräfin Guido Henkel von Donnersmark. 
Von P. Ullrich. 

Das Schloss Pontchartrain nebst Ländereien und ausgedehnten 
Waldungen ist das Eigenthum der Frau Gräfin Guido Henkel 
von Donnersmark und kann wohl zu den schönsten Besitzungen 
in Frankreich gezählt werden. Es liegt südwestlich, ungefähr 50 km 
von Paris und 30 km von Versailles im Departement Seine et Oise, 
ist von Ludwig XIV., welchem es als Jagdscbloss diente, erbaut 
und bietet daher der Bau von aussen gesehen durchaus nichts 
üeberraschendes dar. Alles, was ringsum heute das Auge so sehr 
erfreut, war damals nur ausgedehnter Wald. Im Laufe der 
Jahre ist die Besitzung in verschiedene Hände übergegangen, die 
mehr oder weniger darnach trachteten , sie zu einem angenehmen 
Sommeraufenthalt zu machen, jedoch ist erst von der jetzigen Be- 
sitzerin das Meiste zur Verschönerung gethan worden, hauptsächlich 
im Fache der Gärtnerei. Die Gärtnerei besteht aus zw^i Kalthäusern, 
drei Warmhäusern, einem Ananasbaus, zwei grossen Weintreibereien, 
emer Orangerie und dem Wintergarten, welcher den rechten Flügel 



des Schlosses bildet. Alle Glashäuser, ausgenommen eine Wein- 
treiberei, die Orangerie und der Wintergarten, befinden sich im 
Gemüsegarten. Dieser ist ziemlich umfangreich und hat sehr schöne 
und ertragreiche Form-Obstbäume aufzuweisen. Die grösste Sorgfalt 
wird auf die Parterres und den Park verwandt; letzterer ist von 
grosser Ausdehnung und hat ausserordentlich schöne Exemplare 
von Wellingtonia gigantea, Abies Pinsapo, Abies Nordmanuiana, 
Araucaria imbricata, diversen Cedern, immergrünen Sträuchern etc. 
aufzuweisen, welche auf dem gut gehaltenen Rasen durch ihr kräf- 
tiges Dunkelgrün einen schönen Kontrast hervorrufen. 

Das Ganze wird noch mehr gehoben durch einen kleinen Bach, 
welcher den Park durchschneidet und auch einige künstliche Wasser- 
fälle bildet. Dieser Bach speist zwei sehr grosse, fischreiche Teiche ; 
der grösste von diesen Teichen liegt in kurzer Entfernung südlich 
vor dem Schlosse und der Anblick der ruhigen glatten Wasserfläche, 
mit einigen Inseln unterbrochen, ist ein überraschender. In der 
äussersten linken Bucht des Teiches steht ein Schifferhäuschen im 
Wasser auf starken Pfählen, welches mit seinem Strohdache, Zug- 
brücken und Kahn recht romantisch aussieht. Nicht weit davon 
entfernt schliesst sich der sogenannte Hirschpark an, welcher eine 
beträchtliche Anzahl Hochwild enthält. Der Park ist in englischem 
Stil angelegt, doch hat die alte Kastanien -Allee ihren Platz be- 
hauptet und dokumentirt so, dass der Garten ursprünglich in 
französischem Stil angelegt war. Sie besteht aus vier Reihen alter 
sehr starker Bäume, die fast den ganzen Tag während der heissen 
Jahreszeit den Weg beschatten, daher hier auch der angenehmste 
Aufenthalt im Sommer ist. 

Der strenge rauhe Winter von 1879—80, der für Frankreich 
einen Schaden von vielen Millionen angerichtet hat, hat auch hier 
unzählige Opfer gefordert, was leicht erklärlich ist, wenn ich mit- 
theile, dass das Thermometer den 6. Dezember auf 18« C. Kälte 
sank, bei ungefähr lj(j Fuss Schnee und am 9. sogar auf 22o, was 
für Frankreich etwas ganz Ungewöhnliches ist; die Kälte hielt einige 
Wochen an, wenn auch nicht so stark wie am 9., so duch zwischen 
9—160. Daher sind alle die schönen Coniferen, wie Wellingtonien 
von 18 m Höhe, Abies Pinsapo, Cedern, Araucarien und viele andere 
seltene Gehölze von ausgezeichneter Stärke, sowie auch fast alle 
immergrünen Sträucher wie Laurus, Buxus, ja selbst Taxus, abgefroren. 
Der Stolz des Parkes, eine Glycine chinensis, von Mannesstärke im 
Stamm, welche den östlichen Theil des Schlosses vollständig bekleidete 
und Hunderte von Blüthen alljährlich brachte, ist auch bis auf die 
Wurzel abgefroren; selbst der widerstandsfähige Epheu, welcher die 
Wände des Schlosses und der anderen Gebäude so schön zierte, ist 
dahin. Doch war der Winter mit diesen Opfern noch nicht zufrieden, 
er forderte mehr; ausserordentlich starke Bäume von Paulownia, 
Juglans, Catalpa, Acer platanoides, selbst die gewöhnliche Kastanie 
und Eicbe unterlagen seiner Wucht und viele junge kräftige Bäume, 
welche dem Winter widerstanden, wurden durch die Frühjahrsfröste 



noch vernichtet. Merkwürdig ist es, dass Liliodendron und Platanen 
sich gut erhalten haben. 

Noch sei es mir gestattet, einige Bemerkungen über die Parterres 
zu machen. Dieselben liegen auf der Südseite des Schlosses und 
zwar einige Fuss tiefer als das Schloss, im amerikanischen Stil, von 
einer halbschrägen Böschung eingefasst. Fast alle Jahre werden 
neue Zeichnungen, sowohl auf der Böschung wie unten angebracht 
und sind es Tausende von Pflanzen, die alljährlich angezogen werden, 
um alle Gruppen zu bepflanzen. Unter allen Gruppen aber zeichnen 
sich die gräflichen Wappen mit Krone, deren es vier sind, am meisten 
aus: in diesen Wappen sind die ''rei Buchstaben „BHD" künstlich 
in einen verschlungen angebracht, und die Farben der Pflanzen so 
gewählt, dass jeder Buchstabe doch deutlich zu erkennen ist. 

Der botanische Garten zu Breslau im Jahre 1881. 

Von Prof. Dr. H. R. Göppert. 

Die angewandte Botanik. 

In der Verwaltung unseres Instituts habe ich ausser den dem 
Unterricht und der Wissenschaft an und für sich gewidmeten 
Sammlungen und Anlagen auch praktischen Richtungen zu entsprechen 
gesucht, wie der Medizin und Pharmazie durch eine möglichst voll- 
ständige Sammlung offizineller Gewächse, der Forstwissenschaft durch 
ein zum Theil im Freien aufgestelltes dendrologisches Museum und 
der Oekonomie durch Kulturen der zu ihren Zwecken dienenden 
Gewächse. Seit Jahren befinden sich fast sämmtliche in Mittel- 
Europa im Freien zu kultivirende einjährige Getreide, Gemüse, auch 
wohl technisch nützliche Gewächse im Mittelpunkte des Gartens, 
kenntlich durch höhere und mit Nachweisungen verschiedener Art 
(wie Heimath und Kulturland) versehene Etiquetten; fast alle von 
kulturhistorischem Interesse : 

a. Von Getreidepflanzen: Phalaris canariensis L., Kanarien- 
gras, Süd-Europa. Panicum italicum L., itaiienische Hirse, kultivirt 
in Süd-Europa, Australien, Indien. Penicillaria spicata W., Benitsche 
der Araber, kultivirt in Algier, Spanien, Ostindien. Panicum ger- 
manicum L., kultivirt in Mähren, der Lombardei. Eleusine Tocusso 
Fres., in Abessynien. Digitaria sanguinalis Scop., Bluthirse, kultivirt 
hier und da in Europa, Asien, Amerika. Eleusine stricta Roxb., 
Hirseart, kultivirt in Malakka. Eleusine coracana Gärtn., Hirseart, 
wild und kultivirt in Ostindien. Avena sativa L., Hafer, wohl 
ursprünglich europäische Brotfrucht. Seeale cereale, Roggen, kultivirt 
im nördlichen Europa. Hordeum hexastichum L., sechszeilige Gerste, 
kultivirt in Egypten. Hordeum distichum L., zweizeilige Gerste, 
kultivirt in Egypten. Hordeum jubatum L., Nord-Amerika. Hordeum 
mandschuricum L., Mandschurei. Hordeum vulgare L., die gemeine 
Gerste, kultivirt in Nord-Europa, Nord- Asien, Nord- Amerika. Triticum 
dumm L, Bartweizen, Süd -Europa. Triticum 






Wunderweizen, kultivirt in England und Süd- Europa. Ceratochloa 
australis Spr., kapisches Futtergras, Kap der guten Hoffnung. 
Triticum monococcum L., Einkorn, Kusseme der Bibel, einst iu 
Syrien und Arabien. Triticum polonicum L., polnischer Weizen, 
Südeuropa. Triticum vulgare L., Weizen, Kap, Chile, kultivirt 
in Europa, in England, im mittleren Europa und der südlich 
gemässigten Zone. Triticum turgidum L., Weizen der egyptisehen 
Gräber, kultivirt in Baden und der Schweiz. Triticum Spelta L., 
kultivirt im südlichen und südwestlichen Deutschland; aus Meso- 
potamien, Persien. Sorghum saccharatum Poir. , chinesisches 
Zuckerrohr. Sorghum vulgare Poir., Kaifern- oder Mohrenhirse, 
Durra der Araber, kultivirt in Afrika, Australien, Ostindien. Zea 
Mays L., Mais, wichtige Brodfrucht der neuen Welt, tropisches 
Amerika. Chenopodium Quinoa W., Kinoa-Hirse, kultivirt in Chile, 
Peru und Neu -Granada. Polygonum cymosum L., perennirender 
Buchweizen. Polygonum Fagopyrum, Buchweizen, Nordosten China's. 
Polygonum tataricum Gärtn., Buchweizen, Nordosten China's. Ein 
Theil der hier genannten Getreidearten ist aufgestellt im 
i des botanischen Gartens. 

b. Hülsenfrüchte: Dolichos Lablab L., Lablab, Egypten, Ost- 
indien. Dolichos Catjang L., Hauptnahrungsmittel Ostindiens. Soja 
hispida Mönch., Sojabohne, China und Japan. Ervum Ervilia L., 
Zwergwicke von Theben, in Süd -Europa. Ervum Lens L., Linse, 
wild in Süd- Europa, Russland, Kaukasus. Ervum monanthos L., 
Wicklinse, Süd-Europa. Cicer arietinum L., Kichererbse, kultivirt 
in Süd -Europa und dem Oriente. Lathyrus sativus L., spanische 
Platterbse, Süd- Europa. Vicia Faba L., Ackerpferdebohne, Haupt- 
nahrungsmittel der antiken Welt. Pisum maritimum L., Erbse, 
Europa, Sibirien. Pisum abyssinicum L., abessinische Erbse. Pisum 
sativum L., Erbse, Ufer des Schwarzen Meeres. Phaseolus coccineus 
Lam., türkische Bohne, Westindien. Phaseolus Mungo L., nächst 
Reis das Hauptnahrungsmittel für Ostindien. Phaseolus vulgaris L , 
Schmuckbohne, kultivirt auf der ganzen Erde, Westasien. 

c. Futterpflanzen: Spergala maxima Weihe, grosser Acker- 
spark, Europa. Spergula arvensis L., kleiner Ackerspark, Europa, 
Ostindien. Melilotus vulgaris Willd., weisser sibirischer Steinklee, 
Europa. Melilotus officinalis L., gelber Riesenklee, Steinklee, Europa. 
Trifolium incarnatum L., Inkarnatklee, Europa. Omitbopus sativus L., 
Serradella, Süd-Europa. Vicia sativa L., Futterwicke, Europa. 

d. Oelpflanzen: Cannabis sativa L., Hanf, Persien. Linum 
usitatissimum L., Flachs, Lein, Leinölpflanze, Europa, Asien. 
Camelina Sativa L., Leindotter, Oelpflanze, Mittel- und Süd-Europa. 
Brassica Napus L., Raps, Rapsöl, Brennöl, Süd- Kuropa. Madia 
sativa Molin., Chili, Oelpflanze. 

e. Färbe- und Gespinnstpflanzeu: Cannabis sativa L., 
Hanf, Werg, Persien Linum usitatissimum L., Lein, Flachs, Asien, 
Europa Polygonum cymosum Ti., Indiaco, Ostindien. Polygonum 
tinctorium L.,* Färberknoterich, Indigo, China. Dipsacus fuÜonum 



L., Weberkarde, Süd-Europa. Reseda lutea L., Reseda luteola L., 
kleiner und grosser Wau, Färbepflanzen Sida Abutilon L , afrika 
nischer Hanf, Nord-Afrika. Sida mollis, peruanischer Hanf, Peru. 
Sida tiliacea L., asiatischer Hanf, Ostindien, 

f. Gemüseund anderweitigtechnisch wichtige Pflanzen: 
Beta vulgaris L., Runkel, Zuckerrübe, Griechenland, Kanaren. Beta 
vulgaris silesiaca, Zuckerrübe. Amavantus oleraceus L., in Ostindien 
heimisch und kultivirt. Solanum Lycopersicum L., Liebesäpfel, 
Süd -Amerika. Solanum Melongena L., Eierpflanze, Süd-Amerika. 
Sium sisarum L., Zuckerwurzel. Goldbachia torulosa L., Persien. 
Brassica Rapa L., Wasserrübe, Süd -Europa. Raphanus sativus L, 
Rettig, Radieschen, China. Raphanus caudatus L., Gemüse in China 
unter dem Namen Mugri. Sinapis alba L., weisser Senf, Süd-Europa, 
Sinapis nigra L , schwarzer Senf, Süd-Europa. Sinapis chinensis L., 
kohlblättriger Senf, China. Sinapis juncea L., liefert den Senf von 
Sarepta. Portulaca oleracea L., Portulak, Süd -Europa. Nicotiana 
Tabacum L., Amerika. N. rustica L., Bauerntabak. N. macro- 
phylla L., grossblätteriger Tabak. 

Von den anderweitigen neueren und noch zu treffenden Anlagen, 
wie den forstbotanischen, paläontologischen u. s. w., soll später die 



Was wurde zur Zeit Kaii's des Grossen in den Gärten 
gebaut? 

Wir erhalten darüber nähere Auskunft in den sogenannten 
Capitularien Karl's des Grossen. In dem Capitulare de Villis Im- 
perialibus*), das ich nachstehend, soweit es hierher gehört, über- 
setze, heisst es: 

Wir wollen, dass im Garten seien alle Kräuter, d. h. Lihe, 
Rose, Bockshornklee (Trigonella foenum graecum), costum (Krause- 
münze), Salbei, Raute, Eberreis (Artemisia Abrotanum), Gurken, 
Melonen [?] (pepos), Kürbisse (Cucurbitas), Fasiolum (schwerlich 
Phaseolus vulg., Vietzbohnen, sondern eher Lupinen), Garten- 
kümmel (ciminum), Rosmarin, Wiesenkümmel (careium), italienische 
Kichererbsen, Scilla, Gladiolus, Estragon, Anis, Coloquinten(!), sol- 
sequiam (wird als Heliotrop übersetzt? W.), ameam oder cymium 
aethiopicum (ob Cuminum cyminum ?}, silum (nach den Herausgebern 
der Monumenta Germ, vielleicht Seseli Massiliense, ein mystisches 
Kraut, wohl eher Siler trilobum Scop., Rosskümmel, oder Laserpitium 
Siler L. = Ligusticum garganicum Ten. — W.), Salat, Schwarz- 
kümmel, weisser Senf, Brunnenkresse, parduna (wohl Lappa tomentosa 
Lmk. = Aretium Bardana Willd), puledium (wird als Flöhkraut, 
also Pulicaria übersetzt, ob aber nicht vielleicht eher Mentha Pulegium 
gemeint ist? W.), olisatum (wird als Rosseppich übersetzt; ob 

*) Pertz, Monumenta Genaaniae. Legum I,, pag. IbO. 



Wasserfenchel, Oenantlie aquatica Link? W.) Peter<i!io Solleii^' 
Liebstüokel (Levisticani), Sadebauni. Dill, Yviu-M CU-\umou Dlvi-un 
(Dictamiius albus), Senf, ßohnenkrant. sisiinl)iinm avinl als r.rniiiiPii- 
kresse übersetzt), Münze (meiitam), mentnstriim (ul) KniusemüDzc '•') 
Rainfarn, Katzenmünze, febrefnsiam (wird als klcini-s Tausejid- 
güldenkraut und auch als Fielicrwur/ iihcrsctzt oh Mcnviniii -^ 
trifoliata?), Mohn, Beete, vulgi-ina (als iirisohvurz ül»ers,"t/"t'? W.) 

Erdbeerspinat, Kohlrabi. Kobl. ZwiobJln (unioiies)' ' S.'iiPiitVmrli" 
Porrc, Retti- oder Radieschen (radieosl, Selialotten Zwiebel.,' V.m)-,.^" 
Lauch, warentiam (wird als Kletten übersetzt), Karde, ^ros^i 
Bohnen (faba majores), Erbsen (pisos Mauriscos), Coriander. Korlx-l 
lacteridas (wird als Sprin-iwurz übersetzt, wohl eher eine Sab.t- 
oder Endivienart. W.), sclareiam (wohl Salvia Selarea L.), Muskat «Ml. 'r 
Salbei, und jeder Gärtner habe über seinem Hause Jovis barbani 
(wird als Hauslauch übersetzt). 

Von Bäumen wollen wir, dass vorhanden seien: Apfelbänme 
verschiedener Gattung, Birnbäume verschiedener Gattung, Pllauraeu- 
bäume verschiedener Gattung, Ebereschen, Mispeln,'" Kastanien 
Pfirsiche verschiedener Gattung, Quitten, Haselnüsse, Mandeln,' 
Maulbeerbäume, Lorbeern, Pinien (pinos), Feigen, Wallnüsse, Kirschen 
verschiedener Art. Die Namen der Aepfel (sind) : gozmaringa (Ros- 
marin-Apfel), geroldinga, crevedella, spirauca, süsse (und) sauere, 
alle servatoria (wird übersetzt: den Winter über dauernd) und (auch) 
sogleich zu essen (subito commessura). Nun folgt eine Stelle, um 
die sich schon viele Uebersetzer vergeblich bemüht: primitiva Pera- 
riciis servatoria trium et quartum genus, dulciores et cocciores, et 
serotina. Die Herausgeber vermuthen, dass es heissen soll: pira- 
pira servatoria ferant trium und quartum genera sunt, 
"^" "^ --'--^ et serotina. Dies würde zu übersetzen 
welche Dauerbirntn tragen, giebt es 3—4 
Arten, sowohl Tafel- wie Kochbirnen und späte. — (Man könnte 
auch wohl die ursprüngliche Stelle, ohne sie zu ändern, so über- 
setzen: Von frühen Birnen, die dauern können, sind 3—4 Arten, 
Tafel- und Kochbirnen, ausserdem giebt es späte. W.) 

Wie man sieht, sagt Karl der Grosse: Wir wollen, dass vor- 
handen sei etc. Damit ist unserer Meinung nach noch nicht gesagt, 
dass wirklich alles Aufgeführte bereits in Deutschland gebaut wurde 
Italienische Kichererbsen, Meerzwiebeln (Scilla), Lorbeern und Mandeln, 
dürlten scliwerlich in Deutschland damals schon gebaut sein, wenn 
man nicht an Gewächshäuser denken will; es scheint eher, dass 
Karl der Grosse südliche Gärten mit zum Vorbilde nahm. Oder 
wir müssten annehmen, dass damals das Klima in Deutschland 
wärmer gewesen, was aber mit unseren Anschauungen nicht stimmt 
obwohl bekanntlich der Wein viel weiter im Norden gebaut wurde 
als jetzt und von Tabernaemontanus sogar Coloquinthen als hier 
und da kultivirt erw^ähnt werden. 



Erleichterungen für den Pflanzen-Import nach 
Oesterreich -Ungarn. 

Der Verein erhielt folgendes Schreiben: 

„Berlin, den 9. Juli 1881. 

Im Verfolg meines Erlasses vom 18. Januar d. Js., betreffend 
die Stellung Oesterreich - Ungarns zu den auf den Pflanzen - Import 
bezüglichen Vorschriften der internationalen Reblaus - Konvention, 
tbeile ich dem Verein als das Ergebniss der inzwischen mit der 
österreichisch-ungarischen Regierung bezüglich dieser Frage gepflo- 
genen Verhandlungen Nachstehendes ergebeost mit. 

Laut der Erklärung der genannten Regierung sind Gesuche um 
die Bewilligung zur Einfuhr von Pflanzen nach den im Reichs- 
rathe vertretenen Königreichen und Ländern an das K. K. 
Ackerbauministerinm in Wien zu richten. Die gedachte Bewilligung 
wird, sofern ein im Sinne der Pylloxera - Konvention ausgestelltes 
Ursprungscertificat vorgelegt, ferner das Einbruchszollamt, die Bezeich- 
nung der Sendung und deren Adresse angezeigt wird, lediglich unter 
der Bedingung ertheilt, dass der bezüglichen Sendung keine Reben 
oder Rebenbestandtheile beigepackt werden. 

Eine Beschränkung der Einfuhr über bestimmte Zollämter findet 
nicht statt, und die Einfuhr wird selbst in Fällen gestattet, wo die 
konventionsmässigen Bedingungen hinsichtlich der Verpackung, ins- 
besondere der Befreiung der Wurzeln von Erde nicht erfüllt sind, 
jedoch nach den konkreten Umständen der Verdacht einer Infektion 
ausgeschlossen erscheint. 

Die Einfuhrbewilligung für die nach Ungarn bestimmten 
Pflanzensendungen wird dagegen an die weitere Bedingung geknüpft, 
dass die Wurzeln der Pflanze ohne Erde verpackt sind. 

Ich stelle ergebenst anheim, den Herren Unterzeichnern der 
mit der Eingabe vom 2. Dezember v. J. eingereichten Denkschrift 
von dem Inhalt dieses Bescheides Mittheilung zu machen. 
Der Staatssekretär des Innern. 
In Vertretung: Eck." 



Besichtigung 

des Yersuchsgartens und der städtischen Parkanlagen in Treptow. 

Am Dienstag, den 21. Juni, dem Tage des 59. Bestehens des 
Vereines besichtigte der Verein zur Beförderung des Gartenbaues 
mit Damen und Gästen zunächst den Versuchsgarten der Berlinischen 
Gartenbaugesellschaft „Versuchsgarten" bei Treptow\ Seit der Zeit, 
wo der Verein selber diesen Garten aufgegeben, ist er bekanntlich 
durch gedachte Gesellschaft weiter geführt worden und hat sich im 
Laufe der Jahre schon recht vervollkommnet. Ein reiches Rosen- 
und Päoniensortiment, viele Alpinen, Annuelle und Stauden, Erd- 



beeren, hochstämmige Stachelbeeren und Formbäume, sowie Blütheu- 
sträucher bilden den Haiiptbestandtheil. Unter den Alpinen sind zu 
nennen: Helipterum Sandfordi, Campauula retrorsa, Gnaphalium 
foetidum, G. decurrens, Fenzlia dianthifolia , Xemesia floribunda, 
Antirrhinum rupestre, Geum coccineura atrosanguineum fl. pl , Li- 
naria reticulata aurea purpurea, Chamaepeuce gnaphalioides , Iberis 
gibraltarica, Sedura pallidum verum. Von anderen Pflanzen: Chei- 
ranthus maritima, Mimulus giganteus (verdient kaum diesen Namen), 
Campanula medium striata, Phlox „Kaiser Wilhelm", sehr hübsch, 
gestreift, Clintonia pulchella etc. Unter den Erdbeeren fand sich 
die von Herrn J. Klar gezogene „Kühnemann's Fleiss", eine Monats- 
erdbeere ohne Ranken, die viele und verhältnissmässig grosse Früchte 
bringt. Die Erdbeerschoner von Heinemann, zwei ausgebuchtete 
Ziegelsteinplatten, die um die Stöcke gelegt werden, damit die Beeren 
nicht den Boden berühren, erschienen den Fachmännern weniger 
zweckmässig als Lohe, da sie sich so sehr erwärmen. Als niedrigste 
und doch reich tragende Erbse wäre „Wunder von Amerika" zu 
nennen, von Kleearten ein Trifolium rubens fl. albo. Prächtig 
machte sich eine Pyramidenrose, ßosa florida fl. pl., die zu den 
Prairierosen gehört und zahlreiche, ganz ausserordentlich grosse 
Rosen trägt. Herr Stadtbaurath Gerstenberg hatte ein im Zimmer 
gezogenes Agapanthus, Frau Fabrikbesitzer Be ermann ein desgl. 
Ligustrum japonicum in Blüthe aufgestellt. 

Nachdem man sich bei dem stellvertretenden Vorsitzenden, 
Herrn Mosisch jun., verabschiedet hatte, der in liebenswürdigster 
Weise in Gemeinschaft mit Herrn Axel Fintelmann die Führung 
übernommen (der Vorsitzende, Herr Baurath Gerstenberg, war 
verreist), begab man sich unter Leitung des Herrn A. Fintelmann 
nach den städtischen Parkanlagen bei Treptow und nahm hier 
besonders den grossen wahrhaft malerisch kontourirten See, der 
ca. 3,25 ha gross ist und den grossen, etwa eben so viel Raum 
einnehmenden Spielplatz, der für die Berliner Schulen bestimmt ist, 
sowie die Pflanzungen in Augenschein. — Ein gemeinschaftliches 
Abendessen, an dem auch viele Mitglieder der Gesellschaft „Versuchs- 
garten" mit ihren Damen Theil nahmen, beschloss den Tag, der 
namentlich die Erinnerungen an Gustav Meyer, den eigentlichen 
Schöpfer jener Parkaulagen, wieder recht lebhaft wachgerufen, aber 
auch dargethan hatte, dass der jetzige Garten -Direktor der Stadt 
Berlin, Herr Mächtig, getreu im Sinne seines grossen Meisters 
fortarbeitet. L. W. 

Die Hamburger Ausstellungshalle. 

(Mit vier Abbildungeu.) 

Ein lang gehegter Wunsch des Gartenbauvereins für Hamburg, 
Altena und Umgegend geht bald in Erfüllung: ein so zu sagen 
eigenes Ausstellungsgebäude wird ihm zu Theil, das durch eiue 



— 326 — 

grosse Ausstellung am 14. September d. J. eröffnet werden soll. 
An diesem Tage wird voraussichtlich Se. Majestät der Kaiser in 
Hamburg anwesend sein und durch seioe Gegenwart dem Feste einen 
ganz besonderen Glanz verleihen. Schon seit mehreren Jahren haben 
die Gärtner Hamburgs eine grosse Summe (ca 80 000 Mark) zum 
Bau eines Ausstellungsgebäudes, Gartenliebhaber etwa eben so viel 
gezeichnet, 100 000 Mark gab die Stadt Hamburg als den noch 
vorhandenen Ueberschuss der internationalen landwirthschaftlichen 
Ausstellung in Hamburg von 1863, durch Private wurden schliesslich 
noch 100 000 Mark zusammengebracht, so dass jetzt ein Fonds von 
360 000 Mark vorhanden ist, während der Bau selbst 400 000 Mark 
kosten soll; die noch fehlenden 40 000 Mark sind vorläufig auch 
schon gedeckt. Die eingezahlten Gelder sollen mit 4 pCt. verzinst 
werden, und da schon für das erste Jahr 30 000 Mark Mieths- 
emnahmen gesichert sind, so erscheint das Unternehmen ein sehr 
gesundes Die Stadt gab den Platz unentgeltlich, er liegt unmittel- 
bar vor dem Dammthor, auf der sogenannten „Moorweide", in nächster 
Kähe des botanischen und zoologischen Gartens, sowie der durch 
ihre schönen Villen bekannten Ortschaften Hoheluft, Eimsbüttel, 
Pöseldorf, Harvestehude und Eppendorf, kurz, in der fashionablesten 
Gegend und von allen Stadttheilen zu erreichen. 

Aus der Initiative des Hamburger Gartenbauvereins hervor- 
gegangen, ist das Unternehmen allmählich zu einem allgemeinen 
städtischen geworden. Der Hamburger Senat hat eine besondere 
Kommission für die Ausstellungshalle eingesetzt, welche aus folgenden 
Personen besteht: der präsidirende Bürgermeister Dr. Kirchen- 
pauer, Senator Dr. Lehmann, Finanzdeputirter Robert Martin 
Sloman, James E. Ma.t Donald, Henry Bieber auf Tatenberg 
(letztere Beiden als Mitglieder des Komitee's für die landwirthschaft- 
Ijche Ausstellung 1863), G. E. Lembcke, Präsident der Patriotischen 
Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe 
und als Mitglieder des Gartenbauvereins, dessen Präsident Herr 
Konsul F. Laeisz und dessen Schatzmeister Herr Ad. Spihlmann. 

Die Kommission hat bekanntlich einen Theil des in Glas und 
Eisen erbauten Pariser Ausstellungspalastes von 1878 angekauft, wird 
diesen aber in einer ganz anderen Form aufstellen, wie das durch 
die nachstehenden Pläne, die wir der Güte der Kommission für die 
Ausstellungshalle verdanken, ersichtlich ist. Das überwiesene Terrain 
hat einen l^lächeninhalt von 40 000 qm, das Gebäude selbst wird in 
form eines griechischen Kreuzes errichtet, wie beifolgender Grundriss 
zeigt: in der Mitte erhebt sich ein hoher Kuppelbau, von dem vier 
gleich grosse Flügel abgehen. Die Höhe der Kuppel beträgt im 
Innern 44 m, die Breite nach allen Richtungen ca. 36 m, jeder 
Hugel hat 30 m Länge, 3(i m Breite und 25 m Höhe. Die Länge 
cies ganzen Gebäudes beträgt nach beiden Richtungen 96 m und 
bedeckt dasselbe einen Flächenraum von 6000 qm. 




1 



328 



Von Morgens liiih vier Uhr an bis Abends neun üfar wird jetzt 
gearbeitet, um noch rechtzeitig- fertig zu werden. Der Aufbau wird, 
einer direkten Nachricht aus dem Schoosse der Kommission zu Folge, 
nunmehr, nachdem die Vorrichtung und Vernietung der einzelnen 
Eisenstücke beendet, sehr rasch fortschreiten und steht die Auf- 
stellung der Eisenkonstruktion für die Kuppel bis Ende Juli bevor, 
die der Flügel erfolgt dann sehr schnell, da sie viel weniger 
Schwierigkeiten bietet. Die Aufstellung der Eisenkonstruktion ist 
den Civil- Ingenieuren Hennicke & Goos in Hamburg übertragen, 
welche auch den Abbruch in Paris beauf^^iehtigten und dort eine 
sorgfältige Bezeichnung jedes Stückes vornehmen Hessen, welche 
iiumnehr die Aufstellung so sehr erleichtert. Mit dem Bau selbst 
Omission beauftragt die Ardiitekteu Kirchen- 



pauer <5c, 
Höhe herj 



JJie Aussicht von den schon jetzt in voller 
ergestellten Gerüsten giebt ein Bild von der wunderbaren 
n, die sich später von der Spitze des Gebäudes nach allen 

lULuiuugen hin, speziell über die nahe gelegene Alster und über die 

eleganten Stadttheile bieten wird. 



Aniorphophallus Lacourii Linden et Andre. 

(Hierzu eine Abbildung.) 

Knollen ruudlich, fest, proliferirend , Blätter glatt; Blattstiel 
aufrecht, zylindrisch, zart gestreift, gefurcht, weisslich oder rosa mit 
olivengrünen Flecken; an der Spitze (in dem beobachteten Exemplare) 
in Blattstielchen ausgehend, die oben gerinnt sind und die Segmente 
tragen. Blattsegmente sitzend, eilanzettlich, zugespitzt, an der Basis 
ungleichseitig verschmälert, nicht herablaufend, oben tief grün, mit 
weissen Flecken untermischt. Mittelrippe etwas eingesenkt, Nerven 
geüedert, parallel-gebogen, unten blasser, die vorragende Mittelrippe 
gestreift. Blüthen unbekannt. Auf der Insel Phu-quoc (Cochinchina) 
lebend gesammelt von Contest-Lacour 1872 (E. Andre in Illustration 
horticole 1878, S. 90, col. tab. 316). 

Die beifolgende schwarze Abbildung, die wir von Herrn Linden 
erhaltfii, giebt nur einen schwachen Begriff von der Schönheit dieses 
Amorphophallus, der sich namentlich durch die zahlreichen weissen 
!■ locke auf den Blättern, die au manche Dipffenbarhien erinnern 
uiid sein glänzendes freudiges Grün auszeichnft Von seinen Ver- 
wandten, z. B. A. lüvieri, der ebenfalls aus (,'orhiüchina siaramt 
nnters.-heidet er sich auch durch die Form der Segmente. Diese 
smd sitzend, eilanzettlich, zugespitzt, an der Basis ungleichseitig 
verschmälert und nicht herablaufend. — Contest-Lacour war 



„botaniste horticulteur" des französisch en Gouvernements in Indien 
Da die Blüthen noch nicht bekannt, so lässt sich über die sicher( 
Stellung der Pflanze noch nichts sagen. 




hen BhittpfUinze beträgt 



Johann Iflaria 1Illcl(''l>raiiclt i. 

Unser verehrtes korrcsj>()a<lireji.les Mitglied, iler Afrikii - Roisoailc 
Johann Miiria llihlebrandt erlüg am 23 Mai d. J in Autananariva. 
der Hauptstadt Madagascars, nach langem Leiden dem morderisclien 
Klima jener Insel. Das Teloirramiii , welches am t Juli d J Mm San.si}):u- 
aus der Kgl. Akndemie der Wissenschaften zu Berlin die Unglücksbotsohatt 
überbrachte, lautet: ,,IIiidobrandt todt Tananari\a 20. Mai, Ebenau." 



Da das Telegramm von Herrn Ebenau, dem Verweser des deutschen 
Reichs consulats in Tamatave auf Madagascar unterzeichnet, da femer Datum 
und der Ort des Todes genau angegeben, so ist der Tod Hildebrandts nicht 
mehr zu bezweifeln. Die Nachricht traf die Berliner Freunde um so uner- 
warteter, als die beiden letzten Briefe des Reisenden, welche fast gleichzeitig 
Ende April in Berlin eintraten uad von welchen der erste von Soheräno in 
Betsüeo vom 25. Januar 1881 und der zweite von Ankafina (21» 8' s. B., 47" 
47' östl. L. V. Gr., 1264 m ü. d. M.) vom 23. Februar 1881 datirt ist, nicht 
das Geringste von Unwohlsein oder Krankheit des Reiseaden erwähnten, viel- 
mehr ausdiücklich die gute Gesundheit desselben hervurhoben. Auch der 
Humor, mit welchem jene Briefe geschrieben, lässt nur den Schluss auf völliges 
körperliches und geistiges Wohlbefinden des Reisenden zu. Genaueres über 
das Ableben des Reisenden und seine letzten Tage ist zur Zeit nicht bekannt 
und dürften Nachrichten darüber erst in Wochen o ler vielmehr Monaten 
bekannt werden. Indem wir uns darüber weitere Nachrichten für unsere 
Leser vorbehalten, geben wir im Folgenden eine kurze Skizze über Hilde- 
brandt und seine früheren Reisen. 

Johann Maria Hildebrandt wurde am 13. März 1847 zu Düsseldorf 
geboren. Sein Vater war der berühmte Portrait- und Historienmaler an der 
Düsseldorfer Maleracademie, Professor Theodor Hilde brandt. Unser Reisender 
besuchte zunächst das Gymnasium seiner Vaterstadt, später trat er in das 

Sprachen, deren Studium er mit besomlerem Eifer oblag. Auf Wunsch seines 
Vaters trat er dann in eine Maschinenbau- Anstalt ein, verlor aber in Folge 
einer Explosion sein rechtes Auge. Nur langsam genas er, widmete sich 
dann der Gärtnerei und war iu diesem Fache zuerst in der Schlossgärtnerei 
zu Benrath, später iu den botanischen Gärten zu Halle a. S. und Berlin 
thätig. Im Herbste 1871 verliess er seine letzte Stellung, um sich für seine 
erste Reise nach Afrika vorzubereiten. Die erste Reise umfasst die Zeit vom 
2 März 1872 bis 4. September 1874. Hildebrandt reiste über Aegypten, 
durch das rothe Meer nach Aden, besuchte auf dieser Tour die Städte 
Geddah und Hodeidah, kehrte dann nach Massaua zurück und bereiste im 
Anschlüsse an Munzinger's Expedition Abessinien. Im Oktober 1872 nach 
Massaua zurückgekehrt, besuchte er die Danakilländer und ging dann nach 

berührte er die Somali-Stäute Berbera, Bulhar und Lasgori, sowie die Berg- 
ketten des Ahl und den Yafirpass, die Heimath des Weihrauchs, der Myrrhe, 
der Aloe und des Drachenbaumes. Abermals nach Aden gelangt, unternahm 
er eine Erholungsreise nach Kurra'schi (Kurrachee) in Ostindien, um sich 
dann im Jut.i 1873 über Aden nach Sansibar, in sein eigentliches Forschungs- 
gebiet zu begeben. Hi r durchforschte er die Insel Sansibar, die gegenüber 
liegende Küste, besonders das Gebiet zwischen den Flüssen Wami und 
ivingani*) Durch Aviederholte Fieber geschwächt, kehrte er dann im August 
1874 nach Europa zurück. Ilildebrandt's Aufenthalt in Europa währte vom 



— 331 — 

4 September 1874 bis 27. Januar 1875. In dieser Zeit hatte er einen schweren 
Verlust zu ertragen, denn am 29. September 1874 starb ihm sein Vater. 
Die zweite Reise Hildebrandt's umfafst die Zeit vom 27. Januar 1875 
bis 13. November 1877. Hildebrandt begab sich zunächst nach Aden, von 
wo aus er seine 4. Reise nach dem Somallande unternahm, der gefahrvollsten, 
nicht nur für Hab und Gut sondern auch für Leib und Leben, Die Reise 
dauerte ca. einen Monat. Hildebrandt drang von IMeid aus bis in das Gebiet 

rauchs und der Myrrhe aufzufinden. Vom Somallande nach Aden zurück- 
gekehrt, begab sich Hildebrandt tun in sein altes Stan!<iuartier Sansibar, 
liess dort den grössten Theil seines Gepäckes zurück und fuhr nacli der 
Comoren- Insel Johanna. Drei Monate lang (Juni bis August 1875^ hat er 
diese Insel durchforscht und reiche Beute, besonders auch in botanischer 
Bezieiiung, lohnte sein Streben. Im Sejjtember 1875 nach Sansibar zurück- 
gekehrt, trachtete Hildebrandt eifrig darnach, seinen längstgehegten Wunsch, 
die Schneeberge Ostafrikas, besonders den Kenia zu untersuchen, auszuführen. 
(Fortsetzung folgt.) 

Carl David Boiiche. 

Am 1. Juli d. J. feierte der KgL Garten-Inspektor Carl David 
Bouche, Inspektor des Kgl. botanischen Gartens zu Berlin, den Tag, 
an welchem er vor 50 Jahren als Gehälfe in denselben Garten eintrat. 
Von allen Seiten wurden ihm bei dieser Gelegenheit die wärmsten 
Glückwünsche sowie Ehrenbezeugungen mancherlei Art zu Theil und 
allseitig regte sich der Wunsch , den Lebensgang dieses so verdienten 
Mannes genauer kennen zu lernen. Wir geben deshalb folgende Skizze : 

Carl David Bouche wurde geboren am 4. Juni 1809 zu 
Berlin, Alte Jacobstrasse 3—4, jetzt 18—19.*) Nachdem er das 
Gymnasium zum grauen Kloster, dessen Direktor damals der Kon- 
sistorialrath Dr. Bellermann war, Ende März 1823 verlassen 
hatte, trat er am 17. April desselben Jahres bei seinem Vater und 
seinem Onkel Peter Fried. Bouche, die damals das Grundstück 
gemeinschaftlich besassen, in die Lehre. Die Lehrzeit, welche am 
31. März 1826 beendet war, gab ihm Gelegenheit, seine Kenntnisse 
nach verschiedenen Richtungen zu vermehren, denn der Vater be- 
schäftigte sich in Gemeinschaft mit Dr. Willdeuow sehr eifrig mit 
Botanik, der Onkel lag der Entomologie ob und war ein tleissiger 
Mitarbeiter des ehemaligen Direktors des zoologischen Museums 
Professor Dr. Klug. 

Im Jahre 1827 wurde dem Vater die Stelle als Instituts-Gärtner 
in der Lehr- Anstalt zu Neu-Schöneberg übertragen: der Sohn verliess 
am 1. Juli 1831 den Garten seines Onkels in der Blumenstrasse 
und trat unter seinem Amtsvorgänger, Garten-Director Otto, als 
Gehülfe in dem botanischen Garten ein, wo er das Feld seiner Lieblings- 

'■) Das sich früher im Besitze des Vaters, Pet 
liehe Haus No. 18, von welchem Herr Ci 
seine Kinder eine Photographie anfertigen l 



Beschäftigung, die Kultur der mannigfachsten botanischen Pflanzen 
fand. Wurden auch in dem Garten des Vaters und Onkels schon 
an 5—600 Pflanzen-Arten kultivirt, so fand sich doch hier Gelegen- 
heit, noch eine viel grössere Anzahl nicht nur den Namen sondern 
auch den Kulturen nach kennen zu lernen. 

Sehr bald nach dem Eintritt in den botanischen Garten wurden 
ihm nach und nach immer werthvollere Pflanzen und wichtigere 
Geschäfte anvertraut. Während dieses Aufenthaltes im botanischen 
Garten und zwar im Januar 1835 machte er das Examen als Ober- 
gehülfe und erhielt das Zeugniss No. I. mit „vorzüglich bestanden". 

Der Gehülfenstellung im botanischen Garten hatte er es zu 
danken, dass er mit vielen hervorragenden Botanikern und Gärtnern 
näher bekannt wurde, z. B. Kunth, Chamisso, Klotzsch, Walpers, 
Link, Professor Philippi, jetzt in Valdivia, Lessing, Bauer, 
Staatsrath Pritsche und Regel in St. Petersburg, waren zum 
Theil seine Jugendfreunde. Mit Kunth und Chamisso war er 
in jeder Woche in einem kleinen Kreise von Botanikern, zu denen 
auch Lucae gehörte, zusammen. Auch hatte er die Ehre, Alexand'er 
von Humboldt vorgestellt zu werden und durfte diesen als seinen 
Gönner betrachten. — Willdeuow, von Schlechtendahl, Schulz- 
Schulzenst3in, Heine waren Freunde seines Vaters und besuchten 
dessen Garten oft. 

Am 30. Juni 1839 verliess Bouche den botanischen Garten, 
da er seitens des General-Garten-Direktors als Kultivateur der Palmen 
nach der Pfaueninsel berufen worden. Hier wurde er sehr bald als 
Königlicher Obergehülfe vereidet und führte unter seinem langjährigen 
Freunde Gustav Fintelmanndie Geschäfte eines Obergehülfen. 
Von der Pfaueninsel wurde er im April 1843 in seine jetzige Stellung 
berufen und trat diese am 9. Oktober desselben Jahres an. Heber 
Bouche 's Leistungen seit dieser Zeit müssen wir uns hier bei dem 
eng bemessenen Raum weiterer Aeusserungen enthalten, sie sind all- 
bekannt, wir können aber nicht unerwähnt lassen, dass er, unterstützt 
durch die Gunst seiner Vorgesetzten, namentlich des Minister Eich- 
horn, ganz besonders viele Gewächshäuser umbauen Hess und nament- 
lich die Eisen-Konstruktionen einführte. Unter Alesander Braun 
wurde Bouche unter Zustimmung des Ministers von Raumer 1855 
der Ankauf der an den Garten grenzenden Ländereien, ca. 17 Morgen 
(4 Vi ha) übertragen, ebenso der Bau des Palmenhauses, über dessen 
Einrichtung und Ausführung sich die Baumeister mit ihm zu ver- 
ständigen angewiesen worden. Die Bearbeitung des neuen Terrains 
und die Bepflanzung desselben begann 1856. Die Vollendung des 
Palmenhauses fand Ende September 1858 statt. 

üeber Bouche 's Thätigkeit beim Verein zur Beförderung des 
Garteubaues und bei der Gesellschaft der Gartenfreunde hier etwas 
zu sagen erscheint überflüssig. Er ist nie müde geworden, sich nützlich 
zu erweisen, helfend, fördernd und verschönernd einzugreifen. 
Seit 1873 ist er Ehrenmitglied des Vereins zur Beförderung des Garten- 
baues und im Jahre 18/9 überreichte ihm der Verein die höchste 



Auszeichnung, die „Vermeilmedaille", die bekanntlich mit den Motto 
verliehen wird: „Für Förderung der Zwecke des Vereins 'durch all- 
gemeine Förderung des Gartenbaues". Ausser seiner Hauptstellung 
bekleidet Bouche noch das Amt eines Doceuten für Gartenbau an 
der landwirthlichen Hochschule (früher landw. Institut) und hat auch 
dort seit langen Jahren segensreich gewirkt. 

Ueber die Feier des Jubiläums am 1. Juli c. theilen wir Folgendes 
mit: Morgens 5V2 Uhr Morgenmusik auf Veranlassung des Gehülfen- 
Personals, Gratulation desselben, der Lehrlinge und Arbeiter unter 
Ueberreichung einer photographischen Aufstellung der letzteren vor 
dem Palmenhause im Arbeits-Kostüm. — Deputation der Gesellschaft 
der Gartenfreunde mit Ueberreichung einer Adresse. — Deputation 
der Werkmeister, welche im botanischen Garten beschäftigt werden, 
unter Ueberreichung eines sehr schönen Albums mit fünf photo- 
graphischen Ansichten des botanischen Gartens. — Gratulation des 
Direktors des botanischen Gartens, Herrn Professor Eichler und 
dessen beiden Assistenten Dr. Urban und Hennings. Professor 
Eich 1er übergab im Auftrage Sr. Excellenz des Herrn Ministers 
von Gossler u. A. ein Schreiben, in welchem dem Jubilar die 
wärmste Anerkennung für seine Thätigkeit ausgesprochen wird. — 
Deputation des Kirchenrathes der zwölf Apostel -Gemeinde, die 
Bouche mit gründen half und der er noch als Vertreter angehört. 
— Deputation des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues unter 
Ueberreichung einer schwungvollen, von Herrn Dr. Bolle verfassten 
Adresse. (Dem Verein gehört Bouche seit 1843 an und ist von 
der ersten bis zur letzten Ausstellung desselben thätig gewesen.) — 
Gratulation des Herrn Rektors der landwirthschaftlichen Hochschule, 
Geh. Reg.-Rath Landolt, im Auftrage des Lehrer-Kollegiums. — 
Beglückwünschung der Königlichen Garten-Intendantur und der Hof- 
gärtner durch deren Vertreter, Herrn Hofgärtner Director Jühlke 
und Hofgärtne.r Gust. Fintelmann. — Deputation von Stadirenden 
der landwirthschaftlichen Hochschule unter Ueberreichung eines mäch- 
tigen Lorbeerkranzes. 

Dass es an zahlreichen Glückwunschschreiben, Telegrammen etc., 
wie auch an sonstigen persönlichen Gratulanten nicht fehlte, brauchen 
wir nicht erst hinzuzufügen. Die Kinder (drei Söhne und eine 
Tochter) hatten dem Jubilar das Oelbild seines Urgrossvaters, der 
auf der Reise von Frankreich nach Deutschland geboren worden, 
überreicht. Es ist Pierre David Bouche, geb. 1709.*) Am 
Tage daraufhatte Bouche für das ganze Garten- Personal, um seinen 
Dank für die Opfer, die dasselbe gebracht hatte, auszusprechen, ein 
Abendessen arrangirt, zu welchem Alle bis gegen 3 Uhr Morgens 
in heiterster Stimmung beisammen blieben. 

Den Schluss der Festlichkeiten machte ein Kommers, den die 
Studirenden der landwirthschaftKchen Hochschule zu Ehren des 
Jubilars am Freitag, den 8. Juli abhielten, bei dem auch das 
Lehrer-Kollegium zahlreich vertreten war. 

*) Ueber die Verfahren gedenken wir in einer der nächsten Nummern 
zu berichten. 



Vermischtes. 

Mitgliede, Herrn Dr. Bornemann in Eisenach, der auch Besitzungen 
auf Sardinien hat, erhielten wir folgendes sehr erfreuliche Schreiben: 
„iDgortosu (San Gavino), 25. März 1881. 

Sie sandten mir zu Anfang des Jahres 1879 eine Anzahl 
Sämereien aus Australien, welche ich dann am 6. März desselben 
Jahres hier im Val di Bau, wo ein tiefer schwarzer Humusboden, 
aus Humus und Triebsaud bestehend, meine Kulturen sehr begünstigt, 
habe aussäen lassen. Viele Arten sind allerdings nicht aufgegangen, 
so die Frenela- und Grevillea- Arten, und einiges Andere, dagegen 
gedeiht Anderes so vorzüglich, dass es Ihnen interessant sein wird, 
davon Jsachricht zu erhalten. 

Die vier Casuarinen (quadrivalvis, stricte, tephrosoma, torulosa) 
sind so gut gewachsen, dass sie bereits vor einigen Monaten zur 
Bepflanzung von Gartenalleen verwandt wurden. Von Eucalyptus 
obliqua wurde ein Exemplar bereits im vorigen Jahr verpflanzt und 
steht jetzt als 4,25 m hoher Baum in voller Blüthe, also noch nicht 
zwei Jahre nach dem Aufgehen! Von den Pflanzungen der vorher- 
gehenden Jahre sind zwei fünfjährige Pflanzen von Eucalyptus 
globulus merkwürdig, die eine mit 11^ m Höhe und 0,51 m Umfang, 
die andere, welche in einem Jahre durch den Wind gelitten hatte 
mit 9,95 m Höhe und 0,39 m Umfang. Die üppigste Holzart 
scheint Populus canadensis zu sein. Von den jungen Pflanzen lasse 
ich im zweiten Jahr alle Seitentriebe entfernen und zur Anlage 
neuer Pflanzungen in die 'Erde stecken. Die vierjährigen Pflanzen 
sind ansehnliche Bäume, die grössteu 8,60 m hoch bei 0,36 Umfang 
in 1 m Stammhöhe. 

Das Thal von Bau war eine ursprüngliche Wildniss, zum Theil 
undurchdringlich verwachsen mit Brombeeren und Smilax, welche 
bis m die höchsten Bäume reichen. Riesige, aber innen hohle und 
meist verfallene Korkeichen, Grüneichen (Q. ilex) und Phillyrea 
ragen aus dem Gewirr heraus, viele sind umgestürzt und weiter 
gewachsen und mit Farnkräutern bedeckt. Beim Aufräumen einer 
solchen Wildniss fand sich neulich eine wilde Weinrebe von circa 
20 cm Durchmesser, horizontal von einem Flussufer auf das andere 
verlaufend und noch gesund; Anfang und Ende sind aber noch 
nicht sichtbar, weil in einem grossen Haufwerk von Sträuchern und 
Brombeeren verflochten. Von dendrologischen Merkwürdigkeiten 
habe ich auch eine alte Korkeiche von 5 m Umfang gerettet, welche 
niemals geschält worden ist und mit ihrem Farnkrautschmuck 
einen seltsamen Anblick darbietet." 

r Picea Parsoniana (syn. Lowiana und lasiocarpa) aus 
regon soll nach Engelmann nur eine langnadelige Form 
idl. et Gord. in Mexiko und Colorado sein. Ein Herr Syme 
""•''""'^11 'sehen Ansicht zu, dass es nur geographische 
;h an, dass die Blätter der echten A. concolor 
1 gewöhnlich spitzer sind, dichter stehen und auf 



der Ober- und rntersoite (h^s Sprosses vefschieden lang sind. Barron, 






Jac. Schlei den, zuerst Profess 
Frankfurt a. M. als Prlyatmann lebend, ist daselbst, 78 Jahre alt, am 23. Ju 

— Dr. K. Goebel hat sich an der Universität Leipzig, Dr. Hans Flor 
Meyer an der Universität Strassburg und Dr. Berthold an der Universit 
Göttingen als Privatdozent der Botanik habilitirt. 

— Der Hofgärtner Giessler zu Schloss Klein Glinicke bei Potsdam i 
zum Königlich prinzlichen Oberhofgärtner ernannt. 



Literatur. 

— Dr. 

Hygrometer (Separatabdruck 

Stationen). Berhn, Paul Parey 1881. 8", 12 Seiten mit 3 Holzschnitten. 

— Dr. R. Schomburgk, Report on the progress and condition of the 
botanic garden and ^overnment p.'antations during the year 1880. Adelaide, 
1881. 4", 21 S. (Mit einer Abbildung des botanischen Museums). 

— Dr. H. Ambronn, üeb r die Entv?ickelungs - Geschichte und die 
mechanischen Eigenschaften des CoUenchyms. Ein Beitrag zur Kenntniss 
des mechanischen Gewebesystems. (Separatabdruck aus Pringsheim's Jahr- 
büchern für wissenschaftliche Botanik, Band XU.) Berlin 1881. S", 72 S. 
Mit G Tafeln. 

Stellung zu Berlin 1880. Berlin, Paul Parey 1881. I. Fischzucht vou 
M. V. d. Borne, H. Haack, K. Michaelis. Im Anhang die Angelfischerei 
von M. V. d. Borne. 8», 84 S. mit 39 Holzschnitten. H. Seefischerei von 
Dr. M. Lindemann. 8«, 244 S. Mit 162 Holzschnitten. 

— H. Potonie, Ueber den Ersatz erfrorener Frühlingstriebe durch 
accessorische und andere Sprosse. (Separatabzug aus Sitzungsberichten des 
botanischen Vereins der Provinz Brandenburg XXII.) 8**, 4 S. 

— Dr. Max Westermaier, Beiträge zur Kenntniss des mechanischen 
Gewebesystems. (Auszug aus dem Monatsbericht der Königl. Akademie der 
Wissenschaften zxi Berlin ) 8", 18 S. Mit zwei farbigen Tafeln. 

Ueber das Verhältniss der Morphologie zur Physio- 
lus „Kosmos", V. Jahrg.) 1881. 8'^, 6 S. 

^ ,. , Zweiter Nachtrag zum Standortsverzeichniss der 

Gefässpflanzen in der Umgegend Kiel's. 8«, 25 S. 

— Thomas Moore, Epitome of Gardening. With an introductory 
chapter on the principles of horticulture by Maxwell T. Masters. Edinburgh, 
Adgm and Charles Black. 1881. 8», 444 8. Mit 207 Holzschnitten. 



— 336 — 

Nachtrag zu Choisya ternata Kunth. 

In unserem Artikel über diese Pflanze im Jimiheft S. 253 ist 
übersehen worden, zu erwähnen, dass auch in Revue de l'horticulture 
beige et^etrangere 1879, Seite 145, eine sehr hübsche Abbildung 
diese^r Pflanze gegeben ist (dort irrthümlich Choisia geschrieben). 
M. Pynaert empfiehlt sie nach der Blüthe zur Dekoration der 
Gruppen, welche Haideerde verlangen, zu verwenden, nachdem man 
sie zurückgeschnitten. Sie soll dann im August zum zweiten Mal 
blühen und kann im Herbst dann wieder in Töpfe gepflanzt werden. ' 

Zugleich bitten wir die Signatur auf der Tafel von Choisya in 
lafel V. (anstatt IV.) umzuändern. L. W. 

gar?hb1fu;s7B'"'d\TKöSfgl.^^ ?'E\rl':."°A.i!' 

Pflanzen. Ausstellung im Jahre 1883. Neuwahl e 

Vorbereitung der Neuwahl des Vorstandes und de. .........^ ..^oo..x>.ooo 

pro 1881/82. Veieinigung des „Deutsctien Garten" mit der Monatsschrift 
Rasenmäher Yon Krauss & Co. in Wien.) - Jahresbericht für das' 
50/81 des Vereins zur Beförderung des 
- L. Wittmack, Der Milchsaft der Pflanzen 
v..,x.oct^uii^;. o. ouu. — Geschwind, Landrosen (Fortsetzung). S. 305. 
— J^. Luche, Auswahl yon Obstsorten. S. 311. — Munter lieber Hva- 
cinthenhalter. S. 313. - K. Mathieu, Lapageria rosea et alba und Taber- 
naemontana Camassa. S 314. - P. Ullrich, Pontebartrain, das Schloss 
der Gräfin Guido Henkel von Donnersmarck. S. 316. - Göppert, Der 
botanische Garten zu Breslau im Jahre 1881. S. 318 — L Wittmack 
Was wurde zur Zeit KarFs des Grossen in den Gärten gebaut? S 320 — 
^Erleichterungen für den Pflanzen-Import nach Oesterreich-Ungarn. S. 322. 
-Besichtigung des Versuchsgartens und der städtischen Parkanlagen in 
Treptow. S. 322. - Die Hamburger Ausstellungshalle. (Mit 4 Abbild.) 
Q i)c - A™o^Pl»ophali^is Lacourii Linden et Ancb-e. (Mit Abbildung.) 
" " " — Carl David 



Tages - Ordnung 

für die Versammlung des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues 

am Mittwoch, den 27. Juli 1881, Nachmittags präcise 6 Uhr, 
Palmeiihause des botanischen Gartens. 

1) Ist jede einzelne Tabakspflanze jetzt steuerpflichtig? 
2^ Wie erzieht TTian am K^o^^^ r'v,^,.,™ :L tt. ^, 



erzieht man am besten Champignons im Hauskeller. 
c neue Falmenhaus in Hannove 
: Gartenbau auf der landw. Au 
rschiedenes (Abfall der Lindent 
NB, Die August-Sitzung fällt t 



Monatsschrift 

des 

Vereines zur Beförderung des Gartenbaues 

in den Künigl. Pren$sis«hen Staaten 

Gesellschaft der Gartenfreunde Berlins. 



Redakteur: 

Dr. L. Wittmack, 



5 d. Ver. z. Bef. d. Gart, : Adresse s 



naUger 10 pCt., bei 11 
Berlin N, Inralidenstr. 



Berlin, im August 



An unsere Leser! 

Der Verein zur Beförderung des Garteubaues hat in seiner 
Jahresversammlung vom 26. Juni 1881 einstimmig beschlossen, 
vom Jahre 1882 ab eine im Verlage von Paul Parey in Berlin 
erscheinende Zeitschrift, die den Titel 

GARTENZEITUNG 

führen und mit welcher die bisherige „Monatsschrift", sowie der bisher 
von Dr. Bolle herausgegebene „Deutsche Garten" verschmolzen 
wird, zn seinem Organ zu macheu. Der jeweilige General- 
Sekretär des Vereins zur Beförderung des Gartenbaues ist 
vertragsmässig Redakteur der „Gartenzeitung" und bürgt 
dies dafür, dass die „ Gartenzeitung " in demselben Sinne wie bisher 
die „Monatsschrift" redigirt und die Interessen der Vereinsmitglieder 
stets im Auge behalten werden. 

Reichere Ausstattung, grössere Mitarbeiterzahl und allgemeine, 
weitere Verbreitung des Blattes bilden Vortheile, welche der Verein 
seinen Mitgliedern nicht glaubte vorenthalten zu sollen, und so laden 
wir denn alle unsere Freunde ein, auch dem neuen Blatte ihre 
zuwenden zu wollen, wie sie es bisher in so reichem 
gethan. Besonders erwünscht sind uns Abbildungen neuer 



"'f?e, 



oder seltener Pflanzen und kurze Artikel über die verschiedenen 
des Gartenbaues wie der gärtnerischen Botanik. 

deutschen Gärtner und Gartenfreunde die „Garten- 
zeitung", für deren Herstellung in Text, Holzschnitten und Farben- 
drucktafeln die Veilagshandlung reichliche Mittel zur Disposition 
gestellt hat, als ein gemeinschaftliches gärtnerisches Unternehmen 
betrachten, so ist die Möglichkeit gegeben, dass die „ Gartenzeitung " 
sich ausgestaltet zu einem Organ , ähnlich den grossen englischen, 
französischen und belgischen Fachjournalen. 

Die Redaktion. 



647. Versammlung des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues in den Königl. Preuss. Staaten, 

Verhandelt Berlin, den 26. Juni 1881. 

Kachdem am Dienstag, den 21. Juni, dem eigentlichen Stiftungs- 
tage des Vereins, zur Feier des Stiftungsfestes ein Ausflug mit 
Damen nach Treptow stattgefunden, woselbst der Versuchsgarten 
der Berlinischen Gartenbaugesellschaft „Versuchsgarten" unter freund- 
licher Führung des stellvertretenden Vorsitzenden genannter Gesell- 
schaft, des Herrn Mosisch jr., und sodann die grossartigen neuen 
städtischen Parkanlagen unter gefälliger Führung des Herrn Stadt- 
Obergärtner Fintelmann besichtigt wurden, versammelten sich die 
Vereinsmitglieder Statuten gemäss am Sonntag, den 26. Juni, zur 
eigentlichen Jahresversammlung. 

Den Vorsitz führte an Stelle des verhinderten Direktors der 
zweite Stellvertreter desselben, Herr Gartenbau- Direktor Gaerdt. 

Das Protokoll der vorigen Sitzung hatte ausgelegen und wurden 
Einwendungen dagegen nicht erhoben. 

I. Vorgeschlagen wurden: 

a. zum Ehrenmituliede das bisherige korrespondirende Mit- 
glied, Herr Wirkl. Staatsrath Dr. Regel, Direktor, des 
Kais. bot. Gartens in Petersburg; 

b. zu wirklichen Mitgliedern: 1) Herr Johann Edmund 
Lehmann, Dresden, 1) der Obst- und Gartenbau- 
Verein in Leobschütz. 

IL Ausgestellte Pflanzen: Der Kgl. botanische Garten hatte 
in gewohnter Weise eine reiche Zahl blühender, selten gesehener 
Pflanzen ausgestellt, über die Herr Inspektor Bouchö in einem 
besonderen Artikel berichten wird. Herr 0. Neuraann führte 
blühende Gardenia florida vor und eine Remontant - Nelke „Gloire 
de Nancy". Herr Johann Edmund Lehmann dagegen ein grosses 
Sortiment abgeschnittener Odier- Pelargonien eigener Züchtung, für 
welche ihm der Monatspreis seitens der Preisrichter Herren 
Dressler, 0. Hüttig und Lauche zuerkannt wurde. Herr 
C. Mathieu, Charlotten bürg, endlich legte verschiedene Varietäten von 
Iris xipMum (I. hispanica hört.), blau, gelb und gelbbraun gefärbt, vor. 



III. Hierauf verlas der General - Sekretär den Jahresbericht, 
welcher besonders abgedruckt ist (s. Juliheft S. 293). 

IV. Die Versammlung trat nunmehr in die zweite Berathung 
des jetzt gedruckt vorliegenden Entwurfes zu einem Vertrage zwischen 
dem Verein zur Beförderung des Gartenbaues und der Verlags- 
buchhandlung von Paul Parey in Berlin, laut dem der Verein 
vom Jahre 1882 ab eine im Verlage von Paul Parey unter dem 
Titel „Gartenzeitung" erscheinende gärtnerische Zeitschrift zu seinem 
Organ macht. 

Herr Professor Eichler erstattete Namens des erwähnten Aus- 
schusses Bericht. Er theilte mit, dass der Ausschuss zwei Sitzungen 
unter dem Vorsitze des Herrn Hofmarschall v. Saint Paul-IUaire 
gehalten und zu der üeberzeugung gekommen sei, dass der Vertrag 
dem Verein viele Vortheile gewähre. Der Verein gebe zwar sein 
Eigenthumsrecht an der Zeitschrift auf, verpflichte sich auch, während 
der Dauer des Vertrages keine andere periodische gärtnerische 
Zeitschrift erscheinen zu lassen, dafür aber erhalte er ein Blatt, das 
weit reicher ausgestattet werde, als die Monatsschrift für denselben 
Preis. Die tüchtigsten Mitarbeiter sollen für dies Blatt gewonnen 
werden, die besten Farbendrucktafeln und Holzschnitte gegeben 
werden, da ist zu erwarten, dass auch die Verbreitung desselben 
eine allgemeinere sein wird, und das um so mehr, als der buch- 
händlerische Vertrieb eine solche viel eher gestattet. Dem ursprüng- 
lichen Gedanken des Verlegers, den Titel „Deutschen Garten" bei- 
zubehalten, konnte man nicht beitreten; man wählte deshalb einen 
ganz neuen recht kurzen Titel „Gartenzeitung", nicht das Wort 
„Monatsschrift", um durch letzteres Wort dem etwaigen späteren 
Erscheinen in vierzehntägigen oder wöchentlichen Zwischenräumen 
nicht entgegenzutreten. Schliesslich empfahl derselbe Namens des 
Ausschusses die Annahme des Vertrages. 

An der Diskussion betheiligten sich die Herren Prof. Orth, 
Bouchö, Hüttig, Lackner, Brebeck, Eichler, Noodt und 
Wittmack. Alle sprachen sich mehr oder weniger zustimmend 
aus; auf Antrag des Herrn Orth wui-de beschlossen, im § 5 zu 

„Die Zeitschrift erscheint vorläufig in Monatsheften, im 
Format der bisherigen Monatsschrift. Für den Fall, dass später 
ein Erscheinen in vierzehntägigen oder wöchentlichen Zwischen- 
räumen beabsichtigt wird, bedarf es dazu einer besonderen 
Vereinbarung mit dem Verein." 
Ferner wurde von Herren Brebeck und Bouche der Wunsch 



den obigen Zusätzen des Herrn Prof. Orth ( 

V. Es folgte nunmehr die Neuwahl des Vorstandes. Herr 
Professor Eichler übernahm die Leilung des Wahlgeschäftes und 
ernannte zu Skrutatoren die Herren Oekonomierath Noodt und 
Carl Lackner. Es wurden gewählt: 



Zum Direktor: Herr Wirkl. Geheimer Rath Snlzer, Exe, 

„ I.Stellvertreter: „ Hofmarschall a.D. v. St. Paul-Illaire, 
„ 2. „ „ Kgl. Gartenbau-Direktor Gaerdt, 

„ Schatzmeister: „ Eentier Sonntag, 
„ General-Sekretär: „ Prof. Dr. L. Wittmack. 
Letzterer wurde nach § 14 der Statuten, welche besagen, dass 
der General-Sekretär auf Vorschlag des Vorstandes auch auf mehrere 
Jahre gewählt werden kann, dem auf den Wahlzettel bereits bekannt 
gemachten Vorschlage gemäss auf drei Jahre gewählt. 

Die anwesenden Verstandsmitglieder erklärten sich zur Annahme 
der Wahl bereit. 

VI. Herr Brebeck dankte dem Vorstande für seine rege Thätig- 
keit im abgelaufenen Jahre. 

VII. Herr Direktor Gaerdt übernahm nun wieder den Vorsitz 
und erbat vonder Versammlung die Genehmigung, dass der Vorstand 
dem Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rath Hey der am 26. Juli, dem Tage 
seines 50jährigen Dienst -Jubiläums, die höchste Auszeichung des 
Vereins, die Vermeilmedaille überreiche. Dieselbe wurde bereit- 
willigst ertheilt. 

VIII. Als wirkliches Mitglied wurde aufgenommen: 

Herr Dr. med. Sulz er, Berlin. 
Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. 



Versammlung der Gesellschaft der Gartenfreunde 
Berlins. 

Verhandelt Berlin, den 3. Juni 1880. 

Der Vorsitzende eröffnete die Sitzung, Hess das Protokoll der 
Sitzung vom 6. Mai d. J. verlesen und ersuchte Herrn Hofgärtner 
Hoff mann, über den Ausflug nach Werder zu referiren. 

Herr Hoff mann fasst sich über den Besuch in Werder, welcher 
eigentlich der Baumblüthe gelten sollte, die aber leider schon vor- 
über war, kurz und bemerkt nur, dass, nach dem Fruchtansatz zu 
urtheilen, ein reiches Obstjahr zu erwarten sein dürfte. 

Da es zwecklos gewesen wäre, länger in Werder zu weilen, 
nahm man auf dem Rückwege zur Bahn Kenntniss von der Art 
und Weise, wie die Werderaner ihre Obstbäume schneiden und wie 
sie das Propfen vornehmen ; da diese Verfahrungsweisen schon früher 
eingehend besprochen worden sind, wird auf frühere Verhandlungen 
verwiesen. 

Der Rest des Nachmittags wurde, nachdem unter Leitung des 
Kunst- und Handelsgärtners Herrn Schmerwitz zu Potsdam die 
Anlagen von Charlottenhof und am Orangeriehause, sowie namentlich 
auch die vom Herrn Hofgärtner Walter angelegten Teppichbeete 



in genauen Augenschein genommen waren, anf der Station Wildpark 
im Vereine mit Mitgliedern des Potsdamer Gartenbau - Vereines 
heiter und vergnügt zugebracht. 

Ausgestellt hatte Herr Kunst- und Obergärtner Papenfuss 
mehrere Exemplare schön blühenden Edelweisses, welche er aus 
Samen aus der Handlung von Kropp, Belle -Alliance- Platz 17, zu 
so schönen Exemplaren herangezogen. In gleicher Weise waren 
Edelweiss vom Herrn Hofgärtner Hoffmann ausgestellt und fanden 
die ausgestellten Pflanzen allgemeine Anerkennung. Da dass mehr- 
erwähnte Edelweiss sich zu einer Marktpflanze heranzubilden scheint 
und Herr Papenfuss sich wegen seines Kulturverfahrens heute nur 
kurz fassen kann, wird er dem laut gewordenen Wunsche willfahren 
und sein Verfahren mit Nächstem ausführlich schildern. 

Herr Eggebrecht hatte einen Pelargonium-Sämling von General 
Pellissier mitgebracht, der in jeder Beziehung der Vermehrung werth ist. 

Auch Herr Späth hatte u. A. Blumen von Ixiolirion tataricum 
ausgelegt, Blumen eines Zwiebelgewächses, welches wegen seiner 
Winterhärte und wegen seines dankbaren Blühens wohl verdient, 
angepflanzt za werden (s. den Aufsatz hierüber von K. Mathieu 
in diesem Heft, S. 353). Die von demselben vorgezeipten blühenden 
Clematis hatten sich allgemeiner Anerkennung zu erfreuen. 

Den erstgenannten Herren Ausstellern dankte der Vorsitzende 
im Namen des Vereins, während dem Herrn Vorsitzenden der Dank 
der Gesellschaft zu Theil wurde. 

Zum ersten Punkt der Tagesordnung übergehend, so hatte sich 
die Gesellschaft der Gartenfreunde bezüglich des von ihr angeregten 
Vorhabens, im Jahre 1 883 eine grössere Ausstellung von den in und 
um Berlin tagenden Gartenbau -Vereinen veranstaltet zu sehen, des 
vullsten Einverständnisses des Vereins zur Beförderung des Garten- 
baues in den Kgl. Preuss. Staaten zu erfreuen, ingleichen erklärt 
sich der Verein „Versuchsgarten" mit unserem Vorhaben einverstanden 
und wird s. Z. der Vorsitzende die Mitglieder des „Versuchsgarten" 
angehen, zu einem Garantiefonds zu zeichnen. Der Verein hiesiger 
selbstständiger Blumenhändler begrüsst das Unternehmen ebenfalls mit 
Freuden, und bittet die aus seiner Mitte gewählten Repräsentanten, 
von dem Laufe der weiteren Verhandlungen Mittheilung zu machen. 

Wegen der 1882 in Potsdam stattfindenden Gewerbe-Ausstellung 
befindet sich der dortige Gartenbau -Verein nicht in der Lage, als 
Verein zu diesem Unternehmen die Hand zu bieten, wird indessen 
seine Mitglieder zur Beschickung der für 1883 projektirten Ausstellung 
auffordern. Der Pankower Gartenbau -Verein wird seine, in Betreff 
unseres Ansuchens um Betheiligung an der Berliner Ausstellung 1883 
gefassten Beschlüsse später mittheilen und endlich ist der Weissen- 
seer Gartenbau -Verein nicht abgeneigt, sich an einer Ausstellung im 
Jahre 1883 zu betheiligen. 

Die Diskussion über die Frage bezüglich des Erfrierens der 
Coniferen im letzten Winter wird für heute von der Tagesordnung 
abgesetzt und deutet schliesslich Herr Späth die Veränderung an, 



welche bezüglich der Monatsschrift des Vereins zur Beförderung des 
Gartenbaues und der Gesellschaft der Gartenfreunde zu Anfang des 
nächsten Jahres beabsichtigt wird. 

Verhandelt Berlin, den 8. Juli 1881. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung, lässt durch den Schrift- 
führer das Protokoll der vorigen Sitzung verlesen und bringt den 
Jahresbericht des Vaterländischen Frauen- Vereins, das Programm zu 
einer vom Gartenbau- Verein für Neu -Vorpommern und Rügea in 
Greifswald zu veranstaltenden Ausstellung, eine Offerte einesHerrn 
Mark aus Neustadt- Leipzig in Betreff eines von ihm unter dorn 
Namen „Führer durch Leipzig's Kunst- und üandelsgärtnereiea" 
herausgegebenen Büeht-lchens, sowie endlich einen Preis-Courant des 
Herrn Distelbarth, Landsberger Allee 35, für die von ihm fabrizirten 
Anhänge- Etiquetts im Preise voq 7-8 M. pro 1000 Stück zur Kennt- 
niss der Erschienenen. Hierauf verliest derselbe ein Erwiederungs- 
schreiben des Vorsitzenden des Charlottenburger Gartenbau -Ve 
auf m.ser Einladungsschreiben zur Betheiligung an einer gross 
Ausstellung zu Berlin i ' " 



Betheiligung an einer grösseren 



derselbe unterm heutigen Tage erklärt, dass der Ve 

in der Lage befindet, sich an dieser allgemeinen Ausstellung zu 
betheiligen. 

Hierauf tritt man in die Tagesordnung ein und resumirt der 
Vorsitzende den Inhalt des Schreibens des Vereins zur Beförderung 
des Gartenbaues vom 2. Juli er., wonach der Verein vom Jahre 1882 
ab eine im Verlage von Paul Parey unter dem Titel „Gartenzeitung« 
erscheinende gärtnerische Zeitschrift ^ unter Fortfall der bisherigen 
Monatsschrift — zu seinem Organ macht. Herr Späth geht dirauf 
den allegirten Vertragsentwurf zwischen dem Verein zur Beförderung, 
des Gartenbaues und Herrn Parey § für § durch und bittet die 
erschienenen Vereinsmitglieder, sich über den § 8 zu äussernr 
demzulolge die Verlagsbuchhandlung sich bereit erklärt, mit de 
Gesellschaft der Gartenfreunde ein dem vorbereiten Vertrage analoges 
Abkommen zu treffen. & o 

Die Gartenfreunde erhalten die Monatsschrift bis jetzt zum 
Abonnementspreise von drei Mark exki. der aus der Vereinskasse 
getragenen Versandtkosten; die von Herrn Parey vom Januar 1882 
herauszugebende „Gartenzeitung« stellt sich für den Jahrgang auf 
fünf Mark und tritt an die Gesellschaft der Gartenfreunde die Frage 
heran: woher diese 2 Mark nehmen? Nach einem Schreiben des 
Krankheits halber der heutigen Sitzung fern gebliebenen Sehatz- 
meisters befindet sich die Kasse nicht in der Lage, diese zwei Mark 
pro Exemplar herzugeben, und die Mitglieder schon jetzt gewisser- 
maassen zu einem Beitrage von fünf Mark statt der bisherigen drei 
Mark zu verpflichten, oder mit anderen Worten, den Mitgliedsbeitrag 
zu erHolien, hiesse gegen die Grundbestiramungen Verstössen. Nur 
Wenige aus der Versammlung redeten dem neuen Unternehmen das 



343 



Wort, die Mehrzahl verhielt sich abfällig. Da nun, wie oben bereits 
angedeutet, die Grundbestimmungen den Verein für heute an einem 
definitiven Beschlüsse hindern, erübrigt nur, dem § 32 der Grund- 
bestimmungen gemäss in der ersten Januar- Sitzung Abänderungen 
derselben auch bezüglich der „Gartenzeitung" einzubringen und wird 
es von der Redaktion sowie von der Güte und Reichhaltigkeit der 
in's Leben zu rul enden Zeitung abhängen, ob die Stimmen, die in 
der heutigen Sitzung sich gegen das Unternehmen aussprechen, in 
der März-Sitzung 1882 anderen Sinnes geworden sind. 

Zu der Diskussion über die Frage übergehend: „Weshalb haben 
die Coniferen im letzten nicht ungewöhnlich strengen Winter so sehr 
stark gelitten?" geben viele der Herren Gärtner ihre Ansicht dahin 
kund, dass nicht der Winter, sondern vielmehr die trockenen Ost- 
winde im März die Coniferen an manchen Orten decimirt haben und 
dass der Wechsel zwischen der Sonnenwärme am Tage und den zur 
Nachtzeit eintretenden Frösten am meisten schädlich auf die Coniferen 
eingewirkt. 

Um dem Vertrocknen vorzubeugen, wird vorgeschlagen, die 
Pflanzen — jedoch nur an frostfreien Tagen — zu giessen. Um 
den Frost abzuhalten, wird eine starke Decke angerathen, obgleich 
Erfahrungen aus den letzten Jahren vorliegen, dass trotz der Decke 
die Coniferen hier und da zu Grunde gegangen sind. Ein Schutz 
der Coniferen gegen die verheerenden Winde durch Hecken, Zäune 
und Deckmaterial hat an vielen Orten gute Erfolge gehabt. 

Ausgestellt hatte Herr Eggebrecht zwei schön blühende 
Aechmeen und eine Schale mit Nertera depressa. Die Nertera wird 
kalt kultivirt, im Februar und März im Kalthause dem Lichte aus- 
gesetzt und ihr dann Wasser in Menge gereicht. Sie eignet sich 
besonders zur Bepflanzung von TuflFsteingruppen. Dem Herrn Aus- 
steller wurde mit dem Danke der Gesellschaft zugleich der Monats- 
preis zu Theil. 

Da am 14. August das Stiftungsfest stattfindet, der 14. August 
aber auf einen Sonntag fällt, wurde Montag, der 1 5. August, zu dieser 
Feier in's Auge gefasst nnd die Herren von Fürich, Kropp und 
Kletschke in die Kommission zur Vorbereitung dieser Feier gewählt. 



Der Milchsaft der Pflanzen und sein Nutzen. 

Vortrag, 



(Schluss.) 
Nächst den Kautschuk liefernden Milchsäften verdienen die- 
jenigen, welche medizinische Stotfe, namentlich Alkaloide enthalten, 
den höchsten Rang, und wenn wir bedenken, dass durch sie ott das 
Leben eines Menschen geiettet, wenigstens ihm viel Sehmerz erspart 
werden kann, so möchte man als Philanthrop sie wohl noch höher 



stellen; ja auch der materielle Werth ist ein höherer. Allen voran 
steht das Opium, das bekanntlich ans den unreifen Kapseln des 
Mohnes, Papaver somnifernm, durch Einschnitte, die man in wage- 
rechter Richtung in die Kapsel macht, gewonnen wird. Kleinasien, 
Persien und Vorderindien, neuerdings auch China selbst, sind die 
Hauptkulturländer; in unseren Apotheken wird nur das kleinasiatische 
Opium Zugelassen. Man hat bekanntlich auch versucht, in Frankreich 
nnd in Deutschland Opium zu gewinnen, der Gehalt an Morphium 
war sogar ein grösserer, als in wärmeren Gegenden (22 — 24 pCt. 
gegen 10 — 16 pCt.), aber die Menge des gewonnenen Milchsaftes 
war zu gering. Der schwarzsamige Mohn enthält weit mehr Morphium 
als der weisssamige; letzterer giebt aber eine grössere Menge Saft 
und hat eine dickere Kapsel, die durch die Einschnitte nicht so 
leidet, daher wird letzterer meist angebaut. Eine Mohnkapsel giebt 
ca. 0,8 g Opium, ein Morgen Land daher nur ca. 29 Pfund. Daraus 
erklärt sich der hohe Preis, ca. 36 Mark pro kg für das beste 
smyrnaische Opium, in China sogar 52 Mark für das geringere ost- 
indische. Da nun nach China von Ostindien aus ca. 27000 Kisten 
oder circa 2 Millionen kg Opium versandt werden, so entspricht 
dies einem Werth von ca. 100 Millionen Mark! Da ist es leicht 
begreiflich, dass trotz aller Verbote der chinesischen Regierung 
England den Opiumhandel nach China nicht fallen Hess und 1842 
EOgar deswegen zum sogenannten Opiumkriege schritt. 

In der Wirkung dem Opium ähnlich, aber schwächer ist der 
Milchsaft unseres Salates, Lactuca sativa L. und des kräftigeren 
wilden Salates oder Giftlattichs, Lactuca virosa L. Schon die Alten 
benutzten den Salat, anfangs als Voressen, später wie wir zum 
Nachtisch, weil, wie sie meinten, der Salat dem weissen Mohnsaft 
gleiche und deshalb den Schlaf befördere. Das Lactucarium, der 
eingedickte Milchsaft des Salats, wird noch heute gegen allgemeine 
Nervenaufregung, namentlich bei Lungenschwindsucht, auch gegen 
Wassersucht und als Stellvertreter des Opiums gebraucht. Das 
Lactucarium enthält ca. 44—53 pCt. Lactucon, ein weiches Harz, ferner 
Lactucin, den wirksamsten Bestandtheil, gegen 7 pCt. Eiweiss etc. 

Eine grössere Zahl von Milchsatt führenden Pflanzen liefert uns 
sog. Gummiharze, z. B.Euphorbium von caetusartigen Euphorbien, 
namentlich Euphorbia resinifera Berg, vom Atlasgebirge, das Scam- 
monium-Gumiöiliarz von einer Winde, Convolvulus Scammonia L., in 
Griechenland und Kleinasien, bei welcher der scharfe Milchsaft der 
fleischigen, spindelförmigen, 1—1 Vs m langen Wurzel benutzt wird, 
ferner das Gummigutt, dieser bekannte gelbe Farbstoff von Garcinia 
Morella Desr. (Hebradendron cambodgioides Graham), einer Guttifere 
in Slam und Cochinchina, ferner das persische Ammoniakgummi 
oder Ammoniaknm (nicht zu verwechseln mit dem kaustischen 
Ammoniak oder Salmiakgeist), von einer Doldenpflanze: Dorema 
Ämmoniacum Don., das afrikanische, schon den Alten bekannte 
Ammoniakum von Ferula Tingitana Herm., gleichfalls einer ümbelli- 
fere aus Marokko, ferner der berüchtigte Stinkasant oder Teufels- 



345 



dreck, der Milchsaft der Wurzel von Scorodosma foetidam Bunge 
(Ferula alliacea Boiss.), das Opoponax von Opoponax Chironium K., 
einer Ümbellifere Südeuropa's, deren Wurzel gelben Milchsaft führt. 

Nach diesem Ueberblick über den Nutzen des Milchsaftes für 
den Menschen, wobei ich die berühmten Pfeilgifte ganz übergangen 
habe, erübrigt es noch, den Nutzen, den derselbe für die Pflanzen 
selbst hat, zu untersuchen. Leider ist noch wenig darüber bekannt. 
Der Berliner Professor Schultz-Schultzenstein, der erste, welcher 
die Milchgefässe anatomisch genauer untersuchte, glaubte in ihnen 
eine zirkulirende Bewegung des Saftes gesehen zu haben und be- 
trachtete sie als Analogon der Blutgefässe des Thierkörpers. Er 
schrieb im Jahre 1822 eine, grosses Aufsehen erregende Arbeit: 
„lieber den Kreislauf des Milchsaftes im Schöllkraut (Chelidonium 
majus L.) und in mehreren anderen Pflanzen"; bald Hess erweitere 
Schriften folgen, so 1824: „lieber den Kreislauf des Saftes in den 
Pflanzen"; 1823—28 das Hauptwerk: „Die Natur der lebendigen 
Pflanze. Erweiterung und Bereicherung der Entdeckungen des 
Kreislaufs im Zusammenhange mit dem ganzen Pflanzenleben" etc. 
Die Sache fand aber auch und zwar mit Recht so viel Widerspruch, 
dass die französische 'Akademie 1833 eine Preisaufgabe ausschrieb, 
die unter Anderem dahin ging, festzustellen, ob in den Pflanzen 
eine Zirkulation des Saftes ähnlich wie die des Blutes bei den 
Thieren stattfände. Schultz-Schultzenstein selbst beantwortete 
die Frage in einer Arbeit: „Sur la circulation et sur les vaisseaux 
lactiferes dans les plantes", 1839, 4», mit Tafeln und erhielt merk- 
würdiger Weise den Preis. Er sagt zwar in dieser Arbeit, dass 
es manche Pflanzen gebe, welche keinen Milchsaft hätten, dass man 
auch nicht allgemein eine Zirkulation, die ganz ähnlich den 
Thieren, annehmen könne, dass aber dennoch die Zirkulation des 
Milchsaftes gewiss zu vergleichen sei der Zirkulation des Blutes bei 
den (niederen) Thieren, die kein Herz hätten und auch demjenigen 
System der Zirkulation bei den Thieren mit Herz, welches man 
Kapillargefäss-System nennt 

Vielleicht aus Ünrauth über die Krönung dieser Arbeit, in der 
sich neben vielem Wahrem leider auch viel Falsches und falsch 
Gedeutetes findet, blieb die Erforschung der physiologischen Bedeutung 
der Milchgefässe ruhen; man wandte sich nur mit grossem Eifer 
dem Studium der anatomischen Verhältnisse derselben zu Erst 
viel später, 1874—1879, gab der Melonenbaum, Carica Papaya, 
gewissermaassen plötzlich, mehreren Forschern Gelegenheit, die 
Natur der Milchsäfte wieder genauer zu untersuchen. Der Melonen- 
baum, eine wahi scheinlich in Westindien heimische Pflanze von 
palmenartigem Wuchs mit schönen, bandförmig getheilten Blättern, 
einer riesigen Aralia Sieboldii oder einem baumartigen Ricinus 
ähnlich, dessen Früchte im Ansehen und Geschmack einer Melone 
gleichen, war schon im vorigen Jahrhundert (1750) deswegen besonders 
berühmt geworden, weil man sagte, sein Milchsaft, namentlich 
der aus den unreifen Früchten, mache zähes Fleisch von alten 



346 



Thieren, ebenso Fleisch von ganz frisch geschlachteten Thieren 
rasch mürbe, wenn man entweder das Fleisch damit einreibe oder 
den Saft resp. die ganze Fracht dem Wasser zusetze. Ja es solle 
sogar das Fleisch mürbe werden, wenn man es blos in der Krone 
des Baumes anfhänge. Diese Erzählungen wurden einfach aus einem 
Werk in's andere übernommen, ohne dass Jemand sich die Mühe 
gab, sie zu prüfen, und schliesslich erhielt das Ganze den Charakter 
des Aberglaubens. 

Erst 1874 unternahm ein Belgier, Dr. G. C. Roy, eine genauere 
Untersuchung und fand, dass in der That der Milchsaft Fleisch, 
ausserdem auch Eiweiss und Kleber auflöse, während Stärke un- 
verändert blieb. Im Januar 1878 bot sich mir Gelegenheit, eben- 
falls mit Papayafrüchten und Blättern, die ich aus dem Garten des 
Herrn Kommerzienralh Gruson durch freundliche Vermittelang 
seines Obergärtners Herrn Leidner erhalten. Versuche zu machen, 
die das Gleiche ergaben; I cc d s mit Wasser etwas verdünnten 
Saftes bewirkte, dass 10 gr ganz frisches Rindfleisch in fünf Minuten 
beim Erhitzen auf 60» in Fetzen zerfiel, hartes Eiweiss war nach 
48 Stunden bei SO*' fast ganz aufgelöst. Es zeigte sich aber noch 
weiter bei den Versuchen, die ich gemeinsam mit Herrn Professor 
Liebreich vornahm, dass durch diesen Milchsaft auch Milch zum 
Gerinnen gebracht wird, ohne dass Sauerwerden eintritt, und zwar 
genau bei der Labtemperatur von 35o C., die bei der Käserei üblich 
ist. Daraus folgte, dass der Caricasaft ein Ferment enthalten 
müsse, und zwar eins ähnlich dem im Magen aus den Labdrüsen 
sich absondernden Labferment, dem Pepsin. Es unterscheidet sich 
das Carica- Ferment aber dadurch vom Pepsin, dass es auch bei 
höheren Temperaturen, am besten bei 60—65" C, ja selbst in der 
Siedehitze wirkt, was Pepsin nicht thut, ferner dadurch, dass es ohne 
Zusatz von Salzsäure wirkt und ausserdem durch einige chemische 
Reaktionen. Diese interessanten Resultate führten nun zu weiteren 
Untersuchungen, 

Wir lesen in den Schriften der Alten, dass sie zum Käsen, d. h. 
zum Gerinnen der Milch, den Saft des Feigenbaumes benutzten oder 
die Milch mit einem frisch abgeschnittenen Zweige des Feigenbaumes 
umrührten, auch die BlQthenköpfe, ja selbst die Blüthen der wilden 
Artischoke dazu verwendeten.* Noch heute werden auf Mallorka 
Molken und Käse durch Umrühren der Milch mit einem Feigenzweige 
bereitet, in Valencia dagegen Blüthenköpfe von Distelarten, namentlich 
von wilden Artischoken zum Käsen benutzt. Auch ist es auf 
Mollorka Sitte, nach Tische lauwarme Milch zu serviren, die jeder 
Tischgenosse durch kleine Stücke von frischen Feigenzweigen zam 
Gerinnen bringt, indem er die Zweige an den Enden kreuzweis ein- 
schneidet und die Milch damit umrührt. Die Versuche mit dem 
Saft unreifer Feigen zeigten mir nun in der That, dass derselbe bei 
30 C. die Milch gerinnen macht, dass auch anderen Feigenarten 
(wenigstens Ficus macrophylla Roxb.) diese Eigenschaft zukommt 
nnd weiter, dass der Milchsalt unserer Feige im Stande ist, gleich 



347 



dem des Melonenbanraes bei 60o Eiweiss in lösliche Körper, sogenannte 
Peptone umzuwandeln*). 

Im September 1879 nannte ich das durch Alkohol fällbare 
eiweisshaltige Ferment des Carica Papayasaftes auf der Naturforscher- 
versammlung zu Baden-Baden Papayacin, ohne zu wissen, dass ca. 
sechs Wochen früher Bouchut und VTurtz eine Arbeit über den- 
selben Gegenstand in den Comptes rendus 89, p. 425 veröffentlicht 
hatten, worin sie dem Ferment den Namen Papain gaben ; letzterer 
Name muss natürlich der Priorität halber angenommen werden. In 
einer neueren Untersuchung hat Wurtz**) nun genauer die chemische 
Zusaramensetzong bekannt gemacht und gefunden, dass das reine, 
durch unteressigsaures Blei gereinigte Papaün enthält: 

Kohlenstoff 52,36 52,19 

Wasserstoff 7,27 7,12 

Stickstoff 16,94 16,40 



79,17 79,93 

Er kommt zu dem Schluss, dass es eine Eiweisssubstanz ist, 
die in ihrer Wirkung auf andere Eiweisskörper sich dem Ferment 
nähert, welches in der Bauchspeicheldrüse, dem Pankreas, gefunden 
ist und den Namen Trypsin führt. Neuerdings ist übrigens von 
William Roberts im Pankreas neben Trypsin auch ein pepsinartiges 
Ferment gefunden, welches die Milch gerinnen macht. (Maly, 
Jahresbericht, Thierrhemie 9, 18^0, Seite 224.) Im Gegensatz 
zu Pepsin scheint sich Trypsin, wie Wurtz bemerkt, den Eiweiss- 
stoffen zu nähern, seine Einwirkung auf andere Eiweisskörper scheint 
aber energischer als die des Papains zu sein. Letzteres löst zwar 
rasch grosse Mengen Blutfibrin auf, aber um Alles aufzulösen, muss 
man grosse Mengen Papain anwenden, z. B. 0,3 gr auf 10 g feuchtes 
Fibrin und die Verdauung bei 50° zweimal 24 Stunden fortsetzen. 
Ich habe mit Trypsin keine Versuche gemacht, aber gefunden, dass 
Papain schneller als Pepsin wirkt und ein Theil lufttrockener 
Substanz 10 000 Theile Milch zum Gerinnen bringen kann, ähnlieh 
wie es die beste Labessenz thut. 

Die lösende Wirkung auf Eiweissstoffe dürfte das Papain resp. 
den Caricasaft selbst vielleicht als Arzneimittel geeignet erseheinen 
lassen; in Kolumbien wird er bereits als solches benätzt, wie es 
scheint gegen Magenbeschwerden, in Dosen von 1—2 Gran (3 — 4 
Gran bewirken starkes Aufstossen, was ich auch an mir selbst 
erfuhr), in Honolulu wird er gegen Keuchhusten mit gutem Erfolge 
angewandt, in Kio de Janeiro soll bereits der dortige Hofapotheker 
Peckolt, ein Deutscher, Pepsine vegetal verkaufen. Vielleicht liesse 



*) Vergleiche Wittmack io 
forschenden Freunde zu Berün", , ^ „ , ^ -. 

berichte des botanischen Vereins der Provinz Brandenburg^ iö<ö, p 
„Tageblatt der Naturforscherversammlung in Baden-Baden", 1879, p. 22 

**) Comptes reiidus, 90, p. 1379. 



348 



es sich bei tms namentlich zum Lösen der häutigen Beläge bei 
Dyphtheritis verwenden. Nebenbei bemerkt ist der Gebrauch des 
Saftes, um Fleisch mürbe zu machen, in der Umgegend von Rio 
de Janeiro ganz allgemein üblich, ebenso auf den Cap Verdischen 
Inseln, in Singapore, auf Java und nach neuerdings mir gewordenen 
Mittheilungen auch auf einigen Südseeinseln. Wichtig wäre es, mehr 
Material zu erhalten; mit Glyzerin und einigen Tropfen Pfeffermünz- 
Essenz soll es sich nach Wurtz und Bouchut gut verschicken 
lassen. Das Eintrocknen des Saftes ist langwierig. Interessant ist 
es, dass Bouchut jetzt auch den Feigensaft untersucht hat und zu 
denselben Ergebnissen gekommen ist, wie ich sie schilderte. 

Unwillkührlich erinnern diese Wirkungen an die ähnlichen bei 
den sogenannten fleischfressenden Pflanzen, wo es allerdings kein 
Milchsaft, sondern ein Drüsensekret ist, sie erinnern ferner an die 
der Fermente im keimenden Samen, wo, z. B. in Wicken und Gerste 
auch ein pepsinartiger Körper gefunden ist, der Eiweiss löslich 
macht. Und wie im Samen der Pflanze, ist neuerdings von Kruken- 
berg auch im Ei der Vögel, im Hühnerei, ein pepsinartiger Körper 
entdeckt, so dass uns die leichte Verdaulichkeit des rohen Hühner- 
eies jetzt viel verständlicher wird; endlich ist auch in der Lohblüthe 
ein pepsinartiger Stoff gefunden. Vergegenwärtigen wir uns nun, 
dass die Milchsaftgefässe meistens aussen, im Basttheil, ja oft 
in der inneren Rindenschicht liegen und bis in die Oberhaut mit 
ihren Verzweigungen reichen (bei Carica Papaya allerdings auch im 
Holz), so wird die Aehnlichkeit mit jenen Hautdrüsen der fleisch- 
fressenden Pflanzen noch grösser, und bedenkt man weiter, dass die 
Milch der Thiere auch in Haotdrüsen abgesondert wird, dass sogar 
neuerdings das Sekret der Hautdrüsen der Vögel, speziell das der 
sogenannten Bürzeldrüse, mit der Milch der Säugethiere verglichen 
i^t*), so erhält man eiae gewisse wenigstens äusserliche üeberein- 
stimmung der Lagerung dieser Organe bei Pflanzen und Tbieren, 
ähnlich wie neuerdings die Bildung der Zellen, speziell die Theilung 
des Zeilkerns von Strassburger bei Pflanzen und Tbieren als in 
vielen Punkten einander ähnlich erkai.nt ist. Physiologisch sind 
allerdings Pflanzen- und Thiermilch verschieden. 

Die Milchröhren der Pflanzen liegen gewöhnlich neben den 
Siebröhren, diese sind aber anerkanntermaassen zum Transport 
der Eiweissstoffe bestimmt, und, wenn man nun erwägt, dass 
oft bei den Cichoriaceen die Milchröhren gewissermaassen die 
Siebröhren vertreten und je mächtiger die Milchröhren entwickelt 
sind, um so geringer die Siebröhren sich ausbilden und auch 
umgekehrt (Glaucium luteum hat z. B. gar keine Milchröhien, 
dafür aber starke Siebröhren - Gruppen**) , so darf man wohl 



*) D. de Jonge: Ueber das Sekret der Talgdrüsen der Vögel und sein 
Vexhältniss zu den fetthaltigen Hautsekreten der Säugethiere, insbesondere 
der Milch. Zeitschrift für physiologische Chenoie DI., 225; daraus in Lamy, 



annehmen, dass beide, die Siebröhren nnd Milchröhren, einem 
gemeinschaftlichen Zwecke dienen, dass die Milchröhren gewisser- 
maassen den Siebröhren vorarbeiten. Der Milchsaft der Pflanzen 
hat wahrscheinlich dieselbe Funktion wie die thierischen Verdauungs- 
drüsen im Magen und im Pankreas; er soll die Eiweissstoffe auf- 
lösen, die dann durch die Siebröhren (oder in den Milchröhren selber) 
weiter geführt werden. 

Schon bei der Naturforscherversamralung in Baden-Baden 1879 
sprach ich aus, dass mit diesen Thatsachen vielleicht eine ganz neue 
Anschauung über die Milchsäfte der Pflanzen gewonnen sei, dass zu 
vermuthen stehe, dass allen Milchsäften mehr oder weniger diese 
pepsinartige Wirkung zukomme und dass sie vielleicht somit eine 
grosse Rolle bei der Ernährung der Pflanzen spielen, indem sie die 
Eiweissstoffe löslich und transportfähig machen. Weitere Versuche 
werden hoffentlich diese Vermuthung bestätigen. 

So viel sehen wir aber schon jetzt, dass der Milchsaft der Pflanzen, 
den man oft als ein nutzloses Sekret betrachtete, doch wahrscheinlich 
eine hohe Bedeutung lür die Ernährung der Pflanzen hat; ja wir dürfen 
vermuthen, dass es auch nicht von ungefähr ist, wenn wir Menschen 
so gern Salat, Endivien, oder wie in Frankreich und am Rhein, 
Löwenzahn, oder wie in Belgien gebleichte Blätter der wilden 
Gichorie (Whitloef genannt) zu unseren Speisen, meist speziell zum 
Braten, geniessen, wenn wir Schwarzwurzeln, Scorzonea hispanica, 
Haferwurz, Tragopogon porrifolius L., ja selbst Cichorienwurzeln 
(wie es in Cichorienfabriken seitens der Arbeiter geschieht) gern als 
Gemüse essen, wenn in der Moldau und Wallaehei, in der Türkei 
und Griechenland noch manche andere Cichoriaceen als Salat genossen 
werden. Neben dem pikanten bitterlichen Geschmack und den im Saft 
enthaltenen Salzen scheint die allerdings noch zu prüfende Wirkung auf 
die Verdauung der eiweisshaltigen Speisen, u. A. des Fleisches, uns 
mit dazu getrieben zu haben. Von diesem Gesichtspunkte aus hat, 
wenn sich das Alles bestätigen sollte, der Gärtner, der da Salat und 
andere Milchsaft führende Gemüse zieht, einen bedeutsamen Antheil 
an der Ernährung des Volkes ; er suche darum auch durch passende 
Auswahl der Sorten recht kräftige Varietäten, recht milchsaftreiche 
zu produziren und wenn er diesen Gesichtspunkt im Auge behält, 
so wird er eine rationelle Molkerei dadurch begründen, die der der 
Landwirthe in Bezug auf ihre Bedeutung für den Haushalt der Natur 
nicht so sehr nachsteht. Die Gemüsegärtnerei gelangt durch solche 
Betrachtungen, wie ich denke, zu neuem Ansehen; sie liefert uns 
neben pikanten Gerichten hygienische Mittel zur Förderung der 
Ernährung, zur Erleichterung der Verdauung, ja vielleicht einst 
daraus Stoffe zur Bekämpfung von Verdauungskrankheiten — und 
das Alles durch wenige Tropfen Milchsaft. 



Hiermit wäre die Aufzeichnung der Landrosen geschlossen, wenn 
auch gleich Meteoren, die kommen und verschwinden, hin und wieder 
in botanischen Gärten bei einigen Rosenspezies gefüllt blühende 
oder anders gefüllte Varietäten aus Samen entstehen, welche, dem 
grossen Publikum kaum bekannt, oft nicht sehr werthvoll sind, die 
ich daher auch hier gan2 übergehen darf. 

Die Landrosen entwickeln sieh, besonders in milderen, geschützten 
Lagen und bei guten Bodenverhältnissen nicht selten zu wahren 
Prachtexemplaren und nehmen zuweilen gewaltige Dimensionen an. 
Solche Rosenriesen findet man vereinzelt in den wohlgep Hegten Gärten 
alter Adelsgeschlechter, mitunter auf dem Lande in ßauerngehöften, 
als Bekleidung der Giebelwände. Als solche habe ich häufig die 
Varietäten der Rosa alba und lutea angetroffen, welche sich zu 
vorgedachtem Zwecke recht gut eignen, wohl auch in nördlichen 
Gegenden und in rauher Lage die minder harten Varietäten der 
Kletlerrosenarten : multitiora, sempervirens, rubifolia u. A. vollkommen 
ersetzen. Ich selbst habe diverse Landrosen -Hochstämme (auf R. 
canina veredelt) gezogen, die in drei Jahren einen Stammdurchmesser 
(des Wildlinges) von 6 cm und einen Kronendiameter von 2 m er- 
reichten. Auch aus der eigenen Wurzel emporgewachsene Hoch- 
stämme (die zu ziehen ich allen Rosenfreunden dringend anrathe) 
wuchsen rasch zu grosskronigen Pflanzen heran, während wurzelechte 
Landrosen sich zu umfangreichen Büschen ausbauen und im Laufe 
der Zeiten so sehr ausbreiten, dass sie sogar, in Folge Absterbens 
des alten Stockes und stets neuer Ausläufe rbildung, den ursprünglich 
ihnen angewiesenen Platz ganz verlassen. Das ist namentlich bei 
den stark Ausläufer treibenden Arten: R. pimpinellifolia, majalis 
u. A. der Fall, deren Triebe oft da zum Vorschein kommen, wo 
man sie gar nicht vermuthet, nicht selten zwischen andere Sträucher 
hineinwachsen und solchergestalt leicht Veranlassung zu Irrungen geben. 

Manche Landrosen erreichen auf gunstigen Standorten ein un- 
glaublich hohes Alter. Man zeigte mir derlei Veteranen von R, 
canina und alba, deren Alter an 100 Jahre und darüber geschätzt 
wurde. Ich pflanzte vor 33 Jahren auf dem Schlossberge bei Teplitz 
in Böhmen Landrosen, die dort noch heute in ungeschwächter kraft 
vegetiren und Jahr für Jahr überreich blühen, während Remontaut- 
rosen daselbst, Fall für Fall, durch neue ersetzt werden mussten. 
Erwägt man nun, dass man mit einigen Landrosensträuchern, 
besonders wenn man sie als bleibende Monumente irgend eines 
denkwürdigen Familienereignisses pflanzt, aufwachsen, fortleben und 
noch als Greis sich ihrer Blüthen erfreuen kann, so wird man meine 
Vorliebe für Landrosen gerechtfertigt und es ganz am rechten Platze 
finden, wenn ich allen Rosenfreunden zurufe: Pflanzet Landrosen in 
Euren Garten, wo Ihr nur könnt! 



Die Vermehrung der Landrosen ist eine kinderleichte. Viele 
ietäten tragen reichlicl 
nächstfolgenden Frühling 
Neue und Schöne. 

Die Veredelungsarten gehen gleichfalls gut an, wobei ich 
indessen aufmerksam mache, auf Hochstämme nur Reiser von massig 
wachsenden, dichtverästelten, unter Umständen solche von Sorten 
mit etwas hängendem Habitus aufzusetzen, Pomponrosen, und alle 
von schwachem, niedrigem Wüchse, sollten nur wurzelecht oder auf 
Halbstämme veredelt gezogen werden, weil sie kleine Büsche bilden, 
die auf hohen Wildlingen sich kindisch ausnehmen. Sehr kräftig 
wachsende Sorten, die einzelne, weit ausschiessende Triebe zu bilden 
pflegen, müssen unter allen Umständen wurzelecht gezogen werden. 

Die enorme Ausläuferbildung mancher Arten und Varietäten 
begünstigt die Vermehrung ungemein. Bei solchen Sorten hat man 
nichts weiter nöthig, als die Erde an der Peripherie des Strauches 
vorsichtig abzuheben und bewurzelte Ausläufer vermittelst eines 
scharfen Messers so knapp als nur immer möglich am Ursprünge 
wegzuschneiden. Dies geschehe im Herbste, unmittelbar vor dem 
Laubabfelle, weil zu jener Zeit derlei Manipulationen besseren Erfolg 
versprechen. Auch unbewurzelte Ausläufer können abgelöst, müssen 
aber sogleich eingepflanzt, angegossen und gleich den bewurzelten so 
hoch als nur möglich mit Erde angehäufelt werden. Bei diesem 
Verfahren, und wenn sie bis zum Monate Mai nächsten Jahres mit 
Erde bedeckt bleiben, wachsen auch unbewurzelte Ausläufer, welche 
solchergestalt behandelt bis dahin Faserwurzeln bilden, freudig weiter. 

Nicht alle Landrosen lassen sich leicht vermittelst Stecklingen 
vermehren; in dieser Richtung sind bereits die Varietäten der R. lutea, 
centifolia, muscosa, die Dijourose, einige Varietäten von R. alba 
und damascena etwas diffizil, während die R. gallica, noch mehr ihre 
Hybriden, sehr leicht Wurzeln bilden. Die meisten Kletterrosen, 
unter ihnen oben an R. rubifolia und multiflora, bewurzeln sich als 
Stecklinge ungemein leicht, doch giebt es fast unter allen Gruppen 
einzelne Sorten, die sich schwieriger in der Behandlung zeigen. 

Die Art und Weise der Stecklingsvermehrung im Sommer ist 
so bekannt, dass ich nicht nöthig habe, mich hierüber des Breiteren 
auszulassen; minder bekannt ist die Vermehrung der Rosen durch 
Herbststecklinge. Zu diesem Behufe schneide man im Spätherbste 
vor dem Laubabfalle ungefähr 30 cm lange Zweige aus ihrem 
Ursprünge (wie man zu sagen pflegt aus der Achsel oder mit dem 
Knoten) und stecke sie reihenweise in die hierzu vorgerichteten, 
tiefgegrabenen, mit lockerer, sandiger, jedoch ungedüngter Erde 
gefüllten Beete, ungefähr bis zu zwei Drittel ihrer Gesammtlänge 
und unter einander im Abstände von 8 cm, ein. Darnach werden 
sie angegossen und bis zur Spitze mit Erde angehäufelt. Auf einem 
meterbreiten Beete beliebiger Länge können drei Reihen gezogen 
werden. Anfang Mai des nächsten Jahres befreit man die Spitzen 
der Stecklinge von der an sie gehäufelten Erde, giesst bei trockener 



- 352 — 

Witterung öfter und pflanzt die bewurzelten Reiser im Herbste des- 
selben Jahres an die für sie bestimmten Standorte. Jene Stecklinge, 
die bis dahin keine Wurzeln, wohl aber an der Schnittfläche Callus 
gebildet haben, pflanze man probeweise aufs Neue ein, wo sie dann 
bis zum Frühlinge des zweiten Jahres hoffentlich Wurzel schlagen; 
doch ist es vortheilhafter, schwerwurzelnde Varietäten lieber durch 
Ableger zu vermehren, welche in bekannter Weise gebildet werden. 
Dreht man die langen Triebe der Kletterrosen einige Male um ihre 
Achse, so dass sie der Länge nach theilweise brechen oder aufreissen, 
und befestigt sie vermittelst Haken einige cm tief unter der Erde, 
so schlagen sie, meist an vielen verwundeten Stellen zugleich, 
Wurzeln und es können solchergestalt von einem zwei m langen 
Triebe oft viele Pflanzen gewonnen werden. 

Nun nur noch ein paar Worte über die Verwendung der Land- 
rosen. Dass diese Klasse Rosen, wenn nicht vorth eilhafter, so zum 
mindesten ebenso wie die Herbstrosen zur Ausschmückung des 
Gartens benützt werden könne, ist selbstverständlich. Halb- und 
Hochstämme dieser Rosen haben den durchaus nicht zu unterschätzen- 
den Vorzug voraus, dass sie nicht umgebogen und eingedeckt zu 
werden brauchen, dass daher auch die Wildlinge an der Biegungs- 
stelle nie abfrieren, auch nie abbrechen können, daher wundervolle, 
schön geformte Stamm eben bilden (vorausgesetzt, dass man nicht 
ohne Wahl und Verständniss veredelte und etwa gar unpassende 
Sorten aufsetzte), welche von keiner, wie immer Namen habenden 
Remontantrose an Bau, Wüchsigkeit und Ausdauer übertroffen werden 
und ich glaube, dass eine sechswöchentliche Blüthenfülle solcher 
Rosenbäumchen alle übrigen in den Schatten stellen muss. Wir 
haben Stadtgärten, wo auf der Fläche Rasen vorherrscht; wir beab- 
sichtigen andererseits, Rosenalleeen dort anzulegen, wo durchaus 
nicht mit Erde gedeckt werden darf, Laub und Nadelreisig schwer 
zu bekommen ist, Deckmaterial oft gar nicht von auswärts bezogen 
werden kann und darf. Dort ist die Landrose ganz am rechten 
Platze. Dass nur Landrosen als Kletterrosen entsprechende allgemeine 
Verwendung finden können, ist selbstverständlich und zwar eine um 
so bessere, je frostharter die Rose ist, je weniger Ansprüche sie an 
Klima und Standort erhebt. In Gärten, wo Bodenverhältnisse ein 
gewichtiges Wort dreinsprechen oder wenn dem Besitzer die Mittel 
fehlen, viel auf die Rose zu verwenden, wo es an Pflege, an Be- 
wässerung gebricht, dort kann sich keine Herbstrose, wohl aber die 
Alles vertragende Landrose erhalten; dort empfehlen wir, nur wurzel- 
echte Standsträucher von Rosa gallica und ihren Hybriden, ferner von 
Rosa alba und centifolia anzupflanzen; sei es, dass wir von den 
hochwachsenden Sorten ganze Gebüsche zusammensetzen, sei es, dass 
wir massiger wachsende oder schöner blühende Varietäten an die 
Seiten der Wege verweisen oder mit den schwach wachsenden Pompon- 
uad Dijonröschen andere Baum- und Strauchpartien einfassen. 

Die Form der Pyramide, mehr noch jene der Säule, vermag 
nur die Landrose in ihren kräftig wachsenden Varietäten zur Geltung 



zu bringen. Zur Anzucht von Säulenrosen werden wir die aufrecht 
wachsenden Sorten benutzen, welche gleichzeitig durch Grösse, 
Farbenpracht oder Menge ihrer ßlüthen imponiren. Solche Varietäten 
sind die Damaszener- Rosen: La Ville de Bruxelles und Madame 
Hardy; — die Moosrosen: Alice Leroy, Comtesse de Murinais, 
Princesse Adelaide, Princesse Royale, Baroillet, Lane, L'Obscurite, 
Zaire; — die einmal blühenden Hybriden: Brennus, Cbenedole, 
Malton, Richelieu, Vingt neuf Juillet, Belle Bajadere, La Vaquerie, 
Prince of Wales, Madame Plantier, Madeline, Roxelane, Cliarles 
Duval, Legouve, Paul Perras, Victor Hugo, Fredöric IL, L'Obscurite ; 

— die weisse Rose: Felicite Parmentier; — die R. multiöora: de la 
Grifferaie und Russeliana. 

Wer eine schön gezogene Säulenrose, vom Fusse bis zur Spitze 
mit BJüthen bedeckt, gesehen, wird mir beistimmen, wenn ich sage: 
dass die Rose, in dieser Form kulivirt. Alles leistet, was man von 
ihr nur fordern kann; deshalb empfehle ich aber auch die Säulen- 
rose, welche dem kleinsten wie grössten Garten zur wahrhaften 
Zierde gereicht, auf das Wärmste. Auf einer Anzahl solcher Rosen, 
gruppenweise im Parkrasen vertheilt und geschmackvoll auf Farben 
zasammeugestellt, wird das Auge des Beschauers stets mit Bewun- 
derung ruhen; aber auch Trauerrosen, zu welchen man nur Sorten 
mit langen dünnen Trieben wählen darf, z. B. die Moosrose Princess 
Adelaide, Nuits d'Yong, Multiflora; — Alpenrose: Amadis; — Hybride: 
Belle d'Yvry, Malton, le brave Depute, General Kleber, Las Casas, 
Triomphe de Laqueue, Adolphe, Roxelane; R. lutea: Harrisonii; — 
R. arvensis: Dundee Rambler, Ruga, Splendens; — ß. simpervirens : 
Adelaide d'Orleans, Felicite perpetue; — R. multiflora: Laur6 Davoust; 

— R. rubifolia: Perpetuel — u. A. sind effektvoll und keine gewöhn- 
liche Zierde des Gartens und — Grabes! 

Wenn ich endlich noch darauf hinweise, dass sich auch Fels- 
partien in unseren Gärten mit Landrosen aus der Gruppe der 
Alpen-, Pompon- oder Pirapinellrose ausschmücken lassen, welche 
sich mit ihren Ausläufern weithin zwischen dem Gestein und Moose 
durchschieben, um auch hier mit ihren duftigen Blüthen das Auge 
des Naturfreundes zu ergötzen; so habe ich Alles gesagt, was sich 
mit diesen Zeilen zum Lobe der Landrose überhaupt sagen lässt, 
von dem Wunsche beseelt, dass diese verkannte Kose aus ihrer 
Verl)orgenheit hervorgezogen und an den ihr gebührenden Ehrenplatz 
gestellt werde! 



Pflanzen - Neuheiten. 

(Bouvardia Alfred Neuner. — Chionodoxa Luciliae. — Tecophilaea 
Kiolirion tataricum. — Prunus Pissardi.) 



Bouvardia Alfred Neuner. Li Bezug auf diese Neuheit 
geben wir für die, welche die Pflanzen sich anschaffen wollen, eine 
Kritik derselben aus dem «Journal of Horticulture" vom 30 Juni d. J., 



354 



wodurch die etwaigen Zweifel über den Werth oder Unwerth ( 
gehoben werden: 

„Zur Genugthuung wird es für Diejenigen sein, welche Pflanzen 
der gefüllten Bouvardia Alfred Neuner gekauft haben, oder die 
Absicht haben, dieselben zu kaufen, zu erfahren, dass die ersten 
Blumen, welche in England während der letzten Woche erschienen, 
vollständig den Beschreibungen entsprechen, welche wir von Amerika 
erhielten Die Blumen sind genau so gefüllt, wie es im Holzschnitte 
gezeigt wird, indem sie aus zwei bis drei wechselweise in einander 
stehenden, sternförmig gebildeten Blumenkronen bestehen, mit 8 — 12 
zugespitzten Kronenblältern. Nicht die geringste Verunstaltung oder 
Unregelmässigkeit ist in den Blumen, welche w^ir sahen, im Gegen- 
theil, es herrscht das genaueste GJeichmaass vor. Sie sijid ausserdem 
rein weiss, von fester Textur und stehen in ziemlich grossen dichten 
Büscheln. Das beste Exemplar, welches zu unserer Ansicht gekommen, 
befindet sich in Mrs. H. Cannell & Sons Nursery in Swanley, wo eine 
Schaupflanze vier schöne wie oben beschriebene Blüthen trägt. Die 
Pflanze selbst erscheint von kräftigem gedrungenen Wüchse und 
ebenso blüthenreich als viele der einfachen Arten. Die Herren 
Carter & Son haben ebenfalls dergleichen in Blüthe. 

Chionodoxa Luciliae ist eine der schönsten Frühjahrsblumen 
unter den Zwiebelgewächsen, ähnlich der allbekannten Scilla sibirica 
und von gleicher Kultur. Diese Pflanze, deren Blüthe von hellblauer 
Farbe mit weissen Konturen ist, eignet sich sowohl für Topfkultur 
gleich der Scilla, als auch für's freie Land; ihr Werth wird noch 
erhöht durch ihre Widerstandsfähigkeit gegen die Kälte im Winter, 
ohne bedeckt zu werden oder doch nur wenig. Zum Treiben in 
Töpfen ist sie gleich der Scilla, Crocus, Tulpe u. s. w., ebenso zu 
benutzen. Ein nahrhafter und durchlässiger Boden, sowie guter 
Abzug in den Töpfen ist die ihr zusagende Bedingung zum guten 
Gedeihen. Gleich der Scilla wird sie durch Brutzwiebeln vermehrt, 
auch trägt sie wie diese leicht Samen und kann auf diese Weise, 
so lange die Pflanze noch im Preise hoch oder der Vorrath gering 
ist, vermehrt werden. 

Ihr Vaterland ist, nach „Journal of Horticulture", No. 40, Klein- 
Asien, woselbst sie im Jahre 1842 von Boissier entdeckt ward, 
1000 Fuss über dem Meere auf der Westseite des Tmolusgebirges. 
Ihre Einführung verdankt sie dem Herrn C. Maw von Benthall 
Grange, welcher die Oertlichkeit, wo er sie fand, wie folgt beschreibt: 

„Die ersten Exemplare wurdeu Anfang Mai 1877 gefunden 
beim Besteigen des Nymph Dag, östlich von Smyrna auf einer Höhe 
von 3000—4300 Fuss. Auf geriogerer Höhe war sie bereits ver- 
blüht; gegen den Gipfel des Berges dagegen wurde eine grosse Menge 
in schönster Blüthe gefunden, eine i'asse von blau und weiss, 
ähnlich der Nemophila insignis, aber dunkler und leuchtender in 
Farbe. Nahe dabei standen Tulpen, Fritiliarien, Galanthus Elwesii, 
Gageen verschiedener Arten, Crocus, Colchicum bulbocodioides, Scilla 
tt. s. w., ein wahres Paradies für den Zwiebelsammler und Botaniker.« 



Der Verein erhielt zur Prüfung eine blühbare Pflanze von 
Heinemann, Erfurt; sie blühte bei mir ab und trug Samen. Ich 
kann sie jedem Liebhaber sowie den Blumenzüchtern und Denjenigen, 
welche sich der Treiberei der Tulpen, Hyazinthen, Croeus, Scilla etc. 
widmen, nur empfehlen. Sie ist zwar noch selten und theuer, 
doch wird bei der guten Vermehrung derselben ihr Preis bald 
Jedem erschwinglicher sein und sie sich wie die Scilla zur Massen- 
kultur und Treiberei eignen. 

Tecophilaea Cyano croeus. Ebenfalls ein neues sehr schönes 
Zwiebelgewächs aus Chili, welches wie die vorhergehende Chinodoxa 
berufen ist, dieselbe Gunst und Ausdehnung der Kultur zu erfahren, 
wie die beliebte Scilla sibirica. In der Juli-Nummer des „Garden", 
Seite 62, ist eine hübsche farbige Abbildung derselben gegeben, 
die richtige Schreibweise ist aber Tecophilaea, nicht Tei'ophylaea, 
wie Garden schreibt, wie Nemophila, Gysophila etc. vom griechischen 
g)d€(o, (ftXri etc., lieben. Sie blüht gleich der Scilla im Frühling 
und wurde vor fünfzehn Jahren etwa eingeführt und im Kew-Garten 
kultivirt. Ihre Anzucht wurde aber wieder aufgegeben, da sie nicht 
zur Blüthe gebracht werden konnte. Bei Haage & Schmidt im 
Jahre 1872 eingeführte Zwiebeln blühten indessen, doch blieben die 
Blumen etwas klein, da sie zu warm kultivirt wurden. Seitdem 
sind Zwiebeln in grösserer Anzahl eingeführt worden, doch zeigten sie 
sich in Bezug auf Blühen sehr schwierig; um dies zu thun, bedürfen 
sie sehr aufmerksamer Pflege, jedenfalls, um kräftige Zwiebeln, von 
denen bestimmt eine Blume erwartet werden könnte, zu erzeugen. 
Dies zu erreichen, wäre nach M. Leichtlin die beste Kultur 
die, dass man sie im August drei Zoll tief in einen Kapkasten 
in reiche Erde pflanzt oder zwei Zoll tief in Töpfe mit gleicher 
Erde, welche Töpfe während des Winters in den frostfreien Kasten 
eingesenkt werden. Die Hauptsache ist, dass die Pflanzen kalt und 
nicht warm kultivirt werden und soviel Luft als möglich erhalten; 
im Februar und März bei schönem Wetter ist es gut, die Töpfe der 
Luft auszusetzen, indem man die Fenster herunterzieht und Luft 
und Licht auf die Pflanze einwirken lässt, bis die Blüthen erscheinen. 
Beim Erscheinen derselben können die Töpfe in's Kalthaus gebracht 
werden, woselbst die prächtigen himmelblauen wohlriechenden Blüthen 
eine Zierde desselben sein werden. 

Ixiolirion tataricum (montanuü], Pallasii). Die dritte im 
Bunde der neuen Zwiebelgewächse und ebenso werthvoll und 
empfehlenswerth ist Ixiolirion tataricum aus Turkestan. Ein Holz- 
schnitt und eine Beschreibung derselben befindet sich in derselben 
Kr. des „Garden". Die Pflanze erreicht eine Höhe von etwa 1^ Fuss, 
die Blumen stehen in traubenartigem Blüthenstande und sind von 
schöner porzellanblauer Farbe. Es giebt verschiedene Spielarten 
davon, welche sich hauptsächlich durch die hellere oder dunklere 
Färbung der Blüthen von einander unterscheiden. 

Pallasii ist jedenfalls die dunkelste, tataricum die hellste, 
montanum und Ledebonrii stehen in der Mitte. Bandförmige Linien' 



laufen in der Mitte der einzelnen Kronenblätter jeder Art. Ihre 
Kultur würde vorläufig dieselbe wie Tecophilaea sein, obgleich sie 
in England an einer der Sonne ausgesetzten Mauer ohne Decke 
den vorigen strengen Winter ohne Schaden aushielt, welches wir bei 
uns aber erst erproben müssten, bis die Zwiebelu billiger zu haben 
sein werden, wenigstens raüsste für genügende Decke im freien 
J>ande während des Winters gesorgt werden, also etwa wie bei den 
Hyazinthen etc. Die Pflanze verdient nicht nur als Zierpflanze eine 
Stelle in jedem Garten, sondern ihre Blumen, welche abgeschnitten 
eine geraume Zeit dauern, würden sich sehr gut für Blumensträasse 
eignen und von den Blumenhändlern, ähnlich wie Agapanthus- 
Blumen, sehr gesucht werden. 

Alle drei Zwiebelgewächse sind bei Haage & Schmidt in 
Erfurt in Kultur und käuflich zu haben. (Ixiolirion tataricum sahen 
wir in diesem Sommer sehr schön blühend bei Herrn L. Späth 
in Berlin und werden nächsteus eine Abbildung davon bringen. L. W.) 

Prunus Pissardi. Die „Revue horticole" enthält in der 
J^ummer vom 16. Mai d. J. eine schöne bunte Tafel einer neuen Art 
von Prunus mit bunten Blättern und es^sbaren Früchten. Wir halten 
es für nützlich, die Nachricht, welche diese Tafel begleitet und 
welche der maassgebenden Feder des Herrn E. A. Carriere ent- 
springt, wiederzugeben. 

„Diese Art ist sicherlich die bemerkenswertheste Pflanze, welche 
seit einigen Jahren eingeführt worden. Ausser dass sie neu und sehr 
werthvoll ist, stellt sie in dem Genus Prunus eine besondere und 
anziehende Abtheilung dar, erstlich als früchtetragender Baum und 
zweitens als Schmuckpflanze. Sie ist nicht nur durch die bunte 
Färbung ihrer Blätter, welche von einem tiefen schattirten Roth sind, 
merkwürdig, sondern auch durch ihre von Jugend auf dunkelrothen 
Früchte, welche einen ganz neuen Charakter haben. Sie wird auch 
ohne Zweifel eine wirkliche Umwälzung in der Gartenkunst hervor- 
rufen." 

Herr Carriere nannte diese neue Art zum Andenken an Herrn 
Pissard, Obergärtner des Schah von Persien, welcher dieselbe 
nach Frankreich sandte. Sie soll von Tauris, einer wichtigen Stadt 
Persiens, herstammen, woselbst sie noch selten und sehr gesucht ist 
wegen der danklen Röthe der Blätter. Auch werden die Früchte, 
vvelche von Jugend auf dunkel sind, in Teheran, ehe sie noch reif 
sind, viel gekauft, um dieselben mit Salz zu geniessen oder die Tafel 
damit zu zieren. Auch benutzt man sie zu Geschenken. Diese Art 
scheint in die Gruppe der Mirobalanen zu gehören. Ihre haupt- 
sächlichen Unterscheidungszeichen sind die folgenden: 

Strauch oder sehr kleiner buschiger Baum, sehr verzweigt, 
Zweige aufrecht, mit sehr schwarzer Rinde, glänzend; Triebe mit 
dunkelrother, glatter, wie gefirnisster Rinde. Blätter unbehaart, oval, 
nach oben plötzlich verschmälert mit runder Spitze, fein gezähnt, 
von schöner rother Farbe, je nach Wuchs heller oder dunkler, aber 
stets schön gefärbt. Die Blumen, welche in der zweiten Hälfte des 



März erscheinen, werden getragen von einem 12—18 mm langen, 
rothen und unbehaarten Blumenstiel, ßlüthenknospen kugelförmig, 
klein, vom Ende Februar an sichtbar. Kelchblätter abgerundet 
eirund, röthlich, ein wenig rostfarben. Blumen ungefähr 15—18 mm, 
regelmässig. Blumenblätter verkehrt eirund, von sebr schönem 
Weiss, selten rosa angehaucht. Staubfäden weiss oder kaum fleisch- 
farben, Staubbeutel weinroth mit Orange. Früchte klein, kaum 
mittelgross, fast oval, von ihrem Erscheinen an dunkelroth oder 
purpur, ziemlieh gut in der Reife, Fleisch saftig und zuckersüss. 

Der Prunus Pissardi könnte mit Voitheil in den Buschpartien 
und selbst auf den Rabatten neben den Wohnungen benutzt werden, 
da er, sowohl wegen seiner geringen Grösse, als auch wegen seiner 
Blätter, Blumen, Früchte und Rinde, welche Rinde roth, schwarz 
und glänzend, stets eine Zierde ist. Man wird ihn selbst im Topfe 
ziehen können wie Spiraea und ähnliche Sträucher, da er nicht hoch 
wird und sich sehr verzweigt. Dies ist sicherlich, wir wiederholen 
es, die werthvollste Pflanze, welche seit langer Zeit eingelührt ist, 
und wird sie von Jedermann bald sehr gesucht sein. 

Der Prunus Pissardi ist noch nicht im Handel, dagegen in Cultur 
bei Herrn M, Paillet in Chatenay-les-Sceaux bei Paris. Wir wollen 
hoffen, dass diese Pflanze, welche dasselbe Aufsehen, wie der rothe 
Pfirsich, in der Gärtnerwelt machen wird, sich schnell vermehren 
lässt, um in Kurzem in den Handel zu kommen. 

Carl Mathieu. 

Pothos aurea hört. Linden. 

Fam. Araceae. Subfam. Pothoideae. 

(Hierzu eine Abbildung.) 

Die grosse Familie der Araceae oder Aroideae zerfällt nach 
Engler: Araceae, S. 62, in zehn Unterfamilien, deren erste die der 
Pothoideae sich durch Mangel an Milchsaftgefässen und Intercellular- 
haaren auszeichnet. Ferner hat sie zweizeilige oder spiralig gestellte 
Blätter, deren Seitennerven '2—3. Ordnung netzaderig, selten fast 
parallel sind; Blüthen meist zwitterig, Ovula gegenläufig (anatrop). 
Die Pothoideae werden wieder eingetheilt in sechs Tribus, von 
denen die erste die der Pothoeae ist. Es sind kletternde Sträueher, 
deren Zweige den Blüthenstand produziren, entweder nachdem sie 
erst Niederblätter und dann Laubblätter oder nachdem sie nur 
Niederblätter getrieben. Seitennerven 1. Ordnung im Blatt ziemlich 
parallel, die 2. und 3. Ordnung netzförmig (ausgenommen Pothoidium), 
Blüthen zwitterig, mit oder ohne Perigou, oder eingeschlechtig. 
Samen ohne Ei weiss. Embryo mit grossem Würzelhen. 

Von den drei Subtribus ist die I. Subtrib.: Pothoineae (Schott. 
Prod. Aroid. 558), Blätter zweizeilig, Blüthen zwitterig, mit Perigon. 
Meist nach der Formel 

P 3 + 3, A 3 + 3, G (3) oder 

P (X) A 2 + 2, Gl, 



wobei P die Perigonblätter, A das Andröceum (Staubgefässe), Gr das 
Gynäceum (weibliche Organ, Fruchtblätter) bedeutet 

Die erste Gattung ist Potlio'^ ^^ii^f l>*.ri<.nM ^o/.)whl;itterig, 
Ovarium dreifächerig, jedes Fach <■ 4 des 




tropischen Oceaniens, einer in Madagaskar. Zweige immer zwei- 
zeilig beblättert, die unteren wurzelnd, obere frei, Knoten deutlich 
oder undeutlich. Knospen entweder regelmässig in der Achsel der 
Blätter oder die Scheiden der Blätter durchbrechend und so gleich- 
sam unterachselig (iiifra-axillar), Blattstiel entweder bis zur Spitze 
geflügelt, flach, oben in Oehrchen ausgezogen oder mit einem Gelenke 
versehen, zum grössten Theil rührig scheidig, das Internodium 



längere Zeit umfassend, Blattspreite lineal-lanzettlich, lanzettlich oder 
eiförmig-lanzettlich, mehr oder weniger ungleich, der Kollektivnerv 
oder alle Nerven aus der Basis entspringend, oder ein bis zwei 
innere von der Mittelrippe abgehend. Blüthentragende Zweige an 
der Basis mit 5—6 starken, lederartigen Niederblättern versehen, 
häufig ungefähr in der Mitte eine eiförmige Bliithenscheide (Spatha) 
tragend, und in einen kugeligen, eiförmigen, oder verkehrt eiförmigen, 
selten cylindrisohen Kolben endigend, bald beblättert, bald nur mit 
Brakteen versehen, die wiederum in ihren Achseln Blüthenstiele 
tragen. Achse des Kolbens entweder überall mit Blütheu besetzt 
oder spiralig gewunden, Blüthen bald dicht aneinander, bald entfernt. 
Beeren elliptisch, roth, 1 - 3samig. 

Spezies -Charakter: Kletternd, Zweige zahlreich, nieder- 
gedrückt, gefurcht, an den Knoten mit Adventivwurzeln; Blätter 
gestielt, Stiele langscheidig, rinnenförmig, an den Rändern trocken, 
häutig weiss, Oehrchen aufrecht. Blattspreite herzförmig ungleich- 
seitig*), stumpf, freudig grün mit unregelmässigen gelben Flecken. — 
Auf den Salomons-Inseln. 

Diese Neuheit ist von Andre in „Illustr. bort.« 1880, S. 69, 
Tafel 381, beschrieben und farbig abgebildet; sie zeichnet sich durch 
die üppige Entwickelung ihrer kletternden verzweigten Stämme aus 
und durch die goldgelben flecken auf den Blättern, die ihr ein 
schönes Ansehen geben. Eignet sich besonders zur Garnirung von 
Felsen in Warmhäusern und verlangt ähnliche Behandlung wie die 
Dracaenen und die Crotons, die auch in so grosser Zahl aus dem 
Vaterlande unserer Pflanze zu uns gekommen. 

Preis bei Herrn Linden in Gent 30 Francs. 



Zur Sommerveredelung.**) 

Von R. Müller, Obergärtner in Praust bei Danzig. 

Der Herr General - Sekretär war so freundlich, die ihm im 
vorigen Jahre zu beliebiger Verwendung zugestellten Notizen über 
Sommerveredelung in der Monatsschrift zu veröffeiitlichen. Ich will 
mir nun hier erlauben, noch einige Erläuterungen 'zu diesen Notizen 
zu geben und die Resultate der vorjährigen Sommerveredelungen 
mitzutbeiien. Zunächst einige Worte über den Werth der Somraer- 
veredelung. Gewiss wird Mancher sich gefragt haben: „Brauchen 
wir denn die Sommerveredelun<4? Genügen uns nicht die bisher 
allgemein bekannten Veredelungsarten in der bisher angewandten Art 
und Weise uud zu den üb]i(hen Zeiten?" Diese Frage ist sehr 
gerechttertigt und ich selbst bin der Ansicht, dass da, wo die Ver- 



•) Der Form der Blätfer cach scheint diese Pflanze kaum ein echtes Pothos 
{■Pin; nia niuss behufs näherer Bfbtimmung <iie Blüthen ai.warteu. L.W. 

*•) Um MiSsversiäDdni eü Torziibeugeo. b merke ich, dass ui.ter der 
teicüiiuijg „Somiiierveredeiuug" da. Okulir n nicht mit verstanden ist. 



eäeluDgsarten zu den gewohnten Zeiten gute Resultate liefern, die 
Sommerveredelung übrig ist. In milderen Gegenden, z. B. in Frankreich, 
im Elsass und in Belgien, werden viele Baum- und Straucbarten durch 
Okuliren vermehrt, woran wir in unserem rauhen Klima nicht denken 
können, wie zahlreiche Versuche dargethan haben. So wachsen hier 
die sorgiältigst ausgeführten Okulationen von Linden gar nicht, von 
Kastanien nur mangelhaft und auch die Frühjahrsveredelungen 
gaben schlechte Resultate. Hier ist nun jedenfalls die Sommer- 
veredelung der Winterveredelung im Hause vorzuziehen, wie mein 
Bestreben überhaupt dahin geht, die Winterveredelung soviel wie 
möglich zu beseitigen. Es missglücken auch oft aus nicht genau zu 
ermittelnden Ursachen die Frühlingsveredelungen im Freien, wie mir 
z. B. in diesem Jahre der grösste Theil von Salix caprea pendula. 
Nach dem im vorigen Jahre so geglückten Versuche habe ich nun 
jetzt Anfang Juli die nicht gewachsenen mit Sommertrieben veredelt; 
von diesen kann man jetzt freilich nur die untersten Augen benutzen, 
da sie oben noch zu weich sind. Auf die Wahl der Reiser kommt 
selbstredend sehr viel an und werde ich noch näher darauf zurück- 
kommen. In Frankreich wendet man schon lange eine Art Sommer- 
veredelung bei den Obstspalieren an, indem man an den Leitzweigen 
fehlende Fruchttriebe durch seitliches Veredeln solcher unter die 
Rinde mit Anwendung des Okulirschnittes in T-Form ersetzt. 

Was nun den Erfolg der vorjährigen Sommerveredelungen an- 
betrifft, so ist derselbe im grossen Ganzen ein recht zufriedenstellender. 
Von Ahorn war es besonders Acer platanoides globosum, dessen 
Vermehrung uns am Herzen lag. Mein Chef fand vor einigen Jahren 
auf einer Reise in einer Gärtnerei im Harze zwei Exemplare dieses 
Kugelahorn und acquirirte eines derselben, welche der Besitzer seiner 
Aussage nach noch nicht hatte vermehren können. Da die Kugel- 
akazien hier oft vom Froste leiden, so wollten wir den Kugelahorn 
als Ersatz für dieselben anziehen. Die Kugelesche ist wohl schon 
als Ersatz für dieselbe empfohlen worden, diese wächst aber viel 
langsamer und sind uns in verflossenem Winter sämmtliche hoch- 
veredelten Exemplare davon erfroren. Die ersten vor zwei Jahren 
im Sommer in Kronenhöbe gemachten Sommerveredelungen sind jetzt 
zu schönen Kronen herangewachsen. Auch die im vorigen Sommer 
gemachten Veredelungen sind gut gewachsen, doch nur die Reiser 
von den Spitzen (sogenannte Köpfe). Beim Ahorn ist auch darauf 
zu achten, dass auf der dem Reise entgegengesetzten Seite ein Zug- 
ästchen stehen bleibt oder bei stärkeren Stämmen zwei Reiser 
einander gegenüberstehend aufgesetzt werden, da sonst auf der dem 
Reise entgegengesetzten Seite meistens eine oft bis in das Mark 
eindringende trockene Steile entsteht, zu deren Ueberwachsung oft 
mehrere Jahre nöthig sind. 

Aesculus rubicunda wachsen, wie früher erwähnt, in ganz altes 
3—4 cm starkes Holz gepelzt, sehr gut an und treiben auch kräftig, 
das TIeberwachsen der horizontalen Schnittfläche der Unterlage geht 
aber bei solchen sehr langsam und daaert oft 3—4 Jahre. Am 



schöDsteD sind einige angeschaltete Reiser auf nnr wenig dickere 
Unterlagen veredelt verwachsen. 

Linden, Syringa, Sorbus tind Salix caprea pendnla sind gut 
geblieben und treiben recht gut. Von den im August veredelten Eichen 
ist nur ein Exemplar von circa 20 Stück gewachsen; von hoch- 
stämmigen Stachelbeeren auf Ribes aureum etwa 20 pCt. Andere noch 
nicht gelungene Versuche werden in diesem Jahre wiederholt werden. 

lieber die richtige Auswahl der Reiser und die richtige Zeit 
zur Sommerveredelung lassen sich keine bestimmten allgemeinen 
Vorschriften geben. Bei allen Baumarten, welche den ersten Trieb 
vollständig durch Bildung einer Terminalknospe abschliessen oder 
überhaupt nur einen Trieb machen, ist der richtige Zeitpunkt, sobald 
diese Terminalkncspe vollständig ausgebildet und der Trieb hart 
geworden ist. Wie schon beim Kugelahorn erwähnt, haben sich die 
Spitzen der Sommertriebe am besten zu Reisern bewährt. Von 
Linden, Syringa, Sorbus, Kastanien, sind auch Reiser von den unteren 
Enden der Triebe anzuwenden, wenn die Augen nur gut ausgebildet 
sind. Die Reifer sind durch Verstreichen der oberen Schnittfläche 
mit kaltflüssigem Baumwachs oder richtiger Baumharz vor dem 
Eintrocknen zu schützen. Bei den Kastanien sind die Kopftriebe nur 
dann mit Vortheil zu verwenden, wenn die Terminalknospen gut 
entwickelt sind; am kräftigsten entwickelt sind bei diesen gewöhnlich 
die obersten Augenpaare an Trieben, welche geblüht haben, und diese 
daher zu Reisern sehr geeignet. Bei Bäumen, welche den ersten 
Trieb nicht abschliessen, sondern immer weiter treiben, sind, wie 
bei Salix caprea pendula schon erwähnt, nur die untersten Enden 
der Sommertriebe zu Reisern zu verwenden. Oft bringen die Sommer- 
triebe in der vorderen Hälfte ihrer Länge Aftertriebe, während die 
Augen der hinteren Hälfte nicht austreiben; diese letztere ist ganz 
besonders zu Reisern geeignet. Ein Fachmann wird leicht selbst 
erkennen, welche Triebe zur Verwendung als Reiser reif genug sind. 
Im üebrigen darf man sich Versuche, auch wenn der Erfolg nicht 
von vornherein gesichert erscheint, nicht verdriessen lassen. Bei 
den meisten der Sommerveredelungen macht es sich nöthig, die Reiser 
sogleich nach dem Veredeln durch anzubringende Klammern oder 
Schienen vor dem Abbrechen zu schützen. 



Cotyledon macrantha 

rubro- margin ata hört. L. de Smet. Fam. Crassulaceae. 
Von R. 



Gattungs-Charakter: Cotyledon (von xoxvlri, eine Höhlung, 
wegen der konkaven Form der Blätter mancher Arten) Lin. G. n. 
578. Hook. & Bentham Gen. plant. L 659. Kelch fünftheilig, so 
lang wie die Röhre der Blumenkrone oder kürzer. Blumenkronen- 
röhre eng oder weit, krugförmig oder cylindrisch, stielrund oder 



fünfeckig, die Lappen des Saumes klein, abstehend oder zurück- 
geschlagen. Stanbgefässe zehn (selten fünf), der Röhre der Blumen- 
krone eingefügt; Staubfäden fadenförmig, kurz oder lang; Antheren 
länglich, hervortretend oder eingeschlossen. Die Schuppen an der 
Basis der einzelnen Fruchtknoten lineal, länglich oder quadratisch, 
mitunter breiter als lang. Fruchtblätter fünf, frei, in fadenförmige 
oder pfriemenförmige , oft heraustretende Griffel verschmälert, mit 
schiefen Narben gekrönt, Ovula in jedem Fruchtblatt zahlreich. 
Baigfrüchte vielsamig. Kräuter oder Halbsträucher, verzweigt oder 
nur einen Schaft tragend, im Habitus sehr verschieden. Blätter 
gegenständig oder wechselständig, sitzend oder gestielt, oft sehr dick, 
fleischig, bei wenigen schildförmig, zerstreut oder rosettenförmig. 
Blülhen aufrecht oder hängend, klein, grösser oder gross, ähren- 
oder traubenförmig, oder in Scheindolden (cymös), oft schön. Blnmen- 
kronenlappen in der Knospe gedreht. Gegen 60 Arten in West- 
und Südeuropa, ganz Asien, Himalaya und Mexiko. 

Hooker und Bentham haben, wie aus obiger Charakteristik 
der Gattung hervorgeht, Cotyledon im Sinne Linne's wiederher- 
gestellt, da sie bei den Untergattungen vergeblich nach überall 
stichhaltigen unterschieden suchten. Die kapischen Spezies (Cotyledon 
im Sinne de Candolle's) gehen ganz in die europäischen durch 
C. racemosa über, viele andere europäische zeigen eine Blumenkrone, 
die viel länger ist als der Kelch. Die Gattung Echeveria D. C. ist 
nach H. & B. ein ganz haltloses Genus, das nur durch eine oft fünf- 
furchige Röhre der Blumenkrone sich unterscheidet, im Habitus aber 
ganz mit den kapischen Cotyledon- Arten übereinstimmt. Gewöhnlich 
werden noch die folgenden Subgenera als Gattungen angesehen, doch, 
wie gesagt, sind sie weder im Habitus noch in den Charakteren 
verschiedon. 

Cotyledon D. C. Bull. Philom. 1801 aus Prodr. III. 396. Kelch 
oft viel kürzer als die Blumenkrone. Röhre der Blumenkrone krug- 
förmig oder cylindrisch, rund oder fünfkantig. — Kräuter oder Halb- 
sträucher, meist am Kap, oft sehr dick. Blumen kronenzipfel in der 
Knospe spiralig gedreht. 

ümbilicus D. C. 1. c. Prod. III. 399. Kelch oft so lang als die 
Rohre der Blumenkrone oder wenig kürzer; Krone röhrig oder glockig 
Röhre stielrund. Kräuter Europa's oder des Orients. 

Pistorinia D. C. 1. c. Kelch kurz; Blumeukronenröhre sehr 
verlängert, stielrund; Stanbgefässe dem Schlünde der Krone eingefügt- 
Fruchtblätter sehr lang, lineal, Samen entfernt. Einjähriges aufrechtes 
Kraut in Spanien und Algier. 

Echeveria D. C. Prod. III 401 (Pachyphytum Klotzsch in 
Otto & Dietr. Gartenz. IX. 9 und in Link Kl. & Ott. Ic. pl.-var. IL 43), 
Ke«li otl blattartT-, [,nppen der Bumenkrone oft länger als die 



— 363 — 

Spezies - Charakter: Cotyledon macrantha hört. L. de Smet. 
Stamm kurz, Blätter gegenständio:, gekreuzt, breit-verkehrt-eiförmig, 
nach der Basis keilförmig verschmälert, ganzrandig, stumpf, mit kurzer 
Spitze, uneestielt, sehr dick, konkav, smaragdgrün, matt, nicht oder 
wenig bepudert. Blüthenschaft zu Anfang der Bliithezeit nicht viel länger 
als die Blüthen, später sieh verlängernd, da die in Dichasien (Gabel- 
ästeß) stehenden Blüthen in Wickel ausgehen, die sich später gerade 
strecken; Kelch sehr kurz, fünfzähnig; Krone glockenförmig, gross, 
schön schal lachroth, aussen am Grunde oft grünlich, Röhre rundlich, 
Zipfel der Blumenkrone lineal-lanzettlich, nach aussen umgerollt. Staub- 
gefässe im unterem Drittel der Kronenröhre eingefügt (aber sich noch 
bis zur Basis derselben markirend), die den Kelchzähnen gegenüber 
stehenden (später angelegten) grösser, Fruchtknoten und Griffel fünf, 
Narben fast hakenförmig nach aussen gebogen; die fünf Balgkapseln 
an der inneren Wand aufspringend. 

Var. a. rubromarginata hört. L. de Smet. Blätter mitpurpur- 
rothera Bande. Vaterland: Kap? 

Die abgebildete Pflanze hat Herr R. Brandt, Charlottenburg, 
von Herrn W'inter in Bordighera unter dem Namen Cotyledon 
macrantha bezogen. Sie scheint uns aber (nach vielen vergeblichen 
Versuchen, den Autor zu erfahren), dieselbe zu sein, wie Cotyledon 
macrantha rubro marginata, die von Herrn Louis de Smet, Gent, 
zuerst in seinem Samenkatalog von 1877 offerirt ist. Herr L. de Smet 
erklärt uns, nachdem er eine Probetafel unserer Abbildung gesehen, 
dass unsere Tafel in der That seine Cotyledon macrantha lubro 
marginata darstelle. Er bemerkt ferner, dass er sowohl G. macrantha 
wie C. rubro marginata in den Handel gebracht habe und wie schon 
der Name sagt, der Unterschied zwischen beiden nur darin bestehe, 
dass die Varietät einen rothen Rand um die Blätter besitze. Die 
erste Nachricht über C. macr. rubr. marginata brachte die „Revne 
horticole" 1877, S. 87. Es heisst dort: „Cot. macranthum, var. 
rubr. marginatum hört. L de Smet. Crassulacee aus dem Kaffern- 
lande. Blätter gross, smaragdgrün, mit röthlichem Rande". 

Herr L. de Smet gebührt somit das Recht der Priorität in der 
Benennung; dass aber Herr Winter sie unabhängig von ihm schon 
früher einführte, geht aus folgendem Bericht desselben an uns hervor: 
„Im Jahre 1870 erhielt ich durch den 1875 verstorbenen 
Botaniker und Pharm aceuten Daniel Hanbury in London unter 
anderen Samen eine kleine Quantität eines Cotyledon ohne Angabe 
der Spezies und des Vaterlandes, zur Aussaat für den Garten seines 
Bruders, Herrn Thomas Hanbury in Mortola bei Mentone, welchen 
Garten ich damals anlegte und bis zur Gründung meiner Haudels- 
gärtnerei verwaltete. Die jungen Sämlinge gediehen prächtig und 
blühten scbon im Winter 1872—1873. Trotzdem diese Spezies allen 
den Garten besuchenden Gärtnern unbekannt war, wollte ich dieselbe 
in meinem ersten im Jahre 1874—18-5 erschienenen Kataloge nicht 
als Neuheit aufführen in gänzlicher Ermangelung aller Dateu über 
dieselbe. 



Im Winter 1875—1876 gab ich selbstgewonnene Samen dieses 
Cotyledon in den Handel und lieferte davon eine grössere Quantität 
an die Erfurter Samenhandlungen unter Cotyledon spec.?*) Im 
Herbste 1876 fand ich in einem belgischen Kataloge ein Cotyledon 
roaciantha aufgeführt mit knapper Besehreibung, welche für mein 
Cotyledon passte, worauf ich. dasselbe im Winter 1876—1877 als 
Cotyledon macrantha in meinem Kataloge aufführte. Es ist zu ver- 
wundern, dass diese schöne Art bis jetzt keine grössere Verbreitung 
gefunden hat, obgleich. sie im Sommer sehr gut im freien Lande als 
Teppichpflanze zu verwerthen ist und. zeitig im Herbst in Töpfe 
gepflan/t, im Winter im temperirten Hause oder in einem hellen 
Zimmer sehr dankbar bliiht. Ich kann jetzt diese Pflanze tausend- 
weise zum Preis von 100 Francs pro 100 Stück liefern."**) 

Wir schliessen uns dem Urtheil des Herrn Winter an und 
können diese schöne Pflanze nicht genug empfehlen Die grossen 
smaragdgrünen Blätter mit rothera Rande geben ihr ein sehr effekt- 
volles Aussehen, welches im Winter noch durch die glockenförmigen 
scharlachrothen Blüthen erhöht wird. (Auf der Zeichnung ist der 
Blüthenschaft etwas kurz ausgefallen.^ 

An einem jüngeren Exemplar ist der Stamm 4)^ cm hoch, \% cm 
dick, die Blätter sind 9 cm lang und 6^ cm breit. 

In der Form der Blätter und dem Bau der einzelnen Blüthen 
steht diese Art der Cotyledon orbieulata DC nahe, unterscheidet sich 
aber durch den kurzen Stamm, die smaragdgrüne Farbe der Blüthen 
und den nicht so reich verzweigten, kürzeren Blülhenstand. 

Tafel-Erklärung: Fig. 1. ßlamenkrone links durchschnitten. 
2. Blüthe desgl. 3. Einzelnes Fruchtblatt im Längsschnitt (die Narbe 
muBs nach Imks anstatt nach rechts). 4. Die fünf Fruchtblätter je 
mit einer Schuppe an der Basis. — (Analysen von L. W\) 



Drei empfehlen swerthe Birnen. 

Von Karl Mathieu. 

Unter den Birnen, welche sich durch ausgezeichneten Geschmack 
und grosse Tragbarkeit hervorthun, möchte ich den Liebhabern 
und Baumschulbesitzern, folgende drei weniger bekannte Sorten 
anempfehlen, da sie ältere, des Anbaues weniger werthe ersetzen, 
wenigstens gleichkommen, wo nicht noch um Vieles übertreffen. 

^ ^\ u ^.^^^.^i°^ Douillard. Eine Tafelfrucht ersten Ranges 
und sehr bald reichtragende Pyramiden bildend, gedeiht sowohl auf 
gnitte als ant Wildling in jedem nahrhaften Boden und liefert für 

•) Wahrscheinlich i=t der noch jetzt in den Erfurter Preisverzeichmss en, 
z.B. von Haage & Schmidt, sowie in den Katalogen von Spezialisten für 
Succ-ilenten geführte Cotyledon sp.? also dieselbe Art ^ lw 

*•) Adresse: L. Wiüter, Stabilimei 
Herr Wicter beschäftigt sich besonder 



den Obstgarten schöne dankbare Hochstämme. Für den Obstgarten 
wäre für sie jedoch eine etwas gegen die heftigen Winde geschützte 
Lage zu empfehlen, wie dies alle grossfrüchtige Sorten auf Hoch- 
stamm verlangen. Ebenso eignet sie sich gut zum Spalier. Die 
Frucht gehört zu den grossen, ist aber sehr veränderlich in der 
Form; ich hatte sie auf einer Pyramide von 14 Jahren und 10 Fuss 
Höhe von der echten Birnform, welche die vorherrschende ist, bis 
zur kreiseiförmigen und selbst rundlichen Form. Der Stiel ist etwa 
1—1)^ Zoll lang. Die Oberfläche der Frucht ist mit Beulen ver- 
sehen, ähnlich der hier auf den Märkten unter dem Namen Malvasier 
bekannten, glatt, hellgrau, bei der Reife in's Hellgelbe oder Weiss- 
gelbe übergehend, zuweilen etwas rostig und auf der Sonunenseite 
bei freihängenden, nicht beschatteten Früchten mit schön gerötheter 
Backe. Das Fleisch ist weiss, schmelzend und mit vielem sehr 
zuckerreichen Safte bei vollständiger Reife versehen. Da die Schale 
sehr fein ist, so ist es nicht nöthig, dieselbe abzuschälen, was nur 
einen Verlust des Saftes herbeiführen würde. Bei dem Abreifen ist 
die Frucht zu überwachen, indem man nach und nach die sich zur 
Reife färbenden Exemplare abnimmt und auf dem Lager ihre voll- 
ständige Reife erlangen lässt, aber nicht zu dicht schichtet, da durch 
die dünne Haut leicht FaulHetke durch Stoss und Druck entstehen; 
am besten ist es, man giebt jeder Tafelfrucht ihren eigenen Platz 
auf durchlochter Unterlage. Ihre Reifezeit ist je nach der Witterung 
der Oktober, etwa die Mitte bis zu Ende, und hält sie sich bei 
guter Obstkammer bis in den November hinein. Die Frucht ist 
französischen Ursprungs und verdankt ihren Namen einem Obst- 
liebhaber Douillard, Architekt in Nantes, welcher sie aus Samen 

Eugene Appert. Obgleich die Frucht nur mittelgross wird, 
trägt der Baum so reichlich und fast jedes Jahr, dass die Menge 
der Früchte reichlich die geringere Grösse ersetzt; es ist ebenfalls 
eine Frucht ersten Ranges. Die Pyramide ist bei mir auf Quitte 
gezogen und nur von missigem Wüchse; auf Wildling oder 
Hochstamm würde der Baum jedenfalls einen grössereu Zug haben 
und kräftiger wachsen, daher eignet er sieh auf Quitte sehr gut zur 
Spindel, wo er sehr bald tragbar wird und leicht im Schnitt gehalten 
werden kann. Die Frucht ist rundlich, in der Reife mit weisslichem, 
feinstem und schmelzendstem Fleische nebst vielem zuckerreichen Safte. 
Die Reifezeit ist im August und eignet sich diese Sorte dadurch sehr 
gut für den Obstgarten, da die frühen guten Früchte stets für den 
Markt willige Käufer finden, weil um diese Zeit der wirklich 
werthvollen Sorten nur sehr wenige sind. Auch diese Frucht ist 
französischen Ursprungs und wurde von Andre Leroy in Angers, 
welcher sie nach seinem Schwiegersohn Eugene Appert nannte, aus 
Samen gezogen. 

Thompson. Eine ganz ausgezeichnete Frucht. Der Baum 
bildet ziemlich normale und lichte Pyramiden, ist sowohl auf Quitte 
als auf Wildling fiott wachsend, bildet gute Hochstämme und eignet 



sich sehr gut znr Spalierform. Die Frucht ist gross, wenigstens 
bei mir auf Quitte in Rutem Boden und trug der Baum fast jedes 
Jahr reichlich, wenn nicht Frost etc. dazwischen kam. Auf Hoch- 
stamm wurde er die besten Resultate für Markt und Tafel liefern 
da die Frucht sehr gesucht seia würde, sobald sie nur erst mehi 
bekannt ist. Dieselbe ist eiförmig oder kreiselformig, manchmal 
etwas länglich und beulig, mit grüngelber, in der Reife schön gelbei 
Schale, öfters an der Sonnenseite röthlich. Das Fleisch ist weisslich 
fein und mit vielem reichgezuckerten Safte versehen, von aus- 
gezeichnetem aromatischen Geruch und Geschmack. Sie wird uni^efähi 
Mitte Oktober reif und dauert bis in den November unter günstigen 
Umständen. Die Frucht ist belgischen Ursprungs. Im Jahre 1820 
wurden von dem bekannten Pomologen und Sorten-Erzeuger Van Mons 
Reiser dieser Sorte unter Nummer an die Londoner Garten-Gesellschaft 
zur Probe gesandt, und nachdem der veredelte Baum Früchte getragen, 
nach dem Direktor des Obstgartens obiger Gesellschaft Thompson 
genannt. 

Alexandrine Douillard und Thompson sind in der Baumschule 
bei Späth zu haben, wenigstens sind sie im Kataloge aufgeführt; 
ebenso habe ich Herrn Gärtner, ßaumschulbesitzer in Zechlin, 
Reiser der drei Sorten zur Vermshrnng und Anzucht übergeben. 



Der Meerrettigbau im Altenlande (Landdrostei Stade) 

und sein Feind (Phaedon ( 



Herr Senator Holtermann in Bremen, Mitglied des Abgeord- 
netenhauses, hatte uns vor einiger Zeit einen Käfer, der sich auf 
dena Meerrettig, welcher im „Altenlande" viel gebaut wird, massen- 
haft eingefunden hatte und welcher ihm von Herrn Dr. Köpke, 
Direktor der Ackerbauscbule in Bremervörde zugesandt, übergeben! 
Herr Dr. Kuhn, unser Mitglied, bestimmte denselben als Phaedon 
coehleariae Fabr. Herr Dr. Köpke schrieb hierauf dem Herrn 
Senator Holtermann: 

„Was Ort und Umfang des Schadens betrifft, so bemerke ich 
darüber Folgendes: Der Meerrettigbau wird ziemlich stark betrieben 
in der dritten Meile des Altenlandes und auf der Eibinsel Finken- 
werder. Es werden dort sicher 150 bis 200 ha Meerrettig angebaut 
und zwar vorwiegend von solchen Leuten, die den Ackerbau als 
eice Art Gartenkultur betreiben; selten hat dort Jemand mehr als 
0,12 bis 0,13 ha Meerrettig. Die Kultur ist ungewöhnlich einträg- 
lich. Man zahlt für das Produkt auf dem Feld bOO— lOOO Mark 
pro ha, je nach der Güte der Waare. Der Meerrettig wird fast 
sammthch nach England veriadeo. In neuerer Zeit fing man hier 
und dort auch schon an, denselben in grösserem Maassstabe anzu- 
bauen, weil man einsah, dass man auf diese Weise die grössten 
Reinerträge erzielen konnte. Nun stellte sich vor 4—6 Jahren 
der Käfer ein, zuerst nur auf einigen Feldern; derselbe verbreitete 



sich von Jahr zu Jahr mehr und hat jetzt fast die ganze dritte 
Meile erobert. Die erste Generation tritt von Anfang bis Mitte Mai 
auf. Eine zweite hatte ich Gelegenheit, selbst zu beobachten und 
zwar im August bis Mitte Oktober. Ich sah Felder, auf denen auch 
nicht ein Blatt mehr vorhanden war. Auf einem Blatte traf ich 
mitunter 500—600 Larven und daneben noch den Käfer an. Selbst- 
verständlich wird auf diese Weise die Vegetation vollständig gehemmt 
und die Meerrettigstangen bleiben so dünn, dass sie nicht mehr 
verkäuflich sind. Ich lasse jetzt den Käfer hier überwintern und 
werde nächsten Sommer Versuche mit demselben anstellen. Nun 
noch zwei Fragen: 

1. Wäre nichts Genaueres über das Auftreten des Käfers in 
Molin in Böhmen*) zu erfahren und wie? Dort hat doch sicher ein 
Naturforscher die Lebensweise des Käfers genauer beobachtet und 
auch wohl beschrieben. 

2. Das Citat aus Kaltenbach sagt, dass dieser Käfer an den 
Blüthen des Meerrettigs grosse Verheerungen anrichte. Soll das 
heissen: Blätter? 

Der Meerrettig blüht nämlich, wenn er wie im Altenlande 
kultivirt wird, sehr selten. Es kommt nur ganz ausnahmsweise auf 
dem Felde eine Blume vor. Die Beseitigung der Blüthen würde 
überdies ohne jeglichen Nachtheil — eher von Vortheil — für die 
Ausbildung des Meerrettigs sein. — Sollte Herr Dr. W. Ihnen eine 
Monographie über unseren Käfer zugänglich machen, beziehungsweise 
auch nur angeben können, so würde er mich zu grossem Dank ver- 
verpflichten — ." 

Eine Monographie über den Käfer, der zur Familie der Blatt- 
käfer gehört, ist uns leider nicht bekannt. Die Angabe in Kalten- 
bach bezieht sich allerdings auf die Blüthen, indess ist Phaedon 
cochleariae ein Käfer, der auf vielen Cruciferen und also auch auf 
deren Blättern vorkommt. 



Skizze einer neuen Vegetations-Formation 
Südamerika's. 

Von Gustav Niederiein. 

Zwischen dem 35. und 43.o 15.' südlicher Breite und zwischen 
den Anden und dem atlantischen Meere in den Gebieten der 
südargeiitinischen und patagonischen Flüsse Chadileobu, Colorado, 
Negro und Chubnt liest ein ca 30 000 Quadrat-Leguas grosses Land, 
das bis auf die Kriegs- unJ Eroberungszüge des gegenwärtigen 
Präsidenten der Republik Argentina. General Don Julio A. Roca, 
und seiner Feldherren (in den Jahren 1878—1881) der unbekannteste 



•) Wir hatten Herrn Senator 1 
angegebenen Falle Mittheilung gei 
Gegenden wären uns sehr wiilkoii 



UDd gefürchtetste Tummelplatz kühner, räuberischer Indianervölker 
war. Dort, während des ersten patagonischen Wiuterfeldzuges als 
Mitglied einer dem Generalstabe (der Ostarmee) zugetheilten wissen- 
schaftlichen Forschungskommission auf einer zuletzt allein bis auf 
ca. 4 200 km Länge durch das ganze Feindesgebiet erweiterten Tour 
vermochte ich seine Vegetation derart zu erschliessen, dass ich ihren 
Charakter zu zeichnen mich entschloss, zumal er beträchtlich abwich 
von dem anderer Formationen, welche ich auf früheren oder späteren 
Reisen (von der Universität Cördoba aus mit Herrn Professor 
Hieronymus im Centrum und im Westen des riesigen Reiches bis 
auf das Hochplateau der Anden und mit Herrn Prof. Dr. Lorentz 
im Osten im schönen vom La Plata, Uruguay und Paraüästrome 
umspülten Enlre-Rios), in Brasilien und anderwärts kennen lernte. 
Zu den mit Herrn Prof. Dr. Lorentz vor und während der 
Revolution (resp. Bürgerkriege) ausgeführten, meist systematischen 
Detailarbeiten in dem auf Staatskosten in der Veröi^entlichung 
begrifieneu Reisewerke: „Informe cientifico sobre la espedicion del 
General Roca al Rio Negro" und zu meinen in den diesjährigen und 
vorjährigen Schriften der Berliner Gesellschaft für Erdkunde und in 
den Abhandlungen der naturforschenden Gesellschaft zu Görlitz, auch 
a. a. 0. niedergelegten Schilderungen seien hier noch die bestimmenden 
Eauptcharakterzüge meiner „Grisebachsformation" oder „südlicher 
Monte« (monte del sud) zur Darstellung gebracht. 

Einen Abriss von dem grossartig einfachen geologischen Auf- 
bau Argentiniens und gleichzeitig dieses jüngst mit Waffengewalt 
eroberten Indianerterritoriums habe ich bereits in den angelührten 
Gesellschaftsorganen gegeben. Die bestimmende Topographie des 
letzteren ist kurz folgende: Im Westen nach dem Stillen Weltmeere 
hin tauchen in der Eichtung der Erdachse theils aufgequollen, theils 
aufgeschichtet, im Wechsel der erdgeschichtlichen Perioden verworfen 
und verworren bis auf mehrere Tausend Meter Höhe die Cordilleren 
auf. Von ihnen herab fliessen mit ungeheuren Erosionsmassen die 
Gewässer der erstgenannten Ströme so, dass der rothe und der 
schwarze Fluss sie noch im Gebiete der Anden sammeln und sie 
dann (zuflusslos) rasch 600—800 km in tiefen Rinnen durch das 
mit Sand, Kies, Grus und Grand, auch Geröll bedeckte (sedimentäre) 
patagonische Steinhochland ostwärts zum Oceane wälzen, während 
der erste, der Salzfluss, sie weit ab von den Geröll- und Kies- 
ablagerungen in der Sandsteppe von Tunuyan, der Stätte der Erd- 
beben, aufnimmt und sie dann durch eine meist trostlose, hier und 
da von Basalt- und anderen Eruptionsmassen durchbrochene Lager- 
stätte von Grand und Sand südwärts bewegt, bis er aufhört zu 
nJ^^M ^^ ürre lauquen, dem bitteren See. Weiterhin, östlich vom 
thadiieobu, smd feinere kali-, magnesia- und kochsalzreiche Sande 
m Dunengehügel, in Mulden und endlosen Ebenen, häufig auf Tosca, 
autgeschuttet. Aus ihnen zu Tage treten zahllose Salzlagunen, die 
sieb auch in den Flugsandwüsten des indianischen Teufelslandea 
zwischen Rio Sauce chico und Rio Colorado nicht verlieren, ebenso- 



wenig wie südlich vom Rio Negro im centralen Theile und im 
Nordosten des Chubut-Territoriums. Eine Reihe von Salzseen im 
südüstliihen Ende der vormaligen Indianergrenze und die weiter 
nach Villa Mercedes sich ziehende Festungskette ist dann vielleicht 
momentan die beste Scheide zwischen der Steppe und den davon 
östlich gelegenen, auch Tan sende von Quadrat-Leguas einnehmenden 
Pampas, welche letztere hier von namhaften Männern theilweis als 
eine Schöpfung des La Plata Stromes angesehen werden. Aus diesen 
grasbenarbten, wie ein in seiner gewöhnlichen Bewegung erstarrtes 
Meer erscheinenden welligen Flächen erheben sich unweit der atlan- 
tischen Küste wie Klippen die meist aus Granit und metamorphischen 
Gesteinen gebildeten Sierras Volcan und Ventana. Aehnlich und 
noch mehr als Küstengebirge steigen südlich im Südosten zwischen 
den Rios Negro und Chubut die ebenfalls nur niedrigen und angeblich 
ebenso nackten Sierras Valcheta, Antonio u. A. empor und was 
endlich die Küste anbetrifft, so präsentirt sie sich nach Heusser und 
Claraz als ein j^— 2 Leguas breiter Saum salziger, häuGg zu Dünen 
aufgetriebener Alluvionen. Trotzdem die Sonne heiss, im Sommer 
glühend und verzehrend herniederscheint, ist doch kalt der Weltenraum, 
der sich darüber verliert. Enorm gross ist die Rüskstrahlnng der 
Efdenwärme. Zudem bewegen vom südlichen Eismeere, vom Feuer- 
lande und von den Cordilleren her heftige kalte Ströme die Atmosphäre. 
Mit Kies und Sand beladen stürzen sie herein, bauen hier Dünen, 
wühlen dort andere anf und Sandmassen wechselnd aufhäufend und 
wieder über die Ebenen ausbreitend., stürmen sie weiter, bis sie 
zuletzt nur noch mit feinem Salz- und Sandstaub und zerriebenen 
Pflanzenresten über die Pampa brausen. Selten werden sie über- 
wältigt durch warme dunstgeschwängerte Lüfte, die ihnen aus den 
Tropen oder von der See entgegen wehen. Das sich öfters bildende 
Gewölk wird meist spurlos verjagt. Die trotzdem noch fallenden 
Niederschläge sind auch schuell, ohne nennenswerth in den Boden 
einzudringen, von den Wellungen in die Senkungen verlaufen. Dabei 
sind sie in ihrer Wirkung auf Bildung und Abänderung der Terrain 
Konfiguration im Vergleich zu besprochenen W^mden von ebenso 
untergeordneter Wirkung, wie im Vergleich zur Sonnenwirkung und 
Atmosphärenstrümung in ihrer Beeinflussung der Physiognomie der 
Pflanzenwelt. Vor jenen mächtigen Naturgewalten treten auch die 
erwähnten noch wesentlichsten Faktoren, ein verhältuissmässig 
starker Thau und Morgenuebel wie das oft in geringer Tiefe meist 
auf Toscagrandlage ruhende Grundwasser, in den LIintergrund. — 
Kurz: Mit gewisser Dürre verbundene Dürftigkeit und Eintönigkeit 
ist der Ausdruck des Ganzen! 

Erklärliche Ausnahme machen die Quellgebiete der Rios Limay 
und Nauquen innerhalb der Anden durch ihre Regenzone, welche 
das antarctische Waldgebiet Ghile's erzeugend, hier auch über die 
massigen, sonst für pacifische Wolkenbildungen unübersteigbaren 
Riesenwälle mit ihren theilweis in Schnee und Eis gehüllten Gipfeln 
und ihren da . und dort noch thätigen Feuerschiünden reicht. Sie 



370 



unterhält vielleicht ein vom chilenischen recht verschiedenes Wald- 
gebiet — das Paradies der jetzt daraus vertriebenen Manzanas- 
Indianer mit Apfelbaumhainen, Araucariagehölzen und dergl. — Eine 
andere, a^er dürftige Waldzone aus Algarroba-, Quebracho-, Caldena-, 
Tala-, Chanar- und anderem Buschwald und Buschland — die östliche 
Monteformation des Herrn Prof. Dr. Lorentz — zieht, überaus 
häufig von mehr oder minder dürftigen Weidetriften, wüsten Flug- 
sandstrecken, Salzlagunen etc. unterbrochen, aus den Bereichen der 
Sierras de Cördoba und San Luis in die centrale Steppe bis etwa 
zum Urre-lauquen. Westwärts Tom Chadileobu und westwärts vom 
Rio Desaguadero und südwärts bis ungefähr zu Sierra Roea steigt 
von den Abhängen der Cordilleren und vom Norden die westliche 
Monte (auch nach Prof. Dr. Lorentz die Vegetation der Wüsten- 
region*) herab. Im Osten liegt bis circa zum Sauce chico, woselbst 
dann allmälig ein Wüstengürtel beginnt, die Pampa, welche ich 
eingehender im Vortrage in der naturforschenden Gesellschaft zu 
Görlitz behandelte. Weiterhin noch, unweit vom Meere existirt nach 
Heusser und Claraz ein Streifen Dornbuschland. Im Süden aber, 
schon nördlich vom Rio Colorado und längs des grossartigen Eruptions- 
gebietes der Sierra Chachahue, Payen, Lucas und Roca, ganz besonders 
aber im patagonischen Entre-Rios, auch jenseits des Rio Negro, theil- 
weis bis an den Rio Chubut befindet sich meine südliche Monte- 
oder Grisebachsformation, die sich durch Baumlosigkeit, die 
angedeutete Dürftigkeit und ziemlich auffallenden Reichthum an 
eigeiithümlicher Cordillerenformen auszeichnet, doch auch wieder 
verschieden ist vom Dürftigsten aller hier zur Sprache kommenden 
Vegetationsggebiete, dem patagonischen, das vom Süden her in sie 
greift und in Gestalt von öden Campos in sie springt. 



Die Ausstellung des Gartenbauvereins zu Weissensee. 

Am 20. August d. J. veranstaltete der junge und rührige 
Garteubau verein zu Weissensee bei Berlin NO. eine Ausstellung, 
deren einzelne Objekte z. Th. auf jeder grösseren Ausstellung sich 
hätten sehen lassen können und die bewiesen, dass die neue Gärtner- 
Kolonie zu Weissensee sich in guter Lage befindet. Fast Alles 
waren Marktartikel, aber in vortrefflichen Exemplaren, so die Kaiser- 
gruppe des Hoflieferanten G. Schmidt, gebildet aus Palmen, Dra- 
caenen etc., die Blatt pflanzengruppe des Herrn W. König (früher 
bei Herrn Ravene), Ordner der Ausstellung, bestehend aus Palmen, 
Maranten, Bromeliaceen, Aroideen, ' Urania speciosa etc., das vor- 
treffliche Dracaenen - Sortiment des Herrn Schadow (die besten), 
das Sortiment gefüllter Pelargonien, die Cyclamea und Farne des 
Herrn R. Pen gel jr., dem daiür der höchste Preis, die silberne 

. . - — -. G. Lorentz: , 

m Richard Napp, Die argentiiiische ] 



371 — 



Staatsmedaille zugesprochen wurde u. s. vv. Reizend nahmen sich 
in der letzteren Kollektion ein Adiantum gracillimura, und ein Ad. 
Farlayeuse aus, beides wahre Schaupflanzen; unübeitroffen waren 
aber auch die einjährigen Cyclaraen des Herrn Pengel; wir maasseu 
ein Exemplar mit 34 cm Durchmesser! 

Selbst gezogene treftliche Dracaeria indivisa und Ficus elastica 
stellten ferner aus W. König sowie W. Schadow, ersterer ausser- 
dem selbst gezüchtete zweijabrige Camellien und Latanieu iu 
vorzüglicher Qualität. Auch die Myrten und Azaleen von G. Schmidt 
(selbst gezogen) dürften nirgends schöner zu finden sein. — W. Kriede- 
mann lieferte Gesneriaceae, umsäumt mit Cyperus leptoclada?*) einer 
sehr gefälligen Pflanze, Badin g ebenfalls Gesneriaceae, sowie Latanieu, 
Sanchezia nobilis, hochstämmige Fuchsien, Coleus, Farne und Cy- 
clamen, A. Hasse Tydaea- Arten, A, Müller Plectogynen und 
Camellien, Witzel Primeln, (die besten), Cyclamen, Pelargonien und 
hochstämmige Fuchsien (Goliath), Curiodie besten Fuchsien, darunter 
auch eine Gruppe der neuen Charming, die übrigens ziemlich der 
Goliath ähnelt und auch im Wuchs nichts besonderes Hervorragendes 
hat; Porath schöne Georginen und Coleus, W. Sie vers Reseda und 
Heliotrop, Haase-Pankow Gladiolus, Emil Thiele-Berlin Makart- 
Bouquets, endlich Schleinitz, Wolff und Hartke diverse Gemüse. 



Hochstämmige Stachelbeeren. 

In der Versammlung des Vereins vom 27. Juli legte Herr 
Baumschulbesitzer Max Buntzel in Nieder-Schönweide bei Köpenick 
ein vorzügliches Sortiment Stachelbeeren, die sämmtlich von Hoch- 
stämmen entnommen waren, vor. Herr Buntzel macht aus der 
Anzucht von hochstämmig veredelten Stachel- und Johannisbeeren, 
die jetzt mit Recht so sehr beliebt geworden, eine Specialität und 
empfahl von Stachelbeeren besonders folgende Sorten: 

No. 1. Crown Prince, Broughton's. Frucht sehr gross, roth, rund, 

behaart. 
„ 6. Queen Mab, William son's, kirschroth, sehr gr., rund, behaart. 
„ 7. Yellow Lion, Ward's, die beste, früheste und süsseste. 

hochgelb, mittelgross, rund, behaart. 
„ 13. Sproffon's Goliath, roth, sehr gross, länglich, glatt. 
,16. Piain long queen, blassgrün, sehr gross, elliptisch, wollig. 
„ 20. Green yellow seedling, sehr gross und sehr voll tragend, 

ockergelb, elliptisch, glatt. 
„ 26. Sampson, Crompton's, grünlichweiss, sehr gross, eiförmig 

glatt. 
„ 42. Farmers Glory, Berry's, dunkelroth, elliptisch, wollig. 

•) Diese Pflanze wurde mir von Herrn König mit obigem Namen 
bezeichnet. Er fand sie auf einem Stamm von Encephalartos villosus (s 
Beuche in Monatssch. 1879 S. 185, wo sie unter dem Namen Scu^us nata- 
lensis besprochen ist.) L. W. 



Unter den Neuheiten von Stachelbeeren sind die empfehlens- 
werthesten : 

No. 59. Leveller, Greenhalgh's, rund (nicht lang, wie die Be- 
schreibung des Züchters sagt), glatt, gelb. 
y, 62. Dr. Neubert, Busse's, glatt, länglich (nicht rundlich), 
sehr gross, gelb, von Busse in Cannstadt gezüchtet. 



Johann Maria Uildebrandt i. 



Er begab sich von Sansibar aus nördlich längs der Küste nach Pangani, 
Malindi und Lamu, um den besten Weg nach dem Innera zu erkimdeo. Die 
kürzeste Route von Lamu aus den Tana-Fluss entlang nach dem Kenia war 
unmöglich, da die Furcht vor den SomälhonJea die Bildung einer Karawane 
verhiuderte. Fieber, Skorbut und sehr bösartige, fressende Geschwüre zwangen 
ihn, über Mombassa nach Sansibar zurückzukehre q. Er fand freundliche 
Aufoahme und Pflege auf dem englischen Stationsschiffe „London". Aber 
erst nach drei Monaten gesundete er soweit, das3 er im November 1876 
seinen Plan, den Kenia zu durchforschen, wieder aufnehmen konnte. Nun 
siedelte Hildebrandt nach Mombassa über, formirte seine aus 50 Mann be- 
stebecde Karawane und brach am 10. Januar 1877 von Mombassa aus nach 
dem Innern auf. Auf dieser Tour gelangte er bis Kitui in Ukamba. Nur 
drei Tagemärsche trennten ihn voq seinem heiss ersehnten Ziele, dem Kenia. 
Allein diese drei Tagemärsche waren unmöglich auszuführen,, da wilde 
Somälhorden am Wege lagerten. Bei der Stärke di-^ser Ilorden war an einen 
gewaltsamen Durch hruch nicht zu denken, und als HilJebrandt durch fiied- 
liche Verhandlungen sich den Weg zu eröffnen sucht-, verweigerten ihm seine 
Leute den Gehorsam. Da seine Tauschwaaren zu Ende ging, n und ferner 
mehrere Mordversuche auf ihn unternommen wurden, so blieb ihm nichts 
weiter übrig, als den Rückmarsch nach der Küste anzutreten. Ohne sein 
Ziel, den Kenia, erreicht zu haben, aber mit reicher Ausbeute, besonders in 
botanischer, zoologischer und mineralogischer Beziehung, kehrte tr im August 
1877 nach Sansibar zurück. Sein Körper war durch Fieber und aodere 
Krankheiten, sowie durch die Anstrengungen der Reise in hohem Grade 
geschwächt und so verliess er Sacsibar, um in der Heimath Genesung zu 
suchen. 

Am 13. November 1877 langte er in Berlin an. Hildebrandt's Aufenthalt 
in Berlin währte diesmal vom 13. November 1877 bis zum 20. Februar 1879. 
Dieser Aufenthalt in der Heimath hatte den Reisenien sehr gestärkt, und 
frisch und munter trat er am 20. Februar 1879 seine dritte, seine letzte Reise 
nach Afrika an. Hildebrandt hatte sich diesmal Madagaskar zu seinem 
Forschungsgebiete auserwählt. Zunächst aber war ilim die Aufgabe gestellt 
worden, Licht über das Dunkel zu verbreiten, welches das Ende des ßremenser 
Arztes Dr. Rutenberg umgab, der auf Madagaskar erschlagen worden. 
Hildebrandt begab sich über Triest, Aden und Sansibar nach Nosi-be, wo er 
am 21. April anlangte. In Nosi-be schlug er sein Standquartier auf, durch- 
forschte die Insel, formirte seine Karawane und zog von Beravi aus nach dem 



Innern. Es gelang ihm, sichere Nachrichten über das Ende Rutenberg's ein- 
zuziehen. Ausführlichere über diese Expedition giebt uns Hildebrandt in 
seinem in der Zeitsclrifc der Gesellschaft für Er ikunde, Bf^rlin 1880, S. 81, 
veröff«^nllichten Aufsatze „Westmadagaskar". Die ungesunden klimatischen 
Verliäitnisse der sumpfigen Westküste Madagaskar's hatteo unserem Hilde- 
brandt Fieber zugezogen und so -war er nach seiner Rückkehr nach No i-be 
gezwungen, Heilung und Genesung im Hospital zu Helleville auf Nosi be zu 
suchen. Zwei Monate dauerte dies und 1» ider war er dadurch verhindert, 
Nosi-be und die ungesunde Westküste Madagaskar's zu verlassen, da die 
inzwischen eingetretene Regenzeit die Reise nach dem Hochlande nicht 
erlaubte. So war Hildebrandt gezwungen, bis nach Beendigung der Regen- 
zeit an der Westküste zu verweilen und erst im Mai 1880 trat er seine Reise 
nach dem Innern Madagaskar's an. Die Zwischenzeit bt.r,utzte HiMebrandt 
zu verschiedenen kleineren Ausflügen an der Westküste, von welchen der 
bedeutendste: „Ausflug nach dem Ambergebirge" von ihm selbst in oben- 
genannter Zeitschrift, Jahrgang 1880, beschrieben. Ende Juni langte Hilde- 
brandt schwer krank in Antana. arivo, der Hauptstadt Ma lagaskar'.-, an. Die 
tbatkräfige Hü'fe des Herrn Dr. med. Borchgrewinck, des Chefs der 
norwegischen Mission auf Malagaskar, die hingebende Pfl' ge, die er im 
Hause und in der Familie dieses Herrn fan'i, sowie der Besuch der heissen 
Quellen in Sirabe in Betsileo stallten Hildebrandt toweit wied r her, dass er 
im Oktober 1880 seine Forschungen m d Art eit'^n aut's Neue wieder auf- 
nehmen konnte. Er begab sich in das Waldg -birge östlich von An ananarivo, 
siedelte sich dort in einem B'ockbause an und verlebte dort die Monae Oktober 
bis Dezember 1880, eifrig beschäftigt, seine botanischen und zoologischen 
Sammlungen zu vermehren. Nicht genug kann Hildebrandt die Fruchtbarkeit 
dieses Theiles von Madagaskar besonders während der Regenzeit rühmen, 
während er sich frülier üLer die Unfruchtbarkeit d--r wald'oseu Hochebene 
Central-Madagaskar's bitter beklajite. Freilich herrschte damals die trockene 
Jahreszeit. Im Dezember kehrte Hildebrandt nach Antananarivo zurück. 
Die Absicht, seine Sammlungen jetzt cach Tamatave, dem Einschiffur gshdfen 
an der Ostkü^t'^zu Iringen, hatte er wegen der Schwierigkeit des Transportes 
während der Regenzeit aufgegeber Er veranstaltete vielmehr eine Aus- 
stellung in der Hauptstadt, welche von allen Europäern daselbst besucht 
wurde. Diese Ausstellung brachte ihm Einladungen ' 
Insel und diese war n gewiss in hol 









1 Hildebrandt eine weitere Forschungsreise nach dem Ankaratra- 
Gebirge. Allein der starke Regen zwang ihn, das Gebirge zu verlas-en. Er 
wandte sich iiach Süd - Betsileo und siedelte sich im Walde von Ankufina 
an, um dort zu sammeln. Von dort her datiren seine oben erwähnten beiden 
letzten Biiefe. Hildebrandt muss wohl von Süd-Betsileo aus nach der Haupt- 
stadt zurückgekehrt sein. Das lässt wenigstens die Fassung des Telegramms, 
welches seinen Tod meldete, 



Wir fugen dem Vorstehenden nach den jetzt eingelaufenen Briefen aus 
Madagaskar noch Folgendes über Hildebrandt's letzte Reise und sein Ende hinzu. 

Hildebrandt verliess am 17 Januar er. Antananarivo and wandte sich süd- 
wärts zum Ankaratra-Gebirge, einem vulkanischen Stocke, welcher den Granit 
Central -Madagaskar's durchbrochen hat. Hier sammelte er viele Thiere und 
gute Pflanzen, besonders Erdorchideen; der unaufhörliche Regen aber, der 
während der Regenzeit auf diesen Höh-n herrscht, zwang Hildebrandt, in die 
Ebene hinabzusteigen. Das Gebiet jedoch erschien unserem Reisenden so 
interessant, dass er die feste Absicht hegte, später dahin zurückzukehren. 

Hildebrandt überschritt auf alle möglichen Weisen die Bäche und Flüsse, 
welche seinen Weg kreuzten und traf am 12. Februar in Fianarantsöa, der 
Hauptstadt Süd-Betsileo's ein. Nach kurzem Aufeithalte siedelte er sich in 
einem Blockhause im Walde von Ankafina an, woselbst er sieben Wochen ver- 
weilte. Den grössten Theil der Reise, den Aufenthalt im Wa'de und die Rück- 
reise verbrachte er in Gesellschaft eines Herrn Cowan, d;r gleiche Zwecke wie 
Hildebrandt verfolgte und dem wir ausführlichere Mittheilungen über diese letzte 

Hildebrandt hatte auf dieser ganz n Reise sehr viel durch Kälte und Nässe 
zu leiden und fort und fort stellt n tichjene bösen Fieber mit Magenblatungen 
wieder e n. Oft war er, nach Angabe seines Reisegesellschafters, des Herrn 
Cowan, dem Tode nahe. Doch wai dieser Zustand ein wechselnder. Zeitweilig 
fühlte sich Hildebrandt, vom Fiber fei, körperlich und geizig vollkommen 
wohl. In ein3 solche Zeit mag wohl gerade die Abfassung der anfangs erwähnten 
beiden B iefe Hildebrandt's fallen. Endlich b trachtet n H Idebrandt und Cowan 
ihre Sammlungen an di^■sem Punkte für abgeschlossen und kehrten c ach Fiana- 
rantsöa zurü k Nach wenigen Ruhetagen wurde die Rückreise nach Tananarivo 
beschlossen und Hildebiandt gab seine Absicht, weiter nachSüd.n vorzudringeo, 
in Rücksicht auf seihe schwankende Gesundheit auf. Ende April langten die 
Reisenden in der Hauptstadt an. Diese Reise hatte sehr günstig auf Hilde- 
brandt's Gesundheit eingewiikt, er fühlte sich bei dor Ankunft in Ta anarivo 
wieder wohl und verschob leider seine bereits beschlossene Heimreise nach 
Eur pa bis Mitte August. Am 15. Mai erkrankte er abermals am Fieber Die 
sorgfältigste ärztliche Hülfe, dio treueste und hingebendae Pflege, die ihm 
zuletzt im Hause des Herrn Dr. Borchgrewinck zu Theil wurde, vermochte 
nicht, ihn zu retten. Am 29. Mai Morgens 3V2 Ulir verschied er 

Durch die klimatischen Veihältnisse bedingt, fand das Leichen begängniss 
8chon am andern Tage, Montag den 30 Mai, Nachmittags 4 Uhr, statt. Der 
Sarg war ganz mit Blumenkränzen bedeckt und konnte vor Bluaicn nicht gesehen 
werden. Alle norwegische und mehrere englische Missionare, der franzö^i che • 
Konsul und mehrere d.r Kaufleut. waren anwesend. In der Kirche spr-ch der 
Superintendent der norwegischen Mission, Pastor Da hie. Am Grabe leitete der 
Dr. med. Borchgrewinck der zugleich Pastor der G.'meiade zu Antananarivo ist 
die Beerdigungs-Cercmonien. Zum Schluss sprach der französische Konsul 
folg nde Worte ia deutscher Sprache: „In Abwesenheit ei.es Vertreters des 
Denischen Reiches und als der einzige in Antananarivo anwesende Konsul erfüllt 
der Comnissair der französischen Repubük eine traurige Pflicht indem er am 
Grabe Johann Maria Hildebrandt's das Wort ergreift. Wissenschaft kennt keine 
Grenz n Ein Zufall erlaubt es, dass in fernster Fremde, weit von der heimath- 



ichen Erde, die letzten Worte auf Hildebrandt's Grab, obgleich aus fremdem 
Munde, in Hildebrandt's Sprache fallen. Es ist mir nicht vergönnt, Hildebrandt's 
Verdienste um die europäische Wissenschaft weiter zu erörtern, noch zu würdigen. 
Hierzu fehlen Zeit und Dokumen'e. In der Heimath wird ihm das verdiente 
Lob gezollt werden. Acht Jahre in Ostafrika und seit ungefähr zwei Jahren in 
Madagaskar, durch Krankneit und Le'den nie entmu'higt, wirkte er unermüdlich 
für die Wissenscha t. Er war ein Vorkämpfer europäischer Kultur in fernsten 
Läcdern. Wie Living^tone und so vi-Ie Andere unter den Besten ereilte ihn 
das Leos der grossen Reisenden. Do h er ist zu früh gestorben. Ein Trost 
aber wurde ihm und den Seinigen gewährt. Treue Pflege linderte